Off 1-11

Das Buch der Offenbarung K. 1-11 – Auslegung April 2022

1Off 1-11 Auslegung 2022

INHALT
EINLEITENDES
LITERATURGATTUNG UND HISTORISCHER ZUSAMMENHANG
Welcher Literaturgattung gehört die Offenbarung an?
1. Die Off ist eine Weissagung.
2. Die Off ist eine Apokalypse.
3. Die Off ist ein Brief.
4. Die Off ist ein Bilderbuch.
Hintergrund, Ziel und Zweck
Zusammenfassung
HINWEISE ZUR INTERPRETATION
GROBE GLIEDERUNG
VORBEMERKUNGEN
WIE GEHT MAN BEIM FORSCHEN PROPHETISCHER BÜCHER VOR?
BEMERKUNGEN ZU BESTIMMTEN BEGRIFFEN
Der Begriff „Erde“
Der Begriff „Völker“
Frage zum heutigen Begriff „Juden“: Wer ist ein Jude?
Ergebnisse aus der Genforschung
Neutestamentliche Texte
TEXTBESPRECHUNG – VERS FÜR VERS-AUSLEGUNG
. DER BRIEFEINGANG 1,1–8
1. Überschrift 1,1A
2. Herkunft und Zweck 1,1.2
3. Eine Seligpreisung 1,3
4. Gruß 1,4–6A
5. Die eigentliche Doxologie: 1,6
6. Thema 1,7
7. Vorstellung des eigentlichen Autors 1,8
I. TEIL: GESICHT VOM MENSCHENSOHN – BOTSCHAFTEN AN SIEBEN GEMEINDEN 1,9–3,22
A. Das Gesicht vom Menschensohn 1,9–20
1. Die äußeren Umstände des Johannes 1,9
2. Die Vorstellung des Herrn und sein Auftrag an Johannes 1,10.11
3. Die sieben Leuchter 1,12
4. Der Menschensohn 1,13–16
5. Die Reaktion des Sehers und die Ermutigung durch den Herrn 1,17.18
6. Die Wiederholung des Auftrags 1,19
7. Die Deutung der Sterne und der Leuchter 1,20
B. Diktat der sieben einleitenden Botschaften an die sieben Gemeinden K. 2 und 3
1. An Ephesus 2,1–7
2. An Smyrna 2,8–11
3. An Pergamus 2,12–17
4. An Thyatira 2,18–29
5. An Sardes 3,1–6
6. An Philadelphia 3,7–13
7. An Laodikea 3,14–22
C. Exkurs: Kirchengeschichtliche prophetische Botschaften in Off 2–3?
1. Zur Reihenfolge der sieben Botschaften:
2. Über den Allgemeinzustand der einzelnen Gemeinden
3. Tabellarischer Überblick über die sieben Botschaften
II. TEIL: SIEBEN SIEGEL 4,1–8,1
A. Hinführung zur Hauptbotschaft: Der Thronsaal, das Buch und das Lamm 4,1– 5,14
1. Die Öffnung der Tür im Himmel und die Versetzung des Sehers in den Himmel: 4,1.2A
2. Das Gesicht vom Thron und der Umgebung des Thrones: 4,2M–11
3. Die Anbetung des Thronenden: 4,8M–11
4. Das Gesicht von der Buchrolle und vom Lamm: 5,1–14
B. Die Öffnung der ersten sechs Siegel 6,1–17
0. Einleitendes
1. Siegel: Bogen und Siegeskranz: Eroberungen, Siege: 6,1–2
2. Siegel: Ein großes Schwert: Gegenseitiges Hinschlachten: 6,3.4
3. Siegel: Eine Waage: Hunger: 6,5.6
4. Siegel: Tod: Vollmacht, zu töten mit Schwert, Hunger, Tod, wilden Tieren: 6,7.8
5. Siegel: Märtyrerseelen unter dem Altar: 6,9–11
6. Siegel: Erschütterungen: 6,12–17
C. Zwei Zwischenvisionen 7,1–17
0. Allgemeines
1. Die Versiegelung der 144 000: 7,1–8
2. Die unzählbare Schar vor dem Thron: 7,9–17
D. Die Öffnung des siebten Siegels und das Schweigen im Himmel 8,1
III. TEIL: SIEBEN POSAUNEN (INHALT DES SIEBENTEN SIEGELS) 8,2–11,19
A. Einleitung zu den sieben Posaunen: 8,2–6
1. Das Auftreten der Posaunenengel: 8,2
2. Der Engel mit dem Räucherfass: 8,3–5
3. Die Vorbereitung zum Posaunen: 8,6
B. Das Blasen der ersten sechs Posaunen: 8,7– 9,21
1. Posaune: Das Land – Wohnbereich und Pflanzen (d. h.: Pflanzennahrung) sind betroffen: 8,7
2. Posaune: Das Meer – Fischfang und Handel sind betroffen: 8,8.9
3. Posaune: Süßwasser – das Lebensnotwendigste wird getroffen: 8,10.11
4. Posaune: Himmelskörper verlieren ihre Leuchtkraft. 8,12.13
5. Posaune: Dämonische Heuschrecken
6. Posaune: Reiterheere aus dem Osten (Das zweite Wehe): 9,13–21
C. Zwei Zwischenvisionen: Off 10,1–11,14
1. Der starke Engel mit dem geöffneten Büchlein: 10,1–11
2. Jerusalem: Die Tempelmessung. Die zwei Zeugen: 11,1–14
3. Das Blasen der siebten Posaune (Das dritte Wehe): 11,15-18
Übergang: Öffnung des Heiligtums im Himmel 11,19
IV. TEIL: HINFÜHRUNG ZU DEN SCHALEN. AUSGIEßUNG DER SIEBEN SCHALEN (INHALT DER SIEBENTEN POSAUNE) 11,19- 16,21
Übergang: Öffnung des Heiligtums im Himmel 11,19
A. Der unsichtbare Feind, der Drache. Krieg gegen die Frau: 12,1–17
1. Erstes Bild: Des Drachen Angriff auf das neugeborene Kind: 12,1–6
2. Zweites Bild: Des Drachen erfolgloser Kampf im Himmel: 12,7–12
3. Drittes Bild: Des Drachen Angriff auf die Frau und ihre übrigen Nachkommen: 12,13–18
B. Der sichtbare Feind: Das Tier vom Meer. Krieg gegen die Heiligen: 13,1–10
1. Die Beschreibung des Tieres aus dem Meer: 13,1–3
2. Seine Anbetung: 13,4
3. Seine Gotteslästerung: 13,5.6
4. Der Krieg gegen die Heiligen: 13,7.8
5. Aufruf an die Heiligen zur Treue: 13,9.10
6. Zur Identität des Tieres
7. Exkurse:
C. Der sichtbare Feind: Das Tier vom Land: Irreführung der Heiligen: 13,11–18
1. Die Beschreibung des zweiten Tieres: 13,11–14A
2. Die Lehre des zweiten Tieres: 13,14M–17
3. Aufruf an die Heiligen zur Berechnung des Zahl des ersten Tieres: 13,18
4. Exkurse:
5. Was können wir von Off 13 lernen?
D. Vorschau ans Ziel: Das Lamm auf dem Zion und die 144 000 und ihr Lied: 14,1–5
1. Ihre Beschreibung:14,1
2. Ihr Lied: 14,2.3
3. Ihre Identität: Jungfräuliche, treue Nachfolger, Erstlinge, Tadellose 14,4.5
E. Drei gerichtankündende Engel und ein Aufruf an die Heiligen: 14,6–13
1. Der erste Engel: Das ewige Evangelium: 14,6.7
2. Der zweite Engel: Gefallen ist Babylon: 14,8
3. Der dritte Engel: Gerichtsankündigung über die Tieranbeter: 14,9–11
4. Aufruf zum Halten der Gebote Gottes und des Glaubens: 14,12
5. Seligpreisung derer, die im Herrn sterben von nun an: 14,13
F. Der Menschensohn auf der Wolke und die Ernte: 14,14-20
1. Der Menschensohn 14,14
2. Der erste zurufende Engel: 14,15
3. Die Ernte durch den Menschensohn: 14,16
4. Zwei zurufende Engel: 14,17.18
5. Die Weinlese und die Kelterung: 14,19.20
G. Zeichen: Vorbereitung der sieben Engel mit den letzten Plagen. Die Überwinder am gläsernen Meer – und ihr Lied: 15,1-4
1. Vorbereitung der sieben Engel mit den letzten Plagen: 15,1
2. Die Überwinder am gläsernen Meer – und ihr Lied: 15,2–4
H. Die Ausgießung der sieben Schalen: 15,5– 16,21
1. Einleitendes 15,5–16,1
2. Die Ausgießung der ersten sechs Schalen 16,2–9
3. Zwischenvision: Die Sammlung zum Krieg: 16,13–16
4. Die Ausgießung der siebenten Schale 16,17–21
5. Wie und wo ist die Erfüllung der Ausgießung der Schalen?
6. Exkurse zur Frage nach der Identität von Babylon
V. TEIL: DIE HURE UND DAS TIER. DER UNTERGANG DER GROßEN STADT BABYLON. DIE HOCHZEIT DER BRAUT: 17,1–19,10
Einleitendes:
Eine Gegenüberstellung
Der Chiasmus in 17,1– 22,(5)9
A. Die Hure und das Tier: 17,1–18
1. Einleitendes 17,1–3
2. Beschreibung der Frau: 17,3–6
3. Erklärungen zur Frau und zum Tier: 17,7–18
B. Der Untergang der großen Stadt Babylon: 18,1–24
1. Ankündigung ihres Falles 18,1–3
2. Mahnwort, Babylon zu verlassen und ihre Sünden zu vergelten: 18,4–7
3. Ankündigung ihrer Plagen: 18,8
4. Wehklage der Landbewohner über den Fall: 18,9–19
5. Aufruf zur Freude der Himmelsbewohner über ihren Fall: 18,20
6. Folgen ihres Falles: 18,21–24
C. Jubel über den Untergang Babylons und Ankündigung der Hochzeit des Lammes: 19,1–10
1. Das erste Halleluja: 19,1.2
2. Das zweite Halleluja: 19,3
3. Das dritte Halleluja: 19,4.5
4. Das vierte Halleluja: Ankündigung der Hochzeit des Lammes: 19,6.7
5. Die Vorbereitung der Hochzeit: 19,8.9
6. Die Reaktion des Sehers: 19,10
VI. TEIL: DIE ANKUNFT DES KÖNIGS: DAS GERICHT ÜBER TIER UND FALSCHPROPHET, DEN DRACHEN UND ÜBER DIE TOTEN. DER NEUE HIMMEL UND DAS NEUE LAND: 19,11–21,5 (9)
Einleitendes
A. Die Ankunft des Königs zum Gericht: 19,11–16
1. Die Öffnung des Himmels: 19,11A
B. Ankündigung des Gerichtsmahles Gottes: 19,17–18
C. Das Gericht über das Tier und den falschen Propheten und deren Heere: 19,19–21
a. Die Aufstellung der Feinde zum Krieg 19,19
b. Die Festnahme des Tieres und des falschen Propheten: 19,20A
c. Die Verurteilung des Tieres und des falschen Propheten: 19,20M
d. Die Tötung der übrigen Feinde 19,21A
e. Das Gerichtsmahl 19,21
Exkurs: Vorbemerkungen zu Auslegung von Off 20
Der chiastische inhaltliche Aufbau von 11,18 bis K. 20
Parallelen zwischen Off 12 und 20
Die Frage nach dem „Tausendjährigen Reich“
Wie geht man in der Auslegung von Off 20 vor?
Nochmals zu Off 12,5
D. Die Gefangennahme und Bindung des Drachen: 20,1–3
a. Der Ausführende der Bindung: 20,1
b. Die Ausführung der Bindung: 20,2.3A
c. Der Zweck der Bindung: 20,3M
d. Die zeitliche Begrenzung der Bindung: 20,3E
e. Exkurs zum Zeitpunkt der Bindung des Drachens
E. Das Regieren der Heiligen mit Christus – und das Gericht über den Teufel: 20,4–10
1. Die Regierenden: 20,4–6
3. Der letzter Aufstand und das Gericht über den Satan: 20,7–10
4. Die historische Erfüllung des in Off 20 Gesehenen
F. Das Gericht über die Toten: 20,11–15
1. Der Richter: 20,11
2. Die zu Richtenden: 20,12A
3. Die Gerichtskriterien: 20,12M
4. Der Gerichtsvorgang 20,12E.13
5. Ihr Los: 20,14
6. Das Buch des Lebens: 20,15
G. Der neue Himmel und das neue Land und das Kommen des neuen Jerusalems: 21,1–8
1. Ein neues Israel: 21,1
2. Das Herabkommen Jerusalems: 21,2
3. Was sein wird: eine neue Gemeinschaft mit Gott: 21,3
4. Was nicht mehr sein wird: 21,4
5. Eine Verheißung: Alles neu: 21,5A
6. Eine Aufforderung: „Schreibe“: 21,5M
7. Eine weitere Verheißung: 21,6.7
7. Eine Drohung: 21,8
Abschließende Erläuterungen zur neuen Welt in Off 21
Allgemeines
Die neue Welt ist nicht „irdisch“.
Die neue Schöpfung ist nicht zweigeteilt in „himmlisch“ und „irdisch“.
Das Verhältnis von Off 21 zu 2Pe 3
VII. TEIL: DIE BRAUT, DIE NEUE STADT – IHRE EWIGE HERRLICHKEIT: 21,9–22,5
A. Einleitung 21,9.10
B. Das Aussehen der Stadt 21,11–27
1. Ihr Glanz (Ihre Herrlichkeit): 21,11
2. Ihre Aussenansicht 21,12–14
3. Ihre Größenmaße: 21,15–17
4. Ihr Baumaterial: 21,18–21
5. Ihr Heiligtum: 21,22
6. Ihr Licht: 21,23
7. Ihre Bewohner: 21,24–27
C. Das Leben der Stadt 22,1–5
1. Ihr Wasser: 22,1
2. Ihre Frucht: 22,2A
3. Ihre Gesundheit: 22,2M.3A
4. Ihre Führung: 22,3M
5. Ihre Gottesverehrung (ewiger Priesterdienst im „Tempel“): 22,3.4
6. Ihr Licht: 22,5A
7. Ihre Aufgabe: 22,5E
. DER BRIEFSCHLUSS 22,6 (10)–21
1. Sieben Worte über diese Botschaft: 22,6–19
2. Letzte Worte Jesu 22,20A
3. Schlussgrüße 22,20M.21
ANHÄNGE
Bedeuten die Worte „Bald“ und „nahe“ immer zeitliche Nähe?
Exkurs zum Buch Daniel
Etwas Geschichte: Die Hasmonäer und die Herodianer
Ein Vergleich von Off 19-21 mit 2Mo 28-36, bzw. eine Parallele
Exkurse über Off 20 und damit verbundene Fragen
Off 20,1 (inkl. Satans Gericht) und die Auswirkung auf die Praxis heute (TJ, 2016)
Off 20,02 Der Satan und die Verführung der Völker
Off 20 Millennium – 40 Jahre
Off 20: Israels falsche Lehre (in Bezug auf die Erfüllung der alttestamentlichen Weissagungen vom Königreich)
King (The Cross and the Parousia, Warren 1987, S 227 ff) zu Off 20
Off 20,7ff: Der Fall des Satans – hinweg von seinem Zutritt zum Himmel als Verkläger (Off 12,7–12):
Exkurs‹ zu Frage nach der Bedeutung des Gesichtes von den „tausend Jahren“
Fünf Argumente gegen ein irdisches–israelitisches Tausendjahrreich
Über das Los der Verlorenen
Gehen auch die verloren, die das Evangelium nie gehört haben?
Über das Buch des Lebens
Off 20: Weitere Artikel
Off 20,11 nach Max King
Allgemeines über die Vollendung des Königreichs Off 21:
Exkurs über die Auferstehung und Entrückung
Exkurs zum Thema „Herrlichkeit (Glanz)“

EINLEITENDES

Die Off (o. Apokalypse) ist ein Brief aus dem ersten Jahrhundert, geschrieben an sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asien. Die Botschaft ist einfach. Im einleitenden Teil (K. 1-3) werden die Heiligen sieben Mal zum Überwinden aufgerufen und gegen Ende des Briefes ein achtes Mal: „Wer überwindet wird alles erben.“ (21,7)
Die Leser standen damals vor einer großen Prüfungszeit, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte, „um die zu prüfen, die im Lande (o.: auf Erden) wohnen“ (3,10). Sie werden durch den Brief vorbereitet. Wenn sie treu am Wort Gottes festhalten und standhaft bleiben würden, sollten sie vor dieser Prüfungszeit bewahrt und nicht von dem Satan verschlungen werden, der die Heiligen zum Abfall von Christus bewegen wollte.
Die Prüfungszeit betrifft einen Kampf auf Leben und Tod. Wer bis zum Tode überwindet, darf mit Christus auf seinem Thron sitzen und mit ihm herrschen. Der Untreue fügt sich ewigen Schaden zu.
Die K. 4-22 bilden den Hauptteil des Briefes. Die K. 4-16 beinhalten drei Siebenerreihen. Die K. 17-22 geben Details über das Gericht über die Hure, das Tier, den Drachen, die Toten und über die Herrlichkeit des neuen Jerusalems, der Braut des Lammes.
In den K. 11-15, wird der Feind beschrieben, gegen den es zu kämpfen gilt, und es wird aufgezeigt, wie man ihn überwinden kann. Der Feind ist vor allem der „Drache“ und das „Tier“ aus dem Meer – mit seinem Komplizen, dem Tier vom Land, genannt der „falsche Prophet“. In den K. 19 und 20 wird der endgültige Sieg des Königs der Könige über das Tier und den falschen Propheten und über den Drachen, der den beiden ihre Vollmacht gibt, beschrieben.

In der Einleitung (K. 1-3) und im Schlussteil (K. 22) wird viermal (1,1.3; 22,6.10) betont, dass die Zeit der bevorstehenden Ereignisse „nahe“ ist und dass die Ereignisse „in Kürze“ geschehen werden.
(Statt „in Kürze“ kann man auch übersetzen „schnell“. Gemeint ist, zeitlich schnell, d. h., es wird schnell gehen, bis diese Zeit eintrifft, die vorhergesagten Dinge werden also „bald“ geschehen.)
Damit wird klar, dass das in der Off Beschriebene den Briefempfängern unmittelbar bevorstand. Johannes sagt von Anfang an, dass die Dinge, die in diesem Brief geschrieben ist, „in Kürze“ (in Bälde) geschehen werden (1,1):
„Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. … 3 Ein Seliger ist der, der liest, und [Selige sind] die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darin geschrieben ist, denn die Zeit ist nahe!”
Ebenso an Ende des Briefes (22,10): „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.”
Im Danielbuch, weniger als 400 Jahre vor den Ereignissen um Antiochus IV, wurde dem Propheten gesagt, es seien noch „viele Tage” bis dahin (Dan 8,26: „Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage.”)
Folglich kann in Off 22,10 nicht gemeint sein, dass die Zeit bis zur Erfüllung jener Ereignisse zwei Jahrtausende (oder mehr) in der Zukunft liegen.
Moses Stuart kommt in „The Interpretation of Prophecy” zu dem Schluss, dass die Off mitten in einer blutigen Verfolgung der Gemeinde geschrieben wurde – oder knapp davor. Der Schreiber selbst ist in der Verbannung „wegen des Wortes Gottes und seines Zeugnisses von Jesus“ (1,9). … Eine große Prüfungszeit steht den Christen im ganzen Römerreich bevor (3,10). Smyrna steht vor großem Leiden (2,8-11). Absicht des langen Briefes ist es, zu ermutigen, zu bewahren, zu festigen, zu trösten und zum Überwinden aufzurufen. Gott wird die Treuen belohnen, die Verfolger bestraften. Die Gemeinde wird zuletzt über alle ihre Feinde triumphieren.
Die Dinge, die in diesem Brief geschrieben sind, müssen kurz nach der Abfassung des Briefes geschehen sein. Die Erfüllung der beschriebenen Ereignisse muss man in der (vom Autor betrachtet) nahen Zukunft suchen.
LITERATURGATTUNG UND HISTORISCHER ZUSAMMENHANG
Welcher Literaturgattung gehört die Offenbarung an?
Es handelt sich um einen Brief, der zugleich eine Weissagung ist, geschrieben im Stil „apokalyptischer“ Literatur.
1. Die Off ist eine Weissagung.
EineWeissagung ist ein prophetisches Wort, geschrieben in eine konkrete historische Situation.
Die Off soll zeigen, was Gott in und mit der gegenwärtigen Situation der Empfänger vorhat. Es geht um die „Lehre von den letzten Dingen“ (Eschatologie), und zwar um Gericht und Heil. Die, die die Worte der Weissagung hören und bewahren, werden „Selige“ sein (1,3; 22,7).
Das Buch soll Auswirkungen auf die Situation der Leser des ersten Jahrhunderts haben, sie ermahnen und trösten. So steht die Offenbarung in Fortsetzung der alttestamentlichen Prophetie. Es enthält mehr als 400 Anspielungen auf das Alte Testament, aber keine direkten Zitate. Die Leser in ihrer konkreten historischen Situation sind aufgerufen, auf die Worte dieser Weissagung entsprechend zu reagieren (1,3; 2,7.11.17.26-29; 3,5.6.11-13.20-22; 13,9.10.18; 16,15; 18,4; 22,7.14.17-19).

Was ist im Allgemeinen der Zweck jeder Prophetie?
– nicht intellektuelle Befriedigung, sondern Lebensveränderung in Christi Bild. Das bedeutet, Prophetie soll dazu dienen, …
1. dass die Leser ihren Charakter von Jesus Christus umgestalten lassen (1Thes 5,23; 1Joh 3,3; 2Petr 3,12.13)
2. dass sie sich und andere zum Durchhalten und Bezeugen in Anfechtung und Verfolgung ermutigen und einander trösten (Mk 8,38; Rm 8,18; 2Kor 4,17; 1Thes 4,18)
3. dass sie einander zum Dienst für Christus motivieren (Joh 9,4; 1Thes 1,9.10) und zur Wachsamkeit anhalten (Mt 25)
4. dass sie ein Anliegen bekommen für Christen, die durch falsches Leben oder falsche Lehre in die Gefahr gekommen sind, abzudriften (Vgl. 1Mo 19,14; Jud 21-23, Hebr 2,1.2.)
5. dass sie sich von Weltlichem und lehrhaft Falschem absondern (2Petr 3,12.13)
6. dass sie einander helfen, ihre materiellen Besitztümer zu verringern, denn deren Wert wird umso kleiner, je näher sie dem Ende entgegengehen (3Mo 25,8-16).

2. Die Off ist eine Apokalypse.
Eine Apokalypse ist eine eigene literarische Gattung. Apoklaypsen im AT sind die Bücher Daniel und Sacharja, z. T. auch das Buch des Propheten Hesekiel. Im NT ist das Buch der Off apokalyptisch, auch einzelne Teile in den Evangelien, z. B. Mt 24. Außerbiblische (nicht inspirierte) apokalyptische Bücher sind z. B. das Henochbuch, der „Hirt des Hermas“, 2Baruch, 4Esdras, die „Himmelfahrt des Moses“.

Die Off vermittelt Inhalte von Gesichten, die Johannes sah.
1,10: „An dem Tage, der dem Herrn gehört, wurde ich [einer, der] im Geist [war].“
4,2: „Und sogleich wurde ich [einer, der] im Geist [war]; und– siehe! – ein Thron, im Himmel aufgestellt; und auf dem Thron saß einer.“ (Vgl. Vgl. 1Henoch 14-16; 46; 60,1-6; 2Henoch 20,1.)
Johannes wird im Geist in den Himmel versetzt und sieht die Welt aus der himmlischen Perspektive; er bekommt einen Blick hinter die Kulissen der Geschichte, sodass er sieht, was tatsächlich vor sich geht – und zwar in Gegenwart und in der nahen Zukunft. Er bekommt einen Blick vom Jenseits her auf die Gegenwart seiner Zeit; aber nicht nur das, sondern er sieht auch, wohin die Geschichte seiner Zeit hinausläuft. Die Welt der Leser erweitert sich dadurch räumlich und zeitlich.
Die Off spricht eine konkrete Situation der Christen in der römischen Provinz Asia im 1. Jahrhundert n. Chr. an. Johannes (bzw. Jesus Christus) beziehen sich auf die nahe Zukunft jener Christen, an die der Brief gerichtet war (1,1.3; 22,7.10). Die Feinde setzten dem wahren Gottesvolk und ihrer Welt Grenzen. Johannes aber sieht die Welt offen – zu Gott, dem Schöpfer und Herrn hin. Aus dieser Perspektive sehen die Leser nun sich und ihre gegenwärtige Situation in einem anderen Licht.
Die Welt, die Johannes sieht, ist nicht eine andere Welt, sondern es ist die Welt der Christen im ersten Jahrhundert, aber betrachtet aus der himmlischen und eschatologischen Perspektive. Johannes hat das göttliche Ziel im Auge.
Das ist es auch, was wir Menschen heute brauchen. Wenn wir unsere Welt vom irdisch-menschlichen Standpunkt aus betrachten, haben wir eine falsche Sicht der realen Dinge und laufen Gefahr, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Gerechten müssen leiden und den Gottlosen geht es gut. Die Bösen regieren, spielen Gott und verändern Gesetze. Das wirft unter Gottes Volk Fragen auf: Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein? Wie und wo ist sein Königreich?

Die Off ist in mancherlei Hinsicht anders als die jüdisch apokalyptische Literatur:
. Es gibt viele Gesichte und viel Symbolik. Das Buch ist ein Bericht über zwei große Gesichte, eines auf Erden (1,10 -3,22), das als Einleitung gilt, und eines im Himmel (4,1-22,9).
. Entgegen der außerbiblischen Apokalyptik wird in der Off immer wieder auf das Alte Testament (AT) Bezug genommen. Die meisten Bilder und Motive aus den Gesichten sind dem AT entlehnt und können nur vom AT her verstanden werden.
. Der Name des Verfassers wird angegeben (1,1.4.9; 22,8). In außerbiblischen (nicht inspirierten) apokalyptischen Büchern (z. B. Henochbuch, Baruch, 4Edras; Hirte des Hermas) werden die Namen der Autoren nicht genannt. Der Verfasser bleibt anonym oder pseudonym (d. h., der Autor gibt sich einen falschen Namen).
. Der Verfasser ist von Gottes Geist inspiriert. Er weiß, dass er in der Tradition der alttestamentlichen Propheten steht, und er selber ist ein Prophet wie Jesaja, Hesekiel, Daniel und Sacharja. Er spricht in der Autorität Jesu Christi. Von ihm hat er seine Botschaft (1,1.2.10; 1,19; 10,8-11).
. Der Verfasser spricht von einer konkreten Zeit in naher Zukunft. In Dan 12,4 und 9 lesen wir, dass sich die im Danielbuch geweissagten Ereignisse auf ferne Zukunft bezogen; daher sollte Daniel das Buch verschließen (versiegeln, aufbewahren, Da 8,26): „ Und das Geschaute von den Abenden und den Morgen, das gesagt wurde, ist Wahrheit. Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage.“
Dan 10,14 „Und ich bin gekommen, dich verstehen zu lassen, was deinem Volk widerfahren wird in der späteren Zeit der Tage, denn das Gesicht ist noch für jene Tage.“
Da 12,4: „Aber du, Daniel, verschließe die Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden umherstreifen, und die Erkenntnis wird sich mehren. …“
Nicht so in der Off: Johannes wird aufgefordert, das Gesehene nicht zu versiegeln, weil die Zeit „nahe“ ist: „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe“ war. (22,10)

3. Die Off ist ein Brief.
Die Off ist ein Rundschreiben an sieben Gemeinden in Kleinasien (in der römischen Provinz „Asia“ (1,4-6; 1,9). V. 11: „Was du siehst, schreibe in ein Buch und verschicke an die Gemeinden, die in Asien sind, nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamos und nach Thyateira und nach Sardeis und nach Philadelphia und nach Laodikeia.“
Es gibt einen Briefkopf (1,1-8) und einen Briefschluss (22,6(9) -21).
Johannes schrieb den Brief von Patmos aus. Er war dort „wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses von Jesus Christus“ (1,9). Er war „Mitteilhabender an der Bedrängnis und am Königreich (o.: Königtum) Christi und an dem standhaften Ausharren für ihn“ (1,9). Er steht in denselben Leiden wie die Christen, von denen in diesem Buch die Rede ist. Er steht in den demselben Ausharren, d. h., er ist ebenso wie jene Heiligen von K. 13 aufgefordert, auszuharren. Und er wird teilhaben an demselben Königreich.
Das Besondere an einem Brief ist, dass er an spezifische Empfänger gerichtet ist. Johannes schreibt über ihre Situation, er spricht die damalige Situation an. Freilich wurden Briefe kopiert und weitergegeben, weil auch andere davon lernen konnten und wollten (Kol 4,16), aber es sind nicht die Leser späterer Jahrhunderte, die hier direkt angesprochen sind.
Je spezifischer der Inhalt eines Briefes die Gegebenheiten der Empfänger anspricht, desto wichtiger ist es, dass die Leser des weiteren Kreises sich bewusst sind, dass der Brief sich nicht direkt an sie richtet.
Das sollte man auch beachten, wenn man diesen Brief liest.

4. Die Off ist ein Bilderbuch.
Über die Bilder
Die Botschaft wurde „gezeigt“, d. h. der Prophet sah Bilder und Symbole in Gesichten. „Und er zeigte sie an“ (Off 1,1). Man könnte das Wort auch übersetzen mit „er tat sie durch Zeichen kund“.
Die meisten Motive und Bilder sind aus dem Alten Testament (AT). Das AT wurde damals viel gelesen, und viele Gemeinden waren noch stark vom jüdischen Hintergrund geprägt. Die Bilder richteten sich an das geistliche Verständnis der Christen. Wir Menschen können geistliche, himmlische Wirklichkeiten nur durch Bilder und Symbole verstehen und erkennen.
Im AT deuteten irdische Schattenbilder auf geistliche Wirklichkeiten hin. Der Heilige Geist verwendete Bilder aus dem AT, um die geistlichen Wirklichkeiten darzustellen.
Die Off ist ein Tempelbuch. Viele Bilder sind vom alttestamentlichen Tempeldienst genommen bzw. vom „Zelt der Zusammenkunft“ (der so gen. „Stiftshütte“), dem Zelt der Begegnung. Die vollendete neue Welt, das „neue Jerusalem“ (K. 21 und 22), ist die Erfüllung dessen, was der alttestamentliche (atl.) Tempel darstellte.
Ein zweiter Grund für die vielen Symbole und Bilder in der Off war, dass dadurch den Feinden Christi die Botschaft des Buches verborgen bleiben sollte.
Der Ausdruck „… zeigte sie an“ bzw. „tat sie durch Zeichen kund“ bedeutet nicht, dass Gott in Form von geheimen Begriffen sprach, sondern in bildhafter Sprache. Hinter den Bildern stehen konkrete Wirklichkeiten, z. B. das „Lamm“ ist Jesus Christus, der „Löwe“ aus dem Stamm Juda (5,5), die „Leuchter“ sind die Gemeinden (1,20); die Kleider, die im Blut des Lammes gewaschen werden, werden „glänzend weiß“, d. h., sie werden rein.
Damals in den Städten der römischen Provinz Asia gab es viele „Bilder“, d. h. Standbilder, Kaiserstatuen, Ikonen, auch rituelle Feste. Es gab auch klüglich ausgedachte „Wunder“ (Tricks), um die Massen zu begeistern. (Vgl. S. J. Scherrer: Sings and Wonders in the Imperial Cult, JBL, 103 (1984), S 599-610.)
Bilder sind aussagekräftig. Das AT ist voll davon. In der Off finden wir Parallelen (z. B., der Drache, die alte Schlange, steht parallel zu Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3 und 1Mo 3), Gegensätze (z. B. das „Zeichen“ bzw. der „Name“ an der Stirn oder rechten Hand von Off 13,16-18 steht parallel zu dem Zeichen an der Stirn und Hand von 2Mo 13; 5Mo 6 ) und Anspielungen (Z. B. der Satz in Off 12,14 „der Frau wurden die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihre Stätte flöge, dorthin, wo sie ernährt wird“ ist eine Anspielung auf 2Mo 19,4.)
Das Bild von der Hure ist ein im AT wohlbekanntes. Jerusalem, die „Tochter Zion“, stand im AT oft für das Volk Gottes als gesamtes. Jerusalem galt als die mit Gott verheiratete Frau. Aber Jerusalem wurde zur „Hure“, zur unzüchtigen Ehefrau, weil sie Gott verließ (Jes 1,21), und danach „einer Witwe gleich“ (Klg1,1; vgl. Off 18,7).
Die „Posaunen“ (K. 8-11) und „Schalen“ (K. 15.16) bilden ein schematisiertes Bild. Die Motive sind entnommen aus der Zeit des Auszugs (lat.: Exodus) Israels unter Mose (2Mo 8-11) und des Einzuges unter Josua (Jos K. 3-6: Austrockung des Flusses für das israelitische Heer) und von der Heuschreckenplage zur Zeit Joels (Joe 1 und 2).
Für das rechte Verständnis der Bilder ist von großer Bedeutung, dass der Leser erkennt: Es sollen Assoziationen (Gedankenverbindungen) hergestellt und Eindrücke vermittelt werden, z. B. Eindrücke vom schrecklichen Gerichtseingreifen Gottes – in den K. 8 und 9 in Form von Warngerichten (wo es noch Verzögerungen gibt, damit die Menschen Buße tun) und in K 16 in Form von Schlussgerichten (ohne Verzögerung, weil die Menschen nicht Buße getan haben).

Im Text gegebene Deutungen der Bilder
Es gibt im Text selber zahlreiche Erklärungen und Verständnishilfen bzw. Orientierungshilfen:
Lamm und Löwe sind dieselbe Person, Jesus Christus (K. 5)
Die „sieben Sterne“ sind die Boten der sieben Gemeinden, die „sieben Leuchter“ sind die Gemeinden (1,20).
Die „sieben Fackeln“ stellen Gott als vollkommenes Geistwesen dar (4,5).
Die „sieben Hörner“ und „sieben Augen“ stellen Gottes große Macht (Hörner) und Allgegenwart (Augen) durch seinen Geist dar (5,6).
Das „Räucherwerk“ auf den Schalen sind die Gebete der Heiligen (5,8)
Die „große Stadt“, die „Sodom“ und „Ägypten“ heißt, wird mit der großen Stadt identifiziert, wo der Herr gekreuzigt wurde (11,8), also mit Jerusalem.
Der große „Drache“ (Zerstörer) ist „die alte Schlange“ (der alter Verführer), der auch „Teufel“ (Querwerfer) und „der Satan“ (Widersacher) genannt wird (12,9). Er ist identisch mit dem von 20,2.
Die „Gestalt auf den Wolken, die als Menschensohn beschrieben wird, entspricht dem wiederkommenden, richtenden Herrn (Off 14,14; vgl. Dan 7,13).
Die „sieben Häupter“ des Tieres sind „sieben Berge“, auf denen die Hure sitzt, und sie sind „sieben Könige“.
Die „zehn Hörner“ sind mit dem Tier gleichzeitig auftretende und zusammenarbeitende Könige. (17,9-12)
Die „Frau“ (K. 17) wird als „große Stadt“ (17,18) bezeichnet und als „Hure“ (17,1-3) – ein Gegenpart zur Braut. (Vgl. 17,1 mit 21,9.)

Exkurs: Wer ist die Hure Babylon? Was können wir aus dem Text erfahren?

Off – Die Hure Babylon Argumente:

Die „große Stadt Babylon“ ist nicht Rom, sondern eine vom AT her bekannte Stadt; sie steht kurz vor ihrer Zerstörung.

a) Das Gericht über die große Stadt steht zur Zeit der Abfassung kurz (1,1.3; 22,6.10) bevor.
Deshalb wird das Volk Gottes aufgefordert, aus ihr hinauszugehen (18,4.5): „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt, weil ihre Sünden bis zum Himmel folgten, und Gott gedachte ihrer Ungerechtigkeiten.“

b) Sie wird eine große Hure genannt.
Vorher hatte sie eine Bundesbeziehung zu Gott („Ehe“; Hes 16). Die „Tochter Zion“ wurde durch ihre Sünden (Verwerfung ihres „Eheherrn“ / Königs) zur „Hure“:
Vgl. Jes 1,21: Wie ist zur Hure geworden die treue Stadt! –
Hes 16: V. 1: So spricht der Herr, Jahweh, zu Jerusalem: … 23: Und es geschah, nach all deiner Bosheit – wehe, wehe dir! spricht der Herr, Jahweh – … 38-41: Und ich richte dich nach den Rechtsbestimmungen für Ehebrecherinnen und Blutvergießerinnen und bringe <meinen> Zorn und Eifer über dich.Und ich gebe dich in ihre Hand, und sie werden deinen Hurenaltar zerstören und deine Höhen niederreißen und dir deine Kleider ausziehen und deine prächtigen Geschmeide nehmen und dich nackt und bloß liegen lassen. Und sie werden eine Versammlung gegen dich heraufkommen lassen und dich steinigen und werden dich mit ihren Schwertern niedermetzeln.Und sie werden deine Häuser mit Feuer verbrennen und Strafgerichte an dir üben vor den Augen vieler Frauen. Und so werde ich dich aufhören lassen, Hure zu sein, und <auch> Lohn wirst du nicht mehr geben. – Rom hatte keine Bundesbeziehung mit Gott gehabt.

c) Die Hure hat in der Vergangenheit das Blut der Heiligen und Propheten vergossen.
Off 18,24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und [zwar] von allen denen, die auf der Erde [o.: im Lande] hingeschlachtet wurden.“ – Das Gericht über sie wird als Rache für den Tod der Apostel und Propheten vollzogen. – Rom tötete keine Propheten.
Off 19,2: Und nach diesen Dingen hörte ich eine große, Stimme einer zahlreichen Menge im Himmel, die sagte: „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft dem Herrn, unserem Gott! – weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei die Erde verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, forderte es von ihrer Hand.“
Lk 11,49-51: Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.
Mt 23,37… Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln …
Lk 21,20-22: Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen die in Judäa in Richtung der Berge fliehen und die in ihrer Mitte daraus entweichen, und die auf dem Lande sollen nicht in sie hineingehen, weil das Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.

d) Die Stadt ist eine Königstadt, die aber davor steht, eine Witwe zu werden.
Off 17,18: „Und die Frau, die du sahst, ist die große Stadt, die die Königsherrschaft über die Könige des Landes hat.“
Off 18,7.8: „Wie viel sie sich verherrlichte und in Üppigkeit lebte, so viel Qual und Trauer gebt ihr, weil sie in ihrem Herzen sagt: ‚Ich sitze als Königin, und eine Witwe bin ich nicht, und Trauer werde ich auf keinen Fall sehen.’
Wie im AT: Klg 1,1: Wie sitzt einsam die volkreiche Stadt, ist einer Witwe gleich geworden die Große unter den Völkern! Die Fürstin über die Provinzen ist fronpflichtig geworden.“

e) Die „große Stadt Babylon“ (Hure) steht im Gegensatz zur anderen „großen Stadt“ (Braut): zum „neuen Jerusalem“.
Vgl. 17,1ff mit 21,9ff.

f) Die Hure wird verbrannt, völlig zerstört (Off 17,16; K. 18). – Rom wurde nie verbrannt oder zerstört.

g) Die große Stadt ist die Stadt, in der „der Herr gekreuzigt wurde“.
11,8: „Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die in geistlicher Hinsicht ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.“ – Jesus Christus wurde nicht in Rom gekreuzigt.
Frage: Was haben Sodom, Ägypten und Babylon gemeinsam? (Denke an die Heiligen!)

Hintergrund, Ziel und Zweck
Was ist der historische und politische Hintergund? Was ist Ziel und Zweck des Buches?

Johannes schrieb unter Eingebung des Heiligen Geistes. Er hat das Anliegen, die Christen jener Zeit auf eine große Krise vorzubereiten, die noch im ersten Jahrhundert kommen würde. An die Gemeinde in Philadelphia sagte der Herr (3,10): „Weil du das Wort meiner Ausdauer bewahrtest, werde ich dich auch bewahren vor der Stunde der Prüfung, die über das ganze Weltreich kommt zu prüfen die, die im Land (o.: auf der Erde) wohnen.“
Die Gefahr für die Heiligen bestand darin, sich an die Lehre derer, die sie bedrängten, die Juden, anzupassen und mit dem jüdischen System Kompromisse einzugehen. Auf diese Weise würden sie letztlich Christus verleugnen. Damit würde man das Kennzeichen (Malzeichen) des Tieres annehmen, anstatt bereit zu sein, für Christus in den Tod zu gehen.
Nicht nur die sieben Botschaften in den K. 2 und 3, sondern auch die K. 4 bis 22 sind an jede der sieben Gemeinden gerichtet. Was dort geschrieben ist, betrifft in erster Linie jene damaligen Christen.
Je spezifischer der Inhalt eines Briefes ist, desto wichtiger ist es, zu bedenken, an wen der Brief direkt gerichtet ist. So ist es auch mit den Briefen des Neuen Testaments. Wir lesen z. B. den Philemonbrief; seine Botschaft ist sehr spezifisch. Wir entnehmen dem Brief wichtige Lehraussagen und Prinzipien, die wir für uns persönlich anwenden können. Wir lesen ihn jedoch nicht so, als ob er direkt an uns gerichtet wäre. Wenn dort steht, dass man dem Apostel Paulus eine Herberge bereiten solle, wissen wir, dass nicht wir angesprochen sind, sondern Philemon.
In vieler Hinsicht ist die Botschaft der Off von immenser Bedeutung und enthält wichtige Lehraussagen und Prinzipien. Wir können also sehr viel daraus lernen. Wir erkennen möglicherweise Parallelen zu unserer gegenwärtigen Situation. Aber wir müssen bedenken, dass die spezifische Botschaft in erster Linie direkt auf die Situation der Christen des ersten Jahrhunderts zutrifft. Sie haben eine große Prüfungszeit (3,10) und einen großen Kampf (K. 11-15) – zu erwarten. Und die Zeit ist für sie nahe.
Die Off ist ein Rundbrief an sieben Gemeinden in Kleinasien. Johannes wusste, dass auch andere zeitgenössische Christen (die „ein Ohr“ haben) jenen Brief lesen würden. Ihm war klar, dass die gesamte damalige Christenheit die Botschaft jenes Briefes nötig hatte.
Wir Christen heute leben nicht in derselben Situation wie sie. Die sieben Botschaften in den K. 2 und 3 sind sehr spezifisch. Christus spricht individuell zu jeder Gemeinde. Verschiedene Probleme werden angesprochen und verschiedene Reaktionen erwartet. Aber diese Botschaften stehen nicht für sich, sie sind nicht unabhängig vom Rest des Briefes. Sie dienen vielmehr als Einleitung zur Hauptbotschaft der Kapitel 4 bis 22.
Dass die sieben Botschaften als Einleitung gedacht sind, ist auch aus dem jeweiligen Ende derselben ersichtlich. Sieben Mal werden die Christen aufgefordert zu überwinden. Und den Überwindern wird eine Verheißung gegeben (2,7.11.17.26-28; 3,5.12.21-22). Der erhöhte Herr verspricht den Überwindern das Heil, die ewige Rettung. Sieben Mal lesen wir in K. 2 und 3 diesen Aufruf. Es ist für die Leser (Hörer) von höchster Bedeutung, dass sie überwinden. Gespannt stellt sich den damaligen Christen die Frage: „Was genau ist es, das es zu überwinden gilt? Und wie können wir überwinden?“
Die Antwort auf diese beiden Fragen wird in den K. 2 und 3 nicht sofort und eindeutig gegeben, aber später im Brief (vor allem in den K. 11-15) wird klar, was es ist, das sie überwinden sollen, worin der Sieg besteht und wie man überwinden kann.
Die Überwinder-Verheißung kommt noch ein achtes und letztes Mal vor – in 21,7: „Wer überwindet, wird es alles erben.“ Und inzwischen ist – aufgrund der K. 4-20 – klargeworden, dass es sich um einen großen Kampf handelt. Der Aufruf zum Überwinden ist ein Aufruf, sich an der Schlacht zu beteiligen: „Kämpfe! Und kämpfe ausharrend! Und kämpfe zusammen mit deinen geistlichen Geschwistern, damit du das eschatologische Ziel erreichst! Wenn du nicht kämpfst bis zum Tode kämpfst, wirst du es nicht erreichen.“ Es geht letztlich darum, den Christen in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea – und allen anderen Christen des ersten Jahrhunderts, die diesen Brief zu lesen bekommen – zu zeigen, wie sie ins „Neue Jerusalem“ kommen können.
Zusammenfassung
Das Buch der Off ist eine apokalyptische Weissagung in Briefform.
Diesen Kategorien (Weissagung, Apokalypse, Brief) ist beim Studium der Off Rechnung zu tragen. Das bedeutet, dass das Buch aus verschiedenen Perspektiven zu lesen ist.
Die Off ist nicht nur ein Trostbuch für leidenden Christen mit der Botschaft, dass Gott eingreifen und sie rechtfertigen wird, sondern auch eine Warnung und ein Aufruf zur Treue. Sie ist gerichtet an Christen, die in den sechziger Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts lebten. Bei manchen von ihnen ist die Liebe zu Christus verkümmert; einige sind arm und verfolgt; einige stehen in Gefahr kompromissbereit zu werden; einige sind bereit, falsche Lehre zu dulden; andere sind „am Schlafen“, sind geistlich so gut wie tot; manche sind selbstgenügsam. Einige sind bereits auf Abwege geraten, indem sie auf „Isebel“, die „falsche Prophetin“, gehört haben. Die Gefahr, dem Tier zu huldigen, das Malzeichen anzunehmen und in der großen bevorstehenden Prüfungszeit zu versagen, ist groß. Das Tier könnte für sie eine Versuchung werden, der sie nicht widerstehen können. Nun aber sollten sie für die große Schlacht vorbereitet werden.
Die K. 4-22 in der Off zeigen auf, worum es in dieser Schlacht geht, wie man die Schlacht gewinnt und was das konkret für die Christen von Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodikeia bedeutet. Die K. 1-3 bilden die Einleitung zur Hauptbotschaft, den K. 4-22.

Johannes hatte wohl einen weiteren Kreis von Empfängern im Auge als nur jene sieben Gemeinden, denn es gab im westlichen Kleinasien mehr als sieben Gemeinden (z. B. in Kolossä, Hierapolis, Troas, Milet), und die sieben Gemeinden haben Merkmale von vielen damaligen Gemeinden. Der Brief war letztlich für alle Christen jener Zeit relevant. Wer ein Ohr hatte, sollte hören, was der Geist den Gemeinden sagte. – Und was sagte der Heilige Geist? – Genau das, was Johannes in Off 1-22 schrieb! Alle damaligen Gemeinden sollten hören, was der erhöhte Herr zu sagen hatte.
Die prinzipielle Botschaft ist auch auf Christen heute anwendbar und für sie hilfreich, wenn sie den historischen Kontext beachten. Man kann Parallelen für die Situation an unseren Orten und zu unserer Zeit ziehen, aber man darf nicht außer Acht lassen, dass es auch große Unterschiede gibt.
Der historische Zusammenhang ist heute ein völlig anderer. Man wird also unterscheiden müssen zwischen direkter Auslegung einerseits und persönlicher (oder allgemeiner) praktischer Anwendung andererseits.

HINWEISE ZUR INTERPRETATION
Beim Erforschen der Off hat man so vorzugehen wie bei der Erforschung der anderen Bücher der Bibel. Es sind die üblichen Regeln der Auslegung (Exegese) zu beachten.
Wir stellen uns die Fragen: Wer schrieb wann, an wen und mit welcher Absicht?
Die Off ist ein Brief an eine bestimmte Empfängergruppe. Was erfahren wir über sie?
Was erfahren wir über die Drinlichkeit der Botschaft.
Warum war die Botschaft des Briefes für die damaligen Briefempfänger von so großer Bedeutung?

Wo finden wir Hilfen, um die vielen Bilder in der Off richtig zu deuten? In der Off selber. K. 17 z. B. ist voller Erklärungen über die Bilder der Off.
Im Übrigen ist daran zu denken, dass die Leser der Off gewohnt waren, das AT zu lesen. Im AT finden wir den Hintergrund für die meisten Bilder und Begriffe dieses Briefes.

Eine der ersten Fragen wird sein: Wer (oder was) ist jene „große Stadt“ (die zusätzlich eine „Hure“ genannt wird), von der in den K. 11-18 so viel die Rede ist (Off 11,8; 14,8; 16,19; 17,18; 18,10.16-21). Und wer (oder was ist die andere „große Stadt“, die als „Braut“ beschrieben wird (Off 21,10 n. d. Byzantinischem Text)?
Es ist offensichtlich, dass diese beiden Städte gegenübergestellt werden. In welchem Buch (oder in welchen Büchern) des AT werden diese beiden Städte noch gegenübergestellt?
Die Off selber erklärt (Off 17,18): Die „Hure“ Babylon ist die Stadt, „die die Königsherrschaft über die Könige des Landes“ hat bzw. hatte. Die ihr gegenübergestellte Stadt heißt das „neue“ Jerusalem.
Eine Hilfe zur Identifizierung der Hure können die folgenden Stellen sein: Off 11,8; 16,19; 18,4.7.20.24; 19,2 im Vergl. m. Lk 11,49-51 und Mt 23,34-37; ebenso die alttestamentlichen Stellen Jes 1,21; Jer 3; Hes 16 und 23.

Der Begriff „Erde“ sollte in den meisten Fällen in der Off besser mit „Land“ übersetzt werden, zumal er im Gegensatz zum „Meer“ steht. In vielen Fällen bezieht er sich auf das verheißene Land.

Ebenso sollte das Wort „Völker“ (Elberfelder: „Nationen“) mit „Heiden“ übersetzt werden. Dieser Begriff bezeichnet in der Off häufig die durch ihren Unglauben zu „Heiden“ bzw. „Unbeschnittenen“ gewordenen Juden (Vgl. Off 2,9; 3,9; Joh 8,39-44; Ps 2,1 iVm Apg 4,25ff; Hes 2,3.)

Aus Off 1,1.3 und 22,10 (im Vgl. mit Dan 8,26 und 12,4.9) geht hervor, dass die in dem Brief der Off vorausgesagten Dinge sich in absehbarer Zeit erfüllen sollten. Alle Zeitaussagen sind im üblichen Sinne aufzufassen.

GROBE GLIEDERUNG
1. 7 Botschaften (7 Gemeinden) K. 1–3
2. 7 Siegel (inkl. Anhang K.. 7.) K. 4–7
3. 7 Posaunen K. 8–11
4. 7 Schalen K. 12–16
5. Vision von der Frau, der Hure Babylon K. 17–19,10
6. Vision vom Gericht über Tier, Drache und die Toten. Das Kommen der neuen „Welt“. 19,11–21,8
7. Vision von der Frau, der Braut Neujerusalem 21,9– K. 22
VORBEMERKUNGEN
WIE GEHT MAN BEIM FORSCHEN PROPHETISCHER BÜCHER VOR?
1. Den Brief von den ersten Lesern her verstehen.
2. Die Apostel (Evangelien, Briefe) über ihre Lehre zu diesem Thema befragen (Apg 2,42).
3. Den Text erforschen. Nicht von Systemen ausgehen. (Wir studieren induktiv, d. h., vom Text zur Lehre)
4. Möglichst im Brief bleiben. Vieles wird durch den Brief selbst erklärt.

BEMERKUNGEN ZU BESTIMMTEN BEGRIFFEN
Der Begriff „Erde“
Land; Landteil; Boden; Erdland; …

Der Begriff „Völker“
= die aus den Völkern, die Heiden; nicht: Nationen (ist ein moderner Begriff, der nicht in die Bibel passt).

In Off sind oft die „Völker / Heiden“ die ungläubigen Juden (s. Off 19,15: er richtet die Völker mit dem eisernen Stab; das ist dieselbe Gruppe, die mit dem Tier in den Krieg gegen Gott zieht, d. h., die Heiligen verfolgt.)
2,26: Und dem, der überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht geben über die Völker
11,2: Und den Hof, der innerhalb des Tempelheiligtums ist, schließe aus und miss ihn nicht, weil er denen von den Völkern gegeben wurde. Und die heilige Stadt werden sie betreten zweiundvierzig Monate lang.
11,9: Und [Menschen] aus den Volksscharen und Stämmen und Sprachen und Völkern werden ihre Leichname sehen drei Tage und einen halben Tag lang.
11,18: Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen und die Zeit der Toten, gerichtet zu werden,
13,7: Und es wurde ihm gegeben, Krieg zu führen mit den Heiligen und sie zu überwinden. Und es wurde ihm Vollmacht gegeben über jeden Stamm und [jede] Sprache und [jedes] Volk.
14,6: Er hatte ewige gute Botschaft, um sie denen zu verkünden, die auf der Erde wohnen, und jedem Volk und [jedem] Stamm und [jeder] Sprache und Volksschar.
14,8: Und ein anderer Bote folgte und sagte: „Sie fiel! Sie fiel! Babylon, die große Stadt!– weil sie mit dem Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei alle Völker getränkt hat!“
16,19: Und die große Stadt wurde in drei Teile geteilt. Und die Städte der Völker fielen. Und Babylon, die Große, ihrer wurde gedacht vor Gott,
17,15: Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen.
18,3: Vom Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei haben nämlich alle Völker getrunken.
18,23: [und] weil durch deine Zauberei alle Völker in die Irre geleitet wurden.
19,15: Und aus seinem Munde geht ein scharfes ‹heftiges› Schwert hervor, damit er mit ihm die Völker schlage. Und er wird ihnen ein Hirte mit einem eisernen Stabe sein. Und er tritt die Weinkelter des Grimmes und des Zornes Gottes, des Machthabers über alles.
20,3: und er warf ihn in den Abgrund und schloss ihn ein und versiegelte über ihm, damit er die Völker nicht länger irreleite
20,8: Und er wird ausgehen, um in die Irre zu leiten die Völker, die an den vier Ecken der Erde ‹sind›, den Goog und den Magoog, um sie zum Krieg zu sammeln,

Frage zum heutigen Begriff „Juden“: Wer ist ein Jude?
Ergebnisse aus der Genforschung
Neutestamentliche Texte
Es gibt im NT nicht viele Stellen, die den Eindruck ergeben könnten, es gäbe für ein „Israel“ eine Zukunft. Meistens wird Rm 11,25.26 als Beleg dafür zitiert, nur spricht Paulus dort von seiner Zeit und dem damaligen Israel, nicht den heutigen religiösen „Juden“ . Die Frage wäre auch: Für welches Israel sollte es eine Zukunft geben?
– das moderne politische Israel? Die heutigen Israelis wissen selbst, dass sie nicht das „Israel“ der neutestamentliche Zeit sind. Die Israelis sind kein Volk, sondern eine politische Formation, Bürger eines modernen Staates namens Israel. Um diese Menschen kann es sich in Rm 11 nicht handeln.
– die religiösen „Juden“? (Sie unterscheiden sich z. T. von den politischen Juden. Orthodoxe Juden z. B. anerkennen nicht den Staat Israel.) Aber diese decken sich auch nicht mit dem Israel des NT. Die meisten von ihnen sind zum Judentum übergetretene aus den Völkern. Sie sind nicht das historische „Israel“ des AT, das 70 n. Chr. gerichtet wurde.
– die heute lebenden (verborgenen) Nachfahren der genetischen Juden? Diese allerdings kann niemand eruieren, weil es keine Genealogien gibt. Manche sagen: „Ja. Richtig. Aber Gott kennt sie.“ Aber das hilft auch nicht weiter, denn, erstens, haben sich sehr, sehr viele von den genetischen Juden mit den Menschen in aller Welt vermischt (Wieviel Prozent des ursprünglichen Blutes muss also in ihnen sein?) – und, zweitens, selbst wenn es einige „reinrassige“ Juden noch geben würde, würde das niemandem helfen, denn niemand wird sie erkennen können, weil nur Gott sie kennt. – Manche antworten: „Ja. Richtig. Aber weil Gott sie kennt, wird er machen, dass sie alle zu einem gewissen Zeitpunkt in der Zukunft zum Glauben kommen, um seine Verheißung wahrzumachen.“ – Was lehrt die Heilige Schrift über die, die das israelitische Bürgerrecht und die israelitischen Verheißungen Gottes erlangen? –Röm 2,25ff; Gal 3,28f; Eph 2,12– 3,6.

Seitens des rabbinischen Judentums sind die Kriterien unzweideutig: Jude ist, wer (a) eine jüdische Mutter hat oder (b) der Halacha gemäß zum Judentum konvertiert ist, sofern er (c) nicht nachträglich eine andere Religion angenommen hat (Definition nach dem Wiener Judaistik–Professor Kurt Schubert. Das bedeutet unter anderem: Juden, die zum Christentum konvertiert sind, werden vom jüdischen Oberrabbinat nicht mehr als Juden anerkannt. (Das ist konsequent, weil es sich ja beim Christentum aus Sicht der jüdischen Religion um eine anti-jüdische Religion handelt.)
Genealogische DNA–Forschungen förderten (unter anderem) folgende Fakten zutage (zitiert nach den englischen Originaltexten, eine Auswahl):
. Die Sepharden (Sephardim) stammen zu einem kleineren Teil von verschiedenen nicht–israelitischen Völkern ab.
. Die jemenitischen Juden (Temanim) stammen fast ausschließlich von den jemenitischen Arabern ab und sind nahe verwandt mit Saudi–Arabern und Beduinen. Sie haben auch zu eine kleinen Teil eine mütterliche Abstammung zu Ostafrikanern; sie haben aber nicht die westafrikanische Mischung, die die jemenitischen Muslime haben.
Äthiopische Juden sind fast ausschließlich Äthiopier mit wenig oder überhaupt keiner israelitischen Abstammung.
Die Suche nach gemeinsamen „Priester–Genen“ ergab folgenden Befund :
Etwa die Hälfte der askenadischen Leviten besitzt einen Haplotyp (haploiden Genotyp), der zur Haplogruppe R1a1 gehört. Diesen findet man nie (!) unter sephardischen Leviten.
. Den Cohen (heb. für «Priester») Modal–Haplotyp findet man nicht nur unter Juden, sondern auch unter Kurden, Armeniern, Italienern, palästinensischen Arabern und einigen anderen Völkern.
Symptomatisch für die heute unter vielen Christen verbreiteten Ideologie, mit welcher die Meinung von der „messianischen Sammlung der Juden aus allen Ländern der Welt in der Endzeit seit 1882 „genährt wird, ist die von der zionistischen Propaganda verbreitete Geschichte von der Auffindung und Heimholung des „verlorenen“ israelitischen Stammes Manasse (Bnee Menashe) aus Indien. Bedeutsam ist dabei der manipulative Charakter der angeblich göttlichen Sammlung, denn messianische Gemeinschaften werden von der israelischen Einwanderungsbehörde ausgeschlossen . Abgesehen davon, die gen–analytischen Untersuchungen beweisen: „Das Mizo–Volk des nordöstlichen Indien (selbstbezeichnete Bnee Menashe, d. h.: Söhne Manasses) haben keine erwiesene genetische Verbindung zu Israeliten.“ (Lesenswert: https://en.wikipedia.org/wiki/Bnei_Menashe ).
Die wohl jüngste gen–analytische Untersuchung (2013) stammt von Eran Elhaik , Genetiker an der Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health. Elhaik nimmt für sich in Anspruch, dass ihm als Erstem breite Gendaten auch aus dem Kaukasus zur Verfügung standen, deren „Analysen zeigten, dass der biogeografische Ursprung der europäischen Juden im Süden des Chasarenreichs lag“. Damit ist auch die anfangs als „dünn“ kritisierte Beweislage für Arthur Koestlers These (Die Ostjuden stammen von den turkstämmischen Chasaren ab.) nunmehr aufgrund von wissenschaftlichen Fakten erhärtet. (Siehe auch: Andreas Roth, „Chasaren. Das vergessene Großreich der Juden“, Melzer Verlag 2006)

TEXTBESPRECHUNG – VERS FÜR VERS-AUSLEGUNG
. DER BRIEFEINGANG 1,1–8

Off 1,1–3: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. Und er sandte sie durch seinen himmlischen Boten und übermittelte sie seinem leibeigenen Knecht Johannes, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugte. Ein Seliger ist der, der liest, und Selige sind die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darin geschrieben ist, denn die Zeit ist nahe!“

Die Off ist ein Brief an damalige Christen, ein Sendschreiben also. Das Sendschreiben geht von K. 1 bis K. 22. Natürlich wusste Johannes, dass dieser Brief auch an andere Gemeinden und Christen weitergegeben wird. Das hat er ausdrücklich am Ende des Briefes dringend angeraten.
Die Off ist ein Brief, der geschrieben wurde, um von den damaligen Lesern verstanden zu werden.

1. Überschrift 1,1A
V. 1: „Enthüllung Jesu Christi“
Dieser Brief ist eine Apokalypse (griech. apokalüpsis). Das Verb (apokalüptein) bedeutet „enthüllen, offenbaren, den Schleier entfernen, aufdecken“. Es wird hier etwas enthüllt, das verborgen war. Man kommt nicht durch bloßes Nachdenken darauf. Es braucht von Gott her eine besondere Enthüllung.
In diesem Brief wird viel geöffnet: eine Tür im Himmel, ein Buch mit Siegeln, das Tempelhaus Heiligtum Gottes im Himmel, der Himmel selbst. Gott will nicht, dass der Inhalt dieses Briefes geschlossen bleibt, oder dass man die Offenbarung für „ein Buch mit sieben Siegeln“ hält. Es wird vorausgesetzt, dass die Leser dieses Buch verstehen. Ansonsten könnten sie es nicht „halten“ (bewahren).
Die Schlüssel zum rechten Verständnis hat Jesus Christus.

„Enthüllung Jesu Christi“: Der Wesfall („Jesu Christi“) scheint ein „Wesfall des Subjekts“ (lat. genitivus subiectivus) zu sein, d. h., es handelt sich um eine Enthüllung (Offenbarung), die von Jesus Christus ausgeht (Wesfall der Herkunft) und ihm gleichsam gehört (Wesfall des Besitzes).
Anm.: Unwahrscheinlicher ist, dass es ein Wesfall des Objekts (lat. genitivus obiectivus) ist. Das würde bedeuten, dass es eine Offenbarung ist, die ihn zum Objekt (Gegenstand) hat (Vgl. 1Kor 1,7; 2Thes 1,7; 1Petr 1,7.), d. h., dass Jesus Christus offenbart wird.

2. Herkunft und Zweck 1,1.2
V. 1: „… die Gott ihm gab, …“
Diese „Enthüllung“, die Botschaft, den Inhalt der Off hat Gott dem Herrn Jesus Christus gegeben. Der wird hier vorgestellt als der „Menschensohn“, d. h., als der eine vollkommene, der zur Rechten Gottes erhöhte Mensch. Als solcher empfängt er die Botschaft von Gott.

„… seinen Knechten zu zeigen, …“
Jesus Christus zeigte sie dem Seher Johannes. Der schrieb sie nieder. Und er sollte sie an die übrigen Knechte Gottes, d. h. an die Christen, die damals lebten – vorerst an diejenigen in den sieben Gemeinden in Kleinasien – weitergeben.

„… was in Kürze geschehen muss“
„… in Kürze“: Die Erscheinung Christi war Gegenstand der Hoffnung und sehnsüchtigen Erwartung der ersten Christen (1Kor 1,7; 1Thes 1,10; Tit 2,14). Aber es geht nicht nur um die Erscheinung Christi. Es geht auch um Gerichte und Ereignisse, die diesem vorausgehen. Diese waren im Begriffe „in Kürze“, d. h. in zeitlicher Nähe, zu geschehen. Man kann auch übersetzen „mit Schnelligkeit“, d. h., nicht langsam, und nicht so, dass man sagen könnte „Dies alles kommt noch lange nicht“. Die Zeit bis dahin sollte schnell vergehen. (Nicht gemeint ist, dass die Dinge selber mit hoher Geschwindigkeit ablaufen sollten.)

„… geschehen muss: „muss“, weil es so in der Heiligen Schrift steht. Die Schrift muss sich erfüllen. In der Schrift steht es, weil Gott es im Voraus wusste und weiß. Er hat alles in der Hand. Nichts geschieht, was ihn überraschen könnte.

„Und er zeigte sie (d. h.: die Enthüllung) an“: Man könnte das Wort auch übersetzen mit „er tat sie durch Zeichen kund“. Die Botschaft wurde „gezeigt“, d. h. der Prophet sah Bilder und Symbole in Gesichten. Die meisten sind aus dem Alten Testament (AT). (Fn.: S. dazu die Einleitung.)

„… und sandte sie durch seinen [himmlischen] Boten seinem Knecht Johannes,
Ein [himmlischer] Bote Gottes sandte die Botschaft der Off dem Apostel Johannes.
Das Griechische kennt kein besonderes Wort für „Engel“. Für diese Wesen verwendet es den allgemeinen Ausdruck „Bote“. Ist es vom Zusammenhang her gewiss, dass es sich um einen Engel handelt, wurde in unserer Übersetzung das das Adjektiv „himmlisch“ in eckigen Klammern hinzugefügt.

Wurde die Off geschrieben, um verstanden zu werden? Ja! Warum sind die, die es lesen und halten (bewahren= tun) glücklich zu preisen?
Die Empfänger standen unter Leiden und Verfolgungen. Sollte dieser Brief ihnen nichts zu sagen haben?
Wenn er für sie zum Trost und zur Ermutigung und Mahnung sein sollte, muss es ein Brief sein, den sie verstanden und der Dinge betrifft, die sie selber erlebten. Ist nicht genau das der Schlüssel zum Verständnis dieses Briefes? Ist es daher nicht unumgänglich, dass jener Brief sich auf Ereignisse und Situationen der zeitgenössischen Geschichte bezieht?
Der Brief selber sagt, dass er Dinge beinhaltet, die in naher Zukunft geschehen würden.
Der Schlüssel hängt an der Tür! Off 1,1.3; 3,11; 22,6.7.12.20;
mellein: 1,19; 3,10; 6,11; 12,5; 17,8.
Die Zeit ist nahe (1,3) = der Herr ist nahe (Phil 4,5).

V. 1: „… der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi [o.: das Zeugnis, das Jesus Christus betrifft; das Zeugnis über Jesus Christus] bezeugte, was immer er auch sah.
. Er sah nicht alles. Daher weiß er nicht alles. Folglich müssen wir mit Informationslücken rechnen. Es ist das Wesen biblischer Prophetie, dass nicht alles gesagt wird. Kein vollständiges Bild wird gegeben.
. Er „bezeugt“ nur das, was er sah. Er gibt nicht seine eigene Deutung. Er deutet gar nicht; er gibt nur weiter. Der Heilige Geist deutete und erklärte ihm. Er berichtet nun diese, des Geistes, Deutung.
So sollen auch wir es tun: nur das weitergeben, was als Bezeugtes vorhanden ist; d. h., nur das, was in der Heiligen Schrift geoffenbart ist. Wir dürfen uns Gedanken machen, dürfen aber nicht eindeutige feste Aussagen machen, wenn sie nicht klar in der heiligen Schrift gemacht werden.

V. 1: „… die Gott ihm gab“
Diese Enthüllung (die Botschaft, den Inhalt der Offenbarung) hat Gott seinem Christus gegeben. Jesus Christus wird vorgestellt als der Menschensohn, als der eine vollkommene Mensch, der zur Rechten Gottes Erhöhte, der Sohn Gottes.

V 1M: „… seinen Knechten zu zeigen, …“
Jesus Christus zeigte sie Johannes. Der schrieb sie nieder. Johannes sollte sie weitergeben an die übrigen Knechte Gottes, an die Gläubigen jener Zeit. Da der Brief von Gott „gehaucht“ ist (wie jedes Schrift des AT und NT), ist er auch für heutige Christen von überaus großem Wert.

V. 1M: „… was in Kürze (o.: in Bälde) geschehen muss“:
Die Absicht der Off war, den Heiligen im Voraus zu zeigen, was gemäß Gottes Ratschluss in Kürze geschehen sollte. Diese Dinge waren im Begriffe „in Kürze“, „in Bälde“ und „mit Schnelligkeit“ zu geschehen.
„In Kürze“ und „in Bälde“ ist also vom Standpunkt Gottes aus und im heilsgeschichtlichen Sinne zu verstehen. In Schnelligkeit“, d. h., nicht langsam, nicht so, dass man sagen könnte „das alles kommt noch lange nicht“. Zum Begriff „bald“ vergleichen wir Jer 27,16: Und ich redete zu den Priestern und zu diesem ganzen Volk und sagte: So sagt Jahweh: Hört nicht auf die Worte eurer Propheten, die euch weissagen und sprechen: Siehe, die Geräte des Hauses Jahwehs werden nun bald aus Babel zurückgebracht werden; denn sie weissagen euch Lüge.“ –Jeremia sagte, dass die Rückführung aus Babel nicht „bald“ geschehen werde, er wusste, dass Gott 70 Jahre über Babel voll machen werde. Also „70 Jahre“ ist nicht „bald“.

V. 1M: „… geschehen muss“:
– „muss“, weil es so in der Heiligen Schrift steht. Die Heilige Schrift muss sich erfüllen. In der Schrift steht es, weil Gott es im Voraus wusste und weiß. Gott hat alles in der Hand. Nichts geschieht, was ihn überraschen könnte.
„Und er zeigte sie [d. h., die Enthüllung] an, ‹er tat sie durch Zeichen kund›, und sandte sie durch seinen Engel [= himmlischen Boten] seinem Knecht Johannes“
Man könnte auch übersetzen: „er zeigte sie an, ‹tat sie durch Zeichen kund,›“. Die Off wurde dem Johannes „gezeigt“. D.h. Johannes sah viele Bilder und Symbole in Visionen. Diese richteten sich an das geistliche Verständnis der Christen. Wir Menschen können geistliche/himmlische Wirklichkeiten nur durch Bilder und Symbole verstehen und erkennen. Daher wird Gott als auf einem Thron sitzend dargestellt.
Im AT deuteten irdische Schattenbilder auf geistliche Wirklichkeiten hin. Gott (bzw. der Hl. Geist) verwendete Bilder aus dem AT, um geistliche Wirklichkeiten darzustellen.
Die Offenbarung ein Tempelbuch. Viele Bilder der Off sind vom alttestamentlichen Tempeldienst bzw. von der so genannten „Stiftshütte“, dem Zelt der Begegnung genommen. Der Himmel ist die Erfüllung dessen, was der alttestamentliche Tempel darstellte. (Vgl. Off 21.)
Wenn Christi Knechte die Botschaft hören bzw. lesen, verstehen und sich darauf vorbereiten, werden sie auf die schwere Zeit, die im Begriff war zu kommen, vorbereitet sein.
Er „tat sie durch Zeichen kund“, nicht durch Codes; sondern durch metaphorische Sprache und durch aus de AT bekannte Bilder. Da war ein Lamm, da waren 24 Älteste (1Ch 24), vier lebende Cherubim–Wesen (Hes 1), ein Heiligtum, Altäre, Leuchter, ein gläsernes Meer, die Lade des Bundes, Posaunen blasende Engel (2Mo 19) …
Hinter den Bildern stehen konkrete Wirklichkeiten. Die Leuchter (ein Bild aus Sach 4 und vom Tempeldienst bzw. von der Stiftshütte) sind die Gemeinden, sagt der Apostel (1,20). Und die Kleider, die im Blut des Lammes gewaschen werden, werden weiß, glänzend weiß. Den Lesern war klar, was das bedeutete.
Eine Apokalypse ist eine eigene literarische Gattung. Apoklaypsen im AT sind: die Bücher Daniel und Sacharja, z. T. auch das Buch des Propheten Hesekiel. Im NT ist nur das Buch der Off apokalyptisch.
In der Apokalyptik von außerbiblischen Büchern (und daher nicht gottgehauchten Büchern) werden die Namen der Autoren nicht genannt. Der Verfasser bleibt dort anonym oder pseudonym. (Z. Bsp.: Die Himmelfahrt des Moses, Das Henochbuch, Der Hirte des Hermas). Nicht so in der biblischen Apokalyptik. Dort wird der Autor genannt.
Die Bilder in der Offenbarung sind aussagekräftig und finden im AT ihre Parallelen: der Drache, die alte Schlange (Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3; 1Mo 3), das Tier (Dan 7), das Zeichen auf der Stirn und auf der Hand (5Mo 6,8), das Siegel auf der Stirn (Hes 9), das Getragenwerden auf Adlerflügeln (Off 12; 2Mo 19).
Die Anspielungen auf das AT sind nicht zufällig, sondern wohl ausgedacht. Da ist eine Invasion aus dem Osten (9,13ff; 16,12): Der Osten israelitischen Reiches begann hinter dem Euphrat. Aus dem Osten und Nordosten waren Israels Feinde gekommen.
Das AT wurde damals in den Gemeinden viel gelesen, viele Christen waren noch stark vom jüdischen Hintergrund geprägt. Und die Christen wurden von den Juden stark bedrängt (Off 2,9; 3,9).
Die Posaunen und Schalen bilden ein schematisiertes Bild. Man denkt an 2Mo 8–11 (Plagen), an Jos 3–6 (Austrocknung des Flusses), an Joel 1 und 2 (Heuschrecken).
Es soll ein Eindruck vermittelt werden vom schrecklichen Gerichtseingreifen Gottes – in der Zerstörung der Hure Babylon (durch das Tier und seine zehn Könige) und in der Vernichtung des Tieres und der zehn Könige (durch das Gerichtskommen des weißen Reiters aus dem Himmel). Die K. 8.9 bilden Warngerichte, bei denen es noch Verzögerungen gibt, mit dem Ziel, dass die übrigen Menschen Buße tun von ihren bösen Werken, von ihrer Unzucht und von ihrem Götzendienst. Das K 16 bringt dann Schlussgerichte – ohne Verzögerung, weil die Menschen nicht Buße taten.
Die Apokalypse ist eine eigene literarische Gattung. Apoklaypsen im AT waren bekannt: das Buch Daniel und das Buch Sacharja, die kleine Apokalypse des Jesaja (Jes 24–27), Teile aus dem Buch des Propheten Hesekiel.
Es gibt im Text der Off selber zahlreiche Erklärungen und Verständnishilfen (Orientierungshilfen) für die richtige Interpretation: Das Lamm und der Löwe sind dieselbe Person, (K. 5); die sieben Sterne sind die Boten der sieben Gemeinden, die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden (1,20), die sieben Fackeln stellen Gott als vollkommenes Geistwesen dar (4,5), die sieben Hörner und sieben Augen stellen Gottes große Macht (Hörner) und Gegenwart (Augen) durch seinen Geist dar (5,6), das Räucherwerk auf den Schalen sind die Gebete der Heiligen (5,8); die große Stadt, die „Sodom“ und „Ägypten“ heißt, wird mit der großen Stadt identifiziert, wo der Herr gekreuzigt wurde (11,8); der große Drache ist die alte Schlange, der alter Verführer, der auch „Teufel“ (Querwerfer) und „der Satan“ (Widersacher) genannt wird (12,9; 20,2). Die Gestalt auf den Wolken, die als Menschensohn beschrieben wird, entspricht dem richtenden Herrn (14,14). Die sieben Häupter und Berge sind sieben Könige, die in engen Zusammenhang stehen mit der „Frau“, die eine Hure ist und als „die große Stadt“ (17,18) beschrieben wird. Die zehn Hörner sind gleichzeitig auftretende herrschende Menschen, die mit dem Tier für eine kurze Zeit Macht haben, und sich dann gegen die Hure wenden, um sie zu vernichten. Die Frau, die Hure, ist das Gegenpart zur Braut.

„… und sandte sie durch seinen Engel (o. Boten) seinem Knecht Johannes, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi (o.: das Zeugnis, das Jesus Christus betrifft; o.: das Zeugnis über Jesus Christus) bezeugte, was immer er auch sah.“
· Er sah nicht alles; daher weiß er nicht alles. Folglich müssen wir mit Informationslücken rechnen. Es ist das Wesen biblischer Prophetie, dass nicht alles gesagt wird. Es wird kein vollständiges Bild gegeben.
· Er bezeugt nur das, „was er sah“. Er gibt nicht seine eigene Deutung. Er deutet gar nicht, er gibt nur weiter. Der Heilige Geist deutete und erklärte ihm. Johannes berichtet nun diese, des Geistes, Deutung.
So sollen auch wir es tun: nur das weitergeben, was als Bezeugtes vorhanden ist, nur das, was in der Heiligen Schrift geoffenbart ist. Wir dürfen uns Gedanken machen, wir dürfen aber nicht eindeutige feste Aussagen machen, wenn sie nicht klar in der heiligen Schrift gemacht werden.

3. Eine Seligpreisung 1,3
V. 3: „Ein Seliger [ist] der, der liest, …“
Gemeint ist der öffentliche Vorleser in der Gemeinde.

Warum waren die, die die Information dieses lasen und hielten (bewahrten und taten), glücklich zu preisen?
– weil die Zeit nahe war. – Die Empfänger standen unmittelbar vor großen Leiden und Verfolgungen. Der Brief sollte ihnen Mut, Trost und Mahnung sein. Deshalb musste es ein Brief sein, dessen Botschaft von ihnen verstanden wurde.
Der Brief bezieht sich auf Ereignisse und Situationen der zeitgenössischen Geschichte.
Johannes (bzw. der Engel) sagt selber, dass die Dinge, die im Brief geschrieben sind, in naher Zukunft geschehen würden.
Der Schlüssel zu dem Buch der Off hängt an der Tür; an der Vordertür (Off 1,1.3) und an der Hintertür (22,6.7.10.12.20).
Zusätzlich kommt der griechische Begriff „mellein“ (im Begriff sein zu ..) vor:
1,19: „Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem im Begriff ist zu geschehen.“
3,10 „Weil du das Wort meiner Ausdauer bewahrtest, werde ich dich auch bewahren vor der Stunde der Prüfung (o. Versuchung), die im Begriff ist, über das ganze Weltreich (o. Imperium; o. Festland) zu kommen, um die zu prüfen, die auf der Erde wohnen.“
6,11: „Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben. Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder vollzählig würden, die im Begriff sind getötet zu werden eben wie sie.“
Die Zeit war nahe (1,3). Die Dinge sollten in Kürze geschehen (1,1).

V. 3: „… und [Selige sind] die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren ‹und halten›, was darin geschrieben ist, …“
hören: Im Hören ist im Griechischen oft das Verstehen eingeschlossen; wir dürfen das Buch verstehen; es wurde mit der Absicht geschrieben, dass die Leser es verstehen sollten.
bewahren ‹und halten›: Das bedeutet:
. notieren bzw. als Kopie aufbewahren
. im Herzen (d. h. im Denken) aufbewahren (indem man es sich einprägt, auch Teile davon auswendig lernt)
. tun, befolgen. Die Leser in ihrer konkreten historischen Situation sind aufgerufen, auf die Worte dieser Weissagung entsprechend zu reagieren (1,3; 2,7.11.17.26–29; 3,5.6.11–13.20–22; 13,9.10.18; 16,15; 18,4; 22,7.14.17–19).
Wenn die Gemeinde aufgerufen ist zu hören und zu bewahren, können wir voraussetzen, dass die Gemeinde die zentrale Botschaft dieses Buches verstehen konnte, und dass die Gemeinde in der Lage war, zu tun, was ihr in diesem Buch aufgetragen ist. Die Christen damals sollten diesen Brief daher nicht als etwas „Geheimes“ und Unverständliches beiseite legen.
Nun wissen auch wir, wie wir dieses Buch zu lesen haben: nicht zur Befriedigung unserer Neugierde (z. B. um einen „Fahrplan“ für die Endzeit zu haben), sondern mit der Bereitschaft unser Leben danach auszurichten – und es bis zum Tode hinzugeben, falls das erforderlich sein sollte.
(Fn.: Es gibt Ausleger, die meinen, der Großteil des Buches der Off sei nicht für Jesu Gemeinde. Wie könnte das sein, wenn in diesem Buch die an Christus Glaubenden (die in den K. 1–3 „Gemeinde“ genannt werden) aufgefordert werden, die Worte und Weisungen dieses Buches (z. B. die Anweisung, auszuharren) zu befolgen. Wie könnten sie etwas befolgen, das nicht für sie ist?)

V. 3: „Ein Seliger der, der liest (d. h.: der öffentliche Vorleser in der Gemeinde; aber auch der, der diesen Brief zu Hause liest), und [Selige] die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darin geschrieben ist, …“
· Im Hören ist das Verstehen eingeschlossen; die Leser dürfen das Buch verstehen. Es wurde in der Absicht geschrieben, dass die Leser es verstehen.
·Bewahren: Nicht nur als Kopie aufbewahren, sondern auch beherzigen, im Herzen (d. h.: im Denken) aufbewahren, vielleicht auch Teile davon auswendig lernen
·Das Beherzigen schließt auch das Tun, Befolgen ein.
Wenn die Gemeinde aufgerufen ist zu hören und zu bewahren, können wir voraussetzen, dass die Gemeinde die zentrale Botschaft dieses Buches verstehen konnte und dass die Gemeinde in der Lage war, zu tun, was ihr in diesem Buch aufgetragen wurde.
Es gibt solche, die meinen, der Großteil des Buches der Off sei nicht für Jesu Gemeinde. Wie könnte das sein, wenn in diesem Buch die an Christus Glaubenden aufgefordert werden, die Worte und Weisungen dieses Buches zu befolgen (wie z. B. die Anweisungen, auszuharren). Wie sollten sie etwas befolgen, das gar nicht an sie gerichtet wäre?
Nun wissen wir, wie wir dieses Buch zu lesen haben: nicht zur Befriedigung der Neugierde, nicht als Fahrplan für die „Endzeit“, sondern mit der Bereitschaft das Leben danach auszurichten.
Der Zweck der Prophetie ist nicht intellektuelle Befriedigung, sondern Lebensveränderung in Christi Bild. D.h. Prophetie soll dazu dienen, dass wir unseren Charakter von Jesus Christus umgestalten lassen (1Thes 5,23; 1Joh 3,3; 2Petr 3,12.13), dass wir uns und andere zum Durchhalten und Bezeugen in Anfechtung und Verfolgung ermutigen, und dass wir uns und andere trösten (Mk 8,38; Rm 8,18; 2Kor 4,17; 1Thes 4,18); auch, dass wir uns selbst und andere zum Dienst für Christus motivieren (Joh 9,4; 1Thes 1,9.10) und zu Wachsamkeit anregen. Auch, dass wir ein Anliegen bekommen für Menschen, die durch falsches Leben oder durch falsche Lehre in die Gefahr gekommen sind abzudriften (Jud 21–23, Hebr 2,1.2) und dass wir uns von Ungöttlichem und lehrhaft Falschem absondern (2Petr 3,12.13).

„… denn die Zeit ist nahe.“
Im Einleitungs– und Schlussteil wird je zweimal auf die Nähe der beschriebenen Ereignisse aufmerksam gemacht: 1,1.3; 22,6.10.
1,1: „… seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss.“ … V. 3: „… die Zeit ist nahe!“
22,6: „Und er sagte zu mir: Diese Worte sind treu und wahrhaftig. Und der Herr, der Gott der heiligen Propheten, sandte seinen [himmlischen] Boten, um seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss.“ … V. 10: „Und er sagt zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.“
Im Gegensatz zu Dan 8,26 und 12,4 (8,26: „Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage.“; 12,4: „Aber du, Daniel, verschließe die Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes.“) soll Johannes das Gesicht nicht versiegeln, da die Zeit der Erfüllung der beschriebenen Ereignisse kurz bevorsteht. Bei Daniel lagen mindestens 370 Jahre zwischen dem Geben der Prophetie und dem Beginn der Erfüllung, bei Johannes nur wenige Monate oder Jahre.
Auch war das, was in der Off berichtet wird, tatsächlich zeitlich nahe, es geschah vieles bereits in der Zeit der Briefempfänger, z. B. das Gericht über die Hure und der große Druck, der von Seiten der politischen Macht auf die Christen kam.
Apg 2,17: „Und es wird sein in den letzten Tagen, sagt Gott: Ich werde ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben.“
Hebr 1,2: „…, redete er in diesen Tagen, den letzten, zu uns durch [den] Sohn“
Jk 5,3: „Schätze häuftet ihr an in letzten Tagen!“
1Kor 10,11: „Aber alle diese Dinge widerfuhren jenen als Vorbilder. Sie wurden zu unserer Ermahnung aufgezeichnet, zu denen die Enden der Weltzeiten gelangt sind.“
2Petr 3,3: „Nehmt dabei zuerst dieses zur Kenntnis, dass zur letzten [Zeit] der Tage Spötter kommen werden, …“ (Gemäß Jud 18 sind diese Spötter bereits in den 60er Jahren des 1. Jhdts. gekommen. Vgl. auch 2Tim 3,1.)

„… denn die Zeit ist nahe.“
Im Einleitungsteil und Schlussteil wird 7–mal auf die Nähe des Endes aufmerksam gemacht: 1,1.3; 22,6.7.10.12.20.
Die Zeit war zur Zeit der Abfassung „nahe“, die Nacht war weit vorgerückt, der Tag nahe (Rm 13,12).
Die Zeitaussagen bzgl. der Nähe der Parusie wurden in den Briefen, die in den Jahren 60–64 entstanden, intensiviert.
55/56: 1Kor 10,11: „Aber alle diese Dinge widerfuhren jenen als Vorbilder. Sie wurden zu unserer Ermahnung aufgezeichnet, zu denen die Enden der Weltzeiten gelangt sind.“
1Kor 7,29-31: „Dieses sage ich, Brüder: Die Zeit ist bemessen. Für die noch bleibende gilt, dass auch die, die Frauen haben, wie solche seien, die keine haben, 30 und die, die weinen, wie solche, die nicht weinen, und die, die sich freuen, wie solche, die sich nicht freuen, und die, die kaufen, wie solche, die nicht besitzen, 31 und die, die diese Welt gebrauchen, wie solche, die nicht völligen Gebrauch [von ihr] machen, denn die Gestalt dieser Welt ist am Vergehen.“
57/58: Rm 13,11.12 „Und dieses, da ihr über die Zeit ‹Bescheid› wisst, dass die Stunde schon ‹da› ist, da wir bereits aus dem Schlaf erwacht sein sollten, denn nun ist unsere Rettung näher als da wir glaubten! Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag hat sich genaht. Lasst uns also die Werke der Dunkelheit ablegen und die Waffen des Lichts anziehen.“
Rm 16,20: „Aber der Gott des Friedens wird den Satan in Kürze unter euren Füßen niedermachen.“
55-62: Jak 5,3.7.8 „Habt auch ihr Geduld und festigt eure Herzen, weil die Ankunft des Herrn nahegekommen ist.“ (V. 8)
57/58: Rm 16,20 in Kürze
60-63: Off 1,1.3; 3,10.11; 16,15; 22,6–10.20; (1,7: Siehe, er kommt; ich komme bald, die Zeit ist nahe; in Kürze)
60-64: 1Joh 2,18 es ist letzte Stunde
62/63: Phil 4,5 der Herr ist nahe.
62/63: Hebr 10,25: der Tag naht sich; V. 37: „Noch ein Weniges, wie sehr, wie sehr [Weniges]! Der, der kommt, wird kommen. Und er wird nicht verziehen.“
63/64: 1Petr 4,7 „Aber das Ende aller Dinge ist nahe gekommen.“
64: Jud 14 „Siehe“
64: 2Petr 2,3f: deren Gericht nicht schlummert; … baldiges Verderben; 2Petr 3,3 in der letzten Zeit werden Spötter kommen; 2Petr 3,9 der Herr ist nicht säumig; 2Petr 3,10 kommen wie ein Dieb; 3,12 ereilend die Ankunft des Tages Gottes; 2Petr 3,14: da ihr dieses erwartet, befleißigt euch …
Die Christen begrüßten sich gegen Ende der Fünfzigerjahre des ersten Jahrhunderts mit „Maran–Atha“ (1Kor 16,22): „Unser Herr ist im Begriff zu kommen“; „ist dabei zu kommen“; w.: ist kommend).

Die letzten Tage:
Ag 2:17 ‚Und es wird sein in den letzten Tagen, sagt Gott: Ich werde ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben.
Hebr 1:2 redete er in diesen Tagen, den letzten, zu uns durch [[den Sohn, den er zum Erben von allem einsetzte, durch den er auch die Welten [mit ihren Zeiten] machte,
Hebr 9,27
1Petr 3,2

4. Gruß 1,4–6A
Das Buch der Off hat die Form eines Briefes – mit Gruß und Schluss. Es ist ein Hirtenbrief mit einem dringlichen seelsorgerlichen Anliegen.
a. Der Grüßende: 1,4A
V. 4: „Johannes, …“
Der Grüßende (1,4A) ist Johannes. Es ist nicht nötig, dass mehr über ihn gesagt wird. Der Apostel Johannes war den Gemeinden in Kleinasien wohlbekannt und genoss großes Ansehen.
b. Die Gegrüßten: 1,4M
V. 4: „… den sieben Gemeinden, denen in Asien: …“
Der Brief richtet sich an die Gemeinden in Kleinasien. Die Christen sollten auf eine in der unmittelbaren Zukunft eintretende große Prüfungszeit vorbereitet werden. Jede der sieben Gemeinden wird aufgefordert zu überwinden. Die Gläubigen von Smyrna werden ermahnt, nichts von dem zu fürchten, was sie in naher Zukunft zu erdulden haben werden (2,10). Einige von ihnen werden eine spezielle zehntägige Prüfung durchmachen müssen. Für alle sieben Gemeinden geht um Leben, das ewige – und um Tod, den ewigen.

Die unmittelbare Absicht dieses Briefes ist es, die Heiligen zu ermahnen, aufzurichten und zu ermuntern, damit sie den ihnen auferlegten Kampf bis aufs Blut kämpften.

c. Das eigentliche Grußwort: 1,4E–5A
Das eigentliche Grußwort (1,4E–5A) lautet:
„Gnade sei (o. werde) euch zuteil und Friede von Gott – der ist und der war und der kommt – …“
Die Quelle von Gnade und Friede ist der „Er ist und er war und er kommt“.
Gott kommt immer wieder, und zwar genau dann, wenn man ihn anruft.

V. 4E: „… und von den sieben Geistern, …“: Als zweite Quelle aller Gnade und allen Friedens werden die „sieben Geister Gottes“ genannt. Wer sind sie? Off 5,6 zeigt, das Lamm „hatte sieben Hörner und sieben Augen, die die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt worden sind zur ganzen Erde.“ Die Sieben steht für Totalität, Fülle; das Horn steht für Kraft, die Augen für Weisheit. Das Lamm hat durch den Geist Gottes alle Kraft und Weisheit. Durch die Zahl „Sieben“ könnte auch die Vielseitigkeit des einen Heiligen Geistes dargestellt sein. Er ist der Geist Jahwehs, der Geist der Weisheit, des Verstandes, des Rates, der Kraft, der Erkenntnis und der Furcht Jahwehs (Jes 11,2). Er ist ein Geist für die sieben Gemeinden; er ist für alle da und hat genug Rat, Kraft und Weisheit für alle.

„… die vor seinem Thron sind, …“:
Der Heilige Geist steht in Dienstbereitschaft vor Gott. (Auch Elia stand einst „vor Gott“: „Der Gott, vor dem ich stehe, …“ Man darf sich die Frage stellen: Stehe ich vor Gott? Oder bin ich zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt?)

Der Inhalt des Grußwortes
„Gnade [sei] euch zuteil und Friede“
Mehrmals im Brief wird die Gottheit Christi betont. (Vgl. z. B. V. 4 mit V. 8.) Christus ist der Ewige, der „Erste und Letzte“ und der Allmächtige. (Vgl. auch 22,13.16 im Lichte von Jes 44,6.)

Die Quelle des Grußwortes
„… von dem ‚Er ist und er war und er kommt’, …“
Gott wird hier nicht dekliniert. Gott – und Jesus Christus – ist der ewig Seiende, der Jahweh des AT. Gott – und Jesus Christus – ist die Quelle von aller Gnade und allem Frieden.
„und er kommt“: Gott kommt – immer wieder, und zwar dann, wenn wir ihn anrufen.

„und von den sieben Geistern, …“
Als zweite Quelle aller Gnade und allen Friedens werden die „sieben Geister Gottes“ genannt. Wer sind diese? 5,6 gibt die Lösung. Das Lamm „hatte sieben Hörner und sieben Augen, die die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt worden sind zur ganzen Erde.“
Die Sieben steht für Totalität, Fülle, das Horn steht für Kraft, die Augen für Weisheit. Das Lamm hat durch den Geist Gottes alle Kraft und Weisheit.
Durch die Sieben könnte auch die Vielseitigkeit des einen Heiligen Geistes dargestellt sein. Er ist ein Geist Jahwehs, ein Geist der Weisheit, des Verstandes, des Rates, der Kraft, der Erkenntnis und der Furcht Jahwehs. Jes 11,2.
Er ist ein Geist für die sieben Gemeinden; er ist für alle da und hat genug Rat, Kraft und Weisheit für alle Christen aller Gemeinden.

„die vor seinem Thron sind, …“
Der Heilige Geist steht in Dienstbereitschaft vor Gott. (Auch Elia stand „vor Gott“. Er sagte: „Der Gott, vor dem ich stehe, …“ Wir können uns die Frage stellen: Stehe ich vor Gott? – Oder bin ich so sehr mit anderen Dingen beschäftigt?)

Das Gefüge „der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und der Fürst über die Könige der Erde.“ wird im griech. Text nicht gebeugt. Johannes schreibt nicht „und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen … und Fürsten …“. Die dreifache Bezeichnung wird hier wie ein Eigenname oder Titel gebraucht.

V. 5: „… und von Jesus Christus:“ …
Auch er wird als Quelle von Gnade und Frieden genannt. Er ist „der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und der Fürst über die Könige der Erde.“ Die dreifache Bezeichnung wird hier wie ein Eigenname oder Titel gebraucht.

„… der treue Zeuge“:
Der Bezug ist auf sein vollkommenes Leben und Sterben. Er bezeugte den Vater und lebte als zuverlässiger Zeuge (1Tim 6,13: „…, der vor Pontius Pilatus das edle Bekenntnis bezeugte“) in völliger Hingabe an den Vater, treu bis zum Tod (Phil 2,5–8.) Auch die Leser sind zur Treue aufgerufen.

„… der Erstgeborene von den Toten“:
Jesus Christus lebt; er weiß, was es heißt für die Sache Gottes zu leiden und zu sterben. Wer in der Zeit der Bedrängnis treu ist, wird sterben müssen. Aber die Leser sollen getröstet wissen: Sie werden mit ihm leben. Der Herr ging aus dem Tod hervor, um die Seinen aus dem Hades in sein Auferstehungsleben zu führen. Er ging ihnen voran. Er ist in allem der Erste (Kol 1,15–18).
Erstgeborener bedeutet auch Ranghöchster. (Vgl. Ps 89,28: „Ja, ich werde ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten über die Könige der Erde.“)

„… und Fürst über die Könige der Erde.“
Der Bezug ist auf Christi Erhöhung. Nicht der römische Kaiser, nicht das Tier, nicht der Drache (der Satan, der „der Fürst dieser Welt“ [Joh 12,31; 14,30; 16,11] und „der Gott dieser Weltzeit“ [2Kor 4,4] genannt wird) ist der eigentliche Fürst über die Könige der Erde. Die Leser sollen wissen: Die Überwinder werden mit Christus regieren. Sie müssen daher nicht „des Königs Gebot“ (Hebr 11,23) fürchten.

d. Die Beschreibung des Gepriesenen 1,5
Es folgt die Beschreibung des Gepriesenen (Off 1,5):

Der Liebende
„Dem, der uns liebt …“
Das ist in diesem Buch die erste Aussage, die über die Glaubenden gemacht wird. Der, der die Erde richten wird und das Universum lenkt, ist ihr Geliebter und sie sind seine Geliebten. Die Erlösten sind seine geliebte Braut.
In der Off steht nicht viel über Liebe, aber die Verse, die davon sprechen, sind stark.
Seine Liebe zu den Heiligen: Er ist es, der sie liebte (und beständig liebt, 1,5; vgl. 3,19: „die ich gern habe; hier steht das griech. Wort philein, gern haben.); eines Tages wird offenbar, dass er jeden einzelnen geliebt hat (3,9), das Ziel ist „die geliebte Stadt“ (20,9).
Die Liebe der Heiligen zu ihm: Sie sollten diese Liebe zu Christus nicht verlassen (2,4); er kennt ihre Werke und ihre Liebe (2,19).
Wohin die Liebe nicht gerichtet werden darf: auf das Selbstleben (12,11 „sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod“; auf die Lüge (22,15: „… jeder, der die Lüge gernhat“; hier steht das griech. Wort philein, gernhaben.).
Der Reinigende
„… und uns in seinem Blut von unseren Sünden wusch“
(einige Hss: „und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöste“)
Indem er sich gab, machte er die Waschung möglich, aber gewaschen wird man erst, wenn man sein Opfer in Anspruch nimmt.
Der Erhebende
V. 6: „– auch machte er uns zu Königen und zu Priestern“
„zu Königen“: um mit ihm zu regieren
. über uns selbst
. über das uns Anvertraute (Familie, Gemeinde u.a.)
. über die Welt durch unsere Gebete
. eines Tages mit ihm
Jetzt ist Training time for reigning time.

„zu Priestern“: um Gott zu nahen
. um Menschen vor Gott zu vertreten
. um Gott vor Menschen zu vertreten (1Petr 2; Mal 2)

„für seinen Gott und Vater“
Nicht für uns selbst sind wir Könige und Priester, sondern für Gott:
. als seine Stellvertreter
. zu seiner Ehre
. aus seiner Kraft
Auch im Himmel werden wir alles für ihn sein und tun. Der Dienst eines jeden für ihn kommt anderen zugute.

5. Die eigentliche Doxologie: 1,6
„– ihm gebühren die Herrlichkeit und die Macht“
Den Heiligen die Gnade und der Friede, ihm die Herrlichkeit und die Macht. So soll es immer sein!
Ein großes Thema in der Off ist die Antwort auf die Frage, wem die Herrlichkeit und die Macht gehört. (Vgl. 4,11; Ps 24,1; 2Mo 19,5.)
Eigene Herrlichkeit und eigene Macht (Vgl. Off 18,7.), dieses Denken prägt die Weltmächte von Babylonien an.

V. 6: „… und er machte uns zu einem Königtum, zu Priestern“:
zu Königen, um mit ihm zu regieren; zu Priestern, um Gott zu nahen.
„… seinem Gott und Vater“: Nicht für die Menschen, nicht für sich selbst, sondern für Gott – als seine Stellvertreter, zu seiner Ehre, aus seiner Kraft. Auch im Himmel werden die Seinen alles für ihn sein und für ihn tun.

Die eigentliche Doxologie folgt in 1,6: „ihm gebühren die Herrlichkeit und die Macht“
Den Heiligen Gnade und Friede, ihm Herrlichkeit und Macht. So soll es immer sein!

Eigene Herrlichkeit hingegen und eigene Macht (Off 18,7.) – dieses Denken kennzeichnet die Hure.
Wir Menschen wollen gerne selber die Herrlichkeit (den Glanz, die Ehre, die Schönheit) und die Macht. Der Wunsch nach Herrlichkeit und Macht an sich ist gottgegeben, denn wir Menschen sind im Bild Gottes geschaffen. Aber seit dem Sündenfall wollen wir diese in Unabhängigkeit von Gott haben.
Nebukadnezar wandelte auf dem königlichen Palast zu Babel umher, hob an und sagte: „Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Dan 4,27). Er musste lernen, dass wir Menschen alles nur in Abhängigkeit von Gott – aus seiner Hand und in reger Verbindung mit ihm – bekommen können. Er muss die Quelle und das Ziel unserer Fähigkeiten und Handlungen sein.
Alle Menschen sündigten, „und sie reichen nicht an die Herrlichkeit Gottes heran“ (Rm 3,23), nur in und durch Christus können sie die von Gott geschenkte Herrlichkeit erlangen (Rm 8,29.30; Hebr 2,11; Joh 17,22). Die große Stadt, das heilige Jerusalem, „hatte die Herrlichkeit Gottes“ (Off 21,10.11); der Herr, Gott, leuchtet über ihr (22,5) und erleuchtet sie (21,23).
„… in alle Ewigkeit“: eigtl.: „in die Äonen der Äonen.“ Die Ewigkeit ist eine unaufhörliche Aneinanderreihung von langen Zeitabschnitten.
„Ja, wahrlich.“ Der Lobpreis wird mit einem „Amen“ („So ist es und so soll es sein!“) beschlossen.

6. Thema 1,7

  1. 7: „Siehe! Er kommt mit den Wolken. Und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstachen. Und es werden ‹sich an die Brust schlagen und› wehklagen um ihn alle Stämme des Landes. Ja. Amen.“

Der große Höhepunkt und Zielpunkt der Off ist das Kommen des in V. 5 erwähnten „Fürsten über die Könige der Erde“. Sein Kommen wird in 2,25 sowie in 3,3.11 und 16,15 angekündigt aber erst in 19,11–21 ausführlich beschrieben.

 

Einiges deutet eine zeitliche Nähe des „Kommens“ Jesu Christi „mit den Wolken“ an:

 

  1. Das „Siehe“ deutet zeitliche Nähe an: Wenn gesagt wird: „Siehe, er kommt!“, wird das Kommen als nahe bevorstehend angekündigt. In Off 22 sagt er dreimal (V. 7.12.20), dass er „bald“ kommen würde. Vgl. 3,11. Als er auf Erden war, hatte er kein einziges Mal gesagt, dass er „bald“ kommen werde. Er hatte aber das Gericht über Israel deutlich angekündigt.

Der Ausdruck, dass „alle Stämme des Landes“ klagen würden, spricht dafür, dass mit dem Kommen das Kommen zum Gericht über Jerusalem/Israel gemeint ist. Vgl. Mt 10,23; Mt 24,1ff. In Sach 12 geht es um ein „Klagen“ der „Stämme des Landes“. Das Land wird klagen, jedes Geschlecht, jeder Stamm für sich (12,10–14). Dort ist Israel gemeint, nicht die ganze Welt.

 

  1. Der Ausdruck, dass „alle Stämme des Landes“ (o. der Erde, d. i. des israelitischen „Erdlandes“, vgl. Jes 1,2) klagen werden, verweist auf das Kommen in Mt 24,30–32. Jenes Kommen steht in Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems. („Sogleich“ Mt 24,29A.) Das in Off 1,7 erwähnte Bild vom „Klagen“ ist das, wovon auch der Herr Jesus gesprochen hatte (Mt 24,30). Nach Sach 12,10–12 werde das Land (d. i.: die israelitische „Erde“) klagen, jedes Geschlecht, jeder „Stamm“ für sich.– An welche „Stämme“ werden die Christen, an die jener Brief (Off) gerichtet war, wohl gedacht haben?

 

  1. Das Kommen betrifft diejenigen, die Jesus Christus „durchbohrt“ hatten. Wer waren diese? Wem hatte Christus angekündigt: „Hinfort [gilt]: Ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels.“ (Mt 26,64). Das „böse“ und „ehebrecherische“ Geschlecht hatte gerufen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“ (Mt 27,25; nicht: „auf unsere Enkelkinder“.)

Jesus hatte gesagt, jenes Geschlecht „werde nicht vergehen“, bis dieses alles geschehen sein werde (24,34). Die genaue Stunde konnte man nicht wissen, aber der Herr hatte deutlich gesagt, dass es innerhalb der nächsten Jahrzehnte geschehen würde (Vgl. 10,23; 16,28).

Die Angesprochenen sind mitunter die, „die ihn durchbohrten“.

 

„Jedes Auge“ sollte ihn sehen. Der Ausdruck „jedes Auge“ ist, wie oft in der Bibel, nicht im absoluten Sinne aufzufassen. „Alle/jeder“ hat immer einen Kontext. (Vgl. z. B. „alles Fleisch“ in Lk 3,6.) Man muss sich also fragen: „Jedes Auge“ von welcher Gruppe, von welchem Volk? –

 

  1. Es wäre schwer vorstellbar, wie sich Off 1,7 auf ein (heute) noch in der Zukunft liegendes Ereignis beziehen soll. Die heute lebenden an das rabbinische Judentum Glaubenden haben ihn nicht durchbohrt. (Ob sie übrigens wirklich von den damaligen Juden abstammen, kann niemand wissen. Es gibt keine Geschlechtsregister von vor 70 n. Chr. Die heute lebenden Anhänger des rabbinischen Judentums – bzw. deren Nachfahren – sind zu einem sehr großen Teil Proselyten). Der Herr Jesus spricht in Mt 24,30, Off 1,7 und Sach 12,10 von lebenden Menschen, nicht von verstorbenen oder auferstandenen. Jene klopfen sich an die Brust, eine physische, lebende Brust. (Die Auferstehung hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Außerdem sagt die Schrift nicht, dass die Ungläubigen bei der Parusie einen Leib erhalten. Die Ungläubigen erscheinen vor dem weißen Thron. Von ihnen kann hier also nicht die Rede sein.)

 

„mit den Wolken, …“

Im AT wird Gottes Kommen zum Gericht des Öfteren mit der Wolke verbunden (2Mo 19,9.16–19; 34,5; 4Mo 11,25; 5Mo 33,26; Ri 5,4; Ps 18,8–15; 104,3; Jes 13,1–17; 19,1; Jer 4,13; Hes 32,7–8; 38,9; Joel 2,2; Nah 1,3; Zef 1,15–16. Dan 7,13). Es gibt mehrere göttliche Kommen (z. B. das Kommen Gottes zum Gericht über Ägypten in Jes 19,1).

Die „Wolken“ sprechen von Gottes unnahbarer Heiligkeit und Gerechtigkeit. Sie weisen auf die Art und Weise seines Kommens hin: in großer Macht und Herrlichkeit.

 

„und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstachen …“

Wie ist der Satz zu verstehen? „Jedes Auge“ in welchem Kontext? Jedes Auge von welcher Gruppe?

 

Sach 12 ist an Juden gerichtet. Der Herr hatte zu den Menschen im jüdischen Sanhedrin gesagt (Mt 26,64: „Ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, ….“

Nicht allen Menschen wird der Blick in die unsichtbare Welt gewährt. Dazu müssen einem die Augen geöffnet werden. So war es in anderen Fällen: 2Kön 2,10 (Himmelfahrt des Elia), 2Kön 6,17 (Gehasi und Elisa), Apg 7,55.56 (Stephanus) und 9,7 (Saulus vor Damaskus); Joh 1,33; 12,28.29.

 

Der Ausdruck „jedes Auge“ ist im relativen Sinne zu gebraucht. In Off 1,7 werden jene erwähnt, die mit Schrecken und Klagen feststellen mussten: „Nun ist es zu spät, sich zu bekehren.“ Die Zeit der Rache (Lk 21,23; Off 6,10.18; 19,2) war gekommen! – Gemeint kann also nur sein: Jedes Auge von jenen Juden, die das Gericht traf, inklusive die, die ihn durchstachen (die jüdischen Führer, die jedenfalls, die damals noch lebten).

 

Manche meinen, Off 1,7 würde sich auf ein in ferner Zukunft liegendes Ereignis beziehen, und dann würden die Juden den Messias sehen. Aber die heute lebenden an das rabbinische Judentum Glaubenden haben Jesus Christus nicht durchbohrt: Apg 2,36; 3,13–15. Die heute lebenden Anhänger des rabbinischen Judentums – bzw. deren Nachfahren – sind zu einem sehr großen Teil Proselyten (d. h.: „Hinzugekommene“ aus den Heiden). Geschlechtsregister aus der Zeit vor 70 n. Chr. existieren keine mehr. Die heutigen Juden sind nicht das „böse und ehebrecherische Geschlecht“ der Zeitgenossen Jesu.

Und Off 1,7 (wie Sach 12,10) spricht von lebenden Menschen, nicht von verstorbenen. Jene klopfen sich an die Brust, jene flehen, jene sehen ihn. Aber es ist zu spät! „Ja, Amen.“

 

Vgl. Mt 24,27.30: „denn gleichwie der Blitz vom Osten ausfährt und bis in den Westen scheint, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. … 30 Und dann wird sichtbar werden das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und dann werden wehklagen ‹und sich an die Brust schlagen› alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen sehen, kommend auf den Wolken des Himmels mit viel Kraft und Herrlichkeit.“

Es bleibt die Frage, ob „jedes Auge“ relativ oder absolut aufzufassen ist. Die meisten Ausleger fassen es absolut auf. Von Zusammenhang her könnte es sich auf Israel beziehen.

 

„… auch die, die ihn durchstachen“,

Wer hat ihn durchbohrt? Obwohl es wahr ist, dass die Römer ihn kreuzigten, wird in der Schrift den Juden die eigentliche Schuld zugesprochen; sie waren die Urheber der Tat (Mt 27,24–25; Joh 19,6.15; Apg 2,22.23.36; 3,13–15; 5,30; 7,52; 1Thes 2,14–15). Welche Juden? – Natürlich nicht die „Juden“, die heute leben.

(Nb: Die heutigen Juden werden – nach Aussage der Rabbiner – vor allem religiös definiert, nicht genetisch. Seit 70 n. Chr. gibt es keine offiziellen Geschlechtsregister mehr, die weiter zurückgehen als ins 2. Jahrhundert n. Chr. Eine stammesgeschichtliche Definition des „Juden“ ist unmöglich. Sie ist auch nicht wichtig. Der Großteil der heutigen so gen. „Juden“ sind Nachfahren von Proselyten. Nach einer These stammen die Ostjuden zum Großteil von den Khasaren ab, die im 8. und 9. Jahrhundert als Volk zum Judentum übertraten. Die These wurde zwar bestritten, siehe dazu aber Th. Schirrmacher, „Die osteuropäischen Juden – Nachfahren der mittelalterlichen Khasaren?“, 2004.)

 

„… und es werden sich an die Brust schlagen und wehklagen um ihn alle Stämme des Landes.“

Das „auch“ (kai) kann auch als kai explicativum aufgefasst werden: „und zwar“, „und nämlich“. „Jedes Auge wird ihn sehen, und zwar alle Stämme des Landes auch die ihn durchbohrt haben“.

„… alle Stämme“:

Das griech. Wort für Stämme (phülees) bezieht sich in der Bibel meistens auf die jüdischen Stämme. Die Parallele Mt 24,30 scheint auf Israel bezogen zu sein.

„… des Landes“:

Im Griech. steht das Wort gee, welches „Land“ oder „Erde“ bedeuten kann (wie im Heb. das Wort äräz). Oft meint dieses Wort in der Bibel das „Land“, vor allem Kanaan (Palästina). Die Übersetzungen „alle Stämme des Landes“ passt besser in den Zusammenhang und zur alttestamentlichen Parallele, Sach 12,10–14, als die Übersetzung „alle Stämme der Erde“.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die beschriebenen Dinge zeitlich „in Kürze“ (also sehr bald nach Abfassung der Off) geschehen sollen (1,1; 1,3; 22,6.10).

 

Gemeint sind wohl die ungeretteten Juden, die gesagt hatten „sein Blut komme über uns und unsere Kinder“. Sie weinen und wehklagen aus Furcht und Schrecken vor dem Richter, den sie als Retter verpasst haben. Nun ist es zu spät. Sie ahnen nun ihr ewiges Los. Vor das Angesicht des Richters treten zu müssen, ohne das stellvertretende Opfer Christi angenommen zu haben, ist für Gottes Geschöpfe unvorstellbar schrecklich.

 

Exkurs: Wie verhält sich Off 1,7 zur Stelle Sach 12,10, auf welche sie anspielt?

Die Stelle, auf die Bezug genommen wird, ist Sach 12,10–14: „Und ich werde ausgießen über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems den Geist der Gnade und des Flehens ‹um Gnade›. Und sie werden auf mich blicken, den, welchen sie durchbohrten. Und sie werden wehklagen über ihn gleich der Wehklage über den Einziggeborenen und bitterlich klagen über ihn, wie man bitterlich klagt über den Erstgeborenen. 11 An jenem Tage wird groß sein die Wehklage in Jerusalem, wie die Wehklage von Hadad–Rimmon in der Talebene Megiddo. 12 Und wehklagen wird das Land, jedes Geschlecht besonders: das Geschlecht des Hauses David besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht des Hauses Nathan besonders und ihre Frauen besonders, 13das Geschlecht des Hauses Levi besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht der Simeiter besonders und ihre Frauen besonders, 14 alle übrigen Geschlechter, jedes Geschlecht besonders und ihre Frauen besonders.“

Dort ist von einem Höhepunkt der endzeitlichen Heilsgeschichte Israels die Rede. In jener Zeit (in der Zeit der „letzten Tage“; vgl. Jes 44,3; Hes 36,29; 39,29; Joel 3,1 ff) würde der Heilige Geist auf die Bewohner Jerusalems und Judas ausgegossen werden. Das begann zu Pfingsten. Petrus sagt  „in den letzten Tagen“ (Apg 2,17), d. h.: gegen Ende des sinaitischen Äons, der mit der Zerstörung Jerusalems abschließt.

 

12,10A: „Und ich werde ausgießen über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems …“

In Sach 12 werden nur die „Bewohner Jerusalems“ erwähnt. Das „Haus David“ (die Repräsentanten der herrschenden Klasse) wird speziell genannt.

 

12,10M: „… den Geist der Gnade und des Flehens [um Gnade].“

Mit dem „Geist der Gnade und des Flehens“ ist der Heilige Geist gemeint. Der Geist der Gnade ist auch ein „Geist des Flehens [um Gnade]“. Jene Juden erkennen ihre Schuld – die Verwerfung des Messias – und flehen aus innerer Not heraus.

 

12,10M: „Und sie werden auf mich blicken, den, welchen sie durchbohrten.“

Es geht um das Hinblicken auf den getöteten Messias.

Wir vergleichen Joh 19:34.36.37: „… einer von den Soldaten stach mit einem Speer in seine Seite. Und sogleich kam Blut und Wasser heraus. … 36 … diese Dinge geschahen, damit die Schrift erfüllt werde: Es wird kein Knochen von ihm zerbrochen werden. 37 Und wiederum sagt eine andere Schrift: Sie werden sehen auf den, den sie stachen.“

In Sach 12 blicken einzelne Israeliten, vom Geist überführt – jeder für sich – auf Jahweh.

 

12,10E: „Und sie werden wehklagen über ihn gleich der Wehklage über den Einziggeborenen und bitterlich klagen über ihn, wie man bitterlich klagt über den Erstgeborenen.“

Beim „Klagen“ geht es um ein Klagen aufgrund von Sündenerkenntnis: „Wir sind schuldig!“ Sündenerkenntnis gab es schon in Apg 2,36.37. Die Juden, die sich bekehrten, erkannten, was sie dem Messias angetan hatten. Mehr und mehr Juden wurden von ihrer Sünde überführt in jener ersten Zeit der Evangeliumsverkündigung („den Juden zuerst“). Das ging mehrere Jahrzehnte so, überall, wo das Evangelium an die Juden verkündet wurde.

 

Aber in Off 1,7 ist es anders: Abermals wird auf Sach 12 angespielt, aber jenes Wehklagen steht nicht im Zusammenhang mit einer Geistausgießung oder Umkehr (Buße), sondern mit dem Kommen des Richters Israels an dem „großen und offenbar werdenden Tag des Herrn“ (Apg 2,20). Nichts deutet darauf hin, dass auf das Wehklagen von Off 1,7 eine Bekehrung erfolgt. Hatte der Herr nicht selber davon gesprochen, dass es an jenem Tage zu spät sein würde? Lk 23,30: „Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Deckt uns!“

Die „Zeit des Heils“ für Israel war nun vorbei. Aber es gab da ein „Blicken auf den Durchbohrten“ im Zusammenhang mit der Zerstörung Jerusalems. Es gab ein schreckliches Erwachen. Doch es war zu spät. Das Gericht war unausweichlich. Es gab keine Gnade mehr. Die „Tage der Rache“ (Lk 21,23; Off 6,10; 19,2) waren gekommen. Der Hebräerschreiber hatte davon gesprochen (Hebr 10,26–31): „… denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Opfer für Sünden mehr übrig, 27 aber ein gar furchtbares Erwarten des Gerichts und ein Eifer des Feuers, das im Begriff ist, die Widersacher zu fressen. 28 Setzt jemand das Gesetz Moses beiseite, stirbt er ohne Erbarmungen auf zwei oder drei Zeugen hin. 29 Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen trat und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt war, für gemein achtete und den Geist der Gnade schmählich misshandelte? 30 – denn wir wissen um den, der sagte: „‚Die Vergeltung ist meine [Sache]; ICH werde vergelten’, sagt der Herr“, und wieder: „Der Herr wird sein Volk richten. 31 Furchtbar ist es, in die Hände des lebenden Gottes zu fallen!“ – Von jenem Kommen spricht die Off.

 

In Mt 24,30 und Off 1,7 geht es um die Parusie. Aber weder Mt 24 noch Off 1 sprechen davon, dass in Verbindung mit der Parusie des Herrn eine Geistausgießung anlässlich der Parusie stattfinden würde.

Johannes führt Sach 12 in Joh 19 an. Danach (ab Apg 2) erkannten die Juden, die sich bekehrten, was sie dem Messias angetan hatten. Die Wehklage in Israel geschah überall dort, wo Juden von ihrer Sünde überführt wurden. Wenn nun Johannes in Off 1,7 abermals auf Sach 12 anspielt, kann nicht sein, dass jenes Wehklagen, das im Zusammenhang mit der Parusie Christi steht, dasselbe ist, das die bekehrten Juden erlebt hatten. Jenes Wehklagen hatte ein positives Ende (Bekehrung), dieses hier offenbar nicht. Nichts deutet darauf hin, dass auf das Wehklagen von Off 1,7 (und Mt 24,30) die Bekehrung folgt. Hatte der Herr nicht selber davon gesprochen, dass es an jenem Tage zu spät sein würde? (Vgl. die Gleichnisse und die Lehre des Herrn in Mt 24,36ff und Mt 25,1–13. Auch Lk 18,8 spricht gegen eine Erweckung von Israeliten anlässlich – oder kurz vor – der Parusie.)

Das Blicken auf den Durchbohrten, das mit Geistausgießung verbunden ist, geschah in der gesamten Endzeit Israels (d. h.: in den „letzten Tagen“) – und zwar bei denen, die sich bekehrten. Aber es gab auch ein Blicken auf den Durchbohrten bei der Parusie, allerdings eines, bei dem es ein schreckliches Erwachen gab: Wir sind schuldig! Und es ist zu spät! Das Gericht ist unausweichlich.

Bei der Parusie kam das Gericht über sie. Es gab keine Gnade mehr.

Wir vergleichen Hebr 10,26–31: „… denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Opfer für Sünden mehr übrig, 27 aber ein gar furchtbares Erwarten des Gerichts und ein Eifer des Feuers, das im Begriff ist, die Widersacher zu fressen. 28 Setzt jemand das Gesetz Moses beiseite, stirbt er ohne Erbarmungen auf zwei oder drei Zeugen hin. 29 Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen trat und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt war, für gemein achtete und den Geist der Gnade schmählich misshandelte? 30 – denn wir wissen um den, der sagte: „‚Die Vergeltung ist meine [Sache]; ICH werde vergelten’, sagt der Herr“, und wieder: „Der Herr wird sein Volk richten.“ 31 Furchtbar ist es, in die Hände des lebenden Gottes zu fallen!“

In Sach 12,12–14 geht es um ein nationales Klagen, das dem ähnlich ist, das damals geschah, als Josia starb. Damals – bei Megiddo – klagten sie, weil der gute König Josia gestorben war, und sie konnten nichts mehr tun, um die gesegnete Zeit, die man unter seiner Regierung hatte, wiederherzustellen. Nach der Zeit des Hinblickens auf den Durchbohrten und der Ausgießung des Geistes auf Israel gibt es ein Klagen wie damals bei Megiddo. Israel hatte seinen König verworfen, und die Gnadenzeit war abgelaufen! Nun (70 n. Chr.) war es zu spät. Nun erkannten sie, dass er zum Gericht über sie käme. Von jenem Gerichtskommen anlässlich der Zerstörung Jerusalems spricht das Buch der Off.

Es geht um das böse und ehebrecherische Geschlecht, das „nicht vergehen“ sollte, bis dass es alles geschehen sei (Mt 24,34). Wir vergleichen Mt 16,28: „Einige, die hier stehen, werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn gesehen haben werden, kommend in seinem Königreich (o.: Königtum)“

 

Petrus verkündete (Apg 3,20.21), dass Israel vor Christi Ankunft Buße tun sollte „damit Zeiten der Erneuerung kommen …“. Er lehrte, Israel könne nur auf dieselbe Weise gerettet werden wie die Heiden (Apg 15,11). Er lehrte auch, dass die „letzten Tage“ – und damit die Erfüllung von Joel 3 – zu Pfingsten begannen. (Vgl. Apg 2,17A mit Joel 3,5.) Paulus zeigt in Rm 11 auf, wie Israel gerettet werden kann: durch Eifersucht–Reizung (11,11: „Ich sage also: Stolperten sie, damit sie fallen ‹und liegen bleiben› sollten? Das sei fern! Sondern durch ihren Fehltritt ist das Heil zu denen [gekommen], die von den Völkern sind, um sie [die Israeliten] zur Eifersucht zu reizen.“), und zwar, ehe Christus kommt.

Paulus lehrte, auch wenn die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres wäre, so würde doch nur der Überrest gerettet werden (Röm 9,27). Zu jenem Überrest zählen alle Israeliten, die sich vor Christi Ankunft bekehren (Röm 11,5.7). Die Verhärtung eines Teils bleibt bestehen, bis die Heidenmission zu Ende ist (Röm 11,25). Die Wiedereinpfropfung der ausgebrochenen „Zweige“ (Röm 11,16ff) geschieht dadurch, dass sie nicht im Unglauben bleiben (Röm 11,23: „Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden, …“). „Auf diese Weise“ wird – wie im AT verheißen – das „ganze Israel“ (d. i. alle, die nicht im Unglauben bleiben) vor dem Gericht „gerettet werden“ und ins ewige Heil eingehen (Röm 11,26).

Beginnend mit dem Pfingsttage wurde durch die Verkündigung der Apostel (z. B. Apg 2 und 3) den Israeliten ihre böse Tat vor Augen geführt. „Als sie [das] hörten, waren sie ins Herz getroffen“ (Apg 2,37). Sie blickten auf Jahweh, den sie durchbohrt hatten, und taten Buße (Apg 2,37–41 u.a.). In Apg 3,18ff rief Petrus das Volk Israel zur Buße auf, und erklärte ihnen, dass der Himmel den Messias aufnehmen müsse, bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her redete“.

…. Zuerst Buße, dann die Ankunft Christi. In der Zwischenzeit: „Tag des Heils“ (2Kor 6; Jes 49) für Israel. Petrus lehrte, wer sich in „diesen Tagen“ (Apg 3,24E) nicht zum Messias wende, würde „aus dem Volk ausgetilgt werden“ (Apg 3,23).

Sach 12,11–14 wird nicht geweissagt, dass die Bekehrung kollektiv geschieht. Nein, jede Familie klagt gesondert, auch die Frauen gesondert. Ab Pfingsten ist jeder aus Israel persönlich („gesondert“) aufgerufen, über seine Verwerfung des Messias Buße zu tun. In Sach 12 wird nicht verheißen, dass das gesamte Volk ohne Ausnahme Buße tun werde. Eine derartige Vorstellung würde der Aussage von Röm 9,27 widersprechen, dass nämlich „nur der Überrest“ gerettet wird.

 

7. Vorstellung des eigentlichen Autors 1,8

Nur hier spricht Gott selbst – dann erst wieder in 21,4–8. Inzwischen sitzt Gott ruhig und souverän auf seinem Thron.

 

„Ich bin das A und das O, Anfang und Ende, …“

Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des Alphabets. Auf Deutsch: „Ich bin das A und das Z.“ Im Hebräischen könnte dies dem Gottesnamen El Olam („der Gott der Vorzeit“ bzw. „der Gott der Ewigkeit“) gleichkommen

Wir dürfen uns fragen: Ist Gott das A und O in meinem Leben? Hat er das erste und das letzte Wort?

 

„spricht der Herr, …“

Im Hebräischen Adonai („mein Herr“, „mein Gebieter“)

 

„der, der ist und der war und der kommt, …“

Die hebräische Entsprechung könnte Jahweh sein: „er ist, der er ist“ bzw. „er wird sein, der er ist ‹und war› der Treue, ewig Seiende. Der, der immer dann zu Stelle ist, wenn man ihn anruft.

 

„der Machthaber über alles.“

Im Hebräischen El Schaddai

Hier kommen alle drei bekannten Gottesnamen vor: „der Herr“, „der, der ist und der war und der kommt“, „der Machthaber über alles“, Adonai, Jahweh und El Schaddai. (Ähnlich 19,6: „der Herr“, „Gott“, „der Machthaber über alles“)

In 4,8 kommen sogar vier Gottesnamen vor: Adonai, Elohim, El Schaddai und Jahweh: „der Herr“, „Gott“, „der Machthaber über alles“ „der, der war und der ist und der kommt“ (Ebenso 11,17: „der Herr“, „Gott“, „der Machthaber über alles“; „der, der ist und der war und der kommt“)

 

I. TEIL: GESICHT VOM MENSCHENSOHN – BOTSCHAFTEN AN SIEBEN GEMEINDEN 1,9–3,22
A. Das Gesicht vom Menschensohn 1,9–20
1. Die äußeren Umstände des Johannes 1,9
„Ich, Johannes, …“:
Der Verfasser stellt sich vor. Es ist der Jünger und Apostel Johannes. Ein Engel bezeichnet ihn als Mitknecht und Bruder der Propheten (22,9). Die altkirchliche Überlieferung wirft die Verfasserfrage gar nicht erst auf. Irenäus, Polykarp, Justin der Märtyrer, Eusebius, Origenes u. v. a. bezeugen die Autorschaft des Apostels Johannes.
„der auch euer Bruder ist, …“:
Wie demütig von Johannes! Der Apostel, der zu den „Säulen“ der Gemeinde in Jerusalem zählte (Gal 2), nennt sich einfach einen „Bruder“.
„und Mitteilhabender an der Bedrängnis …“:
Bedrängnis war es in der Tat:
Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis“;
1Thes 3,3: „damit niemand wankend gemacht werde in dieser Bedrängnis, denn ihr wisst selbst, dass wir dazu gesetzt sind, …“;
Apg 14,22: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Königreich Gottes eingehen.“;
2Tim 3,12: „Und auch alle, die in rechter Ehrfurcht leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“;
2Thes 1,4: „… wegen eurer Ausdauer und [eures] Glaubens in allen euren Verfolgungen und den Bedrängnissen, die ihr ertragt“
„und am Königreich Christi …“
Die Ausdrücke „Bedrängnis“ und „Königtum“ widersprechen sich nicht. Vom irdischen Standpunkt aus betrachtet, sind die Heiligen in Bedrängnis, vom himmlischen Ziel aus betrachtet, Mitteilhabende am Königtum Christi.
Jetzt Mitteilhaber an der Bedrängnis, dann Mitteilhaber am Königtum.
Vgl. Rm 8,17.18: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, ja, Erben Gottes und Miterben Christi, unter der Voraussetzung, dass wir mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden, denn ich rechne, dass die Leiden der jetzigen Zeit in keinem entsprechenden Gewicht sind im Verhältnis zur kommenden Herrlichkeit, die uns enthüllt werden soll.“
„… und am ausdauernden Erdulden in Christus Jesus, …“
Sie alle haben das Los, für Christi ausdauernd (standhaft) zu sein bzw. bei Christus zu verharren und auf ihn zu warten.
„Ich war auf der Insel, die Patmos genannt wird, wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses Jesu Christi.“
Patmos war eine kleine felsige, unbewohnte Insel mit vielen Höhlen und vulkanischen Hügeln, 55 km vor der südwestlichen Küste Kleinasiens entfernt. (34 km2, 15–16 km lang, 7–10 km lang. Zur Zeit des Johannes war die Insel möglicherweise eine Sträflingsinsel. (Heute zählt sie ca. 2700 Einwohner. Seit 1088 besteht dort das so genannte Johanneskloster.)

2. Die Vorstellung des Herrn und sein Auftrag an Johannes 1,10.11
„An dem Tage, der dem Herrn gehört, …“
Wörtl.: „Ich wurde im Geist an [dem o. einem] herrischen Tage (o.: Herrentage; dem Herrn gehörenden Tage)“
Andere übersetzen: „Ich wurde im Geist [versetzt] an den Tag des Herrn“
Es sind sich nicht alle einig, welchen Tag Johannes meint. Die meisten Ausleger denken an den Tag, an dem die Christen sich versammelten (Apg 20,7. Vgl. 1Kor 16,2.). Dadurch machten sie einen Unterschied zu den anderen sechs Wochentagen (1Mo 1; 2Mo 20; trotz Rm 14,5). Das würde bedeuten, dass Johannes die Gesichte an einem „ersten Tag der Woche“ erhielt.
Eine andere Auffassung ist, dass Johannes in den zukünftigen „Tag des Herrn“ versetzt wurde und sah, was am zukünftigen Tag des Herrn alles geschehen würde. Aber das passt weder grammatikalisch noch sachlich. „Ich war“ (egenomeen) bedeutet im Griechischen eigentlich: „Ich wurde“; „im Geist“ (en pneumati) kann nicht bedeuten „ich wurde in etwas hinein versetzt. Es kann auch nicht gemeint sein, dass Johannes im Geist den Tag des Herrn sah. Das widerspricht dem Wortlaut des Textes. „Ich wurde einer, der im Geist war am Herrentag“ bedeutet nicht, dass Johannes im Geist in die Zukunft versetzt wurde. Man kann nicht in einen zukünftigen „Tag“ hineinversetzt werden. Die Bibel kennt keine „Zeitreisen“ von Propheten. Außerdem ist der „Tag des Herrn“ nicht eine Zeitspanne, sondern ein Zeitpunkt. Es ist der Tag, an dem der Herr gleichsam „auf den Plan tritt“, der Tag, an dem er erscheint (Apg 2,20; vgl. Joel 3,4; 4,14.). Dieser Tag kommt „wie ein Dieb in der Nacht“ (1Thes 5,2; 2Petr 3,10). Im AT ist der „Tag Jahwehs“ der Tag, an dem Gott zum Gericht auftritt (Jes 13,6.9; Hes 13,5; 30,3; Joel 1,15; 2,1.11; Joel 3,4; 4,14; Am 5,18.20; Ob 15; Zef 1,7.14; Mal 3,23).

„wurde ich einer, der im Geist war.“
Ebenso 4,1 (Vgl. 17,3; 21,10.) Gott versetzte ihn in einen Zustand, sodass er „im Geist“ war, also in einen Zustand, in dem er nicht mehr nur im Verstand war. Das spricht von mehr als lediglich einem Erleuchtetwerden am Verstand; es spricht von einem übernatürlichen Eingreifen: der Heilige Geist nahm seinen Geist gleichsam mit in die unsichtbare Welt, sodass er Dinge sah und hörte, die er sonst nicht sehen und hören konnte. Vgl. Apg 22,17; Apg 12,11.
(Nb.: Der Theologe Theodor Zahn meint, das griech. en [in instrumental oder lokal] sei hier eventuell im Sinne eines eis [in im Sinne einer Richtungsangabe, also als Antwort auf die Frage „wohin“] aufzufassen. Zahn S 180, Anm. 3. Also im Sinne von: „ich wurde in einen Geist–Zustand versetzt“.)

„Und ich hörte hinter mir …“
Er stand mit dem Rücken zum Sprechenden.
„… eine große, ‹laute› Stimme wie die einer Posaune, …“
Die Stimme war nicht nur laut, sondern auch groß, mächtig, erhaben. Sie war die Stimme eines Großen.
„… die sagte: ‚Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte’, …“
Jesus Christus stellt sich vor als den Anfänger; er hat all dieses Neue begonnen und wird es alles zum Abschluss bringen. In ihm kommt das Heil zur Vollendung – und die Seinen kommen zur Vollendung mit und in ihm.
Vgl. Kol 1,15–18: … Erstgeborener der ganzen Schöpfung, …alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem; und alles besteht in ihm; 18 und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, der der Anfang ist, Erstgeborener von den Toten, damit er in allem der Erste würde“.

„… und: Was du siehst, schreibe in ein Buch (eigtl.: auf eine Buchrolle)“
Nur das Gesehene sollte er aufschreiben, nicht mehr; also keine eigene Deutungen.
„… und verschicke es an die Gemeinden, die in Asien sind, nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamos und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.“
Die sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asia, im heutigen Kleinasien, liegen fast im Kreis (bzw. in einem umgekehrtem „U“). Man konnte von einer Stadt zu anderen ziehen, genau in dieser Reihenfolge.

3. Die sieben Leuchter 1,12
V. 12: „Und ich wandte mich um, …“
Johannes musste sich also umdrehen, um zu sehen, wer da sprach. Man könnte sich die Fragen stellen, ob sein Blick in die falsche Richtung gerichtet war.

„… die Stimme zu sehen, die mit mir redete. Und als ich mich umgewandt hatte, sah ich sieben goldene Leuchter“
Sein Augenmerk fällt auf die Leuchter, nicht zuerst auf den inmitten der Leuchter Wandelnden.
Vielleicht war sein Blick sehr stark auf die Gemeinden mit ihren Problemen gerichtet; jedenfalls sah er den inmitten der Leuchter Wandelnden nicht gleich.
→ Wir lernen: Jeder Diener Christi darf sich die Frage stellen: Wo sind meine Gedanken vor allem? Bei den Gemeinden oder bei dem Haupt der Gemeinden?

„… sieben goldene Leuchter“: Gold, das wertvollste Edelmetall, steht in der Heiligen Schrift für den höchsten Wert: Gott hat den höchsten Wert. Obwohl keine der sieben Gemeinden vollkommen war, bei manchen sogar beträchtliche Mängel festzustellen waren, so waren sie doch „golden“; sie reflektierten (noch) die göttliche Art und Herkunft der Gemeinde.
In Off 21,10 ist der Glanz noch größer. Ihr Lichtglanz ist die Herrlichkeit Gottes. (Vgl. den Jaspis von 4,3 mit dem in 21,10.) Dort ist die Gemeinde der Erlösten noch mehr sein als ein Leuchter. Dort lässt die geschmückte Braut als „Stadt auf dem Berge“ (Mt 5,15) den Lichtglanz ihrer Lichtherrlichkeit ungehindert überallhin erstrahlen.

4. Der Menschensohn 1,13–16
V. 13: „und inmitten der sieben Leuchter einen gleich einem Sohn des Menschen, …“
Der erhöhte Menschensohn wandelte immitten der Leuchter, sie prüfend, sie reinigend, damit sie ihr Licht noch heller strahlen lassen können. (Auch heute ist dies so.)
Die Erscheinung des Menschensohnes erinnert an Dan 7,9.13.22. Johannes sieht ihn hier in seiner Funktion als Richter.
Das Gesicht wurde gegeben, um die Gemeinden Kleinasiens aufzurufen, zu ermutigen und sie auf die vor ihnen liegende große Prüfungs– und Bedrängniszeit vorzubereiten. Der erhöhte Herr zeigt ihnen seine Gottheit und Macht, und versichert sie seiner Gegenwart. Welch großer Trost! Inmitten aller Bedrängnisse würde Christus mitten unter den Gemeinden stehen, sie aufrechterhalten und stärken!

a. Sein Gewand und sein Gürtel
„… bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel.“
Kleider sagen etwas aus. Ein bis zu den Füßen reichenden Gewand spricht von hoher Würde. Die Heilige Schrift spricht von „heiligen Kleidern“ (3Mo 16,4). Der Priester trug eine Schärpe (einen Gürtel) um die Brust (2Mo 28,8) „aus Gold, blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus (feiner, weißer Leinwand)“. Die goldene Schärpe spricht von sehr hoher Würde. Ebenso gekleidet waren die sieben [himmlischen] Boten, die die sieben Plagen hatten (Off 15,6), ebenso auch der erhabene besondere Bote von Dan 10,5.6.

b. Sein Haupt und seine Augen
V. 14: „Sein Haupt und sein Haar waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, …“
Die helle, weiße Farbe spricht von absoluter Reinheit. Weißes Haar spricht von großer, reiner Weisheit. Das weiße Haupt will wahrscheinlich aussagen, dass in seinem Denken und Lenken nichts Unreines ist. Er hegt – auch als Richter – gute Gedanken.

„… und seine Augen wie eine Feuerflamme …“
Das Feuer reinigt, verzehrt die Schlacken. Sein durchdringender Blick deckt alles auf, was ihm nicht gefällt. (Vgl. 2,18; 19,12; Hebr 4,12.13.) Hab 1,13: „Du bist an Augen zu rein, dass du Bösem zusähst, der du auf Unheil zu blicken nicht vermagst.“
Er ist absolut rein von falschen Gedanken. Wenn er die Gemeinde „richtet“ (Off 2–3), dann nur zum Guten des Reiches Gottes.

c. Seine Füße
V. 15: „… und seine Füße gleich glänzendem Kupfer [o.: Messing], als glühten sie im Ofen, …“
Die ehernen (kupfernen, bronzenen) Füße glänzen wie im Ofen glühend und erinnern an den alttestamentlichen Brandopferaltar, wo Sünde „gerichtet“ wurde. Die ehernen (kupfernen, bronzenen) Pfannen der rebellischen Korachiter dienten als Überzug für den Brandopferaltar (4Mo 17,3). Gott hatte gesagt: „Die Räucherpfannen dieser Männer, die gegen ihre Seele gesündigt haben – man mache daraus breitgeschlagene Bleche zum Überzug für den Altar; denn sie haben sie vor Jahweh dargebracht, und so sind sie heilig. Und sie sollen den Söhnen Israels zum Zeichen sein.“ Man nahm die Räucherpfannen und schlug sie breit zum Überzug für den Altar „als Gedenkzeichen für die Söhne Israels, damit kein Unbefugter, der nicht von dem Samen Aarons ist, herzutrete, um Räucherwerk vor Jahweh zu räuchern, und es ihm nicht ergehe wie Korach und seiner Rotte – so wie Jahweh durch Mose zu ihm geredet hatte.“ (V. 5)
Der neutestamentliche „Brandopferaltar“ ist die Stätte, wo Gottes Gericht über die Sünde stattfand: Golgotha.
Mit den Füßen tritt der Menschensohn die Kelter des grimmigen Zornes Gottes (Off 14,20; 19,15; vgl. Jes 63,1–6.)
Der „Ofen“ spricht ebenfalls von Gericht. (Vgl. Jes 29,1.2; „Ariel“ bedeutet „Gottesherd“, Hes 43,15.)

d. Seine Stimme
„… und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser.“
Wuchtig, mächtig. Das spricht von der großen Autorität des Sprechenden. Dagegen kommt keine menschliche Stimme an. Dieselbe Stimme hört Johannes in Off 4,1. (Vgl. Hes 1,24; 43,2.) Auch andere Stimmen werden so beschrieben (Off 14,2; 19,6).

e. Seine rechte Hand
V. 16: „Und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, …“
Die rechte Hand ist die starke. Mit ihr trägt er die „Boten“ der Gemeinden.

f. Sein Mund
„… und aus seinem Munde ging hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert, …“
Das Wort aus seinem Mund schneidet tief ins Innere des Menschen, in die Seele und in den Geist. Hebr 4,12) „ … es fährt durch bis zur Teilung der Seele und auch des Geistes, der Gelenke und auch des Markes, und urteilt über Erwägungen und Vorstellungen des Herzens.“

g. Sein Angesicht
„und sein Gesicht war wie die Sonne, wenn sie leuchtet in ihrer Kraft.“
Man kann nicht hineinsehen, wird aber von ihm erleuchtet; es deckt alle Flecken auf. „Kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar: Es ist alles bloß und aufgedeckt für seine Augen; ihm [schulden] wir Rechenschaft.“ (Hebr 4,13)

5. Die Reaktion des Sehers und die Ermutigung durch den Herrn 1,17.18
V. 17: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter.“
Derselbe Johannes, der sich „der Jünger den Jesus liebte“ nannte, der auch an Jesu Brust gelegen hatte, fällt beim Anblick des erhöhten Richters ohnmächtig nieder.
„Und er legte seine rechte Hand auf mich“
Dieselbe Hand, die die sieben Boten hält, trägt, bewahrt, beschützt und stärkt, dieselbe Hand liegt nun zum Trost auf dem Apostel Johannes. Gleichzeitig. Er kann einerseits die sieben Boten in der Rechten tragen und zugleich seine Hand auf Johannes legen.
„… und sagte zu mir: ‚Fürchte dich nicht.’„
Furcht war schon angebracht und angemessen. Aber Furcht kann lähmen. Johannes sollte nicht bei der Furcht stehen bleiben, denn:
„‚Ich bin der Erste und der Letzte’„ V. 18: „und der Lebende. Ich war tot, und – siehe! – ich bin lebend – in ‹alle› Ewigkeit. Amen.“
Jesus Christus lebt und ist für das Leben! (Vgl. das häufige Vorkommen von „leben“ in 4,6–10; vgl. 5,14; 10,6; 15,7.)

„Und ich habe die Schlüssel des Hades (d. h.: des Bereiches der Toten) und des Todes.“
Er selber war in den Hades gegangen; aber der Tod und der Hades konnten ihn nicht halten. Der „Tod“ und der „Hades“ werden in der Off personifiziert und (wie z. B. in Hos 13,14) hier wahrscheinlich gleichgesetzt.
Warum gab es den Hades? – Wegen des Todes. Warum gab es Tod? – Wegen der Sünde. Warum gab es Sünde? Wegen des fleischlichen Zustandes des Menschen seit dem Fall. Der Mensch in seiner fleischlichen Schwachheit (Röm 7) konnte Gottes Gesetz nicht halten. Die Sünde ist der Stachel des Todes (1Kor 15,56).
Aber der Sieg kommt durch Jesus Christus. Wer Christus ablehnt, geht in den zweiten Tod, in einen Todeszustand, der nie endet (Off 20,14).

„… ich habe die Schlüssel“: Weil er die Schlüssel hat, wird er die Toten herausholen – zum Gericht (Off 20).

Außerhalb von Christus gibt es kein Leben. Das erste Buch der Bibel beginnt mit einem „Anfang“ und endet mit einem Sarg (1Mo 50), das letzte Buch der Bibel beginnt mit dem, der den Tod überwunden hat (Off 1,18), und endet mit einem neuen Anfang (Off 21 u. 22).

6. Die Wiederholung des Auftrags 1,19
V. 19: „Schreibe, was du gesehen hast, …“
– nämlich die eben beschriebene Erscheinung (V. 11–17)
„… was ist, …“
– nämlich Zustände und Ereignisse zur gegenwärtigen Zeit des Johannes (ca. 62/63 n. Chr.)

„… und was nach diesem zu geschehen im Begriff ist.“
– nämlich die Geschehnisse nach ca. 62/63 n. Chr.

„… im Begriff zu geschehen.“
Das „nach diesem“ wird in naher Zukunft (von Johannes aus betrachtet) stattfinden, nicht in 2000 Jahren.

7. Die Deutung der Sterne und der Leuchter 1,20
V. 20: „[Was] das Geheimnis der sieben Sterne [betrifft], derer, [die] du auf meiner Rechten sahst, und die sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind Boten der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.“
Wer sind die „Boten“? – Wenn im NT von „Boten“ (griech. aggeloi [ausgesprochen als angeloi], „Engel“) die Rede ist, sind nicht notwendigerweise immer himmlische Boten gemeint, sondern auch menschliche, z. B. Jak 2,25; Lk 7,24; 9,52.
Es kann sein, dass in Off 2 und 3 menschliche Boten gemeint sind. Dafür könnte Folgendes sprechen:
. Im Judentum wurden die Synagogenvorsteher „Boten“ (aggeloi) genannt.
. Jesus Christus hält diese Boten in seiner starken rechten Hand, d. h., er trägt sie. Von den Engeln heißt es in der Bibel sonst nie, dass er sie trägt; von Menschen schon: „vom Heiligen Geist getragen sprachen die heiligen Menschen Gottes“ (2Petr 1,21).
. Der Herr spricht sie direkt an, ruft sie zur Buße auf. Engel werden sonst in der Bibel nicht zur Buße aufgerufen.
. Die Botschaften richten sich direkt an die Boten. Der Inhalt der sieben Botschaften ist an die aggeloi adressiert, richtet sich aber gleichzeitig an die Gemeinden. Damit wird eine Verbindung der aggeloi mit den Gemeinden angezeigt. Es könnten mit diesem Begriff diejenigen gemeint sein, die für die Weitergabe der göttlichen Botschaft an die Gemeinde betraut waren, also die Hauptverantwortlichen für die Wortverkündigung. Es ist allerdings unsicher, ob es in jener Zeit in den Gemeinden jeweils nur einen einzigen Hirten bzw. Gemeindevorsteher gab. Oft ist es so, dass es solche gibt, die mehr Verantwortung tragen als andere.
Eine andere – durchaus denkbare – Möglichkeit ist die, dass die Boten repräsentativ für die Gemeinde als Ganze stehen, so wie der „Bote Jahwehs“ Jahweh repräsentiert. Demnach wäre der Engel der Gemeinde die Repräsentation der Gemeinde selbst. Wenn der Herr also den Engel/Boten anredet, redet er damit die Gemeinde an. Johannes soll ja an die Gemeinden schreiben (V. 11) nicht nur an deren Leiter. In 2,11 wird die Wegrückung des Leuchters des Boten angedroht, aber nicht der Bote allein wird im Falle der Unbußfertigkeit weggerückt, sondern der Leuchter der Gemeinde als gesamte. In dem Boten (Engel) wird die Gemeinde als eine Person angesprochen. (Ähnlich steht in Dan 10,13.20 und 12,3 der Bote (Engel) Michael für Israel, er ist der Bote des Gottesvolkes, er repräsentiert es.)

„und die sieben Leuchter, die du sahst, sind sieben Gemeinden.“
Es handelt sich um ein Gesicht, eine Vision. Das, was Johannes sieht, ist nicht eins zu eins zu übertragen. Das Bild von den sieben Leuchtern wird erklärt. Sie stellen die sieben Gemeinden dar. Die Zahl Sieben ist die Zahl der Fülle. Jeder, der ein Ohr hatte zu hören, sollte hören, was der Geist den Gemeinden sagte.

B. Diktat der sieben einleitenden Botschaften an die sieben Gemeinden K. 2 und 3
Allgemeines zu Off 2 und 3: In jeder Botschaft an die sieben Gemeinden finden wir einen Hinweis auf eine große nah bevorstehende Krise. In jeder einzelnen Botschaft gibt es Hinweise auf die zeitliche Nähe der Krise und des Kommens des Herrn:
An Ephesus: „Ich werde bald über dich kommen“ (Off 2,5). An Smyrna: „Du wirst Bedrängnis haben zehn Tage; sei treu bis zum Tod“ (2,10). An Pergamus: „Ich werde bald über dich kommen“ (2,12). An Thyatira: „Halte fest, bis ich komme“ (2,25). An Sardes: „Ich werde über dich kommen wie ein Dieb“ (3,3). An Philadelphia: „Ich werde dich bewahren vor der Stunde der Prüfung, die im Begriff ist, über den Erdkreis zu kommen; siehe, ich komme bald“ (3,11). An Laodizea: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe“ (3,20). Alle diese Warnungen bzw. Verheißungen hatten eine konkrete Bedeutung für jene Christen damals. Sie beziehen sich nicht auf etwas in ferner Zukunft; sie beziehen sich auf etwas, das zu ihrer Zeit eintreffen sollte.
Aus den sieben Botschaften erhält man den Eindruck, dass die Sache dringend ist und dass man keine Zeit zu verlieren hat. Überwinden bis zum Tod ist angesagt. Das Kommen des Herrn wird in diesen Botschaften als „nahe“ und „bald“ angekündigt (2,5.16.25; 3,4.10.11.16). Die Angesprochenen erwarteten nicht, dass sie lange leben und dann in hohem Alter irgendwann sterben würden.

1. An Ephesus 2,1–7
a. Adressierung und Selbstvorstellung 2,1
V. 1: „Dem Boten der Gemeinde in Ephesus schreibe: …“
Ephesus kommt von aphiemi., was entweder „verlassen“ bzw. „lassen“ bedeutet oder „trachten“ bzw. „begehren“.
Die Stadt Ephesus lag geografisch Patmos am nächsten. Sie war die Metropole Asiens, Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Sie lag am Schnittpunkt zweier Handelsstraßen, an der Nord–Süd– und der berühmten Ost–West–Verbindung. Sie war als Hafenstadt sehr reich; dort stand eines der sieben Weltwunder: der Artemistempel, der Tempel der Diana (Artemis), der griechischen Göttin der Jagd. Die Götzenverehrung, die Tempelprostitution, das Theater (mit 24 000 Sitzplätzen) und die große Bibliothek gaben der Stadt ihr Gepräge. Als der Philosoph Heraklit gefragt wurde, warum man ihn immer wieder weinen sehe, soll er geantwortet haben: „Weil die Epheser wankelmütig, abergläubisch und sittenlos sind; und weil ich inmitten eines solchen Sumpfes leben muss; und weil die Gemeinheit ihrer Tempelsitten schlimmer ist, als die der wilden Tiere. Die Epheser verdienen, ertränkt zu werden.“
Die Gemeinde in Ephesus
Paulus war auf seiner zweiten Missionsreise nur kurz dort (Apg 18,18, ca. 51 n. Chr.); Aquila und dessen Frau Priska evangelisierten und befestigten die entstandene Gemeinde. In Ephesus gab es eine Gruppe von Jüngern des Täufers (Apg 19,1–7), die zum Glauben kamen. Es waren da auch jüdische Beschwörer, die „Söhne des Skevas“, eines jüdischen Hohen Priesters, die böse Geister hatten (19,13). Überhaupt blühte der Aberglaube. Lukas berichtet (19,19): „Viele von denen, die vorwitzige ‹und fragwürdige Zauberkünste getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen. Und man rechnete ihren Wert zusammen und kam auf fünfzigtausend Silberdrachmen.“ Das Wort Gottes wuchs sehr und wurde stark (19,20).
Auf der zweiten Missionsreise verbrachte Paulus zwei bis drei Jahre lang dort (Apg 19,10, wahrscheinlich von Herbst 52 bis Frühjahr 55 n. Chr.; vgl. 20,31). Nach dem Aufstand der Silberschmiede (die für die „Göttin“ Diana wirkten, Apg 19,24ff) verließ Paulus die Gegend (20,1). Später auf der Rückkehr hielt er, ehe er weiterreiste, in Milet eine bedeutende Rede an die Ältesten von Ephesus (Apg 20,16–38). Von Rom aus schrieb er ca. 60 n. Ch. den „Brief an die Epheser“, der vermutlich (ähnlich wie die Offenbarung) ein Rundschreiben an die dortigen Gemeinden war. Später diente Timotheus dort (1Tm; ca. 62/63 n. Chr.). Als die Offenbarung geschrieben wurde, vielleicht 62/63 n. Chr., war die Gemeinde wahrscheinlich mehr als zehn Jahre alt. Ephesus heißt heute „Hagiasoluk“ (d. h.: der „heilige Gottesgelehrte“, ein Bezug auf Johannes).

Selbstvorstellung: 2,1
„Das sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, …“
Der Menschensohn wird in einem Charakter dargestellt, der dem Bedürfnis der Gemeinde entspricht. Er hält die Sterne (die Boten der Gemeinden) in seiner starken Hand, trägt sie, kennt sie, prüft, korrigiert und ermutigt sie.
„… der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt:“
Der Leuchter ist „goldenen“: Daraus kann man ableiten, dass die Gemeinde von Gott als höchst wertvoll betrachtet wird; sie ist teuer erkauft worden und nun bekleidet mit der göttlichen Gerechtigkeit Christi. Sie ist ein „Leuchter“, sie wird von ihrer Lichtquelle, Jesus Christus, aufrechterhalten und mit Licht genährt. Sie bekommt von ihm ihre Leuchtkraft nach außen und innen. Die Gemeinde hat die Verantwortung, das Licht Christi hinausleuchten zu lassen – durch klare Lehre und entsprechenden Lebenswandel der einzelnen Gläubigen (Mt 5,14; Phil 2,15.16), denn ihre Umgebung ist „Nacht“ (Rm 13,12). Christus „wandelt inmitten der Leuchter“, um sie zu versorgen (Öl nachzufüllen) und sie zu reinigen, sodass ihr Zeugnis weithin sichtbar wird. Die Gemeinde hat ein großes Potenzial, wenn sie die wachsame Fürsorge und bleibende aktive Gegenwart des Herrn Jesus in ihrer Mitte erkennt.

b. Anerkennung: 2,2.3
V. 2: „Ich weiß um deine Werke …“
Zur Form der V. 2 und 3: Die siebenfachen Werke von Eph (Schwere Arbeit – Ausdauer – Böses nicht ertragen – prüftest die falschen Apostel – Ertragen – Ausdauer – Schwere Arbeit) bilden – wie ein Leuchter (ein Mittelschaft mit je drei Armen zu seinen Seiten) – einen sieben–zeiligen Chiasmus:
. und deine Arbeit
. und deine Ausdauer
. und dass du Üble nicht ertragen kannst.
. Und du prüftest die, die behaupten, Apostel zu sein, und es nicht sind, und fandest, dass sie Lügner waren.
. Und du hast ertragen,
. und du hast Ausdauer,
. und wegen meines Namens hast du gearbeitet und bist nicht ermüdet gewesen.
In Ephesus ist eine reife Gemeinde. Der Herr kennt sie und liebt sie. Und er lobt sie.
„… und deine Arbeit“: Das Wort kann im Griech. „schwere Arbeit“ bedeuten. Das hatten die Epheser vielleicht von Paulus gelernt (Apg 19,10; 20,35).
„… und deine Ausdauer“: Wörtl.: „Darunterbleiben“. Die Christen von Ephesus hatten Ausdauer in all den Leiden, die sie von den von Juden (Apg 19,9; 20,18–19) zu erdulden hatten.
„… und dass du Üble nicht ertragen kannst.“ Das Üble ist in Ephesus das lehrhaft Falsche oder moralisch Böse.
„Und du prüftest die, die behaupten, Apostel zu sein, und es nicht sind, und fandst, dass sie Lügner waren.“
Apostel sind Sendboten Jesu Christi. Die hier erwähnten sind Lügner, falsche Apostel, die für sich in Anspruch nahmen, von Christus gesandt zu sein. Wer eine andere Lehre bringt als die des Christus, verkündet nicht die Wahrheit, ist ein „Lügner“ und „Irreführer“. So nannte Johannes in seinem Brief die jüdischen Falschlehrer (1Joh 2,21.27; 2Joh 1,7; Off 3,9; 22,15; vgl. auch Joh 8,44; 2Kor 11,13; 2Thes 2,9.11; 1Tim 4,1.2.)

V. 3: „Und du hast ertragen, und du hast Ausdauer, und wegen meines Namens hast du gearbeitet“
Die Epheser waren von Paulus unterwiesen worden, sich auf den „bösen Tag“ vorzubereiten (Eph 6,13). „Böse Tage“ waren u. a. jene, an denen sie zu „ertragen“ hatten. Der Abfall, der in „späteren Zeiten“ (1Tim 4,1) kommen sollte, war nun bereits, noch zur Zeit des Timotheus (2Tim 3,1–5).
Was Wort „gearbeitet“ beinhaltet Mühe; man könnte übersetzen: „schwer gearbeitet“
„… und bist nicht ermüdet gewesen.“
Müde zu werden bzw. zu ermatten ist keine Sünde und ist nicht zu tadeln. Aber Sünde ist es, wenn man nachlässt oder aufhört, dem Herrn zu dienen, sobald man müde geworden ist.

c. Tadel: 2,4
V. 4: „Jedoch habe ich gegen dich, dass du deine erste Liebe verließest.“
Dreimal in V. 2 und 3 hat der Herr die Ausdauer erwähnt. Er lobte sie dafür. Aber in der ersten Liebe hatten die Epheser keine Ausdauer. Die „erste Liebe“ ist die Brautliebe (Vgl. Jer 2,2: „Ich denke noch an die Zuneigung deiner Jugendzeit, an deine Brautliebe, als du mir nachgezogen bist in der Wüste …), die Liebe, bei der der Geliebte an erster Stelle steht. Es ist die Liebe, die den Herrn Jesus Christus vor alles stellt.
Die Liebe zu ihm führt uns zu schwerer Arbeit für ihn. Aber der hingegebene Christ muss Acht geben, dass nicht die viele Arbeit ihm die Zeit wegnimmt zum Pflegen der Liebesbeziehung. Mehr Arbeit für Christus führt nicht notwendigerweise zu mehr Liebe zu ihm. Die Arbeit kann vom Pflegen der Liebesbeziehung ablenken. – auch in der Ehe: Wenn sich der Ehepartner zu stark auf die Arbeit konzentriert, kann das Eigentliche der Ehe gefährdet werden, die Beziehung der Liebe. Die Liebe ist die Substanz einer Beziehung. Die Beziehung wird getragen und aufrechterhalten durch die Liebe. So ist die Liebe das Entscheidende. Daher wird in der ersten von den sieben Botschaften des Herrn an seine Gemeinden dieser wichtige Punkt angesprochen.

d. Anweisung mit Drohung: 2,5
V. 5: „Bedenke also, wovon du gefallen bist, und tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung) und tue die ersten Werke.“
Der Weg der Wiederherstellung heißt Buße, Sinnesänderung. Der Herr spricht von drei Schritten:
. „gedenke“: Gehe in dich; denke über die Sünden nach, die sich eingeschlichen haben; erkenne, wovon du gefallen bist.
. „… tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung)“: d. h., umdenken und die praktischen Konsequenzen daraus ziehen.
. „… tue die ersten Werke“: d. h., entsprechend handeln, konkrete Schritte unternehmen.

„Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald.“
Das Wort „bald“ (gr. tachü) kommt in der Off siebenmal vor (2,5.16; 3,11; 11,14; 22,7.12.20). Es bedeutet immer „zeitlich nahe“. Das Wort kann grundsätzlich zwar auch „schnell“ bedeuten, aber in der Off ist damit immer „zeitlich schnell“ i. S. v. „bald“ gemeint (nicht: „mit hoher Geschwindigkeit“), also in zeitlicher Nähe (vgl. 1,3; 22,10).

„Und ich werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.“
Trotz ihres großen und ausdauernden Einsatzes für die göttliche Wahrheit würde der Leuchter beim nahen Kommen Christi weggerückt werden. – Wenn es in Ephesus keinen Leuchter mehr gibt, gibt es dort kein Zeugnis Jesu mehr.

„… wenn du nicht Buße tust“: d. h., wenn du nicht deine Gesinnung änderst und entsprechend handelst. Wer nicht zur Liebe zu Christus zurückkehrt, läuft in die die falsche Richtung, auch wenn er noch Werke für Christus tut.

e. Lob 2,6
Erst Lob, dann Tadel, dann wieder Lob. So „sandwicht“ der Herr seinen speziellen Tadel durch ein doppeltes Lob. (Das ist ein gutes Vorbild dafür, wie man vorgehen soll, wenn man etwas zu beanstanden hat.)
„Jedoch, das hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hassest, …“
„Hassen“ ist ein Beziehungswort; es geht dabei nicht um Emotionen. Die Epheser „hassen“ (d. h.: vehement ablehnen, verabscheuen) das Sündige in Form von falscher Lehre und falschem Lebenswandel.

„… die auch ich hasse.“
Gott hasst Sünde (Spr 6,16–19), er lehnt sie vehement ab. „Die Furcht Jahwehs ist: das Böse hassen. Hoffart und Hochmut und den Weg des Bösen und den Mund der Verkehrtheit hasse ich“ (Spr 8,13).
Es gilt zu bedenken: Das zu hassen, was Christus hasst, ist nicht notwendigerweise ein Anzeichen von ungeteilter Liebe.
Man könnte sagen: Hass gegen das Böse hält sich länger als die erste Liebe zu Christus.
Andererseits ist auch wahr: Wer die erste Liebe zu Christus bewahrt, wird auch mehr und mehr das Böse hassen.

Was sind die „Werke der Nikolaiten“? Das Wort „Nikolaiten“ kommt aus dem Griechischen. Es könnte bedeuten: Besieger des Volkes.
Später spricht der Herr von der „Lehre der Nikolaiten“. „Werke“ führen oft zu einer „Lehre“. Und die Lehre der Nikolaiten scheint eine Neuauflage der „Lehre Bileams“ gewesen zu sein. Beide Wörter bedeuten im Wesen dasselbe: „Bileam“ (hebr./aram.) bed. „Herr über das Volk, Beherrscher des Volkes“. „Nikolaus“ (griech.) bed. „Überwinder des Volkes; Herr über das Volk“. – Falsche Lehre führt dazu, dass Gottes Volk von der Sünde überwunden wird.
Übrigens ist die Lehre „Isebels“ (2,20) ähnlich wie die der Nikolaiten bzw. wie die Lehre Bileams.
„Isebel“ steht für die jüdische Lehre, die Vermischung des Wahrhaftigen und Geistlichen mit dem Fleischlichen.

f. Aufforderung zum Hören
V. 7: „Wer ein Ohr hat, der höre, …“: Das Ohr ist das Tor zum Kopf, zum Denken. Nur eines genügt; doch Gott gab uns zwei, damit wir auch dann hören können, wenn eines ausfällt.
Ich darf mich fragen: Wohin neige ich mein Ohr? Worauf höre ich? (In Joh 18 heilte der Herr ein Ohr: Wenigstens einer sollte in jener Nacht hören können …)
„… was der Geist den Gemeinden sagt.“
Was sagt der Heilige Geist heute? Genau das, was er damals sagte; das, was Jesus Christus sagt. Wer den Heiligen Geist reden hören will, muss Gottes Wort lesen.
In Hebr 3,7.8 steht das Wort für „sagen“ in der Gegenwartsform: „Darum, so wie der Heilige Geist sagt: …“). Was Gottes Geist damals durch David sagte, sagte er auch zu den Hebräerchristen, tausend Jahre später.
Dasselbe sagt er heute. Das, was in der Bibel steht, sagt der Heilige Geist. Gegenwart! Der Heilige Geist sagt es immer noch. Der Heilige Geist leitete die Apostel damals in alle Wahrheit. Was sie damals sagten, sagte der Heilige Geist damals; und genau das sagt er auch heute.

g. Die Überwinderverheißung: 2,7
„Dem, der überwindet, …“
In Off 2 und 3 lesen wir sieben Mal vom Überwinden, ein achtes Mal in 21,8.
Was soll überwunden werden? Diese Frage wird nicht gleich beantwortet, da die K. 2 und 3 eine Einleitung zur Hauptbotschaft an die sieben Gemeinden (K. 4–22) sind. Später erfahren die Leser, dass der „Löwe aus dem Stamme Juda“ überwunden hat, sodass er in der Lage ist, das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen (5,5). Wie hat er überwunden? Indem er bereit war, alles zu verlieren; indem er treu war bis zum Tod und sein Leben hingab.
Und dann erfahren die Leser etwas über den Feind, den es zu überwinden gilt, den „Drachen“, „die alte Schlange, genannt Teufel und der Satan, der das ganze Weltreich in die Irre leitet“ (12,9). Es wird berichtet von einer Schar Heiliger, die „ihn überwanden kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses, und sie liebten nicht ihre Leben bis zum Tod“ (12,11). Und in 15,2 sieht Johannes „die Überwinder des Tieres“. Johannes sieht sie an einem „durchsichtigen Meer“ stehen, mit Harfen Gottes. Und sie singen „das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes“ (15,3). Diese Überwinder sind die „Heiligen“ von 13,7.10: „die die die Gebote Gottes halten und den Glauben an Jesus bewahren“ (14,12; vgl. 12,17). Der Feind ist der „Drache“ und das von ihm befähigte „Tier“. Die Heiligen überwinden Tier und Drachen dadurch, dass sie ihre „Gewänder“ „waschen“ und „weiß“ machen im Blut des „Lammes“ (7,14), und dadurch, dass sie Gottes Wort bewahren und Jesu Namen nicht verleugnen (3,8.10; vgl. 1,9; 6,9; 12,11.17; 20,4) und sich öffentlich auf die Seite Jesu Christi stellen. Das bedeutet für sie, dass sie „ihr Leben (w.: ihre „Seele“, ihr Eigenleben) nicht lieben bis zum Tod“ (12,11) und somit „dem Lamm folgen, wo immer es hingeht“ (14,4). Es handelt sich um Märtyrer, Zeugen, die treu sind bis zum Tod. (Vgl. Off 3,21 mit 12,5.11.)
Die Empfänger der Off standen vor der Wahl: Märtyrer oder Abfall!

„… werde ich zu essen geben“: „Essen“ schließt Gemeinschaft–Haben ein; die Gemeinschaft mit Christus ist eine Gemeinschaft in Liebe und im Licht. Ohne einen Wandel im Licht ist diese Gemeinschaft nicht möglich (1Joh 1,5.6; 2,5.15; 4,16). Im Tempel bzw. in der Stiftshütte, aßen die Priester die Schaubrote im Licht des goldenen Leuchters.

„… von dem Baum des Lebens, …“: Der „Baum des Lebens“ steht für die Freude und Frische.
Die Frucht des Lebensbaumes ist das Leben, Leben, das nicht vergeht. Der Begriff „Baum des Lebens“ steht im AT für erfüllte Freude, erfüllte Hoffnung:
Spr 11,30: „Die Frucht des Gerechten ist ein Baum des Lebens“;
13,12: „Lang hingezogenes Harren macht das Herz krank, aber ein eingetroffener Wunsch ist ein Baum des Lebens.“
15:4: „Lindigkeit der Zunge ist ein Baum des Lebens, aber Verkehrtheit in ihr ist eine Verwundung des Geistes.“
Die Weisheit ist „ein Baum des Lebens denen, die sie ergreifen, und wer sie festhält, ist selig“ (Spr 3,18).
Echte Liebe ist bereit, für den Geliebten zu sterben. Das treue Überwinden bis zum Tod wird belohnt mit der paradiesischen Freude des Essens vom „Baum des Lebens“. Die Freude dort gibt der Liebe Durchhaltevermögen hier.

„… der in der Mitte des Paradieses Gottes ist.“
„Paradies“ bedeutet „Wonnegarten“. Mit diesem Ausdruck, der an die Zustände von 1Mo 2 erinnern soll, werden die Freuden des Himmels (wovon Eden nur ein Schatten war) zusammengefasst. In Off 21 und 22, der Gartenstadt, die ein „Heiligtum“ ist, werden die ewigen Zustände des neuen Jerusalems dargestellt.

Lektionen aus Off 2,1–7:
Lehrmäßige Gesundheit und Hass gegen falsche Lehre allein genügt nicht. Die geistliche Schlacht wird nicht allein mit dem Festhalten an der gesunden Lehre entschieden, so wichtig das ist. Die treibende Kraft ist die erste Liebe zu Christus, die Liebe, die Christus an die erste Stelle im Leben stellt. Fehlt sie, fehlt auch das Überwinden.
Wenn jemand die Gemeinschaft mit Christus nicht pflegt, wird der Herr seinen Leuchter schließlich wegstoßen.
Wenn man die erste Liebe zum Herrn nicht pflegt, wird man unbrauchbar werden und die Leuchtkraft verlieren, auch wenn man in der Lehre klarsteht.

2. An Smyrna 2,8–11
a. Adressierung und Selbstvorstellung: 2,8
V. 8: „Dem Boten der Gemeinde in Smyrna schreibe:“
Der Name „Smyrna“ kommt von „Myrrhe“ und bedeutet „Bitterkeit“. Myrrhe ist zerriebenes Harz; es hat einen bitteren Geruch und diente zur Herstellung wertvoller wohlriechender Essenzen, auch als Beimischung zum heiligen Salböl (2Mo 30,23) verwendet.
Die Stadt Smyrna, 55 km nördlich von Ephesus gelegen, wurde im 7. Jhdt. v. Chr. völlig zerstört und im 3. Jhdt. neu aufgebaut. Sie war eine der wichtigsten Städte in Kleinasien und gehörte zu den reichsten Handelsstädten. Heute heißt sie „Izmir“ und ist mit ihrem größten Exporthafen die zweitgrößte Stadt der Türkei – nach Istanbul.
Die Gemeinde
Smyrna wurde von Ephesus aus evangelisiert (Apg 19,10). Die Gemeinde entstand wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 50er Jahre n. Chr. Zur Zeit der Abfassung der Off war sie 7–10 Jahre alt. In römischer Zeit wohnten dort viele Juden, die im Wirtschaftsleben großen Einfluss hatten.
Am 13. 2. 155 n. Chr. starb dort – nach 85 Jahren Dienst für Christus – der Älteste namens Polykarp in hohem Alter den Märtyrertod am Scheiterhaufen. Er hätte seinen Glauben abschwören sollen. Aber er antwortete: „85 Jahre diene ich ihm, und er hat mir nie etwas Böses getan; sollte ich ihm nun so etwas antun und ihn verleugnen?“

„Das sagt der Erste und der Letzte, …“: Nicht der römische Kaiser, sondern Christus ist der Erste und Letzte. Wir dürfen uns fragen: Ist er der Erste und der Letzte in meinem Leben? – Er soll beginnen können, er soll das Ziel bestimmen dürfen, er soll zu Ende führen können, und er soll alles dazwischen bestimmen können.
Als Johannes den Sohn des Menschen sah, fiel er zu seinen Füßen wie ein Toter (1,17). Doch der Herr legte seine rechte Hand auf ihn und sagte zu ihm: „Fürchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende. Ich war tot, und – siehe! – ich bin lebend – in ‹alle› Ewigkeit.“

„… der starb und wieder lebte“: Bei Christus hatte der Tod nicht das letzte Wort; ebenso bei den Seinen nicht. Christi Sieg über den Tod ist das Unterpfand und die Garantie für den Sieg der Christen von Smyrna.

b. Anerkennung: 2,9
„Ich weiß um deine Werke …“
Hier kommt nicht eine Aufzählung von Werken; aber es sind Werke vorhanden. Während man in Bedrängnis ist, muss man nicht aufhören mit Werken, mit dem Wirken für Gott, denn Gott hat in jeder Lage Werke für uns im Voraus bereitet, dass wir in ihnen wandeln sollen (Eph 2,10).

„… und deine Bedrängnis und deine Armut …“
Er kann mitfühlen. Er selber wurde arm unsertwegen, damit wir durch seine Armut reich würden (2Kor 8,9).

… – du bist aber reich – …“
Auch dann, wenn man uns unseren Besitz wegnehmen will, wollen wir nicht aufhören zu geben. Wir haben immer etwas zu geben.
Die Gemeinde der Smyrner war zwar äußerlich arm, aber in Christi Augen war sie reich: Sie besaß Schätze im Himmel (Mk 10,21), und sie war in Christus mit jeder geistlichen Segnung gesegnet in der Himmelswelt (Eph 1,3).
Von den sieben Gemeinden, an die sich der Brief richtet, werden nur Smyrna und Philadelphia nicht getadelt und nicht zur Buße aufgerufen; ihnen wird kein Gericht angedroht.

„… und die Verleumdung von Seiten derer, die von sich selbst sagen, sie seien Juden, und sind es nicht, sondern sie sind eine Synagoge des Satans.“
Christus kennt die Feinde der Seinen. Die Gemeinden von Smyrna und Philadelphia wurden von Menschen geplagt, die sagten, sie seien Juden; solche, die sich auf ihren äußerlichen Status als fleischliche Nachkommen Abrahams beriefen. Sie waren zu jener Zeit die erbittertsten Feinde des Evangeliums. (Vgl. Apg 12,1–3; 13,6.50; 14,2.5.19; 17,5; 18,6.12 ff; 19,23 ff; 20,3; 21,11.27 ff; 22,22ff; 23,20; 1Thes 2,14–16). Die Juden „nach dem Fleisch“ (Gal 4,29; vgl. „Israel nach dem Fleisch“, 1Kor 10,18.) beriefen sich auf ihr fleischliches „Geburtsrecht“ (Joh 8,33–41) und verachteten die aus dem Geist Geborenen, ebenso wie sie den aus dem Geist Geborenen, den Messias, verachteten. Sie rühmten sich ihrer äußerlichen Beschneidung und meinten, deswegen die wahren Glieder der Gemeinde (Versammlung; „Synagoge“) Jahwehs zu sein. „Ismael“, der nach dem Fleisch geborene Nachkomme Abrahams, verfolgte „Isaak“, den nach der Verheißung geborenen. Wie es zur Zeit des Apostels Paulus (Gal 4,21–31) war, so war es auch zur Zeit, als die Off geschrieben wurde.
Jesus sagte von jenen Juden, dass sie keine wahren „Juden“ waren. Paulus hatte bereits erklärt (Rm 2,28.29): Nicht der, der es äußerlich ist, ist Jude, und nicht die Beschneidung im Fleisch ist die wahre Beschneidung, sondern der, der es im Verborgenen ist, ist Jude, und die wahre Beschneidung ist die des Herzens, die Beschneidung im Geist, nicht die im Gesetz. Wie Nathanael (Joh 1,47) waren nur diejenigen die „wahrhaftigen Israeliten“ und wahrhaftigen Nachkommen Abrahams, die es durch den Glauben an Christus waren (Rm 4,16; 9,6–8; 9,27; Gal 3,27–29; Phil 3,1–4). Paulus nannte in Gal 6,16 die zu Christus bekehrten Galater „das Israel Gottes“. In der Off werden Unbekehrte nie mit einem spezifisch israelitischen Namen oder Titel bezeichnet.
Die Feinde werden „eine Synagoge des Satans“ genannt (2,9; 3,9), In Joh 8,44 nannte der Herr Jesus den Teufel ihren „Vater“. Aus der „Gemeinde Jahwehs“ (4Mo 16,3; 20,4; 27,17; 31,16; Jos 22,16.17; 1Ch 28,8; Mi 2,5) war – durch ihre Verwerfung des Messias – „eine Synagoge des Satans“ geworden.
Der „Satan“ (37–mal im NT) ist kein Eigenname, sondern eine Bezeichnung. Wenn das Wort für den Teufel verwendet, wird, steht das Wort im Griechischen fast immer mit dem bestimmten Artikel. Es kommt aus dem hebr. ha–satan (der Widersacher, der Gegner) und wurde direkt ins Griechische übernommen. Das andere im NT verwendete griechische Wort ist diabolos (38–mal in NT); es bedeutet „Teufel“ (eigtl.: „Widersacher, Gegner“; wörtl. „einer, der etwas dazwischenwirft“; es wird auch im Sinne von „Ankläger, Verleumder, Lästerer“ verwendet.

c. Ermutigung und Vorbereitung: 2,10A
„Fürchte nicht, was du zu leiden im Begriff bist.“
Das ist eine spezielle Warnung für eine spezielle Situation in naher Zukunft. Die Briefempfänger stehen vor einer besonderen Prüfungszeit:
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen Leiden fürchten. Aber Christus kennt die Leiden, die auf uns zukommen, nicht nur im Voraus, sondern er weiß auch, dass die Leiden ein Ende haben. Vom Blick des Jenseits her betrachtet, sind sie „leicht“. Paulus schrieb den Korinthern (2Kor 4,17.18): „… das schnell vorübergehende Leichte, unsere Bedrängnis, bewirkt im Übermaß bis zum Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit für uns, 18 die wir nicht auf das achten, was man sieht, sondern auf das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, aber das, was man nicht sieht, ewig.“ Petrus sagte bezüglich der Betrübnis und dem Leiden: „…, die ihr jetzt für eine geringe [Zeit], wenn es sein soll, betrübt wurdet in mancherlei Prüfungen“ (1Petr 1,6). „Aber der Gott aller Gnade, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus rief, er selbst mache euch, nachdem ihr für eine geringe [Zeit] gelitten habt, heil ‹und tüchtig›; er festige, stärke, gründe [euch].“ (5,9)

„Siehe, der Teufel …“: Diese Verfolgung kommt von dem Teufel, der eine eigene „Synagoge“ (V. 9) von Anhängern hat; von den Juden also.
„… ist daran, einige von euch ins Gefängnis zu werden, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet zehn Tage Bedrängnis haben.“
R. Bauckham (in: The Theology oft he Revelation) schreibt, es gab damals nur die Haft vor der Hinrichtung. Wenn Menschen damals ins Gefängnis kamen, war dies üblicherweise mit dem Ziel und Zweck der Hinrichtung. Jene Smyrner sollten also mit dem nahen Tod rechnen.
Die Smyrner standen ganz in der Linie ihrer Bestimmung. Es gehört zum Los der Heiligen, dass sie Bedrängnis haben. Johannes betrachtete sich selbst als „Mitteilhabenden an der Bedrängnis“ (Off 1,9). Paulus berichtete davon, dass wir „durch viele Bedrängnisse in das Königreich Gottes eingehen“ müssen (Apg 14,22); an die Thessalonicher schrieb er (1Thes 3,3.4), dass sie selbst wüssten, dass wir zu Bedrängnissen bestimmt sind: „… [damit] niemand wankend gemacht werde in dieser Bedrängnis, denn ihr wisst selbst, dass wir dazu gesetzt sind, denn auch als wir bei euch waren, sagten wir euch zuvor, dass wir Bedrängnis erfahren würden, so wie es auch geschehen ist, und ihr wisst es.“

Off 2,9 steht im Gegensatz zu 20,1ff. Hier wirft der Teufel die Heiligen für zehn Tage ins Gefängnis, dort wird er selbst ins Gefängnis geworfen, aber nicht nur zehn, sondern zehnmal zehn Mal zehn – nicht „Tage“, sondern Jahre (20,3). Und im Gegensatz zu dem Satan, der in Pergamus am Thron sitzt (2,13) werden in 20,4 die Heiligen dargestellt als die, die auf „Thronen“ sitzen. Der Spieß wird umgedreht.
Wir lernen: Man kann alles von zwei Seiten betrachten. Das hiesige Los der Überwinder ist es, zu leiden – aber kurz! Dort jedoch dürfen sie herrschen – sehr lange.

d. Anweisung: 2,10M
„Werde treu …“: „Werde“, sagt der Herr. Treu muss man „werden“. Das ist einem nicht angeboren, und man lernt es nicht im Schnellkurs. Wenn wir leiden müssen oder wenn uns um Christi willen Leiden bevorstehen, stehen wir in Gefahr, dass wir Kompromisse eingehen, um den Leiden auszuweichen oder sie abzukürzen. Der Herr weiß, die Smyrner könnten leicht untreu werden. Das Beispiel vom treuen Zeugen Antipas in Pergamon (V. 13) ist gewiss eine Ermutigung für sie, „treu bis zum Tod“ zu werden.

„bis zum Tod, …“: Im im Anschluss an die zehn Tage geprüfter Leiden kam die Hinrichtung. Zehn Tage hatten die Gefangenen Zeit, Christus abzuschwören.
Bei all den Seinen möchte der Herr diese Gesinnung sehen: die Bereitschaft, für ihn zu sterben. (Vgl. 1Petr 4,1: „Nachdem also Christus für uns am Fleisch litt, wappnet auch ihr euch mit der selben Denkweise …!“) Der Gedanke zieht sich durch und gehört zur Hauptbotschaft des gesamten Briefes. Vgl. 6,9–11; 7,14–17; 11,7; 12,11; 13,7.10.15; 14,4.12.13; 15,2; 18,24; 20,4.

e. Lohnverheißung: 2,10E
„Werde treu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone (o. den Kranz) des Lebens geben.“
Gott prüft die Treue. Er stellt den Überwindern eine große Belohnung in Aussicht. Vgl. Jak 1,12: „Ein Seliger ist der Mann, der in der Prüfung Ausdauer bewahrt, weil er, nachdem er sich bewährt hat, die Krone des Lebens empfangen wird, die der Herr denen verhieß, die ihn lieben.“
Man könnte den Wesfall auch im Sinne der Gleichsetzung auffassen und übersetzen: „und ich werde dir die Krone geben, nämlich das Leben“. Das ewige, zukünftige Leben in der Herrlichkeit ist die Krone, die krönende Belohnung. Wer bis zum Tod treu bleibt, wird als Krone das ewige Leben erhalten. Belohnung fürs Durchhalten hat nichts mit Werksgerechtigkeit zu tun.
In der Verfolgung untreu zu werden ist eine reale Gefahr für Jesu Gemeinde – mit ewigen Konsequenzen.
Der Herr fordert die Heiligen auf zu wählen: entweder dem geliebten Herrn treu bleiben oder ihn verleugnen und schließlich das Ziel verfehlen. Die Gläubigen werden nicht aufgerufen, Helden zu sein, sondern sich an den Herrn zu klammern und da zu verharren, auch wenn die Lage schwer wird. Die Bibel ist kein Buch von Heldengeschichten. David, beispielsweise, war kein Held; die Heilige Schrift ist realistisch und beschreibt auch seine Sünden. Auch die in Hebr 11 Erwähnten sind nicht „Helden“; sie sind Zeugen (Hebr 11,2; 12,2).

f. Aufforderung zum Hören 2,11
„Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“
Was sagt ihnen der Geist? – Genau das, was ihnen der Herr Jesus sagt. So ist es auch heute: Der Geist sagt uns genau das, was er damals den Gemeinden sagte. Aus diesem Grund erforschen wir die Heiligen Schriften.

g. Überwinderverheißung 2,11
„Dem, der überwindet, wird keinesfalls von dem zweiten Tod Schaden zugefügt werden.“
Der erste Tod ist der physische. An dem Tag, an dem Adam sündigte, starb er. Der Tod zog ein. Sein Leib begann zu sterben. Vgl. Rm 8,10 mit V. 11. Der Leib wurde von der Sünde in Mitleidenschaft gezogen und die abbauenden Kräfte setzten ein. Paulus sagt, was unseren Leib betrifft, „wirkt der Tod in uns“ (2Kor 4,12). Der zweite Tod ist „der Feuersee“ (Off 20,14), die ewige Trennung von Gott.
V. 11 impliziert, dass die Möglichkeit besteht, nicht zu überwinden. Die Gemeinde der Smyrner bestand aus Menschen, die Jesus Christus gehörten. Der Herr macht deutlich: Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten: Entweder man überwindet („treu bis zum Tod“) oder man wendet sich von Christus ab.

3. An Pergamus 2,12–17
a. Adressierung und Selbstvorstellung 2,12
„Dem Boten der Gemeinde in Pergamos schreibe:“
Der Name Pergamus kommt von purgos (Turm, Hochburg). Pergamus war eine Hochburg des Feindes. Die Stadt Pergamus (heute heißt sie Bergama) lag etwa 80 km nördlich von Smyrna. Sie war ein religiöses Zentrum. Dort stand ein Zeusaltar und ein Tempel des Aesklepios Soter, des Heil–Gottes Aeskularp (ein Schlangengott; heute noch das Symbol der Mediziner).
Im Jahr 29 v. Chr. stand dort einer der ersten Tempel des Kaiserkults, der Tempel der Göttin Roma und des Augustus. So wurde Pergamus der asiatische Mittelpunkt des römischen Kaiserkults. Symbol des Kaiserkultes in Pergamus war das Schwert.
Die Stadt war auch ein wirtschaftliches Zentrum. Sie wurde sehr berühmt durch die Herstellung von „Pergament“ (Schreibmaterial aus Tierhäuten, das hier ab dem 2. Jhdt. v. Chr. stark gefördert wurde. Pergamus war auch ein kulturelles Zentrum. Die Stadt besaß eine große Bibliothek und war stolz auf ihre Bildung.
„Dieses sagt, der das scharfe zweischneidige Schwert hat.“
Das „Schwert“ ist ein Tötungsinstrument. Bileams Eselin sah den Boten Jahwehs mit seinem gezückten Schwert in seiner Hand auf dem Weg stehen. (4Mo 22,23; vgl. Jos 5,13) Bileam sagte zur Eselin: „Wäre ein Schwert in meiner Hand, würde ich dich jetzt töten!“ (4Mo 22,29) Danach sah Bileam den Boten Jahwehs mit seinem gezückten Schwert in seiner Hand am Weg stehen. (4Mo 22,31). – Das zweischneidige Schwert steht für das Wort Gottes. Das Schwert Gottes bedeutet Heil für die einen, Strafe für die anderen.
b. Anerkennung: 2,13
„Ich weiß um deine Werke und wo du wohnst, da wo der Thron des Satans ist“.
Die Betonung liegt auf dem „Wohnen“ der Gemeinde. Das Wort für „wohnen“ (griech. katoikein) bedeutet, „sich fest ansässig machen“. Der Satan wohnte und thronte in Pergamus. Er war in starkem Maße wirksam, konnte dort viele regieren. Der Satan war der Vater der Juden (Joh 8,44).
In Ephesus gab es Juden, die behaupten, Apostel (Gesandte Gottes) zu sein, die es aber nicht waren, sondern sie waren Lügner (Off 2,2). Die Juden leugneten, dass Jesus der Messias war. Johannes schrieb: „Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Gesalbte (d. h.: der Messias) ist? Der ist der Antichristus, der den Vater und den Sohn leugnet.“ (1Joh 2:22). Der Satan war „der Vater der Lüge“ (Joh 8,44).
In Smyrna hatte der Satan eine „Syngoge“ von Juden, die aber in den Augen des Herrn keine Juden waren (2,9).
In Philadelphia ebenfalls: „Siehe: Ich gebe aus der Synagoge des Satans die, die von sich selbst sagen, sie seien Juden, und sie sind es nicht, sondern sie lügen“ (Off 3,9).
Die Juden werden in der Off als „Lügner“ bezeichnet: „Aber den Feiglingen und Ungläubigen und Gräulichen und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Teil im See sein, der mit Feuer und Schwefel brennt. Das ist der zweite Tod.“ (Off 21,8). „Draußen sind die Hunde, die Zauberer, die Unzüchtigen, die Mörder, die Götzendiener und jeder, der Lüge lieb hat und übt.“ (Off 22,15)
Die Juden heißen in der Off auch „Götzendiener“ und „Unzüchtige“: „Und die übrigen der Menschen, die nicht durch diese Plagen getötet wurden, taten nicht Buße über die Werke ihrer Hände, dass sie nicht huldigten den Dämonen und den goldenen und den silbernen und den ehernen und den steinernen und den hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können. Und sie taten nicht Buße über ihre Mordtaten noch über ihre Zaubereien noch über ihre Unzuchtstaten noch über ihre Diebstähle.“ (Off 9,20.21; vgl. Off 17 und 18.)
„und du hältst fest an meinem Namen, und du verleugnetest nicht meinen Glauben, …“
Die Gemeinde in Pergamus hielt an Jesus, dem Gesalbten, fest – im Gegensatz zu den Juden.
Johannes hatte geschrieben (1Joh 2,21–24): „Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht wüsstet, sondern weil ihr sie wisst und weil jede Lüge nicht aus der Wahrheit ist. Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Gesalbte ist? Der ist der Antichristus, der den Vater und den Sohn leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht. Ihr also, das, was ihr von Anfang hörtet, bleibe in euch. Wenn das in euch bleibt, was ihr von Anfang hörtet, werdet auch ihr in dem Sohn und in dem Vater bleiben.“
„… auch nicht in den Tagen, in denen Antipas mein treuer Zeuge war, der bei euch getötet wurde, da, wo der Satan wohnt.“
Was Christus für Gott war („der treuer Zeuge“, 3,14), war Antipas für Christus: ein treuer martys (Zeuge). Antipas hatte das getan, was der Herr Jesus Christus den Smyrnern ans Herz gelegt hatte (2,10): Er war treu geworden bis zum Tod.
c. Tadel: 2,14–15
„Ich habe jedoch Weniges gegen dich: Du hast dort [solche], die an der Lehre Bileams festhalten, der bei Balak lehrte, einen Anlass ‹zum Stolpern und Fallen› vor die Söhne Israels zu werfen, ‹um› Götzenopfer zu essen und Unzucht zu begehen. In dieser Weise hast du, auch du, ‹solche, die› an der Lehre der Nikolaiten festhalten, was ich hasse.“
Das Götzenopferfleischessen kann hier nicht im buchstäblichen Sinne gemeint sein; denn Götzenopferfleischessen an sich war nicht verboten (1Kor 10,23–31), aber man sollte in der Anfangszeit aus Rücksicht auf die jüdischen Gläubigen darauf verzichten (1Kor 10,28; 8,7–13; Röm 14,14–23).
Auch das „Unzucht–Begehen“ kann hier nicht im buchstäblichen Sinne gemeint sein; dass Christen nicht Unzucht begehen sollten, musste nicht betont werden und sollte den Heiligen inzwischen klar gewesen sein:
Der 2Petrusbrief war an Gemeinden aus derselben Gegend gerichtet. (Vgl. 1Pe 1,2.) Die falschen Lehrer dort wandelten nach dem Fleisch und verführten ungefestigte Seelen (2,14.15); sie folgten dem Weg Bileams (2Pe 2,15; vgl. Off 2,14; Jud 7–14). Diese „fleischlichen“ Irrlehrer bewegten sich in den Kreisen der Heiligen (2Pe 2,13). Die Reinheit der Lehre Christi stand auf dem Spiel. In Judasbrief (V. 18) könnten die Spötter ebenfalls solche Judaisten gewesen sein. Jedenfalls bezieht sich Judas und Petrus auf die Zeit der „letzten Tage“ des sinaitischen Tempelära, also auf die Zeit knapp vor 70 n. Chr.
Was war die „Lehre Bileams? Balak, König von Moab, hatte ein Problem: Israel lagerte in der Wüste und er fühlte sich bedroht. Die Frage war: Wie werde ich dem Volk Gottes Herr? Bileam (dessen Name „Herr über das Volk“ bedeutet) war ein gemieteter Prophet, der die Kinder Israel verfluchen sollte. Es gelang nicht, weil Gottes Volk gesegnet war. Daraufhin gab Bileam dem moabitischen König Balak einen Rat, wie man dem Volk Gottes Herr wird: Du musst das Volk Gottes zum Sündigen verführen, sodass es von seinem Gott nicht mehr gesegnet, sondern verflucht wird. Das war der „Rat“ Bileams, die „Lehre“ Bileams. Vgl. 4Mo 31,16.
Pergamon hatte der harten Versuchung widerstanden (V. 13), war aber der weichen Verführung erlegen (V. 14): Ergebnis: Verbindung mit dem fleischlichen Judentum.
Bileam war irdisch–fleischlich gesinnt, machte Geld mit seinem Gottesdienst, ließ sich mieten. So wurde Bileam durch seine Verbindung mit der „Welt“ zum Feind des Volkes Gottes, obwohl Gottes Worte aus seinem Munde kamen. Es war damals sehr verführerisch für Gottes Volk, wenn falsche Lehre mit Gottes Wort im Munde fleischliche Religion predigten!
Hurerei (Unzucht) ist daher hier im übertragenen Sinne zu verstehen. Es geht um einen geistlichen Ehebruch. Näheres über diese Unzucht erfahren wir dann in Off 17 und 18. (Vgl. Jak 4:4: „Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft [mit] der Welt Feindschaft [gegen] Gott ist? Wer immer also ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes hin.“ 1Joh 2:15: „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters [und die Liebe zum Vater] nicht in ihm.“
Die Welt hat viele Gesichter. Am gefährlichsten ist sie, wenn sie im religiösen Gewand kommt.

Off 2,15: „Auf diese Weise hast du, auch du, solche, die an der Lehre der Nikolaiten festhalten.“
„Auf diese Weise“, d. h., indem sie „die Lehre Bileams“ festhielten, hielten sie „die Lehre der Nikolaiten“ fest.
Die „Lehre der Nikolaiten“ scheint eine Neuauflage der „Lehre Bileams“ gewesen zu sein.
Bei beiden Lehren geht es darum, wie man das Volk Gottes überwinden kann.
Beide Wörter bedeuten dasselbe: Bileam (hebr./aram.) bed. „Herr über das Volk, Beherrscher des Volkes“; Nikolaiten (griech.) bed. „Überwinder des Volkes“.
Die falschen Lehrer in Pergamon begingen den Irrtum des Bileam (2Petr 2,15; Jud 11; Off 2,14) und die Gemeinde von Pergamon stand in der Gefahr, dem Rat Bileams zu folgen. Der „Irrtum Bileams“ ist mit der „Lehre der Nikolaiten“ eng verbunden (Off 2,6.15).
Offensichtlich gab es solche, die die Identität und das Heil des wahren Volkes Gottes dadurch bedrohten, dass sie den Christen den Rat gaben, sich mit der judaistischen Welt zu vermengen. Es geht um geistliche Hurerei (Jak 4,4; 1Joh 2,15–17; Off 17 und 18) und Befleckung (Vgl. 2Kor 6,14– 7,1; Tit 1,15; 2Petr 2,20; Jud 23; Off 21,8; Vgl. 2Kor 11,2 und Off 14,4). Vermischung mit dem fleischlichen Judentum wäre für Gottes Volk fatal gewesen. Die Heiligen von Pergamon hätten sich auf diese Weise mit der Welt vermengt und ihre Identität als wahres Volk Gottes – und damit ihr himmlisches Erbe – verloren, ebenso wie Israel sein Erbe verloren hätte, wenn es sich damals zurzeit Bileams auf der Wüstenwanderung mit Moab vermischt hätte.
d. Anweisung 2,16
V. 16: „Tue also Buße (o.: Ändere deine Gesinnung; denke um und handle entsprechend).
e. Gerichtsandrohung 2,16M
Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald, und ich werde Krieg mit ihnen führen mit dem ‹heftigen› Schwert meines Mundes.“
Auch hier das Kommen des Herrn ein baldiges, nahes. Gerichtet ist diese Botschaft an die Briefempfänger des ersten Jahrhunderts. Wer behauptet, er kam damals nicht, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, der Herr hätte in dem Fall die damaligen Gemeinden getäuscht.
f. Aufforderung zum Hören 2,17
V. 17: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ – Einzelne werden aufgerufen, zu hören und (des Herrn Wort) zu beherzigen und zu befolgen.
g. Überwinderverheißung 2,17M
V. 17: „Dem, der überwindet, werde ich zu essen geben von dem verborgenen Manna.
Das Manna hatte das Volk Israel in der Wüste physisch am Leben erhalten. Zur Erinnerung an diese Lebenserhaltung in der Wüste wurde ein Gomer voll Manna im Heiligtum verborgen und dort aufbewahrt. Es war ein Typus auf das wahrhaftige Manna, das aus dem Himmel herabkam (Joh 6,47–58). Dieses Manna war dem natürlichen Menschen verborgen. 40 Jahre, immer frisch, am Morgen. Das „Manna“ ist ein Bild auf Christus, der die tägliche Nahrung der Heiligen ist während ihrer „Wüstenwanderung“ (vgl. Off 12,14ff.).
Christus ist ein „verborgenes“ Manna, den Gläubigen verborgen, aber ihre tägliche Nahrung!
Kol 3,3: „… denn ihr starbt, und euer Leben ist verborgen worden zusammen mit Christus in Gott.“

V. 17Ende: „Und ich werde ihm einen kleinen weißen Stein geben, und auf dem Stein wird ein neuer Name geschrieben sein, …“
Wenn zwei eine Freundschaft geloben, wird ein weißer Stein gespalten; auf beide Teile schreiben ein jeder seinen Namen. Der Stein wird dann ausgetauscht als Zeichen der Verbundenheit.
Der Herr will seiner geliebten Braut den Stein der Freundschaft geben.
„… ein neuer Name, den niemand kennt, außer dem, der ihn empfängt“: Christus wird in einer ganz persönlichen und besonderen Weise gekannt und genossen von jedem einzelnen: eine enge Gemeinschaft der Liebe, eine Freude, an der kein Dritter teilhat.

4. An Thyatira 2,18–29
a. Adressierung und Selbstvorstellung: 2,18
„Dem Boten der Gemeinde in Thyatira schreibe:
Die Deutung des Namens ist unsicher: Opfertor; die Opfernde; die Weihrauchspendende; Tochterstadt.
Die Stadt Thyatira: 80 km nordöstlich von Smyrna, östlich von Pergamus; reiche Stadt; ein Zentrum von zahlreichen Handelswaren. Bes.: Purpurhandel (Lydia war eine Purpurkrämerin aus Thyatira, d.h., eine überseeische Handelsreisende eines Purpurfabrikanten aus Thyatira; Apg 16,14).

„Dem Boten der Gemeinde in Thyatira schreibe: Dieses sagt der Sohn Gottes, der seine Augen hat, wie eine Feuerflamme, …“
„Dieses sagt der Sohn Gottes, …“: Nur einmal wird Jesus Christus in der Off „Sohn Gottes“ genannt: Hier.
„… der seine Augen hat, wie eine Feuerflamme, …“
Diese Augen durchschauen alles, decken auf, reinigen, sind verzehrend wie Feuer. Der Herr läutert, verzehrt das Böse (Hab 1,13), doch seine Augen bleiben rein beim Ausüben von Gericht.
„… und seine Füße sind gleich glänzendem Kupfer“:
Messing (bzw. Kupfer) steht für die richtende Gerechtigkeit. Die „Füße“ sind die eines Keltertreters. Der Herr ist standhaft, beharrlich im Gericht über den Unbußfertigen.

b. Anerkennung: 2,19
V. 19: „Ich weiß um deine Werke und deine Liebe …“
Wie tröstlich. Es ist gut, dieses zu wissen, dass er weiß, wie sehr ihn die Treuen lieben. Wir lernen: Wo Liebe ist, da steht es gut um die Gemeinde.
„… und deinen Dienst“:
zu Hause in der Familie, in der Fürbitte, im Helfen, im Bezeugen, im Verkünden.
Er bestimmt den Umfang unseres Dienstes für ihn, und er setzt die Grenzen (durch unsere physische Kraft und Gesundheit, durch die Gegebenheiten in der Familie, durch offene bzw. geschlossene Türen, durch die materiellen Mittel, die er uns gibt. Auch die Motive unseres Dienstes kennt er
„… und deinen Glauben“ (Rm 15,13: „Aber der Gott der Hoffnung fülle euch, auf [euer] Glauben hin, mit aller Freude und [allem] Frieden …“)
„… und deine Ausdauer“ in der Liebe, i deine Ausdauer m Dienst, i deine Ausdauer m Vertrauen.
„… und ich weiß, dass deine letzten Werke mehr sind als deine ersten.“
– dein Wachstum in der Liebe, dein Fortschreiten im Dienst und im Vertrauen. Er weiß auch, dass alles Wachstum letztlich von ihm kommt. Er weiß auch, dass du von seiner liebenden „Wärme“ und seinem Licht und seiner Nahrung lebst. Er konnte dir auf diese Weise Gedeihen schenken.
5 mal werden hier „Werke“ erwähnt. Der Herr anerkennt alles, was von ihm selbst ist. Was Jesus, der Herr, gewirkt hat, das zählt – und nur das bleibt.

c. Tadel: 2,20.21
V. 20: „Jedoch habe ich Weniges gegen dich: Du lässt gewähren die Frau Isebel, die sich eine Prophetin nennt, [du lässt sie gewähren,] meine Knechte zu lehren und sie in die Irre zu führen, [nämlich:] Unzucht zu begehen und Götzenopferfleisch zu essen.“ Vgl. 1Kön 16,30–33.
Isebel (bed.: „Nicht–Wohnung“) hat aufgehört, die Wohnung Gottes zu sein.
. Isebel hat begonnen zu „lehren“.
Isebel steht für die damaligen Juden, die sich in die Gemeinden mischten.
Isebel nennt sich eine „Prophetin“, obwohl sie eine Falschprophetin ist. Sie gibt vor, Gottes Worte zu sprechen (wie die Juden es damals vorgaben). Und so manche aus dem Volk Gottes in Thyatira hören auf sie, wie viele Christen damals, die sich irreleiten ließen und in Gefahr standen, geistliche „Unzucht“ zu begehen.

Parallelen zwischen Isebel und der Hure von Off 17–18:
Sie verfolgte Gottes Knechte (1Kön 18,4; 19,2): Off 17,6; 18,24; 19,2.
Sie zieht Gold/Geld den Menschenseelen vor (1Kön 21): Off 18,12.13.
Sie treibt Zauberei (2Kö 9,22): Off 18,23!
Sie ist eine Hure (2Kön 9,22), sie ist durch ihre Verwerfung des Messias zur Unzüchtigen geworden zur Hure. Off 18,3.
Sie ist durch ihre Verwerfung Jahwehs zur Götzenanbeterin geworden – wie die Hure des Messias zur Götzendienerin geworden.
Sie verführt zum Götzenopferfleisch–Essen: Der jüdische Gottesdienst war durch die Verwerfung des Messias zum Götzendienst geworden. Isebel (1Kön 16,31; 18,18) pflegt Gemeinschaft mit den Götzen. Off 2,20 // 9,20; 16,9; vgl. 16,2.19.
Sie ernährt und unterstützt die Falschpriester und Falschpropheten (Off 17,1.2; 16,13; 19,20).
Die Bewohner des Landes sind verführt und geistlich verwirrt; sie sehen nicht, wer Gott ist. 1Kön 18,18 ff: Die Bewohner des Landes sind trunken vom Wein ihrer Unzucht Off 17,2
Sie ist reich und dennoch unersättlich, voll Gräuel 1Kön 21; Off 17,4.
Geld steht an erster Stelle, Menschenseelen an letzter. 18,12–13
Mutter von der gräuelvollen Frau Atalja 2Kön 11,1; 2.Chr 22,2–3; 24,7 Atalja= Frau des Joram von Juda, Joram war Schwiegersohn des Ahab; Atalja war daher eine Tochter Ahabs; durch sie kam der Baalsdienst nach Juda. // Hure: Mutter aller Huren und aller Gräuel 17,5; voll Sünden 18,5
→ Isebel steht für das ungläubige Israel bzw. für die Judaisten, die in Gottes Volk Einzug gehalten und unter einer Reihe von Christus–Gläubigen sogar die Führung übernommen haben.
Es gab damals einen Überrest von Treuen (1Kön 18) // Die wenigen Treuen werden angesprochen. Zuletzt ist die Botschaft: „Geht hinaus von ihr!“ Off 18,4.
Ihr Ende ist öffentlich und schrecklich, 2Kön 9,31–37 // Off 17,16; 18,5–8.20.
Der Name „Isebel“ bedeutet „Nicht-Wohnung“. Sie war keine Wohnung Gottes, wie das abgefallene Israel nicht mehr die wahre Bleibestätte für das Gottesvolk war.
Daher fordert der Herr von den Seinen, sich schleunigst von Isebel abzusondern:

V. 21: „Und ich gab ihr Zeit, damit sie Buße tue, und sie will nicht Buße tun.“ – Sie wurde in der Vergangenheit zur Buße aufgerufen, will aber nicht Buße tun. Vgl. Off 16,11: „…und sie taten nicht Buße über ihre Werke.“

d. Gerichtsandrohung: 2,22.23
V. 22: „Siehe, ich werfe sie in ein Bett und die, die Ehebruch mit ihr begehen, …“, vgl. den geistlichen Ehebruch der jüdischen Christen in Jak 4,4.
V. 22M.23A: „… in große Bedrängnis, wenn sie nicht Buße tun von ihren Werken; 23 und ihre Kinder werde ich töten mit Tod. Und alle Gemeinden werden darüber in Kenntnis sein, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht.“
Vgl. Hebr 4,13; Ps 139,23f.; 7,10; Jer 11,20; 17,10.

V. 23E: „Und ich werde jedem von euch nach Werken geben.“
Jedes Gericht ist „nach Werken“ (Rm 2,6), auch das Gericht vor dem Richterstuhl Christi: „… denn wir müssen alle offenbar gemacht werden vor dem Richterstuhl des Christus, damit ein jeder das ‹als Ertrag› erhalte, wohin sein Tun im Leibe führte, es sei Gutes oder Schlechtes.“ (2Kor 5,10).

e. Trostwort an die „Übrigen“: 2,24.25
V. 24: „Euch aber sage ich, den übrigen, die in Thyatira sind, so viele diese Lehre nicht haben, die die Tiefen des Satans, wie sie sagen, nicht [er]kannten: Ich lege keine andere Last auf euch;“
„Tiefen des Satans“: Zur Zeit Isebels wurden in der israelitischen Geschichte des AT die tiefsten Tiefen der Sünde (und des Satans) erreicht.
„… nicht kannten“: Das Wort für „kennen; erkennen“ bed. „enge Gemeinschaft haben“. Der Begriff wird auch für den geschlechtlichen Umgang verwendet (z. B. 1Mo 4,1).

V. 25 „… nur, was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.“
Was ist es, das sie festhalten sollen? – Das, was sie haben: den Herrn Jesus Christus, die Liebe zum Herrn, die Werke der Liebe, das Wort Gottes, die gesunde Lehre – verbunden mit Heiligkeit und Liebe.

„… bis ich komme“:
Der Herr spricht zur Generation der Leser dieser Botschaft an die Gemeinde in Thyatira. Das Kommen des Herrn stand sehr nahe bevor, so wie er gesagt hatte: Dieses ehebrecherische Geschlecht, das den König der Könige ablehnte, werde nicht vergehen:
Mt 24,34: „Wahrlich! Ich sage euch: Auf keinen Fall wird dieses Geschlecht vergehen, bis dieses alles geschehen sein wird.“
Mt 16,28: „Wahrlich! Ich sage euch: Es gibt von denen, die hier stehen, einige, welche keinesfalls den Tod schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen gesehen haben, kommend in seiner Königschaft.“

f. Überwinderverheißung: 2,26–28
V. 26: „Und dem, der überwindet, und dem, der meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht geben über die Völker, …“
Der Herr sagt, die Märtyrer würden bei ihrem Tod zu seinem Thron erhöht werden. Vgl. 3,21; 11,13; 12,11;
Von diesen „Völkern“ wird in Off 19,14.15 noch die Rede sein.
Mt 19,28 hatte der Herr den Zwölfen verheißen: „In der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzt, werdet ihr, die ihr mir folgtet, euch auch setzen auf zwölf Throne und die zwölf Stämme Israels richten.“ Weitere Parallelen: Off 20,4; 19,14.15.
V. 27: „… und er wird Hirte über sie sein (o.: er wird sie weiden)“
Die Überwinder werden – mit Christus – im Regiment sein und am Gericht über die Heiden (o.: Völker) teilnehmen. Vgl. Off 19,14 und 20,4–6. Die „Völker“ (bzw. „Heiden“ sind die zu „Heiden“ gewordenen Juden. Siehe Off 2,9; 3,9.
V. 27M: „… mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerbrochen werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe.“ (Vgl. Ps 2,5.12: Christi Zorn in der Vollendung der alttestamentlichen Weltzeit. Vgl. Off 6,16.17 und 19,12ff.)
V. 28: „Und ich werde ihm den Morgenstern geben.“
Christus gibt den Überwindern eine königliche Herrlichkeitsstellung, wie sie die Venus am Morgen– und Abendhimmel hat. Die Venus ist der erste „Stern“ (eigtl.: Planet), der am Abendhimmel sichtbar wird, weil er am hellsten scheint, und der letzte, der am Morgenhimmel verschwindet. Sie hat also eine königliche, herrschende Stellung. (Vgl. 1Mo 1: Der Mond beherrscht den Nachthimmel. Aber abgesehen von Mond beherrscht Venus den Nachthimmel.) Diese königliche Herrlichkeitsstellung ist eigtl. Christi Herrlichkeitsstellung. Er gibt den Seinen Anteil an seiner Herrlichkeit, sie dürfen mit ihm regieren. Jesus sagte, die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Königreich ihres Vaters (Mt 13,43). Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, die die Vielen zur Gerechtigkeit wiesen, wie die Sterne, immer und ewiglich (Da 12,3).

Anhang zu Off 2,27
Wer sind die „Völker“, über die die Heiligen mit eisernem Stabe regieren und sie „zerschmettern“? Off 2,27 bezieht sich auf Ps 2. Ps 2 wird in der Apg 4 zitiert.
Der Thron Davids (in Ps 2 als auf der Erde seiend, wie im AT immer) wurde – gemäß Apg 2 – im Himmel errichtet, wo der Menschensohn für immer thront. Das NT offenbart, dass jener Thron zur Rechten Gottes ist. (Zum himmlischen Charakter des Königreiches Christi vgl. Mt 5,12; 6,20; Phil 3,20; 2Tim 4,18; Hebr 11,16; 12,22.28.)
Ps 2,7 bezieht sich auf die Auferstehung des Herrn („heute habe ich dich geboren“; Apg 13,33; Rm 1,4; Hebr 1,5.6). Damit im Zusammenhang steht das ewige Hohepriestertum Christi (Hebr 5,5; 10,12).
Ps 2,8: „Bitte von mir, und ich gebe dir Völker zum Erbe und dir zum Besitz die Enden der Erde.“ Das bezieht sich auf die Zeit der Regentschaft des Messias ab seiner Himmelfahrt und Inthronisation (Ag 2,33–36; 1Kor 15,25).

Wer sind die „Völker“ (d. h.: Heiden) in Off 2,27?

Gemäß Off 2,9; 3,9 sind die Juden zu „Heiden“ geworden. (Der griech. Begriff ethnee bedeutet „Völker, Heiden“; er wird oft auch mit „Nationen“ übersetzt, aber unter „Nationen“ versteht man im üblichen Wortgebrauch heute staatliche Einheiten, was für die samalige Zeit allerdings nicht zutrifft. Es ist wohl das Beste, wenn wir ethnee mit „Heiden“ übersetzen, im Sinne von: „die, die aus den Heidenvölkern sind“.)
Diese „Völker“ (Heiden) werden in Ps 2,1.2 erwähnt: „Warum empören sich [die] Völker (o. Heiden) und sinnen Vergebliches [die] Volksscharen? Es sind angetreten [die] Könige des Landes, und [die] Obersten haben sich zusammengesetzt gegen Jahweh und gegen seinen Gesalbten.“ Die zu Heiden gewordenen Juden – und die Könige (Autoritäten) des Landes im Besonderen – werden in Ps 2 zur Umkehr aufgerufen. (Das heb. Wort äräz kann „Erde“ oder „Land“ von verschiedenem Umfang bedeuten (auch „Landteil; Boden“, je nach dem Zusammenhang). Hier ist Israels „Erde“ gemeint.)
Off 2,26f und 12,5 und 19,15 nehmen Bezug auf Ps 2. In Ps 2 ist die Rede von den „Königen der Erde/des Landes“ und von den „Völkern/Heiden“. Vergleicht man Ps 2,1.2 mit Apg 4,25–27, stellt man fest, dass die Völker und Volksscharen diejenigen Israels sind.
Apg 4,25–27: „‚Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige des Landes, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen[3] [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, 28 alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss im Voraus bestimmte, dass es geschehen sollte.“
Herodes und Pilatus waren die „Könige des Landes“. Mit ihnen zusammen taten sich die Führer Israels (der Hohe Rat) und die Völker und Völkerschaften Israels. (Die „Völker und Volksscharen“ waren Juden, und zwar solche, die durch den Abfall von Gott und die Ablehnung des Messias zu „Heiden“ geworden waren, ähnlich wie in Hes 2,3. Die „Heiden“ (ethnee; Völker) sind in der Off die, die von sich behaupteten, sie seien Juden, es aber nicht wirklich waren, weil sie innerlich nicht beschnitten waren. Sie waren Kinder des Teufels (Joh 8,44) und eine Synagoge des Satans (Off 2,9; 3,9). Der Begriff „Heiden“ („Völker“) trifft also auch für widerspenstige abgefallene Juden zu.)

Der Messias hat (in Apg 2) sein Erbe – die Königsherrschaft – angetreten. Wann immer Menschen sich bekehren, vermehrt sich sein Königreich und damit auch sein „Erbe“. (Vgl. den Ausdruck „ich gebe dir Völker zum Erbe“ in Ps 2,8.)
In Ag 4,25–27 wird Ps 2,1.2 zitiert: „…der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: ‚Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige des Landes, und die Obersten waren zusammengekommen gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“
Wer waren die „Völker und Volksscharen“, die gegen Jahweh und seinen Gesalbten tobten und planten (Apg 4,25ff)? – Nicht die Römer. Die Römer empörten sich (in dem Sinne von Ps 2) nicht gegen Jahweh.
In Apg 4,27 heißt es: „… es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“
Der Ausdruck „Völker und Volksscharen Israels“ muss als eine Einheit betrachtet werden. Herodes und Pilatus kamen zusammen mit den Israeliten. Diese Israeliten heißen in Apg 4 (gemäß in Ps 2) „Völker (Heiden) und Volksscharen Israels“. Die Israeliten waren durch ihre Ablehnung zu „Heiden“ („Völker“) geworden. Schon im AT wurden Israeliten, wenn sie Jahweh verließen, „Heiden“ („Völker“) genannt (Hes 2,3): „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Heiden (o.: Völkern), die sich gegen mich aufgelehnt haben; sie und ihre Väter sind von mir abgefallen bis zu ebendiesem Tage.“
Im Buch der Off werden die wahren Knechte Gottes „Israel“ genannt (Off 7,4–8 , 21,12; vgl. Rm 2,25–29; Gal 3,16–29; 4,24–31; 6,15.16. Rm 9,6) – im Gegensatz zu jenen ungläubigen Juden, die „Heiden“ („Völker“) genannt werden (Off 2,9; 3,9).
Die wahren Knechte Gottes bildeten das wahre Israel, die fleischlichen Juden, die den Messias ablehnten, waren zu „Heiden“ geworden, zu einer Synagoge des Satans, der ihr Vater (Joh 8,44) war.
Zurück zu Ps 2,9: „Du wirst sie regieren mit eisernem Stabe, zerbrechen wie Töpfergeschirr.“ V. 9 bezieht sich auf sein gerichtliches Handeln an jenen „Völkern“ (Heiden), d. h., an jenen zu Heiden gewordenen Juden. Jesus Christus richtete die ungläubigen Israeliten anlässlich des jüdischen Krieges und der Zerstörung Jerusalems.
Die Überwinder bekommen in Off 2,26.27 eine Verheißung: Wer überwindet (bis zum Tode überwindet; d. h.: den Märtyrertod stirbt), wird mit Christus „über die Heiden“ regieren (d. h. über die zu Heiden gewordenen Juden; 2,9; 3,9). Und er wird sie „weiden“ („Hirte sein“, „König sein“) mit eisernem Stabe, wie Töpfergefäße zerbrochen werden“, wie auch Christus von seinem Vater empfangen hat (2,26.27). Christus hat das Königtum vom Vager kurz nach der Himmelfahrt empfangen (Apg 2,29–36):
„Männer, Brüder! Es sei mir gestattet, mit Freimütigkeit zu euch zu sprechen von dem Stammvater David: Er starb und wurde begraben, und sein Grab ist unter uns bis zu diesem Tag. 30 Da er also als Prophet ‹diente› und wusste, dass Gott ihm mit einem Eide geschworen hatte, aus der Frucht seiner Lenden nach dem Fleisch den Gesalbten zur Auferstehung zu bringen, damit er auf seinem Thron sitze, 31 redete er voraussehend von der Auferstehung des Gesalbten, dass seine Seele nicht dem Hades überlassen wurde, noch sein Fleisch Verwesung sah. 32 Diesen Jesus brachte Gott zur Auferstehung, wovon wir alle Zeugen sind. 33 Nachdem er also ‹durch› die rechte Hand Gottes erhöht worden war und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfing, goss er dieses aus, das ihr nun seht und hört; 34 denn nicht David stieg auf in die Himmel; er sagt selbst: Es sagte der Herr zu meinem Herrn: Sitze zu meiner Rechten, 35 bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße. 36 Das ganze Haus Israel nehme also mit Gewissheit zur Kenntnis, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Gesalbten (d. h.: zum Messiaskönig) machte, diesen Jesus, den ihr kreuzigtet!“
Die Überwinder (die Märtyrer) dürfen mit Christus regieren (Off 3,21; 12,10.11; 20,4). Dem Volk Gottes der damaligen Zeit wird verheißen, beim Zerschlagen der Völker („Heiden“; gemeint sind jener ungläubigen Juden und „Könige des Landes“) auf der Seite des Richters zu stehen: „Und ihm folgten auf weißen Pferden die Heere, die im Himmel [sind], bekleidet mit weißem, reinem Byssusstoff. 15 Und aus seinem Munde geht ein scharfes, zweischneidiges ‹heftiges› Schwert hervor, damit er mit ihm die Völker schlage. Und er wird ihnen ein Hirte mit einem eisernen Stabe sein.“ (Off 19,14.15).
Daher der Aufruf in Ps 2,10–12: „Und nun, Könige (gemeint sind die Könige „des Landes“, 2,2), handelt klüglich. Lasst euch unterweisen, Richter des Landes. Dient Jahweh mit Furcht und freut euch mit Zittern. Küsst den Sohn, damit er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn gar leicht entbrennt sein Zorn. Selig alle, die Zuflucht nehmen bei ihm!“
Die Könige und Richter des Landes sind aufgerufen, den König über sie anzuerkennen und ihm zu dienen. Tun sie es nicht, zürnt er und sie werden „umkommen auf dem Wege“.
Christi Regierung (vom „Thron Davids“ aus) ist also Heil und Gericht. Israel hatte (in der Zeit der Evangeliumsverkündigung in der Apg) bis zu jenem Gericht (66–70 n. Chr.) noch Gelegenheit, den Namen des Herrn anzurufen. Die, die ihn anriefen und bei ihm Zuflucht suchten, wurden gerettet vor dem zeitlichen (und ewigen) Gericht.
Die in Off 19,15 durch den Herrn geschlagenen „Heiden“ („Völker“) waren nicht die Römer, sondern „Juden“ (die zu „Heiden“ geworden waren, weil sie den Messias verworfen hatten). Diese „Völker“ (abgefallenen Juden) waren von der Hure Babylon (Jerusalem; s. Off 17,18; 18,1ff.) zum Abfall von Gott verführt worden, „die mit ihrer Hurerei das Land verderbte“ (Off 19,2; vgl. Lk 11,49–51; Mt 23,33–37).
Off 19,2: „… weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei die Erde verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, [forderte es] von ihrer Hand.“
Lk 11,49–51: „Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und [einige] von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, 51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.“
Mt 23,33–37 „Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?
34 Deswegen– siehe! Ich sende zu euch hin Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und von ihnen werdet ihr [einige] töten und kreuzigen, und [einige] von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und ihr werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, 35 auf dass über euch komme alles gerechte, auf der Erde vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet. 36 Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. 37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht!“

g. Aufforderung zum Hören: 2,29
V. 29 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Ab nun (Thy, Sar, Phi, Lao) endet die Botschaft mit der Aufforderung um Hören, nicht mit der Überwinder–Verheißung.
Warum? Aus irgendeinem Grund haben diese Gemeinden es nötig die Überwinder–Verheißung zuerst hören zu müssen, dann erst die Aufforderung zum Hören.

5. An Sardes 3,1–6
a. Adressierung und Selbstvorstellung: 3,1A
V. 1: „Dem Boten der Gemeinde in Sardes schreibe:“
Der Name „Sardes“ bedeutet „entronnen“ oder „Überrest“ oder „Freudengesang“.
„Dieses sagt, der die Geister Gottes hat und die sieben Sterne:“
Die sieben Geister sind ein Bild von der Fülle des Heiligen Geistes in seinen mannigfaltigen Wirkungen (Jes 11,2). Der Geist ist da, um die Gemeinde zu beleben. Jesus Christus hat die sieben Boten (Vgl. 1,20) in seiner starken Hand. Kraft ist genug vorhanden, daher ist die Gemeinde, die den Todesschlaf schläft, nicht zu entschuldigen.

b. Keine Anerkennung: 3,1M
„Ich weiß um deine Werke, …“ – aber es werden keine aufgezählt. Wer schläft, kann keine Werke tun.
„… dass du den Namen hast, dass du lebst …“: Viermal werden „Namen“ erwähnt. Der Name lebt fort, aber die Kraft und das Leben)siechen dahin. Je weniger geistliches Leben, desto mehr Betonung auf Namen.
„… und tot bist.“
Schlaf ist Vorstufe zum Tod. Vgl. Ps 13,4: „Schau her und erhöre mich, Jahweh, mein Gott. Erleuchte meine Augen, dass ich nicht entschlafe zum Tode“. Es handelt sich um einen Schlaf, nicht um geistlichen Tod. Sie sind noch Gemeinde Christi, sie sind ein Leuchter und der Bote ist noch als Stern erkennbar. Der Ausdruck „tot“ wird in der Bibel häufig im relativen Sinn verwendet (z. B. 1Tim 5,6: Jene Witwe ist „tot“, obwohl sie noch lebt; d. h., etwas in ihrem Leben ist gestorben. Ähnlich in Eph 5,14: „Wache auf, du Schläfer, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten.“
Sardes war eingeschlafen. Es gibt keine Entschuldigung für ihren Todesschlaf, denn in Christus wäre ihre Kraftquelle.

c. Aufruf 3,2.3A
V. 2: „Werde ein Wachender …“ Gemeint ist eine geistliche Erweckung aus dem Todesschlaf.
„… und festige das Übrige, das im Begriff steht zu sterben, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen erfunden.“
Der Herr sucht vollkommene (!) Werke. Er erwartet göttliche Frucht, gewirkt von Jesus Christus.
V. 3: „Denke also daran, wie du empfangen und gehört hast, …“
Wie hatte sie empfangen? – In der Kraft Christi, der mächtig in ihr wirkte; sie hatte von Christus Leben empfangen. Wer den Sohn hat, hat das Leben.
„… und bewahre es …“ – Wer das, was Christus ihm gegeben hat, bewahrt, den wird Christus bewahren.
„… und tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung).

d. Gerichtsandrohung: 3,3M
Wenn du also nicht wachen wirst, werde ich über dich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht in Kenntnis sein, um welche Stunde ich über dich kommen werde.“
Wenn man sich in Sardes nicht aus dem Schlaf reißen lässt, ist man in Todesgefahr.
„… werde ich über dich kommen wie ein Dieb“, d. h. unerwartet und unerwünscht, vgl. Mt 24,42–44.50; 1Thes 5,1–5; 2Petr 3,10; Off 16,15. Wenn Sardes nicht Buße tut, hat sie aufgehört, Leuchter zu sein.
Das Kommen des Herrn wird der damaligen Gemeinde von Sardes als ein baldiges vor Augen gestellt. Sie konkret sind gewarnt, nicht eine Generation von Christen, die 2000 Jahre später lebt.

e. Trostwort an die Übrigen: 3,4
V. 4: „Du hast auch in Sardes einige wenige Namen, …“ – wenige, im Gegensatz zu Thyatira, wo die Verführten wenige waren.
„Namen“: Sie sind ihm genau bekannt. In Sardes hatten diese keinen „Namen“, waren nicht geehrt, nicht „Männer von Namen“. Im Königreich Christi werden sie „Männer und Frauen von Namen“ (4Mo 16,2; 1Ch 5,24; 12,30) sein. Jesus Christus wird ihre Namen öffentlich bekennen (V. 5).
„… die ihre Kleider nicht befleckten“. Vgl. Jud 23; Jak 1,27; 2Petr 2,20; Off 14,4; 22,14; 16,15. Viele in Sardes hatten ihre Kleider „befleckt“ (3,4; vgl. 14,4). Befleckte können an der bevorstehenden „Hochzeit des Lammes“ nicht teilnehmen (19,7.8; 21,8).
Befleckte Kleider standen als Symbol für geistliche Unreinheit (Jak 1,27: „… sich selbst von der Welt fleckenlos zu bewahren“.)
„… und sie werden mit mir einhergehen in Weiß“:
Weiß ist ein Symbol des Sieges und der Reinheit. Jene Heiligen in Sardes waren rein von Sünde, gewaschen durch das Blut des Lammes.
Von weißen Kleidern ist in der Off des Öfteren die Rede: 4,4; 6,11; 7,9.13; 14,4.5; 16,15; 17,14; 19,7.8.14.
Wenn die „Braut“ die Hoffnung und Sehnsucht auf den Bräutigam lebendig erhalten hat, wird er sie zu seiner Zeit zur Hochzeit heimführen, in herrlichem Schmuck und weißem Kleid.
„… weil sie würdig sind.“
Würdig, weil sie auf ihre Kleider aufgepasst haben, d.h. weil sie sich (immer wieder) gewaschen haben im Blut des Lammes (7,14) und weil sie festgehalten haben, was sie in Christus bekommen haben (3,11; 2,25).

f. Überwinderverheißung: 3,5
V. 5: „Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, …“
Johannes schrieb in seinen Brief (1Joh 3,2.3): „Geliebte, wir sind nun Kinder Gottes. Und noch wurde nicht offenbar, was wir sein werden. Aber wir wissen: Wenn er offenbar wird, werden wir ihm gleich sein, weil wir ihn sehen werden, so wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst ‹wiederholt›, so wie er (d. i.: Christus) rein ist.“ Die Kleider dort sind ein äußere Darstellung dessen, was sie innerlich bereits sind: rein, heilig. So stehen die „weißen Kleider“ für den Sieg und die Reinheit der Heiligen (7,9; 14,4.5; 19,8).
„… und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens …“:
Vgl. 2Kön 14,27: „Jahweh hatte nicht gesagt, dass er den Namen Israels wegwischen würde, unter den Himmeln hinweg.“
Jes 56,5: „Einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht ausgerottet werden soll.“
Ihre Namen werden nicht ausgelöscht, d. h., sie werden von dem zweiten Tod keinen Schaden erleiden. Das Nicht–ausgelöscht–Werden entspricht dem Überwinden des zweiten Todes, dem Erhalt des weißen Steines mit dem neuen Namen und dem Zugang zum Baum des Lebens.
Das „Buch des Lebens“ ist das Buch derer, die leben. Im Alten Testament wurde man in das Buch derer, die irdisch leben, anlässlich der Geburt eingetragen Im Neuen Testament wird man in das Buch derer, die geistlich leben, eingetragen bei Wiedergeburt. Im Himmel wird man nie mehr ausgelöscht, d. h., man lebt in alle Ewigkeit. Wer hier überwindet, wird dort nie ausgelöscht werden.
Das Überwinden besteht nicht im Halten von bestimmten Geboten oder im Tun von bestimmten Werken, sondern im Bleiben im Glauben an Christus und sein Werk (Kol 1,23). Damals bestand eine besondere Gefahr, dass die Gläubigen sich unter dem Druck des Judentums vom Evangelium und Christus wegbewegten.
„… und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ Vgl. Lk 12,9; Mt 10,32.

g. Aufforderung zum Hören: 3,6
V. 6: „Der, der ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

6. An Philadelphia 3,7–13
a. Adressierung und Selbstvorstellung: 3,7
V. 7: „Und dem Boten der Gemeinde in Philadelphia schreibe:“
Der Name „Philadelphia“ bedeutet „Bruderliebe“. Die Stadt Philadelphia lag 120 km östlich von Smyrna, am Weg von Sardes nach Kolossä und Laodizea.
Gründer: Attalus II Philadelphos von Pergamon (159–138 v. Chr.).
Fruchtbare Gegend; vulkanischer Boden. Oft Erdbeben;
17 n. C. von einem Erdbeben zerstört; als die Erdstöße immer wieder kamen, siedelten sich viele außerhalb der Stadtmauern an. Unbeständiges Leben in Angst, wegen der häufigen Erdstöße.
Immer bereit, hinauszurennen, wenn Erdbeben beginnt.
[Bsp.: In einem Englischkurs in Kalifornien war die erste Anweisung: Was ist zu tun bei einem Erdbeben.]
Viele kleine Tempel, viele Gedenksäulen für ehrenwerte verstorbene Bürger. Heute: „Alashehir“ (Gottesstadt)
Die Gemeinde in Philadelphia war wahrscheinlich entstanden, als Paulus in Ephesus war, ca. 53/54 n. Chr.
Bis ins 15. Jhdt. lebendiges Gemeindeleben, bis der Islam kam. Sie bestand am längsten von den sieben Gemeinden.

Selbstvorstellung: 3,7
„Dieses sagt der Heilige, der Wahrhaftige, …“
Jesus Christus ist durch und durch wahrhaftig. Auch wir sollen so werden. Wir spielen nichts vor. Wir können es uns leisten, unser Gesicht zu verlieren.
„… der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand schließt, und der schließt, und niemand öffnet.“ Vgl. Jes 22,15–22.
Der Schlüssel ist ein Symbol von Autorität und der Sicherheit. In der Zeit Hiskias (728–697) gab es nur einen einzigen Schlüssel zum Königshaus. Eljakim soll das Amt des Palastvorstehers Schebna, den der Herr stürzen wird, übernehmen und damit die Vollmacht über das Schatzhaus bekommen. (Der Palastvorsteher war auch Schatzmeister über den königlichen Haushalt, Finanzverwalter und Hofmeister.) Im Jahr 704 v. Chr. wurde Schebna zum Schreiber degradiert (2Kön 18,17–18), weil er die Palastschätze eigennützig missbraucht hatte. Der neue Palastvorsteher Eljakim (sein Name bed. „Gott richtet auf“.) hatte die königliche Autorität zur Verwaltung des Königshauses. Er hat die Schlüsselgewalt (Jes 22,22): „Ich lege den Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter: Öffnet er, so darf niemand schließen. Schließt er, so darf niemand öffnen.“
Das „Haus Davids“ war das Königshaus. Wer die Schlüssel des Königshauses Davids hatte, bestimmte, wer in den königlichen Palast eintreten darf (um dem König zu Diensten zu stehen) und wer nicht.
Jesus Christus nun hat die Autorität über den himmlischen Palast. Er entscheidet, wer ins himmlischen Haus eintreten darf und wer nicht. Christus hat die Macht, die Tür zum Himmel zu öffnen. Und er hat auch die Schlüssel des Todes und des Hades (1,20), weil er durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat.

b. Anerkennung und Trost: 3,8
V. 8: „Ich weiß um deine Werke.“ – Es werden keine Werke aufgezählt. Philadelphia fällt nicht auf durch großartige Werke und Taten; Ihr Wirken geschieht im Verborgenen, aber der Herr sieht es. Die Philadelphia–Gemeinde (ähnlich wie die Gemeinde von Smyrna) wird nicht getadelt, nur gelobt.
V. 8: „Siehe! Ich habe vor dir eine geöffnete Tür gegeben (die niemand zu schließen vermag), weil du eine kleine Kraft hast und mein Wort bewahrt hast und meinen Namen nicht verleugnet hast.“
Die Tür ist offen. Christus hat aufgeschlossen, sodass die Gemeinde von Philadelphia in den Himmel eintreten darf. Christus bestimmt, wer eintreten darf. Vgl. 2Petr 1,10.11: „Deshalb, Brüder, seid fleißig ‹und beeilt euch› umso mehr, euer Gerufensein und [eure] Erwählung fest zu machen, denn im Tun dieser [Dinge] werdet ihr keinesfalls je straucheln ‹und zu Fall kommen›, denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters, Jesu Christi.“
„…, die niemand zu schließen vermag, …“
Wenn ich mich auf Jesus Christus verlasse, gibt es nichts, das mir den Himmel versperren kann. Jesus Christus wird es nicht, und jemand anderer darf es nicht und kann es nicht. (Nb.: Hier nicht die Tür des Dienstes gemeint, wie wir sie in Apg 14,27; 16,6–7; 1Kor 16,9 und 2Kor 2,22 finden.)
„… weil du eine kleine Kraft hast …“
Die Heiligen haben nur eine kleine Kraft, aber es kommt nicht darauf an, sondern darauf, dass sie sich an Jesus Christus klammern. Die große Kraft ist die von Jesus Christus. (Vgl. die Säule im Tempel, V. 12: Im AT hieß die eine „Boaz“; das bed. „in ihm ist Kraft“.) Vgl. 2Kor 12,7–10; 1Kor 1,25–28.
„… und mein Wort bewahrt hast …“
Christus und sein Wort sind nicht zu trennen. Wie bewahrt man Gottes Wort? Durch Bibelübersetzung und Bibelverbreitung, durch Hören, Lesen, Nachdenken, Forschen, Auswendiglernen (Ps 119,11).
„… und meinen Namen nicht verleugnet hast.“ Jesus Christus hatte eine kleine Kraft (2Kor 13,4), hat Gottes Wort bewahrt (Joh 17,8) und den Namen des Vaters nicht verleugnet (Joh 17,26).

c. Ermutigung in Bezug auf die Feinde: 3,9
V. 9: „Siehe: Ich gebe aus der Synagoge des Satans die, die sagen, sie seien Juden, und sind es nicht; sondern sie lügen.“
Die Juden der damaligen Zeit, die den Messias Jesus verwarfen, behaupteten, echte, wahre „Juden“ zu sein. Sie waren es aber nicht. (Es geht hier um die Zeitgenossen des Johannes, die Feinde des Messias und Feinde der Christen in den Sechzigerjahren des ersten Jahrhunderts.)
Daher: „sie lügen“. Sie logen nicht bewusst, sondern sie glaubten das Falsche über Jesus, nämlich, dass er nicht der verheißene Messias wäre. Sie machten somit eine Falschaussage. „Das, was ihr Christen glaubt, ist nicht Wahrheit, sondern Lüge.“ In Realität war es umgekehrt. Der Satan ist der Vater der Lüge. Die jüdische Synagoge war zu einer Synagoge des Erzlügners geworden.
„Siehe: Ich werde veranlassen, dass sie kommen und vor deinen (d. i.: Philadelphias) Füßen huldigen und zur Kenntnis nehmen, dass ich dich liebe.“
Die Zusicherung des Bräutigams an die Braut („Ich habe dich je und je geliebt ‹und liebe dich immer noch›.“), diese Zusicherung werden jene jüdischen Feinde später als wahr anerkennen müssen.
Diese Feinde des Gottesvolkes sind Feinde des Christus. Wenn sie sich nicht zu Christus kehren, gehen sie verloren. Die (jüdische) Welt „hat das Ihre lieb“. (Vgl. Joh 15,18–21.)

d. Bewahrungsverheißung: 3,10
„Weil du das Wort meiner Ausdauer (d. h.: das Wort vom ausdauernden Harren auf mich; das Wort vom Verharren bei mir) bewahrtest, …“
„Das Wort meiner Ausdauer“ könnte man auch auffassen als „das Wort, das zum ausdauernden Verharren bei Christus verhilft“. Wenn ich mich fest an dieses Wort halte, erhalte ich Hilfe, in Ausdauer bei Christus bleiben zu können. Nur durch das Wort Gottes können die Heiligen Christus treu bleiben. Wer nicht beim Wort Jesu Christi bleibt, wird sich von Christus entfernen (Joh 15,7).

„…, werde auch ich dich bewahren …“:
Wer sein Wort bewahrt, wird von ihm bewahrt.

„… vor der Stunde der Prüfung (o.: Versuchung), …“
Das Wort „Stunde“ (griech. hoora; allg. „Zeit“) gebraucht Johannes oft im Sinne von „Zeitabschnitt“ (vgl. Joh 4,21.23; 5,25.35; 16,2.4.25; Off 17,12; 18,10.17.19).
Wovor soll man bewahrt werden? Vor der Prüfungsstunde, d. h.: vor der Prüfungszeit, Versuchungszeit.

„… die im Begriff ist, … zu kommen …“ (griech. tees mellousees erchesthai)
Das griech. Verb mellein bedeutet „im Begriffe sein zu …; drauf und dran sein zu …“ und drückt zeitliche Nähe und Absicht aus. Es geht um die unmittelbarer Zukunft. Das Wort kommt auch in Off 1,19; 2,10; 3,2.16; 6,11; 8,13; 10,4.7; 12,4.5 und 17,8 vor. Die Prüfungszeit stand damals, als dieser Brief geschrieben wurde, unmittelbar bevor. Die Stunde der Prüfung – und damit auch die Prüfung selbst – sollte in zeitlicher Nähe auf Jesu Gemeinde zukommen.

„… werde ich dich auch bewahren vor …“:
Das griechische Verb für „bewahren vor“ (teerein ek) heißt nicht „zeitlich vorher bewahren“, also nicht: bewahren, indem man jemanden herausholt o. wegnimmt, ehe die Prüfungszeit kommt.
Joh 17,15 ist die einzige Stelle im NT, wo teerein ek so vorkommt wie in Off 3,10. Dort bittet der Herr: „Meine Bitte ist nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Bösen.“ Der Herr meinte damit nicht, Gott solle die Jünger bewahren, indem er sie vor dem Bösen wegnimmt. Die Bewahrung geschieht nicht durch Wegnehmen.
Ähnlich verwendet Origenes das Verb teerein ek nicht im zeitlichen Sinne (Anm.: Vgl. Theesaurus LG: 75 17.196.20 und 75 17.208.51: „vor dem Tod bewahren“).
Die Funktion von teerein ek ist jeweils, anzuzeigen, wovor jemand bewahrt werden soll, sachlich, nicht zeitlich. Ebenso ist das „Bewahren vor der Prüfungsstunde“ nicht im zeitlichen, sondern im sachlichen Sinne zu verstehen.
Um welche Bewahrung geht es? Wovor und wie soll man bewahrt werden?

„… vor der Stunde der Prüfung (o.: Versuchung), die im Begriff ist, … zu kommen …“
Davor, dass sie in der Prüfungszeit (o.: Versuchungsstunde) eine Beute des Feindes werden; denn es ist das Ziel des Widersachers, die Heiligen zum Abfall zu verleiten.
Die Bewahrung muss nicht bedeuten, dass die Treuen in Philadelphia nicht den Märtyrertod zu sterben haben würden. Die Treuen in Smyrna kamen sehr wohl in den Märtyrertod. Die Treuen von Off 7,14 wurden getötet, obwohl sie versiegelt worden waren. Hier ist in erster Linie die Bewahrung vor dem geistlichem Fallen und vor der geistlichen Niederlage gemeint. Durch Christus sind sie Überwinder. Vgl. Off 15,2.
Petrus warnte (ca. 63/64 n. Chr.) in seinem Brief: „Seid nüchtern! Wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht jemanden, den er verschlingen kann. Dem widersteht, fest durch den Glauben, wissend, dass eurer Bruderschaft in der Welt dasselbe an Leiden auferlegt ist.“ (1Petr 5,8.9)

„… vor der Stunde der Prüfung, die im Begriff ist über das ganze Weltreich zu kommen, …“
Das Weltreich (griech. oikoumenee) ist der bewohnte oder bewohnbare Teil des Landes, das Festland; hier ist (wie in Lk 2,1) wahrscheinlich das gesamte römische Imperium gemeint.

„…, um die zu prüfen, die auf der Erde wohnen.“
Eine große Verfolgungszeit (Bedrängniszeit) für die Christen wird in naher Zukunft über die Erde (o.: im Lande; d. h.: über das römischen Weltreich) kommen.
Der Brief der Offenbarung wurde etwa in den Jahren 62/63 n. Chr. geschrieben. Die Verfolgung unter Nero begann nach dem Brand Roms (Juni 64 n. Chr.) im Sommer oder Herbst 64. Mit der „großen Prüfungszeit“ ist diejenige gemeint, die durch das „Tier“ (Off 13,1-10) entstand. Gott prüfte insbesondere die Heiligen; die Prüfung war aber auch für alle eine Prüfung: In einer dermaßen großen Verfolgungszeit (Mt 10,23–39) musste sich jeder Mensch fragen, ob er den Verfolgten helfen werde oder nicht (10,40–42; 25,41–45). In diesem Sinne wurden alle Bewohner des römischen Weltreichs „geprüft“.

Ist Off 3,10 zusätzlich eine Weissagung auf eine spätere Zeit?
1. Wenn wir die üblichen Auslegungsprinzipien anwenden und dem historischen Zusammenhang Beachtung schenken, findet sich kein Grund, warum die Aussage von 3,10 über jene Zeit der damaligen Christen im ersten Jahrhundert hinausgehen sollte. Der Text gibt keinen Anlass dazu.
2. Auch die Anweisungen an die anderen Gemeinden (K. 2 und 3) gehen nicht über die damalige Zeit hinaus. Der Herr richtet sich an die Boten der damaligen Gemeinden (und somit die Gemeinden selbst). In Ephesus ging es um ihren Leuchter, den der Herr drohte wegzurücken, in Smyrna um jene Treuen, denen eine schlimme Verfolgungszeit bevorstand, in Pergamus drohte der Herr an, dass er ihnen mit Gericht kommen werde. Er bezog sich auf die Heiligen in Pergamus, nicht auf Christen, die 2000 Jahre später leben würden. Für die in Thyatira galt: Falls „Isebel“ und die anderen „Ehebrecher“ nicht Buße täten, würde der Herr sie in „große Bedrängnis“ werfen und „Isebels Kinder“ töten, damals, im ersten Jahrhundert. Den Heiligen in Sardes drohte der Herr, falls sie nicht Buße täten, würde er im Gericht über sie kommen – damals, im ersten Jahrhundert.
Der Herr sprach von seinem Gerichtskommen damals:
Christi Gerichtskommen über Jerusalem stand damals kurz bevor. Das „bald“ konnte von jenen Christen nicht anders aufgefasst werden als „in zeitlicher Nähe“.
Ephesus (2,5): „… tue Buße und tue die ersten Werke. Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald.“
Pergamus (2,16): Tue also Buße. Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald, und ich werde Krieg mit ihnen führen mit dem ‹heftigen› Schwert meines Mundes.“
Thyatira (2,25): „… was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.“
Sardes (3,3): „Denke also daran, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du also nicht wachen wirst, werde ich über dich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht in Kenntnis sein, um welche Stunde ich über dich kommen werde.“
Philadelphia (3,11): „Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Kranz nehme.“
Laodizea (3,16): „… bin ich im Begriff, dich aus meinem Munde zu speien, …“
Ebenso ist Off 3,10 zu verstehen. Die Stunde der Prüfung war ebenso „nahe“ und in „Kürze“ kommend (Off 1,3; 22,6.10), wie auch die anderen Ereignisse, die in der Off berichtet werden. Nur so wird man den Versen 1,1.3 und 22,6.10 gerecht. Die Zeit war „nahe“ und die Ereignisse, die in Off beschrieben waren, standen unmittelbar bevor:
1,1–3: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde (Kürze) geschehen muss. … 3 Ein Seliger ist der, der liest, und die, die hören …, denn die Zeit ist nahe!“
22,6.10: „… der Herr, der Gott der heiligen Propheten, sandte seinen Engel, um seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. … Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.“
Gerade die zeitliche Nähe der beschriebenen Dinge machte die Botschaft der Off für die damaligen Christen so dringlich und brisant. Gerade die zeitliche Nähe machte den Vorleser zu einem „Seligen“ (1,3), hatte er doch die große Aufgabe, diese dringliche Botschaft seinen Zeitgenossen nahezubringen. Gerade die zeitliche Nähe der beschriebenen Dinge machte die Schlussaussagen so feierlich (22,12–20): „Und – siehe!– ich komme bald, und mein Lohn ist bei mir, um jedem zu vergelten, wie sein ein Werk sein wird…. 16 Ich, Jesus, schickte meinen Boten, euch diese Dinge zu bezeugen für die Gemeinden. … 18 Ich bezeuge nämlich …: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, wird Gott ihm zufügen die Plagen, von denen in diesem Buch geschrieben ist. 19 Und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Buch des Lebens … 20 Der, der diese Dinge bezeugt, sagt: Ja, ich komme bald.“
Johannes sollte die Weissagungsworte wegen der Nähe der Erfüllung jener Worte nicht versiegeln (22,10: „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.“), denn die Zeit war nahe. Im Gegensatz dazu sollte Daniel die Worte der Weissagung damals „versiegeln“. Bei Daniel lagen die Ereignisse, die ihm (im Jahr 536 v. Chr.) geweissagt wurden (bezüglich Antiochus IV Epiphanias, 175-164 v. Chr.), etwa 360-370 Jahre in ferner Zukunft; die Zeit war nicht nahe: „Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage“ (Dan 8,26).
Lesen wir jene konkreten Weissagungen des Herrn Jesus Christus an die sieben Gemeinden, so müssen wir eine Erfüllung der geweissagten Ereignisse in der nahen Zukunft zu suchen. Die in der Off beschriebenen Dinge müssen kurz nach der Zeit der Abfassung der Offenbarung geschehen sein.
Das Wort von Off 3,10 in die ferne Zukunft zu schieben, ist exegetisch unzulässig.

Über zeitliche Nähe und Gottes Ausdrucksweise
Es wird manchmal behauptet, dass Gott eben eine andere Auffassung von „Zeit“ habe, und bei ihm „tausend Jahre wie ein Tag“ seien (2Petr 3,8). Daher könne man diese zeitlichen Aussagen nicht so auffassen, als ob sie tatsächlich in zeitlicher Nähe waren. Dazu ist zu sagen, dass nicht nur der Herr Jesus Christus, sondern auch Petrus, Johannes, Jakobus und Paulus solche Ausdrücke der zeitlichen Nähe verwendeten (z. B. Rm 13,12; Hebr 10,37; Jk 5,8; 1Petr 4,7; 1Joh 2,18), und diese sprachen unsere Sprache und verstanden die Zeitaussagen so wie wir sie verstehen.
2Petr 3,8 ist kein Rechenbeispiel, wie man mit prophetischen Zeitangaben umgehen soll. Gott rechnet Zeit nicht anders als wir. Und wenn er zu uns Menschen spricht, spricht er unsere Sprache, d. h., so, dass wir verstehen können, was er meint. Petrus selbst lehrte unter der Autorität des Heiligen Geistes, dass diese Dinge in zeitlicher Nähe stattfinden würden (1Petr 4,7), ja, so nahe, dass die Christen diese Dinge erwarten und sogar darauf hinzueilen sollten (2Pe 3,12). Die Zeit bis dorthin war „kurz“ und „im Begriff“ zu kommen (1Petr 1,5.6; 4,5; 5,1.10).
Was wollte Petrus in 2Petr 3,8 mit dem Zitat aus Ps 90,4 sagen? Wollte er sagen, dass, wenn Gott in Zeitbegriffen redet, der Mensch sich nicht kümmern sollen, da Gott Zeit anders rechnet? Nein. Was wollte er verdeutlichen? Gott wird seine Verheißungen mit Sicherheit erfüllen, unabhängig davon, wieviel Zeit verstrichen ist! Verstrichene Zeit schränkt die Sicherheit der Erfüllung seiner Verheißungen nicht ein. Petrus stellt Gottes Treue heraus. Gleichgültig, wieviel Zeit verstrichen ist, seitdem Gott die Verheißung gegeben hat, Gott wird seine Verheißung erfüllen; sie ist ihm nach tausend Jahren noch so frisch im Gedächtnis, als ob er sie vor einem Tag gegeben hätte.
Wenn Gott eine Zeitaussage macht, sollten wir ihn so verstehen, wie er verstanden sein will. Er kommuniziert mit Menschen in Begriffen, die die menschliche Sprache versteht. Wenn er sagt, ein Ereignis sei nicht nahe, ist es tatsächlich nicht nahe. Bileam machte in 4Mose 24,17 eine Prophezeiung auf das Kommen des Messias: „Ich sehe ihn, doch nicht jetzt; ich schaue ihn, aber nicht nahe“. Wenn er bald und nahe sagt, meint er bald und nahe. Weitere Beispiele:
Hes 7,5-8: „So sagt der Herr, Jahweh: Unheil, einzigartiges Unheil! Siehe! Es kommt! 6 Ein Ende kommt! Es kommt das Ende. Es erwacht gegen dich. Siehe! Es kommt! 7 Es kommt das Verhängnis über dich, Bewohner des Landes! Es kommt der Zeitpunkt. Nahe ist der Tag, [ein Tag] der Bestürzung und nicht des Jubels auf den Bergen! 8 Jetzt gieße ich bald meine Grimmglut über dich aus und lasse meinen Zorn an dir aus, und ich richte dich nach deinen Wegen. Und alle deine Gräuel bringe ich über dich.“
12,22-28: „Menschensohn, was ist das für ein Spruch, den ihr auf dem Erdboden Israels habt, indem ihr sagt: ‚Die Tage ziehen sich in die Länge, und jedes Gesicht wird zunichte!?’ 23 Darum sage zu ihnen: ‚So sagt der Herr, Jahweh: Ich werde diesem Spruch ein Ende machen, und man wird ihn nicht mehr als Spruch gebrauchen in Israel. Sondern rede zu ihnen: Nahe gekommen sind die Tage und das Wort eines jeden Gesichts! … 25 denn ich bin Jahweh. Ich rede. Das Wort, das ich rede, wird ausgeführt! Es wird nicht mehr hinausgezögert! Ja, Haus der Widerspenstigkeit, ich rede ein Wort in euren Tagen, und ich tue es auch! ist der Spruch des Herrn, Jahwehs.’ … 27 Menschensohn – siehe!– das Haus Israel sagt: ‚Das Gesicht, das dieser schaut, ist auf viele Tage hin. Und auf ferne Zeiten hin weissagt er.’ 28 Darum sage zu ihnen: So sagt der Herr, Jahweh: ‚Sie werden nicht mehr hinausgezögert werden, alle meine Worte! Das Wort, das ich rede, wird ausgeführt!’ ist der Spruch des Herrn, Jahwehs.“

Die Prüfungszeit im ersten Jahrhundert
Die Geschichte des 1.Jhdts. zeigt, dass die Jahre 64–70 schreckliche Jahre waren. Es begann mit dem Brand Roms (Juni 64), worauf eine große Christenverfolgung im gesamten römischen Reich folgte.
Dass sich jene Verfolgung (in der Zeit des Kaisers Nero) nicht auf Rom beschränkte, bestätigt Petrus in 1Petr 4,17 (geschrieben ca. 63 n. Chr.): „… weil der Zeitpunkt da ist, an dem Gericht beginnen sollte, [anfangend] beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die der guten Botschaft Gottes im Unglauben ungehorsam sind?“ Petrus betont die zeitliche Nähe der Ereignisse.

Es scheint naheliegend, dass sich der Herr in Off 3,10 auf jene unmittelbar bevorstehende Christenverfolgung bezog.

Ergänzung: Wie geschieht die Bewahrung des Christen?
Petrus sagt, „in der Kraft Gottes“ (1Petr 1,5): „… die wir in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werden für die Rettung.“ Der Ausdruck „durch Glauben“ zeigt an, dass eine Mitwirkung des Gläubigen erforderlich ist. Gott bewahrt den, der sich bewahren lässt. Wie lässt man sich bewahren?
. indem man seine Augen auf Christus gerichtet hält – und zwar auf den Christus in der Heiligen Schrift. (Die Heilige Schrift und Christus sind untrennbar.)
2Petr 2,9: „… so weiß der Herr Ehrfürchtige aus der Prüfung zu befreien.“
. indem man sich auf Christus verlässt
. indem man sich bei dem birgt, der wahrhaft bewahren kann. Gott wird jeden bewahren, der sich auf ihn verlässt, sich bei ihm birgt (Ps 2,12; 16,1; Spr 18,10). Bewahrung ist davon abhängig, dass man in dem Bereich der Bewahrung bleibt. Wer zum Kreuz gekommen ist, muss sich auch beim Kreuz aufhalten; denn nur dort ist Heil und Bewahrung vor dem Zorngericht. Würde ein Christ Christus verwerfen, könnte die göttliche Bewahrung nicht stattfinden, weil sich der zu Bewahrende bewusst und zielgerichtet aus dem Bereich der Bewahrung wegbegeben hat. Die Bewahrung findet „in Christus“ statt. Wer sich außerhalb von Christus begibt, begibt sich aus dem Schutzraum.
Spr 18,10: „Der Name Jahwehs ist ein starker Turm; der Gerechte läuft dahin und ist in Sicherheit.“
1Tim 4,16: „… denn indem du dieses tust, wirst du sowohl dich selbst ‹bewahren und› retten als auch die, die dich hören“
Jud 21: „Geliebte …, bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und wartet dabei auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus hin zum ewigen Leben.“
1Joh 5,18: „Wir wissen, dass keiner, der aus Gott geboren worden ist, [im fortlaufenden Sinn] sündigt, sondern der, der aus Gott geboren wurde, bewahrt sich, und der Böse rührt ihn nicht an.“
Was soll der Gläubige bewahren?
Das Wort Gottes: Joh 8,51: „Wenn jemand mein Wort bewahrt, wird er den Tod nicht schauen, in Ewigkeit nicht.“
Den Glauben: Off 14,12: „Hier ist die Ausdauer der Heiligen. Hier sind, die, die Gottes Gebote bewahren und den Glauben an Jesus“
1Tim 1,19.20: „… indem du den Glauben bewahrst …“
Ein gutes Gewissen: 1Tim 1,19.20: „… und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlitten haben.“

e. Anweisung: 3,11
„Siehe: Ich komme bald.“
„Siehe“ und „bald“ drücken zeitliche Nähe aus. Alles lag innerhalb der Zeitgrenze jener damaligen Generation von Juden (Mt 10,23; 16,28; 24,34).
Vgl. Off 22,6–12: „…sandte seinen [himmlischen] Boten, um seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. 7 Siehe, ich komme bald. … 10 … Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, denn die Zeit ist nahe. … 12 Und – siehe! – ich komme bald …“
„Halte fest, was du hast, …“
Es ist leichter, festzuhalten, wenn man weiß, dass es nicht noch 2000 Jahre dauern wird, bis den unerwünschten Umständen ein Ende gesetzt wird.
Was gilt es festzuhalten? – Den Herrn Jesus Christus! Er ist das Heil.
. Den Glaube an ihn: Off 14,12: „Hier sind, die, die Gottes Gebote bewahren und den Glauben an Jesus“
. Ein gutes Gewissen: 1Tim 1,19.20: „… indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, …“
. Das Wort Gottes: Joh 8,51: „Wenn jemand mein Wort bewahrt ‹und hält› ….“; 2Thes 2,15: „Steht fest … und haltet die Überlieferungen fest“.
. Den Freimut, die Zuversicht: Hebr 3,6 „… wenn wir die Freimütigkeit und das Rühmen der Hoffnung als einer festen … festhalten.“
. Hebr 3,14: „… wenn wir nur den Anfang unseres Gewissheitsgrundes … festhalten“
. 10,23: „… festhalten das Bekenntnis der Hoffnung, …“; 4,14: „… lasst uns das Bekenntnis festhalten“.
. 6,18 „… damit wir … ergreifen ‹und festhalten› die vorgelegte Hoffnung“.

V. 11: „… damit niemand deine Krone nehme.“ – Die „Krone“ besteht in dem ewigen Leben (2,10).
Die einzige Gefahr für sie besteht darin, das sie das lassen, was sie haben (das Wort Christi, den Namen Christi, das Ausharren auf Christus).

f. Überwinderverheißung 3,12
V. 12: „Der, der überwindet, ihn werde ich zu einem Pfeiler im Tempelheiligtum meines Gottes machen, …“
Der Überwinder wird nicht nur eingehen durch eine weit geöffnete Tür, er selbst wird eine feste Säule im Himmelstempel werden.
„Pfeiler (o.: Säule)“ spricht von Festigkeit, Kraft und Sicherheit. Der Name der zwei großen Säulen des Salomontempels war (1Kön 7,21) „Boaz“ (bed.: „in ihm/ihr“ – in der Säule – „ist Kraft“) und „Jachin“ (bed.: „er/sie“ – die Säule – „wird aufrichten, wird befestigen“). Diese Namen sollen auf die Festigkeit, Kraft und Sicherheit des himmlischen Tempels hinweisen.
Die Überwinder werden für immer in dem neuen, geistlichen Tempelheiligtum Gottes bleiben! Im Gegensatz zum unbeständigen Leben in der durch Erdbeben unsicheren Stadt werden sie stabil und fest eingebaut sein in Gottes ewigem Tempelheiligtum; jeder, der dort ankommt, wird eine tragende Säule sein. Dort, bei Gott, ist keiner unwichtig. Gottes ewiger Tempel ist die gesamte Stadt, Off 21,22.

„… und daraus wird er gar nicht mehr hinausgehen, …“
Die Seinen sind dort sicher. Niemand kann sie aus dem heiligen Himmelstempel ausschließen. Vgl. Off 21,27; 22,14f.
„… und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes“
Gottes Name an den Stirnen (Off 22,4; 14,1ff), das spricht von Zugehörigkeit. Sie tragen Gottes Bild (1Joh 3,1–3) und sind Gottes Eigentum. Ihre neue Beziehung zu Gott (dargestellt durch die neuen Namen) soll ewig dauern. Auch dies spricht von Sicherheit.
„… und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalems, die aus dem Himmel von meinem Gott niederfährt, …“
Jerusalem ist die Residenzstadt. Da werden sie mit Christus regieren.
„… und meinen neuen Namen.“
Christi neuer Name (und neue Identität) ist „König der Könige und Herr aller Herren“ (Off 19,16). Christus identifiziert sich hier sehr stark mit den Seinen: Viermal sagt er hier „mein Gott“ bzw. „euer Gott“.

g. Aufforderung zum Hören
V. 13: „Wer ein Ohr hat, höre, …“ – Wofür haben wir ein Ohr?
„… was der Geist den Gemeinden sagt.“ – Wie spricht der Geist heute?
Der Geist spricht genau das, was er damals gesagt hat. Wer Gottes Reden hören will, muss Gottes Wort lesen.

7. An Laodikea 3,14–22
a. Adressierung und Selbstvorstellung: 3,14
V. 14: „Dem Boten der Gemeinde von Laodizea schreibe:“
Der Name Laodizea bedeutet „Volksrechte“ (o.: „Meinungen des Volkes“) , „Volksgerechtigkeit“.
Die Stadt Laodizea war 14 km von Hierapolis entfernt und 20 km von Kolossä. Der Gründer war Antiochus II (3.Jhdt. v.C.) zu Ehren seiner Gemahlin Laodike.
Laodizea war die Hauptstadt Phrygiens. Sie wurde ca. 60 n. Chr. durch ein Erdbeben zerstört, wurde dann aber sehr schnell mit Neros Hilfe glänzend wiederaufgebaut.
Laodizea lag an einer äußerst günstigen Stelle: an der Kreuzung der wichtigsten N–S und W–O Verbindungen durch Kleinasien. Die Stadt blühte durch Handel, war reich (Wollindustrie; Kleider aus glänzender, schwarzer Wolle), medizinische Schule (besonders für Augenheilkunde); Augensalben wurden dort hergestellt und die Stadt war ein wichtiges finanzielles Zentrum.
Aber die Stadt hatte einen Mangel: Sie hatten kein gutes Wasser. In der Nähe lag eine Thermalquelle (160 m hohe Felsenterrasse). Das heiße Wasser wurde leicht abgekühlt, mit Schmutz angereichert, verlor schnell an Kohlensäuregehalt. Es schmeckte im Tal unten nach nichts mehr; es wurde in Rohren (Aquädukt) in die Stadt geleitet und kam lau und verschmutzt und fade in der Stadt an.

Six miles north of the city were the thermal springs (not drinkable) at Hierapolis, whose white
calcareous cliffs were visible in the distance. To obtain drinking water, the Romans built an aqueduct that ran five miles south to an abundant spring (now in Denizli). The cool spring water would become lukewarm as it passed through the aqueducts into the city.
The city was strategically located for trade and commerce, and became a leading banking center. It had accepted aid from Rome following earlier earthquakes. However, after the earthquake in 60 that devastated many Asian cities, only Laodicea refused to
accept Roman financial assistance because she was so wealthy. This attitude of material self–satisfaction, ‚I am rich,‘ had seemingly entered the church also. The church’s spiritual blindness was ironic because a famous salve for treating eye disease was produced by the medical school there. The exhortation to buy white garments to cover their shameful nakedness is another example of irony. For the believers were
living in a city where the Romans had established textile factories to manufacture clothing from the famous black wool of the region. Laodicea was a ‚throne city‘ because a citizen Zeno became king of Cilicia in 39 BC and of Pontus in 36 BC. His family continued to rule in some measure in Anatolia over the next century. The Zenoid family figures prominently on the Laodicea’s coinage. Again the victors are promised that they
will sit with Jesus on his heavenly throne.“ Copyright 1997–2002 by Crossroads Travel. http://www.travelbiblical.com/?p=churches

Die Gemeinde in Laodizea entstand vmtl. durch Epaphras (Apg 19; Kol 4,13).
Paulus selber war nie dort (Kol 2,1), aber er schrieb (ca. zw. 57 und 60 n. Chr.) einen Brief dorthin (= wahrscheinlich der Eph, der als Rundschreiben gedacht war): Kol 4,16.
Kennzeichen der Gemeinde: Stolz, der auf den Errungenschaften und auf dem Ruhm vergangener Leistungen ruht.

V. 14: „Dieses sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, …“
Jesus Christus ist der Wahre und Treue; er erfüllt die göttlichen Verheißungen (2Kor 1,20).
Die Gemeinde in Laodizea war selbstgefällig, und sie merkten es nicht. Wer sich selbst gefällt, wird in seinem Eifer nachlassen.
Jesus Christus ist der „Zeuge“. Er bezeugt noch. Und Laodizea? Sie meinen, gute Zeugen Christi zu sein, aber sie sind blind, merken nicht, dass sie den Sohn Gottes aus dem praktischen Leben aussperren.

„… der Anfang [o.: Urheber] der Schöpfung Gottes:“
Die Gemeinde sollte erkennen, dass Christus der Anfang der Neuschöpfung Gottes ist (2Kor 5,17; Kol 1,15–18; Off 1,5).
Er ist zuverlässig und wahr, wird erfüllen, was er verheißen hat. Er kann sich selbst nicht verleugnen (2Tim 2,12.13), er bleibt sich selbst und seinem Wort treu.
Was er am Kreuz begonnen hat, wird nicht unvollendet bleiben. Ihm gehört der Thron, die Zukunft, die neue Schöpfung.
Er hat auf die Seinen Anspruch – per Erlösung und Neuschaffung. Er hat Anspruch auf mich, auf mein Haus. Er steht an der Tür und klopft bei seiner geliebten Braut an, einer Braut, die „arm“, „blind“ und „bloß“ ist.

b. Anerkennung bzw. Tadel: 3,15
V. 15: „Ich weiß um deine Werke, …“
Ephesus hatte Hass gegen das Böse (Nicht–Ertragen–Können der Falschheit, 2,2), aber mangelnde Liebe zum Herrn (2,4); Thyatira hatte Liebe zum Herrn – zusammen mit Eifer, Ausdauer und Werken –, aber mangelnden Hass gegen das Böse (2,20). Laodizea hatte weder Liebe zu dem Geliebten (den sie vor der Tür stehen ließ) noch Hass gegen das Böse (das sie nicht mehr sahen).

„… dass du weder kalt noch heiß bist. Dass du doch kalt oder heiß wärst.“
Kaltes, erfrischendes Quellwasser schmeckt wohl, heißes Heilwasser, Tee, schmeckt gut. Laodizea aber war „lau“, schmeckte so fade wie das Thermalwasser aus dem Aquädukt – zum Ausspucken!
Bei Laodizea fehlte es nicht nur an Liebe (wie bei Ephesus, 2,4), sondern auch an Hass gegen das Böse. Heiligkeit und Liebe standen auf dem Spiel.

c. Gerichtsandrohung: 3,16–17
V. 16: „So wie es jetzt ist, weil du lau bist und weder kalt noch warm, bin ich daran, dich aus meinem Munde zu speien, …“
Dem Herrn fehlt der Wohlgeschmack: Diese Heiligen sind ihm kein Wohlgeschmack, keine Erfrischung, kein Labung.
Aber gerade das wäre der Sinn und Zweck des Daseins der Heiligen: dass der treue und wahre Herr Wohlgefallen an ihnen hat, Erquickung, Freude. Der geliebte Bräutigam will seine Braut genießen. Die Seinen sind in erster Linie für ihn da, nicht für sich selbst. Wir evangelisieren in erster Linie zu dem Zweck, dass Gott Anbeter bekommt, an denen er sich freut.

V. 17: „… weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden …“
Mit anderen Worten: „Dein irdischer Wohlstand hilft dir nichts. Geistlich gesehen, bist du erbärmlich.“
Die Botschaft richtet sich an den Boten von Laodizea. Aber es scheint, dass (wie in den anderen Botschaften) nicht nur der Bote, sondern die ganze Gemeinde angesprochen ist. Laodizea glaubte eine Lüge über sich selbst, betrog sich selbst. Nun kommt der treue und wahrhaftige Zeuge und bezeugt ihr, wie es um sie in Wahrheit steht. Er hilft ihr, sich im wahren Licht zu sehen, indem er ihr zeigt, wer und wie er ist: wahr und treu.
Wir lernen: Wenn wir uns selbst gegenüber wahrhaftig werden, kann der treue Zeuge uns die Augen öffnen über uns und über ihn. Jeder einzelne muss dem Treuen und Wahrhaftigen – im praktischen Sinne – die „Tür“ öffnen, ihn ganz ins innere Wesen hereinlassen.

„… und bedarf nichts …“:
Es besteht in Laodizea wenig Bedürfnis nach wirklicher – geistlicher – Nahrung.
Laodizea ist satt; er aber wäre gekommen, um mit Laodizea zu essen, Gemeinschaft zu haben.
Ps 23 lautet nicht: „Ich bin mein Hirte, mir mangelt nichts“
Die Gefahr ist, dass man ein ichbezogenes Christentum führt. Man denkt viel an das eigene Wohl, nicht an das des Herrn.

„… und nicht weißt, dass du der Elende bist und arm …“
D. h.: geistlich arm, im Gegensatz zu Smyrna.

„… und blind …“
Der Fehler liegt nicht am Licht, sondern an der Sicht. Sie waren nicht imstande zu erkennen, was nicht gerade an der Oberfläche lag. Es fehlte ihnen an einem Empfinden für Gottes Heiligkeit.

„… und bloß.“
Laodizea ist nackt. Das ist Bildersprache: Es geht um den praktischen Wandel. Laodizea sollte im praktischen Leben die Kleider Christi ausführen.
Kol 3,12–14: „Zieht also an als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, einander ertragend und euch gegenseitig ‹in gnädiger Weise› vergebend, wenn jemand eine Klage gegen einen hat: So, wie der Christus euch ‹in gnädiger Weise› vergab, so [tut] auch ihr es. Über dieses alles zieht an die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist.“

d. Die Anweisung: 3,18.19
V. 18: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, …“
Das Gold steht für die geistlichen Schätze. Wie bekommen man sie? Kaufen – bei ihm! Ohne Geld.
Jes 55,1: „Ihr Durstigen alle! Kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt! Kauft und esst! Und kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!“ Kaufen – ohne Geld. Aber es kostet alles! „Wer nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,33).
Jesus Christus ist nicht mit weniger zufrieden – weil er der Bräutigam ist. Der Bräutigam will die ganze Liebe der Braut, nicht nur 90 Prozent. Es geht darum, Jesus Christus alles zu geben – weil ihm alles gehört.

„… [Gold,] das im Feuer geläutert ist, damit du reich seist …“
Das Feuer spricht vom reinigenden Selbstgericht.

„… und weiße Kleider, damit du bekleidet seist und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde;“
Laodizea soll sich bei Christus reine Kleider der praktischen Gerechtigkeit und Reinheit „kaufen“. Vgl. Off 19,8. Die Kleider der Braut sind „die Gerechtigkeiten (o.: Gerechtigkeitstaten) der Heiligen“. Vgl. Off 14,4.

„… und salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehest.“ Es geht um geistliche Klarsicht. Laodizea braucht eine Augensalbe von dem Treuen und Wahrhaftigen, um die Dinge so zu sehen, wie Gott sie sieht.
Vgl. 2Petr 1,8f: „… wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und in reichem Maße, stellen sie euch nicht als Untätige hin noch als Unfruchtbare im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn, Jesu Christi; denn der, bei dem diese Dinge nicht gegenwärtig sind, ist blind, kurzsichtig: Die Reinigung von seinen alten Sünden hat er in Vergessenheit geraten lassen.“

V. 19: „Die, die ich liebe (o.: „gernhabe; mit Zuneigung liebe“; vom griech. Wort philein, „wie Freunde lieben“) …
Der treue und wahrhaftige Zeuge ist auch treu in seiner Liebe, einer Liebe, die gepaart ist mit Wahrheit.
Wir erkennen, dass es sich bei denen in Laodizea nicht um Mitläufer handelt, sondern um solche, die er liebt! Sie sind noch immer sein goldener Leuchter.

„… die strafe ich und erziehe (o.: züchtige) ich.“
Wer sein Kind gern hat (und ein Anliegen für Wahrheit hat), züchtigt es. Was ist der Zweck der Züchtigung? 1Kor 11,32: „Bekommen wir aber ein Strafurteil, werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mitsamt der Welt verurteilt werden.“ Hebr 12,5–11. Züchtigen – das Macht man nur mit den eigenen Kinder, nicht mit fremden. Hier ist ein Beweis dafür, dass es sich bei „Laodizea“ noch um Kinder Gottes handelt, nicht um Mitläufer oder Abgefallene.

„Sei also eifrig …“
Wir lernen: Wenn es ums Umkehren geht und darum, Sünde zu bekennen und Dinge wieder gutzumachen, da sollte man jedesmal schnell sein, eifrig sein; nichts hinausschieben.

„… und tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung; denke um).“
Umkehr schließt ein, dass man mit der sündigen Gewohnheit bricht. Spr 28,13: „Wer seine Übertretungen verheimlicht, der wird kein Gelingen haben, aber wer sie bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“

e. Verheißung für die Treuen: 3,20
V. 20: „Siehe, ich habe mich vor die Tür gestellt …“
Der treue Zeuge – treu in seiner Liebe steht an der Tür. Der erhöhte Herr hatte zu seiner Gemeinde gesprochen, wie einer, der ausgesperrt ist. Aber die Gemeinde hatte an sich selbst genug gehabt. Sie hat ihn nicht eingeladen, geschweige denn ihm die Herrschaft des Hauses überlassen. – Nun stellt sich der Herr an die persönliche Tür der einzelnen Christen.
Wir haben hier einen anderen Aspekt, ein anderes Bild als das Innewohnen des Herrn. Der treue und wahrhaftige Zeuge steht vor der Tür des einzelnen, ausgesperrt aus verschiedenen Bereichen des Lebens (obwohl ihm das „Haus“ gehört). –

„… und klopfe an.“
Der Anfänger und Urheber der Neuschöpfung Gottes (Kol 1,15–18; 2Kor 5,17) hat einen Anspruch auf die Seinen.
Wie klopft er an? Mit der Stimme und mit der Hand. Anklopfen ist gesteigertes Bitten (Mt 7,7). „Aufmachen, bitte!“
Er, der den Schlüssel Davids hat, er, der die Schlüssel des Todes und des Hades hat, steht vor der Tür eines Christenmenschen und bittet um Einlass! Er, der liebende Bräutigam, wirbt um seine Frau. (Vgl. Off 19,7; 21,9.)
Gegenliebe kann man nicht befehlen, nicht einfordern. Laodizea sollte dem treuen und wahrhaftigen Zeugen Jesus Christus Raum geben. Um diesen Raum bittet er.

V. 20: „Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich zu ihm hineingehen und mit ihm Mahl halten und er mit mir.“
„… ich zu ihm … mit ihm … und er mit mir.“ Genuss echter Gemeinschaft – das ist das Ziel Gottes mit dem Menschen. Gemeinschaft der Liebe – das ist die Gemeinschaft, nach der er sich sehnt. Er wird sie bei jedem herstellen, bei jedem einzelnen Christen, der auf sein Rufen hört und die Tür des Lebens auftut, ihm Raum gewährt.
Das „schmeckt“ dem Herrn. Das ist ihm Erquickung – wie kaltes Wasser; das ist ihm wohltuend – wie heißes Heilwasser.

f. Überwinderverheißung: 3,21
V. 21: „Der, der überwindet, ihm werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwand und mich zu meinem Vater setzte, auf seinem Thron.“
Der Herr selbst war ein treuer Zeuge gewesen – bis zum Tod: „Der Löwe hat überwunden, der, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids“ (Off 5,5). Darum hat Gott ihn erhöht (Phil 2,9–11). Den Seinen, den Überwindern, die bis zum Tod überwinden, verheißt der Herr, dass sie mit ihm regieren werden.
In der Off erhalten die Märtyrer eine besonderes Los. Sie gehen direkt „zu Gott und zu seinem Thron“ (Off 12,5), wie die zwei Zeugen in Jerusalem; sie gingen nicht in den Hades (11,11.12).
Off 7,14.15: „Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten sie weiß durch das Blut des Lammes. 15 Deswegen sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm in Verehrung“.
12,10.11: „Und ich hörte eine große, ‹laute› Stimme im Himmel sagen: Jetzt ist das Heil und die Kraft und die Königsherrschaft unseres Gottes geworden und die Autorität seines Gesalbten, weil der Verkläger unserer Brüder niedergeworfen ist, der sie verklagte vor unserem Gott Tag und Nacht. 11 Und sie haben ihn überwunden kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses und haben ihre Seele nicht geliebt bis zum Tod.“
14,1.3.4: „Und ich sah, und – siehe!– das Lamm: Es stand auf dem Berg Zion– und mit ihm [waren] einhundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben trugen …. 3 Und sie singen ein Lied – ‹es ist› wie ein neues – vor dem Thron und vor den vier lebenden Wesen und den Ältesten. Und niemand konnte das Lied lernen als nur die einhundertvierundvierzigtausend, die von der Erde erkauft sind. 4 Diese sind … Jungfräuliche. … Diese wurden aus den Menschen erkauft als Erstlinge Gott und dem Lamm.“
15,2: „Und ich sah [etwas] wie ein durchsichtiges Meer, mit Feuer vermengt, und [ich sah] die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens an dem durchsichtigen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie.“
19,14: „Und ihm folgten auf weißen Pferden die Heere, die im Himmel [sind], bekleidet mit weißem, reinem Byssusstoff.“
20,4: „Und ich sah Throne – und sie saßen auf ihnen, und Gericht wurde ihnen gegeben – und die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren, und die, die nicht dem Tier noch seinem Bild gehuldigt hatten und nicht das Malzeichen auf ihre Stirn empfangen hatten oder auf ihre Hand. Und sie lebten und herrschten ‹als Könige› mit dem Gesalbten die tausend Jahre.“

g. Aufforderung zum Hören: 3,22
V. 22: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

C. Exkurs: Kirchengeschichtliche prophetische Botschaften in Off 2–3?
Die sieben Botschaften des Herrn an die sieben Gemeinden sind nicht als sieben spezifische prophetische Botschaften an Christen bestimmter kirchengeschichtlicher Epochen aufzufassen. Folgende Punkte sprechen dagegen:
1. Der Text selbst gibt keinen Anlass, der uns dazu berechtigt, diese Botschaften auch als prophetische Darstellung von kirchengeschichtlichen Epochen aufzufassen. Im Übrigen: Der Zustand der Gemeinde Jesu weltweit ist und war in den letzten 2000 Jahren nicht so einheitlich. Man tut sich daher schwer eine Epoche mit Off 2–3 zu beschreiben.
2. Es geht um Gemeinde Jesu, nicht um Denominationen, nicht um äußerliche Konfessionen oder Kirchen. Thyatira kann nicht die Römische Kirche sein, denn die Römische Kirche als solche kann nicht als Gemeinde Jesu (als ein „goldener Leuchter“) dargestellt werden. Sardes, z. B., besitzt noch Leben, sie ist noch Leuchter und „Gemeinde“. Sie ist nicht tot, sondern die Christen dort schlafen, viele sind „im Begriff“ zu sterben. Der goldenen Leuchter „Laodizea“ stellt nicht die abgefallene Christenheit dar, es handelt sich dort ja um solche, die der Herr Jesus liebt und züchtigt, die also seine Kinder sind.
3. Anwendbar sind die Botschaften für alle; für alle, die ein Ohr haben. Es kann nicht sein, dass z. B. die Smyrna–Botschaft im Besonderen eine prophetische Botschaft für die Verfolgten Heiligen des 2.–4. Jahrhunderts ist und für andere Verfolgte weniger. Auch sind die einzelnen Botschaften nicht auf bestimmte Denominationen mehr anwendbar als auf andere.
4. In Off 1,19 sagt der Herr dem Apostel Johannes, dass er aufschreiben soll, was „ist“. Die sieben Botschaften beziehen sich also auf jene schwere Zeit des ersten Jahrhunderts unmittelbar nach der Abfassung des Briefes, nicht auf die gesamte Zeit der Kirchengeschichte. Würde man Off 2–3 als eine spezifische Botschaft an Christen bestimmter kirchengeschichtlicher Epochen auffassen wollen, würden die K. 2 und 3 zu dem gehören, „was danach geschehen wird“ (4,1.2). Aber gemäß Off 4,1 gehört erst das von K. 4 an Berichtete zu dem, „was danach geschehen wird“.
Es gibt In Off 4 außerdem keinen Anhaltspunkt für die Annahme, die „Versetzung“ des Johannes in den Zustand, „im Geist“ (4,2) bezöge sich auf die Entrückung der Gemeinde. Off 4,2 steht parallel zu 1,10 und deutet an, dass Johannes im Geist entrückt wurde, nicht im Leib. Es fand keine Leibesverwandlung statt. Auch wurde Johannes in Off 4,1.2 als einzelner „entrückt“, nicht die ganze Gemeinde.
Der Bibeltext sagt, die Off ist ein Brief an die sieben Gemeinden in Asien. Der Brief war nicht an andere Christen gerichtet, wie auch die anderen Apostelbriefe nicht an eine spätere Generation von Christen gerichtet waren. Aber weil die Off – wie alle Apostelbriefe des NT – Gottes Wort ist, können wir vieles daraus lernen und für uns anwenden.
Es gibt keinen Hinweis im Text, dass die K. 2–3 über die rein historische Dimension hinausweisen. Der Brief der Offenbarung (K. 1–22) geht an Boten der Gemeinden. Die Gemeinden waren Heilsvolk, Gemeinde Jesu, goldene Leuchter, unter denen der Herr „wandelte“ (K. 1). Die Botschaften sind nicht an Mitläufer oder so gen. „Namenschristen“ gerichtet. Die sieben Botschaften waren an Gemeinden, also an wahre Christen, gerichtet. „Gemeinde Jesu“ besteht aus der Schar der Wiedergeborenen. Die Leuchter sind nur sie. Deshalb kann ein Brief, der an die Wiedergeborenen von Ephesus, Smyrna etc. gerichtet ist, nicht zugleich auch eine Prophetie auf eine Denomination sein, schon gar nicht auf eine Kirche wie die Römische, die im 4. Jahrhundert n. Chr. entstand.

1. Zur Reihenfolge der sieben Botschaften:
Reihenfolge der Botschaften – nicht nur aus geografischen Gegebenheiten.
Eph: ERSTE Liebe = Die Priorität der Liebe. (Die Liebe ist das Wichtigste) 
Smy: Die TREUE der Liebe (Zur Liebe gehört Treue gepaart. Ohne Treue ist Liebe keine Liebe. Das musste auch die Hure Rahab lernen. Jos 2.) 
Per: Der GENUSS der Liebe (Wenn die Liebe mit Treue gepaart ist, kann man sie wirklich genießen) 
Thy: Die HEILIGKEIT der Liebe (Wahre Liebe beinhaltet Hass für falschen Genuss) (Ja zum Wahren heißt Nein zum Falschen) 
Sar: Die HOFFNUNG der Liebe, die lebendige ERWARTUNG [Hoffnung] der Liebe [Was wäre eine Verlobungszeit, wenn es keine Hochzeit gäbe?] 
Phi: Die SICHERHEIT der Liebe [Was wäre das für eine Hoffnung, wenn es nicht sicher wäre, ob mich der Bräutigam schlussendlich auch wirklich heiraten wird?]. →
Lao: Das ZIEL der Liebe. [Guter GESCHMACK (Essen) für den Bräutigam und GEMEINSCHAFT auf dem gemeinsamen Thron. Es geht um das Ziel der Liebe: Genuss für Gott und gemeinsames Ausüben des Mitregierens. Der Bräutigams sitzt mit seiner Braut auf dem Thron.
Bei den ersten sechs geht es in erster Linie um die Liebe und den Genuss der Braut, bei der siebenten um die Liebe und den Genuss des Bräutigams.
2. Über den Allgemeinzustand der einzelnen Gemeinden
Eph: schlecht  Bußruf
Smy: gut; kein Bußruf, sondern: werde treu.
Per: mittel bis schlecht Bußruf
Thy: gut; kein Bußruf [von einem der Vergangenheit wird gesprochen, aber der war nur an Isebel gerichtet gewesen) , sondern: Haltet fest.
Sar: schlecht Bußruf
Php: gut; kein Bußruf, sondern: Haltet fest.
Lao: schlecht Bußruf

Thy: die übrigen sind die Mehrheit
Sar: der Rest sind die Minderheit (3,4)
Lao: nur noch einzelne werden angesprochen

Über die Reihenfolge nach dem Sternmuster (Zeichnung s. u.):
Eph – Thy – Lao – Per – Phil – Smy – Sar – (und wieder Eph)
Die Ähnlichkeiten und Kontraste unter den einzelnen Gemeinden verhalten sich so zu einander, dass ein siebenzackiger Stern entsteht.
Reihenfolge nach Sternmuster: Eph – Thy – Lao – Per – Phil – Smy – Sar – (und wieder Eph)
„Anfang und Schluss der Reihe: Es geht unser Leben vom Baum im Paradies (Off 2: Ephesus) bis zum Thron (Laodizea 3,21).

Die sieben Verheißungen haben die Braut des Königs zum Thema:
Eph: Der Baum des Lebens im Paradies – Leben und Erquickung
Smy: Die Krone
Per: Das Manna und der weiße Stein – eine Beschreibung des Genusses der Freundschaft des Bräutigams
Thy: Die Krone und das Mitregieren mit dem König
Sar: Die Kleider der Braut
Phi: Die Krone – und die Hauptstadt des Königs
Lao: Die Gemeinschaft zu Tisch und zu Throne.

3. Tabellarischer Überblick über die sieben Botschaften

Ephesus Smyrna Pergamon Thyatira Sardes Philadelphia Laodizea
2,1–7 2,8–11 2,12–17 2,18–29 3,1–6 3,7–13 3,14–22
begehrenswert Bitterkeit fest verheiratet verderbtes Opfer Überrest Bruderliebe Volksherrschaft
CHRISTUS hält Sterne, wandelt unter den Leuchtern CHRISTUS, der Erste und Letzte, der tot war und lebt CHRISTUS hat das zweischneidige, scharfe Schwert CHRISTUS, der Sohn Gottes, hat Augen wie Feuer und Füße wie Erz CHRISTUS hat die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne CHRISTUS, der Heilige und Wahrhaftige, hat den Schlüssel Davids CHR., der treue u. wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung
Ich kenne deine Werke: Mühe, Aus–harren, Böses gerichtet, falsche Apostel geprüft.

Aber …
Erste Liebe verlassen Ich kenne deine Bedrängnis, Armut, geistlicher Reichtum Ich kenne dein Wohnen, Festhalten, Nichtverleugnen des Glaubens.

Aber … Duldung der Anhänger Bileams Ich kenne deine Werke: Liebe, Glaube, Dienst, Ausharren, die letzten Werke mehr

Aber … Duldung der Verführerin Isebel Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst,

Aber …
du bist tot. Ich kenne deine Werke: Kleine Kraft, Wort (vom Ausharren auf Jesus) bewahrt, Jesu Namen nicht verleugnet. Ich kenne deine Werke.
Du bist weder kalt noch heiß, sondern lau; geistliche Armut, Blindheit u. Nacktheit
Die Pseudo–Apostel
Die Nikolaiten:
Haß gegen die Werke der Nikolaiten Die Pseudo–Juden, die Synagoge Satans Der Thron Satans; wo der Satan wohnt
Anhänger an der Lehre Bileams (Götzenopfer–fleisch, Unzucht)
Die Anhänger an der Lehre der Nikolaiten Die Tiefen Satans;
das Weib Isebel, die Pseudo–Prophetin (Unzucht, Götzenopferfleisch) Die Pseudo–Wiedergeborenen, die aber geistlich tot sind, die ihre Kleider besudelt haben Die Synagoge Satans; Die Pseudo–Juden Der Pseudo–Reichtum, Selbstgenügsamkeit
Tu Buße! Fürchte nichts, was du leiden wirst! Tu Buße! Ich gab ihr Zeit, Buße zu tun; sie will nicht. Wach auf! Erinnere Dich! Tu Buße! Halte fest, was du hast! Kaufe Gold, Kleider, Salbe! Tu Buße!
Ich werde kommen und deinen Leuchter wegstoßen Sei treu bis zum Tod (und ich werde dir die Krone des Lebens geben) Ich werde bald kommen und mit ihnen Krieg führen (mit dem Schwert des Mundes) Große Bedrängnis über sie, Tod ihrer Kinder
Die Übrigen: Haltet fest, bis ich komme Ich komme über dich wie ein Dieb; (du wirst unvorbereitet sein) Die Stunde der Versuchung über den ganzen Erdkreis.
Ich komme bald! (und bringe dir die Krone) Ich stehe an der Tür!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Überwinder:
Gewalt und Gericht über die Nationen, Morgenstern Überwinder:
Weiße Kleider,
Name nicht auslöschen,
Name bekennen vor Vater und Engeln Überwinder:
Säule im Tempel, nie mehr hinaus, Name Gottes, Name des neuen Jerusalems und neuen Namen Jesu Überwinder:
(mit Jesus an seinem Tisch sitzen)
Mit Jesus auf seinem Thron sitzen
Überwinder:
Frucht vom Baum des Lebens im Paradies Gottes Überwinder:
Kein Schaden vom zweiten Tod (sondern die Krone des Lebens) Überwinder:
Verborgenes Manna, weißer Stein, neuer Name Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

II. TEIL: SIEBEN SIEGEL 4,1–8,1
A. Hinführung zur Hauptbotschaft: Der Thronsaal, das Buch und das Lamm 4,1– 5,14
Gott – der Gott der Geschichtsszene – hat den Raum geschaffen, in dem die Geschichte abläuft: Er ist der Schöpfer: K. 4. Gott – der Gott der Heilsgeschichte – hat den Verlauf der Geschichte entscheidend beeinflusst: Er ist der Erlöser durch Jesus Christus, das Lamm Gottes: K. 5

1. Die Öffnung der Tür im Himmel und die Versetzung des Sehers in den Himmel: 4,1.2A
V. 1: „Nach diesem sah ich, und – siehe! – eine Tür, geöffnet, im Himmel. Und die erste Stimme, die ich zu mir reden gehört hatte wie [die] einer Posaune, …“
Der Einladende ist der Sohn Gottes. Vgl. 1,10.

„… sagte: Steige auf hierher, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.“
Die Dinge, „die nach diesem geschehen müssen“, sind ebendie, die „im Begriffe sind zu geschehen“ (1,10).
In den K. 4ff. wird den Briefempfängern gezeigt, was „nach diesem“ kommt. Welcher Zeitpunkt ist mit dem Wort „diesem“ (das zweimal vorkommt) angedeutet?
Der Zeitpunkt ist nicht der der Entrückung, sondern der, in welchem Johannes schreibt. Es gibt im Text keinen Hinweis auf die Deutung der K. 2 und 3 als verschiedene Epochen der Kirchengeschichte. Es waren sieben Botschaften an damalige Gemeinden.
Die Tatsache, dass ab 4,1 der Himmel der Standort der Betrachtung ist, besagt nicht, dass die Gemeinde der Erlösten ab K. 4 entrückt ist. (Will man argumentieren, dass ab K. 4 bis K. 19 das Wort „Gemeinde“ nicht erwähnt wird, so ist zu bedenken, auch in K. 19 kommt das Wort Gemeinde nicht vor, auch in den K. 20–22 nicht. Auch in anderen Briefen – 2Tim; Tit; 1P; 2P; 1Joh; 2Joh; Jud – kommt das Wort „Gemeinde“ nicht vor.)
. Was heißt „nach diesem“? – Alle folgenden Gesichte bzw. Reihen von Gesichten (4–7; 8–11; 12–15,4; 15,5–16,21; 17,1–19,10; 19,11–21,8; 21,9–22,5) werden im Himmel geschaut. K. 4ff betreffen Dinge, die „nach diesem im Begriff sind zu geschehen“, also nach dem gegenwärtigen Zeitpunkt (der in den K. 1–3 beschrieben war). Das Wort „diesem“ bezieht sich auf die Zeit des Johannes, der diesen Brief vmtl. zwischen 60 und 63 n. Chr. schrieb.
V. 2: „Und sogleich wurde ich [einer, der] im Geist [war];“
Johannes wurde im Geist in den Himmel versetzt – in einen Zustand, wo der Geist ihn mitnahm (nicht leiblich!) und ihm übernatürliche Offenbarung gab. Der Himmel ist nicht weit weg, er ist die jenseitige Welt. Er ist ganz nahe.
Die K. 4 und 5 dienen als Hinführung zu den K. 6–16 bzw. 6–22.

2. Das Gesicht vom Thron und der Umgebung des Thrones: 4,2M–11
a. Der Thron: 4,2M
„Und – siehe! – ein Thron; im Himmel aufgestellt;“
Der Thron spricht …
. von Ruhe: Gott handelt nicht übereilt, nicht unüberlegt.
. von Regierung: Gott hat alles in der Hand. Nichts kann ihn überraschen.
. von Wohnen bzw. Sitzen: Gott „sitzt“ zwischen den Cherubim. Das hebr. Wort (jaschab) bedeutet „sitzen, wohnen, thronen“.
. von Würde: „Sitzen“ ist im Orient ein Zeichen von Würde. Der Diener muss stehen, der Regent bzw. der Übergeordnete sitzt.
Der Thron erinnert an den Deckel der Bundeslade, der auch „Thron“ genannt wurde. Der Deckel war ein „Thron“, weil Gott zwischen den Cherubim „thronte“. (Vgl. das siebenmalige Vorkommen: 1Sa 4,4; 2Sa 6,2; 2Kön 19,15; 1Ch 13,6; Ps 80,2; 99,1; Jes 37,16.). D. h., Gott „saß“ im Allerheiligsten über dem Deckel, der von den Cherubim überschattet war. Der Altar (Off 8,3E) stand vor dem Thron, wie der Räucheraltar der Stiftshütte vor der Bundeslade stand. (Allerdings war ein Vorhang dazwischen.) Der Himmel ist Gottes Thron (Apg 7,49; Jes 66,1.2): Das bedeutet: Gott ist ein Gott der Herrschaft, er regiert alles. Vgl. Dan 4,23 („die Himmel herrschen“).
Johannes war „Mitteilhabender an dem Königreich“ (Off 1,9). Er lebte für den im Himmel thronenden König.

b. Der Thronende und seine Umgebung (7–fache Beschreibung): 4,2–8
I: Auf dem Thron: Der Thronende
„… und auf dem Thron ein Sitzender!“
Gott ist der Gott der Geschichtsszene: Er regiert die Welt.
V. 3: „Und der Sitzende war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sardisstein.“ – Johannes scheut sich, Gott selber zu beschreiben. Er nennt nicht einmal seinen Namen.
Johannes erhält einen Blick in die göttliche Art der Regierung und Führung und Fürsorge. Im Himmel ist ein Thron, und weil es einen Thron gibt und Menschen diesen Thron nicht anerkennen, gibt es Gerichte.

„… gleich einem Jaspisstein und einem Sardisstein“
Der Jaspis ist ein Brillant (ein geschliffener Diamant), der wertvollste Edelstein. Er spricht von der Kostbarkeit des Glanzes und der Herrlichkeit Gottes. Gott ist vollkommenes Licht, er ist absolut rein und wahr.
Vor Beginn der Gerichte der Off soll jeder wissen: Gott will nicht das Böse. Er ist immer gut. Alles, was er tut, ist recht. 5Mo 33,2.
Der Sardis ist ein Rubin, feuerrot. Er spricht vom Feuergericht. Das zeigt: Die himmlische Regierung hasst Sünde und antwortet auf Sünde mit Gericht.
Sardis und Jaspis waren der erste und der letzte Edelstein auf dem Brustschild Aarons:
Sardis: 2Mo 28,17 Schl2000; BdF Fußn.; heb.: odäm; and. Übersetzungen haben „Karneol“; der Karneol ist ein Rubin;
Jaspis: 2Mo 28,20 BdF; Schl2000; heb.: jaschpeh; (n. d. Elbf.Üs. „Nefrit“), gleichsam das A und O der Herrlichkeit Gottes.

II: Rings um den Thron: Ein Regenbogen: 4,3M
„Und ein Regenbogen war rings um den Thron, …“
Hier lernen wir etwas von Gott und seinem Thron, seinen Herrschaftsprinzipien.
Der Regenbogen erinnert an Gottes Bund mit der Schöpfung (1Mo 9,8.17; Hes 1,28):

„… von Ansehen gleich einem Smaragd.“
Der grasgrüne Smaragd, eine sehr sanfte Farbe, erinnert an die Sanftmut Gottes im Schließen des Noah–Bündnisses. Wir dürfen wissen: Gottes Gerichte kommen von einem Gott der Gnade.
Für den Regenbogen – zwischen Himmel und Erde – braucht es eine Sonne, die durch das dunkle Gewölk wirkt. Der Himmel (Gott) durchwirkt das (dunkle) Irdische. Gottes Liebe durchdringt das Dunkel der Menschen. Gott selbst setzt Grenzen mitten im Gericht: Ins Zorngericht kommt nur der, der an der Erlösung vorbeigeht, Joh 5,24. Der Bogen verkündigt Frieden und erinnert an Gottes Treue. Der Glaube entdeckt in der finsteren Wolke (des Gerichtes v. Golgatha) den schönen Bogen der Gnade und Treue Gottes.

III: Rings um den Thron: Vierundzwanzig Throne mit vierundzwanzig Ältesten: V. 4
V. 4: „Und auf den Thronen sah ich die vierundzwanzig Ältesten sitzen, umkleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“
Gott delegiert Autorität. Er ist kein selbstsüchtiger Alleinherrscher, der niemanden an seinen Thron heranlässt, sondern will, dass die Seinen – in Christus – mitregieren, mitverwalten. Gott verleiht dem Menschen Autorität.
Manche meinen, die „Ältesten“ seien Engel; aber Engel können nicht Priesterkönige sein (1,6; 5,9.10). Der Name „Älteste“ deutet darauf hin, dass sie Menschen sind. Alter spricht von Reife und Weisheit. „Älteste“ sind in der Bibel immer menschliche Geschöpfe. Das Wort kommt über 280–mal im AT u. NT vor. (Vgl. 1Mo 50,7; 2Mo 3,16; 18,12; 24,1; Ps 107,32; Jes 3,2 u. a.; in Jes 24,23 sind „Stadtälteste“ gemeint, nämlich von dem verherrlichten Jerusalem, vgl. Klgl 2,10.)
Der Mensch ist Gottes Vizekönig. Gott gibt ihm Autorität. Jesus sagte zu Pilatus (Joh 19,11): „Du hättest keine Autorität über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.“
Welch wunderbare Regierung ist das! Sie ist bereit, Verantwortung an die Untertanen zu übergeben. Das tun irdische Regierungen üblicherweise nicht. – Gott weiß: Wachstum hängt davon ab, Untergebene lernen, Verantwortung zu übernehmen.

„… umkleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“
Weiß (griech.: leukos) ist in der Off, wenn es sich um Kleider handelt, ausschließlich die Farbe des Messias und der Seinen (3,4.5.18; 6,11; 7,9.13). Weiße Kleider wurden den Überwindern in 3,4 versprochen. Die weißen Gewänder sprechen von reinem Charakter und reinem Wandel.
Die Zahl 24 spielt wahrscheinlich auf die 24 Priesterklassen des AT an (1Chr 24). Andere meinen, sie sei ein Hinweis auf die Einheit alttestamentlicher und neutestamentlicher Gemeinde (12 Stämme; 12 Apostel; K. 7; 12; 21,12–14). Sicher ist: Die Ältesten, sitzend rings um den Thron, sind die Repräsentanten des Gottesvolkes.

„… und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“
Sie dürfen „das Land regieren“ (5,10). Sie thronen dort, wo der Regenbogen ist, d. h., Gott hält ihnen seinen Gnadenbund. Sie dürfen mit Gott regieren, weil Gott in seinem Gericht Grenzen gesetzt hat – denen, die in Christus Jesus sind.
Die wichtigste Frage, die wir über eine Regierung stellen können, ist: Wie denkt diese Regierung über den Wert des Menschen? Die kronentragenden Ältesten geben die Antwort. – Eine, die nicht tyrannisch ist, sondern ihre Autorität delegiert an die 24 Throne. Die Kronen sprechen von Regierungsautorität (4,10; 2,10; 3,11). Engel werden in der Ewigkeit nicht herrschen, auch nicht auf Thronen sitzen. Sie sind Diener, Hebr 1,13.14.
Was ist das für eine Regierung, von der solche Gerichte ausgehen? – eine, für die der Mensch von unendlichem Wert ist; eine, die den Menschen mitregieren lässt. Ein Thron für den Menschen – das war die ursprüngliche Bestimmung des Menschen und der Zweck der Erschaffung des Menschen (1Mo 1,26.27). Der Mensch, im Ebenbild Gottes geschaffen, ist gleichsam die Krone der Schöpfung. Der in Christus erneuerte Mensch darf nun seiner ursprünglichen Bestimmung nachkommen – als Gottes ewiger Vizekönig.

. Das Niederwerfen der Kronen (4,10) signalisiert das Bewusstsein ihrer Unwürdigkeit. Sie wissen, dass sie alles dem Lamm zu verdanken haben. Dennoch dürfen sie mitherrschen. Welch eine Gnade!
. Das Sitzen (Regieren) auf Thronen ist eine große Ehre: Keinem Engel wurde je erlaubt, in der Gegenwart Gottes zu sitzen. Die Engel stehen vor Gott, die Priester im AT ebenfalls (Hebr 10,11.12). Sie aber, als Erlöste in Christus, sitzen. Vgl. Eph 2,5.6.
Zu beachten ist, dass Johannes Bilder sieht. Auch wenn die 24 Ältesten das Volk Gottes repräsentieren, bedeutet dies nicht, dass es zu jenem Zeitpunkt (K. 4) keine Vertreter des Gottesvolkes mehr auf Erden gäbe. Johannes selber gehört zur Gemeinde und ist zu jenem Zeitpunkt, als er die 24 Ältesten sieht, noch nicht entschlafen oder verherrlicht.
→ Wir fragen uns: Wie stehe ich zu dieser Regierung? Lasse ich Christus ganz Herr sein?

IV: Aus dem Thron: Blitze, Donner und Stimmen: V. 5A
V. 5: „Und aus dem Thron gehen Blitze heraus und Donner und Stimmen.“
Alle Gerichte gehen von dem Thron Gottes aus.
Blitze, Donner und Stimmen (o.: Geräusche; o.: Donnerstimmen) sind Zeichen des göttlichen Gerichts (2Mo 19. Eine Erinnerung an den Exodus; Gottes Erscheinen am Sinai, als die Tempel-Ära begann).
Gott greift in seine Schöpfung ein.

V: Vor dem Thron: Feuerfackeln: V. 5
„Und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, die die sieben Geister Gottes sind.“
Die sieben Fackeln bringen den Heiligen Geist in Zusammenhang mit dem Thron.
Vor dem Thron scheint Licht, helles Feuer.
Paulus spricht von der Macht der Finsternis (Eph 6,12; Kol 1,12f.) In der Welt regieren die Mächtigen oft mit Geheimnistuerei. Doch Johannes sieht: Gott ist von Licht umgeben. (Vgl. Ps 104,2: „… du, der in Licht sich hüllt wie in ein Gewand“.)
Das Licht spricht auch von Wahrheit: Gottes Regierung ist eine, die für die Wahrheit ist. Dieser König lügt nie.
Die sieben Fackeln sind die sieben Geister, d. h., der eine Geist in sieben Eigenschaften (Vgl. Jes 11,2.) Gott sieht alles, was in der Welt vor sich geht. Es gibt keine dunkle Stelle vor seinen Augen (Hebr 4,13).
Die Zahl Sieben spricht von Fülle: Er ist ein Geist der Fülle und Vollkommenheit.

VI: Vor dem Thron: Ein gläsernes Meer:
V. 6A: „Und vor dem Thron war ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“
Das „Glas“ (gläserne Meer) spricht von Reinheit. Das Meer ist sonst unruhig, gefährlich, aber hier ist es völlig ruhig. – Gibt es eine Kraft, die das ungestüme Meer stillen kann? Jesus sagte (Mk 4,39): „Schweig still ‹und bleib so›.“
Das Meer ist eine Erinnerung an den Exodus, jenseits des Meeres von Ägypten (2Mo 15). Vgl. Off 15,2.

Auch wir erfahren das Toben des Meeres. Gibt es einen König, der das Toben stillen kann? Jesus schreitet auf den Wellen und offenbart seine königliche Autorität (Joh 6,19–21).
Das Waschbecken im Tempel wurde bezeichnet als das „eherne Meer“ (1Kön 7,23).
Gott wollte in Jerusalem regieren. Aber die Bewohner waren nicht rein. Daher war eine Waschung nötig: So kam der Herr, Jesus, um sein Volk zu waschen, damit es für Gottes Gegenwart und für das Mitregieren tauglich würde. (Vgl. Tit 3,4; Eph 5,25–27; 1Joh 1,7.) – Im Himmel ist das Meer „gläsern“. Es ist kein Waschen mehr nötig, aber eine Erinnerung daran, dass Jesus Christus uns für immer gewaschen hat. Vgl. Off 15,2.

VII: Inmitten des Thrones und rings um den Thron: Vier lebende Wesen: V. 6–8A
„Und inmitten des Thrones und rings um den Thron waren vier lebende Wesen, voll überdeckt mit Augen vorne und hinten.
Vier lebende Wesen – im Herzen des Thrones. Mitten im Thron ist LEBEN. – Welch ein Gott! Und diese Wesen preisen den LEBENDEN Gott, der da lebt in alle Ewigkeit.
– Wer sind diese Wesen? Wir sollten uns fragen, WAS sie sind, nicht WER und WIE sie sind. Sie sind LEBEND, und sie sind löwenstark, stierfest, menschenklug und adlerschnell.
Sie sind offensichtlich Engelwesen – wie die Cherubim. Vgl. Hes 1,5.18.22;10,14.
Sie strahlen das Wesen der göttlichen Regierung wieder. Diese ist stark, fest (beständig), weise und schnell handelnd.
Sie bewachen den Thron, wachen darüber, dass Gottes Heiligkeit nicht befleckt wird.
Sie tragen den Thron. Gottes Königsherrschaft ist getragen von seinen göttlichen Eigenschaften: seiner Kraft, Beständigkeit, Weisheit und Schnelligkeit.
Sie helfen – wie die Ältesten – die Offenbarung zu entfalten; sie treten daher im Buch der Off immer wieder auf.
Durch die vier Gestalten werden nicht die vier Evangelien dargestellt. Die vier Wesen sind nicht Bilder von dem Sohn Gottes, sondern sie stellen die Eigenschaften des göttlichen Thrones und des Regierenden dar. (Vom Sohn Gottes ist in K. 4 nicht die Rede, erst in K. 5.)
Vier „Regenten“ aus Gottes Schöpfung: der König der wilden Tiere, der König der Haustiere, der König des Landes und der König der Lüfte.
Was ist Gottes Königsherrschaft?
. Sie ist wie ein Löwe (Ri 14,18 „Und was ist stärker als der Löwe?“), stark (vgl. Off 18,8).
. Sie ist wie ein Stier, tragfähig, fest und beständig (vgl. die zwölf ehernen Rinder, Jer 52,20; 5Mo 33,17: „Sein ist die Majestät des Erstgeborenen seines Stieres; und Hörner des Wildochsen sind seine Hörner. …“)
. Sie ist wie ein Menschengesicht – weise und intelligent regierend (Spr 20,27; 30,2; 1Sa 2,3).
. Sie ist wie ein Adler – schnell (2Sa 1,23: „Saul und Jonathan … schneller als Adler …“; Jer 4,13). Gottes Regierung ist sofort handlungsfähig, sie ist überall gleichzeitig gegenwärtig.

Weitere Eigenschaften: 4,8
V. 8: „Und die vier lebenden Wesen, die ringsherum und innen voll überdeckt waren mit Augen, …“
Die Augen (Hes 10,12; Hebr 4,13) sprechen von Einsicht und Intelligenz. Leben entsteht durch göttliche Intelligenz. „Im Anfang war die Information“. Leben ist der Beweis von der Existenz einer höheren intelligenten Planers.
Die Augen sehen alles, daher wissen sie alles. Diese Augen sind stets wachsam auf Gott gerichtet (Ps 16,8). Sie sind „Leibwächter“ des Thrones Gottes, sind um ihn her, beschützen ihn gleichsam. (Auch uns – den Thron Gottes in unserem Leben – wollen sie beschützen)

„… hatten jedes sechs Flügel.“
Sie sind schnell, Gottes Befehle auszuführen.
→ Wir lernen: Auch wir heute sollen tun, was diese Cherubim tun: die Augen wachsam auf Ihn richten, Gott sofort gehorchen, die Befehle schnell ausüben, Ihm huldigen, ihn anbeten.
3. Die Anbetung des Thronenden: 4,8M–11

a. Anbetung durch die vier lebenden Wesen: 4,8M
„Und Tag und Nacht sagen sie ohne Pause: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott, der Machthaber über alles, der war und der ist und der kommt.’“

Was ist diese für eine Art Regierung (Thron)?
– eine, die alles souverän in der Hand hat 4,2
– eine, die würdevoll ist 4,2
– eine, die überaus kostbar ist 4,3
– eine, die in Gnade handelt und in Treue zu dem Bund 4,3
– eine, die Autorität an den Menschen delegiert 4,4 (d. h.: der Mensch hat einen sehr großen Wert)
– eine, die dem Menschen einen unendlichen Wert beimisst 4,4; 5,10
– eine, die für die Wahrheit ist und in Wahrheit spricht und handelt (Licht) 4,5
– eine, die für das Leben ist 4,6–8; 4,9.11; 5,9
– eine, die heilig, heilig, heilig ist – rein und daher gerecht
– eine, die stark, beständig, weise und schnell ist (4,6–8)
– eine, die alles sieht (4,6–8)
– eine, der die Herrlichkeit und die Macht gebührt

Allgemeines über Anbetung (Huldigung):
. Anbeten ist Bekennen. Man spricht zu Gott über Gott. V. 8M
„Und Tag und Nacht sagen sie ohne Pause: ‚Heilig, heilig, heilig …’“
Es besteht kein Gegensatz zwischen Leben und Heiligsein.
Wie falsch liegt der, der denkt: „Ich will leben, ohne Gott.“ Sünde verdirbt das Leben. Sie tötet. Wer auf Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten (Gal 6,8).

„… ist der Herr (ADONAI), Gott (ELOHIM), der Machthaber über alles (EL SCHADDAI), der war und der ist und der kommt.’“ Vgl. Jes 6,2.3. JAHWEH ist der ewig Seiende.
Diese Offenbarung ist eine große Ermutigung für die Gemeinde in den Tagen ihrer schweren Existenz.

. Anbeten ist Geben an Gott. V. 9A. Wir bringen ihm etwas.
„… jedesmal, wenn die Lebewesen Herrlichkeit und Ehre und Dank geben werden dem …“

. Anbeten ist getragen vom Danken und Loben. V. 9
Unterschied zwischen danken und loben:
DANK ist Erkenntlichkeit. Dabei ist ein Bezug zu dem, der dankt vorhanden. Dadurch unterstellt sich der Dankende dem, dem er dankt. [Z.B.: Ich danke dir, dass du den Tisch sauber gedeckt hast. D.h. ich habe etwas davon, bin in irgendeiner Weise davon positiv betroffen.]
Weil das Moment der Unterordnung vorhanden ist, ist es undenkbar, dass Gott einem Menschen dankt oder zu Dank verpflichtet sei. [Lk 17,9, Der Sklavenherr dankt seinem Sklaven nicht!] Griech: charin echein (Gnade/Dank halten) oder eucharistein (danken)
LOB ist Anerkennung einer Tat, Gabe oder Eigenschaft dessen, der gelobt wird. Damit wird der, der gelobt wird, erhoben. Beim Lob ist – im Gegensatz zum Dank – nicht notwendigerweise ein Bezug zum Lobenden vorhanden und daher auch nicht notwendigerweise eine Unterordnung des Lobenden unter den Gelobten. Daher ist es auch möglich, dass Gott einen Menschen lobt (z.B. Rm 2,29; Mt 25,21.23; Lk 16,8), sogar ehrt („ehren“ ist noch stärker als „loben“): 1Sa 2,30; Joh 12,26.

Man LOBT eine Person für
. ihre Handlungen,
. für ihr Wesen/ ihre Eigenschaften,
Man DANKT einer Person für
. ihre Handlungen
. für ihre Gaben
. aber NICHT für ihr Wesen / ihre Eigenschaften.
[Nb.: Ich danke dir für deine Liebe, heißt: für deine Liebestaten.]

. Anbetung ist getragen von gründlichem Nachsinnen über Gott. V. 9
. Anbeten fließt heraus aus dem Nachsinnen über Gottes Wort und über Gott: sein Wesen seine Taten und seine Gaben. V. 9
Wahre Anbetung geschieht mit Verständnis. Anbeten ist nicht stereotype Wiederholung von bestimmen Formeln oder Sätzen oder von bestimmten Liedversen.
Die Ältesten erklären in der Off stets, warum sie anbeten. Geistliche Einsicht, nicht stereotypes Wiederholen von Phrasen.

V. 9: „Und wenn die lebenden Wesen Herrlichkeit und Ehre und Dank geben werden …“
. Der Vers 9 – mit V. 10 – ist eine Anmerkung des Joh. Doch scheint er hier nicht eigene Gedanken weiterzugeben.
„… dem, der auf dem Thron sitzt, der in alle Ewigkeit lebt …“

. Diese Anbetung ist etwas Anhaltendes, eine Lebenshaltung.
V. 8: „… ohne Ruhe, Tag und Nacht …“
V. 9: „… wenn die lebenden Wesen … geben werden …“

. Anbeten ist Huldigen (V. 10)
Das drückt sich u. a. durch die Körperhaltung aus: Niederfallen. V. 9

b. Die Anbetung durch die vierundzwanzig Ältesten: 4,9–11
V. 9: „Und wenn die lebenden Wesen geben werden Herrlichkeit und Ehre und Dank dem, der auf dem Thron sitzt, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, 10 werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt. 11 ‚Würdig bist du, Herr, zu empfangen die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft, weil du alle Dinge schufst, und wegen deines Willens sind sie da und wurden sie geschaffen.’“

Was ist dein Wert – angesichts dieses Thrones? – Du bist wertvoller als die gesamte materielle Schöpfung. Du wirst noch Millionen von Jahre leben.

Die Anbetung selber: 4,10
V. 10: „… werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt. Und sie huldigen dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, und werfen ihre Kronen vor dem Thron nieder und sagen:
. Sie Ältesten geben dem Herrn Seine Herrlichkeit.
Geben i. S. v.: zusprechen. Sie geben ihm den Ruhm. Sie sprechen zu ihm von ihm und von der Erhabenheit und Schönheit seiner Herrlichkeit
. Und sie geben dem Herrn ihre eigene Herrlichkeit (die Gott ihnen geschenkt hat), ihre Krone. Sie ist ihnen nicht wichtig. Sie werfen auch diese Ihm zu Füßen; sie wissen, dass sie alles, was sie sind und haben durch Ihn sind und haben.
Nichts, was von uns selbst kommt, kann vor Gott irgend einen Wert haben. Nur das, was er (durch uns und/oder andere) wirkt, hat Bestand.

Das Gebet: 4,11
V. 11: „Würdig bist du, Herr, zu empfangen die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft, …“
Gott ist die Quelle der Kraft. Wie kommt es, dass Gott hier Kraft „empfängt“? – Er bekommt von den Seinen die Anerkennung, dass Er der Kräftige ist, von dem alle Kraft kommt. Sie sagen ihm Dank dafür, dass er alle Kraft hat. Und Gott „empfängt“ von uns Kraft, indem wir uns ihm willig und völlig ausliefern. Dann kann er uns verwenden – zu seiner Ehre und Machtvermehrung; denn, je mehr ich ihm von mir „gebe“, desto größer wird sein Herrschaftsbereich in mir. Denn Gott will mich freiwillig. In seiner großen Liebe zwingt er mich nicht.

Die Begründung (Gott will, dass wir begründen, warum wir ihn anbeten)
Gott, du bist es würdig, in seiner ganzen Schöpfung die Herrlichkeit und Ehre aller seiner Geschöpfe in Empfang zu nehmen; und du bist würdig, über sie alle Macht zu empfangen,
V. 11: „… weil du alle Dinge schufst, …“
Jedes Geschöpf, jedes noch so kleine Detail, ist für Gott da, zu seiner Ehre. Liest man 1Mo 1 und 2, könnte man meinen, Gott habe Schöpfung für den Menschen gemacht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit:
„… und wegen deines Willens sind sie da und wurden sie geschaffen.“
Wir sollen daher alles Geschaffene entsprechend diesem Wissen behandeln. Und ich selbst soll nun für ihn da sein.
„Wegen deines Willens“, d. h., a) weil du es wolltest und b) weil du das Ziel von allem bist: „für deinen Willen“; alles ist geschaffen worden, mit dem Ziel, ihm zu Willen zu sein. Auch ich. Ich bin geschaffen, damit Gott durch mich seinen Willen bekommt. Er gebraucht mich als Freiwilligen, der sich täglich ihm zur Verfügung stellt. Das ist der Sinn meines Daseins: ihm zu Willen zu sein.
Weil nun aber der Mensch sich und seine Umwelt nicht Gott zur Verfügung stellt, muss Gott richten, bzw. durch Warngerichte um den Menschen werben.

Die Antwort auf die Frage „Warum Gericht?“ ist also: Weil der Mensch Gott nicht auf den Thron lässt, nicht über sein eigenes Menschenleben regieren lässt.
Auf diese Weise beraubt der Mensch Gott Seines Thronrechts.
In K. 5 werden wir lesen, dass ein Teil der Würde Gottes in dem besteht, was er für uns getan hat und zu was er uns gemacht hat. Er gab seinen Sohn für uns hin. Die teuerste Münze im Weltall ist für dich und mich bezahlt worden!
Er tat dies, um uns für sich zu Königen und Priestern zu machen.
Lassen wir ihn Herr sein in unserem Leben!
In einem Lied heißt es:
„Was könnte Gott aus deinem Leben machen,
wenn du ihn nur Herr sein ließest ganz und gar.
Vertrau dich ihm an, und du wirst sehen,
und du wirst sehn, der Herr führt wunderbar.
Es wird erzählt, dass Felix Mendelssohn, der große Komponist, einmal nach Freiburg kam, um sich im Münster die große Orgel anzusehen. Der alte Küster, nicht wissend, wer vor ihm stand, verweigerte ihm zuerst die Erlaubnis, auf dem Instrument zu spielen. Schließlich erklärte er sich widerstrebend bereit, ihn ein paar Takte spielen zu lassen. Mendelssohn nahm auf der Orgelbank Platz, und schon brach brausend die herrlichste Musik aus dem königlichen Instrument hervor.
Der Küster war sprachlos vor Staunen. Er kam heran und fragte den großen Musiker nach seinem Namen. Als er hörte, wen er vor sich hatte, stand er tief betroffen da und machte sich Selbstvorwürfe. „Wie konnte ich Ihnen nur die Erlaubnis zum Spielen auf dieser Orgel verweigern!“
Jesus ist es, der unser Leben in die Hand nehmen und darauf „spielen“ möchte. Wir wollen es ihm erlauben! Er wird unseren Herzen eine himmlische Musik entlocken, wenn wir uns ihm ausliefern.
(aus: www.auftanken.de )

4. Das Gesicht von der Buchrolle und vom Lamm: 5,1–14
a. Die Buchrolle in der Hand des Thronenden: 5,1
Gott ist der Gott der Heilsgeschichte.
5,1: „Und ich sah auf der Rechten dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und auf der Rückseite beschrieben, versiegelt mit sieben Siegeln.“
Die Buchrolle war auf seiner Rechten, lag auf der Tat–Hand Gottes. (Vgl. Ps 118,15).
„… innen und auf der Rückseite beschrieben, …“
– brechend voll mit Inhalt.

„…versiegelt mit sieben Siegeln.“
Ganz und gar verschlossen, siebenfach. Die Siegel sind an der Außenseite der zusammengerollten Buchrolle in einer Reihe befestigt. Alle sieben Siegel mussten aufgebrochen werden, ehe die Rolle geöffnet werden konnte.
Wichtige Bücher waren mit mehreren Siegeln versiegelt. Ein Geldbrief, beispielsweise, war mit fünf Siegeln versiegelt. Buchsiegel waren üblicherweise an der Außenseite der zusammengerollten Buchrolle in einer Reihe befestigt. Alle Siegel mussten aufgebrochen werden, ehe die Rolle geöffnet werden konnte.
Der Ausleger Zahn weist darauf hin, dass die siebenfache Versiegelung beweist, „dass das Büchlein als ein in den Formen menschlichen Rechts abgefasstes Testament vorgestellt werden sollte.“
(Zahn beruft sich auf den Juristen E. Huschke (in E. Huschke, Das Buch mit sieben Siegeln in der Offenbarung St. Joh 5,1ff., Leipzig u. Dresden, Just. Naumaun 1860): Nach römischen Recht musste „das so genannte Prätorische Testament eigenhändig vom Testator geschrieben, von ihm selber und mindestens 7 römischen Bürgern als Zeugen unterschrieben und von ihm und sämtlichen Zeugen von außen versiegelt und zur Seite der Siegelabdrücke durch nochmalige Namensunterschrift beglaubigt werden. Selbstverständlich haben römische Bürger auch außerhalb Roms und in den Provinzen diese vergleichsweise bequeme und für besonders sicher geltende Form des Testaments gewählt. Wenn wir die Beobachtung dieser gesetzlichen Vor¬schriften vor allem durch Papyrusurkunden aus Ägypten bestätigen können, wo von der Ptolemäerzeit her einheimische, griechisch–macedonische Rechtsgebräuche sich bis in die römische Zeit behauptet haben, so muß man folgern, dass in dem Ursprungsland der Ap [Apokalypse], welches viel früher als Ägypten römische Provinz geworden ist, auch römisches Recht lange vor der Abfassungszeit der Ap Heimats¬recht geworden ist. Finden wir doch auch in ägyptischen Ur¬kunden des 2. Jahrhunderts n. Chr. die Voraussetzung deutlich ausgesprochen, dass die 7fache Siegelung der Testamente eine ge-meingültige, jedenfalls für römische Bürger in allen Provinzen des römischen Reiches verbindliche sei“ (Theodor Zahn, Kommentar zur Off, S 340f.)

b. Der starke Engel und die Frage nach der Öffnung der Buchrolle: 5,2–5
5,2: „Und ich sah einen starken [himmlischen] Boten: Mit großer, ‹lauter› Stimme rief er aus: ‚Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?’“
Wir erfahren in V. 12, dass der, der würdig ist, das Buch zu öffnen, derjenige ist, dem die Macht und Herrlichkeit und Ehre gebühren. („Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu nehmen die Kraft – und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob!“)
Eines der großen Themen der Off ist die Antwort auf die Frage: Wem gehören alle Macht und alle Herrlichkeit? Wer ist es, der die Welt erben und in alle Ewigkeit regieren wird? – Wer die Buchrolle öffnen kann, ist Herr über die Geschichte.

Die negative Antwort: Niemand. 5,3
„Und nicht einer im Himmel noch auf dem Land (o.: auf der Erde) noch unter dem Land (o.: unter der Erde) vermochte das Buch zu öffnen noch auch es anzusehen.“
Dreimal: nicht einer!
„Unter dem Land“ bzw. „unter der Erde“ sind die Toten; da ist der Hades, und da sind alle, die im Hades sind.

Die Reaktion des Johannes: 5,4
„Und ich, ich weinte viel, weil nicht einer für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und zu lesen noch es anzusehen.“
Nicht nur Johannes weinte. Millionen haben geweint! Ein Fluch liegt auf dem Land. Und viele fragten sich: Warum schweigt Gott?
Wenn nicht einer würdig ist, die Buchrolle zu öffnen, wie wird es weitergehen? Wird es ein endloser Zyklus von sinnlosem Leid, Siegeszügen, Krieg, Hunger und Tod? Sollte die Geschichte aus endlosen Teufelskreisen von Enttäuschungen, leeren Worten und Fluch bestehen? Schweigt Gott für immer?
Kein Wunder, dass Johannes weinte. Nun bekommt er die Antwort: Das Geschehen von Golgotha war das Schlüsselereignis. Und das Lamm von Golgotha ist der einzig Würdige.
Weinend wurde dieses Buch geschrieben; und Weinenden gibt es seine kostbaren Schätze preis.

Die positive Antwort: Der Löwe: 5,5
„Und einer von den Ältesten sagt zu mir: ‚Weine nicht! Siehe! Der Löwe überwand, der, der aus dem Stamme Juda ist, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu lösen.’“
Der starke Löwe hat gekämpft – und hat gesiegt. Der Vollender der Weltgeschichte ist ein Königlicher, nicht nur „aus“ dem Hause Davids, sondern er selbst ist die „Wurzel“ Davids. David kommt letztlich von Ihm her. Er ist Davids Herr.

c. Das Lamm in der Mitte des Thrones: 5,6.7
Und Johannes dreht sich, um nach dem Löwen zu schauen. Johannes sieht etwas anderes, als was er hörte:
V. 6: „Und ich sah, und – siehe! – in der Mitte des Thrones und der vier lebenden Wesen und in der Mitte der Ältesten [war] ein Lamm; es stand; wie geschlachtet. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen die sind die sieben Geister Gottes, die ausgesandt worden sind zur ganzen Erde.“
Ein Lamm (eigtl.: Lämmlein)! Der Inbegriff von Schwachheit. Nichts ist schwächer als ein geschlachtetes Lamm. So tief erniedrigte sich der Gottessohn. Ps 22,16: „… in den Staub des Todes legst du mich.“

Die 7–fache Beschreibung des Lammes:
. Es war in der Mitte des Thrones und der 4 lebenden (Wesen) und der 24 Ältesten.
. Es stand.
. Es war wie geschlachtet.
. Es hatte sieben Hörner.
. Es hatte sieben Augen (sieben Geister).
. Es kam.
. Es nahm das Buch.

„… in der Mitte des Thrones und der vier lebenden Wesen und in der Mitte der Ältesten“:
Das Lamm war im Zentrum des Zentrums des himmlischen Thronsaals.
Wie Jesus Christus auf Erden in der Mitte der Gemeinde ist (1,13; 2,1), so ist er auch Himmel in der Mitte der Gemeinde. Als er starb, war er in der Mitte (Joh 19,18), ebenso als Auferstandener (Joh 20,19.26). Und in alle Ewigkeit wird er in der Mitte bleiben (5,6; 7,17).

„Es stand.“
Das Lamm stand da, bereit zum Handeln. Er hat einmal gekämpft – und gesiegt. Er wird kein zweites Mal kämpfen. Auf Golgotha wurde der Ausgang der Geschichte entschieden.
Der Himmel steht offen, Herz, weißt du warum? –
Weil Jesus gekämpft und geblutet, darum.

„Wie geschlachtet [sah es aus].“
Auf dem Lamm ruht meine Seele, betet voll Bewund’rung an,
alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweg getan.
Johannes sieht noch die Spuren der Schlacht. So viel Mühe haben wir ihm bereitet mit unseren Sünden! Seine Wunde bleibt sichtbar – als eine ewige Erinnerung für die Seinen.
Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder,
es geht und traget in Geduld
die Sünden aller Sünder:
es geht dahin wird matt und krank,
ergibt sich auf die Würgebank,
entsaget allen Freuden;
es nimmt auf sich Schmach Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod
und spricht: Ich will’s gern leiden.“
(Paul Gerhard)
Das Lamm wird in der Off dargestellt als geschlachtet (5,6), angebetet (5,8.12.13), zornig (6,17), reinigend (7,14), weidend (7,17), vorangehend (14,4), richtend (14,10), siegend (17,14), fröhlich (19,7), gegenwärtig (21,12), leuchtend (21,23), regierend (22,3). Das Lamm – auf Jesus Christus bezogen – kommt in der Off 28–mal vor (4–mal sieben), das Tier hingegen 36–mal (6–mal sechs).

„Es hatte sieben Hörner, …“
Das schwache Lamm (2Kor 13,4) hat die Fülle der Kraft (1Kor 1,22–25). Es ist allmächtig.
„… und es hatte sieben Augen, die sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt zur ganzen Erde.“ (Vgl. Spr 15,3; 2Ch 16,9.)
Das Lamm sieht vorwärts, rückwärts, aufwärts, abwärts, linkswärts, rechtswärts und innenwärts, und das alles gleichzeitig. Ihm entgeht nichts, auch kein Anschlag des Feindes.
Wer viel sieht, weiß viel: Das Lamm hat die Fülle der Weisheit (1Kor 1,22–24). Es ist allwissend.

Der Auftritt des Lammes: 5,7
„Und er kam; und genommen hat er das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Thron sitzt.“
Wer ist der Erbe der Welt? Wer wird alles erben? Wem gebühren die Herrlichkeit und die Macht? – Dem, der aus Davids Geschlecht kommt und zugleich Davids Wurzel (Jes 11,1; Off 22,16) ist.
Er darf und kann alles zur Vollendung bringen. Er wird alles erben – und diejenigen, die überwinden, werden mit ihm erben (21,7).

d. Die Anbetung des Lammes: 5,8–14
Das Lied der 4 Lebewesen und 24 Ältesten: 5,8–10
Der Zeitpunkt des Singens: 5,8.9A:
„Und als er das Buch nahm, fielen die vier lebenden Wesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; und sie hatten, ein jeder, eine Harfe und goldene Schalen, gefüllt mit Räucherwerk. Die sind die Gebete der Heiligen.“
Die Worte „und sie hatten“ muss sich auf die letztgenannten, die 24 Ältesten, beziehen, da die vier lebenden Wesen nicht Menschen sind und nicht von ihrer eigenen Erlösung singen können.
V. 9: „Und sie (die Ältesten) singen ein neues Lied: ‚Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen, weil du geschlachtet wurdest und uns für Gott erkauftest mit deinem Blut – aus jedem Stamm und [jeder] Sprache und Volksschar und [jedem] Volk.’“
Singen macht Aussagen feierlich. Wenn man das, was man sagen will, singt, stellt man es in feierlicher Form dar. Es wird unterstrichen. Gesungenes und Gespieltes betonen den Inhalt, die Worte. Musik sollte die Worte betonen und zur Feierlichkeit kommen lassen. Musik und Gesang sollen im Zeichen des Aufbauens und der Feierlichkeit geschehen, sollen nicht so sein, dass fleischliche Gefühle angesprochen werden. Sie dürfen nicht zerschmettern. Der Rhythmus darf nicht überbetont werden. Musik und Gesang waren seit je nicht als Dauerkulisse und Hintergrundlärm gedacht. Dadurch würden sie – durch die Gewöhnung – das Feierliche verlieren und die Bedeutung der Worte würden inflationiert. Wenn man ständig Gesang hört, hört man mit der Zeit nicht mehr wegen der Worte, sondern wegen der Gefühle und der Stimmung, die man während des Hörens hat. Das war aber nicht gottgegebene Sinn von Musik und Gesang.

„Der Wortlaut des Liedes: 5,9.10
„Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen“
Dem Lamm, Jesus Christus, gehört die Zukunft – aus drei Gründen:
a) weil er etwas für uns tat:
„weil du geschlachtet wurdest“
Er wurde das Sündopfer für uns. Er war aus königlichem Stamm, kämpfte wie ein Löwe, ließ sich für uns schlachten wie ein Lamm.
b) weil er etwas für Gott tat:

„… und uns für Gott erkauftest mit deinem Blut – aus jedem Stamm und [jeder] Sprache und Volksgruppe und [jedem] Volk …“
Vgl. 14,3.4; Eph 1,7; 1Kor 7,23; Hebr 9,12.14; 1Petr 1,18.19.
Er erwarb uns für Gott. Wir sind Christi Geschenk an Gott. Nun hat Gott ein doppeltes Anrecht auf uns – per Schöpfung und per Loskauf (Erlösung)
c) weil er den Erlösten eine besonderes Los gab: 5,10:
„… und uns machtest zu Königen und Priestern für unseren Gott, und wir werden ‹als Könige› herrschen auf dem Land.’“
Priesterkönige für Gott „auf dem Land“ (o.: auf der Erde). Dieser Ausdruck ist nicht so zu verstehen, dass das Gottesreich ein irdisches ist. Die Heiligen haben auf Erden keine bleibende Stadt (Hebr 13,14), sie suchen die himmlische, das neue Jerusalem.
Wo wird Jesus Christus in alle Ewigkeit regieren? – Im Himmel: 2Tim 4,18; 1Kor 15,50. Abraham wartete auf eine himmlisches Vaterland, ein himmlisches „Israel“ (Hebr 11,10–16); der Lohn der Heiligen ist im Himmel (Mt 5,12), ihr Schatz ebenfalls (Mt 6,19.20).
Die Heiligen sind Priester und Könige (Off 1,6) dort, wo sie mit Christus ewiglich herrschen werden (22,5) – vor dem Thron (7,15–17; vgl. 3,12.13).
Wenn in Off 5,10 der Ausdruck „auf dem Land“ bzw. „auf der (o. über die) Erde“ steht, kann nicht die diesseitige Welt gemeint sein.
Im Griech. steht der Begriff gee, „Erde“ bzw. „Land“. Da ist vorerst nicht eindeutig, ob das jenseitige (himmlische) oder das diesseitige (irdische) „Land“ („Erdland“; „Landgebiet“) gemeint ist. Doch das übrige NT macht klar, dass die Hoffnung des Christen nicht eine irdische (diesseitige) ist.
Phil 3,19.20A: „…, deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch und bei denen die Herrlichkeit in ihrer Schande ist, die auf Irdisches sinnen; denn unsere bürgerliche Heimat hat ihren Bestand in den Himmeln …“ Beachten wir die Gegenüberstellung: von „auf Irdisches sinnen“ (V. 19) und „unsere bürgerliche Heimat hat ihren Bestand in den Himmeln“ (V. 20). Im gesamten NT ist die Hoffnung der Christen eine „himmlische“. „Jene Welt“ (Lk 20,33–36) ist diejenige, wo man nicht heiratet.
Off 5,10 scheint sich auf jenes „Land“ zu beziehen, von dem später in Off 21 die Rede ist: das neue Land mit dem neuen Himmel, das neue Jerusalem, das neue und ewige Königreich.
Dasselbe Phänomen haben wir in Mt 5,5: Sie werden „das Land (bzw. „die Erde“) erben. Welche „Erde“? Welches „Land“? Ps 37 (worauf der Herr anspielt) macht es klar. Es geht um die israelitische Hoffnung. Der Hebräerbrief lehrt, wo die (israelitische, alttestamentliche) Hoffnung erfüllt wird (Hebr 4,1ff.; 6,11ff.; 11,10–16; 12,20.28; 13,14).
In Hebr 1,6 und 2,5 wird der Begriff „Weltreich“ (o.: Imperium; Festland; bewohnbares Land; griech. oikoumenee) verwendet
Diese Welt/Weltzeit – jene Welt/Weltzeit. Lk 20
irdisch gesinnt – himmlische Heimat. Phil 3
Vaterland hier – himmlisches Vaterland Hebr 11,14.16
Seelisch (natürlich) – Geistlich 1Kor 15,44–46
die Erdigen – die Himmlischen 1Kor 15,48
das jetzige Leben – das künftige Leben 1Tim 4,8
unten (von dieser Welt) – oben (nicht von dieser Welt) Joh 8,23
diese Welt, „hier“ – „mein Königreich ist nicht von dieser Welt“, Joh 18,36; „im Haus meines Vaters“ Joh 14,1–3; vgl. 17,24.
Das Erbe der Heiligen ist im Licht, sie sind versetzt in das Königreich des Sohnes seiner Liebe: Kol 1,12.13; die Hoffnung ist „in den Himmeln“, Kol 1,5.
Gott nahm den Christus in die himmlische Bereichen, Eph 1,20 und setzte die Seinen „zusammen mit ihm in den himmlischen Bereichen“ Eph 2,6.

Anwendung:
Die wichtigste Frage, die wir über eine Regierung stellen können: Wie denkt diese Regierung über den Wert des Menschen? Habe ich als Bürger einen Wert für diese Regierung? Die meisten Regierungen auf Erden sehen dazu, dass die normalen Bürger außerhalb der Regierung bleiben. Gott hat seine Knechte, die normalen Bürger seines Königreiches, in seine Regierung aufgenommen (Off 5,10; 1,6; 2,26.27; 22,5). Wir wollen ganz zu dieser Regierung stehen und den Herrn der Herrlichkeit als König in unserem Leben herrschen lassen (Rm 6,12–14).

Das Gebet der Engel (zusammen mit den Lebewesen und den Ältesten): 5,11.12
Die Betenden: 5,11
„Und ich sah, und ich hörte die Stimme vieler [himmlischer] Boten um den Thron her und [die Stimme] der lebenden Wesen und der Ältesten und [die Stimme] von Tausenden mal Tausenden, die sagten mit großer, ‹lauter› Stimme:“

Der Wortlaut des Gebets: 5,12
„‚Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu nehmen die Kraft – und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob!’“
Niemand sonst hat Anspruch auf Reichtum, Kraft, Weisheit, Ehre. Jesus Christus gehören sie und ihm gebühren sie. Die einzige vernünftige Antwort auf das Evangelium ist, ihm mein ganzes Leben zu geben: meine Kraft, mein Reichtum, meine Weisheit, meine Stärke (Lebensenergie, Gesundheit); meine Ehre , meine Herrlichkeit, mein Lob.
Darf jemand sagen: „Herr, dir gehört NICHT mein Reichtum, NICHT meine Kraft, NICHT mein Lob“? – Jesus Christus hat das Recht, mir das alles zu nehmen (ohne dass ich klagen dürfte). Der Herr Jesus hat auch das Recht, mir das alles zu erhalten, –so lange, wie er will.
Alles, was ich tue, darf ich zur Ehre Gottes tun (1Kor 10,32);
Alles, was ich tue, darf ich im Namen Christi tun (Kol 3,23);
Alles darf ich aus Liebe zu Christus tun (1Kor 16,14),

Das Gebet jedes Geschöpfes im Himmel auf Erden und unter der Erde: 5,13.14
„Und jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist – was es [an Orten] gibt und alles, was in ihnen ist –, hörte ich sagen: ‚Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm ‹gebühren› in ‹alle› Ewigkeit das Lob und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht!’
Und die vier lebenden Wesen sagten: ‚Amen!’ Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und huldigten dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt.“
B. Die Öffnung der ersten sechs Siegel 6,1–17

Einleitendes
Zuerst einiges über den Aufbau der Abschnitte über die Siegel, Posaunen und Schalen:
Die Siebenerreihen (K. 6; 8–11; 16) sind jeweils so aufgeteilt, dass sie jeweils halbiert werden: 4 – 2 – 1; d. h. die Elemente 1–4 haben etwas gemeinsam, ebenso die Elemente 5 und 6; das siebente steht gesondert.
4 Siegel: 1–4 sind eine Einheit (Sieg, Krieg, Hunger, Tod)
4 Posaunen: 1–4 sind eine Einheit (Erde, Meer, Wasser, Sonne/Gestirne)
4 Schalen: 1–4 sind eine Einheit (Erde, Meer, Wasser, Sonne)
Dann wer¬den die vier in die Hälfte geteilt: 2
2 Siegel: 5 und 6 sind eine Einheit (Märtyrer, Kosm. Erschütterungen bzw. Verfinsterungen)
2 Posaunen: 5 und 6 sind eine Einheit (Verfinsterung, Euphrat)
2 Schalen: 5 und 6 sind eine Einheit (Verfinsterung, Euphrat)
Die zwei werden wieder in die Hälfte geteilt: 1
1 Siegel: Das siebente Siegel („Schweigen“) aufgeteilt in sieben Posaunen.
1 Posaune: Die siebente Posaune: („…sind geworden!“, „… ist gekommen!“)  sieben Schalen.
1 Schale: Die siebente Schale („Es ist geschehen!“) wird nicht aufgeteilt.
Zwischen jedem 6. und 7. Element ist ein Einschub.

a. Allgemeines zu K. 6:
Off 6 spricht von Ereignissen, die „in Kürze“ und „bald“ geschehen würden, sie waren zeitlich „nahe“ (Off 1,1.3). Der Seher steht unmittelbar vor der Felskante der Krise, auf die der Herr seine Jünger in Mt 24 (Parallele: Lk 21,20ff.) vorbereitet hatte.
In Mt 24,29 wird die Parusie (Ankunft) des Herrn mit der Zerstörung Jerusalems in Verbindung gebracht. Die Parusie kommt unmittelbar nach der Bedrängnis jener Tage. Vgl. Mk 13,24: „In jenen Tagen, nach jener Bedrängnis …“
Johannes wusste – und zwar zu seiner Zeit (in den Sechzigerjahren, als er den Brief schrieb): Es ist die „letzte Stunde“ (1Joh 2,18). Johannes hat die Ölbergrede persönlich gehört. Nun – in der Off – sah er die Erfüllung des Geweissagten in einer Vision. Die Sturmwolken der göttlichen Rache ballten sich zusammen über seinem Land, seinem Volk, seine Stadt Jerusalem und den Tempel. Die Stunde des Endes hat sich genähert (1Petr 4,7). Das Ende des alttestamentlichen Zeitalters, das Ende der mosaischen Haushaltung ist gekommen.

Wir lernten in Off 5: Jesus Christus ist der, dem Israels Zukunft gehört. Die Siegel beschreiben den Weg zur Vollendung des israelitischen Königreiches Gottes. Der Erbe bricht die Siegel.
Der, der würdig ist, das Buch zu öffnen (5,9), ist würdig, alle Macht und Herrlichkeit zu erhalten. Das ewige Königreich „Israel“ gehört Jesus Christus. Er, der Erbe, er bricht die Siegel. Nach dem Öffnen des siebten Siegels, erst dann, ist die Buchrolle offen. Vor diesem Zeitpunkt geschieht in Israel eine Invasion fremder Heere: jemand zieht aus „siegend und um zu siegen“, zu erobern. Darauf folgt Blut, Hunger und gewaltsamer Tod in dem Lande. Die Knechte Gottes, die sich dem Messias anschließen, das wahre Israel, die werden geschlachtet. Danach kommt die Antwort des zornigen Lammes.

Die vier Pferde bzw. Reiter: Es reiten die Vier zwar hintereinander, aber sie sind thematisch eng miteinander verbunden.
In K. 6 geht es nicht um einen konkreten Zeitplan. Das Entscheidende ist nicht der Zeitpunkt des Öffnens, sondern vielmehr die Botschaft, die vermittelt werden soll. Die Reiter sind Repräsentanten. Nicht die Person ist wichtig, sondern das, was sie darstellen. Sie stellen dar: Sieg (Eroberungen), Kriege, Hunger, Tod (d. h.: gewaltsames Sterben).
Erst nach dem Öffnen des siebten Siegels ist die Testament–Rolle offen. Die Siegel 1–6 zeigen, was im Land geschehen wird, ehe das Königreich Christi aufgerichtet wird und die Seinen, die wahren Knechte Gottes, das Erbteil antreten.
Die ersten vier Siegel stellen Krieg dar, und was damit verbunden ist: Siegreiche Kämpfe eines großen Eroberers, Gegenseitiges Abschlachten, Hunger, Tod (durch Schwert, Seuchen, Hunger und wilde Tiere).
In der Vision von den vier Reitern (Siegel 1–4), ist zu beachten, dass nicht wichtig ist, wer auf den Pferden sitzt, sondern das, was mit dem jeweiligen Bild dargestellt wird. Die Farbe der Pferde und die Geräte, die die Reiter haben und die kurzen Kommentare geben genügend Hinweise:
1. Bild: die Farbe weiß, der Bogen (die Fernwaffe, die Waffe für den großen Krieg), die Krone (Herrschaft) – sie stellen ein gewaltigen Siegeszug dar, Eroberung im großen Zuge.
2. Bild: die Farbe feuerrot (kriegerisches Rot, wie 12,3), das große Schwert, das Wegnehmen des Friedens, das gegenseitige Abschlachten, das Blutvergießen – sie stellen die kleinen Kriege dar, den Nahkampf, den Bürgerkrieg dar.
3. Bild: die Farbe schwarz (Trauer), die Waage, die Teuerung – sie stellen wirtschaftliche Not dar, Hunger.
4. Bild: die Farbe fahl (Leichenfarbe), das Reiten des Todes und des Hades (d. h.: des Bereiches der Toten; des Ortes, wo die Toten hinkommen) stellt gewaltsames Sterben dar, ein Viertels des Landes (d. h.: der Bevölkerung des Landes). Es werden die vier bekannten alttestamentlichen Plagen genannt (Hes 14,21); Tod durch Schwert, Hunger, Seuchen (w.: Tod; i. S. v.: Seuchentod) und durch die wilden Tiere.
Die vier Elemente (der Siegel 1–4) kommen auch in Mt 24,6–8 (vgl. Lk 21) vor: „Ihr werdet aber hören von Kriegen und Kriegsgerüchten. Seht euch ‹stets› vor! Seid nicht beunruhigt! – denn es muss alles geschehen; doch ist es noch nicht das Ende, 7 denn es wird sich Volk gegen Volk erheben und Königreich gegen Königreich. Und es werden Hungersnöte und Seuchen und Beben ‹an verschiedenen Orten› sein. Aber dieses alles ist der Anfang der Wehen.“
Diese Anfangswehen ziehen sich durch die Geschichte bis zur Zerstörung Jerusalems, sie sind aber noch nicht das Ende (das Gericht, die Zerstörung Jerusalems) selbst.
Auch die Siegel 5 und 6 haben ihre Entsprechung in Mt 24.

Off 6 Mt 24
Siegel 1: Bogen (= große Eroberungen, Siege) V. 7: Volk gegen Volk, Königreich gg Königreich = Der Anfang
der
Wehen
Siegel 2: Schwert V. 6: Kriege und Kriegsgerüchte
Siegel 3: Waage V. 7: Hungersnöte
Siegel 4: Tod (… durch Seuchen etc.) V. 7: Seuchen
Siegel 5: die Seelen unten am Altar V 9: Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten
Siegel 6: großes Beben; Sonne w. Schwarz; Mond wie Blut; die Sterne fallen auf das Land; die Himmel weichen auseinander.
Sie verbergen sich vor dem Angesicht Gottes und dem Zorn des Lammes,
Der große Tag seines Zorns ist gekommen. V 29: Sonne/Mond verfinstert,
die Sterne fallen, die Kräfte der Himmel werden ins Schwanken versetzt.
V 30: sie wehklagen; sie sehen den Sohn des Menschen kommen mit viel Kraft und Herrlichkeit = Das Ende

Das fünfte Siegel (das Bild von der grausamen Verfolgung und Hinmordng der Heiligen) geht parallel mit Mt 24,9.10: „Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten. Und ihr werdet von allen Völkern gehasst sein wegen meines Namens. Und dann werden viele Anstoß nehmen, ‹stolpern und zu Fall kommen›, und werden einander ausliefern und einander hassen.“
Die Öffnung des sechsten Siegels bringt den Abschluss – und die Antwort auf die beim fünften Siegel gestellte Frage der Märtyrer (Off 6,10).
V. 10.11: „‚Bis wann, unumschränkter Herrscher, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf dem Land wohnen?’ 11 Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben. Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder vollzählig würden, die im Begriff sind, getötet zu werden eben wie sie.“
In K. 6 werden Eroberungen prophezeit und Bürgerkriege im Land, Hungersnöte, frühzeitiges Sterben eines erheblichen Teils der Bewohner des Landes. Danach wird gezeigt, wie treue Kneche Gottes, Verkünder des Wortes Gottes, um ihres Zeugnisses willen getötet werden. Die Frage erhebt sich: „Bis wann, unumschränkter Herrscher, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut [und forderst es] von denen, die im Lande (o.: auf der Erde) wohnen?“ Können die Verfolger ungestraft weitermachen? Schweigt Gott?
Die sechste Siegelöffnung ist die Antwort: Der, der auf dem Thron sitzt, greift ein – am großen Tag des Zornes Gottes und des Lammes. Es kommt die Rache für das vergossene Märtyrerblut. Vgl. Off 19,2; Lk 11,50.
In V. 11 wurde den Märtyrern gesagt, „dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte“, die übrigen Märtyrer jener Zeit, vollzählig würden, die in naher Zukunft (!) „im Begriff sind, getötet zu werden eben wie sie.“ – „Noch eine kurze Zeit“! Die Zeit war für jene Zeitgenossen des Johannes nahe (1,3; 22,10; vgl. 1Petr 1,6 und 5,10: „eine geringe ‹Zeit›; vgl. Off 12,12.).
Bei der Öffnung des sechsten Siegels wird Gottes Eingreifen angekündigt. Er setzt dem Treiben ein Ende. Mit der Öffnung des sechsten Siegels tritt das Lamm auf den Plan.
Mit dem Öffnen des siebenten Siegels (Off 8,1) ist das Buch (d. h.: das Testament) geöffnet. Der erste Vers in K. 8 leitet über zu einer neuen Reihe von Gesichten, die detailliert Gottes letztes Posaunen–Rufen an das fleischliche, abgefallene Israel darstellt, ein ernstes Rufen Gottes durch Warngerichte, in denen jeweils ein Teil (w: ein Drittel) der Umwelt jener Menschen getroffen wird – mit dem Ziel, sie zur Umkehr zu bringen.
Beim Blasen der siebenten Posaune (11,15–17) wird feierlich verkündet: „Und es geschahen große, ‹laute› Stimmen in dem Himmel, die sagten: ‚Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.’ 16 Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an. 17 Sie sagten: ‚Wir danken dir, Herr, Gott, Machthaber über alles, der ist und der war und der kommt, weil du deine große Kraft an dich genommen hast, und du herrschtest ‹als König›.’“ – Das Kommen des Richters wird in 11,15ff. noch nicht beschrieben, auch in 14,14–20 und 16,17–21 nicht, sondern erst in 19,11ff.

b. Zum zeitlichen Ablauf
Das Öffnen der Siegel geschieht nicht parallel, sondern hintereinander, eines nach dem anderen.
Der Apostel Johannes beschreibt einfach das, was er sieht:
Als das Lamm das erste Siegel öffnet, sieht er ein weißes Pferd mit Reiter, und der Reiter hat einen Bogen. In dem Gesicht wird dann dem Reiter eine Krone (ein Siegeskranz) gegeben. Und Johannes sieht, wie der Reiter auszieht, siegend und um zu siegen. So das Gesicht. Was das Gesicht bedeutet, wird nicht gesagt. – Bei der Deutung darf man der Fantasie nicht zu viel Raum lassen. Was der Text sagt, sollte genügen: Sieg, großer Sieg, wird dargestellt.
Es steht im Text nicht, dass das Öffnen eines Siegels unmittelbare Auswirkung auf ein bestimmtes Geschehen auf dem Land hat. Es ist auch nicht notwendigerweise so, dass erst, nachdem die durch die Siegel hervorgerufenen Ereignisse geschehen sind, das nächste Siegel geöffnet wird.
Interessant ist, dass bei der Öffnung des fünften Siegels (6,9–11) den schon längst hingeschlachteten Märtyrern die weißen Gewänder erst in jenem Moment gegeben werden, nicht im Augenblick ihres Sterbens und nicht erst bei Christi Ankunft. Würde man die These anwenden, dass das Öffnen eines Siegels ein entsprechendes konkretes historisches Ereignis nach sich zieht, würde dieses bedeuten, dass die Märtyrer weder beim Sterben ihr Kleid bekommen noch bei Christi Ankunft, sondern irgendwann zwischen ihrem Sterben und Christi Ankunft – und zwar alle Märtyrer zum selben Zeitpunkt.
Das ist nicht möglich.

1. Siegel: Bogen und Siegeskranz: Eroberungen, Siege: 6,1–2
6,1: „Und ich sah, als das Lamm eines der Siegel öffnete. Und ich hörte eines der vier lebenden Wesen wie mit einer Stimme eines Donners sagen: Komm und sieh! 2 Und ich sah, und – siehe! – ein weißes Pferd, und der, der darauf saß, hatte einen Bogen. Und es wurde ihm eine Krone gegeben, und er ging aus, siegend und um zu siegen.“
Die Farbe kann von Reinheit, Heiligkeit und Ehre sprechen (3,5; 14,14; 19,8); sie ist die Farbe des Festes, des Sieges und der Ehrung. Das weiße Perd (Vgl. Sach 1,7–11; 6,1–8) spricht hier von Sieg, wie der Text zeigt. Eine erobernde, triumphierende Macht wird mit dem weißen Pferd und dessen Reiter dargestellt. Der Bogen ist die Waffe für den Fernkampf (vgl. Hos 2,20; Jes 5,28; 7,24; Jer 6,22.23; Klgl 2,4; 3,12), die Waffe, mit der der Sieg (bzw. die Siege) errungen wird (bzw. werden). Die Krone (w.: Kranz) ist bekannt von den olympischen Wettspielen; der Sieger erhält einen Siegeskranz. Hier erhält den Siegeskranz einer, der mit dem Bogen gekämpft und gesiegt hat, ein siegreicher Herrscher also.
Es geht in dem Bild offensichtlich um Eroberungen, eine Invasion von siegreichen Heeren, die mit Pfeil und Bogen, der Fernwaffe, heranrücken und kämpfen. Vgl. Ps 7,13; Sach 10,4. Dass in der Vision neben dem Bogen die Pfeile nicht erwähnt werden, hat nichts zu bedeuten; im AT wird oft der Kriegsbogen ohne den Köcher und die Pfeile erwähnt (z. B. Ps 37,14; 44,7; Jes 13,18; 21,15; 41,2; Hos 1,7; 2,20; 7,16). – Feindliche Heere kommen und ziehen von Sieg zu Sieg.

Der Reiter kann nicht der sogenannte „Antichristus“ sein. Diese These ist aus zwei Gründen unhaltbar:
(1) In den vier Visionen liegt der Fokus nicht darauf, wer das Pferd reitet, sondern auf der Farbe des Pferdes und auf dem, was dem Reiter gegeben wird (V. 4: ein Schwert, um den Frieden vom Land wegzunehmen; V. 8: Vollmacht, zu töten ein Viertel des Landes), bzw. auf dem, was er in der Hand hat (V. 2: einen Bogen, einen Siegeskranz; V. 5: eine Waage), und was er tut (V. 2: hinausziehen, siegend und um zu siegen; V. 4: den Frieden vom Land zu nehmen, dass sie einander hinschlachten). Bei allen vier Visionen wird eine Tatsache personifiziert: der Sieg (bzw. die siegreiche Invasion), das gegenseitige Hinschlachten (Bürgerkrieg), der Hunger, der Tod.
(2) Das Wort „Antichristus“ kommt nur in 1Joh 2 und 4 sowie 2Joh 7 vor. Dort wird er nicht als Feldherr oder Weltherrscher beschrieben, sondern als Falschprophet. Der Falschprophet kommt nicht mit Pfeil und Bogen und nicht als Kronenträger.

Der Reiter kann auch nicht der Gesalbte, der Christus, sein.
(1) Die Reiter stellen nicht Personen dar, sondern in ihnen sind Sieg (siegreiche Invasion), Krieg, Hunger und Tod personifiziert. (S. oben.)
(2) Jesus Christus erlangt seinen Sieg nicht durch (Pfeil und) „Bogen“, sondern durch das Schwert seines Mundes (Off 19,11ff).
(3) Die ersten vier Siegel bilden eine Einheit, gehören zusammen. Die Siegel 2–4 deuten auf schlimme, katastrophale Ereignisse hin (Gegenseitiges Hinschlachten, Hunger, frühzeitiger Tod). Das erste reiht sich ein, ist konform, bildet nicht ein Gegenstück zu Siegel 2–4.
(4) Wie viele Ausleger erkannt haben, finden sich in der Ölbergrede (Mt 24) gewisse Parallelen zu Offb 6. In Mt 24 sind die vier erwähnten Ereignisse konform: (große) Kriege, Volkserhebungen (mit blutvergießenden Auseinandersetzungen), Hunger, Seuchen (d. h.: Tod – unter anderem durch Seuchen).

„Und es wurde ihm eine Krone (o.: ein Siegeskranz) gegeben, und er ging aus, siegend und um zu siegen.“
Der Ausdruck „gegeben“ ist nicht als Geschenk zu verstehen, sondern als Zulassung. Gott (der auf dem Thron Sitzende, der letztlich alles in der Hand hat) lässt ihn gewähren, „gibt“ es ihm.

Die große Invasion der feindlichen Heere, war damals, als jener Brief geschrieben wurde (ca 60–63 n. Chr.) nicht ferne. Der Krieg, geführt durch Vespasian, begann im Norden des Landes, in Galiläa (Frühjahr 67 n. Chr. Die feindlichen Heere rückten mehr und mehr an Judaä – und vor allem Jerusalem – heran.

2. Siegel: Ein großes Schwert: Gegenseitiges Hinschlachten: 6,3.4
6,3.4: „Und als er das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebende Wesen sagen: ‚Komm und sieh!’ 4 Und es ging ein anderes Pferd aus, ein feuerrotes. Und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden vom Land zu nehmen …“
Manche übersetzen das griech. Wort gee mit „Erde“; das könnte allerdings irreführend sein, denn der moderne Mensch versteht unter „Erde“ oft den gesamten Globus. Die Leser von damals dachten bei „gee“ zuerst an eine begrenzte „Erde“, d. h. einen gewissen Bereich des umliegenden Landes oder der umliegender Länder. Der Zusammenhang legt nahe, dass es um das Land Israel oder (bzw. und) die umliegenden Länder geht. Das gegenseitige Hinschlachten legt nahe, an einen Bürgerkrieg zu denken. Und da die Ereignisse damals „nahe“ waren (Off 1,1.3; 22,6.10) und „im Begriffe waren zu geschehen“ (1,19; 3,10) liegt es auf der Hand, dass hier an das schreckliche Wüten der Zeloten (der Eiferer für das Gesetz) gegen die Herodianer (die gemäßigten Juden) zu denken ist, ebenso an das gegenseitige Verraten und Ausliefern der Juden (vgl. Mt 24,10; Mk 13,12; Lk 21,16): „ein jeder gegen seinen Bruder“ (vgl. Hes 38,21).

„… und dass sie einander hinschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.“
Die feuerrote Farbe des Pferdes lässt an Kriegsfeuer denken. Im Krieg wird vieles dem Feuer übergeben. Der Friede wird weggenommen. Vgl. Mt 24,6.

3. Siegel: Eine Waage: Hunger: 6,5.6
6,5: „Und als er das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebende Wesen sagen: ‚Komm und sieh!’ Und ich sah, und – siehe! – ein schwarzes Pferd, und der, der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6 Und ich hörte eine Stimme inmitten der vier lebenden Wesen, die sagte: ‚Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und schädige nicht das Öl und den Wein.’„
Die schwarze Farbe des Pferdes lässt an Trauer, Not und Wehklage denken. Auch an Hunger. Hunger und Teuerung waren oft die Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen.
Die Teuerung wird in V. 6 beschrieben: Die Waren werden sorgfältig abgewogen, weil sie rar geworden ist. Das Getreide wird nicht mit dem Hohlmaß gemessen, sondern abgewogen, damit der Käufer ja kein Körnchen zuviel bekommt.
Ein Choinix Weizen (1,1 Liter) deckt kaum den Tagesbedarf für einen einzelnen. Ein Denar war der Tageslohn eines Arbeiters. – Wovon sollte die Familie leben?
Üblicherweise bekam man für einen Denar 8–16 Maß Weizen. Hier war der Weizen also 8- bis16-mal so teuer. In der Hungersnot bekam man für einen Denar 2 Liter Weizen (2Kön 7,1). Die Gerste, billiger als Weizen, war Pferdefutter.
Wer mehr Geld hat, kann sich Weizenbrot leisten. – Aber die Not ist nicht behoben: Auf Krieg und Abschlachtung folgt Hunger. Die Nahrung wird knapp in Judäa, vor allem in den Städten, die belagert werden, und in Jerusalem. Der Weizenpreis, der hier angegeben ist, entspricht dem 20–fachen vom Normalpreis. Vom Hunger berichtet auch Josephus Flavius.

„Öl und Wein taste nicht an.“ Manche übersetzen frei: „Mit Öl und Wein sollst du nicht ungerecht (o.: sündig) umgehen.“ Das kann man so verstehen, dass man trotz Hungersnot noch genügend Wein und Öl haben wird. Manche beziehen es darauf, dass der Wein und das Öl nicht für den Normalgebrauch verwendet werden dürfe, sondern nur für den jüdischen Tempelkultus.
Johannes von Gischala konfiszierte die heiligen Gefäße des Tempels und ließ seine Leute vom Tempelwein trinken und sich vom Tempel–Öl salben.

4. Siegel: Tod: Vollmacht, zu töten mit Schwert, Hunger, Tod, wilden Tieren: 6,7.8
6,7.8: „Und als er das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebenden Wesens sagen: ‚Komm und sieh!’ 8 Und ich sah, und – siehe! – ein fahles Pferd, und der Name dessen, der darauf saß, war ‚der Tod’, und der Hades [d. i.: der Todesbereich] folgte mit ihm. Und es wurde ihnen Vollmacht gegeben über ein Viertel des Landes, zu töten mit Schwert, mit Hungersnot, mit [Seuchen–] Tod und mittels der wilden Tiere des Landes.“
Die fahle (blass–grünliche) Farbe ist die Todesfarbe, die Hautfarbe des Gestorbenen oder Sterbenden. Tod und Hades reißen die Menschen mit sich fort. Die Folge des Hungers ist der Tod.
„Tod“ und „Hades“ werden hier personifiziert (wie in 20,14). Ein Viertel des Landes (i. S. v.: der Landbevölkerung) wird getötet. D. h., ein großer Teil der Bevölkerung stirbt frühzeitig an den hier angeführten Plagen (Krieg, Hunger, seuchenartigen Krankheiten, wilden Tieren). Die angeführten Plagen erinnern an die bekannten vier Plagen aus Hes 5,12.17 und 14,21. (Vgl. auch 3Mo 26,14–26; Jer 14,12; 15,3; 21,7.9; 24,10; 42,17; 44,13; Hes 6,11.12; 7,15; 12,16.) Dieses Gerichte hatte Gott den Juden vor der ersten Zerstörung Jerusalems angekündigt. Nun kündigt er die zweite an.
Den dritten Ausdruck (im Griech. „Tod“) übersetzen manche mit „Pest“, weil in den alttestamentlichen Texten das hebräische Wort däbär steht, was „Pest, Geschwulst, Seuche“ bedeutet. Die griech. Übersetzung übersetzt das Wort däbär mit thanatos (Tod).

5. Siegel: Märtyrerseelen unter dem Altar: 6,9–11
6,9: „Und als er das fünfte Siegel öffnete, sah ich unterhalb des Altars die Seelen derer, die hingeschlachtet waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie hatten.“
Das Blut wird gesammelt am Fuß des Altars (w: unten am Altar; gemeint ist der Brandopferaltar). Das „Blut“ steht für die „Seele“, das „Leben“ (heb. näfäsch), das zur Ehre Gottes hingegeben wurde. Die Märtyrer liegen gleichsam als Schlachtopfer am Fuß des Brandopferaltars, dort, wo das Blut der Opfertiere hingeschüttet wurde (2Mo 29,12). Ihr Tod um der Sache Gottes willen war ein Opfer, kostbar in den Augen des Höchsten.
6,10: „Und sie riefen mit lauter (w.: großer) Stimme und sagten: ‚Bis wann, unumschränkter Herrscher, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut an denen, die in dem Land (o.: auf der Erde) wohnen?’„
Die Szene: Der Tempel in Jerusalem, der Altar im Vorhof des Tempels. Man denkt an Jesu Worte, die er im Hinblick auf das Gericht Gottes über Jerusalem gesagt hatte: „Deswegen – siehe! Ich sende zu euch hin Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und von ihnen werdet ihr [einige] töten und kreuzigen, und [einige] von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und ihr werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, 35 auf dass über euch komme alles gerechte, auf der Erde vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet. 36 Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. 37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht! 38 Siehe! Euer Haus wird euch öde gelassen werden!“ (Mt 23:34–38). Und zu den Jüngern sagte er: „Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten.“ (Mt 24,9)
Die Märtyrerseelen am Fuße des Brandopferaltars rufen nach Gottes einschreitender Gerechtigkeit, die das Blut der Märtyrer rächen soll. Sie warten auf Gottes Vergeltung an den Übeltätern, nicht aus Rachegelüst, sondern damit Gott die Ehre bekommt, die ihm gebührt. Es geht um die Durchsetzung der Gerechtigkeit Gottes (5Mo 32,43; 1Mo 4,10), nicht um persönliche Rache. Es ist für Christen nicht verkehrt, gerechte Vergeltung und Gottes gerechtes Einschreiten zu erbitten. Jeder Mensch hat einen Gerechtigkeitssinn, den Gott in sein Wesen hineingelegt hat. Eines Tages wird Gott Gerechtigkeit walten lassen und Rache ausüben für das Unrecht, das jene Menschen ihm, dem Schöpfer und Eigentümer aller Menschen, angetan haben. Recht und Gerechtigkeit muss aufgerichtet werden, und alles Böse muss gerecht bestraft werden.
(Zum Gebet um Gottes Einschreiten zur Aufrichtung der Gerechtigkeit vgl. Röm 12,19; Lk 18,1–8; 2Thes 1,6; 2Tim 4,14; 1Petr 2,23.)

6,11: „Und es wurden [allen,] jedem [einzelnen,] weiße Gewänder gegeben. Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder, denen bevorstehe, getötet zu werden eben wie sie, vollzählig würden.“
Gottes dreifache Antwort auf das Gebet der Heiligen lautet:
. weiße Gewänder“ – als Bestätigung ihrer Gerechtigkeit (vgl. Off 3,4.5; 19,8.14; 20,4)
. „noch eine kurze Zeit ruhen“ – bis zur Ankunft des Richters über Jerusalem.
. „bis auch ihre Brüder vollzählig würden“ – d. h., es kommen noch weitere Märtyrer nach und Gott wird sie nicht vergessen, sondern zu seiner Zeit eingreifen und das Übel vergelten (vgl. Lk 18,7).

6. Siegel: Erschütterungen: 6,12–17
a. Verfinsterung von Sonne und Mond V. 12
6,12: „Und ich sah, als er das sechste Siegel öffnete. Und – siehe! – es entstand ein großes Beben. Und die Sonne wurde schwarz wie ein aus Haaren gemachter Sack, und der Mond wurde wie Blut …“
Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, kosmische Erschütterungen. Vgl. Mt. 24,29
Eine Beschreibung vom Standpunkt des Landes aus. Es handelt sich nicht um einen modernen wissenschaftlichen Bericht.
V. 12E: „wie ein aus Haaren gemachter Sack“: schwarz; das spricht von völligem Verlust der Leuchtkraft. Kein Licht mehr!

Der alttestamentliche Hintergrund für die hier verwendeten Bilder:
Das Bild vom Zusammenbruch der kosmischen Ordnung kommt aus dem AT, wird verwendet beim Fall Babels (Jes 13,10; 539 v. Chr.), beim Fall Edoms unter Nebukadnezar im 6. Jhdt. (Jes 34; Jes 63,4.5; Bozra war die Hauptstadt Edoms), beim Fall Ägyptens unter Nebukadnezar (Hes 32,7.8), beim Fall Samarias durch Assur im 8. Jhdt. v. Chr. (Hos 10,8), beim Fall Ninives (Nah 1,5.6; 612 v. Chr.) und in Joel 3,3–5; 4,15–16. Ähnliche Stellen: Jes 50,3; Am 8,8.9; Hes 38,19; Joe 2,31; 3,10. – Das Bild wird auch in Lk 21,25.26 und in den Parallelen Mt 24 und Mk 13 verwendet.
Einige Stellen wollen wir hier anführen:
„Ich kleide die Himmel in Schwarz und mache Sacktuch zu ihrem Gewand. (Jes 50,3)
„Vor ihnen (d. h.: den Heuschrecken) erbebt die Erde, erzittern die Himmel. Sonne und Mond verfinstern sich, die Sterne verhalten ihren Glanz.“ (Joel 2,10. Der irdische Standpunkt wird eingenommen.)
„Ja, die Sterne des Himmels und seine Orione, sie lassen ihr Licht nicht leuchten. Dunkel ist die Sonne bei ihrem Aufgang, und der Mond lässt nicht scheinen sein Licht. 11 Ich suche am Festland heim die Bosheit, an den Ehrfurchtslosen ihre Schuld. Ich mache ein Ende dem Stolz der Übermütigen, den Hochmut der Gewalttätigen mache ich nieder. 12 Ich mache den Sterblichen seltener als gediegenes Gold und den Menschen [seltener] als Gold von Ofir. 13 Darum lasse ich die Himmel erzittern, und die das Land (o. die Erde) bebt auf von ihrer Stätte beim Grimm Jahwehs der Heere, ja, am Tag seiner Zornglut. … Und ihre Kinder werden niedergestreckt vor ihren Augen, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet. 17 Siehe! Ich erwecke gegen sie die Meder.“ (Jes 13,10–13.16.17)
„Alles Heer des Himmels löst sich auf. Und die Himmel werden zusammengerollt wie eine Buchrolle. All ihr Heer verwelkt ‹und fällt ab›, wie das Laub vom Weinstock verwelkt, wie Welkendes am Feigenbaum; 5 denn reichlich durchtränkt ist in den Himmeln mein Schwert. Siehe! Auf Edom fährt es herab, auf das Volk meines Bannes zum Gericht. 6 Ein Schwert hat Jahweh, es ist voll Blut, es trieft von Fett, vom Blut der Lämmer und Böcke, vom Nierenfett der Widder, denn Jahweh hat ein Schlachtopfer in Bozra und ein großes Schlachten im Land Edom.“ (Jes 34,4–6)

b. Fallen der Sterne: V. 13
6,13: „… und die Sterne des Himmels fielen auf das Land, wie ein Feigenbaum, von einem starken Winde geschüttelt, seine Winterfeigen abwirft.“
Wir beachten, dass es heißt „die Sterne des Himmels fielen“, nicht: einige Sterne fielen. Ebenso in Mt 24,29: „und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken versetzt werden.“
Vgl. Jes 13,10: „Ja, die Sterne des Himmels und seine Orione, sie lassen ihr Licht nicht leuchten.“
Hes 32,7.8 (anlässlich des Falles Ägyptens durch Nebukadnezar, 6. Jhdt. v. Chr.): „Bei deinem Erlöschen verhülle ich die Himmel und verdunkle ich seine Sterne. Die Sonne hülle ich zu mit Gewölk, und der Mond lässt sein Licht nicht mehr leuchten. 8 Alle am Himmel leuchtenden Lichter werde ich deinetwegen verdunkeln, und über dein Land bringe ich Finsternis, ist der Spruch des Herrn, Jahwehs.“
Das Bild von der Buchrolle und vom Feigenbaum, der seine Winterfeigen abwirft, kommt von Jes 34,4 (Das geschah anlässlich des Falles Edoms und vor allem der Hauptstadt Bozra, 6. Jhdt. v. Chr.):
„Alles Heer des Himmels löst sich auf. Und die Himmel werden [ein]gerollt wie eine Buchrolle. All ihr Heer verwelkt ‹und fällt ab›, wie das Laub vom Weinstock verwelkt, wie Welkendes am Feigenbaum; 5 denn reichlich durchtränkt ist in den Himmeln mein Schwert. Siehe! Auf Edom fährt es herab“.
Viele Feigen werden im Herbst geerntet, aber einige bleiben am Feigenbaum über den Winter. Gegen Frühjahr kommen die starken Märzwinde und holen noch diese. Das Bild ist ein hyperbolisches (d. h.: überzeichnet, übertrieben).

c. Entweichen des Firmament–Himmels: V. 14A
6,14: „Und der Himmel wich auseinander wie eine Buchrolle, die aufgerollt wird, …“
Auch das Bild vom Aufrollen des Sternenhimmels, der wie eine Buchrolle aufgerollt wird, kommt von Jes 34,4 (anlässlich des Falles Edoms und der Hauptstadt Bozra, 6. Jhdt. v. Chr.): „Alles Heer des Himmels löst sich auf. Und die Himmel werden [ein]gerollt wie eine Buchrolle. All ihr Heer verwelkt ‹und fällt ab›, …, 5 denn reichlich durchtränkt ist in den Himmeln mein Schwert. Siehe! Auf Edom fährt es herab“.
Das Auseinanderweichen (Aufgerolltwerden) ist bildhafte Sprache.

d. Erschütterung der Berge und Inseln: V. 14M
„… und alle Berge und Inseln wurden von ihren Stellen gerückt.“
Anlässlich der Falls von Tyrus wird eine ähnliche Sprache (vom Beben) verwendet (Hes 26,15): „So sagt der Herr, Jahweh, zu Tyrus: Werden nicht vom Dröhnen deines Sturzes, wenn der Durchbohrte stöhnt, wenn in deiner Mitte gemordet wird, die Küstenländer erbeben?“
Wenn auch die Sache selbst bildhaft dargestellt wird, so ist doch ersichtlich, was damit ausgedrückt ist: Welt–Ordnungen werden aufgehoben. Es geht um die Zerstörung weiter Teile des Landes. Im Kontext der Nah–Stellen der Off betrachtet, kann es sich nur um die Aufhebung des alttestamentlichen „Kosmos“ handeln, d. h. um das Ende der sinaitischen Tempelära (mit der damit verbundenen „Welt“).

e. Entsetzen und Flucht der Menschen: V. 15–17
6,15: „Und die Könige des Landes …“
Die „Könige des Landes“ (o.: „der Erde“) in Ps 2 sind gemäß Apg 4 jüdische Führer. Die „Könige des Landes“ (o.: „der Erde“) in Off 6,12ff sind die Regenten von Judäa (sowie Galiläa, Ituräa, Trachonitis etc.). Aus Apg 4 geht deutlich hervor, dass mit den „Königen“ Pontius Pilatus und Herodes gemeint sind:
Apg 4,24–28: „Sie, nachdem sie es gehört hatten, erhoben in Einmütigkeit die Stimme zu Gott und sagten: Unumschränkter Herrscher, du bist der Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was in ihnen ist, machte, 25 der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige der Erde, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, 28 alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss im Voraus bestimmte, dass es geschehen sollte.“

„… und die Großen und die Reichen und die Obersten und die Starken und alle leibeigenen Knechte und [alle] Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge.“
In Judäa gab es viele felsige Felsvorsprünge, Berge, Klüfte. Ewald (zit. bei Moses Stuart, Revelation) schreibt: „Hier ist ein Bezug auf Palästina mit seinen Felsen und Höhlen, die Fliehenden Zuflucht gaben.“
Nach der Umzingelung Jerusalems durch die Römer waren die letzten Verstecke der fliehenden Juden in Judäa solche Höhlen. (Vgl. Josephus, Der jüdische Krieg, 4,7; 7,4,2.)
Vgl. Jes 2,10.19.21: „Verkrieche dich in die Felsen und verbirg dich im Staub vor dem Schrecken Jahwehs und vor der Pracht seiner Majestät! … 19 Und man wird sich in Felsenhöhlen und in Erdlöcher verkriechen vor dem Schrecken Jahwehs und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, um die Erde zu schrecken. 20 An jenem Tage wird der Mensch seine Götzen aus Silber und seine Götzen aus Gold, die man ihm zum Anbeten gemacht hat, den Maulwürfen und den Fledermäusen hinwerfen, 21 um sich in Felsspalten und in Steinklüfte zu verkriechen vor dem Schrecken Jahwehs und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, um die Erde zu schrecken.“ (Vgl. auch Jes 3,1–3.)
Hier (Off 6) geschieht eine Einebnung aller Klassen zu den Füßen Gottes. –
Wenn Gott anfängt zu sprechen, sind alle Menschen vor ihm gleich: alle Reichen sind arm, alle Großen klein, alle Starken schwach. Und wer im Lande (o. auf Erden) klein, arm und schwach war, aber nicht über seine Sünden Buße getan hat, dem wird es nichts helfen, dass er in Not, in Leiden und in Armut gelebt hat. Die Tatsache, dass jemand ein armes notvolles Leben hatte, reicht nicht aus für ihn, wenn er Jesus Christus nicht als Retter und Herrn angenommen hat.

6,16: „Und sie sagten zu den Bergen und zu den Felsen: „Fallt auf uns und verbergt uns …“
Hier findet eine Gebetsversammlung statt – zu den Bergen, nicht zum Fels der Ewigkeiten. Sie wissen um Gott, aber sie wollen ihn nicht sehen, keine Begegnung mit ihm, keine Buße; nur Schutz wollen sie, nicht aber Gottes Weg zum Leben.
Vgl. Hos 10,7.8: „Vernichtet ist Samaria, sein König, wie ein abgerissener Zweig auf der Fläche des Wassers! 8 Und vernichtet werden die Höhen von Awen, die Sünde Israels! Dornen und Disteln wachsen über ihre Altäre. Sie werden zu den Bergen sagen: Bedeckt uns! und zu den Hügeln: Fallt über uns!“
Als der Herr sein Gericht über Jerusalem ankündete (Lk 23,28–31), sagte er: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich. Doch weint über euch selbst und über eure Kinder, 29 weil– siehe!– Tage kommen, an denen man sagen wird: Selige [sind] die Unfruchtbaren und [die] [Mutter]schöße, die nicht gebaren, und [die] Brüste, die nicht stillten! 30 Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Deckt uns!, 31 denn wenn man dieses am grünen Holz tut, was wird am dürren werden?“

„… vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“
Alles andere ist ihnen lieber als in Gottes Angesicht sehen zu müssen. Was für ein Angesicht muss das sein!
(Auf der anderen Seite dürfen wir bedenken: Wie schön ist das für die bluterkaufte Schar: Sie dürfen heute schon mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen: 2Kor 3,17 – und auch in der Ewigkeit: Off 22,4; vgl. 1Kor 13,12.)

6,17: „… weil der große Tag seines Zorns gekommen ist.“
Die Gerichtsankündigung („Jetzt ist der Tag seines Zorns gekommen…“) wird auch in Off 10,6.7; 11,15–18; 14,15; 16,15.16; 18,21–24 und 19,15–18 erwähnt. Die eigentlich Gerichtshandlung selbst wird (zuvor kurz in 14,20; 16,17ff und) dann vor allem in 19,19–21 und 20,9.10 beschrieben.

6,17M: „Und wer vermag zu stehen?“ {Vgl. Hos 10,8.}
Wenn der, der für sie am Kreuz starb und sich selbst für sie dahingab, zornig wird, wie groß muss der Zorn sein!
Die Frage bleibt: Wer kann bestehen? Antwort darauf erhalten die Briefempfänger in Off 7.

C. Zwei Zwischenvisionen 7,1–17
Einleitendes/Allgemeines

Der Zweck der Zwischenvision ist, eine Antwort zu geben auf die Frage von 6,17E: „Wer vermag“ (vor dem Zorngericht Gottes) „zu stehen?“ – Stehen können werden die, die Gott versiegelt hat. Versiegelt werden die, die ihre Gewänder im Blut des Lammes Gottes gewaschen haben. Gott wird sein Volk vor dem Zorngericht verschonen. In Off 7 werden sie versiegelt von Engeln, ehe die Engel von den vier Winden zum Gericht kommen.

Das „Land“ (Festland) steht dem „Meer“ gegenüber. Mit „Meer“ wird im AT oft die Küstengegend bezeichnet (1Mo 13,14; 28,14; 32,13; 41,49; 49,13 „Hafen des Meeres“; 2Mo 14,2.9; 23,31; 3Mo 11,9; 4Mo 2,18; 11,31; 13,29; 34,5.6.7.11; 5Mo 1,7; 11,24; 33,19.23; 34,2 u. v. a. ). In Off 7 sind dies lokale Gebiete, nicht globale Bezeichnungen: Das Land ist das Festland in Palästina, das Meer ist die Meeresküste des Mittelmeeres, wo die Schiffe in den Häfen liegen (vgl. Off 8,8.9).
Diese zwölf Stämme Israels sind das wahre Gottesvolk, dargestellt im Bild des alttestamentlichen abgezählten Heeres Israels. Die Weissagung bezieht sich nicht auf das gesamte Volk, sondern nur auf die kriegsfähigen Männer (von 20 Jahren an und darüber, bis 60 Jahren). Kinder, Frauen und alte Leute wurden im AT (4Mo 1ff) nicht zum Heer Israels gezählt. Dieses Heer hier ist ein Kriegsheer von kampftüchtigen, hingegebenen unverheirateten Männern. Sie sind ganz für die Sache ihres Königs da, ziehen für ihn in den Krieg. Dass es sich nur um Männer handelt und nur um Unverheiratete, erfahren wir aus Off 14,4: „Diese sind es, die mit Frauen nicht befleckt wurden, denn sie sind Jungfräuliche. Diese sind es, die dem Lamm folgen, wo immer es hingeht.“
Off 7,3: Johannes hört von einer Versiegelung, sieht die Versiegelten aber nicht. Der Zeitpunkt ist vor dem Sturm. Die Versiegelten sind die Seinen, das wahre „Israel“. Das wahre Gottesvolk wird versiegelt, d. h., bewahrt und als Eigentum Gottes gekennzeichnet, wie im AT vor der Zerstörung Jerusalems die Treuen mit einem Siegel gekennzeichnet wurden, Hes 9,4–6: „Und Jahweh sagte zu ihm: Gehe mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem, und mache ein Kennzeichen (Malzeichen) an die Stirnen der Männer, die seufzen und stöhnen über alle die Gräuel, die in ihrer Mitte geschehen. 5 Zu jenen aber sagte er vor meinen Ohren: Geht hinter ihm her durch die Stadt und schlagt zu! Euer Auge soll nicht schonen, ihr sollt kein Mitleid haben! 6 Greise, junge Männer und Jungfrauen und kleine Kinder und Frauen sollt ihr töten – bis zur [gänzlichen] Vernichtung! Aber jedem Menschen, an dem das Kennzeichen ist, sollt ihr nicht nahen. Und bei meinem Heiligtum sollt ihr anfangen. Und sie fingen bei den Männern an, [bei] den Ältesten, die vor dem Haus waren.“
Die Treuen in Hes 9 wie in Off 7 werden an der Stirn versiegelt (vgl. Off 14,1; Off 9,4). Das Siegel ist der Name Gottes, ähnlich wie das „Heilig dem Jahweh“ an der Stirn des Hohen Priesters (2Mo 28,36–38).
Sie sind 12–mal 12 000, eine treue Schar, das Heer des messianischen Königs, sie sind abgezählt, wie die Soldaten im 4. Buch Mose. Die genau abgezählte Zahl zeigt an, dass das göttliche Heer wohlgeordnet ist, gezählt, vollständig. Die Zahl zeigt auch, dass es ein großes Heer ist. Solange das Gottesvolk unterwegs ist, hat es den Charakter eines Heerlagers (vgl. Off 20,9). Fn.: „Heerlager (parembolee)“ ist nach Friberg „a military technical term; (1) for an army in the field encampment, camp; of the Israelite camp during the exodus period (Hebr 13.11); figuratively, for the Jewish religious community as developed in Judaism, Hebr 13,13; (2) for an army in battle array battle line, army (Hebr 11,34); (3) for a permanent army base barracks, fortress, soldiers’ quarters, Apg 21,34.
Sie sind Männer, Jungfräuliche, Knechte, Kämpfer Gottes, die treu sind bis zum Tod. Sie folgen dem Lamm, wo immer das Lamm hingeht. Das Lamm ist der Löwe aus Juda: der König (Off 5,5). Sie sind seine Getreuen. Und, wie im alttestamentlichen Gottesvolk, kommt „Juda“ zuerst (Off 7,5; vgl. Ri 1,1.2; 20,18: „Juda zuerst“).

1. Die Versiegelung der 144 000: 7,1–8
a. Vision: Die Gerichtsengel an den vier Ecken des Landes: 7,1
Off 7,1: „Und nach diesem sah ich vier Boten an den vier Ecken des Landes stehen, …“
Das Land, das Johannes sieht, ist ein großer Landstricht mit vier Ecken. Die vier Ecken des Landes sind die vier Himmelrichtungen. Es geht nicht um ein Gesicht über die ganze Erde, den Globus. Die Vorstellung von der Erde als Globus (wenn auch grundsätzlich wissenschaftlich richtig) kennt die Off nicht. D. h., in der Off ist mit „Erde/Land“ nie der Globus gemeint.

„… welche die vier Winde des Landes zurückhielten, …“
Vier Winde aus den vier Windrichtungen Nord, Süd, Ost, West. Die vier Winde sprechen vom Gericht über ein ganzes Land.
Zu den Winden vgl. Jer 49,35ff.: „So sagt Jahweh der Heere: Siehe, ich zerbreche den Bogen Elams, seine vornehmste Stärke. 36 Und ich werde die vier Winde von den vier Enden des Himmels her über Elam bringen und es in alle diese Winde zerstreuen. Und es soll kein Volk geben, wohin nicht Vertriebene Elams kommen werden.“ Vgl. auch die vier Winde in Dan 7,4.

„… damit kein Wind wehe über das Land, noch über dem Meer, noch über allen Bäumen.“
Windstille. Kein Blatt rührte sich. K. 7 beginnt mit einem Innehalten (K. 8 übrigens auch).
Wir lernen: Gott gibt Zeiten der Stille. Wir sollten innehalten und stille werden vor Gott, an ihn denken, uns besinnen auf unsere Beziehung. Wir sollen für stille Zeiten beten (1Tim 2,2) und sie nutzen für die Verbreitung des Königreiches Gottes.

b. Der Ruf zum Warten mit dem Gericht bis zur Versiegelung der Sklaven Gottes: 7,2.3
„Und ich sah einen der anderen Boten, der vom Osten her aufgestiegen war …“
Im Osten von Patmos liegt Israel. Die Heiligen, Gottes „Israel“ sollen versiegelt werden, die Treuen im Lande. Vor der Zerstörung Jerusalems müssen die, die dem Herrn Jesus Christus gehören, als sein Eigentum gekennzeichnet werden. Sie bekommen seinen Namen und den Namen seines Vaters auf die Stirn geschrieben (Off 14,1; 9,4; Hes 9,4.5).

„… und das Siegel des lebendigen Gottes hatte.“
V. 3 „Und er rief mit lauter Stimme zu den vier Boten, denen es gegeben war, das Land und das Meer zu schädigen, und sagte: „Schädigt nicht das Land noch das Meer noch die Bäume, …“
Es geht um Schaden am Festland und am Küstenstreifen, dem „Meer“, und an den Bäumen, d. h. an der Umwelt Israels. Vgl. die Warngerichte in Off 8 und 9. Aber die zerstörenden Engel, die das Land zerstören sollen, müssen vorerst noch warten.

„… bis wir die leibeigenen Knechte unseres Gottes an der Stirn mit dem Siegel versehen.“
Mit dem Siegel wird das Eigentum gekennzeichnet. Gekennzeichnetes Eigentum ist geschützt. Die Versiegelung spricht daher auch von Schutz (vgl. a. 1Mo 4,15).
Das Siegel wird sichtbar angebracht, jedenfalls war es für die Engel sichtbar. Wir vergessen nicht: Johannes sieht eine Vision! In der Vision ist das Zeichen sichtbar, wie damals in 2Mo 12,13.22.23 das Zeichen ein sichtbares war.
Die Stirn ist die wichtigste Stelle des Menschen. Hinter der Stirn ist das Gehirn, der Ort, wo der Mensch denkt.
Siegel ist der Name des Sohnes Gottes und seines Vaters (14,1).
Aber hier ist etwas, das die Leser aus dem AT gut kennen: Vgl. 2Mo 12,7.23. Wir beachten: Hier geht es um einen neuen Exodus (Auszug des Gottesvolkes, Off 12,6.14; 15,2–4).
Das Israel, von dem hier die Rede ist, ist das wahre Israel, das wahre Gottesvolk. Ausgeschlossen sind die, die Jesus Christus nicht lieben, die Synagoge des Satans (2,9; 3,9).
Im 1. Jhdt. gab es die „zwölf Stämme“ in dem alttestamentlichen Sinne (als Volkseinheit) nicht mehr. In der Off werden alttestamentliche Bezeichnungen auf das wahre Gottesvolk übertragen. Es ist interessant, dass in der Off, wenn von fleischlichen Israeliten die Rede ist, diese „die Synagoge Satans“ heißen oder „Lügner“ und Götzendiener“. Das irdische Jerusalem heißt „Sodom“ und „Ägypten“ (11,8) und „Babylon“ (14,8; 16,19; 17,5.18). Wenn von den Heiligen die Rede ist, heißen sie „Priester, Könige, Braut, Volk Gottes, leibeigene Knechte Gottes, Heilige“, Titel, die im AT für das alttestamentliche Israel gebraucht werden. Im neuen Jerusalem stehen auf den Toren die Namen der zwölf Stämme Israels (was anzeigt, dass das neue Jerusalem eine israelitische Stadt ist), drinnen wohnhaft aber sind Menschen aus allen Völkern. Das neue Gottesvolk trägt die Namen des alten Gottesvolkes. Das heißt nicht, dass im NT Heiden zu Juden werden, sondern die Heiden werden eingepfropft und Mitteilhaber der israelitischen (alttestamentlichen) Verheißungen (Rm 9–11; Eph 2,12–3,6).

Johannes hörte (!) von den zwölf Stämmen, er sieht sie nicht. Er sieht etwas anderes als was er hörte. Er hörte von den zwölf israelitischen Stämmen und ihrer Versiegelung, was er aber sah (!), waren Menschen aus allen Völkern; ebenso, wie er in K. 5 vom Löwen hörte, was er aber sah, war ein Lamm, das für die Menschen aus allen Völkern starb.
Der Löwe aus Juda steht gleichsam an der Spitze des Heeres, und von seinem Heer werden die leibeigenen Knechte aus Juda als erste genannt („Juda zuerst“, Ri 20,18).

c. Auditon: Die Versiegelten: 7,4–8
V. 4 „Und ich hörte die Zahl der mit dem Siegel Versehenen, einhundertvierundvierzigtausend,
Einiges können wir feststellen: Es geht um die Versiegelung der wahren Knechte Gottes, der Zeugnisträger.
Das Israel nach dem Fleisch, das den Messias abgelehnt hat, die nicht an Christus gläubigen Juden, sind eine „Synagoge des Satans“ (2,9; 3,9) geworden, das alte Jerusalem ist ein Sodom und Ägypten geworden (11,8) sowie ein „Babylon“.
Den wahren Kern des Volkes bilden die Treuen in Israel, die, die den Messias angenommen haben, hinzu kamen die aus den Völkern, die Heidenchristen. Vgl. Rm 2 und 9; Gal 6,16.
Die 144 000 sind leibeigene Knechte Gottes „aus allen Stämmen der Söhne Israels“. Gott hat immer nur ein einziges Volk. Und es heißt immer Israel. Die aus den Völkern sind eingepfropft (Rm 11) und teilhaftig der israelitischen Segensgüter (Eph 3,6). Sie sind nicht Juden geworden, sie bleiben Menschen aus den Völkern, aber sie sind einverleibt in Gottes Israel.
Die 12–mal 12000 in Off 7 werden gleichmäßig verteilt. Wir bedenken, dass Johannes ein Gesicht sah, ein visionäres Bild. Wir sollten also die Zahl mehr mit ihrer Symbolik betrachten. Die Zwölf (oder ein Vielfaches von ihr) kommt in der Off mehrmals vor (12,1; 21,12.14.21; 22,2; 144 Ellen [21,17], 12000 Stadien [12,16]). Die Zwölf ist die Zahl der Vollendung bzw. Vollzähligkeit. Mit der Nennung der Zahl und der Aufzählung soll auch ausgedrückt werden, dass Gott sie alle kennt. Er hat jeden gezählt.
Sie werden versiegelt, ehe der große Sturm beginnt (7,3), in dem die Winde auf das Land, das Meer und die Bäume losgelassen werden. Sie alle sind von Gott gezählt und versiegelt. Keiner wird vergessen oder übersehen. In Off 14,1–5 werden die 144000 nochmals gesehen. Die Versiegelten stehen vollzählig mit dem Lamm auf dem Zion (V. 1), vor dem Thron Gottes (V. 3). Sie sind unbeschadet (geistlich unbeschadet) am Ziel angekommen.
Wir lernen: Gott kennt jeden der Seinen, auch wenn der ganze Himmel verdun¬kelt ist. Er zählt sie einzeln. Er liebt sie. Er behütet sie – wie ein Vater die Kinder. Bewahrung schließt nicht aus, dass man nicht den Märtyrertod stirbt.

 

Beachte: 7,4–14 = 5,5–6
Johannes. hört 7,4 etwas anderes als was er sieht 7,9.
144,000 von Israel (7,4–8) ↔ unzählbare Schar aus allen Völkern. 7,9
Dieselbe Sache wird dargestellt. Wie in 5,5.6 Löwe und Lamm.
144,000 von Israel = Nachfolger des Sohnes Davids, des Gesalbten.
Der Löwe aus Juda → 7,4 Juda zuerst! (Es geht um Kampf; vgl. Ri 1,1.2 und 20,18)
Das Lamm geschlachtet → unzählbare Schar aus allen Völkern, erlöst aus allen Völkern 5,9 und geschlachtet für Christus (gewaschen im Blut) →
Genauso wie die Erwartung des davidischen Messias uminterpretiert wurde durch das bibl. Bild vom geschlachteten Passalamm, so wird das rein nationalistische Bild der Nachfolger uminterpretiert durch ein Bild, das aus bibl. Verheißungen Gottes an die Väter (Abraham, Isaak, Jakob) entnommen wurde (Der Same wird unzählbar sein. 1Mo 13,16; 15,5; 32,12.).

Weiterer Gegensatz zwischen 7A und 7B in Verbindung mit 5,5ff:
Die 144 000 sind eine Armee (7,4–8 ist eine Volkszählung von Israel; im AT wurde gezählt, um die Stärke des Heeres festzustellen; nur die Männer gezählt; so wird hier die Stärke des Heeres von „ganz Israel „festgestellt, ein vereinigtes Israel in den letzten Tagen (vgl. Hes 36), angeführt von dem Löwen aus dem Stamme Juda. Es geht um eine Schlacht gegen die heidnischen Bedränger des Gottesvolkes.
7,9ff: Die unzählbare Schar feiert ihren Sieg im Himmel; der Sieg wurde durch Gott und das Lamm errungen 7,9.10; aber sie haben ihre Gewänder gewaschen im Blut des Lammes. (Doppelbild von Blut: sie – als Erlöste durch das Blut Christi – widerstanden durch die Kraft des Lammes und im Blick auf das Vorbild des Lammes „bis aufs Blut „Hebr 12,1–4. Sie gaben ihr Leben hin und liebten es nicht „bis zum Tod“. Vgl. 12,11 und 2,10. treu bis zum Tod. Durch ihren Märtyrertod nahmen sie am Opfer des Lammes teil, das den Sieg für sie errang. Aber sie selber sind nur deshalb Mit–Sieger, weil sie ebenfalls bereit waren, bis zum Tod und bis auf Blut zu widerstehen. (7,14 bezieht sich auf eine Tat, die SIE getan haben: sie haben ihr Leben nicht geliebt und ihre Kleider gewaschen und weiß (= siegreich) gemacht im Blut (o.: besser: mittels des Blutes) des Lammes. (↔ 1,5; 5,9 dort ist Christus der Handelnde, hier sie selbst.)
Die Parallele zu 5,5–6: der Messias errang den Sieg durch seinen Tod, nicht durch militärische Macht.
Die Nachfolger des Messias nehmen Teil an seinem Sieg; wie? – indem sie ebenfalls ihr Leben in den Tod geben. Sie gingen nicht mit militärischer Macht vor.
Vgl. 14,1–5: Die 144,000 Sieger.
K. 12–14: Die 2 Kampfgruppen im geistlichen messianischen Krieg: Drache/Tier/Falschprophet ↔ Das Lamm und seine Nachfolger. (12,17; 13,7).
Aber 14,1: das Lamm und seine Armee (gezählt!) am Berg Zion (= der Ort des Sieges des Messiaskönigs über die feindlichen Mächte. Ps 2,6.)
Vgl. Jungfräuliche 14,4 gehört zum Bild der Armee. Sie sind alle männliche Krieger, gehorsam erfüllend die Erfordernisse nach ritueller Reinheit (5Mo 23,9–14; 1Sa 21,5; 2Sa 1,1: 9 – 1 3 2Mo 19,15; 3Mo 15,16–18: kultische Verunreinigung durch Samenerguss).
D. h. die moralische Reinheit des Gottesvolk als integre Krieger in der geistlichen Schlacht.
1Petr 2,11–12 „Enthaltet euch ‹stets› der fleischlichen Lüste– sie kämpfen gegen die Seele– 12 ‹und› habt eine edle Lebensführung unter denen von den Völkern
Sogleich aber wechselt das Bild von der Armee in das vom Opfer für Christus 14,5 – wie in 5,5.6 das Bild vom Löwen in das vom Lamm wechselt, das sich aufopfert: Ein Opfer für Gott muss untadelig sein:
„Off 14,5 Und in ihrem Munde wurde kein Falsch gefunden, denn sie sind ohne Tadel vor dem Thron Gottes.
Tadellos, das ist Opfersprache. Vgl. 2Mo 29,38; 3Mo 1,3; 3,1 ).
„keine Lüge/Falsch „= Wahrheit (↔ Die Lüge / Falschheit des Falschpropheten), vgl. Zef 3,13
Christus ist der treue/zuverlässige Zeuge, in seinem Munde – im Munde des Lammes Gottes – wurde kein Falsch gefunden: Jes 53,9.7
Die Nachfolger des Lammes (wohin es auch geht 14,4), ähneln ihm, d. h. sie ahmen seine Wahrhaftigkeit nach, indem sie selber treue Zeugen sind (Zeugen der Wahrheit; vgl. die Schlacht der Wahrheit gegen die Lüge: Joh 18 und 19. Das Versagen Petri. Der Sieg Jesu.) UND indem sie den Opfertod auf sich nehmen, zu dem ihr treues Zeugnis führte.
Vgl. 12,11 die 3 Bilder von den Erfordernissen im messianischen Krieg: Das Lammesblut, das treue Zeugnis und das Nicht–Lieben des Eigenlebens bis hin zum Tode 12,11.

Die Versiegelten werden vor den Winden bewahrt. (Dass Gott die Seinen verschont, wenn er Gerichte sendet, lesen wir auch im AT: 2Mo 8,18.19; 9,4.6.26; 10,23; 11,7.) Sie werden nicht vor der Verfolgungszeit hinweggenommen, sie werden aber in dieser Zeit bewahrt. Verschonung muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass sie nicht sterben werden. Aber bewahrt werden sie! Nicht ein einzige Haar wird ihnen gekrümmt.

Die Reihenfolge der Stämme: 7,4M–8
Off 7,4Mo „… Versiegelte aus allen Stämmen der Söhne Israels:“
Beachte die Anordnung: Sechs Paare.
Zuerst zwei ältere Söhne Leas (der vierte und der erste): Juda, Ruben: Juda steht an erster Stelle, weil aus ihm der „Löwe“ kommt. Auf Juda war das Königtum übergegangen, weil Ruben und Simeon und Levi es verwirkt hatten. Judas älterer Bruder Ruben, der älteste überhaupt, steht bei ihm.
Danach die beiden Söhne von Silpa, Leas Magd: Gad, Asser.
Danach Naftali, von Bilha, Rahels Magd. (Er steht allein, sein Bruder Dan fehlt. Statt ihm kommt Manasse, der älteste Sohn Josefs; er steht allein. (Ephraim wird nicht namentlich erwähnt, ist dann aber in Josef enthalten, weil er Josefs Sohn ist.)
Danach der 2. und 3. Sohn Leas: Symeon, Levi
Dann die zwei letzten Söhne Leas: Issaschar, Sebulon
Zuletzt die beiden Söhne Rahels (Josef und Benjamin). Josef steht bei seinem Bruder Benjamin ganz hinten, obwohl er es ist, auf den das Erstgeburtsrecht übergegangen war (1Ch 5,1.2). Aber Josef identifiziert sich mit seinem leiblichen geliebten Bruder Benjamin, dem Jüngsten.
Einer fehlt: Dan. Manasse gesondert erwähnt, wie in 1Chr 4–7. In 4Mo 13,11.8 steht Josef für Manasse, und Ephraim ist s
gesondert genannt; hier umgekehrt: Josef steht für Ephraim, und Manasse ist gesondert genannt.

Ephraim und Dan werden in Off 7 nicht mit Namen angeführt – nicht deshalb, weil Daniter einmal abtrünnig wurden (1Kön 12,29f), denn Dan wird in Hes 48,1 als im ewigen Königreich vorhanden genannt, sogar an erster Stelle. Für Ephraim steht Josef.
Die Tatsache, dass in Off 7 einer der Stämme fehlt (Dan), ist nicht von großer Bedeutung. Ein Stamm muss fehlen, um die Zwölfzahl zu erhalten; denn aus Josef wurden zwei: Ephraim und Manasse (1Mo 48). Vgl. die 20 Listen der Stämme (1Mo 29–30; 46; 49; 2Mo 1; 4Mo 1; 2=7; 13; 26; 34; 5Mo 27; 33; Jos 13–20; 1Chr 2,2; 2–8; 6,62–70; 6,71ff; 12,23.24; 27,16.17; Hes 48; 48,31ff; Off 7,4–8). Sie sind in verschiedener Reihenfolge. In 4Mo 34 fehlen Ruben und Gad, in 5Mo 33 fehlt Simeon, in 1Ch 2–8 fehlen Dan und Sebulon, in 1Ch 6,62ff fehlt Dan, in 1Ch 27,16 fehlen Gad und Asser, in 1Ch 2,2 und Hes 48,31ff wird Josef nicht in Manasse und Ephraim geteilt, in 1Ch 12,23.24 werden sogar 14 Stämme genannt, nämlich die dreizehn und zusätzlich der zweite Stamm Halb–Manasse.

Das Muster ist das von Hes 48 (in Bezug auf die Aufteilung des Landes). Johannes folgte der Zählweise, die zu seiner Zeit gängig war.

„Die Bedeutung der Namen der Stämme in Off 7:
„Juda zum Lobpreis Gottes sind sie hier Off 4,10f; 5,9–12
1. Petr. 1,3
„Ruben Seht, sie sind Söhne Gottes Off 21,3

„Gad Glück und Freude prägt sie nun Off 2,7
„Asser Glückseligkeit ist nun ihr Los Off 22,14
„Naphtali sie sind im Kampf bewährt Off 15,2
„Manasse Gott macht ihr Leid vergessen Off 7,17 iVm 6,10
„Simeon ihr Flehen hat Erhörung gefunden Off 6,10
„Levi Anhängliche an Gott sind sie Off 14,4
„Issaschar ist ihr Lohn Off 22,12
„Sebulon Gott wird bei ihnen wohnen und sie erhöhen Off 21,3
„Josef Gott wird ihnen noch mehr hinzufügen Off 21,7
„Benjamin sie werden Söhne der Rechten Gottes sein und mitherrschen Off 22,5

D. Chilton (in The Days of Vengence, S. 93) zitiert Farrer: „He makes a genuine three for Rachel, by substituting Manasseh’s name for Dan’s. In fact, the tribe of Joseph had become two tribes, Ephraim and Manasseh. Since Ephraim was Joseph’s principal heir, Joseph covers Ephraim; Manasseh is added. A by–product of this improvement is the disappearance from the list of Dan, one of the Twelve. Perhaps it will not have displeased St. John; let Dan be the Judas of the patriarchs. Dan had, in fact, a dubious reputation (Gen. 49:17; Lev. 24:10–11; 1 Kings 12:28–30; Jer. 4:15 and 8:16). In the end (Rev. 21:12– 14), St. John puts the names of the apostles round the city, pairing them with the tribes. We cannot suppose that Iscariot’s name would stand there, any more than Dan’s. „Then, as to the artificial promotion of Judah: instead of exchanging Judah and Simeon, St. John simply puts Judah up two places. The result is that Levi, not Simeon, is pushed out of the first three. The alteration is presumably deliberate, for in the new dispensation Levi is degraded. The priesthood is united with the kingship in the tribe of Judah, as the writer to the Hebrews so copiously explains; Levi has no special
standing (see especially Heb. 7:11 –14).“ (Austin Farrer, The Revelation of St. John the Divine, p. 108)

Bei den 12 Aposteln verhält es sich ähnlich. Paulus ist der 13. Apostel. Dennoch gehört auch er zu den Zwölfen, die das Fundament der Gemeinde ausmachen (Eph 2,20).

Off 5: Off 7:
Was er hörte: Was er hörte:
Löwe (König) 144 000 Versiegelte (Soldaten)
aus dem Stamme Juda aus allen Stämmen der Söhne Israels, Juda zuerst
Was er sah: Was er sah:
Ein Lamm, stehend, wie geschlachtet; … „du wurdest geschlachtet und erkauftest uns für Gott mit deinem Blut“ V. 9 Eine große Menge, die niemand zählen konnte, … „sie machten ihre Gewänder weiß durch das Blut des Lammes“ V. 14
Es starb für Menschen „aus jedem Stamm, [jeder] Sprache, Volksschar u. [jedem] Volk“ V. 9 Menschen „aus jedem Volk, [allen] Stämmen, Volksscharen u. Sprachen“ V. 9
Lamm „in der Mitte des Thrones „V. 6 Lamm „in der Mitte des Thrones „V. 17
„.. machtest … zu Königen und Priestern für unseren Gott … sie werden .. herrschen“ V. 10 „sie sind vor dem Thron Gottes und dienen ihm [als Priester] Tag und Nacht in seinem Tempelheiligtum.“ V. 15
„Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm ‹gebühren› in alle Ewigkeit das Lob und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht! „V. 13 V. 10: „Das Heil dem, der auf dem Thron .. sitzt, und dem Lamm!“
„Das Lob und die Herrlichkeit und die Weisheit und der Dank und die Ehre und die Kraft und die Stärke ‹gebühren› unserem Gott in alle Ewigkeit!“ V. 12
V. 14: die 24 Ältesten fielen nieder und huldigten dem, der in alle Ewigkeit lebt. V. 11: und die Ältesten … fielen auf ihr Angesicht vor dem Thron und huldigten Gott.

Begriffe für das alte Israel in der Off Begriffe für das wahre Israel in der Off
Die sagen, sie sind Juden und sind es nicht 2,9 Die Jesus Christus liebte (3,9)
Synagoge des Satans 2,9; 3,9 Leuchter, Gemeinde; K. 1–3
Sodom und Ägypten 11,8 Heilige, Knechte Gottes, Propheten,
Hure Babylon 14,8; 16,19; K. 17–18 Braut Neujerusalem (Off 21; 19,7f)
„Ich bin eine Königin, Witwe bin ich nicht „18,4 (= Falsche Selbsteinschätzung) Priester Gottes; Könige K. 7; 5,10; 20,4–6
Die große Stadt K. 18 Die große Stadt, das heilige Jerusalem K. 21
Am Berg Zion stehend 14,1
„Mein Volk „18,4

2. Die unzählbare Schar vor dem Thron: 7,9–17
a. Allgemeines
In Off 7,9ff. wird dieselbe Schar, von der Johannes in V. 4ff hörte, nach dem Sturm gesehen: Eine unzählbar große Schar steht vor dem Thron Gottes. Sie sind Gerettete aus allen Völkern, einschließlich Israel. Das Lamm in der Mitte der Schar, derer, für die es starb; vgl. das Lamm in der Mitte in Off 5,6. – Ein ermutigender Blick ans Ziel.
Wie beachten die siebenfache Aufzählung: (1) große Menge, (2) nicht zählbar, (3) sie standen vor dem Thron, (4) ihre Kleidung, (5) die Palmen, (6) die Anbetung der Schar (Heil dem am Thron Sitzenden), (7) die Anbetung der Engel.

Wer sind diese Schar vor dem Thron?
V. 14: „Diese sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten ihre Gewänder weiß durch das Blut des Lammes.“
Hier wird der Sieg der Nachfolger des Lammes durch den Märtyrertod dargestellt.
Beachten wir den Platz, den das K. 7 in der Gliederung der Off. (zwischen der 6. und siebenten Siegelöffnung) einnimmt: Die
6. Siegelöffnung beschreibt eine Ankündigung des großen Gerichts (6,12–17); aber das Gericht (70 n. Chr.) wird noch hinausgezögert, bis die Knechte Gottes versiegelt sind (7,1–8). K. 7 bezieht sich zurück auf das 5. Siegel (Off 6,9ff.). Die getöteten Zeugen müssen noch warten, bis der Rest der Märtyrer vollständig ist. Das Gericht über die Mörder jener ersten Schar wird noch hinausgezögert, bis die übrigen Nachfolger des Lammes den noch ausständigen Märtyrertod (bis zum Jahr 70 n. Chr.) gestorben sind. In 7,9ff wird dann die gesamte Märtyrerschar (also inklusive der bis 70 n. Chr. Getöteten) als vor Gottes Thron stehend gesehen.
V. 15–17 wird in siebenfacher Weise beschrieben: DESWEGEN (1) sind sie vor dem Thron, (2) sie dienen, (3) der am Thron Sitzende wohnt über ihnen, (4) kein Hunger, (5) kein Durst, (6) keine Sonne sticht, (7) keine Hitze.

Der Zweck des Abschnitts ist, die Schar der Heiligen im letzten großen Kampf zur Treue zu ermutigen.
Johannes sieht eine unzählbare Schar. So viele sind sie geworden! Von überall her sind sie gekommen – wie ja der Löwe aus Juda auch Menschen von allen Völkern erkauft hat, Off 5,9. In 7,9ff steht das Lamm (nicht der Löwe) in der Mitte der Schar derer, für die es starb.
Der Text sagt, dass die Versiegelten die Knechte Gottes sind. Ab 7,9 sieht Johannes diese Schar, aber er sieht sie als solche, die bereits gekämpft haben, gekämpft bis zum Tod. Er sieht sie vor dem Thron als Priesterlich–Dienende, die Getreuen Gottes.
Sie sind in Weiß gekleidet, wie die aus 6,9 und die in 19,14.
Sie kamen aus der großen Bedrängnis, wurden in der Bedrängnis getötet, 7,14.
Sie sind durch das Blut des Lammes gewaschen wie die in 12,11.
Sie sind vor dem Thron, wie die von 12,5.11; 14,3 und 20,4–6 (vgl. 3,21).
Sie dienen als Priester (7,15 latreuousin; nicht: diakonousin, nicht: douleuousin),wie die in 20,6. Vgl. 22,3.
Sie dienen im neuen Heiligtum, dem ewigen Tempel (Off 21), wie die in 22,3 (latreuousin; nicht: diakonousin, nicht: douleuousin).
Gottes Name ist auf ihrer Stirn, 7,3; 14,1; wie in 22,4; vgl. 3,12.
Sie sind dieselbe Schar, die mit dem Lamm auf dem himmlischen Zion steht (14,1) und dem Lamme folgt, wo immer es hingeht (14,4).
Sie sind Erstlinge, aus dem Lande erkauft, 14,3.4 (vgl. 5,9).
Sie sind Tadellose. Das erinnert an das „Opfer ohne Tadel“ (3Mo 1,3.10); sie haben also ihr Leben als Opfer ohne Tadel hingegeben. Die Märtyrer von Off 14,5 sind dieselbe Schar wie die Märtyrer von 7,14; vgl. 15,2–4; 20,4–6.
Sie singen das besondere neue Lied der Erkauften, 14,3.
Sie erleiden kein Leid und Ungemach mehr, Off 21,4.
Sie trinken aus dem ewigen Quell, wie 21,6.
Sie werden ernährt vom Lamm, wie 22,1ff.
Sie weinen keine Tränen mehr, Gott wischt sie ab, 7,17; 21,4.
Gott wird um sie her wohnen, 7,15; 21,3.
Diese Schar von 7,9ff wird nicht von einer anderen Heerestruppe unterschieden, als ob es zwei verschiedene gäbe. Hier ist nicht Jude noch Grieche, Gal 3,28; Kol 3,11.

Die 144000 von Off 7 und 14 sind eine Erstlings–Schar (14,4). „Erstlinge“ versprechen eine noch folgende Ernte. Es kommen also noch Märtyrer nach.
Diese hier werden als bereits am Ziel Stehende geschaut. Sie dürfen den Messias beim Gericht über das Tier (19,14.15.19) begleiten (vgl. 2,27; Ps 149,6–9).

Wir lernen: Es geht, wie im gesamten Brief der Off, um die Ermutigung der Heiligen, die zur Zeit der Abfassung des Briefes vor dem baldigen Märtyrertod standen. Das war vor 70 n. Chr.
Und eben sie werden als die Versiegelten, als die getreue Kriegsschar des Königs, als das wahre Israel–Heer, angekündigt.
Johannes sieht sie nicht, hört nur von ihnen, ehe sie in den Kampf treten: eine gezählte Israelitische Heerestruppe. Danach (Off 7,9ff) sieht er sie in der Herrlichkeit als eine sehr große Schar, gekommen aus allen Völkern, stehend vor dem Thron Gottes. – Welch große Ermutigung!

b. Die Anbetung der unzählbaren Schar: 7,9.10
7,9: „Nach diesem sah ich und – siehe! – eine zahlreiche Menge, die nicht einer zählen konnte, …“
Unzählbar, aber Gott zählt sie. Der Ausdruck „unzählbar“ bedeutet nicht, dass die Zahl unendlich groß ist: Wenn man aufhört zu zählen, heißt das nicht, dass die Sache im heutigen wissenschaftlichen Sinne nicht gezählt werden kann. Der Ausdruck bedeutet, dass sie so viele sind, dass man es nicht überblicken kann und es keinen Sinn machen würde, anfangen sie einzeln zu zählen, weil man mit Zählen nicht fertig werden würde. Vgl. die Bsp. im AT, wo von unzählbaren Scharen die Rede ist: die Nachkommen Ismaels 1Mo 16,10; das Getreide in Ägypten 1Mo 41,49; die Midianiter Ri 6,5; 7,12; das Volk Israel zur Zeit Salomos 1Kön 3,8; die Opfertiere 2Ch 5,6; die Soldaten der Philister 1Sa 13,5; Israel zurzeit Absaloms 2Sa 17,11;
die Wachteln in der Wüste Ps 78,27; Abrahams Nachkommen Hebr 11,12; u. a.

„… aus jedem Volk und [allen] Stämmen, Volksgruppen und Sprachen.“
Ein „Volk“ (auch eine Volksschar bzw. eine Volksgruppe) ist vereint durch gemeinsame Führer, Sitten und Gesetze, durch eine gemeinsame Geschichte; „Stämme“ sind vereint durch Blutsverwandtschaft; „Sprachen“ meint Menschen, die durch die gemeinsame Sprache vereint sind. Israel ist in dem Begriff „alle Völkern“ mit eingeschlossen. Israel wird im AT oft goi (Volk; Heiden; die Schlachter–Übersetzung übersetzt „Heidenvolk“) genannt. In Hes 2,3 sagt Gott: „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern (d. h.: „Heiden“), die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter waren von mir abtrünnig bis zu ebendiesem Tag.“

V. 9M: „Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, umkleidet in weißen langen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen.“ – Die olympischen Sieger in Griechenland und Rom bekamen damals Palmzweige als Siegeszeichen. Sie sind Sieger. Nicht sie selbst haben sich bewährt, Gott hat sie durchge¬bracht.

V. 10 „Und sie rufen mit großer, ‹lauter› Stimme und sagten: ‚Das Heil dem, der auf dem Thron unseres Gottes sitzt, und dem Lamme!’„ – Gott sitzt ruhig auf dem Thron, trotz der Stürme. „Heil/Rettung“ wird ihm zugesprochen. Man könnte das Wort „Heil/Rettung“ auch i. S. v. „Bewahrung“ übersetzen, denn „retten“ heißt im NT oft auch „bewahren“. D. h., die „Rettung und Bewahrung“ ist Gottes, weil sie von ihm her geschieht. Er sitzt auf dem Regierungsstuhl. Er vermag seine Erlösten durch die Geschichte der Regimenter durchzuretten und zu bewahren. Unsere tägliche Bewahrung kann nicht uns selbst zugeschrieben werden.

c. Die Anbetung der Engel: 7,11.12
V. 11 „Und alle [himmlischen] Boten standen …“
Sie stehen, sie sitzen nicht. Die übliche Gebetshaltung in der Heiligen Schrift ist Stehen oder Knien.
„… um den Thron und die Ältesten und die vier lebenden Wesen und fielen auf ihr Angesicht vor dem Thron und beteten Gott an, ‹huldigten ihm›, …“
V. 12 „.. und sagten: ‚Amen! Das Lob und die Herrlichkeit und die Weisheit und der Dank und die Ehre und die Kraft und die Stärke ‹gebühren› „unserem Gott in ‹alle› Ewigkeit.’„
Eine siebenfache Anbetung/Huldigung: (1) Lob, (2) Herrlichkeit, (3) Weisheit, (4) Dank, (5) Ehre, (6) Kraft, (7) Stärke.
„Amen!“ Ja, wahrlich! So ist es!

d. Ihre Herkunft: 7,13–15M
V. 13: „Und es erwiderte einer der Ältesten und sagte zu mir: „Diese, die in weißen Gewändern umkleidet sind, wer sind sie, und woher kamen sie?“ (Zwei Existenz¬fragen: Wer bist du. Woher kommst du?)
Es handelt sich um eine pädagogische Frage des Engels an Johannes.
→ Wir lernen: Man muss wissen, ob man zu den Geretteten gehört; wer es nicht weiß, gehört vielleicht selbst nicht dazu.
Es ist wichtig zu wissen, woher diese Geretteten kommen; aus so großer Bedrängnis hat Gott sie durchgebracht; wir dürfen schätzen lernen, was es heißt, durch Gott bewahrt zu werden.
V. 14: „Und ich sagte zu ihm: ‚Herr, du weißt es.’ Und er sagte zu mir: ‚Diese sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, …’„
Es gibt zwei Parallelen: Die Parallele in Dan 12,1 („… und es wird eine Bedrängniszeit sein, wie sie nie gewesen ist, seit das Volk entstand, bis zu jener Zeit“) bezieht sich auf die Zeit des Antiochus. Die Parallele in Mt 24,21 bezieht sich auf die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems: „…, denn es wird dann große Bedrängnis sein, eine solche, die seit Anfang der Welt bis jetzt nicht geschehen ist, auch keinesfalls geschehen wird.“
Der Ausdruck ist in Off 7,14 determiniert („aus der großen Bedrängnis“, griech. ek tees thlispeoos tees megalees),
Johannes spricht auch in 1,9 von Bedrängnis: „Ich, Johannes, der auch euer Bruder ist und Mitteilhabender an der Bedrängnis“.
Auch Paulus spricht von Bedrängnis (1Thes 3,3): „… damit niemand wankend gemacht werde in dieser Bedrängnis, denn ihr wisst selbst, dass wir dazu gesetzt sind“. Vgl. Apg 14,22.23; 2Kor 1,4; 2Tim 3,12.

V. 14M: „‚und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten ihre Gewänder weiß in dem Blute des Lammes.“
Wir beachten den Unterschied zu Off 1,5E: Dort steht, dass ER sie wusch (Vgl. 1Petr 1,2: „Blutbesprengung“, d. h.: bei der Heilswende/Umkehr zu Christus), hier (7,14) steht, dass SIE ihre Gewänder wuschen, d. h., sie haben das Blut, das Jesus Christus für sie vergossen hat, für sich persönlich in Anspruch genommen. Das ist es, was wir nicht nur in der Bekehrung, sondern auch täglich zu tun haben, im praktischen Sinne: uns reinigen lassen. Vgl. 1Joh 1,7–9. Vgl. 1Joh 3,3: „Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst ‹wiederholt›, so wie er (d. i.: Jesus Christus) rein ist.“
Die große Bedrängnis in Off 7,14 ist die von Mt 24,21. Hier ist der Rest der Märtyrer, von denen in 6,9–11 die Rede war.

In Off 7,9ff. sieht Johannes das, wovon er gehört hatte. Nun stellt er fest, dass dieses israelitische Herr (die 144000) eine unzählbare Menge von Märtyrer–Heiligen ist, eine Schar aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen.

V. 15 „Deswegen sind sie vor dem Thron Gottes …“
Weswegen? Vgl. V. 14. Weswegen werden gewisse Menschen vor dem Zorn des Lammes (6,17) bestehen? – Wegen des Blutes des Lammes.

„… und dienen ihm ‹in Verehrung› Tag und Nacht“
Das griech. Wort für „dienen“ (latreuein) ist das Wort, das für gebührenden Priesterdienst gebraucht wird, den man Gott schuldet. Wir schulden es, Gott, unserem Herrn, Tag und Nacht im Dienst zur Verfügung zu stehen.

„… in seinem Heiligtum.“
Nicht in einem irdischen Tempelheiligtum (s. Joh 4,21–24; Hebr 9). Die himmlische Gemeinschaft wird eine geistliche Tempelgemeinschaft sein. Der Herr ist der Tempel und das Lamm; der himmlische „Tempel“ ist ein geistliches Haus, ein Allerheiligstes: 21,22. Der neue Tempel ist letztlich die gesamte Stadt Neu–Jerusalem, das gesamte neue „Land“, das ja von jener Stadt gänzlich ausgefüllt ist. (Siehe die Bemerkungen zu Off 21.)

Die Erlösten sind Könige und Priester; Off 1,6. Als solche dienen sie im Tempel ohne Unterlass, ohne Unterbrechung.
Gott breitet sein Zelt, seine Herrlichkeit über sie aus. (Vgl. 2Mo 40,34; 4Mo 9,15–23.) Und er nimmt sie in seine Wohnung auf in ewiger Gemeinschaft (Vgl. Jes 4,5f; 49,10; Ps 27,5.)

e. Ihre Zukunft: 7,15M–17
V. 15M: „Und der auf dem Thron Sitzende wird über ihnen ‹und um sie› sein Wohnzelt haben“
Im Griech. steht eigtl. „zelten“. Das hier verwendete griech. Wort ruft das alttestamentliche Zeltheiligtum Gottes vor dem Tempelbau, das „Zelt der Zusammenkunft“, in Erinnerung. Ebenso in Off 12,12; 13,6; 21,3
Man vergleiche Off 21,1-7, aber hier sind es jene Märtyrer, die diese Segnungen genießen. Sie werden belohnt und getröstet.
Das war eine große Ermutigung für die damaligen Leser des Briefe, die ebenfalls vor dem Märtyrertod standen.

V. 16: „Es wird sie nicht mehr hungern; und wird es sie nicht mehr dürsten; und es wird nicht die Sonne auf sie fallen, auch nicht irgendeine Hitze, …“
Hier ist es für die Heiligen möglich zu hungern, dort nicht mehr.
V. 16.17 ist fast wörtlich aus Jes 49,9.10 entnommen: „Sie werden an den Wegen weiden, und auf allen kahlen Höhen wird ihre Weide sein; sie werden nicht hungern und nicht dürsten, und weder Luftspiegelung noch Sonne wird sie treffen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und wird sie zu Wasserquellen leiten.“
Hes 34,23–31: „Und ich werde einen Hirten über sie erwecken– und er wird sie weiden–: meinen Knecht David: Der wird sie weiden, und der wird ihr Hirte sein. 24 Und ich, Jahweh, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, Jahweh, habe geredet. 25 Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen schließen und werde die bösen Tiere aus dem Lande vertilgen. Und sie werden in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern schlafen. 26 Und ich werde sie und die Umgebung meines Hügels zum Segen machen. Und ich werde den Regen fallen lassen zu seiner Zeit, Regen des Segens werden es sein. 27 Und der Baum des Feldes wird seine Frucht geben, und das Land wird seinen Ertrag geben. Und sie werden in ihrem Lande sicher sein. Und sie werden wissen, dass ich Jahweh bin, wenn ich die Stäbe ihres Joches zerbreche und sie aus der Hand derer rette, die sie knechteten. 28 Und sie werden nicht mehr den Völkern zur Beute sein, und die wilden Tiere der Erde werden sie nicht mehr fressen; sondern sie werden in Sicherheit wohnen, und niemand wird sie aufschrecken. 29 Und ich werde ihnen eine Pflanzung erwecken zum Ruhm, und sie werden nicht mehr durch Hunger weggerafft werden im Lande und nicht mehr die Schmach der Völker tragen. 30 Und sie werden wissen, dass ich, Jahweh, ihr Gott, mit ihnen bin und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind,– [ist der] Ausspruch meines Herrn, Jahwehs. 31 Und ihr, meine Herde, Herde meiner Weide, ihr seid Menschen; ich bin euer Gott,– [ist der] Ausspruch meines Herrn, Jahwehs.“

Dem dreimaligen Nein von V. 16 steht ein dreimaliges Ja in V. 17 gegenüber:

V. 17 „… das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, ein Hirte für sie sein wird und sie zu lebenden Wasserquellen führen wird; und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.“
Jes 25,8–10: „Den Tod verschlingt er (o.: löscht er aus; wischt er weg) für immer. Und mein Herr, Jahweh, wird die Tränen von jedem Angesicht abwischen, und die Schmach seines Volkes wird er wegnehmen vom ganzen Land; denn Jahweh hat geredet. 9 Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde; da ist Jahweh, auf den wir harrten! Lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung! 10 denn die Hand Jahwehs wird auf diesem Berge ruhen.“

Die in den Siegeln 1–5 erwähnten Dinge (K. 6,1–11) brachten viele Tränen hervor. Viele haben geweint, und viele haben gefragt: ‚Warum?’ Und: ‚Wie lange noch?’ – Die Antwort: Jesus Christus selbst wurde Teil dieses Leidens, indem er das „Lamm“ Gottes wurde. ER kann alle seine Heiligen sehr gut verstehen, er kann mitempfinden, er kann Tränen abwischen. Die Zukunft wird keinen Anlass mehr zum Weinen geben. Hier ist das Bild von Kindern, die geweint haben: Ihre Tränen stehen ihnen noch auf den Wangen; aber mittlerweile ist die Freude eingekehrt – und die noch auf den Wangen sichtbaren Tränen werden abgewischt.

Alle diese stehen vor dem Thron und warten, auf das, was jetzt kommt: Off 8,1.
Der Herr ist langsam zum Zorn. Es gibt noch Verzögerung. Das siebente Siegel beinhaltet gleichsam die sieben Posaunen. Die Verzögerung wird in den sieben Posaunen dargestellt: Gott warnt noch. Die Gerichte sind nur Teil-Gerichte („ein Drittel“).

Die Gebete von 6,9–11 kommen vor Gott: Off 8,2.
Man hatte gebetet, Gott möchte einschreiten und das Leiden der Heiligen verkürzen und die Getöteten rächen. Gottes Antwort: „Stimmen und Donner und Blitze und ein Beben“ (8,5).

f. Zur Indentität der zwei Gruppen in Off 7
A: Die Meinung, die zwei Gruppen seien verschiedene: Die erste: die Judenchristen, und die zweite: die Heidenchristen. Man meint, die erste Gruppe sei „Israel“, d. h., der jüdische Teil der Gemeinde Jesu Christi. Die Frage wäre dann, warum gerade dieser Teil hervorgehoben würde, denn auch die Heidenchristen werden ja versiegelt werden, wie Off 9,4 zeigt. – Dagegen spricht, dass es im neuen Bundesvolk nicht mehr die Unterscheidung zwischen Juden und Heiden gibt, Eph 2, Gal 3, Kol 3.
A1: Andere meinen, es seien mit der ersten Gruppe nur die Christen aus Palästina gemeint. Aber es gibt keinen Grund, sie von den anderen Christen zu trennen. Johannes schrieb seinen Brief an Christen in Kleinasien.

B. Andere meinen, die erste Gruppe seien israelitische Christen, die erst nach der „Entrückung“ zum Glauben gekommen sind. – Das ist allerdings sehr weit hergeholt. Außerdem ist in der Off von einer „Entrückung“ der Gemeinde vor der Bedrängniszeit keine Rede.
Würden die 144000 die Schar von solchen darstellen, die erst nach der Entrückung zum Glauben kommen, so ergäben sich unüberwindliche Probleme:
1. Das Fehlen eines Hinweises dafür, dass die Gemeinde Jesu eine Zeitlang Jahre vor dem Kommen des Herrn zum Gericht entrückt würde.
2. Das Schaffen einer neuen Gesellschaft von Nach–Entrückungs–Erlösten, die nicht zur Gemeinde des Herrn gehören, die „Heiligen der Trübsalszeit“, etwas das die Heilige Schrift nicht kennt. (Übrigens wären diese dann in einem irdischen Messianischen Königreich als nicht auferstandene und nicht verwandelte Menschen, die gemeinsam mit der Gemeinde Jesu regieren würde (20,4–6), obwohl das nicht ihnen, sondern der Gemeinde Jesu verheißen war (2,25.26; 5,9.10). Sie würden dann zur „ersten Auferstehung“ (20,4–6) gehören, obwohl sie noch nicht auferstanden sind. Denn die Auferstehung würde ja bei der Entrückung stattfinden, die sie aber verpasst hätten, weil sie sich ja erst nach der Entrückung bekehrt hätten. Um das Dilemma zu lösen, müsste man eine „zweite Auferstehung“ der Heiligen erfinden, von der die Heilige Schrift aber an keiner Stelle etwas sagt. Im Gegenteil: In Off 20 ist die Rede von einem zweiten Tod.
3. Damit hätte man dann eine neue Klasse von Erlösten geschaffen, eine Schar von vollkommenen, auferstandenen Mitregenten, die aber nicht die gleiche Stellung haben wie die anderen Erlösten. Dem widerspricht Hebr 11,39.40.

C. Wir meinen, es handelt sich bei den zwei Gruppen um dieselbe Schar, aber von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachtet. Das entspricht dem Zusammenhang der Off und steht in Einklang mit der apostolischen Lehre im gesamten Neuen Testament.
Die Gottesknechte werden zuerst als das israelitische Heer des Löwen (d. h.: des Königs) aus dem Stamm Juda dargestellt, wobei die Heidenchristen in das Gottesvolk eingepfropft sind und deshalb auch zu Israel gehören (Rm 11). Wichtig ist, dass Johannes die erste Schar nicht sieht; er hört lediglich von einer Versiegelung eines israelitischen Heeres. Was der dann sieht, ist eine unzählbare Schar aus alle Stämmen, Völkern und Sprachen (ab V. 9). Dieses entspricht Off 5,5.6, wo er zuerst von dem königlichen Löwen aus dem Stamme Juda hört, aber dann ein Lamm sieht, das für alle Stämme, Völker und Sprachen gestorben ist.
Off 7,1–8 handelt von der Situation vor dem Sturm, 7,9–17 von der Situation nach dem Sturm.
In der Parallele 14,1–5 werden diese Märtyrer nochmals vorgestellt, stehend auf dem Berg Zion, „vor dem Thron“ Gottes (14,3).
In jene 144000 „Israeliten“ (Off 7,4-8) waren die, die aus den Völkern sind, eingepfropft (Röm 11). Wir müssen dieses Heer von Versiegelten, von denen Johannes in Off 7,3 hörte und die er in dem Gesicht in Off 14,1-5 sah, als Bild auffassen.

D. Die Öffnung des siebten Siegels und das Schweigen im Himmel 8,1
Zu Off 8 und 9 und 16 vgl. die Flüche in 5Mo 28 (Parallelen: Plagen, Geschwüre, Pest/Seuchen, Heuschrecken [die das Grüne/Bäume fressen], Hunger/Durst, Mangel; Adler; Götzendienst; Rückkehr nach Ägypten)

Off 8,1: „Und als er (d. i.: der, der das Lamm ist) das siebente Siegel öffnete, trat im Himmel ein Schweigen ein von etwa einer halben Stunde.“ Vgl. Off 4,8M; Sach 2,17; Hab 2,20.
Eine halbe Stunde schweigt in der Vision alles. Das ist sehr außergewöhnlich, denn im Himmel ist unaufhörlicher Lobpreis (4,8). Nun hören selbst die lobenden Engel auf, zu sprechen.
Mit dem Brechen des letzten Siegels ist das Buch offen. Der ganze Himmel wartet atemlos auf das, was nun kommt. Mit dem Brechen des siebenten Siegels erwartet man, dass der Erbe, der König Israels, sein Erbe antritt und das Königreich vollendet.
Nach der Öffnung des 6. Siegels wurde der große Tag des Zornes des Lammes angekündigt. Aber bevor der Herr in seinem Zorn zum Gericht über das Volk kommt, ruft Gott laut zur Buße auf.
Israel war gerichtsreif gewesen, und Gott hatte seine letzten Warner geschickt (vgl. Mal 3,23.24; Lk 1,17; 3,7–9.16.17), hatte aber sein Gericht noch hinausgezögert, nachdem die Pächter des Weinbergs den Sohn des Besitzers getötet hatten (Lk 20,9–18). Alle bekamen nochmals die Gelegenheit, sich persönlich für oder gegen den Gesalbten (den Christus ) zu entscheiden. „Den Juden zuerst“ war das Motto des Apostels Paulus gewesen (Rm 1,16; 2,9.10; 15,8; Ag 3,26; 13,46). Gott hatte in ganz Israel und im ganzen römischen Weltreich unter den Zerstreuten seines Volkes (Joh 11,52) das Evangelium verkündigen lassen. Sie wollten nicht Buße tun. Nun erfolgt eine abermaliges Hinauszögern des Gerichts. Im Evangelium war der Ruf Gottes sanft ergangen (Rm 2,5), nun ergeht er laut – in sechs ernsten Warngerichten.
Zurück zu V. 1: Eine mögliche Interpretation des Schweigens ist diese: Bevor den Heiligen gesagt wird, was geschehen soll, sehen es die Engel. Jedes Lebewesen im Himmel schweigt in Erschaudern. Vgl. 2 Ch 29:28–29. Es ist furchtbar, was kommen wird. Die „Stille vor dem Sturm“, eine Vorbereitung des Gerichts. Vgl. Jes 41,1: „Wendet euch schweigend zu mir, ihr Inseln ‹und Küstenländer›. Und die Völkerschaften mögen neue Kraft gewinnen; sie mögen herannahen, dann mögen sie reden; lasst uns miteinander vor Gericht treten!“ Zef 1,7: „Still vor meinem Herrn, Jahweh!, denn nahe ist der Tag Jahwehs; denn Jahweh hat ein Schlachtopfer bereitet, er hat seine Geladenen geheiligt.“
Hab 2,20–3:1: „Aber Jahweh ist in seinem heiligen Palast: Schweige vor ihm, ganze Erde!“
Eine halbe Stunde lang Schweigen!
→ Wir lernen: Es ist gut, vor Gottes Größe und Macht stille zu werden.
Da durchbrechen Stimmen das Schweigen – nicht die posaunenden Engelwesen, sondern die Gebete der Heiligen.
Die halbe Stunde könnte ein Hinweis auf die Darbringung des Brandopfers sein, denn etwa so lange dauerte das Räuchern (Off 8,3.4; vgl. 3Mo 16,13.14; Lk 1,10.21).

III. TEIL: SIEBEN POSAUNEN (INHALT DES SIEBENTEN SIEGELS) 8,2–11,19
A. Einleitung zu den sieben Posaunen: 8,2–6
1. Das Auftreten der Posaunenengel: 8,2
V. 2.: „Und ich sah die sieben Boten, die sich vor Gott gestellt haben, …“
Da stehen sie, wartend, um Aufträge von ihm zu empfangen. Und wenn sie keine bekommen, ist ihre Aufgabe einfach die, für Gott bereit zu sein. Die Engel sollen selber das sein, wozu sie dann durch die Posaunen aufrufen: bereit zum Aufbruchs!

„und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben.“
Wenn der Posaunenschall ertönte, machte sich das Gottesvolk in der Wüste bereit zum Aufbruch (4Mo 10,1–10). Die Posaunen sind auch ein Zeichen des Aufrufes zum Anbetung, wenn Gott sich offenbart (2Mo 19,16). Andererseits ist der Posaunenschall auch eine Ankündigung des (vollendeten) Königreiches Gottes (Off 11; Mt 24,31)
Das, wozu die Posaunen 1–6 aufrufen, gehört zum Inhalt des sechsten Siegels. Das siebente Siegel beinhaltet die sieben Posaunen.

2. Der Engel mit dem Räucherfass: 8,3–5
V. 3: „Und ein anderer Bote kam und wurde an den Altar gestellt.“ – Gemeint ist der goldene Räucheraltar „vor dem Thron“, (d. h., vor dem Bundesladendeckel) in dem Allerheiligsten.

„Er hatte ein goldenes Räuchergefäß. Und es wurde ihm viel Räucherwerk gegeben, …“
– viel, weil viel und lange gebetet worden ist, Off 6,10.
„… damit er es zu den Gebeten aller Heiligen gebe auf den goldenen Altar,“ (2Mo 40,27; 3Mo 16,12) „der vor dem Thron ist.“
Der Ausdruck „zu den Gebeten“ zeigt Johannes, dass jene Gebete der Heiligen von 6,10 nun im Begriff sind, beantwortet zu werden. Die Gebete haben Kraft , bewirken Gottes Eingreifen.
→ Wir lernen: Woher kommt die Kraft unserer Gebete? – Vom Altar. Der Altar hat Hörner (9,13), die sprechen von „Kraft“.
Der Herr, Jesus Christus, ist für uns gestorben und auferstanden. In seinem Namen (d. h.: in seinem Auftrag) gebetet, haben die Gebete Kraft. Das, wofür ich bete, bestimmt der, der mich zum Vater „schickt“, in seinem Namen.
Die Gebete werden im Himmel aufgespeichert, gesammelt, bis zur Erhörung. Lernen wir also zu warten und weiterhin beständig im Glauben zu beten.: „Gott stellt den Glauben auf die Probe, und zwar in schlimmer werdenden Zeiten und Umständen. Bäcker backen, Schuster flicken Schuhe, Christen beten. Beten ist unser Beruf. Ich bin ein qualitativer Christ in dem Maße, in dem ich bete. Die Qualität meiner Beziehung zu Gott kann an meinem Gebetsleben gemessen werden. Auf diese Weise vor allem macht die betende Gemeinde Geschichte. Wir beten – Gott handelt; auch in der Politik, in der Kindererziehung, in der Gemeinde. Beten schließt Handeln nicht aus. Regierungen haben sich verändert auf Grund von Gebeten. Gott handelt in der Weltgeschichte – wir handeln mit, arbeiten mit ihm zusammen. Unser Anteil ist vor allem das geistliche Engagement auf den Knien. Es gibt eine bestimmte Beziehung zwischen Gebet und Gericht Gottes in dieser Welt und Handeln Gottes in der politischen Welt.“ (Herbert Jantzen zu Lk 18,7.8)

Off 8,4 „Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen auf vor Gott aus der Hand des Boten.
Vgl. die Gefäße der 24 Ältesten von 5,8.
„Mit den Gebeten der Heiligen“ sollte der Engel das Räucherwerk (Ps 141,2) auf den Altar geben.
Die Gerichte kommen vom Altar her. Sie sind Antwort auf Gebet (9,13.14). Es gibt kein Hinauszögern mehr, keinen Aufschub, keine Frist (10,6) mehr.

V. 5 „Und der Bote nahm das Räuchergefäß, [nahm] von dem Feuer auf dem Altar und füllte es, und er warf es auf das Land.“
Der Hohepriester im Alten Testament nimmt Feuer vom Brandopferaltar und Rauchwerk vom Rauchopferaltar. Der Rauch steigt auf vor Gott. Mit diesem Rauch tritt er – einmal im Jahr – ins innerste Heiligtum. Das Feuer, das der Priester vom Brandopferaltar nahm, war ein Feuer, das von Erlösung sprach. Aber wenn die Erlösung (der Brandopferaltar, der symbolisch für das Kreuz von Golgotha und das Opfer Christi steht) abgelehnt wird, wird das Feuer eben dieses Brandopferaltars zum Feuer des Gerichts. In V. 7 lesen wir, dann: „Und es entstand Hagel und Feuer vermengt mit Blut, und es wurde auf das Land geworfen.“
– „… mit Feuer vermengt“, nicht mit Weihrauch. Das Feuer, das benötigt wird, damit die Gebete als Rauchopfer zu Gott aufsteigen, ist dasselbe Feuer, das verwendet wird, um im Land das göttliche Gerichtswerk auszuführen.
Vgl. Hes 10,2–3: „Und er sagte zu dem in Leinen gekleideten Mann: ‚Gehe hinein zwischen den Räderwirbel unterhalb des Cherubs und fülle deine Hände mit Feuerkohlen von dem Raum zwischen den Cherubim, und streue sie über die Stadt hin.’ Und er ging vor meinen Augen hinein …“

→ Wir lernen: Die Gebete der Heiligen haben mit dem, was „im Land“ geschieht, sehr viel zu tun. Sie bewirken etwas, jeder in seinem Land. In dem Maße, in dem die Heiligen in dem jeweiligen Land, in der jeweiligen Umgebung, wo sie sind, beten, handelt Gott – entweder rettend oder richtend, wenn richtend, dann zuerst mit Warngerichten, danach mit Zorngerichten.

V. 5 (Mitte): „Und es entstanden Stimmen und Donner und Blitze und ein Beben.“

3. Die Vorbereitung zum Posaunen: 8,6

V. 6: „Und die sieben Boten, die die sieben Posaunen hatten, machten sich selbst bereit, damit sie posaunten.“
Die „letzten Tage“ begannen mit der Himmelfahrt und Inthronisation des Messias Jesus (Apg 2,17; 2,30–36). Sie dauerten bis zur Ausübung des Gerichtes über das Bundesvolk, das seinen Herrn und Erlöser verworfen hat.
Die Posaunen 1–4 betreffen die Umwelt jener Menschen im Lande. Ein Teil (w.: „ein Drittel“) der Bevölkerung und des Landes selbst wird geschlagen.
Die Posaunen blasen. Gott ruft den Menschen zum Aufbruch: „Mache dich auf, deinem Gott zu begegnen. Tue Buße!“ (Off 9,20.21). Und Gott kündigt mit den Posaunen die Herrschaft seines Sohnes offiziell an.

B. Das Blasen der ersten sechs Posaunen: 8,7– 9,21
Der „Tag des Herrn“ ist in der Bibel immer der Tag des offiziellen Eingreifens des Herrn, er ist ein Tag des Posaunenblasens (Zep 1,16; Mt 24,30.31; 1Kor 15,52; 1Thes 4,16), des Aufbruchs. Gott erhebt sich.
Die Schrecknisse von Off 8 und 9 kündigen die Herrschaft des Messias an. Wollen die Menschen des Bundesvolkes sich in Todesangst an das Vergehende klammern? Oder werden sie sich dem richtenden Herrn übergeben? Insofern Letzteres der Fall ist, werden die Gericht ankündenden Posaunenstöße für sie zu Fanfaren des Sieges, Posaunen, die den Siegesmarsch des erhöhten Christus ankündigen. Die treuen Nachfolger des Messias brauchen sich nicht zu fürchten.
Johannes sieht, was „in Kürze“ (1,1) – „nach diesem“ (4,2) – geschehen wird. Es geht um Dinge, die von seinem Standpunkt aus in der nahen Zukunft lagen.
Die Posaunen erinnern an Gottes Offenbarung am Sinai. Die Gerichte erinnern an die Plagen in Ägypten, als Jahweh sich anschickte, Israel zu erlösen (2Mo 8–11). Gott richtete die alte „Welt“, die sein Volk versklavte und verfolgte. Die göttlichen Plagen in Ägypten waren eine Antwort auf das Gebet des bedrückten Gottesvolkes (2Mo 6,4–7); Gottes Ziel war es, sein Volk zur Königsherrschaft zu bringen (2Mo 19,4–6). In der Off steht Gottes Volk vor der „zweiten“ (der eigentlichen, wahrhaftigen) Erlösung, dem „zweiten Exodus“, um das himmlische „Land“, das ewige Erbteil, in Besitz zu nehmen (vgl. Jes 11).

Die ersten vier Posaunen sollten nicht so aufgefasst werden, als würden die Ereignisse, die ihr Blasen begleiten bzw. einleiten, zeitlich hintereinander geschehen – wie auch die ersten vier Siegel nicht so aufgefasst werden dürfen. Es geht nicht um eine linear–chronologische Darstellung von historischen Ereignissen. Die Tatsache, dass die Posaunen 1–4 nach demselben Muster wie die Schalen (Plagen) 1–4 ablaufen, bestätigt diese Vermutung.
Die Katastrophen, die durch das Blasen der Posaunen angekündigt werden, betreffen jeweils „ein Drittel“ (14-mal in den V. 8,7-12; 9,15.18; vgl. Hes 5,2.12), d. h., einen Teil.
Hes 5,2: „Ein Drittel sollst du mit Feuer verbrennen inmitten der Stadt, wenn die Tage der Belagerung voll sind; und ein Drittel sollst du nehmen, und rings um sie her mit dem Schwerte schlagen; und ein Drittel sollst du in den Wind streuen, denn ich werde das Schwert ziehen hinter ihnen her.“
Gottes Warngerichte treffen die Menschen „im Land“, in Israel; ein beträchtlicher Teil des Volkes geht zugrunde. Das Blasen der 5. und 6. Posaunen bildet das erste und das zweite „Wehe“ über Israel: Beim Blasen der fünfte Posaune werden die Menschen, die Bewohner des Landes, von Qualen befallen, doch nicht ausgerottet. Die sechste Posaune läutet einen großen Krieg ein, der ein Drittel der Menschen im Land Israel dahinrafft. Die siebente Posaune, das dritte Wehe, kündet den Herrschaftsantritt des Messias an.
Wir beachten, dass die Posaunengerichte 1–4 Warngerichte sind. Ebenso die Posaunen 5 und 6.
Nachdem die Menschen sich nicht durch Gottes sanftes Reden (d. h.: durch Gottes Güte, Rm 2,4) zur Buße haben leiten lassen, kommt Gottes lautes Reden. Das Ziel der Posaunenstöße 1-6 ist die Buße des Volkes, das den eigenen Messiaskönig abgelehnt hat (Off 9,20.21). Erst in Off 11,18 ist die Rede vom „Zorn“. Erst das Blasen der siebenten Posaune also (11,15) bringt das göttliche Zorngericht.

1. Posaune: Das Land – Wohnbereich und Pflanzen (d. h.: Pflanzennahrung) sind betroffen: 8,7
V. 7: „Und der erste Bote posaunte. Und es entstand Hagel und Feuer vermengt mit Blut, und es wurde auf das Land (o.: zur Erde) geworfen.“
„… auf das Land“. Mit dem Land ist Gottes Land gemeint: Israel.
Die Parallele im AT: die siebente Plage Ägyptens (2Mo 9,22–25). In Off 8 aber ist der Hagel mit Blut und Feuer vermengt.
„Und ein Drittel der Bäume wurde verbrannt, …“ – Bei einem großen Krieg werden die Bäume des Landes verbrannt.
„… und alles grüne Gras wurde verbrannt.“ – In Off 9,4 ist noch Gras vorhanden. Das sollte nicht irritieren, denn der Begriff „alles“ ist nicht immer absolut aufzufassen. 8,7 kann einfach bedeuten, dass durch den Krieg die Felder verwüstet und verbrannt werden.

2. Posaune: Das Meer – Fischfang und Handel sind betroffen: 8,8.9
V. 8 „Und der zweite Bote posaunte. Und etwas wie ein großer Berg, das mit Feuer brannte, wurde ins Meer geworfen.“
Das „Meer“ (neben dem „Land“) ist die Küstengegend.
Die Parallele im AT ist die erste Plage Ägyptens (2Mo 7,20–25).
In Off 8 fällt ein brennender Vulkan ins Meer, ähnlich wie Babylon, der „Berg des Brandes“, in den Euphrat „geworfen“ wurde (Jer 51,25.53.54).
„Und ein Drittel des Meeres wurde zu Blut.“ – wie in 2Mo 7,17 und Jes 15,9 („die Wasser Dimons sind voll Blut“). Es geht hier (wie in 2Mo 7 und Jes 15,9 und Jer 51) um ein lokales Gericht.

V. 9 „Und es starb ein Drittel der Geschöpfe, die im Meer waren, die Seelen hatten.“
Die „Seele“ (d. h.: das Leben; griech. psüchee) des Tieres ist anderer Art als die des Menschen. Das Leben der Tiere ist sterblich. Das Tier ist „Seele“ (d. h.: Leben; heb. näfäsch chajah, w.: „Seele des Lebens“, d. h.: ein Lebewesen), und in diesem Sinne ist auch der Mensch auch „Seele“, d. h., ein Lebewesen. (Aber der Mensch besitzt zusätzlich einen unsterblichen Geist. Das Tier hat nur den Leib, es hat keinen Geist.)
„Und ein Drittel der Schiffe wurde zerstört.“ – Mit den Schiffen wurde Handel getrieben, und Schiffe brauchte man für die Fischerei. Die „Fische“ werden auch in 2Mo 7,20.21 erwähnt. In Off 8 stehen die „Schiffe“ für den Handel an der Küste, im Hafen.
In dem hier beschriebenen Krieg werden die Schiffe in den Häfen zerstört.

3. Posaune: Süßwasser – das Lebensnotwendigste wird getroffen: 8,10.11
V. 10 „Und der dritte Bote posaunte. Und es fiel ein großer Stern aus dem Himmel. Der brannte wie eine Fackel. Und er fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Wasserquellen.“
Ein „Stern“ (V. 10) ist in der Bibel kleiner als ein Berg (V. 8). Der Stern trifft die Flüsse und Brunnen. Stern, Fluss, Brunnen – es handelt sich um Bilder. Hier wird nicht wissenschaftlich gesprochen. Zur poetischen Sprache gehört das Bild. (Prophetie ist in der Bibel meist auch Poesie.)
So geschah es häufig bei großen kriegerischen Invasionen ins Land: Die feindlichen Heere verwüsteten die Wasserquellen des Landes.

V. 11: „Und der Name des Sterns lautet Wermut. Und es wird ein Drittel zu Wermut. Und viele von den Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren.“
„Wermut“ bedeutet „Bitterkeit“ Vgl. 5Mo 29,17; Spr 5,4; Jer 9,14; 23,15; Am 6,12. Die Menschen – vor allem im Orient – sind stark vom Wasser abhängig. Die Fruchtbarkeit und Gesundheit hängen von gesundem Wasser ab. Die Aussage: Das Lebensnotwendigste für die Menschen, das Wasser, wird ungenießbar.

4. Posaune: Himmelskörper verlieren ihre Leuchtkraft. 8,12.13
a. Verfinsterung: 8,12
V. 12: „Und der vierte Bote posaunte. Und es wurde geschlagen ein Drittel der Sonne und ein Drittel des Mondes und ein Drittel der Sterne, damit ein Drittel verfinstert würde und der Tag zu einem Drittel nicht scheine und die Nacht desgleichen.“
Dieser Satz darf nicht so aufgefasst werden, als würde die Leuchtkraft und Wärmekraft der Sonne weniger werden. Ansonsten wäre in Sekundenschnelle das Land eingefroren und kein Mensch würde überleben.
Die Parallele im AT: die neunte Plage Ägyptens (2Mo 10,21.23). In Off 8 aber wird nur ein „Drittel“ (d. h.: ein Teil) dunkel.
Durch Sonne, Mond und Sterne teilt Gott die Zeit ein (1Mo 1,14). Die Himmelskörper künden die Herrlichkeit Gottes (Ps 19,2). Sie sind ein Reden Gottes und zeigen, dass Gottes Güte noch andauert (Ps 136,7–9). Die Himmelskörper sprechen von Gottes Fürsorge: Gott nimmt sich der Menschen an; er will sie zur Buße leiten (Rm 2,4).
Das waren vier vorbereitenden Gerichte. Der Zweck der Warngerichte in Off 8 und 9 ist, Israel zur Buße zu leiten. Gottes gütiges Reden im Evangelium wollte von Israel nicht verstanden werden; nun kommt sein Gerichtsreden. Wird Israel Gottes Reden verstehen, wenn er ihnen seine gute Dinge wegnimmt?

→ Wir lernen: Gott wartet und Gott warnt. Dem Menschen heute geht es so gut, weil Gottes Angesicht ihm auf den Rücken scheint. Noch ist Gott dir zugewandt: Wende dich um zu ihm. Wenn er sich abwendet, ist das für den Menschen die Hölle, 2Thes 1,10. Gott nimmt den Menschen so ernst, dass er laut zu ihm ruft, nachdem der Mensch auf Gottes sanfte Stimme (durch die Erweisungen seiner Güte in der Schöpfung und im Evangelium) nicht gehört hatte. Selig der, der sich zur Buße leiten lässt.

b. Ankündigung der drei Wehe: 8,13
8,13 „Und ich sah und hörte einen Boten, der inmitten des Himmels flog und mit großer, lauter Stimme sagte: ‚Wehe, wehe, wehe denen, die im Lande wohnen, wegen der übrigen Posaunenstimmen der drei Boten, die im Begriff sind zu posaunen.“
Die besondere Warnung zeigt, dass die Posaunen 5–7 von besonderer Wichtigkeit sind. Der Adler (oder Geier) ist ein Symbol des Krieges und des Raubes. Vgl. Hos 8,1: „Das Horn an deinen Mund! Wie ein Geier [kommt Unheil] auf das Haus Jahwehs, weil sie meinen Bund übertreten und gegen meine Weisung gefrevelt haben.“
Das Wehe trifft, die die im Land (d. h.: in Israel) Wohnenden, wie der Herr Jesus Christus auch in Lk 21,23 ankündigte: „Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen, denn es wird große Not sein im Land und Zorn in diesem Volk.
(Vgl. Off 8,13 mit Lk 21,23 im Griechischen: Beide Male steht epi tees ges, „im Lande“. Die hier angekündigten Dinge sind „im Begriff zu geschehen“ (Off 1,19), „in Kürze“ (1,1), in naher Zukunft.
Die ersten beiden Wehe werden in K. 9 berichtet. Das dritte Wehe (11,14) kommt beim Blasen der siebenten Posaune (10,7; 11,15), die die sieben Zornesschalen (16,1ff.) ankündigen; das dritte Wehe wird in K. 18 dreimal doppelt ausgesprochen „Wehe, wehe!“ (18,10.16.19).
„… die im Lande wohnen“ kann man auch üsn mit „die auf der Erde wohnen“ (Der Begriff „Erde“ bzw. „Land“ kann in der Off auch auf die umliegenden Länder Israels ausgedehnt sein. Er kommt in 3,10; 6,10; 11,10; 12,12; 13,8.12.14; 14,6 und 17,2.8 vor. Der Zusammenhang muss entscheiden, ob jeweils das Land (Israel) oder die umliegenden Länder bzw. das gesamte römische Weltreich gemeint ist. Der Begriff wurde von den damaligen Lesern nicht im Sinne von „die Bewohner des Globus bzw. des Planeten“ aufgefasst.
Die zwei Wehe (die 5. wie die 6. Posaune) bilden eine Einheit. Nun trifft das Gericht direkt den Menschen, nicht nur seine Umwelt. Der Zweck der Wehe ist immer noch die Buße der Überlebenden (wie in Lk 13,1–5). Es naht das Endgericht über die Stadt und Land, dessen Bewohner zu Christus gesagt hatten: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Mt 27,25; vgl. 23,35.36; Lk 11,51; 23,28-31).

5. Posaune: Dämonische Heuschrecken
a. Das erste Wehe: 9,1–11
V. 1: „Und der fünfte Bote posaunte. Und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf das Land (o.: zu Boden; zur Erde) gefallen war.“
Der „Stern“ ist hier eine Person, eine Geistperson, ein Engel Gottes. (Vgl. Hi 38,7; Morgensterne.) Er ist nicht ein Dämon; das „Fallen“ bezieht sich nicht auf den Sündenfall der bösen Geister. Durch das „Fallen“ wird sein plötzliches Herabkommen angezeigt.
„Und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlund des Abgrundes gegeben.“
Der Abgrund, griech. abüssos (bed. „Tiefe“; vgl. 9,2.11; 11,7; 17,8; 20,1.3; Rm 10,7; Lk 8,31), bezeichnet nicht die Hölle, sondern jegliche geheimnisvolle Tiefe, buchstäblich gesprochen, etwas Bodenloses. In der griech. Üsg. von 1Mo 1,2 („Finsternis war über der Fläche der Tiefe.“) wird die „Tiefe“ mit abüssos übersetzt. In 5Mo 30,13 (vgl. mit Rm 10,7) wird der Begriff „Meer“ im Sinne von „Abgrund“ (griech. abüssos) verwendet. Hier in Off 9 könnte die sündige, böse Tiefe dargestellt sein. Der Abgrund ist so tief, dass man ihn nicht messen kann. Ähnlich wie der „Tartarus“ (tartaros, 2Petr 2,4) könnte er ein Ort böser Geister sein (vgl. Lk 8,31; Off 20,1.3).
In dem Bild von Off 9 ist der Abüssus verschlossen, wahrscheinlich deshalb, damit die Zerstörer nicht vorzeitig zerstören können.
→ Wir lernen: Gott hält den Feind und seine Boten in Schranken. Er kann seine Schöpfung von der unsichtbaren Welt der Finsternis abgrenzen.
Hier in Off 9 werden Mächte des Verderbens freigelassen. Das dahinterstehende alttestamentliche Bild ist das von der Heuschreckenplage aus Joel 1–4 und 2Mo 10,12–15. Die Heuschrecken in der Vision hier plagen die Ungläubigen. Sie kommen aus dem Abyssus, wo der Zerstörer ist, der Appollüoon.
Die Heerscharen des Satans schwärmen im Land Israel aus. Israel wird ein Haus „voller Dämonen“, vgl. Off 18,2; Mt 12,43–45; vgl. Josephus, Jüd. Krieg 5,10.13. Die Heuschrecken in der Vision sind solche, die die Leiber der Menschen plagen; diese Dämonen werden nicht nur mit Heuschrecken, sondern auch mit Fröschen verglichen, s. Off 16,13.
Ihr König, der Verderber, ist der Herrscher der Finsternis dieser Welt, der Fürst, der in der Luft herrscht und sein Werk hat in den Kindern des Ungehorsams (Eph 2,2; 6,12). Nun wird der bösen Herrschaft des Satans in Israel viel Raum gegeben, aber nur für kurze Zeit, denn gemäß Rm 16,20 wird der Gott des Friedens den Widersacher „in Kürze“ unter den Füßen der Heiligen niedertreten (vgl. a. Off 3,9). Nun wird der Fürst dieser Welt (d. h.: der alttestamentlichen Sinai-Tempel-Welt Israels, dort wo der Widersacher so viel Unheil anrichten konnte) hinausgeworfen werden (Joh 12,31). Seine Boten können den Knechten Gottes in Israel nicht weiter Schaden tun, weil sie versiegelt sind. Aus Off 9,4 wird ersichtlich: Nur die, die das Siegel nicht haben, werden geplagt.
Es wird gleichsam die Hölle los – im ganzen Land, es wird „eine Behausung von Dämonen“ (Off 18,2).

V. 2: „Und er öffnete den Schlund des Abgrundes. Und Rauch stieg auf aus dem Schlund wie der Rauch eines großen Ofens. Und die Sonne und die Luft wurden von dem Rauch des Schlundes verfinstert.“
Gott hat die Schlüssel zum Jenseits. Die Luft wird verfinstert von Rauch, die Sonne ist nicht mehr sichtbar. Das alles sieht Johannes in einer Vision. Die Beschreibung ist nicht Historie, sondern Visionsbeschreibung.

V. 3: „Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor auf das Land.“ (Gemeint ist das Festland im Gegensatz zum Meer. Um welches „Festland“ es sich handelt, macht der Zusammenhang klar. Vgl. die Erwähnung des Euphrat in 9,14 wie in 16,12; der Euphrat bildete nach alttestamentlicher Beschreibung die nördliche Grenze des „Landes“ (5Mo 1,7; 11,24; Jos 1,4; 1Kön 5,1).
[Anm.: Nach allen vier Windrichtungen hin bildete ein „Meer“ die Grenze des Landes: im Westen das „große Meer“ (4Mo 34,6), im Osten das „Salzmeer“ (34,12) und das galiläische Meer (d. i.: der See Genezaret), im Süden der Bach Ägyptens, „und die Ausläufer sollen zum Meer hin sein“ (34,5), im Norden der Euphrat, der nach Jer 51,36 als ein „Meer“ bezeichnet wird. Das „neue Land“ allerdings, das neue Israel, wird von keinem Meer mehr begrenzt werden, Off 21,1.]

„Und es wurde ihnen Vollmacht gegeben, wie die Skorpione des Landes Vollmacht haben.“
Das Bild ist aus Joe 2,4–9 entnommen. Diese Heuschrecken aber schädigen Menschen.

V. 4: „Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie nicht Schaden zufügen sollten dem Gras des Landes noch allem sonstigen Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, [und zwar denen], welche nicht das Siegel Gottes auf ihren Stirnen haben.“
Gott bewahrt die Gottesknechte, die er in Off 7,3 versiegelt hatte. Das „Land“ hier ist dasselbe Land, an dessen „vier Ecken“ die Engel mit den vier Winden gestanden waren (7,1). Dort in Israel, wo die Knechte Gottes versiegelt sind, dort kommen die Plagen auf diejenigen, die nicht mit dem Siegel Gottes versiegelt sind.

V. 5: „Und es wurde ihnen gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden. Und ihre Qual war wie die Qual von einem Skorpion, sobald er einen Menschen sticht.“
Der Stich eines Skorpions soll bei Hunden nach sieben Sekunden den Tod herbeiführen, bei Menschen nach 24 Stunden. Aber diese Menschen in der Vision hier bleiben am Leben.
„Fünf Monate“: Fünf Monate beträgt üblicherweise die Lebensdauer der Heuschrecken. Sie leben von Mai bis September, also relativ kurz.
Die Heiligen wohnen (im Bilde gesprochen) „bei den Skorpionen“, werden aber beschützt, wie Hesekiel (Hes 2,6): „Du aber, Menschensohn, fürchte dich nicht vor ihnen und vor ihren Reden fürchte dich nicht, wenn Nesseln und Dornen bei dir sind und du bei Skorpionen wohnst. Vor ihren Reden fürchte dich nicht und vor ihren Angesichtern erschrick nicht, denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit.“
Da die Heuschrecken hier im übertragenen Sinne aufzufassen sind (es handelt sich ja um eine Vision), sind die „fünf Monate“ im übertragenen Sinne aufzufassen. (V. 5 bezieht sich also keineswegs auf die 5-monatige Belagerung Jerusalems unter Titus.)
Die furchtbare Heimsuchung des Landes bringt den Ungläubigen in Israel viele Qualen. Es handelt sich dabei nicht um Umweltkatastrophen, auch nicht um Krieg oder Seuchen (davon wären die Gläubigen ja ebenso betroffen), sondern um ein dämonisches Wirken, das sich furchtbar negativ auf die Ungläubigen auswirkt. (Vgl. den bekannten Satz aus „Der Zauberlehrling“ von Goethe: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“) Dass böse Geister das Volk Israel heimsuchen werden, davon hatte der Herr Jesus in Mt 12, 43–45 gesprochen: „Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: ‚Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich herausgegangen bin’; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang. So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“ (Vgl. a. Lk 11,24–26.) Jesus Christus hatte Israel von Dämonen gereinigt. Aber sie hatten den König der Könige verworfen, und so kamen schreckliche Zeiten, Lieblosigkeit, Bruderhass, gegenseitige Auslieferung, falsche Propheten, gegenseitige Abschlachtung (vgl. Mt 24,12; „Nacht“ Joh 9,4).

V. 6: „Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden, und sie werden zu sterben begehren, und der Tod wird von ihnen fliehen.“ (Das spricht von völliger Verzweiflung; vgl. Hi 3,21.)
Sie suchen den Tod anstatt Gott. Sie sehnen sich nach dem Sterben. Jesus sagte: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder! 29 Denn siehe, Tage kommen, an denen man sagen wird: Glückselig die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben! 30 Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns! (Lk 23:28–30)

V. 7: „Und die Gestalten der Heuschrecken glichen zum Kriege gerüsteten Pferden. Und auf ihren Köpfen [war etwas] wie Kronen, gleich Gold. Und ihre Angesichter waren wie Angesichter von Menschen.“
Ein Heuschreckenkopf ähnelt einem Pferdekopf.
„Erhebt ein Feldzeichen im Lande! Blast die Posaune unter den Völkern! Heiligt Völker gegen ihn [zum Krieg]! Ruft gegen ihn Königreiche herbei: Ararat, Minni und Aschkenas! Setzt Beamte gegen ihn ein! Lasst Pferde heraufziehen wie Schauer erregende Heuschrecken! 28 Heiligt Völker gegen ihn: die Könige von Medien, dessen Statthalter und alle seine Vorsteher und das ganze Land seines Herrschaftsgebietes! 29 Da erbebt und erzittert die Erde, denn es erfüllen sich gegen Babel die Pläne Jahwehs, um Babels Erde zur ‹schaurigen› Öde zu machen, ohne Bewohner.“ (Jer 51,27–29)

V. 8: „Und sie hatten Haar wie Frauenhaar. Und ihre Zähne waren wie die von Löwen.“ (Vgl. Joe 1,6.)
Sie wirken intelligent und überlegen. (Nb.: Frauenhaar unterscheidet sich vom Männerhaar. Frauenhaar ist lang, Männerhaar wird geschnitten: 1Kor 11,14.15.)
Das hebr. Wort für Dämonen ist an manchen Stellen „die Haarigen“ (Jer 51,27). In 3Mo 17,7 (2Chr 11,15; Jes 34,14) sind die „Bocksdämonen „eigtl. „die Haarigen“. Ansonsten ähnelt die Beschreibung Joel 2,4–10.

V. 9.10: „Und sie hatten Brustwehre wie eiserne Brustwehre. Und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen vieler Pferde, die in den Krieg laufen. 10 Und sie haben Schwänze gleich Skorpionen, und Stacheln waren in ihren Schwänzen, und ihre Vollmacht war, den Menschen fünf Monate [lang] Schaden zuzufügen.“ Vgl. V.3.5.19.
„… den Menschen“: Hier ein Bsp. von „stiller Voraussetzung“. Es wird vorausgesetzt, dass nicht alle Menschen gemeint sind, sondern nur die, die nicht versiegelt sind. Vgl. V. 4.

V. 11 „Und sie haben über sich einen König, den Boten des Abgrundes. Sein Name ist auf Hebräisch Abaddoon, und im Griechischen hat er den Namen Apollyoon.“
Wer steckt dahinter jener Heuschreckeninvasion? – Abaddoon ist vmtl. der Satan, der Verderber bzw. Verwüster, Zerstörer.
Hier wird klar, dass es sich um satanische Mächte handelt, daher auch nicht um einen sichtbaren Krieg; es ist ein geistlicher Krieg, es geht geistliche Beschädigung der ungläubigen Menschen.

b. Ankündigung der zwei weiteren Wehe: 9,12
V. 12 „Das erste Wehe ging vorüber. Siehe, es kommen noch zwei Wehe nach diesem.“
Die Erfüllung der Weissagungen von K. 8 und 9 geschah im ersten Jahrhundert. Parallelen zur modernen heutigen Zeit finden sich viele. Anwendungen sind nicht die Erfüllungen jener konkreten Prophetie.
→ Wir lernen: Gemeinde Jesu soll immer vorbereitet sein auf geistliche Schlachten. Wie? Durch gründliches Bibelstudium, Gemeinden, die zusammenhalten, beten, Gottes Wort erforschen, Voraussehen von schädlichen Entwicklungen unter der Christenheit oder in der Welt.

6. Posaune: Reiterheere aus dem Osten (Das zweite Wehe): 9,13–21
Alttestamentliche Parallele: Die zehnte und letzte Plage Ägyptens (2Mo 11). Viele Menschen werden getötet.

V. 13: „Und der sechste Bote posaunte. Und ich hörte eine Stimme, eine aus den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist.“
Der Altar – vor Gott – erinnert an das Gebet. Gebet geschieht zu Gott und vor Gott. Die Hörner (2Mo 30,2.3) erinnern an die Kraft Gottes, die durch das Gebet kommt. Es ist nur eine Stimme, die aus den vier Hörnern kommt, mit Macht, als Antwort auf die Gebete von 8,3.
→ Wir lernen: Gottes Handeln in der Welt ist oft eine Antwort auf die Gebete der Seinen. Die Heiligen hatten gefleht um die Wiederherstellung der Ehre Gottes in dieser Welt. Hier die Antwort auf die Gebete der Heiligen (6,9–11), Gott bekommt seine Ehre.

V. 14: „Sie sagte zu dem sechsten Boten, der die Posaune hatte: Löse die vier [himmlischen] Boten, die am großen Fluss Euphrat gebunden sind.“
Die Dämonenhorde (9,1-11) kam vom Abgrund, dieses große Reiterheer aber kommt vom Euphrat her. (Die vier Engel am Euphrat lösen das Reiterheer los. Vgl. a. 7,1.)
Wir vergessen nicht, dass Johannes eine Vision sieht. Die Sprache ist poetisch und bildhaft. Die eigentliche Aussage hinter dem Bild ist ein historischer Krieg. Die große Armee, die Titus zur Belagerung der Stadt (im Jahr 70) verwendete, war zum Großteil aus der Euphrat–Region zusammengezogen worden. Der Euphrat bildete die Ostgrenze des römischen Reiches. Dort waren beständig vier Legionen stationiert. Die Römischen Legionen selbst bestanden nicht aus Kavallerien. Warum dann das Bild von den Reiterhorden? Weil die Assoziation von den wilden Reiterhorden tatsächlich bestand. Die Römer zogen Hilfstruppen aus dem Orient hinzu: (Tacitus, Historia, 2,1), z. B. Antiochus von Commagene. Die Truppen der orientalischen Könige bestanden – wie die der Parther – aus Kavallerien.
(Anm.: Antiochos IV. von Kammgarne war der letzte König von Kommagene, der zwischen 38 und 72 regierte. Antiochos war ein Vasallenkönig des Römischen Reiches. Er unterstützte Vespasian als dieser 70 zum Imperator wurde; von da an sprach man von ihm als der reichste Vasallenkönig. Im gleichen Jahr sandte er Truppen unter dem Kommando seines Sohnes Epiphanes, um Titus bei der Belagerung Jerusalems zu helfen. – Ebenso ein gewisser König „Sohemus“ kam mit seinen Heeren Rom zu Hilfe.)
Das in Off 9 gebrauchte Bild zeigt, dass wilde, barbarische Horden von Soldaten das Land überfluten. Sie sind sehr zahlreich, wild, Schrecken erregend. Das Bild lehnt sich an Jes 13,4–8 an: „Horch, ein Getümmel auf den Bergen, wie von einem großen Volk! Horch, ein Getöse von Königreichen versammelter Völker! Jahweh der Heere mustert ein Kriegsheer: 5 aus fernem Lande Gekommene, vom Ende des Himmels – Jahweh und die Werkzeuge seines Grimms, um das ganze Land zu verderben. 6 Heult, denn nahe ist der Tag Jahwehs! Wie eine Verwüstung vom Allmächtigen kommt er. …“
Das Bild ist treffend: zuerst die Dämonenhorden, dann die soldatischen wilden Reiterhorden, die römische Invasion in Israel.

Der Euphrat war die äußerste Grenze des verheißenen Landes (1Mo 15,17; 5Mo 1,7; Jos 1,4) – eine Barriere, hinter welcher Unheil drohte. Vgl. Jes 8,7: „… darum, siehe, lässt der Herr das mächtige und große Wasser des Stromes über sie heraufsteigen – den König von Assur und all seine Herrlichkeit. Er wird heraufsteigen über all seine Betten und über all seine Ufer gehen.“
Vom Euphrat her war immer Schreckliches zu fürchten (die Assyrer, Babylonier, Medo–Perser; Parther).
Hier kommt eine überwältigende Macht aus dem Osten (Nordosten). Die Feinde der Juden kamen immer vom Nordosten (Assur, Babylon, Syrien). Vgl. a. Josephus, Jüd. Krieg 5,1,5-6.

9,15: „Und die vier Boten wurden gelöst, die bereit gemacht sind für die Stunde und [den] Tag und [den] Monat und [das] Jahr,…“
Der Zeitpunkt ist von Gott verordnet, genau geplant. Niemand weiß Zeit noch Stunde. Das Gericht ist zeitlich begrenzt, sowohl der Beginn als auch das Ende. Gott hat die Geschichte in seiner Hand, auch alles dämonische Wirken. Er kennt alle Details.

„… damit sie ein Drittel der Menschen töteten.“
Die Feinde rücken heran, um die Bewohner des Landes (denn auf diese sollte das Wehe kommen, 8,13!) zu vernichten. Von diesen Menschen starben ein „Drittel“. Der Zusammenhang zeigt, dass die Menschen von Israel gemeint sind.

V. 16 „Und die Zahl der Reiterheere war zweimal zehntausend-mal zehntausend (o.: zweimal Zehntausende mal Zehntausende).“
Die Zahl bezeichnet eine große Menge und ist übernommen aus Ps 68,18: „Der Wagen Gottes sind eine Doppelmyriade mal Tausende (o.: zweimal Zehntausende mal Tausende; zweifach Myriaden mal Myriaden) …“.
Die Zahl konnte er nicht zählen, man sagte sie ihm: „Doppelmyriaden mal Myriaden“, d. h.: eine undefinierte sehr, sehr hohe Zahl (nicht: „200 Millionen“).

V. 17: „Ich hörte ihre Zahl. Und so [gestaltet] sah ich in dem Gesicht die Pferde und die, die auf ihnen saßen: Sie hatten feuerfarbene und hyazinthen-farbene und schwefelfarbene Brustwehre. Und die Köpfe der Pferde waren wie Löwenköpfe, und aus ihren Mäulern gehen Feuer, Rauch und Schwefel hervor.“
Die Sprache hier ist wiederum stark bildhaft. „Feuer, Rauch, Schwefel“ erinnert an den Leviathan von Hi 41,18–21. „Feuer und Schwefel“ sind höllische Elemente (Off 19,20; 21,8).
Die Farben der Krieger könnten ihre Rüstungen sein. Die Reitersoldaten der Hilfstruppen, die die Römer aus dem Osten (Euphrat etc.) angeheuert haben, hatten farbige Rüstungen (lila und gelb).

V. 18: „Durch diese drei wurde ein Drittel der Menschen getötet, von dem Feuer und von dem Rauch und von dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorgehen,
Das „Drittel“ muss nicht notwendigerweise arithmetisch aufgefasst werden. Ein „dritter Teil“ der Menschen, d. h., sehr, sehr viele. Die „Menschen“ sind die von Israel. (Vgl. eine ähnliche Verwendung von „Drittel“ in Sach 13,8: „Und es wird im ganzen Land geschehen, spricht der HERR, zwei Teile davon werden ausgerottet, verscheiden, und [nur] der dritte Teil davon bleibt übrig.“)

V. 19: „… denn ihre Vollmachten sind in ihren Mäulern, denn ihre Schwänze sind wie Schlangen, und sie haben Köpfe, und mit ihnen richten sie Schaden an.“
Diese sehen aus wie Schreckensmonster. Diese Tiere sind nicht moderne Panzer, sondern zweiköpfige Schlangen (Amphisbaena; vgl. Plinius, Hist. Nat. 8,35; und Lucan).

Chilton: An innumerable army is advancing upon Jerusalem from the Euphrates, the origin of Israel’s traditional enemies; it is a fierce, hostile, demonic force sent by God in answer to His people’s prayers for vengeance. In short, this army is the fulfillment of all the warnings in the law and the prophets of an avenging horde sent to punish the Covenant–breakers. The horrors described in Deut. 28 were to be visited upon this evil generation (see especially verses 49–68). Moses had declared: You shall be driven mad by the sight of what you see (Deut. 28:34). As it actually worked out in history, the Jewish rebellion in reaction to the „locust plague“ of Gessius Florus during the summer of 66 provoked Cestius’ invasion of Palestine in the fall; with large numbers of mounted troops from the regions near the Euphrates10 (although the main point of St. John’s reference is the symbolic significance of the river in Biblical history and prophecy). After ravaging the countryside, his forces arrived at the gates of Jerusalem in the month of Tishri – the month that begins with the Day of Trumpets. The army surrounded the city: „For five days the Romans pressed their attacks on all sides but made no progress; on the sixth, Cestius led a large force of picked men with the archers to an assault on the north side of the Temple. The Jews from the roof of the portico resisted the attack and repeatedly drove back those who reached the wall, but at length, overwhelmed by the hail of missiles, gave way. The front rank of the Romans then planted their bucklers against the wall and on those the second row rested theirs and so on, till they formed a protective covering known as ‚the tortoise,’ from which the missiles glanced off harmlessly, while the soldiers undermined the wall and prepared to set fire to the gate of the Temple Mount …“ Vgl. a. Josephus, Jüd. Krieg 2, 18,9–19,7; 2,19,5–6.

V. 20: „Und die übrigen der Menschen, die nicht durch diese Plagen getötet wurden, taten nicht Buße über die Werke ihrer Hände, dass sie nicht ‹länger› huldigten den Dämonen und den goldenen und den silbernen und den ehernen und den steinernen und den hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können.“ (Vgl. 16,9.11.)
Götzendiener! – Inwiefern waren die Menschen des alttestamentlichen Israel zu Götzendienern geworden? – Nicht buchstäblich, sondern im übertragenen Sinn (Off 2,14.20; 21,8; 22,15), ebenso wie sie im übertragenen Sinn „Unzüchtige“ (2,14.20; 14,8; 17,2.4; 18,3.9; 19,2; 21,8; 22,15) und „Zauberer“ (18,23; 21,8; 22,15) geworden waren.
Sie haben nicht auf Gottes neues Reden im Sohn gehört, sie haben dadurch ihre Loyalität dem wahren Gott gegenüber aufgegeben und somit einem eigenwilligen „Gott“ und „Gottesdienst“ dargebracht. Das ist nichts anderes als Dämonen- und Götzenkult!
Vgl. Kol 2,16-23: „Es richte euch also nicht jemand in [Sachen] Speise oder Trank oder in Bezug auf ein Fest oder einen Neumond oder Sabbate, 17 die alle Schatten sind der künftigen Dinge; der Körper aber ist Christi. 18 Lasst euch von niemandem den Sieg aberkennen, der [einen] selbstgewählten [Weg geht] … 19 und der sich nicht hält an das Haupt … 20 … was lasst ihr euch, wie in der Welt Lebende, Satzungen auferlegen? 21 Fasse nicht, koste nicht, berühre nicht 22 – Dinge, die alle durch den Gebrauch der Verderbnis [anheimfallen] – nach menschlichen Vorschriften und Lehren, 23 welche [den] Ruf von Weisheit haben in einer vorgegebenen Frömmigkeitserweisung, ja, und in einer Niedrigkeitsgesinnung und [in] schonungsloser Behandlung des Leibes; [sie sind aber] nicht von [irgend]welchem Wert, [dienen nur] zur Befriedigung des Fleisches.“

Goldene , silberne, eherne, steinerne und hölzernen Götzen: Das ist alttestamentliche Sprache. Die Menschen werden so wie ihre Anbetungsgegenstände. Auch Habsucht ist Götzendienst (Kol 3,5).

V. 21: „Und sie taten nicht Buße über ihre Mordtaten noch über ihre Zaubereien noch über ihre Unzucht noch über ihre Diebstähle.“
Vgl. 18,23; 2Mo 22,18; 3Mo 19,26; Mi 5,12; Jes 2,6.
Die Juden waren die Synagoge des Satans und übten satanische Sünden aus: Ihr Gottesdienst war durch die Ablehnung des Messias zu einem Götzendienst geworden (Jes 1,10.11), sie lebten Gott gegenüber in geistlicher „Unzucht“. Hinzu kamen die bösen Werke, die sie in Verbindung mit der Verfolgung der Heiligen ausübten: Mord (Off 16,6; Ag 9,1) und Diebstahl (Hebr 10,34).
„Zaubereien“ vgl. Josephus, Jüd. Krieg 4,9,10; 5,9,4; 6,2,1f; 7,3,3.
„Diebstahl“ war ein Verbrechen, das in der Bibel oft mit Abfall und der daraus resultierenden Bedrückung und Verfolgung der Gerechten in Verbindung gebracht wird; Jes 61,8; Jer 7:9–10; Hes 22:29; Hos 4,1–2; Mk 11:17; Rm 2,21; Jk 5,1–6).
Jes 1,4: „Wehe dem sündigen Volk, dem Volk, belastet mit Ungerechtigkeit, dem Samen der Übeltäter, den bösen Söhnen! Sie haben Jahweh verlassen, haben den Heiligen Israels verschmäht, wurden entfremdet ‹und haben sich nach hinten abgewandt›.“
„By rejecting Jesus Christ, the Jews had inescapably involved themselves in idolatry; they had departed from the faith of Abraham and served gods of their own making. Moreover, as we shall see, the Jewish idolatry was not some vague, undefined, apostate theism. Forsaking Christ, the Jews actually became worshipers of Caesar. These men, therefore, trampled upon all the laws of man, and laughed at the laws of God; and as for the oracles of the prophets, they ridiculed them as the tricks of jugglers; yet did these prophets foretell many things concerning the rewards of virtue, and punishments of vice, which when these zealots violated, they occasioned the fulfilling of those very prophecies belonging to their own country.“
Vgl. Josephus, Jüd. Krieg, 4,6,3; 5,10,5; 5,13,6.

Gott weiß, dass sie nicht Buße tun, dennoch warnt er sie, wirbt um sie alle. O wie sehr hatte er sich bemüht, sie zur Umkehr zu bringen! Ihr Gericht ist gerecht (Off 15,3; 16,6; Rm 2,3-6).
→ Wir lernen: Selbst Gott bleibt ohne Erfolg in seinem Bemühen um diese Seelen. Wir sollen uns daher nicht entmutigen lassen, wenn Menschen nicht hören wollen.

C. Zwei Zwischenvisionen: Off 10,1–11,14

1. Der starke Engel mit dem geöffneten Büchlein: 10,1–11

In K. 10 sehen wir das Büchlein geöffnet.
In 5,2 lasen wir: „Und ich sah einen starken [himmlischen] Boten: Mit großer, ‹lauter› Stimme rief er aus: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?“
In 10,1 lesen wir: „Und ich sah einen anderen starken [himmlischen] Boten herabkommen aus dem Himmel, umkleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen [war] auf dem Haupt, und sein Gesicht [war] wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen.“
Zweimal: ein starker [himmlischer] Bote. Es scheint, dass K. 5 und K. 10 je einleitende Kapitel sind zu einer neuen Reihe von Visionen.
Off 5: Nur das Lamm kann die Buchrolle öffnen (d. h. diese Offenbarung, diese Wahrheit eröffnen und bewerkstelligen), denn es ist sein Sieg, der die Umsetzung des Ratschlusses Gottes möglich macht. Weil das Lamm überwunden hat, ist ER (der das Lamm ist) der einzige, der zeigen kann, wie seine Nachfolger überwinden werden. Wie können die Nachfolger Christi teilhaben am Kommen des Königreiches Gottes? Durch Nichtlieben des eigenen Lebens bis zum Tod.
Das Lamm öffnet die Siegel des Büchleins nacheinander. Aber die Ereignisse, die bei der jeweiligen Öffnung eines Siegels geschehen, sind nicht der Inhalt des Büchleins. Nein, der Inhalt kommt erst zum Vorschein, wenn alle sieben Siegel geöffnet sind. Es ist nicht so, dass wenn eines der Siegel geöffnet ist, man den Inhalt des Büchleins lesen kann. Nein, die Ereignisse, die bei der jeweiligen Öffnung eines Siegels geschehen, begleiten die Öffnung. Das Öffnen der Siegel nacheinander ist eine literarische (dichterische) Maßnahme, die Johannes befähigt, eine Reihe von Visionen zu berichten, die die Offenbarung des Inhalts des Büchleins vorbereiten. Weder die Siegelöffnungen noch die Posaunenstöße (und damit verbundenen Visionen) sind der Inhalt des Büchleins.

In Off 4–5 und K. 10 haben wir eine Thronvision, ehe Gott dem Propheten eine besondere Botschaft überlässt (wie Hes 1–3). Johannes beschreibt die Buchrolle in der Hand Gottes in ähnlicher Weise wie Hesekiel. Hes 2,9.10: Gott öffnet die Rolle und gibt sie dem Propheten zu essen (d. h.: zum Aufnehmen, damit er sie weitergeben kann): süß wie Honig (Hes 3,1–3).

Das Lamm nimmt – im Himmel – die Rolle aus Gottes Hand und öffnet die Siegel (K. 5ff); ein Engel hat dann das Büchlein in der Hand gibt es Johannes, der es essen soll; der isst es und es ist süß im Mund – und bitter im Magen. Und es wird ihm gesagt, dass er wiederum weissagen soll (10,8–10).
Die Reihenfolge (Gott – Christus – Engel – Johannes) ist aus 1,1 ersichtlich: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm (d. h.: dem Christus) gab, … zu zeigen, was bald geschehen muss. Und er sandte [sie] durch seinen Engel [und] übermittelte [sie] seinem Knecht Johannes.“
Jetzt, in 10,1 erscheint der Engel, auf der Bildfläche, erst jetzt. Warum? Weil erst jetzt der Hauptinhalt der Weissagung, die Gott Johannes gab, berichtet wird. Alles andere war Vorbereitung, und diese war nötig, damit die nun kommende Offenbarung verstanden wird. Die eigentliche Offenbarung kommt in K. 11 und in den K. 12–22,5 (wobei die Anhänge Off 17–19,10 und 19,11 – 21,8 und 21,9-22,5(oder 9) der Höhepunkt sind.

10,1–11,13 ist wie ein Einschub. Die Verse 9,12 und 11,14 verknüpfen den Einschub mit der sechsten Posaune, nicht mit der siebenten. Wir sind also noch vor dem Blasen der siebenten Posaune.
Warum wird dem Johannes dieses Büchlein gerade jetzt, knapp vor dem Ende der Posaunen-Reihe, gegeben?
Alle drei Siebener–Reihen (Siegel, Posaunen, Schalen) sind eng mit K. 4 und 5 (der Schau vom Thron Gottes [d. h.: Gottes souveräner heiliger Regierungsmacht] und der Schau von dem geschlachteten Lamm) verbunden.
Was soll ein heiliger Gott mit dem Bundesvolk, das den Messias verworfen hat, tun?
Antwort: Gericht.
Die die Siegelöffnungen und Posaunenstöße begleitenden Gerichte sind begrenzte („Viertel“, 6,8; „Drittel“ 8,7–12; 9,5.15.18), sie dienen als Warnung (wie Lk 13,1ff.) und haben das Ziel, die Menschen zur Buße zu führen. Aber Gerichte alleine führen nicht zur Buße; die Überlebenden tun nicht Buße (9,20.21).
Dann erfahren wir in 10,3.4 von sieben Donnern (einer dritten Siebener-Reihe, die wohl von weiteren Gerichten begleitet sein würden), aber sie werden gleichsam zurückgerufen; d. h., was mit ihnen ausgesagt werden sollte, bleibt (im Gegensatz zur Buchrolle) „versiegelt“ (10,4).
Das könnte bedeuten: Der Prozess von immer stärker werdenden Warngerichten wird gestoppt. Nicht, dass Gottes Geduld zu Ende sei, nein, sondern solche Gerichte bringen bei den Menschen (hier: bei Israel) nicht Buße hervor. Nach dem „Viertel“ und den „Drittel“, die gerichtet werden, könnte man erwarten, dass nun die „Hälfte“ oder „zwei Drittel“ gerichtet werden. Sicherlich hätte die Siebebener–Reihe der sieben Donner davon gesprochen. Aber nun folgt nur noch die siebente und letzte Posaune. Und mit ihr soll vollendet werden das Geheimnis Gottes. Es soll also „keine Frist“ (d. h.: keine Verzögerung) mehr geben.

a. Seine Erscheinung: 10,1–3
V. 1: „Und ich sah einen anderen [himmlischen] Boten, einen starken, herabkommen aus dem Himmel, umkleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen [war] auf seinem Haupt und sein Gesicht [war] wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen.“
Der Regenbogen erinnert an den Bund des treuen Gottes mit Noah.
V. 2.3: „Und er hatte in seiner Hand ein geöffnetes Büchlein. Und er stellte seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf das Land, 3 und er rief mit einer großen, ‹lauten› Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und als er rief, redeten die sieben Donner mit ihren eigenen Stimmen.“
Die Eigenschaften dieses Engels (Herrlichkeitswolke, Regenbogen, … Angesicht wie die Sonne, Füße wie Erz; vgl K. 1) treffen auf unseren Herrn Jesus zu. Er wird wie ein „Erzengel“ beschrieben. Ob dieser „Engel“ mit Jesus Christus identisch ist, ist nicht sicher.

b. Sein Verbot zu schreiben: 10,4
V. 4: „Und als die sieben Donner mit ihren eigenen Stimmen redeten, schickte ich mich an zu schreiben. Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel, die zu mir sagte: ‚Versiegle, was die sieben Donner redeten, und schreibe dieses nicht.’„
→ Wir lernen: Es geschieht mehr als geoffenbart ist. Das heißt, wir wissen nicht alles. Was nicht geoffenbart ist, müssen wir nicht wissen. Was Gott uns vorenthält, brauchen wir nicht.

c. Sein Schwur: 10,5–7
V. 5.6: „Und der Bote, den ich auf dem Meer und auf dem Land stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel 6 und schwor bei dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, der den Himmel schuf und was darin ist und das Land und was darin ist und das Meer und was darin ist: ‚Es wird nicht noch ein Zeitabschnitt (o.: eine Frist) sein, …’„
Die siebente Posaune bringt das Endgericht, nicht mehr begrenzte Warngerichte. Was die siebente Posaune bringt, wird (im Bilde) detailliert beschrieben in K. 16: Die sieben Schalen (15,1; 16,1–21) bringen die gänzliche Vernichtung des Landes und der unbußfertigen Menschen des Bundesvolkes.
„Es wird nicht noch ein Zeitabschnitt (o.: eine Frist) sein“, d. h., es gibt kein Hinauszögern des Gerichtes mehr und damit auch keine Gelegenheit zum Umkehr mehr.
V. 7: „‚…, sondern mit den Tagen der Stimme des siebenten Boten, wenn er sich anschickt zu posaunen, wird auch vollendet sein das Geheimnis Gottes, wie er es seinen ‹eigenen› leibeigenen Knechten, den Propheten, als gute Botschaft sagte!’„
Die siebente Posaune bringt die Vollendung. In 6,10.11 war den Märtyrern gesagt worden, dass sie noch eine kleine Zeit zu warten hätten. Nun werden sie nicht mehr warten müssen.

d. Das Essen des Büchleins: 10,8–11
V. 8: „Und die Stimme, die ich aus dem Himmel gehört hatte, redete wieder mit mir und sagte: ‚Gehe hin. Nimm das geöffnete Büchlein in der Hand des Boten, der auf dem Meer und auf dem Land steht.’ 9 Und ich ging weg, hin zu dem Boten. ‚Gib mir das Büchlein’, sagte ich zu ihm. Und er sagte zu mir: ‚Nimm, und iss es auf, und es wird deinen Bauch bitter machen. In deinem Munde jedoch wird es süß sein wie Honig.’„ (Vgl. Hes 3,1–3.)
V. 10: „Und ich nahm das Büchlein aus der Hand des Boten und aß es auf. Und es war in meinem Munde süß wie Honig, und als ich es aß, wurde es in meinem Bauch bitter.“ – Für den Propheten ist das göttliche Gerichtswort bitter, er leidet mit darunter, weil er merkt, wie ernst diese für die unbußfertigen Menschen seines Bundesvolkes ist.
→ Wir lernen: Das Aufnehmen der Botschaft ist lieblich. Das Wort des Gottes, der uns liebt und den wir lieben, ist in jedem Fall „süß“ in unserem Munde (Ps 119,103; Jer 15,16), was auch immer es sagt. Der Inhalt dessen, was der Herr zu sagen hat, ist manchmal bitter, – und auch der Inhalt dessen, was der Herr durch uns anderen zu sagen hat.
V. 11: „Und er sagte zu mir: „Du musst wieder weissagen – über Volksgruppen und Völker und Sprachen und viele Könige.“

2. Jerusalem: Die Tempelmessung. Die zwei Zeugen: 11,1–14
Off 11 hat zum Thema die Lage der Heiligen in der Stadt Jerusalem während jener Bedrängniszeit und die Auswirkung ihres Zeugnisses in der Stadt.
a. Die Tempelmessung 11,1.2
V. 1.2: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, das einem Stabe glich, [und einer] sagte: Stehe auf und miss das Tempelheiligtum Gottes aus und den Altar und die, die darin anbeten. 2 Und den Hof, der innerhalb des Tempelheiligtums ist, schließe aus und miss ihn nicht, weil er denen von den Völkern gegeben wurde. Und die heilige Stadt werden sie zertreten (o.: treten; o.: betreten) zweiundvierzig Monate lang.“
Es handelt sich hier, wie auch sonst in diesem apokalyptischen Brief, um bildhafte Sprache. Obwohl nicht gesagt wird, „und ich sah“, ist das Berichtete dennoch eine Audition (d. h.: Gehörtes) in bildhafter Sprache, wie eine Vision also.

Das letztlich wahre und heilige Jerusalem ist nicht das irdische (vgl. Off 3,12; 21,2.10; Hebr 12,22; 13,13.14), aber das irdische Jerusalem ist „heilig“ durch das wahre Tempelheiligtum, der sich darin befindet. (Vgl. a. 2Ch 8,11: „… die Orte, in die die Lade Jahwehs gekommen ist, sind heilig.“)
Das irdische Jerusalem wird in Off 11,8 „Sodom“ und „Ägypten“ genannt. Die Juden werden in 2,9 und 3,9 eine „Synagoge des Satans“ genannt.
Das Bild spricht aber tatsächlich von Jerusalem, und die Assoziation zu dem irdischen Jerusalem (das damals, als die Off verfasst wurde, noch stand), soll tatsächlich gemacht werden. Die heilige Stadt Jerusalem wird als noch nicht entweiht gesehen; im AT wird das irdische Jerusalem oft die „Stadt des großen Königs“ (Ps 47) und die „heilige Stadt“ (Neh 11,1.18; Jes 48,2; 52,1; Dan 9,24; Mt 4,5; 27,53) oder „Stadt Gottes“ (Ps 46,5; 48,2) bzw. „das Zijon des Heiligen Israels“ (Jes 60,14) und „der heilige Berg“ (Dan 9,16; Sach 8,3) genannt.
Aber in dieser Stadt „Jerusalem“ in Off 11 gibt es zwei deutlich zu unterscheidende Bereiche, einen heiligen und einen nicht heiligen. Der heilige Bereich ist das treue Gottesvolk. Die gottestreuen Anbeter werden „das Tempelheiligtum Gottes“ genannt. Wegen dieses heiligen Bereiches heißt die gesamte Stadt noch „heilige Stadt“. Die Treuen sind die wahren Anbeter, die Heiligen, die Christusnachfolger in Jerusalem. Sie werden als „Priester“ gesehen, die an Gottes Altar stehen und ihm in Verehrung dienen und den Gottesdienst verrichten.
Der andere, der unheilige Bereich ist der „Vorhof“ und alles außerhalb des Heiligtums Gelegene. Dieser andere, äußere Bereich sind die Juden, die den Gottesdienst nur äußerlich verrichten, das Israel nach dem Fleisch, das den Messias ablehnte und so zu einer „Synagoge des Satans“ (2,9) geworden ist. Sie gehören nicht zum wahren Gottesvolk.

Knapp vor dem Ende Jerusalems, knapp vor dem Blasen der siebenten Posaune, stellt sich eine Frage: Das Ende der Religion der Juden steht knapp bevor; soll nichts von jener Religion bleiben, soll alles zerstört werden? Gibt es nichts, das bewahrt werden wird? Oder: Gibt es etwas in Jerusalem, das das Wesenhafte der jüdischen Religion ausmacht, das durch Gott bewahrt werden wird?
Die Antwort: Ja, es gibt etwas! Das wahre Tempelheiligtum und die, die darin anbeten, werden bewahrt.
11,1.2 kann nicht anders als bildhaft verstanden werden.
Würde man diese Verse nicht im übertragenen Sinne verstehen wollen, wäre damit ausgesagt, dass nur der äußeren Teil des Tempel zerstört wird, das innere Heiligtum aber bestehen bleibt. Das stimmt mit dem historischen Sachverhalt (70 n. Chr.) nicht überein. Verstehen wir die Verse 11,1.2 bildhaft, so wird alles klar. Ebenso verhält es sich auch mit dem Rest des Kapitels: Das Tier, die Himmelfahrt der Zeugen, das große Erdbeben in der Stadt, usw. ist bildliche Sprache.

Was bedeutet es, Anbeter zu messen, damit sie bewahrt bleiben? Was soll das Bild veranschaulichen?
Was zum Eigentlichen und Fundamentalen der Gottesanbetung gehört, wird bewahrt und bleibt bestehen. Das Äußerliche (der Tempel, die Kultgegenstände, die Opfer, der alttestamentliche Gottesdienst und die Stadt mitsamt ihren religiösen Gebäuden und dem irdisch-fleischlichen Israel, das den Messias verworfen hat, soll untergehen und von den „Völkern“ zertreten werden. Alle äußerlichen Dinge des Gottesdienstes sollen zu Staub und Asche und für immer beendet werden. Aber mitten in Jerusalem existierten einige unzerstörbare Elemente, die zwar im Wesen jüdisch waren, aber das Zerstörungswerk überleben sollten: das wahre Heiligtum und die darin Anbetenden. Sie werden bleiben.

Wir betrachten den Text im Einzelnen:
I: Der Auftrag das Heiligtum zu messen: 11,1–2
V. 1: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, das einem Stabe glich, und [jemand] sagte: ‚Stehe auf und miss das Tempelheiligtum Gottes aus und den Altar …“
II: Um welches Jerusalem geht es?
Es geht nicht um das neue Jerusalem, denn das sollte erst kommen (3,12), und es kann nicht zertreten (bzw. getreten; 11,2) werden. Es kann sich hier also nur um das Jerusalem handeln, das jene Christen als die „heilige Stadt“ (z. B. Mt 27,53) kannten
Was macht diese Stadt, die in 11,8 „Sodom und Ägypten“ und später „Babylon“ heißt, zu einer „heiligen“ Stadt? – Wohl die Tatsache, dass darin etwas ist, das gottgeweiht und wahrhaft heilig ist: Die Heiligen, die Anbeter im „Heiligtum“. Sie selbst bilden das Heiligtum.

III: Der Hof ist den Völkern gegeben. 11,2
V. 2: „Und den Hof, der außerhalb des Tempelheiligtums ist, schließe aus und miss ihn nicht, weil er denen von den Völkern (o.: weil er den Heiden) gegeben wurde. Und auf die heilige Stadt werden sie treten (o.: die heilige Stadt werden sie zertreten) zweiundvierzig Monate lang.“
Der Vorhof des Tempels ist in die Hände der (zu „Heiden“ gewordenen) Israeliten gegeben worden. Diese Israeliten sind die „Völker“, die 42 Monate lang die heilige Stadt zertreten (o.: auf die Stadt treten) und damit verderben. (Vgl. 11,18: „die das Land verderben“ und 19,2: „… die große Hure …, die mit ihrer Hurerei das Land verderbte“.)

Das Tempelheiligtum Gottes in 11,2 ist das wahrhaftige, nicht das irdische. Die Christusgläubigen werden hier als Priester gesehen (vgl. 1,6; 5,10; 20,6). Heiligtum und Altar gehören zum Bild. Das wahre Heiligtum Gottes ist das geistliche Gotteshaus ist die Gemeinde des lebenden Gottes (1Tim 3,15; vgl. 2Kor 6,16; 1Kor 3,16); das der „Ort“, wo Gott in Geist und in Wahrheit angebetet wird (Joh 4,21-24). Die Heiligen, ihre Anbetung und ihr „Gotteshaus“ (hier bildlich), werden bewahrt.
Würde man die V. 1 und 2 buchstäblich auffassen, hätte man das Problem, dass diese Christen ein irdisches Heiligtum in Jerusalem zum Anbeten brauchen und nur in diesem anbeten. Christen aber brauchen kein irdisches Heiligtum, sondern beten im Geist an (Vgl. Joh 4,21–24).
Die Unterscheidung innerer Hof (Heiligtum) und äußerer Hof findet ihre Parallele in der Unterscheidung himmlisch-geistlicher Gottesdienst und irdisch-fleischlicher Gottesdienst. Der äußere Hof entspricht dem irdisch-fleischlichem Gottesdienst der Juden; er wird den „Völkern/Heiden“ gegeben, die ihn verderben und Jerusalem „zertreten/betreten“. Das innere Heiligtum entspricht dem geistlichen Gottesdienst des treuen Gottesvolkes.

„… und die, die darin anbeten“: Die Treuen, die dem Messias Ergebenen, werden als Priester gesehen (Off 1,6; 4,4; 5,10; 20,6), dienend im Heiligtum, hinzutretend (Hebr 4,16; 7,25; 10,22) ins Heiligtum.

„Stehe auf und miss …“: Das „Messen“ ist im übertragenen Sinne zu verstehen. Der Akt des Messens wird im AT verschieden verwendet: Der Zusammenhang macht deutlich, was hier gemeint ist. Was nicht gemessen wird, wird dem Zertrampeln (d. h. der Entweihung und Zerstörung) preisgegeben. Messen bedeutet in Sach 2,5.6 [nach alter Zählweise: Sach 2,1.2] bewahren. Was gemessen wird, wird vor dem Gericht verschont.
„… miss den Altar“ – Gemeint ist wahrscheinlich der Räucheraltar, denn der stand in Verbindung mit dem Heiligtum (Hebr 9,4). (Zum „Messen“ vgl. a. Hes 40,3; 40,5–42,20.)
„… und die, die darin anbeten.“ – Der Engel versichert durch Sacharja: Jerusalem wird bleiben. Ebenso soll hier den Heiligen gezeigt werden: Gott wird euch, die Treuen, und euren Gottesdienst bewahren.

V. 2 „Und den Hof, der außerhalb des Heiligtums ist, …“
(Anm.: Der t. r. nach Beza u. Elzevir sowie die überwiegende Mehrheit der griech. Hss haben an dieser Stelle das Wort „außerhalb“; nur der t. r. nach Stephanus hat „innerhalb“, was hier aber offensichtlich nicht richtig ist.)
(Anm.: Der griech. Begriff naos (Tempelheiligtum) schließt an dieser Stelle vermutlich mehr als das innere Gebäude ein. Josephus wie auch die neutestamentlichen Schreiber unterscheiden in der Regel zwischen der Tempelstätte (hieron), dem Tempelareal, und dem inneren Heiligtum (naos). Es gibt jedoch Ausnahmen. Auch Josephus, sagt man, habe nicht immer zwischen den beiden Begriffen scharf unterschieden, auch Herodot nicht. In Joh 2,20 ist man gezwungen, anzunehmen, dass der Begriff naos (Tempelheiligtum) auf das Weitere der Tempelstätte ausgedehnt wird (was in Sprachen nichts Außergewöhnliches ist). Dafür scheint es auch weitere Beispiele zu geben. Nach Mt 27,5 warf Judas das Verrätergeld in das „Tempelheiligtum“. Zum Inneren des Hauses dürfte er jedoch nicht Zugang gehabt haben können. Matthäus dürfte an dieser Stelle naos in einem erweiterten Sinne gebraucht haben. Johannes hier in Off 11,2 ebenfalls.)

„… schließe aus und miss ihn nicht, weil er den Völkern gegeben wurde.“
Der äußere Hof, der Vorhof, wird nicht gemessen, wird also nicht verschont, sondern der Zertretung und damit der Entweihung preisgegeben.

IV: Wer sind die „Völker“?
Die Off erklärt selbst, wer die „Völker“ sind. Üblicherweise wird im Alten Testament streng zwischen „Israel“ und den „Heiden/Völkern“ unterschieden. Wenn Israel abfällt, kann es auch „Heiden“ („Völker“, heb. gojim, griech. ethnee) genannt werden, z. B. in Hes 2,3: „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter waren von mir abtrünnig bis zu ebendiesem Tag.“ Vgl. a. Ps 33,12; Jes 1,4; 9,2; 26,2; 49,7; an diesen Stellen wird das Volk Israel „goj“ (Heidenvolk) genannt.
Jerusalem war zu Festzeiten voll von Anbetern „aus jedem Volk unter dem Himmel“ (Ag 2,5), d. h.: von Juden und Judengenossen aus der Diaspora (Zerstreuung). Wir würden sagen „aus aller Welt“.

Zuerst fragen wir uns: Wer ist in der Off „Israel“?
„Israel“ kommt in der Off in 2,14; 7,4–8 und 21,12 vor:
2,14: „Bileam … , der den Balak lehrte, einen Anlass ‹zum Stolpern und Fallen› vor die Söhne Israels zu werfen, …“
7,4: „… einhundertvierundvierzigtausend Versiegelte aus allen Stämmen der Söhne Israels“
21,12: „… auf den Toreingängen … Namen darauf geschrieben (es sind die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels)“
2,14 ist ein Rückbezug auf das AT.
In 7,4 wird „Israel“ auf die treuen Gottesknechte bezogen, nicht auf das abgefallene Israel, das den Messias verworfen hat. Das fleischliche Israel wird also nicht mitgerechnet, ebenso wie in Rm 11,16ff. der ungläubige Teil Israels aus dem Ölbaum ausgebrochen wird; die Gläubigen aus den Heiden werden eingepfropft.
Vgl. Rm 2,25–29: „… denn Beschneidung ist wohl nützlich – wenn du das Gesetz tust; wenn du aber ein Übertreter des Gesetzes bist, ist deine Beschneidung Unbeschnittenheit geworden. 26 Wenn also die Unbeschnittenheit das Gerechte des Gesetzes befolgt, wird nicht ihre Unbeschnittenheit für Beschneidung gerechnet werden 27 und die Unbeschnittenheit von Natur, die das Gesetz ausführt, dich richten, der du bei geschriebenem [Gesetz] und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist? 28 – denn nicht der, der es im Sichtbaren ist, ist Jude, noch ist die, die es im Sichtbaren ist, im Fleisch, Beschneidung, 29 sondern der, der es im Verborgenen ist, ist Jude, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geist, nicht im geschriebenen [Gesetz]. Eines solchen Lob ist nicht von Menschen, sondern von Gott.“
In Gal 3,16–29 zeigt der Apostel Paulus, dass die Gläubigen aus den Heiden als „Same Abrahams“ gerechnet werden. Ebenso in 4,24–31; 6,15.16. Vgl. a. Eph 2,12-3,6.
Wenn die wahren Knechte Gottes das wahre Israel ausmachten, folgt daraus, dass die Juden, die den Messias ablehnten, zu den „Völkern“ („Heiden“) gerechnet werden, also vom eigentlichen (treuen) Volkskern ausgeschnitten sind, solange sie nicht an den Messias Jesus glauben.
In Ag 4,25–27 wird Ps 2 zitiert: „…der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: ‚Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige der Erde, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“
Wer waren die „Völker“, die gegen Jahweh und seinen Gesalbten tobten und planten? Nach Apg 4,25ff sind jene „Völker“ (Heiden) nicht die Römer. Die Römer haben sich nicht gegen Jahweh empört. Jene „Völker“ (Heiden) in Ps 2,1 sind die Israeliten, die den Herrn Jesus Christus ablehnten.
In Apg 4,27 beten, auf Ps 2 Bezug nehmend, die Jünger: „… es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“ Der Ausdruck „mit den Völkern (Heiden) und Volksscharen Israels“ muss als eine Einheit betrachtet werden, denn Herodes und Pilatus kamen mit den Israeliten zusammen, nicht mit den Römern. Die ungläubigen Israeliten heißen in Ps 2,1 und in Apg 4,27 „Völker (Heiden) und Volksscharen Israels“. Die Israeliten bekommen aufgrund ihrer Ablehnung des Messias die Bezeichnung „Völker“ (Heiden, gojim) – in Übereinstimmung mit Hes 2,3. Wenn die Israeliten zu „Götzendienern“ werden und von Gott abfallen, bekommen sie von Gott den Namen „Heiden“: „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern (= Heiden), die sich gegen mich aufgelehnt haben; sie und ihre Väter sind von mir abgefallen bis zu eben diesem Tage.“ (Hes 2,3).
Die Juden zur Zeit Jesu werden von Jesus als Kinder des Satans (Joh 8,44) und die Versammlungen der Juden als „Synagoge des Satans“ bezeichnet. Das bedeutet allerdings nicht, dass das historische Israel an sich bereits mit der Verwerfung des Messias zu existieren aufgehört hatte. Nein, es blieb bis 70 n. Chr. bestehen. Gott bemühte sich noch um das Volk. Erst als ganz Israel das Wort Gottes gehört und verworfen hatte, kam das Gericht. (Vgl. Rm 11,2.25; 9,28; Apg 13,46; 18,6; 28,25-28.)
Rm 11:1.2: „Ich sage also: Verstieß Gott sein Volk? Das sei fern!– denn auch ich bin ein Israelit aus dem Samen Abrahams, vom Stamme Benjamin. 2 Gott verstieß sein Volk nicht, das er im Voraus kannte.“ (Gemeint ist sein nationales Israel, wie es bis 70 n. Chr. bestand. Er hat es damals, als der Römerbrief geschrieben wurde, ca. 57 n. Chr., nicht verstoßen. Seine Hand war noch „ausgestreckt“, Jes 65,2; Rm 10,21.)
11:25: „… denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr euch nicht selbst klug dünkt: Verhärtung ist Israel zu einem Teil widerfahren, bis die Fülle derer, die von den Völkern sind, eingegangen sein wird.“
9:27.28: „Jesaja ruft aus über Israel: Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, [nur] der Überrest wird gerettet werden, 28 denn [er ist] einer, der ein Wort ganz zu Ende führt und rasch erledigt in Gerechtigkeit, weil der Herr ein rasch erledigtes Wort auf der Erde tun wird.“
Ag 13:46: „Mit Freimütigkeit sagten Paulus und Barnabas: Es war notwendig, euch zuerst das Wort Gottes zu sagen. Nachdem ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht würdig achtet – siehe – wir wenden uns zu denen von den Völkern, …“
18:6: „Als sie sich aber dagegen auflehnten und lästerten, schüttelte er seine Kleider aus und sagte zu ihnen: ‚Euer Blut [komme] auf euer Haupt! Ich bin rein. Von nun an werde ich hingehen zu denen von den Völkern.’„
28:25-28: „Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, nachdem Paulus die eine Aussage gemacht hatte: Trefflich redete der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu unseren Vätern, 26 als er sagte: ‚Gehe hin zu diesem Volk und sprich: Hörend werdet ihr hören und gar nicht vernehmen ‹und verstehen›, und hinsehend werdet ihr hinsehen und gar nicht wahrnehmen, 27 denn das Herz dieses Volkes wurde empfindungslos, und mit den Ohren wurden sie schwerhörig, und ihre Augen verschlossen sie, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen vernehmen ‹und verstehen› und umkehren möchten und ich sie heilte.’ 28 Es sei euch also kund, dass das Heil Gottes denen, die von den Völkern sind, gesandt wurde. Die werden auch hören.“
Lk 21:20.22: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. … 22 weil das [die] Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“

Nachtrag zum Begriff „Völker/Heiden“ (griech. ethnee): Manche meinen, mit den „Heiden“ („Völkern“) können auch die heidnischen Idumäer gemeint sein. Ich bin nicht dieser Auffassung, aber dennoch will ich diese hier vorstellen: Josephus Flavius berichtet, dass der Tempel zu einer Festung der Aufständischen umfunktioniert wurde; die Parteien kämpften um den Besitz dieser vorteilhaften Ausgangsstellung; Johannes von Giscala behielt mit seinen Zeloten die Vorherrschaft im Tempelareal, Simon hatte die Oberhand in der Stadt; eines Nachts erhielten idumäische Streitkrafte (Edomiter) Zugang zur Stadt; sie erhielten von den Zeloten, ihren Verbündeten, die Erlaubnis innerhalb des Tempelareals zu bleiben; es scheint, dass während der ganzen Belagerungszeit der Tempelvorhof und die Stadt in den Händen jener heidnischen, wilden und gesetzlosen Edomiter war, die dort mit Raub und Blutvergießen herrschten; durch sie wurden Ananus und Josua, zwei der edelsten Hohen Priester, ermordet. (S. Josephus, Jüd. Krieg 4,5,2) Josephus nennt diese Horden in der Stadt „wilde Tiere“ (Jüd. Krieg 4,4,3). – James Stuart Russell (in „Die Parusie“) bezieht „Völker“ auf die benachbarten Juden; er meint, der Ausdruck „Heiden/Völker“ werde im NT allgemein auf die unmittelbaren Nachbarn der Juden, von denen viele mitten im Land Palästina oder nebenan wohnten, bezogen: Idumäer, Samaritaner, Leute aus Batanaea, Galiläa, Tyrus und Sidon u.a. Der Ausdruck „alle Völker“ bezieht sich oft im begrenzten Sinne auf alle benachbarten Völker Palästinas. (Anm.: Als Jesus Christus sagte: „Geht nicht auf den Weg der Heiden.…“ (Mt 10,5), meinte er nicht Ägypten, Griechenland oder Persien, sondern die heimatlichen (innerpalästinensischen) Heiden (Völker). Diese konnten die Jünger innerhalb von Palästina überall finden. (Mt 10,18; 20,25; Mk 10,33; vgl. Apg 2,5; 4,25.27 [iVm Ps 2]; Apg 10,45.) Der Begriff „Völker“ ist nicht im modernen Sinn aufzufassen. Das Denken der Juden in Palästina war provinziell, nicht ökumenisch: ihre Welt war Palästina, und für sie bedeutete das Wort „Völker“ (Heiden) nicht mehr als ihre direkten benachbarten Völker und innerpalästinensischen Völker. Josephus (Jüd. Krieg 5,10,5) beschreibt jene „Völker“ in Jerusalem als Abschaum der Gesellschaft.)

V:. Das Zertreten/Treten der heiligen Stadt
Der äußere Vorhof soll den Heiden gegeben werden. Das Gemessene wird bewahrt, der Vorhof wird verworfen, d. h., alle jüdischen Religionsrelikte mitsamt deren Anbetern werden zerstört.

„Und die heilige Stadt werden sie zertreten (o.: betreten) zweiundvierzig Monate lang.“
Das Bild ist parallel zu Lk 21,24–26: „Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen geführt werden zu den Völkern allen. Und Jerusalem wird getreten (o.: zertreten; o.: zertrampelt; o.: betreten) werden von den Völkern, bis die Zeiten der Völker erfüllt sein werden. 25 … und im Land ‹wird› Angst der Völker ‹sein› in Ratlosigkeit bei Brausen des Meeres und [wildem] Gewoge, 26 wobei den Menschen die Seele ausgeht vor Furcht und ‹gespannter› Erwartung dessen, das über das Festland (griech.: oikoumenee) kommt; ….“
Es geht um die Zeit des jüdischen Krieges.
Lk 21,24 bezieht sich auf das Fallen der Juden (in Galiläa, Samaria, Judäa). V. 24 werden die genaueren Umstände der Belagerung Jerusalems gegeben: „Jerusalem wird getreten werden von den Völkern, bis die Zeiten der Völker erfüllt sein werden.“ Die abgefallenen Juden betraten und zertraten den Tempelbezirk und die ganze Stadt, bis zu der von Gott bestimmten Zeit, nämlich bis zum kompletten Fall der Stadt. Als Jerusalem 70 n. Chr. fiel, war die „Zeit der Heiden“ (d. h.: der Juden), die 66–70 n. Chr. Jerusalem zertraten, erfüllt. V. 25 spricht dann vom Zerfallen der alttestamentlichen Welt im Fall Jerusalems.

Der Ausdruck „Zeiten der Heiden/Völker“ hat eine auf die Ereignisse von 67–70 n. Chr. spezifisch bezogene Bedeutung.
Lk 21,20-22: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahegekommen ist. 21 Dann sollen die in Judäa in Richtung der Berge fliehen und die in ihrer Mitte daraus entweichen; und die auf dem Land sollen nicht in sie hineingehen, 22 weil das Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“

Nach Off 11,2 dauert die Zeit, in der die heilige Stadt von den „Völkern“ zertreten wird, „42 Monate“. Sie entspricht den „1260 Tagen“, in der die „zwei Zeugen“ in Jerusalem „weissagen“, bis sie – wie ihr Herr – getötet werden von dem „Tier“, das aus dem Abgrund aufsteigt. Diese Begriffe sind symbolträchtig, erinnern an alttestamentliche Texte. Die 42 Monate (dreieinhalb Jahre, bzw. 1260 Tage) sind eine Anspielung auf die Bedrängnis unter Antiochus IV, Dan 7,25; 8,10.13; 11,31; 12,7.11; die „zwei Zeugen“ („zwei Ölbäume“ 11,4) erinnern an Sach 4,3.11; und das Tier erinnert an die Tiere in Dan 7. Die Jahresangaben sind bei Daniel nicht Teil der Vision, sondern der Erklärung, also buchstäblich aufzufassen. Aber in Off 11-13 sind die Zeitangaben Teil der Vision und daher nicht buchstäblich (arithmetisch) zu nehmen. Sie beziehen sich auf die Zeit des Wütens der Zeloten, der jüdischen Eiferer für das Gesetz, die 66 n. Chr. gegen Rom rebellierten und in Jerusalem eine Schreckensherrschaft errichteten.

„Und die heilige Stadt werden sie zertreten (o.: ‹auf› die heilige Stadt werden sie treten) …“
„… zertreten“: Man kann auch übersetzen: betreten; treten auf; o.: betrampeln; zertrampeln. Das Verb patein bedeutet im Grunde „treten“; aber es liefert in sich selbst keinen Hinweis, wie stark getreten wird. Das zeigen die Stellen, wo es vom einfachen Gehen gebraucht wird. Wie stark das Treten ist, ist je nach Situation verschieden. Das kann nur aus dem Zusammenhang erschlossen werden, nicht aus der Vokabel selbst. Wenn Lexika die Bedeutung „zertreten“ angeben, so trifft das nur auf gewisse Zusammenhänge zu; es wird nicht dem Wort selbst entnommen, sondern der Geschichte, in der das Treten vorkommt.
Vgl. Jes 1,12: „Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen – wer hat das von eurer Hand gefordert, meine Vorhöfe zu zertreten?“

Inwiefern werden die Heiden die heilige Stadt zertreten/betreten/betrampeln? – Indem sie die heilige Stadt und das Äußere des Tempels entweihen, profanieren, verderben (vgl. Dan 8,13; Jes 1,12). Sie zerstören zwar auch die Gläubigen äußerlich, doch nicht innerlich. Sie können das wahre Tempelheiligtum (d. i.: das Allerheiligste) nicht verderben. Es bleibt verschont und bewahrt. „Die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Die schattenhaften Dinge, das irdische Heiligtum und die irdische Stadt Jerusalem, sind zu einen „Vorhof“ geworden, der „draußen“ ist. Dieser wird den Heiden (d. h.: den ungläubigen Juden) zur Zertretung preisgegeben. Aber das wahrhaftige, innere Heiligtum wird vor Entweihung gesichert. Der Raum für die Anbetung ist für die wahren Anbeter.
Die „Völker“ (d. h.: den ungläubigen Juden aus Palästina und der Diaspora) können nicht die Gemeinde des Herrn Jesus verderben. Die, die im Heiligtum anbeten (die Heiligen, die Knechte Gottes) kommen unversehrt ins neue Jerusalem.

VI:. Die Dauer der Zertretung (Off 11,1.2)
„…zweiundvierzig Monate lang.“
Dieser Ausdruck ist aus dem Alten Testament genommen, wo er sich auf eine große und schwere Bedrängnisszeit des Gottesvolkes bezieht.
Eine solche gab es zur Zeit des Elia, als Isebel die Propheten Gottes hart verfolgte. Eine weitere Parallele im AT findet sich in der Prophezeiung des Kommens des Antiochus Epiphanes (Dan 8,10–14; 11,31–33; 12,11; vgl. auch 12,7; 7,25), der viele von den Heiligen tötete und den Tempel Gottes und die heilige Stadt entheiligte und verderbte. Auch Josephus Flavius spricht davon, dass der Opfergottesdienst im Tempel für die Zeit von „drei Jahren und sechs Monaten“ ausgesetzt wurde. Josephus, Jüd. Krieg 1,32.
„Antiochus, … also spoiled the temple, and put a stop to the constant practice of offering a daily sacrifice of expiation, for three years and six months.“ 5,394: „For another example, when Antiochus, who was called Epiphanes, lay before this city, and had been guilty of many indignities against God, and our forefathers met him in arms, they then were slain in the battle, this city was plundered by our enemies, and our sanctuary made desolate for three years and six months.“
Gemäß 12,6.14 wird die Dauer dieser „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ mit „1260 Tagen“ angegeben. Es ist die „kurze“ Zeit, in der der Drache auf die Erde geworfen ist und in der er versucht, die Frau (bzw. die Übrigen ihres Samens) zu vernichten, eine Zeit, der großen Wut des Satans, der weiß, dass er „wenig Zeit“ hat. In dieser Zeit, während welcher „der Teufel los“ ist, werden jene Heiligen des ersten Jhdts. „in der Wüste“ versorgt, d. h., geistlich erhalten.
Gemäß 13,5.7 ist sie Zeitdauer, in der die Heiligen durch das „Tier“ in besonders starker Weise bedrängt und (scheinbar) überwunden werden: „zweiundvierzig Monate“; die symbolträchtigen dreieinhalb Jahre stehen parallel zur Zeitdauer der Zertretung (o.: Betrampelung; Tretung) Jerusalems) und zur Zeitdauer der Prophetie der zwei Zeugen (11,3). Es ist die Zeit, in der jene Heiligen des ersten Jhdts. aufgerufen sind, auszuharren (13,9.10).

Was lehrt die Historie?
Im Okt./Nov. 66 n. Chr. belagerte der syrische Legat Cestius Gallus im Auftrag Neros mit seinem Heer die Stadt Jerusalem, aber er gab die Belagerung zu früh wieder auf, was ihm einen großen Verlust kostete und die Sache der rebellischen Zeloten erheblich stärkte. Die eigentliche Zeit des Tretens auf Jerusalem begann wahrscheinlich im Frühling 67 (als Vespasian im Auftrag von Nero den Krieg gegen Palästina begann und mit seinen Heeren das Land betrat; zugleich war das die Zeit, in der die Zeloten ihr Unwesen in Jerusalem trieben und Gottes heilige Stätte entweihten und viele Menschen umbrachten). Am 10. August 70 n. Chr., begann nach fünfmonatiger Belagerung die Einnahme der Stadt durch die Römer.
Während jener Zeit („1260 Tage“; diese Zeitangabe ist nicht buchstäblich/arithmetisch zu nehmen) weissagten die „zwei Zeugen“. Sie wurden schließlich getötet.

→ Lektion aus Off 11,1.2: Gott kennt und anerkennt jeden Anbeter. Sie zählen bei ihm. Er „misst“ sie, bewahrt sie. Die bloßen Bekenner werden verworfen.

VII. Exkurse
Die vier Reiche und die Bedrängniszeit im Buch Daniel.
Das Buch Daniel ist im historischen Zusammenhang zu verstehen. Es handelt sich um eine wichtige Botschaft für die zurückgekehrten Juden (ab 538 v. Chr.). Die vier Königreiche in Dan 2 sind folgende: Zuerst Neubabylonien, danach Medopersien, danach das Alexanderreich (Es verfiel so schnell wie es kam. In Dan 11,3.4 heißt es: „Und ein tapferer König wird aufstehen, und er wird mit großer Macht herrschen und nach seinem Gutdünken handeln. 4 Und sobald er aufgestanden ist, wird sein Königreich zertrümmert werden und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden, aber nicht für seine Hinterbliebenen und nicht entsprechend der Macht, mit der er geherrscht hat, denn sein Königreich wird zerstört und anderen zuteil werden, unter Ausschluss von jenen.“ Dan 11 erklärt Dan 2!) Das vierte Königreich, das Reich nach Alexander, ist das zweigeteilte Reich (Dan 2,41: „… es wird ein geteiltes Königreich sein“), gemäß Dan 11 das Königreich des Nordens und das Königreich des Südens. Und es werden mehrere Versuche unternommen, das Reich wieder zu einen. Ein Versuch in 11,6 und ein Versucht in 11,17. Das wird in 2,43 beschrieben: „Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast: sie werden sich durch Menschensamen mischen, aber aneinander haften werden sie nicht, gleichwie Eisen sich mit Ton nicht vermischt.“ Im Folgenden versucht der stärkere Teil (der König des Nordens) des Öfteren den schwächeren Teil (den König des Südens) auf militärische Weise zu besiegen und auf diese Weise das Reich zu einen; aber auch das gelingt nicht, wie Dan 11 sehr deutlich zeigt. Das vierte Reich von Dan 2 ist also nicht das römische Reich (das Römerreich war von Anfang an ein einiges Reich), sondern das ptolemäisch-seleukidische Reich, das geteilte Griechenreich also. Nach Antiochus IV verfiel das griechische Reich zusehends. Danach kam der Messias! So folgt auf das vierte Reich das ewige messianische Königreich.
Die Zeit, auf die sich die Prophetie bezieht (in Dan genannt die „Zeit des Endes“, vgl. 8,17.19.23; 11,35.40; 12,4.6.9, bzw. „Ende [o.: Späte] der Tage“, Dan 10,14), ist die große Bedrängniszeit des Gottesvolkes unter Antiochus IV (167–164 v. Chr.); sie dauerte dreieinhalb Jahre, bzw. „Zeit, Zeiten, halbe Zeit“ (Dan 7,25 und 12,7) bzw. „1290 Tage“ (12,11; zum Begriff „Gräuel der Verwüstung“ vgl. 11,31 und 8,11–13 und 9,27) bzw. „eine halbe Woche“ (Dan 9,27). Vgl. die Daniel-Auslegung von Thomas Jettel und vor allem Moses Stuart, Commentary on the Book of Daniel (www.archive.com).
Daniel spricht nicht über dieselbe „Zeit“ wie Off. Das vierte Königreich in Dan 7 ist auf Antiochus IV und sein Seleukidenreich bezogen. Zwischen den „zehn Hörnern“ bei Dan 7 und denen bei Off 17 gibt es sehr große Unterschiede.
→ Wir lernen: Die dreieinhalb Jahre sind bei Daniel buchstäblich aufzufassen und auf die Zeit von 168 v. Chr. bis Ende 165 v. Chr. bezogen. Ebenso handelt es sich bei Elia um eine buchstäbliche dreieinhalbjährige Bedrängniszeit Israels (Lk 4,25; Jk 5,17). Dieses alttestamentliche Motiv jener dreieinhalb Jahre wird in den K. 11–13 in der Off aufgegriffen und auf die große Bedrängniszeit des neutestamentlichen wahren Gottesvolkes in Israel bezogen. Sie geht parallel mit der Zeit der Bedrängnis der Heiligen durch den Drachen (K. 12) und durch das Tier (K. 13) und mit der Zeit der Weissagung der „zwei Zeugen“ (11,3ff).

Die Zeitangaben in K. 11-13
Die Zeitangaben in Off 11,2.3; 12,6.14; 13,7 („42 Monate – 1260 Tage – Zeit, Zeiten, halbe Zeit“). Sind sie bildhaft oder buchstäblich aufzufassen? Einige Überlegungen:
1) Die Angaben sind eine Anspielung an die schwere Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus Epiphanes (Dan 7,25; 8,10.13; 9,25-27; 11,31; 12,7.11). Es ist offensichtlich, dass eine Beziehung zwischen der Bedrängnis, die auf die Heiligen jener Tage, an die der Brief geschrieben ist, zukommen sollte (Off 3,10), hergestellt werden soll und der Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus Epiphanes (168-165 v. Chr.) In Asia tobte die Christenverfolgung in den Jahren 65–70 v. Chr.
2) Alle fünf Zeitangaben kommen in Visionen vor, nicht in Klartexten (d. h.: Erklärungstexten). Das heißt aber nicht, dass die Zeitangaben Jahrtausende von Jahren darstellen. Das würde nicht zum Buch Daniel passen. Die Angaben im Buch Daniel waren eine große Hilfe für jene Heiligen zur Zeit der Makkabäer. Ebenso hier. Nur dann, wenn die Zeitangaben in etwa tatsächlich so lange dauern wie angegeben, ist der Text eine Hilfe für die Briefempfänger. Außerdem wird diese verhältnismäßig kurze Zeit (42 Monate, 1260 Tage, dreieinhalb Jahre) von Off 11-13 in Bezug gesetzt zu den langen „tausend Jahren“ in Off 20.
3) Die Tatsache, dass Johannes auf Patmos war und Antipas getötet worden war und Symrna und Philadelphia vor einer großen Prüfungszeit standen (die nach 3,10 im gesamten röm. Reich zu kommen im Begriffe war), zeigt, dass der Brief eine Ermutigung und ein Aufruf zum Durchhalten für jene ihre Zeit gedacht war. Die Zeitangaben müssen sich auf die Bedrängniszeit in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems beziehen.
4) Die Off ist ein Brief des Johannes an die damaligen sieben Gemeinden in Asia; sie ist nicht direkt an die Christen des 21. Jahrhunderts gerichtet. Aber wir können praktische Ableitungen daraus ziehen. Wir können die dort dargelegten Prinzipien und Lektionen, die wir aus den Texten lernen, für uns anwenden.
b. Die zwei Zeugen: Off 11,3–13
Einleitendes
Der nun folgende Abschnitt (11,3–13), reflektiert das tragische Ereignis des Todes des Herrn in Jerusalem und die Verwerfung seiner Botschafter in Jerusalem. Wie ihr Herr aus dem Tode erstand und in den Himmel fuhr, so stehen auch die getöteten Zeugen auf und fahren in den Himmel – öffentlich, sodass sogar die Feinde sie zu sehen bekommen und sich fürchten (11,11–13).
Wird während der schweren Bedrängniszeit des Gottesvolkes das Zeugnis Gottes im Land und in der Stadt erhalten bleiben? Wenn ja, wie? –Nicht durch Heer, nicht durch Kraft, sondern durch Gottes Geist. (Vgl. Sach 4,4).

Zwei Zeugen warnen das Volk während der gesamten Zeit der damaligen Bedrängnis.
Johannes spricht seine Zeitgenossen an, diese Dinge, die ihm geoffenbart wurden, werden „in Kürze“ geschehen (Off 1,1). Es geht um die Zeit der Heiligen von damals; es wird den Lesern gesagt, dass sie einer großen Prüfungszeit entgegengehen (3,10), die über den gesamten Imperium (o.: Festland; griech. oikoumenee) ergehen wird. Der Zielpunkt – nach der Zeit der großen Bedrängnis – ist die Ankunft Christi zum Gericht über das alte Jerusalem und über die Toten (11,18) sowie die Errichtung eines neuen Jerusalems, des ewigen messianischen Königreiches im Himmel (11,15).

Die V. 3–13 gehören inhaltlich mit dem Abschnitt 11,1.2 zusammen.
Die V. 3–10 sind direkte Rede des Engels. V. 11–13 sind Bericht dessen, was Johannes sieht.

Beobachtungen
Bezeichnungen der zwei Zeugen
Zwei Zeugen.
Zwei Ölbäume: Sie sind gesalbt mit dem Heiligen Geist.
Zwei Leuchter – wie die sieben Leuchter (K. 1–3)
Propheten (V. 3), ähnlich wie Elia, der zu einer Zeit lebte, als der Großteil des Volkes Götzendiener waren.
Ihr Herr ist Jesus Christus (V. 8);
Vgl. die Bezeichnungen in 11,18 treffen auch auf sie zu: Heilige = Propheten = Knechte Gottes = Gott Fürchtende.

Parallelen zur Zeit Elias
Die dreieinhalb-jährige Zeit großer Bedrängnis der Propheten Gottes unter Isebel.
Die zwei Zeugen als Bußprediger, mit Sack bekleidet, wie Elia (und wie Johannes der Täufer, der im Geist Elias auftrat).
Die Dauer ihres Wirkens, 1260 Tage, in denen kein Regen fiel (V. 6), ist parallel zur Trockenzeit in Israel zur Zeit Elias (Lk 4,25; Jk 5,17).
Die Verfolgung der Propheten durch die Regierenden, 1Kön 18.
V. 4: „Der Gott, vor dem ich stehe“, wie Elia, 1Kön 17,1ff.
V. 5: „Feuer verzehrt ihre Feinde“, wie bei Elia, 2Kön 1,10–12; Lk 9,54.
V. 6: Sie verschließen den Himmel, wie es zur Zeit Elias auf sein Gebet hin geschah, Jk 5,16-18; 1Kön 17,1; 18,1
V. 7: Das Tier tötet die Heiligen, führt Krieg gegen Jesu Zeugen (13,7), wie Isebel gegen Elia und die Propheten; vgl. a. die Erwähnung der Isebel in Off 2,20.
V. 10: Sie quälten – wie Elia, nach den Aussagen Ahabs, Israel ins Unglück stürzte, 1Kön 18,17f.
V. 11.12: Geist des Lebens kommt in sie – wie damals in den Jungen der Witwe, 1Kön 17,21.22.
V 12: Große Furcht fällt auf die Feinde, wie damals, 1Kön 18,39.
V. 13: 7000 werden getötet. Bei Elia war es umgekehrt: 7000 blieben übrig, Rm 11,1ff.; 1Kön 19,18.

Die Parallele zum Auszug (Exodus) der Israeliten unter Moses
V. 6: Wasser wird in Blut verwandelt, wie bei Mose, 2Mo 7 (vgl. Off 16,3ff); das Wort „Plage“ (ebenso in Off 16,3ff) erinnert an die Plagen Ägyptens, 2Mo 7-11.
Das Exodus-Motiv kommt übrigens mehrmals in der Off vor:
Vgl. das Schlagen des Landes mit Plagen (Off 8 und 16) und die Flucht der Frau in die Wüste (Off 12):
12,6: Ihre tagtägliche Ernährung in der Wüste (vgl. das tägliche Manna): „Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.“
12,14: Und der Frau wurden [die] zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihre Stätte flöge, dorthin, wo sie ernährt wird für eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, weg vom Angesicht der Schlange. (Vgl. 2Mo 19,4: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“)
Vgl. das Stehen der Erlösten jenseits des Meeres (Off 15):
15, 2.3: „Und ich sah [etwas] wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt, und die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von seinem Malzeichen her, von [der] Zahl seines Namens; [ich sah sie] am gläsernen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie. 3 Und sie singen das Lied Moses …“
13,1 und 12,1: Tier und Drache/Schlange erinnern auch an das „Seeungeheuer“ Ägypten (vgl. Ps 74,213.14; Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3), aus welchem Israel ausgezogen ist.

Die Feinde
Die Feinde sind die, die das Land verderben, vgl. Off 11,18 mit 19,2: die Hure Jerusalem verderbte das ganze Land. Sie wohnen in der großen Stadt, d. h.: in Jerusalem.
Die Feinde sind vor allem der Drache von K. 12 und das „Tier“ von K. 13.

I: Die zwei Zeugen: 11,3E.4

Zwei
Die Zweizahl: Warum zwei? Die Zeugen Jesu wurden zu zweit ausgeschickt. Lk 10,1. Andere Bspe: Moses und Aaron, Elia u Elisa, Serubabel u Josua.
„Auf zweier oder dreier Zeugen Mund“ (Joh 8,17; 5Mo 17,6; 19,15; 4Mo 35,30; Joh 5,30–33; Mt 18,16);
Öl ist ein Bild für den Heilige Geist; das „Leuchten“ ist ein Bild für die Zeugniskraft.
Bußprediger
„… mit Sacktuch umkleidet“: Sacktuch ist Prophetenkleidung der Bußprediger, s. Mt 3,4; Jes 20,2; Sach 13,4.
Zwei Ölbäume
V. 4: „Diese sind die zwei Ölbäume und [die] zwei Leuchter, die vor dem Gott der Erde (o.: des Landes) stehen.
Die bilderreiche Sprache fällt auf.
Parallelen: Sach 4,3.11.14; 1Kön 17,1
Der Ölbaum hat das Öl in sich, ebenso wie jeder Gesalbte des Herrn. Jeder Nachfolger Christi ist gesalbt (2Kor 1,22; 1Petr 4,14; 1Joh 2,20.27).
Wie Josua und Serubabel verwendet wurden, um den Tempel und die Gemeinde des alten Bundes damals aufzubauen, so werden die zwei Zeugen verwendet, um den geistlichen Tempel und die Gemeinde des neuen Bundes in Palästina aufzubauen.
Zwei Leuchter (Zwei Zeugen)
Sie sind Leuchter – wie jeder Christ auch. Sie leuchten als Zeugen Gottes dort, wo Gott sie hingestellt hat.
Ihr Zeugnis wird unterstrichen …
(1) durch ihre Kleidung: Sacktuch (Bußgewand); d. h., sie bringen eine Bußbotschaft, sie rufen zur Umkehr; Prophetendienst bed. u.a. zur Umkehr zu rufen. Insofern sind alle Christen Propheten und Bußprediger.
(2) durch ihre Vollmacht: Sie tun Wunder, rufen Plagen hervor, bestimmen Regen/Dürre.
(3) durch ihre Ähnlichkeit mit Mose und Elia: Sie sind wie Elia, aber sie sind nicht Elia! Sie sind auch wie Mose, aber sie sind nicht Mose.
Plagen: Parallele zu Mose. Er stand gegen eine erdrückende Macht (Pharao); vgl. 5Mo 18,15.18.
Dreieinhalb Jahre Dürre: Parallele zu Elia. Er stand gegen eine erdrückende Macht (Isebel, abgefallenes Israel); vgl. Mal 3,24.
„die vor dem Gott der Erde stehen“ V. 4E:
D. h.: Sie hören allein auf Gott. Die Sprache ist aus Sach 4,14. Vgl. 1. Kg. 17,1.

Zusammenfassung
Die Zeit ihres Weissagens (3,5 Jahre) deckt sich mit der Zeit der Zertretung Jerusalems durch die Heiden, die eine Terrorherrschaft in Jerusalem errichteten. –
Das aus dem Abgrund aufsteigende Tier führt gegen sie Krieg.
Sie sind Propheten, weil sie Gottes Wort verkünden, das in ihrem Munde wie Feuer ist
Sie sind die Zeugen Gottes in Jerusalem (vmtl. Inkl. Umgebung).
Sie haben direkten Zugang zu Gott, der über das Land Warngerichte schickt (Dürre, Tod, Plagen) – „so oft sie wollen“ (d. h.: sooft sie dafür beten – wie Mose und Elia dafür beteten. Mose betete vor Pharao und Gott sandte Plagen; Elia betete für Trockenzeit, und Gott reagierte. Jk 5.)
Sie stehen vor Gott, hören nur auf ihn, beten und bekommen von ihm die Kraft (Salbung – mit Öl, d. h. mit dem Heiligen Geist)
Sie sind unsterblich, bis ihr Auftrag erfüllt ist. V. 7. Ihr Auftrag ist erfüllt, wenn die (symbolträchtigen) 1260 Tage ihrem Ende entgegen gehen.

→ Wir lernen: Gottes Wort – ein Bußruf und eine Gerichtsandrohung, kommend aus dem Mund des Propheten.
Das Gerichtswort trifft ein. Gottes Gericht fällt auf Menschen, die rebellieren. Nicht auf alle sofort. Das treue Gottesvolk muss Geduld üben und warten, soll dabei aber emsig zeugen – wie Christus das treue und wahre Zeugnis bekannt hat:
Joh 18,37: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, damit ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“
1Tim 6,13: „… Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das edle Bekenntnis bezeugte …“

II: Die Dauer ihres Weissagens: 11,3
Die Zeit der Zeugen ist auf den Tag genau bemessen:
V. 3: „Und ich werde meinen zwei Zeugen geben, und sie werden eintausendzweihundertsechzig Tage weissagen, mit Sacktuch umkleidet.“
Wir beachten die chiastische Anordnung der Zeitbegriffe in den K. 11-13:
A. 11,2 – 42 Monate (negativ: Zertretung/Niedertretung)
B. 11,3 – 1260 Tage (positiv: Weissagung/Zeugnis)
C. 11,9 – 3 ½ Tage
C. 11,11 – 3 ½ Tage
B. 12,6 – 1260 Tage (in V. 14 wiederholt als „Zeit, Zeiten, halbe Zeit“) – aufgegriffen von 11,3 (positiv: Ernährung)
A. 13,5 – 42 Monate – aufgegriffen von 11,2 (negativ: Verfolgung/Tötung)

„… eintausendzweihundertsechzig Tage“:
Die Zeitangabe ist parallel zu 11,2 („42 Monate“) – in Anspielung auf die alttestamentliche Bedrängniszeit des Gottesvolkes in der Zeit Isebels, die die Propheten Gottes verfolgte (Vgl. V. 3: Dürre, Hunger, Verfolgung, Lk 4,25; Jk 5,17).
Eine weitere Parallele im AT findet sich in der Prophezeiung des Kommens des Antiochus IV Epiphanes nach Jerusalem im Jahr 168 v. Chr. (Dan 7,25; 8,10–14; 11,31–33; 12,7.11). Auch Josephus Flavius spricht davon, dass der Opfergottesdienst im Tempel für die Zeit von „drei Jahren und sechs Monaten „ausgesetzt wurde.
Es ist die Zeit, in der das aus dem Abgrund aufsteigende Tier die Heiligen verfolgt (13,7).
Die Zeit der Zeugen ist auf den Tag genau bemessen. Das ist ein großer Trost.

III: Ihre Vollmacht: 11,5–6
V. 5: „Und wenn jemand ihnen Schaden zufügen will, geht Feuer aus ihrem Munde und verzehrt ihre Feinde. Und wenn jemand ihnen Schaden zufügen will, muss er so getötet werden.“
Vgl. 2Kön 1,10.12; Ps 18,9; Jer 1,10; 5,15; 23,29; 4Mo 16,28.35.
Man beachte die bildhafte Sprache. Das Wort Gottes ist wie Feuer im Mund des Verkünders:
Jer 5,14: „Weil ihr dieses Wort redet,– siehe!– mache ich meine Worte in deinem Mund zu Feuer und dieses Volk zu Holz, und es wird sie verzehren.“ – Bei Jeremia ging es, wie Off 11, ebenso um das nahe bevorstehende Gericht über Jerusalem.
vgl. Off 1,16. Schwert aus dem Mund. Ps 18,8.9.
Feuer vom Himmel. Vgl. 2Kön 1; 4Mo 16,35

Kein Regen Off 11,6
V. 6: Diese haben Vollmacht, den Himmel zu verschließen, damit kein Regen falle in den Tagen ihres Weissagens.“
Vgl. Jk 5,17
Zeitliche Gerichte Gottes – aber von ihnen angekündigt. Es wird nicht gesagt, dass sie ständig oder immer wieder Feuer vom Himmel fallen lassen. Es wird lediglich gesagt, dass sie diese Vollmacht haben. Vollmacht haben sie, weil sie im Namen Christi beten. Gott offenbart ihnen, was er zu tun wünscht (z. B. Katastrophen als Warnung vor Gottes Gericht), Sie beten. Und Gott schickt zeitliche Gerichte.
Wasser in Blut und andere Plagen
V. 6M: „Und sie haben Vollmacht über die Gewässer, sie in Blut zu verwandeln, und [Vollmacht], das Land mit jeder Plage zu schlagen, so oft, wie sie wollen.“ (Vgl. 2Mo 7,20; Ps 105,26–36.)
Es war eine große Bedrängniszeit des Volkes Gottes. Mose war zusammen mit Gottes Volk gegen eine erdrückende Macht von Ungläubigen aufgestanden. Ebenso die Christen von Asia: Sie waren sieben Leuchter.
Hier in Off 11 sind „zwei Leuchter“, Leuchter wie Smyrna und Philadelphia. Die Treuen befinden sich in der großen Bedrängnisszeit, hören aber nicht auf „Leuchter“ (Zeugen) zu sein.

IV: Ihre Tötung: 11,7–10
V. 7: „Und wenn sie mit ihrem Zeugnis fertig sein werden, wird das Tier, …“
Vgl. 17,8; 13,1.7
11,7: Zeitenwechsel ist in der Off üblich. (Auch sonst im NT.)
Gottes Diener sind unsterblich, bis ihr Auftrag erfüllt ist. Sie sollen aber treu sein bis zum Tode. Es geht letztlich um einen Kampf gegen den Satan.

„… wird das ‹wilde› Tier, das aus dem Abgrund aufsteigende, mit ihnen Krieg führen und sie überwinden und sie töten.
Der Abgrund bedeutet auch, dass es eine Abgrenzung gibt. Gott setzt dem Feind Grenzen.

Wer ist das Tier? Johannes nimmt an, die Leser kennen dieses Tier. Das Tier ist und wirkt in Jerusalem (und Umgebung), nicht in Rom. (Nb: Das Tier ist nicht der Antichristus, s. 1Joh 2,18ff; 4,1-4 und 2Joh 7.).
Das Tier wirkt in Jerusalem und Palästina.
Die Heuschrecken und der Abbaddoon kommen auch aus dem Abgrund. Vgl. 9,13ff.
Das Tier kommt aus dem Abgrund, womit gezeigt wird, dass es von dort – von dem großen „Verderber“, dem Drachen, gesandt und ausgerüstet ist.
Das Böse ist „von unten“ (Joh 8,23.44). Die Juden, von dem Satan verleitet, verfolgten die Christen und töten sie.

V. 8: „Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die in geistlicher [Hinsicht] ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt, wo auch unser Herr gekreuzigt wurde.“
Die Leichen der Zeugen Jesu liegen auf den Straßen der großen Stadt. Die Leichenschändung drückt die tiefe Verachtung aus.
Die große Stadt heißt Sodom: Die Heiligen litten darin. Gott rief sein Volk (Lot) auf, herauszugehen, und führte sie schließlich heraus, ehe das Gericht kam. Sodom verachtete den gerechten Lot, Ägypten unterdrückte das erwählte Gottesvolk (Apg 7,39; Hes 23,8). Die „große Stadt“ erhält wegen ihrer Verwerfung des Messias die Namen „Sodom“ (geistlicher Ehebruch: Jes 1,10.21; 3,9; Jer 23,14; Hes 16,46.49; 5Mo 29,32), das auf Gottes Gericht wartet. Sie achtete nicht auf das gerechte Zeugnis der „Gerechten“ in ihrer Mitte.
Die große Stadt heißt Ägypten: Das Gottesvolk litt darin. Gott rief sein Volk auf, herauszugehen, und führte sie schließlich heraus, ehe das Gericht kam. Sie heißt „Ägypten“, weil sie Gottesvolk unterdrückte. Aus dieser Stadt führt der Herr sein Volk heraus (Off 18,4), wie damals unter Mose. Auf sie selbst aber warten schreckliche Plagen (Off 16,9.21; 18,4.8).
Die große Stadt heißt auch Babylon (Off 14,8; 16,19; 17,5; 18,2.10.21): Das Gottesvolk litt darin. Aber Gott ließ den Ruf ergehen: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk!“ (Jer 51,45; vgl. 51,6.9; Jes 52,11), ehe das Gericht über Babel ergeht. Ebenso ist es mit der „großen Stadt“: Off 18,4. (S. die Textauslegung zur Stelle.)
Jes 1,10: „Hört das Wort Jahwehs, Vorsteher von Sodom; horchet auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra!“ – Israel ist das Volk von Sodom.
1,21: „Wie ist zur Hure geworden die treue Burgstadt!“ – Jerusalem ist die große Stadt, die große Hure. Vgl. Hes 16.
3,9: „Der Ausdruck ihres Angesichts zeugt gegen sie; und von ihrer Sünde reden sie offen wie Sodom, sie verhehlen sie nicht. Wehe ihrer Seele, denn sich selbst bereiten sie Böses.“
Jer 23,14: „Aber an den Propheten Jerusalems habe ich Schauderhaftes gesehen: Ehebrechen und in der Lüge Wandeln, und sie stärken die Hände der Übeltäter, auf dass sie nicht umkehren, ein jeder von seiner Bosheit; sie sind mir allesamt wie Sodom geworden, und seine Bewohner wie Gomorra.“
Hes 16,46: „Und deine größere Schwester ist Samaria mit ihren Töchtern, die zu deiner Linken wohnt; und deine Schwester, die kleiner ist als du, und die zu deiner Rechten wohnt, ist Sodom mit ihren Töchtern.“ – Die Hure tötete den Herrn Jesus Christus. Sie wollten sein Königtum nicht. „Wir haben keinen König, …!“
Wie ihr Herr, so die Seinen: Sie werden getötet. „Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten“ (Mt 23,37; Lk 13,34).

„… die in geistlicher [Hinsicht] ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt“: „Geistlich“, d. h., entsprechend ihrem moralischen und religiösen Charakter.
Damit kein Zweifel bleibt, welche Stadt gemeint ist, wird hinzugefügt, dass dort der Herr der zwei Zeugen gekreuzigt worden ist.
Die „große Stadt“, das alte Jerusalem: Off 11,8; Jer 22,8, genannt „Babylon“: Off 14,8; 16,19; 17,18; 18,10; 16.18.19.21.
Die „heilige Stadt“, das alte Jerusalem: Off 11,2; Neh 11,1.18; Jes 48,2; 52,1; Dan 9,24; Mt 4,5; 27,53.
Die „heilige Stadt“, das neue Jerusalem: Off 21,2.10; 22,19.
Die „große Stadt“, das neue Jerusalem: Off 21,10 (Byz. Text: „Und er trug mich im Geist fort auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, wie sie niederkam aus dem Himmel von Gott.“)

V. 9: „Und [Menschen] aus den Volksgruppen und Stämmen und Sprachen und Völkern …“
Gemeint sind die Juden und Proselyten und Gottesfürchtigen aus allen „Völkern“, die, vor allem zu den Festzeiten, in Jerusalem waren. Vgl. Apg 2,5: „Es waren in Jerusalem wohnhaft Juden – gewissenhafte ‹und gottesfürchtige› Männer – aus jedem der Völker unter dem Himmel.“
Jerusalem ist die große Hure, die „an den vielen Wassern“ sitzt (Off 17,1). Die „vielen Wasser“ sind „die aus den Völkern“, die Diasporajuden: „Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen“ (17,15).
Ein Israel, das den Herrn verlässt, wird zum Heidenvolk (Vgl. Hes 2,3 „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter waren von mir abtrünnig bis zu ebendiesem Tag.“). Vgl. auch Ps 2,1 („Warum empören sich [die] Völker und sinnen Vergebliches [die] Volksstämme“) mit Apg 4,25-27 („… der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: ‚Warum empörten sich die Völker und unternahmen Vergebliches die Volksscharen? 26 Es traten an die Könige des Landes [o.: der Erde], und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit den Völkern und Volksscharen Israels, …“).
Hier sind die Diaspora-Juden aus den Volksscharen, Stämmen, Sprachen, Völkern (Apg 2,5) erwähnt. Sie alle waren während der Festzeiten in Jerusalem. Sie waren auch in Jerusalem, als Titus die Stadt belagerte. Der Begriff „die aus den Völkern /bzw. „die aus den Volksscharen, Stämmen, Sprachen, Völkern“ ist nicht global zu verstehen. Es geht um das abgefallene Bundesvolk Gottes, es geht um die Hure Jerusalem und ihr Volk, einschließlich die Diasporajuden im römischen Reich.

„… werden ihre Leichname sehen drei Tage und einen halben Tag lang.“
Diese zwei Zeugen teilen Jesu Auftrag und Jesu Leiden. So sehr sind sie ihrem Herrn ähnlich und so sehr mit ihm verbunden! Und so oft haben sie von seiner Auferstehung gesprochen und vom himmlischen Königreich, in welches er die Seinen bringen wird.
Das Licht der beiden „Leuchter“ erlischt, wird ausgelöscht durch ein grässliches Biest (Tier), das hier in der Off das erste Mal erwähnt wird. Und das Schreckliche ist – der Himmel schweigt.
So war es bei ihre Herrn, Jesus Christus, auch. Er kam – als treuer und wahrhaftiger Zeuge, ein Licht. Sie löschten das Licht aus – und der Himmel schwieg, damals am Kreuz, als die Finsternis kam: Gott griff nicht ein.
→ Wir lernen: Die toten Zeugen reden noch (Hebr 11,4), obwohl ihr mündliches Zeugnis verstummt ist. Gott schweigt nicht.
(Bei so manchem Zeugen Jesu könnte die Frage aufkommen: Warum schweigt Gott? Vgl. Off 6,9. Ist die Macht des Heiligen Geistes als doch nicht die höchste Macht im Universum? – Die Antwort wird u. a. hier in Off 11 gegeben.)

„… drei Tage und einen halben Tag“
Das ist jüdische „Inklusiv-Zählung“: Der erste Tag ist der Tag, an dem sie getötet werden, am zweiten und dritten Tag liegen sie tot, dann folgt ein halber Tag; d. h., man wartet einen Tag länger als bei Christi Auferstehung.
Wer weiß, vielleicht erinnerten sich die Juden an die große Pleite vor einigen Jahrzehnten, als der Nazarener starb und das Grab nach drei Tagen leer war. Vielleicht sagten sie sich: „So etwas darf nicht wieder geschehen“. Diese Zeugen (in der Vision hier) werden jedenfalls nicht beerdigt. Vielleicht will man will nicht, dass sie am dritten Tag aus dem Grab verschwinden – wie der Herr, dem sie so sehr ähnelten. – Letztlich können wir den Grund nicht wissen.

„Und sie werden nicht zulassen, dass ihre Leichname in Gräbern beigesetzt werden.“
Eine letzte Entehrung! Ihre Leichenschändung ist es eine starke zeichenhafte Beschreibung für die Verachtung durch die Juden

V. 10 „Und die, die auf dem Land wohnen, werden sich über sie freuen und fröhlich feiern und sich gegenseitig Geschenke schicken, weil diese zwei Propheten, die quälten, die auf dem Land wohnten.“
„… die auf dem Land (griech. gee) Wohnenden“: Das griech. Wort für „Erde“ (gee) sollte hier wohl mit „Land“ übersetzt werden. (Vgl. den häufigen Ausdruck „Bewohner des Landes“ in Jes, Jer, Hes.) Es kann sich nur um das Land Israel (Jerusalem und Palästina) handeln; es kann nicht die gesamte Bevölkerung der Welt oder des römischen Reiches gemeint sein. Diese hatten nichts mit Jerusalem zu tun. Und wie hätten alle Menschen des römischen Reiches in jenen 1260 Tagen von den zwei Zeugen geplagt werden können! Außerdem kann in so kurzer Zeit (2 Tage) nicht das gesamte römische Reich vom Tod der zwei Zeugen erfahren. (Fernsehen, Internet und moderne Technik darf nicht vorausgesetzt werden, denn der Brief ist an die Christen im 1. Jhdt. geschrieben, und zwar so, dass sie ihn verstehen konnten; sie verstanden ihn.)

„quälten“: Vgl. 1Kön 18,17.18 („ins Unglück stürzen“). Sie quälten die Menschen nicht physisch, auch nicht psychisch. Aber die Ungläubigen deuten ihr Auftreten und Predigen als ein „Quälen“. Das ist der Ausdruck ihrer eigenen Intoleranz gegen Gottes Volk und Gottes Wort. Es ist aber eine Verdrehung; denn es war kein Quälen, sondern die Propheten sagten die göttliche Wahrheit. Doch die Welt empfand das Hören der Wahrheit Gottes und der Predigt vom nahenden Gericht Gottes als eine Qual und achteten die Zeugen als Übeltäter. Als Übeltäter wurden sie denn auch hingerichtet.

„werden sich gegenseitig Geschenke schicken“: Geschenke schicken – ein Ausdruck großer Freude, vgl. Neh 8,10–12; Est 9,19–23.

Ergänzung:
Wie Josua und Serubabel verwendet wurden, um den Tempel und die Gemeinde des alten Bundes damals aufzubauen, so werden die zwei Zeugen verwendet, um den geistlichen Tempel und die Gemeinde des neuen Bundes in Palästina aufzubauen.
Zwei Leuchter (Zwei Zeugen)“
Zwei Säulen: Und er richtete die Säulen auf vor der Halle des Tempels. Und die er zur rechten Hand setzte, hieß er Jachin, und die er zur linken Hand setzte, hieß er Boas.
Jachin: Er wird errichten. Boas: Schnelligkeit

V: Ihre Auferstehung und Aufnahme in den Himmel: 11,11–13
„Und nach den drei Tagen und dem halben [Tag] kam der Geist des Lebens von Gott auf sie, und sie standen auf ihren Füßen (o.: stellten sich auf ihre Füße).“
„… auf ihre(n) Füße(n)“: Der Bibelkundige muss unwillkürlich an Hes 37,10 denken: „Und der Odem kam in sie und sie lebten. Und sie stellten sich auf ihre Füße“.
Gott rechtfertigt seine treuen Zeugen, lässt ihnen Recht widerfahren, stellt sich zu ihnen, beglaubigt sie – durch die Auferstehung und darauf folgende Himmelfahrt. Gott nimmt seine beiden treuen Zeugen (Märtyrer) zu sich.
Die Märtyrer gehen nicht in den Hades, sondern kommen direkt zu Gott und seinem Thron (Off 12,5.11; vgl. 2,26.27; 3,21; 19,14; 20,4).
Das Ganze ist natürlich ein Bild, nicht prophetische Geschichtsschreibung; aber dahinter steckte eine wichtige Lektion für die Christen, an die die Off gerichtet war.
Was das Bild aussagt, ist klar und braucht keine weitere Erklärung. Das mutige Zeugnis der Heiligen in Jerusalem wird von Gott belohnt. Er ehrt sie, indem er sie aus dem Tod direkt zu sich und zu seinem Thron holt (wie in 12,5.11), wo sie zusammen mit Christus regieren dürfen (3,21; 20,5).
→ Wir lernen: Es gibt also eine Auferstehung vor der Auferstehung, eine „Erst-Auferstehung“ bzw. „erste Auferstehung“ (vgl. 20,5). Selig zu preisen ist der, der daran Teil hat (20,6; vgl. die Seligpreisung in 14,13).

„Und große Furcht fiel auf die, die sie schauten.“
Ihre Auferstehung (nicht notwendiger Weise die Himmelfahrt) erschreckt die Jerusalemer! Sollten die Apostel doch Recht gehabt haben, als sie „mit Jesus die Botschaft der Auferstehung von den Toten verbreiteten“ (Apg 4,2)?
„Furcht fiel auf sie“ ist die hebräische Ausdrucksweise für „Schrecken fiel auf sie“ (s. z. B. Ps 9,21; Apg 19,17). Bekehrung war es keine, denn ansonsten würde in V. 14 nicht ein drittes „Wehe“ folgen.

Ihre Feinde schauten sie. Bei Elia sah es nur Elisa. Hier sehen es alle ihre Feinde in Jerusalem. Das erhöht die Ehre jener Getöteten – und die Furcht der Mörder. Zu fürchten haben sie sich, da Gott sie rächen wird. Den Vorgeschmack der Rache gibt es in V. 13.

V. 12: „Und sie hörten eine große, ‹laute› Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: ‚Steigt herauf.’ Und sie stiegen auf in den Himmel in der Wolke. Und ihre Feinde schauten sie.“
Diese Beiden erlebten eine Auferstehung und Himmelfahrt – wie ihr Herr.
→ Wir lernen: Gott schweigt nicht, und er wird nicht schweigen, auch in allen weiteren großen Bedrängnissen des Gottesvolkes nicht.

11,13: „Und in jener Stunde entstand ein großes Beben, und der zehnte Teil der Stadt fiel, und siebentausend Menschennamen wurden in dem Beben getötet.“

„… und siebentausend Menschennamen wurden in dem Beben getötet.“
Die „Siebentausend“ ist eine symbolträchtige Zahl: die Sieben (die Zahl der Fülle oder Vollkommenheit) mal ein Vielfaches der Zehn (die Zahl der Vielheit). Da in der Stadt – außerhalb der Festzeiten – üblicherweise etwa 70 000 Menschen wohnten, betrifft die hier angegebene Zahl ein Zehntel. Der „Zehnte“ zeigt an, dass Gott der Eigentümer von allem ist. Der Zehnte ist eine Symbolgabe; sie bedeutet, dass man weiß, dass dem Herrn des Himmels und der Erde (Off 11,4.13) alles gehört. Ihm gehören Himmel und Land (1Mo 14,1920; Ps 24,1) zu hundert Prozent. Deshalb gab Gottes Volk dem Herrn zeichenhaft und in demütiger Dankbarkeit den Zehnten, um daran erinnert zu werden, dass ihm alles gehört.
Wenn nun in Off 11 der zehnte Teil der Stadt fällt, bedeutet dieses, dass Gott sich nun seinen Zehnten zurückholt, der ihm vorenthalten worden war; sie hatten Gott nicht mehr sein Recht auf den gesamten Menschen zuerkannt.
In der Zeit Elias waren es 7000, die treu geblieben waren (1Kön 19,18). Hier sind es 7000, die gerichtet werden. Elia und seine treuen Nachfolger, die 7000 im AT, stehen symbolhaft für die Märtyrer, die in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems getötet wurden. Als Vergeltungsmaßnahme holt Gott sich 7000 Namen (Seelen) von Jerusalem, wo seine Leute getötet wurden, zurück.

„Namen“: Die Betonung auf „Namen“ könnte darauf hinweisen, das Gott – und die Bewohner von Jerusalem – ihre Namen kennen. Man weiß, wer diese waren. Sie verschwanden nicht einfach, sondern man weiß genau, wer nun tot ist. Die Furcht der Menschen hängt damit zusammen, dass sie wissen, dass Gott bestimmte Menschen tötete, die sie kannten.

„Und die übrigen gerieten in Furcht und gaben Herrlichkeit ‹und Ehre› dem Gott des Himmels.“
Die übrigen aus der großen Stadt geben Gott Ehre. „Sie fürchteten Gott“ bedeutet zwar nicht, dass sie sich bekehrten (sonst gäbe es keinen Grund für Gottes Gericht über Jerusalem in K. 16 und 18); aber diese Furcht ist eine ermutigende Frucht (vgl. Off 14,7). Das Zeugnis des verkündigten Wortes Gottes in Jerusalem erzeigt Wirkung. Das ist eine große Ermutigung für die treuen Christen, an die der Brief gerichtet ist, treu zu sein bis in den Tod.
Off 11,1-13 stellt eine Verbindung zur sechsten Plage (11,14) her. Die Hingabe der Heiligen bis in den Tod und zusätzlich das richtende Eingreifen Gottes durch das Erdbeben erzeigte große Wirkung – im Gegensatz zu Off 9,20.21.

Zum Erdbeben: Das Zehntel ist die Anzahlung für das Ganze. Die siebente Posaune ist noch nicht ertönt. Die Vollendung des Gerichts kommt erst. Hier wird bildhaft die Zerstörung Jerusalems angekündigt (ebenso wie in 11,15 das Königreich Gottes angekündigt wird).
Von ankündigenden Beben sprach auch der Herr Jesus Christus (Lk 21,11): „Auch große Beben an ‹verschiedenen› Orten und Hungersnöte und Seuchen werden sein. Auch Schreckensereignisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.“
Ein Erdbeben gab es übrigens auch nach dem Tod Christi (Mt 27,50–54) und ein weiteres bei der Auferstehung (28,2).

→ Wir lernen: Gerichtsschläge Gottes (Warngerichte) allein bringen Menschen meistens nicht zur Bekehrung (Off 9,20). In 10,4–7 sieht es so aus, als ob Gott eine weitere Siebener-Reihe (die 7 Donner) dazwischen schieben will, um die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Aber dann heißt es: „Schreib es nicht! Streichen wir das! Es hat keinen Zweck. Sie werden nicht Buße tun.
10,5-7: „Und der Bote, den ich auf dem Meer und auf dem Land stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel 6 und schwor bei dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, der den Himmel schuf und was darin ist und das Land und was darin ist und das Meer und was darin ist: Es wird nicht noch ein Zeitabschnitt sein, 7 sondern mit den Tagen der Stimme des siebenten Boten, wenn er sich anschickt zu posaunen, wird auch zu Ende geführt sein das Geheimnis Gottes, wie er es seinen Knechten, den Propheten, als gute Botschaft sagte!“
Gerichtsschläge Gottes (Warngerichte) allein bringen Menschen meistens nicht zur Bekehrung, aber Gerichtsschläge in Verbindung mit dem treuen Zeugnis der Zeugen Gottes bewirkt vieles. Es kann dahin führen, dass Menschen Furcht bekommen und ihm die Ehre geben.
Das gesamte Bild von Off 11 soll für die Zeugen Jesu jener Zeit eine Ermutigung sein, das Zeugnis treu bis zum Tod auszurichten. Vielleicht geben doch noch etliche Gott die Ehre und bekehren sich.

VII: Lehren aus Off 11
Es geht in Off 11 um das christliche Zeugnis des Gottesvolkes in Jerusalem knapp vor dem Gericht Gottes über Jerusalem (70 n. Chr.).
Kompetente beweiskräftige Zeugen, ausgerüstet mit göttlicher Vollmacht und Wundern als Beweismittel bezeugen das Evangelium gegen die verderbten Juden vor der Zerstörung Jerusalems in den letzten Tagen des jüdischen Äons:
Die zwei Zeugen könnten die treue Christenschar in Jerusalem bzw. Palästina repräsentieren. Das Bild ist eine Ermutigung und ein Aufruf an die Empfänger des Briefes, treu zu sein bis zum Tod.
Während der römischen Invasion blieb das Zeugnis der Heiligen fast bis zuletzt bestehen. Gottes Geduld zögerte die Zerstörung Jerusalems lange hinaus. Er schickte ihnen – wie zur Zeit Jeremias – bis zuletzt ein kräftiges Zeugnis und eine deutliche Warnung, durch das treue Zeugnis der Seinen.

Lektionen:
1. Gott hat immer noch fähige Zeugen, wenn Jerusalem knapp vor der Zerstörung steht.
2. Diese Zeugen werden verfolgt und getötet. Dennoch bleibt sicher: Die Sache des Evangeliums (und der Heiligen) triumphiert. Die Juden müssen darüber Gott die Ehre geben. Der Krieg des Feindes wird gegen Jesu treue Zeugen geführt, und es hat den Anschein, dass das Gottesvolk (die Zeugen) die Verlierer sind. Die zwei Zeugen werden zwar äußerlich vom Feind überwunden, aber in Wirklichkeit sind sie die Gewinner.
3. Die Juden, die die Zeugen töten, bringen Gericht über sich. Gott fordert von seinem Volk den „Zehnten“ ein: die „7000“, die ihre Knie vor dem geistlichen „Baal“ beugten.

VIII: Fragen
Handelt es sich um tatsächliche Historie?
Es geht hier um eine thematische Darstellung, nicht um einen historischen Bericht, von konkreten Zukunftsereignissen. Man sollte nicht die Frage stellen, wer diese zwei Zeugen (bzw. Leuchter) sind. (Möglicherweise stehen sie bildhaft für alle treuen Zeugen in Palästina. Wir wissen es nicht.); sondern wir sollten fragen: Was geschieht? Was wird hier dargestellt? Welche Botschaft wird hier vermittelt?
Wir haben hier eine Art „Vision“ bzw. eine Audition in stark bildhafter Sprache. Es geht nicht um eine Auflistung von konkreten historischen Ereignissen.
Das Bild von der Auferstehung und Himmelfahrt der Zeugen Jesu zeigt, dass Gott seine Zeugen, die ihm bis zum Tod treu bleiben und das Zeugnis treu ausrichten, rechtfertigen wird. Das Ende ist der Märtyrertod. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort.
Wie viele Christen getötet wurden, wissen wir nicht. Der Geschichtsschreiber Josephus Flavius war kein Christ, und er schrieb nicht inspirierte Geschichte. Er war voll von jüdischen Vorurteilen und schrieb für den Kaiser und zur Verherrlichung Roms. Wir wissen nichts über die Geschichte der neutestamentlichen Gemeinde Jesu in jenen Jahren. Aber wir haben die Worte unseres Herrn Jesus Christus. Er sagte, dass in jener Zeit die Christen so stark verfolgt würden wie nie zuvor (Mt 10,17–41; 24,9–29; Lk 21,12–16.)
Gemäß Eusebius flohen gewisse Christen nach Pella, als die Invasion durch die Römer begann. Allerdings stellt sich heraus, dass jene „Christen“ von denen Eusebius schrieb, „Ebioniten“ bzw „Essener“ waren, nicht echte Nachfolger des Herrn.
Es wird treue Zeugen im Land gegeben haben, die „in den letzten Tagen“ jenes Äons das Evangelium verkündeten und vor dem kommenden Gericht warnten.
Hingegebene Heilige, treue christliche Lehrer, wurden während der schweren Jahre 64–70 in Palästina und im ganzen römischen Imperium verfolgt, viele wurden getötet. Die jüdischen Feinde freuten sich, weil sie dachten, nun wäre das Christentum ausgelöscht. Doch die Sache der Heiligen kommt schließlich zu Ehren, und die Feinde müssen es miterleben und müssen sich verwundern und staunen.
→ Wir lernen: Diese Frage wird uns im Buch der Off immer wieder gestellt: Bist du bereit für Christus zu sterben? Bist du bereit treu nachzufolgen, koste es was es wolle? Diese Frage war in jener Zeit für die Christen von Asia knapp vor der großen Bedrängnis von entscheidender Bedeutung.

Sind mit den zwei Zeugen konkrete historische Persönlichkeiten?
Sie sind Zeugen Jesu. Sie sind wundertuende Verkündiger. Sie sind „die zwei Ölbäume“ (11,4) – wie der Hohe Priester Josua und der Fürst Serubabel, Führer des Volkes Gottes. Sie sind „gesalbt“, wirken mithilfe des Heiligen Geistes, wie Josua und Serubabel. Sie weissagen in Sacktuch, d. h., sie bringen eine Gerichtsbotschaft über die Stadt, rufen zur Umkehr auf. Sie haben viel gemeinsam mit Elia und einiges mit Mose. (Mose und Elia sind die Vertreter des Gesetzes und der Propheten.)
Sie sterben für ihren treuen Zeugendienst den Märtyrertod.
– Zwei spezielle Zeugen in Jerusalem besiegelten in den 60er Jahren ihr Zeugnis in Jerusalem mit Blut: Petrus und der Herrenbruder Jakobus. – Könnten mit den zwei Zeugen Jakobus und Petrus gemeint sein?
Was spricht dafür?
1) Jakobus, der „Gerechte“, prophezeite in Jerusalem treu bis zu seinem Tode. Gott wirkte Wunder durch ihn. Er wurde– gegen Ende der jüdischen Haushaltung – in Jerusalem ermordet. Nach dem Tod des Festus soll der Hohe Priester Ananus den Jakobus als Gesetzesbrecher angeklagt und ihn steinigen lassen haben. Das geschah, nach Hegesippus, im Jahr 69 n. Chr. (Anm. Hegesippus wird zit. bei Alfords Prolegomena zum Jakobusbrief; s. auch Eusebius, Hist. Eccles. 2,23; vgl. Philipp Schaff, Kirchengeschichte), nach Josephus im Jahr 62 (Anm.: Josephus, Ant., 20,9,1).
Petrus wohnte in Jerusalem, blieb dort (Apg 8,1; 11,2; 15,2.7–22; 15,33; Gal 1,17–19) bis zur Zeit des jüdischen Aufstandes gegen Rom. Natürlich unternahm er zwischendurch Reisen (z. B. nach Korinth und Kleinasien). Ob er je nach Rom kam, wissen wir nicht. (S. Karl Heussi: War Petrus in Rom?) Petrus war Judenapostel; vor allem leitete er (zusammen mit Jakobus und Johannes) die Gemeinde in Jerusalem; er gehörte zu den drei Säulen in Jerusalem (Gal 1,17 und 2; Apg 8,25).
Er gab Zeugnis vor dem Hohen Rat (Apg 4,8; 5,29), er wurde später in Jerusalem ins Gefängnis geworfen und wundersam befreit (Apg 12,3ff.) Er hatte eine enge Verbindung zu Jakobus (Apg 12,17; Gal 2) Mit dem in 1Pe 5,13 (ca. im Jahr 63) erwähnten „Babylon“ könnte Jerusalem gemeint sein. (S. die Besprechung zu Off 17.18.) Von dort sendet er Grüße von Mk, der in Jerusalem wohnte (1Petr 5,13; Apg 12,12). – Petrus starb, bald nach Verfassen des 2Petrusbriefes, den Märtyrertod, wie es der Herr in Joh 21 vorausgesagt hatte. Petrus schreibt (1Pe 4,17), dass das Gericht am Haus Gottes beginnen müsse, und schließt sich mit ein, indem er sagt: „… wenn zuerst bei uns“; das könnte heißen: bei uns hier in Jerusalem. Es geht nicht an, dass ein Prophet, wie Petrus es war, außerhalb von Jerusalem umkomme (Lk 13,33).
2) Jakobus war ein Vertreter des Gesetzes (Mose) und der Propheten (Elia); er könnte mit Elia, den Gerechten, assoziiert werden, Petrus, der Grundleger der Gemeinde, mit Mose. Petrus tat Wunder, die bestätigten, dass er ein Mann Gottes war.
Was spricht dagegen?
1) Der ganze Abschnitt ist höchst bildhaft; daher ist nicht anzunehmen, dass konkrete historische Persönlichkeiten gemeint sind, ebenso wie das „Tempelheiligtum“, das gemessen wird (V. 1.2.) nicht das materielle Tempelheiligtum ist.
2) Die Wirksamkeit von Petrus und Jakobus war eine relativ lange (30-62/65 n. Chr.). Das passt nicht zur relativ kurzen Wirksamkeit der beiden Zeugen während der großen Bedrängniszeit (64-69/70 n. Chr.). Auch reichte das Leben von Petrus nicht weit in die große Bedrängniszeit hinein. Er soll nach Eusebius (u.a.) zu Beginn der neronischen Verfolgung (ca. 64 oder 65 n. Chr.) hingerichtet worden sein.
Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Petrus und Jakobus die zwei Zeugen darstellen. Die Tatsache, dass der gesamte Abschnitt ein Bild ist, spricht dafür, dass es sich bei den zwei Zeugen um das damals noch in Jerusalem übrige Gottesvolk handelt.

c. Ankündigung des dritten Wehe: Off 11,14
V. 14: „Das zweite Wehe ging vorüber. Siehe! Das dritte Wehe kommt schnell.“
Vorher hieß es: „Wann, Herr“ (6,9ff), danach „42 Monate“ (K. 11), danach „keine Aufschub (keine Frist) mehr“ (K. 10). Nun ist die Zeit gekommen (11,15). Mit dem Blasen der letzten (d. h.: der siebenten) Posaune ist das Geheimnis Gottes vollendet.
Die Zeit des Gerichtes ist gekommen (14,7.15). In 11,18 wird es als „gekommen“ angekündigt.

D. Das Blasen der siebten Posaune (Das dritte Wehe): 11,15-18
V. 15: „Und der siebente Bote posaunte.“
1. Ankündigung der Herrschaft Gottes: 11,15
„Und es entstanden große, ‹laute› Stimmen in dem Himmel, die sagten: „Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.“
Vgl. Dan 7,14.27.

„unseres Herr (d. h.: Jahwehs) und seines Gesalbten (d. h.: des Maschiach/Messias/Christus)“:
Vgl. Ps 2,2-6.9: „Es sind angetreten [die] Könige der Erde, und [die] Obersten haben sich zusammengesetzt gegen Jahweh und gegen seinen Gesalbten: 3 Lasst uns abstreifen ihre Fesseln und von uns werfen ihre Seile. 4 Der, der in den Himmeln thront, lacht. Der Herr spottet ihrer. 5 Dann redet er zu ihnen in seinem Grimm, und in der Glut seines Zorns schreckt er sie. 6 Und ich, ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berge. … Ps 2:9: Du wirst sie regieren mit eisernem Stabe, zerbrechen wie Töpfergeschirr.“
Mit der siebenten Posaune wird das Krönungslied gesungen. Der Herrschaftsantritt wird angekündigt (vgl. 1Kön 1,34.39; 2Kön 9,13). Posaunen begleiten die Verkündigung des Herrschaftsantritts des Königs:
Ps 98,6: „Mit Trompeten und dem Schall des Horns ruft laut vor dem König, Jahweh!“
4Mo 23,21: „Jubelrufe wie um einen König sind in seiner Mitte.“
Posaunen sind zusätzlich auch ein Alarmsignal, ein Aufruf zur Buße des Volkes im Angesicht des göttlichen Gerichtes (Jer 4,5; 6,1; Hes 33,3ff; Jes 58,1; Joe 2,1.15; vgl. Off 9,20; Jer 6,17).

Es wird angekündigt, dass der Messias mit dem Fall Jerusalems die „Reiche der Welt“ übernimmt. (Gemeint ist, dass dieses Ereignis nun in Kürze stattfinden wird.
Nach dem letzten Posaunenstoß (1Kor 15,51; 1Thes 4,17) wird die Vollendung des Königreiches Gottes verkündet.
Das Königreich Gottes wird mit dem Ende des alttestamentlichen sinaitischen Äons verbunden. Nun hat der Messias alle seine Feinde unter seine Füße getan (Ps 110), er hat das Königreich erobert, sodass nun der Vater der Höchste in jenem Königreich sei. Deshalb wird es offiziell dem Vater übergeben (1Kor 15,24–28).

Was hat der Herr über sein Königreich gelehrt? – Sein Königreich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36).
Inwiefern sind mit der Vollendung seiner Herrschaft alle Königreiche der Welt des Christus geworden? – Der Herr hatte seine Jünger gelehrt, dass Fleisch und Blut es nicht ererben können (1Kor 15). Es wird nicht im materiellen–diesseitigen Bereich errichtet.
Wie also werden „die Königreiche der Welt“ des Christus? Wie werden die Heiden einverleibt? Wie erbt (Ps 2,8) er sie? – Indem er Personen erbt, nicht materielle Ländereien! Die im Himmel (Engel), die auf Erden (die noch lebenden Menschen) und die unter der Erde (die verstorbenen Menschen im Hades) müssen ab nun ihre Knie beugen vor dem großen Richter Jesus Christus. (Vgl. Phil 2,9-11; Ag 17,31.)

2. Anbetung Gottes durch die 24 Ältesten: 11,16–18
V. 16: „Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an, ‹huldigten ihm›. 17 Sie sagten: ‚Wir danken dir, Herr, Gott, Machthaber über alles, der ist und der war und der kommt, weil du deine große Kraft an dich genommen hast, und du hast die Königsherrschaft angetreten.’„
Solche zwischen den Visionen stattfindende Lobsprüche der vierundzwanzig Ältesten und der vier Lebewesen ergehen siebenmal, und zwar dann, wenn etwas Wichtiges oder ein großes Ereignis geschehen ist:
• in 5,8ff., als das Lamm sich daran macht, das Buch zu öffnen;
• in 7,9ff., als die Knechte Gottes sicher am Ziel angelangt sind;
• in 11,15ff., als der König der Könige die Reiche der Welt in Empfang nimmt;
• in 12,10ff., als der Satan besiegt ist;
• in 14,2ff., als das Lamm siegreich mit den Seinen auf dem Zion steht;
• in 15,2, als die Überwinder am Meer stehen und die Vorbereitungen getroffen werden, das letzte Gericht auszugießen;
• in 19,2ff, als Babylon gerichtet ist und der Sieg gefeiert wird.

V. 18: „Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen, …“
Zorn 20,12; Lohn 22,12
Der Zorn Gottes ist die Antwort auf den Zorn der Menschen.
Die Juden sind in ihrem Widerstand gegen Gott und seinem Gesalbten, Jesus, (Ps 2,1.2) wie Heiden geworden (vgl. 1Mo 35,11; 12,2; Ps 33,12; Jes 1,4; 9,2; 26,2; 49,7).
Ps 2,1.2: „Warum empörten sich die Völker und sannen Vergebliches die Volksscharen? 2 Es treten an Könige des Landes (o.: der Erde), und Oberste haben sich zusammengesetzt gegen Jahweh und seinen Gesalbten.“
Apg 4,27.28: „… denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit den Völkern und Volksscharen Israels, …“
Das Gefüge „die Völker sind zornig geworden“ bezieht sich auf die rebellischen Juden, hier die jüdischen Christenverfolger.
Zum „Zorn“ vgl. Ps 2,11.12; die „Könige des Landes (o.: der Erde) in Ps 2,2 sind in Apg 4,2-27 die „Obersten des Landes“ (Pilatus und Herodes).

„Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen“
Nun ist Gottes Zorn (am Tag des Zorns; 6,17) gekommen. Die israelitischen „Völker“ sind eine begrenzte Schar von Menschen, nämlich die, die gegen Nachfolger des Messias vorgegangen sind. Gott rächt das Blut seiner Knechte an dem fleischlichen Israel und Jerusalem, der großen Stadt (vgl. 18,20: „… euer Gericht an ihr vollzog“; 19,2: „… er rächte“; Lk 21,23: „… Tage der Rache“; 18,7 „… verschaffe Recht“; Off 6,9–11: „… rächst“). Die Hure war trunken vom Blut der Heiligen und diese Hure hat mit den Königen des Landes (hier: Pontius Pilatus und Herodes) zusammengearbeitet, hat sie einbezogen im Kampf gegen Gottes Volk.
Vom „Zorn“ ist auch in Ps 2,10-12 die Rede: „Und nun, Könige, handelt verständig. Lasst euch unterweisen, Richter der Erde. 11 Dient Jahweh mit Furcht, freut euch mit Zittern. 12 Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn bald entbrennt sein Zorn. Selig alle, die Zuflucht nehmen bei ihm!“ Jene Regenten des Landes hätten sich bei dem „Sohn“ Gottes „bergen“ sollen. Nun kommt der Zorn des Lammes. Die Frist ist abgelaufen.
V. 18: „… und die Zeit der Toten, gerichtet zu werden, und [die Zeit], den Lohn zu geben deinen leibeigenen Knechten, den Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen.“
Nun ist die Zeit gekommen, da die Toten gerichtet werden. Das Gericht wird in 20,11-15 beschrieben.

„… und die Zeit der Toten, …“, d. h., die Zeit, da alle Toten (aus dem Hades) ins Gericht zitiert werden sollen.
„… und [die Zeit], den Lohn zu geben deinen leibeigenen Knechten, den Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, …“
Vier Bezeichnungen für ein und dieselbe Gruppe: „Leibeigene“ werden sie genannt, weil sie sich dem Herrn verschrieben haben; „Propheten“, weil sie Gottes Wort verkündet haben, „Heilige“, weil sie durch den Namen des Herrn Jesus und den Geist Gottes geheiligt worden sind (1Kor 6,11), und „deinen Namen Fürchtende“ weil sie in rechter Gottesfurcht gewandelt sind.

„… und um die zu verderben, die das Land verderben.“
„Das Land“, d. h.: die Menschen des Landes, vgl. 19,2; 6,8; 1Mo 6,11; Jer 51,25; 51,7.
Die Märtyrer werden belohnt, deren Mörder werden bestraft. Dieses alles wird hier angekündigt.
Die Zerstörer des Landes sind dieselben wie die in 19,2: „… weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei das Land verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, [forderte es] von ihrer Hand.“
Vgl. Lk 11,49-51: „Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und [einige] von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, 51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.“

3. Übergang: Öffnung des Heiligtums im Himmel 11,19
V. 19 „Und es wurde geöffnet das Heiligtum Gottes im Himmel, und es wurde gesehen die Lade seines Bundes in seinem Heiligtum. Und es entstanden Blitze und Stimmen und Donner und Beben und großer Hagel.“
Wie bei jedem Abschluss nach dem siebten Element werden hier wieder die „Blitze, Stimmen und Donner“ erwähnt. Hinzu kommen „Beben und großer Hagel“. – Vgl. das Gewitter des Gottes vom Sinai (2Mo 19). Wieder ein Exodus-Motiv!
Mehr noch: Nun wird das himmlische Heiligtum geöffnet, der geistliche Tempel. Der irdische Tempel vom Sinai war ein Muster der himmlischen Dinge (Hebr 8,1–5). Als Christus starb, riss der Vorhang, was symbolisierte, dass durch Christus der Zugang zum himmlischen Heiligtum frei gemacht werden sollte.
Nun steht Gottesvolk an der Schwelle des Neuen. Die alte Haushaltung vergeht, Neues wird von oben, von Gott, herabkommen (21,1.2).

Beim Gericht über Jerusalem, den Tempel und den irdischen Kultus (als alle zeremoniellen, rituellen, irdischen und vorläufigen Gottesdienstgegenstände vergingen) wurde der himmlische Tempel geöffnet und im himmlischen Tempel die Lade des Bundes sichtbar. Das Irdische und Zeitliche des Gottesdienstes vergeht und wird ersetzt durch das Himmlische und Ewige. Das Geistliche und Wahrhaftige (Joh 4) folgt auf das Bildhafte und Schattenhafte (Hebr 8).
Hebr 9,7–10: „… aber in das zweite [Zelt] geht einmal im Jahr alleine der Hohe Priester, nicht ohne Blut, das er darbringt für sich selbst und des Volkes [Sünden der] Unwissenheit, 8 womit der Heilige Geist dieses deutlich macht, dass der Weg ins Heiligste noch nicht offenbar gemacht ist, während das erste Zelt noch Bestand hat (d. h.: in der alttestamentlichen Haushaltung), 9 welches ein Gleichnis ist für die vorliegende Zeit (in der Israel zum Zeitpunkt des Schreiben lebte, also in der alttestamentlichen Haushaltung), gemäß der Gaben und auch Opfer dargebracht werden, die den, der den aufgetragenen Dienst tut, dem Gewissen nach nicht zur Vollendung bringen können; 10 [sie sind] lediglich Speisen und Getränke und verschiedene Tauchwaschungen und Verordnungen des Fleisches, auferlegt bis auf die Zeit des Ins–Rechte–Bringens (d. h.: die Zeit der neuen Haushaltung, die Jesus Christus durch sein Opfer und seinen Hohepriesterdienst eingeläutet hat).“

Sobald das erste Zelt mit seinen Verordnungen völlig weggewischt ist (70 n. Chr.), wird der himmlische Tempel geöffnet und die himmlische Bundeslade, der Schrein der göttlichen Gegenwart und Herrlichkeit, den Augen der Menschen geoffenbart. Der Zugang ins (himmlische) Heiligste (d. h.: ins neue Jerusalem) ist nun frei!
In Christus hatten die neuen Priester bereits zur Zeit der Abfassung des Hebräerbriefes die Freimütigkeit zum Eingang in das Heiligste – durch das Blut des großen Hohen Priesters Jesus (Hebr 10,19ff) – das alte Israel aber nicht. Offenbar sollt dieses aber erst werden, wenn der Tempel, die Opfer, der Opferkult etc. vergangen ist (70 n. Chr.). Daher ist 70 n. Chr. der große äußerlich sichtbare (!) Übergang vom Alten zum Neuen (wenn auch das Neue geistlicher Natur und daher im irdischen Bereich nicht „sichtbar“ ist).

Inmitten des schrecklichen Gerichtes über das Alte (Blitz, Donnern, Stimmen, Beben, Hagel = die bekannten Begleiterscheinungen der göttlichen Gegenwart und Kraft im Rahmen des alten Bundes, 2Mo 19) schließt die Vision von den sieben Posaunen.