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Jakobusbrief – Auslegung

Herbert Jantzen und Thomas Jettel (Dieser Beitrag ist aus den Nummern 117-124 von „Unterwegs notiert“)

Der Brief des Jakobus

Hilfen zur Bewährung in Glaubensprüfungen

Eine Auslegung 

von Herbert Jantzen und Thomas Jettel 

Dättlikon, Herbst 2020

Inhalt

EINLEITENDES

Die Einteilung des Briefes

TEXTBESPRECHUNG

DER GRUSS: 1,1

Der Grüssende: 1,1A

Die Gegrüssten: 1,1M

Das Grusswort: 1,1E

DER HAUPTTEIL: 1,2- 5,20

A. Konkrete Hilfen in allen Prüfungen und Versuchungen: 1,2-27

1. Die erste Hilfe: Es für Freude achten: 1,2-4

a. Die Aussage: 1,2

b. Der Grund: 1,3

c. Eine zusätzliche Aufforderung: 1,4

2. Eine zweite Hilfe: Um Weisheit bitten: 1,5-8

a. Die Aussage: 1,5

b. Die Bedingung: 1,6-8

3. Eine dritte Hilfe: Eine der Lebenssituation entsprechende Haltung (in Gelassenheit und Zufriedenheit) einnehmen. 1,9-12

a. Der Niedrige: An die Hoheit in Christus denken. 1,9

b. Der Reiche: An die Vergänglichkeit des Lebens denken. 1,10.11

c. Ein Zwischenruf: Seligkeit für den, der Ausdauer beweist: 1,12

4. Eine vierte Hilfe: Eine richtige Schau von Gott haben, ein rechtes Gottesverständnis. 1,13-18

a. Von Gott kommt nichts Böses. 1,13-15

I. Die Quelle der Versuchung liegt nicht in Gott. 1,13

II. Die Quelle der Versuchung liegt in uns. Vier Schritte. 1,14.15

Erster Schritt: Die Lust zieht und lockt. (Die Verlockung)

Zweiter Schritt: Die Lust wird schwanger. (Die Empfängnis)

Dritter Schritt: Sünde wird geboren.

Vierter Schritt: Tod wird hervorgebracht.

b. Von Gott kommt nur Gutes. 1,16-18

I. Eine Warnung: 1,16

II. Eine Erklärung: 1,17.18

Er ist ein Geber von Gutem. 1,17

Er verändert sich nicht. 1,17

Wir lernen hier vier Dinge.

Er hat die Seinen geboren. 1,18

5. Eine fünfte Hilfe: Die rechte Einstellung zu Gottes Wort haben: 1,19-27

a. Die rechte Einstellung zum Aufnehmen des Wortes: 1,19-21

Schnell hörbereit sein: 1,19.20

Vorher allen Schmutz und alle Schlechtigkeit ablegen: 1,21A

Das eingepflanzte Wort in Sanftmut aufnehmen: 1,21M

b. Die rechte Einstellung zum Tun des Wortes: 1,22-25

Sich nicht selbst betrügen: 1,22-24

Sich ins Wort vertiefen und dabei bleiben: 1,25

Ein negatives Beispiel: 1,26

Ein positives Beispiel: 1,27

B. Über die Frucht des Glaubens: 2,1-26

1. Wie die Frucht des Glaubens aussieht (bzw. aussehen soll): 2,1-13

a. Aufruf zur Liebe: Kein Ansehen der Person 2,1-7

b. Motivierung zur Liebe 2,2-11

Hinweis auf die Praxis: 2,2-4  (Ein negatives Bsp von Ansehen der Person)

Hinweis auf das Vorgehen Gottes: 2,5-6A (Ein positives Bsp. von Ansehen der Person)

Hinweis auf das Verhalten der Reichen (negativ): 2,6b.7

Hinweis auf das Gesetz (d. h.: auf Liebe und Barmherzigkeit) (positiv): 2,8-11

c. Aufruf zur Liebe im Blick auf das Gericht 2,12.13

2. Wie wichtig diese Frucht ist: Glaube ohne Taten ist tot. 2,14-26

a. Er ist nutzlos: 2,14-17

Glaube ohne Taten kann nicht retten. 2,14.15

Glaube ohne Taten ist dem Nächsten keine Hilfe. 2,16

Schlusssatz 2,17

b. Glaube ohne Taten kann nicht gesehen werden. Wahrer Glauben zeigt sich in Taten. 2,18-20

Erstes Beispiel: Jemand, der die Frucht hat 2,18

Zweites Beispiel: Die Dämonen 2,19

Schlusssatz 2,20

c. Man wird aus Taten gerechtfertigt, nicht aus Glauben allein. 2,21-26

Erstes Beispiel: Abraham 2,21-24

Zweites Beispiel: Rahab 2,25

Schlusssatz 2,26

C. Über das Reden: 3,1-18

1. Einführende Aufforderung: Werdet nicht viele Lehrer! 3,1-2A

a. Die Aufforderung: 3,1A

b. Begründung: 3,1M

c. Erklärung: 3,2A

2. Vom Mittel des Redens (o.: Vom Beherrschen der Zunge): 3,2M-12

a. Von der Wichtigkeit der Zunge: 3,2M-8

I: Die Zunge ist wichtig, weil sie trotz ihrer Kleinheit viel bewirken kann: 3,2M

Die Aussage: 3,2M

Erstes Bild: 3,3

Zweites Bild: 3,4

Die Erklärung: 3,5A

II: Die Zunge ist wichtig, weil sie trotz ihrer Kleinheit eine große Zerstörungskraft hat: 3,5M-8:

Die Größe ihrer Zerstörungskraft: 3,5M

Die Ursache ihrer Zerstörungskraft: 3,6M

Die Begründung, warum die Zunge so große Zerstörungskraft hat: ihre Unbändigkeit: 3,7-8

b. Von der Zwiespältigkeit der Zunge: 3,9-12

Die zwei Quellen: 3,9.10

Die Unnatürlichkeit dieser zwei Quellen: 3,11.12

3. Vom erwünschten Inhalt des Redens: Weisheit 3,13-18

a. Die Frage. 3,13A

b. Eine erste Aufforderung, eine positive: „Der Weise zeige aus einem edlen Verhalten seine Werke in Sanftmut der Weisheit.“ 3,13M

I: Ein Weiser hat ein edles Verhalten.

II: Das edle Verhalten wird gezeigt „in Sanftmut der Weisheit.“

III: Was ist eigentlich Weisheit?

c. Eine zweite Aufforderung, eine negative, handelt davon, wie weises Reden nicht aussehen sollte: 3,14.15

d. Jakobus gibt Hilfestellung mittels vier Erklärungen: 3,15-18

I: Eine erste Erklärung: Ein Reden, aus Eifer und in Streitsucht ist nicht göttliche Weisheit, sondern eine irdische, seelische oder gar dämonische. 3,15

II: Eine zweite Erklärung: Ein solches Reden bringt schlechte Früchte. 3,16

III: Eine dritte Erklärung: Weisheit von oben ist zuerst rein. 3,17

IV: Eine vierte Erklärung: Weisheit von oben bringt gute Früchte. 3,18

V: Exkurs: Wie erwirbt man sich Weisheit?

1: Der Mensch hat die Verantwortung, sie sich zu erwerben.

2: Weisheit bekommt man nur von Gott, denn er allein ist weise.

3: Weisheit beginnt damit, dass man Gott fürchtet.

4: Weisheit bekommt man durch Hören, Lernen und Bewahren.

5: Man darf nicht auf das eigene Denken vertrauen.

6: Man bekommt sie, wenn man seine Tage zählt, sich der Kürze des irdischen Lebens bewusst wird.

7: Weise ist, wer Gottes Wort bewahrt und tut.

8: Daher sollen wir uns mit der Weisheit in Person befassen, mit ihr Umgang pflegen.

D. Über das Begehren: 4,1-10

1. Das Problem mit dem unerfüllten Verlangen: 4,1-5

a.     Das Verlangen ist die Quelle von Streitigkeiten und anderen Problemen: 4,1A

b. Das Verlangen bleibt letztlich unerfüllt: 4,2.3

. weil es aus dem Fleisch kommt 4,2A

. weil es ohne Gebet geschieht: 4,2E

. weil es aus fleischlichen Beweggründen geschieht: 4,3

Exkurs: Über das Begehren (das Verlangen) des Menschen

c. Es ist Feindschaft gegen Gott. 4,4.5

. Gott und die Welt stehen sich einander gegenüber. 4,4

Die Schrift warnt nicht umsonst davor. 4,5A

. Gott hat ein eiferndes Begehren nach uns. 4,5M

2. Die Lösung für das Problem mit dem unerfüllten Verlangen: 4,6-10

a. Gott gibt Gnade: 4,5.6

b. Jakobus zeigt, wem Gott Gnade gibt (Ein siebenfacher Aufruf): 4,7-10

Denen, die sich Gott unterordnen: 4,7A

Gott gibt Gnade denen, die dem Teufel widerstehen: 4,7M

Gott gibt Gnade denen, die ins Gebet gehen: 4,8A

Denen, die mit ihren Sünden aufräumen: 4,8M

Denen, die ihre Herzen ihm weihen: 4,8E

Gott gibt Gnade denen, die wirklich bereuen, umkehren: 4,9

Denen, die sich vor Gott demütigen: 4,10A

E. Hilfen für den praktischen Lebenswandel (Die zehn Worte des Jakobus): 4,11- 5,20

1. An die Brüder: Nicht den anderen richten (gering schätzen): 4,11.12

2. Sich nicht selbst überschätzen (Das Bsp. des Planens für die Zukunft): 4,13-17

3. Weheruf über solche, die für sich selbst leben: 5,1-6

a. Ankündigung dieses Gerichts: 5,1-3

Zusammenfassung: 5,1

Das Gericht im Einzelnen: 5,2-3A

.  Über ihre Besitzungen: 5,2A

.  Über ihre Kleider: 5,2A

.  Über ihr Geld: 5,3A

.  Über ihre Leiber: 5,3M

b. Begründung dieses Gerichts: 5,3E-6

Aufhäufung von Schätzen: 5,3E

Ausbeutung anderer: 5,4

Führen eines üppigen und verschwenderischen Lebens: 5,5

Unrechtmäßige Behandlung (Verurteilung) und Benachteiligung von Gerechten: 5,6

4. An die Brüder: Aufruf zu Langmut: 5,7.8

a. Die Aufforderung (Seid langmütig bis zur Ankunft des Herrn): 5,7A

b. Ein motivierendes Beispiel: Der wartende Bauer: 5,7M

c. Eine zweite Aufforderung: (Seid langmütig und festigt eure Herzen): 5,8A

5. Ein Wort über das Seufzen gegen andere: 5,9-11

a. Aufforderung: 5,9A

b. Eine motivierende Warnung: Die Nähe der Ankunft des Richters: 5,9E

c. Ermutigende Beispiele des ausdauernden Erduldens: 5,10.11

Ein erstes Beispiel: Die Propheten: 5,10

Ein zweites: Alle, die ausharrten: 5,11A

Ein drittes: Hiob: 5,11M

6. Ein Wort über das Schwören: 5,12

7. Ein Wort für die, die Übles erleiden: 5,13A

8. Ein Wort für die in gehobener Stimmung: 5.13M

9. Ein Wort für Kranke: 5,14-16

a. Rufen, salben, beten: 5,14

b. Verheißung für den bußfertigen Kranken: 5,15

c. Ermutigung durch einen Hinweis auf die Wirksamkeit des Gebets: 5,16

d. Bekennen und füreinander beten (Die Kraft des Flehens eines Gerechten): 5,16

e. Ermutigung: Die Wirksamkeit des Betens: 5,16-18

Hinweis auf die Wirksamkeit des Flehens eines Gerechten: 5,16

Das Beispiel des Elia: 5,17.18

10. Ein Wort bezüglich Irregeleiteter: 5,19.20

EINLEITENDES

Jakobus schreibt an Menschen, die im Glauben an Jesus Christus stehen. Dieser Glaube wird häufig geprüft, einmal durch Versuchung, einmal durch Leiden.

    Es geht um schwere Prüfungen, und es geht um moralische Gefahren: Die Liebe kann erkalten. Glaube und Liebe gehören zusammen. Der Glaube ohne die Frucht der Liebe ist tot, ist ein leeres Glaubensbekenntnis. Die Zunge kann schneller werden als die Tat. Hinter der Zunge steht ein Begehren. Materieller Reichtum kann eine Gefahr, ebenso das Reden gegeneinander, das Seufzen über einander, das Schwören u. a. 

    Und es geht Jk um die Echtheit des Glaubens, um ganze Hingabe, um Ausharren.

    Mit diesem Brief will Jakobus seinen Lesern helfen, sich in ihren Prüfungen zu bewähren. Das Thema und die Grundlage für die Lehre des ganzen Briefes: Wie verhalte ich mich in Prüfungen und Versuchungen? Jakobus gibt Hilfen zur Bewährung in Glaubensprüfungen.

    Der Glaube der Leser soll sich in der Prüfung bewähren. Er soll sich als echt erweisen, er soll durch die Frucht als echter Glaube zu erkennen sein. Der Glaubende soll seinem Herrn die Treue bewahren bis ans Ende.

    Mit dem Brief will Jakobus seinen Lesern helfen, sich in Prüfungen zu bewähren. 

Die Einteilung des Briefes

Der Brief ist nicht leicht zu gliedern. Man hat schon gemeint, er sei ohne Plan, einfach eine Reihe ernster Kurzpredigten. Doch er hat einen Plan, und dieser ist beachtenswert:

    Das erste Kapitel unterscheidet sich von den anderen: Hier gibt Jakobus Hilfen für alle Prüfungen. Die anderen Kapitel sprechen die wichtigsten Schwachstellen an, Gebiete, in denen Christen gefährdet sind. 

    K. 2 behandelt die Hauptsache im Christenleben: Vom Glauben und seiner Frucht, der Liebe. Der Glaube wird geprüft, ob er echt ist. Das zeigt sich an der Frucht, der Liebe. Die Liebe ist neben der Wahrheit die Hauptsache im Christenleben. Der Glaube an die Wahrheit führt zur Liebe, und die Liebe führt zu größerem Vertrauen (Glauben). 

    Jh 14,21: „Der, der meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Und der, der mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden. Und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen.“

    In K. 3 geht es das Hauptproblem des Christen und aller Menschen. Die Zunge wird geprüft. 

    In Jk 4,1-10 geht Jakobus etwas tiefer. Das, was hinter der Zunge steht, wird geprüft. Jk leuchtet ins Herz, er spricht über das Begehren.

    In Jk 4,11- 5,20 wird er konkret. Er gibt, wie der Herr Jesus Christus in der Bergpredigt, „zehn Worte“, zehn konkrete und hilfreiche Gebote: Die Themen: das Reden gegen Geschwister, das Sich-Überschätzen, das Aufhäufen von Reichtümern, das Ausharren, das Seufzen gegeneinander, das Schwören, Leiden, Singen, Kranksein, die Zurechtbringung Gefallener.

Eine Gliederung 

Der Brief hat einen Eingangsgruß (1,1) und einen Hauptteil (1,2– 5,20). Letzterer gliedert sich in fünf Abschnitte:

A. Konkrete Hilfen in allerlei Versuchungen und Prüfungen: 1,2-27

1. Erste Hilfe: Es für Freude achten: 1,2-4

2. Zweite Hilfe: Um Weisheit bitten: 1,5-8

3. Dritte Hilfe: Eine der Lebenssituation entsprechende Haltung der Zufriedenheit und Gelassenheit einnehmen: 1,9-12 (V. 12 ist ein Zwischenruf: Selig, wer Ausdauer beweist.)

4. Eine vierte Hilfe: Eine rechtes Gottesverständnis haben: 1,13-18

5. Eine fünfte Hilfe: Eine richtige Einstellung zu Gottes Wort haben: 1,19-27

B. Über den Glauben und seine Frucht: 2,1-26

1. Wie diese Frucht aussieht: 2,1-13

2. Wie wichtig diese Frucht ist: Glaube ohne Taten ist tot. 2,14-26

C. Über das Reden: 3,1-18

1. Einführende Aufforderung: 3,1.2a

2. Das Mittel des Redens: Die Zunge: 3,2b-12

3. Der Inhalt des Redens: Die Weisheit: 3,13-18

D. Über das Begehren (Verlangen): 4,1-10

1. Das Problem mit dem unerfüllten Verlangen: 4,1-5

2. Die Lösung für das Problem mit dem unerfüllten Verlangen: 4,6-10

E. Konkrete Hilfen (Die „zehn Worte“ des Jakobus): 4,11- 5,20

1. Brüder: Nicht den anderen richten und gering schätzen: 4,11.12

2. Sich nicht selbst überschätzen (Das Beispiel des Planens für die Zukunft): 4,13-17

3. Weheruf über die, die für sich selbst leben: 5,1-6

4. Brüder: Aufruf zu Langmut: 5,7.8

5. Brüder: Nicht gegeneinander seufzen: 5,9-11

6. Brüder: Nicht schwören: 5,12

7. Ein Wort für solche, die übles erleiden müssen: 5,13A

8. Ein Wort für solche, die in gehobener Stimmung sind: 5.13M

9. Ein Wort für solche, die krank sind: 5,14-18

10. Ein Wort, über den, der untreu wurde, und über den, der ihm zurechthilft: 5,19.20

TEXTBESPRECHUNG

DER GRUSS: 1,1

Der Grüssende: 1,1A

V.1: „Jakobus“

Er war so bekannt, dass der Name „Jakobus“ genügte, um ihn zu identifizieren. Vgl. Apg 12,17.

    Er war ein Halbbruder Jesu Christi, der älteste unter den Brüdern, Mt 13,55: „Wird nicht seine Mutter Maria genannt, und [heißen nicht] seine Brüder Jakobus und Joses (Joseph) und Simon und Judas?” 

„…, leibeigener Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“

Er nennt sich einen Knecht – nicht zur Identifikation, sondern um sich auf derselben Stufe neben die Mitbrüder und Mitknechte Christi zu stellen.

    Er sagt nicht: „Jakobus, der Herrenbruder“. Jesus Christus ist sein Herr, Jakobus ist sein Leibeigener.“ 

    Jk vermischt nicht Fleisch und Geist. Das, was dem Wort des Jk Autorität verleiht, ist nicht seine Verwandtschaft zu Jesus, sondern dass er ein treuer Leibeigener Christi ist. 

    Er kam wohl kurz nach der Auferstehung Christi zum Glauben (1Kr 15,7; vgl. Jh 7,5). In der Apg 1,14 finden wir die Brüder Jesu im Kreis der Gläubigen; also kamen auch seine Brüder zum Glauben. Judas schrieb den Judasbrief. Auch er hatte große Autorität. Alle neutestamentlichen Briefe wurden von den Aposteln (Mt, Jh, Petrus, Paulus) geschrieben bzw. von ihren eng verbundenen Mitarbeitern, die in ihrem Auftrag schrieben (Mk im Auftrag des Petrus; Lk in Verbindung mit Paulus) und von den Halbbrüdern Jesu. Jakobus galt auch als Apostel (Gal 1,19).   

    Nach der Steinigung des Stephanus (Apg 7) blieben die Apostel und der Herrenbruder Jakobus in Jerusalem. (Der andere Jakobus, der Bruder des Johannes, wurde ca. im Jahr 44 n. Chr. in Jerusalem von Herodes Antipas getötet; Apg 12,2). Der Herrenbruder wurde zusammen mit Johannes und Petrus zur „Säule“ der Gemeinde in Jerusalem (Gal 2,9; vgl. Apg 12,17; 15,13–21; 21,18).

    Ihr Dienst waren vor allem die Judenchristen und die Menschen in Jerusalem allgemein. Jk wich nicht von Jerusalem, bis die Juden ihn töteten. Jakobus ist laut Josephus Flavius kurz vor dem Amtsantritt des Albinus, d. h. im Jahr 62 n. Chr., umgebracht worden (Jos., Jüd. Altertümer 20,197–203). Hegesippus (23,1ff) schreibt: 

„Die Juden … wandten sie sich gegen Jakobus, den Bruder des Herrn, dem von den Aposteln der Bischofsthron in Jerusalem anvertraut worden war. Folgendermaßen wurden von ihnen die gegen diesen gerichteten Dinge verübt: 2 Sie führten ihn in die Mitte und forderten die Verleugnung des Glaubens an den Christus vor allem Volk. Er aber sprach entgegen der Erwartung aller mit freier Stimme und nachdrücklicher, als sie erwartet hatten, vor der ganzen Menge in aller Offenheit und bekannte, dass unser Retter und Herr Jesus der Sohn Gottes sei. Da vermochten sie das Zeugnis des Mannes nicht mehr zu ertragen, zumal er wegen der Höhe, die er in seinem von Philosophie und Frömmigkeit geprägten Leben erreicht hatte, bei allen als der Gerechteste angesehen wurde, und töteten ihn. Dabei nahmen sie die Herrschaftslosigkeit als Gelegenheit für ihr eigenmächtiges Handeln; denn da Festus zu jener Zeit in Judäa gestorben war, lagen die die dortige Verwaltung betreffenden Dinge herrschaftslos und aufsichtslos danieder.“

Über sein vorbildhaftes Leben schreibt Hegesippus (23,4ff): „Die Kirche übernahm – gemeinschaftlich mit den Aposteln – der Bruder des Herrn, Jakobus, der von allen »gerecht« genannt wurde von den Zeiten des Herrn an bis noch in unsere Zeiten; denn viele hießen Jakobus. 

23,5. Dieser war vom Mutterleib an heilig. Wein und Rauschgetränke trank er nicht, und Beseeltes [d. i.: Fleisch] aß er nicht. Ein Schermesser kam nicht auf seinen Kopf. Mit Öl salbte er sich nicht, und eine Badeanstalt benutzte er nicht. 6. Diesem allein war es erlaubt, in das Heiligtum hineinzugehen; denn er trug auch kein Wollgewand, sondern Leinenkleider. Und allein pflegte er in den Tempel hineinzugehen, und man fand ihn auf den Knien liegend und Vergebung erbittend für das Volk, sodass seine Knie hart wurden wie die eines Kamels, da er sich ständig beugte, auf den Knien Gott anbetend, und für das Volk Vergebung erbat. 7. Wegen des Übermaßes seiner Gerechtigkeit wurde er »der Gerechte« genannt und »Oblias«, was auf Griechisch »Schutzwand des Volkes« heißt ….“

    Den Jakobusbrief schrieb Jk wohl knapp vor seinem Tod. (Vgl. Jk 5,3.8.9.) 

Die Gegrüssten: 1,1M

„Den zwölf Stämmen in der Zerstreuung“:

Das bezieht sich wohl auf alle Judenchristen, die in den verschiedenen Orten in (und vielleicht auch außerhalb von) Palästina zerstreut waren. Der Brief ist nicht an alle Juden überhaupt gerichtet, sondern nur an die Judenchristen, besonders an die in Judäa und Umgebung (Vgl. das Wort „zerstreut“ in Apg 8,2.4; 11,19). 

    Die Empfänger sind also wahre Israeliten in Palästina, der treue christusgläubige Kern des Volkes. Der untreue Teil wird bald gerichtet werden. Der Richter „steht vor der Tür“ (5,9). Das Gericht sollte über Israel vor allem in den Jahren 66-70 n. Chr. ergehen.

Das Grusswort: 1,1E

„Freut euch!“

Das Wort „sich freuen“ (chairein) kommt von „Gnade“ (charis). Nur wahre Christen können sich wirklich freuen. 

Von der Freude spricht er dann in V. 2.

DER HAUPTTEIL: 1,2- 5,20

A. Konkrete Hilfen in allen Prüfungen und Versuchungen: 1,2-27

1. Die erste Hilfe: Es für Freude achten: 1,2-4

2. Eine zweite Hilfe: Um Weisheit bitten: 1,5-8

3. Eine dritte Hilfe: Eine der Lebenssituation entsprechende Haltung einnehmen (zufrieden, gelassen): 1,9-12

(V. 12 ist ein Zwischenruf: Selig, wer Ausdauer beweist.)

4. Eine vierte Hilfe: Eine rechtes Gottesverständnis haben: 1,13-18

5. Eine fünfte Hilfe: Eine richtige Einstellung zu Gottes Wort haben: 1,19-27

1. Die erste Hilfe: Es für Freude achten: 1,2-4

Was ist die erste Hilfe in einer Prüfung? Was sollen wir vor allem tun, wenn wir geprüft werden bzw. wenn Probleme auftauchen? – Etwas, woran wir nicht im Entferntesten denken: Uns freuen! Danken – in allem! 

a. Die Aussage: 1,2

V. 2: „Als lauter Freude achtet es, meine Brüder,“

Prüfungen sollen wir als Freude achten.

    „Als lauter Freude“: Gänzlich Freude, nur Freude. Mancher denkt, Gott meine es nicht gut mit ihm. Aber das ist eine Lüge. Gottes Absicht mit der Prüfung ist nur Gutes! Das haben wir in unserem Leben zu erkennen! 

    Alles macht Sinn. 

    Alles ist Führung. 

    In jeder Schwierigkeit können wir wissen: dieses dient zum Guten. 

    Gott erwartet nicht, dass wir nicht weinen. Aber er erwartet, dass wir da nicht stehenbleiben, sondern die Augen zu ihm erheben und uns von diesem Aufblicken zu ihm her freuen

„wenn ihr in mancherlei Prüfungen geratet.“

    „mancherlei“: Prüfungen sind „vielfarbig“ (so kann das griech. Wort für „mancherlei“ auch übersetzt werden); sie kommen aus unerwarteten Richtungen, zu unerwarteten Zeiten und manchmal mehrere gleichzeitig. 

    „geratet“: Das Wort bedeutet im Griech.: herumfallt; nicht: „hineinfallt“. In Versuchung fällt man nicht „hinein“. Man gerät in sie und wird umstrickt. 

    Jede Prüfung ist für uns eine Überraschung, auch die Richtung, aus der sie kommt, ist oft eine Überraschung. Deshalb seien wir immer wieder im Gebet! Dann sind wir vorbereitet. 

    Jesus war in Gethsemane im Gebet, und so war er vorbereitet auf die größte Schlacht der Weltgeschichte, die Schlacht der Wahrheit gegen die Lüge. Die Jünger schliefen, als sie hätten beten sollen, – und dann handelten sie verkehrt. Petrus weiß es aus eigener Erfahrung; darum schreibt er in 2Pe 1,13 und 3,1, die Christen sollten hellwach sein.

„Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung hineingeratet.“ Mt 26,41. Gemeint ist: „…, damit ihr nicht unvorbereitet in eine Versuchung geratet und sie euch so zum Fallstrick wird. 

b. Der Grund: 1,3

V. 3Nehmt dabei zur Kenntnis, dass die Erprobung eures Glaubens Ausdauer bewirkt.“

    Wir meinen oft, die Prüfung sei etwas, dem wir aus dem Wege gehen sollten. Wir meinen, es gäbe nur dann Grund zur Freude, wenn keine Prüfung da sei. Jk zeigt aber: Die Prüfung ist wichtig und nötig – und gut. 

Warum gut? – weil sie etwas Gutes bewirkt, einen Gewinn, 

. vorausgesetzt, man lernt die Lektion, die Gott einem durch die Prüfung beibringen will, und läuft Gott nicht aus der Schule;

. und vorausgesetzt, man geht die Sache richtig an, d. h. im Vertrauen auf Gott und in Abhängigkeit von ihm – gänzlich ohne Bitterkeit. 

Was für einen Gewinn bringt die Prüfung?

. Sie bewirkt Ausdauer, Standhaftigkeit; und zwar nicht automatisch, sondern dann, wenn ich im Glauben stehe. V. 3E; Mt 24,13. 

. Sie treibt ins Beten. V. 5. 

. Sie festigt das Vertrauen auf Gott. V. 3. (Nach der Verleugnung war des Petrus‘ Glaube stärker als vorher. Joh 21.)

    Die Prüfung ist eine Erprobung des Vertrauens. Es wird nicht erprobt, ob ich gläubig bin oder nicht; sondern es wird erprobt, ob ich mein Vertrauen  einsetze – oder ob ich Gott aus der Schule laufe. 

    „Herr, ich glaube. Hilf meinem Unglauben.“ sagte jemand. D. h., stärke mein Vertrauen. Ich will dir ja gänzlich vertrauen. Hilf mir, dass ich nicht auf die Umstände schaue, sondern nur auf dich. Hilf mir, dass ich lerne, dein Wort im Auge zu behalten und darauf zu bauen. 

    Rm 8,37: „In diesem allem überwinden wir weit …“.

    Warum? Wie? – „durch den, der uns liebte!“ d. h., dadurch, dass wir uns auf den stützen, der für uns ans Kreuz ging und auferstand!  

    Rm 8,39: „Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen“ – Warum? – Weil wir durch den Glauben mit Jesus Christus verbunden sind. 

    Spr 18,10: „Der Name des Herrn ist ein starker Turm; der Gerechte läuft da hinein und ist in Sicherheit.” Der Turm ist stark und sicher. Was muss ich tun? 

    1P 1,3-5: „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn, Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergebar zu einer Hoffnung, einer lebenden, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das in den Himmeln aufgehoben ist für uns, die wir in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werden zum Heil“

    Wie werden wir bewahrt? – „in der Kraft Gottes“. 

    Wodurch werden wir in Gottes Kraft bewahrt?: „durch Glauben“. 

    Das Eine tut Gott (und das ist das Entscheidende): er liefert die Kraft. Das Andere tun wir: glauben. Die Kraft ist der PKW-Motor, der Glaube ist das Gaspedal.  

Zurück zu Jk 1,3: 

V. 3Nehmt dabei zur Kenntnis, dass die Erprobung eures Glaubens Ausdauer bewirkt.“

Die Erprobung unseres Glaubens bewirkt Ausdauer; nicht die Erprobung (Prüfung) allein, sondern die Prüfung in Verbindung mit Glauben. Dann nämlich hat die Erprobung einen positiven Ausgang; dann ist das Ergebnis Ausdauer, Standhaftigkeit, Bewährung. 

Rm 5,3.4„… auch in den Bedrängnissen rühmen wir uns, da wir wissen: Bedrängnis bewirkt Ausdauer“. 

(Die Bedrängnis ist dazu dienlich, dass Ausdauer entsteht. Glaube wird vorausgesetzt. Viele Texte enthalten eine stille Voraussetzung. Sowohl in Rm 5 als auch in Jk 1 wird das rechte Verhalten in der Erprobung vorausgesetzt. Und das rechte Verhalten ist Glauben.

Gott lässt Prüfungen in unserem Leben zu, damit unser Glaube gestärkt wird und offenbar wird. Wenn wir in der Prüfung nicht aufgeben, nicht bitter werden, sondern weiterhin vertrauen, werden wir stark, bewährt. 

    Durch die Erprobung werden wir auf Gott geworfen. Uns wird klar: jetzt kommt es einzig und allein darauf an, dass wir Gottes Wort vertrauen, im Vertrauen zu ihm beten, uns nur an ihn hängen, von ihm alles erwarten, ihm nicht aus der Schule laufen. 

    Wenn ich in einer Sache nicht vertraut habe, dann bin ich in dieser Sache Gott aus der Schule gelaufen. Dann bin ich in der Prüfung durchgefallen. (Dann kommt die Wiederholungsprüfung, die nächste Lektion.) 

Wenn wir versagen, ist das noch nicht das Ende. Petrus hat versagt. Was tat dann der Herr (Jh 21)? Liebst du mich? – Der Auferstandene stellte ihn wieder her und setzte ihn in einen noch wichtigeren Dienst ein als vorher. Petrus wurde vom Menschenfischer zum Hirten. Das Versagen hatte bewirkt, dass Petrus ein demütiger Diener wurde, der nicht mehr auf sich selbst vertraute, sondern auf dem Herrn allein. Ab nun konnte der Herr ihn gut gebrauchen.

c. Eine zusätzliche Aufforderung: 1,4

V. 4 aber die Ausdauer soll ein vollkommenes Werk haben“ [o.: „und lasst die Ausdauer ein vollkommenes Werk haben“], damit ihr vollkommen und ‹in jedem Teilbereich› ganz seid“

    Ohne dieses vollkommene Werk gelten wir als unfertige, verstümmelte Menschen, denen vieles fehlt. 

    „ein vollkommenes Werk“: Lass die Ausdauer ein Werk haben! Im Grunde ist es der Herr, der das Werk tut. 

Jk sagt: Lasst den Herrn – in eurer Ausdauer – ein Werk tun. 

    Das Ziel aller Prüfungen ist, dass wir so werden wie Jesus Christus. Gott will, dass wir dem moralischen Charakter unseres Herrn gleichgestaltet werden. Alle unsere Umstände, worin immer wir uns befinden, dienen dazu, ihm ähnlich gemacht zu werden. Der Sinn meines Lebens ist, dass ich (charakterlich, ethisch) Gott ähnlich gemacht werde.  

    Wie wird ein vollkommener, ganzer Mensch aus mir? – durch Glauben kommt Ausdauer; und durch die Ausdauer in den Erprobungen geschieht das vollkommene Werk, 

    Oft sind wir sind zu hastig und voller Beschäftigung („vielgeschäftig“). Aber die Vielgeschäftigkeit bringt uns nicht weiter, macht uns lediglich zu Leistungsmenschen, nicht zu solchen Menschen, die „an nichts Mangel haben“. 

    Verstehe dich nicht als die Summe deiner Leistungen, denn Leistungsdenken beeindruckt Gott nicht, und kann Depression und Burnouthervorbringen. 

„und in nichts Mangel habt.“ In der Prüfung meine ich oft, mir fehle etwas. Aber Gott zeigt mir: Dir fehlt nichts, wenn du zu mir kommst und alles von mir in Empfang nimmst. 

    Von zu Hause aus fehlt uns alles. Jh 15,5: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ 

    In Christus aber haben wir alles. Php 4,13: „Ich bin stark für alles durch den, der mich innerlich kräftigt: Christus!“ 

    2P 1,3: „…, wie seine göttliche Kraft uns alles das gegeben hat, was zum Leben und zur rechten Ehrfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns rief durch [seine] Herrlichkeit und [seine] Tugend (o.: sein lobenswertes Wesen)”

    Der Herr Jesus will sein lebenswertes Wesen durch uns zur Auswirkung bringen. Dazu benutzt er die Prüfung. Darum dürfen wir lernen, alles aus seiner Hand zu nehmen und gelassen an seiner Brust zu ruhen. 

Mangel“: Welchen Mangel? Zum Beispiel:  

. Weniger Geld, weil ich ehrlich bin. 

. Weniger Erfüllung, weil ich nicht nach der Fleischeslust lebe. 

. Ich verzichte auf etwas, das irdisch gesehen wertvoll zu sein scheint, zugunsten etwas Besserem. Ich verzichte, damit mir anstelle davon höhere und ewige Werte gegeben werden. 

    Wie werde ich zu einem solchen Menschen, der an nichts Mangel hat? 

    Durch Prüfungen. Die Prüfungen dienen dazu, dass wir an den Punkt kommen, wo wir sagen können: „Mir mangelt nichts!“ (Ps 23,2).

    Wir dürfen heute lernen, zu verzichten, damit in geistlicher Hinsicht uns nichts mehr fehlt. Ich darf bereit sein, alles dranzugeben – im Vertrauen auf ihn. Ich darf lernen leidensbereit zu sein. 

    Wenn ich nicht leiden will und mich nicht selbst verleugnen will, kann ich nicht zu einem Menschen werden, der an nichts Mangel hat.

2. Eine zweite Hilfe: Um Weisheit bitten: 1,5-8

 „Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, erbitte er sie von Gott, der allen mit Einfalt gibt und nicht Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle dabei in keiner Weise, denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und hin und her geblasen wird, denn ein solcher Mensch meine nicht, dass er etwas vom Herrn empfangen werde. Ein Mann mit geteiltem Herzen ist unbeständig in allen seinen Wegen.“

a. Die Aussage: 1,5

V.5“: „Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt“

    Prüfungen können uns stark durcheinanderbringen, können uns ziellos machen, in Denkschwierigkeiten bringen. Es kann sein, dass wir aus dem Auge verlieren, was wir im Auge behalten sollten. In Prüfungen ist daher Weisheit notwendig.

    Was ist Weisheit? – Weisheit ist zuerst einmal Information. Aber sie ist mehr. Weisheit hat zu tun mit Fakten – hier: Fakten über Gott und seine Wege. 

Weisheit ist

. eine besondere Kenntnis über das Ziel

. und eine besondere Kenntnis über den besten Weg zu diesem Ziel. 

    Weisheit ist: Wie ich auf bestem Wege zu dem Ziel komme. 

In der Bibel ist die Weisheit ein Wissen um das höchste Ziel und um den besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Anfang der Weisheit ist Gottesfurcht (Spr 1,7). 

    In der Prüfung sollen wir fragen: 

. „Herr, was ist das richtige Ziel in dieser Angelegenheit?“ Dieses Ziel beizubehalten ist z. B. auch wichtig in heiklen Gesprächen. Das Ziel ist immer Wahrheit und Liebe. Es geht darum, dem Herrn in allem wohlgefällig zu sein. Wir dürfen uns also nicht aus der Ruhe im Herrn bringen lassen. 

    Es ist dabei wichtig, dass ich mir klar werde, was ich will und wo meine Interessen sind. Ist mein Interesse „Ego“ und meine Welt? Oder ist mein Interesse wirklich nur Gott und seine Welt? Will ich es leichter haben für meinen Leib? Oder will ich den Segen Gottes? 

    Das ist es, was Gott geklärt haben will: Was willst du eigentlich? 

    Die Erfüllung unserer leiblicher Bedürfnisse kann auch im Willen Gottes sein (z. B. Schlafen, Essen, Ruhe – um dann wieder fit zu sein, Gott zu dienen.) Aber manchmal muss man verzichten. 

    Ich muss bereit werden, alles Irdische aufzugeben. Nachdem ich (juristisch betrachtet) mit Christus gestorben bin, gekreuzigt bin, trage ich (praktisch betrachtet) als Nachfolger Christi mein eigenes Kreuz zur eigenen Hinrichtungsstätte. Das heißt, ich verzichte darauf, mein Leben für mich selber zu leben. Ich bin bereit zu sterben – nicht nur heute, sondern täglich. Stück für Stück darf ich mein Leben abgeben. 

    2Kr 4,7-10: „Aber wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die Übertrefflichkeit der Kraft sei Gottes und nicht aus uns –  in allem, als Bedrängte, jedoch nicht in Beengung erdrückt, als Ratlose, jedoch nicht verzweifelt, als Verfolgte, jedoch nicht verlassen, als Niedergeworfene, jedoch nicht umkommend, allezeit das Sterben des Herrn Jesu im Leibe umhertragend, damit auch das Leben Jesu in unserem Leibe geoffenbart werde.“ 

    Von Natur aus bin ich mit dieser Welt verwachsen; ich sauge an der Brust dieser Welt. Nun darf ich entwöhnt werden. 

    Lk 14,33. „So also kann keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein.“

    Php 3:7-10: „Das jedoch, was auch immer mir Gewinn war, dieses habe ich Christi wegen für Verlust ‹und Schaden› geachtet; ja, und mehr: Ich bin dabei, alles für Verlust ‹und Schaden› zu achten wegen des übertreffenden Vorzuges, Christus Jesus zu kennen, meinen Herrn, dessentwegen ich alles verlor, und ich achte es dafür, Unrat zu sein, damit ich Christus gewinne  und in ihm erfunden werde, ‹in welchem Falle› ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz wäre, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens, – um ihn zu kennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, ‹in denen› ich seinem Tode gleichförmig gemacht werde, …”

    Wenn ich Christus gewinnen will, muss ich alles drangeben, d. h., grundsätzlich bereit werden, alles dranzugeben, alles Stück für Stück abzugeben, – auch meine Freunde, Verwandten, meine Familie, mein eigenes Leben. Tue ich das nicht, so 

wird dann, wenn Gott etwas wegnimmt (z. Bsp. meinen Ehepartner oder meine Kinder), mich das irremachen. 

    Lk 14,26: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht hasst (i. S. v.: zurückstellt) seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und dazu auch seine eigene Seele (sein eigenen Leben), kann er nicht mein Jünger sein;”

Zurück zu Jk 1,5: 

    Wenn uns Weisheit mangelt, weil wir so irdisch klug sind, müssen wir das drangeben und wie Bettler zu ihm kommen. 

Ich brauche auch nicht ständig von meinem Leiden zu reden. Auch das darf ich aufgeben. 

Was lernen wir in Jk 1,5-8? – Sechs Sätze zur Weisheit:

 (1)  Weisheit darf uns auch mal fehlen

    Das darf es schon mal geben, dass mir Weisheit fehlt. „Herr, ich weiß nicht weiter.“ 

    Jk nimmt es nicht für selbstverständlich, dass man Weisheit hat. Er weiß, dass wir nicht immer weise sind. Und Gott weiß es auch. Wir dürfen darin getrost sein. Wir müssen nicht ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir mal nicht weise sind. Das muss nicht Sünde sein, sondern es ist einfach „Mangel“. 

(2Weisheit kommt von Gott.

    Der Herr zeigt uns, dass wir auf ihn angewiesen sind. Wir sollen zugeben, dass wir nicht sehr weise sind (vor allem, wenn es um Prüfungen und Anfechtungen geht). Wir brauchen Rat; manchmal brauchen wir ihn schnell. Jk sagt uns, wo diese Weisheit ist, die wir brauchen.

    Das Mittel, wodurch wir weise werden, ist Christus

    Kol 2,3: „In ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Kenntnis.“

    1Kr 1,30: „Aber aus ihm ist es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns Weisheit wurde von Gott,  

    Er als Person ist das Ziel und auch der Weg. Jh 14,5-9:  „Thomas sagt zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und wie können wir den Weg wissen?  Jesus sagt zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. …  8 Philippus sagt zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.  9 Jesus sagt zu ihm: Für so lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“. 

    Wir sind nicht auf unsere Klugheit angewiesen. Christus wohnt mit dem Heiligen Geist in mir und in dir. Christus und der Heilige Geist vermitteln uns – meist unbewusst – Gottes Gedanken, indem wir ihn in der Heiligen Schrift kennengelernt haben. Gott lässt dann sein Denken durch mein Denken durchschimmern. Ich lerne zu denken wie Gott denkt. 

     1Jh 5,20: „Aber wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Denken ‹und Verständnis› gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen kennen (o.: kennenlernen); und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn, Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.“

    Denke ich losgelöst von Gott – fleischlich? Oder denke ich wie Gott? 

 (3) Bei Bedarf soll man um die Weisheit bitten

„… erbitte er sie von Gott,“

    Wir haben nicht Weisheit – vor allem nicht in unseren Prüfungen. Die Prüfungen sind zu groß für uns. Nur Gott kann uns darin den Weg zeigen. Wir alle sind auf Führung angewiesen. 

    „von Gott“: Man bittet Gott um sie, aber der Herr Jesus gibt sie. D. h., die Weisheit kommt zu uns über Jesus Christus. Gott wirkt in unserem Leben durch Jesus Christus. 

(4) Gott gibt einem jeden mit Einfalt.

der allen mit Einfalt gibt

    „gibt“: im Griech: „beständig (o.: fortwährend; immer wieder) gibt“

    „mit Einfalt“: vorbehaltlos; aufrichtig; gern; reichlich (Rm 12,8). 

    Gott gibt nicht nur „reichlich“, sondern ohne Hintergedanken, nicht argwöhnisch. Das heißt, er lässt sich nicht allerlei Einwände einfallen, die ihn daran hindern könnten, uns zu geben. Gott gibt genug, auch wenn er weiß, dass wir die Gebetserhörungen manchmal missbrauchen. An dieser Stelle ist Gott nicht übervorsichtig. Nein. Liebe schenkt! Gott kennt uns und liebt uns – und möchte uns mit seinen Geschenken überhäufen. 

(5) Er macht nicht Vorwürfe.

und nicht Vorwürfe macht

. Gott hält uns nicht vor: „Du bist töricht. Du bist so sehr unwissend!“ Er weiß, dass wir Staub und Asche sind. Und wir dürfen uns vor ihn niederwerfen und ihm sagen: „Herr ich weiß nicht weiter.“ 

    Hier ist der Ort, wo ich vollkommen angenommen werde. Gott macht keine Vorwürfe. Ich darf kommen wie ich bin. 

 (6) Dass er die Weisheit dann gibt, steht außer Zweifel

und sie wird ihm gegeben werden

Gott ist ein gebender Gott. Er gibt und gibt. Und er gibt gerne.

b. Die Bedingung: 1,6-8

V. 6: „Er bitte aber im Glauben und zweifle dabei in keiner Weise, denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und ‹hin und her› geblasen wird, 7 denn ein solcher Mensch meine nicht, dass er etwas vom Herrn empfangen werde. Ein Mann mit geteiltem Herzen [ist] unbeständig in allen seinen Wegen.“ 

 „Er bitte aber im Glauben …“

    Die Bitte um Weisheit soll im Vertrauen geschehen, d. h., wir sollen ihm zutrauen, dass er tut, was er sagt. 

    Wir dürfen vertrauen, 

. weil seine Person vertrauenswürdig ist (er ist ein Gott der Güte, ein Gott der Gnade) und 

. weil er uns sein Wort (seine Verheißung) gegeben hat. 

    Wir „vertrauen“ darauf, dass er das, was wir ihn bitten, geben wird. Allerdings können wir nur dann vertrauen, wenn wir eine Grundlage dafür haben. Und eine Grundlage des Glaubens ist die Verheißung Gottes. Ich kann also erst glauben, wenn ich weiß, dass er geben wird. Habe ich keine Fakten habe, habe ich keinen Grund zu glauben. Manchmal wissen wir nicht, ob der Herr geben wird, worum wir bitten. Wir wissen zwar, dass seine Person vertrauenswürdig und gut ist, wissen aber nicht, wie er in seiner Weisheit in einem bestimmten Fall handeln wird. Es wäre unweise zu glauben, dass Gott etwas geben wird, wenn man nicht weiß, ob er es geben wird.  

    Haben wir allgemeine immer gültige Verheißungen (z. B., dass Gott Weisheit geben wird, wenn wir ihn darum bitten), dann dürfen wir glauben, dass er das Erbetene geben wird – manchmal sofort, manchmal später. 

 „… und zweifle dabei in keiner Weise, denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und ‹hin und her› geblasen wird, denn ein solcher Mensch meine nicht, dass er etwas vom Herrn empfangen werde.“

 – auch nichts anderes.  Es muss – im Glauben – erbeten sein.

    Eine Meereswoge wird hin und her geworfen. Zweifelt man an Gott, ist man Gefahren ausgesetzt. Ein Zweifler hat Bedenken am Wort Gottes; ein solcher wird bald von unguten Kräften (Wind, Wasser, Sturm) bestimmt, weil er sich nicht vom Wort Gottes bestimmen lässt. 

    „vom Winde getrieben und ‹hin und her› geblasen“: Der Wind tut mit den Wellen Zweierlei: Er treibt – und er bläst hin und her. 

    Der Zweifler wird in allerlei Richtung geblasen. Er hat keinen festen Boden unter sich und kein Ziel vor sich. Der Vertrauende hat ein Fundament und ein Ziel; er weiß, wo es hingeht. 

    Jes 26,3: „Ein festes Herz bewahrst du in Frieden, in Frieden; denn es vertraut auf dich.“

V. 8: Ein Mann mit geteiltem Herzen (mit zwei Seelen) ist unbeständig in allen seinen Wegen.“

    Zweifeln wirkt sich auf den Menschen negativ aus. Man wird im Leben unbeständig. 

    „Ein Mann“: Das gilt auch für Frauen. Aber möglicherweise ist der Mann für das Zweifeln stärker anfällig. Männer neigen offensichtlich mehr zum Zweifeln und zum Bedenken-Anmelden. 

    1Tm 2,8: „…, dass die Männer an jedem Ort beten, dabei heilige ‹und reine› Hände aufheben ohne Zorn und Bedenken (o.: Zweifel)“.  

    „mit geteiltem Herzen (eigtl.: mit zwei Seelen)“: Das heißt, er ist unentschieden; er hat gleichsam zwei Seelen in sich, die gegensätzlich ausgerichtet sind. 

    Jede Prüfung ist eine Frage an uns: Werde ich weiterhin allein auf den Herrn vertrauen, oder werde ich bitter werden?  Oder werde ich eigenmächtig und fleischlich ohne Abhängigkeit handeln? 

   Wir dürfen von Gott erwarten, dass er uns führt, auch wenn wir nicht wissen, wie es nun weitergehen soll. Er wird unsere Fragen schon lösen, wenn wir sie ihm bringen. 

    Nb.: Er wird auch dann helfen, wenn wir etwas vergessen haben: Mk 8,14.17.

3. Eine dritte Hilfe: Eine der Lebenssituation entsprechende Haltung (in Gelassenheit und Zufriedenheit) einnehmen. 1,9-12

a. Der Niedrige: An die Hoheit in Christus denken. 1,9

9 „Der niedrig gestellte Bruder rühme sich in seiner Hoheit, …“

Unsere gesellschaftliche Stellung und unser Ansehen in der Gesellschaft kann für uns zu einer Prüfung werden. Unsere Besitzverhältnisse, unsere angeborenen Umstände oder anerzogenen Dinge, alles dieses kann einen dazu verleiten, über Gott bitter zu werden. 

    Wir sollen aber wissen: Es gibt keine Zeit im Jahr und keine Gegend der Welt, die nicht ihre schönen Seiten hat, und es gibt keine Zeit im Jahr und keine Gegend der Welt, die nicht ihre Schattenseiten hat. Wenn ich nicht einverstanden bin mit meinem Ort, mit meiner Stellung, meinem gesellschaftlichen Stand, meiner Macht, meinem Ansehen und Aussehen, Geschlecht, meiner Größe, meinen Eltern, wenn ich meine Situation mit Gott nicht abgeklärt habe, werde ich auf die Nase fallen.

    Wer wenig besitzt, darf akzeptieren, dass er sich in einer solchen Situation befindet. Wer viel hat, muss sich im Klaren sein, dass Gott dieses so geführt hat, und soll entsprechend denken und handeln. 

    Wie unsere Verhältnisse sind, ist eine Sache der Führung Gottes. Und wir sollen wissen: Es wird nicht so bleiben! Dieser Gedanke bewahrt vor Extremen in beide Richtungen. Wer Gutes hat, soll sich daran freuen, aber er soll sich auch daran erinnern, dass es nicht so bleiben wird. Wer Not und Schweres erfährt, soll sich erfreuen an dem Gedanken, dass es nicht so bleiben wird. 

„Der niedrig gestellte“: Der Arme ist von Natur aus nicht geistlich gesinnt, sondern verdorben; der Reiche ebenso. 

Der Arme hat weniger Prüfung dort, wo der Reiche Prüfung hat (z. B.: materielle Lebenseinstellung, die größere Gefahr, Zeit zu vergeuden mit Weltlichem; die Habsucht). Und der Reiche hat weniger Prüfung dort, wo der Arme Prüfung hat. (z. B.: Stehlen; Neid). Gott nimmt nicht alle Unbequemlichkeit weg, aber er gibt genügend Gnade, dass man darin ausharren kann. 

„rühme sich in seiner Hoheit“: Der niedrig Gestellte darf wissen, dass er in Christus eine hohe Stellung hat. Er soll sich nicht aufhalten lassen im geistlichen Leben. 

    Lass nicht dein Selbstbild bestimmen von dem, was andere von dir denken! Übernimm nicht die Haltung, die andere dir gegenüber haben. Dein Status in der Gesellschaft darf deine geistliche Einstellung nicht beeinträchtigen. Blicke auf zu deinem Herrn! Er hat dich angenommen, hat dir vergeben, hat dich ins Himmlische versetzt. Du bist ein Kind des Königs. 

b. Der Reiche: An die Vergänglichkeit des Lebens denken. 1,10.11

10 „der Reiche rühme sich in seiner Niedrigkeit“

    Wenn Juden reich waren, waren sie in der jüdischen Gesellschaft geehrte Menschen. 

    Jakobus verlangt nicht, den Reichtum aufzugeben. Es geht vielmehr um die Einstellung zum Reichtum. 

    Der Reiche soll wissen, dass er (als Person) vergehen wird: 

„…, dass er wie eine Blume des Grases vergehen wird.“

Und wir dürfen uns erinnern: Es wird nicht so bleiben

    Manchmal tendieren wir dahin, uns auf materielle Dinge zu verlassen und weniger zu beten; dann muss Gott uns einiges wegnehmen. 

Warum soll sich der Reiche seiner Niedrigkeit rühmen? – Weil er nicht jammern muss, wenn ihm der Reichtum genommen wird; denn beim Verlust seines Reichtums wird er keinen Schaden erleiden, sondern vielmehr großen Gewinn davontragen. Er muss also nicht mit Grauen an den Tag denken, an dem er seinen Reichtum nicht mehr hat. Er kann sich freuen, dass er, wenn er alles verliert, nichts verliert, weil er in Gottes Herrlichkeit und Freude eingeht. Dort ist er auf sein wahrhaftes Erbe konzentriert. 

    Der Reiche rühme sich, weil er nicht Knecht und Anbeter und Liebhaber des Geldes sein muss, denn über den nichtigen Dingen dieser Welt steht für Gottes Volk ein Königreich, das alle Güter weit übertrifft, und eine Krone des Lebens (V. 12), eines Lebens, das nicht verwelkt. 

    Der Reiche soll sich in seiner Situation bewusst machen, dass sein Reichtum im Licht der Ewigkeit ein Hauch ist. Es geht alles sehr schnell: Entweder ich verliere den Reichtum – oder ich sterbe. 

    Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Sogar Leben wird weggeworfen (Abtreibung, Euthanasie). Der Reiche kann dankbar sein, dass er als Christ die Vergänglichkeit dieser Welt verlassen wird. 

Dürfen Christen reich sein? – Christus sagte nicht, Christen sollten arm sein. Was Jesus zum reichen Jüngling sagte, sagte (und sagt) er nicht zu jedem Menschen. Der Reichtum, war dessen persönlicher Götze, sein Hindernis. Andere hatten andere Probleme, z. Bsp., dass sie die Eltern mehr liebten als Gott (Lk 9,59.60). Der reiche Jüngling wurde an eben seiner schwachen Stelle herausgefordert. Jesus stellte ihn vor die Frage: „Liebst du Gott mehr als dich und deinen Reichtum? Wenn du göttliches Leben haben willst, lass alles andere fallen und folge mir nach!“ 

    Wenn wir Reichtum haben, sollten wir ihn Gott zur Verfügung stellen und ihn im Sinne Gottes verwenden. Wenn wir arm sind, sollen wir nicht das Verlangen haben, reich zu werden. 

    1Tm 6,9-19: „Aber die, die reich werden wollen, fallen in Versuchung und eine Schlinge und viele sinnlose und schädliche Lüste, welche die Menschen in Ruin und Untergang versenken; 10 denn eine Wurzel aller Übel ist die Geldliebe. Etliche, die sich nach ihr ausstreckten, wurden ‹haltlos› irregeleitet, vom Glauben weg, und fügten sich selbst viele Schmerzensstiche zu. 11 Aber du, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge! Jage Gerechtigkeit nach, rechter Ehrfurcht, Glauben, Liebe, Ausdauer, Sanftmut. 12 Kämpfe den edlen Kampf des Glaubens. … 17 Die Reichen in der jetzigen Weltzeit weise an, nicht hochmütig zu sein noch auf die Ungewissheit des Reichtums zu hoffen (sondern im lebenden Gott, der uns ‹stets› alles reichlich zum Genuss darreicht), 18 Gutes zu wirken, reich zu sein an edlen Werken, freigebig zu sein, Anteil ‹nehmend und› gebend, 19 wobei sie für sich selbst ein edles Grundvermögen für die Zukunft anlegen, damit sie das ewige Leben ergreifen.“

V. 11: „Die Sonne ging auf mit ihrer Hitze und versengte das Gras, und seine Blume fiel ab, und die Schönheit ihres Aussehens verging.“ So wird auch der Reiche in seinen Wegen verwelken (o.: dahinschwinden).“ 

    Jakobus erzählt hier die Geschichte einer Blume. Der Wind aus dem Osten ist in Israel sehr heiß, weil er vom Festland, von der arabischen Wüste her, kommt. Zuerst verwelkt das Gras, dann die Blüte. 

    Daher ist es weise, wenn der Reiche sich die Vergänglichkeit des Reichtums bewusst macht. Es wird nicht so bleiben

„in seinen Wegen“: d. h.: in seinen Unternehmungen, mitten im Leben.

    Jakobus geht es um die grundsätzliche Haltung seiner Leser. Wenn diese Haltung nicht vorhanden ist, kann man in der Prüfung und Versuchung des Reichtums untergehen. Wir sollen immer bereit sein, alles fahren zu lassen – auch den Ehepartner, das Haus, das Auto, den Computer mit allen Daten. Wir sollen nicht das irdische Leben festhalten wollen. 

c. Ein Zwischenruf: Seligkeit für den, der Ausdauer beweist: 1,12

Der Ausharrende ist glückselig zu preisen. 1,12A

12 Ein Seliger ist der Mann, der in der Prüfung Ausdauer bewahrt“ (wörtl.: in der Prüfung darunterbleibt)

Seligkeit ist sein Los. Jakobus gibt nicht ein Gebot, selig zu sein, sondern er spricht von einer Tatsache. Er bezieht sich wohl auf die Zukunft: Ein Seliger wird er eines Tages sein. 

Was heißt „selig“? – Seligkeit ist gesteigertes Glück. Man soll wissen, dass man in der Zukunft überglücklich sein wird, wenn man in der Gegenwart in der Prüfung ausharrt, „darunterbleibt“ (so das griech. Wort wörtlich). 

„der Mann“Jakobus gebraucht das Wort „Mann“ (griech. aneer). V. 12 ist eine Verheißung zuerst einmal für Männer. Gemäß V. 12E gilt sie aber auch für Frauen. Jakobus möchte wohl zuerst den Männern helfen. Der Mann hat besondere Versuchungen. Er steht mitten im Stress des Lebens, Er ist verantwortlich für den Broterwerb. Wenn eine Frau in der damaligen Zeit arm war, dann deshalb, weil der Mann arm war. Der Mann trägt die Hauptverantwortung. Deshalb steht speziell der Mann in diesen Versuchungen von V. 9-12. 

„…, der in der Prüfung Ausdauer bewahrt“d. h.: „der darunterbleibt“; der unter den Umständen bleibt, in denen er sich befindet. 

    Manchmal schenkt der Herr in gewissen Umständen eine echte Fluchtmöglichkeit. Fliehen ist nicht grundsätzlich verboten. Es ist eine Sache der persönlichen Führung.

Der Bewährte wird als Krone (d. i.: als Siegeskranz) das Leben empfangen. 1,12M

„weil er, nachdem er sich bewährt hat, die Krone des Lebens empfangen wird“

„nachdem er sich bewährt hat:“ Bewährt ist, wer in der Prüfung Ausdauer bewahrt. Wenn Sie in Prüfungen waren und darin Ausdauer bewahrten, dann werden Sie eines Tages „die Krone des Lebens“ erhalten. 

„die Krone des Lebens (d. h.: die Krone, nämlich das Leben; als Krone das Leben) empfangen“

    Jakobus spricht vom ewigen Leben, vom Leben in der Vollendung. Das ist eine Krone, eine Belohnung für Treue. Sie wird geschenkt, nicht verdient. Das ewige Leben ist für solche, die sich hier nicht durch Probleme und Leiden und Widerstand haben abbringen lassen.

    Heute haben wir das ewige Leben bereits, gleichsam in der Knospe, dann aber in der vollen Frucht. 

    Gott ist immer stärker als unsere Probleme. Es gibt keine Schwierigkeit, die so groß ist, dass sie die Kraft in sich hätte, mich von Jesus Christus wegzubringen (Röm 8,31-39). Daher wollen wir uns bewahren lassen! 

Wem hilft Gott? – 

„welche der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben.“

Das spricht vom Wesentlichen des Christseins: Ein Gläubiger, ist jemand, der Jesus Christus vertraut und ihm nachfolgt. Er ist einer, der gerne betet, einer, der Gott liebt und Gott fürchtet. Ein Nichtchrist liebt Gott nicht. Nicht wirklich. Lieben kann man nur durch die Liebe Gottes, die uns in Christus geschenkt wird (Rm 5,5). 

    Nur die, die bei Christus bleiben, sind diejenigen, die die Krone des Lebens bekommen werden. Wenn ich mich durch irdische Dinge blenden lasse, werde ich sie mehr und mehr schätzen, mehr als Gott, weil sie sichtbar sind, Gott aber unsichtbar ist. 

„welche der Herr denen verheißen hat, …“

Nur die, die ihn lieben, kommen dort an. Nachfolger Christi sind Gottliebende. (Vgl. Röm 8,28: „Den Gottliebenden dienen alle Dinge zum Guten.“)

    Du bist in Schwierigkeiten. Gott sagt gleichsam zu dir: „Was ich jetzt tue, das weißt du nicht, aber du wirst es später erfahren“. Die Schwierigkeiten der jetzigen Zeit sind nicht aufzuwiegen mit der künftigen Herrlichkeit, die auf uns zukommt. Gott gibt uns Kraft imLeiden. 

Wie hilft Gott? – 

    Entweder durch Abhilfe oder durch Durchhilfe. Sehr häufig durch Letzteres. 

    In der Prüfung stellt sich heraus, ob man den Herrn liebt oder nicht, und wo die Interessen wirklich sind. Liebe ist die Substanz des Christseins. Wenn jemand den Herrn nicht liebt, sei er anathema („Fluch; verflucht“; 1Kr 16,22), d. h., „dann sei er auf dem Weg zum Tod“, sagt der Apostel Paulus. 

    Gott verheißt Leben denen, die ihn lieben. Leben ist mehr als Güter. Eine Beziehung zu einer Person ist wichtiger als eine Beziehung zu Dingen.

    Aus diesem Grund darf ich jede Prüfung dankbar hinnehmen und es als lauter Freude achten, wenn ich in Prüfungen gerate (1,2). Die Prüfung bringt also doppelten Gewinn: einen gegenwärtigen für den inneren Menschen (V. 3): Ausdauer und (V. 4) Reife; sowie einen zukünftigen: ewiges Leben. 

4. Eine vierte Hilfe: Eine richtige Schau von Gott haben, ein rechtes Gottesverständnis. 1,13-18

Zuerst eine Gliederung dieser Verse:

a. Von Gott kommt kein Böses: 1,13-15

(I) Die Quelle der Versuchung liegt nicht in Gott: 1,13

(II) Die Quelle der Versuchung liegt in den Menschen selber (Schritte von Versuchung bis Tod): 1,14

. Die Lust heischt Aufmerksamkeit, zieht, lockt.

. Die Lust wird schwanger.

. Sünde wird geboren.

. Tod wird hervorgebracht.

b. Von Gott kommt nur Gutes: 1,16-18

(I) Vorher eine Warnung: 1,16

(II) Erklärung: 1,17-18

. Er ist ein Geber: 1,17

. Er verändert sich nicht: 1,17

. Er gebar die Briefempfänger durch das Wort der Wahrheit: 1,18

In Zeiten der Prüfung ist es äußerst wichtig, dass wir ein rechtes Gottesverständnis haben. Es besteht darin, dass wir erkennen, dass Gott uns nichts Böses will und dass von Gott nur Gutes kommt. Manche Schwierigkeiten entstehen deshalb, weil wir Gott nicht recht kennen. Es ist wichtig, dass wir über Gott richtig denken, sonst können wir leicht der Versuchung erliegen. 

    Wenn wir nicht wissen, wie Gott ist, kann das Vertrauen darunter leiden. Daher gibt Jk in den V. 13-18 einige Tatsachen über das Wesen Gottes. 

    (Nb: Wir brauchen immer göttliche Information, denn Information – Gottes Wort – ist das, wovon der Glaube lebt. Will man den Glauben stärken, muss man ihn mit Tatsachen füttern. Eph 1,18: Paulus betet, dass die Leser Gott besser kennenlernen. Auch wir sollen es tun.)

    Was nun sollte man über Gott wissen, wenn man in einer Prüfung steht? 

– Wir brauchen zweifache Information über Gott:

    . Böses kommt nicht von Gott. V. 13-15 – und:

    . Von Gott kommt letztlich für den Gläubigen nur Gutes. V. 17.18

– Zwischen diesen beiden Abschnitten steht die Warnung von V. 16: Gebt acht, dass ihr euch nicht irreführen lasst!

a. Von Gott kommt nichts Böses. 1,13-15

I. Die Quelle der Versuchung liegt nicht in Gott. 1,13

13 „Niemand sage, wenn er versucht wird, ‚ich werde von Gott her versucht‘,“

Sage nie: „Gott hat mich sündigen lassen“ oder „Gott hat mich in die Sünde schlittern lassen“! Das ist eine Unwahrheit. Inwiefern? –

.  weil Gott „unversuchbar“ ist in Bezug auf böse Dinge – und

.  weil er niemanden zum Sündigen versucht (verlockt). 

„denn Gott ist unversuchbar im Bösen“ 

    Gott kann nicht versucht werden, Böses zu tun. Seine geliebten Kinder zum Sündigen zu verleiten, wäre etwas Böses. So etwas tut Gott nicht. Er lässt Versuchungen zwar zu (Vgl. Hiob), aber er selber versucht niemanden dazu, etwas Böses zu tun. 

    Es gibt zwei Arten von Bösem: Sünde – und die Folgen der Sünde. Es geht hier bei Jakobus um die Sünde, nicht um die Folgen. Gott hat die Folgen der Sünde eingeführt (1M 3,16ff), nicht aber die Sünde. Die Sünde hat Adam eingeführt.

    Gott ist unversuchbar im Bösen, das heißt, in ihm ist nichts Böses, und er kann nicht versucht werden, Böses zu tun. Das Böse liegt bei uns. Wir möchten gerne Gott spielen und über Gott Richter sein. Wer aber über Gott richtet, macht sich selbst zu Gott. 

    Der Mensch ist versuchbar im Bösen. Weil er böse ist und in sich die Fähigkeit sowie (seit 1M 3) die Neigung zur Sünde hat, kann er zur Sünde verlockt (d. h.: eingeladen) werden. In der Versuchung liegt die Absicht, den Versuchten zur Sünde zu bewegen. 

„und er selbst versucht niemanden“

Die Versuchung zum Bösen kommt nicht von Gott. Es entspricht nicht seinem Wesen, zur Sünde zu versuchen. Wenn er prüft, hat er damit immer die Förderung des Geprüften zum Ziel. 

    Das gr. Wort peiradsein kann einerseits „versuchen“ bedeuten und andererseits „prüfen, erproben“. In Jk 1,1-12 ist von Prüfung (Erprobung, Anfechtung) die Rede, in Jk 1,13-18 von Versuchung (Verlockung) zur Sünde. 

Kann der Satan zum Bösen versuchen? – Ja. In V. 14 aber ist von der (bösen) Lust im Menschen die Rede. 

    Durch die Übertretung Adams kam die Sünde in die Welt (Rm 5,12). Die Übertretung Adams ist auf das Wirken des Satans zurückzuführen (1M 3). Er steckt letztlich hinter dem Dilemma. Der Widersacher kann auch direkt versuchen (Mk 1,13; 1Th 3,5; 1Kr 7,5), meistens aber werden wir nicht direkt von dem Satan oder von Dämonen versucht, sondern indirekt über die als Kraft innewohnende Sünde in unserem Fleisch (Rm 7). Johannes (1Jh 2,15) spricht von „Lust des Fleisches, Lust der Augen und Hochmut des Lebens“. 

    Eine Aussage, dass es der Satan ist, der im Christen die Lust bewirkt, gibt es in der Heiligen Schrift nicht. In Rm 7 schreibt Paulus von der „Sünde in mir“ („Sünde“ als Kraftgesetz): „Aber nachdem die Sünde einen Anlass hatte durch das Gebot, bewirkte sie in mir jede Lust” (Rm 7,8). 

    Manchmal hört man Christen sagen „Der Satan veranlasste mich zum Sündigen“. Solche Aussagen gibt es in der Bibel nicht. Wir sind verderbter und böser als wir ahnen. Und unser Fleisch hat sich durch unsere Hinkehr zu Christus nicht verändert. Was vom Fleisch geboren ist, ist und bleibt „Fleisch“. 

    Daher beten wir (Mt 6,13): „Bringe uns nicht in Versuchung hinein“, d. h.: „Bringe uns nicht in eine Versuchungssituation hinein. Lass nicht zu, dass wir in eine Situation kommen, in der wir zur Sünde verlockt werden.“ Wir beten so im Bewusstsein unserer Verführbarkeit und Schwäche. 

Jakobus lehrt: Gott kann nicht zum Bösen versucht werden, folglich versucht (verlockt) er niemanden. Wenn Gott nicht versucht werden kann, Böses zu tun, kann er selbst auch nicht zum Bösen versuchen, denn jemanden zum Bösen zu versuchen, ist Sünde. Weil es aber bei Gott nicht möglich ist, dass er Böses in sich aufkommen lässt oder dazu verleitet wird, ist das andere – dass er jemand anderen zum Bösen einlädt – auch nicht möglich. 

    Wer andere zum Bösen reizt, tut es deshalb, weil er selbst für das Böse zugänglich ist. Gott aber ist nicht zugänglich für Böses. Er ist nur gut. Daher ist klar, dass er andere nicht zum Bösen reizen kann. 

    Bei Gott gibt es das nicht, dass ihm einfallen könnte, etwas Böses zu tun. Um Böses zu tun, müsste er dazu eingeladen werden. Bei Gott aber ist diese Einladung, etwas Böses zu tun, nicht möglich, weil Gott immer gut bleibt. Daher kann er selber nicht andere zum Tun des Bösen einladen. 

    Wenn wir es mit einer Versuchung zur Sünde zu tun haben, ist da immer eine Einladung zum Bösen da. Immer.  Auch Leiden sind eine Einladung zum Bösen. Alle Leiden bergen in sich eine Versuchung zum Sündigen. Aber Gott lädt nicht ein zum Sündigen. Die Einladung kommt nicht von ihm. 

    Wenn also eine Versuchung auf uns zukommt, dürfen wir nie sagen: „Gott hat mich veranlasst zu sündigen.“ Es darf nie dazu kommen, dass wir Gott vorwerfen, er sei dafür verantwortlich, dass wir versagt haben. 

    Wenn ich denke, Gott sei verantwortlich für mein Versagen oder meine Probleme, beschuldige ich Gott und entziehe mich meiner Verantwortung für meine Taten. Ich sage damit, Gott sei der Feind der Gläubigen, beabsichtige Böses mit uns und wolle uns schließlich ins Verderben bringen. Das ist eine böse Unwahrheit. Das Gegenteil davon ist der Fall. 

    Jemand sagt: „Es wurde mir zu schwer. Ich konnte nicht anders. Ich musste sündigen!“ Oder: „Jetzt reicht es mir!“

Was ist schuld? – Nicht Gott, nicht die Situation, nicht die Schwierigkeit, sondern mein eigenes Wesen. Wenn ich in Schwierigkeiten komme und sodann sündige, bin ich der Schuldige. 

    Wann und unter welchen Umständen wird eine Prüfung für mich gefährlich? – Dann, wenn ich den Blick nicht mehr auf Gott richte und Murren oder Bitterkeit aufkommen lasse. 

    Wir sollten nie meinen, Gott sei unser Widersacher, der uns Steine in den Weg legt, über die wir straucheln sollen oder die uns den Weg schwer machen sollen. Solches Denken ist das Gegenteil von „Glauben“ (V. 6A). 

II. Die Quelle der Versuchung liegt in uns. Vier Schritte. 1,14.15

Man bekommt eine Einladung, das Unerlaubte zu tun. 

    Eine Versuchung ist eine Einladung, sich ein (an und für sich gutes, von Gott gegebenes) Bedürfnis oder einen Wunsch auf unerlaubte Weise zu erfüllen.

    Die Versuchung von Adam und Eva in Eden (1Mo 3) und die Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 4) haben vieles gemeinsam. In beiden Fällen wird das Verlangen zu genießen, zu haben und zu sein angesprochen. Dieses an uns für sich gute Verlangen sollte auf unerlaubte Weise gestillt werden. Jakobus spricht nun von vier Schritten:

Erster Schritt: Die Lust zieht und lockt. (Die Verlockung)

14 „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust weggezogen und gelockt wird“

    Mein größter Widersacher bin ich selbst. Die eigene Lust ist ein Betrüger, denn die Lusterfüllung gibt nicht wirkliche, bleibende Erfüllung. Bleibende Erfüllung gibt nur der Gehorsam gegenüber Gott. 

    Der Reiz (zur eigenen Lusterfüllung) an sich ist noch nicht Sünde. Der Reiz zur Lusterfüllung, das Verlangen, als Regung, die wie von selbst in uns erwacht, kommt aus unserer eigenen Seele, ist aber noch nicht in unserem Willen aufgenommen. 

Zweiter Schritt: Die Lust wird schwanger. (Die Empfängnis)

15 „Danach, wenn die Lust empfangen hat, …“

Nun kommt der entscheidende Augenblick: Ich schaue die Lust an und überlege: Soll ich sie billigen (Ja sagen), oder soll ich sie verwerfen (Nein sagen)? 

    D. h., ich entscheide nun mit meinem Willen: Stelle ich mich jetzt der Sünde zur Verfügung? Lasse ich sie in meinem Leibe regieren (König sein) – oder stelle ich mich Gott zur Verfügung? 

    Paulus warnt davor (Rm 6,12.13): „Lasst also die Sünde nicht König sein in eurem sterblichen Leibe, um in seinen Lüsten ihr zu gehorchen. Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit Gott zur Verfügung“.

Dritter Schritt: Sünde wird geboren.

„…, gebiert sie die Sünde“.

Wenn ich nachgebe, stelle ich meine Glieder der Sünde zur Verfügung. Es ist letztlich eine Frage der Liebe. Wen liebe ich? Jk sprach in 1,12E von der Liebe („denen, die ihn lieben“). 

    Nb.: Die Verlockung ist noch nicht Sünde, das Nachgeben (die Empfängnis) ist die Einwilligung zur Sünde. 

    Man kann nicht verhindern, dass einem die Vögel über den Kopf fliegen, aber wohl, dass sie auf dem Kopf Nester bauen. (Luther). So kann man auch Gedanken nicht wehren zu kommen, aber wohl, dass sie sich einwurzeln.

Vierter Schritt: Tod wird hervorgebracht.

„die Sünde, wenn sie zur Vollendung gelangt ist (o.: reif geworden ist; ausgereift ist), bringt den Tod hervor“.

    Sünde führt zum Tode. Der Lohn der Sünde ist Tod (Röm 6,22.23). 

    Wenn wir sündigen, stirbt ein Stück geistliches Leben. Wenn wir sie weiter wuchern lassen, greift sie um sich und tötet. 

    Schlatter schreibt: Wenn ich jetzt meinen Widerstand gegen dieses Verlangen aufgebe, nehme ich es in meinem Willen auf und sage Ja zu dem Verlangen. Das ist die Empfängnis (1,15). Nun ist die Lust befruchtet, und sie wird gleich gebären, Sünde hervorbringen. Die Lust (das Verlangen als Reiz, als Einladung zum Sündigen) ist hier (in Jk 1) noch nicht Sünde. Aber dieses Verlangen ist ein böses Verlangen. Sobald wir die Lust in unseren Willen hereinlassen (d. h.: bejahen), gewähren wir ihr die Macht, über uns und helfen wir ihr, dass sie ihr Ziel erreicht: Sünde und Tod. 

„bringt den Tod hervor“:

Jede Sünde führt in Richtung Tod. (Rm 6,16: „Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch als leibeigene Knechte zum Gehorchen zur Verfügung stellt, ihr dessen leibeigene Knechte seid, dem ihr gehorcht, ob Knechte der Sünde zum Tode oder Knechte des Gehorchens zur Gerechtigkeit?“)

    Vom selben ewigen Tod schreibt Jakobus in Jk 5,20: Wer einen Sünder von seinem Irrweg zur Umkehr bringt, wird „eine Seele vom Tod retten“.

    Wenn wir Sünde nicht bekennen und so zu Christus bringen, bringen wir ewigen Tod hervor – nicht sofort, aber mit der Zeit. Wenn wir der Sünde freien Lauf lassen, wenn wir über Sünde hinweggehen, sie nicht ans Licht bringen, wird uns die Sünde formen und prägen; dann kann es so weit kommen, dass wir der Gewalt unserer Lüste ausgeliefert sind. Wir verhärten uns im Gewissen, wir ändern unsere „Theologie“ und wollen die Wahrheit nicht mehr hören. 

Ps 81,12: „Aber mein Volk hörte nicht auf meine Stimme. Israel war mir nicht zu Willen. Da gab ich sie dahin in den Widerstand ihrer Herzen. Sie leben nach ihren eigenen Plänen.“

b. Von Gott kommt nur Gutes. 1,16-18

I. Eine Warnung: 1,16

„Lasst euch nicht irreleiten, meine geliebten Brüder!

Lass dich nicht täuschen von deinen eigenen falschen Gedanken über Gott. Lass dir niemals negative Gedanken über Gott kommen. Lass nicht den Gedanken aufkommen, Gott tue etwas Negatives und würde dir Gutes vorenthalten. 

    Es war die Stimme des Feindes, der in Eva den Gedanken säte: „Es könnte ja sein, dass Gott euch etwas vorenthalten möchte.“ 

    Wenn wir leiden müssen, stehen wir in der Versuchung zu denken, Gott sei nicht ganz gut zu uns. Das ist eine Einladung zum Sündigen. 

    Wenn wir also in eine schwere Prüfung kommen, sollen wir wissen und festhalten, dass Gott gut ist und gut bleibt. Wenn ich das sagen kann, habe ich ein gutes Stück des Sieges bereits errungen; denn darum geht es: um das Vertrauen in die Güte Gottes! Daher kann ich dann in Gedanken festhalten: diese Prüfung ist etwas Gutes. 

    Und dann kann ich mich freuen. Wir erinnern uns an die Aufforderung in V. 2: „Achtet es für lauter Freude“, wenn die Prüfung kommt! Und wenn wir in der Prüfung verlockt werden zum Bösen, sollen wir wissen, dass dieses nicht von Gott kommt. Unsere Prüfungen sind nicht dazu da, uns zu Fall zu bringen, sondern uns zur Reife zu bringen. 

II. Eine Erklärung: 1,17.18
Er ist ein Geber von Gutem. 1,17

17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist von oben, …“

.Welches Gute kommt von Gott?

Auch der Feind kann Gaben geben. Welche Gaben nun kommen von Gott und welche nicht? 

  • Gute Bescherungen, Dinge, die Ewigkeitswert haben;
  • vollkommene (d. h.: unbefleckte; 1P 1,4) Gaben

    Der Satan hingegen gibt scheinbare Segnungen (leere Versprechungen), Geschenke, die nicht gut sind, weil sie nicht ewig gut sind: Unzucht, Unreinigkeit, Leidenschaft, böse Lust, Habsucht, eigene Ehre, Schändlichkeiten. Das Ende dieser Dinge ist Tod (Rm 6,21; Eph 5,6; Kol 3,5.6). 

Er verändert sich nicht. 1,17

. Von welchem Gott kommen diese guten Gaben? 

„… herabkommend vom Vater der Lichter (d. i.: vom Schöpfer der Gestirne), bei dem es keine Veränderung gibt noch Schatten eines Wechsels“.

    Beim Vater gibt es keinen Schatten infolge einer Veränderung – wie das wechselnde Schattenwerfen, das durch die wechselnde Stellung der Sonne hervorgerufen wird.

Wir lernen hier vier Dinge.

1. Gott kann mit Veränderung leben, aber bei ihm gibt es keine Veränderung. Gott schuf eine Welt, die sich verändert, aber in sich ist Gott nicht veränderlich. Er, der Unveränderliche, schuf sich verändernde Geschichte. 

    Gott kann mit Veränderung leben, kann sich auf mich und auf meine Veränderung einstellen; aber er ist und bleibt derselbe, auch wenn er nun vielleicht anders mit mir vorgeht. 

    Gott sandte Jona nach Ninive und verhieß den Niniviten Gericht in vierzig Tagen. Aber Gott stellte sich auf die Niniviten ein und änderte seinen Beschluss, als sie Buße taten. Dennoch blieb er derselbe in seinem Wesen. Warum gab er ihnen vierzig Tage Zeit? – Um Buße zu tun! Er rechnete dieses also ein. 

2. Gott ist der Urheber des Lichts. Für jede Prüfung gibt es ein Licht! Gott hat für jede Dunkelheit ein Licht bereit. 

    2Kr 1,3-5: „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn, Jesu Christi, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, 4 der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in aller Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst getröstet werden von Gott,  5 weil demgemäß wie die Leiden Christi reichlich auf uns überströmen, so auch unser Trost durch Christus reichlich auf uns überströmt, … 8 denn wir wollen nicht, dass ihr in Unkenntnis seid, Brüder, über unsere Bedrängnis, die uns in Asien widerfuhr, dass wir über das Maß hinaus, über unsere Kraft, beschwert wurden, sodass wir auch am Leben verzweifelten.  9 Jedoch haben wir selbst das Todesurteil in uns selbst gehabt, damit wir uns nicht auf uns selbst verlassen möchten, sondern auf Gott, der die Toten erweckt.“

3. Er heißt „Vater“, und er ist einer. Er ist der Ursprung aller Vaterschaft (Eph 1,15). Wenn in meinem Leben Dinge beginnen, sich zu verändern, dann darf ich wissen: Gott bleibt derselbe. Daher wollen wir an ihm festhalten!  

4. Als unser Vater gab er uns Leben. (Siehe zu 1,18)

Er hat die Seinen geboren. 1,18

„Aus freiem Willen“ (d. h., weil er es so wollte; weil er beschloss, dass Leben entstehen soll)

„hat er uns geboren“

    Gott rief in unser Herz hinein: „Es werde Licht!“ 2Kr 4,6: „Gott, der aus der Finsternis Licht scheinen hieß, ist es, der in unseren Herzen schien, um leuchten zu lassen die Kenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“ 

    Die Wahrheit des Evangeliums verändert sich nicht. Derselbe Vater, der uns zum Leben brachte, wird uns auch bewahren und in die Heimat bringen. Der Vater der uns schuferhält uns auch! Daher dürfen ihm als wir einem „treuen Schöpfer“ unsere Seelen anbefehlen (1P 4,19). 

„durch das Wort der Wahrheit, …“

    Dasselbe Wort, durch das er uns wiedergeboren hat, hat auch Kraft, uns zu bewahren. 

    Vgl. Jk 1,21: „das Kraft hat, eure Seelen zu retten ‹und zu bewahren›“. Paulus sagte zu den Jüngern in Milet (Apg 20,32): „Und nun übergebe ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das Kraft hat, euch aufzubauen und ein Erbe zu geben unter allen Geheiligten.“

„damit wir gewissermaßen die Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien“: 

    Gott hatte sein Volk nicht aus Ägypten herausgeführt, um sie in der Wüste sterben zu lassen. Das Volk murrte gegen Mose und Aaron und sagte (4M 14,3): „Wozu bringt uns Jahweh in dieses Land? – dass wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zur Beute werden?“ Das war eine bittere Lüge. Gott führte sie heraus, um sie hineinzuführen

    Neutestamentlich gesprochen: Gott brachte die Seinen aus der Sünde heraus, um sie hineinzubringen in die Ewigkeit. 

5. Eine fünfte Hilfe: Die rechte Einstellung zu Gottes Wort haben: 1,19-27

Der Jakobusbrief ist immer aktuell, weil wir Menschen immer Prüfungen und Schwierigkeiten (Probleme) haben. Wenn Menschen keine Schwierigkeiten haben, dann sind sie tot. Nur Tote haben keine Probleme. Die brauchen den Jakobusbrief nicht zu lesen. 

a. Die rechte Einstellung zum Aufnehmen des Wortes: 1,19-21

    Welche Rolle spielt das Wort Gottes in Prüfungen und Versuchungen? 

    Es weckt neues Leben. Wenn Sie innerlich müde und matt geworden sind, ist es von großer Wichtigkeit, dass Sie sich dem Wort Gottes aussetzen! 

    Weil Gott mit seinem Wort erneuert und uns für den Dienst Gottes und für die neue, ewige Welt zurüstet, wollen wir uns auf Gottes Wort einstellen. Wir sollten daher nicht ohne innere Vorbereitung zum Wort Gottes kommen, auch zum persönlichen Bibellesen nicht. 

    Wie geht man mit Gottes Wort um, sodass man bewahrt wird? Wie nun soll man sich auf Gottes Wort einstellen, vorbereiten? Wie gehe ich auf Gottes Wort zu? 

    Jakobus macht uns hier auf vier Dinge aufmerksam, die uns helfen sollen, dem Wort recht zu begegnen: 

. Schnell auf das Hören eingestellt sein, schnell hörbereit sein

allen Schmutz und [alles] Überfließen von Schlechtigkeit ablegen

in Sanftmut das eingepflanzte Wort aufnehmen

. die Bereitschaft haben, Täter des Wortes zu werden.

Schnell hörbereit sein: 1,19.20

    V. 19: „Daher, …“ 

– weil Gott en Vater ist, der uns durch das Wort der Wahrheit zeugte und uns bewahrt und ans Ziel bringen möchte

„… meine geliebten Brüder, …“

Jk wird hier zärtlich. Er weiß, dass viel auf dem Spiel steht. 

„…. sei jeder Mensch schnell zum Hören …“

    Es gibt gewisse Situationen, wo wir überhaupt nicht hinhören sollen; wo wir beten sollen „Herr, mache mich taub für solches.“ Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es um das Hören auf das Wort Gottes.

    Gott gab uns zwei Ohren, aber nur einen Mund. Vielleicht sollten wir lernen, doppelt so viel zu hören als zu reden? Jedenfalls sollen wir zum Reden langsam sein:

„… langsam zum Reden …“ 

Hier ist möglicherweise gemeint: zum Reden gegen Gott. 

Gott spricht – in Jesus Christus, in der Bibel, in der Schöpfung, durch Menschen, aber auch durch bestimmte Ereignisse in unserem Leben und in der Geschichte allgemein. 

„… langsam zum Zorn“

Langsam sollen wir sein mit aufgebrachten Reaktionen. 

    Wir sollten fähig sein, über Böses ärgerlich zu werden, dabei aber sehr vorsichtig sein mit Gefühlsausbrüchen. 

    Manchmal scheint etwas böse zu sein, ist es aber nicht. Manche Christen sind nicht reif genug, sich in rechter Weise zu äußern. Dann sprechen sie gröber als sie wollen, meinen es aber nicht so grob. Daher ist es wichtig hinhören, wie der Betreffende es eigentlich meint. 

    Im Zusammenhang geht es Jakobus hier möglicherweise um den Zorn auf Gott bzw. auf Menschen, die Gott uns geschickt hat oder auf schwierige Umstände, in die Gott uns  gestellt hat. 

V. 20: „… denn [der] Zorn eines Mannes bewirkt nicht Gerechtigkeit Gottes;“

Der Zorn des Menschen übt nicht (od.: führt nicht aus; richtet nicht aus, erfüllt nicht) die von Gott gewollte (geforderte) Gerechtigkeit. Er tut nicht, was vor Gott recht ist. 

    Des Menschen Zorn schwappt schnell über. Aber Christus lebt in mir, und auch der kann zornig sein in mir. Wenn Christi oder Gottes Zorn in uns zornig ist, d. h., wenn wir mit dem Herzen Gottes zornig sind, dann dürfen wir diesem Zorn Ausdruck verleihen, aber wir müssen vorsichtig sein. Die Gefahr besteht immer, dass wir in unserer Reaktion über das Geziemende hinausgehen oder uns gerechtfertigt fühlen zu sündigen. Wir wollen dann Gott spielen. Dann handeln wir nicht recht. Wir sündigen. 

Vorher allen Schmutz und alle Schlechtigkeit ablegen: 1,21A

21 „… deshalb, nachdem ihr allen Schmutz und [alles] Überfließen von Schlechtigkeit abgelegt habt, …“

    Warum spricht er hier von Schmutz und Schlechtigkeit? Vielleicht deshalb, weil wir in der Prüfung leicht schlecht denken über Gott. 

    Zuerst ablegen! 

    Manchmal sagt uns Gottes Wort nichts, weil unaufgeräumte Sünde im Wege ist. Daher sollen wir schnell bekennen. 

Das eingepflanzte Wort in Sanftmut aufnehmen: 1,21M

„… nehmt in Sanftmut in euch auf das eingepflanzte Wort …“

. Wir lesen/hören Gottes Wort –-  dann kommt es in unser Ohr, d. h., es wird eingepflanzt, wie der Same, der in den Boden gelegt wird. 

. Nun muss es von uns begrüßt werden. in uns hineingenommen werden. Wir nehmen es auf, wie wir einen Gast in unser Haus aufnehmen. 

    Wie nimmt man Gäste auf? Man begrüßt, macht sich Mühe, heißt den Gast willkommen: „Fühlen Sie sich wie zu Hause.“ 

    Ebenso dürfen wir es mit Gottes Wort tun. Wir tun ihm weit die Tür auf. Es darf in unserem ganzen Leben kein Raum sein, in dem Gott nichts zu sagen hat. 

„in Sanftmut“

    Die Folge von Stolz ist Auflehnung, Rebellion. Sanftmut aber ist gelebte Demut. 

    Wir nehmen Gottes Wort in einer demütigen Haltung auf, 

nicht in Ärger übergewisse Erlebnisse, nicht im Ärger über Gott, der gewisse Dinge in unserem Leben zugelassen hat. 

    Ich darf daran denken: Alles dient mir zum Guten (Rm 8,28.29). Zu welchem Guten? Zu dem guten Ziel, Christus ähnlich zu werden. 

    Wenn wir so eingestellt sind, sind wir imstande, Gottes Wort aufzunehmen. 

„…, das Kraft hat, eure Seelen zu retten ‹und zu bewahren.“

    Bin ich denn nicht gerettet? – Ja und nein. Ja, in dem Sinne, dass ich Vergebung meiner Sünden und Rechtfertigung habe. Nein, in dem Sinne, dass ich noch nicht am Ziel angekommen bin. 

    Das Wort Gottes hat Kraft, mich hineinzuretten (und zu bewahren) in sein himmlisches Königreich“. (Das griechische Wort für retten (soodsein) bedeutet auch „bewahren“.) Vgl. Ps 119,11 und 9.

b. Die rechte Einstellung zum Tun des Wortes: 1,22-25

Sich nicht selbst betrügen: 1,22-24

22 „Werdet aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen …“ (o.: wodurch ihr euch selbst betrügt).“

    „Wir waren doch dabei!“, sagten etliche (Lk 13,26) „Wir waren doch jeden Sonntag in der Versammlung.“ Aber der Herr kannte sich nicht. Das Hören allein macht nicht zum Nachfolger Jesu. 

    Wenn ich das gehörte Wort Gottes nicht in die Tat umsetze, betrüge ich mich. Ich kann mir einreden, ich stünde recht, aber der Herr kann mich nicht gebrauchen, weil ich Gottes Wort in gewissen Bereichen meines Lebens nicht umsetzen will.

23 „… denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, so gleicht dieser einem Mann, der das Angesicht, das er von seiner Geburt her hat“ (d. h.: sein natürliches Gesicht), in einem Spiegel betrachtet; 24 denn er hat sich selbst betrachtet, und er ist weggegangen und hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war .“ 

    Das Wort Gottes als Spiegel zeigt mir Zweierlei 

. wer ich bin (wenn der Spiegel gerade gehalten wird)

. wer der Herr Jesus ist (wenn der Spiegel schräg gehalten wird): 2Kr 3,18: „Wir aber, alle, schauen mit entschleiertem Gesicht in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn und werden in dasselbe Bild umgestaltet von Herrlichkeit zu Herrlichkeit gleichwie vom Herrn her, dem Geist.“

   Wenn der Herr mir etwas gezeigt hat, das ihm nicht gefällt, muss ich es mir merken. Ich darf nicht vergessen, wie ich aussehe! Und dann? – Mich waschen! 1Jh 1,7.9. Wenn Gottes Wort mir die Sünde zeigt, schmerzt es zwar, aber ich darf mich reinigen lassen. Ich kann es mir leisten, meine Sünden gezeigt zu bekommen. 

Sich ins Wort vertiefen und dabei bleiben: 1,25

„Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinspähte …“

o.: Wer sich hinein vertieft hat (wörtlich: sich vorgebeugt hat, – nämlich, um genau hinzusehen)

    „Hineinspähen“, d. h.,  sich vertiefen. nachsinnen, (Ps 1,2). Man stellt Fragen an den Text: z. B.: Warum sagt er das so? Was genau bedeutet es? Wo steht das noch? Was habe ich hier zu lernen? So vertieften die Apostel das Wort Gottes: Sie stellten Fragen. Wir sollen es ebenfalls tun. 

in das vollkommene Gesetz“

Jakobus meint hier wohl das Wort Gottes als Ganzes. Er kennt sich im Alten Testament aus. Dort hat er Christus erkannt; denn da ist von ihm die Rede (Jh 5,39).

    Das ganze Wort Gottes ist im gewissen Sinne „Gesetz“. 

Jakobus will sagen: „Wer hineingespäht hat in das vollkommene Wort Gottes“ 

das [Gesetz] der Freiheit, …“ 

Jakobus geht über das Gesetz Mose hinaus. Die neutestamentlichen Schreiber wissen, dass es unmöglich ist, das Gesetz Mose zu halten. Das macht nicht frei; sondern das Evangelium macht frei. Aber die Evangeliumsbotschaft ist wie ein „Gesetz“ (Das dt. Wort „Gesetz“ kommt von „setzen“.) Es ist gesetzt. So und nicht anders! Darin muss man sich vertiefen. 

„… und bei [dieser Haltung] blieb, wenn dieser nicht ein vergesslicher Hörer wurde, sondern ein Täter des Werkes,…“ 

Wir beachten: Es heißt hier nicht „ein Täter des Wortes“, sondern „ein Täter des Werkes“, nämlich des von Gott gebotenen Werkes. Jakobus erwartet, dass Kinder Gottes gehorsame Ausführer der von Gott aufgetragenen Tätigkeit sind.

Das Wort Gottes ruft zu einem Werk auf, zu einer Aktivität. 

„… wird dieser ein Seliger sein in seinem Tun.“

Wenn er auf das Wort Gottes hört, es tut, wird eines Tages sein Los Glückseligkeit sein. Wenn ich heute gehorsam bin, werde ich eines Tages froh sein – nicht notwendigerweise schon heute, aber in der Ewigkeit. Es macht in der Gegenwart nicht immer froh, Gottes Wort zu tun. Sich zu demütigen, Menschen um Verzeihung zu bitten,  ist nicht immer eine freudige Sache. 

    Manchmal wird Gehorsam für die Gegenwart Leiden bedeuten. Manchmal wird gehorchen bedeuten, gegen die Laune zu handeln. Gehorsam kann manchmal in den Sturm führen. In Mt 8 war es so. Die Jünger gehorchten dem Herrn  – und kamen in den Sturm. 

    Aber jeder Gehorsam dem Wort Gottes gegenüber bringt früher oder später Freude. 

Ein negatives Beispiel: 1,26

„Wenn jemand unter euch meint, fromm zu sein, dabei seine Zunge nicht im Zaum hält, …“

    Spr 10,19: „Bei vielen Worten bleibt Sünde (Verfehlung) nicht aus. Wer aber seine Lippen zügelt, handelt klug.“ 

    18,21: „Tod und Leben sind in der Gewalt der Zunge; und wer sie liebt, wird ihre Frucht essen.“

    29,20: „Siehst du einen Mann, der sich in seinen Worten überhastet, – für einen Narren gibt es mehr Hoffnung als für ihn.“

   Prd 5,2: „Wo viele Worte sind, da hört man den Narren.“

„… sondern sein Herz betrügt, dessen Frömmigkeitserweisung ist nichtig, ‹wertlos›.“

Ein positives Beispiel: 1,27

Frömmigkeitserweisung, rein und unbefleckt bei dem Gott und Vater, ist diese: Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen (d. h.: aufzusuchen, um zu helfen; nachzusehen und für sie zu sorgen) [und] sich selbst von der Welt fleckenlos zu bewahren.“

    Wir haben hier drei Kennzeichen echter Frömmigkeit. 

Fromm ist der, 

    . der seine Zunge zähmt (V. 26);

    . der Waisen und Witwen besucht, ihnen gibt, was sie benötigen, ihnen praktisch hilft (V. 27);

    . der sich von der Welt sauber hält (V. 27).

B. Über die Frucht des Glaubens: 2,1-26

    Der Glaube muss entsprechende Frucht aufweisen. Der Leser hat sich selbst prüfen: Trägt mein Glaube Frucht oder nicht? Jakobus zeigt in diesen Versen, wie diese Frucht aussieht (2,1-13) und wie wichtig diese Frucht ist (2,14-26).

1. Wie die Frucht des Glaubens aussieht (bzw. aussehen soll): 2,1-13

    Das Ansehen der Person ist kein Kriterium dafür, wie man mit jemandem umgeht oder umgehen soll.

    Was ist das Wesentliche? Das, was Gott immer vom Menschen erwartete und verlangte: Liebe.

. So war es im Paradies

. So war es im Gesetz (Das erste Gebot ist der Kern.)

. So ist es im Evangelium. 

Liebe als Frucht des Glaubens. 

    Die Liebe ist das Wichtigste (Ga 5,22A). Die Liebe ist das, worauf es immer ankommt.

Wenn Glaube echt ist, wird er sich zeigen in einer Liebe, die barmherzig ist. 

    Das erste Gebot ist: Du sollst nichts neben Gott lieben! Deine ganze Liebe soll Gott gehören. Nicht 99,9 %. Gott möchte, dass er bei den Seinen an erster Stelle steht. Er will den gesamten Raum des Herzens einnehmen. 

    Rm 8,2.3: Gott hat alles getan: Er sandte Christus (das sühnende Blut am Kreuz) und den Heiligen Geist (das lebende Wasser, das neue Leben), damit wir diese Liebe nun leben können. „denn was das Gesetz nicht vermochte – es war ja schwach durch das Fleisch –, das machte Gott möglich: Er schickte seinen eigenen Sohn in der Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde und ‹als das Opfer› für Sünde und verurteilte die Sünde im Fleisch,  4 damit das Gerechte des Gesetzes in uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist“. Nun ist es möglich, wenn wir uns nach dem Geist ausrichten, d. h., wenn wir mit Christus und in seiner Kraft leben. 

    5,5: Gottes Liebe ist in unseren Herzen, weil nun Gott in unseren Herzen ist. Der Heilige Geist ist Gott. 

    Es braucht Gott, um wirklich „Mensch“ zu sein. Nur Gott kann das Leben führen, wie Gott es verlangt. Wir haben nicht Kraft in uns selber. Weil Gott nun in mir ist, kann ich Mensch sein – so Mensch sein, wie Gott es wollte, Gott ähnlich, als Ebenbild Gottes. 

a. Aufruf zur Liebe: Kein Ansehen der Person 2,1-7

    D. h. keinen Unterschied zwischen Menschen machen; nicht aus fleischlichen Gründen den einen dem anderen vorziehen

V. 1: „Meine Brüder, habt den Glauben an unseren Herrn, Jesus Christus, [den Herrn] der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person;“

    Der Glaube ist der Schlüssel zum Haus Gottes. Die Liebe ist die Substanz, das Wesen, die Atmosphäre im Haus Gottes.

… an unseren Herrn, Jesus Christus,  [den Herrn] der Herrlichkeit, …“

    Glaubst du an den Herrn der Herrlichkeit? D. h.: Hast du dich an ihn ausgeliefert? Wenn du an ihn glaubst, glaubst du an ihn als Herrn. Habe Jesus als Herrn der Herrlichkeit  vor Augen, in seiner Herrlichkeit, nicht in seiner Niedrigkeit, auch im Gebet, in den Liedern. 

Heute singt man viele Lieder zu einem „Jesus“ ohne Titel. Jesus ist aber der HERR, er ist in Herrlichkeit. Er steht über allen herrlichen Engelwesen! 

    1P 3,21: „Er ist zur Rechten Gottes, nachdem er in den Himmel gegangen ist; [himmlische] Boten und Autoritäten und Kräfte sind ihm unterordnet worden.“

    Betrachte ihn in seiner Hoheit! Er hat in drei Stunden in konzentrierter Form eine ewige Hölle erlebt. 

… nicht mit Ansehen der Person“

Wir kennen den Nächsten nicht. Wir sehen nur die Oberfläche. Wir kennen nicht die Beweggründe. Daher dürfen wir sie auch nicht richten. Wir dürfen nicht nach dem Äußeren urteilen (Joh 7,24). Weder Rang noch Ansehen und/oder Aussehen dürfen wir zu einem Kriterium dafür machen, wie wir mit jemandem umgehen.

Wir dürfen nicht jemanden vor dem anderen vorziehen. Oft sind wir versucht, das zu tun, damit wir dann einen Vorteil daraus haben. 

Wer auf diese Weise einen Unterschied zwischen Menschen macht, handelt unbarmherzig. 

„unseren Herrn, Jesus Christus, [den Herrn] der Herrlichkeit“

    Das Wort „Herr“ steht hier an betonter Stelle. Obwohl Jakobus ein Bruder Jesu ist, betont er, dass Jesus der Christus und Herr ist. Wenn er Herr ist, bestimmt ER. ER allein ist groß. 

    Warum ist das wichtig in Bezug auf unseren Umgang mit einander? Wir alle sind klein! Der Boden am Fuße des Kreuzes ist eben. Und der Boden in der Herrlichkeitswelt noch viel mehr. Da sind alle Menschen gleich. 

b. Motivierung zur Liebe 2,2-11

Hinweis auf die Praxis: 2,2-4  (Ein negatives Bsp von Ansehen der Person)

2 „… denn wenn ein Mann in eure Synagoge (d. i.: in eure Zusammenkunft) kommt mit goldenen Fingerringen (wörtl.: ein goldene-Fingerringe-Mann), in prächtiger Kleidung, es kommt aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung herein, 3 und ihr seht auf den, der die prächtige Kleidung trägt, und ihr sagt zu ihm: ‚Setzten Sie sich gut (o.: bequem) hierher‘, und ihr sagt zu dem Armen: ‚Stehe du dort‘, oder: ‚Setze dich, unten an meine Fußbank‘, 4 – habt ihr da nicht bei euch selbst (o.: untereinander) einem Unterschied gemacht und werdet Richter mit bösen Überlegungen (o.: und fällt Urteile aufgrund verwerflicher Überlegungen)?“

    Ich soll Ehre erweisen, dem Ehre gebührt, aber ich muss mich fragen: Warum tue ich das? Aus Eigennutz? 

    Christen sollen sich recht kleiden, ja. Aber auch solche, die nicht gute Kleidung haben, wollen wir schätzen! 

    Echter Glaube zeigt Frucht: Liebe. Und die Liebe äußert sich in Barmherzigkeit. 

Hinweis auf das Vorgehen Gottes: 2,5-6A (Ein positives Bsp. von Ansehen der Person)

5 „Hört, meine geliebten Brüder: Erwählte sich Gott nicht die Armen der Welt“

    Die „Armen“ sind die, die zugeben, dass sie arm sind.

Was heißt es, dass Gott die Armen erwählte? Alle Armen auf der Welt? Nein, Glaubende („reich im Glauben“). Sie sind „Brüder“ Jesu (Mt 25,40; 12,50).

    Nicht die Hochstehenden kamen zum Glauben, „sondern das Törichte der Welt erwählte sich Gott, damit er die Weisen zuschanden mache, und das Schwache der Welt erwählte sich Gott, damit er das Starke zuschanden mache, und das von Geburt Niedrige der Welt und das Verachtete erwählte sich Gott und was nicht [etwas] ist, damit er das, was [etwas] ist, zunichtemache, auf dass sich kein Fleisch vor ihm rühme.“ (1Kor 1,27-29)

    Und sobald sie zum Glauben kommen, kann Christus sie erhöhen: 1S 2,7.8: „Jahweh macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht auch. Er hebt aus dem Staub empor den Geringen, aus dem Kot erhöht er den Armen, um sie sitzen zu lassen bei den Edlen. Und den Thron der Ehre gibt er ihnen als Erbteil; denn Jahwehs sind die Säulen der Erde, und auf sie hat er das Festland gestellt.“

„als Reiche im Glauben“ 

    Wer das Gnadenangebot Christi nicht annimmt, verlässt sich auf sich selbst, d. h., er ist noch zu reich und zu stolz. Nicht darauf kommt es an, ob wir etwas können, sondern darauf, ob wir ihn lieben

Man kann Gottes Reich nur als Armer annehmen. Dann ist man reich. 

„und [als] Erben des Königreiches, das er denen verhieß, die ihn lieben? 6 Aber ihr verunehrtet (o.: verachtetet; kränktet) den Armen.“ 

    Es ist etwas Schlimmes, wenn man einen königlichen Erben, der den Herrn der Herrlichkeit liebt, zurücksetzt und kränkt. 

Hinweis auf das Verhalten der Reichen (negativ): 2,6b.7

„Unterdrücken euch nicht die Reichen, und ziehen nicht sie euch vor die Gerichte?“

    Sind es nicht die Reichen, die euch gewalttätig behandeln und vor die Gerichte schleppen?

V. 7: „Lästern nicht sie den edlen Namen, der auf euch gerufen wurde?“

    Sind nicht sie es, die den guten Namen in Verruf bringen, der auf euch gerufen wurde?

Hinweis auf das Gesetz (d. h.: auf Liebe und Barmherzigkeit) (positiv): 2,8-11

V. 8: „Wenn ihr tatsächlich das königliche Gesetz … ausführt …“

    Das AT ist nicht unser Regime, aber wir können sehr viele Wahrheiten daraus lernen: wie Gott über Ehe und Familie und Beziehungen danke, was ihm gefällt und was nicht.

    Im NT haben wir Jesus Christus zum König. Das neue Gesetz (das Evangelium) ist daher das königliche Gesetz (das Gesetz der Freiheit; 1,12). Das neue Gesetz ist das Gesetz der Liebe.

„… das königliche Gesetz … ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘, tut ihr wohl.“

    Liebe ist die Zusammenfassung des Gesetzes. Rm 13. 

„wie dich selbst“: Es steht nicht geschrieben, dass wir uns selbst lieben sollten. Nein, wir sollen uns selbst verleugnen. Unsere Situation und uns sollen wir akzeptieren – im Vertrauen auf Gott. 

9 „Wenn ihr aber die Person anseht, …“ 

    D. h., wenn ihr bestimmte Menschen bevorzugt, wenn ihre das Ansehen der Menschen zu einem Kriterium dafür macht, wie ihr mit ihnen umgeht;

„…, begeht ihr Sünde und werdet vom Gesetz erwiesen als Übertreter, 10 denn …“ 

    V. 10 begründet V. 9.

„… wer das ganze Gesetz ‹bewahren und› halten, aber in einem [Gebot] fehlen wird, ist in allem schuldig geworden;“

    Es kommt nicht darauf an, wie viele Gebote du übertreten hast, sondern gegen wen du das Gebot übertreten hast: gegen Gott

V. 11: „denn der, der sagte, ‚Du sollst nicht Ehebruch begehen‘, sagte auch, ‚Du sollst nicht töten‘. Wenn du nun zwar nicht Ehebruch begehst, aber tötest, …“

    z. Bsp. mit Worten (Vgl. K. 4,1.2.) 

„… bist du ein Gesetzesübertreter geworden.“

c. Aufruf zur Liebe im Blick auf das Gericht 2,12.13

12 „So redet und so handelt – als solche, die durch das Gesetz der Freiheit (d. i.: das Königsgesetz, das Gesetz Christi; das Gesetz der Liebe) gerichtet werden sollen; 13 denn das Gericht ist unbarmherzig gegen den, der nicht Barmherzigkeit übte;“

    Das Gericht ist immer unbarmherzig. Es muss nach dem Gesetz handeln. Gnade gibt es nur in Jesus Christus. 

„… und Barmherzigkeit rühmt sich gegen das Gericht (o.:  triumphiert über das Gericht).

    Wenn du das Gesetz gehalten hast – durch Christi Kraft und Liebe, die in dir wohnt, Rm 5,5 –, kannst du gelassen in die Ewigkeit gehen, kannst jauchzen, dich rühmen: „Ich habe in Christus neues Leben, das Leben des Gottes der Liebe.“ 

    Wenn jemand wirklich glaubt, wird Frucht entstehen. Wer neues Leben hat, hat Christus, und dieser wird sich durch ihn auswirken – als Frucht im Reden, Denken, Handeln: in Liebe. 

    Zeigt sich nichts, so ist wohl die Ursache, dass kein Leben vorhanden ist. Zeigt sich die Liebe nicht, muss ich mich fragen, ob ich wirklich Christ bin. 

    Wenn sich Liebe zeigt, können wir erhobenen Hauptes ins Gericht gehen. Liebe, – nicht Regeln! Keine Gemeinde sollte neue Regeln aufstellen. Es gibt keine Gemeinderegeln als nur das Wort Gottes.

2. Wie wichtig diese Frucht ist: Glaube ohne Taten ist tot. 2,14-26

    Jakobus zeigt in drei Abschnitten auf: Der Glaube ohne die Taten ist nutzlos (V. 14-17); er kann von niemandem gesehen werden (V. 18-20) und er rechtfertigt nicht (V. 21-26). Jeder Abschnitt endet mit der Aussage, dass Glauben ohne die Taten „tot“ ist (V. 17.20.26).

a. Er ist nutzlos: 2,14-17

Glaube ohne Taten kann nicht retten. 2,14.15

14 „Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, aber nicht Werke hat? Kann etwa der Glaube ihn retten?“

    Vgl. Gal 5,6: „in Christus Jesus vermag weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit etwas, sondern Glaube, der durch Liebe wirkt.”

    Was nützt es?“

Was nützt es mir im Gericht, wenn ich einen Glauben habe, der ohne Auswirkungen ist? Was hat man davon? Nichts! Was wird dir das dann helfen am Tag des Gerichts? Nichts! Dann bist du verloren. 

    Es geht um das Heil! Wenn ich keine Frucht habe, habe ich keinen Glauben. Wenn ich keinen Glauben habe, habe ich kein Heil. Wenn kein Leben da ist, kann man keines sehen. Wenn Leben vorhanden ist, wird es zu sehen sein. 

    Mt 22,12: Hochzeitskleider hat man damals nicht selber mitgebracht, sondern die wurden an der Tür vergeben. Wenn jemand ohne Festkleid im Saal erschien, war klar: der war nicht durch die Tür hereingekommen, sondern woanders. 

V. 15: „Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester unbekleidet wäre („d. h.: ohne ausreichende Kleidung; dürftig gekleidet) und der täglichen Nahrung entbehrte“

„Arm“ war damals jemand, der nicht genug hatte, um am Leben zu bleiben. Jakobus sagt: Wenn du ihm nicht hilft, trägst du zu seinem Tod bei! 

Glaube ohne Taten ist dem Nächsten keine Hilfe. 2,16

16 „… und jemand von euch zu ihnen sagte: ‚Geht hin in Frieden! Wärmt euch und werdet gesättigt‘, …“

Oder: „Ich wünsche euch alles Gute. Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen.“

„…, ihr gäbt ihnen aber nicht, was der Leib braucht, was nützt es?“

Was nützt es dem so gen. „Gläubigen“, der keine Liebe hat? Was wird es ihm dann helfen am Tag des Gerichts? Nichts!

Schlusssatz 2,17

17 „So auch der Glaube: Wenn er nicht Werke hat, ist er tot in Bezug auf sich selbst.“ 

Er hat sich selbst bloßgestellt als eine Leiche. Somit wird klar: ein solcher Glaube ist durch und durch tot. 

Nicht, dass Werke zum Glauben hinzukommen müssen. Nein, Jakobus will sagen, dass sich der Glaube in Werken auswirken muss; sonst ist er kein echter Glaube. 

b. Glaube ohne Taten kann nicht gesehen werden. Wahrer Glauben zeigt sich in Taten. 2,18-20

Erstes Beispiel: Jemand, der die Frucht hat 2,18

„Es wird jedoch jemand sagen: „Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben aus deinen Werken, so werde ich dir aus meinen Werken meinen Glauben zeigen.“

    In Jk 2 18 spricht derjenige andere den an, der in 2,14 gesagt hatte „Ich habe Glauben“, der aber keine Werke hatte. In V. 18 spricht also ein anderer „Jemand“ zu dem von 2,14: 

    „Du hast Glauben (ohne aber Werke zu haben, 2,14), und ich habe Werke (d. i.: Taten, die meinen Glauben zeigen). Zeige mir deinen Glauben …!“

    Er wundert sich: „Was ist das für ein Glaube, der nicht durch Taten sichtbar ist? Ein solcher Glaube macht keinen Sinn. Er entspricht nicht dem Glauben, den der Herr haben will.“ Er sagt also: 

 „Zeig mir deinen Glauben, aus deinen Werken (o.: Taten), …“ Aber da ist nichts vorhanden. Da sind keine Taten, die Glaubensfrucht sind. 

„… und ich werde dir aus meinen Werken (d. i.: Taten als echte Glaubensfrucht) meinen Glauben zeigen.“

    Jemand, der echte Glaubensfrucht hat, sagt zu einem anderen, der nur das Glaubensbekenntnis hat: 

  „Du hast Glauben,“ (sagst du; also: Du hast ein Bekenntnis) „ich hingegen habe echten Glauben, der sich in Taten äußert. Zeige mir deinen Glauben aus deinen Taten, damit ich sehen kann, ob dein Glaube ein echter Glaube ist, und dann werde ich dir aus meinen Taten meinen (echten) Glauben zeigen. (Es sind also nicht zwei, die hier sprechen, sondern nur einer.)

    Glaube muss durch Taten sichtbar werden. Zunächst glauben wir dem mündlichen Zeugnis und taufen den Betreffenden. Dann aber muss etwas von seinem Glauben sichtbar werden.

Zweites Beispiel: Die Dämonen 2,19

„Du glaubst, dass Gott einer ist. Du tust wohl,“

    Das ist aus 5M 6, dem „schemisrael (Höre, Israel!)“. Auch Christen konnten das noch nachsprechen. Christen glaubten nach wie vor an die Einheit Gottes, obwohl sie an Jesus Christus glaubten. 

„Auch Dämonen glauben das und schaudern (o. zittern).“

    Jakobus sagt: Wenn das alles ist, woraus dein Christsein besteht, dann sieh, in was für einer Gesellschaft du bist. Die Dämonen, die zittern wenigstens. Du nicht. Bei dir ist es schlimmer. Wenn ein solcher Glaube den Dämonen schon nichts hilft, wie viel weniger dir! Dann solltest du wenigstens Angst haben vor dem Gericht.

Schlusssatz 2,20

„Willst du aber zur Kenntnis nehmen, …“ – Wer die Wahrheit verstehen willkann sie erkennen. 

„o leerer Mensch, dass der Glaube ohne die Werke tot ist?“ – Glaube, der sich nicht in Taten zeigt, ist nicht wirklich biblischer Glaube. 

c. Man wird aus Taten gerechtfertigt, nicht aus Glauben allein. 2,21-26

Erstes Beispiel: Abraham 2,21-24

V. 21: „Wurde nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt, als er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar geopfert hatte?“

    Hier geht es um den Beweis der Echtheit des Glaubens. 

V. 22.23: „Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte, und durch die Werke der Glaube vollendet wurde (o.: zur Vollendung gelangte). Und die Schrift wurde erfüllt (d. i.: bestätigt), die gesagt hatte: ‚Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.’“ 

    Es stellte sich als wahr heraus.

„Und er wurde ‚Freund Gottes’ genannt.“ 

    2Ch 20,7; Jes 41,8; vgl. 1M 18,17. 

24 „Ihr seht nun also, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird, nicht aus Glauben allein.“

Zweites Beispiel: Rahab 2,25

„Und wurde nicht auch Rahab, die Hure, in gleicher Weise aus Werken gerechtfertigt, als sie die Boten aufgenommen und auf einem anderen Wege hinausgelassen hatte?“

Schlusssatz 2,26

„Denn gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne die Werke tot.“

    Ist die Tat, die Liebe als Frucht des Glaubens, nicht vorhanden, so zeigt sich: Der Glaube ist eine Leiche. 

C. Über das Reden: 3,1-18

Hier ist unsere schwächste Stelle. Die Zunge ist die Ursache von vielen Problemen und Sünden. Jakobus gibt Hilfen und zeigt, wie man die Zunge unter die Zucht bekommen kann. 

1. Einführende Aufforderung: Werdet nicht viele Lehrer! 3,1-2A

a. Die Aufforderung: 3,1A

V. 1 „Werdet nicht viele Lehrer (o.: Werdet nicht Lehrer in großer Zahl), meine Brüder, …“

    Es geht wahrscheinlich nicht nur um das öffentliche Lehren. In der jüdischen Synagoge waren es nicht nur die Schriftgelehrten, die Lehre erteilten. Es durfte jeder Mann zu Wort kommen. In den christlichen Gemeinden gab es in der Anfangszeit ebenfalls zwei Grundarten von solchen, die lehrten. Einmal waren es die, die als öffentliche Lehrer bekannt waren, zuerst die Apostel; es folgten bald andere, die offensichtlich die Gnadengabe hatten und sich im Leben bewährt hatten. Zum anderen gab es solche, die gelegentlich lehrten. Manches Lehren geschieht von Person zu Person oder im engeren Kreis. Zeigt jemand da eine gewisse Begabung, kann ihm im größeren Kreis Gelegenheit gegeben werden, etwas zu sagen.

    Jk 3,1 will nicht so verstanden werden, dass niemand den Wunsch haben sollte, Hirte oder Lehrer zu werden. Im Gegenteil: Nach 1Tm 3,1 ist solch ein Wunsch gut und wichtig. Und, wenn es nur wenige Lehrer gäbe, wie sollte Gottes Volk unterwiesen werden? 

    Der Hebräerschreiber erwartet von jedem Christen, dass er imstande sei, zu lehren (Heb 5,11-14). 

    Jakobus sagt: „Tretet nicht zu schnell als Lehrende auf.“ Das beinhaltet auch: „Bleibt immer Lernende, auch dann, wenn ihr bereits Lehrer seid.“ Ein Lehrer leitet Gottes Volk an. Die Hörer nehmen oft von Vornherein an, dass das, was der Lehrer sagt, Gottes Wort und daher die gesunde Lehre ist. 

    Wenn Lehrer Gottes Wort lehren, sind sie Zitierende. Sie sollen Zitierende bleiben! Sie sagen: „So sagt die Heilige Schrift!“ Als Lehrer und Prediger müssen wir nicht Predigten basteln. Wir haben einfach das weiterzugeben, was Gottes Wort sagt. 

    Wenn jemand redet, tue er es als einer, der Worte Gottes spricht! (1P 4,11).

    Wir beachten, dass Jakobus betont, dass wir Lehrende eine sehr große Verantwortung haben – und ein strenges Gericht: 

b. Begründung: 3,1M

„… da ihr wisset, dass wir (die als Lehrende auftreten) ein strengeres (w.: größeres) Urteil (o.: Gericht) empfangen werden, …“

    Mose wurde strenger bestraft. Ein einziges Vergehen (das sich unter anderem über den Mund äußerte) hatte zur Folge, dass er das gelobte Land nicht betreten durfte (4M 20,12; 27;14). 

c. Erklärung: 3,2A

V. 2: „… denn wir alle straucheln in vielem (o.: in vielfacher Hinsicht).“ 

    Die Verantwortung eines Lehrers ist groß. Die Gefahr der Heuchelei besteht vor allem für solche, die sich stark dem Dienst des Lehrens gewidmet haben.

    Christen sollten eine edle Sprache führen, vor allem die Lehrer (Spr 16,21): „…Anmut der Sprache mehrt die Lehre“. D. h., eine aus dem Herzen kommende Schönheit des Ausdrucks gibt der Belehrung Anziehungskraft und verschafft ihr Eingang in die Herzen der Hörer.

    Bevor Christen Lehrer werden, sollten sie lernen, die Zunge zu beherrschen. Darum geht es in den nächsten Versen: 

2. Vom Mittel des Redens (o.: Vom Beherrschen der Zunge): 3,2M-12

a. Von der Wichtigkeit der Zunge: 3,2M-8

I: Die Zunge ist wichtig, weil sie trotz ihrer Kleinheit viel bewirken kann: 3,2M

Der positive Einfluss der Steuerfähigkeit. 

Die Aussage: 3,2M

„Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, so ist dieser ein vollkommener Mann, fähig auch den ganzen Leib im Zaum zu halten (w.: am Zügel zu führen ).“

    Die Zunge ist, was das Beherrschen anlangt, die schwerste Stelle. Sich an der Zunge zu beherrschen, ist schwerer als sich am Gaumen und am geschlechtlichen Appetit zu beherrschen.

    Es gibt keinen, der seine Zunge vollkommen beherrscht. – Nur Jesus. Aus seinem Mund kam nichts Falsches und nichts Übles: kein Trug, keine Unwahrheit, keine lieblosen oder gedankenlosen Worte. 

    „Er wurde misshandelt – aber er, er beugte sich; und er tat seinen Mund nicht auf – wie das Lämmlein, das zur Schlachtung geführt wird, und wie das Mutterschaf, das stumm ist vor seinem Scherer. Und er tat seinen Mund nicht auf.  … Und man wies ihm sein Grab bei Ehrfurchtslosen zu. Aber in seinem Tode war er bei einem Reichen – darum, dass er kein Unrecht begangen hatte und kein Trug in seinem Mund gewesen war.“ (Jes 53,7.9). 

Erstes Bild: 3,3

3 „Sieh, den Pferden legen wir das Zaumzeug in die Mäuler, damit sie uns gehorchen, und wir lenken ihren ganzen Leib.“

    Die Zunge ist wichtig, weil sie eine wichtige Stellung hat. Sie ist wie das Zaumzeug für das Pferd. Wenn jemand seine Zunge steuern kann, kann er sein ganzes Leben steuern.

Zweites Bild: 3,4

4 „Siehe, auch die Schiffe, die doch so groß sind und von heftigen Winden getrieben werden, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin irgend der Druck des Steuermannes es will.“

    Was wird durch diese Bilder gezeigt? Etwas Kleines kann große Dinge steuern. Die Zunge hat große Einflussmöglichkeiten. 

Die Erklärung: 3,5A

5 „So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge.“

    Das ist eine Tatsache. Da die Zunge einen dermaßen großen Einfluss hat, müssen wir darangehen, sie zu beherrschen. 

    Gott plante, dass das Evangelium vor allem über die Zunge verbreitet wird. Als Gott begann, mit den Menschen umzugehen, sprach er. Als Gott von Neuem begann, mit den Menschen umzugehen, sprach er wiederum. Jesus Christus ist das Wort Gottes (Jh 1,1; der griechische Begriff logos bedeutet so viel wie „zum Ausdruck gebrachter Gedanke“). Jesus Christus ist Gottes Sprechen. Sein Name ist: das Wort Gottes. Off 19,16.

II: Die Zunge ist wichtig, weil sie trotz ihrer Kleinheit eine große Zerstörungskraft hat: 3,5M-8:

Das ist die negative Seite. Jakobus nimmt sich Zeit, dieses zu beschrieben; danach begründet er. 

Die Größe ihrer Zerstörungskraft: 3,5M

„Siehe, ein kleines Feuer – welch einen großen Wald zündet es an! 6 Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt des Unrechts steht sie da unter unseren Gliedern.“ 

    Mit dem Begriff „die Welt des Unrechts (o.: der Ungerechtigkeit)“ wird der Raum bezeichnet, wo Ungerechtigkeit herrscht. Das Wort „Welt“ steht hier im Sinne von „Heimat“, „Zuhause“ (wie in Kol 2,20). Die „Welt“ ist der Bereich, wo man zu Hause ist. 

     Woran denkst du und was tust du, wenn du unbeobachtet und alleine und frei bist? Genau das ist deine Welt.

    Die Zunge ist die Welt der Ungerechtigkeit. Alles – die ganze Welt des Unrechts – begann damals mit der Zunge der Schlange. Dieser kleine Funke zündete eine gesamte Welt an. 

    Die Zunge stellt also die ganze Welt der Ungerechtigkeit dar. Dem Fluch, der durch die Sünde kam (1M 3), wird entgegengewirkt durch das neue Reden Gottes im Evangelium. 

„Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt des Unrechts steht sie da unter unseren Gliedern: Sie befleckt den ganzen Leib und setzt in Flammen das Rad der Geburt (den Lauf des Lebens) und wird in Flammen gesetzt von der Hölle;“ 

    Mit dem „Rad der Geburt“ ist das Rad des Daseins gemeint, der ganze Lauf des Lebens.

    Es ist wie ein brennender Wagen: Die Zunge hat diesen Wagen angezündet; wenn dieses Feuer nicht gelöscht wird, wird nicht nur das eigene Leben ruiniert, sondern auch die Welt rund herum. 

Die Ursache ihrer Zerstörungskraft: 3,6M

„… und sie wird in Flammen gesetzt von der Hölle“.

    Sie ist eine zerstörende Flamme. Woher kommt diese? – Von der Hölle. Das ist eine jüdische Redewendung: Anstatt „Gott“ sagt man „der Himmel“ (wie z. B. in Lk 15,21: „ich habe gesündigt gegen den Himmel“, d. h., gegen Gott; Dan 4,23: „… die Himmel herrschen“, d. h., Gott herrscht.)  Anstatt „der Teufel“ sagt man „die Hölle“. Der Teufel war es, der damals in Eden diese Flamme anzündete. 

    [Nb.: Andere Beispiele für jüdische Sprechweise: „Kinder/Söhne des Ungehorsams“ (Kol 3,6; Eph 2,2) sind Menschen, die dem Ungehorsam verfallen sind; „Söhne des Zorns“ sind solche, die dem Zorn verfallen sind bzw. deren Verhalten vom Zorn regiert wird.]

Die Begründung, warum die Zunge so große Zerstörungskraft hat: ihre Unbändigkeit: 3,7-8

V. 7: „… denn jede Natur, der wilden Tiere und auch der Vögel, der kriechenden Tiere und auch der Meerwesen, wird gebändigt und ist gebändigt worden von der menschlichen Natur, 8 aber die Zunge vermag keiner der Menschen zu bändigen, ein unzähmbares Übel, voll todbringenden Giftes.“

    Was der Mensch in der Natur vermag (zähmen, bändigen), das vermag er bei sich selber nicht. Warum nicht? – Weil er nicht imstande ist, die Zunge zu beherrschen. 

    Nur Gott kann sie bändigen. 

b. Von der Zwiespältigkeit der Zunge: 3,9-12

Die Zunge ist wie eine zwiespältige Quelle. Aus demselben Mund kann Gegensätzliches hervorkommen. Beim Menschen ist etwas möglich, das in der Natur nicht vorkommt: dass aus einer einzigen Quelle Widersprüchliches hervorquillt. 

    Der Mensch (auch der Christ) ist im Wesen ein Sünder; und er verhält sich oft widersprüchlich. 

    Als Gott begann, mit dem Menschen zu sprechen, segnete er ihn. Segen ist der Weg zum Leben. Segnen ist: Ankündigen von Leben. Fluch ist der Weg zum Tod. Fluchen ist: Ankündigung von Tod. Wenn Gott flucht, steht Tod vor der Tür; dann ist das Ende des Lebens angekündigt. Wir aber sollen die Menschen segnen, d. h., ihnen Leben vermitteln – als Gebetswunsch gleichsam. 

Die zwei Quellen: 3,9.10

V. 9: „Mit ihr loben (o.: segnen) wir den Gott und Vater (eigtl.: den, der Gott ist und der Vater ist) und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die in der Ähnlichkeit Gottes geschaffen sind (w.: entstanden sind).“ 

    Jakobus sagt „wir“. Er hat sich selbst in seinem Wesen erkannt – er, der so gerecht lebte, dass er von den Juden den Beinamen „der Gerechte“ erhielt. Aber Jakobus wusste um sein sündiges Wesen. 

    Wir werden uns selbst nicht richtig beherrschen können, bis wir erkennen, wer wir im Wesen wirklich sind. 

„… die Menschen, die in der Ähnlichkeit Gottes geschaffen sind“: 

    Auch nach dem Sündenfall sind wir zum Teil noch gottähnlich (in unserem Wesen); zum Teil (in unserem moralischen Charakter) sind wir es nicht mehr. 

    Wenn wir Aussagen über den Menschen machen, machen wir Aussagen über den Schöpfer desselben. Wie wir miteinander umgehen, so gehen wir (indirekter Weise) mit Gott um. Wie wir den Menschen behandeln, der im Bilde Gottes geschaffen ist, so behandeln wir letztlich den Gott, der ihn schuf. „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden! – denn im Bild Gottes hat er den Menschen gemacht.“ (1M 9,6)

    Wenn wir jemanden verfluchen oder verwünschen, maßen wir uns an, Gott zu spielen. Wir Menschen aber dürfen das göttliche Gericht nicht vorwegnehmen. Deshalb verbietet Gott, dass wir dem Menschen fluchen. 

V. 10 „Aus demselben Munde geht Lob (o.: Segen) und Fluch hervor.“

    Segen ist der Weg zum Leben, Fluch der Weg zum Tode. 

Segnen bedeutet, jemandem Gedeihen wünschen, für jemanden bitten, dass sein Leben und Wohlergehen gedeiht. 

    Fluchen bedeutet, jemandem den Tod oder etwas Todbringendes wünschen, ihn gleichsam zum Tod schicken. 

„Meine Brüder, dieses sollte so nicht geschehen.“

Die Unnatürlichkeit dieser zwei Quellen: 3,11.12

„Sprudelt eine Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres? 12 Vermag etwa, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven zu tragen oder ein Weinstock Feigen? So vermag keine Quelle salziges und süßes Wasser zu geben.“

    Wie ist so etwas möglich? Was in der Natur nicht möglich ist, ist bei Menschen möglich: ein Handeln gegen die Natur. Wir Menschen – auch nach der Bekehrung – sind zu beidem fähig. Unser Fleisch bleibt Fleisch. Daher sind wir auch als Wiedergeborene fähig, jemandem zu fluchen. 

3. Vom erwünschten Inhalt des Redens: Weisheit 3,13-18

Jakobus stellt zuerst eine Frage (V. 13A), dann gibt er zwei Aufforderungen (V. 13M.14), worauf vier Erklärungen folgen (V. 15-18).

a. Die Frage. 3,13A

13 „Wer ist weise und verständig unter euch?“

    Jakobus sucht weise Christen. 

    Offenbar erwartet er, dass der, der lehrend spricht, weise ist. Es wird ja von einem Lehrer erwartet, dass er mehr weiß, als die, die er zu unterweisen hat. Die Verse 13-18 suchen den in der Gemeinde, der Weisheit offenbart. Sie sind ein Prüfstein, an dem man einen solchen messen kann, ein Scheinwerfer, der die ganze Gemeinde durchstreift und fragt: Wo ist der, der sich als weise erweist? Er sollte weise sein in dem, was er sagt, wie auch in dem, was er tut. Er sollte sich nicht widersprechen in dem, was er lehrt und was er lebt.

    Jakobus setzt voraus, dass wir Menschen eine Einheit sind. Was mit meiner Zunge geschieht, hat einen Einfluss auf meine ganze Person. Und wie ich denke, das wiederum hat Einfluss auf meine Zunge, mein Reden. 

    Jakobus will sagen: Wenn es bei uns nun anders werden soll, dann muss es von innen kommen. 

    Jakobus setzt in seinen Lesern die Wiedergeburt voraus (1,18). Wenn Gott sein Werk in unserem Geist (durch den Heiligen Geist) tun kann, dann kann unser Denken anders werden. Und wenn wir anders denken, werden wir anders reden. Dann können wir Lehrer sein. 

    Stellen wir uns eine Gemeindeversammlung vor, wo Fragen der Gemeinde und des Dienstes besprochen werden. Es kann da mitunter recht rege zugehen. Viele sind es, die gehört werden möchten, die eine Antwort auf ein Problem haben. Bald steht Meinung gegen Meinung; oder die Vielfalt der Vorschläge und Äußerungen wird verwirrend. Da steht ein Vater in Christus auf, ein „Jakobus“, und alles wird ruhig. Er stellt eine einfache Frage in brüderlichem Ton:

    „Wer ist weise und verständig unter euch?“

    Sofort ist jeder veranlasst, in sich zu schauen. Der Heilige Geist hat eine Gelegenheit, das Herz zu erforschen. Es mag sein, dass niemand sich meldet. Aber bei dem einen oder anderen nüchternen Christen ist der Gedanke: Ob ich weise bin, weiß ich nicht. Aber ich habe Gott darum gebeten, und ich möchte es ganz gewiss sein.

    Mancher ist weise, aber er denkt nicht daran. Er ist einfach bemüht, nach dem Wort Gottes zu handeln und dem Herrn Ehre zu bereiten in allen seinen Aufgaben. Ob er wirklich weise ist, das sehen andere manchmal besser.

b. Eine erste Aufforderung, eine positive: „Der Weise zeige aus einem edlen Verhalten seine Werke in Sanftmut der Weisheit.“ 3,13M

„Er zeige (o.: er erbringe den Nachweis) aus einem edlen Verhalten (das aus der Gemeinschaft mit Jesus Christus hervorkommt, Php 1,10) seine Werke in Sanftmut der Weisheit.“

    Wie gehen wir mit anderen um?

I: Ein Weiser hat ein edles Verhalten.

Das ist nicht eine Erkenntnis-Weisheit, sondern Liebe. 

    Wer wirklich weise geworden ist, wird im Charakter sensibler sein, wird ein Auge haben für den anderen. 

    Es gibt Christen, die taktlos sind, ohne Feingefühl, plump, ungehobelt, grob im Umgang mit anderen, mit Kindern, mit dem anderen Geschlecht, auch mit Ihresgleichen. Dann gibt es Christen, denen merkt man es ab, dass sie bei Jesus gewesen sind. Sie sind milde, einfühlsam, verständnisvoll. Ihre Höflichkeit ist keine gemachte, angelernte, sondern eine natürliche, die aus dem Umgang mit dem Herrn gewachsen ist. Wahrscheinlich haben sie auch schon gelitten. (Das Leiden nimmt einem das Heucheln.)

    Weisheit hat also mit unserem Verhalten zu tun. 

    Wenn wir so liebevoll und heilig denken wir Gott, dann werden wir weise handeln; und das wird sich in Sanftmut ausdrücken. Dann werden wir behutsam mit dem anderen umgehen. Wir werden daran denken, dass der andere ein Geschöpf Gottes ist. 

    Von lehrenden Ältesten der Gemeinde wird in den Briefen nicht erwartet, dass sie studiert haben, wohl aber, dass sie einen vorbildlichen Charakter haben. Andere Gläubige sollen sie zum Beispiel nehmen.

II: Das edle Verhalten wird gezeigt „in Sanftmut der Weisheit.“

„Er zeige … seine Werke in Sanftmut der Weisheit“

Was ist „Sanftmut der Weisheit“? Nicht: „Sanftmut mit Weisheit“, sondern eine Sanftmut, die aus der Weisheit kommt. 

„Sanftmut“

Diese Tugend ist bei Gott hoch angeschrieben. Gottes Sohn – in schwieriger Situation – war auf Erden „sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29). Er war sanftmütig, weil er von Herzen demütig war. Seine innere Haltung war die der Demut. (Demut ist vom griechischen Begriff her eine „niedrige Gesinnung“. Jesus Christus war von allen Menschen der demütigste.) 

    Sanftmut ist gelebte Demut. 

    Der gefallene Mensch ist stolz und findet es schwer, sich auf einen anderen einzustellen, die Interessen von einem anderen an erste Stelle zu setzen. Der Weise, der mit seinem Gott in Ordnung gekommen ist, weiß einerseits um seine eigene Schwachheit; andererseits weiß er auch um den Wert seines Nächsten. Er hat – durch Christus – von sich eine niedrige Gesinnung und daher eine dienende Einstellung. Er ist in der Lage, im Umgang mit anderen sanftmütig und feinfühlig zu sein.

III: Was ist eigentlich Weisheit?

Weisheit ist eine Art Wissen – nicht aber nur eine Ansammlung von Kenntnissen. (Mancher, der viel weiß, ist nicht weise.) Doch verlangt die Weisheit ein Maß an richtiger Kenntnis.

    Grundsätzlich, sagt man, ist Weisheit das Wissen um das beste Ziel, das es in einem bestimmten Fall zu erreichen gilt, und um den besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. 

    Biblische Weisheit kennt dazu den Gehorsam und die Kraft, die es braucht, das Ziel zu erreichen. Sie beginnt mit der Furcht Gottes. „Der Anfang der Erkenntnis ist die Furcht Jahwehs.“ (Spr 1,7) 

    Man setzt Gott an die vorderste Stelle. Man anerkennt ihn als den Allerhöchsten und bringt ihm durch Worte und Taten die entsprechende Ehre. Von dieser Einstellung aus bekommt alles andere in der Welt und im Leben seinen gebührenden Platz. 

    Weisheit ist demnach nicht nur ein Wissen, sondern auch ein Tun. Deshalb spricht Jakobus, wenn er von Weisheit spricht, von einem Verhalten. 

    Der törichte Mensch denkt, es gäbe keinen Gott – und verhält sich entsprechend. Er macht sich selbst oder einen anderen Teil der Schöpfung zum Gott. 

    Den reichen Kornbauer (Lk 12,16ff), der für sich selbst Schätze sammelte und nicht reich war bei Gott, nannte Jesus einen „Törichten“. Der Psalmist sagt (Ps 14,1): „Der Törichte sagt in seinem Herzen: Es ist kein Gott.“

    Eph 5,17: „Deswegen werdet nicht töricht, sondern solche, die verstehen, was der Wille des Herrn ist.“ 

c. Eine zweite Aufforderung, eine negative, handelt davon, wie weises Reden nicht aussehen sollte: 3,14.15

V. 14: „Aber, wenn ihr bittere Eifersucht und Streitsucht in eurem Herzen habt, …“

    Jk sagt „wenn“. Wenn die Leser des Jakobusbriefes Eifersucht und Streitsucht in ihren Herzen haben, sollen sie sich nicht rühmen. 

  .  Wir bemerken: Der Apostel zeigt Rücksicht.

Er will nicht unbedingt voraussetzen, dass das Genannte vorhanden ist, hat aber offensichtlich Grund, es zu vermuten: „Wenn ihr … habt, …“

  .  Der Apostel zeigt hier seine eigene Weisheit.

Er ist sanft, feinfühlig, weise im Umgang mit seinen Lesern. Diese Weisheit können wir ihm abschauen.

 „… rühmt euch nicht gegen die Wahrheit …“ 

  .  Wahrheit und Weisheit sind nicht zu trennen. 

Wer unweise handelt und spricht, verneint die Wahrheit Gottes, denn um diese geht es.

V. 14 „Aber, wenn ihr bittere Eifersucht und Streitsucht in eurem Herzen habt, …“ 

in eurem Herzen habt“: Was im Herzen ist, das ist es, was über die Zunge zum Ausdruck kommt. Das Problem ist also nicht in erster Linie die Zunge, sondern das Herz, d. h. das Denken. 

    Wenn wir Eifersucht nicht als Schuld bekennen, brütet sie weiter. Unser Inneres (unser Denken) wird bitter; unsere Einstellung wird negativ. Wir sind dann nicht mehr ein guter Geschmack für den Herrn. 

    Wir lernen, dass Weisheit mit unsere Wollen zu tun hat. Wir wollen uns dem Herrn zur Verfügung stellen – und dort einfügen, wo er uns hingestellt hat. Wir wollen nicht uns selbst nach vorne drängen. 

Eifersucht“  

Die kann sich an drei Stellen zeigen:

    . Ich habe ich ein Ziel, das ich mit allem Eifer erstrebe. Nun ist es gut, mit Fleiß Gottes Ziele zu erstreben, aber allzu oft setzen wir uns etwas in den Kopf, ohne lange darüber nachzudenken und zu beten. 

    . Ich habe ein Ziel bereits erreicht und hüte es nun mit allem Eifer. Niemand soll mir da in die Quere kommen, niemand soll mir zu nahe kommen und mein Glück verderben. 

    . Ich beneide andere, die ein Ziel erreicht haben, das ich noch nicht erreicht habe. Ich beneide sie um ihr Glück. 

    Die Ursache der Eifersucht ist Selbstsucht: Das Ich und das Meine stehen im Vordergrund. 

    Die „Sanftmut der Weisheit“ sucht nicht das Eigene. Sie ist demütig. Echte Weisheit kommt aus der Sanftmut und Sanftmut aus der Demut. 

„bittere Eifersucht“:

Heb 12,15: „… haltet dabei Aufsicht, … dass nicht etwa irgendeine giftige Wurzel der Bitterkeit emporwachse und Schwierigkeit bereite und viele dadurch befleckt werden“. 

    Inwiefern ist sie bitter? Weil sie giftig ist. Vgl. 5M 29,17: „… dass nur ja nicht ein Mann oder eine Frau oder eine Sippe oder ein Stamm unter euch sei, dessen Herz sich heute von Jahweh, unserem Gott, abwende, um hin zu gehen, den Göttern jener Völker zu dienen! Dass nur ja nicht eine Wurzel unter euch sei, die Gift und Wermut als Frucht trage …”

    Wie entsteht sie? Z. B. dadurch, dass man die Wege und persönlichen Führungen Gottes nicht annehmen will. (So der Zusammenhang in Heb 12.) 

. Welche Wirkung hat sie? (Heb 12,15M): „und Schwierigkeit bereite …“ 

    „Schwierigkeit“ ist milde ausgedrückt. Auf verbitterte Christen sollen wir achtgeben. Sie beeinflussen andere negativ. 

und Streitsucht“:

Auch bei der Streitsucht ist die Selbstsucht die Ursache.

  .  Streitsucht entsteht, wo ich zu viel von mir selbst halte. Aller Streit beginnt mit Hochmut im Herzen. 

Spr 13,10: „Bei Vermessenheit gibt es nichts als Gezänk, aber bei denen, die sich raten lassen, ist Weisheit.“

    Die Weisheit in Christus kennt keine Rechthaberei.

  .  Streit entsteht, wo ich habsüchtig bin. 

28,25: „Der Habgierige erregt Zank; wer aber auf Jahweh vertraut, wird reichlich gesättigt.“

  .  Sanftmut beschwichtigt den Streit.

15,18 „Ein zorniger Mann erregt Zank, aber ein Langmütiger beschwichtigt den Streit.“

  .  Zanken ist töricht, nicht weise. 

18,6: „Die Lippen des Toren geraten in Streit, und sein Mund ruft nach Schlägen.“

20,3: „Ehre ist es dem Mann, vom Streit abzustehen; wer aber ein Narr ist, stürzt sich hinein.“

26,21: „Kohle zur Glut und Holz zum Feuer, und ein zänkischer Mann zum Schüren des Streites.“

  .  In den Streit anderer soll ich mich nicht einmischen. 

26,17: „Der ergreift einen Hund bei den Ohren, wer vorbeigehend sich über einen Streit ereifert, der ihn nichts angeht.“

  .  Streit ist oft progressiv; er wird je länger je heftiger: 

17,14: „Der Anfang eines Zankes ist wie die Entfesselung von Wasser. So lass den Streit, ehe er heftig wird.“

V. 14: „… so rühmt euch nicht gegen die Wahrheit und lügt nicht gegen sie …“

  .  Wahrheit und Weisheit sind nicht voneinander zu trennen. Wer unweise handelt und spricht, verneint die Wahrheit Gottes, denn um diese geht es. Paulus spricht in Rm 1,18 von solchen, „die die Wahrheit Gottes durch Ungerechtigkeit niederhalten“.

    Wenn Eifersucht und Streitsucht in meinem Herzen ist, kommen Dinge aus meinem Mund, die der Wahrheit des Evangeliums nicht entsprechen. Ich mache Behauptungen, die gegen die Wahrheit sind. Aus der Spannung heraus verliere ich die Wurzeln der Wahrheit und bringe Worte hervor, die in sich „Lüge“ sind – z. Bsp. Übertreibungen. Ich greife mein Gegenüber an und sage: „Warum tust du immer … (dieses und jenes)?“ Der Angesprochene tut es nicht immer, er tat es vielleicht drei- oder viermal. Oder: „Das habe ich dir schon hundertmal gesagt Aber du hörst nie zu!“ Beide Aussagen sind falsch. 

    „Rühmt euch nicht gegen die Wahrheit und lügt nicht gegen sie.“ 

    „Wenn wir sagen, wir haben Gemeinschaft mit ihm, und wir wandeln in der Dunkelheit, lügen wir und tun nicht die Wahrheit.  … 8 Wenn wir sagen, wir haben nicht Sünde, leiten wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.  …  10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, machen wir ihn zu einem Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.” (1Jh 1,6.8.10)

    In den Versen 3,15-18 gibt Jakobus dann konkrete Hilfestellung.

d. Jakobus gibt Hilfestellung mittels vier Erklärungen: 3,15-18  

Ein Weiser im Reden sollte wissen, wie die Weisheit gestaltet ist und wie nicht. Dieses erfahren wir in den V. 15-18: 

    V. 15 und 16: Wie sie nicht aussieht 

    V. 17 und 18: Wie sie gestaltet ist.

I: Eine erste Erklärung: Ein Reden, aus Eifer und in Streitsucht ist nicht göttliche Weisheit, sondern eine irdische, seelische oder gar dämonische. 3,15

Dieses ist nicht die Weisheit, die von oben herniederkommt“:  

    Von dieser Weisheit sagt Jakobus als Erstes, dass sie nicht vom Himmel ist. Das ist ein radikales Urteil. Wir wollen ja dem Herrn dienen; aber wenn wir unseren eigenen Weg einschlagen, wenn wir gleichzeitig unsere eigene Ehre suchen (neben der des Herrn), dann lügen wir gegen die Wahrheit. 

    Wir sollen wissen: Unser eigenes Können ist nicht von oben. Hochmut ist von „unten“. Das ist die verkehrte Art Weisheit. Sie ist gar nicht Weisheit. 

    Christus kommt von oben. Er ist die Weisheit in Person, Kol 2,3. Diese sollten wir sich ausleben lassen. 

 „sondern sie ist eine irdische“:

    Sie ist von der Erde, irdisch, nicht eine himmlische. Wir rühmen uns. In unserem Eifer belehren wir dann andere. 

    Nicht alles Irdische ist sündig, aber irdische Weisheit ist sündig, weil sie eine natürliche ist, eine diesseitige, fleischliche; nicht von Gott. Das natürliche Denken des Menschen ist von Gott getrennt. 

eine seelische, …“ 

    Was heißt seelisch? (Wir sind in unserem Verständnis von der Welt her geprägt, verstehen daher oft nicht gleich, was so ein Ausdruck bedeutet. Wir sollten von klein auf die Bibel lesen, viel lesen. Wenn wir viel in der Bibel lesen, werden wir Gottes Denken kennenlernen; dann können wir in dieser Welt, der wir ausgesetzt sind, besser zurechtkommen.) Was also ist „Seele“ und was ist „seelisch“? 

    Wir Menschen sind eine Hülle (ein Leib), und innerhalb haben wir einen „inneren Menschen“; den nennt die heilige Schrift „Geist“ bzw. „Seele“. Diese beiden Begriffe werden manchmal synonym (eigtl. fast synonym) gebraucht. Aber an manchen Stellen werden sie unterschieden. Dann wird deutlich, dass der Mensch, was seine Funktionen betrifft, dreierlei ist: Geist, Seele und Leib. 

    Dort wo der innere Mensch mit dem Leib verflochten ist, ist „Seele“. Das was sich da an Bewegung ergibt, ist „seelisch“. Er wäre nicht richtig, würden wir sagen: „Mit dem Geist haben wir Gemeinschaft mit Gott, mit der Seele aber nicht.“ (Vgl. W. Nee, Der geistliche Christ“. Dieses Buch ist in mancherlei Hinsicht gut, aber nicht in allem zu empfehlen, vor allem nicht, was die Anthropologie – die Lehre vom Menschen – betrifft.). Es ist nicht so. Auch mit der Seele haben wir Gemeinschaft mit Gott. (Vgl. z. Bsp. Ps 103,1A: „Lobe Jahweh, meine Seele!“; Lk 1,46: „meine Seele erhebt den Herrn“.)

    Unser Leib ist nicht sündig, aber es wohnt die Sünde im Leib. Der Leib ist „Fleisch“; das Fleisch ist „der Leib am Handeln“. Fleischlich handeln wir, wenn unser Handeln von Leibe her bestimmt ist. Wenn wir unser Denken, Fühlen und Wollen von der diesseitigen Seite herbestimmen lassen, sind wir fleischlich. Gott aber will unseren Leib vom Geist her bestimmen. Wenn unser Handeln von dort her bestimmt wird, sind wir Licht, sind wir himmlisch/geistlich in unserem Entscheiden und Tun. 

    Wir leben in dieser Welt, haben daher viel mit Irdischem zu tun. Wir haben in der Welt Geld zu verdienen, um unsere Familie zu ernähren. Das ist in Ordnung so. Aber wenn unser Sinnen und Trachten im Irdischen aufgeht (z. Bsp. wenn mir das Geldverdienen wichtiger ist als die Sache Gottes), ist das Sünde. 

    Der Herr Jesus sagte, dass wir „stets zuerst nach dem Königreich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit” trachten sollten (Mt 6,33) und dass der Mensch „nicht vom Brot allein“ lebt, „sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes kommt“ (Mt 4,4). So sollte unser Leben aussehen! Zuerst und vor allen Dingen sollte Gottes Wort uns bestimmen. Die diesseitige Welt soll mir nicht im Vordergrund stehen. Wenn ich aber im Alltag stehe, bin ich der Gefahr ausgesetzt, dass ich das Diesseitige zu stark in den Vordergrund stelle. Daher ist es wichtig, dass ich morgens vorher zu Hause – (d. h.: „im Himmel“) war, beim Herrn Jesus, im Wort Gottes. Wenn ich vorher „im Himmel“ war, bin ich vorbereitet, und die diesseitige Welt kann nicht so gut auf mich abfärben. Wir sollten uns nicht von der Welt her prägen lassen. 

    Fleischliches und seelisches Wesen können verwandt sein. Nicht alles Seelische ist verkehrt; nicht alles Fleischliche (Diesseitige) ist verkehrt und schlecht. Aber diese Dinge dürfen in unserem Leben nicht maßgebend werden. Unser Leben muss im Geistlichen verankert sein und bleiben. 

    In Heb 4,12 wird uns mitgeteilt, dass uns das Wort Gottes hilft, zu unterscheiden zwischen gutem Seelischen und schlechtem Seelischem, sowie zwischen gutem Geistlichen und schlechtem Geistlichen: 

    „denn lebendig ist das Wort Gottes und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es fährt durch bis zur Teilung der Seele und auch des Geistes, der Gelenke und auch des Markes, und urteilt über Erwägungen und Vorstellungen des Herzens.” 

    Das Wort Gottes trennt, was ineinander verschlungen war, was nicht zusammengehört. Es teilt, was wie die Fugen eines Organismus fest ineinandergreift. Es dringt durch – wie das Schwert in den Knochen und bis ins Mark. Es dringt durch allen Schein, durch alle Masken. Es dringt bis ins Innerste und beurteilt, was darin ist: Es deckt Gedanken und Absichten auf. Es dringt hinein in die Seele und auch in den Geist. Es „fährt durch bis zur Teilung der Seele und auch des Geistes“. Die Teilung geschieht nicht zwischen Seele und Geist, sondern es schneidet in die Seele und legt bloß, was in ihr ist, und es schneidet in den Geist, legt bloß, was im Geist ist. 

    Die Seele ist die der Leiblichkeit näherstehende Empfindungswelt. Der Geist ist die Sphäre des Denken, Wollens und Entscheidens. 

    Es gibt gutes Seelisches, z. Bsp. Erhebung, wenn wir ein schönes Lied zur Ehre Gottes singen. Wir empfinden etwas in der Seele. Aber es gibt auch böses Seelisches, d. h., Seelisches, das vom Fleisch her befleckt bzw. vom Fleischlichen (Diesseitigen) her bestimmt ist. Wir müssen also einen Unterschied machen; wir müssen unser Denken mit dem Wort Gottes füllen. Wenn unser Denken nüchtern und ruhig vor Gott ist, kann es recht urteilen. Wir bekennen unsere Sünden und entfernen das Unreine vom seelischen Bereich. So teilt das Wort Gottes Gutes von Schlechtem. 

    Ebenso gibt es sowohl Gutes als auch Böses im Bereich des Geistes; ja, auch Böses, z. Bsp. gewisse Philosophien von Menschen. Die größten Denker waren unbekehrte Sünder. Auch sind so manche christliche Bücher, die wir lesen, nicht rein, kommen nicht wirklich vom Wort Gottes her; ihr Gedankengut ist vermischt mit menschlichem Denken. Wir sollen uns daher „reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes und Heiligkeit vervollkommnen in der Furcht Gottes“ (2Kr 7,1).

    Es gibt Weisheit, die von menschlichem Fühlen, Denken und Tun geprägt ist. Da ist die Sünde nahe. Diese Weisheit ist schlecht, weil sie nur irdisch ist und in der Welt Unabhängigkeit von Gott und in der Welt der Sünde zu Hause ist. Das Irdische sollte aber mit dem Himmlischen gekoppelt werden. Wenn jedoch der Leib selbständig, in Eigenverwaltung, handelt, dann müssen diese Handlungen getötet werden: „Dann sind wir also, Brüder, Schuldner – nicht dem Fleisch, um nach dem Fleisch zu leben, 13 denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, seid ihr im Begriff zu sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, werdet ihr leben“ (Rm 8,12.13). 

    Die meisten Menschen um uns her leben mit irdischen Perspektiven. Sie gebrauchen den Leib für das diesseitige Leben, ohne Gott. Paulus sagt (1Kr 2,14-16): „… der seelische Mensch nimmt die Dinge des Geistes Gottes nicht auf, denn sie sind ihm Torheit, und er vermag sie nicht zu kennen, weil sie geistlich beurteilt werden; 15 aber der Geistliche beurteilt alles; er selbst wird aber von niemandem beurteilt;  16 denn wer kannte je den Denksinn des Herrn? Wer wird ihn unterweisen? Wir aber haben den Denksinn Christi.”

    Jakobus zeigt uns die Quelle auf, warum es Eifersucht und Streitsucht gibt: Weil wir irdisch gesinnt sind, seelisch denken bzw. handeln und nicht geistlich (d. h. vom Heiligen Geist und vom Wort Gottes her) denken. 

Nun zeigt er ein Drittes: 

eine dämonische“: 

Dieser Ausdruck ist fremd für uns. In der Seelsorge unterscheiden wir oft zwischen normalen Problemen bzw. Sünden einerseits und okkulten Sünden andererseits. Wir meinen, okkulte Sünden müssten auf besondere Art und Weise behandelt werden. Aber so denkt die heilige Schrift nicht. Sie weiß um besondere okkulte Kontakte, aber sie weiß auch, dass wir viel mehr mit dem Feind Gottes in Kontakt kommen als wir denken. Paulus zeigt es in Eph 6,11.12 auf, Johannes in 1Jh 1,5.6 und 2,9-11. 

    Bei manchen Christen wühlen unter der Oberfläche dieselben Sünden und sind dieselben Zeichen vorhanden wie bei Menschen, die mit Okkultem zu tun hatten. Dort, wo wir Sünde nicht bekennen, gewinnt der Feind Raum. Wo das Fleisch ist und wirkt, da ist der Satan; da hat der Teufel Raum (Eph 4,28). Wo wir Sünde nicht bekennen, da kommen die Geister in den Raum und betätigen sich. Wir merken es nicht. Die Geister verstecken sich, und unsere Problematik verstärkt sich – dadurch, dass wir es nun nicht mehr nur mit Sünde zu tun haben, sondern mit bösen Geistern. 

    Christen, die ihre Sünden nicht bekennen, sind dieser Gefahr ausgesetzt. Wir haben in den Gemeinden oft mehr Dämonisches als wir ahnen. Es können Menschen sein, die öffentlich dem Herrn dienen. Es kann sein, dass sie ihre Probleme ausgezeichnet verbergen; nach außen hin sehen sie aus wie Menschen, die dem Herrn hingegeben dienen. Aber früher oder später kommt es ans Licht. Eine schwere Sünde findet statt, oder eine Ehe geht auseinander; und man ist erstaunt und fragt sich, wie so etwas geschehen konnte. Da nagte etwas schon lange Zeit von innen her, wie bei einem Baum, der von innen her morsch wird. So etwas gibt es bei Christen. Plötzlich kippen sie um, fallen sie, – weil sie über längere Zeit hinweg nicht auf ihr inneres Leben geachtet haben, die Zeit in der Stille mit Gott und seinem Wort vernachlässigt haben. 

II: Eine zweite Erklärung: Ein solches Reden bringt schlechte Früchte. 3,16

„… denn da wo Eifersucht und Streitsucht sind, da ist ein Durcheinander [o.: Unordnung; Unruhe; Unfrieden und jedes schlechte Tun.“

    Das Durcheinander ist das Ergebnis des Regimes des Teufels. Er zerstört die Reihenfolge und Ordnung Gottes. Der Teufel will alles durcheinanderbringen. Zum Beispiel will er alles mit betäubender Musik füllen, damit es kaum noch Stille gibt. Oder er will alles mit Information füllen, damit Gott nicht mehr gehört wird. Daher gibt es heute so viel Lärm, Mobiltelephon-Apps, Facebook und Twitter, sonstige Internet-Beschäftigung, Radio, so viele Nachrichten, so viele Bücher. (Es ist gar nicht wichtig, dass wir alles wissen. Es ist sogar unmöglich. Diese Last können wir nicht tragen. Und die Medien sind nicht notwendigerweise gut, auch nicht die alternativen.)  

    Gott aber will nicht ein Durcheinander. Er will Ordnung (gr. kosmos): ästhetische Ordnung (Schönheit), ethische Ordnung (Sittlichkeit), nicht steife, sondern sinnvolle, Ordnung mit Kontinuität, mit Sinn. 

    In einem Durcheinander ist kein Sinn. Gott will nicht das Durcheinander. Die Sünde bringt alles durcheinander und macht es „sinn-los“, losgelöst von Sinn. Sünde zerschneidet. – Das Ergebnis ist dann Fragmentierung (Zergliederung, Auseinanderbrechen der Heiligen in viele kleine Grüppchen, die nichts mehr miteinander zu tun haben wollen) und Tod. 

III: Eine dritte Erklärung: Weisheit von oben ist zuerst rein. 3,17

In den V. 17 und 18 zeigt uns Jakobus, wie echte Weisheit (bzw. weises Reden) aussieht. 

Die Weisheit, die von oben ist, ist zuerst rein, dann friedlich, dann milde, nachgiebig, …“

 „zuerst rein“: 

    Das Wort bedeutet: unvermischt und deshalb rein, nicht vermengt mit Unsauberem. Das wollen wir sein: zuerst rein, wahr, keusch, lieblich! Wir sollten transparent sein, durchsichtig wie Glas. Wir sollten es uns leisten, durchschaut zu werden. Wir können das nicht selber, aber wollen bereit sein, uns durchschauen zu lassen. Der Herr ist es, der uns durchschaut; aber wir sollen bemüht sein, lauter zu sein, unvermischt mit Bösen. 

    Unsere heutige Zeit und Gesellschaft ist von Vermischung gekennzeichnet. Es ist erstaunlich, wie es möglich ist, dass Gutes so nahe neben Unreinem sein kann. Wir müssen ein scharfes Auge bekommen für das, was dem Herrn gefällt und was ihm nicht gefällt. Wir sollten bemüht sein, die himmlische Weisheit umzusetzen in einem Leben auf dieser Erde, damit wir hier himmlisches Licht in der Welt verbreiten. Wir wurden gerufen, anders zu sein als diese Welt. Christen setzen sich ab. Es muss klar ersichtlich werden: Diese Leute sind Himmelsbürger. 

    Wir leben in dieser Welt wie der Herr Jesus: nicht geographisch abgesondert, aber innerlich, heilig, unvermischt. Bei ihm konnte man erkennen, dass er nicht von dieser Welt war. 

 „dann friedlich (o.: friedfertig)“:

    Was bedeutet „friedlich“? – Der biblische Friede ist mehr als das Ausbleiben von Zwistigkeiten, Zank und Streit. Es ist das, was danach folgt, wenn Zank, Streit und Krieg ausbleiben. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Schweiz anders als Deutschland: sauber, gepflegt, intakt, schön. So sieht es aus, wenn kein Krieg ist. Dann kann etwas gedeihen, kann etwas aufgebaut werden. Und dieses gehört zum biblischen Frieden. Es ist das Gedeihen, das in einer friedlichen Zone geschehen kann. 

    Im Hebräischen grüßt man mit „Schalom“; das bedeutet „Wohlergehen“. Dieser „Friede“ ist hier gemeint. 

    Die Weisheit, die von oben her ist, ist friedlich. Sie hat aufgehört zu hadern – mit Gott und mit Menschen. Und sie hat einen Raum geschaffen, in dem Gott sein Werk tun kann, einen Raum, in dem geistliches Leben gedeihen kann. Da können Glaube und Liebe wachsen. Da kann der Dienst wachsen. Da ist die Zone, wo das Geistliche gedeihen kann. So sollten Christen sein! Sie sollten solche Zonen in der Welt sein, wo das Himmlische gedeihen kann, wo die anderen Menschen sehen können, wie es aussieht, wenn Gott da ist. 

    Wozu schickt Gott Zeiten von Erweckung und Neubelebung? – Damit Menschen erkennen, wie es aussieht, wenn Gott König ist! Wenn Gott in jedem Herzen regiert, haben wir Frieden, Gedeihen; Himmelsluft auf Erden! 

 „dann milde“: 

    Das beinhaltet: sanft, nachgiebig, gelinde, gütig, freundlich, nicht hart. 

    Christen sind dafür bekannt, dass sie nicht mit der Faust vorgehen. Warum? – weil sie sanftmütig und demütig sind. Demut ist richtige Selbsteinschätzung; Sanftmut ist richtige Nächsten-Einschätzung. Um sanftmütig zu sein, brauche ich zuerst Demut; dann lerne ich Sanftmut; und diese bringt es mit sich, dass ich milde mit dem anderen umgehe. Ich habe es ja mit Menschen zu tun, die Gott nach seinem Bilde schuf. Die Art und Weise, wie ich mit dem anderen umgehe, zeigt, was ich von ihrem Schöpfer halte. Christen sind milde, gelinde. Sie kennen den Wert des Menschen. 

    Milde ist man, wenn man erkennt, dass auch der am wenigsten ansehnliche und der schwächste Christ einen großen Wert haben. Christen erkennen und anerkennen, dass der Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist, und gehen entsprechend miteinander um. 

 „dann nachgiebig“: 

    Weisheit „lässt sich sagen“. (Vgl. Luther-Üsg.)

    Kannst du nachgeben? Oder musst du auf deiner Meinung bestehen? Muss es unbedingt nach deiner Vorstellung ablaufen? Wenn du wirklich überzeugt bist, dass deine Gedanken die richtigen sind, dann kannst du auch dann nachgeben, wenn deine Pläne durchkreuzt werden; denn auch Gott führt nicht immer seine Ideen sofort durch. Er nimmt sich Zeit, um Menschen zu überführen. Er kann warten. Manchmal muss er lange Zeit warten, bis wir seine Wege kennenlernen wollen und gehen wollen. 

    Nachgiebigkeit kennzeichnet einen Christen, dessen Weisheit von oben ist. 

 „voll von Barmherzigkeit“: 

    Barmherzigkeit findet dort statt, wo man sich zu jemandem, der sich etwas weiter unten befindet, herabneigt. 

    Paulus formuliert interessant: „… wobei man ‹in der Begegnung› miteinander derselben Gesinnung sei, nicht auf die hohen Dinge sinne, sondern sich mit denen, die niedrig sind, mitführen lasse“ (Rm 12,16). 

    Viele sind noch nicht so stark wie wir, sind geistlich geschwächt und tragen Lasten, Leiden oder Sünden mit sich herum. Solchen gegenüber sollen wir barmherzig sein. Wir sollen Mitleid haben, denn auch wir waren einmal so. 

    Christen, deren Weisheit von oben kommt, sind barmherzig.

 „voll von guten Früchten“:

Weisheit ist ein großes Wort; es ist „das Kennen um alles Göttliche“. Und diese Weisheit bringt gute Frucht. Wer göttlich denkt, wer im Wort Gottes zu Hause ist, bei dem gedeihen gute Früchte aller Art. 

    In V. 18 heißen sie „Frucht der Gerechtigkeit“. Diese Frucht ist das Gute, das Gott im Heil zuwege bringt, das Richtige, Rechte. Und diese Rechte bringt in unserem Leben Frucht. Das ist die Weisheit, die von oben kommt. 

 „unparteiisch“:  

    Das heißt, frei von Vorurteilen und Misstrauen, ohne Bedenken, ohne misstrauische Gedanken, ohne innerliches Diskutieren. 

    Lassen wir es nicht zu, dass wir uns unnötigerweise voneinander trennen! Wir dürfen uns nicht in aufgespaltene Grüppchen aufteilen lassen. Wir sind ein Volk, ein Leib. Es darf keinen Riss geben. 1Kr 12,25: „… damit nicht ein Zwiespalt im Leibe sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander trügen”. 

 „und ungeheuchelt“: 

    Lieber nachgeben und friedlich bleiben! Lieber mich beherrschen als den Ärger und Unmut zum Ausdruck bringen; – und wenn ich dabei heucheln müsste! 

    Manchmal ist es richtig, miteinander zu sprechen. Aber manchmal ist es falsch, sich „auszusprechen“. Oft vertieft es den Graben. 

IV: Eine vierte Erklärung: Weisheit von oben bringt gute Früchte. 3,18

Aber die Frucht der Gerechtigkeit wird in Frieden gesät denen, die Frieden schaffen.“

    Der Weise, von dem Jakobus spricht, bringt gute Früchte. Göttliche Weisheit kann man also an ihren Früchten erkennen.

 „die Frucht der Gerechtigkeit“: 

    Sie entsteht dort, wo man sich für Frieden einsetzt. Die Weisheit im Reden braucht eine Verhaltensweise, die das Reden stützt. Es muss Evangelium gesät werden, aber wie? 

 „…wird gesät in Frieden“:

    – im göttlichen Frieden des Evangeliums. Jeder soll die Wahrheit „in Liebe“ (Eph 4,15; 4,16E) sprechen, im Frieden. Friede entsteht in einer Atmosphäre des Friedens; er selbst – der weise Christ – muss „in Frieden“ sein (2P 3,14). Wenn er selbst „in Frieden“ ist, kann er im Frieden vorgehen. Dann entsteht ein Raum, in dem die Frucht der Gerechtigkeit gedeihen kann. – Für wen? 

 „… wird gesät in Frieden denen, die Frieden schaffen

    Was ist die Bedeutung des Ausdrucks: „denen, die Frieden schaffen“? – Der Bauer sät Korn. Er erhofft eine Ernte. Es ist sein Acker, seinKorn. Die Ernte gehört ihm. Sie ist für ihn da. 

    Frieden wird einem geschaffen. Was ich tue, soll eine Ernte des Friedens bringen, d. h., es soll mir Frieden bringen. 

 „denen, die Frieden schaffen

    Das sind die, die Frieden herstellen, Frieden bewirken, die, die auf Frieden aus sind – und zwar auch dann, wenn die anderen auf Streit aus sind. Der Psalmist sagt: „Ich bin des Friedens. Aber wenn ich rede, sind sie auf Krieg aus.” (120,7). Er bleibt dennoch „des Friedens“. 

    Auf diese Weise bringen wir Schwierigkeiten hinter uns. 

V: Exkurs: Wie erwirbt man sich Weisheit?

Wir fragen: Wie wird man weise? – Hierzu einige Schriftstellen und Lektionen aus den Schriftstellen: 

1: Der Mensch hat die Verantwortung, sie sich zu erwerben.

„Der Anfang der Weisheit ist: Erwirb Weisheit! Und um alles, was du erworben hast, erwirb Verstand.“ (Spr 4,7)

„… es höre der Weise und er nehme zu an Lehre, und der Verständige eigne sich weise Verhaltensregeln an“ (1,5). 

    Sie kommt also nicht automatisch, ist auch nicht eine Gnadengabe. 

    „Darum sagt er: ‚Wache auf, Schläfer, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten.‘ Seht also ‹stets› zu, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und ‹als solche› kauft die gelegene Zeit aus, weil die Tage böse sind. Deswegen werdet nicht töricht, sondern solche, die verstehen, was der Wille des Herrn ist.“ (Eph 5,14-17)

2: Weisheit bekommt man nur von Gott, denn er allein ist weise.

„dem allein weisen Gott“ (Jud 25)

„dem allein weisen Gott, dem in Ewigkeit die Herrlichkeit gebührt.“ (Rm 16,27 [in anderen Bibeln: 14,26]; vgl. Jud 25.)

„… ich werde euch geben Mund und Weisheit, der alle eure Gegner nicht werden widersprechen noch widerstehen können.” (Lk 21,15) 

    Darum soll man sie sich von ihm erbitten: „Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, erbitte er [sie] von Gott, der allen mit Einfalt gibt und nicht Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden.  Er bitte aber im Glauben und zweifle dabei in keiner Weise“ (Jk 1,5.6A).   

    „Ja, wenn du nach der Verständigkeit rufst, deine Stimme zur Einsicht erhebst, …“ (Spr 2,6A).

    Man bekommt sie durch Gottes Wort; darum soll man sich mit ihm befassen: „… denn der Herr gibt Weisheit, aus seinem Munde kommen Erkenntnis und Einsicht.“ (Spr 2,6M) 

    Wir werden weise im Umgang mit Gott in seinem Wort und durch Gebet und durch Lebenserfahrungen im Wandeln mit Gott. 

3: Weisheit beginnt damit, dass man Gott fürchtet.

„Der Erkenntnis Anfang ist Furcht des Herrn. ‹Nur› Narren verachten Weisheit und Zucht.“ (Spr 1,7) 

4: Weisheit bekommt man durch Hören, Lernen und Bewahren.

Weise wird man, …

.  indem man beständig das Wort Weiser aufnimmt und bewahrt:

    „Mein Sohn, wenn du meine Worte annimmst und meine Gebote bei dir aufspeicherst, dein Ohr aufmerken zu lassen auf die Weisheit, dein Herz zur Einsicht neigst, ja, wenn du nach der Verständigkeit rufst, deine Stimme zur Einsicht erhebst, wenn du nach ihr suchst wie nach Silber und wie nach verborgenen Schätzen ihr nachspürst, dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen und Erkenntnis Gottes finden.“ (Spr 2,1-5)

    „Mein Sohn, merke auf meine Worte! Zu meinen Reden neige dein Ohr. Lass sie nicht von deinen Augen weichen! Bewahre sie im Innern deines Herzens“ (4,20.21).  

    „Mein Sohn, merke auf meine Weisheit, zu meiner Einsicht neige dein Ohr, dass du Besonnenheit behältst, und deine Lippen Erkenntnis bewahren!“ (5,1.2)  

    „Mein Sohn, bewahre meine Worte! Und meine Gebote sollst du aufspeichern bei dir. Bewahre meine Gebote, so wirst du leben, und bewahre meine Weisung wie die Pupille deiner Augen! Binde sie um deine Finger. Schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. Sprich zur Weisheit: ‚Meine Schwester bist du!‘ Und die Verständigkeit wollest du Freundin nennen“ (7,1-4) 

    „Kommt, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich mischte!“ (9,5) 

.  indem man sich im Weg der Weisheit unterweisen lässt: 

    „Im Weg der Weisheit unterwies ich dich, in den Pfaden der Geradheit leitete ich dich an.“ (Spr 4,11)

.  indem man auf weise Menschen hört:

    „Und nun, Söhne, hört auf mich! Selig, die meine Wege bewahren! Hört auf Zucht und werdet weise, und lasst sie niemals fahren! Selig der Mensch, der auf mich hört, um Tag für Tag an meinen Türen zu wachen, zu hüten die Pfosten meiner Eingangstore!“ (Spr 8,32-34)

.  indem man weise Zucht annimmt:

    „Nehmt meine Zucht hin und nicht Silber, und Erkenntnis lieber als erlesenes Gold; denn Weisheit ist besser als Korallen, und alles, was man begehren mag, kommt ihr nicht gleich.“ (Spr 8,10.11)

    „Hört auf Zucht und werdet weise, und lasst sie niemals fahren!“ (8,33)

.  indem man mit weisen Menschen Umgang hat:

    „Wer mit Weisen umgeht, wird weise, und wer sich mit Törichten einlässt, wird schlecht.“ (Spr 13,20). Vgl. 1Kr 15,33. 

.  indem man sie eifrig sucht:

    „… wenn du nach ihr suchst wie nach Silber und wie nach verborgenen Schätzen ihr nachspürst“ (Spr 2,4)

    „Halte sie hoch, so wird sie dich hoch emporheben; sie wird dich zu Ehren bringen, wenn du sie fest umschlingst“ (4,8). 

    „…die mich früh suchen, werden mich finden (8,17).

.  indem man sie liebt:

    „Ich liebe, die mich lieben …“ (Spr 8,17) 

5: Man darf nicht auf das eigene Denken vertrauen.

    „Wer auf sein Herz vertraut, der ist ein Törichter. Aber wer in Weisheit wandelt, der wird entkommen.“ (Spr 28,26; hier steht das Wandeln in Weisheit dem Vertrauen auf das eigene Herz gegenüber; das Herz ist das Innere des Menschen; es wird vom Denken gesteuert.) 

    Vertraue auf Jahweh mit deinem ganzen Herzen und verlasse dich nicht auf deinen Verstand. (3,5) 

    In Weisheit zu wandeln ist daher ein Zeichen von Gottvertrauen.

6: Man bekommt sie, wenn man seine Tage zählt, sich der Kürze des irdischen Lebens bewusst wird.

    „Unsere Tage zu zählen, das lehre uns recht, damit wir ein weises Herz gewinnen.“ (Ps 90,12)

7: Weise ist, wer Gottes Wort bewahrt und tut.  

    „So wahrt und tut sie, denn das ist eure Weisheit und euer Verstand vor den Augen der Völker, die alle diese Satzungen hören. Und sie werden sagen: ‚Fürwahr, ein weises und verständiges Volk ist dieses herrliche Volk’ …“ (5M 4,6)

    „Jeder also, der irgend auf diese meine Worte hört und sie tut, ihn werde ich vergleichen mit einem klugen Mann, welcher sein Haus auf den Felsen baute.“ (Mt 7,24)

8: Daher sollen wir uns mit der Weisheit in Person befassen, mit ihr Umgang pflegen.

    „… Christus, in dem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Kenntnis.“ (Kol 2,2.3)

    „… aber wir verkünden Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis ‹und Anstoß›, den Griechen eine Torheit, 24 denen aber, die Gerufene sind, Juden und auch Griechen, Christus [als] Gottes Kraft und Gottes Weisheit … 30 Aber aus ihm (d. h.: aus Gott) ist es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns Weisheit wurde von Gott …“ (1Kr 1,23.24.30A)

    „Und ich, als ich zu euch gekommen war, Brüder, kam nicht mit überragender Rede oder Weisheit, als ich euch die Botschaft brachte, das Zeugnis Gottes, 2 denn ich entschied, unter euch nichts zu wissen als nur Jesus Christus und diesen als Gekreuzigten … 6 Weisheit reden wir aber unter Reifen, eine Weisheit, die aber nicht eine dieser Weltzeit ist, noch eine der Erstrangigen dieser Weltzeit – die ausgeschaltet werden –, 7 sondern wir reden Weisheit Gottes in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vor den Weltzeiten vorherbestimmte zu unserer Herrlichkeit … 10 uns offenbarte Gott sie durch seinen Geist …“ (1Kr 2,1.2.6.7.10A)

D. Über das Begehren: 4,1-10

Wir leben in einer Welt, in der wir Schwierigkeiten und Probleme haben. Wir würden gerne immer Urlaub haben, immer auf Freizeiten sein. Aber Gott hat uns in eine Welt gestellt, in der wir Fremdkörper sind. Wir sollten und daran gewöhnen, dass es Schwierigkeiten gibt. Sie reißen nicht ab. Sie werden eher mehr. 

    Auch unter Christen gibt es Schwierigkeiten – und wird es immer Schwierigkeiten geben. 

    Nun zeigt uns Jakobus auf, was das tiefere Problem ist. Das eigentliche Problem ist nicht unsere Zunge, sondern unser Herz. Das Herz hat Begehren, Verlangen, Wünsche. Jakobus gibt seinen Lesern hier Hilfen in Bezug auf die Wünsche des Herzens. Zuerst schildert er das Problem mit dem unerfüllten Verlangen (4,1-5). Danach bringt er die Lösung für das Problem mit dem unerfüllten Verlangen (4,6-10). Danach, ab V. 11 kommen Aufforderungen – immer noch im Zusammenhang mit dem Verlangen, vor allem mit dem Verlangen, etwas zu sein

1. Das Problem mit dem unerfüllten Verlangen: 4,1-5

Unsere Wünsche stellen bei uns ein Problem dar, weil wir Verkehrtes wünschen und weil unsere Wünsche mit den Wünschen anderer in Konflikt geraten. 

    Deshalb müssen wir lernen, unsere Wünsche zu bändigen, d. h. zu verzichten. 

a.     Das Verlangen ist die Quelle von Streitigkeiten und anderen Problemen: 4,1A

Jakobus beginnt nicht mit einem Aufruf (wie 1,2; 2,1; 3,1), sondern mit einer Frage (wie 3,13). Er setzt K. 3 fort. Dort hatte er eine Frage gestellt. Wer von euch ist weise? (V. 13)

V. 1: „Woher sind Kriege und Streitigkeiten unter euch?“

    Eine gute Frage. Warum stellt er sie? Er will, dass sie nachdenken. Woher kommt das, dass ihr miteinander Schwierigkeiten und Streit habt? 

Was ist die tiefere Ursache derselben? 

„[Kommen sie] nicht daher: aus euren Begehrlichkeiten, die Krieg führen in euren Gliedern?“

    Ein Bereich, wo unsere Probleme auftauchen, ist unsere Leibhaftigkeit (unsere „Glieder“). 

    Wenn unserer Triebe autonom sind, d. h. nicht an Gott gekoppelt werden, entsteht ein Durcheinander. Dann gibt es Streit und Sünde. Wenn jeder sein eigener König ist, tut jeder, was in seinen Augen gut und recht ist. Dann richtet man sich nicht mehr nach Gott aus. 

    Ri 21,25: „In jenen Tagen war kein König in Israel. Jeder tat, was recht war in seinen Augen.“ 

b. Das Verlangen bleibt letztlich unerfüllt: 4,2.3

. weil es aus dem Fleisch kommt 4,2A

V. 2: „Ihr begehrt und habt nicht, …“ 

    Ihr habt Wünsche, Begehren, Verlangen, aber sie bleiben unerfüllt. Ihr tut allerlei, um eure Wünsche erfüllen und euer Verlangen stillen zu können. 

    Dann wird die Zunge aktiv: 

„ihr tötet/mordet“ 

    Auch Christen können töten – mit dem Mund. Wir können Dinge sagen, die den anderen zerstören. 

    Rm 14,20: „Zerstöre nicht einer Speise wegen deinen Bruder.“ 

    Wir können in den anderen Menschen Tod einführen, wenn wir unsere Triebe und Wünsche nicht Gott unterstellen. 

„ihr mordet und eifert“

… aber ihr bekommt nicht die Erfüllung eures Verlangens. 

„und könnt es doch nicht erlangen. Ihr streitet (o.: zankt und führt Krieg.“

Das Verlangen bleibt letztlich unerfüllt, weil es aus dem Fleisch kommt und …

. weil es ohne Gebet geschieht: 4,2E

„Aber ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet,“

Ihr sucht eure Wünsche nicht auf dem richtigen Weg, dem vorgeschriebenen. Der Weg, ein Verlangen in Erfüllung zu bekommen, ist, zu Gott zu gehen und von ihm zu erbitten. 

Wenn Christen zanken, dann deshalb, weil sie nicht im Gebet sind. Würden sie beten, würden sie bekommen. 

Es gibt Dinge, die Gott nicht täte, würden wir nicht bitten. 

Vieles tut Gott nicht, weil Christen nicht bitten. 

Das Verlangen bleibt letztlich unerfüllt, weil es ohne Gebet geschieht und …

. weil es aus fleischlichen Beweggründen geschieht: 4,3

V. 3: „Ihr bittet und empfangt nicht, weil ihr in übler Weise bittet (w.: weil euer Bitten übel ist); ihr bittet, dass ihr es in euren Begehrlichkeiten verbraucht.“

    Ihr kreist um euch selbst. Letztlich seid ihr selbstsüchtig. Ihr betet egoistisch.  

Ps 23,1: „Jahweh ist mein Hirte. Ich habe nicht Mangel.“ David sagt nicht, dass er nie Mangel empfinden würde. Er empfand oft Mangel; aber vom Herrn her gesehen hatte er nie Mangel.

    Wir denken manchmal, uns fehle etwas. Aber nicht wir sind die, die bestimmen, was wir brauchen. Wir nennen oft etwas einen „Mangel“, was wir von Gott her gesehen gar nicht wirklich brauchen. Gott definiert, was in Bezug auf uns Mangel ist. Was ich nicht bekomme, das brauche ich nicht wirklich – zumindest nicht jetzt. Oft meinte ich, ich bräuchte etwas; und dann wollte ich mir es selbst vorzeitig beschaffen. Es geschah aus fleischlichen Beweggründen.  

    Ein alter Bruder sagte, nachdem seine Frau verloren hatte: „Wenn ich auf das schaue, was ich nicht mehr habe, bin ich einer der elendsten Menschen. Wenn ich aber auf das sehe, was ich durch Jesus Christus habe, bin ich einer der glücklichsten Menschen der Welt.“

ihr bittet, dass ihr es in euren Begehrlichkeiten verbraucht.“

Fußballfans beten für Tore, für eigenen Ruhm, für Siegestaumel. Aber wie kurz ist diese Freude! Gott will viel mehr geben als das: Besitz, Genuss, Ehre – und zwar auf einer höheren Ebene. 

1Sa 2;30: „Die mich ehren, werde ich ehren.“ 

    Eric Liddell (Vgl. das Buch „Die Stunde des Siegers“) war ein schottischer Leichtathlet und Missionar. Er wurde 1924 Olympia-Sieger über 400 Meter. Aus christlicher Überzeugung (ob richtig oder nicht) wollte er nicht am Sonntag laufen. Daher konnte er in seinem Spezialdisziplin, wo er wirklich stark war, nicht laufen. Als er sich weigerte, war er der Buhmann der Nation. Dann aber ergab sich die Möglichkeit, dass er im 400 Meter-Lauf antreten konnte. Das war allerdings nicht die Disziplin, für die er trainiert hatte. Nun, als er am Start stand, erhielt er einen kleinen Zettel. Darauf stand: „Die mich ehren, werde ich ehren.“ (1Sa 2,30) Dann lief er – und gewann. Er lief die 400 Meter in 47,6 Sekunden, acht Zehntel schneller als der Zweite. – Aber Sport war nicht sein Leben. Er ging nach China und war dort für den Herrn als Missionar tätig.

    Es gibt mehr, als eine Medaille zu haben. Dein Leben liegt in deiner Hand. Du bestimmst, wie der Rest deines Lebens verläuft. 

Exkurs: Über das Begehren (das Verlangen) des Menschen

Unsere Triebhaftigkeit hat eine gute und eine böse Seite.

    a. Die gute Seite

Wir haben drei Grundtriebe. 

    Dass es gesunde Wünsche gibt, stellen wir fest an den Versuchungen zwei vollkommener Menschen in der Heiligen Schrift. 

    In 1M 3,1-6 haben wir den Bericht über die Versuchung des ersten Menschenpaares, in Lk 4,1-9 (Mt 4) den über die Versuchung des „zweiten Menschen“, Jesus, der auf die gleiche Art und Weise versucht wird. An den beiden Versuchungsgeschichten lernt man das Wesen der Versuchung kennen. 

    Diese Versuchungen verlaufen nach drei Grundlinien. Es werden Wünsche angesprochen, die per Schöpfung im Menschen vorhanden sind. Gott schafft den Menschen und richtet ihn auf sich aus. Der Mensch ist nach Gott ausgerichtet, er ist für Gott geschaffen. Nicht nur nach dem Bilde geschaffen und in den Raum gestellt, sondern der Mensch schaut auch zu Gott hin. Er steht vor Gott und lebt von Gott her. Der Mensch hat das Leben nicht in sich. Nur Jahweh ist der „Ich bin, der ich bin“ und der „Ich werde der sein, der ich bin“. Nur Jahweh ist unabhängig von äußeren Quellen. Die Schöpfung ist abhängig von ihm, der letzten Lebensquelle, und dem, was er zwischen sich selbst und der Schöpfung stellt. Die Gaben, die er gibt, sind das, wovon das Geschöpf abhängig ist. Aber diese Gaben kommen von Gott. Sie kommen zu uns Menschen auf drei Kanälen, die den drei Grundverlangen des Menschen entsprechen. 

    Die drei Grundverlangen des Menschen sind: 

    .  das Verlangen zu genießen (1M 3,6: „sah, dass … gut zur Speise“; Lk 4,4: „… sage zu diesem Stein, dass er Brot werde“)

    Mit den Sinnen des Leibes haben wir teil an dem, was um uns her für uns angenehm ist. Die Sinne vermitteln uns die Umwelt. Und über sie genießen wir die Umwelt. Wir haben grundsätzlich zwei Arten von leiblichem Appetit: den Appetit des Mundes und den geschlechtlichen Appetit. Beide dienen der Erhaltung des Lebens und der Erfüllung.

    .  das Verlangen zu haben (1M 3,6: „eine Lust für die Augen“; Lk 4,5: „… hohen Berg … zeigte ihm … alle Königreiche“)

    Wir wollen Gemeinschaft und Besitz und Macht haben. Der Mensch braucht dies. Habenwollen ist nicht böse in sich. 

    .  das Verlangen zu sein (1M 3,6: „begehrenswert“; Lk 4,9: „… Tempel … wirf dich von hier hinab“). 

    Das ist an sich ein gesundes Verlangen. Wir wollen existieren, weiterleben; wir möchten geborgen sein, bewahrt sein. Und wir wollen wichtig sein, etwas bedeuten, wachsen, bestätigt sein, wert geachtet sein von anderen, denn wir wissen um unseren eigenen Wert. Dieses dritte Verlangen schließt gewissermaßen die beiden ersten ein: Wir wollen genießen und haben, weil wir sind. Und das Verlangen zu genießen und zu haben, beeinflusst das Verlangen zu sein. Weil ich genieße und habe, bin ich. Genuss und Besitz sind notwendig für das Sein. 

Diese drei Verlangen sind gottgeben. Wir dürfen genießen, haben und sein. Diese Verlangen erfüllt in uns letztlich nur Gott. Wenn Gott im Leben des Menschen ist, wenn sich der Mensch auf Gott einstellt und Gott für das hält, was Gott wirklich ist und was Gott für ihn sein will, dann hat der Mensch echte Freude und wirkliche Befriedigung. Wenn der Mensch von Gott bekommt, was er braucht, hat er wahren Genuss. Wenn Gott sein König ist, hat er wirklich Bedeutung. Gott selber war und ist die Quelle für diese drei schöpfungsmäßigen Verlangen (bzw. Begehren, Wünsche). 

    Der erste Mensch unterlag der Versuchung, diese drei Wünsche bzw. Verlangen in einer falschen Art und Weise zu erfüllen. Das Verkehrte lag nicht darin, dass er diese Wünsche hatte, sondern darin, dass er auf eine verkehrte Weise Erfüllung suchte. So wurden die Grundwünsche nicht nach dem geoffenbarten Willen Gottes erfüllt. Durch die Sünde wurden diese Wünsche verkehrt (d. h., sie gingen in die falsche Richtung) und exzessiv (d. h. übertrieben); wir wollen mehr genießen und mehr haben und mehr sein, als wir sollten. 

    b. Die böse Seite unserer Triebhaftigkeit

Seit dem Sündenfall sind die Triebe in uns verdorben. Sie sind nach dem Diesseitigen orientiert. 

    Diese Verlangen/Wünsche sind nun auf den Satan, den Widersacher, ausgerichtet; denn der Satan hatte diese Verlangen/Wünsche angesprochen, und der Satan hatte versprochen, sie zu erfüllen. Und der Mensch hörte darauf. Der Satan täuschte; er ging mit Lüge um, denn er ist ein Lügner und Menschenmörder von Anfang (Jh 8,44). In der Folge blieben diese drei an und für sich guten Wünsche/Verlangen unerfüllt. Das Resultat war der Tod, Trennung von Gott. Aber der Mensch lebt noch, und die Wünsche/Verlangen sind auch noch vorhanden. Und sie bleiben unerfüllt, es sei denn, dass der Mensch sich Gott zuwendet, sodass Gott sie ihm erfüllen kann. 

    In dem Maße wie Gott diese Wünsche erfüllt, bleibt der Mensch physisch am Leben. Wenn Gott ihm den Atem wegnimmt, stirbt er auch physisch. In dem Maße wie der Mensch seine Erfüllung nicht von Gott bekommt bzw. entgegennimmt, bleibt er leer. 

    Was geschieht nun durch die Sünde? Der Mensch verwechselt die Nahrungsmittelquellen, die Gott ihm zur Verfügung stellt. Er hat ein Verlangen zu genießen – auch im Inneren seines Wesens – und verwechselt dann die irdischen Quellen mit den göttlichen; und so bleibt er leer. So greifen die Menschen zu dieser und jener Quelle, um ihr inneres Verlangen zu stillen, gehen aber leer aus. Einige merken in sich eine große Leere, und einige greifen z. B. zum Alkohol, um ihre innere Leere zu füllen. Andere greifen zu anderen Dingen; das mögen an sich gute Dinge sein, aber wenn sie verkehrt verwendet werden (nicht in der Abhängigkeit von Gott und nicht in dem Maß, wie Gott sie gibt), lassen sie den Menschen leer. – Was haben sie getan? Sie haben die Quellen verwechselt. Weder Alkohol noch Ausschweifung noch Unzucht noch Filme noch Schokolade können diese Leere ausfüllen. 

Zweierlei also ist mit diesen Verlangen geschehen: Erstens, weil diese Verlangen nicht mehr an Gott angeschlossen sind, sind sie verkrümmt, pervertiert. Und zweitens sind sie potenziert worden, übertrieben worden; d. h., man erwartet zu viel und will mehr, bleibt aber unbefriedigt.

    Will man das Verlangen zu sein und zu genießen auf verkehrte Weise erfüllen, wird man enttäuscht. Das Verlangen vermehrt sich und bleibt dennoch leer, und je länger es leer bleibt, desto stärker wird der das Verlangen. 

    So sind unsere Wünsche/Verlangen nun zu ungesunden Wünschen/Verlangen geworden, zu „bösen Begierden“ (Kol 3,5), und der Mensch ist stets auf der Suche, wo er Erfüllung finden könnte. 

    Jh 2,16: „…alles, was in der Welt ist,  

    die Lust des Fleisches (Verlangen zu genießen), 

    die Lust der Augen (Verlangen zu haben

    und das Großtun des Lebens (Verlangen zu sein

    ist nicht aus dem Vater, sondern es ist aus der Welt.” 

    Die Lust des Fleisches entspricht dem Verlangen zu genießen, die Lust der Augen dem Verlangen zu haben, das Großtun des Lebens (die Lust, im Diesseitigen aufzugehen, im Diesseitigen das Sein zu finden) entspricht dem Verlangen zu sein. „Und die Welt ist am Vergehen und ihre Lust, aber wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.” 

Hier entstehen die Probleme. Wenn man dem Verlangen nicht gemäß dem Willen Gottes folgt, hat man gesündigt. Dann ist man der Versuchung zum Bösen verfallen. Darauf folgen weitere Probleme. 

  .  Unsere Probleme entstehen in den Vorstellungen.

Wir haben bestimmte Vorstellungen, wie die Dinge sind und wie sie sein sollen. Diese Vorstellungen variieren von Person zu Person. Im Grunde sind sie konstant, d. h., man ist sich einig. Aber dort, wo man sich nicht einig ist, da entstehen die Probleme: 

    Ein Beispiel: Wir haben einen Sinn für das, was richtig wäre für uns und andere (d. h., was allgemein richtig ist). Dieses persönliche Gewissen ist für alle Menschen ein und dasselbe. Aber wir sind uns nicht immer einig. Z. B., wenn jemand Böses tut, habe ich eine Vorstellung davon. Dadurch, dass wir von der Sünde geprägt sind, mischt sich mein übermäßiges Verlangen zu sein (Ich will mehr sein, als mir zusteht. Wir wollen Gott spielen bzw. Gott sein.) mit meinem gesunden Verlangen zu sein.

Die Frage ist nun: Wo ist dieses mein Verlangen gesund, und wo ist es ungesund

    Ich habe ein Verlangen, mitzubestimmen über andere Menschen. Ist es übermäßig, so will ich über einen anderen Menschen bestimmen. (Es kann sein, dass ich mir dessen nicht bewusst bin; dennoch ist es vorhanden.) 

    Wenn jemand versucht, über mich im Übermaß zu bestimmen, was wird meine Reaktion sein? – Ich will meine Unabhängigkeit fördern – als einer, der ein natürliches Wissen für die Gleichheit der Menschen hat, und weil ich einen sündigen Trieb habe, zu bestimmen über den anderen.

    Nun vermischt sich also Böses mit Gutem. Wir wissen nicht immer genau, was da eigentlich Böses in uns vor sich geht. Daher müssen wir Gott um Licht bitten. 

    Wir fühlen uns manchmal gerechtfertigt in unserer sündigen Reaktion, und dann sagen wir z. B.: „Wer bist du, dass du mir etwas vorschreiben willst?“ 

    Ebenso ist es im Bereich der Ästhetik. Der eine findet etwas schön, der andere nicht. Aber Sinn für Ästhetik muss genährt werden, man muss zu einem ästhetischen Sinn erzogen werden. Viele Menschen wissen nicht, was sich geziemt und was nicht, weil sie sich nicht von Gott her dazu unterweisen ließen (weil sie z. B. ihre Bibel zu wenig lesen). Und so entstehen dann Probleme im Umgang unter Menschen. 

   Wir müssen uns daher Gott anvertrauen, damit er für uns entscheidet und uns unterweist, was wir genießen, haben und sein sollen. Das Verlangen an sich ist etwas Gutes, aber vermischt mit der Sünde ist es pervertiert, d. h. falsch orientiert, und zu stark geworden. Die Priorität ist falsch gesetzt. Wir trinken von der falschen Quelle und werden nicht satt. Wir tun daher alles Mögliche, um mehr zu genießen,mehr zu haben und mehr zu sein. 

    Das ist es, was (z. B.) die Zunge treibt. Sie wird das Mittel und greift zu allen Mitteln, um dieses Verlangen zu stillen. 

Gott aber ist es, der mir alles gibt, was ich wirklich brauche. Rm 8,32. Gott sagt: „Alles, was mein ist, ist dein.“ (Lk 15,31). Ich habe nicht Mangel (Ps 23,1), auch wenn ich manchmal meine, ich bräuchte noch dieses und jenes. Nein. Ich habe alles, weil ich Christus habe. 

c. Es ist Feindschaft gegen Gott. 4,4.5

. Gott und die Welt stehen sich einander gegenüber. 4,4

V. 4: „Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen!“

Jakobus spricht von Christen, die nicht sofort beten, wenn sie etwas brauchen. Wenn ich unabhängig von Gott denke und handle, bin ich ein Ehebrecher. Daher sollte ich schnell Buße tun, damit die „Ehe“ rasch wieder gesundet! 

„Wisst ihr nicht, dass die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist?“

Oft entstehen gerade aus diesem Grund Streit. Man möchte beides: Gott und die Welt.

Gott will uns so viel geben. Wir müssen nur ihn an die erste Stelle setzen. 

„Freundschaft mit der Welt“: Die Welt lebt für sich selbst – für ihr Verlangen, ihre Wünsche. Und sie tut es auf die falsche Art, diese Wünsche zu erfüllen. 

    Wir sollen nicht Weltmenschen so sehr als Freunde haben, dass wir dann zu Feinden Gottes würden. Gib deine weltlichen Freunde auf, wenn sie nicht mögen, dass du Christus magst! 

    Die Linie zwischen Welt und Gemeinde ist heute leider nicht mehr klar gezogen. 

    Was ist Weltlichkeit? Was ist „Welt“? Was heißt es, ein Freund der Welt zu sein? 

    „Weltlich“ ist nicht einfach „Böses tun“. Auch die gottgegebenen schönen, guten Dinge des Lebens können unser Herz in Beschlag nehmen. Die Lösung ist dann nicht, unser Verlangen zu verleugnen oder zu unterdrücken. Das Verlangen nach Freude und Genuss (oder Besitz und Geltung) ist nicht böse in sich, sondern es ist falsch gepolt, und es ist übertrieben. „Habe deine Lust an dem Herrn!“ Wir dürfen unser Herz auf die wahre Freude hinlenken. 

    Christentum ist nicht Freudlosigkeit. Eine wichtige Frucht des Geistes ist Freude (Gal 5,22). Gott ist ein glückseliger Gott (1Tm 1,11; 6,15). Gott hat Freude daran, die Seinen mit Freude zu überschütten. 

    Wenn du Christ geworden bist und vom Brot des Lebens gekostet hast und die Freundlichkeit des Herrn geschmeckt hast, heißt das nicht, dass jegliches andere Verlangen gestillt ist. Aber jegliches Verlangen muss stets in die Abhängigkeit des Herrn gelenkt werden. 

    Leider kann es schnell dazu kommen, dass unser Herz sich wieder dem Irdisch-Weltlichem zuneigt, dem Genießen und Habenwollen – und zwar nach dem Schönen dieser Welt, nicht nach dem Bösen. Die Schöpfung lieber haben als den Schöpfer – das ist die Ursünde, die eigentliche Sünde, das Wesen der Sünde. (Vgl. 1M 3,1ff.). 

    Als Christen sind wir nicht schöpfungsfeindlich; wir freuen uns an allem, was Gott uns gibt. Aber die Freude an der Schöpfung darf nicht Ziel und Inhalt unseres Lebens werden. Ziel und Inhalt muss der Schöpfer selbst bleiben. 

Wir gehören ihm. Er hat in unseren Leib einen Geist hineingegeben. Wozu? – Damit wir mittels dieses Geistes mit ihm Gemeinschaft haben. Wir gehören Gott – per Schöpfung. Und dazu noch hat uns der Herr Jesus Christus um einen teuren Preis erkauft. Wir gehören dem Herrn also in doppeltem Sinn – per Schöpfung und per Erlösung. Und er liebt uns. Ist es dann verwunderlich, dass er eifersüchtig wird? 

    Hier sind zwei Verlobte: Sie flirtet nebenbei mit anderen Jungs. Was wird er sagen? Hier sind zwei Jungverheiratete: Sie fährt für zwei Monate mit einem anderen jungen Mann auf Urlaub, weil der ein so tolles Auto hat. Was wird ihr Mann denken? 

    Geschieht es nicht manchmal so in geistlicher Hinsicht? 

    Weltliebe ist geistlicher Ehebruch. Untreue. So manche Christen sind diesen Weg der „zwei Seelen“ gegangen (Vgl. Jk 4,8: „… ihr mit zwei Seelen!“). So mancher ist ein Spitzenmann im Beruf geworden oder ein Top-Sportler; aber in der Versammlung der Gemeinde ist er nur ein „Stuhlwärmer“. 

„Wer immer sich also entschließt, …“

Das griechische Wort hier (boulomai) bezeichnet ein entschlossenes Wollen, einen fest gefassten Entschluss. 

„Wer immer sich also entschließt, ein Freund der Welt zu sein, stellt sich als Feind Gottes hin“

    Er erweist sich als Feind Gottes.

    Kann ein Gläubiger ein Feind Gottes sein? – Ja. 

Da ist ein netter gläubiger Christ. Aber jetzt hat er das Tennisspielen entdeckt. Und er kommt nicht mehr in die Versammlung. Andere Dinge sind ihm wichtiger geworden. Gott ist nicht grundsätzlich gegen Tennis. Aber er hat etwas dagegen, wenn unser Herz von etwas anderem beschlagnahmt ist als von Gott. Nichts darf uns von dem Herrn wegziehen. Nichts darf uns beschlagnahmen als nur Jesus Christus. 

Jakobus sagt: Wenn ihr die Dinge dieser Welt vorzieht vor Jesus Christus, dann ist das Ehebruch. 

Ich solltet alles vor dem Herrn erwägen. Ihr solltet euch stets fragen: Was möchte ich eigentlich? Worauf will ich am Ende meines Lebens zurückblicken? Auf ein Leben, das ich für mich und meinen Leib gelebt habe, oder auf ein Leben, das für Christus gelebt worden ist. In der Ewigkeit bleiben wird nur das, was Jesus Christus durch uns vollbringen konnte! Für Paulus bedeutete das Leben: Christus! 

    Php 1,21: „denn zu leben ist für mich Christus, und zu sterben Gewinn. … 3,7 Das jedoch, was auch immer mir Gewinn war, dieses habe ich Christi wegen für Verlust ‹und Schaden› geachtet;  8 ja, und mehr: Ich bin dabei, alles für Verlust ‹und Schaden› zu achten wegen des übertreffenden Vorzuges, Christus Jesus zu kennen, meinen Herrn, dessentwegen ich alles verlor, und ich achte es dafür, Unrat zu sein, damit ich Christus gewinne.“

    Wie sieht das für mich heute aus? – So: Wenn ich etwas brauche, gehe ich zum Herrn und berichte ihm, was ich jetzt brauche. Alles muss über den Herrn Jesus Christus gehen. 

Lassen wir uns von ihm aufdecken: „Herr, zeig‘ mir die Stellen, wo ich geistlichen Ehebruch begangen habe.“ 

Wenn wir Buße tun, wird diese Feindschaft (Jk 4,4) nicht lange andauern. 

Die Schrift warnt nicht umsonst davor. 4,5A

5 „Oder meint ihr, die Schrift mache leere Worte?“

    Jk sagt: Denke nicht, dass die Schrift (er bezieht sich hier das Alte Testament) umsonst so ernst vor geistlichem Ehebruch warnt! 

„Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen und ihnen nicht in Verehrung dienen; denn ich, Jahweh, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott“ (2M 20,5). 

„… denn du sollst nicht einen anderen Gott huldigen (o.: vor einem anderen Gott niederbeugen), denn Jahweh, dessen Name Eiferer ist, ist ein eifersüchtiger Gott“ (2M 34,14)

    Wenn die Heilige Schrift sagt, wir sollen nicht mit der Welt in Hurerei leben, macht sie nicht leere Worte. Dann meint sie, was sie sagt. Und Jakobus sagt dasselbe: Gott ist eifersüchtig auf deinen Geist, den er in deinen Leib gab, um mit dir Gemeinschaft zu haben. 

. Gott hat ein eiferndes Begehren nach uns. 4,5M

„Mit Eifersucht begehrt er (d. i.: Gott) den Geist (d. i.: den Geist des Menschen)der Wohnung in uns aufnahm.“

    Auch Gott hat ein Verlangen, ein eifersüchtiges Verlangen. Wonach? – Nach den Seinen. Nach ihren Geist, nach ihrer Persönlichkeit! Die Bibel nennt das Innere des Menschen auch „Herz“: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Wohlgefallen haben an meinen Wegen!“ (Spr 23,26) 

„Mit Eifersucht begehrt er“: Warum? Weil er uns Menschen geschaffen hat und wir ihm daher gehören, und weil  er uns teuer erkauft hat. Er möchte uns nun genießen, uns für sich haben, wie ein Bräutigam seine Braut. 

    V. 5M ist nicht ein Zitat, sondern eine Aussage des Jakobus. Auch V. 5A ist nicht ein Zitat. Gott hat Verlangen nach unserem Geist. Dieser Geist wohnt in unserem Leib. Dieser Geist in uns ist durch den Sündenfall sündig geworden. 

Unser Geist hat Wünsche (die parallel gehen mit denen des Leibes). Wenn wir diesen Wünschen keine Grenzen setzen, sondern die Welt lieben, sind wir Gott gegenüber Ehebrecher. Und er wird dann auf uns eifersüchtig sein. 

    Gottes Wort – die heilige Schrift – sagt daher sehr viel über das Thema Weltlichkeit, geistlichen Ehebruch. Gott warnt davor, hochmütig zu sein. Wenn wir uns beugen, bekommen wir von Gott Gnade. Wenn wir uns Gott unterstellen, kann er uns bändigen – und auch die Triebe in uns. Gottes Gnade nimmt uns dann in Zucht. (Tt 2,14f) 

2. Die Lösung für das Problem mit dem unerfüllten Verlangen: 4,6-10

Die Lösung ist Gottes Gnade, d. h., Gottes frei geschenkte Hilfe und Kraft.

a. Gott gibt Gnade: 4,5.6

„Aber er gibt Gnade, die größer ist. Deshalb spricht er: Gott widersetzt sich den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“

    Wenn mir Erfüllung fehlt und ich mich an Gott wende, was dann? – Dann kommt Gott hinein und hilft. Wie? Durch Abhilfe oder Durchhilfe. Nicht immer nimmt er mir das Unangenehme weg. Nicht immer erspart er mir den Schmerz des Verzichts. Aber er gibt mir Gnade. Was für eine Gnade?

    „Gnade, die größer ist“: Größer als was? – als mein Problem. Es ist tatsächlich so, dass Gott eine Gnade gibt, eine, die viel größer ist als das, was dein Herz in Beschlag genommen hat. 

    Gott gibt Gnade. Er beschenkt mich und gibt mir die Kraft, dass mein Problem mich nicht bestimmen muss. Ich muss nicht sündigen. Ich kann leiden. Dann ist mein Verlangen, zu sein, gestillt – durch die Gnade Gottes. 

    Weil Gott ist, was er ist, hat er gesprochen. Es heißt im AT: Gott „widersetzt sich den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (Spr 3,34).

    Wem gibt er sie?  

b. Jakobus zeigt, wem Gott Gnade gibt (Ein siebenfacher Aufruf): 4,7-10

Wem also gibt Gott diese Gnade? 4,7-10

    Nicht dem, der meint, er sei besser als die anderen. Nicht den Selbstzufriedenen. (Wenn jemand aus den eigenen Ressourcen leben möchte, der soll erkennen, dass er nichts hat.) 

    Gott gibt denen Gnade die sich ihm unterordnen, dem Feind widerstehen, Gott nahen, ihre Hände säubern, ihm die Herzen weihen, aufrichtig in Trauer Buße tun und sich vor ihm demütigen.

Denen, die sich Gott unterordnen: 4,7A

7 „Unterordnet euch also Gott. (o.: Seid also Gott untergeordnet.)

    Gott gibt Gnade denen, die sich ihm unterordnen, denen, die ihm ihre Glieder zur Verfügung stellen, denen die zu den Angeboten der Welt Nein sagen. 

Also“: Das Wort „also“ weist zurück auf V. 6. Weil Gott sich den Hochmütigen widersetzt, den Demütigen aber Gnade gibt, soll ich mich unterordnen. 

    Wo soll ich mich Gott unterordnen? Dort wo die heilige Schrift spricht! Da sage ich: „Ja, Herr!“ („Nein, Herr“ ist ein Widerspruch. Entweder „Nein“ [ohne Herr] – oder: „Ja, Herr.“) 

Dem, der sich Gott unterstellt, dem gibt er Gnade. 

    Sobald ich ein Problem habe, ist das Erste, das ich tun soll, dass ich mich Gott unterordne, es annehme: „Herr, es ist recht so, dass ich dieses Problem habe. Du hast die Situation so gestaltet. Ich nehme es aus deiner Hand an, dass ich nicht das habe, das ich haben möchte. 

    Was ist dann zu tun? 

Gott gibt Gnade denen, die dem Teufel widerstehen: 4,7M

„Widersteht dem Teufel, so wird er von euch fliehen, …“

    „Teufel“ bedeutet „Verleumder; Lästerer; Dazwischenwerfer“. Mit dem Feind hat man es zu tun, wenn man von Gott wegblickt. Entweder ich bin bei Gott – oder ich habe es mit dem Feind zu tun. Jedes Mal, wo ich eine Versuchung zur Sünde vor mir habe, will der Feind die Situation für sich ausnützen. 

    Exkurs: Wie widerstehe ich dem Feind

. Indem ich mich Gott unterordne 

    Dann ist der Löwe keine Gefahr für mich. Der Feind bekommt nur dort Raum, wo ich Gott nicht gehorsam bin, wo ich Sünde dulde, vom Wort Gottes abweiche, auf falsche Lehre achte. Sünde will mich in Gefangenschaft bringen. 

. Indem ich dem Bösen (in jeder Form) widerstehe 

    – also mich ans Wort Gottes klammere und zu den Heiligen halte. (Eph 6,12ff Panzer der Gerechtigkeit; Gurt der Wahrheit.)

. Indem ich dem Herrn und seinem Wort allein vertraue (Eph 6,12ff Schild des Glaubens; 1P 5,8: „dem widersteht, fest im Glauben“).

. Indem ich Gottes Wort zitiere (Eph 6: Schwert des Geistes; Mt 4,1ff.) 

. Indem ich bete (Eph 6,18ff)

Gott gibt Gnade denen, die ins Gebet gehen: 4,8A

8 „Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen, …“

Gebet, Bibellesen, Nachdenken. Komm! Schmecke und sieh, wie freundlich der Herr ist! 

Halten wir uns nahe bei Gott auf!

Wenn ich im Gebet bin, hat Gott sich genaht. Er ist da. ohne dass ich ihn fühle! Ich spüre nichts und merke nichts. Dennoch ist er da – mit seiner Hilfe. 

„Er wird sich euch nahen“ ist gleichbedeutend mit: „er wird euch helfen“. 

Wem gibt Gott Gnade? – 

Denen, die mit ihren Sünden aufräumen: 4,8M

„Die Hände seien gesäubert, Sünder!“

Die Hände gilt es zu waschen, nicht vom physischen Schmutz. 

    In damaligen Zeiten hat man beim Beten die Handflächen zu Gott emporgehalten. Die äußere Gebetshaltung sagt etwas aus über die innere. Die äußere soll der inneren entsprechen. 

Denen, die ihre Herzen ihm weihen: 4,8E

„Die Herzen seien gereinigt (o.: gottgeweiht), …“

Wem gibt Gott Gnade? – denen, die sich entschließen, sich ganz Gott zu weihen.

„[ihr] mit zwei Seelen“: 

    D. h.: ihr mit geteilten Herzen, ihr Doppelherzigen, Unentschlossenen, Wankelmütigen! 

    Der Herr will das Herz der Seinen ganz haben. 

    2Ch 16,9: „Die Augen Jahwehs durchstreifen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.“

    Jos 14,14: „Hebron wurde Kaleb, dem Sohn Jephunnes, zum Erbteil bis auf diesen Tag, weil er Jahweh, dem Gott Israels, völlig nachgefolgt war.“ 

    2M 20,3-5: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. … denn ich, Jahweh, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott”. Ansonsten wird der Schöpfer eifersüchtig sein. Das erste Gebot, positiv gesagt, lautet: „Du sollst Jahweh lieben von ganzem Herzen …“ (5M 6) – einfältig, nicht doppelherzig. Jakobus sagt „ihr mit zwei Seelen“, weil manche beides haben möchten: den Genuss des Herrn und den Genuss der Welt. Man teilt sein Herz auf. Das ist der Fehler. 

    Ps 119,113: „Die Geteilten (o.: Doppelherzigen) hasse ich.“ – Der Herr will dich und mich ganz haben. 

    1M 17,1: Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor meinem Angesicht und sei ganz.“

    Jk 1,4: „Lasst aber die Ausdauer ein vollkommenes Werk haben, damit ihr … ganz seid und in nichts Mangel habt.” 

    Solche Leute haben in ihm alles. Und sie haben dabei an nichts Mangel. 

    Wenn wir unser Herz neben Gott von anderen (schönen, guten) Dingen beschlagnahmen lassen, sind wir „geteilten Herzens“ (4,8), dann haben wir zwei Seelen, zwei Persönlichkeiten in uns: Die eine will den Schöpfer genießen, die andere die Schöpfung. 

Willst du geistlich reif werden, vom Herrn gebraucht werden? – Mache ganze Sache! 

Gott gibt Gnade denen, die wirklich bereuen, umkehren: 4,9

„Seid elend und trauert und weint. Euer Lachen verwandle sich in Trauer und die Freude wandle sich in Niedergeschlagenheit, …“

„Seid elend“: Das ist nicht das Rezept für das tägliche Christenleben. Aber anstatt zu kichern und geistlich zu „flirten“, ist es besser, ordentlich zu weinen in Reue und Umkehr. „Welch ein Narr war ich, dass ich den Heiligen Geist betrübte, Zeit und Kraft vergeudete und den Herrn verunehrte!“ 

    Der Christ darf lachen, aber nicht dann, wenn er gesündigt hat.

Denen, die sich vor Gott demütigen: 4,10A

V. 10: „Demütigt euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen“.

    Wie demütigt man sich? → Indem man Buße tut, V. 9. 

Dann wird er uns füllen: „Der Gott der Hoffnung fülle euch, auf euer Glauben hin, mit aller Freude und allem Frieden dahin, dass ihr überreich seid an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes.“ (Rm 15,13)

    Ps 16,11: „Du hast mir kundgetan Wege des Lebens. Sättigung mit Freuden ist bei deinem Angesicht. Lieblichkeiten sind zu deiner Rechten ewiglich.“

    Sich vor dem Herrn zu demütigen, dazu muss man sich Zeit nehmen. Ein Spaziergang mit dem Herrn alleine, alles abklären mit ihm. 

    Ich sollte mich fragen: Was will ich eigentlich haben? – Anerkennung? Selbstbestätigung? Spannung? Ein lebenswertes, erfülltes Leben? 

    Dienen wir ihm mit Haut und Haar; seine wir radikal mit der Sünde, radikal im Gehorsam gegenüber der Bibel.

    Die Freude am Herrn – und im Herrn – ist unsere Stärke. (Neh 8,9.10). Jakobus hat ein großes Anliegen: Er möchte seinen Lesern den Herrn der Herrlichkeit vor Augen stellen, den Herrn mit dem „schönen Namen“ (Jk 2,1). 

E. Hilfen für den praktischen Lebenswandel (Die zehn Worte des Jakobus): 4,11- 5,20

1. Nicht den anderen richten 4,11.12

2. Sich nicht selbst überschätzen (Zukunftspläne) 4,13-17

3. Weheruf über solche, die für sich selbst leben 5,1-6

4. Aufruf zu Langmut 5,7.8

5. Nicht gegeneinander seufzen 5,9-11

6. Nicht schwören 5,12

7. Ein Wort für solche, die übles erleiden müssen 5,13

8. –  für solche, die in gehobener Stimmung sind 5.13

9. –  für solche, die krank sind 5,14-16

10. Ein Wort, über den, der untreu wurde 5,19.20

1. An die Brüder: Nicht den anderen richten (gering schätzen): 4,11.12

Jakobus behandelt hier die zwei falschen Wege, das Verlangen, etwas zu sein, zu erfüllen: 

    Der eine falsche Weg ist, den Bruder zu erniedrigen, ihn schlecht zu machen, ihn geringzuschätzen. Ich will selber mehr sein. Deshalb mache ich den anderen klein, damit ich im Vergleich größer dastehe. Wenn ich das tue, fühle ich mich besser. (V. 11.12) 

V. 11: „Redet nicht gegeneinander, Brüder“

Hier geht es nicht darum, dass man über Geschwister keine falschen Gerüchte in die Welt setzen soll. Der Zusammenhang macht deutlich, dass es um Weltlichkeit geht (vgl. 4,4). Jakobus mahnt, nicht gegen Mitgeschwister zu reden. 

    Ein Beispiel: Du hast engen Kontakt zu zwei Schwestern: Claudia und Doris. Du redest zu Claudia über eine dritte Christin, Barbara; du redest nicht Lügen, sondern Wahres. Und danach redest du zu Doris über Barbara. 

    Worüber redest du? Über Barbaras neues Hobby, in das sie sich verliert. Sie hat das Fahrradfahren als Sport entdeckt. Fahrradfahren war vor deiner Bekehrung dein „Gott“. Stundenlang hast du es als Sport betrieben. Dann, nach deiner Bekehrung, hattest du es aufgegeben, damit du mehr Zeit für die Sache des Herrn hast. Aber jetzt fängt Barbara an, stundenlang Fahrrad zu fahren! Und du redest mit Claudia und Doris über Barbaras neuen Götzendienst. 

– Ist das deine Aufgabe? Jakobus sagt:

V. 11M: „Wer gegen den Bruder redet und seinen Bruder richtet, redet gegen das Gesetz und richtet das Gesetz.“ 

    Und was sagt das Gesetz? „Du sollst nicht Fahrradfahren?“ – Nein! Sondern: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Jk 2,8: „Wenn ihr tatsächlich das königliche Gesetz ausführt nach der Schrift: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, tut ihr wohl.“) 

V. 11E: „Aber wenn du das Gesetz richtest, bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter“.

    Du bist es, der das Gesetz nicht ernst nimmt. Durch dein Verhalten sagst du, dass du es besser weißt als das Gesetz. Somit bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern du machst dich zum Richter (4,11E), zum Richter über das Gesetz.

V. 12: „Einer ist der Gesetzgeber, der zu retten und zu verderben vermag. Wer bist du, der du den anderen richtest?“

    Fahrradfahren mag für dich ein Problem gewesen sein, aber es muss nicht ein Problem für Barbara sein. Du kannst nicht in ihr Herz sehen. Du kannst nicht wissen, ob es wirklich ihr Götze geworden ist und wie viel sie betet, während sie am Fahrrad sitzt. (Und selbst, wenn es so wäre, warum sprichst du nicht mit Barbara darüber? Warum mit Claudia und mit Doris?)

    Wenn du nicht weißt, wie man es anstellt, in rechter Weise mit Barbara zu sprechen, dann gibt es da reifere Christen, die in rechter Weise mit ihr darüber reden könnten – mit Barbara, nicht mit Claudia und nicht mit Doris. 

2. Sich nicht selbst überschätzen (Das Bsp. des Planens für die Zukunft): 4,13-17

    Der zweite falsche Weg, das Verlangen, etwas zu sein, zu erfüllen, ist, mich selbst groß zu machen, mich zu rühmen. Ich erhöhe mich, stelle mich über den anderen. 

V. 13: „Nun aufgemerkt! – ihr, die ihr sagt: Heute und morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und dort ein Jahr tätig sein und Handel treiben und Gewinn machen’, …“

Wo liegt das Problem? Beim Planen ohne den Herrn. Man rechnet und plant, als wäre man autark. „Es wird schon klappen. Das bringen wir schon fertig. Wir haben die Sache im Griff.“ 

    Die Frage dabei ist: In welchem Zeichen haben wir dieses Selbstvertrauen? In Abhängigkeit von Gott oder von mir selber? Bete ich? Oder rede ich aus meinem Eigenen heraus. Das Vorhaben an sich, die Absicht, ist nicht verkehrt, aber es darf nicht unabhängig vom Herrn geschehen! 

V. 14: „– die ihr nicht wisst, was morgen sein wird (denn was ist euer Leben? – denn ein Dampf ist es, der eine kleine Weile erscheint, dann aber verschwindet)“ 

    Weise Menschen denken an die Kürze des Lebens: 

    Ps 90,9-12: „Ja, alle unsere Tage schwinden dahin durch deinen Grimm. Wir vollenden unsere Jahre wie einen Seufzer. Die Tage unserer Jahre, sie belaufen sich auf siebzig Jahre, und wenn im Vollmaß, achtzig Jahre, und ihr Stolz war Mühe und Beschwerde; denn schnell eilten sie vorüber, und wir flogen davon. Wer erkennt die Stärke deines Zorns und deinen Grimm, so, wie er der Furcht vor dir entspricht? – Unsere Tage zu zählen, das lehre uns recht, dass wir ein weises Herz gewinnen.“ 

V. 15.16: „– statt dass ihr sagt: ‚Wenn der Herr es will und wir leben, wollen wir auch dieses oder jenes tun.‘ Nun aber rühmt ihr euch in euren Großtuereien. Alles solches Rühmen ist böse.“

    Gott will, dass wir uns täglich bewusst machen, dass es Gnade ist, dass wir leben und gesund sind. Jeder Tag ist ein Geschenk! An jedem Tag wollen wir vom Herrn abhängig sein. 

    Die Tendenz, selbständig und unabhängig zu denken und zu handeln, schleicht sich gerne ein. „Ich bin wer! Ich habe ein Verlangen zu sein. Ich bin auch ohne Gott wichtig.“ – Genau das ist Weltlichkeit. 

Der Schlusssatz des Jakobus lautet: 

V. 17 „Wer also um Edles, das es zu tun gilt, weiß und es nicht tut, dem ist es Sünde.“

    Wer weiß, wie er sich richtig zu verhalten hat, es aber nicht tut, sündigt. Wenn ich um das richtige Tun und Sprechen und Denken weiß, soll ich meine Wünsche diesem Wissen unterordnen und entsprechend handeln. 

    Dann muss ich also mit der Erfüllung meiner Wünsche warten. Ich muss mich fragen: „Ist das, was ich möchte, auch wirklich im Sinne meines Herrn?“ 

„Wer also um Edles  weiß“: Was ist gut? Was ist edles Tun? 

  – Leben zu erhalten. Z. B.  am Sabbat Gutes tun: Leben fördern, retten, bewahren (Lk 6,9).

    Wenn sich ein Verlangen meldet, treibt es mich zur Tat. Die Frage ist dann: Was tue ich nun? Werde ich das fördern, was zum Leben ist? Oder wird ein Stück Tod daraus resultieren? Werde ich morden, Krieg führen, eifern, streiten (Jk 4,2)? 

3. Weheruf über solche, die für sich selbst leben: 5,1-6

a. Ankündigung des Gerichts: 5,1-3b

  . Zusammenfassung: 5,1

  . Das Gericht im Einzelnen: 5,2-3a

b. Begründung des Gerichts: 5,3c-6

  . Aufhäufung von Schätzen: 5,3c

  . Ausbeutung anderer: 5,4

  . Führen eines üppigen, verschwenderischen Lebens: 5,5

  . Unrechtmäßige Behandlung (Verurteilung / Benachteiligung) von Gerechten: 5,6

Jeder hat Probleme. Wichtig ist es, zu wissen, wie man damit umgeht. Wir lernten von Jakobus, dass wir zu Jesus gehen sollen, denn er ist, was wir brauchen. 

    Aber er gibt nicht immer das, was wir meinen zu brauchen. Es ist nicht wichtig, dass alle unsere Probleme gelöst werden. Jesus Christus hilft uns, mit unserem Problem zu leben. Wir leben in einer Welt, in der Probleme nicht immer gelöst werden können. Wir sollen nicht im Rahmen von Methoden und Organisationen denken. Gott ist unser Helfer. Aber das bedeutet, dass wir bereit sind, zu leiden. Auch im Leiden ist er die Hilfe. 

    Das gr. Wort für „Geduld“ heißt: „lange brauchen, um (in der Seele, im Gemüt) heiß zu werden.“ Daher: Nicht widerstreben, nicht sich ungeduldig gegen etwas stemmen! 

    In K. 5,1-11 wird Jakobus von drei Beweggründen zur Standhaftigkeit (zur Geduld, zum Ausharren) schreiben. 

    Wir haben gewählt, für Jesus Christus zu leben. Das aber bedeutet Verzicht. 

    Wer für sich selbst, für seinen Leib und für diese Welt lebt, wird nicht nach dem Willen Gottes fragen. Er wird für sich selbst entscheiden. Wir brauchen aber Ausharren im Verzicht. Wir wollen treu bleiben, in der Liebe zu Christus bleiben, im Glauben und in der Liebe ausharren; ebenso im Zeugen und Wirken für Jesus Christus. 

    Warum war das für die damaligen Leser dieses Briefes so wichtig? 

Erstens, wegen des nahen Gerichtes, das über die kommen sollte, die für sich selbst lebten (5,1-6), 

zweitens, wegen der Nähe der Ankunft Christi (5,7.8), 

drittens, wegen des Richters, der vor der Tür stand (5,9-11).

a. Ankündigung dieses Gerichts: 5,1-3

Gott wird Gericht üben, wenn die Seinen dem natürlichen, von Gott unabhängigen Verlangen nachgeben. 

Zusammenfassung: 5,1

Aufgemerkt nun, [ihr] Reichen! Weint und heult über euer Elend, das über euch kommen wird.“

Es geht um Nachfolger des Herrn bzw. um solche, die sich für Nachfolger halten. Allen gilt dieses Wort. 

    Die meisten von uns heutigen Gläubigen sind reich, leben besser als die meisten Könige der Geschichte. Reich ist, wer mehr als genug hat, um zu leben. Armut bedeutet, weniger zu haben. Wer wirklich arm ist, geht in Richtung Sterben. 

    Abraham war reich, aber im Willen Gottes. Andere waren arm, aber nicht im Willen Gottes. Es geht um die Beziehung zur Welt – und um die Beziehung zu Jesus Christus. 

    Ich möchte mich fragen: Wer regiert meine Interessen? Wie gehe ich mit dieser Welt um? 

    Diese Reichen, an die sich Jakobus in diesem Brief richtet, sind auf Kosten anderer reich geworden. Sie hatten für sich selbst gelebt, nicht für Gott. Und eben deshalb wurden sie reich. 

Jakobus sagt: Wer für sich selbst lebt, ruft schließlich das göttliche Gericht herbei. 

Das Gericht im Einzelnen: 5,2-3A
.  Über ihre Besitzungen: 5,2A

V 2: „Euer Reichtum ist verfault (und vermodert),“

.  Über ihre Kleider: 5,2A

„… und eure Kleider sind von Motten zerfressen.“

.  Über ihr Geld: 5,3A

V. 3: „Euer Gold und Silber ist vom Rost zerfressen, und ihr Rost wird euch zum Zeugnis sein, und Gift wird euer Fleisch fressen, wie Feuer. Schätze häuftet ihr an in den letzten Tagen!“

„Euer Gold und Silber ist vom Rost zerfressen, …“: Gold und Silber kann dann verrosten, wenn Gott es verrosten lässt. Hier ist von göttlichem „Rost“ die Rede. D. h., Gott wird ihr Gold und Silber wertlos werden lassen. Es wird ihnen nichts helfen können. 

„… und ihr Rost wird gegen euch zum Zeugnis sein“: D. h., es wird zum Beweis gegen euch zeugen.

.  Über ihre Leiber: 5,3M

„…und Gift wird euer Fleisch (Hier steht die Mehrzahl von „Fleisch“, weil es sich auf viele Leiber bezieht.) fressen, wie Feuer.“  

    Ihr Besitz wird vergehen bzw. angefressen werden, verfaulen, von Motten gefressen werden, rostig werden. Angefressenes bei Metall heißt „Rost“. Angefressenes bei Fleisch bzw. Menschenleibern heißt „Gift“ („Säure“).

b. Begründung dieses Gerichts: 5,3E-6

Nun gibt Jakobus Beispiele dafür, dass dieses Gericht über sie begründet ist: 

Aufhäufung von Schätzen: 5,3E

„Schätze häuftet ihr an, in den letzten Tagen,“

    Jakobus spricht hier von den „letzten Tagen“ der alten Haushaltung, die letzten Tage des sinaitischen Äons, der alttestamentlichen Tempelära.   

    Wir lernen: Irdische Schätze sind nicht dazu da, aufbewahrt zu werden, sondern sie sollen eingesetzt werden für das Königreich Gottes. Sie sollen dafür gebraucht werden, dass Menschen aus der Welt herausgerufen werden und nicht verloren gehen. 

Ausbeutung anderer: 5,4

Reiche unterdrücken Arme, nützen sie aus, bereichern sich durch sie. 

V. 4: „Siehe! Der Lohn eurer Arbeiter, die eure Felder ernteten, der von euch vorenthalten worden ist, schreit, und die Hilferufe der Erntenden sind in die Ohren des Herrn der Heere eingegangen.“ 

    Der nicht ausgezahlte Lohn schreit zum Himmel und ruft nach göttlicher Vergeltung. Gott hat gesehen, dass der Lohn nicht ausbezahlt wurde. Und diese Tatsache bewegt ihn. Diese Sünde greift Gott innerlich an. Er kann das nicht ertragen, dass hier Ungerechtigkeit geschehen ist. 

    Die ungerechten Taten sind Schreie vor Gott. Wir hören diese Schreie nicht. Aber wir wissen: Eines Tages wird Gerechtigkeit geschehen. 

    Deshalb können wir heute getrost sein und verzichten, wenn uns Unrecht geschieht. 

„in die Ohren des Herrn der Heere eingegangen“: Gott ist der Herr der Kriegsheere. Er hat unendlich viele Mittel zur Verfügung, um zu rächen.

Führen eines üppigen und verschwenderischen Lebens: 5,5

„Ihr lebtet in Üppigkeit auf der Erde, und ‹eure Lebensweise war› verschwenderisch. Ihr mästetet eure Herzen wie am Schlachttage.“

    Ihr gabt euch verschwenderischem Vergnügen hin, ihr führtet ein üppiges Leben „auf der Erde“. Man kann auch übersetzen „im Lande“ – falls hier Israel gemeint ist, was gut möglich ist. „Ihr pflegtet den feinen Geschmack und lebtet nach ihm. Ihr lebtet nicht für das Himmlische.“

    Jakobus ist nicht dagegen, dass Christen grundsätzlich genießen. Aber sie dürfen nicht das Genussleben pflegen. Alles darf im Dienst Gottes geschehen. Alles Genießen darf  als eine Form der Anbetung gehandhabt werden. 

    Es ist nicht immer Sünde, wenn uns etwas gut schmeckt. (Es kann zuweilen tatsächlich Sünde sein.) Es ist nicht verkehrt, einen feinen Geschmack zu haben. Aber es ist verkehrt, sich darauf zu konzentrieren. 

    Nicht der Geschmack ist Sünde; aber wenn man Gott aus dem Blick verliert und für die diesseitigen Dinge lebt, wenn das Gebetsleben leidet, wenn die Gedanken von den diesseitigen Dingen absorbiert werden, dann ist es Sünde. 

    Jakobus mahnt: Ihr lebt für diese Welt, für den Leib. 

    An die Korinther schrieb Paulus (1Kr 7,29-31): „Dieses sage ich, Brüder: Die Zeit ist bemessen. Für die noch bleibende gilt, dass auch die, die Frauen haben, wie solche seien, die keine haben, und die, die weinen, wie solche, die nicht weinen, und die, die sich freuen, wie solche, die sich nicht freuen, und die, die kaufen, wie solche, die nicht besitzen, und die, die diese Welt gebrauchen, wie solche, die nicht völligen Gebrauch von ihr machen, denn die äußere Gestalt dieser Welt vergeht.“

    Behandle die Welt als einer, der bereit ist, sie in jedem Augenblick abzugeben. „Herr, du hast ihn für eine Zeitlang gegeben. Du hast ihn genommen“ , sagte Susanna Spurgeon an dessen Sterbebett. 

    Der Christ ist deshalb sparsam, weil er mit des Herrn Gut umgeht. Man soll es nicht vergeuden, sondern schonend umgehen, damit es lange anhält. 

„Ihr mästetet eure Herzen wie am Schlachttage“: Ihr dientet euch selbst, als ob ihr Mastvieh wärt. Ihr lebtet für euch.

    Vielleicht will Jakobus hiermit auch andeuten: Ihr werdet eben dort enden, wo das Schlachtvieh endet. Das Gericht kommt! Eure Schlachtung steht unmittelbar bevor! 

    (Wenn der Brief Ende der 50er oder Anfang der 60er Jahre geschrieben wurde, war das Gericht 66-70 n. Chr. unmittelbar vor der Tür!)  

Was lernen wir für uns? 

    Wir fragen uns: Warum kaufen wir etwas ein? – Bringen wir es zuerst Gott als Gabe dar? 

    Einen Teil des Opferfleisches durfte der Opfernde selber essen. Aber zuvor musste er es Gott opfern. Denken wir daran und danken wir für jeden Bissen Speise, auch zwischendurch. Nehmen wir alles aus der Hand des Herrn!

Unrechtmäßige Behandlung (Verurteilung) und Benachteiligung von Gerechten: 5,6

V. 6: „Ihr verurteiltet den Gerechten. Ihr ermordetet ihn. Er widersetzt sich euch nicht.“

    Der Gerechte muss bereit sein zu verzichten. 

Es ist nicht ganz eindeutig, wer hier mit „der Gerechte“ gemeint ist. Manche Ausleger denken an Jesus Christus. Jakobus aber denkt wohl an die Heiligen, die gerecht Lebenden Heiligen, „gerecht“ im praktischen Sinne. Jakobus nennt ungerecht lebende Gläubige „Sünder“ (4,8), Sünder im praktischen Sinne. 

„Er (der gerecht lebende Gläubige) widersetzt sich euch nicht.“ Bevor Christen sterben, leisten sie keinen Widerstand. Und die, die noch leben, sollen auch keinen Widerstand leisten. Christen sind nicht aufrührerische Menschen, auch dann nicht, wenn sie verfolgt werden. 

    Viele Hugenotten rebellierten gegen die damalige Verfolgung. Das war nicht gut. Es war kein gutes Zeugnis für Christus. 

    Wir haben nicht ein Recht, eine Armee aufzustellen und politisch gegen Ungläubige vorzugehen. Es ist nicht die Aufgabe des Christen, soziale Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Wir haben den Auftrag, den Menschen ins Gewissen zu reden und selber Vorbilder zu sein. Wir setzen Zeichen in der Gesellschaft. Es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, die Gesellschaft umzukrempeln. Rebellion gegen eine Regierung ist nicht der biblische Weg, Veränderung herbeizuführen. 

4. An die Brüder: Aufruf zu Langmut: 5,7.8

a. Die Aufforderung: Seid langmütig: 5,7

b. Das Beispiel vom wartenden Bauern: 5,7

c. Eine zweite Aufforderung: Seid langmütig und festigt die Herzen. 5,8

a. Die Aufforderung (Seid langmütig bis zur Ankunft des Herrn): 5,7A

„Seid also langmütig/geduldig, Brüder,“

    Warum sollen sie geduldig sein? Weil ein ausgleichendes Gericht kommt.: 

„bis zur Ankunft des Herrn“

    Jakobus ruft seine Leser auf, vorbereitet zu sein. Sie sollen im Blick auf die Ewigkeit leben – und im Blick auf den, der das Gericht bringen wird. 

    Das griech. Wort für „Ankunft“ (Parousia) bedeutet nicht „Wiederkommen“, sondern „Ankunft mit (anschließend eintretender) Gegenwart“, wobei nicht gesagt ist, dass „die Gegenwart“ genau an der Stelle stattfindet, wo die Ankunft stattfindet. 

    Paulus sagte den Thessalonichern (1Th 4,17): „Und so werden wir allezeit zusammen mit dem Herrn sein.“ 

    Und der Herr sagte zu seinen Jüngern (Jh 14,3): „Ich werde euch zu mir nehmen, damit da, wo ich bin, auch ihr seid.“ Und er betete (Jh 17,24): „Ich will, dass auch sie bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen“.

b. Ein motivierendes Beispiel: Der wartende Bauer: 5,7M

„Siehe, der Bauer erwartet die kostbare Frucht der Erde,“

    Wenn ein Bauer geduldig auf Gottes Zeit warten kann, wie viel mehr die Heiligen. 

„… wartet mit Geduld auf sie, bis sie den Früh- und den Spätregen bekommen hat“

    Früh- und den Spätregen sind nicht notwendiger Weise zwei verschiedenen Regenzeiten, sondern hier wahrscheinlich Ausdruck für den Beginn und das Ende der Regenzeit, die von Herbst bis Frühling dauert. Ähnlich verhält es sich mit dem Ausdruck „zwischen den zwei Abenden“. Der erste Abend ist der Beginn des Abends, der zweite Abend ist das Ende des Abends. So ist der erste Regen der Beginn der Regenzeit, der zweite das Ende derselben. 

    Warum lässt Gott das Böse gedeihen? Warum greift er nicht gleich ein? – Wenn Gott jeden Sünder sofort richten würde, wer bliebe übrig? Wo wäre ich, wenn Gott in meinem sündigen Zustand mit Gericht eingegriffen hätte? 

c. Eine zweite Aufforderung: (Seid langmütig und festigt eure Herzen): 5,8A

V. 8: „Seid auch ihr geduldig“ (d. h.: so, wie der Bauer geduldig ist) „und festigt“ (macht fest, stark und beständig) „eure Herzen, weil sich die Ankunft des Herrn genähert hat.“

5. Ein Wort über das Seufzen gegen andere: 5,9-11

a. Aufforderung: 5,9A

Seufzt nicht gegeneinander, Brüder“ 

    Weder gegeneinander reden noch gegeneinander seufzen.

    Das Seufzen zeigt, dass wir ungeduldig sind mit dem Bruder. Wir sollen lernen, den anderen voll anzunehmen, voll in die Gemeinschaft aufzunehmen – auch die eigene Ehefrau. Gemeinde ist eine Heilsanstalt. Alle sind am Lernen und möchten gesunden. Daher soll man keine Erwartungen an den anderen haben. Einander annehmen. Wenn ein Christ uns verletzt hat, können wir auch dieses dem Herrn hinlegen. 

b. Eine motivierende Warnung: Die Nähe der Ankunft des Richters: 5,9E

„… damit ihr nicht verurteilt werdet. Siehe, ein Richter steht vor der Tür.“

    Er könnte jeden Moment in unser Leben als Richter eintreten. Auch der so gen. „Preisrichterstuhl“ ist ein Gericht. Wenn der Richter unser Retter ist, gehen wir nicht verloren (1Kr 3,15), denn er selbst hat die Schuld bezahlt. 

vor der Tür“: Für die erste und direkte Leserschaft war das historische Realität. Nicht lange nach der Abfassung dieses Briefes kam der Richter nach Israel. Und das Gericht für die Ehrfurchtslosen war furchtbar! Der Krieg begann 66 n. Chr.; 70 n. Chr. fiel Jerusalem, und 73 fiel die letzte Bastion der Rebellen, Masada. Gemäß Josephus Flavius gab es allein in Jerusalem über eine Million Tote.

c. Ermutigende Beispiele des ausdauernden Erduldens: 5,10.11

Ein erstes Beispiel: Die Propheten: 5,10

„Zu einem Beispiel des Erleidens von Üblem und der Langmut, meine Brüder, nehmt die Propheten, die im“ [und durch den] Namen des Herrn redeten,“

    Sie waren vorbildhaft in ihrem langmütigen Erdulden des Bösen. Jeremia ist ein herausragendes Beispiel. 

Ein zweites: Alle, die ausharrten: 5,11A

11 „Siehe, wir preisen diejenigen glückselig, die Ausdauer bewahren. 

    Das Wort bedeutet „standhaft bleiben; standhaft ausharren; darunterbleiben“. Das Los Socher ist Seligkeit. Seligkeit ist die verstärkte Form des Wortes „Glückseligkeit“.

Ein drittes: Hiob: 5,11M

„Von der Ausdauer (o.: von der Standhaftigkeit; vom standhaften „Darunterbleiben“, so wörtlich) des Hiob hörtet ihr, und das Ende des Herrn saht ihr“

Das „Ende des Herrn“ ist das Ende, das der Herr herbeiführte; die Art und Weise, wie der Herr ihn am Ende belohnte, und die Umstände,wie der Herr der Prüfung ein Ende machte. 

    Nb: Interessant ist, dass im gesamten Hiobbuch, auf die Frage „Warum muss ich leiden?“ keine Antwort gegeben wird. Gott lehrt uns, dass der Leidende diese Frage nicht stellen soll. Aber er soll vertrauen; denn alles, was geschieht, macht Sinn. Alles dient in seiner Weise der Ehre Gottes, wenn wir nicht sündigen. Es gibt daher kein „sinnloses Leiden“ für die Heiligen. 

„dass er (der Herr) voll innigen Mitgefühls und voll Erbarmen ist.“

„Voll innigen Mitgefühls“ bedeutet „sehr mitleidig; zutiefst mitfühlend; mit viel innerem Gefühl; voller Mitleid; wörtlich: „aus den „Eingeweiden heraus“ liebend. Das dürfen wir nie vergessen, schon gar nicht dann, wenn wir zu leiden haben!

6. Ein Wort über das Schwören: 5,12

„Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht, weder beim Himmel, noch bei der Erde, noch irgendeinen anderen Eid, …“

In den Versen 12-18 sind dem Jakobus nun die veränderlichen Dinge vor Augen: das Unbeständige im Leben, die Wallungen des menschlichen Gemüts, Schwächen, Krankheiten, Leiden. Diese Dinge machen uns oft das Ausharren schwer. Das Innere des Menschen ist nicht immer in der gleichen Verfassung. Wir können froh sein und traurig sein. Das ist naturgemäß so; und es ist nicht sündig. 

    Jakobus zeigt uns, wie wir ausharren können – gibt uns handfeste praktische Anweisungen, wie wir dem Herrn in verschiedenen Gemütsverfassungen treu bleiben können. 

    Es gibt Situationen, wo ein anderer wissen will, ob ich mein Wort halten werde, bzw., ob ich ehrlich sein werde. Das heißt, er bringt mir nicht genügend Vertrauen entgegen. In solchen Situationen soll ich mir bewusst machen: Das ist eine Anfrage an mich. Was werde ich nun tun? Was werde ich tun, wenn der andere meinem Wort nicht glaubt. – Jakobus sagt: Nicht schwören! Nicht durch einen Schwur bekräftigen. Bleibe bei deiner Wortaussage. „Ja. Es verhält sich so, wie ich sagte.“

    Hier geht es um das falsche Schwören. 

„Vor allem aber, meine Brüder“

Warum diese Betonung?  – Eide, die ohne Notwendigkeit oder in gewöhnlichen Gesprächen abgelegt werden, sind sündig. Jakobus legt uns keine speziellen Formulierungen auf, mit denen wir bejahen (bzw. verneinen) oder unser Wort bekräftigen sollen. Er zeigt auf, was das Entscheidende ist: eine ungetrübte und unveränderliche Haltung zur Wahrheit. Wir stehen zu unserem Wort. 

    Wahrhaftigkeit unseres Redens und Handelns ist wichtiger als anderes, was er im Brief sagte. Auch der Herr Jesus sprach davon (Mt 5,33.34; vgl. 4M 30,3; 3M 19,12). 

    Nicht, dass feierliche Eide in einem Gerichtssaal oder zu speziellen Gelegenheiten falsch sind, vorausgesetzt sie werden mit angemessener Ehrfurcht abgelegt; aber alle Eide, die ohne Notwendigkeit oder in gewöhnlichen Gesprächen abgelegt werden, sind „vom Übel“. Gott selber schwört (z. B. 1M 9,9-11; Lk 68.73; Ps 16,10; Heb 6.17), er bekräftigt sein Wort, um uns zu helfen, an die Wahrheit zu glauben. Und der Herr Jesus stand unter Eid bzw. sagte unter Eid aus (Mt 26,63.64). 

    Warum sagen Jakobus und der Herr dieses Wort? – In der modernen Gesellschaft ist unwahres Reden üblich geworden. Im Judentum waren die Zerrüttungserscheinungen ähnlich. Um deutlich zu machen, dass man wirklich die Wahrheit sagte, begann man zu schwören. Es gab aber auch Tricks: Schwören beim Altar, beim Heiligtum, bei Jerusalem, beim Himmel war nicht bindend; Schwören beim Opfer des Altars und beim Gold des Heiligtums war bindend (Mt 23,16.18): „Wehe euch, blinde Führer! – die ihr sagt: ‘Wer beim Heiligtum schwört, das ist nichts. Aber wer bei dem Gold des Heiligtums schwört, ist verpflichtet.’ … 18 ‘Wer bei dem Altar schwört, das ist nichts. Aber wer bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, ist verpflichtet.’“

    Der Herr sagt: Im Königreich Gottes muss damit Schluss sein: Ja muss „ja“ bedeuten! 

„Vielmehr soll euer Ja ein Ja sein und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht in Heuchelei fallt.“ Alles, was über dieses hinausgeht, „ist vom Bösen“ (Mt 5,37). 

    Sagt Gott Ja, dann meint er es so. 2Kr 1,20: „Denn so viele der Verheißungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja, und in ihm ist das Amen.“ 

    Wir leben heute in einer Welt der Wort-Inflation. Der Wert sinkt ständig. Es ist wie beim Geld: Es wird immer mehr Geld gedruckt, und daher wird es weniger wert. So beim Reden: Es wird immer mehr geredet und geschrieben (auch elektronisch), aber die Qualität und der eigentliche Inhaltswert sinkt. Die Präsentation ist manchen Leuten wichtiger als der Inhalt. 

    Jesus sagt (Mt 12,36): „Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, was auch immer die Menschen reden, darüber werden sie am Tage des Gerichts Rechenschaft geben.“ Unnütze Worte sind Worte, die irreführen. Wir müssen Rechenschaft ablegen über alle unsere Versprechen – und über alle unnützen Worte. Gebe ich ein Ja, so binde ich mich. 

    Mein Gegenüber muss damit rechnen können, dass ich das meine, was ich sage. Wenn unser Ja nicht ein Ja ist, sterben Wahrhaftigkeit und Treue; dann stirbt etwas an Segen und Qualität des christlichen Lebens. Wenn wir Versprechungen nicht halten, verlieren wir an Vertrauenswürdigkeit und Autorität. Wenn der Vater den Kindern etwas verspricht, es aber nicht hält, werden die Kinder verwirrt, desorientiert und schließlich misstrauisch. Sie wissen nicht mehr, woran sie sind, was nun wahr ist und was Lüge ist. 

    „Die Art, wie Menschen miteinander umgehen und miteinander reden, bildet die Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft.“ (Francis Schaeffer) Wenn ich etwas sage, um den anderen irrezuführen oder einen falschen Eindruck zu erwecken, werde ich früher oder später die Gemeinschaft zerrütten oder entwerten. Die zwischenmenschlichen Beziehungen müssen auf einer gesunden Grundlage stehen. Was du sagst, das solltest du auch wirklich so meinen, auch, wenn es unangenehm ist. Und es entspricht Gottes Wesen, wahr zu sein. Gott ist wahr (5M 32,4): „Der Fels: Vollkommen ist sein Tun, denn alle seine Wege sind Recht. Ein Gott der Treue ist er, ohne Falsch, gerecht und gerade.“ 

    Alle Unwahrhaftigkeit ist abzulegen. Eph 4,25: „Darum legt die Lüge (i. S. v.: jegliche Unwahrhaftigkeit) ab und redet Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, weil wir Glieder voneinander sind. 

Spr 12:19: „Die Lippe der Wahrheit besteht ewiglich, aber nur einen Augenblick lang die Zunge der Lüge.“ 

7. Ein Wort für die, die Übles erleiden: 5,13A

„Erleidet jemand unter euch Übles/Unrecht? Er bete.“

Beten – beim Erleiden von Üblem! Im Griech.: Imperativ Präsens: immer wieder, beständig, fortwährend beten!

Für Menschen, die Böses erleiden müssen, besteht die Gefahr, dass sie tief-traurig werden oder existentiell angefochten sind. Beten! Php 4,6.7: Mit Dank, mit Flehen, von Herzen. Ihm alles erzählen! 

8. Ein Wort für die in gehobener Stimmung: 5.13M

„Ist jemand in heiterer Stimmung? Er singe Psalmen (Loblieder).“

    Beten – bei gutem Seelenzustand! Im Griech.: Imperativ Präsens: ‹immer wieder› singen! Es geht hier um Extreme.

Für Menschen, die in heiterer Stimmung sind, besteht die Gefahr, dass sie übermütig und ausgelassen sind. Es besteht die Gefahr, dass wir nicht mehr Herr unserer Gefühle bleiben. Heiterkeit kann ausarten, wenn wir den Herrn nicht vor Augen haben. Jegliche Freude und jeglicher Genuss dürfen zum Lob Gottes führen, Dank hervorrufen. 

9. Ein Wort für Kranke: 5,14-16

a. Rufen, salben, beten: 5,14

b. Verheißung für den bußfertigen Kranken: 5,15

c. Ermutigung durch einen Hinweis auf die Wirksamkeit des Gebets: 5,16

d. Ermutigung durch das Beispiel des Elia: 5,16 

a. Rufen, salben, beten: 5,14

„Ist jemand unter euch krank (eigtl.: „schwach, ‹weil krank›)? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie sollen, nachdem sie ihn im Namen des Herrn mit Öl gesalbt haben, über ihn (und für ihn) beten.“

    Das Öl ist nicht ein Hinweis auf medizinische Hilfe. Man darf Beides nehmen: Öl und Medizin. Der HERR der Schöpfung kann auch da intervenieren, wo die Medizin versagt. 

    Das Salben ist im Alten Testament eine symbolische Handlung, ein Zeichen der Ausrüstung. Was gesalbt wurde, wurde in spezielle Weise für Gott geheiligt (abgesondert, beiseite gesetzt) und mit Gottes Kraft ausgerüstet. Das Salben mit Öl, von dem Jakobus spricht, ist hier wohl ebenfalls ein Zeichen, wie auch das Mahl des Herrn ein Zeichen ist. Man muss nicht salben, und es ist nicht falsch, auch heute so zu handeln. Welche Körperpartie zu salben ist, wird nicht vorgeschrieben. 

    Hat die Salbung mit Öl eine Wirkung auf die Heilung? – Wahrscheinlich nicht. Der Text sagt nichts darüber. 

    Sollen wir die Salbung mit Öl heute anwenden? – Wir dürfen; aber wir vertrauen nicht auf das Öl, sondern auf den Herrn. Dort, wo der Kranke meint, das Öl würde ihm helfen, würde ich auf das Öl verzichten. 

b. Verheißung für den bußfertigen Kranken: 5,15

„Und das Gebet des Glaubens wird dem Schwerkranken (o.: dem ermattet Darniederliegenden; dem Ermüdeten; dem Ermatteten)retten (o.: bewahren›), und der Herr wird ihn aufrichten“

    Hier ist einer, der bewusst in Sünde lebt und es (z. B.) verheimlicht. Der Herr griff nicht gleich ein. Aber wenn man es mit der Sünde anstehen lässt, dann kann es sein, dass der Herr Krankheit schickt. Jedenfalls war es im ersten Jahrhundert so, wie wir aus Jk 5 und 1Kr 5 und 1Kr 11 erfahren. Allerdings kann man nicht aus jeder Krankheit rückschließen, dass man für eine konkrete Sünde gezüchtigt wird. 

    Hier werden drei Wörter für „helfen“ verwendet: 

. retten, o.: bewahren; gemeint ist wahrscheinlich: vor dem Sterben retten bzw. bewahren. 

. aufrichten  

. geheilt werden (V. 16)

Dieser Vers ist nicht eine Verheißung, dass man in jedem Fall wieder gesund wird. Ob der Betreffende gesund wird (bzw. in Gottes Augen gesund werden soll), kann Jakobus selber auch nicht wissen. 

c. Ermutigung durch einen Hinweis auf die Wirksamkeit des Gebets: 5,16

Was ist das „Gebet des Glaubens“? Es ist ein Gebet im Einklang mit Gott. Du kannst nur glauben, was du weißt. Wenn du nicht weißt, dass der Herr in diesem Fall heilen wird, kannst du in diesem Fall nicht einfach glauben, dass Gott aufgrund deines Gebets heilen wird. Wir dürfen zwar beten im Vertrauen auf Gottes Güte und Willigkeit zu helfen; aber wir wissen nicht in jedem Fall, wie diese Güte und Hilfe Gottes aussehen wird. Manchmal kann es von Gottes Standpunkt aus für uns eine Hilfe sein, wenn wir krank bleiben – jedenfalls für eine gewisse Zeitlang.  

    Die geistliche Segnung in Christus (Eph 1,3) dürfen wir gerne dankend annehmen; sie ist Wirklichkeit und sie ist uns bereits in Christus geschenkt; aber irdische Segnungen nicht notwendigerweise. 

Das Gebet des Vertrauens wird dem Daniederliegenden vor dem Tod retten und bewahren. 

    Dabei wird still vorausgesetzt, dass das Gebet im Einklang mit Gottes Willen steht. Wenn die Krankheit tatsächlich eine Züchtigung zur Aufdeckung einer sündigen Sache ist, wird Gott, wenn die Sache in Buße und Sündenbekenntnis ans Licht gebracht ist und die Hirten gebetet haben, die Züchtigung beenden. Es gibt natürlich viele Sünden, wo ein Ans-Licht-Bringen vor den Hirten nicht nötig ist. Sicher ist, dass man jede Sünde ernst zu nehmen hat und vor Gott bekennen muss (1Jh 1,9). 

„Und wenn er einer ist, der Sünden begangen hatte,“

    Hier wird vorausgesetzt, dass der Betreffende die Sünde bekannt hat.

„wird ihm vergeben sein“

Es wird ihm das, was er ans Licht gebracht hat, vergeben sein. Falls jemand durch mein Sündigen zu Schaden gekommen ist, sollte ich dafür sorgen, dass der Geschädigte eine Erstattung erhält.  

Frage: Bedeutet dies, dass gewisse Menschen die Vollmacht (Befugnis) haben, Sünden zu vergeben? – Nein. 

Ich kann niemandem Vergebung zusprechen, denn ich kann ja nicht wissen, ob der Betende es wirklich ernst meinte und ob er sein Vertrauen wirklich auf Christus gesetzt hat.

d. Bekennen und füreinander beten (Die Kraft des Flehens eines Gerechten): 5,16

„Bekennt einer dem anderen die Übertretungen und betet für einander, sodass ihr geheilt werdet, …“

    Das griechische Wort für „bekennen“ heißt wörtlich „dasselbe sagen“. Wenn ich jemandem gegenüber schuldig geworden bin, soll ich nicht Gras darüber wachsen lassen. Wir soll mich zu meiner Sünde stellen (Ps 51,6) und vor dem Herrn Jesus Christus demütigen. 

    Grundsätzlich soll man mit dem Bekennen schnell sein. Sobald mir eine Sache bewusst wird, soll ich sie sofort dem Herrn bekennen. Ich darf lernen, meine eigene Fehlerhaftigkeit vor Gott und vor den anderen Heiligen einzugestehen. Wir können es uns leisten, transparent zu sein. Ich darf es mir leisten, mein Gesicht zu verlieren, weil Jesus Christus für meine Schuld gestorben ist. 

e. Ermutigung: Die Wirksamkeit des Betens: 5,16-18

Hinweis auf die Wirksamkeit des Flehens eines Gerechten: 5,16

„Sehr stark ist“ (o.: Eine große Kraft besitzt) das Flehen eines Gerechten, “

    Jeder Gläubige ist in Christus ein Gerechter. Aber das meint Jakobus hier nicht. Wenn Jakobus die Worte „Gerechter“ (5,6.16) oder „Sünder“ (4,8) verwendet, denkt er an die praktische Lebensführung. 

    Elia war ein Gerechter in seiner Lebensführung. Sein Flehen besaß eine große Kraft.

„Sehr stark ist das Flehen eines Gerechten“: stark – in der Wirksamkeit. „Flehen“ ist ein Bitten im Zeichen der völligen Abhängigkeit.

„da es wirksam gemacht wird“ – durch Gott nämlich. Gott, ist es, der so ein Gebet wirksam macht; nicht mein Glaube, nicht mein Flehen, nicht meine Gerechtigkeit. Nein, ich darf alles abgeben, und er macht das Gebet wirksam. 

    Man kann auch übersetzen: „und es wird sich als wirksam erweisen (i. S. v.: Es bewirkt etwas).“ Es wird nicht ohne Wirkung sein. 

    Das ist eine große Ermutigung.

Das Beispiel des Elia: 5,17.18

„Elia war ein Mensch von gleichen Empfindungen (o.: Gemütsbewegungen) wie wir.“

    Elia ist ein ermutigendes Vorbild für die Heiligen des NT und auch für uns. 

„Und er betete inständig (o.: ernstlich; wörtl.: er betete mit Gebet; er betete betend; o.: er betete und betete)

    Er hörte nicht auf. Weil er glaubte, rief er weiter. Er wusste um Gottes Gegenwart und Gottes Willen. 

„… dass es nicht regnen solle. Und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. 18 Und er betete wiederum, und der Himmel gab Regen, und die Erde ließ ihre Frucht sprießen.“

    Es braucht nicht unbedingt viele, die für eine Sache beten. Es braucht aber Gerechte wie Elia. Ihr Beten kann viel bewirken. 

Ehe Gott etwas tut, wartet er darauf, dass der Mensch bittet.

  .  Gott wünscht etwas Bestimmtes zu tun, will es jedoch nicht von sich aus tun. Er wartet, bis Menschen entsprechend beten. Dann handelt er. Ebenso ist es mit den Bedürfnissen: Nicht, dass Gott nicht um unsere Bedürfnisse wüsste, aber er versorgt uns erst, nachdem wir gebetet haben. So will er zum Beispiel, dass wir jeden Tag um unser tägliches Brot (Speise) bitten, obwohl er weiß, dass wir Nahrung brauchen.

    Gott hatte dem Elia seinen Willen geoffenbart. 

    1Kg 18,1.42E.45: „Und es vergingen viele Tage, da geschah das Wort Jahwehs an Elia im dritten Jahr, indem er sagte: Gehe hin, zeige dich Ahab. Und ich will Regen geben auf den Erdboden. … 42E: Elia aber stieg auf den Gipfel des Karmel. Und er beugte sich zur Erde und legte sein Angesicht zwischen seine Knie. … 45 Und es geschah unterdessen, da wurde der Himmel schwarz von Wolken und Wind, und es kam ein starker Regen.“ 

    Gottes Wort war an Elia deutlich ergangen: „Und ich will Regen geben auf den Erdboden.“

Aber er schenkte den Regen erst, nachdem Elia gebetet hatte. So betete Elia, und er betete nach den Willen Gottes. Daher war sein Gebet so wirkungsvoll.

Wenn die Gemeinde Jesu nach dem Willen Gottes betet, viel betet, wird ihr Gebet ebenfalls sehr wirkungsvoll sein. 

    Gott wartet darauf, dass der Mensch freiwillig gehorcht.

    Weshalb geschieht nicht alles, was Gott zu tun wünscht? Weil die Seinen oft nicht nach seinem Willen beten oder zu wenig beten. 

    Gott wartet. Er möchte sehen, dass wir unseren freien Willen dazu gebrauchen, ihm aus freien Stücken gehorsam zu sein. Er hat sich in seinem Handeln freiwillig eingeschränkt. Er hat es dem Menschen überlassen, ob er auf Gott hören will oder nicht. Was bedeutet das für das Gebet? 

    Ohne Gebet kann daher Gottes Wunsch oft nicht geschehen.

    Beten wir, so kann Gott uns eine Last auferlegen. Beten wir dann weiter, so geschieht etwas. Wenn wir auf Gottes Last, die er uns auferlegt, reagieren und beten, tut Gott etwas, das er ohne unser Gebet nicht getan hätte. 

    Beten wir nicht, geschieht nichts. Vieles bleibt ungeschehen, weil nicht gebetet wird. Vieles im Königreich Gottes geschieht nicht, weil Christen nicht oder zu wenig beten und nicht oder zu wenig gehorsam sind. Viel Evangelisationsarbeit bleibt von geringem Erfolg, weil die Gläubigen das Gebet vernachlässigen. 

    Viele Christen schlafen oder schlummern und verpassen viele Gelegenheiten zur Verherrlichung Gottes. 

10. Ein Wort bezüglich Irregeleiteter: 5,19.20

V. 19: „Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit weg irregeleitet wird, …“

    Sich von der Wahrheit der Schrift weg verirren (oder irreführen lassen), ist gegen Gottes Willen. Es ist Sünde. 

„… und einer ihn zur Umkehr bringt“

    D. h., er hilft ihm zurecht. 

V. 20 „…, so nehme dieser zur Kenntnis, dass der, welcher einen Sünder vom Irrweg zur Umkehr bringt, eine Seele vom Tode retten …“

– von demselben Tode, von dem in Jk 1,14.15 die Rede war. 

    Nehmen wir diesen Vers ernst! Und nehmen wir die Situation eines Abgeirrten ernst. Und bemühen wir uns um solche Leute! 

„… und eine Menge Sünden bedecken wird.“ 

Er wird dazu beitragen, dass die Menge von Sünden vor Gott gebracht und durch Gott vergeben wird. 

Dieser Vers ist eine Verheißung für den Sünder und für den Seelengewinner.