Offenbarung 1-11

Das Buch der Offenbarung
Der Brief des Apostels Johannes an die sieben Gemeinden in Asia,
genannt „Apokalypse“ (Offenbarung; Enthüllung)
Thomas Jettel, April 2022

Folgend sind zunächst nur die Kap 1-11 ausgelegt.

(In diese Auslegung wurden alle verwertbaren Information verarbeitet, die in den letzten 20 Jahren von mir gesammelt wurden. Die Auslegung ist unfertig. – Es wird betont, dass diese Gedanken Konzepte für das Weiterstudium sind, nicht dogmatisch feste Aussagen. Wir sind offen für Korrektur und bleiben lebenslang Lernende. Wer die Datei liest, sollte vorher die Datei über die Gliederung und die über die Einleitung gelesen haben, siehe unter www.jettel.ch .)

Einleitendes

Die Off (o. Apokalypse) ist ein Brief aus dem ersten Jahrhundert, geschrieben an sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asien. Die Botschaft ist einfach. Im einleitenden Teil (K. 1-3) werden die Heiligen sieben Mal zum Überwinden aufgerufen und gegen Ende des Briefes ein achtes Mal: „Wer überwindet wird alles erben.“ (21,7)

Die Leser standen damals vor einer großen Prüfungszeit, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte, „um die zu prüfen, die im Lande (o.: auf Erden) wohnen“ (3,10). Sie werden durch den Brief vorbereitet. Wenn sie treu am Wort Gottes festhalten und standhaft bleiben würden, sollten sie vor dieser Prüfungszeit bewahrt und nicht von dem Satan verschlungen werden, der die Heiligen zum Abfall von Christus bewegen wollte.

Die Prüfungszeit betrifft einen Kampf auf Leben und Tod. Wer bis zum Tode überwindet, darf mit Christus auf seinem Thron sitzen und mit ihm herrschen. Der Untreue fügt sich ewigen Schaden zu.

Die K. 4-22 bilden den Hauptteil des Briefes. Die K. 4-16 beinhalten drei Siebenerreihen. Die K. 17-22 geben Details über das Gericht über die Hure, das Tier, den Drachen, die Toten und über die Herrlichkeit des neuen Jerusalems, der Braut des Lammes.

In den K. 11-15, wird der Feind beschrieben, gegen den es zu kämpfen gilt, und es wird aufgezeigt, wie man ihn überwinden kann. Der Feind ist vor allem der „Drache“ und das „Tier“ aus dem Meer – mit seinem Komplizen, dem Tier vom Land, genannt der „falsche Prophet“. In den K. 19 und 20 wird der endgültige Sieg des Königs der Könige über das Tier und den falschen Propheten und über den Drachen, der den beiden ihre Vollmacht gibt, beschrieben.

In der Einleitung (K. 1-3) und im Schlussteil (K. 22) wird viermal (1,1.3; 22,6.10) betont, dass die Zeit der bevorstehenden Ereignisse „nahe“ ist und dass die Ereignisse „in Kürze“ geschehen werden.

(Statt „in Kürze“ kann man auch übersetzen „schnell“. Gemeint ist, zeitlich schnell, d. h., es wird schnell gehen, bis diese Zeit eintrifft, die vorhergesagten Dinge werden also „bald“ geschehen.)

Damit wird klar, dass das in der Off Beschriebene den Briefempfängern unmittelbar bevorstand. Johannes sagt von Anfang an, dass die Dinge, die in diesem Brief geschrieben ist, „in Kürze“ (in Bälde) geschehen werden (1,1):

„Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. … 3 Ein Seliger ist der, der liest, und [Selige sind] die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darin geschrieben ist, denn die Zeit ist nahe!”

Ebenso an Ende des Briefes (22,10): „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.”

Im Danielbuch, weniger als 400 Jahre vor den Ereignissen um Antiochus IV, wurde dem Propheten gesagt, es seien noch „viele Tage” bis dahin (Dan 8,26: „Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage.”)

Folglich kann in Off 22,10 nicht gemeint sein, dass die Zeit bis zur Erfüllung jener Ereignisse zwei Jahrtausende (oder mehr) in der Zukunft liegen.

Moses Stuart kommt in „The Interpretation of Prophecy” zu dem Schluss, dass die Off mitten in einer blutigen Verfolgung der Gemeinde geschrieben wurde – oder knapp davor. Der Schreiber selbst ist in der Verbannung „wegen des Wortes Gottes und seines Zeugnisses von Jesus“ (1,9). … Eine große Prüfungszeit steht den Christen im ganzen Römerreich bevor (3,10). Smyrna steht vor großem Leiden (2,8-11). Absicht des langen Briefes ist es, zu ermutigen, zu bewahren, zu festigen, zu trösten und zum Überwinden aufzurufen. Gott wird die Treuen belohnen, die Verfolger bestraften. Die Gemeinde wird zuletzt über alle ihre Feinde triumphieren.

Die Dinge, die in diesem Brief geschrieben sind, müssen kurz nach der Abfassung des Briefes geschehen sein. Die Erfüllung der beschriebenen Ereignisse muss man in der (vom Autor betrachtet) nahen Zukunft suchen.

Literaturgattung und historischer Zusammenhang

Welcher Literaturgattung gehört die Offenbarung an?

Es handelt sich um einen Brief, der zugleich eine Weissagung ist, geschrieben im Stil „apokalyptischer“ Literatur.

1. Die Off ist eine Weissagung.

EineWeissagung ist ein prophetisches Wort, geschrieben in eine konkrete historische Situation.

Die Off soll zeigen, was Gott in und mit der gegenwärtigen Situation der Empfänger vorhat. Es geht um die „Lehre von den letzten Dingen“ (Eschatologie), und zwar um Gericht und Heil. Die, die die Worte der Weissagung hören und bewahren, werden „Selige“ sein (1,3; 22,7).

Das Buch soll Auswirkungen auf die Situation der Leser des ersten Jahrhunderts haben, sie ermahnen und trösten. So steht die Offenbarung in Fortsetzung der alttestamentlichen Prophetie. Es enthält mehr als 400 Anspielungen auf das Alte Testament, aber keine direkten Zitate. Die Leser in ihrer konkreten historischen Situation sind aufgerufen, auf die Worte dieser Weissagung entsprechend zu reagieren (1,3; 2,7.11.17.26-29; 3,5.6.11-13.20-22; 13,9.10.18; 16,15; 18,4; 22,7.14.17-19).

Was ist im Allgemeinen der Zweck jeder Prophetie?

– nicht intellektuelle Befriedigung, sondern Lebensveränderung in Christi Bild. Das bedeutet, Prophetie soll dazu dienen, …

  1. dass die Leser ihren Charakter von Jesus Christus umgestalten lassen (1Thes 5,23; 1Joh 3,3; 2Petr 3,12.13)
  2. dass sie sich und andere zum Durchhalten und Bezeugen in Anfechtung und Verfolgung ermutigen und einander trösten (Mk 8,38; Rm 8,18; 2Kor 4,17; 1Thes 4,18)
  3. dass sie einander zum Dienst für Christus motivieren (Joh 9,4; 1Thes 1,9.10) und zur Wachsamkeit anhalten (Mt 25)
  4. dass sie ein Anliegen bekommen für Christen, die durch falsches Leben oder falsche Lehre in die Gefahr gekommen sind, abzudriften (Vgl. 1Mo 19,14; Jud 21-23, Hebr 2,1.2.)
  5. dass sie sich von Weltlichem und lehrhaft Falschem absondern (2Petr 3,12.13)
  6. dass sie einander helfen, ihre materiellen Besitztümer zu verringern, denn deren Wert wird umso kleiner, je näher sie dem Ende entgegengehen (3Mo 25,8-16).

2. Die Off ist eine Apokalypse.

Eine Apokalypse ist eine eigene literarische Gattung. Apoklaypsen im AT sind die Bücher Daniel und Sacharja, z. T. auch das Buch des Propheten Hesekiel. Im NT ist das Buch der Off apokalyptisch, auch einzelne Teile in den Evangelien, z. B. Mt 24. Außerbiblische (nicht inspirierte) apokalyptische Bücher sind z. B. das Henochbuch, der „Hirt des Hermas“, 2Baruch, 4Esdras, die „Himmelfahrt des Moses“.

Die Off vermittelt Inhalte von Gesichten, die Johannes sah.

1,10: „An dem Tage, der dem Herrn gehört, wurde ich [einer, der] im Geist [war].“

4,2: „Und sogleich wurde ich [einer, der] im Geist [war]; und– siehe! – ein Thron, im Himmel aufgestellt; und auf dem Thron saß einer.“ (Vgl. Vgl. 1Henoch 14-16; 46; 60,1-6; 2Henoch 20,1.)

Johannes wird im Geist in den Himmel versetzt und sieht die Welt aus der himmlischen Perspektive; er bekommt einen Blick hinter die Kulissen der Geschichte, sodass er sieht, was tatsächlich vor sich geht – und zwar in Gegenwart und in der nahen Zukunft. Er bekommt einen Blick vom Jenseits her auf die Gegenwart seiner Zeit; aber nicht nur das, sondern er sieht auch, wohin die Geschichte seiner Zeit hinausläuft. Die Welt der Leser erweitert sich dadurch räumlich und zeitlich.

Die Off spricht eine konkrete Situation der Christen in der römischen Provinz Asia im 1. Jahrhundert n. Chr. an. Johannes (bzw. Jesus Christus) beziehen sich auf die nahe Zukunft jener Christen, an die der Brief gerichtet war (1,1.3; 22,7.10). Die Feinde setzten dem wahren Gottesvolk und ihrer Welt Grenzen. Johannes aber sieht die Welt offen – zu Gott, dem Schöpfer und Herrn hin. Aus dieser Perspektive sehen die Leser nun sich und ihre gegenwärtige Situation in einem anderen Licht.

Die Welt, die Johannes sieht, ist nicht eine andere Welt, sondern es ist die Welt der Christen im ersten Jahrhundert, aber betrachtet aus der himmlischen und eschatologischen Perspektive. Johannes hat das göttliche Ziel im Auge.

Das ist es auch, was wir Menschen heute brauchen. Wenn wir unsere Welt vom irdisch-menschlichen Standpunkt aus betrachten, haben wir eine falsche Sicht der realen Dinge und laufen Gefahr, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Gerechten müssen leiden und den Gottlosen geht es gut. Die Bösen regieren, spielen Gott und verändern Gesetze. Das wirft unter Gottes Volk Fragen auf: Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein? Wie und wo ist sein Königreich?

Die Off ist in mancherlei Hinsicht anders als die jüdisch apokalyptische Literatur:

. Es gibt viele Gesichte und viel Symbolik. Das Buch ist ein Bericht über zwei große Gesichte, eines auf Erden (1,10 -3,22), das als Einleitung gilt, und eines im Himmel (4,1-22,9).

. Entgegen der außerbiblischen Apokalyptik wird in der Off immer wieder auf das Alte Testament (AT) Bezug genommen. Die meisten Bilder und Motive aus den Gesichten sind dem AT entlehnt und können nur vom AT her verstanden werden.

. Der Name des Verfassers wird angegeben (1,1.4.9; 22,8). In außerbiblischen (nicht inspirierten) apokalyptischen Büchern (z. B. Henochbuch, Baruch, 4Edras; Hirte des Hermas) werden die Namen der Autoren nicht genannt. Der Verfasser bleibt anonym oder pseudonym (d. h., der Autor gibt sich einen falschen Namen).

. Der Verfasser ist von Gottes Geist inspiriert. Er weiß, dass er in der Tradition der alttestamentlichen Propheten steht, und er selber ist ein Prophet wie Jesaja, Hesekiel, Daniel und Sacharja. Er spricht in der Autorität Jesu Christi. Von ihm hat er seine Botschaft (1,1.2.10; 1,19; 10,8-11).

. Der Verfasser spricht von einer konkreten Zeit in naher Zukunft. In Dan 12,4 und 9 lesen wir, dass sich die im Danielbuch geweissagten Ereignisse auf ferne Zukunft bezogen; daher sollte Daniel das Buch verschließen (versiegeln, aufbewahren, Da 8,26): „ Und das Geschaute von den Abenden und den Morgen, das gesagt wurde, ist Wahrheit. Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage.“

Dan 10,14 „Und ich bin gekommen, dich verstehen zu lassen, was deinem Volk widerfahren wird in der späteren Zeit der Tage, denn das Gesicht ist noch für jene Tage.“

Da 12,4: „Aber du, Daniel, verschließe die Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden umherstreifen, und die Erkenntnis wird sich mehren. …“

Nicht so in der Off: Johannes wird aufgefordert, das Gesehene nicht zu versiegeln, weil die Zeit „nahe“ ist: „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe“ war. (22,10)

3. Die Off ist ein Brief.

Die Off ist ein Rundschreiben an sieben Gemeinden in Kleinasien (in der römischen Provinz „Asia“ (1,4-6; 1,9). V. 11: „Was du siehst, schreibe in ein Buch und verschicke an die Gemeinden, die in Asien sind, nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamos und nach Thyateira und nach Sardeis und nach Philadelphia und nach Laodikeia.“

Es gibt einen Briefkopf (1,1-8) und einen Briefschluss (22,6(9) -21).

Johannes schrieb den Brief von Patmos aus. Er war dort „wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses von Jesus Christus“ (1,9). Er war „Mitteilhabender an der Bedrängnis und am Königreich (o.: Königtum) Christi und an dem standhaften Ausharren für ihn“ (1,9). Er steht in denselben Leiden wie die Christen, von denen in diesem Buch die Rede ist. Er steht in den demselben Ausharren, d. h., er ist ebenso wie jene Heiligen von K. 13 aufgefordert, auszuharren. Und er wird teilhaben an demselben Königreich.

Das Besondere an einem Brief ist, dass er an spezifische Empfänger gerichtet ist. Johannes schreibt über ihre Situation, er spricht die damalige Situation an. Freilich wurden Briefe kopiert und weitergegeben, weil auch andere davon lernen konnten und wollten (Kol 4,16), aber es sind nicht die Leser späterer Jahrhunderte, die hier direkt angesprochen sind.

Je spezifischer der Inhalt eines Briefes die Gegebenheiten der Empfänger anspricht, desto wichtiger ist es, dass die Leser des weiteren Kreises sich bewusst sind, dass der Brief sich nicht direkt an sie richtet.

Das sollte man auch beachten, wenn man diesen Brief liest.

4. Die Off ist ein Bilderbuch.

Über die Bilder

Die Botschaft wurde „gezeigt“, d. h. der Prophet sah Bilder und Symbole in Gesichten. „Und er zeigte sie an“ (Off 1,1). Man könnte das Wort auch übersetzen mit „er tat sie durch Zeichen kund“.

Die meisten Motive und Bilder sind aus dem Alten Testament (AT). Das AT wurde damals viel gelesen, und viele Gemeinden waren noch stark vom jüdischen Hintergrund geprägt. Die Bilder richteten sich an das geistliche Verständnis der Christen. Wir Menschen können geistliche, himmlische Wirklichkeiten nur durch Bilder und Symbole verstehen und erkennen.

Im AT deuteten irdische Schattenbilder auf geistliche Wirklichkeiten hin. Der Heilige Geist verwendete Bilder aus dem AT, um die geistlichen Wirklichkeiten darzustellen.

Die Off ist ein Tempelbuch. Viele Bilder sind vom alttestamentlichen Tempeldienst genommen bzw. vom „Zelt der Zusammenkunft“ (der so gen. „Stiftshütte“), dem Zelt der Begegnung. Die vollendete neue Welt, das „neue Jerusalem“ (K. 21 und 22), ist die Erfüllung dessen, was der alttestamentliche (atl.) Tempel darstellte.

Ein zweiter Grund für die vielen Symbole und Bilder in der Off war, dass dadurch den Feinden Christi die Botschaft des Buches verborgen bleiben sollte.

Der Ausdruck „… zeigte sie an“ bzw. „tat sie durch Zeichen kund“ bedeutet nicht, dass Gott in Form von geheimen Begriffen sprach, sondern in bildhafter Sprache. Hinter den Bildern stehen konkrete Wirklichkeiten, z. B. das „Lamm“ ist Jesus Christus, der „Löwe“ aus dem Stamm Juda (5,5), die „Leuchter“ sind die Gemeinden (1,20); die Kleider, die im Blut des Lammes gewaschen werden, werden „glänzend weiß“, d. h., sie werden rein.

Damals in den Städten der römischen Provinz Asia gab es viele „Bilder“, d. h. Standbilder, Kaiserstatuen, Ikonen, auch rituelle Feste. Es gab auch klüglich ausgedachte „Wunder“ (Tricks), um die Massen zu begeistern. (Vgl. S. J. Scherrer: Sings and Wonders in the Imperial Cult, JBL, 103 (1984), S 599-610.)

Bilder sind aussagekräftig. Das AT ist voll davon. In der Off finden wir Parallelen (z. B., der Drache, die alte Schlange, steht parallel zu Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3 und 1Mo 3), Gegensätze (z. B. das „Zeichen“ bzw. der „Name“ an der Stirn oder rechten Hand von Off 13,16-18 steht parallel zu dem Zeichen an der Stirn und Hand von 2Mo 13; 5Mo 6 ) und Anspielungen (Z. B. der Satz in Off 12,14 „der Frau wurden die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihre Stätte flöge, dorthin, wo sie ernährt wird“ ist eine Anspielung auf 2Mo 19,4.)

Das Bild von der Hure ist ein im AT wohlbekanntes. Jerusalem, die „Tochter Zion“, stand im AT oft für das Volk Gottes als gesamtes. Jerusalem galt als die mit Gott verheiratete Frau. Aber Jerusalem wurde zur „Hure“, zur unzüchtigen Ehefrau, weil sie Gott verließ (Jes 1,21), und danach „einer Witwe gleich“ (Klg1,1; vgl. Off 18,7).

Die „Posaunen“ (K. 8-11) und „Schalen“ (K. 15.16) bilden ein schematisiertes Bild. Die Motive sind entnommen aus der Zeit des Auszugs (lat.: Exodus) Israels unter Mose (2Mo 8-11) und des Einzuges unter Josua (Jos K. 3-6: Austrockung des Flusses für das israelitische Heer) und von der Heuschreckenplage zur Zeit Joels (Joe 1 und 2).

Für das rechte Verständnis der Bilder ist von großer Bedeutung, dass der Leser erkennt: Es sollen Assoziationen (Gedankenverbindungen) hergestellt und Eindrücke vermittelt werden, z. B. Eindrücke vom schrecklichen Gerichtseingreifen Gottes – in den K. 8 und 9 in Form von Warngerichten (wo es noch Verzögerungen gibt, damit die Menschen Buße tun) und in K 16 in Form von Schlussgerichten (ohne Verzögerung, weil die Menschen nicht Buße getan haben).

Im Text gegebene Deutungen der Bilder

Es gibt im Text selber zahlreiche Erklärungen und Verständnishilfen bzw. Orientierungshilfen:

Lamm und Löwe sind dieselbe Person, Jesus Christus (K. 5)

Die „sieben Sterne“ sind die Boten der sieben Gemeinden, die „sieben Leuchter“ sind die Gemeinden (1,20).

Die „sieben Fackeln“ stellen Gott als vollkommenes Geistwesen dar (4,5).

Die „sieben Hörner“ und „sieben Augen“ stellen Gottes große Macht (Hörner) und Allgegenwart (Augen) durch seinen Geist dar (5,6).

Das „Räucherwerk“ auf den Schalen sind die Gebete der Heiligen (5,8)

Die „große Stadt“, die „Sodom“ und „Ägypten“ heißt, wird mit der großen Stadt identifiziert, wo der Herr gekreuzigt wurde (11,8), also mit Jerusalem.

Der große „Drache“ (Zerstörer) ist „die alte Schlange“ (der alter Verführer), der auch „Teufel“ (Querwerfer) und „der Satan“ (Widersacher) genannt wird (12,9). Er ist identisch mit dem von 20,2.

Die „Gestalt auf den Wolken, die als Menschensohn beschrieben wird, entspricht dem wiederkommenden, richtenden Herrn (Off 14,14; vgl. Dan 7,13).

Die „sieben Häupter“ des Tieres sind „sieben Berge“, auf denen die Hure sitzt, und sie sind „sieben Könige“.

Die „zehn Hörner“ sind mit dem Tier gleichzeitig auftretende und zusammenarbeitende Könige. (17,9-12)

Die „Frau“ (K. 17) wird als „große Stadt“ (17,18) bezeichnet und als „Hure“ (17,1-3) – ein Gegenpart zur Braut. (Vgl. 17,1 mit 21,9.)

Exkurs: Wer ist die Hure Babylon? Was können wir aus dem Text erfahren?

Off – Die Hure Babylon Argumente:

Die „große Stadt Babylon“ ist nicht Rom, sondern eine vom AT her bekannte Stadt; sie steht kurz vor ihrer Zerstörung.

a) Das Gericht über die große Stadt steht zur Zeit der Abfassung kurz (1,1.3; 22,6.10) bevor.

Deshalb wird das Volk Gottes aufgefordert, aus ihr hinauszugehen (18,4.5): „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt, weil ihre Sünden bis zum Himmel folgten, und Gott gedachte ihrer Ungerechtigkeiten.“

b) Sie wird eine große Hure genannt.

Vorher hatte sie eine Bundesbeziehung zu Gott („Ehe“; Hes 16). Die „Tochter Zion“ wurde durch ihre Sünden (Verwerfung ihres „Eheherrn“ / Königs) zur „Hure“:

Vgl. Jes 1,21: Wie ist zur Hure geworden die treue Stadt! –

Hes 16: V. 1: So spricht der Herr, Jahweh, zu Jerusalem: … 23: Und es geschah, nach all deiner Bosheit – wehe, wehe dir! spricht der Herr, Jahweh – … 38-41: Und ich richte dich nach den Rechtsbestimmungen für Ehebrecherinnen und Blutvergießerinnen und bringe <meinen> Zorn und Eifer über dich.Und ich gebe dich in ihre Hand, und sie werden deinen Hurenaltar zerstören und deine Höhen niederreißen und dir deine Kleider ausziehen und deine prächtigen Geschmeide nehmen und dich nackt und bloß liegen lassen. Und sie werden eine Versammlung gegen dich heraufkommen lassen und dich steinigen und werden dich mit ihren Schwertern niedermetzeln.Und sie werden deine Häuser mit Feuer verbrennen und Strafgerichte an dir üben vor den Augen vieler Frauen. Und so werde ich dich aufhören lassen, Hure zu sein, und <auch> Lohn wirst du nicht mehr geben. – Rom hatte keine Bundesbeziehung mit Gott gehabt.

c) Die Hure hat in der Vergangenheit das Blut der Heiligen und Propheten vergossen.

Off 18,24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und [zwar] von allen denen, die auf der Erde [o.: im Lande] hingeschlachtet wurden.“ – Das Gericht über sie wird als Rache für den Tod der Apostel und Propheten vollzogen. – Rom tötete keine Propheten.

Off 19,2: Und nach diesen Dingen hörte ich eine große, Stimme einer zahlreichen Menge im Himmel, die sagte: „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft dem Herrn, unserem Gott! – weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei die Erde verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, forderte es von ihrer Hand.“

Lk 11,49-51: Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.

Mt 23,37… Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln …

Lk 21,20-22: Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen die in Judäa in Richtung der Berge fliehen und die in ihrer Mitte daraus entweichen, und die auf dem Lande sollen nicht in sie hineingehen, weil das Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.

d) Die Stadt ist eine Königstadt, die aber davor steht, eine Witwe zu werden.

Off 17,18: „Und die Frau, die du sahst, ist die große Stadt, die die Königsherrschaft über die Könige des Landes hat.“

Off 18,7.8: „Wie viel sie sich verherrlichte und in Üppigkeit lebte, so viel Qual und Trauer gebt ihr, weil sie in ihrem Herzen sagt: ‚Ich sitze als Königin, und eine Witwe bin ich nicht, und Trauer werde ich auf keinen Fall sehen.’

Wie im AT: Klg 1,1: Wie sitzt einsam die volkreiche Stadt, ist einer Witwe gleich geworden die Große unter den Völkern! Die Fürstin über die Provinzen ist fronpflichtig geworden.“

e) Die „große Stadt Babylon“ (Hure) steht im Gegensatz zur anderen „großen Stadt“ (Braut): zum „neuen Jerusalem“.

Vgl. 17,1ff mit 21,9ff.

f) Die Hure wird verbrannt, völlig zerstört (Off 17,16; K. 18). – Rom wurde nie verbrannt oder zerstört.

g) Die große Stadt ist die Stadt, in der „der Herr gekreuzigt wurde“.

11,8: „Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die in geistlicher Hinsicht ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.“ – Jesus Christus wurde nicht in Rom gekreuzigt.

Frage: Was haben Sodom, Ägypten und Babylon gemeinsam? (Denke an die Heiligen!)

Hintergrund, Ziel und Zweck

Was ist der historische und politische Hintergund? Was ist Ziel und Zweck des Buches?

Johannes schrieb unter Eingebung des Heiligen Geistes. Er hat das Anliegen, die Christen jener Zeit auf eine große Krise vorzubereiten, die noch im ersten Jahrhundert kommen würde. An die Gemeinde in Philadelphia sagte der Herr (3,10): „Weil du das Wort meiner Ausdauer bewahrtest, werde ich dich auch bewahren vor der Stunde der Prüfung, die über das ganze Weltreich kommt zu prüfen die, die im Land (o.: auf der Erde) wohnen.“

Die Gefahr für die Heiligen bestand darin, sich an die Lehre derer, die sie bedrängten, die Juden, anzupassen und mit dem jüdischen System Kompromisse einzugehen. Auf diese Weise würden sie letztlich Christus verleugnen. Damit würde man das Kennzeichen (Malzeichen) des Tieres annehmen, anstatt bereit zu sein, für Christus in den Tod zu gehen.

Nicht nur die sieben Botschaften in den K. 2 und 3, sondern auch die K. 4 bis 22 sind an jede der sieben Gemeinden gerichtet. Was dort geschrieben ist, betrifft in erster Linie jene damaligen Christen.

Je spezifischer der Inhalt eines Briefes ist, desto wichtiger ist es, zu bedenken, an wen der Brief direkt gerichtet ist. So ist es auch mit den Briefen des Neuen Testaments. Wir lesen z. B. den Philemonbrief; seine Botschaft ist sehr spezifisch. Wir entnehmen dem Brief wichtige Lehraussagen und Prinzipien, die wir für uns persönlich anwenden können. Wir lesen ihn jedoch nicht so, als ob er direkt an uns gerichtet wäre. Wenn dort steht, dass man dem Apostel Paulus eine Herberge bereiten solle, wissen wir, dass nicht wir angesprochen sind, sondern Philemon.

In vieler Hinsicht ist die Botschaft der Off von immenser Bedeutung und enthält wichtige Lehraussagen und Prinzipien. Wir können also sehr viel daraus lernen. Wir erkennen möglicherweise Parallelen zu unserer gegenwärtigen Situation. Aber wir müssen bedenken, dass die spezifische Botschaft in erster Linie direkt auf die Situation der Christen des ersten Jahrhunderts zutrifft. Sie haben eine große Prüfungszeit (3,10) und einen großen Kampf (K. 11-15) – zu erwarten. Und die Zeit ist für sie nahe.

Die Off ist ein Rundbrief an sieben Gemeinden in Kleinasien. Johannes wusste, dass auch andere zeitgenössische Christen (die „ein Ohr“ haben) jenen Brief lesen würden. Ihm war klar, dass die gesamte damalige Christenheit die Botschaft jenes Briefes nötig hatte.

Wir Christen heute leben nicht in derselben Situation wie sie. Die sieben Botschaften in den K. 2 und 3 sind sehr spezifisch. Christus spricht individuell zu jeder Gemeinde. Verschiedene Probleme werden angesprochen und verschiedene Reaktionen erwartet. Aber diese Botschaften stehen nicht für sich, sie sind nicht unabhängig vom Rest des Briefes. Sie dienen vielmehr als Einleitung zur Hauptbotschaft der Kapitel 4 bis 22.

Dass die sieben Botschaften als Einleitung gedacht sind, ist auch aus dem jeweiligen Ende derselben ersichtlich. Sieben Mal werden die Christen aufgefordert zu überwinden. Und den Überwindern wird eine Verheißung gegeben (2,7.11.17.26-28; 3,5.12.21-22). Der erhöhte Herr verspricht den Überwindern das Heil, die ewige Rettung. Sieben Mal lesen wir in K. 2 und 3 diesen Aufruf. Es ist für die Leser (Hörer) von höchster Bedeutung, dass sie überwinden. Gespannt stellt sich den damaligen Christen die Frage: „Was genau ist es, das es zu überwinden gilt? Und wie können wir überwinden?“

Die Antwort auf diese beiden Fragen wird in den K. 2 und 3 nicht sofort und eindeutig gegeben, aber später im Brief (vor allem in den K. 11-15) wird klar, was es ist, das sie überwinden sollen, worin der Sieg besteht und wie man überwinden kann.

Die Überwinder-Verheißung kommt noch ein achtes und letztes Mal vor – in 21,7: „Wer überwindet, wird es alles erben.“ Und inzwischen ist – aufgrund der K. 4-20 – klargeworden, dass es sich um einen großen Kampf handelt. Der Aufruf zum Überwinden ist ein Aufruf, sich an der Schlacht zu beteiligen: „Kämpfe! Und kämpfe ausharrend! Und kämpfe zusammen mit deinen geistlichen Geschwistern, damit du das eschatologische Ziel erreichst! Wenn du nicht kämpfst bis zum Tode kämpfst, wirst du es nicht erreichen.“ Es geht letztlich darum, den Christen in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea – und allen anderen Christen des ersten Jahrhunderts, die diesen Brief zu lesen bekommen – zu zeigen, wie sie ins „Neue Jerusalem“ kommen können.

Zusammenfassung

Das Buch der Off ist eine apokalyptische Weissagung in Briefform.

Diesen Kategorien (Weissagung, Apokalypse, Brief) ist beim Studium der Off Rechnung zu tragen. Das bedeutet, dass das Buch aus verschiedenen Perspektiven zu lesen ist.

Die Off ist nicht nur ein Trostbuch für leidenden Christen mit der Botschaft, dass Gott eingreifen und sie rechtfertigen wird, sondern auch eine Warnung und ein Aufruf zur Treue. Sie ist gerichtet an Christen, die in den sechziger Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts lebten. Bei manchen von ihnen ist die Liebe zu Christus verkümmert; einige sind arm und verfolgt; einige stehen in Gefahr kompromissbereit zu werden; einige sind bereit, falsche Lehre zu dulden; andere sind „am Schlafen“, sind geistlich so gut wie tot; manche sind selbstgenügsam. Einige sind bereits auf Abwege geraten, indem sie auf „Isebel“, die „falsche Prophetin“, gehört haben. Die Gefahr, dem Tier zu huldigen, das Malzeichen anzunehmen und in der großen bevorstehenden Prüfungszeit zu versagen, ist groß. Das Tier könnte für sie eine Versuchung werden, der sie nicht widerstehen können. Nun aber sollten sie für die große Schlacht vorbereitet werden.

Die K. 4-22 in der Off zeigen auf, worum es in dieser Schlacht geht, wie man die Schlacht gewinnt und was das konkret für die Christen von Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodikeia bedeutet. Die K. 1-3 bilden die Einleitung zur Hauptbotschaft, den K. 4-22.

Johannes hatte wohl einen weiteren Kreis von Empfängern im Auge als nur jene sieben Gemeinden, denn es gab im westlichen Kleinasien mehr als sieben Gemeinden (z. B. in Kolossä, Hierapolis, Troas, Milet), und die sieben Gemeinden haben Merkmale von vielen damaligen Gemeinden. Der Brief war letztlich für alle Christen jener Zeit relevant. Wer ein Ohr hatte, sollte hören, was der Geist den Gemeinden sagte. – Und was sagte der Heilige Geist? – Genau das, was Johannes in Off 1-22 schrieb! Alle damaligen Gemeinden sollten hören, was der erhöhte Herr zu sagen hatte.

Die prinzipielle Botschaft ist auch auf Christen heute anwendbar und für sie hilfreich, wenn sie den historischen Kontext beachten. Man kann Parallelen für die Situation an unseren Orten und zu unserer Zeit ziehen, aber man darf nicht außer Acht lassen, dass es auch große Unterschiede gibt.

Der historische Zusammenhang ist heute ein völlig anderer. Man wird also unterscheiden müssen zwischen direkter Auslegung einerseits und persönlicher (oder allgemeiner) praktischer Anwendung andererseits.

Hinweise zur Interpretation

Beim Erforschen der Off hat man so vorzugehen wie bei der Erforschung der anderen Bücher der Bibel. Es sind die üblichen Regeln der Auslegung (Exegese) zu beachten.

Wir stellen uns die Fragen: Wer schrieb wann, an wen und mit welcher Absicht?

Die Off ist ein Brief an eine bestimmte Empfängergruppe. Was erfahren wir über sie?

Was erfahren wir über die Drinlichkeit der Botschaft.

Warum war die Botschaft des Briefes für die damaligen Briefempfänger von so großer Bedeutung?

Wo finden wir Hilfen, um die vielen Bilder in der Off richtig zu deuten? In der Off selber. K. 17 z. B. ist voller Erklärungen über die Bilder der Off.

Im Übrigen ist daran zu denken, dass die Leser der Off gewohnt waren, das AT zu lesen. Im AT finden wir den Hintergrund für die meisten Bilder und Begriffe dieses Briefes.

Eine der ersten Fragen wird sein: Wer (oder was) ist jene „große Stadt“ (die zusätzlich eine „Hure“ genannt wird), von der in den K. 11-18 so viel die Rede ist (Off 11,8; 14,8; 16,19; 17,18; 18,10.16-21). Und wer (oder was ist die andere „große Stadt“, die als „Braut“ beschrieben wird (Off 21,10 n. d. Byzantinischem Text)?

Es ist offensichtlich, dass diese beiden Städte gegenübergestellt werden. In welchem Buch (oder in welchen Büchern) des AT werden diese beiden Städte noch gegenübergestellt?

Die Off selber erklärt (Off 17,18): Die „Hure“ Babylon ist die Stadt, „die die Königsherrschaft über die Könige des Landes“ hat bzw. hatte. Die ihr gegenübergestellte Stadt heißt das „neue“ Jerusalem.

Eine Hilfe zur Identifizierung der Hure können die folgenden Stellen sein: Off 11,8; 16,19; 18,4.7.20.24; 19,2 im Vergl. m. Lk 11,49-51 und Mt 23,34-37; ebenso die alttestamentlichen Stellen Jes 1,21; Jer 3; Hes 16 und 23.

Der Begriff „Erde“ sollte in den meisten Fällen in der Off besser mit „Land“ übersetzt werden, zumal er im Gegensatz zum „Meer“ steht. In vielen Fällen bezieht er sich auf das verheißene Land.

Ebenso sollte das Wort „Völker“ (Elberfelder: „Nationen“) mit „Heiden“ übersetzt werden. Dieser Begriff bezeichnet in der Off häufig die durch ihren Unglauben zu „Heiden“ bzw. „Unbeschnittenen“ gewordenen Juden (Vgl. Off 2,9; 3,9; Joh 8,39-44; Ps 2,1 iVm Apg 4,25ff; Hes 2,3.)

Aus Off 1,1.3 und 22,10 (im Vgl. mit Dan 8,26 und 12,4.9) geht hervor, dass die in dem Brief der Off vorausgesagten Dinge sich in absehbarer Zeit erfüllen sollten. Alle Zeitaussagen sind im üblichen Sinne aufzufassen.

Grobe Gliederung

  1. 7 Botschaften (7 Gemeinden) K. 1–3
  2. 7 Siegel (inkl. Anhang K.. 7.) K. 4–7
  3. 7 Posaunen K. 8–11
  4. 7 Schalen K. 12–16
  5. Vision von der Frau, der Hure Babylon K. 17–19,10
  6. Vision vom Gericht über Tier, Drache und die Toten. Das Kommen der neuen „Welt“. 19,11–21,8
  7. Vision von der Frau, der Braut Neujerusalem 21,9– K. 22

Vorbemerkungen

Wie geht man beim Forschen prophetischer Bücher vor?

1. Den Brief von den ersten Lesern her verstehen.

2. Die Apostel (Evangelien, Briefe) über ihre Lehre zu diesem Thema befragen (Apg 2,42).

3. Den Text erforschen. Nicht von Systemen ausgehen. (Wir studieren induktiv, d. h., vom Text zur Lehre)

4. Möglichst im Brief bleiben. Vieles wird durch den Brief selbst erklärt.

Bemerkungen zu bestimmten Begriffen

Der Begriff „Erde“

Land; Landteil; Boden; Erdland; …

Der Begriff „Völker“

= die aus den Völkern, die Heiden; nicht: Nationen (ist ein moderner Begriff, der nicht in die Bibel passt).

In Off sind oft die „Völker / Heiden“ die ungläubigen Juden (s. Off 19,15: er richtet die Völker mit dem eisernen Stab; das ist dieselbe Gruppe, die mit dem Tier in den Krieg gegen Gott zieht, d. h., die Heiligen verfolgt.)

2,26: Und dem, der überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht geben über die Völker

11,2: Und den Hof, der innerhalb des Tempelheiligtums ist, schließe aus und miss ihn nicht, weil er denen von den Völkern gegeben wurde. Und die heilige Stadt werden sie betreten zweiundvierzig Monate lang.

11,9: Und [Menschen] aus den Volksscharen und Stämmen und Sprachen und Völkern werden ihre Leichname sehen drei Tage und einen halben Tag lang.

11,18: Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen und die Zeit der Toten, gerichtet zu werden,

13,7: Und es wurde ihm gegeben, Krieg zu führen mit den Heiligen und sie zu überwinden. Und es wurde ihm Vollmacht gegeben über jeden Stamm und [jede] Sprache und [jedes] Volk.

14,6: Er hatte ewige gute Botschaft, um sie denen zu verkünden, die auf der Erde wohnen, und jedem Volk und [jedem] Stamm und [jeder] Sprache und Volksschar.

14,8: Und ein anderer Bote folgte und sagte: „Sie fiel! Sie fiel! Babylon, die große Stadt!– weil sie mit dem Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei alle Völker getränkt hat!“

16,19: Und die große Stadt wurde in drei Teile geteilt. Und die Städte der Völker fielen. Und Babylon, die Große, ihrer wurde gedacht vor Gott,

17,15: Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen.

18,3: Vom Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei haben nämlich alle Völker getrunken.

18,23: [und] weil durch deine Zauberei alle Völker in die Irre geleitet wurden.

19,15: Und aus seinem Munde geht ein scharfes ‹heftiges› Schwert hervor, damit er mit ihm die Völker schlage. Und er wird ihnen ein Hirte mit einem eisernen Stabe sein. Und er tritt die Weinkelter des Grimmes und des Zornes Gottes, des Machthabers über alles.

20,3: und er warf ihn in den Abgrund und schloss ihn ein und versiegelte über ihm, damit er die Völker nicht länger irreleite

20,8: Und er wird ausgehen, um in die Irre zu leiten die Völker, die an den vier Ecken der Erde ‹sind›, den Goog und den Magoog, um sie zum Krieg zu sammeln,

Frage zum heutigen Begriff „Juden“: Wer ist ein Jude?

Ergebnisse aus der Genforschung

Neutestamentliche Texte

Es gibt im NT nicht viele Stellen, die den Eindruck ergeben könnten, es gäbe für ein „Israel“ eine Zukunft. Meistens wird Rm 11,25.26 als Beleg dafür zitiert, nur spricht Paulus dort von seiner Zeit und dem damaligen Israel, nicht den heutigen religiösen „Juden“ . Die Frage wäre auch: Für welches Israel sollte es eine Zukunft geben?

– das moderne politische Israel? Die heutigen Israelis wissen selbst, dass sie nicht das „Israel“ der neutestamentliche Zeit sind. Die Israelis sind kein Volk, sondern eine politische Formation, Bürger eines modernen Staates namens Israel. Um diese Menschen kann es sich in Rm 11 nicht handeln.

– die religiösen „Juden“? (Sie unterscheiden sich z. T. von den politischen Juden. Orthodoxe Juden z. B. anerkennen nicht den Staat Israel.) Aber diese decken sich auch nicht mit dem Israel des NT. Die meisten von ihnen sind zum Judentum übergetretene aus den Völkern. Sie sind nicht das historische „Israel“ des AT, das 70 n. Chr. gerichtet wurde.

– die heute lebenden (verborgenen) Nachfahren der genetischen Juden? Diese allerdings kann niemand eruieren, weil es keine Genealogien gibt. Manche sagen: „Ja. Richtig. Aber Gott kennt sie.“ Aber das hilft auch nicht weiter, denn, erstens, haben sich sehr, sehr viele von den genetischen Juden mit den Menschen in aller Welt vermischt (Wieviel Prozent des ursprünglichen Blutes muss also in ihnen sein?) – und, zweitens, selbst wenn es einige „reinrassige“ Juden noch geben würde, würde das niemandem helfen, denn niemand wird sie erkennen können, weil nur Gott sie kennt. – Manche antworten: „Ja. Richtig. Aber weil Gott sie kennt, wird er machen, dass sie alle zu einem gewissen Zeitpunkt in der Zukunft zum Glauben kommen, um seine Verheißung wahrzumachen.“ – Was lehrt die Heilige Schrift über die, die das israelitische Bürgerrecht und die israelitischen Verheißungen Gottes erlangen? –Röm 2,25ff; Gal 3,28f; Eph 2,12– 3,6.

Seitens des rabbinischen Judentums sind die Kriterien unzweideutig: Jude ist, wer (a) eine jüdische Mutter hat oder (b) der Halacha gemäß zum Judentum konvertiert ist, sofern er (c) nicht nachträglich eine andere Religion angenommen hat (Definition nach dem Wiener Judaistik–Professor Kurt Schubert. Das bedeutet unter anderem: Juden, die zum Christentum konvertiert sind, werden vom jüdischen Oberrabbinat nicht mehr als Juden anerkannt. (Das ist konsequent, weil es sich ja beim Christentum aus Sicht der jüdischen Religion um eine anti-jüdische Religion handelt.)

Genealogische DNA–Forschungen förderten (unter anderem) folgende Fakten zutage (zitiert nach den englischen Originaltexten, eine Auswahl):

. Die Sepharden (Sephardim) stammen zu einem kleineren Teil von verschiedenen nicht–israelitischen Völkern ab.

. Die jemenitischen Juden (Temanim) stammen fast ausschließlich von den jemenitischen Arabern ab und sind nahe verwandt mit Saudi–Arabern und Beduinen. Sie haben auch zu eine kleinen Teil eine mütterliche Abstammung zu Ostafrikanern; sie haben aber nicht die westafrikanische Mischung, die die jemenitischen Muslime haben.

Äthiopische Juden sind fast ausschließlich Äthiopier mit wenig oder überhaupt keiner israelitischen Abstammung.

Die Suche nach gemeinsamen „Priester–Genen“ ergab folgenden Befund[1]:

Etwa die Hälfte der askenadischen Leviten besitzt einen Haplotyp (haploiden Genotyp), der zur Haplogruppe R1a1 gehört. Diesen findet man nie (!) unter sephardischen Leviten.

. Den Cohen (heb. für «Priester») Modal–Haplotyp findet man nicht nur unter Juden, sondern auch unter Kurden, Armeniern, Italienern, palästinensischen Arabern und einigen anderen Völkern.

Symptomatisch für die heute unter vielen Christen verbreiteten Ideologie, mit welcher die Meinung von der „messianischen Sammlung der Juden aus allen Ländern der Welt in der Endzeit seit 1882 „genährt wird, ist die von der zionistischen Propaganda verbreitete Geschichte von der Auffindung und Heimholung des „verlorenen“ israelitischen Stammes Manasse (Bnee Menashe) aus Indien. Bedeutsam ist dabei der manipulative Charakter der angeblich göttlichen Sammlung, denn messianische Gemeinschaften werden von der israelischen Einwanderungsbehörde ausgeschlossen[2]. Abgesehen davon, die gen–analytischen Untersuchungen beweisen: „Das Mizo–Volk des nordöstlichen Indien (selbstbezeichnete Bnee Menashe, d. h.: Söhne Manasses) haben keine erwiesene genetische Verbindung zu Israeliten.“ (Lesenswert: https://en.wikipedia.org/wiki/Bnei_Menashe ).

Die wohl jüngste gen–analytische Untersuchung (2013) stammt von Eran Elhaik[3], Genetiker an der Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health. Elhaik nimmt für sich in Anspruch, dass ihm als Erstem breite Gendaten auch aus dem Kaukasus zur Verfügung standen, deren „Analysen zeigten, dass der biogeografische Ursprung der europäischen Juden im Süden des Chasarenreichs lag“. Damit ist auch die anfangs als „dünn“ kritisierte Beweislage für Arthur Koestlers These (Die Ostjuden stammen von den turkstämmischen Chasaren ab.) nunmehr aufgrund von wissenschaftlichen Fakten erhärtet. (Siehe auch: Andreas Roth, „Chasaren. Das vergessene Großreich der Juden“, Melzer Verlag 2006)

Textbesprechung – Vers für Vers-Auslegung

. Der Briefeingang 1,1–8

Off 1,1–3: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. Und er sandte sie durch seinen himmlischen Boten und übermittelte sie seinem leibeigenen Knecht Johannes, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugte. Ein Seliger ist der, der liest, und Selige sind die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darin geschrieben ist, denn die Zeit ist nahe!“

Die Off ist ein Brief an damalige Christen, ein Sendschreiben also. Das Sendschreiben geht von K. 1 bis K. 22. Natürlich wusste Johannes, dass dieser Brief auch an andere Gemeinden und Christen weitergegeben wird. Das hat er ausdrücklich am Ende des Briefes dringend angeraten.

Die Off ist ein Brief, der geschrieben wurde, um von den damaligen Lesern verstanden zu werden.

1. Überschrift 1,1A

V. 1: „Enthüllung Jesu Christi“

Dieser Brief ist eine Apokalypse (griech. apokalüpsis). Das Verb (apokalüptein) bedeutet „enthüllen, offenbaren, den Schleier entfernen, aufdecken“. Es wird hier etwas enthüllt, das verborgen war. Man kommt nicht durch bloßes Nachdenken darauf. Es braucht von Gott her eine besondere Enthüllung.

In diesem Brief wird viel geöffnet: eine Tür im Himmel, ein Buch mit Siegeln, das Tempelhaus Heiligtum Gottes im Himmel, der Himmel selbst. Gott will nicht, dass der Inhalt dieses Briefes geschlossen bleibt, oder dass man die Offenbarung für „ein Buch mit sieben Siegeln“ hält. Es wird vorausgesetzt, dass die Leser dieses Buch verstehen. Ansonsten könnten sie es nicht „halten“ (bewahren).

Die Schlüssel zum rechten Verständnis hat Jesus Christus.

„Enthüllung Jesu Christi“: Der Wesfall („Jesu Christi“) scheint ein „Wesfall des Subjekts“ (lat. genitivus subiectivus) zu sein, d. h., es handelt sich um eine Enthüllung (Offenbarung), die von Jesus Christus ausgeht (Wesfall der Herkunft) und ihm gleichsam gehört (Wesfall des Besitzes).

Anm.: Unwahrscheinlicher ist, dass es ein Wesfall des Objekts (lat. genitivus obiectivus) ist. Das würde bedeuten, dass es eine Offenbarung ist, die ihn zum Objekt (Gegenstand) hat (Vgl. 1Kor 1,7; 2Thes 1,7; 1Petr 1,7.), d. h., dass Jesus Christus offenbart wird.

2. Herkunft und Zweck 1,1.2

V. 1: „… die Gott ihm gab, …“

Diese „Enthüllung“, die Botschaft, den Inhalt der Off hat Gott dem Herrn Jesus Christus gegeben. Der wird hier vorgestellt als der „Menschensohn“, d. h., als der eine vollkommene, der zur Rechten Gottes erhöhte Mensch. Als solcher empfängt er die Botschaft von Gott.

„… seinen Knechten zu zeigen, …“

Jesus Christus zeigte sie dem Seher Johannes. Der schrieb sie nieder. Und er sollte sie an die übrigen Knechte Gottes, d. h. an die Christen, die damals lebten – vorerst an diejenigen in den sieben Gemeinden in Kleinasien – weitergeben.

„… was in Kürze geschehen muss“

„… in Kürze“: Die Erscheinung Christi war Gegenstand der Hoffnung und sehnsüchtigen Erwartung der ersten Christen (1Kor 1,7; 1Thes 1,10; Tit 2,14). Aber es geht nicht nur um die Erscheinung Christi. Es geht auch um Gerichte und Ereignisse, die diesem vorausgehen. Diese waren im Begriffe „in Kürze“, d. h. in zeitlicher Nähe, zu geschehen. Man kann auch übersetzen „mit Schnelligkeit“, d. h., nicht langsam, und nicht so, dass man sagen könnte „Dies alles kommt noch lange nicht“. Die Zeit bis dahin sollte schnell vergehen. (Nicht gemeint ist, dass die Dinge selber mit hoher Geschwindigkeit ablaufen sollten.)

„… geschehen muss: „muss“, weil es so in der Heiligen Schrift steht. Die Schrift muss sich erfüllen. In der Schrift steht es, weil Gott es im Voraus wusste und weiß. Er hat alles in der Hand. Nichts geschieht, was ihn überraschen könnte.

„Und er zeigte sie (d. h.: die Enthüllung) an“: Man könnte das Wort auch übersetzen mit „er tat sie durch Zeichen kund“. Die Botschaft wurde „gezeigt“, d. h. der Prophet sah Bilder und Symbole in Gesichten. Die meisten sind aus dem Alten Testament (AT). (Fn.: S. dazu die Einleitung.)

„… und sandte sie durch seinen [himmlischen] Boten seinem Knecht Johannes,

Ein [himmlischer] Bote Gottes sandte die Botschaft der Off dem Apostel Johannes.

Das Griechische kennt kein besonderes Wort für „Engel“. Für diese Wesen verwendet es den allgemeinen Ausdruck „Bote“. Ist es vom Zusammenhang her gewiss, dass es sich um einen Engel handelt, wurde in unserer Übersetzung das das Adjektiv „himmlisch“ in eckigen Klammern hinzugefügt.

Wurde die Off geschrieben, um verstanden zu werden? Ja! Warum sind die, die es lesen und halten (bewahren= tun) glücklich zu preisen?

Die Empfänger standen unter Leiden und Verfolgungen. Sollte dieser Brief ihnen nichts zu sagen haben?

Wenn er für sie zum Trost und zur Ermutigung und Mahnung sein sollte, muss es ein Brief sein, den sie verstanden und der Dinge betrifft, die sie selber erlebten. Ist nicht genau das der Schlüssel zum Verständnis dieses Briefes? Ist es daher nicht unumgänglich, dass jener Brief sich auf Ereignisse und Situationen der zeitgenössischen Geschichte bezieht?

Der Brief selber sagt, dass er Dinge beinhaltet, die in naher Zukunft geschehen würden.

Der Schlüssel hängt an der Tür! Off 1,1.3; 3,11; 22,6.7.12.20;

mellein: 1,19; 3,10; 6,11; 12,5; 17,8.

Die Zeit ist nahe (1,3) = der Herr ist nahe (Phil 4,5).

V. 1: „… der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi [o.: das Zeugnis, das Jesus Christus betrifft; das Zeugnis über Jesus Christus] bezeugte, was immer er auch sah.

. Er sah nicht alles. Daher weiß er nicht alles. Folglich müssen wir mit Informationslücken rechnen. Es ist das Wesen biblischer Prophetie, dass nicht alles gesagt wird. Kein vollständiges Bild wird gegeben.

. Er „bezeugt“ nur das, was er sah. Er gibt nicht seine eigene Deutung. Er deutet gar nicht; er gibt nur weiter. Der Heilige Geist deutete und erklärte ihm. Er berichtet nun diese, des Geistes, Deutung.

So sollen auch wir es tun: nur das weitergeben, was als Bezeugtes vorhanden ist; d. h., nur das, was in der Heiligen Schrift geoffenbart ist. Wir dürfen uns Gedanken machen, dürfen aber nicht eindeutige feste Aussagen machen, wenn sie nicht klar in der heiligen Schrift gemacht werden.

V. 1: „… die Gott ihm gab“

Diese Enthüllung (die Botschaft, den Inhalt der Offenbarung) hat Gott seinem Christus gegeben. Jesus Christus wird vorgestellt als der Menschensohn, als der eine vollkommene Mensch, der zur Rechten Gottes Erhöhte, der Sohn Gottes.

V 1M: „… seinen Knechten zu zeigen, …“

Jesus Christus zeigte sie Johannes. Der schrieb sie nieder. Johannes sollte sie weitergeben an die übrigen Knechte Gottes, an die Gläubigen jener Zeit. Da der Brief von Gott „gehaucht“ ist (wie jedes Schrift des AT und NT), ist er auch für heutige Christen von überaus großem Wert.

V. 1M: „… was in Kürze (o.: in Bälde) geschehen muss“:

Die Absicht der Off war, den Heiligen im Voraus zu zeigen, was gemäß Gottes Ratschluss in Kürze geschehen sollte. Diese Dinge waren im Begriffe „in Kürze“, „in Bälde“ und „mit Schnelligkeit“ zu geschehen.

„In Kürze“ und „in Bälde“ ist also vom Standpunkt Gottes aus und im heilsgeschichtlichen Sinne zu verstehen. In Schnelligkeit“, d. h., nicht langsam, nicht so, dass man sagen könnte „das alles kommt noch lange nicht“. Zum Begriff „bald“ vergleichen wir Jer 27,16: Und ich redete zu den Priestern und zu diesem ganzen Volk und sagte: So sagt Jahweh: Hört nicht auf die Worte eurer Propheten, die euch weissagen und sprechen: Siehe, die Geräte des Hauses Jahwehs werden nun bald aus Babel zurückgebracht werden; denn sie weissagen euch Lüge.“ –Jeremia sagte, dass die Rückführung aus Babel nicht „bald“ geschehen werde, er wusste, dass Gott 70 Jahre über Babel voll machen werde. Also „70 Jahre“ ist nicht „bald“.

V. 1M: „… geschehen muss“:

– „muss“, weil es so in der Heiligen Schrift steht. Die Heilige Schrift muss sich erfüllen. In der Schrift steht es, weil Gott es im Voraus wusste und weiß. Gott hat alles in der Hand. Nichts geschieht, was ihn überraschen könnte.

„Und er zeigte sie [d. h., die Enthüllung] an, ‹er tat sie durch Zeichen kund›, und sandte sie durch seinen Engel [= himmlischen Boten] seinem Knecht Johannes“

Man könnte auch übersetzen: „er zeigte sie an, ‹tat sie durch Zeichen kund,›“. Die Off wurde dem Johannes „gezeigt“. D.h. Johannes sah viele Bilder und Symbole in Visionen. Diese richteten sich an das geistliche Verständnis der Christen. Wir Menschen können geistliche/himmlische Wirklichkeiten nur durch Bilder und Symbole verstehen und erkennen. Daher wird Gott als auf einem Thron sitzend dargestellt.

Im AT deuteten irdische Schattenbilder auf geistliche Wirklichkeiten hin. Gott (bzw. der Hl. Geist) verwendete Bilder aus dem AT, um geistliche Wirklichkeiten darzustellen.

Die Offenbarung ein Tempelbuch. Viele Bilder der Off sind vom alttestamentlichen Tempeldienst bzw. von der so genannten „Stiftshütte“, dem Zelt der Begegnung genommen. Der Himmel ist die Erfüllung dessen, was der alttestamentliche Tempel darstellte. (Vgl. Off 21.)

Wenn Christi Knechte die Botschaft hören bzw. lesen, verstehen und sich darauf vorbereiten, werden sie auf die schwere Zeit, die im Begriff war zu kommen, vorbereitet sein.

Er „tat sie durch Zeichen kund“, nicht durch Codes; sondern durch metaphorische Sprache und durch aus de AT bekannte Bilder. Da war ein Lamm, da waren 24 Älteste (1Ch 24), vier lebende Cherubim–Wesen (Hes 1), ein Heiligtum, Altäre, Leuchter, ein gläsernes Meer, die Lade des Bundes, Posaunen blasende Engel (2Mo 19) …

Hinter den Bildern stehen konkrete Wirklichkeiten. Die Leuchter (ein Bild aus Sach 4 und vom Tempeldienst bzw. von der Stiftshütte) sind die Gemeinden, sagt der Apostel (1,20). Und die Kleider, die im Blut des Lammes gewaschen werden, werden weiß, glänzend weiß. Den Lesern war klar, was das bedeutete.

Eine Apokalypse ist eine eigene literarische Gattung. Apoklaypsen im AT sind: die Bücher Daniel und Sacharja, z. T. auch das Buch des Propheten Hesekiel. Im NT ist nur das Buch der Off apokalyptisch.

In der Apokalyptik von außerbiblischen Büchern (und daher nicht gottgehauchten Büchern) werden die Namen der Autoren nicht genannt. Der Verfasser bleibt dort anonym oder pseudonym. (Z. Bsp.: Die Himmelfahrt des Moses, Das Henochbuch, Der Hirte des Hermas). Nicht so in der biblischen Apokalyptik. Dort wird der Autor genannt.

Die Bilder in der Offenbarung sind aussagekräftig und finden im AT ihre Parallelen: der Drache, die alte Schlange (Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3; 1Mo 3), das Tier (Dan 7), das Zeichen auf der Stirn und auf der Hand (5Mo 6,8), das Siegel auf der Stirn (Hes 9), das Getragenwerden auf Adlerflügeln (Off 12; 2Mo 19).

Die Anspielungen auf das AT sind nicht zufällig, sondern wohl ausgedacht. Da ist eine Invasion aus dem Osten (9,13ff; 16,12): Der Osten israelitischen Reiches begann hinter dem Euphrat. Aus dem Osten und Nordosten waren Israels Feinde gekommen.

Das AT wurde damals in den Gemeinden viel gelesen, viele Christen waren noch stark vom jüdischen Hintergrund geprägt. Und die Christen wurden von den Juden stark bedrängt (Off 2,9; 3,9).

Die Posaunen und Schalen bilden ein schematisiertes Bild. Man denkt an 2Mo 8–11 (Plagen), an Jos 3–6 (Austrocknung des Flusses), an Joel 1 und 2 (Heuschrecken).

Es soll ein Eindruck vermittelt werden vom schrecklichen Gerichtseingreifen Gottes – in der Zerstörung der Hure Babylon (durch das Tier und seine zehn Könige) und in der Vernichtung des Tieres und der zehn Könige (durch das Gerichtskommen des weißen Reiters aus dem Himmel). Die K. 8.9 bilden Warngerichte, bei denen es noch Verzögerungen gibt, mit dem Ziel, dass die übrigen Menschen Buße tun von ihren bösen Werken, von ihrer Unzucht und von ihrem Götzendienst. Das K 16 bringt dann Schlussgerichte – ohne Verzögerung, weil die Menschen nicht Buße taten.

Die Apokalypse ist eine eigene literarische Gattung. Apoklaypsen im AT waren bekannt: das Buch Daniel und das Buch Sacharja, die kleine Apokalypse des Jesaja (Jes 24–27), Teile aus dem Buch des Propheten Hesekiel.

Es gibt im Text der Off selber zahlreiche Erklärungen und Verständnishilfen (Orientierungshilfen) für die richtige Interpretation: Das Lamm und der Löwe sind dieselbe Person, (K. 5); die sieben Sterne sind die Boten der sieben Gemeinden, die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden (1,20), die sieben Fackeln stellen Gott als vollkommenes Geistwesen dar (4,5), die sieben Hörner und sieben Augen stellen Gottes große Macht (Hörner) und Gegenwart (Augen) durch seinen Geist dar (5,6), das Räucherwerk auf den Schalen sind die Gebete der Heiligen (5,8); die große Stadt, die „Sodom“ und „Ägypten“ heißt, wird mit der großen Stadt identifiziert, wo der Herr gekreuzigt wurde (11,8); der große Drache ist die alte Schlange, der alter Verführer, der auch „Teufel“ (Querwerfer) und „der Satan“ (Widersacher) genannt wird (12,9; 20,2). Die Gestalt auf den Wolken, die als Menschensohn beschrieben wird, entspricht dem richtenden Herrn (14,14). Die sieben Häupter und Berge sind sieben Könige, die in engen Zusammenhang stehen mit der „Frau“, die eine Hure ist und als „die große Stadt“ (17,18) beschrieben wird. Die zehn Hörner sind gleichzeitig auftretende herrschende Menschen, die mit dem Tier für eine kurze Zeit Macht haben, und sich dann gegen die Hure wenden, um sie zu vernichten. Die Frau, die Hure, ist das Gegenpart zur Braut.

„… und sandte sie durch seinen Engel (o. Boten) seinem Knecht Johannes, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi (o.: das Zeugnis, das Jesus Christus betrifft; o.: das Zeugnis über Jesus Christus) bezeugte, was immer er auch sah.“

· Er sah nicht alles; daher weiß er nicht alles. Folglich müssen wir mit Informationslücken rechnen. Es ist das Wesen biblischer Prophetie, dass nicht alles gesagt wird. Es wird kein vollständiges Bild gegeben.

· Er bezeugt nur das, „was er sah“. Er gibt nicht seine eigene Deutung. Er deutet gar nicht, er gibt nur weiter. Der Heilige Geist deutete und erklärte ihm. Johannes berichtet nun diese, des Geistes, Deutung.

So sollen auch wir es tun: nur das weitergeben, was als Bezeugtes vorhanden ist, nur das, was in der Heiligen Schrift geoffenbart ist. Wir dürfen uns Gedanken machen, wir dürfen aber nicht eindeutige feste Aussagen machen, wenn sie nicht klar in der heiligen Schrift gemacht werden.

3. Eine Seligpreisung 1,3

V. 3: „Ein Seliger [ist] der, der liest, …“

Gemeint ist der öffentliche Vorleser in der Gemeinde.

Warum waren die, die die Information dieses lasen und hielten (bewahrten und taten), glücklich zu preisen?

– weil die Zeit nahe war. – Die Empfänger standen unmittelbar vor großen Leiden und Verfolgungen. Der Brief sollte ihnen Mut, Trost und Mahnung sein. Deshalb musste es ein Brief sein, dessen Botschaft von ihnen verstanden wurde.

Der Brief bezieht sich auf Ereignisse und Situationen der zeitgenössischen Geschichte.

Johannes (bzw. der Engel) sagt selber, dass die Dinge, die im Brief geschrieben sind, in naher Zukunft geschehen würden.

Der Schlüssel zu dem Buch der Off hängt an der Tür; an der Vordertür (Off 1,1.3) und an der Hintertür (22,6.7.10.12.20).

Zusätzlich kommt der griechische Begriff „mellein“ (im Begriff sein zu ..) vor:

1,19: „Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem im Begriff ist zu geschehen.“

3,10 „Weil du das Wort meiner Ausdauer bewahrtest, werde ich dich auch bewahren vor der Stunde der Prüfung (o. Versuchung), die im Begriff ist, über das ganze Weltreich (o. Imperium; o. Festland) zu kommen, um die zu prüfen, die auf der Erde wohnen.“

6,11: „Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben. Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder vollzählig würden, die im Begriff sind getötet zu werden eben wie sie.“

Die Zeit war nahe (1,3). Die Dinge sollten in Kürze geschehen (1,1).

V. 3: „… und [Selige sind] die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren ‹und halten›, was darin geschrieben ist, …“

hören: Im Hören ist im Griechischen oft das Verstehen eingeschlossen; wir dürfen das Buch verstehen; es wurde mit der Absicht geschrieben, dass die Leser es verstehen sollten.

bewahren ‹und halten›: Das bedeutet:

. notieren bzw. als Kopie aufbewahren

. im Herzen (d. h. im Denken) aufbewahren (indem man es sich einprägt, auch Teile davon auswendig lernt)

. tun, befolgen. Die Leser in ihrer konkreten historischen Situation sind aufgerufen, auf die Worte dieser Weissagung entsprechend zu reagieren (1,3; 2,7.11.17.26–29; 3,5.6.11–13.20–22; 13,9.10.18; 16,15; 18,4; 22,7.14.17–19).

Wenn die Gemeinde aufgerufen ist zu hören und zu bewahren, können wir voraussetzen, dass die Gemeinde die zentrale Botschaft dieses Buches verstehen konnte, und dass die Gemeinde in der Lage war, zu tun, was ihr in diesem Buch aufgetragen ist. Die Christen damals sollten diesen Brief daher nicht als etwas „Geheimes“ und Unverständliches beiseite legen.

Nun wissen auch wir, wie wir dieses Buch zu lesen haben: nicht zur Befriedigung unserer Neugierde (z. B. um einen „Fahrplan“ für die Endzeit zu haben), sondern mit der Bereitschaft unser Leben danach auszurichten – und es bis zum Tode hinzugeben, falls das erforderlich sein sollte.

(Fn.: Es gibt Ausleger, die meinen, der Großteil des Buches der Off sei nicht für Jesu Gemeinde. Wie könnte das sein, wenn in diesem Buch die an Christus Glaubenden (die in den K. 1–3 „Gemeinde“ genannt werden) aufgefordert werden, die Worte und Weisungen dieses Buches (z. B. die Anweisung, auszuharren) zu befolgen. Wie könnten sie etwas befolgen, das nicht für sie ist?)

V. 3: „Ein Seliger der, der liest (d. h.: der öffentliche Vorleser in der Gemeinde; aber auch der, der diesen Brief zu Hause liest), und [Selige] die, die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darin geschrieben ist, …“

· Im Hören ist das Verstehen eingeschlossen; die Leser dürfen das Buch verstehen. Es wurde in der Absicht geschrieben, dass die Leser es verstehen.

·Bewahren: Nicht nur als Kopie aufbewahren, sondern auch beherzigen, im Herzen (d. h.: im Denken) aufbewahren, vielleicht auch Teile davon auswendig lernen

·Das Beherzigen schließt auch das Tun, Befolgen ein.

Wenn die Gemeinde aufgerufen ist zu hören und zu bewahren, können wir voraussetzen, dass die Gemeinde die zentrale Botschaft dieses Buches verstehen konnte und dass die Gemeinde in der Lage war, zu tun, was ihr in diesem Buch aufgetragen wurde.

Es gibt solche, die meinen, der Großteil des Buches der Off sei nicht für Jesu Gemeinde. Wie könnte das sein, wenn in diesem Buch die an Christus Glaubenden aufgefordert werden, die Worte und Weisungen dieses Buches zu befolgen (wie z. B. die Anweisungen, auszuharren). Wie sollten sie etwas befolgen, das gar nicht an sie gerichtet wäre?

Nun wissen wir, wie wir dieses Buch zu lesen haben: nicht zur Befriedigung der Neugierde, nicht als Fahrplan für die „Endzeit“, sondern mit der Bereitschaft das Leben danach auszurichten.

Der Zweck der Prophetie ist nicht intellektuelle Befriedigung, sondern Lebensveränderung in Christi Bild. D.h. Prophetie soll dazu dienen, dass wir unseren Charakter von Jesus Christus umgestalten lassen (1Thes 5,23; 1Joh 3,3; 2Petr 3,12.13), dass wir uns und andere zum Durchhalten und Bezeugen in Anfechtung und Verfolgung ermutigen, und dass wir uns und andere trösten (Mk 8,38; Rm 8,18; 2Kor 4,17; 1Thes 4,18); auch, dass wir uns selbst und andere zum Dienst für Christus motivieren (Joh 9,4; 1Thes 1,9.10) und zu Wachsamkeit anregen. Auch, dass wir ein Anliegen bekommen für Menschen, die durch falsches Leben oder durch falsche Lehre in die Gefahr gekommen sind abzudriften (Jud 21–23, Hebr 2,1.2) und dass wir uns von Ungöttlichem und lehrhaft Falschem absondern (2Petr 3,12.13).

„… denn die Zeit ist nahe.“

Im Einleitungs– und Schlussteil wird je zweimal auf die Nähe der beschriebenen Ereignisse aufmerksam gemacht: 1,1.3; 22,6.10.

1,1: „… seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss.“ … V. 3: „… die Zeit ist nahe!“

22,6: „Und er sagte zu mir: Diese Worte sind treu und wahrhaftig. Und der Herr, der Gott der heiligen Propheten, sandte seinen [himmlischen] Boten, um seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss.“ … V. 10: „Und er sagt zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.“

Im Gegensatz zu Dan 8,26 und 12,4 (8,26: „Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage.“; 12,4: „Aber du, Daniel, verschließe die Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes.“) soll Johannes das Gesicht nicht versiegeln, da die Zeit der Erfüllung der beschriebenen Ereignisse kurz bevorsteht. Bei Daniel lagen mindestens 370 Jahre zwischen dem Geben der Prophetie und dem Beginn der Erfüllung, bei Johannes nur wenige Monate oder Jahre.

Auch war das, was in der Off berichtet wird, tatsächlich zeitlich nahe, es geschah vieles bereits in der Zeit der Briefempfänger, z. B. das Gericht über die Hure und der große Druck, der von Seiten der politischen Macht auf die Christen kam.

Apg 2,17: „Und es wird sein in den letzten Tagen, sagt Gott: Ich werde ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben.“

Hebr 1,2: „…, redete er in diesen Tagen, den letzten, zu uns durch [den] Sohn“

Jk 5,3: „Schätze häuftet ihr an in letzten Tagen!“

1Kor 10,11: „Aber alle diese Dinge widerfuhren jenen als Vorbilder. Sie wurden zu unserer Ermahnung aufgezeichnet, zu denen die Enden der Weltzeiten gelangt sind.“

2Petr 3,3: „Nehmt dabei zuerst dieses zur Kenntnis, dass zur letzten [Zeit] der Tage Spötter kommen werden, …“ (Gemäß Jud 18 sind diese Spötter bereits in den 60er Jahren des 1. Jhdts. gekommen. Vgl. auch 2Tim 3,1.)

„… denn die Zeit ist nahe.“

Im Einleitungsteil und Schlussteil wird 7–mal auf die Nähe des Endes aufmerksam gemacht: 1,1.3; 22,6.7.10.12.20.

Die Zeit war zur Zeit der Abfassung „nahe“, die Nacht war weit vorgerückt, der Tag nahe (Rm 13,12).

Die Zeitaussagen bzgl. der Nähe der Parusie wurden in den Briefen, die in den Jahren 60–64 entstanden, intensiviert.

55/56: 1Kor 10,11: „Aber alle diese Dinge widerfuhren jenen als Vorbilder. Sie wurden zu unserer Ermahnung aufgezeichnet, zu denen die Enden der Weltzeiten gelangt sind.“

1Kor 7,29-31: „Dieses sage ich, Brüder: Die Zeit ist bemessen. Für die noch bleibende gilt, dass auch die, die Frauen haben, wie solche seien, die keine haben, 30 und die, die weinen, wie solche, die nicht weinen, und die, die sich freuen, wie solche, die sich nicht freuen, und die, die kaufen, wie solche, die nicht besitzen, 31 und die, die diese Welt gebrauchen, wie solche, die nicht völligen Gebrauch [von ihr] machen, denn die Gestalt dieser Welt ist am Vergehen.“

57/58: Rm 13,11.12 „Und dieses, da ihr über die Zeit ‹Bescheid› wisst, dass die Stunde schon ‹da› ist, da wir bereits aus dem Schlaf erwacht sein sollten, denn nun ist unsere Rettung näher als da wir glaubten! Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag hat sich genaht. Lasst uns also die Werke der Dunkelheit ablegen und die Waffen des Lichts anziehen.“

Rm 16,20: „Aber der Gott des Friedens wird den Satan in Kürze unter euren Füßen niedermachen.“

55-62: Jak 5,3.7.8 „Habt auch ihr Geduld und festigt eure Herzen, weil die Ankunft des Herrn nahegekommen ist.“ (V. 8)

57/58: Rm 16,20 in Kürze

60-63: Off 1,1.3; 3,10.11; 16,15; 22,6–10.20; (1,7: Siehe, er kommt; ich komme bald, die Zeit ist nahe; in Kürze)

60-64: 1Joh 2,18 es ist letzte Stunde

62/63: Phil 4,5 der Herr ist nahe.

62/63: Hebr 10,25: der Tag naht sich; V. 37: „Noch ein Weniges, wie sehr, wie sehr [Weniges]! Der, der kommt, wird kommen. Und er wird nicht verziehen.“

63/64: 1Petr 4,7 „Aber das Ende aller Dinge ist nahe gekommen.“

64: Jud 14 „Siehe“

64: 2Petr 2,3f: deren Gericht nicht schlummert; … baldiges Verderben; 2Petr 3,3 in der letzten Zeit werden Spötter kommen; 2Petr 3,9 der Herr ist nicht säumig; 2Petr 3,10 kommen wie ein Dieb; 3,12 ereilend die Ankunft des Tages Gottes; 2Petr 3,14: da ihr dieses erwartet, befleißigt euch …

Die Christen begrüßten sich gegen Ende der Fünfzigerjahre des ersten Jahrhunderts mit „Maran–Atha“ (1Kor 16,22): „Unser Herr ist im Begriff zu kommen“; „ist dabei zu kommen“; w.: ist kommend).

Die letzten Tage:

Ag 2:17 ‚Und es wird sein in den letzten Tagen, sagt Gott: Ich werde ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben.

Hebr 1:2 redete er in diesen Tagen, den letzten, zu uns durch [[den Sohn, den er zum Erben von allem einsetzte, durch den er auch die Welten [mit ihren Zeiten] machte,

Hebr 9,27

1Petr 3,2

4. Gruß 1,4–6A

Das Buch der Off hat die Form eines Briefes – mit Gruß und Schluss. Es ist ein Hirtenbrief mit einem dringlichen seelsorgerlichen Anliegen.

a. Der Grüßende: 1,4A

V. 4: „Johannes, …“

Der Grüßende (1,4A) ist Johannes. Es ist nicht nötig, dass mehr über ihn gesagt wird. Der Apostel Johannes war den Gemeinden in Kleinasien wohlbekannt und genoss großes Ansehen.

b. Die Gegrüßten: 1,4M

V. 4: „… den sieben Gemeinden, denen in Asien: …“

Der Brief richtet sich an die Gemeinden in Kleinasien. Die Christen sollten auf eine in der unmittelbaren Zukunft eintretende große Prüfungszeit vorbereitet werden. Jede der sieben Gemeinden wird aufgefordert zu überwinden. Die Gläubigen von Smyrna werden ermahnt, nichts von dem zu fürchten, was sie in naher Zukunft zu erdulden haben werden (2,10). Einige von ihnen werden eine spezielle zehntägige Prüfung durchmachen müssen. Für alle sieben Gemeinden geht um Leben, das ewige – und um Tod, den ewigen.

Die unmittelbare Absicht dieses Briefes ist es, die Heiligen zu ermahnen, aufzurichten und zu ermuntern, damit sie den ihnen auferlegten Kampf bis aufs Blut kämpften.

c. Das eigentliche Grußwort: 1,4E–5A

Das eigentliche Grußwort (1,4E–5A) lautet:

„Gnade sei (o. werde) euch zuteil und Friede von Gott – der ist und der war und der kommt – …“

Die Quelle von Gnade und Friede ist der „Er ist und er war und er kommt“.

Gott kommt immer wieder, und zwar genau dann, wenn man ihn anruft.

V. 4E: „… und von den sieben Geistern, …“: Als zweite Quelle aller Gnade und allen Friedens werden die „sieben Geister Gottes“ genannt. Wer sind sie? Off 5,6 zeigt, das Lamm „hatte sieben Hörner und sieben Augen, die die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt worden sind zur ganzen Erde.“ Die Sieben steht für Totalität, Fülle; das Horn steht für Kraft, die Augen für Weisheit. Das Lamm hat durch den Geist Gottes alle Kraft und Weisheit. Durch die Zahl „Sieben“ könnte auch die Vielseitigkeit des einen Heiligen Geistes dargestellt sein. Er ist der Geist Jahwehs, der Geist der Weisheit, des Verstandes, des Rates, der Kraft, der Erkenntnis und der Furcht Jahwehs (Jes 11,2). Er ist ein Geist für die sieben Gemeinden; er ist für alle da und hat genug Rat, Kraft und Weisheit für alle.

„… die vor seinem Thron sind, …“:

Der Heilige Geist steht in Dienstbereitschaft vor Gott. (Auch Elia stand einst „vor Gott“: „Der Gott, vor dem ich stehe, …“ Man darf sich die Frage stellen: Stehe ich vor Gott? Oder bin ich zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt?)

Der Inhalt des Grußwortes

„Gnade [sei] euch zuteil und Friede“

Mehrmals im Brief wird die Gottheit Christi betont. (Vgl. z. B. V. 4 mit V. 8.) Christus ist der Ewige, der „Erste und Letzte“ und der Allmächtige. (Vgl. auch 22,13.16 im Lichte von Jes 44,6.)

Die Quelle des Grußwortes

„… von dem ‚Er ist und er war und er kommt’, …“

Gott wird hier nicht dekliniert. Gott – und Jesus Christus – ist der ewig Seiende, der Jahweh des AT. Gott – und Jesus Christus – ist die Quelle von aller Gnade und allem Frieden.

„und er kommt“: Gott kommt – immer wieder, und zwar dann, wenn wir ihn anrufen.

„und von den sieben Geistern, …“

Als zweite Quelle aller Gnade und allen Friedens werden die „sieben Geister Gottes“ genannt. Wer sind diese? 5,6 gibt die Lösung. Das Lamm „hatte sieben Hörner und sieben Augen, die die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt worden sind zur ganzen Erde.“

Die Sieben steht für Totalität, Fülle, das Horn steht für Kraft, die Augen für Weisheit. Das Lamm hat durch den Geist Gottes alle Kraft und Weisheit.

Durch die Sieben könnte auch die Vielseitigkeit des einen Heiligen Geistes dargestellt sein. Er ist ein Geist Jahwehs, ein Geist der Weisheit, des Verstandes, des Rates, der Kraft, der Erkenntnis und der Furcht Jahwehs. Jes 11,2.

Er ist ein Geist für die sieben Gemeinden; er ist für alle da und hat genug Rat, Kraft und Weisheit für alle Christen aller Gemeinden.

„die vor seinem Thron sind, …“

Der Heilige Geist steht in Dienstbereitschaft vor Gott. (Auch Elia stand „vor Gott“. Er sagte: „Der Gott, vor dem ich stehe, …“ Wir können uns die Frage stellen: Stehe ich vor Gott? – Oder bin ich so sehr mit anderen Dingen beschäftigt?)

Das Gefüge „der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und der Fürst über die Könige der Erde.“ wird im griech. Text nicht gebeugt. Johannes schreibt nicht „und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen … und Fürsten …“. Die dreifache Bezeichnung wird hier wie ein Eigenname oder Titel gebraucht.

V. 5: „… und von Jesus Christus:“ …

Auch er wird als Quelle von Gnade und Frieden genannt. Er istder treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und der Fürst über die Könige der Erde.“ Die dreifache Bezeichnung wird hier wie ein Eigenname oder Titel gebraucht.

„… der treue Zeuge“:

Der Bezug ist auf sein vollkommenes Leben und Sterben. Er bezeugte den Vater und lebte als zuverlässiger Zeuge (1Tim 6,13: „…, der vor Pontius Pilatus das edle Bekenntnis bezeugte“) in völliger Hingabe an den Vater, treu bis zum Tod (Phil 2,5–8.) Auch die Leser sind zur Treue aufgerufen.

„… der Erstgeborene von den Toten“:

Jesus Christus lebt; er weiß, was es heißt für die Sache Gottes zu leiden und zu sterben. Wer in der Zeit der Bedrängnis treu ist, wird sterben müssen. Aber die Leser sollen getröstet wissen: Sie werden mit ihm leben. Der Herr ging aus dem Tod hervor, um die Seinen aus dem Hades in sein Auferstehungsleben zu führen. Er ging ihnen voran. Er ist in allem der Erste (Kol 1,15–18).

Erstgeborener bedeutet auch Ranghöchster. (Vgl. Ps 89,28: „Ja, ich werde ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten über die Könige der Erde.“)

„… und Fürst über die Könige der Erde.“

Der Bezug ist auf Christi Erhöhung. Nicht der römische Kaiser, nicht das Tier, nicht der Drache (der Satan, der „der Fürst dieser Welt“ [Joh 12,31; 14,30; 16,11] und „der Gott dieser Weltzeit“ [2Kor 4,4] genannt wird) ist der eigentliche Fürst über die Könige der Erde. Die Leser sollen wissen: Die Überwinder werden mit Christus regieren. Sie müssen daher nicht „des Königs Gebot“ (Hebr 11,23) fürchten.

d. Die Beschreibung des Gepriesenen 1,5

Es folgt die Beschreibung des Gepriesenen (Off 1,5):

Der Liebende

„Dem, der uns liebt …“

Das ist in diesem Buch die erste Aussage, die über die Glaubenden gemacht wird. Der, der die Erde richten wird und das Universum lenkt, ist ihr Geliebter und sie sind seine Geliebten. Die Erlösten sind seine geliebte Braut.

In der Off steht nicht viel über Liebe, aber die Verse, die davon sprechen, sind stark.

Seine Liebe zu den Heiligen: Er ist es, der sie liebte (und beständig liebt, 1,5; vgl. 3,19: „die ich gern habe; hier steht das griech. Wort philein, gern haben.); eines Tages wird offenbar, dass er jeden einzelnen geliebt hat (3,9), das Ziel ist „die geliebte Stadt“ (20,9).

Die Liebe der Heiligen zu ihm: Sie sollten diese Liebe zu Christus nicht verlassen (2,4); er kennt ihre Werke und ihre Liebe (2,19).

Wohin die Liebe nicht gerichtet werden darf: auf das Selbstleben (12,11 „sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod“; auf die Lüge (22,15: „… jeder, der die Lüge gernhat“; hier steht das griech. Wort philein, gernhaben.).

Der Reinigende

„… und uns in seinem Blut von unseren Sünden wusch“

(einige Hss: „und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöste“)

Indem er sich gab, machte er die Waschung möglich, aber gewaschen wird man erst, wenn man sein Opfer in Anspruch nimmt.

Der Erhebende

V. 6: „– auch machte er uns zu Königen und zu Priestern“

„zu Königen“: um mit ihm zu regieren

. über uns selbst

. über das uns Anvertraute (Familie, Gemeinde u.a.)

. über die Welt durch unsere Gebete

. eines Tages mit ihm

Jetzt ist Training time for reigning time.

„zu Priestern“: um Gott zu nahen

. um Menschen vor Gott zu vertreten

. um Gott vor Menschen zu vertreten (1Petr 2; Mal 2)

„für seinen Gott und Vater“

Nicht für uns selbst sind wir Könige und Priester, sondern für Gott:

. als seine Stellvertreter

. zu seiner Ehre

. aus seiner Kraft

Auch im Himmel werden wir alles für ihn sein und tun. Der Dienst eines jeden für ihn kommt anderen zugute.

5. Die eigentliche Doxologie: 1,6

„– ihm gebühren die Herrlichkeit und die Macht“

Den Heiligen die Gnade und der Friede, ihm die Herrlichkeit und die Macht. So soll es immer sein!

Ein großes Thema in der Off ist die Antwort auf die Frage, wem die Herrlichkeit und die Macht gehört. (Vgl. 4,11; Ps 24,1; 2Mo 19,5.)

Eigene Herrlichkeit und eigene Macht (Vgl. Off 18,7.), dieses Denken prägt die Weltmächte von Babylonien an.

V. 6: „… und er machte uns zu einem Königtum, zu Priestern“:

zu Königen, um mit ihm zu regieren; zu Priestern, um Gott zu nahen.

„… seinem Gott und Vater“: Nicht für die Menschen, nicht für sich selbst, sondern für Gott – als seine Stellvertreter, zu seiner Ehre, aus seiner Kraft. Auch im Himmel werden die Seinen alles für ihn sein und für ihn tun.

Die eigentliche Doxologie folgt in 1,6: „ihm gebühren die Herrlichkeit und die Macht“

Den Heiligen Gnade und Friede, ihm Herrlichkeit und Macht. So soll es immer sein!

Eigene Herrlichkeit hingegen und eigene Macht (Off 18,7.) – dieses Denken kennzeichnet die Hure.

Wir Menschen wollen gerne selber die Herrlichkeit (den Glanz, die Ehre, die Schönheit) und die Macht. Der Wunsch nach Herrlichkeit und Macht an sich ist gottgegeben, denn wir Menschen sind im Bild Gottes geschaffen. Aber seit dem Sündenfall wollen wir diese in Unabhängigkeit von Gott haben.

Nebukadnezar wandelte auf dem königlichen Palast zu Babel umher, hob an und sagte: „Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Dan 4,27). Er musste lernen, dass wir Menschen alles nur in Abhängigkeit von Gott – aus seiner Hand und in reger Verbindung mit ihm – bekommen können. Er muss die Quelle und das Ziel unserer Fähigkeiten und Handlungen sein.

Alle Menschen sündigten, „und sie reichen nicht an die Herrlichkeit Gottes heran“ (Rm 3,23), nur in und durch Christus können sie die von Gott geschenkte Herrlichkeit erlangen (Rm 8,29.30; Hebr 2,11; Joh 17,22). Die große Stadt, das heilige Jerusalem, „hatte die Herrlichkeit Gottes“ (Off 21,10.11); der Herr, Gott, leuchtet über ihr (22,5) und erleuchtet sie (21,23).

„… in alle Ewigkeit“: eigtl.: „in die Äonen der Äonen.“ Die Ewigkeit ist eine unaufhörliche Aneinanderreihung von langen Zeitabschnitten.

„Ja, wahrlich.“ Der Lobpreis wird mit einem „Amen“ („So ist es und so soll es sein!“) beschlossen.

6. Thema 1,7

V. 7: „Siehe! Er kommt mit den Wolken. Und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstachen. Und es werden ‹sich an die Brust schlagen und› wehklagen um ihn alle Stämme des Landes. Ja. Amen.“

Der große Höhepunkt und Zielpunkt der Off ist das Kommen des in V. 5 erwähnten „Fürsten über die Könige der Erde“. Sein Kommen – zum Gericht und zum Heil – wird in 2,25 sowie in 3,3.11 und 16,15 angekündigt aber erst in 19,11–21 ausführlich beschrieben.

Das „Siehe“ deutet zeitliche Nähe an: Wenn gesagt wird: „Siehe, er kommt!“, wird das Kommen als nahe bevorstehend angekündigt. In Off 22 sagt er dreimal (V. 7.12.20), dass er „bald“ kommen würde. Vgl. 3,11. Als er auf Erden war, hatte er kein einziges Mal gesagt, dass er „bald“ kommen werde. Er hatte aber das Gericht über Israel deutlich angekündigt.

Der Ausdruck, dass „alle Stämme des Landes“ klagen würden, spricht dafür, dass mit dem Kommen das Kommen zum Gericht über Jerusalem/Israel gemeint ist. Vgl. Mt 10,23; Mt 24,1ff. In Sach 12 geht es um ein „Klagen“ der „Stämme des Landes“. Das Land wird klagen, jedes Geschlecht, jeder Stamm für sich (12,10–14). Dort ist Israel ist gemeint, nicht die ganze Welt.

Und das Kommen betrifft diejenigen, die Jesus Christus „durchbohrt“ hatten: „…, auch die, die ihn durchstachen“. – Ihnen hatte Christus angekündigt (Mt 26,64): „Hinfort gilt] Ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels.“ Das „böse“ und „ehebrecherische“ Geschlecht hatte gerufen: „Sein Blut komme auf uns und unsere Kinder.“ (Mt 27,25; nicht: „auf unsere Enkelkinder“.) Jesus hatte gesagt, jenes Geschlecht „werde nicht vergehen“, bis dieses alles geschehen sein werde (24,34). Die genaue Stunde konnte man nicht wissen, aber der Herr hatte deutlich gesagt, dass es innerhalb der nächsten Jahrzehnte geschehen würde (Vgl. 10,23; 16,28).

Die Angesprochenen sind mitunter die, „die ihn durchbohrten“. „Jedes Auge“ sollte ihn sehen. Der Ausdruck „jedes Auge“ ist, wie oft in der Bibel, nicht im absoluten Sinne aufzufassen. „Alle/jeder“ hat immer einen Kontext. (Vgl. z. B. „alles Fleisch“ in Lk 3,6.) Man muss sich also fragen: „Jedes Auge“ von welcher Gruppe, von welchem Volk? – Die Stelle, auf die Bezug genommen wird, ist Sach 12,10. „Und sie werden auf mich blicken, den, welchen sie durchbohrten. … Und sie werden wehklagen über ihn gleich der Wehklage über den Einziggeborenen und bitterlich klagen über ihn, wie man bitterlich klagt über den Erstgeborenen. 11 An jenem Tage wird groß sein die Wehklage in Jerusalem, wie die Wehklage von Hadad–Rimmon in der Talebene Megiddo. 12 Und wehklagen wird das Land, jedes Geschlecht besonders: …“ Dort ist von einer bestimmten Zeit die Rede, die zur „Endzeit“ Israels gehört. In jener Zeit würde der Heilige Geist auf die Bewohner Jerusalems und Judas ausgegossen werden. Beim „Klagen“ geht es um ein Klagen aufgrund von Sündenerkenntnis: „Wir sind schuldig!“ Höhepunkt der endzeitlichen Heilsgeschichte Israels ist die Ausgießung des Heiligen Geistes in der „Endzeit“, d. h., in der Zeit der „letzten Tage“ (Apg 2,17) vor der Zerstörung Jerusalems. (Vgl. Jes 44,3; Hes 36,29; 39,29; Joel 3,1 ff.) Mit dem „Geist der Gnade und des Flehens“ ist der Heilige Geist gemeint. Der Geist der Gnade ist auch ein „Geist des Flehens [um Gnade]“. Jene Juden erkennen ihre Schuld – die Verwerfung des Messias – und flehen aus innerer Not heraus.

Sündenerkenntnis gab es schon in Apg 2,36.37. Die Juden, die sich bekehrten, erkannten, was sie dem Messias angetan hatten. Mehr und mehr Juden wurden von ihrer Sünde überführt in jener ersten Zeit der Evangeliumsverkündigung („den Juden zuerst“). Das ging mehrere Jahrzehnte so, überall, wo das Evangelium an die Juden verkündet wurde.

Aber nun in Off 1,7 ist es anders: Abermals wird auf Sach 12 angespielt, aber jenes Wehklagen steht nicht im Zusammenhang mit einer Geistausgießung oder Umkehr (Buße), sondern mit dem Kommen des Richters Israels an dem „großen und offenbar werdenden Tag des Herrn“ (Apg 2,20). Nichts deutet darauf hin, dass auf das Wehklagen von Off 1,7 eine Bekehrung erfolgt. Hatte der Herr nicht selber davon gesprochen, dass es an jenem Tage zu spät sein würde? Lk 23,30: „Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Deckt uns!“

Die „Zeit des Heils“ für Israel war nun vorbei. Aber es gab da ein „Blicken auf den Durchbohrten“ im Zusammenhang mit der Zerstörung Jerusalems. Es gab ein schreckliches Erwachen. Doch es war zu spät. Das Gericht war unausweichlich. Es gab keine Gnade mehr. Die „Tage der Rache“ (Lk 21,23; Off 6,10; 19,2) waren gekommen. Der Hebräerschreiber hatte davon gesprochen (Hebr 10,26–31): „… denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Opfer für Sünden mehr übrig, 27 aber ein gar furchtbares Erwarten des Gerichts und ein Eifer des Feuers, das im Begriff ist, die Widersacher zu fressen. 28 Setzt jemand das Gesetz Moses beiseite, stirbt er ohne Erbarmungen auf zwei oder drei Zeugen hin. 29 Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen trat und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt war, für gemein achtete und den Geist der Gnade schmählich misshandelte? 30 – denn wir wissen um den, der sagte: „‚Die Vergeltung ist meine [Sache]; ICH werde vergelten’, sagt der Herr“, und wieder: „Der Herr wird sein Volk richten. 31 Furchtbar ist es, in die Hände des lebenden Gottes zu fallen!“ – Von jenem Kommen spricht die Off.

Wie ist der Satz „… jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstachen“ (Off 1,7) zu verstehen? „Jedes Auge“ in welchem Kontext? Jedes Auge von welcher Gruppe? Sach 12 ist an die Juden gerichtet. (Nicht allen Menschen wird der Blick in die unsichtbare Welt gewährt. Es müssen einem die Augen dafür besonders geöffnet werden. Vgl. 2Kön 2,10; 6,17; Apg 7,55.56; 9,7; Joh 1,33; 12,28.29.) Gemeint kann nur sein: Jedes Auge von jenen Juden, die das Gericht traf, inklusive von denen, die ihn durchstachen (die jüdischen Führer, die jedenfalls, die damals noch lebten).

Manche meinen, Off 1,7 würde sich auf ein in ferner Zukunft liegendes Ereignis beziehen, und dann würden die Juden den Messias sehen. Aber die heute lebenden an das rabbinische Judentum Glaubenden haben Jesus Christus nicht durchbohrt: Apg 2,36; 3,13–15. Die heute lebenden Anhänger des rabbinischen Judentums – bzw. deren Nachfahren – sind zu einem sehr großen Teil Proselyten (d. h.: „Hinzugekommene“ aus den Heiden). Geschlechtsregister aus der Zeit vor 70 n. Chr. existieren keine mehr. Die heutigen Juden sind nicht das „böse und ehebrecherische Geschlecht“ der Zeitgenossen Jesu.

Und Off 1,7 (wie Sach 12,10) spricht von lebenden Menschen, nicht von verstorbenen. Jene klopfen sich an die Brust, jene flehen, jene sehen ihn. Aber es ist zu spät! „Ja, Amen.“

Off 1,8: „Ich bin das Alpha und das Omega, sagt der Herr, Gott, der, der ist, und der, der war, und der Kommende, der Machthaber über alles.“ – Gott stellt sich vor als der Erste und der Letzte, d. h., der Ewige. Er ist, war und kommt, er umspannt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

„mit den Wolken, …“

Im AT wird Gottes Kommen zum Gericht des Öfteren mit der Wolke verbunden (2Mo 19,9.16–19; 34,5; 4Mo 11,25; 5Mo 33,26; Ri 5,4; Ps 18,8–15; 104,3; Jes 13,1–17; 19,1; Jer 4,13; Hes 32,7–8; 38,9; Joel 2,2; Nah 1,3; Zef 1,15–16. Dan 7,13). Es gibt mehrere göttliche Kommen (z. B. das Kommen Gottes zum Gericht über Ägypten in Jes 19,1).

Die „Wolken“ sprechen von Gottes unnahbarer Heiligkeit und Gerechtigkeit. Sie weisen auf die Art und Weise seines Kommens hin: in großer Macht und Herrlichkeit.

„und jedes Auge wird ihn sehen, …“

Vgl. Mt 24,27.30: „denn gleichwie der Blitz vom Osten ausfährt und bis in den Westen scheint, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. … 30 Und dann wird sichtbar werden das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und dann werden wehklagen ‹und sich an die Brust schlagen› alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen sehen, kommend auf den Wolken des Himmels mit viel Kraft und Herrlichkeit.“

Es bleibt die Frage, ob „jedes Auge“ relativ oder absolut aufzufassen ist. Die meisten Ausleger fassen es absolut auf. Von Zusammenhang her könnte es sich auf Israel beziehen.

„auch die, die ihn durchstachen, und es werden sich an die Brust schlagen und wehklagen um ihn alle Stämme des Landes.“

Das „auch“ (kai) kann auch als kai explicativum aufgefasst werden: „und zwar“, „und nämlich“. „Jedes Auge wird ihn sehen, und zwar alle Stämme des Landes auch die ihn durchbohrt haben“.

Wer hat ihn durchbohrt? Obwohl es wahr ist, dass die Römer ihn kreuzigten, wird in der Schrift den Juden die eigentliche Schuld zugesprochen; sie waren die Urheber der Tat (Mt 27,24–25; Joh 19,6.15; Apg 2,22.23.36; 3,13–15; 5,30; 7,52; 1Thes 2,14–15). Welche Juden? – Natürlich nicht die „Juden“, die heute leben.

(Nb: Die heutigen Juden werden – nach Aussage der Rabbiner – vor allem religiös definiert, nicht genetisch. Seit 70 n. Chr. gibt es keine offiziellen Geschlechtsregister mehr, die weiter zurückgehen als ins 2. Jahrhundert n. Chr. Eine stammesgeschichtliche Definition des „Juden“ ist unmöglich. Sie ist auch nicht wichtig. Der Großteil der heutigen so gen. „Juden“ sind Nachfahren von Proselyten. Nach einer These stammen die Ostjuden zum Großteil von den Khasaren ab, die im 8. und 9. Jahrhundert als Volk zum Judentum übertraten. Die These wurde zwar bestritten, siehe dazu aber Th. Schirrmacher, „Die osteuropäischen Juden – Nachfahren der mittelalterlichen Khasaren?“, 2004.)

Off 1,7: „alle Stämme“: Das griech. Wort für Stämme (phülees) bezieht sich in der Bibel meistens auf die jüdischen Stämme. Die Parallele Mt 24,30 scheint auf Israel bezogen zu sein.

„des Landes“: Im Griech. steht das Wort gee, welches „Land“ oder „Erde“ bedeuten kann (wie im Heb. das Wort äräz). Oft meint dieses Wort in der Bibel das „Land“, vor allem Kanaan (Palästina). Die Übersetzungen „alle Stämme des Landes“ passt besser in den Zusammenhang und zur alttestamentlichen Parallele, Sach 12,10–14, als die Übersetzung „alle Stämme der Erde“.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die beschriebenen Dinge zeitlich „in Kürze“ (also sehr bald nach Abfassung der Off) geschehen sollen (1,1; 1,3; 22,6.10).

„sich an die Brust schlagen und wehklagen um ihn“: Gemeint sind wohl die ungeretteten Juden, die gesagt hatten „sein Blut komme über uns und unsere Kinder“. Sie werden weinen und wehklagen aus Furcht und Schrecken vor dem Richter, den sie als Retter verpasst haben. Nun ist es zu spät. Sie ahnen nun ihr ewiges Los. Vor das Angesicht des Richters treten zu müssen, ohne das stellvertretende Opfer Christi angenommen zu haben, ist für Gottes Geschöpfe unvorstellbar schrecklich.

Wie verhält sich Off 1,7 zur Stelle Sach 12,10, auf welche sie anspielt?

Sach 12,10–14: „Und ich werde ausgießen über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems den Geist der Gnade und des Flehens ‹um Gnade›. Und sie werden auf mich blicken, den, welchen sie durchbohrten. Und sie werden wehklagen über ihn gleich der Wehklage über den Einziggeborenen und bitterlich klagen über ihn, wie man bitterlich klagt über den Erstgeborenen. 11 An jenem Tage wird groß sein die Wehklage in Jerusalem, wie die Wehklage von Hadad–Rimmon in der Talebene Megiddo. 12 Und wehklagen wird das Land, jedes Geschlecht besonders: das Geschlecht des Hauses David besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht des Hauses Nathan besonders und ihre Frauen besonders, 13 das Geschlecht des Hauses Levi besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht der Simeiter besonders und ihre Frauen besonders, 14 alle übrigen Geschlechter, jedes Geschlecht besonders und ihre Frauen besonders.“

Ein Höhepunkt der endzeitlichen Heilsgeschichte Israels ist die Ausgießung des Heiligen Geistes in der Endzeit (in der Zeit der „letzten Tage“; vgl. Jes 44,3; Hes 36,29; 39,29; Joel 3,1 ff). In Sach 12 werden nur die „Bewohner Jerusalems“ erwähnt. Das „Haus David“ (die Repräsentanten der herrschenden Klasse) wird speziell genannt.

„Geist der Gnade und des Flehens [um Gnade]“:

Sach 12,10: „Und sie werden auf mich blicken, den, welchen sie durchbohrten.“ Das Blicken bedeutet noch nicht Umkehr. Wir vergleichen Joh 19:34.36.37: „… einer von den Soldaten stach mit einem Speer in seine Seite. Und sogleich kam Blut und Wasser heraus. … 36 … diese Dinge geschahen, damit die Schrift erfüllt werde: Es wird kein Knochen von ihm zerbrochen werden. 37 Und wiederum sagt eine andere Schrift: Sie werden sehen auf den, den sie stachen.“

Es geht um das Hinblicken auf den getöteten, nicht auf den wiederkommenden Messias“ (Vgl. Lange. Der Prophet Sacharja, S. 95.)

In Sach 12 blicken einzelne Israeliten, vom Geist überführt – jeder für sich – auf Jahweh. In Off 1,7 wird der Geist Gottes nicht erwähnt. Das Klagen geschieht, wie es erscheint, nicht aus Buße, sondern aus der Erkenntnis, dass sie die Zeit des Heils ungenutzt haben verstreichen lassen.

Sacharja sah Ereignisse der „letzten Tage“ in prophetisch verkürzter Perspektive, wie dies bei alttestamentlicher Zukunftsprophetie häufig der Fall ist.

Petrus verkündete (Apg 3,20.21), dass Israel vor Christi Ankunft Buße tun sollte „damit Zeiten der Erneuerung kommen …“. Er lehrte, Israel könne nur auf dieselbe Weise gerettet werden wie die Heiden (Apg 15,11). Er lehrte auch, dass die „letzten Tage“ – und damit die Erfüllung von Joel 3 – zu Pfingsten begannen. (Vgl. Apg 2,17A mit Joel 3,5.) Paulus zeigt in Rm 11 auf, wie Israel gerettet werden kann: durch Eifersucht–Reizung (11,11: „Ich sage also: Stolperten sie, damit sie fallen ‹und liegen bleiben› sollten? Das sei fern! Sondern durch ihren Fehltritt ist das Heil zu denen [gekommen], die von den Völkern sind, um sie [die Israeliten] zur Eifersucht zu reizen.“), und zwar, ehe Christus kommt.

Paulus lehrte, auch wenn die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres wäre, so würde doch nur der Überrest gerettet werden (Röm 9,27). Zu jenem Überrest zählen alle Israeliten, die sich vor Christi Ankunft bekehren (Röm 11,5.7). Die Verhärtung eines Teils bleibt bestehen, bis die Heidenmission zu Ende ist (Röm 11,25). Die Wiedereinpfropfung der ausgebrochenen „Zweige“ (Röm 11,16ff) geschieht dadurch, dass sie nicht im Unglauben bleiben (Röm 11,23: „Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden, …“). „Auf diese Weise“ wird – wie im AT verheißen – das „ganze Israel“ (d. i. alle, die nicht im Unglauben bleiben) vor dem Gericht „gerettet werden“ und ins ewige Heil eingehen (Röm 11,26).

Beginnend mit dem Pfingsttage wurde durch die Verkündigung der Apostel (z. B. Apg 2 und 3) den Israeliten ihre böse Tat vor Augen geführt. „Als sie [das] hörten, waren sie ins Herz getroffen“ (Apg 2,37). Sie blickten auf Jahweh, den sie durchbohrt hatten, und taten Buße (Apg 2,37–41 u.a.). In Apg 3,18ff rief Petrus das Volk Israel zur Buße auf, und erklärte ihnen, dass der Himmel den Messias aufnehmen müsse, bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her redete“.

…. Zuerst Buße, dann die Ankunft Christi. In der Zwischenzeit: „Tag des Heils“ (2Kor 6; Jes 49) für Israel. Petrus lehrte, wer sich in „diesen Tagen“ (Apg 3,24E) nicht zum Messias wende, würde „aus dem Volk ausgetilgt werden“ (3,23).

Sach 12,11–14 wird nicht geweissagt, dass die Bekehrung kollektiv geschieht. Nein, jede Familie klagt gesondert, auch die Frauen gesondert. Ab Pfingsten ist jeder aus Israel persönlich („gesondert“) aufgerufen, über seine Verwerfung des Messias Buße zu tun. In Sach 12 wird nicht verheißen, dass das gesamte Volk ohne Ausnahme Buße tun werde. Eine derartige Vorstellung würde der Aussage von Röm 9,27 widersprechen, dass nämlich „nur der Überrest“ gerettet wird.

Zurück zu Off 1,7:

„Siehe! Er kommt mit den Wolken. Und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstachen. Und es werden ‹sich an die Brust schlagen und› wehklagen um ihn alle Stämme des Landes. Ja. Amen.“

Einiges deutet eine zeitliche Nähe des „Kommens“ Jesu Christi „mit den Wolken“ an:

1. Das „Siehe“: Wenn gesagt wird: „Siehe, er kommt!“, ist sein Kommen nahe. In Off 22 sagt er dreimal, dass er „bald“ kommen werde. Ebenso in 3,11. Die Christen begrüßten sich damals mit „Maran–Atha“ = „Unser Herr ist kommend“ (ist im Begriff zu kommen, ist dabei zu kommen“, 1Kor 16,22). Dass es bald sein würde, wussten sie von den Aposteln.

2. Der Ausdruck, dass „alle Stämme des Landes“ (o. der Erde, d. i. des israelitischen „Erdlandes“, vgl. Jes 1,2) klagen werden, verweist auf das Kommen in Mt 24,30–32. Jenes Kommen steht in Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems. („Sogleich“ Mt 24,29A.) Das in Off 1,7 erwähnte Bild vom „Klagen“ ist das, wovon auch der Herr Jesus gesprochen hatte (Mt 24,30). Nach Sach 12,10–12 werde das Land (d. i.: die israelitische „Erde“) klagen, jedes Geschlecht, jeder „Stamm“ für sich.– An welche „Stämme“ werden die Christen, an die jener Brief (Off) gerichtet war, wohl gedacht haben?

3. Das Kommen betrifft diejenigen, die Jesus Christus „durchbohrt“ hatten. Wer waren diese? Wem hatte Christus angekündigt: „Hinfort [gilt]: Ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels.“ (Mt 26,64). Das „böse“ und „ehebrecherische“ Geschlecht hatte gerufen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“ (Nicht: „über unsere Enkelkinder.“ Vgl. Mt 24,30–32.34): Jenes böse Geschlecht „werde nicht vergangen sein“, hatte der Herr gesagt. Die genaue Zeit konnte man nicht vorauswissen, aber dass es innerhalb der nächsten paar Jahrzehnte geschehen würde, war eindeutig.

Die Angesprochenen sind, die die ihn durchbohrten. Von ihnen sollte „jedes Auge“ ihn sehen. Der Ausdruck „jedes Auge“ ist nicht im absoluten Sinne zu verstehen, wie so oft in der Bibel. „Alle/jeder“ hat immer einen Kontext. „Jedes“ muss nicht sämtliche Menschen auf Erden meinen. „Jedes Auge“ von welchem Volk? (Vgl. Jes. 6: Wie lange soll geweissagt werden? So lange, „bis die Stätte wüst liegt.“ Jesus war gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels. Für die Ungläubigen galt: „damit sie hören und nicht verstehen … und sich nicht bekehren“.)

Die Stelle, auf die der Herr Jesus in Mt 24,30 Bezug genommen hatte und auf die hier (in Off 1,7) angespielt wird, ist Sach 12,10. Dort ist von einer bestimmten Zeit die Rede, die zur „Endzeit“ Israels gehört, nach Petrus Worten, die „letzten Tage“ (Apg 2,17). In jener Zeit würde der Heilige Geist auf Israel (auf die Bewohner Jerusalems) ausgegossen werden. Es geht um Sündenerkenntnis: „Wir sind schuldig!“ Durch den Geist kommt tiefe Sündenerkenntnis über viele aus dem Volk. Die Ausgießen des Geistes des Flehens ‹ Gnade› steht in Verbindung mit der Umkehr. Das betrifft also die Zeit der „letzten Tage“ bis zur Parusie des Herrn.

In Mt 24,30 und Off 1,7 geht es um die Parusie. Aber weder Mt 24 noch Off 1 sprechen davon, dass in Verbindung mit der Parusie des Herrn eine Geistausgießung anlässlich der Parusie stattfinden würde.

Johannes führt Sach 12 in Joh 19 an. Danach (ab Apg 2) erkannten die Juden, die sich bekehrten, was sie dem Messias angetan hatten. Die Wehklage in Israel geschah überall dort, wo Juden von ihrer Sünde überführt wurden. Wenn nun Johannes in Off 1,7 abermals auf Sach 12 anspielt, kann nicht sein, dass jenes Wehklagen, das im Zusammenhang mit der Parusie Christi steht, dasselbe ist, das die bekehrten Juden erlebt hatten. Jenes Wehklagen hatte ein positives Ende (Bekehrung), dieses hier offenbar nicht. Nichts deutet darauf hin, dass auf das Wehklagen von Off 1,7 (und Mt 24,30) die Bekehrung folgt. Hatte der Herr nicht selber davon gesprochen, dass es an jenem Tage zu spät sein würde? (Vgl. die Gleichnisse und die Lehre des Herrn in Mt 24,36ff und Mt 25,1–13. Auch Lk 18,8 spricht gegen eine Erweckung von Israeliten anlässlich – oder kurz vor – der Parusie.)

Das Blicken auf den Durchbohrten, das mit Geistausgießung verbunden ist, geschah in der gesamten Endzeit Israels (d. h.: in den „letzten Tagen“) – und zwar bei denen, die sich bekehrten. Aber es gab auch ein Blicken auf den Durchbohrten bei der Parusie, allerdings eines, bei dem es ein schreckliches Erwachen gab: Wir sind schuldig! Und es ist zu spät! Das Gericht ist unausweichlich.

Bei der Parusie kam das Gericht über sie. Es gab keine Gnade mehr.

Wir vergleichen Hebr 10,26–31: „… denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Opfer für Sünden mehr übrig, 27 aber ein gar furchtbares Erwarten des Gerichts und ein Eifer des Feuers, das im Begriff ist, die Widersacher zu fressen. 28 Setzt jemand das Gesetz Moses beiseite, stirbt er ohne Erbarmungen auf zwei oder drei Zeugen hin. 29 Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen trat und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt war, für gemein achtete und den Geist der Gnade schmählich misshandelte? 30 – denn wir wissen um den, der sagte: „‚Die Vergeltung ist meine [Sache]; ICH werde vergelten’, sagt der Herr“, und wieder: „Der Herr wird sein Volk richten.“ 31 Furchtbar ist es, in die Hände des lebenden Gottes zu fallen!“

In Sach 12,12–14 geht es um ein nationales Klagen, das dem ähnlich ist, das damals geschah, als Josia starb. Damals – bei Megiddo – klagten sie, weil der gute König Josia gestorben war, und sie konnten nichts mehr tun, um die gesegnete Zeit, die man unter seiner Regierung hatte, wiederherzustellen. Nach der Zeit des Hinblickens auf den Durchbohrten und der Ausgießung des Geistes auf Israel gibt es ein Klagen wie damals bei Megiddo. Israel hatte seinen König verworfen, und die Gnadenzeit war abgelaufen! Nun (70 n. Chr.) war es zu spät. Nun erkannten sie, dass er zum Gericht über sie käme. Von jenem Gerichtskommen anlässlich der Zerstörung Jerusalems spricht das Buch der Off.

Es geht um das böse und ehebrecherische Geschlecht, das „nicht vergehen“ sollte, bis dass es alles geschehen sei (Mt 24,34). Wir vergleichen Mt 16,28: „Einige, die hier stehen, werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn gesehen haben werden, kommend in seinem Königreich (o.: Königtum)“

„… jedes Auge wird ihn sehen“: – „Jedes Auge“ in welchem Kontext? Jedes Auge von welcher Gruppe? Sach 12 ist an Juden geschrieben. Der Herr hatte zu den Menschen im jüdischen Sanhedrin gesagt (Mt 26,64: „Ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, ….“

Der Ausdruck „jedes Auge“ ist im relativen Sinne zu gebraucht. In Off 1,7 werden also jene erwähnt, die mit Schrecken und Klagen feststellen mussten: „Nun ist es zu spät, sich zu bekehren.“ Die Zeit der Rache (Lk 21,23; Off 6,10.18; 19,2) war gekommen!

Nicht allen Menschen wird der Blick in die unsichtbare Welt gewährt. Dazu müssen einem die Augen geöffnet werden. So war es in anderen Fällen: 2Kön 2,10 (Himmelfahrt des Elia), 2Kön 6,17 (Gehasi und Elisa), Apg 7,55.56 (Stephanus) und 9,7 (Saulus vor Damaskus); Joh 1,33; 12,28.29.

5. Es wäre schwer vorstellbar, wie sich Off 1,7 auf ein (heute) noch in der Zukunft liegendes Ereignis beziehen soll. Die heute lebenden an das rabbinische Judentum Glaubenden haben ihn nicht durchbohrt. (Ob sie übrigens wirklich von den damaligen Juden abstammen, kann niemand wissen. Es gibt keine Geschlechtsregister von vor 70 n. Chr. Die heute lebenden Anhänger des rabbinischen Judentums – bzw. deren Nachfahren – sind zu einem sehr großen Teil Proselyten). Der Herr Jesus spricht in Mt 24,30, Off 1,7 und Sach 12,10 von lebenden Menschen, nicht von verstorbenen oder auferstandenen. Jene klopfen sich an die Brust, eine physische, lebende Brust. (Die Auferstehung hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Außerdem sagt die Schrift nicht, dass die Ungläubigen bei der Parusie einen Leib erhalten. Die Ungläubigen erscheinen vor dem weißen Thron. Von ihnen kann hier also nicht die Rede sein.)

Sach 12,10–14: „Und ich werde ausgießen über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems den Geist der Gnade und des Flehens ‹um Gnade›. Und sie werden auf mich blicken, den, welchen sie durchbohrten. Und sie werden wehklagen über ihn gleich der Wehklage über den Einziggeborenen und bitterlich klagen über ihn, wie man bitterlich klagt über den Erstgeborenen. 11 An jenem Tage wird groß sein die Wehklage in Jerusalem, wie die Wehklage von Hadad–Rimmon in der Talebene Megiddo. 12 Und wehklagen wird das Land, jedes Geschlecht besonders: das Geschlecht des Hauses David besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht des Hauses Nathan besonders und ihre Frauen besonders, 13 das Geschlecht des Hauses Levi besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht der Simeiter besonders und ihre Frauen besonders, 14 alle übrigen Geschlechter, jedes Geschlecht besonders und ihre Frauen besonders.“

Die Bekehrung des Volkes ist nicht die Bedingung für die Geistausgießung, sondern die Bekehrung ist eine Frucht der Ausgießung des Geistes des Flehens über das Volk. Höhepunkt der endzeitlichen Heilsgeschichte Israels ist die Ausgießung des Heiligen Geistes in der Endzeit (in der Zeit der „letzten Tage“; vgl. Jes 44,3; Hes 36,29; 39,29; Joel 3,1 ff). In Sac12 werden nur die Bewohner Jerusalems erwähnt, gemeint ist aber das gesamte Volk. Die Hauptstadt steht stellvertretend für das Volk. Auch in V. 8 sind die „Bewohner Jerusalems“ lediglich eine Individualisierung; sie stehen für das gesamte Bundesvolk. Dass das „Haus David“ (d.i. die Repräsentanten der herrschenden Klasse) speziell genannt wird, soll betonen, dass dasselbe Heil, das die gesamte Nation genießt, sich auf alle Gesellschaftsschichten bezieht, von der obersten bis zu untersten.

„Geist der Gnade und des Flehens“: Gemeint ist der Heilige Geist, der dem bußfertigen Menschen die Gnade der göttlichen Vergebung gibt. Vor der Erkenntnis des Heils kommt die Erkenntnis der Sünde und Schuld. Auch diese bewirkt der Geist (Joh 16,8.9). Daraufhin kommt das „Flehen“ um Vergebung aufgrund des vorangegangenen Wirkens des Geistes, der die Sünde aufdeckte. Deshalb ist der Geist der Gnade auch ein „Geist des Flehens“.

Israel wendet sich unter dem Wirken des Heiligen Geistes Gott zu. Es ist eine Wandlung von innen heraus, freiwillig, nicht aufgezwungen; sie erkennen ihre Schuld (die Verwerfung des Messias) und bitten inständig um Vergebung (d. h., sie flehen aus tiefer innerer Not heraus; vgl. Ps 130,2–4.)

7. Vorstellung des eigentlichen Autors 1,8

Nur hier spricht Gott selbst – dann erst wieder in 21,4–8. Inzwischen sitzt Gott ruhig und souverän auf seinem Thron.

„Ich bin das A und das O, Anfang und Ende, …“

Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des Alphabets. Auf Deutsch: „Ich bin das A und das Z.“ Im Hebräischen könnte dies dem Gottesnamen El Olam („der Gott der Vorzeit“ bzw. „der Gott der Ewigkeit“) gleichkommen

Wir dürfen uns fragen: Ist Gott das A und O in meinem Leben? Hat er das erste und das letzte Wort?

„spricht der Herr, …“

Im Hebräischen Adonai („mein Herr“, „mein Gebieter“)

„der, der ist und der war und der kommt, …“

Die hebräische Entsprechung könnte Jahweh sein: „er ist, der er ist“ bzw. „er wird sein, der er ist ‹und war› der Treue, ewig Seiende. Der, der immer dann zu Stelle ist, wenn man ihn anruft.

„der Machthaber über alles.“

Im Hebräischen El Schaddai

Hier kommen alle drei bekannten Gottesnamen vor: „der Herr“, „der, der ist und der war und der kommt“, „der Machthaber über alles“, Adonai, Jahweh und El Schaddai. (Ähnlich 19,6: „der Herr“, „Gott“, „der Machthaber über alles“)

In 4,8 kommen sogar vier Gottesnamen vor: Adonai, Elohim, El Schaddai und Jahweh: „der Herr“, „Gott“, „der Machthaber über alles“ „der, der war und der ist und der kommt“ (Ebenso 11,17: „der Herr“, „Gott“, „der Machthaber über alles“; „der, der ist und der war und der kommt“)

I. Teil: Gesicht vom Menschensohn – Botschaften an sieben Gemeinden 1,9–3,22

A. Das Gesicht vom Menschensohn 1,9–20

1. Die äußeren Umstände des Johannes 1,9

„Ich, Johannes, …“:

Der Verfasser stellt sich vor. Es ist der Jünger und Apostel Johannes. Ein Engel bezeichnet ihn als Mitknecht und Bruder der Propheten (22,9). Die altkirchliche Überlieferung wirft die Verfasserfrage gar nicht erst auf. Irenäus, Polykarp, Justin der Märtyrer, Eusebius, Origenes u. v. a. bezeugen die Autorschaft des Apostels Johannes.

„der auch euer Bruder ist, …“:

Wie demütig von Johannes! Der Apostel, der zu den „Säulen“ der Gemeinde in Jerusalem zählte (Gal 2), nennt sich einfach einen „Bruder“.

„und Mitteilhabender an der Bedrängnis …“:

Bedrängnis war es in der Tat:

Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis“;

1Thes 3,3: „damit niemand wankend gemacht werde in dieser Bedrängnis, denn ihr wisst selbst, dass wir dazu gesetzt sind, …“;

Apg 14,22: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Königreich Gottes eingehen.“;

2Tim 3,12: „Und auch alle, die in rechter Ehrfurcht leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“;

2Thes 1,4: „… wegen eurer Ausdauer und [eures] Glaubens in allen euren Verfolgungen und den Bedrängnissen, die ihr ertragt“

„und am Königreich Christi …“

Die Ausdrücke „Bedrängnis“ und „Königtum“ widersprechen sich nicht. Vom irdischen Standpunkt aus betrachtet, sind die Heiligen in Bedrängnis, vom himmlischen Ziel aus betrachtet, Mitteilhabende am Königtum Christi.

Jetzt Mitteilhaber an der Bedrängnis, dann Mitteilhaber am Königtum.

Vgl. Rm 8,17.18: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, ja, Erben Gottes und Miterben Christi, unter der Voraussetzung, dass wir mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden, denn ich rechne, dass die Leiden der jetzigen Zeit in keinem entsprechenden Gewicht sind im Verhältnis zur kommenden Herrlichkeit, die uns enthüllt werden soll.“

„… und am ausdauernden Erdulden in Christus Jesus, …“

Sie alle haben das Los, für Christi ausdauernd (standhaft) zu sein bzw. bei Christus zu verharren und auf ihn zu warten.

„Ich war auf der Insel, die Patmos genannt wird, wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses Jesu Christi.“

Patmos war eine kleine felsige, unbewohnte Insel mit vielen Höhlen und vulkanischen Hügeln, 55 km vor der südwestlichen Küste Kleinasiens entfernt. (34 km2, 15–16 km lang, 7–10 km lang. Zur Zeit des Johannes war die Insel möglicherweise eine Sträflingsinsel. (Heute zählt sie ca. 2700 Einwohner. Seit 1088 besteht dort das so genannte Johanneskloster.)

2. Die Vorstellung des Herrn und sein Auftrag an Johannes 1,10.11

„An dem Tage, der dem Herrn gehört, …“

Wörtl.: „Ich wurde im Geist an [dem o. einem] herrischen Tage (o.: Herrentage; dem Herrn gehörenden Tage)“

Andere übersetzen: „Ich wurde im Geist [versetzt] an den Tag des Herrn“

Es sind sich nicht alle einig, welchen Tag Johannes meint. Die meisten Ausleger denken an den Tag, an dem die Christen sich versammelten (Apg 20,7. Vgl. 1Kor 16,2.). Dadurch machten sie einen Unterschied zu den anderen sechs Wochentagen (1Mo 1; 2Mo 20; trotz Rm 14,5). Das würde bedeuten, dass Johannes die Gesichte an einem „ersten Tag der Woche“ erhielt.

Eine andere Auffassung ist, dass Johannes in den zukünftigen „Tag des Herrn“ versetzt wurde und sah, was am zukünftigen Tag des Herrn alles geschehen würde. Aber das passt weder grammatikalisch noch sachlich. „Ich war“ (egenomeen) bedeutet im Griechischen eigentlich: „Ich wurde“; „im Geist“ (en pneumati) kann nicht bedeuten „ich wurde in etwas hinein versetzt. Es kann auch nicht gemeint sein, dass Johannes im Geist den Tag des Herrn sah. Das widerspricht dem Wortlaut des Textes. „Ich wurde einer, der im Geist war am Herrentag“ bedeutet nicht, dass Johannes im Geist in die Zukunft versetzt wurde. Man kann nicht in einen zukünftigen „Tag“ hineinversetzt werden. Die Bibel kennt keine „Zeitreisen“ von Propheten. Außerdem ist der „Tag des Herrn“ nicht eine Zeitspanne, sondern ein Zeitpunkt. Es ist der Tag, an dem der Herr gleichsam „auf den Plan tritt“, der Tag, an dem er erscheint (Apg 2,20; vgl. Joel 3,4; 4,14.). Dieser Tag kommt „wie ein Dieb in der Nacht“ (1Thes 5,2; 2Petr 3,10). Im AT ist der „Tag Jahwehs“ der Tag, an dem Gott zum Gericht auftritt (Jes 13,6.9; Hes 13,5; 30,3; Joel 1,15; 2,1.11; Joel 3,4; 4,14; Am 5,18.20; Ob 15; Zef 1,7.14; Mal 3,23).

„wurde ich einer, der im Geist war.“

Ebenso 4,1 (Vgl. 17,3; 21,10.) Gott versetzte ihn in einen Zustand, sodass er „im Geist“ war, also in einen Zustand, in dem er nicht mehr nur im Verstand war. Das spricht von mehr als lediglich einem Erleuchtetwerden am Verstand; es spricht von einem übernatürlichen Eingreifen: der Heilige Geist nahm seinen Geist gleichsam mit in die unsichtbare Welt, sodass er Dinge sah und hörte, die er sonst nicht sehen und hören konnte. Vgl. Apg 22,17; Apg 12,11.

(Nb.: Der Theologe Theodor Zahn meint, das griech. en [in instrumental oder lokal] sei hier eventuell im Sinne eines eis [in im Sinne einer Richtungsangabe, also als Antwort auf die Frage „wohin“] aufzufassen. Zahn S 180, Anm. 3. Also im Sinne von: „ich wurde in einen Geist–Zustand versetzt“.)

„Und ich hörte hinter mir …“

Er stand mit dem Rücken zum Sprechenden.

„… eine große, ‹laute› Stimme wie die einer Posaune, …“

Die Stimme war nicht nur laut, sondern auch groß, mächtig, erhaben. Sie war die Stimme eines Großen.

„… die sagte: ‚Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte’, …“

Jesus Christus stellt sich vor als den Anfänger; er hat all dieses Neue begonnen und wird es alles zum Abschluss bringen. In ihm kommt das Heil zur Vollendung – und die Seinen kommen zur Vollendung mit und in ihm.

Vgl. Kol 1,15–18: … Erstgeborener der ganzen Schöpfung, …alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem; und alles besteht in ihm; 18 und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, der der Anfang ist, Erstgeborener von den Toten, damit er in allem der Erste würde“.

„… und: Was du siehst, schreibe in ein Buch (eigtl.: auf eine Buchrolle)“

Nur das Gesehene sollte er aufschreiben, nicht mehr; also keine eigene Deutungen.

„… und verschicke es an die Gemeinden, die in Asien sind, nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamos und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.“

Die sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asia, im heutigen Kleinasien, liegen fast im Kreis (bzw. in einem umgekehrtem „U“). Man konnte von einer Stadt zu anderen ziehen, genau in dieser Reihenfolge.

3. Die sieben Leuchter 1,12

V. 12: „Und ich wandte mich um, …“

Johannes musste sich also umdrehen, um zu sehen, wer da sprach. Man könnte sich die Fragen stellen, ob sein Blick in die falsche Richtung gerichtet war.

„… die Stimme zu sehen, die mit mir redete. Und als ich mich umgewandt hatte, sah ich sieben goldene Leuchter“

Sein Augenmerk fällt auf die Leuchter, nicht zuerst auf den inmitten der Leuchter Wandelnden.

Vielleicht war sein Blick sehr stark auf die Gemeinden mit ihren Problemen gerichtet; jedenfalls sah er den inmitten der Leuchter Wandelnden nicht gleich.

→ Wir lernen: Jeder Diener Christi darf sich die Frage stellen: Wo sind meine Gedanken vor allem? Bei den Gemeinden oder bei dem Haupt der Gemeinden?

„… sieben goldene Leuchter“: Gold, das wertvollste Edelmetall, steht in der Heiligen Schrift für den höchsten Wert: Gott hat den höchsten Wert. Obwohl keine der sieben Gemeinden vollkommen war, bei manchen sogar beträchtliche Mängel festzustellen waren, so waren sie doch „golden“; sie reflektierten (noch) die göttliche Art und Herkunft der Gemeinde.

In Off 21,10 ist der Glanz noch größer. Ihr Lichtglanz ist die Herrlichkeit Gottes. (Vgl. den Jaspis von 4,3 mit dem in 21,10.) Dort ist die Gemeinde der Erlösten noch mehr sein als ein Leuchter. Dort lässt die geschmückte Braut als „Stadt auf dem Berge“ (Mt 5,15) den Lichtglanz ihrer Lichtherrlichkeit ungehindert überallhin erstrahlen.

4. Der Menschensohn 1,13–16

V. 13: „und inmitten der sieben Leuchter einen gleich einem Sohn des Menschen, …“

Der erhöhte Menschensohn wandelte immitten der Leuchter, sie prüfend, sie reinigend, damit sie ihr Licht noch heller strahlen lassen können. (Auch heute ist dies so.)

Die Erscheinung des Menschensohnes erinnert an Dan 7,9.13.22. Johannes sieht ihn hier in seiner Funktion als Richter.

Das Gesicht wurde gegeben, um die Gemeinden Kleinasiens aufzurufen, zu ermutigen und sie auf die vor ihnen liegende große Prüfungs– und Bedrängniszeit vorzubereiten. Der erhöhte Herr zeigt ihnen seine Gottheit und Macht, und versichert sie seiner Gegenwart. Welch großer Trost! Inmitten aller Bedrängnisse würde Christus mitten unter den Gemeinden stehen, sie aufrechterhalten und stärken!

a. Sein Gewand und sein Gürtel

„… bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel.“

Kleider sagen etwas aus. Ein bis zu den Füßen reichenden Gewand spricht von hoher Würde. Die Heilige Schrift spricht von „heiligen Kleidern“ (3Mo 16,4). Der Priester trug eine Schärpe (einen Gürtel) um die Brust (2Mo 28,8) „aus Gold, blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus (feiner, weißer Leinwand)“. Die goldene Schärpe spricht von sehr hoher Würde. Ebenso gekleidet waren die sieben [himmlischen] Boten, die die sieben Plagen hatten (Off 15,6), ebenso auch der erhabene besondere Bote von Dan 10,5.6.

b. Sein Haupt und seine Augen

V. 14: „Sein Haupt und sein Haar waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, …“

Die helle, weiße Farbe spricht von absoluter Reinheit. Weißes Haar spricht von großer, reiner Weisheit. Das weiße Haupt will wahrscheinlich aussagen, dass in seinem Denken und Lenken nichts Unreines ist. Er hegt – auch als Richter – gute Gedanken.

„… und seine Augen wie eine Feuerflamme …“

Das Feuer reinigt, verzehrt die Schlacken. Sein durchdringender Blick deckt alles auf, was ihm nicht gefällt. (Vgl. 2,18; 19,12; Hebr 4,12.13.) Hab 1,13: „Du bist an Augen zu rein, dass du Bösem zusähst, der du auf Unheil zu blicken nicht vermagst.“

Er ist absolut rein von falschen Gedanken. Wenn er die Gemeinde „richtet“ (Off 2–3), dann nur zum Guten des Reiches Gottes.

c. Seine Füße

V. 15: „… und seine Füße gleich glänzendem Kupfer [o.: Messing], als glühten sie im Ofen, …“

Die ehernen (kupfernen, bronzenen) Füße glänzen wie im Ofen glühend und erinnern an den alttestamentlichen Brandopferaltar, wo Sünde „gerichtet“ wurde. Die ehernen (kupfernen, bronzenen) Pfannen der rebellischen Korachiter dienten als Überzug für den Brandopferaltar (4Mo 17,3). Gott hatte gesagt: „Die Räucherpfannen dieser Männer, die gegen ihre Seele gesündigt haben – man mache daraus breitgeschlagene Bleche zum Überzug für den Altar; denn sie haben sie vor Jahweh dargebracht, und so sind sie heilig. Und sie sollen den Söhnen Israels zum Zeichen sein.“ Man nahm die Räucherpfannen und schlug sie breit zum Überzug für den Altar „als Gedenkzeichen für die Söhne Israels, damit kein Unbefugter, der nicht von dem Samen Aarons ist, herzutrete, um Räucherwerk vor Jahweh zu räuchern, und es ihm nicht ergehe wie Korach und seiner Rotte – so wie Jahweh durch Mose zu ihm geredet hatte.“ (V. 5)

Der neutestamentliche „Brandopferaltar“ ist die Stätte, wo Gottes Gericht über die Sünde stattfand: Golgotha.

Mit den Füßen tritt der Menschensohn die Kelter des grimmigen Zornes Gottes (Off 14,20; 19,15; vgl. Jes 63,1–6.)

Der „Ofen“ spricht ebenfalls von Gericht. (Vgl. Jes 29,1.2; „Ariel“ bedeutet „Gottesherd“, Hes 43,15.)

d. Seine Stimme

„… und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser.“

Wuchtig, mächtig. Das spricht von der großen Autorität des Sprechenden. Dagegen kommt keine menschliche Stimme an. Dieselbe Stimme hört Johannes in Off 4,1. (Vgl. Hes 1,24; 43,2.) Auch andere Stimmen werden so beschrieben (Off 14,2; 19,6).

e. Seine rechte Hand

V. 16: „Und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, …“

Die rechte Hand ist die starke. Mit ihr trägt er die „Boten“ der Gemeinden.

f. Sein Mund

„… und aus seinem Munde ging hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert, …“

Das Wort aus seinem Mund schneidet tief ins Innere des Menschen, in die Seele und in den Geist. Hebr 4,12) „ … es fährt durch bis zur Teilung der Seele und auch des Geistes, der Gelenke und auch des Markes, und urteilt über Erwägungen und Vorstellungen des Herzens.“

g. Sein Angesicht

„und sein Gesicht war wie die Sonne, wenn sie leuchtet in ihrer Kraft.“

Man kann nicht hineinsehen, wird aber von ihm erleuchtet; es deckt alle Flecken auf. „Kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar: Es ist alles bloß und aufgedeckt für seine Augen; ihm [schulden] wir Rechenschaft.“ (Hebr 4,13)

5. Die Reaktion des Sehers und die Ermutigung durch den Herrn 1,17.18

V. 17: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter.“

Derselbe Johannes, der sich „der Jünger den Jesus liebte“ nannte, der auch an Jesu Brust gelegen hatte, fällt beim Anblick des erhöhten Richters ohnmächtig nieder.

„Und er legte seine rechte Hand auf mich“

Dieselbe Hand, die die sieben Boten hält, trägt, bewahrt, beschützt und stärkt, dieselbe Hand liegt nun zum Trost auf dem Apostel Johannes. Gleichzeitig. Er kann einerseits die sieben Boten in der Rechten tragen und zugleich seine Hand auf Johannes legen.

„… und sagte zu mir: ‚Fürchte dich nicht.’„

Furcht war schon angebracht und angemessen. Aber Furcht kann lähmen. Johannes sollte nicht bei der Furcht stehen bleiben, denn:

„‚Ich bin der Erste und der Letzte’„ V. 18: „und der Lebende. Ich war tot, und – siehe! – ich bin lebend – in ‹alle› Ewigkeit. Amen.“

Jesus Christus lebt und ist für das Leben! (Vgl. das häufige Vorkommen von „leben“ in 4,6–10; vgl. 5,14; 10,6; 15,7.)

„Und ich habe die Schlüssel des Hades (d. h.: des Bereiches der Toten) und des Todes.“

Er selber war in den Hades gegangen; aber der Tod und der Hades konnten ihn nicht halten. Der „Tod“ und der „Hades“ werden in der Off personifiziert und (wie z. B. in Hos 13,14) hier wahrscheinlich gleichgesetzt.

Warum gab es den Hades? – Wegen des Todes. Warum gab es Tod? – Wegen der Sünde. Warum gab es Sünde? Wegen des fleischlichen Zustandes des Menschen seit dem Fall. Der Mensch in seiner fleischlichen Schwachheit (Röm 7) konnte Gottes Gesetz nicht halten. Die Sünde ist der Stachel des Todes (1Kor 15,56).

Aber der Sieg kommt durch Jesus Christus. Wer Christus ablehnt, geht in den zweiten Tod, in einen Todeszustand, der nie endet (Off 20,14).

„… ich habe die Schlüssel“: Weil er die Schlüssel hat, wird er die Toten herausholen – zum Gericht (Off 20).

Außerhalb von Christus gibt es kein Leben. Das erste Buch der Bibel beginnt mit einem „Anfang“ und endet mit einem Sarg (1Mo 50), das letzte Buch der Bibel beginnt mit dem, der den Tod überwunden hat (Off 1,18), und endet mit einem neuen Anfang (Off 21 u. 22).

6. Die Wiederholung des Auftrags 1,19

V. 19: „Schreibe, was du gesehen hast, …“

– nämlich die eben beschriebene Erscheinung (V. 11–17)

„… was ist, …“

– nämlich Zustände und Ereignisse zur gegenwärtigen Zeit des Johannes (ca. 62/63 n. Chr.)

„… und was nach diesem zu geschehen im Begriff ist.“

– nämlich die Geschehnisse nach ca. 62/63 n. Chr.

„… im Begriff zu geschehen.“

Das „nach diesem“ wird in naher Zukunft (von Johannes aus betrachtet) stattfinden, nicht in 2000 Jahren.

7. Die Deutung der Sterne und der Leuchter 1,20

V. 20: „[Was] das Geheimnis der sieben Sterne [betrifft], derer, [die] du auf meiner Rechten sahst, und die sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind Boten der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.“

Wer sind die „Boten“? – Wenn im NT von „Boten“ (griech. aggeloi [ausgesprochen als angeloi], „Engel“) die Rede ist, sind nicht notwendigerweise immer himmlische Boten gemeint, sondern auch menschliche, z. B. Jak 2,25; Lk 7,24; 9,52.

Es kann sein, dass in Off 2 und 3 menschliche Boten gemeint sind. Dafür könnte Folgendes sprechen:

. Im Judentum wurden die Synagogenvorsteher „Boten“ (aggeloi) genannt.

. Jesus Christus hält diese Boten in seiner starken rechten Hand, d. h., er trägt sie. Von den Engeln heißt es in der Bibel sonst nie, dass er sie trägt; von Menschen schon: „vom Heiligen Geist getragen sprachen die heiligen Menschen Gottes“ (2Petr 1,21).

. Der Herr spricht sie direkt an, ruft sie zur Buße auf. Engel werden sonst in der Bibel nicht zur Buße aufgerufen.

. Die Botschaften richten sich direkt an die Boten. Der Inhalt der sieben Botschaften ist an die aggeloi adressiert, richtet sich aber gleichzeitig an die Gemeinden. Damit wird eine Verbindung der aggeloi mit den Gemeinden angezeigt. Es könnten mit diesem Begriff diejenigen gemeint sein, die für die Weitergabe der göttlichen Botschaft an die Gemeinde betraut waren, also die Hauptverantwortlichen für die Wortverkündigung. Es ist allerdings unsicher, ob es in jener Zeit in den Gemeinden jeweils nur einen einzigen Hirten bzw. Gemeindevorsteher gab. Oft ist es so, dass es solche gibt, die mehr Verantwortung tragen als andere.

Eine andere – durchaus denkbare – Möglichkeit ist die, dass die Boten repräsentativ für die Gemeinde als Ganze stehen, so wie der „Bote Jahwehs“ Jahweh repräsentiert. Demnach wäre der Engel der Gemeinde die Repräsentation der Gemeinde selbst. Wenn der Herr also den Engel/Boten anredet, redet er damit die Gemeinde an. Johannes soll ja an die Gemeinden schreiben (V. 11) nicht nur an deren Leiter. In 2,11 wird die Wegrückung des Leuchters des Boten angedroht, aber nicht der Bote allein wird im Falle der Unbußfertigkeit weggerückt, sondern der Leuchter der Gemeinde als gesamte. In dem Boten (Engel) wird die Gemeinde als eine Person angesprochen. (Ähnlich steht in Dan 10,13.20 und 12,3 der Bote (Engel) Michael für Israel, er ist der Bote des Gottesvolkes, er repräsentiert es.)

„und die sieben Leuchter, die du sahst, sind sieben Gemeinden.“

Es handelt sich um ein Gesicht, eine Vision. Das, was Johannes sieht, ist nicht eins zu eins zu übertragen. Das Bild von den sieben Leuchtern wird erklärt. Sie stellen die sieben Gemeinden dar. Die Zahl Sieben ist die Zahl der Fülle. Jeder, der ein Ohr hatte zu hören, sollte hören, was der Geist den Gemeinden sagte.

B. Diktat der sieben einleitenden Botschaften an die sieben Gemeinden K. 2 und 3

Allgemeines zu Off 2 und 3: In jeder Botschaft an die sieben Gemeinden finden wir einen Hinweis auf eine große nah bevorstehende Krise. In jeder einzelnen Botschaft gibt es Hinweise auf die zeitliche Nähe der Krise und des Kommens des Herrn:

An Ephesus: „Ich werde bald über dich kommen“ (Off 2,5). An Smyrna: „Du wirst Bedrängnis haben zehn Tage; sei treu bis zum Tod“ (2,10). An Pergamus: „Ich werde bald über dich kommen“ (2,12). An Thyatira: „Halte fest, bis ich komme“ (2,25). An Sardes: „Ich werde über dich kommen wie ein Dieb“ (3,3). An Philadelphia: „Ich werde dich bewahren vor der Stunde der Prüfung, die im Begriff ist, über den Erdkreis zu kommen; siehe, ich komme bald“ (3,11). An Laodizea: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe“ (3,20). Alle diese Warnungen bzw. Verheißungen hatten eine konkrete Bedeutung für jene Christen damals. Sie beziehen sich nicht auf etwas in ferner Zukunft; sie beziehen sich auf etwas, das zu ihrer Zeit eintreffen sollte.

Aus den sieben Botschaften erhält man den Eindruck, dass die Sache dringend ist und dass man keine Zeit zu verlieren hat. Überwinden bis zum Tod ist angesagt. Das Kommen des Herrn wird in diesen Botschaften als „nahe“ und „bald“ angekündigt (2,5.16.25; 3,4.10.11.16). Die Angesprochenen erwarteten nicht, dass sie lange leben und dann in hohem Alter irgendwann sterben würden.

1. An Ephesus 2,1–7

a. Adressierung und Selbstvorstellung 2,1

V. 1: „Dem Boten der Gemeinde in Ephesus schreibe: …“

Ephesus kommt von aphiemi., was entweder „verlassen“ bzw. „lassen“ bedeutet oder „trachten“ bzw. „begehren“.

Die Stadt Ephesus lag geografisch Patmos am nächsten. Sie war die Metropole Asiens, Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Sie lag am Schnittpunkt zweier Handelsstraßen, an der Nord–Süd– und der berühmten Ost–West–Verbindung. Sie war als Hafenstadt sehr reich; dort stand eines der sieben Weltwunder: der Artemistempel, der Tempel der Diana (Artemis), der griechischen Göttin der Jagd. Die Götzenverehrung, die Tempelprostitution, das Theater (mit 24 000 Sitzplätzen) und die große Bibliothek gaben der Stadt ihr Gepräge. Als der Philosoph Heraklit gefragt wurde, warum man ihn immer wieder weinen sehe, soll er geantwortet haben: „Weil die Epheser wankelmütig, abergläubisch und sittenlos sind; und weil ich inmitten eines solchen Sumpfes leben muss; und weil die Gemeinheit ihrer Tempelsitten schlimmer ist, als die der wilden Tiere. Die Epheser verdienen, ertränkt zu werden.“

Die Gemeinde in Ephesus

Paulus war auf seiner zweiten Missionsreise nur kurz dort (Apg 18,18, ca. 51 n. Chr.); Aquila und dessen Frau Priska evangelisierten und befestigten die entstandene Gemeinde. In Ephesus gab es eine Gruppe von Jüngern des Täufers (Apg 19,1–7), die zum Glauben kamen. Es waren da auch jüdische Beschwörer, die „Söhne des Skevas“, eines jüdischen Hohen Priesters, die böse Geister hatten (19,13). Überhaupt blühte der Aberglaube. Lukas berichtet (19,19): „Viele von denen, die vorwitzige ‹und fragwürdige Zauberkünste getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen. Und man rechnete ihren Wert zusammen und kam auf fünfzigtausend Silberdrachmen.“ Das Wort Gottes wuchs sehr und wurde stark (19,20).

Auf der zweiten Missionsreise verbrachte Paulus zwei bis drei Jahre lang dort (Apg 19,10, wahrscheinlich von Herbst 52 bis Frühjahr 55 n. Chr.; vgl. 20,31). Nach dem Aufstand der Silberschmiede (die für die „Göttin“ Diana wirkten, Apg 19,24ff) verließ Paulus die Gegend (20,1). Später auf der Rückkehr hielt er, ehe er weiterreiste, in Milet eine bedeutende Rede an die Ältesten von Ephesus (Apg 20,16–38). Von Rom aus schrieb er ca. 60 n. Ch. den „Brief an die Epheser“, der vermutlich (ähnlich wie die Offenbarung) ein Rundschreiben an die dortigen Gemeinden war. Später diente Timotheus dort (1Tm; ca. 62/63 n. Chr.). Als die Offenbarung geschrieben wurde, vielleicht 62/63 n. Chr., war die Gemeinde wahrscheinlich mehr als zehn Jahre alt. Ephesus heißt heute „Hagiasoluk“ (d. h.: der „heilige Gottesgelehrte“, ein Bezug auf Johannes).

Selbstvorstellung: 2,1

„Das sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, …“

Der Menschensohn wird in einem Charakter dargestellt, der dem Bedürfnis der Gemeinde entspricht. Er hält die Sterne (die Boten der Gemeinden) in seiner starken Hand, trägt sie, kennt sie, prüft, korrigiert und ermutigt sie.

„… der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt:“

Der Leuchter ist „goldenen“: Daraus kann man ableiten, dass die Gemeinde von Gott als höchst wertvoll betrachtet wird; sie ist teuer erkauft worden und nun bekleidet mit der göttlichen Gerechtigkeit Christi. Sie ist ein „Leuchter“, sie wird von ihrer Lichtquelle, Jesus Christus, aufrechterhalten und mit Licht genährt. Sie bekommt von ihm ihre Leuchtkraft nach außen und innen. Die Gemeinde hat die Verantwortung, das Licht Christi hinausleuchten zu lassen – durch klare Lehre und entsprechenden Lebenswandel der einzelnen Gläubigen (Mt 5,14; Phil 2,15.16), denn ihre Umgebung ist „Nacht“ (Rm 13,12). Christus „wandelt inmitten der Leuchter“, um sie zu versorgen (Öl nachzufüllen) und sie zu reinigen, sodass ihr Zeugnis weithin sichtbar wird. Die Gemeinde hat ein großes Potenzial, wenn sie die wachsame Fürsorge und bleibende aktive Gegenwart des Herrn Jesus in ihrer Mitte erkennt.

b. Anerkennung: 2,2.3

V. 2: „Ich weiß um deine Werke …“

Zur Form der V. 2 und 3: Die siebenfachen Werke von Eph (Schwere Arbeit – Ausdauer – Böses nicht ertragen – prüftest die falschen Apostel – Ertragen – Ausdauer – Schwere Arbeit) bilden – wie ein Leuchter (ein Mittelschaft mit je drei Armen zu seinen Seiten) – einen sieben–zeiligen Chiasmus:

. und deine Arbeit

. und deine Ausdauer

. und dass du Üble nicht ertragen kannst.

. Und du prüftest die, die behaupten, Apostel zu sein, und es nicht sind, und fandest, dass sie Lügner waren.

. Und du hast ertragen,

. und du hast Ausdauer,

. und wegen meines Namens hast du gearbeitet und bist nicht ermüdet gewesen.

In Ephesus ist eine reife Gemeinde. Der Herr kennt sie und liebt sie. Und er lobt sie.

„… und deine Arbeit“: Das Wort kann im Griech. „schwere Arbeit“ bedeuten. Das hatten die Epheser vielleicht von Paulus gelernt (Apg 19,10; 20,35).

„… und deine Ausdauer“: Wörtl.: „Darunterbleiben“. Die Christen von Ephesus hatten Ausdauer in all den Leiden, die sie von den von Juden (Apg 19,9; 20,18–19) zu erdulden hatten.

„… und dass du Üble nicht ertragen kannst.“ Das Üble ist in Ephesus das lehrhaft Falsche oder moralisch Böse.

„Und du prüftest die, die behaupten, Apostel zu sein, und es nicht sind, und fandst, dass sie Lügner waren.“

Apostel sind Sendboten Jesu Christi. Die hier erwähnten sind Lügner, falsche Apostel, die für sich in Anspruch nahmen, von Christus gesandt zu sein. Wer eine andere Lehre bringt als die des Christus, verkündet nicht die Wahrheit, ist ein „Lügner“ und „Irreführer“. So nannte Johannes in seinem Brief die jüdischen Falschlehrer (1Joh 2,21.27; 2Joh 1,7; Off 3,9; 22,15; vgl. auch Joh 8,44; 2Kor 11,13; 2Thes 2,9.11; 1Tim 4,1.2.)

V. 3: „Und du hast ertragen, und du hast Ausdauer, und wegen meines Namens hast du gearbeitet“

Die Epheser waren von Paulus unterwiesen worden, sich auf den „bösen Tag“ vorzubereiten (Eph 6,13). „Böse Tage“ waren u. a. jene, an denen sie zu „ertragen“ hatten. Der Abfall, der in „späteren Zeiten“ (1Tim 4,1) kommen sollte, war nun bereits, noch zur Zeit des Timotheus (2Tim 3,1–5).

Was Wort „gearbeitet“ beinhaltet Mühe; man könnte übersetzen: „schwer gearbeitet“

„… und bist nicht ermüdet gewesen.“

Müde zu werden bzw. zu ermatten ist keine Sünde und ist nicht zu tadeln. Aber Sünde ist es, wenn man nachlässt oder aufhört, dem Herrn zu dienen, sobald man müde geworden ist.

c. Tadel: 2,4

V. 4: „Jedoch habe ich gegen dich, dass du deine erste Liebe verließest.“

Dreimal in V. 2 und 3 hat der Herr die Ausdauer erwähnt. Er lobte sie dafür. Aber in der ersten Liebe hatten die Epheser keine Ausdauer. Die „erste Liebe“ ist die Brautliebe (Vgl. Jer 2,2: „Ich denke noch an die Zuneigung deiner Jugendzeit, an deine Brautliebe, als du mir nachgezogen bist in der Wüste …), die Liebe, bei der der Geliebte an erster Stelle steht. Es ist die Liebe, die den Herrn Jesus Christus vor alles stellt.

Die Liebe zu ihm führt uns zu schwerer Arbeit für ihn. Aber der hingegebene Christ muss Acht geben, dass nicht die viele Arbeit ihm die Zeit wegnimmt zum Pflegen der Liebesbeziehung. Mehr Arbeit für Christus führt nicht notwendigerweise zu mehr Liebe zu ihm. Die Arbeit kann vom Pflegen der Liebesbeziehung ablenken. – auch in der Ehe: Wenn sich der Ehepartner zu stark auf die Arbeit konzentriert, kann das Eigentliche der Ehe gefährdet werden, die Beziehung der Liebe. Die Liebe ist die Substanz einer Beziehung. Die Beziehung wird getragen und aufrechterhalten durch die Liebe. So ist die Liebe das Entscheidende. Daher wird in der ersten von den sieben Botschaften des Herrn an seine Gemeinden dieser wichtige Punkt angesprochen.

d. Anweisung mit Drohung: 2,5

V. 5: „Bedenke also, wovon du gefallen bist, und tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung) und tue die ersten Werke.“

Der Weg der Wiederherstellung heißt Buße, Sinnesänderung. Der Herr spricht von drei Schritten:

. „gedenke“: Gehe in dich; denke über die Sünden nach, die sich eingeschlichen haben; erkenne, wovon du gefallen bist.

. „… tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung)“: d. h., umdenken und die praktischen Konsequenzen daraus ziehen.

. „… tue die ersten Werke“: d. h., entsprechend handeln, konkrete Schritte unternehmen.

„Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald.“

Das Wort „bald“ (gr. tachü) kommt in der Off siebenmal vor (2,5.16; 3,11; 11,14; 22,7.12.20). Es bedeutet immer „zeitlich nahe“. Das Wort kann grundsätzlich zwar auch „schnell“ bedeuten, aber in der Off ist damit immer „zeitlich schnell“ i. S. v. „bald“ gemeint (nicht: „mit hoher Geschwindigkeit“), also in zeitlicher Nähe (vgl. 1,3; 22,10).

„Und ich werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.“

Trotz ihres großen und ausdauernden Einsatzes für die göttliche Wahrheit würde der Leuchter beim nahen Kommen Christi weggerückt werden. – Wenn es in Ephesus keinen Leuchter mehr gibt, gibt es dort kein Zeugnis Jesu mehr.

„… wenn du nicht Buße tust“: d. h., wenn du nicht deine Gesinnung änderst und entsprechend handelst. Wer nicht zur Liebe zu Christus zurückkehrt, läuft in die die falsche Richtung, auch wenn er noch Werke für Christus tut.

e. Lob 2,6

Erst Lob, dann Tadel, dann wieder Lob. So „sandwicht“ der Herr seinen speziellen Tadel durch ein doppeltes Lob. (Das ist ein gutes Vorbild dafür, wie man vorgehen soll, wenn man etwas zu beanstanden hat.)

„Jedoch, das hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hassest, …“

Hassen“ ist ein Beziehungswort; es geht dabei nicht um Emotionen. Die Epheser „hassen“ (d. h.: vehement ablehnen, verabscheuen) das Sündige in Form von falscher Lehre und falschem Lebenswandel.

„… die auch ich hasse.“

Gott hasst Sünde (Spr 6,16–19), er lehnt sie vehement ab. „Die Furcht Jahwehs ist: das Böse hassen. Hoffart und Hochmut und den Weg des Bösen und den Mund der Verkehrtheit hasse ich“ (Spr 8,13).

Es gilt zu bedenken: Das zu hassen, was Christus hasst, ist nicht notwendigerweise ein Anzeichen von ungeteilter Liebe.

Man könnte sagen: Hass gegen das Böse hält sich länger als die erste Liebe zu Christus.

Andererseits ist auch wahr: Wer die erste Liebe zu Christus bewahrt, wird auch mehr und mehr das Böse hassen.

Was sind die „Werke der Nikolaiten“? Das Wort „Nikolaiten“ kommt aus dem Griechischen. Es könnte bedeuten: Besieger des Volkes.

Später spricht der Herr von der „Lehre der Nikolaiten“. „Werke“ führen oft zu einer „Lehre“. Und die Lehre der Nikolaiten scheint eine Neuauflage der „Lehre Bileams“ gewesen zu sein. Beide Wörter bedeuten im Wesen dasselbe: „Bileam“ (hebr./aram.) bed. „Herr über das Volk, Beherrscher des Volkes“. „Nikolaus“ (griech.) bed. „Überwinder des Volkes; Herr über das Volk“. – Falsche Lehre führt dazu, dass Gottes Volk von der Sünde überwunden wird.

Übrigens ist die Lehre „Isebels“ (2,20) ähnlich wie die der Nikolaiten bzw. wie die Lehre Bileams.

„Isebel“ steht für die jüdische Lehre, die Vermischung des Wahrhaftigen und Geistlichen mit dem Fleischlichen.

f. Aufforderung zum Hören

V. 7: „Wer ein Ohr hat, der höre, …“: Das Ohr ist das Tor zum Kopf, zum Denken. Nur eines genügt; doch Gott gab uns zwei, damit wir auch dann hören können, wenn eines ausfällt.

Ich darf mich fragen: Wohin neige ich mein Ohr? Worauf höre ich? (In Joh 18 heilte der Herr ein Ohr: Wenigstens einer sollte in jener Nacht hören können …)

„… was der Geist den Gemeinden sagt.“

Was sagt der Heilige Geist heute? Genau das, was er damals sagte; das, was Jesus Christus sagt. Wer den Heiligen Geist reden hören will, muss Gottes Wort lesen.

In Hebr 3,7.8 steht das Wort für „sagen“ in der Gegenwartsform: „Darum, so wie der Heilige Geist sagt: …“). Was Gottes Geist damals durch David sagte, sagte er auch zu den Hebräerchristen, tausend Jahre später.

Dasselbe sagt er heute. Das, was in der Bibel steht, sagt der Heilige Geist. Gegenwart! Der Heilige Geist sagt es immer noch. Der Heilige Geist leitete die Apostel damals in alle Wahrheit. Was sie damals sagten, sagte der Heilige Geist damals; und genau das sagt er auch heute.

g. Die Überwinderverheißung: 2,7

„Dem, der überwindet, …“

In Off 2 und 3 lesen wir sieben Mal vom Überwinden, ein achtes Mal in 21,8.

Was soll überwunden werden? Diese Frage wird nicht gleich beantwortet, da die K. 2 und 3 eine Einleitung zur Hauptbotschaft an die sieben Gemeinden (K. 4–22) sind. Später erfahren die Leser, dass der „Löwe aus dem Stamme Juda“ überwunden hat, sodass er in der Lage ist, das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen (5,5). Wie hat er überwunden? Indem er bereit war, alles zu verlieren; indem er treu war bis zum Tod und sein Leben hingab.

Und dann erfahren die Leser etwas über den Feind, den es zu überwinden gilt, den „Drachen“, „die alte Schlange, genannt Teufel und der Satan, der das ganze Weltreich in die Irre leitet“ (12,9). Es wird berichtet von einer Schar Heiliger, die „ihn überwanden kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses, und sie liebten nicht ihre Leben bis zum Tod“ (12,11). Und in 15,2 sieht Johannes „die Überwinder des Tieres“. Johannes sieht sie an einem „durchsichtigen Meer“ stehen, mit Harfen Gottes. Und sie singen „das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes“ (15,3). Diese Überwinder sind die „Heiligen“ von 13,7.10: „die die die Gebote Gottes halten und den Glauben an Jesus bewahren“ (14,12; vgl. 12,17). Der Feind ist der „Drache“ und das von ihm befähigte „Tier“. Die Heiligen überwinden Tier und Drachen dadurch, dass sie ihre „Gewänder“ „waschen“ und „weiß“ machen im Blut des „Lammes“ (7,14), und dadurch, dass sie Gottes Wort bewahren und Jesu Namen nicht verleugnen (3,8.10; vgl. 1,9; 6,9; 12,11.17; 20,4) und sich öffentlich auf die Seite Jesu Christi stellen. Das bedeutet für sie, dass sie „ihr Leben (w.: ihre „Seele“, ihr Eigenleben) nicht lieben bis zum Tod“ (12,11) und somit „dem Lamm folgen, wo immer es hingeht“ (14,4). Es handelt sich um Märtyrer, Zeugen, die treu sind bis zum Tod. (Vgl. Off 3,21 mit 12,5.11.)

Die Empfänger der Off standen vor der Wahl: Märtyrer oder Abfall!

„… werde ich zu essen geben“: „Essen“ schließt Gemeinschaft–Haben ein; die Gemeinschaft mit Christus ist eine Gemeinschaft in Liebe und im Licht. Ohne einen Wandel im Licht ist diese Gemeinschaft nicht möglich (1Joh 1,5.6; 2,5.15; 4,16). Im Tempel bzw. in der Stiftshütte, aßen die Priester die Schaubrote im Licht des goldenen Leuchters.

„… von dem Baum des Lebens, …“: Der „Baum des Lebens“ steht für die Freude und Frische.

Die Frucht des Lebensbaumes ist das Leben, Leben, das nicht vergeht. Der Begriff „Baum des Lebens“ steht im AT für erfüllte Freude, erfüllte Hoffnung:

Spr 11,30: „Die Frucht des Gerechten ist ein Baum des Lebens“;

13,12: „Lang hingezogenes Harren macht das Herz krank, aber ein eingetroffener Wunsch ist ein Baum des Lebens.“

15:4: „Lindigkeit der Zunge ist ein Baum des Lebens, aber Verkehrtheit in ihr ist eine Verwundung des Geistes.“

Die Weisheit ist „ein Baum des Lebens denen, die sie ergreifen, und wer sie festhält, ist selig“ (Spr 3,18).

Echte Liebe ist bereit, für den Geliebten zu sterben. Das treue Überwinden bis zum Tod wird belohnt mit der paradiesischen Freude des Essens vom „Baum des Lebens“. Die Freude dort gibt der Liebe Durchhaltevermögen hier.

„… der in der Mitte des Paradieses Gottes ist.“

„Paradies“ bedeutet „Wonnegarten“. Mit diesem Ausdruck, der an die Zustände von 1Mo 2 erinnern soll, werden die Freuden des Himmels (wovon Eden nur ein Schatten war) zusammengefasst. In Off 21 und 22, der Gartenstadt, die ein „Heiligtum“ ist, werden die ewigen Zustände des neuen Jerusalems dargestellt.

Lektionen aus Off 2,1–7:

Lehrmäßige Gesundheit und Hass gegen falsche Lehre allein genügt nicht. Die geistliche Schlacht wird nicht allein mit dem Festhalten an der gesunden Lehre entschieden, so wichtig das ist. Die treibende Kraft ist die erste Liebe zu Christus, die Liebe, die Christus an die erste Stelle im Leben stellt. Fehlt sie, fehlt auch das Überwinden.

Wenn jemand die Gemeinschaft mit Christus nicht pflegt, wird der Herr seinen Leuchter schließlich wegstoßen.

Wenn man die erste Liebe zum Herrn nicht pflegt, wird man unbrauchbar werden und die Leuchtkraft verlieren, auch wenn man in der Lehre klarsteht.

2. An Smyrna 2,8–11

a. Adressierung und Selbstvorstellung: 2,8

V. 8: „Dem Boten der Gemeinde in Smyrna schreibe:“

Der Name „Smyrna“ kommt von „Myrrhe“ und bedeutet „Bitterkeit“. Myrrhe ist zerriebenes Harz; es hat einen bitteren Geruch und diente zur Herstellung wertvoller wohlriechender Essenzen, auch als Beimischung zum heiligen Salböl (2Mo 30,23) verwendet.

Die Stadt Smyrna, 55 km nördlich von Ephesus gelegen, wurde im 7. Jhdt. v. Chr. völlig zerstört und im 3. Jhdt. neu aufgebaut. Sie war eine der wichtigsten Städte in Kleinasien und gehörte zu den reichsten Handelsstädten. Heute heißt sie „Izmir“ und ist mit ihrem größten Exporthafen die zweitgrößte Stadt der Türkei – nach Istanbul.

Die Gemeinde

Smyrna wurde von Ephesus aus evangelisiert (Apg 19,10). Die Gemeinde entstand wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 50er Jahre n. Chr. Zur Zeit der Abfassung der Off war sie 7–10 Jahre alt. In römischer Zeit wohnten dort viele Juden, die im Wirtschaftsleben großen Einfluss hatten.

Am 13. 2. 155 n. Chr. starb dort – nach 85 Jahren Dienst für Christus – der Älteste namens Polykarp in hohem Alter den Märtyrertod am Scheiterhaufen. Er hätte seinen Glauben abschwören sollen. Aber er antwortete: „85 Jahre diene ich ihm, und er hat mir nie etwas Böses getan; sollte ich ihm nun so etwas antun und ihn verleugnen?“

„Das sagt der Erste und der Letzte, …“: Nicht der römische Kaiser, sondern Christus ist der Erste und Letzte. Wir dürfen uns fragen: Ist er der Erste und der Letzte in meinem Leben? – Er soll beginnen können, er soll das Ziel bestimmen dürfen, er soll zu Ende führen können, und er soll alles dazwischen bestimmen können.

Als Johannes den Sohn des Menschen sah, fiel er zu seinen Füßen wie ein Toter (1,17). Doch der Herr legte seine rechte Hand auf ihn und sagte zu ihm: „Fürchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende. Ich war tot, und – siehe! – ich bin lebend – in ‹alle› Ewigkeit.“

„… der starb und wieder lebte“: Bei Christus hatte der Tod nicht das letzte Wort; ebenso bei den Seinen nicht. Christi Sieg über den Tod ist das Unterpfand und die Garantie für den Sieg der Christen von Smyrna.

b. Anerkennung: 2,9

„Ich weiß um deine Werke …“

Hier kommt nicht eine Aufzählung von Werken; aber es sind Werke vorhanden. Während man in Bedrängnis ist, muss man nicht aufhören mit Werken, mit dem Wirken für Gott, denn Gott hat in jeder Lage Werke für uns im Voraus bereitet, dass wir in ihnen wandeln sollen (Eph 2,10).

„… und deine Bedrängnis und deine Armut …“

Er kann mitfühlen. Er selber wurde arm unsertwegen, damit wir durch seine Armut reich würden (2Kor 8,9).

… – du bist aber reich – …“

Auch dann, wenn man uns unseren Besitz wegnehmen will, wollen wir nicht aufhören zu geben. Wir haben immer etwas zu geben.

Die Gemeinde der Smyrner war zwar äußerlich arm, aber in Christi Augen war sie reich: Sie besaß Schätze im Himmel (Mk 10,21), und sie war in Christus mit jeder geistlichen Segnung gesegnet in der Himmelswelt (Eph 1,3).

Von den sieben Gemeinden, an die sich der Brief richtet, werden nur Smyrna und Philadelphia nicht getadelt und nicht zur Buße aufgerufen; ihnen wird kein Gericht angedroht.

„… und die Verleumdung von Seiten derer, die von sich selbst sagen, sie seien Juden, und sind es nicht, sondern sie sind eine Synagoge des Satans.“

Christus kennt die Feinde der Seinen. Die Gemeinden von Smyrna und Philadelphia wurden von Menschen geplagt, die sagten, sie seien Juden; solche, die sich auf ihren äußerlichen Status als fleischliche Nachkommen Abrahams beriefen. Sie waren zu jener Zeit die erbittertsten Feinde des Evangeliums. (Vgl. Apg 12,1–3; 13,6.50; 14,2.5.19; 17,5; 18,6.12 ff; 19,23 ff; 20,3; 21,11.27 ff; 22,22ff; 23,20; 1Thes 2,14–16). Die Juden „nach dem Fleisch“ (Gal 4,29; vgl. „Israel nach dem Fleisch“, 1Kor 10,18.) beriefen sich auf ihr fleischliches „Geburtsrecht“ (Joh 8,33–41) und verachteten die aus dem Geist Geborenen, ebenso wie sie den aus dem Geist Geborenen, den Messias, verachteten. Sie rühmten sich ihrer äußerlichen Beschneidung und meinten, deswegen die wahren Glieder der Gemeinde (Versammlung; „Synagoge“) Jahwehs zu sein. „Ismael“, der nach dem Fleisch geborene Nachkomme Abrahams, verfolgte „Isaak“, den nach der Verheißung geborenen. Wie es zur Zeit des Apostels Paulus (Gal 4,21–31) war, so war es auch zur Zeit, als die Off geschrieben wurde.

Jesus sagte von jenen Juden, dass sie keine wahren „Juden“ waren. Paulus hatte bereits erklärt (Rm 2,28.29): Nicht der, der es äußerlich ist, ist Jude, und nicht die Beschneidung im Fleisch ist die wahre Beschneidung, sondern der, der es im Verborgenen ist, ist Jude, und die wahre Beschneidung ist die des Herzens, die Beschneidung im Geist, nicht die im Gesetz. Wie Nathanael (Joh 1,47) waren nur diejenigen die „wahrhaftigen Israeliten“ und wahrhaftigen Nachkommen Abrahams, die es durch den Glauben an Christus waren (Rm 4,16; 9,6–8; 9,27; Gal 3,27–29; Phil 3,1–4). Paulus nannte in Gal 6,16 die zu Christus bekehrten Galater „das Israel Gottes“. In der Off werden Unbekehrte nie mit einem spezifisch israelitischen Namen oder Titel bezeichnet.

Die Feinde werden „eine Synagoge des Satans“ genannt (2,9; 3,9), In Joh 8,44 nannte der Herr Jesus den Teufel ihren „Vater“. Aus der „Gemeinde Jahwehs“ (4Mo 16,3; 20,4; 27,17; 31,16; Jos 22,16.17; 1Ch 28,8; Mi 2,5) war – durch ihre Verwerfung des Messias – „eine Synagoge des Satans“ geworden.

Der „Satan“ (37–mal im NT) ist kein Eigenname, sondern eine Bezeichnung. Wenn das Wort für den Teufel verwendet, wird, steht das Wort im Griechischen fast immer mit dem bestimmten Artikel. Es kommt aus dem hebr. ha–satan (der Widersacher, der Gegner) und wurde direkt ins Griechische übernommen. Das andere im NT verwendete griechische Wort ist diabolos (38–mal in NT); es bedeutet „Teufel“ (eigtl.: „Widersacher, Gegner“; wörtl. „einer, der etwas dazwischenwirft“; es wird auch im Sinne von „Ankläger, Verleumder, Lästerer“ verwendet.

c. Ermutigung und Vorbereitung: 2,10A

Fürchte nicht, was du zu leiden im Begriff bist.“

Das ist eine spezielle Warnung für eine spezielle Situation in naher Zukunft. Die Briefempfänger stehen vor einer besonderen Prüfungszeit:

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen Leiden fürchten. Aber Christus kennt die Leiden, die auf uns zukommen, nicht nur im Voraus, sondern er weiß auch, dass die Leiden ein Ende haben. Vom Blick des Jenseits her betrachtet, sind sie „leicht“. Paulus schrieb den Korinthern (2Kor 4,17.18): „… das schnell vorübergehende Leichte, unsere Bedrängnis, bewirkt im Übermaß bis zum Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit für uns, 18 die wir nicht auf das achten, was man sieht, sondern auf das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, aber das, was man nicht sieht, ewig.“ Petrus sagte bezüglich der Betrübnis und dem Leiden: „…, die ihr jetzt für eine geringe [Zeit], wenn es sein soll, betrübt wurdet in mancherlei Prüfungen“ (1Petr 1,6). „Aber der Gott aller Gnade, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus rief, er selbst mache euch, nachdem ihr für eine geringe [Zeit] gelitten habt, heil ‹und tüchtig›; er festige, stärke, gründe [euch].“ (5,9)

„Siehe, der Teufel …“: Diese Verfolgung kommt von dem Teufel, der eine eigene „Synagoge“ (V. 9) von Anhängern hat; von den Juden also.

„… ist daran, einige von euch ins Gefängnis zu werden, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet zehn Tage Bedrängnis haben.“

R. Bauckham (in: The Theology oft he Revelation) schreibt, es gab damals nur die Haft vor der Hinrichtung. Wenn Menschen damals ins Gefängnis kamen, war dies üblicherweise mit dem Ziel und Zweck der Hinrichtung. Jene Smyrner sollten also mit dem nahen Tod rechnen.

Die Smyrner standen ganz in der Linie ihrer Bestimmung. Es gehört zum Los der Heiligen, dass sie Bedrängnis haben. Johannes betrachtete sich selbst als „Mitteilhabenden an der Bedrängnis“ (Off 1,9). Paulus berichtete davon, dass wir „durch viele Bedrängnisse in das Königreich Gottes eingehen“ müssen (Apg 14,22); an die Thessalonicher schrieb er (1Thes 3,3.4), dass sie selbst wüssten, dass wir zu Bedrängnissen bestimmt sind: „… [damit] niemand wankend gemacht werde in dieser Bedrängnis, denn ihr wisst selbst, dass wir dazu gesetzt sind, denn auch als wir bei euch waren, sagten wir euch zuvor, dass wir Bedrängnis erfahren würden, so wie es auch geschehen ist, und ihr wisst es.“

Off 2,9 steht im Gegensatz zu 20,1ff. Hier wirft der Teufel die Heiligen für zehn Tage ins Gefängnis, dort wird er selbst ins Gefängnis geworfen, aber nicht nur zehn, sondern zehnmal zehn Mal zehn – nicht „Tage“, sondern Jahre (20,3). Und im Gegensatz zu dem Satan, der in Pergamus am Thron sitzt (2,13) werden in 20,4 die Heiligen dargestellt als die, die auf „Thronen“ sitzen. Der Spieß wird umgedreht.

Wir lernen: Man kann alles von zwei Seiten betrachten. Das hiesige Los der Überwinder ist es, zu leiden – aber kurz! Dort jedoch dürfen sie herrschen – sehr lange.

d. Anweisung: 2,10M

„Werde treu …“: „Werde“, sagt der Herr. Treu muss man „werden“. Das ist einem nicht angeboren, und man lernt es nicht im Schnellkurs. Wenn wir leiden müssen oder wenn uns um Christi willen Leiden bevorstehen, stehen wir in Gefahr, dass wir Kompromisse eingehen, um den Leiden auszuweichen oder sie abzukürzen. Der Herr weiß, die Smyrner könnten leicht untreu werden. Das Beispiel vom treuen Zeugen Antipas in Pergamon (V. 13) ist gewiss eine Ermutigung für sie, „treu bis zum Tod“ zu werden.

„bis zum Tod, …“: Im im Anschluss an die zehn Tage geprüfter Leiden kam die Hinrichtung. Zehn Tage hatten die Gefangenen Zeit, Christus abzuschwören.

Bei all den Seinen möchte der Herr diese Gesinnung sehen: die Bereitschaft, für ihn zu sterben. (Vgl. 1Petr 4,1: „Nachdem also Christus für uns am Fleisch litt, wappnet auch ihr euch mit der selben Denkweise …!“) Der Gedanke zieht sich durch und gehört zur Hauptbotschaft des gesamten Briefes. Vgl. 6,9–11; 7,14–17; 11,7; 12,11; 13,7.10.15; 14,4.12.13; 15,2; 18,24; 20,4.

e. Lohnverheißung: 2,10E

„Werde treu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone (o. den Kranz) des Lebens geben.“

Gott prüft die Treue. Er stellt den Überwindern eine große Belohnung in Aussicht. Vgl. Jak 1,12: „Ein Seliger ist der Mann, der in der Prüfung Ausdauer bewahrt, weil er, nachdem er sich bewährt hat, die Krone des Lebens empfangen wird, die der Herr denen verhieß, die ihn lieben.“

Man könnte den Wesfall auch im Sinne der Gleichsetzung auffassen und übersetzen: „und ich werde dir die Krone geben, nämlich das Leben“. Das ewige, zukünftige Leben in der Herrlichkeit ist die Krone, die krönende Belohnung. Wer bis zum Tod treu bleibt, wird als Krone das ewige Leben erhalten. Belohnung fürs Durchhalten hat nichts mit Werksgerechtigkeit zu tun.

In der Verfolgung untreu zu werden ist eine reale Gefahr für Jesu Gemeinde – mit ewigen Konsequenzen.

Der Herr fordert die Heiligen auf zu wählen: entweder dem geliebten Herrn treu bleiben oder ihn verleugnen und schließlich das Ziel verfehlen. Die Gläubigen werden nicht aufgerufen, Helden zu sein, sondern sich an den Herrn zu klammern und da zu verharren, auch wenn die Lage schwer wird. Die Bibel ist kein Buch von Heldengeschichten. David, beispielsweise, war kein Held; die Heilige Schrift ist realistisch und beschreibt auch seine Sünden. Auch die in Hebr 11 Erwähnten sind nicht „Helden“; sie sind Zeugen (Hebr 11,2; 12,2).

f. Aufforderung zum Hören 2,11

„Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

Was sagt ihnen der Geist? – Genau das, was ihnen der Herr Jesus sagt. So ist es auch heute: Der Geist sagt uns genau das, was er damals den Gemeinden sagte. Aus diesem Grund erforschen wir die Heiligen Schriften.

g. Überwinderverheißung 2,11

„Dem, der überwindet, wird keinesfalls von dem zweiten Tod Schaden zugefügt werden.“

Der erste Tod ist der physische. An dem Tag, an dem Adam sündigte, starb er. Der Tod zog ein. Sein Leib begann zu sterben. Vgl. Rm 8,10 mit V. 11. Der Leib wurde von der Sünde in Mitleidenschaft gezogen und die abbauenden Kräfte setzten ein. Paulus sagt, was unseren Leib betrifft, „wirkt der Tod in uns“ (2Kor 4,12). Der zweite Tod ist „der Feuersee“ (Off 20,14), die ewige Trennung von Gott.

V. 11 impliziert, dass die Möglichkeit besteht, nicht zu überwinden. Die Gemeinde der Smyrner bestand aus Menschen, die Jesus Christus gehörten. Der Herr macht deutlich: Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten: Entweder man überwindet („treu bis zum Tod“) oder man wendet sich von Christus ab.

3. An Pergamus 2,12–17

a. Adressierung und Selbstvorstellung 2,12

„Dem Boten der Gemeinde in Pergamos schreibe:“

Der Name Pergamus kommt von purgos (Turm, Hochburg). Pergamus war eine Hochburg des Feindes. Die Stadt Pergamus (heute heißt sie Bergama) lag etwa 80 km nördlich von Smyrna. Sie war ein religiöses Zentrum. Dort stand ein Zeusaltar und ein Tempel des Aesklepios Soter, des Heil–Gottes Aeskularp (ein Schlangengott; heute noch das Symbol der Mediziner).

Im Jahr 29 v. Chr. stand dort einer der ersten Tempel des Kaiserkults, der Tempel der Göttin Roma und des Augustus. So wurde Pergamus der asiatische Mittelpunkt des römischen Kaiserkults. Symbol des Kaiserkultes in Pergamus war das Schwert.

Die Stadt war auch ein wirtschaftliches Zentrum. Sie wurde sehr berühmt durch die Herstellung von „Pergament“ (Schreibmaterial aus Tierhäuten, das hier ab dem 2. Jhdt. v. Chr. stark gefördert wurde. Pergamus war auch ein kulturelles Zentrum. Die Stadt besaß eine große Bibliothek und war stolz auf ihre Bildung.

„Dieses sagt, der das scharfe zweischneidige Schwert hat.“

Das „Schwert“ ist ein Tötungsinstrument. Bileams Eselin sah den Boten Jahwehs mit seinem gezückten Schwert in seiner Hand auf dem Weg stehen. (4Mo 22,23; vgl. Jos 5,13) Bileam sagte zur Eselin: „Wäre ein Schwert in meiner Hand, würde ich dich jetzt töten!“ (4Mo 22,29) Danach sah Bileam den Boten Jahwehs mit seinem gezückten Schwert in seiner Hand am Weg stehen. (4Mo 22,31). – Das zweischneidige Schwert steht für das Wort Gottes. Das Schwert Gottes bedeutet Heil für die einen, Strafe für die anderen.

b. Anerkennung: 2,13

„Ich weiß um deine Werke und wo du wohnst, da wo der Thron des Satans ist“.

Die Betonung liegt auf dem „Wohnen“ der Gemeinde. Das Wort für „wohnen“ (griech. katoikein) bedeutet, „sich fest ansässig machen“. Der Satan wohnte und thronte in Pergamus. Er war in starkem Maße wirksam, konnte dort viele regieren. Der Satan war der Vater der Juden (Joh 8,44).

In Ephesus gab es Juden, die behaupten, Apostel (Gesandte Gottes) zu sein, die es aber nicht waren, sondern sie waren Lügner (Off 2,2). Die Juden leugneten, dass Jesus der Messias war. Johannes schrieb: „Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Gesalbte (d. h.: der Messias) ist? Der ist der Antichristus, der den Vater und den Sohn leugnet.“ (1Joh 2:22). Der Satan war „der Vater der Lüge“ (Joh 8,44).

In Smyrna hatte der Satan eine „Syngoge“ von Juden, die aber in den Augen des Herrn keine Juden waren (2,9).

In Philadelphia ebenfalls: „Siehe: Ich gebe aus der Synagoge des Satans die, die von sich selbst sagen, sie seien Juden, und sie sind es nicht, sondern sie lügen“ (Off 3,9).

Die Juden werden in der Off als „Lügner“ bezeichnet: „Aber den Feiglingen und Ungläubigen und Gräulichen und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Teil im See sein, der mit Feuer und Schwefel brennt. Das ist der zweite Tod.“ (Off 21,8). „Draußen sind die Hunde, die Zauberer, die Unzüchtigen, die Mörder, die Götzendiener und jeder, der Lüge lieb hat und übt.“ (Off 22,15)

Die Juden heißen in der Off auch „Götzendiener“ und „Unzüchtige“: „Und die übrigen der Menschen, die nicht durch diese Plagen getötet wurden, taten nicht Buße über die Werke ihrer Hände, dass sie nicht huldigten den Dämonen und den goldenen und den silbernen und den ehernen und den steinernen und den hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können. Und sie taten nicht Buße über ihre Mordtaten noch über ihre Zaubereien noch über ihre Unzuchtstaten noch über ihre Diebstähle.“ (Off 9,20.21; vgl. Off 17 und 18.)

„und du hältst fest an meinem Namen, und du verleugnetest nicht meinen Glauben, …“

Die Gemeinde in Pergamus hielt an Jesus, dem Gesalbten, fest – im Gegensatz zu den Juden.

Johannes hatte geschrieben (1Joh 2,21–24): „Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht wüsstet, sondern weil ihr sie wisst und weil jede Lüge nicht aus der Wahrheit ist. Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Gesalbte ist? Der ist der Antichristus, der den Vater und den Sohn leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht. Ihr also, das, was ihr von Anfang hörtet, bleibe in euch. Wenn das in euch bleibt, was ihr von Anfang hörtet, werdet auch ihr in dem Sohn und in dem Vater bleiben.“

„… auch nicht in den Tagen, in denen Antipas mein treuer Zeuge war, der bei euch getötet wurde, da, wo der Satan wohnt.“

Was Christus für Gott war („der treuer Zeuge“, 3,14), war Antipas für Christus: ein treuer martys (Zeuge). Antipas hatte das getan, was der Herr Jesus Christus den Smyrnern ans Herz gelegt hatte (2,10): Er war treu geworden bis zum Tod.

c. Tadel: 2,14–15

„Ich habe jedoch Weniges gegen dich: Du hast dort [solche], die an der Lehre Bileams festhalten, der bei Balak lehrte, einen Anlass ‹zum Stolpern und Fallen› vor die Söhne Israels zu werfen, ‹um› Götzenopfer zu essen und Unzucht zu begehen. In dieser Weise hast du, auch du, ‹solche, die› an der Lehre der Nikolaiten festhalten, was ich hasse.“

Das Götzenopferfleischessen kann hier nicht im buchstäblichen Sinne gemeint sein; denn Götzenopferfleischessen an sich war nicht verboten (1Kor 10,23–31), aber man sollte in der Anfangszeit aus Rücksicht auf die jüdischen Gläubigen darauf verzichten (1Kor 10,28; 8,7–13; Röm 14,14–23).

Auch das „Unzucht–Begehen“ kann hier nicht im buchstäblichen Sinne gemeint sein; dass Christen nicht Unzucht begehen sollten, musste nicht betont werden und sollte den Heiligen inzwischen klar gewesen sein:

Der 2Petrusbrief war an Gemeinden aus derselben Gegend gerichtet. (Vgl. 1Pe 1,2.) Die falschen Lehrer dort wandelten nach dem Fleisch und verführten ungefestigte Seelen (2,14.15); sie folgten dem Weg Bileams (2Pe 2,15; vgl. Off 2,14; Jud 7–14). Diese „fleischlichen“ Irrlehrer bewegten sich in den Kreisen der Heiligen (2Pe 2,13). Die Reinheit der Lehre Christi stand auf dem Spiel. In Judasbrief (V. 18) könnten die Spötter ebenfalls solche Judaisten gewesen sein. Jedenfalls bezieht sich Judas und Petrus auf die Zeit der „letzten Tage“ des sinaitischen Tempelära, also auf die Zeit knapp vor 70 n. Chr.

Was war die „Lehre Bileams? Balak, König von Moab, hatte ein Problem: Israel lagerte in der Wüste und er fühlte sich bedroht. Die Frage war: Wie werde ich dem Volk Gottes Herr? Bileam (dessen Name „Herr über das Volk“ bedeutet) war ein gemieteter Prophet, der die Kinder Israel verfluchen sollte. Es gelang nicht, weil Gottes Volk gesegnet war. Daraufhin gab Bileam dem moabitischen König Balak einen Rat, wie man dem Volk Gottes Herr wird: Du musst das Volk Gottes zum Sündigen verführen, sodass es von seinem Gott nicht mehr gesegnet, sondern verflucht wird. Das war der „Rat“ Bileams, die „Lehre“ Bileams. Vgl. 4Mo 31,16.

Pergamon hatte der harten Versuchung widerstanden (V. 13), war aber der weichen Verführung erlegen (V. 14): Ergebnis: Verbindung mit dem fleischlichen Judentum.

Bileam war irdisch–fleischlich gesinnt, machte Geld mit seinem Gottesdienst, ließ sich mieten. So wurde Bileam durch seine Verbindung mit der „Welt“ zum Feind des Volkes Gottes, obwohl Gottes Worte aus seinem Munde kamen. Es war damals sehr verführerisch für Gottes Volk, wenn falsche Lehre mit Gottes Wort im Munde fleischliche Religion predigten!

Hurerei (Unzucht) ist daher hier im übertragenen Sinne zu verstehen. Es geht um einen geistlichen Ehebruch. Näheres über diese Unzucht erfahren wir dann in Off 17 und 18. (Vgl. Jak 4:4: „Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft [mit] der Welt Feindschaft [gegen] Gott ist? Wer immer also ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes hin.“ 1Joh 2:15: „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters [und die Liebe zum Vater] nicht in ihm.“

Die Welt hat viele Gesichter. Am gefährlichsten ist sie, wenn sie im religiösen Gewand kommt.

Off 2,15: „Auf diese Weise hast du, auch du, solche, die an der Lehre der Nikolaiten festhalten.“

„Auf diese Weise“, d. h., indem sie „die Lehre Bileams“ festhielten, hielten sie „die Lehre der Nikolaiten“ fest.

Die „Lehre der Nikolaiten“ scheint eine Neuauflage der „Lehre Bileams“ gewesen zu sein.

Bei beiden Lehren geht es darum, wie man das Volk Gottes überwinden kann.

Beide Wörter bedeuten dasselbe: Bileam (hebr./aram.) bed. „Herr über das Volk, Beherrscher des Volkes“; Nikolaiten (griech.) bed. „Überwinder des Volkes“.

Die falschen Lehrer in Pergamon begingen den Irrtum des Bileam (2Petr 2,15; Jud 11; Off 2,14) und die Gemeinde von Pergamon stand in der Gefahr, dem Rat Bileams zu folgen. Der „Irrtum Bileams“ ist mit der „Lehre der Nikolaiten“ eng verbunden (Off 2,6.15).

Offensichtlich gab es solche, die die Identität und das Heil des wahren Volkes Gottes dadurch bedrohten, dass sie den Christen den Rat gaben, sich mit der judaistischen Welt zu vermengen. Es geht um geistliche Hurerei (Jak 4,4; 1Joh 2,15–17; Off 17 und 18) und Befleckung (Vgl. 2Kor 6,14– 7,1; Tit 1,15; 2Petr 2,20; Jud 23; Off 21,8; Vgl. 2Kor 11,2 und Off 14,4). Vermischung mit dem fleischlichen Judentum wäre für Gottes Volk fatal gewesen. Die Heiligen von Pergamon hätten sich auf diese Weise mit der Welt vermengt und ihre Identität als wahres Volk Gottes – und damit ihr himmlisches Erbe – verloren, ebenso wie Israel sein Erbe verloren hätte, wenn es sich damals zurzeit Bileams auf der Wüstenwanderung mit Moab vermischt hätte.

d. Anweisung 2,16

V. 16: „Tue also Buße (o.: Ändere deine Gesinnung; denke um und handle entsprechend).

e. Gerichtsandrohung 2,16M

Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald, und ich werde Krieg mit ihnen führen mit dem ‹heftigen› Schwert meines Mundes.“

Auch hier das Kommen des Herrn ein baldiges, nahes. Gerichtet ist diese Botschaft an die Briefempfänger des ersten Jahrhunderts. Wer behauptet, er kam damals nicht, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, der Herr hätte in dem Fall die damaligen Gemeinden getäuscht.

f. Aufforderung zum Hören 2,17

V. 17: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ – Einzelne werden aufgerufen, zu hören und (des Herrn Wort) zu beherzigen und zu befolgen.

g. Überwinderverheißung 2,17M

V. 17: „Dem, der überwindet, werde ich zu essen geben von dem verborgenen Manna.

Das Manna hatte das Volk Israel in der Wüste physisch am Leben erhalten. Zur Erinnerung an diese Lebenserhaltung in der Wüste wurde ein Gomer voll Manna im Heiligtum verborgen und dort aufbewahrt. Es war ein Typus auf das wahrhaftige Manna, das aus dem Himmel herabkam (Joh 6,47–58). Dieses Manna war dem natürlichen Menschen verborgen. 40 Jahre, immer frisch, am Morgen. Das „Manna“ ist ein Bild auf Christus, der die tägliche Nahrung der Heiligen ist während ihrer „Wüstenwanderung“ (vgl. Off 12,14ff.).

Christus ist ein „verborgenes“ Manna, den Gläubigen verborgen, aber ihre tägliche Nahrung!

Kol 3,3: „… denn ihr starbt, und euer Leben ist verborgen worden zusammen mit Christus in Gott.“

V. 17Ende: „Und ich werde ihm einen kleinen weißen Stein geben, und auf dem Stein wird ein neuer Name geschrieben sein, …“

Wenn zwei eine Freundschaft geloben, wird ein weißer Stein gespalten; auf beide Teile schreiben ein jeder seinen Namen. Der Stein wird dann ausgetauscht als Zeichen der Verbundenheit.

Der Herr will seiner geliebten Braut den Stein der Freundschaft geben.

„… ein neuer Name, den niemand kennt, außer dem, der ihn empfängt“: Christus wird in einer ganz persönlichen und besonderen Weise gekannt und genossen von jedem einzelnen: eine enge Gemeinschaft der Liebe, eine Freude, an der kein Dritter teilhat.

4. An Thyatira 2,18–29

a. Adressierung und Selbstvorstellung: 2,18

„Dem Boten der Gemeinde in Thyatira schreibe:

Die Deutung des Namens ist unsicher: Opfertor; die Opfernde; die Weihrauchspendende; Tochterstadt.

Die Stadt Thyatira: 80 km nordöstlich von Smyrna, östlich von Pergamus; reiche Stadt; ein Zentrum von zahlreichen Handelswaren. Bes.: Purpurhandel (Lydia war eine Purpurkrämerin aus Thyatira, d.h., eine überseeische Handelsreisende eines Purpurfabrikanten aus Thyatira; Apg 16,14).

„Dem Boten der Gemeinde in Thyatira schreibe: Dieses sagt der Sohn Gottes, der seine Augen hat, wie eine Feuerflamme, …“

„Dieses sagt der Sohn Gottes, …“: Nur einmal wird Jesus Christus in der Off „Sohn Gottes“ genannt: Hier.

„… der seine Augen hat, wie eine Feuerflamme, …“

Diese Augen durchschauen alles, decken auf, reinigen, sind verzehrend wie Feuer. Der Herr läutert, verzehrt das Böse (Hab 1,13), doch seine Augen bleiben rein beim Ausüben von Gericht.

„… und seine Füße sind gleich glänzendem Kupfer“:

Messing (bzw. Kupfer) steht für die richtende Gerechtigkeit. Die „Füße“ sind die eines Keltertreters. Der Herr ist standhaft, beharrlich im Gericht über den Unbußfertigen.

b. Anerkennung: 2,19

V. 19: „Ich weiß um deine Werke und deine Liebe …“

Wie tröstlich. Es ist gut, dieses zu wissen, dass er weiß, wie sehr ihn die Treuen lieben. Wir lernen: Wo Liebe ist, da steht es gut um die Gemeinde.

„… und deinen Dienst“:

zu Hause in der Familie, in der Fürbitte, im Helfen, im Bezeugen, im Verkünden.

Er bestimmt den Umfang unseres Dienstes für ihn, und er setzt die Grenzen (durch unsere physische Kraft und Gesundheit, durch die Gegebenheiten in der Familie, durch offene bzw. geschlossene Türen, durch die materiellen Mittel, die er uns gibt. Auch die Motive unseres Dienstes kennt er

„… und deinen Glauben“ (Rm 15,13: „Aber der Gott der Hoffnung fülle euch, auf [euer] Glauben hin, mit aller Freude und [allem] Frieden …“)

„… und deine Ausdauerin der Liebe, i deine Ausdauer m Dienst, i deine Ausdauer m Vertrauen.

„… und ich weiß, dass deine letzten Werke mehr sind als deine ersten.“

– dein Wachstum in der Liebe, dein Fortschreiten im Dienst und im Vertrauen. Er weiß auch, dass alles Wachstum letztlich von ihm kommt. Er weiß auch, dass du von seiner liebenden „Wärme“ und seinem Licht und seiner Nahrung lebst. Er konnte dir auf diese Weise Gedeihen schenken.

5 mal werden hier „Werke“ erwähnt. Der Herr anerkennt alles, was von ihm selbst ist. Was Jesus, der Herr, gewirkt hat, das zählt – und nur das bleibt.

c. Tadel: 2,20.21

V. 20: „Jedoch habe ich Weniges gegen dich: Du lässt gewähren die Frau Isebel, die sich eine Prophetin nennt, [du lässt sie gewähren,] meine Knechte zu lehren und sie in die Irre zu führen, [nämlich:] Unzucht zu begehen und Götzenopferfleisch zu essen.“ Vgl. 1Kön 16,30–33.

Isebel (bed.: „Nicht–Wohnung“) hat aufgehört, die Wohnung Gottes zu sein.

. Isebel hat begonnen zu „lehren“.

Isebel steht für die damaligen Juden, die sich in die Gemeinden mischten.

Isebel nennt sich eine „Prophetin“, obwohl sie eine Falschprophetin ist. Sie gibt vor, Gottes Worte zu sprechen (wie die Juden es damals vorgaben). Und so manche aus dem Volk Gottes in Thyatira hören auf sie, wie viele Christen damals, die sich irreleiten ließen und in Gefahr standen, geistliche „Unzucht“ zu begehen.

Parallelen zwischen Isebel und der Hure von Off 17–18:

Sie verfolgte Gottes Knechte (1Kön 18,4; 19,2): Off 17,6; 18,24; 19,2.

Sie zieht Gold/Geld den Menschenseelen vor (1Kön 21): Off 18,12.13.

Sie treibt Zauberei (2Kö 9,22): Off 18,23!

Sie ist eine Hure (2Kön 9,22), sie ist durch ihre Verwerfung des Messias zur Unzüchtigen geworden zur Hure. Off 18,3.

Sie ist durch ihre Verwerfung Jahwehs zur Götzenanbeterin geworden – wie die Hure des Messias zur Götzendienerin geworden.

Sie verführt zum Götzenopferfleisch–Essen: Der jüdische Gottesdienst war durch die Verwerfung des Messias zum Götzendienst geworden. Isebel (1Kön 16,31; 18,18) pflegt Gemeinschaft mit den Götzen. Off 2,20 // 9,20; 16,9; vgl. 16,2.19.

Sie ernährt und unterstützt die Falschpriester und Falschpropheten (Off 17,1.2; 16,13; 19,20).

Die Bewohner des Landes sind verführt und geistlich verwirrt; sie sehen nicht, wer Gott ist. 1Kön 18,18 ff: Die Bewohner des Landes sind trunken vom Wein ihrer Unzucht Off 17,2

Sie ist reich und dennoch unersättlich, voll Gräuel 1Kön 21; Off 17,4.

Geld steht an erster Stelle, Menschenseelen an letzter. 18,12–13

Mutter von der gräuelvollen Frau Atalja 2Kön 11,1; 2.Chr 22,2–3; 24,7 Atalja= Frau des Joram von Juda, Joram war Schwiegersohn des Ahab; Atalja war daher eine Tochter Ahabs; durch sie kam der Baalsdienst nach Juda. // Hure: Mutter aller Huren und aller Gräuel 17,5; voll Sünden 18,5

→ Isebel steht für das ungläubige Israel bzw. für die Judaisten, die in Gottes Volk Einzug gehalten und unter einer Reihe von Christus–Gläubigen sogar die Führung übernommen haben.

Es gab damals einen Überrest von Treuen (1Kön 18) // Die wenigen Treuen werden angesprochen. Zuletzt ist die Botschaft: „Geht hinaus von ihr!“ Off 18,4.

Ihr Ende ist öffentlich und schrecklich, 2Kön 9,31–37 // Off 17,16; 18,5–8.20.

Der Name „Isebel“ bedeutet „Nicht-Wohnung“. Sie war keine Wohnung Gottes, wie das abgefallene Israel nicht mehr die wahre Bleibestätte für das Gottesvolk war.

Daher fordert der Herr von den Seinen, sich schleunigst von Isebel abzusondern:

V. 21: „Und ich gab ihr Zeit, damit sie Buße tue, und sie will nicht Buße tun.“ – Sie wurde in der Vergangenheit zur Buße aufgerufen, will aber nicht Buße tun. Vgl. Off 16,11: „…und sie taten nicht Buße über ihre Werke.“

d. Gerichtsandrohung: 2,22.23

V. 22: „Siehe, ich werfe sie in ein Bett und die, die Ehebruch mit ihr begehen, …“, vgl. den geistlichen Ehebruch der jüdischen Christen in Jak 4,4.

V. 22M.23A: „… in große Bedrängnis, wenn sie nicht Buße tun von ihren Werken; 23 und ihre Kinder werde ich töten mit Tod. Und alle Gemeinden werden darüber in Kenntnis sein, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht.“

Vgl. Hebr 4,13; Ps 139,23f.; 7,10; Jer 11,20; 17,10.

V. 23E: „Und ich werde jedem von euch nach Werken geben.“

Jedes Gericht ist „nach Werken“ (Rm 2,6), auch das Gericht vor dem Richterstuhl Christi: „… denn wir müssen alle offenbar gemacht werden vor dem Richterstuhl des Christus, damit ein jeder das ‹als Ertrag› erhalte, wohin sein Tun im Leibe führte, es sei Gutes oder Schlechtes.“ (2Kor 5,10).

e. Trostwort an die „Übrigen“: 2,24.25

V. 24: „Euch aber sage ich, den übrigen, die in Thyatira sind, so viele diese Lehre nicht haben, die die Tiefen des Satans, wie sie sagen, nicht [er]kannten: Ich lege keine andere Last auf euch;“

„Tiefen des Satans“: Zur Zeit Isebels wurden in der israelitischen Geschichte des AT die tiefsten Tiefen der Sünde (und des Satans) erreicht.

„… nicht kannten“: Das Wort für „kennen; erkennen“ bed. „enge Gemeinschaft haben“. Der Begriff wird auch für den geschlechtlichen Umgang verwendet (z. B. 1Mo 4,1).

V. 25 „… nur, was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.“

Was ist es, das sie festhalten sollen? – Das, was sie haben: den Herrn Jesus Christus, die Liebe zum Herrn, die Werke der Liebe, das Wort Gottes, die gesunde Lehre – verbunden mit Heiligkeit und Liebe.

„… bis ich komme“:

Der Herr spricht zur Generation der Leser dieser Botschaft an die Gemeinde in Thyatira. Das Kommen des Herrn stand sehr nahe bevor, so wie er gesagt hatte: Dieses ehebrecherische Geschlecht, das den König der Könige ablehnte, werde nicht vergehen:

Mt 24,34: „Wahrlich! Ich sage euch: Auf keinen Fall wird dieses Geschlecht vergehen, bis dieses alles geschehen sein wird.“

Mt 16,28: „Wahrlich! Ich sage euch: Es gibt von denen, die hier stehen, einige, welche keinesfalls den Tod schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen gesehen haben, kommend in seiner Königschaft.“

f. Überwinderverheißung: 2,26–28

V. 26: „Und dem, der überwindet, und dem, der meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht geben über die Völker, …“

Der Herr sagt, die Märtyrer würden bei ihrem Tod zu seinem Thron erhöht werden. Vgl. 3,21; 11,13; 12,11;

Von diesen „Völkern“ wird in Off 19,14.15 noch die Rede sein.

Mt 19,28 hatte der Herr den Zwölfen verheißen: „In der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzt, werdet ihr, die ihr mir folgtet, euch auch setzen auf zwölf Throne und die zwölf Stämme Israels richten.“ Weitere Parallelen: Off 20,4; 19,14.15.

V. 27: „… und er wird Hirte über sie sein (o.: er wird sie weiden)“

Die Überwinder werden – mit Christus – im Regiment sein und am Gericht über die Heiden (o.: Völker) teilnehmen. Vgl. Off 19,14 und 20,4–6. Die „Völker“ (bzw. „Heiden“ sind die zu „Heiden“ gewordenen Juden. Siehe Off 2,9; 3,9.

V. 27M: „… mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerbrochen werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe.“ (Vgl. Ps 2,5.12: Christi Zorn in der Vollendung der alttestamentlichen Weltzeit. Vgl. Off 6,16.17 und 19,12ff.)

V. 28: „Und ich werde ihm den Morgenstern geben.“

Christus gibt den Überwindern eine königliche Herrlichkeitsstellung, wie sie die Venus am Morgen– und Abendhimmel hat. Die Venus ist der erste „Stern“ (eigtl.: Planet), der am Abendhimmel sichtbar wird, weil er am hellsten scheint, und der letzte, der am Morgenhimmel verschwindet. Sie hat also eine königliche, herrschende Stellung. (Vgl. 1Mo 1: Der Mond beherrscht den Nachthimmel. Aber abgesehen von Mond beherrscht Venus den Nachthimmel.) Diese königliche Herrlichkeitsstellung ist eigtl. Christi Herrlichkeitsstellung. Er gibt den Seinen Anteil an seiner Herrlichkeit, sie dürfen mit ihm regieren. Jesus sagte, die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Königreich ihres Vaters (Mt 13,43). Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, die die Vielen zur Gerechtigkeit wiesen, wie die Sterne, immer und ewiglich (Da 12,3).

Anhang zu Off 2,27

Wer sind die „Völker“, über die die Heiligen mit eisernem Stabe regieren und sie „zerschmettern“? Off 2,27 bezieht sich auf Ps 2. Ps 2 wird in der Apg 4 zitiert.

Der Thron Davids (in Ps 2 als auf der Erde seiend, wie im AT immer) wurde – gemäß Apg 2 – im Himmel errichtet, wo der Menschensohn für immer thront. Das NT offenbart, dass jener Thron zur Rechten Gottes ist. (Zum himmlischen Charakter des Königreiches Christi vgl. Mt 5,12; 6,20; Phil 3,20; 2Tim 4,18; Hebr 11,16; 12,22.28.)

Ps 2,7 bezieht sich auf die Auferstehung des Herrn („heute habe ich dich geboren“; Apg 13,33; Rm 1,4; Hebr 1,5.6). Damit im Zusammenhang steht das ewige Hohepriestertum Christi (Hebr 5,5; 10,12).

Ps 2,8: „Bitte von mir, und ich gebe dir Völker zum Erbe und dir zum Besitz die Enden der Erde.“ Das bezieht sich auf die Zeit der Regentschaft des Messias ab seiner Himmelfahrt und Inthronisation (Ag 2,33–36; 1Kor 15,25).

Wer sind die „Völker“ (d. h.: Heiden) in Off 2,27?

Gemäß Off 2,9; 3,9 sind die Juden zu „Heiden“ geworden. (Der griech. Begriff ethnee bedeutet „Völker, Heiden“; er wird oft auch mit „Nationen“ übersetzt, aber unter „Nationen“ versteht man im üblichen Wortgebrauch heute staatliche Einheiten, was für die samalige Zeit allerdings nicht zutrifft. Es ist wohl das Beste, wenn wir ethnee mit „Heiden“ übersetzen, im Sinne von: „die, die aus den Heidenvölkern sind“.)

Diese „Völker“ (Heiden) werden in Ps 2,1.2 erwähnt: „Warum empören sich [die] Völker (o. Heiden) und sinnen Vergebliches [die] Volksscharen? Es sind angetreten [die] Könige des Landes, und [die] Obersten haben sich zusammengesetzt gegen Jahweh und gegen seinen Gesalbten.“ Die zu Heiden gewordenen Juden – und die Könige (Autoritäten) des Landes im Besonderen – werden in Ps 2 zur Umkehr aufgerufen. (Das heb. Wort äräz kann „Erde“ oder „Land“ von verschiedenem Umfang bedeuten (auch „Landteil; Boden“, je nach dem Zusammenhang). Hier ist Israels „Erde“ gemeint.)

Off 2,26f und 12,5 und 19,15 nehmen Bezug auf Ps 2. In Ps 2 ist die Rede von den „Königen der Erde/des Landes“ und von den „Völkern/Heiden“. Vergleicht man Ps 2,1.2 mit Apg 4,25–27, stellt man fest, dass die Völker und Volksscharen diejenigen Israels sind.

Apg 4,25–27: „‚Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige des Landes, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen[3] [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, 28 alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss im Voraus bestimmte, dass es geschehen sollte.“

Herodes und Pilatus waren die „Könige des Landes“. Mit ihnen zusammen taten sich die Führer Israels (der Hohe Rat) und die Völker und Völkerschaften Israels. (Die „Völker und Volksscharen“ waren Juden, und zwar solche, die durch den Abfall von Gott und die Ablehnung des Messias zu „Heiden“ geworden waren, ähnlich wie in Hes 2,3. Die „Heiden“ (ethnee; Völker) sind in der Off die, die von sich behaupteten, sie seien Juden, es aber nicht wirklich waren, weil sie innerlich nicht beschnitten waren. Sie waren Kinder des Teufels (Joh 8,44) und eine Synagoge des Satans (Off 2,9; 3,9). Der Begriff „Heiden“ („Völker“) trifft also auch für widerspenstige abgefallene Juden zu.)

Der Messias hat (in Apg 2) sein Erbe – die Königsherrschaft – angetreten. Wann immer Menschen sich bekehren, vermehrt sich sein Königreich und damit auch sein „Erbe“. (Vgl. den Ausdruck „ich gebe dir Völker zum Erbe“ in Ps 2,8.)

In Ag 4,25–27 wird Ps 2,1.2 zitiert: „…der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: ‚Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige des Landes, und die Obersten waren zusammengekommen gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“

Wer waren die „Völker und Volksscharen“, die gegen Jahweh und seinen Gesalbten tobten und planten (Apg 4,25ff)? – Nicht die Römer. Die Römer empörten sich (in dem Sinne von Ps 2) nicht gegen Jahweh.

In Apg 4,27 heißt es: „… es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“

Der Ausdruck „Völker und Volksscharen Israels“ muss als eine Einheit betrachtet werden. Herodes und Pilatus kamen zusammen mit den Israeliten. Diese Israeliten heißen in Apg 4 (gemäß in Ps 2) „Völker (Heiden) und Volksscharen Israels“. Die Israeliten waren durch ihre Ablehnung zu „Heiden“ („Völker“) geworden. Schon im AT wurden Israeliten, wenn sie Jahweh verließen, „Heiden“ („Völker“) genannt (Hes 2,3): „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Heiden (o.: Völkern), die sich gegen mich aufgelehnt haben; sie und ihre Väter sind von mir abgefallen bis zu ebendiesem Tage.“

Im Buch der Off werden die wahren Knechte Gottes „Israel“ genannt (Off 7,4–8 , 21,12; vgl. Rm 2,25–29; Gal 3,16–29; 4,24–31; 6,15.16. Rm 9,6) – im Gegensatz zu jenen ungläubigen Juden, die „Heiden“ („Völker“) genannt werden (Off 2,9; 3,9).

Die wahren Knechte Gottes bildeten das wahre Israel, die fleischlichen Juden, die den Messias ablehnten, waren zu „Heiden“ geworden, zu einer Synagoge des Satans, der ihr Vater (Joh 8,44) war.

Zurück zu Ps 2,9: „Du wirst sie regieren mit eisernem Stabe, zerbrechen wie Töpfergeschirr.“ V. 9 bezieht sich auf sein gerichtliches Handeln an jenen „Völkern“ (Heiden), d. h., an jenen zu Heiden gewordenen Juden. Jesus Christus richtete die ungläubigen Israeliten anlässlich des jüdischen Krieges und der Zerstörung Jerusalems.

Die Überwinder bekommen in Off 2,26.27 eine Verheißung: Wer überwindet (bis zum Tode überwindet; d. h.: den Märtyrertod stirbt), wird mit Christus „über die Heiden“ regieren (d. h. über die zu Heiden gewordenen Juden; 2,9; 3,9). Und er wird sie „weiden“ („Hirte sein“, „König sein“) mit eisernem Stabe, wie Töpfergefäße zerbrochen werden“, wie auch Christus von seinem Vater empfangen hat (2,26.27). Christus hat das Königtum vom Vager kurz nach der Himmelfahrt empfangen (Apg 2,29–36):

„Männer, Brüder! Es sei mir gestattet, mit Freimütigkeit zu euch zu sprechen von dem Stammvater David: Er starb und wurde begraben, und sein Grab ist unter uns bis zu diesem Tag. 30 Da er also als Prophet ‹diente› und wusste, dass Gott ihm mit einem Eide geschworen hatte, aus der Frucht seiner Lenden nach dem Fleisch den Gesalbten zur Auferstehung zu bringen, damit er auf seinem Thron sitze, 31 redete er voraussehend von der Auferstehung des Gesalbten, dass seine Seele nicht dem Hades überlassen wurde, noch sein Fleisch Verwesung sah. 32 Diesen Jesus brachte Gott zur Auferstehung, wovon wir alle Zeugen sind. 33 Nachdem er also ‹durch› die rechte Hand Gottes erhöht worden war und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfing, goss er dieses aus, das ihr nun seht und hört; 34 denn nicht David stieg auf in die Himmel; er sagt selbst: Es sagte der Herr zu meinem Herrn: Sitze zu meiner Rechten, 35 bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße. 36 Das ganze Haus Israel nehme also mit Gewissheit zur Kenntnis, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Gesalbten (d. h.: zum Messiaskönig) machte, diesen Jesus, den ihr kreuzigtet!“

Die Überwinder (die Märtyrer) dürfen mit Christus regieren (Off 3,21; 12,10.11; 20,4). Dem Volk Gottes der damaligen Zeit wird verheißen, beim Zerschlagen der Völker („Heiden“; gemeint sind jener ungläubigen Juden und „Könige des Landes“) auf der Seite des Richters zu stehen: „Und ihm folgten auf weißen Pferden die Heere, die im Himmel [sind], bekleidet mit weißem, reinem Byssusstoff. 15 Und aus seinem Munde geht ein scharfes, zweischneidiges ‹heftiges› Schwert hervor, damit er mit ihm die Völker schlage. Und er wird ihnen ein Hirte mit einem eisernen Stabe sein.“ (Off 19,14.15).

Daher der Aufruf in Ps 2,10–12: „Und nun, Könige (gemeint sind die Könige „des Landes“, 2,2), handelt klüglich. Lasst euch unterweisen, Richter des Landes. Dient Jahweh mit Furcht und freut euch mit Zittern. Küsst den Sohn, damit er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn gar leicht entbrennt sein Zorn. Selig alle, die Zuflucht nehmen bei ihm!“

Die Könige und Richter des Landes sind aufgerufen, den König über sie anzuerkennen und ihm zu dienen. Tun sie es nicht, zürnt er und sie werden „umkommen auf dem Wege“.

Christi Regierung (vom „Thron Davids“ aus) ist also Heil und Gericht. Israel hatte (in der Zeit der Evangeliumsverkündigung in der Apg) bis zu jenem Gericht (66–70 n. Chr.) noch Gelegenheit, den Namen des Herrn anzurufen. Die, die ihn anriefen und bei ihm Zuflucht suchten, wurden gerettet vor dem zeitlichen (und ewigen) Gericht.

Die in Off 19,15 durch den Herrn geschlagenen „Heiden“ („Völker“) waren nicht die Römer, sondern „Juden“ (die zu „Heiden“ geworden waren, weil sie den Messias verworfen hatten). Diese „Völker“ (abgefallenen Juden) waren von der Hure Babylon (Jerusalem; s. Off 17,18; 18,1ff.) zum Abfall von Gott verführt worden, „die mit ihrer Hurerei das Land verderbte“ (Off 19,2; vgl. Lk 11,49–51; Mt 23,33–37).

Off 19,2: „… weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei die Erde verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, [forderte es] von ihrer Hand.“

Lk 11,49–51: „Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und [einige] von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, 51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.“

Mt 23,33–37 „Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?

34 Deswegen– siehe! Ich sende zu euch hin Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und von ihnen werdet ihr [einige] töten und kreuzigen, und [einige] von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und ihr werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, 35 auf dass über euch komme alles gerechte, auf der Erde vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet. 36 Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. 37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht!“

g. Aufforderung zum Hören: 2,29

V. 29 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

Ab nun (Thy, Sar, Phi, Lao) endet die Botschaft mit der Aufforderung um Hören, nicht mit der Überwinder–Verheißung.

Warum? Aus irgendeinem Grund haben diese Gemeinden es nötig die Überwinder–Verheißung zuerst hören zu müssen, dann erst die Aufforderung zum Hören.

5. An Sardes 3,1–6

a. Adressierung und Selbstvorstellung: 3,1A

V. 1: „Dem Boten der Gemeinde in Sardes schreibe:“

Der Name „Sardes“ bedeutet „entronnen“ oder „Überrest“ oder „Freudengesang“.

„Dieses sagt, der die Geister Gottes hat und die sieben Sterne:“

Die sieben Geister sind ein Bild von der Fülle des Heiligen Geistes in seinen mannigfaltigen Wirkungen (Jes 11,2). Der Geist ist da, um die Gemeinde zu beleben. Jesus Christus hat die sieben Boten (Vgl. 1,20) in seiner starken Hand. Kraft ist genug vorhanden, daher ist die Gemeinde, die den Todesschlaf schläft, nicht zu entschuldigen.

b. Keine Anerkennung: 3,1M

„Ich weiß um deine Werke, …“ – aber es werden keine aufgezählt. Wer schläft, kann keine Werke tun.

„… dass du den Namen hast, dass du lebst …“: Viermal werden „Namen“ erwähnt. Der Name lebt fort, aber die Kraft und das Leben)siechen dahin. Je weniger geistliches Leben, desto mehr Betonung auf Namen.

„… und tot bist.“

Schlaf ist Vorstufe zum Tod. Vgl. Ps 13,4: „Schau her und erhöre mich, Jahweh, mein Gott. Erleuchte meine Augen, dass ich nicht entschlafe zum Tode“. Es handelt sich um einen Schlaf, nicht um geistlichen Tod. Sie sind noch Gemeinde Christi, sie sind ein Leuchter und der Bote ist noch als Stern erkennbar. Der Ausdruck „tot“ wird in der Bibel häufig im relativen Sinn verwendet (z. B. 1Tim 5,6: Jene Witwe ist „tot“, obwohl sie noch lebt; d. h., etwas in ihrem Leben ist gestorben. Ähnlich in Eph 5,14: „Wache auf, du Schläfer, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten.“

Sardes war eingeschlafen. Es gibt keine Entschuldigung für ihren Todesschlaf, denn in Christus wäre ihre Kraftquelle.

c. Aufruf 3,2.3A

V. 2: „Werde ein Wachender …“ Gemeint ist eine geistliche Erweckung aus dem Todesschlaf.

„… und festige das Übrige, das im Begriff steht zu sterben, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen erfunden.“

Der Herr sucht vollkommene (!) Werke. Er erwartet göttliche Frucht, gewirkt von Jesus Christus.

V. 3: „Denke also daran, wie du empfangen und gehört hast, …“

Wie hatte sie empfangen? – In der Kraft Christi, der mächtig in ihr wirkte; sie hatte von Christus Leben empfangen. Wer den Sohn hat, hat das Leben.

„… und bewahre es …“ – Wer das, was Christus ihm gegeben hat, bewahrt, den wird Christus bewahren.

„… und tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung).

d. Gerichtsandrohung: 3,3M

Wenn du also nicht wachen wirst, werde ich über dich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht in Kenntnis sein, um welche Stunde ich über dich kommen werde.“

Wenn man sich in Sardes nicht aus dem Schlaf reißen lässt, ist man in Todesgefahr.

„… werde ich über dich kommen wie ein Dieb“, d. h. unerwartet und unerwünscht, vgl. Mt 24,42–44.50; 1Thes 5,1–5; 2Petr 3,10; Off 16,15. Wenn Sardes nicht Buße tut, hat sie aufgehört, Leuchter zu sein.

Das Kommen des Herrn wird der damaligen Gemeinde von Sardes als ein baldiges vor Augen gestellt. Sie konkret sind gewarnt, nicht eine Generation von Christen, die 2000 Jahre später lebt.

e. Trostwort an die Übrigen: 3,4

V. 4: „Du hast auch in Sardes einige wenige Namen, …“ – wenige, im Gegensatz zu Thyatira, wo die Verführten wenige waren.

„Namen“: Sie sind ihm genau bekannt. In Sardes hatten diese keinen „Namen“, waren nicht geehrt, nicht „Männer von Namen“. Im Königreich Christi werden sie „Männer und Frauen von Namen“ (4Mo 16,2; 1Ch 5,24; 12,30) sein. Jesus Christus wird ihre Namen öffentlich bekennen (V. 5).

„… die ihre Kleider nicht befleckten“. Vgl. Jud 23; Jak 1,27; 2Petr 2,20; Off 14,4; 22,14; 16,15. Viele in Sardes hatten ihre Kleider „befleckt“ (3,4; vgl. 14,4). Befleckte können an der bevorstehenden „Hochzeit des Lammes“ nicht teilnehmen (19,7.8; 21,8).

Befleckte Kleider standen als Symbol für geistliche Unreinheit (Jak 1,27: „… sich selbst von der Welt fleckenlos zu bewahren“.)

„… und sie werden mit mir einhergehen in Weiß“:

Weiß ist ein Symbol des Sieges und der Reinheit. Jene Heiligen in Sardes waren rein von Sünde, gewaschen durch das Blut des Lammes.

Von weißen Kleidern ist in der Off des Öfteren die Rede: 4,4; 6,11; 7,9.13; 14,4.5; 16,15; 17,14; 19,7.8.14.

Wenn die „Braut“ die Hoffnung und Sehnsucht auf den Bräutigam lebendig erhalten hat, wird er sie zu seiner Zeit zur Hochzeit heimführen, in herrlichem Schmuck und weißem Kleid.

„… weil sie würdig sind.“

Würdig, weil sie auf ihre Kleider aufgepasst haben, d.h. weil sie sich (immer wieder) gewaschen haben im Blut des Lammes (7,14) und weil sie festgehalten haben, was sie in Christus bekommen haben (3,11; 2,25).

f. Überwinderverheißung: 3,5

V. 5: „Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, …“

Johannes schrieb in seinen Brief (1Joh 3,2.3): „Geliebte, wir sind nun Kinder Gottes. Und noch wurde nicht offenbar, was wir sein werden. Aber wir wissen: Wenn er offenbar wird, werden wir ihm gleich sein, weil wir ihn sehen werden, so wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst ‹wiederholt›, so wie er (d. i.: Christus) rein ist.“ Die Kleider dort sind ein äußere Darstellung dessen, was sie innerlich bereits sind: rein, heilig. So stehen die „weißen Kleider“ für den Sieg und die Reinheit der Heiligen (7,9; 14,4.5; 19,8).

„… und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens …“:

Vgl. 2Kön 14,27: „Jahweh hatte nicht gesagt, dass er den Namen Israels wegwischen würde, unter den Himmeln hinweg.“

Jes 56,5: „Einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht ausgerottet werden soll.“

Ihre Namen werden nicht ausgelöscht, d. h., sie werden von dem zweiten Tod keinen Schaden erleiden. Das Nicht–ausgelöscht–Werden entspricht dem Überwinden des zweiten Todes, dem Erhalt des weißen Steines mit dem neuen Namen und dem Zugang zum Baum des Lebens.

Das „Buch des Lebens“ ist das Buch derer, die leben. Im Alten Testament wurde man in das Buch derer, die irdisch leben, anlässlich der Geburt eingetragen Im Neuen Testament wird man in das Buch derer, die geistlich leben, eingetragen bei Wiedergeburt. Im Himmel wird man nie mehr ausgelöscht, d. h., man lebt in alle Ewigkeit. Wer hier überwindet, wird dort nie ausgelöscht werden.

Das Überwinden besteht nicht im Halten von bestimmten Geboten oder im Tun von bestimmten Werken, sondern im Bleiben im Glauben an Christus und sein Werk (Kol 1,23). Damals bestand eine besondere Gefahr, dass die Gläubigen sich unter dem Druck des Judentums vom Evangelium und Christus wegbewegten.

„… und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ Vgl. Lk 12,9; Mt 10,32.

g. Aufforderung zum Hören: 3,6

V. 6: „Der, der ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

6. An Philadelphia 3,7–13

a. Adressierung und Selbstvorstellung: 3,7

V. 7: „Und dem Boten der Gemeinde in Philadelphia schreibe:“

Der Name „Philadelphia“ bedeutet „Bruderliebe“. Die Stadt Philadelphia lag 120 km östlich von Smyrna, am Weg von Sardes nach Kolossä und Laodizea.

Gründer: Attalus II Philadelphos von Pergamon (159–138 v. Chr.).

Fruchtbare Gegend; vulkanischer Boden. Oft Erdbeben;

17 n. C. von einem Erdbeben zerstört; als die Erdstöße immer wieder kamen, siedelten sich viele außerhalb der Stadtmauern an. Unbeständiges Leben in Angst, wegen der häufigen Erdstöße.

Immer bereit, hinauszurennen, wenn Erdbeben beginnt.

[Bsp.: In einem Englischkurs in Kalifornien war die erste Anweisung: Was ist zu tun bei einem Erdbeben.]

Viele kleine Tempel, viele Gedenksäulen für ehrenwerte verstorbene Bürger. Heute: „Alashehir“ (Gottesstadt)

Die Gemeinde in Philadelphia war wahrscheinlich entstanden, als Paulus in Ephesus war, ca. 53/54 n. Chr.

Bis ins 15. Jhdt. lebendiges Gemeindeleben, bis der Islam kam. Sie bestand am längsten von den sieben Gemeinden.

Selbstvorstellung: 3,7

„Dieses sagt der Heilige, der Wahrhaftige, …“

Jesus Christus ist durch und durch wahrhaftig. Auch wir sollen so werden. Wir spielen nichts vor. Wir können es uns leisten, unser Gesicht zu verlieren.

„… der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand schließt, und der schließt, und niemand öffnet.“ Vgl. Jes 22,15–22.

Der Schlüssel ist ein Symbol von Autorität und der Sicherheit. In der Zeit Hiskias (728–697) gab es nur einen einzigen Schlüssel zum Königshaus. Eljakim soll das Amt des Palastvorstehers Schebna, den der Herr stürzen wird, übernehmen und damit die Vollmacht über das Schatzhaus bekommen. (Der Palastvorsteher war auch Schatzmeister über den königlichen Haushalt, Finanzverwalter und Hofmeister.) Im Jahr 704 v. Chr. wurde Schebna zum Schreiber degradiert (2Kön 18,17–18), weil er die Palastschätze eigennützig missbraucht hatte. Der neue Palastvorsteher Eljakim (sein Name bed. „Gott richtet auf“.) hatte die königliche Autorität zur Verwaltung des Königshauses. Er hat die Schlüsselgewalt (Jes 22,22): „Ich lege den Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter: Öffnet er, so darf niemand schließen. Schließt er, so darf niemand öffnen.“

Das „Haus Davids“ war das Königshaus. Wer die Schlüssel des Königshauses Davids hatte, bestimmte, wer in den königlichen Palast eintreten darf (um dem König zu Diensten zu stehen) und wer nicht.

Jesus Christus nun hat die Autorität über den himmlischen Palast. Er entscheidet, wer ins himmlischen Haus eintreten darf und wer nicht. Christus hat die Macht, die Tür zum Himmel zu öffnen. Und er hat auch die Schlüssel des Todes und des Hades (1,20), weil er durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat.

b. Anerkennung und Trost: 3,8

V. 8: „Ich weiß um deine Werke.“ – Es werden keine Werke aufgezählt. Philadelphia fällt nicht auf durch großartige Werke und Taten; Ihr Wirken geschieht im Verborgenen, aber der Herr sieht es. Die Philadelphia–Gemeinde (ähnlich wie die Gemeinde von Smyrna) wird nicht getadelt, nur gelobt.

V. 8: „Siehe! Ich habe vor dir eine geöffnete Tür gegeben (die niemand zu schließen vermag), weil du eine kleine Kraft hast und mein Wort bewahrt hast und meinen Namen nicht verleugnet hast.“

Die Tür ist offen. Christus hat aufgeschlossen, sodass die Gemeinde von Philadelphia in den Himmel eintreten darf. Christus bestimmt, wer eintreten darf. Vgl. 2Petr 1,10.11: „Deshalb, Brüder, seid fleißig ‹und beeilt euch› umso mehr, euer Gerufensein und [eure] Erwählung fest zu machen, denn im Tun dieser [Dinge] werdet ihr keinesfalls je straucheln ‹und zu Fall kommen›, denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters, Jesu Christi.“

„…, die niemand zu schließen vermag, …“

Wenn ich mich auf Jesus Christus verlasse, gibt es nichts, das mir den Himmel versperren kann. Jesus Christus wird es nicht, und jemand anderer darf es nicht und kann es nicht. (Nb.: Hier nicht die Tür des Dienstes gemeint, wie wir sie in Apg 14,27; 16,6–7; 1Kor 16,9 und 2Kor 2,22 finden.)

„… weil du eine kleine Kraft hast …“

Die Heiligen haben nur eine kleine Kraft, aber es kommt nicht darauf an, sondern darauf, dass sie sich an Jesus Christus klammern. Die große Kraft ist die von Jesus Christus. (Vgl. die Säule im Tempel, V. 12: Im AT hieß die eine „Boaz“; das bed. „in ihm ist Kraft“.) Vgl. 2Kor 12,7–10; 1Kor 1,25–28.

„… und mein Wort bewahrt hast …“

Christus und sein Wort sind nicht zu trennen. Wie bewahrt man Gottes Wort? Durch Bibelübersetzung und Bibelverbreitung, durch Hören, Lesen, Nachdenken, Forschen, Auswendiglernen (Ps 119,11).

„… und meinen Namen nicht verleugnet hast.“ Jesus Christus hatte eine kleine Kraft (2Kor 13,4), hat Gottes Wort bewahrt (Joh 17,8) und den Namen des Vaters nicht verleugnet (Joh 17,26).

c. Ermutigung in Bezug auf die Feinde: 3,9

V. 9: „Siehe: Ich gebe aus der Synagoge des Satans die, die sagen, sie seien Juden, und sind es nicht; sondern sie lügen.“

Die Juden der damaligen Zeit, die den Messias Jesus verwarfen, behaupteten, echte, wahre „Juden“ zu sein. Sie waren es aber nicht. (Es geht hier um die Zeitgenossen des Johannes, die Feinde des Messias und Feinde der Christen in den Sechzigerjahren des ersten Jahrhunderts.)

Daher: „sie lügen“. Sie logen nicht bewusst, sondern sie glaubten das Falsche über Jesus, nämlich, dass er nicht der verheißene Messias wäre. Sie machten somit eine Falschaussage. „Das, was ihr Christen glaubt, ist nicht Wahrheit, sondern Lüge.“ In Realität war es umgekehrt. Der Satan ist der Vater der Lüge. Die jüdische Synagoge war zu einer Synagoge des Erzlügners geworden.

„Siehe: Ich werde veranlassen, dass sie kommen und vor deinen (d. i.: Philadelphias) Füßen huldigen und zur Kenntnis nehmen, dass ich dich liebe.“

Die Zusicherung des Bräutigams an die Braut („Ich habe dich je und je geliebt ‹und liebe dich immer noch›.“), diese Zusicherung werden jene jüdischen Feinde später als wahr anerkennen müssen.

Diese Feinde des Gottesvolkes sind Feinde des Christus. Wenn sie sich nicht zu Christus kehren, gehen sie verloren. Die (jüdische) Welt „hat das Ihre lieb“. (Vgl. Joh 15,18–21.)

d. Bewahrungsverheißung: 3,10

„Weil du das Wort meiner Ausdauer (d. h.: das Wort vom ausdauernden Harren auf mich; das Wort vom Verharren bei mir) bewahrtest, …“

„Das Wort meiner Ausdauer“ könnte man auch auffassen als „das Wort, das zum ausdauernden Verharren bei Christus verhilft“. Wenn ich mich fest an dieses Wort halte, erhalte ich Hilfe, in Ausdauer bei Christus bleiben zu können. Nur durch das Wort Gottes können die Heiligen Christus treu bleiben. Wer nicht beim Wort Jesu Christi bleibt, wird sich von Christus entfernen (Joh 15,7).

„…, werde auch ich dich bewahren …“:

Wer sein Wort bewahrt, wird von ihm bewahrt.

„… vor der Stunde der Prüfung (o.: Versuchung), …“

Das Wort „Stunde“ (griech. hoora; allg. „Zeit“) gebraucht Johannes oft im Sinne von „Zeitabschnitt (vgl. Joh 4,21.23; 5,25.35; 16,2.4.25; Off 17,12; 18,10.17.19).

Wovor soll man bewahrt werden? Vor der Prüfungsstunde, d. h.: vor der Prüfungszeit, Versuchungszeit.

„… die im Begriff ist, … zu kommen …“ (griech. tees mellousees erchesthai)

Das griech. Verb mellein bedeutet „im Begriffe sein zu …; drauf und dran sein zu …“ und drückt zeitliche Nähe und Absicht aus. Es geht um die unmittelbarer Zukunft. Das Wort kommt auch in Off 1,19; 2,10; 3,2.16; 6,11; 8,13; 10,4.7; 12,4.5 und 17,8 vor. Die Prüfungszeit stand damals, als dieser Brief geschrieben wurde, unmittelbar bevor. Die Stunde der Prüfung – und damit auch die Prüfung selbst – sollte in zeitlicher Nähe auf Jesu Gemeinde zukommen.

„… werde ich dich auch bewahren vor …“:

Das griechische Verb für „bewahren vor“ (teerein ek) heißt nicht „zeitlich vorher bewahren“, also nicht: bewahren, indem man jemanden herausholt o. wegnimmt, ehe die Prüfungszeit kommt.

Joh 17,15 ist die einzige Stelle im NT, wo teerein ek so vorkommt wie in Off 3,10. Dort bittet der Herr: „Meine Bitte ist nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Bösen.“ Der Herr meinte damit nicht, Gott solle die Jünger bewahren, indem er sie vor dem Bösen wegnimmt. Die Bewahrung geschieht nicht durch Wegnehmen.

Ähnlich verwendet Origenes das Verb teerein ek nicht im zeitlichen Sinne (Anm.: Vgl. Theesaurus LG: 75 17.196.20 und 75 17.208.51: „vor dem Tod bewahren“).

Die Funktion von teerein ek ist jeweils, anzuzeigen, wovor jemand bewahrt werden soll, sachlich, nicht zeitlich. Ebenso ist das „Bewahren vor der Prüfungsstunde“ nicht im zeitlichen, sondern im sachlichen Sinne zu verstehen.

Um welche Bewahrung geht es? Wovor und wie soll man bewahrt werden?

„… vor der Stunde der Prüfung (o.: Versuchung), die im Begriff ist, … zu kommen …“

Davor, dass sie in der Prüfungszeit (o.: Versuchungsstunde) eine Beute des Feindes werden; denn es ist das Ziel des Widersachers, die Heiligen zum Abfall zu verleiten.

Die Bewahrung muss nicht bedeuten, dass die Treuen in Philadelphia nicht den Märtyrertod zu sterben haben würden. Die Treuen in Smyrna kamen sehr wohl in den Märtyrertod. Die Treuen von Off 7,14 wurden getötet, obwohl sie versiegelt worden waren. Hier ist in erster Linie die Bewahrung vor dem geistlichem Fallen und vor der geistlichen Niederlage gemeint. Durch Christus sind sie Überwinder. Vgl. Off 15,2.

Petrus warnte (ca. 63/64 n. Chr.) in seinem Brief: „Seid nüchtern! Wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht jemanden, den er verschlingen kann. Dem widersteht, fest durch den Glauben, wissend, dass eurer Bruderschaft in der Welt dasselbe an Leiden auferlegt ist.“ (1Petr 5,8.9)

„… vor der Stunde der Prüfung, die im Begriff ist über das ganze Weltreich zu kommen, …“

Das Weltreich (griech. oikoumenee) ist der bewohnte oder bewohnbare Teil des Landes, das Festland; hier ist (wie in Lk 2,1) wahrscheinlich das gesamte römische Imperium gemeint.

„…, um die zu prüfen, die auf der Erde wohnen.“

Eine große Verfolgungszeit (Bedrängniszeit) für die Christen wird in naher Zukunft über die Erde (o.: im Lande; d. h.: über das römischen Weltreich) kommen.

Der Brief der Offenbarung wurde etwa in den Jahren 62/63 n. Chr. geschrieben. Die Verfolgung unter Nero begann nach dem Brand Roms (Juni 64 n. Chr.) im Sommer oder Herbst 64. Mit der „großen Prüfungszeit“ ist diejenige gemeint, die durch das „Tier“ (Off 13,1-10) entstand. Gott prüfte insbesondere die Heiligen; die Prüfung war aber auch für alle eine Prüfung: In einer dermaßen großen Verfolgungszeit (Mt 10,23–39) musste sich jeder Mensch fragen, ob er den Verfolgten helfen werde oder nicht (10,40–42; 25,41–45). In diesem Sinne wurden alle Bewohner des römischen Weltreichs „geprüft“.

Ist Off 3,10 zusätzlich eine Weissagung auf eine spätere Zeit?

1. Wenn wir die üblichen Auslegungsprinzipien anwenden und dem historischen Zusammenhang Beachtung schenken, findet sich kein Grund, warum die Aussage von 3,10 über jene Zeit der damaligen Christen im ersten Jahrhundert hinausgehen sollte. Der Text gibt keinen Anlass dazu.

2. Auch die Anweisungen an die anderen Gemeinden (K. 2 und 3) gehen nicht über die damalige Zeit hinaus. Der Herr richtet sich an die Boten der damaligen Gemeinden (und somit die Gemeinden selbst). In Ephesus ging es um ihren Leuchter, den der Herr drohte wegzurücken, in Smyrna um jene Treuen, denen eine schlimme Verfolgungszeit bevorstand, in Pergamus drohte der Herr an, dass er ihnen mit Gericht kommen werde. Er bezog sich auf die Heiligen in Pergamus, nicht auf Christen, die 2000 Jahre später leben würden. Für die in Thyatira galt: Falls „Isebel“ und die anderen „Ehebrecher“ nicht Buße täten, würde der Herr sie in „große Bedrängnis“ werfen und „Isebels Kinder“ töten, damals, im ersten Jahrhundert. Den Heiligen in Sardes drohte der Herr, falls sie nicht Buße täten, würde er im Gericht über sie kommen – damals, im ersten Jahrhundert.

Der Herr sprach von seinem Gerichtskommen damals:

Christi Gerichtskommen über Jerusalem stand damals kurz bevor. Das „bald“ konnte von jenen Christen nicht anders aufgefasst werden als „in zeitlicher Nähe“.

Ephesus (2,5): „… tue Buße und tue die ersten Werke. Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald.“

Pergamus (2,16): Tue also Buße. Wenn [du es] aber nicht [tust], komme ich dir bald, und ich werde Krieg mit ihnen führen mit dem ‹heftigen› Schwert meines Mundes.“

Thyatira (2,25): „… was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.“

Sardes (3,3): „Denke also daran, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du also nicht wachen wirst, werde ich über dich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht in Kenntnis sein, um welche Stunde ich über dich kommen werde.“

Philadelphia (3,11): „Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Kranz nehme.“

Laodizea (3,16): „… bin ich im Begriff, dich aus meinem Munde zu speien, …“

Ebenso ist Off 3,10 zu verstehen. Die Stunde der Prüfung war ebenso „nahe“ und in „Kürze“ kommend (Off 1,3; 22,6.10), wie auch die anderen Ereignisse, die in der Off berichtet werden. Nur so wird man den Versen 1,1.3 und 22,6.10 gerecht. Die Zeit war „nahe“ und die Ereignisse, die in Off beschrieben waren, standen unmittelbar bevor:

1,1–3: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde (Kürze) geschehen muss. … 3 Ein Seliger ist der, der liest, und die, die hören …, denn die Zeit ist nahe!“

22,6.10: „… der Herr, der Gott der heiligen Propheten, sandte seinen Engel, um seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. … Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.“

Gerade die zeitliche Nähe der beschriebenen Dinge machte die Botschaft der Off für die damaligen Christen so dringlich und brisant. Gerade die zeitliche Nähe machte den Vorleser zu einem „Seligen“ (1,3), hatte er doch die große Aufgabe, diese dringliche Botschaft seinen Zeitgenossen nahezubringen. Gerade die zeitliche Nähe der beschriebenen Dinge machte die Schlussaussagen so feierlich (22,12–20): „Und – siehe!– ich komme bald, und mein Lohn ist bei mir, um jedem zu vergelten, wie sein ein Werk sein wird…. 16 Ich, Jesus, schickte meinen Boten, euch diese Dinge zu bezeugen für die Gemeinden. … 18 Ich bezeuge nämlich …: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, wird Gott ihm zufügen die Plagen, von denen in diesem Buch geschrieben ist. 19 Und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Buch des Lebens … 20 Der, der diese Dinge bezeugt, sagt: Ja, ich komme bald.“

Johannes sollte die Weissagungsworte wegen der Nähe der Erfüllung jener Worte nicht versiegeln (22,10: „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, weil die Zeit nahe ist.“), denn die Zeit war nahe. Im Gegensatz dazu sollte Daniel die Worte der Weissagung damals „versiegeln“. Bei Daniel lagen die Ereignisse, die ihm (im Jahr 536 v. Chr.) geweissagt wurden (bezüglich Antiochus IV Epiphanias, 175-164 v. Chr.), etwa 360-370 Jahre in ferner Zukunft; die Zeit war nicht nahe: „Du aber verschließe das Gesicht, denn es geht auf viele Tage“ (Dan 8,26).

Lesen wir jene konkreten Weissagungen des Herrn Jesus Christus an die sieben Gemeinden, so müssen wir eine Erfüllung der geweissagten Ereignisse in der nahen Zukunft zu suchen. Die in der Off beschriebenen Dinge müssen kurz nach der Zeit der Abfassung der Offenbarung geschehen sein.

Das Wort von Off 3,10 in die ferne Zukunft zu schieben, ist exegetisch unzulässig.

Über zeitliche Nähe und Gottes Ausdrucksweise

Es wird manchmal behauptet, dass Gott eben eine andere Auffassung von „Zeit“ habe, und bei ihm „tausend Jahre wie ein Tag“ seien (2Petr 3,8). Daher könne man diese zeitlichen Aussagen nicht so auffassen, als ob sie tatsächlich in zeitlicher Nähe waren. Dazu ist zu sagen, dass nicht nur der Herr Jesus Christus, sondern auch Petrus, Johannes, Jakobus und Paulus solche Ausdrücke der zeitlichen Nähe verwendeten (z. B. Rm 13,12; Hebr 10,37; Jk 5,8; 1Petr 4,7; 1Joh 2,18), und diese sprachen unsere Sprache und verstanden die Zeitaussagen so wie wir sie verstehen.

2Petr 3,8 ist kein Rechenbeispiel, wie man mit prophetischen Zeitangaben umgehen soll. Gott rechnet Zeit nicht anders als wir. Und wenn er zu uns Menschen spricht, spricht er unsere Sprache, d. h., so, dass wir verstehen können, was er meint. Petrus selbst lehrte unter der Autorität des Heiligen Geistes, dass diese Dinge in zeitlicher Nähe stattfinden würden (1Petr 4,7), ja, so nahe, dass die Christen diese Dinge erwarten und sogar darauf hinzueilen sollten (2Pe 3,12). Die Zeit bis dorthin war „kurz“ und „im Begriff“ zu kommen (1Petr 1,5.6; 4,5; 5,1.10).

Was wollte Petrus in 2Petr 3,8 mit dem Zitat aus Ps 90,4 sagen? Wollte er sagen, dass, wenn Gott in Zeitbegriffen redet, der Mensch sich nicht kümmern sollen, da Gott Zeit anders rechnet? Nein. Was wollte er verdeutlichen? Gott wird seine Verheißungen mit Sicherheit erfüllen, unabhängig davon, wieviel Zeit verstrichen ist! Verstrichene Zeit schränkt die Sicherheit der Erfüllung seiner Verheißungen nicht ein. Petrus stellt Gottes Treue heraus. Gleichgültig, wieviel Zeit verstrichen ist, seitdem Gott die Verheißung gegeben hat, Gott wird seine Verheißung erfüllen; sie ist ihm nach tausend Jahren noch so frisch im Gedächtnis, als ob er sie vor einem Tag gegeben hätte.

Wenn Gott eine Zeitaussage macht, sollten wir ihn so verstehen, wie er verstanden sein will. Er kommuniziert mit Menschen in Begriffen, die die menschliche Sprache versteht. Wenn er sagt, ein Ereignis sei nicht nahe, ist es tatsächlich nicht nahe. Bileam machte in 4Mose 24,17 eine Prophezeiung auf das Kommen des Messias: „Ich sehe ihn, doch nicht jetzt; ich schaue ihn, aber nicht nahe“. Wenn er bald und nahe sagt, meint er bald und nahe. Weitere Beispiele:

Hes 7,5-8: „So sagt der Herr, Jahweh: Unheil, einzigartiges Unheil! Siehe! Es kommt! 6 Ein Ende kommt! Es kommt das Ende. Es erwacht gegen dich. Siehe! Es kommt! 7 Es kommt das Verhängnis über dich, Bewohner des Landes! Es kommt der Zeitpunkt. Nahe ist der Tag, [ein Tag] der Bestürzung und nicht des Jubels auf den Bergen! 8 Jetzt gieße ich bald meine Grimmglut über dich aus und lasse meinen Zorn an dir aus, und ich richte dich nach deinen Wegen. Und alle deine Gräuel bringe ich über dich.“

12,22-28: „Menschensohn, was ist das für ein Spruch, den ihr auf dem Erdboden Israels habt, indem ihr sagt: ‚Die Tage ziehen sich in die Länge, und jedes Gesicht wird zunichte!?’ 23 Darum sage zu ihnen: ‚So sagt der Herr, Jahweh: Ich werde diesem Spruch ein Ende machen, und man wird ihn nicht mehr als Spruch gebrauchen in Israel. Sondern rede zu ihnen: Nahe gekommen sind die Tage und das Wort eines jeden Gesichts! … 25 denn ich bin Jahweh. Ich rede. Das Wort, das ich rede, wird ausgeführt! Es wird nicht mehr hinausgezögert! Ja, Haus der Widerspenstigkeit, ich rede ein Wort in euren Tagen, und ich tue es auch! ist der Spruch des Herrn, Jahwehs.’ … 27 Menschensohn – siehe!– das Haus Israel sagt: ‚Das Gesicht, das dieser schaut, ist auf viele Tage hin. Und auf ferne Zeiten hin weissagt er.’ 28 Darum sage zu ihnen: So sagt der Herr, Jahweh: ‚Sie werden nicht mehr hinausgezögert werden, alle meine Worte! Das Wort, das ich rede, wird ausgeführt!’ ist der Spruch des Herrn, Jahwehs.“

Die Prüfungszeit im ersten Jahrhundert

Die Geschichte des 1.Jhdts. zeigt, dass die Jahre 64–70 schreckliche Jahre waren. Es begann mit dem Brand Roms (Juni 64), worauf eine große Christenverfolgung im gesamten römischen Reich folgte.

Dass sich jene Verfolgung (in der Zeit des Kaisers Nero) nicht auf Rom beschränkte, bestätigt Petrus in 1Petr 4,17 (geschrieben ca. 63 n. Chr.): „… weil der Zeitpunkt da ist, an dem Gericht beginnen sollte, [anfangend] beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die der guten Botschaft Gottes im Unglauben ungehorsam sind?“ Petrus betont die zeitliche Nähe der Ereignisse.

Es scheint naheliegend, dass sich der Herr in Off 3,10 auf jene unmittelbar bevorstehende Christenverfolgung bezog.

Ergänzung: Wie geschieht die Bewahrung des Christen?

Petrus sagt, „in der Kraft Gottes“ (1Petr 1,5): „… die wir in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werden für die Rettung.“ Der Ausdruck „durch Glauben“ zeigt an, dass eine Mitwirkung des Gläubigen erforderlich ist. Gott bewahrt den, der sich bewahren lässt. Wie lässt man sich bewahren?

. indem man seine Augen auf Christus gerichtet hält – und zwar auf den Christus in der Heiligen Schrift. (Die Heilige Schrift und Christus sind untrennbar.)

2Petr 2,9: „… so weiß der Herr Ehrfürchtige aus der Prüfung zu befreien.“

. indem man sich auf Christus verlässt

. indem man sich bei dem birgt, der wahrhaft bewahren kann. Gott wird jeden bewahren, der sich auf ihn verlässt, sich bei ihm birgt (Ps 2,12; 16,1; Spr 18,10). Bewahrung ist davon abhängig, dass man in dem Bereich der Bewahrung bleibt. Wer zum Kreuz gekommen ist, muss sich auch beim Kreuz aufhalten; denn nur dort ist Heil und Bewahrung vor dem Zorngericht. Würde ein Christ Christus verwerfen, könnte die göttliche Bewahrung nicht stattfinden, weil sich der zu Bewahrende bewusst und zielgerichtet aus dem Bereich der Bewahrung wegbegeben hat. Die Bewahrung findet „in Christus“ statt. Wer sich außerhalb von Christus begibt, begibt sich aus dem Schutzraum.

Spr 18,10: „Der Name Jahwehs ist ein starker Turm; der Gerechte läuft dahin und ist in Sicherheit.“

1Tim 4,16: „… denn indem du dieses tust, wirst du sowohl dich selbst ‹bewahren und› retten als auch die, die dich hören“

Jud 21: „Geliebte …, bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und wartet dabei auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus hin zum ewigen Leben.“

1Joh 5,18: „Wir wissen, dass keiner, der aus Gott geboren worden ist, [im fortlaufenden Sinn] sündigt, sondern der, der aus Gott geboren wurde, bewahrt sich, und der Böse rührt ihn nicht an.“

Was soll der Gläubige bewahren?

Das Wort Gottes: Joh 8,51: „Wenn jemand mein Wort bewahrt, wird er den Tod nicht schauen, in Ewigkeit nicht.“

Den Glauben: Off 14,12: „Hier ist die Ausdauer der Heiligen. Hier sind, die, die Gottes Gebote bewahren und den Glauben an Jesus“

1Tim 1,19.20: „… indem du den Glauben bewahrst …“

Ein gutes Gewissen: 1Tim 1,19.20: „… und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlitten haben.“

e. Anweisung: 3,11

„Siehe: Ich komme bald.“

„Siehe“ und „bald“ drücken zeitliche Nähe aus. Alles lag innerhalb der Zeitgrenze jener damaligen Generation von Juden (Mt 10,23; 16,28; 24,34).

Vgl. Off 22,6–12: „…sandte seinen [himmlischen] Boten, um seinen leibeigenen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. 7 Siehe, ich komme bald. … 10 … Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, denn die Zeit ist nahe. … 12 Und – siehe! – ich komme bald …“

„Halte fest, was du hast, …“

Es ist leichter, festzuhalten, wenn man weiß, dass es nicht noch 2000 Jahre dauern wird, bis den unerwünschten Umständen ein Ende gesetzt wird.

Was gilt es festzuhalten? – Den Herrn Jesus Christus! Er ist das Heil.

. Den Glaube an ihn: Off 14,12: „Hier sind, die, die Gottes Gebote bewahren und den Glauben an Jesus“

. Ein gutes Gewissen: 1Tim 1,19.20: „… indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, …“

. Das Wort Gottes: Joh 8,51: „Wenn jemand mein Wort bewahrt ‹und hält› ….“; 2Thes 2,15: „Steht fest … und haltet die Überlieferungen fest“.

. Den Freimut, die Zuversicht: Hebr 3,6 „… wenn wir die Freimütigkeit und das Rühmen der Hoffnung als einer festen … festhalten.“

. Hebr 3,14: „… wenn wir nur den Anfang unseres Gewissheitsgrundes … festhalten“

. 10,23: „… festhalten das Bekenntnis der Hoffnung, …“; 4,14: „… lasst uns das Bekenntnis festhalten“.

. 6,18 „… damit wir … ergreifen ‹und festhalten› die vorgelegte Hoffnung“.

V. 11: „… damit niemand deine Krone nehme.“ – Die „Krone“ besteht in dem ewigen Leben (2,10).

Die einzige Gefahr für sie besteht darin, das sie das lassen, was sie haben (das Wort Christi, den Namen Christi, das Ausharren auf Christus).

f. Überwinderverheißung 3,12

V. 12: „Der, der überwindet, ihn werde ich zu einem Pfeiler im Tempelheiligtum meines Gottes machen, …“

Der Überwinder wird nicht nur eingehen durch eine weit geöffnete Tür, er selbst wird eine feste Säule im Himmelstempel werden.

„Pfeiler (o.: Säule)“ spricht von Festigkeit, Kraft und Sicherheit. Der Name der zwei großen Säulen des Salomontempels war (1Kön 7,21) „Boaz“ (bed.: „in ihm/ihr“ – in der Säule – „ist Kraft“) und „Jachin“ (bed.: „er/sie“ – die Säule – „wird aufrichten, wird befestigen“). Diese Namen sollen auf die Festigkeit, Kraft und Sicherheit des himmlischen Tempels hinweisen.

Die Überwinder werden für immer in dem neuen, geistlichen Tempelheiligtum Gottes bleiben! Im Gegensatz zum unbeständigen Leben in der durch Erdbeben unsicheren Stadt werden sie stabil und fest eingebaut sein in Gottes ewigem Tempelheiligtum; jeder, der dort ankommt, wird eine tragende Säule sein. Dort, bei Gott, ist keiner unwichtig. Gottes ewiger Tempel ist die gesamte Stadt, Off 21,22.

„… und daraus wird er gar nicht mehr hinausgehen, …“

Die Seinen sind dort sicher. Niemand kann sie aus dem heiligen Himmelstempel ausschließen. Vgl. Off 21,27; 22,14f.

„… und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes“

Gottes Name an den Stirnen (Off 22,4; 14,1ff), das spricht von Zugehörigkeit. Sie tragen Gottes Bild (1Joh 3,1–3) und sind Gottes Eigentum. Ihre neue Beziehung zu Gott (dargestellt durch die neuen Namen) soll ewig dauern. Auch dies spricht von Sicherheit.

„… und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalems, die aus dem Himmel von meinem Gott niederfährt, …“

Jerusalem ist die Residenzstadt. Da werden sie mit Christus regieren.

„… und meinen neuen Namen.“

Christi neuer Name (und neue Identität) ist „König der Könige und Herr aller Herren“ (Off 19,16). Christus identifiziert sich hier sehr stark mit den Seinen: Viermal sagt er hier „mein Gott“ bzw. „euer Gott“.

g. Aufforderung zum Hören

V. 13: „Wer ein Ohr hat, höre, …“ – Wofür haben wir ein Ohr?

„… was der Geist den Gemeinden sagt.“ – Wie spricht der Geist heute?

Der Geist spricht genau das, was er damals gesagt hat. Wer Gottes Reden hören will, muss Gottes Wort lesen.

7. An Laodikea 3,14–22

a. Adressierung und Selbstvorstellung: 3,14

V. 14: „Dem Boten der Gemeinde von Laodizea schreibe:“

Der Name Laodizea bedeutet „Volksrechte“ (o.: „Meinungen des Volkes“) , „Volksgerechtigkeit“.

Die Stadt Laodizea war 14 km von Hierapolis entfernt und 20 km von Kolossä. Der Gründer war Antiochus II (3.Jhdt. v.C.) zu Ehren seiner Gemahlin Laodike.

Laodizea war die Hauptstadt Phrygiens. Sie wurde ca. 60 n. Chr. durch ein Erdbeben zerstört, wurde dann aber sehr schnell mit Neros Hilfe glänzend wiederaufgebaut.

Laodizea lag an einer äußerst günstigen Stelle: an der Kreuzung der wichtigsten N–S und W–O Verbindungen durch Kleinasien. Die Stadt blühte durch Handel, war reich (Wollindustrie; Kleider aus glänzender, schwarzer Wolle), medizinische Schule (besonders für Augenheilkunde); Augensalben wurden dort hergestellt und die Stadt war ein wichtiges finanzielles Zentrum.

Aber die Stadt hatte einen Mangel: Sie hatten kein gutes Wasser. In der Nähe lag eine Thermalquelle (160 m hohe Felsenterrasse). Das heiße Wasser wurde leicht abgekühlt, mit Schmutz angereichert, verlor schnell an Kohlensäuregehalt. Es schmeckte im Tal unten nach nichts mehr; es wurde in Rohren (Aquädukt) in die Stadt geleitet und kam lau und verschmutzt und fade in der Stadt an.

Six miles north of the city were the thermal springs (not drinkable) at Hierapolis, whose white

calcareous cliffs were visible in the distance. To obtain drinking water, the Romans built an aqueduct that ran five miles south to an abundant spring (now in Denizli). The cool spring water would become lukewarm as it passed through the aqueducts into the city.

The city was strategically located for trade and commerce, and became a leading banking center. It had accepted aid from Rome following earlier earthquakes. However, after the earthquake in 60 that devastated many Asian cities, only Laodicea refused to

accept Roman financial assistance because she was so wealthy. This attitude of material self–satisfaction, ‘I am rich,’ had seemingly entered the church also. The church’s spiritual blindness was ironic because a famous salve for treating eye disease was produced by the medical school there. The exhortation to buy white garments to cover their shameful nakedness is another example of irony. For the believers were

living in a city where the Romans had established textile factories to manufacture clothing from the famous black wool of the region. Laodicea was a ‘throne city’ because a citizen Zeno became king of Cilicia in 39 BC and of Pontus in 36 BC. His family continued to rule in some measure in Anatolia over the next century. The Zenoid family figures prominently on the Laodicea’s coinage. Again the victors are promised that they

will sit with Jesus on his heavenly throne.“ Copyright 1997–2002 by Crossroads Travel. http://www.travelbiblical.com/?p=churches

Die Gemeinde in Laodizea entstand vmtl. durch Epaphras (Apg 19; Kol 4,13).

Paulus selber war nie dort (Kol 2,1), aber er schrieb (ca. zw. 57 und 60 n. Chr.) einen Brief dorthin (= wahrscheinlich der Eph, der als Rundschreiben gedacht war): Kol 4,16.

Kennzeichen der Gemeinde: Stolz, der auf den Errungenschaften und auf dem Ruhm vergangener Leistungen ruht.

V. 14: „Dieses sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, …“

Jesus Christus ist der Wahre und Treue; er erfüllt die göttlichen Verheißungen (2Kor 1,20).

Die Gemeinde in Laodizea war selbstgefällig, und sie merkten es nicht. Wer sich selbst gefällt, wird in seinem Eifer nachlassen.

Jesus Christus ist der „Zeuge“. Er bezeugt noch. Und Laodizea? Sie meinen, gute Zeugen Christi zu sein, aber sie sind blind, merken nicht, dass sie den Sohn Gottes aus dem praktischen Leben aussperren.

„… der Anfang [o.: Urheber] der Schöpfung Gottes:“

Die Gemeinde sollte erkennen, dass Christus der Anfang der Neuschöpfung Gottes ist (2Kor 5,17; Kol 1,15–18; Off 1,5).

Er ist zuverlässig und wahr, wird erfüllen, was er verheißen hat. Er kann sich selbst nicht verleugnen (2Tim 2,12.13), er bleibt sich selbst und seinem Wort treu.

Was er am Kreuz begonnen hat, wird nicht unvollendet bleiben. Ihm gehört der Thron, die Zukunft, die neue Schöpfung.

Er hat auf die Seinen Anspruch – per Erlösung und Neuschaffung. Er hat Anspruch auf mich, auf mein Haus. Er steht an der Tür und klopft bei seiner geliebten Braut an, einer Braut, die „arm“, „blind“ und „bloß“ ist.

b. Anerkennung bzw. Tadel: 3,15

V. 15: „Ich weiß um deine Werke, …“

Ephesus hatte Hass gegen das Böse (Nicht–Ertragen–Können der Falschheit, 2,2), aber mangelnde Liebe zum Herrn (2,4); Thyatira hatte Liebe zum Herrn – zusammen mit Eifer, Ausdauer und Werken –, aber mangelnden Hass gegen das Böse (2,20). Laodizea hatte weder Liebe zu dem Geliebten (den sie vor der Tür stehen ließ) noch Hass gegen das Böse (das sie nicht mehr sahen).

„… dass du weder kalt noch heiß bist. Dass du doch kalt oder heiß wärst.“

Kaltes, erfrischendes Quellwasser schmeckt wohl, heißes Heilwasser, Tee, schmeckt gut. Laodizea aber war „lau“, schmeckte so fade wie das Thermalwasser aus dem Aquädukt – zum Ausspucken!

Bei Laodizea fehlte es nicht nur an Liebe (wie bei Ephesus, 2,4), sondern auch an Hass gegen das Böse. Heiligkeit und Liebe standen auf dem Spiel.

c. Gerichtsandrohung: 3,16–17

V. 16: „So wie es jetzt ist, weil du lau bist und weder kalt noch warm, bin ich daran, dich aus meinem Munde zu speien, …“

Dem Herrn fehlt der Wohlgeschmack: Diese Heiligen sind ihm kein Wohlgeschmack, keine Erfrischung, kein Labung.

Aber gerade das wäre der Sinn und Zweck des Daseins der Heiligen: dass der treue und wahre Herr Wohlgefallen an ihnen hat, Erquickung, Freude. Der geliebte Bräutigam will seine Braut genießen. Die Seinen sind in erster Linie für ihn da, nicht für sich selbst. Wir evangelisieren in erster Linie zu dem Zweck, dass Gott Anbeter bekommt, an denen er sich freut.

V. 17: „… weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden …“

Mit anderen Worten: „Dein irdischer Wohlstand hilft dir nichts. Geistlich gesehen, bist du erbärmlich.“

Die Botschaft richtet sich an den Boten von Laodizea. Aber es scheint, dass (wie in den anderen Botschaften) nicht nur der Bote, sondern die ganze Gemeinde angesprochen ist. Laodizea glaubte eine Lüge über sich selbst, betrog sich selbst. Nun kommt der treue und wahrhaftige Zeuge und bezeugt ihr, wie es um sie in Wahrheit steht. Er hilft ihr, sich im wahren Licht zu sehen, indem er ihr zeigt, wer und wie er ist: wahr und treu.

Wir lernen: Wenn wir uns selbst gegenüber wahrhaftig werden, kann der treue Zeuge uns die Augen öffnen über uns und über ihn. Jeder einzelne muss dem Treuen und Wahrhaftigen – im praktischen Sinne – die „Tür“ öffnen, ihn ganz ins innere Wesen hereinlassen.

„… und bedarf nichts …“:

Es besteht in Laodizea wenig Bedürfnis nach wirklicher – geistlicher – Nahrung.

Laodizea ist satt; er aber wäre gekommen, um mit Laodizea zu essen, Gemeinschaft zu haben.

Ps 23 lautet nicht: „Ich bin mein Hirte, mir mangelt nichts“

Die Gefahr ist, dass man ein ichbezogenes Christentum führt. Man denkt viel an das eigene Wohl, nicht an das des Herrn.

„… und nicht weißt, dass du der Elende bist und arm …“

D. h.: geistlich arm, im Gegensatz zu Smyrna.

„… und blind …“

Der Fehler liegt nicht am Licht, sondern an der Sicht. Sie waren nicht imstande zu erkennen, was nicht gerade an der Oberfläche lag. Es fehlte ihnen an einem Empfinden für Gottes Heiligkeit.

„… und bloß.“

Laodizea ist nackt. Das ist Bildersprache: Es geht um den praktischen Wandel. Laodizea sollte im praktischen Leben die Kleider Christi ausführen.

Kol 3,12–14: „Zieht also an als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, einander ertragend und euch gegenseitig ‹in gnädiger Weise› vergebend, wenn jemand eine Klage gegen einen hat: So, wie der Christus euch ‹in gnädiger Weise› vergab, so [tut] auch ihr es. Über dieses alles zieht an die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist.“

d. Die Anweisung: 3,18.19

V. 18: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, …“

Das Gold steht für die geistlichen Schätze. Wie bekommen man sie? Kaufen – bei ihm! Ohne Geld.

Jes 55,1: „Ihr Durstigen alle! Kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt! Kauft und esst! Und kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!“ Kaufen – ohne Geld. Aber es kostet alles! „Wer nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,33).

Jesus Christus ist nicht mit weniger zufrieden – weil er der Bräutigam ist. Der Bräutigam will die ganze Liebe der Braut, nicht nur 90 Prozent. Es geht darum, Jesus Christus alles zu geben – weil ihm alles gehört.

„… [Gold,] das im Feuer geläutert ist, damit du reich seist …“

Das Feuer spricht vom reinigenden Selbstgericht.

„… und weiße Kleider, damit du bekleidet seist und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde;“

Laodizea soll sich bei Christus reine Kleider der praktischen Gerechtigkeit und Reinheit „kaufen“. Vgl. Off 19,8. Die Kleider der Braut sind „die Gerechtigkeiten (o.: Gerechtigkeitstaten) der Heiligen“. Vgl. Off 14,4.

„… und salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehest.“ Es geht um geistliche Klarsicht. Laodizea braucht eine Augensalbe von dem Treuen und Wahrhaftigen, um die Dinge so zu sehen, wie Gott sie sieht.

Vgl. 2Petr 1,8f: „… wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und in reichem Maße, stellen sie euch nicht als Untätige hin noch als Unfruchtbare im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn, Jesu Christi; denn der, bei dem diese Dinge nicht gegenwärtig sind, ist blind, kurzsichtig: Die Reinigung von seinen alten Sünden hat er in Vergessenheit geraten lassen.“

V. 19: „Die, die ich liebe (o.: „gernhabe; mit Zuneigung liebe“; vom griech. Wort philein, „wie Freunde lieben“) …

Der treue und wahrhaftige Zeuge ist auch treu in seiner Liebe, einer Liebe, die gepaart ist mit Wahrheit.

Wir erkennen, dass es sich bei denen in Laodizea nicht um Mitläufer handelt, sondern um solche, die er liebt! Sie sind noch immer sein goldener Leuchter.

„… die strafe ich und erziehe (o.: züchtige) ich.“

Wer sein Kind gern hat (und ein Anliegen für Wahrheit hat), züchtigt es. Was ist der Zweck der Züchtigung? 1Kor 11,32: „Bekommen wir aber ein Strafurteil, werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mitsamt der Welt verurteilt werden.“ Hebr 12,5–11. Züchtigen – das Macht man nur mit den eigenen Kinder, nicht mit fremden. Hier ist ein Beweis dafür, dass es sich bei „Laodizea“ noch um Kinder Gottes handelt, nicht um Mitläufer oder Abgefallene.

„Sei also eifrig …“

Wir lernen: Wenn es ums Umkehren geht und darum, Sünde zu bekennen und Dinge wieder gutzumachen, da sollte man jedesmal schnell sein, eifrig sein; nichts hinausschieben.

„… und tue Buße (o.: ändere deine Gesinnung; denke um).“

Umkehr schließt ein, dass man mit der sündigen Gewohnheit bricht. Spr 28,13: „Wer seine Übertretungen verheimlicht, der wird kein Gelingen haben, aber wer sie bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“

e. Verheißung für die Treuen: 3,20

V. 20: „Siehe, ich habe mich vor die Tür gestellt …“

Der treue Zeuge – treu in seiner Liebe steht an der Tür. Der erhöhte Herr hatte zu seiner Gemeinde gesprochen, wie einer, der ausgesperrt ist. Aber die Gemeinde hatte an sich selbst genug gehabt. Sie hat ihn nicht eingeladen, geschweige denn ihm die Herrschaft des Hauses überlassen. – Nun stellt sich der Herr an die persönliche Tür der einzelnen Christen.

Wir haben hier einen anderen Aspekt, ein anderes Bild als das Innewohnen des Herrn. Der treue und wahrhaftige Zeuge steht vor der Tür des einzelnen, ausgesperrt aus verschiedenen Bereichen des Lebens (obwohl ihm das „Haus“ gehört). –

„… und klopfe an.“

Der Anfänger und Urheber der Neuschöpfung Gottes (Kol 1,15–18; 2Kor 5,17) hat einen Anspruch auf die Seinen.

Wie klopft er an? Mit der Stimme und mit der Hand. Anklopfen ist gesteigertes Bitten (Mt 7,7). „Aufmachen, bitte!“

Er, der den Schlüssel Davids hat, er, der die Schlüssel des Todes und des Hades hat, steht vor der Tür eines Christenmenschen und bittet um Einlass! Er, der liebende Bräutigam, wirbt um seine Frau. (Vgl. Off 19,7; 21,9.)

Gegenliebe kann man nicht befehlen, nicht einfordern. Laodizea sollte dem treuen und wahrhaftigen Zeugen Jesus Christus Raum geben. Um diesen Raum bittet er.

V. 20: „Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich zu ihm hineingehen und mit ihm Mahl halten und er mit mir.“

„… ich zu ihm … mit ihm … und er mit mir.“ Genuss echter Gemeinschaft – das ist das Ziel Gottes mit dem Menschen. Gemeinschaft der Liebe – das ist die Gemeinschaft, nach der er sich sehnt. Er wird sie bei jedem herstellen, bei jedem einzelnen Christen, der auf sein Rufen hört und die Tür des Lebens auftut, ihm Raum gewährt.

Das „schmeckt“ dem Herrn. Das ist ihm Erquickung – wie kaltes Wasser; das ist ihm wohltuend – wie heißes Heilwasser.

f. Überwinderverheißung: 3,21

V. 21: „Der, der überwindet, ihm werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwand und mich zu meinem Vater setzte, auf seinem Thron.“

Der Herr selbst war ein treuer Zeuge gewesen – bis zum Tod: „Der Löwe hat überwunden, der, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids“ (Off 5,5). Darum hat Gott ihn erhöht (Phil 2,9–11). Den Seinen, den Überwindern, die bis zum Tod überwinden, verheißt der Herr, dass sie mit ihm regieren werden.

In der Off erhalten die Märtyrer eine besonderes Los. Sie gehen direkt „zu Gott und zu seinem Thron“ (Off 12,5), wie die zwei Zeugen in Jerusalem; sie gingen nicht in den Hades (11,11.12).

Off 7,14.15: „Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten sie weiß durch das Blut des Lammes. 15 Deswegen sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm in Verehrung“.

12,10.11: „Und ich hörte eine große, ‹laute› Stimme im Himmel sagen: Jetzt ist das Heil und die Kraft und die Königsherrschaft unseres Gottes geworden und die Autorität seines Gesalbten, weil der Verkläger unserer Brüder niedergeworfen ist, der sie verklagte vor unserem Gott Tag und Nacht. 11 Und sie haben ihn überwunden kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses und haben ihre Seele nicht geliebt bis zum Tod.“

14,1.3.4: „Und ich sah, und – siehe!– das Lamm: Es stand auf dem Berg Zion– und mit ihm [waren] einhundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben trugen …. 3 Und sie singen ein Lied – ‹es ist› wie ein neues – vor dem Thron und vor den vier lebenden Wesen und den Ältesten. Und niemand konnte das Lied lernen als nur die einhundertvierundvierzigtausend, die von der Erde erkauft sind. 4 Diese sind … Jungfräuliche. … Diese wurden aus den Menschen erkauft als Erstlinge Gott und dem Lamm.“

15,2: „Und ich sah [etwas] wie ein durchsichtiges Meer, mit Feuer vermengt, und [ich sah] die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens an dem durchsichtigen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie.“

19,14: „Und ihm folgten auf weißen Pferden die Heere, die im Himmel [sind], bekleidet mit weißem, reinem Byssusstoff.“

20,4: „Und ich sah Throne – und sie saßen auf ihnen, und Gericht wurde ihnen gegeben – und die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren, und die, die nicht dem Tier noch seinem Bild gehuldigt hatten und nicht das Malzeichen auf ihre Stirn empfangen hatten oder auf ihre Hand. Und sie lebten und herrschten ‹als Könige› mit dem Gesalbten die tausend Jahre.“

g. Aufforderung zum Hören: 3,22

V. 22: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

C. Exkurs: Kirchengeschichtliche prophetische Botschaften in Off 2–3?

Die sieben Botschaften des Herrn an die sieben Gemeinden sind nicht als sieben spezifische prophetische Botschaften an Christen bestimmter kirchengeschichtlicher Epochen aufzufassen. Folgende Punkte sprechen dagegen:

1. Der Text selbst gibt keinen Anlass, der uns dazu berechtigt, diese Botschaften auch als prophetische Darstellung von kirchengeschichtlichen Epochen aufzufassen. Im Übrigen: Der Zustand der Gemeinde Jesu weltweit ist und war in den letzten 2000 Jahren nicht so einheitlich. Man tut sich daher schwer eine Epoche mit Off 2–3 zu beschreiben.

2. Es geht um Gemeinde Jesu, nicht um Denominationen, nicht um äußerliche Konfessionen oder Kirchen. Thyatira kann nicht die Römische Kirche sein, denn die Römische Kirche als solche kann nicht als Gemeinde Jesu (als ein „goldener Leuchter“) dargestellt werden. Sardes, z. B., besitzt noch Leben, sie ist noch Leuchter und „Gemeinde“. Sie ist nicht tot, sondern die Christen dort schlafen, viele sind „im Begriff“ zu sterben. Der goldenen Leuchter „Laodizea“ stellt nicht die abgefallene Christenheit dar, es handelt sich dort ja um solche, die der Herr Jesus liebt und züchtigt, die also seine Kinder sind.

3. Anwendbar sind die Botschaften für alle; für alle, die ein Ohr haben. Es kann nicht sein, dass z. B. die Smyrna–Botschaft im Besonderen eine prophetische Botschaft für die Verfolgten Heiligen des 2.–4. Jahrhunderts ist und für andere Verfolgte weniger. Auch sind die einzelnen Botschaften nicht auf bestimmte Denominationen mehr anwendbar als auf andere.

4. In Off 1,19 sagt der Herr dem Apostel Johannes, dass er aufschreiben soll, was „ist“. Die sieben Botschaften beziehen sich also auf jene schwere Zeit des ersten Jahrhunderts unmittelbar nach der Abfassung des Briefes, nicht auf die gesamte Zeit der Kirchengeschichte. Würde man Off 2–3 als eine spezifische Botschaft an Christen bestimmter kirchengeschichtlicher Epochen auffassen wollen, würden die K. 2 und 3 zu dem gehören, „was danach geschehen wird“ (4,1.2). Aber gemäß Off 4,1 gehört erst das von K. 4 an Berichtete zu dem, „was danach geschehen wird“.

Es gibt In Off 4 außerdem keinen Anhaltspunkt für die Annahme, die „Versetzung“ des Johannes in den Zustand, „im Geist“ (4,2) bezöge sich auf die Entrückung der Gemeinde. Off 4,2 steht parallel zu 1,10 und deutet an, dass Johannes im Geist entrückt wurde, nicht im Leib. Es fand keine Leibesverwandlung statt. Auch wurde Johannes in Off 4,1.2 als einzelner „entrückt“, nicht die ganze Gemeinde.

Der Bibeltext sagt, die Off ist ein Brief an die sieben Gemeinden in Asien. Der Brief war nicht an andere Christen gerichtet, wie auch die anderen Apostelbriefe nicht an eine spätere Generation von Christen gerichtet waren. Aber weil die Off – wie alle Apostelbriefe des NT – Gottes Wort ist, können wir vieles daraus lernen und für uns anwenden.

Es gibt keinen Hinweis im Text, dass die K. 2–3 über die rein historische Dimension hinausweisen. Der Brief der Offenbarung (K. 1–22) geht an Boten der Gemeinden. Die Gemeinden waren Heilsvolk, Gemeinde Jesu, goldene Leuchter, unter denen der Herr „wandelte“ (K. 1). Die Botschaften sind nicht an Mitläufer oder so gen. „Namenschristen“ gerichtet. Die sieben Botschaften waren an Gemeinden, also an wahre Christen, gerichtet. „Gemeinde Jesu“ besteht aus der Schar der Wiedergeborenen. Die Leuchter sind nur sie. Deshalb kann ein Brief, der an die Wiedergeborenen von Ephesus, Smyrna etc. gerichtet ist, nicht zugleich auch eine Prophetie auf eine Denomination sein, schon gar nicht auf eine Kirche wie die Römische, die im 4. Jahrhundert n. Chr. entstand.

1. Zur Reihenfolge der sieben Botschaften:

Reihenfolge der Botschaften – nicht nur aus geografischen Gegebenheiten.

Eph: ERSTE Liebe = Die Priorität der Liebe. (Die Liebe ist das Wichtigste) →

Smy: Die Treue der Liebe (Zur Liebe gehört Treue gepaart. Ohne Treue ist Liebe keine Liebe. Das musste auch die Hure Rahab lernen. Jos 2.) →

Per: Der Genuss der Liebe (Wenn die Liebe mit Treue gepaart ist, kann man sie wirklich genießen) →

Thy: Die Heiligkeit der Liebe (Wahre Liebe beinhaltet Hass für falschen Genuss) (Ja zum Wahren heißt Nein zum Falschen) →

Sar: Die HOFFNUNG der Liebe, die lebendige Erwartung [Hoffnung] der Liebe [Was wäre eine Verlobungszeit, wenn es keine Hochzeit gäbe?] →

Phi: Die Sicherheit der Liebe [Was wäre das für eine Hoffnung, wenn es nicht sicher wäre, ob mich der Bräutigam schlussendlich auch wirklich heiraten wird?]. →

Lao: Das Ziel der Liebe. [Guter Geschmack (Essen) für den Bräutigam und Gemeinschaft auf dem gemeinsamen Thron. Es geht um das Ziel der Liebe: Genuss für Gott und gemeinsames Ausüben des Mitregierens. Der Bräutigams sitzt mit seiner Braut auf dem Thron.

Bei den ersten sechs geht es in erster Linie um die Liebe und den Genuss der Braut, bei der siebenten um die Liebe und den Genuss des Bräutigams.

2. Über den Allgemeinzustand der einzelnen Gemeinden

Eph: schlecht → Bußruf

Smy: gut; kein Bußruf, sondern: werde treu.

Per: mittel bis schlecht→ Bußruf

Thy: gut; kein Bußruf [von einem der Vergangenheit wird gesprochen, aber der war nur an Isebel gerichtet gewesen) , sondern: Haltet fest.

Sar: schlecht→ Bußruf

Php: gut; kein Bußruf, sondern: Haltet fest.

Lao: schlecht→ Bußruf

Thy: die übrigen sind die Mehrheit

Sar: der Rest sind die Minderheit (3,4)

Lao: nur noch einzelne werden angesprochen

Über die Reihenfolge nach dem Sternmuster (Zeichnung s. u.):

Eph – Thy – Lao – Per – Phil – Smy – Sar – (und wieder Eph)

Die Ähnlichkeiten und Kontraste unter den einzelnen Gemeinden verhalten sich so zu einander, dass ein siebenzackiger Stern entsteht.

Reihenfolge nach Sternmuster: Eph – Thy – Lao – Per – Phil – Smy – Sar – (und wieder Eph)

„Anfang und Schluss der Reihe: Es geht unser Leben vom Baum im Paradies (Off 2: Ephesus) bis zum Thron (Laodizea 3,21).

Die sieben Verheißungen haben die Braut des Königs zum Thema:

Eph: Der Baum des Lebens im Paradies – Leben und Erquickung

Smy: Die Krone

Per: Das Manna und der weiße Stein – eine Beschreibung des Genusses der Freundschaft des Bräutigams

Thy: Die Krone und das Mitregieren mit dem König

Sar: Die Kleider der Braut

Phi: Die Krone – und die Hauptstadt des Königs

Lao: Die Gemeinschaft zu Tisch und zu Throne.

3. Tabellarischer Überblick über die sieben Botschaften

Ephesus

Smyrna

Pergamon

Thyatira

Sardes

Philadelphia

Laodizea

2,1–7

2,8–11

2,12–17

2,18–29

3,1–6

3,7–13

3,14–22

begehrenswert

Bitterkeit

fest verheiratet

verderbtes Opfer

Überrest

Bruderliebe

Volksherrschaft

CHRISTUS hält Sterne, wandelt unter den Leuchtern

CHRISTUS, der Erste und Letzte, der tot war und lebt

CHRISTUS hat das zweischneidige, scharfe Schwert

CHRISTUS, der Sohn Gottes, hat Augen wie Feuer und Füße wie Erz

CHRISTUS hat die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne

CHRISTUS, der Heilige und Wahrhaftige, hat den Schlüssel Davids

CHR., der treue u. wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung

Ich kenne deine Werke: Mühe, Aus–harren, Böses gerichtet, falsche Apostel geprüft.

Aber …

Erste Liebe verlassen

Ich kenne deine Bedrängnis, Armut, geistlicher Reichtum

Ich kenne dein Wohnen, Festhalten, Nichtverleugnen des Glaubens.

Aber … Duldung der Anhänger Bileams

Ich kenne deine Werke: Liebe, Glaube, Dienst, Ausharren, die letzten Werke mehr

Aber … Duldung der Verführerin Isebel

Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst,

Aber …

du bist tot.

Ich kenne deine Werke: Kleine Kraft, Wort (vom Ausharren auf Jesus) bewahrt, Jesu Namen nicht verleugnet.

Ich kenne deine Werke.

Du bist weder kalt noch heiß, sondern lau; geistliche Armut, Blindheit u. Nacktheit

Die Pseudo–Apostel

Die Nikolaiten:

Haß gegen die Werke der Nikolaiten

Die Pseudo–Juden, die Synagoge Satans

Der Thron Satans; wo der Satan wohnt

Anhänger an der Lehre Bileams (Götzenopfer–fleisch, Unzucht)

Die Anhänger an der Lehre der Nikolaiten

Die Tiefen Satans;

das Weib Isebel, die Pseudo–Prophetin (Unzucht, Götzenopferfleisch)

Die Pseudo–Wiedergeborenen, die aber geistlich tot sind, die ihre Kleider besudelt haben

Die Synagoge Satans; Die Pseudo–Juden

Der Pseudo–Reichtum, Selbstgenügsamkeit

Tu Buße!

Fürchte nichts, was du leiden wirst!

Tu Buße!

Ich gab ihr Zeit, Buße zu tun; sie will nicht.

Wach auf! Erinnere Dich! Tu Buße!

Halte fest, was du hast!

Kaufe Gold, Kleider, Salbe! Tu Buße!

Ich werde kommen und deinen Leuchter wegstoßen

Sei treu bis zum Tod (und ich werde dir die Krone des Lebens geben)

Ich werde bald kommen und mit ihnen Krieg führen (mit dem Schwert des Mundes)

Große Bedrängnis über sie, Tod ihrer Kinder

Die Übrigen: Haltet fest, bis ich komme

Ich komme über dich wie ein Dieb; (du wirst unvorbereitet sein)

Die Stunde der Versuchung über den ganzen Erdkreis.

Ich komme bald! (und bringe dir die Krone)

Ich stehe an der Tür!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Überwinder:

Gewalt und Gericht über die Nationen, Morgenstern

Überwinder:

Weiße Kleider,

Name nicht auslöschen,

Name bekennen vor Vater und Engeln

Überwinder:

Säule im Tempel, nie mehr hinaus, Name Gottes, Name des neuen Jerusalems und neuen Namen Jesu

Überwinder:

(mit Jesus an seinem Tisch sitzen)

Mit Jesus auf seinem Thron sitzen

Überwinder:

Frucht vom Baum des Lebens im Paradies Gottes

Überwinder:

Kein Schaden vom zweiten Tod (sondern die Krone des Lebens)

Überwinder:

Verborgenes Manna, weißer Stein, neuer Name

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

II. Teil: Sieben Siegel 4,1–8,1

A. Hinführung zur Hauptbotschaft: Der Thronsaal, das Buch und das Lamm 4,1– 5,14

Gott – der Gott der Geschichtsszene – hat den Raum geschaffen, in dem die Geschichte abläuft: Er ist der Schöpfer: K. 4. Gott – der Gott der Heilsgeschichte – hat den Verlauf der Geschichte entscheidend beeinflusst: Er ist der Erlöser durch Jesus Christus, das Lamm Gottes: K. 5

1. Die Öffnung der Tür im Himmel und die Versetzung des Sehers in den Himmel: 4,1.2A

V. 1: „Nach diesem sah ich, und – siehe! – eine Tür, geöffnet, im Himmel. Und die erste Stimme, die ich zu mir reden gehört hatte wie [die] einer Posaune, …“

Der Einladende ist der Sohn Gottes. Vgl. 1,10.

„… sagte: Steige auf hierher, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.“

Die Dinge, „die nach diesem geschehen müssen“, sind ebendie, die „im Begriffe sind zu geschehen“ (1,10).

In den K. 4ff. wird den Briefempfängern gezeigt, was „nach diesem“ kommt. Welcher Zeitpunkt ist mit dem Wort „diesem“ (das zweimal vorkommt) angedeutet?

Der Zeitpunkt ist nicht der der Entrückung, sondern der, in welchem Johannes schreibt. Es gibt im Text keinen Hinweis auf die Deutung der K. 2 und 3 als verschiedene Epochen der Kirchengeschichte. Es waren sieben Botschaften an damalige Gemeinden.

Die Tatsache, dass ab 4,1 der Himmel der Standort der Betrachtung ist, besagt nicht, dass die Gemeinde der Erlösten ab K. 4 entrückt ist. (Will man argumentieren, dass ab K. 4 bis K. 19 das Wort „Gemeinde“ nicht erwähnt wird, so ist zu bedenken, auch in K. 19 kommt das Wort Gemeinde nicht vor, auch in den K. 20–22 nicht. Auch in anderen Briefen – 2Tim; Tit; 1P; 2P; 1Joh; 2Joh; Jud – kommt das Wort „Gemeinde“ nicht vor.)

. Was heißt „nach diesem“? – Alle folgenden Gesichte bzw. Reihen von Gesichten (4–7; 8–11; 12–15,4; 15,5–16,21; 17,1–19,10; 19,11–21,8; 21,9–22,5) werden im Himmel geschaut. K. 4ff betreffen Dinge, die „nach diesem im Begriff sind zu geschehen“, also nach dem gegenwärtigen Zeitpunkt (der in den K. 1–3 beschrieben war). Das Wort „diesem“ bezieht sich auf die Zeit des Johannes, der diesen Brief vmtl. zwischen 60 und 63 n. Chr. schrieb.

V. 2: „Und sogleich wurde ich [einer, der] im Geist [war];“

Johannes wurde im Geist in den Himmel versetzt – in einen Zustand, wo der Geist ihn mitnahm (nicht leiblich!) und ihm übernatürliche Offenbarung gab. Der Himmel ist nicht weit weg, er ist die jenseitige Welt. Er ist ganz nahe.

Die K. 4 und 5 dienen als Hinführung zu den K. 6–16 bzw. 6–22.

2. Das Gesicht vom Thron und der Umgebung des Thrones: 4,2M–11

a. Der Thron: 4,2M

„Und – siehe! – ein Thron; im Himmel aufgestellt;“

Der Thron spricht …

. von Ruhe: Gott handelt nicht übereilt, nicht unüberlegt.

. von Regierung: Gott hat alles in der Hand. Nichts kann ihn überraschen.

. von Wohnen bzw. Sitzen: Gott „sitzt“ zwischen den Cherubim. Das hebr. Wort (jaschab) bedeutet „sitzen, wohnen, thronen“.

. von Würde: „Sitzen“ ist im Orient ein Zeichen von Würde. Der Diener muss stehen, der Regent bzw. der Übergeordnete sitzt.

Der Thron erinnert an den Deckel der Bundeslade, der auch „Thron“ genannt wurde. Der Deckel war ein „Thron“, weil Gott zwischen den Cherubim „thronte“. (Vgl. das siebenmalige Vorkommen: 1Sa 4,4; 2Sa 6,2; 2Kön 19,15; 1Ch 13,6; Ps 80,2; 99,1; Jes 37,16.). D. h., Gott „saß“ im Allerheiligsten über dem Deckel, der von den Cherubim überschattet war. Der Altar (Off 8,3E) stand vor dem Thron, wie der Räucheraltar der Stiftshütte vor der Bundeslade stand. (Allerdings war ein Vorhang dazwischen.) Der Himmel ist Gottes Thron (Apg 7,49; Jes 66,1.2): Das bedeutet: Gott ist ein Gott der Herrschaft, er regiert alles. Vgl. Dan 4,23 („die Himmel herrschen“).

Johannes war „Mitteilhabender an dem Königreich“ (Off 1,9). Er lebte für den im Himmel thronenden König.

b. Der Thronende und seine Umgebung (7–fache Beschreibung): 4,2–8
I: Auf dem Thron: Der Thronende

„… und auf dem Thron ein Sitzender!“

Gott ist der Gott der Geschichtsszene: Er regiert die Welt.

V. 3: „Und der Sitzende war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sardisstein.“ – Johannes scheut sich, Gott selber zu beschreiben. Er nennt nicht einmal seinen Namen.

Johannes erhält einen Blick in die göttliche Art der Regierung und Führung und Fürsorge. Im Himmel ist ein Thron, und weil es einen Thron gibt und Menschen diesen Thron nicht anerkennen, gibt es Gerichte.

„… gleich einem Jaspisstein und einem Sardisstein“

Der Jaspis ist ein Brillant (ein geschliffener Diamant), der wertvollste Edelstein. Er spricht von der Kostbarkeit des Glanzes und der Herrlichkeit Gottes. Gott ist vollkommenes Licht, er ist absolut rein und wahr.

Vor Beginn der Gerichte der Off soll jeder wissen: Gott will nicht das Böse. Er ist immer gut. Alles, was er tut, ist recht. 5Mo 33,2.

Der Sardis ist ein Rubin, feuerrot. Er spricht vom Feuergericht. Das zeigt: Die himmlische Regierung hasst Sünde und antwortet auf Sünde mit Gericht.

Sardis und Jaspis waren der erste und der letzte Edelstein auf dem Brustschild Aarons:

Sardis: 2Mo 28,17 Schl2000; BdF Fußn.; heb.: odäm; and. Übersetzungen haben „Karneol“; der Karneol ist ein Rubin;

Jaspis: 2Mo 28,20 BdF; Schl2000; heb.: jaschpeh; (n. d. Elbf.Üs. „Nefrit“), gleichsam das A und O der Herrlichkeit Gottes.

II: Rings um den Thron: Ein Regenbogen: 4,3M

„Und ein Regenbogen war rings um den Thron, …“

Hier lernen wir etwas von Gott und seinem Thron, seinen Herrschaftsprinzipien.

Der Regenbogen erinnert an Gottes Bund mit der Schöpfung (1Mo 9,8.17; Hes 1,28):

„… von Ansehen gleich einem Smaragd.“

Der grasgrüne Smaragd, eine sehr sanfte Farbe, erinnert an die Sanftmut Gottes im Schließen des Noah–Bündnisses. Wir dürfen wissen: Gottes Gerichte kommen von einem Gott der Gnade.

Für den Regenbogen – zwischen Himmel und Erde – braucht es eine Sonne, die durch das dunkle Gewölk wirkt. Der Himmel (Gott) durchwirkt das (dunkle) Irdische. Gottes Liebe durchdringt das Dunkel der Menschen. Gott selbst setzt Grenzen mitten im Gericht: Ins Zorngericht kommt nur der, der an der Erlösung vorbeigeht, Joh 5,24. Der Bogen verkündigt Frieden und erinnert an Gottes Treue. Der Glaube entdeckt in der finsteren Wolke (des Gerichtes v. Golgatha) den schönen Bogen der Gnade und Treue Gottes.

III: Rings um den Thron: Vierundzwanzig Throne mit vierundzwanzig Ältesten: V. 4

V. 4: „Und auf den Thronen sah ich die vierundzwanzig Ältesten sitzen, umkleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“

Gott delegiert Autorität. Er ist kein selbstsüchtiger Alleinherrscher, der niemanden an seinen Thron heranlässt, sondern will, dass die Seinen – in Christus – mitregieren, mitverwalten. Gott verleiht dem Menschen Autorität.

Manche meinen, die „Ältesten“ seien Engel; aber Engel können nicht Priesterkönige sein (1,6; 5,9.10). Der Name „Älteste“ deutet darauf hin, dass sie Menschen sind. Alter spricht von Reife und Weisheit. „Älteste“ sind in der Bibel immer menschliche Geschöpfe. Das Wort kommt über 280–mal im AT u. NT vor. (Vgl. 1Mo 50,7; 2Mo 3,16; 18,12; 24,1; Ps 107,32; Jes 3,2 u. a.; in Jes 24,23 sind „Stadtälteste“ gemeint, nämlich von dem verherrlichten Jerusalem, vgl. Klgl 2,10.)

Der Mensch ist Gottes Vizekönig. Gott gibt ihm Autorität. Jesus sagte zu Pilatus (Joh 19,11): „Du hättest keine Autorität über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.“

Welch wunderbare Regierung ist das! Sie ist bereit, Verantwortung an die Untertanen zu übergeben. Das tun irdische Regierungen üblicherweise nicht. – Gott weiß: Wachstum hängt davon ab, Untergebene lernen, Verantwortung zu übernehmen.

„… umkleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“

Weiß (griech.: leukos) ist in der Off, wenn es sich um Kleider handelt, ausschließlich die Farbe des Messias und der Seinen (3,4.5.18; 6,11; 7,9.13). Weiße Kleider wurden den Überwindern in 3,4 versprochen. Die weißen Gewänder sprechen von reinem Charakter und reinem Wandel.

Die Zahl 24 spielt wahrscheinlich auf die 24 Priesterklassen des AT an (1Chr 24). Andere meinen, sie sei ein Hinweis auf die Einheit alttestamentlicher und neutestamentlicher Gemeinde (12 Stämme; 12 Apostel; K. 7; 12; 21,12–14). Sicher ist: Die Ältesten, sitzend rings um den Thron, sind die Repräsentanten des Gottesvolkes.

„… und auf ihren Häuptern hatten sie goldene Kronen.“

Sie dürfen „das Land regieren“ (5,10). Sie thronen dort, wo der Regenbogen ist, d. h., Gott hält ihnen seinen Gnadenbund. Sie dürfen mit Gott regieren, weil Gott in seinem Gericht Grenzen gesetzt hat – denen, die in Christus Jesus sind.

Die wichtigste Frage, die wir über eine Regierung stellen können, ist: Wie denkt diese Regierung über den Wert des Menschen? Die kronentragenden Ältesten geben die Antwort. – Eine, die nicht tyrannisch ist, sondern ihre Autorität delegiert an die 24 Throne. Die Kronen sprechen von Regierungsautorität (4,10; 2,10; 3,11). Engel werden in der Ewigkeit nicht herrschen, auch nicht auf Thronen sitzen. Sie sind Diener, Hebr 1,13.14.

Was ist das für eine Regierung, von der solche Gerichte ausgehen? – eine, für die der Mensch von unendlichem Wert ist; eine, die den Menschen mitregieren lässt. Ein Thron für den Menschen – das war die ursprüngliche Bestimmung des Menschen und der Zweck der Erschaffung des Menschen (1Mo 1,26.27). Der Mensch, im Ebenbild Gottes geschaffen, ist gleichsam die Krone der Schöpfung. Der in Christus erneuerte Mensch darf nun seiner ursprünglichen Bestimmung nachkommen – als Gottes ewiger Vizekönig.

. Das Niederwerfen der Kronen (4,10) signalisiert das Bewusstsein ihrer Unwürdigkeit. Sie wissen, dass sie alles dem Lamm zu verdanken haben. Dennoch dürfen sie mitherrschen. Welch eine Gnade!

. Das Sitzen (Regieren) auf Thronen ist eine große Ehre: Keinem Engel wurde je erlaubt, in der Gegenwart Gottes zu sitzen. Die Engel stehen vor Gott, die Priester im AT ebenfalls (Hebr 10,11.12). Sie aber, als Erlöste in Christus, sitzen. Vgl. Eph 2,5.6.

Zu beachten ist, dass Johannes Bilder sieht. Auch wenn die 24 Ältesten das Volk Gottes repräsentieren, bedeutet dies nicht, dass es zu jenem Zeitpunkt (K. 4) keine Vertreter des Gottesvolkes mehr auf Erden gäbe. Johannes selber gehört zur Gemeinde und ist zu jenem Zeitpunkt, als er die 24 Ältesten sieht, noch nicht entschlafen oder verherrlicht.

→ Wir fragen uns: Wie stehe ich zu dieser Regierung? Lasse ich Christus ganz Herr sein?

IV: Aus dem Thron: Blitze, Donner und Stimmen: V. 5A

V. 5: „Und aus dem Thron gehen Blitze heraus und Donner und Stimmen.“

Alle Gerichte gehen von dem Thron Gottes aus.

Blitze, Donner und Stimmen (o.: Geräusche; o.: Donnerstimmen) sind Zeichen des göttlichen Gerichts (2Mo 19. Eine Erinnerung an den Exodus; Gottes Erscheinen am Sinai, als die Tempel-Ära begann).

Gott greift in seine Schöpfung ein.

V: Vor dem Thron: Feuerfackeln: V. 5

„Und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, die die sieben Geister Gottes sind.“

Die sieben Fackeln bringen den Heiligen Geist in Zusammenhang mit dem Thron.

Vor dem Thron scheint Licht, helles Feuer.

Paulus spricht von der Macht der Finsternis (Eph 6,12; Kol 1,12f.) In der Welt regieren die Mächtigen oft mit Geheimnistuerei. Doch Johannes sieht: Gott ist von Licht umgeben. (Vgl. Ps 104,2: „… du, der in Licht sich hüllt wie in ein Gewand“.)

Das Licht spricht auch von Wahrheit: Gottes Regierung ist eine, die für die Wahrheit ist. Dieser König lügt nie.

Die sieben Fackeln sind die sieben Geister, d. h., der eine Geist in sieben Eigenschaften (Vgl. Jes 11,2.) Gott sieht alles, was in der Welt vor sich geht. Es gibt keine dunkle Stelle vor seinen Augen (Hebr 4,13).

Die Zahl Sieben spricht von Fülle: Er ist ein Geist der Fülle und Vollkommenheit.

VI: Vor dem Thron: Ein gläsernes Meer:

V. 6A: „Und vor dem Thron war ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“

Das „Glas“ (gläserne Meer) spricht von Reinheit. Das Meer ist sonst unruhig, gefährlich, aber hier ist es völlig ruhig. – Gibt es eine Kraft, die das ungestüme Meer stillen kann? Jesus sagte (Mk 4,39): „Schweig still ‹und bleib so›.“

Das Meer ist eine Erinnerung an den Exodus, jenseits des Meeres von Ägypten (2Mo 15). Vgl. Off 15,2.

Auch wir erfahren das Toben des Meeres. Gibt es einen König, der das Toben stillen kann? Jesus schreitet auf den Wellen und offenbart seine königliche Autorität (Joh 6,19–21).

Das Waschbecken im Tempel wurde bezeichnet als das „eherne Meer“ (1Kön 7,23).

Gott wollte in Jerusalem regieren. Aber die Bewohner waren nicht rein. Daher war eine Waschung nötig: So kam der Herr, Jesus, um sein Volk zu waschen, damit es für Gottes Gegenwart und für das Mitregieren tauglich würde. (Vgl. Tit 3,4; Eph 5,25–27; 1Joh 1,7.) – Im Himmel ist das Meer „gläsern“. Es ist kein Waschen mehr nötig, aber eine Erinnerung daran, dass Jesus Christus uns für immer gewaschen hat. Vgl. Off 15,2.

VII: Inmitten des Thrones und rings um den Thron: Vier lebende Wesen: V. 6–8A

„Und inmitten des Thrones und rings um den Thron waren vier lebende Wesen, voll überdeckt mit Augen vorne und hinten.

Vier lebende Wesen – im Herzen des Thrones. Mitten im Thron ist LEBEN. – Welch ein Gott! Und diese Wesen preisen den LEBENDEN Gott, der da lebt in alle Ewigkeit.

– Wer sind diese Wesen? Wir sollten uns fragen, WAS sie sind, nicht WER und WIE sie sind. Sie sind LEBEND, und sie sind löwenstark, stierfest, menschenklug und adlerschnell.

Sie sind offensichtlich Engelwesen – wie die Cherubim. Vgl. Hes 1,5.18.22;10,14.

Sie strahlen das Wesen der göttlichen Regierung wieder. Diese ist stark, fest (beständig), weise und schnell handelnd.

Sie bewachen den Thron, wachen darüber, dass Gottes Heiligkeit nicht befleckt wird.

Sie tragen den Thron. Gottes Königsherrschaft ist getragen von seinen göttlichen Eigenschaften: seiner Kraft, Beständigkeit, Weisheit und Schnelligkeit.

Sie helfen – wie die Ältesten – die Offenbarung zu entfalten; sie treten daher im Buch der Off immer wieder auf.

Durch die vier Gestalten werden nicht die vier Evangelien dargestellt. Die vier Wesen sind nicht Bilder von dem Sohn Gottes, sondern sie stellen die Eigenschaften des göttlichen Thrones und des Regierenden dar. (Vom Sohn Gottes ist in K. 4 nicht die Rede, erst in K. 5.)

Vier „Regenten“ aus Gottes Schöpfung: der König der wilden Tiere, der König der Haustiere, der König des Landes und der König der Lüfte.

Was ist Gottes Königsherrschaft?

. Sie ist wie ein Löwe (Ri 14,18 „Und was ist stärker als der Löwe?“), stark (vgl. Off 18,8).

. Sie ist wie ein Stier, tragfähig, fest und beständig (vgl. die zwölf ehernen Rinder, Jer 52,20; 5Mo 33,17: „Sein ist die Majestät des Erstgeborenen seines Stieres; und Hörner des Wildochsen sind seine Hörner. …“)

. Sie ist wie ein Menschengesicht – weise und intelligent regierend (Spr 20,27; 30,2; 1Sa 2,3).

. Sie ist wie ein Adler – schnell (2Sa 1,23: „Saul und Jonathan … schneller als Adler …“; Jer 4,13). Gottes Regierung ist sofort handlungsfähig, sie ist überall gleichzeitig gegenwärtig.

Weitere Eigenschaften: 4,8

V. 8: „Und die vier lebenden Wesen, die ringsherum und innen voll überdeckt waren mit Augen, …“

Die Augen (Hes 10,12; Hebr 4,13) sprechen von Einsicht und Intelligenz. Leben entsteht durch göttliche Intelligenz. „Im Anfang war die Information“. Leben ist der Beweis von der Existenz einer höheren intelligenten Planers.

Die Augen sehen alles, daher wissen sie alles. Diese Augen sind stets wachsam auf Gott gerichtet (Ps 16,8). Sie sind „Leibwächter“ des Thrones Gottes, sind um ihn her, beschützen ihn gleichsam. (Auch uns – den Thron Gottes in unserem Leben – wollen sie beschützen)

„… hatten jedes sechs Flügel.“

Sie sind schnell, Gottes Befehle auszuführen.

→ Wir lernen: Auch wir heute sollen tun, was diese Cherubim tun: die Augen wachsam auf Ihn richten, Gott sofort gehorchen, die Befehle schnell ausüben, Ihm huldigen, ihn anbeten.

3. Die Anbetung des Thronenden: 4,8M–11

a. Anbetung durch die vier lebenden Wesen: 4,8M

„Und Tag und Nacht sagen sie ohne Pause: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott, der Machthaber über alles, der war und der ist und der kommt.’“

Was ist diese für eine Art Regierung (Thron)?
    • eine, die alles souverän in der Hand hat 4,2
    • eine, die würdevoll ist 4,2
    • eine, die überaus kostbar ist 4,3
    • eine, die in Gnade handelt und in Treue zu dem Bund 4,3
    • eine, die Autorität an den Menschen delegiert 4,4 (d. h.: der Mensch hat einen sehr großen Wert)
    • eine, die dem Menschen einen unendlichen Wert beimisst 4,4; 5,10
    • eine, die für die Wahrheit ist und in Wahrheit spricht und handelt (Licht) 4,5
    • eine, die für das Leben ist 4,6–8; 4,9.11; 5,9
    • eine, die heilig, heilig, heilig ist – rein und daher gerecht
    • eine, die stark, beständig, weise und schnell ist (4,6–8)
    • eine, die alles sieht (4,6–8)
    • eine, der die Herrlichkeit und die Macht gebührt
Allgemeines über Anbetung (Huldigung):

. Anbeten ist Bekennen. Man spricht zu Gott über Gott. V. 8M

„Und Tag und Nacht sagen sie ohne Pause: ‚Heilig, heilig, heilig …’“

Es besteht kein Gegensatz zwischen Leben und Heiligsein.

Wie falsch liegt der, der denkt: „Ich will leben, ohne Gott.“ Sünde verdirbt das Leben. Sie tötet. Wer auf Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten (Gal 6,8).

„… ist der Herr (Adonai), Gott (Elohim), der Machthaber über alles (El Schaddai), der war und der ist und der kommt.’“ Vgl. Jes 6,2.3. Jahweh ist der ewig Seiende.

Diese Offenbarung ist eine große Ermutigung für die Gemeinde in den Tagen ihrer schweren Existenz.

. Anbeten ist Geben an Gott. V. 9A. Wir bringen ihm etwas.

„… jedesmal, wenn die Lebewesen Herrlichkeit und Ehre und Dank geben werden dem …“

. Anbeten ist getragen vom Danken und Loben. V. 9

Unterschied zwischen danken und loben:

Dank ist Erkenntlichkeit. Dabei ist ein Bezug zu dem, der dankt vorhanden. Dadurch unterstellt sich der Dankende dem, dem er dankt. [Z.B.: Ich danke dir, dass du den Tisch sauber gedeckt hast. D.h. ich habe etwas davon, bin in irgendeiner Weise davon positiv betroffen.]

Weil das Moment der Unterordnung vorhanden ist, ist es undenkbar, dass Gott einem Menschen dankt oder zu Dank verpflichtet sei. [Lk 17,9, Der Sklavenherr dankt seinem Sklaven nicht!] Griech: charin echein (Gnade/Dank halten) oder eucharistein (danken)

Lob ist Anerkennung einer Tat, Gabe oder Eigenschaft dessen, der gelobt wird. Damit wird der, der gelobt wird, erhoben. Beim Lob ist – im Gegensatz zum Dank – nicht notwendigerweise ein Bezug zum Lobenden vorhanden und daher auch nicht notwendigerweise eine Unterordnung des Lobenden unter den Gelobten. Daher ist es auch möglich, dass Gott einen Menschen lobt (z.B. Rm 2,29; Mt 25,21.23; Lk 16,8), sogar ehrt („ehren“ ist noch stärker als „loben“): 1Sa 2,30; Joh 12,26.

Man Lobt eine Person für

. ihre Handlungen,

. für ihr Wesen/ ihre Eigenschaften,

Man DANKT einer Person für

. ihre Handlungen

. für ihre Gaben

. aber NICHT für ihr Wesen / ihre Eigenschaften.

[Nb.: Ich danke dir für deine Liebe, heißt: für deine Liebestaten.]

. Anbetung ist getragen von gründlichem Nachsinnen über Gott. V. 9

. Anbeten fließt heraus aus dem Nachsinnen über Gottes Wort und über Gott: sein Wesen seine Taten und seine Gaben. V. 9

Wahre Anbetung geschieht mit Verständnis. Anbeten ist nicht stereotype Wiederholung von bestimmen Formeln oder Sätzen oder von bestimmten Liedversen.

Die Ältesten erklären in der Off stets, warum sie anbeten. Geistliche Einsicht, nicht stereotypes Wiederholen von Phrasen.

V. 9: „Und wenn die lebenden Wesen Herrlichkeit und Ehre und Dank geben werden …“

. Der Vers 9 – mit V. 10 – ist eine Anmerkung des Joh. Doch scheint er hier nicht eigene Gedanken weiterzugeben.

„… dem, der auf dem Thron sitzt, der in alle Ewigkeit lebt …“

. Diese Anbetung ist etwas Anhaltendes, eine Lebenshaltung.

V. 8: „… ohne Ruhe, Tag und Nacht …“

V. 9: „… wenn die lebenden Wesen … geben werden …“

. Anbeten ist Huldigen (V. 10)

Das drückt sich u. a. durch die Körperhaltung aus: Niederfallen. V. 9

b. Die Anbetung durch die vierundzwanzig Ältesten: 4,9–11

V. 9: „Und wenn die lebenden Wesen geben werden Herrlichkeit und Ehre und Dank dem, der auf dem Thron sitzt, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, 10 werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt. 11 ‚Würdig bist du, Herr, zu empfangen die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft, weil du alle Dinge schufst, und wegen deines Willens sind sie da und wurden sie geschaffen.’“

Was ist dein Wert – angesichts dieses Thrones? – Du bist wertvoller als die gesamte materielle Schöpfung. Du wirst noch Millionen von Jahre leben.

Die Anbetung selber: 4,10

V. 10: „… werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt. Und sie huldigen dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, und werfen ihre Kronen vor dem Thron nieder und sagen:

. Sie Ältesten geben dem Herrn Seine Herrlichkeit.

Geben i. S. v.: zusprechen. Sie geben ihm den Ruhm. Sie sprechen zu ihm von ihm und von der Erhabenheit und Schönheit seiner Herrlichkeit

. Und sie geben dem Herrn ihre eigene Herrlichkeit (die Gott ihnen geschenkt hat), ihre Krone. Sie ist ihnen nicht wichtig. Sie werfen auch diese Ihm zu Füßen; sie wissen, dass sie alles, was sie sind und haben durch Ihn sind und haben.

Nichts, was von uns selbst kommt, kann vor Gott irgend einen Wert haben. Nur das, was er (durch uns und/oder andere) wirkt, hat Bestand.

Das Gebet: 4,11

V. 11: „Würdig bist du, Herr, zu empfangen die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft, …“

Gott ist die Quelle der Kraft. Wie kommt es, dass Gott hier Kraft „empfängt“? – Er bekommt von den Seinen die Anerkennung, dass Er der Kräftige ist, von dem alle Kraft kommt. Sie sagen ihm Dank dafür, dass er alle Kraft hat. Und Gott „empfängt“ von uns Kraft, indem wir uns ihm willig und völlig ausliefern. Dann kann er uns verwenden – zu seiner Ehre und Machtvermehrung; denn, je mehr ich ihm von mir „gebe“, desto größer wird sein Herrschaftsbereich in mir. Denn Gott will mich freiwillig. In seiner großen Liebe zwingt er mich nicht.

Die Begründung (Gott will, dass wir begründen, warum wir ihn anbeten)

Gott, du bist es würdig, in seiner ganzen Schöpfung die Herrlichkeit und Ehre aller seiner Geschöpfe in Empfang zu nehmen; und du bist würdig, über sie alle Macht zu empfangen,

V. 11: „… weil du alle Dinge schufst, …“

Jedes Geschöpf, jedes noch so kleine Detail, ist für Gott da, zu seiner Ehre. Liest man 1Mo 1 und 2, könnte man meinen, Gott habe Schöpfung für den Menschen gemacht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit:

„… und wegen deines Willens sind sie da und wurden sie geschaffen.“

Wir sollen daher alles Geschaffene entsprechend diesem Wissen behandeln. Und ich selbst soll nun für ihn da sein.

„Wegen deines Willens“, d. h., a) weil du es wolltest und b) weil du das Ziel von allem bist: „für deinen Willen“; alles ist geschaffen worden, mit dem Ziel, ihm zu Willen zu sein. Auch ich. Ich bin geschaffen, damit Gott durch mich seinen Willen bekommt. Er gebraucht mich als Freiwilligen, der sich täglich ihm zur Verfügung stellt. Das ist der Sinn meines Daseins: ihm zu Willen zu sein.

Weil nun aber der Mensch sich und seine Umwelt nicht Gott zur Verfügung stellt, muss Gott richten, bzw. durch Warngerichte um den Menschen werben.

Die Antwort auf die Frage „Warum Gericht?“ ist also: Weil der Mensch Gott nicht auf den Thron lässt, nicht über sein eigenes Menschenleben regieren lässt.

Auf diese Weise beraubt der Mensch Gott Seines Thronrechts.

In K. 5 werden wir lesen, dass ein Teil der Würde Gottes in dem besteht, was er für uns getan hat und zu was er uns gemacht hat. Er gab seinen Sohn für uns hin. Die teuerste Münze im Weltall ist für dich und mich bezahlt worden!

Er tat dies, um uns für sich zu Königen und Priestern zu machen.

Lassen wir ihn Herr sein in unserem Leben!

In einem Lied heißt es:

„Was könnte Gott aus deinem Leben machen,

wenn du ihn nur Herr sein ließest ganz und gar.

Vertrau dich ihm an, und du wirst sehen,

und du wirst sehn, der Herr führt wunderbar.

Es wird erzählt, dass Felix Mendelssohn, der große Komponist, einmal nach Freiburg kam, um sich im Münster die große Orgel anzusehen. Der alte Küster, nicht wissend, wer vor ihm stand, verweigerte ihm zuerst die Erlaubnis, auf dem Instrument zu spielen. Schließlich erklärte er sich widerstrebend bereit, ihn ein paar Takte spielen zu lassen. Mendelssohn nahm auf der Orgelbank Platz, und schon brach brausend die herrlichste Musik aus dem königlichen Instrument hervor.

Der Küster war sprachlos vor Staunen. Er kam heran und fragte den großen Musiker nach seinem Namen. Als er hörte, wen er vor sich hatte, stand er tief betroffen da und machte sich Selbstvorwürfe. „Wie konnte ich Ihnen nur die Erlaubnis zum Spielen auf dieser Orgel verweigern!“

Jesus ist es, der unser Leben in die Hand nehmen und darauf „spielen“ möchte. Wir wollen es ihm erlauben! Er wird unseren Herzen eine himmlische Musik entlocken, wenn wir uns ihm ausliefern.

(aus: www.auftanken.de )

4. Das Gesicht von der Buchrolle und vom Lamm: 5,1–14

a. Die Buchrolle in der Hand des Thronenden: 5,1

Gott ist der Gott der Heilsgeschichte.

5,1: „Und ich sah auf der Rechten dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und auf der Rückseite beschrieben, versiegelt mit sieben Siegeln.“

Die Buchrolle war auf seiner Rechten, lag auf der Tat–Hand Gottes. (Vgl. Ps 118,15).

„… innen und auf der Rückseite beschrieben, …“

– brechend voll mit Inhalt.

„…versiegelt mit sieben Siegeln.“

Ganz und gar verschlossen, siebenfach. Die Siegel sind an der Außenseite der zusammengerollten Buchrolle in einer Reihe befestigt. Alle sieben Siegel mussten aufgebrochen werden, ehe die Rolle geöffnet werden konnte.

Wichtige Bücher waren mit mehreren Siegeln versiegelt. Ein Geldbrief, beispielsweise, war mit fünf Siegeln versiegelt. Buchsiegel waren üblicherweise an der Außenseite der zusammengerollten Buchrolle in einer Reihe befestigt. Alle Siegel mussten aufgebrochen werden, ehe die Rolle geöffnet werden konnte.

Der Ausleger Zahn weist darauf hin, dass die siebenfache Versiegelung beweist, „dass das Büchlein als ein in den Formen menschlichen Rechts abgefasstes Testament vorgestellt werden sollte.“

(Zahn beruft sich auf den Juristen E. Huschke (in E. Huschke, Das Buch mit sieben Siegeln in der Offenbarung St. Joh 5,1ff., Leipzig u. Dresden, Just. Naumaun 1860): Nach römischen Recht musste „das so genannte Prätorische Testament eigenhändig vom Testator geschrieben, von ihm selber und mindestens 7 römischen Bürgern als Zeugen unterschrieben und von ihm und sämtlichen Zeugen von außen versiegelt und zur Seite der Siegelabdrücke durch nochmalige Namensunterschrift beglaubigt werden. Selbstverständlich haben römische Bürger auch außerhalb Roms und in den Provinzen diese vergleichsweise bequeme und für besonders sicher geltende Form des Testaments gewählt. Wenn wir die Beobachtung dieser gesetzlichen Vor­schriften vor allem durch Papyrusurkunden aus Ägypten bestätigen können, wo von der Ptolemäerzeit her einheimische, griechisch–macedonische Rechtsgebräuche sich bis in die römische Zeit behauptet haben, so muß man folgern, dass in dem Ursprungsland der Ap [Apokalypse], welches viel früher als Ägypten römische Provinz geworden ist, auch römisches Recht lange vor der Abfassungszeit der Ap Heimats­recht geworden ist. Finden wir doch auch in ägyptischen Ur­kunden des 2. Jahrhunderts n. Chr. die Voraussetzung deutlich ausgesprochen, dass die 7fache Siegelung der Testamente eine ge­meingültige, jedenfalls für römische Bürger in allen Provinzen des römischen Reiches verbindliche sei“ (Theodor Zahn, Kommentar zur Off, S 340f.)

b. Der starke Engel und die Frage nach der Öffnung der Buchrolle: 5,2–5

5,2: „Und ich sah einen starken [himmlischen] Boten: Mit großer, ‹lauter› Stimme rief er aus: ‚Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?’“

Wir erfahren in V. 12, dass der, der würdig ist, das Buch zu öffnen, derjenige ist, dem die Macht und Herrlichkeit und Ehre gebühren. („Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu nehmen die Kraft – und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob!“)

Eines der großen Themen der Off ist die Antwort auf die Frage: Wem gehören alle Macht und alle Herrlichkeit? Wer ist es, der die Welt erben und in alle Ewigkeit regieren wird? – Wer die Buchrolle öffnen kann, ist Herr über die Geschichte.

Die negative Antwort: Niemand. 5,3

„Und nicht einer im Himmel noch auf dem Land (o.: auf der Erde) noch unter dem Land (o.: unter der Erde) vermochte das Buch zu öffnen noch auch es anzusehen.“

Dreimal: nicht einer!

„Unter dem Land“ bzw. „unter der Erde“ sind die Toten; da ist der Hades, und da sind alle, die im Hades sind.

Die Reaktion des Johannes: 5,4

„Und ich, ich weinte viel, weil nicht einer für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und zu lesen noch es anzusehen.“

Nicht nur Johannes weinte. Millionen haben geweint! Ein Fluch liegt auf dem Land. Und viele fragten sich: Warum schweigt Gott?

Wenn nicht einer würdig ist, die Buchrolle zu öffnen, wie wird es weitergehen? Wird es ein endloser Zyklus von sinnlosem Leid, Siegeszügen, Krieg, Hunger und Tod? Sollte die Geschichte aus endlosen Teufelskreisen von Enttäuschungen, leeren Worten und Fluch bestehen? Schweigt Gott für immer?

Kein Wunder, dass Johannes weinte. Nun bekommt er die Antwort: Das Geschehen von Golgotha war das Schlüsselereignis. Und das Lamm von Golgotha ist der einzig Würdige.

Weinend wurde dieses Buch geschrieben; und Weinenden gibt es seine kostbaren Schätze preis.

Die positive Antwort: Der Löwe: 5,5

„Und einer von den Ältesten sagt zu mir: ‚Weine nicht! Siehe! Der Löwe überwand, der, der aus dem Stamme Juda ist, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu lösen.’“

Der starke Löwe hat gekämpft – und hat gesiegt. Der Vollender der Weltgeschichte ist ein Königlicher, nicht nur „aus“ dem Hause Davids, sondern er selbst ist die „Wurzel“ Davids. David kommt letztlich von Ihm her. Er ist Davids Herr.

c. Das Lamm in der Mitte des Thrones: 5,6.7

Und Johannes dreht sich, um nach dem Löwen zu schauen. Johannes sieht etwas anderes, als was er hörte:

V. 6: „Und ich sah, und – siehe! – in der Mitte des Thrones und der vier lebenden Wesen und in der Mitte der Ältesten [war] ein Lamm; es stand; wie geschlachtet. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen die sind die sieben Geister Gottes, die ausgesandt worden sind zur ganzen Erde.“

Ein Lamm (eigtl.: Lämmlein)! Der Inbegriff von Schwachheit. Nichts ist schwächer als ein geschlachtetes Lamm. So tief erniedrigte sich der Gottessohn. Ps 22,16: „… in den Staub des Todes legst du mich.“

Die 7–fache Beschreibung des Lammes:

. Es war in der Mitte des Thrones und der 4 lebenden (Wesen) und der 24 Ältesten.

. Es stand.

. Es war wie geschlachtet.

. Es hatte sieben Hörner.

. Es hatte sieben Augen (sieben Geister).

. Es kam.

. Es nahm das Buch.

„… in der Mitte des Thrones und der vier lebenden Wesen und in der Mitte der Ältesten“:

Das Lamm war im Zentrum des Zentrums des himmlischen Thronsaals.

Wie Jesus Christus auf Erden in der Mitte der Gemeinde ist (1,13; 2,1), so ist er auch Himmel in der Mitte der Gemeinde. Als er starb, war er in der Mitte (Joh 19,18), ebenso als Auferstandener (Joh 20,19.26). Und in alle Ewigkeit wird er in der Mitte bleiben (5,6; 7,17).

„Es stand.“

Das Lamm stand da, bereit zum Handeln. Er hat einmal gekämpft – und gesiegt. Er wird kein zweites Mal kämpfen. Auf Golgotha wurde der Ausgang der Geschichte entschieden.

Der Himmel steht offen, Herz, weißt du warum? –

Weil Jesus gekämpft und geblutet, darum.

„Wie geschlachtet [sah es aus].“

Auf dem Lamm ruht meine Seele, betet voll Bewund’rung an,

alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweg getan.

Johannes sieht noch die Spuren der Schlacht. So viel Mühe haben wir ihm bereitet mit unseren Sünden! Seine Wunde bleibt sichtbar – als eine ewige Erinnerung für die Seinen.

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

der Welt und ihrer Kinder,

es geht und traget in Geduld

die Sünden aller Sünder:

es geht dahin wird matt und krank,

ergibt sich auf die Würgebank,

entsaget allen Freuden;

es nimmt auf sich Schmach Hohn und Spott,

Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod

und spricht: Ich will’s gern leiden.“

(Paul Gerhard)

Das Lamm wird in der Off dargestellt als geschlachtet (5,6), angebetet (5,8.12.13), zornig (6,17), reinigend (7,14), weidend (7,17), vorangehend (14,4), richtend (14,10), siegend (17,14), fröhlich (19,7), gegenwärtig (21,12), leuchtend (21,23), regierend (22,3). Das Lamm – auf Jesus Christus bezogen – kommt in der Off 28–mal vor (4–mal sieben), das Tier hingegen 36–mal (6–mal sechs).

„Es hatte sieben Hörner, …“

Das schwache Lamm (2Kor 13,4) hat die Fülle der Kraft (1Kor 1,22–25). Es ist allmächtig.

„… und es hatte sieben Augen, die sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt zur ganzen Erde.“ (Vgl. Spr 15,3; 2Ch 16,9.)

Das Lamm sieht vorwärts, rückwärts, aufwärts, abwärts, linkswärts, rechtswärts und innenwärts, und das alles gleichzeitig. Ihm entgeht nichts, auch kein Anschlag des Feindes.

Wer viel sieht, weiß viel: Das Lamm hat die Fülle der Weisheit (1Kor 1,22–24). Es ist allwissend.

Der Auftritt des Lammes: 5,7

„Und er kam; und genommen hat er das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Thron sitzt.“

Wer ist der Erbe der Welt? Wer wird alles erben? Wem gebühren die Herrlichkeit und die Macht? – Dem, der aus Davids Geschlecht kommt und zugleich Davids Wurzel (Jes 11,1; Off 22,16) ist.

Er darf und kann alles zur Vollendung bringen. Er wird alles erben – und diejenigen, die überwinden, werden mit ihm erben (21,7).

d. Die Anbetung des Lammes: 5,8–14
Das Lied der 4 Lebewesen und 24 Ältesten: 5,8–10

Der Zeitpunkt des Singens: 5,8.9A:

„Und als er das Buch nahm, fielen die vier lebenden Wesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; und sie hatten, ein jeder, eine Harfe und goldene Schalen, gefüllt mit Räucherwerk. Die sind die Gebete der Heiligen.“

Die Worte „und sie hatten“ muss sich auf die letztgenannten, die 24 Ältesten, beziehen, da die vier lebenden Wesen nicht Menschen sind und nicht von ihrer eigenen Erlösung singen können.

V. 9: „Und sie (die Ältesten) singen ein neues Lied: ‚Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen, weil du geschlachtet wurdest und uns für Gott erkauftest mit deinem Blut – aus jedem Stamm und [jeder] Sprache und Volksschar und [jedem] Volk.’“

Singen macht Aussagen feierlich. Wenn man das, was man sagen will, singt, stellt man es in feierlicher Form dar. Es wird unterstrichen. Gesungenes und Gespieltes betonen den Inhalt, die Worte. Musik sollte die Worte betonen und zur Feierlichkeit kommen lassen. Musik und Gesang sollen im Zeichen des Aufbauens und der Feierlichkeit geschehen, sollen nicht so sein, dass fleischliche Gefühle angesprochen werden. Sie dürfen nicht zerschmettern. Der Rhythmus darf nicht überbetont werden. Musik und Gesang waren seit je nicht als Dauerkulisse und Hintergrundlärm gedacht. Dadurch würden sie – durch die Gewöhnung – das Feierliche verlieren und die Bedeutung der Worte würden inflationiert. Wenn man ständig Gesang hört, hört man mit der Zeit nicht mehr wegen der Worte, sondern wegen der Gefühle und der Stimmung, die man während des Hörens hat. Das war aber nicht gottgegebene Sinn von Musik und Gesang.

„Der Wortlaut des Liedes: 5,9.10

„Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen“

Dem Lamm, Jesus Christus, gehört die Zukunft – aus drei Gründen:

a) weil er etwas für uns tat:

„weil du geschlachtet wurdest“

Er wurde das Sündopfer für uns. Er war aus königlichem Stamm, kämpfte wie ein Löwe, ließ sich für uns schlachten wie ein Lamm.

b) weil er etwas für Gott tat:

„… und uns[4] für Gott erkauftest mit deinem Blut – aus jedem Stamm und [jeder] Sprache und Volksgruppe und [jedem] Volk …“

Vgl. 14,3.4; Eph 1,7; 1Kor 7,23; Hebr 9,12.14; 1Petr 1,18.19.

Er erwarb uns für Gott. Wir sind Christi Geschenk an Gott. Nun hat Gott ein doppeltes Anrecht auf uns – per Schöpfung und per Loskauf (Erlösung)

c) weil er den Erlösten eine besonderes Los gab: 5,10:

„… und uns machtest zu Königen und Priestern für unseren Gott, und wir werden ‹als Könige› herrschen auf dem Land.’“

Priesterkönige für Gott „auf dem Land“ (o.: auf der Erde). Dieser Ausdruck ist nicht so zu verstehen, dass das Gottesreich ein irdisches ist. Die Heiligen haben auf Erden keine bleibende Stadt (Hebr 13,14), sie suchen die himmlische, das neue Jerusalem.

Wo wird Jesus Christus in alle Ewigkeit regieren? – Im Himmel: 2Tim 4,18; 1Kor 15,50. Abraham wartete auf eine himmlisches Vaterland, ein himmlisches „Israel“ (Hebr 11,10–16); der Lohn der Heiligen ist im Himmel (Mt 5,12), ihr Schatz ebenfalls (Mt 6,19.20).

Die Heiligen sind Priester und Könige (Off 1,6) dort, wo sie mit Christus ewiglich herrschen werden (22,5) – vor dem Thron (7,15–17; vgl. 3,12.13).

Wenn in Off 5,10 der Ausdruck „auf dem Land“ bzw. „auf der (o. über die) Erde“ steht, kann nicht die diesseitige Welt gemeint sein.

Im Griech. steht der Begriff gee, „Erde“ bzw. „Land“. Da ist vorerst nicht eindeutig, ob das jenseitige (himmlische) oder das diesseitige (irdische) „Land“ („Erdland“; „Landgebiet“) gemeint ist. Doch das übrige NT macht klar, dass die Hoffnung des Christen nicht eine irdische (diesseitige) ist.

Phil 3,19.20A: „…, deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch und bei denen die Herrlichkeit in ihrer Schande ist, die auf Irdisches sinnen; denn unsere bürgerliche Heimat hat ihren Bestand in den Himmeln …“ Beachten wir die Gegenüberstellung: von „auf Irdisches sinnen“ (V. 19) und „unsere bürgerliche Heimat hat ihren Bestand in den Himmeln“ (V. 20). Im gesamten NT ist die Hoffnung der Christen eine „himmlische“. „Jene Welt“ (Lk 20,33–36) ist diejenige, wo man nicht heiratet.

Off 5,10 scheint sich auf jenes „Land“ zu beziehen, von dem später in Off 21 die Rede ist: das neue Land mit dem neuen Himmel, das neue Jerusalem, das neue und ewige Königreich.

Dasselbe Phänomen haben wir in Mt 5,5: Sie werden „das Land (bzw. „die Erde“) erben. Welche „Erde“? Welches „Land“? Ps 37 (worauf der Herr anspielt) macht es klar. Es geht um die israelitische Hoffnung. Der Hebräerbrief lehrt, wo die (israelitische, alttestamentliche) Hoffnung erfüllt wird (Hebr 4,1ff.; 6,11ff.; 11,10–16; 12,20.28; 13,14).

In Hebr 1,6 und 2,5 wird der Begriff „Weltreich“ (o.: Imperium; Festland; bewohnbares Land; griech. oikoumenee) verwendet

Diese Welt/Weltzeit – jene Welt/Weltzeit. Lk 20

irdisch gesinnt – himmlische Heimat. Phil 3

Vaterland hier – himmlisches Vaterland Hebr 11,14.16

Seelisch (natürlich) – Geistlich 1Kor 15,44–46

die Erdigen – die Himmlischen 1Kor 15,48

das jetzige Leben – das künftige Leben 1Tim 4,8

unten (von dieser Welt) – oben (nicht von dieser Welt) Joh 8,23

diese Welt, „hier“ – „mein Königreich ist nicht von dieser Welt“, Joh 18,36; „im Haus meines Vaters“ Joh 14,1–3; vgl. 17,24.

Das Erbe der Heiligen ist im Licht, sie sind versetzt in das Königreich des Sohnes seiner Liebe: Kol 1,12.13; die Hoffnung ist „in den Himmeln“, Kol 1,5.

Gott nahm den Christus in die himmlische Bereichen, Eph 1,20 und setzte die Seinen „zusammen mit ihm in den himmlischen Bereichen“ Eph 2,6.

Anwendung:

Die wichtigste Frage, die wir über eine Regierung stellen können: Wie denkt diese Regierung über den Wert des Menschen? Habe ich als Bürger einen Wert für diese Regierung? Die meisten Regierungen auf Erden sehen dazu, dass die normalen Bürger außerhalb der Regierung bleiben. Gott hat seine Knechte, die normalen Bürger seines Königreiches, in seine Regierung aufgenommen (Off 5,10; 1,6; 2,26.27; 22,5). Wir wollen ganz zu dieser Regierung stehen und den Herrn der Herrlichkeit als König in unserem Leben herrschen lassen (Rm 6,12–14).

Das Gebet der Engel (zusammen mit den Lebewesen und den Ältesten): 5,11.12

Die Betenden: 5,11

„Und ich sah, und ich hörte die Stimme vieler [himmlischer] Boten um den Thron her und [die Stimme] der lebenden Wesen und der Ältesten und [die Stimme] von Tausenden mal Tausenden, die sagten mit großer, ‹lauter› Stimme:“

Der Wortlaut des Gebets: 5,12

„‚Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu nehmen die Kraft – und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob!’“

Niemand sonst hat Anspruch auf Reichtum, Kraft, Weisheit, Ehre. Jesus Christus gehören sie und ihm gebühren sie. Die einzige vernünftige Antwort auf das Evangelium ist, ihm mein ganzes Leben zu geben: meine Kraft, mein Reichtum, meine Weisheit, meine Stärke (Lebensenergie, Gesundheit); meine Ehre , meine Herrlichkeit, mein Lob.

Darf jemand sagen: „Herr, dir gehört NICHT mein Reichtum, NICHT meine Kraft, NICHT mein Lob“? – Jesus Christus hat das Recht, mir das alles zu nehmen (ohne dass ich klagen dürfte). Der Herr Jesus hat auch das Recht, mir das alles zu erhalten, –so lange, wie er will.

Alles, was ich tue, darf ich zur Ehre Gottes tun (1Kor 10,32);

Alles, was ich tue, darf ich im Namen Christi tun (Kol 3,23);

Alles darf ich aus Liebe zu Christus tun (1Kor 16,14),

Das Gebet jedes Geschöpfes im Himmel auf Erden und unter der Erde: 5,13.14

„Und jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist – was es [an Orten] gibt und alles, was in ihnen ist –, hörte ich sagen: ‚Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm ‹gebühren› in ‹alle› Ewigkeit das Lob und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht!’

Und die vier lebenden Wesen sagten: ‚Amen!’ Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und huldigten dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt.“

B. Die Öffnung der ersten sechs Siegel 6,1–17

Einleitendes

Zuerst einiges über den Aufbau der Abschnitte über die Siegel, Posaunen und Schalen:

Die Siebenerreihen (K. 6; 8–11; 16) sind jeweils so aufgeteilt, dass sie jeweils halbiert werden: 4 – 2 – 1; d. h. die Elemente 1–4 haben etwas gemeinsam, ebenso die Elemente 5 und 6; das siebente steht gesondert.

4 Siegel: 1–4 sind eine Einheit (Sieg, Krieg, Hunger, Tod)

4 Posaunen: 1–4 sind eine Einheit (Erde, Meer, Wasser, Sonne/Gestirne)

4 Schalen: 1–4 sind eine Einheit (Erde, Meer, Wasser, Sonne)

Dann wer­den die vier in die Hälfte geteilt: 2

2 Siegel: 5 und 6 sind eine Einheit (Märtyrer, Kosm. Erschütterungen bzw. Verfinsterungen)

2 Posaunen: 5 und 6 sind eine Einheit (Verfinsterung, Euphrat)

2 Schalen: 5 und 6 sind eine Einheit (Verfinsterung, Euphrat)

Die zwei werden wieder in die Hälfte geteilt: 1

1 Siegel: Das siebente Siegel („Schweigen“)→ aufgeteilt in sieben Posaunen.

1 Posaune: Die siebente Posaune: („…sind geworden!“, „… ist gekommen!“) → sieben Schalen.

1 Schale: Die siebente Schale („Es ist geschehen!“) wird nicht aufgeteilt.

Zwischen jedem 6. und 7. Element ist ein Einschub.

a. Allgemeines zu K. 6:

Off 6 spricht von Ereignissen, die „in Kürze“ und „bald“ geschehen würden, sie waren zeitlich „nahe“ (Off 1,1.3). Der Seher steht unmittelbar vor der Felskante der Krise, auf die der Herr seine Jünger in Mt 24 (Parallele: Lk 21,20ff.) vorbereitet hatte.

In Mt 24,29 wird die Parusie (Ankunft) des Herrn mit der Zerstörung Jerusalems in Verbindung gebracht. Die Parusie kommt unmittelbar nach der Bedrängnis jener Tage. Vgl. Mk 13,24: „In jenen Tagen, nach jener Bedrängnis …“

Johannes wusste – und zwar zu seiner Zeit (in den Sechzigerjahren, als er den Brief schrieb): Es ist die „letzte Stunde“ (1Joh 2,18). Johannes hat die Ölbergrede persönlich gehört. Nun – in der Off – sah er die Erfüllung des Geweissagten in einer Vision. Die Sturmwolken der göttlichen Rache ballten sich zusammen über seinem Land, seinem Volk, seine Stadt Jerusalem und den Tempel. Die Stunde des Endes hat sich genähert (1Petr 4,7). Das Ende des alttestamentlichen Zeitalters, das Ende der mosaischen Haushaltung ist gekommen.

Wir lernten in Off 5: Jesus Christus ist der, dem Israels Zukunft gehört. Die Siegel beschreiben den Weg zur Vollendung des israelitischen Königreiches Gottes. Der Erbe bricht die Siegel.

Der, der würdig ist, das Buch zu öffnen (5,9), ist würdig, alle Macht und Herrlichkeit zu erhalten. Das ewige Königreich „Israel“ gehört Jesus Christus. Er, der Erbe, er bricht die Siegel. Nach dem Öffnen des siebten Siegels, erst dann, ist die Buchrolle offen. Vor diesem Zeitpunkt geschieht in Israel eine Invasion fremder Heere: jemand zieht aus „siegend und um zu siegen“, zu erobern. Darauf folgt Blut, Hunger und gewaltsamer Tod in dem Lande. Die Knechte Gottes, die sich dem Messias anschließen, das wahre Israel, die werden geschlachtet. Danach kommt die Antwort des zornigen Lammes.

Die vier Pferde bzw. Reiter: Es reiten die Vier zwar hintereinander, aber sie sind thematisch eng miteinander verbunden.

In K. 6 geht es nicht um einen konkreten Zeitplan. Das Entscheidende ist nicht der Zeitpunkt des Öffnens, sondern vielmehr die Botschaft, die vermittelt werden soll. Die Reiter sind Repräsentanten. Nicht die Person ist wichtig, sondern das, was sie darstellen. Sie stellen dar: Sieg (Eroberungen), Kriege, Hunger, Tod (d. h.: gewaltsames Sterben).

Erst nach dem Öffnen des siebten Siegels ist die Testament–Rolle offen. Die Siegel 1–6 zeigen, was im Land geschehen wird, ehe das Königreich Christi aufgerichtet wird und die Seinen, die wahren Knechte Gottes, das Erbteil antreten.

Die ersten vier Siegel stellen Krieg dar, und was damit verbunden ist: Siegreiche Kämpfe eines großen Eroberers, Gegenseitiges Abschlachten, Hunger, Tod (durch Schwert, Seuchen, Hunger und wilde Tiere).

In der Vision von den vier Reitern (Siegel 1–4), ist zu beachten, dass nicht wichtig ist, wer auf den Pferden sitzt, sondern das, was mit dem jeweiligen Bild dargestellt wird. Die Farbe der Pferde und die Geräte, die die Reiter haben und die kurzen Kommentare geben genügend Hinweise:

1. Bild: die Farbe weiß, der Bogen (die Fernwaffe, die Waffe für den großen Krieg), die Krone (Herrschaft) – sie stellen ein gewaltigen Siegeszug dar, Eroberung im großen Zuge.

2. Bild: die Farbe feuerrot (kriegerisches Rot, wie 12,3), das große Schwert, das Wegnehmen des Friedens, das gegenseitige Abschlachten, das Blutvergießen – sie stellen die kleinen Kriege dar, den Nahkampf, den Bürgerkrieg dar.

3. Bild: die Farbe schwarz (Trauer), die Waage, die Teuerung – sie stellen wirtschaftliche Not dar, Hunger.

4. Bild: die Farbe fahl (Leichenfarbe), das Reiten des Todes und des Hades (d. h.: des Bereiches der Toten; des Ortes, wo die Toten hinkommen) stellt gewaltsames Sterben dar, ein Viertels des Landes (d. h.: der Bevölkerung des Landes). Es werden die vier bekannten alttestamentlichen Plagen genannt (Hes 14,21); Tod durch Schwert, Hunger, Seuchen (w.: Tod; i. S. v.: Seuchentod) und durch die wilden Tiere.

Die vier Elemente (der Siegel 1–4) kommen auch in Mt 24,6–8 (vgl. Lk 21) vor: „Ihr werdet aber hören von Kriegen und Kriegsgerüchten. Seht euch ‹stets› vor! Seid nicht beunruhigt! – denn es muss alles geschehen; doch ist es noch nicht das Ende, 7 denn es wird sich Volk gegen Volk erheben und Königreich gegen Königreich. Und es werden Hungersnöte und Seuchen und Beben ‹an verschiedenen Orten› sein. Aber dieses alles ist der Anfang der Wehen.“

Diese Anfangswehen ziehen sich durch die Geschichte bis zur Zerstörung Jerusalems, sie sind aber noch nicht das Ende (das Gericht, die Zerstörung Jerusalems) selbst.

Auch die Siegel 5 und 6 haben ihre Entsprechung in Mt 24.

Off 6

Mt 24

 

Siegel 1: Bogen (= große Eroberungen, Siege)

V. 7: Volk gegen Volk, Königreich gg Königreich

= Der Anfang

der

Wehen

Siegel 2: Schwert

V. 6: Kriege und Kriegsgerüchte

Siegel 3: Waage

V. 7: Hungersnöte

Siegel 4: Tod (… durch Seuchen etc.)

V. 7: Seuchen

Siegel 5: die Seelen unten am Altar

V 9: Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten

Siegel 6: großes Beben; Sonne w. Schwarz; Mond wie Blut; die Sterne fallen auf das Land; die Himmel weichen auseinander.

Sie verbergen sich vor dem Angesicht Gottes und dem Zorn des Lammes,

Der große Tag seines Zorns ist gekommen.

V 29: Sonne/Mond verfinstert,

die Sterne fallen, die Kräfte der Himmel werden ins Schwanken versetzt.

V 30: sie wehklagen; sie sehen den Sohn des Menschen kommen mit viel Kraft und Herrlichkeit

= Das Ende

Das fünfte Siegel (das Bild von der grausamen Verfolgung und Hinmordng der Heiligen) geht parallel mit Mt 24,9.10: „Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten. Und ihr werdet von allen Völkern gehasst sein wegen meines Namens. Und dann werden viele Anstoß nehmen, ‹stolpern und zu Fall kommen›, und werden einander ausliefern und einander hassen.“

Die Öffnung des sechsten Siegels bringt den Abschluss – und die Antwort auf die beim fünften Siegel gestellte Frage der Märtyrer (Off 6,10).

V. 10.11: „‚Bis wann, unumschränkter Herrscher, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf dem Land wohnen?’ 11 Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben. Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder vollzählig würden, die im Begriff sind, getötet zu werden eben wie sie.“

In K. 6 werden Eroberungen prophezeit und Bürgerkriege im Land, Hungersnöte, frühzeitiges Sterben eines erheblichen Teils der Bewohner des Landes. Danach wird gezeigt, wie treue Kneche Gottes, Verkünder des Wortes Gottes, um ihres Zeugnisses willen getötet werden. Die Frage erhebt sich: „Bis wann, unumschränkter Herrscher, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut [und forderst es] von denen, die im Lande (o.: auf der Erde) wohnen?“ Können die Verfolger ungestraft weitermachen? Schweigt Gott?

Die sechste Siegelöffnung ist die Antwort: Der, der auf dem Thron sitzt, greift ein – am großen Tag des Zornes Gottes und des Lammes. Es kommt die Rache für das vergossene Märtyrerblut. Vgl. Off 19,2; Lk 11,50.

In V. 11 wurde den Märtyrern gesagt, „dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte“, die übrigen Märtyrer jener Zeit, vollzählig würden, die in naher Zukunft (!) „im Begriff sind, getötet zu werden eben wie sie.“ – „Noch eine kurze Zeit“! Die Zeit war für jene Zeitgenossen des Johannes nahe (1,3; 22,10; vgl. 1Petr 1,6 und 5,10: „eine geringe ‹Zeit›; vgl. Off 12,12.).

Bei der Öffnung des sechsten Siegels wird Gottes Eingreifen angekündigt. Er setzt dem Treiben ein Ende. Mit der Öffnung des sechsten Siegels tritt das Lamm auf den Plan.

Mit dem Öffnen des siebenten Siegels (Off 8,1) ist das Buch (d. h.: das Testament) geöffnet. Der erste Vers in K. 8 leitet über zu einer neuen Reihe von Gesichten, die detailliert Gottes letztes Posaunen–Rufen an das fleischliche, abgefallene Israel darstellt, ein ernstes Rufen Gottes durch Warngerichte, in denen jeweils ein Teil (w: ein Drittel) der Umwelt jener Menschen getroffen wird – mit dem Ziel, sie zur Umkehr zu bringen.

Beim Blasen der siebenten Posaune (11,15–17) wird feierlich verkündet: „Und es geschahen große, ‹laute› Stimmen in dem Himmel, die sagten: ‚Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.’ 16 Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an. 17 Sie sagten: ‚Wir danken dir, Herr, Gott, Machthaber über alles, der ist und der war und der kommt, weil du deine große Kraft an dich genommen hast, und du herrschtest ‹als König›.’“ – Das Kommen des Richters wird in 11,15ff. noch nicht beschrieben, auch in 14,14–20 und 16,17–21 nicht, sondern erst in 19,11ff.

b. Zum zeitlichen Ablauf

Das Öffnen der Siegel geschieht nicht parallel, sondern hintereinander, eines nach dem anderen.

Der Apostel Johannes beschreibt einfach das, was er sieht:

Als das Lamm das erste Siegel öffnet, sieht er ein weißes Pferd mit Reiter, und der Reiter hat einen Bogen. In dem Gesicht wird dann dem Reiter eine Krone (ein Siegeskranz) gegeben. Und Johannes sieht, wie der Reiter auszieht, siegend und um zu siegen. So das Gesicht. Was das Gesicht bedeutet, wird nicht gesagt. – Bei der Deutung darf man der Fantasie nicht zu viel Raum lassen. Was der Text sagt, sollte genügen: Sieg, großer Sieg, wird dargestellt.

Es steht im Text nicht, dass das Öffnen eines Siegels unmittelbare Auswirkung auf ein bestimmtes Geschehen auf dem Land hat. Es ist auch nicht notwendigerweise so, dass erst, nachdem die durch die Siegel hervorgerufenen Ereignisse geschehen sind, das nächste Siegel geöffnet wird.

Interessant ist, dass bei der Öffnung des fünften Siegels (6,9–11) den schon längst hingeschlachteten Märtyrern die weißen Gewänder erst in jenem Moment gegeben werden, nicht im Augenblick ihres Sterbens und nicht erst bei Christi Ankunft. Würde man die These anwenden, dass das Öffnen eines Siegels ein entsprechendes konkretes historisches Ereignis nach sich zieht, würde dieses bedeuten, dass die Märtyrer weder beim Sterben ihr Kleid bekommen noch bei Christi Ankunft, sondern irgendwann zwischen ihrem Sterben und Christi Ankunft – und zwar alle Märtyrer zum selben Zeitpunkt.

Das ist nicht möglich.

1. Siegel: Bogen und Siegeskranz: Eroberungen, Siege: 6,1–2

6,1: „Und ich sah, als das Lamm eines der Siegel öffnete. Und ich hörte eines der vier lebenden Wesen wie mit einer Stimme eines Donners sagen: Komm und sieh! 2 Und ich sah, und – siehe! – ein weißes Pferd, und der, der darauf saß, hatte einen Bogen. Und es wurde ihm eine Krone gegeben, und er ging aus, siegend und um zu siegen.“

Die Farbe kann von Reinheit, Heiligkeit und Ehre sprechen (3,5; 14,14; 19,8); sie ist die Farbe des Festes, des Sieges und der Ehrung. Das weiße Perd (Vgl. Sach 1,7–11; 6,1–8) spricht hier von Sieg, wie der Text zeigt. Eine erobernde, triumphierende Macht wird mit dem weißen Pferd und dessen Reiter dargestellt. Der Bogen ist die Waffe für den Fernkampf (vgl. Hos 2,20; Jes 5,28; 7,24; Jer 6,22.23; Klgl 2,4; 3,12), die Waffe, mit der der Sieg (bzw. die Siege) errungen wird (bzw. werden). Die Krone (w.: Kranz) ist bekannt von den olympischen Wettspielen; der Sieger erhält einen Siegeskranz. Hier erhält den Siegeskranz einer, der mit dem Bogen gekämpft und gesiegt hat, ein siegreicher Herrscher also.

Es geht in dem Bild offensichtlich um Eroberungen, eine Invasion von siegreichen Heeren, die mit Pfeil und Bogen, der Fernwaffe, heranrücken und kämpfen. Vgl. Ps 7,13; Sach 10,4. Dass in der Vision neben dem Bogen die Pfeile nicht erwähnt werden, hat nichts zu bedeuten; im AT wird oft der Kriegsbogen ohne den Köcher und die Pfeile erwähnt (z. B. Ps 37,14; 44,7; Jes 13,18; 21,15; 41,2; Hos 1,7; 2,20; 7,16). – Feindliche Heere kommen und ziehen von Sieg zu Sieg.

Der Reiter kann nicht der sogenannte „Antichristus“ sein. Diese These ist aus zwei Gründen unhaltbar:

(1) In den vier Visionen liegt der Fokus nicht darauf, wer das Pferd reitet, sondern auf der Farbe des Pferdes und auf dem, was dem Reiter gegeben wird (V. 4: ein Schwert, um den Frieden vom Land wegzunehmen; V. 8: Vollmacht, zu töten ein Viertel des Landes), bzw. auf dem, was er in der Hand hat (V. 2: einen Bogen, einen Siegeskranz; V. 5: eine Waage), und was er tut (V. 2: hinausziehen, siegend und um zu siegen; V. 4: den Frieden vom Land zu nehmen, dass sie einander hinschlachten). Bei allen vier Visionen wird eine Tatsache personifiziert: der Sieg (bzw. die siegreiche Invasion), das gegenseitige Hinschlachten (Bürgerkrieg), der Hunger, der Tod.

(2) Das Wort „Antichristus“ kommt nur in 1Joh 2 und 4 sowie 2Joh 7 vor. Dort wird er nicht als Feldherr oder Weltherrscher beschrieben, sondern als Falschprophet. Der Falschprophet kommt nicht mit Pfeil und Bogen und nicht als Kronenträger.

Der Reiter kann auch nicht der Gesalbte, der Christus, sein.

(1) Die Reiter stellen nicht Personen dar, sondern in ihnen sind Sieg (siegreiche Invasion), Krieg, Hunger und Tod personifiziert. (S. oben.)

(2) Jesus Christus erlangt seinen Sieg nicht durch (Pfeil und) „Bogen“, sondern durch das Schwert seines Mundes (Off 19,11ff).

(3) Die ersten vier Siegel bilden eine Einheit, gehören zusammen. Die Siegel 2–4 deuten auf schlimme, katastrophale Ereignisse hin (Gegenseitiges Hinschlachten, Hunger, frühzeitiger Tod). Das erste reiht sich ein, ist konform, bildet nicht ein Gegenstück zu Siegel 2–4.

(4) Wie viele Ausleger erkannt haben, finden sich in der Ölbergrede (Mt 24) gewisse Parallelen zu Offb 6. In Mt 24 sind die vier erwähnten Ereignisse konform: (große) Kriege, Volkserhebungen (mit blutvergießenden Auseinandersetzungen), Hunger, Seuchen (d. h.: Tod – unter anderem durch Seuchen).

„Und es wurde ihm eine Krone (o.: ein Siegeskranz) gegeben, und er ging aus, siegend und um zu siegen.“

Der Ausdruck „gegeben“ ist nicht als Geschenk zu verstehen, sondern als Zulassung. Gott (der auf dem Thron Sitzende, der letztlich alles in der Hand hat) lässt ihn gewähren, „gibt“ es ihm.

Die große Invasion der feindlichen Heere, war damals, als jener Brief geschrieben wurde (ca 60–63 n. Chr.) nicht ferne. Der Krieg, geführt durch Vespasian, begann im Norden des Landes, in Galiläa (Frühjahr 67 n. Chr. Die feindlichen Heere rückten mehr und mehr an Judaä – und vor allem Jerusalem – heran.

2. Siegel: Ein großes Schwert: Gegenseitiges Hinschlachten: 6,3.4

6,3.4: „Und als er das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebende Wesen sagen: ‚Komm und sieh!’ 4 Und es ging ein anderes Pferd aus, ein feuerrotes. Und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden vom Land zu nehmen …“

Manche übersetzen das griech. Wort gee mit „Erde“; das könnte allerdings irreführend sein, denn der moderne Mensch versteht unter „Erde“ oft den gesamten Globus. Die Leser von damals dachten bei „gee“ zuerst an eine begrenzte „Erde“, d. h. einen gewissen Bereich des umliegenden Landes oder der umliegender Länder. Der Zusammenhang legt nahe, dass es um das Land Israel oder (bzw. und) die umliegenden Länder geht. Das gegenseitige Hinschlachten legt nahe, an einen Bürgerkrieg zu denken. Und da die Ereignisse damals „nahe“ waren (Off 1,1.3; 22,6.10) und „im Begriffe waren zu geschehen“ (1,19; 3,10) liegt es auf der Hand, dass hier an das schreckliche Wüten der Zeloten (der Eiferer für das Gesetz) gegen die Herodianer (die gemäßigten Juden) zu denken ist, ebenso an das gegenseitige Verraten und Ausliefern der Juden (vgl. Mt 24,10; Mk 13,12; Lk 21,16): „ein jeder gegen seinen Bruder“ (vgl. Hes 38,21).

„… und dass sie einander hinschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.“

Die feuerrote Farbe des Pferdes lässt an Kriegsfeuer denken. Im Krieg wird vieles dem Feuer übergeben. Der Friede wird weggenommen. Vgl. Mt 24,6.

3. Siegel: Eine Waage: Hunger: 6,5.6

6,5: „Und als er das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebende Wesen sagen: ‚Komm und sieh!’ Und ich sah, und – siehe! – ein schwarzes Pferd, und der, der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6 Und ich hörte eine Stimme inmitten der vier lebenden Wesen, die sagte: ‚Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und schädige nicht das Öl und den Wein.’„

Die schwarze Farbe des Pferdes lässt an Trauer, Not und Wehklage denken. Auch an Hunger. Hunger und Teuerung waren oft die Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen.

Die Teuerung wird in V. 6 beschrieben: Die Waren werden sorgfältig abgewogen, weil sie rar geworden ist. Das Getreide wird nicht mit dem Hohlmaß gemessen, sondern abgewogen, damit der Käufer ja kein Körnchen zuviel bekommt.

Ein Choinix Weizen (1,1 Liter) deckt kaum den Tagesbedarf für einen einzelnen. Ein Denar war der Tageslohn eines Arbeiters. – Wovon sollte die Familie leben?

Üblicherweise bekam man für einen Denar 8–16 Maß Weizen. Hier war der Weizen also 8- bis16-mal so teuer. In der Hungersnot bekam man für einen Denar 2 Liter Weizen (2Kön 7,1). Die Gerste, billiger als Weizen, war Pferdefutter.

Wer mehr Geld hat, kann sich Weizenbrot leisten. – Aber die Not ist nicht behoben: Auf Krieg und Abschlachtung folgt Hunger. Die Nahrung wird knapp in Judäa, vor allem in den Städten, die belagert werden, und in Jerusalem. Der Weizenpreis, der hier angegeben ist, entspricht dem 20–fachen vom Normalpreis.[5] Vom Hunger berichtet auch Josephus Flavius.[6]

„Öl und Wein taste nicht an.“ Manche übersetzen frei: „Mit Öl und Wein sollst du nicht ungerecht (o.: sündig) umgehen.“ Das kann man so verstehen, dass man trotz Hungersnot noch genügend Wein und Öl haben wird. Manche beziehen es darauf, dass der Wein und das Öl nicht für den Normalgebrauch verwendet werden dürfe, sondern nur für den jüdischen Tempelkultus.

Johannes von Gischala konfiszierte die heiligen Gefäße des Tempels und ließ seine Leute vom Tempelwein trinken und sich vom Tempel–Öl salben.[7]

4. Siegel: Tod: Vollmacht, zu töten mit Schwert, Hunger, Tod, wilden Tieren: 6,7.8

6,7.8: „Und als er das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebenden Wesens sagen: ‚Komm und sieh!’ 8 Und ich sah, und – siehe! – ein fahles Pferd, und der Name dessen, der darauf saß, war ‚der Tod’, und der Hades [d. i.: der Todesbereich] folgte mit ihm. Und es wurde ihnen Vollmacht gegeben über ein Viertel des Landes, zu töten mit Schwert, mit Hungersnot, mit [Seuchen–] Tod und mittels der wilden Tiere des Landes.“

Die fahle (blass–grünliche) Farbe ist die Todesfarbe, die Hautfarbe des Gestorbenen oder Sterbenden. Tod und Hades reißen die Menschen mit sich fort. Die Folge des Hungers ist der Tod.

„Tod“ und „Hades“ werden hier personifiziert (wie in 20,14). Ein Viertel des Landes (i. S. v.: der Landbevölkerung) wird getötet. D. h., ein großer Teil der Bevölkerung stirbt frühzeitig an den hier angeführten Plagen (Krieg, Hunger, seuchenartigen Krankheiten, wilden Tieren). Die angeführten Plagen erinnern an die bekannten vier Plagen aus Hes 5,12.17 und 14,21. (Vgl. auch 3Mo 26,14–26; Jer 14,12; 15,3; 21,7.9; 24,10; 42,17; 44,13; Hes 6,11.12; 7,15; 12,16.) Dieses Gerichte hatte Gott den Juden vor der ersten Zerstörung Jerusalems angekündigt. Nun kündigt er die zweite an.

Den dritten Ausdruck (im Griech. „Tod“) übersetzen manche mit „Pest“, weil in den alttestamentlichen Texten das hebräische Wort däbär steht, was „Pest, Geschwulst, Seuche“ bedeutet. Die griech. Übersetzung übersetzt das Wort däbär mit thanatos (Tod).

5. Siegel: Märtyrerseelen unter dem Altar: 6,9–11

6,9: „Und als er das fünfte Siegel öffnete, sah ich unterhalb des Altars die Seelen derer, die hingeschlachtet waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie hatten.“

Das Blut wird gesammelt am Fuß des Altars (w: unten am Altar; gemeint ist der Brandopferaltar). Das „Blut“ steht für die „Seele“, das „Leben“ (heb. näfäsch), das zur Ehre Gottes hingegeben wurde. Die Märtyrer liegen gleichsam als Schlachtopfer am Fuß des Brandopferaltars, dort, wo das Blut der Opfertiere hingeschüttet wurde (2Mo 29,12). Ihr Tod um der Sache Gottes willen war ein Opfer, kostbar in den Augen des Höchsten.

6,10: „Und sie riefen mit lauter (w.: großer) Stimme und sagten: ‚Bis wann, unumschränkter Herrscher, Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut an denen, die in dem Land (o.: auf der Erde) wohnen?’„

Die Szene: Der Tempel in Jerusalem, der Altar im Vorhof des Tempels. Man denkt an Jesu Worte, die er im Hinblick auf das Gericht Gottes über Jerusalem gesagt hatte: „Deswegen – siehe! Ich sende zu euch hin Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und von ihnen werdet ihr [einige] töten und kreuzigen, und [einige] von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und ihr werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, 35 auf dass über euch komme alles gerechte, auf der Erde vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet. 36 Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. 37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht! 38 Siehe! Euer Haus wird euch öde gelassen werden!“ (Mt 23:34–38). Und zu den Jüngern sagte er: „Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten.“ (Mt 24,9)

Die Märtyrerseelen am Fuße des Brandopferaltars rufen nach Gottes einschreitender Gerechtigkeit, die das Blut der Märtyrer rächen soll. Sie warten auf Gottes Vergeltung an den Übeltätern, nicht aus Rachegelüst, sondern damit Gott die Ehre bekommt, die ihm gebührt. Es geht um die Durchsetzung der Gerechtigkeit Gottes (5Mo 32,43; 1Mo 4,10), nicht um persönliche Rache. Es ist für Christen nicht verkehrt, gerechte Vergeltung und Gottes gerechtes Einschreiten zu erbitten. Jeder Mensch hat einen Gerechtigkeitssinn, den Gott in sein Wesen hineingelegt hat. Eines Tages wird Gott Gerechtigkeit walten lassen und Rache ausüben für das Unrecht, das jene Menschen ihm, dem Schöpfer und Eigentümer aller Menschen, angetan haben. Recht und Gerechtigkeit muss aufgerichtet werden, und alles Böse muss gerecht bestraft werden.

(Zum Gebet um Gottes Einschreiten zur Aufrichtung der Gerechtigkeit vgl. Röm 12,19; Lk 18,1–8; 2Thes 1,6; 2Tim 4,14; 1Petr 2,23.)

6,11: „Und es wurden [allen,] jedem [einzelnen,] weiße Gewänder gegeben. Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten, bis auch ihre leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder, denen bevorstehe, getötet zu werden eben wie sie, vollzählig würden.“

Gottes dreifache Antwort auf das Gebet der Heiligen lautet:

. weiße Gewänder“ – als Bestätigung ihrer Gerechtigkeit (vgl. Off 3,4.5; 19,8.14; 20,4)

. „noch eine kurze Zeit ruhen“ – bis zur Ankunft des Richters über Jerusalem.

. „bis auch ihre Brüder vollzählig würden“ – d. h., es kommen noch weitere Märtyrer nach und Gott wird sie nicht vergessen, sondern zu seiner Zeit eingreifen und das Übel vergelten (vgl. Lk 18,7).

6. Siegel: Erschütterungen: 6,12–17

a. Verfinsterung von Sonne und Mond V. 12

6,12: „Und ich sah, als er das sechste Siegel öffnete. Und – siehe! – es entstand ein großes Beben. Und die Sonne wurde schwarz wie ein aus Haaren gemachter Sack, und der Mond wurde wie Blut …“

Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, kosmische Erschütterungen. Vgl. Mt. 24,29

Eine Beschreibung vom Standpunkt des Landes aus. Es handelt sich nicht um einen modernen wissenschaftlichen Bericht.

V. 12E: „wie ein aus Haaren gemachter Sack“: schwarz; das spricht von völligem Verlust der Leuchtkraft. Kein Licht mehr!

Der alttestamentliche Hintergrund für die hier verwendeten Bilder:

Das Bild vom Zusammenbruch der kosmischen Ordnung kommt aus dem AT, wird verwendet beim Fall Babels (Jes 13,10; 539 v. Chr.), beim Fall Edoms unter Nebukadnezar im 6. Jhdt. (Jes 34; Jes 63,4.5; Bozra war die Hauptstadt Edoms), beim Fall Ägyptens unter Nebukadnezar (Hes 32,7.8), beim Fall Samarias durch Assur im 8. Jhdt. v. Chr. (Hos 10,8), beim Fall Ninives (Nah 1,5.6; 612 v. Chr.) und in Joel 3,3–5; 4,15–16. Ähnliche Stellen: Jes 50,3; Am 8,8.9; Hes 38,19; Joe 2,31; 3,10. – Das Bild wird auch in Lk 21,25.26 und in den Parallelen Mt 24 und Mk 13 verwendet.

Einige Stellen wollen wir hier anführen:

„Ich kleide die Himmel in Schwarz und mache Sacktuch zu ihrem Gewand. (Jes 50,3)

„Vor ihnen (d. h.: den Heuschrecken) erbebt die Erde, erzittern die Himmel. Sonne und Mond verfinstern sich, die Sterne verhalten ihren Glanz.“ (Joel 2,10. Der irdische Standpunkt wird eingenommen.)

„Ja, die Sterne des Himmels und seine Orione, sie lassen ihr Licht nicht leuchten. Dunkel ist die Sonne bei ihrem Aufgang, und der Mond lässt nicht scheinen sein Licht. 11 Ich suche am Festland heim die Bosheit, an den Ehrfurchtslosen ihre Schuld. Ich mache ein Ende dem Stolz der Übermütigen, den Hochmut der Gewalttätigen mache ich nieder. 12 Ich mache den Sterblichen seltener als gediegenes Gold und den Menschen [seltener] als Gold von Ofir. 13 Darum lasse ich die Himmel erzittern, und die das Land (o. die Erde) bebt auf von ihrer Stätte beim Grimm Jahwehs der Heere, ja, am Tag seiner Zornglut. … Und ihre Kinder werden niedergestreckt vor ihren Augen, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet. 17 Siehe! Ich erwecke gegen sie die Meder.“ (Jes 13,10–13.16.17)

„Alles Heer des Himmels löst sich auf. Und die Himmel werden zusammengerollt wie eine Buchrolle. All ihr Heer verwelkt ‹und fällt ab›, wie das Laub vom Weinstock verwelkt, wie Welkendes am Feigenbaum; 5 denn reichlich durchtränkt ist in den Himmeln mein Schwert. Siehe! Auf Edom fährt es herab, auf das Volk meines Bannes zum Gericht. 6 Ein Schwert hat Jahweh, es ist voll Blut, es trieft von Fett, vom Blut der Lämmer und Böcke, vom Nierenfett der Widder, denn Jahweh hat ein Schlachtopfer in Bozra und ein großes Schlachten im Land Edom.“ (Jes 34,4–6)

b. Fallen der Sterne: V. 13

6,13: „… und die Sterne des Himmels fielen auf das Land, wie ein Feigenbaum, von einem starken Winde geschüttelt, seine Winterfeigen abwirft.“

Wir beachten, dass es heißt „die Sterne des Himmels fielen“, nicht: einige Sterne fielen. Ebenso in Mt 24,29: „und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken versetzt werden.“

Vgl. Jes 13,10: „Ja, die Sterne des Himmels und seine Orione, sie lassen ihr Licht nicht leuchten.“

Hes 32,7.8 (anlässlich des Falles Ägyptens durch Nebukadnezar, 6. Jhdt. v. Chr.): „Bei deinem Erlöschen verhülle ich die Himmel und verdunkle ich seine Sterne. Die Sonne hülle ich zu mit Gewölk, und der Mond lässt sein Licht nicht mehr leuchten. 8 Alle am Himmel leuchtenden Lichter werde ich deinetwegen verdunkeln, und über dein Land bringe ich Finsternis, ist der Spruch des Herrn, Jahwehs.“

Das Bild von der Buchrolle und vom Feigenbaum, der seine Winterfeigen abwirft, kommt von Jes 34,4 (Das geschah anlässlich des Falles Edoms und vor allem der Hauptstadt Bozra, 6. Jhdt. v. Chr.):

„Alles Heer des Himmels löst sich auf. Und die Himmel werden [ein]gerollt wie eine Buchrolle. All ihr Heer verwelkt ‹und fällt ab›, wie das Laub vom Weinstock verwelkt, wie Welkendes am Feigenbaum; 5 denn reichlich durchtränkt ist in den Himmeln mein Schwert. Siehe! Auf Edom fährt es herab“.

Viele Feigen werden im Herbst geerntet, aber einige bleiben am Feigenbaum über den Winter. Gegen Frühjahr kommen die starken Märzwinde und holen noch diese. Das Bild ist ein hyperbolisches (d. h.: überzeichnet, übertrieben).

c. Entweichen des Firmament–Himmels: V. 14A

6,14: „Und der Himmel wich auseinander wie eine Buchrolle, die aufgerollt wird, …“

Auch das Bild vom Aufrollen des Sternenhimmels, der wie eine Buchrolle aufgerollt wird, kommt von Jes 34,4 (anlässlich des Falles Edoms und der Hauptstadt Bozra, 6. Jhdt. v. Chr.): „Alles Heer des Himmels löst sich auf. Und die Himmel werden [ein]gerollt wie eine Buchrolle. All ihr Heer verwelkt ‹und fällt ab›, …, 5 denn reichlich durchtränkt ist in den Himmeln mein Schwert. Siehe! Auf Edom fährt es herab“.

Das Auseinanderweichen (Aufgerolltwerden) ist bildhafte Sprache.

d. Erschütterung der Berge und Inseln: V. 14M

„… und alle Berge und Inseln wurden von ihren Stellen gerückt.“

Anlässlich der Falls von Tyrus wird eine ähnliche Sprache (vom Beben) verwendet (Hes 26,15): „So sagt der Herr, Jahweh, zu Tyrus: Werden nicht vom Dröhnen deines Sturzes, wenn der Durchbohrte stöhnt, wenn in deiner Mitte gemordet wird, die Küstenländer erbeben?“

Wenn auch die Sache selbst bildhaft dargestellt wird, so ist doch ersichtlich, was damit ausgedrückt ist: Welt–Ordnungen werden aufgehoben. Es geht um die Zerstörung weiter Teile des Landes. Im Kontext der Nah–Stellen der Off betrachtet, kann es sich nur um die Aufhebung des alttestamentlichen „Kosmos“ handeln, d. h. um das Ende der sinaitischen Tempelära (mit der damit verbundenen „Welt“).

e. Entsetzen und Flucht der Menschen: V. 15–17

6,15: „Und die Könige des Landes …“

Die „Könige des Landes“ (o.: „der Erde“) in Ps 2 sind gemäß Apg 4 jüdische Führer. Die „Könige des Landes“ (o.: „der Erde“) in Off 6,12ff sind die Regenten von Judäa (sowie Galiläa, Ituräa, Trachonitis etc.). Aus Apg 4 geht deutlich hervor, dass mit den „Königen“ Pontius Pilatus und Herodes gemeint sind:

Apg 4,24–28: „Sie, nachdem sie es gehört hatten, erhoben in Einmütigkeit die Stimme zu Gott und sagten: Unumschränkter Herrscher, du bist der Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was in ihnen ist, machte, 25 der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige der Erde, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, 28 alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss im Voraus bestimmte, dass es geschehen sollte.“

„… und die Großen und die Reichen und die Obersten und die Starken und alle leibeigenen Knechte und [alle] Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge.“

In Judäa gab es viele felsige Felsvorsprünge, Berge, Klüfte. Ewald (zit. bei Moses Stuart, Revelation) schreibt: „Hier ist ein Bezug auf Palästina mit seinen Felsen und Höhlen, die Fliehenden Zuflucht gaben.“

Nach der Umzingelung Jerusalems durch die Römer waren die letzten Verstecke der fliehenden Juden in Judäa solche Höhlen. (Vgl. Josephus, Der jüdische Krieg, 4,7; 7,4,2.)

Vgl. Jes 2,10.19.21: „Verkrieche dich in die Felsen und verbirg dich im Staub vor dem Schrecken Jahwehs und vor der Pracht seiner Majestät! … 19 Und man wird sich in Felsenhöhlen und in Erdlöcher verkriechen vor dem Schrecken Jahwehs und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, um die Erde zu schrecken. 20 An jenem Tage wird der Mensch seine Götzen aus Silber und seine Götzen aus Gold, die man ihm zum Anbeten gemacht hat, den Maulwürfen und den Fledermäusen hinwerfen, 21 um sich in Felsspalten und in Steinklüfte zu verkriechen vor dem Schrecken Jahwehs und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, um die Erde zu schrecken.“ (Vgl. auch Jes 3,1–3.)

Hier (Off 6) geschieht eine Einebnung aller Klassen zu den Füßen Gottes. –

Wenn Gott anfängt zu sprechen, sind alle Menschen vor ihm gleich: alle Reichen sind arm, alle Großen klein, alle Starken schwach. Und wer im Lande (o. auf Erden) klein, arm und schwach war, aber nicht über seine Sünden Buße getan hat, dem wird es nichts helfen, dass er in Not, in Leiden und in Armut gelebt hat. Die Tatsache, dass jemand ein armes notvolles Leben hatte, reicht nicht aus für ihn, wenn er Jesus Christus nicht als Retter und Herrn angenommen hat.

6,16: „Und sie sagten zu den Bergen und zu den Felsen: „Fallt auf uns und verbergt uns …“

Hier findet eine Gebetsversammlung statt – zu den Bergen, nicht zum Fels der Ewigkeiten. Sie wissen um Gott, aber sie wollen ihn nicht sehen, keine Begegnung mit ihm, keine Buße; nur Schutz wollen sie, nicht aber Gottes Weg zum Leben.

Vgl. Hos 10,7.8: „Vernichtet ist Samaria, sein König, wie ein abgerissener Zweig auf der Fläche des Wassers! 8 Und vernichtet werden die Höhen von Awen, die Sünde Israels! Dornen und Disteln wachsen über ihre Altäre. Sie werden zu den Bergen sagen: Bedeckt uns! und zu den Hügeln: Fallt über uns!“

Als der Herr sein Gericht über Jerusalem ankündete (Lk 23,28–31), sagte er: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich. Doch weint über euch selbst und über eure Kinder, 29 weil– siehe!– Tage kommen, an denen man sagen wird: Selige [sind] die Unfruchtbaren und [die] [Mutter]schöße, die nicht gebaren, und [die] Brüste, die nicht stillten! 30 Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Deckt uns!, 31 denn wenn man dieses am grünen Holz tut, was wird am dürren werden?“

„… vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“

Alles andere ist ihnen lieber als in Gottes Angesicht sehen zu müssen. Was für ein Angesicht muss das sein!

(Auf der anderen Seite dürfen wir bedenken: Wie schön ist das für die bluterkaufte Schar: Sie dürfen heute schon mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen: 2Kor 3,17 – und auch in der Ewigkeit: Off 22,4; vgl. 1Kor 13,12.)

6,17: „… weil der große Tag seines Zorns gekommen ist.“

Die Gerichtsankündigung („Jetzt ist der Tag seines Zorns gekommen…“) wird auch in Off 10,6.7; 11,15–18; 14,15; 16,15.16; 18,21–24 und 19,15–18 erwähnt. Die eigentlich Gerichtshandlung selbst wird (zuvor kurz in 14,20; 16,17ff und) dann vor allem in 19,19–21 und 20,9.10 beschrieben.

6,17M: „Und wer vermag zu stehen?“ {Vgl. Hos 10,8.}

Wenn der, der für sie am Kreuz starb und sich selbst für sie dahingab, zornig wird, wie groß muss der Zorn sein!

Die Frage bleibt: Wer kann bestehen? Antwort darauf erhalten die Briefempfänger in Off 7.

C. Zwei Zwischenvisionen 7,1–17

Einleitendes/Allgemeines

Der Zweck der Zwischenvision ist, eine Antwort zu geben auf die Frage von 6,17E: „Wer vermag“ (vor dem Zorngericht Gottes) „zu stehen?“ – Stehen können werden die, die Gott versiegelt hat. Versiegelt werden die, die ihre Gewänder im Blut des Lammes Gottes gewaschen haben. Gott wird sein Volk vor dem Zorngericht verschonen. In Off 7 werden sie versiegelt von Engeln, ehe die Engel von den vier Winden zum Gericht kommen.

Das „Land“ (Festland) steht dem „Meer“ gegenüber. Mit „Meer“ wird im AT oft die Küstengegend bezeichnet (1Mo 13,14; 28,14; 32,13; 41,49; 49,13 „Hafen des Meeres“; 2Mo 14,2.9; 23,31; 3Mo 11,9; 4Mo 2,18; 11,31; 13,29; 34,5.6.7.11; 5Mo 1,7; 11,24; 33,19.23; 34,2 u. v. a. ). In Off 7 sind dies lokale Gebiete, nicht globale Bezeichnungen: Das Land ist das Festland in Palästina, das Meer ist die Meeresküste des Mittelmeeres, wo die Schiffe in den Häfen liegen (vgl. Off 8,8.9).

Diese zwölf Stämme Israels sind das wahre Gottesvolk, dargestellt im Bild des alttestamentlichen abgezählten Heeres Israels. Die Weissagung bezieht sich nicht auf das gesamte Volk, sondern nur auf die kriegsfähigen Männer (von 20 Jahren an und darüber, bis 60 Jahren). Kinder, Frauen und alte Leute wurden im AT (4Mo 1ff) nicht zum Heer Israels gezählt. Dieses Heer hier ist ein Kriegsheer von kampftüchtigen, hingegebenen unverheirateten Männern. Sie sind ganz für die Sache ihres Königs da, ziehen für ihn in den Krieg. Dass es sich nur um Männer handelt und nur um Unverheiratete, erfahren wir aus Off 14,4: „Diese sind es, die mit Frauen nicht befleckt wurden, denn sie sind Jungfräuliche. Diese sind es, die dem Lamm folgen, wo immer es hingeht.“

Off 7,3: Johannes hört von einer Versiegelung, sieht die Versiegelten aber nicht. Der Zeitpunkt ist vor dem Sturm. Die Versiegelten sind die Seinen, das wahre „Israel“. Das wahre Gottesvolk wird versiegelt, d. h., bewahrt und als Eigentum Gottes gekennzeichnet, wie im AT vor der Zerstörung Jerusalems die Treuen mit einem Siegel gekennzeichnet wurden, Hes 9,4–6: „Und Jahweh sagte zu ihm: Gehe mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem, und mache ein Kennzeichen (Malzeichen) an die Stirnen der Männer, die seufzen und stöhnen über alle die Gräuel, die in ihrer Mitte geschehen. 5 Zu jenen aber sagte er vor meinen Ohren: Geht hinter ihm her durch die Stadt und schlagt zu! Euer Auge soll nicht schonen, ihr sollt kein Mitleid haben! 6 Greise, junge Männer und Jungfrauen und kleine Kinder und Frauen sollt ihr töten – bis zur [gänzlichen] Vernichtung! Aber jedem Menschen, an dem das Kennzeichen ist, sollt ihr nicht nahen. Und bei meinem Heiligtum sollt ihr anfangen. Und sie fingen bei den Männern an, [bei] den Ältesten, die vor dem Haus waren.“

Die Treuen in Hes 9 wie in Off 7 werden an der Stirn versiegelt (vgl. Off 14,1; Off 9,4). Das Siegel ist der Name Gottes, ähnlich wie das „Heilig dem Jahweh“ an der Stirn des Hohen Priesters (2Mo 28,36–38).

Sie sind 12–mal 12 000, eine treue Schar, das Heer des messianischen Königs, sie sind abgezählt, wie die Soldaten im 4. Buch Mose. Die genau abgezählte Zahl zeigt an, dass das göttliche Heer wohlgeordnet ist, gezählt, vollständig. Die Zahl zeigt auch, dass es ein großes Heer ist. Solange das Gottesvolk unterwegs ist, hat es den Charakter eines Heerlagers (vgl. Off 20,9). Fn.: „Heerlager (parembolee)“ ist nach Friberg „a military technical term; (1) for an army in the field encampment, camp; of the Israelite camp during the exodus period (Hebr 13.11); figuratively, for the Jewish religious community as developed in Judaism, Hebr 13,13; (2) for an army in battle array battle line, army (Hebr 11,34); (3) for a permanent army base barracks, fortress, soldiers’ quarters, Apg 21,34.

Sie sind Männer, Jungfräuliche, Knechte, Kämpfer Gottes, die treu sind bis zum Tod. Sie folgen dem Lamm, wo immer das Lamm hingeht. Das Lamm ist der Löwe aus Juda: der König (Off 5,5). Sie sind seine Getreuen. Und, wie im alttestamentlichen Gottesvolk, kommt „Juda“ zuerst (Off 7,5; vgl. Ri 1,1.2; 20,18: „Juda zuerst“).

1. Die Versiegelung der 144 000: 7,1–8

a. Vision: Die Gerichtsengel an den vier Ecken des Landes: 7,1

Off 7,1: „Und nach diesem sah ich vier Boten an den vier Ecken des Landes stehen, …“

Das Land, das Johannes sieht, ist ein großer Landstricht mit vier Ecken. Die vier Ecken des Landes sind die vier Himmelrichtungen. Es geht nicht um ein Gesicht über die ganze Erde, den Globus. Die Vorstellung von der Erde als Globus (wenn auch grundsätzlich wissenschaftlich richtig) kennt die Off nicht. D. h., in der Off ist mit „Erde/Land“ nie der Globus gemeint.

„… welche die vier Winde des Landes zurückhielten, …“

Vier Winde aus den vier Windrichtungen Nord, Süd, Ost, West. Die vier Winde sprechen vom Gericht über ein ganzes Land.

Zu den Winden vgl. Jer 49,35ff.: „So sagt Jahweh der Heere: Siehe, ich zerbreche den Bogen Elams, seine vornehmste Stärke. 36 Und ich werde die vier Winde von den vier Enden des Himmels her über Elam bringen und es in alle diese Winde zerstreuen. Und es soll kein Volk geben, wohin nicht Vertriebene Elams kommen werden.“ Vgl. auch die vier Winde in Dan 7,4.

„… damit kein Wind wehe über das Land, noch über dem Meer, noch über allen Bäumen.“

Windstille. Kein Blatt rührte sich. K. 7 beginnt mit einem Innehalten (K. 8 übrigens auch).

Wir lernen: Gott gibt Zeiten der Stille. Wir sollten innehalten und stille werden vor Gott, an ihn denken, uns besinnen auf unsere Beziehung. Wir sollen für stille Zeiten beten (1Tim 2,2) und sie nutzen für die Verbreitung des Königreiches Gottes.

b. Der Ruf zum Warten mit dem Gericht bis zur Versiegelung der Sklaven Gottes: 7,2.3

„Und ich sah einen der anderen Boten, der vom Osten her aufgestiegen war …“

Im Osten von Patmos liegt Israel. Die Heiligen, Gottes „Israel“ sollen versiegelt werden, die Treuen im Lande. Vor der Zerstörung Jerusalems müssen die, die dem Herrn Jesus Christus gehören, als sein Eigentum gekennzeichnet werden. Sie bekommen seinen Namen und den Namen seines Vaters auf die Stirn geschrieben (Off 14,1; 9,4; Hes 9,4.5).

„… und das Siegel des lebendigen Gottes hatte.“

V. 3 „Und er rief mit lauter Stimme zu den vier Boten, denen es gegeben war, das Land und das Meer zu schädigen, und sagte: „Schädigt nicht das Land noch das Meer noch die Bäume, …“

Es geht um Schaden am Festland und am Küstenstreifen, dem „Meer“, und an den Bäumen, d. h. an der Umwelt Israels. Vgl. die Warngerichte in Off 8 und 9. Aber die zerstörenden Engel, die das Land zerstören sollen, müssen vorerst noch warten.

„… bis wir die leibeigenen Knechte unseres Gottes an der Stirn mit dem Siegel versehen.“

Mit dem Siegel wird das Eigentum gekennzeichnet. Gekennzeichnetes Eigentum ist geschützt. Die Versiegelung spricht daher auch von Schutz (vgl. a. 1Mo 4,15).

Das Siegel wird sichtbar angebracht, jedenfalls war es für die Engel sichtbar. Wir vergessen nicht: Johannes sieht eine Vision! In der Vision ist das Zeichen sichtbar, wie damals in 2Mo 12,13.22.23 das Zeichen ein sichtbares war.

Die Stirn ist die wichtigste Stelle des Menschen. Hinter der Stirn ist das Gehirn, der Ort, wo der Mensch denkt.

Siegel ist der Name des Sohnes Gottes und seines Vaters (14,1).

Aber hier ist etwas, das die Leser aus dem AT gut kennen: Vgl. 2Mo 12,7.23. Wir beachten: Hier geht es um einen neuen Exodus (Auszug des Gottesvolkes, Off 12,6.14; 15,2–4).

Das Israel, von dem hier die Rede ist, ist das wahre Israel, das wahre Gottesvolk. Ausgeschlossen sind die, die Jesus Christus nicht lieben, die Synagoge des Satans (2,9; 3,9).

Im 1. Jhdt. gab es die „zwölf Stämme“ in dem alttestamentlichen Sinne (als Volkseinheit) nicht mehr. In der Off werden alttestamentliche Bezeichnungen auf das wahre Gottesvolk übertragen. Es ist interessant, dass in der Off, wenn von fleischlichen Israeliten die Rede ist, diese „die Synagoge Satans“ heißen oder „Lügner“ und Götzendiener“. Das irdische Jerusalem heißt „Sodom“ und „Ägypten“ (11,8) und „Babylon“ (14,8; 16,19; 17,5.18). Wenn von den Heiligen die Rede ist, heißen sie „Priester, Könige, Braut, Volk Gottes, leibeigene Knechte Gottes, Heilige“, Titel, die im AT für das alttestamentliche Israel gebraucht werden. Im neuen Jerusalem stehen auf den Toren die Namen der zwölf Stämme Israels (was anzeigt, dass das neue Jerusalem eine israelitische Stadt ist), drinnen wohnhaft aber sind Menschen aus allen Völkern. Das neue Gottesvolk trägt die Namen des alten Gottesvolkes. Das heißt nicht, dass im NT Heiden zu Juden werden, sondern die Heiden werden eingepfropft und Mitteilhaber der israelitischen (alttestamentlichen) Verheißungen (Rm 9–11; Eph 2,12–3,6).

Johannes hörte (!) von den zwölf Stämmen, er sieht sie nicht. Er sieht etwas anderes als was er hörte. Er hörte von den zwölf israelitischen Stämmen und ihrer Versiegelung, was er aber sah (!), waren Menschen aus allen Völkern; ebenso, wie er in K. 5 vom Löwen hörte, was er aber sah, war ein Lamm, das für die Menschen aus allen Völkern starb.

Der Löwe aus Juda steht gleichsam an der Spitze des Heeres, und von seinem Heer werden die leibeigenen Knechte aus Juda als erste genannt („Juda zuerst“, Ri 20,18).

c. Auditon: Die Versiegelten: 7,4–8

V. 4 „Und ich hörte die Zahl der mit dem Siegel Versehenen, einhundertvierundvierzigtausend,

Einiges können wir feststellen: Es geht um die Versiegelung der wahren Knechte Gottes, der Zeugnisträger.

Das Israel nach dem Fleisch, das den Messias abgelehnt hat, die nicht an Christus gläubigen Juden, sind eine „Synagoge des Satans“ (2,9; 3,9) geworden, das alte Jerusalem ist ein Sodom und Ägypten geworden (11,8) sowie ein „Babylon“.

Den wahren Kern des Volkes bilden die Treuen in Israel, die, die den Messias angenommen haben, hinzu kamen die aus den Völkern, die Heidenchristen. Vgl. Rm 2 und 9; Gal 6,16.

Die 144 000 sind leibeigene Knechte Gottes „aus allen Stämmen der Söhne Israels“. Gott hat immer nur ein einziges Volk. Und es heißt immer Israel. Die aus den Völkern sind eingepfropft (Rm 11) und teilhaftig der israelitischen Segensgüter (Eph 3,6). Sie sind nicht Juden geworden, sie bleiben Menschen aus den Völkern, aber sie sind einverleibt in Gottes Israel.

Die 12–mal 12000 in Off 7 werden gleichmäßig verteilt. Wir bedenken, dass Johannes ein Gesicht sah, ein visionäres Bild. Wir sollten also die Zahl mehr mit ihrer Symbolik betrachten. Die Zwölf (oder ein Vielfaches von ihr) kommt in der Off mehrmals vor (12,1; 21,12.14.21; 22,2; 144 Ellen [21,17], 12000 Stadien [12,16]). Die Zwölf ist die Zahl der Vollendung bzw. Vollzähligkeit. Mit der Nennung der Zahl und der Aufzählung soll auch ausgedrückt werden, dass Gott sie alle kennt. Er hat jeden gezählt.

Sie werden versiegelt, ehe der große Sturm beginnt (7,3), in dem die Winde auf das Land, das Meer und die Bäume losgelassen werden. Sie alle sind von Gott gezählt und versiegelt. Keiner wird vergessen oder übersehen. In Off 14,1–5 werden die 144000 nochmals gesehen. Die Versiegelten stehen vollzählig mit dem Lamm auf dem Zion (V. 1), vor dem Thron Gottes (V. 3). Sie sind unbeschadet (geistlich unbeschadet) am Ziel angekommen.

Wir lernen: Gott kennt jeden der Seinen, auch wenn der ganze Himmel verdun­kelt ist. Er zählt sie einzeln. Er liebt sie. Er behütet sie – wie ein Vater die Kinder. Bewahrung schließt nicht aus, dass man nicht den Märtyrertod stirbt.

Beachte: 7,4–14 = 5,5–6

Johannes. hört 7,4 etwas anderes als was er sieht 7,9.

144,000 von Israel (7,4–8) ↔ unzählbare Schar aus allen Völkern. 7,9

Dieselbe Sache wird dargestellt. Wie in 5,5.6 Löwe und Lamm.

144,000 von Israel = Nachfolger des Sohnes Davids, des Gesalbten.

Der Löwe aus Juda → 7,4 Juda zuerst! (Es geht um Kampf; vgl. Ri 1,1.2 und 20,18)

Das Lamm geschlachtet → unzählbare Schar aus allen Völkern, erlöst aus allen Völkern 5,9 und geschlachtet für Christus (gewaschen im Blut) →

Genauso wie die Erwartung des davidischen Messias uminterpretiert wurde durch das bibl. Bild vom geschlachteten Passalamm, so wird das rein nationalistische Bild der Nachfolger uminterpretiert durch ein Bild, das aus bibl. Verheißungen Gottes an die Väter (Abraham, Isaak, Jakob) entnommen wurde (Der Same wird unzählbar sein. 1Mo 13,16; 15,5; 32,12.).

Weiterer Gegensatz zwischen 7A und 7B in Verbindung mit 5,5ff:

Die 144 000 sind eine Armee (7,4–8 ist eine Volkszählung von Israel; im AT wurde gezählt, um die Stärke des Heeres festzustellen; nur die Männer gezählt; so wird hier die Stärke des Heeres von „ganz Israel „festgestellt, ein vereinigtes Israel in den letzten Tagen (vgl. Hes 36), angeführt von dem Löwen aus dem Stamme Juda. Es geht um eine Schlacht gegen die heidnischen Bedränger des Gottesvolkes.

7,9ff: Die unzählbare Schar feiert ihren Sieg im Himmel; der Sieg wurde durch Gott und das Lamm errungen 7,9.10; aber sie haben ihre Gewänder gewaschen im Blut des Lammes. (Doppelbild von Blut: sie – als Erlöste durch das Blut Christi – widerstanden durch die Kraft des Lammes und im Blick auf das Vorbild des Lammes „bis aufs Blut „Hebr 12,1–4. Sie gaben ihr Leben hin und liebten es nicht „bis zum Tod“. Vgl. 12,11 und 2,10. treu bis zum Tod. Durch ihren Märtyrertod nahmen sie am Opfer des Lammes teil, das den Sieg für sie errang. Aber sie selber sind nur deshalb Mit–Sieger, weil sie ebenfalls bereit waren, bis zum Tod und bis auf Blut zu widerstehen. (7,14 bezieht sich auf eine Tat, die SIE getan haben: sie haben ihr Leben nicht geliebt und ihre Kleider gewaschen und weiß (= siegreich) gemacht im Blut (o.: besser: mittels des Blutes) des Lammes. (↔ 1,5; 5,9 dort ist Christus der Handelnde, hier sie selbst.)

Die Parallele zu 5,5–6: der Messias errang den Sieg durch seinen Tod, nicht durch militärische Macht.

Die Nachfolger des Messias nehmen Teil an seinem Sieg; wie? – indem sie ebenfalls ihr Leben in den Tod geben. Sie gingen nicht mit militärischer Macht vor.

Vgl. 14,1–5: Die 144,000 Sieger.

K. 12–14: Die 2 Kampfgruppen im geistlichen messianischen Krieg: Drache/Tier/Falschprophet ↔ Das Lamm und seine Nachfolger. (12,17; 13,7).

Aber 14,1: das Lamm und seine Armee (gezählt!) am Berg Zion (= der Ort des Sieges des Messiaskönigs über die feindlichen Mächte. Ps 2,6.)

Vgl. Jungfräuliche 14,4 gehört zum Bild der Armee. Sie sind alle männliche Krieger, gehorsam erfüllend die Erfordernisse nach ritueller Reinheit (5Mo 23,9–14; 1Sa 21,5; 2Sa 1,1: 9 – 1 3 2Mo 19,15; 3Mo 15,16–18: kultische Verunreinigung durch Samenerguss).

D. h. die moralische Reinheit des Gottesvolk als integre Krieger in der geistlichen Schlacht.

1Petr 2,11–12Enthaltet euch ‹stets› der fleischlichen Lüste– sie kämpfen gegen die Seele– 12 ‹und› habt eine edle Lebensführung unter denen von den Völkern

Sogleich aber wechselt das Bild von der Armee in das vom Opfer für Christus 14,5 – wie in 5,5.6 das Bild vom Löwen in das vom Lamm wechselt, das sich aufopfert: Ein Opfer für Gott muss untadelig sein:

„Off 14,5 Und in ihrem Munde wurde kein Falsch gefunden, denn sie sind ohne Tadel vor dem Thron Gottes.

Tadellos, das ist Opfersprache. Vgl. 2Mo 29,38; 3Mo 1,3; 3,1 ).

„keine Lüge/Falsch „= Wahrheit (↔ Die Lüge / Falschheit des Falschpropheten), vgl. Zef 3,13

Christus ist der treue/zuverlässige Zeuge, in seinem Munde – im Munde des Lammes Gottes – wurde kein Falsch gefunden: Jes 53,9.7

Die Nachfolger des Lammes (wohin es auch geht 14,4), ähneln ihm, d. h. sie ahmen seine Wahrhaftigkeit nach, indem sie selber treue Zeugen sind (Zeugen der Wahrheit; vgl. die Schlacht der Wahrheit gegen die Lüge: Joh 18 und 19. Das Versagen Petri. Der Sieg Jesu.) UND indem sie den Opfertod auf sich nehmen, zu dem ihr treues Zeugnis führte.

Vgl. 12,11 die 3 Bilder von den Erfordernissen im messianischen Krieg: Das Lammesblut, das treue Zeugnis und das Nicht–Lieben des Eigenlebens bis hin zum Tode 12,11.

Die Versiegelten werden vor den Winden bewahrt. (Dass Gott die Seinen verschont, wenn er Gerichte sendet, lesen wir auch im AT: 2Mo 8,18.19; 9,4.6.26; 10,23; 11,7.) Sie werden nicht vor der Verfolgungszeit hinweggenommen, sie werden aber in dieser Zeit bewahrt. Verschonung muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass sie nicht sterben werden. Aber bewahrt werden sie! Nicht ein einzige Haar wird ihnen gekrümmt.

Die Reihenfolge der Stämme: 7,4M–8

Off 7,4Mo „… Versiegelte aus allen Stämmen der Söhne Israels:“

Beachte die Anordnung: Sechs Paare.

Zuerst zwei ältere Söhne Leas (der vierte und der erste): Juda, Ruben: Juda steht an erster Stelle, weil aus ihm der „Löwe“ kommt. Auf Juda war das Königtum übergegangen, weil Ruben und Simeon und Levi es verwirkt hatten. Judas älterer Bruder Ruben, der älteste überhaupt, steht bei ihm.

Danach die beiden Söhne von Silpa, Leas Magd: Gad, Asser.

Danach Naftali, von Bilha, Rahels Magd. (Er steht allein, sein Bruder Dan fehlt. Statt ihm kommt Manasse, der älteste Sohn Josefs; er steht allein. (Ephraim wird nicht namentlich erwähnt, ist dann aber in Josef enthalten, weil er Josefs Sohn ist.)

Danach der 2. und 3. Sohn Leas: Symeon, Levi

Dann die zwei letzten Söhne Leas: Issaschar, Sebulon

Zuletzt die beiden Söhne Rahels (Josef und Benjamin). Josef steht bei seinem Bruder Benjamin ganz hinten, obwohl er es ist, auf den das Erstgeburtsrecht übergegangen war (1Ch 5,1.2). Aber Josef identifiziert sich mit seinem leiblichen geliebten Bruder Benjamin, dem Jüngsten.

Einer fehlt: Dan. Manasse gesondert erwähnt, wie in 1Chr 4–7. In 4Mo 13,11.8 steht Josef für Manasse, und Ephraim ist s

gesondert genannt; hier umgekehrt: Josef steht für Ephraim, und Manasse ist gesondert genannt.

Ephraim und Dan werden in Off 7 nicht mit Namen angeführt – nicht deshalb, weil Daniter einmal abtrünnig wurden (1Kön 12,29f), denn Dan wird in Hes 48,1 als im ewigen Königreich vorhanden genannt, sogar an erster Stelle. Für Ephraim steht Josef.

Die Tatsache, dass in Off 7 einer der Stämme fehlt (Dan), ist nicht von großer Bedeutung. Ein Stamm muss fehlen, um die Zwölfzahl zu erhalten; denn aus Josef wurden zwei: Ephraim und Manasse (1Mo 48). Vgl. die 20 Listen der Stämme (1Mo 29–30; 46; 49; 2Mo 1; 4Mo 1; 2=7; 13; 26; 34; 5Mo 27; 33; Jos 13–20; 1Chr 2,2; 2–8; 6,62–70; 6,71ff; 12,23.24; 27,16.17; Hes 48; 48,31ff; Off 7,4–8). Sie sind in verschiedener Reihenfolge. In 4Mo 34 fehlen Ruben und Gad, in 5Mo 33 fehlt Simeon, in 1Ch 2–8 fehlen Dan und Sebulon, in 1Ch 6,62ff fehlt Dan, in 1Ch 27,16 fehlen Gad und Asser, in 1Ch 2,2 und Hes 48,31ff wird Josef nicht in Manasse und Ephraim geteilt, in 1Ch 12,23.24 werden sogar 14 Stämme genannt, nämlich die dreizehn und zusätzlich der zweite Stamm Halb–Manasse.

Das Muster ist das von Hes 48 (in Bezug auf die Aufteilung des Landes). Johannes folgte der Zählweise, die zu seiner Zeit gängig war.

„Die Bedeutung der Namen der Stämme in Off 7:

„Juda

zum Lobpreis Gottes sind sie hier

Off 4,10f; 5,9–12

1. Petr. 1,3

„Ruben

Seht, sie sind Söhne Gottes

Off 21,3

„Gad

Glück und Freude prägt sie nun

Off 2,7

„Asser

Glückseligkeit ist nun ihr Los

Off 22,14

„Naphtali

sie sind im Kampf bewährt

Off 15,2

„Manasse

Gott macht ihr Leid vergessen

Off 7,17 iVm 6,10

„Simeon

ihr Flehen hat Erhörung gefunden

Off 6,10

„Levi

Anhängliche an Gott sind sie

Off 14,4

„Issaschar

ist ihr Lohn

Off 22,12

„Sebulon

Gott wird bei ihnen wohnen und sie erhöhen

Off 21,3

„Josef

Gott wird ihnen noch mehr hinzufügen

Off 21,7

„Benjamin

sie werden Söhne der Rechten Gottes sein und mitherrschen

Off 22,5

D. Chilton (in The Days of Vengence, S. 93) zitiert Farrer: „He makes a genuine three for Rachel, by substituting Manasseh’s name for Dan’s. In fact, the tribe of Joseph had become two tribes, Ephraim and Manasseh. Since Ephraim was Joseph’s principal heir, Joseph covers Ephraim; Manasseh is added. A by–product of this improvement is the disappearance from the list of Dan, one of the Twelve. Perhaps it will not have displeased St. John; let Dan be the Judas of the patriarchs. Dan had, in fact, a dubious reputation (Gen. 49:17; Lev. 24:10–11; 1 Kings 12:28–30; Jer. 4:15 and 8:16). In the end (Rev. 21:12– 14), St. John puts the names of the apostles round the city, pairing them with the tribes. We cannot suppose that Iscariot’s name would stand there, any more than Dan’s. „Then, as to the artificial promotion of Judah: instead of exchanging Judah and Simeon, St. John simply puts Judah up two places. The result is that Levi, not Simeon, is pushed out of the first three. The alteration is presumably deliberate, for in the new dispensation Levi is degraded. The priesthood is united with the kingship in the tribe of Judah, as the writer to the Hebrews so copiously explains; Levi has no special

standing (see especially Heb. 7:11 –14).“ (Austin Farrer, The Revelation of St. John the Divine, p. 108)

Bei den 12 Aposteln verhält es sich ähnlich. Paulus ist der 13. Apostel. Dennoch gehört auch er zu den Zwölfen, die das Fundament der Gemeinde ausmachen (Eph 2,20).

Off 5:

Off 7:

Was er hörte:

Was er hörte:

Löwe (König)

144 000 Versiegelte (Soldaten)

aus dem Stamme Juda

aus allen Stämmen der Söhne Israels, Juda zuerst

Was er sah:

Was er sah:

Ein Lamm, stehend, wie geschlachtet; … „du wurdest geschlachtet und erkauftest uns für Gott mit deinem Blut“ V. 9

Eine große Menge, die niemand zählen konnte, … „sie machten ihre Gewänder weiß durch das Blut des Lammes“ V. 14

Es starb für Menschen „aus jedem Stamm, [jeder] Sprache, Volksschar u. [jedem] Volk“ V. 9

Menschen „aus jedem Volk, [allen] Stämmen, Volksscharen u. Sprachen“ V. 9

Lamm „in der Mitte des Thrones „V. 6

Lamm „in der Mitte des Thrones „V. 17

„.. machtest … zu Königen und Priestern für unseren Gott … sie werden .. herrschen“ V. 10

„sie sind vor dem Thron Gottes und dienen ihm [als Priester] Tag und Nacht in seinem Tempelheiligtum.“ V. 15

„Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm ‹gebühren› in alle Ewigkeit das Lob und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht! „V. 13

V. 10: „Das Heil dem, der auf dem Thron .. sitzt, und dem Lamm!“

„Das Lob und die Herrlichkeit und die Weisheit und der Dank und die Ehre und die Kraft und die Stärke ‹gebühren› unserem Gott in alle Ewigkeit!“ V. 12

V. 14: die 24 Ältesten fielen nieder und huldigten dem, der in alle Ewigkeit lebt.

V. 11: und die Ältesten … fielen auf ihr Angesicht vor dem Thron und huldigten Gott.

Begriffe für das alte Israel in der Off

Begriffe für das wahre Israel in der Off

Die sagen, sie sind Juden und sind es nicht 2,9

Die Jesus Christus liebte (3,9)

Synagoge des Satans 2,9; 3,9

Leuchter, Gemeinde; K. 1–3

Sodom und Ägypten 11,8

Heilige, Knechte Gottes, Propheten,

Hure Babylon 14,8; 16,19; K. 17–18

Braut Neujerusalem (Off 21; 19,7f)

„Ich bin eine Königin, Witwe bin ich nicht „18,4 (= Falsche Selbsteinschätzung)

Priester Gottes; Könige K. 7; 5,10; 20,4–6

Die große Stadt K. 18

Die große Stadt, das heilige Jerusalem K. 21

 

Am Berg Zion stehend 14,1

 

„Mein Volk „18,4

2. Die unzählbare Schar vor dem Thron: 7,9–17

a. Allgemeines

In Off 7,9ff. wird dieselbe Schar, von der Johannes in V. 4ff hörte, nach dem Sturm gesehen: Eine unzählbar große Schar steht vor dem Thron Gottes. Sie sind Gerettete aus allen Völkern, einschließlich Israel. Das Lamm in der Mitte der Schar, derer, für die es starb; vgl. das Lamm in der Mitte in Off 5,6. – Ein ermutigender Blick ans Ziel.

Wie beachten die siebenfache Aufzählung: (1) große Menge, (2) nicht zählbar, (3) sie standen vor dem Thron, (4) ihre Kleidung, (5) die Palmen, (6) die Anbetung der Schar (Heil dem am Thron Sitzenden), (7) die Anbetung der Engel.

Wer sind diese Schar vor dem Thron?

V. 14: „Diese sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten ihre Gewänder weiß durch das Blut des Lammes.“

Hier wird der Sieg der Nachfolger des Lammes durch den Märtyrertod dargestellt.

Beachten wir den Platz, den das K. 7 in der Gliederung der Off. (zwischen der 6. und siebenten Siegelöffnung) einnimmt: Die

6. Siegelöffnung beschreibt eine Ankündigung des großen Gerichts (6,12–17); aber das Gericht (70 n. Chr.) wird noch hinausgezögert, bis die Knechte Gottes versiegelt sind (7,1–8). K. 7 bezieht sich zurück auf das 5. Siegel (Off 6,9ff.). Die getöteten Zeugen müssen noch warten, bis der Rest der Märtyrer vollständig ist. Das Gericht über die Mörder jener ersten Schar wird noch hinausgezögert, bis die übrigen Nachfolger des Lammes den noch ausständigen Märtyrertod (bis zum Jahr 70 n. Chr.) gestorben sind. In 7,9ff wird dann die gesamte Märtyrerschar (also inklusive der bis 70 n. Chr. Getöteten) als vor Gottes Thron stehend gesehen.

V. 15–17 wird in siebenfacher Weise beschrieben: DESWEGEN (1) sind sie vor dem Thron, (2) sie dienen, (3) der am Thron Sitzende wohnt über ihnen, (4) kein Hunger, (5) kein Durst, (6) keine Sonne sticht, (7) keine Hitze.

Der Zweck des Abschnitts ist, die Schar der Heiligen im letzten großen Kampf zur Treue zu ermutigen.

Johannes sieht eine unzählbare Schar. So viele sind sie geworden! Von überall her sind sie gekommen – wie ja der Löwe aus Juda auch Menschen von allen Völkern erkauft hat, Off 5,9. In 7,9ff steht das Lamm (nicht der Löwe) in der Mitte der Schar derer, für die es starb.

Der Text sagt, dass die Versiegelten die Knechte Gottes sind. Ab 7,9 sieht Johannes diese Schar, aber er sieht sie als solche, die bereits gekämpft haben, gekämpft bis zum Tod. Er sieht sie vor dem Thron als Priesterlich–Dienende, die Getreuen Gottes.

Sie sind in Weiß gekleidet, wie die aus 6,9 und die in 19,14.

Sie kamen aus der großen Bedrängnis, wurden in der Bedrängnis getötet, 7,14.

Sie sind durch das Blut des Lammes gewaschen wie die in 12,11.

Sie sind vor dem Thron, wie die von 12,5.11; 14,3 und 20,4–6 (vgl. 3,21).

Sie dienen als Priester (7,15 latreuousin; nicht: diakonousin, nicht: douleuousin),wie die in 20,6. Vgl. 22,3.

Sie dienen im neuen Heiligtum, dem ewigen Tempel (Off 21), wie die in 22,3 (latreuousin; nicht: diakonousin, nicht: douleuousin).

Gottes Name ist auf ihrer Stirn, 7,3; 14,1; wie in 22,4; vgl. 3,12.

Sie sind dieselbe Schar, die mit dem Lamm auf dem himmlischen Zion steht (14,1) und dem Lamme folgt, wo immer es hingeht (14,4).

Sie sind Erstlinge, aus dem Lande erkauft, 14,3.4 (vgl. 5,9).

Sie sind Tadellose. Das erinnert an das „Opfer ohne Tadel“ (3Mo 1,3.10); sie haben also ihr Leben als Opfer ohne Tadel hingegeben. Die Märtyrer von Off 14,5 sind dieselbe Schar wie die Märtyrer von 7,14; vgl. 15,2–4; 20,4–6.

Sie singen das besondere neue Lied der Erkauften, 14,3.

Sie erleiden kein Leid und Ungemach mehr, Off 21,4.

Sie trinken aus dem ewigen Quell, wie 21,6.

Sie werden ernährt vom Lamm, wie 22,1ff.

Sie weinen keine Tränen mehr, Gott wischt sie ab, 7,17; 21,4.

Gott wird um sie her wohnen, 7,15; 21,3.

Diese Schar von 7,9ff wird nicht von einer anderen Heerestruppe unterschieden, als ob es zwei verschiedene gäbe. Hier ist nicht Jude noch Grieche, Gal 3,28; Kol 3,11.

Die 144000 von Off 7 und 14 sind eine Erstlings–Schar (14,4). „Erstlinge“ versprechen eine noch folgende Ernte. Es kommen also noch Märtyrer nach.

Diese hier werden als bereits am Ziel Stehende geschaut. Sie dürfen den Messias beim Gericht über das Tier (19,14.15.19) begleiten (vgl. 2,27; Ps 149,6–9).

Wir lernen: Es geht, wie im gesamten Brief der Off, um die Ermutigung der Heiligen, die zur Zeit der Abfassung des Briefes vor dem baldigen Märtyrertod standen. Das war vor 70 n. Chr.

Und eben sie werden als die Versiegelten, als die getreue Kriegsschar des Königs, als das wahre Israel–Heer, angekündigt.

Johannes sieht sie nicht, hört nur von ihnen, ehe sie in den Kampf treten: eine gezählte Israelitische Heerestruppe. Danach (Off 7,9ff) sieht er sie in der Herrlichkeit als eine sehr große Schar, gekommen aus allen Völkern, stehend vor dem Thron Gottes. – Welch große Ermutigung!

b. Die Anbetung der unzählbaren Schar: 7,9.10

7,9: „Nach diesem sah ich und – siehe! – eine zahlreiche Menge, die nicht einer zählen konnte, …“

Unzählbar, aber Gott zählt sie. Der Ausdruck „unzählbar“ bedeutet nicht, dass die Zahl unendlich groß ist: Wenn man aufhört zu zählen, heißt das nicht, dass die Sache im heutigen wissenschaftlichen Sinne nicht gezählt werden kann. Der Ausdruck bedeutet, dass sie so viele sind, dass man es nicht überblicken kann und es keinen Sinn machen würde, anfangen sie einzeln zu zählen, weil man mit Zählen nicht fertig werden würde. Vgl. die Bsp. im AT, wo von unzählbaren Scharen die Rede ist: die Nachkommen Ismaels 1Mo 16,10; das Getreide in Ägypten 1Mo 41,49; die Midianiter Ri 6,5; 7,12; das Volk Israel zur Zeit Salomos 1Kön 3,8; die Opfertiere 2Ch 5,6; die Soldaten der Philister 1Sa 13,5; Israel zurzeit Absaloms 2Sa 17,11;

die Wachteln in der Wüste Ps 78,27; Abrahams Nachkommen Hebr 11,12; u. a.

„… aus jedem Volk und [allen] Stämmen, Volksgruppen und Sprachen.“

Ein „Volk“ (auch eine Volksschar bzw. eine Volksgruppe) ist vereint durch gemeinsame Führer, Sitten und Gesetze, durch eine gemeinsame Geschichte; „Stämme“ sind vereint durch Blutsverwandtschaft; „Sprachen“ meint Menschen, die durch die gemeinsame Sprache vereint sind. Israel ist in dem Begriff „alle Völkern“ mit eingeschlossen. Israel wird im AT oft goi (Volk; Heiden; die Schlachter–Übersetzung übersetzt „Heidenvolk“) genannt. In Hes 2,3 sagt Gott: „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern (d. h.: „Heiden“), die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter waren von mir abtrünnig bis zu ebendiesem Tag.“

V. 9M: „Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, umkleidet in weißen langen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen.“ – Die olympischen Sieger in Griechenland und Rom bekamen damals Palmzweige als Siegeszeichen. Sie sind Sieger. Nicht sie selbst haben sich bewährt, Gott hat sie durchge­bracht.

V. 10 „Und sie rufen mit großer, ‹lauter› Stimme und sagten: ‚Das Heil dem, der auf dem Thron unseres Gottes sitzt, und dem Lamme!’„ – Gott sitzt ruhig auf dem Thron, trotz der Stürme. „Heil/Rettung“ wird ihm zugesprochen. Man könnte das Wort „Heil/Rettung“ auch i. S. v. „Bewahrung“ übersetzen, denn „retten“ heißt im NT oft auch „bewahren“. D. h., die „Rettung und Bewahrung“ ist Gottes, weil sie von ihm her geschieht. Er sitzt auf dem Regierungsstuhl. Er vermag seine Erlösten durch die Geschichte der Regimenter durchzuretten und zu bewahren. Unsere tägliche Bewahrung kann nicht uns selbst zugeschrieben werden.

c. Die Anbetung der Engel: 7,11.12

V. 11 „Und alle [himmlischen] Boten standen …“

Sie stehen, sie sitzen nicht. Die übliche Gebetshaltung in der Heiligen Schrift ist Stehen oder Knien.

„… um den Thron und die Ältesten und die vier lebenden Wesen und fielen auf ihr Angesicht vor dem Thron und beteten Gott an, ‹huldigten ihm›, …“

V. 12 „.. und sagten: ‚Amen! Das Lob und die Herrlichkeit und die Weisheit und der Dank und die Ehre und die Kraft und die Stärke ‹gebühren› „unserem Gott in ‹alle› Ewigkeit.’„

Eine siebenfache Anbetung/Huldigung: (1) Lob, (2) Herrlichkeit, (3) Weisheit, (4) Dank, (5) Ehre, (6) Kraft, (7) Stärke.

„Amen!“ Ja, wahrlich! So ist es!

d. Ihre Herkunft: 7,13–15M

V. 13: „Und es erwiderte einer der Ältesten und sagte zu mir: „Diese, die in weißen Gewändern umkleidet sind, wer sind sie, und woher kamen sie?“ (Zwei Existenz­fragen: Wer bist du. Woher kommst du?)

Es handelt sich um eine pädagogische Frage des Engels an Johannes.

→ Wir lernen: Man muss wissen, ob man zu den Geretteten gehört; wer es nicht weiß, gehört vielleicht selbst nicht dazu.

Es ist wichtig zu wissen, woher diese Geretteten kommen; aus so großer Bedrängnis hat Gott sie durchgebracht; wir dürfen schätzen lernen, was es heißt, durch Gott bewahrt zu werden.

V. 14: „Und ich sagte zu ihm: ‚Herr, du weißt es.’ Und er sagte zu mir: ‚Diese sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, …’„

Es gibt zwei Parallelen: Die Parallele in Dan 12,1 („… und es wird eine Bedrängniszeit sein, wie sie nie gewesen ist, seit das Volk entstand, bis zu jener Zeit“) bezieht sich auf die Zeit des Antiochus. Die Parallele in Mt 24,21 bezieht sich auf die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems: „…, denn es wird dann große Bedrängnis sein, eine solche, die seit Anfang der Welt bis jetzt nicht geschehen ist, auch keinesfalls geschehen wird.“

Der Ausdruck ist in Off 7,14 determiniert („aus der großen Bedrängnis“, griech. ek tees thlispeoos tees megalees),

Johannes spricht auch in 1,9 von Bedrängnis: „Ich, Johannes, der auch euer Bruder ist und Mitteilhabender an der Bedrängnis“.

Auch Paulus spricht von Bedrängnis (1Thes 3,3): „… damit niemand wankend gemacht werde in dieser Bedrängnis, denn ihr wisst selbst, dass wir dazu gesetzt sind“. Vgl. Apg 14,22.23; 2Kor 1,4; 2Tim 3,12.

V. 14M: „‚und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten ihre Gewänder weiß in dem Blute des Lammes.“

Wir beachten den Unterschied zu Off 1,5E: Dort steht, dass ER sie wusch (Vgl. 1Petr 1,2: „Blutbesprengung“, d. h.: bei der Heilswende/Umkehr zu Christus), hier (7,14) steht, dass SIE ihre Gewänder wuschen, d. h., sie haben das Blut, das Jesus Christus für sie vergossen hat, für sich persönlich in Anspruch genommen. Das ist es, was wir nicht nur in der Bekehrung, sondern auch täglich zu tun haben, im praktischen Sinne: uns reinigen lassen. Vgl. 1Joh 1,7–9. Vgl. 1Joh 3,3: „Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst ‹wiederholt›, so wie er (d. i.: Jesus Christus) rein ist.“

Die große Bedrängnis in Off 7,14 ist die von Mt 24,21. Hier ist der Rest der Märtyrer, von denen in 6,9–11 die Rede war.

In Off 7,9ff. sieht Johannes das, wovon er gehört hatte. Nun stellt er fest, dass dieses israelitische Herr (die 144000) eine unzählbare Menge von Märtyrer–Heiligen ist, eine Schar aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen.

V. 15 „Deswegen sind sie vor dem Thron Gottes …“

Weswegen? Vgl. V. 14. Weswegen werden gewisse Menschen vor dem Zorn des Lammes (6,17) bestehen? – Wegen des Blutes des Lammes.

„… und dienen ihm ‹in Verehrung› Tag und Nacht“

Das griech. Wort für „dienen“ (latreuein) ist das Wort, das für gebührenden Priesterdienst gebraucht wird, den man Gott schuldet. Wir schulden es, Gott, unserem Herrn, Tag und Nacht im Dienst zur Verfügung zu stehen.

„… in seinem Heiligtum.“

Nicht in einem irdischen Tempelheiligtum (s. Joh 4,21–24; Hebr 9). Die himmlische Gemeinschaft wird eine geistliche Tempelgemeinschaft sein. Der Herr ist der Tempel und das Lamm; der himmlische „Tempel“ ist ein geistliches Haus, ein Allerheiligstes: 21,22. Der neue Tempel ist letztlich die gesamte Stadt Neu–Jerusalem, das gesamte neue „Land“, das ja von jener Stadt gänzlich ausgefüllt ist. (Siehe die Bemerkungen zu Off 21.)

Die Erlösten sind Könige und Priester; Off 1,6. Als solche dienen sie im Tempel ohne Unterlass, ohne Unterbrechung.

Gott breitet sein Zelt, seine Herrlichkeit über sie aus. (Vgl. 2Mo 40,34; 4Mo 9,15–23.) Und er nimmt sie in seine Wohnung auf in ewiger Gemeinschaft (Vgl. Jes 4,5f; 49,10; Ps 27,5.)

e. Ihre Zukunft: 7,15M–17

V. 15M: „Und der auf dem Thron Sitzende wird über ihnen ‹und um sie› sein Wohnzelt haben“

Im Griech. steht eigtl. „zelten“. Das hier verwendete griech. Wort ruft das alttestamentliche Zeltheiligtum Gottes vor dem Tempelbau, das „Zelt der Zusammenkunft“, in Erinnerung. Ebenso in Off 12,12; 13,6; 21,3

Man vergleiche Off 21,1-7, aber hier sind es jene Märtyrer, die diese Segnungen genießen. Sie werden belohnt und getröstet.

Das war eine große Ermutigung für die damaligen Leser des Briefe, die ebenfalls vor dem Märtyrertod standen.

V. 16: „Es wird sie nicht mehr hungern; und wird es sie nicht mehr dürsten; und es wird nicht die Sonne auf sie fallen, auch nicht irgendeine Hitze, …“

Hier ist es für die Heiligen möglich zu hungern, dort nicht mehr.

V. 16.17 ist fast wörtlich aus Jes 49,9.10 entnommen: „Sie werden an den Wegen weiden, und auf allen kahlen Höhen wird ihre Weide sein; sie werden nicht hungern und nicht dürsten, und weder Luftspiegelung noch Sonne wird sie treffen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und wird sie zu Wasserquellen leiten.“

Hes 34,23–31: „Und ich werde einen Hirten über sie erwecken– und er wird sie weiden–: meinen Knecht David: Der wird sie weiden, und der wird ihr Hirte sein. 24 Und ich, Jahweh, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, Jahweh, habe geredet. 25 Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen schließen und werde die bösen Tiere aus dem Lande vertilgen. Und sie werden in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern schlafen. 26 Und ich werde sie und die Umgebung meines Hügels zum Segen machen. Und ich werde den Regen fallen lassen zu seiner Zeit, Regen des Segens werden es sein. 27 Und der Baum des Feldes wird seine Frucht geben, und das Land wird seinen Ertrag geben. Und sie werden in ihrem Lande sicher sein. Und sie werden wissen, dass ich Jahweh bin, wenn ich die Stäbe ihres Joches zerbreche und sie aus der Hand derer rette, die sie knechteten. 28 Und sie werden nicht mehr den Völkern zur Beute sein, und die wilden Tiere der Erde werden sie nicht mehr fressen; sondern sie werden in Sicherheit wohnen, und niemand wird sie aufschrecken. 29 Und ich werde ihnen eine Pflanzung erwecken zum Ruhm, und sie werden nicht mehr durch Hunger weggerafft werden im Lande und nicht mehr die Schmach der Völker tragen. 30 Und sie werden wissen, dass ich, Jahweh, ihr Gott, mit ihnen bin und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind,– [ist der] Ausspruch meines Herrn, Jahwehs. 31 Und ihr, meine Herde, Herde meiner Weide, ihr seid Menschen; ich bin euer Gott,– [ist der] Ausspruch meines Herrn, Jahwehs.“

Dem dreimaligen Nein von V. 16 steht ein dreimaliges Ja in V. 17 gegenüber:

V. 17 „… das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, ein Hirte für sie sein wird und sie zu lebenden Wasserquellen führen wird; und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.“

Jes 25,8–10: „Den Tod verschlingt er (o.: löscht er aus; wischt er weg) für immer. Und mein Herr, Jahweh, wird die Tränen von jedem Angesicht abwischen, und die Schmach seines Volkes wird er wegnehmen vom ganzen Land; denn Jahweh hat geredet. 9 Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde; da ist Jahweh, auf den wir harrten! Lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung! 10 denn die Hand Jahwehs wird auf diesem Berge ruhen.“

Die in den Siegeln 1–5 erwähnten Dinge (K. 6,1–11) brachten viele Tränen hervor. Viele haben geweint, und viele haben gefragt: ‚Warum?’ Und: ‚Wie lange noch?’ – Die Antwort: Jesus Christus selbst wurde Teil dieses Leidens, indem er das „Lamm“ Gottes wurde. ER kann alle seine Heiligen sehr gut verstehen, er kann mitempfinden, er kann Tränen abwischen. Die Zukunft wird keinen Anlass mehr zum Weinen geben. Hier ist das Bild von Kindern, die geweint haben: Ihre Tränen stehen ihnen noch auf den Wangen; aber mittlerweile ist die Freude eingekehrt – und die noch auf den Wangen sichtbaren Tränen werden abgewischt.

Alle diese stehen vor dem Thron und warten, auf das, was jetzt kommt: Off 8,1.

Der Herr ist langsam zum Zorn. Es gibt noch Verzögerung. Das siebente Siegel beinhaltet gleichsam die sieben Posaunen. Die Verzögerung wird in den sieben Posaunen dargestellt: Gott warnt noch. Die Gerichte sind nur Teil-Gerichte („ein Drittel“).

Die Gebete von 6,9–11 kommen vor Gott: Off 8,2.

Man hatte gebetet, Gott möchte einschreiten und das Leiden der Heiligen verkürzen und die Getöteten rächen. Gottes Antwort: „Stimmen und Donner und Blitze und ein Beben“ (8,5).

f. Zur Indentität der zwei Gruppen in Off 7

A: Die Meinung, die zwei Gruppen seien verschiedene: Die erste: die Judenchristen, und die zweite: die Heidenchristen. Man meint, die erste Gruppe sei „Israel“, d. h., der jüdische Teil der Gemeinde Jesu Christi. Die Frage wäre dann, warum gerade dieser Teil hervorgehoben würde, denn auch die Heidenchristen werden ja versiegelt werden, wie Off 9,4 zeigt. – Dagegen spricht, dass es im neuen Bundesvolk nicht mehr die Unterscheidung zwischen Juden und Heiden gibt, Eph 2, Gal 3, Kol 3.

A1: Andere meinen, es seien mit der ersten Gruppe nur die Christen aus Palästina gemeint. Aber es gibt keinen Grund, sie von den anderen Christen zu trennen. Johannes schrieb seinen Brief an Christen in Kleinasien.

B. Andere meinen, die erste Gruppe seien israelitische Christen, die erst nach der „Entrückung“ zum Glauben gekommen sind. – Das ist allerdings sehr weit hergeholt. Außerdem ist in der Off von einer „Entrückung“ der Gemeinde vor der Bedrängniszeit keine Rede.

Würden die 144000 die Schar von solchen darstellen, die erst nach der Entrückung zum Glauben kommen, so ergäben sich unüberwindliche Probleme:

1. Das Fehlen eines Hinweises dafür, dass die Gemeinde Jesu eine Zeitlang Jahre vor dem Kommen des Herrn zum Gericht entrückt würde.

2. Das Schaffen einer neuen Gesellschaft von Nach–Entrückungs–Erlösten, die nicht zur Gemeinde des Herrn gehören, die „Heiligen der Trübsalszeit“, etwas das die Heilige Schrift nicht kennt. (Übrigens wären diese dann in einem irdischen Messianischen Königreich als nicht auferstandene und nicht verwandelte Menschen, die gemeinsam mit der Gemeinde Jesu regieren würde (20,4–6), obwohl das nicht ihnen, sondern der Gemeinde Jesu verheißen war (2,25.26; 5,9.10). Sie würden dann zur „ersten Auferstehung“ (20,4–6) gehören, obwohl sie noch nicht auferstanden sind. Denn die Auferstehung würde ja bei der Entrückung stattfinden, die sie aber verpasst hätten, weil sie sich ja erst nach der Entrückung bekehrt hätten. Um das Dilemma zu lösen, müsste man eine „zweite Auferstehung“ der Heiligen erfinden, von der die Heilige Schrift aber an keiner Stelle etwas sagt. Im Gegenteil: In Off 20 ist die Rede von einem zweiten Tod.

3. Damit hätte man dann eine neue Klasse von Erlösten geschaffen, eine Schar von vollkommenen, auferstandenen Mitregenten, die aber nicht die gleiche Stellung haben wie die anderen Erlösten. Dem widerspricht Hebr 11,39.40.

C. Wir meinen, es handelt sich bei den zwei Gruppen um dieselbe Schar, aber von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachtet. Das entspricht dem Zusammenhang der Off und steht in Einklang mit der apostolischen Lehre im gesamten Neuen Testament.

Die Gottesknechte werden zuerst als das israelitische Heer des Löwen (d. h.: des Königs) aus dem Stamm Juda dargestellt, wobei die Heidenchristen in das Gottesvolk eingepfropft sind und deshalb auch zu Israel gehören (Rm 11). Wichtig ist, dass Johannes die erste Schar nicht sieht; er hört lediglich von einer Versiegelung eines israelitischen Heeres. Was der dann sieht, ist eine unzählbare Schar aus alle Stämmen, Völkern und Sprachen (ab V. 9). Dieses entspricht Off 5,5.6, wo er zuerst von dem königlichen Löwen aus dem Stamme Juda hört, aber dann ein Lamm sieht, das für alle Stämme, Völker und Sprachen gestorben ist.

Off 7,1–8 handelt von der Situation vor dem Sturm, 7,9–17 von der Situation nach dem Sturm.

In der Parallele 14,1–5 werden diese Märtyrer nochmals vorgestellt, stehend auf dem Berg Zion, „vor dem Thron“ Gottes (14,3).

In jene 144000 „Israeliten“ (Off 7,4-8) waren die, die aus den Völkern sind, eingepfropft (Röm 11). Wir müssen dieses Heer von Versiegelten, von denen Johannes in Off 7,3 hörte und die er in dem Gesicht in Off 14,1-5 sah, als Bild auffassen.

D. Die Öffnung des siebten Siegels und das Schweigen im Himmel 8,1

Zu Off 8 und 9 und 16 vgl. die Flüche in 5Mo 28 (Parallelen: Plagen, Geschwüre, Pest/Seuchen, Heuschrecken [die das Grüne/Bäume fressen], Hunger/Durst, Mangel; Adler; Götzendienst; Rückkehr nach Ägypten)

Off 8,1: „Und als er (d. i.: der, der das Lamm ist) das siebente Siegel öffnete, trat im Himmel ein Schweigen ein von etwa einer halben Stunde.“ Vgl. Off 4,8M; Sach 2,17; Hab 2,20.

Eine halbe Stunde schweigt in der Vision alles. Das ist sehr außergewöhnlich, denn im Himmel ist unaufhörlicher Lobpreis (4,8). Nun hören selbst die lobenden Engel auf, zu sprechen.

Mit dem Brechen des letzten Siegels ist das Buch offen. Der ganze Himmel wartet atemlos auf das, was nun kommt. Mit dem Brechen des siebenten Siegels erwartet man, dass der Erbe, der König Israels, sein Erbe antritt und das Königreich vollendet.

Nach der Öffnung des 6. Siegels wurde der große Tag des Zornes des Lammes angekündigt. Aber bevor der Herr in seinem Zorn zum Gericht über das Volk kommt, ruft Gott laut zur Buße auf.

Israel war gerichtsreif gewesen, und Gott hatte seine letzten Warner geschickt (vgl. Mal 3,23.24; Lk 1,17; 3,7–9.16.17), hatte aber sein Gericht noch hinausgezögert, nachdem die Pächter des Weinbergs den Sohn des Besitzers getötet hatten (Lk 20,9–18). Alle bekamen nochmals die Gelegenheit, sich persönlich für oder gegen den Gesalbten (den Christus ) zu entscheiden. „Den Juden zuerst“ war das Motto des Apostels Paulus gewesen (Rm 1,16; 2,9.10; 15,8; Ag 3,26; 13,46). Gott hatte in ganz Israel und im ganzen römischen Weltreich unter den Zerstreuten seines Volkes (Joh 11,52) das Evangelium verkündigen lassen. Sie wollten nicht Buße tun. Nun erfolgt eine abermaliges Hinauszögern des Gerichts. Im Evangelium war der Ruf Gottes sanft ergangen (Rm 2,5), nun ergeht er laut – in sechs ernsten Warngerichten.

Zurück zu V. 1: Eine mögliche Interpretation des Schweigens ist diese: Bevor den Heiligen gesagt wird, was geschehen soll, sehen es die Engel. Jedes Lebewesen im Himmel schweigt in Erschaudern. Vgl. 2 Ch 29:28–29. Es ist furchtbar, was kommen wird. Die „Stille vor dem Sturm“, eine Vorbereitung des Gerichts. Vgl. Jes 41,1: „Wendet euch schweigend zu mir, ihr Inseln ‹und Küstenländer›. Und die Völkerschaften mögen neue Kraft gewinnen; sie mögen herannahen, dann mögen sie reden; lasst uns miteinander vor Gericht treten!“ Zef 1,7: „Still vor meinem Herrn, Jahweh!, denn nahe ist der Tag Jahwehs; denn Jahweh hat ein Schlachtopfer bereitet, er hat seine Geladenen geheiligt.“

Hab 2,20–3:1: „Aber Jahweh ist in seinem heiligen Palast: Schweige vor ihm, ganze Erde!“

Eine halbe Stunde lang Schweigen!

→ Wir lernen: Es ist gut, vor Gottes Größe und Macht stille zu werden.

Da durchbrechen Stimmen das Schweigen – nicht die posaunenden Engelwesen, sondern die Gebete der Heiligen.

Die halbe Stunde könnte ein Hinweis auf die Darbringung des Brandopfers sein, denn etwa so lange dauerte das Räuchern (Off 8,3.4; vgl. 3Mo 16,13.14; Lk 1,10.21).

III. Teil: Sieben Posaunen (Inhalt des siebenten Siegels) 8,2–11,19

A. Einleitung zu den sieben Posaunen: 8,2–6

1. Das Auftreten der Posaunenengel: 8,2

V. 2.: „Und ich sah die sieben Boten, die sich vor Gott gestellt haben, …“

Da stehen sie, wartend, um Aufträge von ihm zu empfangen. Und wenn sie keine bekommen, ist ihre Aufgabe einfach die, für Gott bereit zu sein. Die Engel sollen selber das sein, wozu sie dann durch die Posaunen aufrufen: bereit zum Aufbruchs!

„und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben.“

Wenn der Posaunenschall ertönte, machte sich das Gottesvolk in der Wüste bereit zum Aufbruch (4Mo 10,1–10). Die Posaunen sind auch ein Zeichen des Aufrufes zum Anbetung, wenn Gott sich offenbart (2Mo 19,16). Andererseits ist der Posaunenschall auch eine Ankündigung des (vollendeten) Königreiches Gottes (Off 11; Mt 24,31)

Das, wozu die Posaunen 1–6 aufrufen, gehört zum Inhalt des sechsten Siegels. Das siebente Siegel beinhaltet die sieben Posaunen.

2. Der Engel mit dem Räucherfass: 8,3–5

V. 3: „Und ein anderer Bote kam und wurde an den Altar gestellt.“ – Gemeint ist der goldene Räucheraltar „vor dem Thron“, (d. h., vor dem Bundesladendeckel) in dem Allerheiligsten.

„Er hatte ein goldenes Räuchergefäß. Und es wurde ihm viel Räucherwerk gegeben, …“

– viel, weil viel und lange gebetet worden ist, Off 6,10.

„… damit er es zu den Gebeten aller Heiligen gebe auf den goldenen Altar,“ (2Mo 40,27; 3Mo 16,12) „der vor dem Thron ist.“

Der Ausdruck „zu den Gebeten“ zeigt Johannes, dass jene Gebete der Heiligen von 6,10 nun im Begriff sind, beantwortet zu werden. Die Gebete haben Kraft , bewirken Gottes Eingreifen.

→ Wir lernen: Woher kommt die Kraft unserer Gebete? – Vom Altar. Der Altar hat Hörner (9,13), die sprechen von „Kraft“.

Der Herr, Jesus Christus, ist für uns gestorben und auferstanden. In seinem Namen (d. h.: in seinem Auftrag) gebetet, haben die Gebete Kraft. Das, wofür ich bete, bestimmt der, der mich zum Vater „schickt“, in seinem Namen.

Die Gebete werden im Himmel aufgespeichert, gesammelt, bis zur Erhörung. Lernen wir also zu warten und weiterhin beständig im Glauben zu beten.: „Gott stellt den Glauben auf die Probe, und zwar in schlimmer werdenden Zeiten und Umständen. Bäcker backen, Schuster flicken Schuhe, Christen beten. Beten ist unser Beruf. Ich bin ein qualitativer Christ in dem Maße, in dem ich bete. Die Qualität meiner Beziehung zu Gott kann an meinem Gebetsleben gemessen werden. Auf diese Weise vor allem macht die betende Gemeinde Geschichte. Wir beten – Gott handelt; auch in der Politik, in der Kindererziehung, in der Gemeinde. Beten schließt Handeln nicht aus. Regierungen haben sich verändert auf Grund von Gebeten. Gott handelt in der Weltgeschichte – wir handeln mit, arbeiten mit ihm zusammen. Unser Anteil ist vor allem das geistliche Engagement auf den Knien. Es gibt eine bestimmte Beziehung zwischen Gebet und Gericht Gottes in dieser Welt und Handeln Gottes in der politischen Welt.“ (Herbert Jantzen zu Lk 18,7.8)

Off 8,4 „Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen auf vor Gott aus der Hand des Boten.

Vgl. die Gefäße der 24 Ältesten von 5,8.

„Mit den Gebeten der Heiligen“ sollte der Engel das Räucherwerk (Ps 141,2) auf den Altar geben.

Die Gerichte kommen vom Altar her. Sie sind Antwort auf Gebet (9,13.14). Es gibt kein Hinauszögern mehr, keinen Aufschub, keine Frist (10,6) mehr.

V. 5 „Und der Bote nahm das Räuchergefäß, [nahm] von dem Feuer auf dem Altar und füllte es, und er warf es auf das Land.“

Der Hohepriester im Alten Testament nimmt Feuer vom Brandopferaltar und Rauchwerk vom Rauchopferaltar. Der Rauch steigt auf vor Gott. Mit diesem Rauch tritt er – einmal im Jahr – ins innerste Heiligtum. Das Feuer, das der Priester vom Brandopferaltar nahm, war ein Feuer, das von Erlösung sprach. Aber wenn die Erlösung (der Brandopferaltar, der symbolisch für das Kreuz von Golgotha und das Opfer Christi steht) abgelehnt wird, wird das Feuer eben dieses Brandopferaltars zum Feuer des Gerichts. In V. 7 lesen wir, dann: „Und es entstand Hagel und Feuer vermengt mit Blut, und es wurde auf das Land geworfen.“

– „… mit Feuer vermengt“, nicht mit Weihrauch. Das Feuer, das benötigt wird, damit die Gebete als Rauchopfer zu Gott aufsteigen, ist dasselbe Feuer, das verwendet wird, um im Land das göttliche Gerichtswerk auszuführen.

Vgl. Hes 10,2–3: „Und er sagte zu dem in Leinen gekleideten Mann: ‚Gehe hinein zwischen den Räderwirbel unterhalb des Cherubs und fülle deine Hände mit Feuerkohlen von dem Raum zwischen den Cherubim, und streue sie über die Stadt hin.’ Und er ging vor meinen Augen hinein …“

→ Wir lernen: Die Gebete der Heiligen haben mit dem, was „im Land“ geschieht, sehr viel zu tun. Sie bewirken etwas, jeder in seinem Land. In dem Maße, in dem die Heiligen in dem jeweiligen Land, in der jeweiligen Umgebung, wo sie sind, beten, handelt Gott – entweder rettend oder richtend, wenn richtend, dann zuerst mit Warngerichten, danach mit Zorngerichten.

V. 5 (Mitte): „Und es entstanden Stimmen und Donner und Blitze und ein Beben.“

3. Die Vorbereitung zum Posaunen: 8,6

V. 6: „Und die sieben Boten, die die sieben Posaunen hatten, machten sich selbst bereit, damit sie posaunten.“

Die „letzten Tage“ begannen mit der Himmelfahrt und Inthronisation des Messias Jesus (Apg 2,17; 2,30–36). Sie dauerten bis zur Ausübung des Gerichtes über das Bundesvolk, das seinen Herrn und Erlöser verworfen hat.

Die Posaunen 1–4 betreffen die Umwelt jener Menschen im Lande. Ein Teil (w.: „ein Drittel“) der Bevölkerung und des Landes selbst wird geschlagen.

Die Posaunen blasen. Gott ruft den Menschen zum Aufbruch: „Mache dich auf, deinem Gott zu begegnen. Tue Buße!“ (Off 9,20.21). Und Gott kündigt mit den Posaunen die Herrschaft seines Sohnes offiziell an.

B. Das Blasen der ersten sechs Posaunen: 8,7– 9,21

Der „Tag des Herrn“ ist in der Bibel immer der Tag des offiziellen Eingreifens des Herrn, er ist ein Tag des Posaunenblasens (Zep 1,16; Mt 24,30.31; 1Kor 15,52; 1Thes 4,16), des Aufbruchs. Gott erhebt sich.

Die Schrecknisse von Off 8 und 9 kündigen die Herrschaft des Messias an. Wollen die Menschen des Bundesvolkes sich in Todesangst an das Vergehende klammern? Oder werden sie sich dem richtenden Herrn übergeben? Insofern Letzteres der Fall ist, werden die Gericht ankündenden Posaunenstöße für sie zu Fanfaren des Sieges, Posaunen, die den Siegesmarsch des erhöhten Christus ankündigen. Die treuen Nachfolger des Messias brauchen sich nicht zu fürchten.

Johannes sieht, was „in Kürze“ (1,1) – „nach diesem“ (4,2) – geschehen wird. Es geht um Dinge, die von seinem Standpunkt aus in der nahen Zukunft lagen.

Die Posaunen erinnern an Gottes Offenbarung am Sinai. Die Gerichte erinnern an die Plagen in Ägypten, als Jahweh sich anschickte, Israel zu erlösen (2Mo 8–11). Gott richtete die alte „Welt“, die sein Volk versklavte und verfolgte. Die göttlichen Plagen in Ägypten waren eine Antwort auf das Gebet des bedrückten Gottesvolkes (2Mo 6,4–7); Gottes Ziel war es, sein Volk zur Königsherrschaft zu bringen (2Mo 19,4–6). In der Off steht Gottes Volk vor der „zweiten“ (der eigentlichen, wahrhaftigen) Erlösung, dem „zweiten Exodus“, um das himmlische „Land“, das ewige Erbteil, in Besitz zu nehmen (vgl. Jes 11).

Die ersten vier Posaunen sollten nicht so aufgefasst werden, als würden die Ereignisse, die ihr Blasen begleiten bzw. einleiten, zeitlich hintereinander geschehen – wie auch die ersten vier Siegel nicht so aufgefasst werden dürfen. Es geht nicht um eine linear–chronologische Darstellung von historischen Ereignissen. Die Tatsache, dass die Posaunen 1–4 nach demselben Muster wie die Schalen (Plagen) 1–4 ablaufen, bestätigt diese Vermutung.

Die Katastrophen, die durch das Blasen der Posaunen angekündigt werden, betreffen jeweils „ein Drittel“ (14-mal in den V. 8,7-12; 9,15.18; vgl. Hes 5,2.12), d. h., einen Teil.

Hes 5,2: „Ein Drittel sollst du mit Feuer verbrennen inmitten der Stadt, wenn die Tage der Belagerung voll sind; und ein Drittel sollst du nehmen, und rings um sie her mit dem Schwerte schlagen; und ein Drittel sollst du in den Wind streuen, denn ich werde das Schwert ziehen hinter ihnen her.“

Gottes Warngerichte treffen die Menschen „im Land“, in Israel; ein beträchtlicher Teil des Volkes geht zugrunde. Das Blasen der 5. und 6. Posaunen bildet das erste und das zweite „Wehe“ über Israel: Beim Blasen der fünfte Posaune werden die Menschen, die Bewohner des Landes, von Qualen befallen, doch nicht ausgerottet. Die sechste Posaune läutet einen großen Krieg ein, der ein Drittel der Menschen im Land Israel dahinrafft. Die siebente Posaune, das dritte Wehe, kündet den Herrschaftsantritt des Messias an.

Wir beachten, dass die Posaunengerichte 1–4 Warngerichte sind. Ebenso die Posaunen 5 und 6.

Nachdem die Menschen sich nicht durch Gottes sanftes Reden (d. h.: durch Gottes Güte, Rm 2,4) zur Buße haben leiten lassen, kommt Gottes lautes Reden. Das Ziel der Posaunenstöße 1-6 ist die Buße des Volkes, das den eigenen Messiaskönig abgelehnt hat (Off 9,20.21). Erst in Off 11,18 ist die Rede vom „Zorn“. Erst das Blasen der siebenten Posaune also (11,15) bringt das göttliche Zorngericht.

1. Posaune: Das Land – Wohnbereich und Pflanzen (d. h.: Pflanzennahrung) sind betroffen: 8,7

V. 7: „Und der erste Bote posaunte. Und es entstand Hagel und Feuer vermengt mit Blut, und es wurde auf das Land (o.: zur Erde) geworfen.“

„… auf das Land“. Mit dem Land ist Gottes Land gemeint: Israel.

Die Parallele im AT: die siebente Plage Ägyptens (2Mo 9,22–25). In Off 8 aber ist der Hagel mit Blut und Feuer vermengt.

„Und ein Drittel der Bäume wurde verbrannt, …“ – Bei einem großen Krieg werden die Bäume des Landes verbrannt.

„… und alles grüne Gras wurde verbrannt.“ – In Off 9,4 ist noch Gras vorhanden. Das sollte nicht irritieren, denn der Begriff „alles“ ist nicht immer absolut aufzufassen. 8,7 kann einfach bedeuten, dass durch den Krieg die Felder verwüstet und verbrannt werden.

2. Posaune: Das Meer – Fischfang und Handel sind betroffen: 8,8.9

V. 8 „Und der zweite Bote posaunte. Und etwas wie ein großer Berg, das mit Feuer brannte, wurde ins Meer geworfen.“

Das „Meer“ (neben dem „Land“) ist die Küstengegend.

Die Parallele im AT ist die erste Plage Ägyptens (2Mo 7,20–25).

In Off 8 fällt ein brennender Vulkan ins Meer, ähnlich wie Babylon, der „Berg des Brandes“, in den Euphrat „geworfen“ wurde (Jer 51,25.53.54).

„Und ein Drittel des Meeres wurde zu Blut.“ – wie in 2Mo 7,17 und Jes 15,9 („die Wasser Dimons sind voll Blut“). Es geht hier (wie in 2Mo 7 und Jes 15,9 und Jer 51) um ein lokales Gericht.

V. 9 „Und es starb ein Drittel der Geschöpfe, die im Meer waren, die Seelen hatten.“

Die „Seele“ (d. h.: das Leben; griech. psüchee) des Tieres ist anderer Art als die des Menschen. Das Leben der Tiere ist sterblich. Das Tier ist „Seele“ (d. h.: Leben; heb. näfäsch chajah, w.: „Seele des Lebens“, d. h.: ein Lebewesen), und in diesem Sinne ist auch der Mensch auch „Seele“, d. h., ein Lebewesen. (Aber der Mensch besitzt zusätzlich einen unsterblichen Geist. Das Tier hat nur den Leib, es hat keinen Geist.)

„Und ein Drittel der Schiffe wurde zerstört.“ – Mit den Schiffen wurde Handel getrieben, und Schiffe brauchte man für die Fischerei. Die „Fische“ werden auch in 2Mo 7,20.21 erwähnt. In Off 8 stehen die „Schiffe“ für den Handel an der Küste, im Hafen.

In dem hier beschriebenen Krieg werden die Schiffe in den Häfen zerstört.

3. Posaune: Süßwasser – das Lebensnotwendigste wird getroffen: 8,10.11

V. 10 „Und der dritte Bote posaunte. Und es fiel ein großer Stern aus dem Himmel. Der brannte wie eine Fackel. Und er fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Wasserquellen.“

Ein „Stern“ (V. 10) ist in der Bibel kleiner als ein Berg (V. 8). Der Stern trifft die Flüsse und Brunnen. Stern, Fluss, Brunnen – es handelt sich um Bilder. Hier wird nicht wissenschaftlich gesprochen. Zur poetischen Sprache gehört das Bild. (Prophetie ist in der Bibel meist auch Poesie.)

So geschah es häufig bei großen kriegerischen Invasionen ins Land: Die feindlichen Heere verwüsteten die Wasserquellen des Landes.

V. 11: „Und der Name des Sterns lautet Wermut. Und es wird ein Drittel zu Wermut. Und viele von den Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren.“

„Wermut“ bedeutet „Bitterkeit“ Vgl. 5Mo 29,17; Spr 5,4; Jer 9,14; 23,15; Am 6,12. Die Menschen – vor allem im Orient – sind stark vom Wasser abhängig. Die Fruchtbarkeit und Gesundheit hängen von gesundem Wasser ab. Die Aussage: Das Lebensnotwendigste für die Menschen, das Wasser, wird ungenießbar.

4. Posaune: Himmelskörper verlieren ihre Leuchtkraft. 8,12.13

a. Verfinsterung: 8,12

V. 12: „Und der vierte Bote posaunte. Und es wurde geschlagen ein Drittel der Sonne und ein Drittel des Mondes und ein Drittel der Sterne, damit ein Drittel verfinstert würde und der Tag zu einem Drittel nicht scheine und die Nacht desgleichen.“

Dieser Satz darf nicht so aufgefasst werden, als würde die Leuchtkraft und Wärmekraft der Sonne weniger werden. Ansonsten wäre in Sekundenschnelle das Land eingefroren und kein Mensch würde überleben.

Die Parallele im AT: die neunte Plage Ägyptens (2Mo 10,21.23). In Off 8 aber wird nur ein „Drittel“ (d. h.: ein Teil) dunkel.

Durch Sonne, Mond und Sterne teilt Gott die Zeit ein (1Mo 1,14). Die Himmelskörper künden die Herrlichkeit Gottes (Ps 19,2). Sie sind ein Reden Gottes und zeigen, dass Gottes Güte noch andauert (Ps 136,7–9). Die Himmelskörper sprechen von Gottes Fürsorge: Gott nimmt sich der Menschen an; er will sie zur Buße leiten (Rm 2,4).

Das waren vier vorbereitenden Gerichte. Der Zweck der Warngerichte in Off 8 und 9 ist, Israel zur Buße zu leiten. Gottes gütiges Reden im Evangelium wollte von Israel nicht verstanden werden; nun kommt sein Gerichtsreden. Wird Israel Gottes Reden verstehen, wenn er ihnen seine gute Dinge wegnimmt?

→ Wir lernen: Gott wartet und Gott warnt. Dem Menschen heute geht es so gut, weil Gottes Angesicht ihm auf den Rücken scheint. Noch ist Gott dir zugewandt: Wende dich um zu ihm. Wenn er sich abwendet, ist das für den Menschen die Hölle, 2Thes 1,10. Gott nimmt den Menschen so ernst, dass er laut zu ihm ruft, nachdem der Mensch auf Gottes sanfte Stimme (durch die Erweisungen seiner Güte in der Schöpfung und im Evangelium) nicht gehört hatte. Selig der, der sich zur Buße leiten lässt.

b. Ankündigung der drei Wehe: 8,13

8,13 „Und ich sah und hörte einen Boten, der inmitten des Himmels flog und mit großer, lauter Stimme sagte: ‚Wehe, wehe, wehe denen, die im Lande wohnen, wegen der übrigen Posaunenstimmen der drei Boten, die im Begriff sind zu posaunen.“

Die besondere Warnung zeigt, dass die Posaunen 5–7 von besonderer Wichtigkeit sind. Der Adler (oder Geier) ist ein Symbol des Krieges und des Raubes. Vgl. Hos 8,1: „Das Horn an deinen Mund! Wie ein Geier [kommt Unheil] auf das Haus Jahwehs, weil sie meinen Bund übertreten und gegen meine Weisung gefrevelt haben.“

Das Wehe trifft, die die im Land (d. h.: in Israel) Wohnenden, wie der Herr Jesus Christus auch in Lk 21,23 ankündigte: „Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen, denn es wird große Not sein im Land und Zorn in diesem Volk.

(Vgl. Off 8,13 mit Lk 21,23 im Griechischen: Beide Male steht epi tees ges, „im Lande“. Die hier angekündigten Dinge sind „im Begriff zu geschehen“ (Off 1,19), „in Kürze“ (1,1), in naher Zukunft.

Die ersten beiden Wehe werden in K. 9 berichtet. Das dritte Wehe (11,14) kommt beim Blasen der siebenten Posaune (10,7; 11,15), die die sieben Zornesschalen (16,1ff.) ankündigen; das dritte Wehe wird in K. 18 dreimal doppelt ausgesprochen „Wehe, wehe!“ (18,10.16.19).

„… die im Lande wohnen“ kann man auch üsn mit „die auf der Erde wohnen“ (Der Begriff „Erde“ bzw. „Land“ kann in der Off auch auf die umliegenden Länder Israels ausgedehnt sein. Er kommt in 3,10; 6,10; 11,10; 12,12; 13,8.12.14; 14,6 und 17,2.8 vor. Der Zusammenhang muss entscheiden, ob jeweils das Land (Israel) oder die umliegenden Länder bzw. das gesamte römische Weltreich gemeint ist. Der Begriff wurde von den damaligen Lesern nicht im Sinne von „die Bewohner des Globus bzw. des Planeten“ aufgefasst.

Die zwei Wehe (die 5. wie die 6. Posaune) bilden eine Einheit. Nun trifft das Gericht direkt den Menschen, nicht nur seine Umwelt. Der Zweck der Wehe ist immer noch die Buße der Überlebenden (wie in Lk 13,1–5). Es naht das Endgericht über die Stadt und Land, dessen Bewohner zu Christus gesagt hatten: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Mt 27,25; vgl. 23,35.36; Lk 11,51; 23,28-31).

5. Posaune: Dämonische Heuschrecken

a. Das erste Wehe: 9,1–11

V. 1: „Und der fünfte Bote posaunte. Und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf das Land (o.: zu Boden; zur Erde) gefallen war.“

Der „Stern“ ist hier eine Person, eine Geistperson, ein Engel Gottes. (Vgl. Hi 38,7; Morgensterne.) Er ist nicht ein Dämon; das „Fallen“ bezieht sich nicht auf den Sündenfall der bösen Geister. Durch das „Fallen“ wird sein plötzliches Herabkommen angezeigt.

„Und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlund des Abgrundes gegeben.“

Der Abgrund, griech. abüssos (bed. „Tiefe“; vgl. 9,2.11; 11,7; 17,8; 20,1.3; Rm 10,7; Lk 8,31), bezeichnet nicht die Hölle, sondern jegliche geheimnisvolle Tiefe, buchstäblich gesprochen, etwas Bodenloses. In der griech. Üsg. von 1Mo 1,2 („Finsternis war über der Fläche der Tiefe.“) wird die „Tiefe“ mit abüssos übersetzt. In 5Mo 30,13 (vgl. mit Rm 10,7) wird der Begriff „Meer“ im Sinne von „Abgrund“ (griech. abüssos) verwendet. Hier in Off 9 könnte die sündige, böse Tiefe dargestellt sein. Der Abgrund ist so tief, dass man ihn nicht messen kann. Ähnlich wie der „Tartarus“ (tartaros, 2Petr 2,4) könnte er ein Ort böser Geister sein (vgl. Lk 8,31; Off 20,1.3).

In dem Bild von Off 9 ist der Abüssus verschlossen, wahrscheinlich deshalb, damit die Zerstörer nicht vorzeitig zerstören können.

→ Wir lernen: Gott hält den Feind und seine Boten in Schranken. Er kann seine Schöpfung von der unsichtbaren Welt der Finsternis abgrenzen.

Hier in Off 9 werden Mächte des Verderbens freigelassen. Das dahinterstehende alttestamentliche Bild ist das von der Heuschreckenplage aus Joel 1–4 und 2Mo 10,12–15. Die Heuschrecken in der Vision hier plagen die Ungläubigen. Sie kommen aus dem Abyssus, wo der Zerstörer ist, der Appollüoon.

Die Heerscharen des Satans schwärmen im Land Israel aus. Israel wird ein Haus „voller Dämonen“, vgl. Off 18,2; Mt 12,43–45; vgl. Josephus, Jüd. Krieg 5,10.13. Die Heuschrecken in der Vision sind solche, die die Leiber der Menschen plagen; diese Dämonen werden nicht nur mit Heuschrecken, sondern auch mit Fröschen verglichen, s. Off 16,13.

Ihr König, der Verderber, ist der Herrscher der Finsternis dieser Welt, der Fürst, der in der Luft herrscht und sein Werk hat in den Kindern des Ungehorsams (Eph 2,2; 6,12). Nun wird der bösen Herrschaft des Satans in Israel viel Raum gegeben, aber nur für kurze Zeit, denn gemäß Rm 16,20 wird der Gott des Friedens den Widersacher „in Kürze“ unter den Füßen der Heiligen niedertreten (vgl. a. Off 3,9). Nun wird der Fürst dieser Welt (d. h.: der alttestamentlichen Sinai-Tempel-Welt Israels, dort wo der Widersacher so viel Unheil anrichten konnte) hinausgeworfen werden (Joh 12,31). Seine Boten können den Knechten Gottes in Israel nicht weiter Schaden tun, weil sie versiegelt sind. Aus Off 9,4 wird ersichtlich: Nur die, die das Siegel nicht haben, werden geplagt.

Es wird gleichsam die Hölle los – im ganzen Land, es wird „eine Behausung von Dämonen“ (Off 18,2).

V. 2: „Und er öffnete den Schlund des Abgrundes. Und Rauch stieg auf aus dem Schlund wie der Rauch eines großen Ofens. Und die Sonne und die Luft wurden von dem Rauch des Schlundes verfinstert.“

Gott hat die Schlüssel zum Jenseits. Die Luft wird verfinstert von Rauch, die Sonne ist nicht mehr sichtbar. Das alles sieht Johannes in einer Vision. Die Beschreibung ist nicht Historie, sondern Visionsbeschreibung.

V. 3: „Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor auf das Land.“ (Gemeint ist das Festland im Gegensatz zum Meer. Um welches „Festland“ es sich handelt, macht der Zusammenhang klar. Vgl. die Erwähnung des Euphrat in 9,14 wie in 16,12; der Euphrat bildete nach alttestamentlicher Beschreibung die nördliche Grenze des „Landes“ (5Mo 1,7; 11,24; Jos 1,4; 1Kön 5,1).

[Anm.: Nach allen vier Windrichtungen hin bildete ein „Meer“ die Grenze des Landes: im Westen das „große Meer“ (4Mo 34,6), im Osten das „Salzmeer“ (34,12) und das galiläische Meer (d. i.: der See Genezaret), im Süden der Bach Ägyptens, „und die Ausläufer sollen zum Meer hin sein“ (34,5), im Norden der Euphrat, der nach Jer 51,36 als ein „Meer“ bezeichnet wird. Das „neue Land“ allerdings, das neue Israel, wird von keinem Meer mehr begrenzt werden, Off 21,1.]

„Und es wurde ihnen Vollmacht gegeben, wie die Skorpione des Landes Vollmacht haben.“

Das Bild ist aus Joe 2,4–9 entnommen. Diese Heuschrecken aber schädigen Menschen.

V. 4: „Und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie nicht Schaden zufügen sollten dem Gras des Landes noch allem sonstigen Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, [und zwar denen], welche nicht das Siegel Gottes auf ihren Stirnen haben.“

Gott bewahrt die Gottesknechte, die er in Off 7,3 versiegelt hatte. Das „Land“ hier ist dasselbe Land, an dessen „vier Ecken“ die Engel mit den vier Winden gestanden waren (7,1). Dort in Israel, wo die Knechte Gottes versiegelt sind, dort kommen die Plagen auf diejenigen, die nicht mit dem Siegel Gottes versiegelt sind.

V. 5: „Und es wurde ihnen gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden. Und ihre Qual war wie die Qual von einem Skorpion, sobald er einen Menschen sticht.“

Der Stich eines Skorpions soll bei Hunden nach sieben Sekunden den Tod herbeiführen, bei Menschen nach 24 Stunden. Aber diese Menschen in der Vision hier bleiben am Leben.

„Fünf Monate“: Fünf Monate beträgt üblicherweise die Lebensdauer der Heuschrecken. Sie leben von Mai bis September, also relativ kurz.

Die Heiligen wohnen (im Bilde gesprochen) „bei den Skorpionen“, werden aber beschützt, wie Hesekiel (Hes 2,6): „Du aber, Menschensohn, fürchte dich nicht vor ihnen und vor ihren Reden fürchte dich nicht, wenn Nesseln und Dornen bei dir sind und du bei Skorpionen wohnst. Vor ihren Reden fürchte dich nicht und vor ihren Angesichtern erschrick nicht, denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit.“

Da die Heuschrecken hier im übertragenen Sinne aufzufassen sind (es handelt sich ja um eine Vision), sind die „fünf Monate“ im übertragenen Sinne aufzufassen. (V. 5 bezieht sich also keineswegs auf die 5-monatige Belagerung Jerusalems unter Titus.)

Die furchtbare Heimsuchung des Landes bringt den Ungläubigen in Israel viele Qualen. Es handelt sich dabei nicht um Umweltkatastrophen, auch nicht um Krieg oder Seuchen (davon wären die Gläubigen ja ebenso betroffen), sondern um ein dämonisches Wirken, das sich furchtbar negativ auf die Ungläubigen auswirkt. (Vgl. den bekannten Satz aus „Der Zauberlehrling“ von Goethe: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“) Dass böse Geister das Volk Israel heimsuchen werden, davon hatte der Herr Jesus in Mt 12, 43–45 gesprochen: „Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: ‚Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich herausgegangen bin’; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang. So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“ (Vgl. a. Lk 11,24–26.) Jesus Christus hatte Israel von Dämonen gereinigt. Aber sie hatten den König der Könige verworfen, und so kamen schreckliche Zeiten, Lieblosigkeit, Bruderhass, gegenseitige Auslieferung, falsche Propheten, gegenseitige Abschlachtung (vgl. Mt 24,12; „Nacht“ Joh 9,4).

V. 6: „Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden, und sie werden zu sterben begehren, und der Tod wird von ihnen fliehen.“ (Das spricht von völliger Verzweiflung; vgl. Hi 3,21.)

Sie suchen den Tod anstatt Gott. Sie sehnen sich nach dem Sterben. Jesus sagte: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder! 29 Denn siehe, Tage kommen, an denen man sagen wird: Glückselig die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben! 30 Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns! (Lk 23:28–30)

V. 7: „Und die Gestalten der Heuschrecken glichen zum Kriege gerüsteten Pferden. Und auf ihren Köpfen [war etwas] wie Kronen, gleich Gold. Und ihre Angesichter waren wie Angesichter von Menschen.“

Ein Heuschreckenkopf ähnelt einem Pferdekopf.

„Erhebt ein Feldzeichen im Lande! Blast die Posaune unter den Völkern! Heiligt Völker gegen ihn [zum Krieg]! Ruft gegen ihn Königreiche herbei: Ararat, Minni und Aschkenas! Setzt Beamte gegen ihn ein! Lasst Pferde heraufziehen wie Schauer erregende Heuschrecken! 28 Heiligt Völker gegen ihn: die Könige von Medien, dessen Statthalter und alle seine Vorsteher und das ganze Land seines Herrschaftsgebietes! 29 Da erbebt und erzittert die Erde, denn es erfüllen sich gegen Babel die Pläne Jahwehs, um Babels Erde zur ‹schaurigen› Öde zu machen, ohne Bewohner.“ (Jer 51,27–29)

V. 8: „Und sie hatten Haar wie Frauenhaar. Und ihre Zähne waren wie die von Löwen.“ (Vgl. Joe 1,6.)

Sie wirken intelligent und überlegen. (Nb.: Frauenhaar unterscheidet sich vom Männerhaar. Frauenhaar ist lang, Männerhaar wird geschnitten: 1Kor 11,14.15.)

Das hebr. Wort für Dämonen ist an manchen Stellen „die Haarigen“ (Jer 51,27). In 3Mo 17,7 (2Chr 11,15; Jes 34,14) sind die „Bocksdämonen „eigtl. „die Haarigen“. Ansonsten ähnelt die Beschreibung Joel 2,4–10.

V. 9.10: „Und sie hatten Brustwehre wie eiserne Brustwehre. Und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen vieler Pferde, die in den Krieg laufen. 10 Und sie haben Schwänze gleich Skorpionen, und Stacheln waren in ihren Schwänzen, und ihre Vollmacht war, den Menschen fünf Monate [lang] Schaden zuzufügen.“ Vgl. V.3.5.19.

„… den Menschen“: Hier ein Bsp. von „stiller Voraussetzung“. Es wird vorausgesetzt, dass nicht alle Menschen gemeint sind, sondern nur die, die nicht versiegelt sind. Vgl. V. 4.

V. 11 „Und sie haben über sich einen König, den Boten des Abgrundes. Sein Name ist auf Hebräisch Abaddoon, und im Griechischen hat er den Namen Apollyoon.“

Wer steckt dahinter jener Heuschreckeninvasion? – Abaddoon ist vmtl. der Satan, der Verderber bzw. Verwüster, Zerstörer.

Hier wird klar, dass es sich um satanische Mächte handelt, daher auch nicht um einen sichtbaren Krieg; es ist ein geistlicher Krieg, es geht geistliche Beschädigung der ungläubigen Menschen.

b. Ankündigung der zwei weiteren Wehe: 9,12

V. 12 „Das erste Wehe ging vorüber. Siehe, es kommen noch zwei Wehe nach diesem.“

Die Erfüllung der Weissagungen von K. 8 und 9 geschah im ersten Jahrhundert. Parallelen zur modernen heutigen Zeit finden sich viele. Anwendungen sind nicht die Erfüllungen jener konkreten Prophetie.

→ Wir lernen: Gemeinde Jesu soll immer vorbereitet sein auf geistliche Schlachten. Wie? Durch gründliches Bibelstudium, Gemeinden, die zusammenhalten, beten, Gottes Wort erforschen, Voraussehen von schädlichen Entwicklungen unter der Christenheit oder in der Welt.

6. Posaune: Reiterheere aus dem Osten (Das zweite Wehe): 9,13–21

Alttestamentliche Parallele: Die zehnte und letzte Plage Ägyptens (2Mo 11). Viele Menschen werden getötet.

V. 13: „Und der sechste Bote posaunte. Und ich hörte eine Stimme, eine aus den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist.“

Der Altar – vor Gott – erinnert an das Gebet. Gebet geschieht zu Gott und vor Gott. Die Hörner (2Mo 30,2.3) erinnern an die Kraft Gottes, die durch das Gebet kommt. Es ist nur eine Stimme, die aus den vier Hörnern kommt, mit Macht, als Antwort auf die Gebete von 8,3.

→ Wir lernen: Gottes Handeln in der Welt ist oft eine Antwort auf die Gebete der Seinen. Die Heiligen hatten gefleht um die Wiederherstellung der Ehre Gottes in dieser Welt. Hier die Antwort auf die Gebete der Heiligen (6,9–11), Gott bekommt seine Ehre.

V. 14: „Sie sagte zu dem sechsten Boten, der die Posaune hatte: Löse die vier [himmlischen] Boten, die am großen Fluss Euphrat gebunden sind.“

Die Dämonenhorde (9,1-11) kam vom Abgrund, dieses große Reiterheer aber kommt vom Euphrat her. (Die vier Engel am Euphrat lösen das Reiterheer los. Vgl. a. 7,1.)

Wir vergessen nicht, dass Johannes eine Vision sieht. Die Sprache ist poetisch und bildhaft. Die eigentliche Aussage hinter dem Bild ist ein historischer Krieg. Die große Armee, die Titus zur Belagerung der Stadt (im Jahr 70) verwendete, war zum Großteil aus der Euphrat–Region zusammengezogen worden. Der Euphrat bildete die Ostgrenze des römischen Reiches. Dort waren beständig vier Legionen stationiert. Die Römischen Legionen selbst bestanden nicht aus Kavallerien. Warum dann das Bild von den Reiterhorden? Weil die Assoziation von den wilden Reiterhorden tatsächlich bestand. Die Römer zogen Hilfstruppen aus dem Orient hinzu: (Tacitus, Historia, 2,1), z. B. Antiochus von Commagene. Die Truppen der orientalischen Könige bestanden – wie die der Parther – aus Kavallerien.

(Anm.: Antiochos IV. von Kammgarne war der letzte König von Kommagene, der zwischen 38 und 72 regierte. Antiochos war ein Vasallenkönig des Römischen Reiches. Er unterstützte Vespasian als dieser 70 zum Imperator wurde; von da an sprach man von ihm als der reichste Vasallenkönig. Im gleichen Jahr sandte er Truppen unter dem Kommando seines Sohnes Epiphanes, um Titus bei der Belagerung Jerusalems zu helfen. – Ebenso ein gewisser König „Sohemus“ kam mit seinen Heeren Rom zu Hilfe.)

Das in Off 9 gebrauchte Bild zeigt, dass wilde, barbarische Horden von Soldaten das Land überfluten. Sie sind sehr zahlreich, wild, Schrecken erregend. Das Bild lehnt sich an Jes 13,4–8 an: „Horch, ein Getümmel auf den Bergen, wie von einem großen Volk! Horch, ein Getöse von Königreichen versammelter Völker! Jahweh der Heere mustert ein Kriegsheer: 5 aus fernem Lande Gekommene, vom Ende des Himmels – Jahweh und die Werkzeuge seines Grimms, um das ganze Land zu verderben. 6 Heult, denn nahe ist der Tag Jahwehs! Wie eine Verwüstung vom Allmächtigen kommt er. …“

Das Bild ist treffend: zuerst die Dämonenhorden, dann die soldatischen wilden Reiterhorden, die römische Invasion in Israel.

Der Euphrat war die äußerste Grenze des verheißenen Landes (1Mo 15,17; 5Mo 1,7; Jos 1,4) – eine Barriere, hinter welcher Unheil drohte. Vgl. Jes 8,7: „… darum, siehe, lässt der Herr das mächtige und große Wasser des Stromes über sie heraufsteigen – den König von Assur und all seine Herrlichkeit. Er wird heraufsteigen über all seine Betten und über all seine Ufer gehen.“

Vom Euphrat her war immer Schreckliches zu fürchten (die Assyrer, Babylonier, Medo–Perser; Parther).

Hier kommt eine überwältigende Macht aus dem Osten (Nordosten). Die Feinde der Juden kamen immer vom Nordosten (Assur, Babylon, Syrien). Vgl. a. Josephus, Jüd. Krieg 5,1,5-6.

9,15: „Und die vier Boten wurden gelöst, die bereit gemacht sind für die Stunde und [den] Tag und [den] Monat und [das] Jahr,…“

Der Zeitpunkt ist von Gott verordnet, genau geplant. Niemand weiß Zeit noch Stunde. Das Gericht ist zeitlich begrenzt, sowohl der Beginn als auch das Ende. Gott hat die Geschichte in seiner Hand, auch alles dämonische Wirken. Er kennt alle Details.

„… damit sie ein Drittel der Menschen töteten.“

Die Feinde rücken heran, um die Bewohner des Landes (denn auf diese sollte das Wehe kommen, 8,13!) zu vernichten. Von diesen Menschen starben ein „Drittel“. Der Zusammenhang zeigt, dass die Menschen von Israel gemeint sind.

V. 16 „Und die Zahl der Reiterheere war zweimal zehntausend-mal zehntausend (o.: zweimal Zehntausende mal Zehntausende).“

Die Zahl bezeichnet eine große Menge und ist übernommen aus Ps 68,18: „Der Wagen Gottes sind eine Doppelmyriade mal Tausende (o.: zweimal Zehntausende mal Tausende; zweifach Myriaden mal Myriaden) …“.

Die Zahl konnte er nicht zählen, man sagte sie ihm: „Doppelmyriaden mal Myriaden“, d. h.: eine undefinierte sehr, sehr hohe Zahl (nicht: „200 Millionen“).

V. 17: „Ich hörte ihre Zahl. Und so [gestaltet] sah ich in dem Gesicht die Pferde und die, die auf ihnen saßen: Sie hatten feuerfarbene und hyazinthen-farbene und schwefelfarbene Brustwehre. Und die Köpfe der Pferde waren wie Löwenköpfe, und aus ihren Mäulern gehen Feuer, Rauch und Schwefel hervor.“

Die Sprache hier ist wiederum stark bildhaft. „Feuer, Rauch, Schwefel“ erinnert an den Leviathan von Hi 41,18–21. „Feuer und Schwefel“ sind höllische Elemente (Off 19,20; 21,8).

Die Farben der Krieger könnten ihre Rüstungen sein. Die Reitersoldaten der Hilfstruppen, die die Römer aus dem Osten (Euphrat etc.) angeheuert haben, hatten farbige Rüstungen (lila und gelb).

V. 18: „Durch diese drei wurde ein Drittel der Menschen getötet, von dem Feuer und von dem Rauch und von dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorgehen,

Das „Drittel“ muss nicht notwendigerweise arithmetisch aufgefasst werden. Ein „dritter Teil“ der Menschen, d. h., sehr, sehr viele. Die „Menschen“ sind die von Israel. (Vgl. eine ähnliche Verwendung von „Drittel“ in Sach 13,8: „Und es wird im ganzen Land geschehen, spricht der HERR, zwei Teile davon werden ausgerottet, verscheiden, und [nur] der dritte Teil davon bleibt übrig.“)

V. 19: „… denn ihre Vollmachten sind in ihren Mäulern, denn ihre Schwänze sind wie Schlangen, und sie haben Köpfe, und mit ihnen richten sie Schaden an.“

Diese sehen aus wie Schreckensmonster. Diese Tiere sind nicht moderne Panzer, sondern zweiköpfige Schlangen (Amphisbaena; vgl. Plinius, Hist. Nat. 8,35; und Lucan).

Chilton: An innumerable army is advancing upon Jerusalem from the Euphrates, the origin of Israel’s traditional enemies; it is a fierce, hostile, demonic force sent by God in answer to His people’s prayers for vengeance. In short, this army is the fulfillment of all the warnings in the law and the prophets of an avenging horde sent to punish the Covenant–breakers. The horrors described in Deut. 28 were to be visited upon this evil generation (see especially verses 49–68). Moses had declared: You shall be driven mad by the sight of what you see (Deut. 28:34). As it actually worked out in history, the Jewish rebellion in reaction to the „locust plague“ of Gessius Florus during the summer of 66 provoked Cestius’ invasion of Palestine in the fall; with large numbers of mounted troops from the regions near the Euphrates10 (although the main point of St. John’s reference is the symbolic significance of the river in Biblical history and prophecy). After ravaging the countryside, his forces arrived at the gates of Jerusalem in the month of Tishri – the month that begins with the Day of Trumpets. The army surrounded the city: „For five days the Romans pressed their attacks on all sides but made no progress; on the sixth, Cestius led a large force of picked men with the archers to an assault on the north side of the Temple. The Jews from the roof of the portico resisted the attack and repeatedly drove back those who reached the wall, but at length, overwhelmed by the hail of missiles, gave way. The front rank of the Romans then planted their bucklers against the wall and on those the second row rested theirs and so on, till they formed a protective covering known as ‚the tortoise,’ from which the missiles glanced off harmlessly, while the soldiers undermined the wall and prepared to set fire to the gate of the Temple Mount …“ Vgl. a. Josephus, Jüd. Krieg 2, 18,9–19,7; 2,19,5–6.

V. 20: „Und die übrigen der Menschen, die nicht durch diese Plagen getötet wurden, taten nicht Buße über die Werke ihrer Hände, dass sie nicht ‹länger› huldigten den Dämonen und den goldenen und den silbernen und den ehernen und den steinernen und den hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können.“ (Vgl. 16,9.11.)

Götzendiener! – Inwiefern waren die Menschen des alttestamentlichen Israel zu Götzendienern geworden? – Nicht buchstäblich, sondern im übertragenen Sinn (Off 2,14.20; 21,8; 22,15), ebenso wie sie im übertragenen Sinn „Unzüchtige“ (2,14.20; 14,8; 17,2.4; 18,3.9; 19,2; 21,8; 22,15) und „Zauberer“ (18,23; 21,8; 22,15) geworden waren.

Sie haben nicht auf Gottes neues Reden im Sohn gehört, sie haben dadurch ihre Loyalität dem wahren Gott gegenüber aufgegeben und somit einem eigenwilligen „Gott“ und „Gottesdienst“ dargebracht. Das ist nichts anderes als Dämonen- und Götzenkult!

Vgl. Kol 2,16-23: „Es richte euch also nicht jemand in [Sachen] Speise oder Trank oder in Bezug auf ein Fest oder einen Neumond oder Sabbate, 17 die alle Schatten sind der künftigen Dinge; der Körper aber ist Christi. 18 Lasst euch von niemandem den Sieg aberkennen, der [einen] selbstgewählten [Weg geht] … 19 und der sich nicht hält an das Haupt … 20 … was lasst ihr euch, wie in der Welt Lebende, Satzungen auferlegen? 21 Fasse nicht, koste nicht, berühre nicht 22 – Dinge, die alle durch den Gebrauch der Verderbnis [anheimfallen] – nach menschlichen Vorschriften und Lehren, 23 welche [den] Ruf von Weisheit haben in einer vorgegebenen Frömmigkeitserweisung, ja, und in einer Niedrigkeitsgesinnung und [in] schonungsloser Behandlung des Leibes; [sie sind aber] nicht von [irgend]welchem Wert, [dienen nur] zur Befriedigung des Fleisches.“

Goldene , silberne, eherne, steinerne und hölzernen Götzen: Das ist alttestamentliche Sprache. Die Menschen werden so wie ihre Anbetungsgegenstände. Auch Habsucht ist Götzendienst (Kol 3,5).

V. 21: „Und sie taten nicht Buße über ihre Mordtaten noch über ihre Zaubereien noch über ihre Unzucht noch über ihre Diebstähle.“

Vgl. 18,23; 2Mo 22,18; 3Mo 19,26; Mi 5,12; Jes 2,6.

Die Juden waren die Synagoge des Satans und übten satanische Sünden aus: Ihr Gottesdienst war durch die Ablehnung des Messias zu einem Götzendienst geworden (Jes 1,10.11), sie lebten Gott gegenüber in geistlicher „Unzucht“. Hinzu kamen die bösen Werke, die sie in Verbindung mit der Verfolgung der Heiligen ausübten: Mord (Off 16,6; Ag 9,1) und Diebstahl (Hebr 10,34).

„Zaubereien“ vgl. Josephus, Jüd. Krieg 4,9,10; 5,9,4; 6,2,1f; 7,3,3.

„Diebstahl“ war ein Verbrechen, das in der Bibel oft mit Abfall und der daraus resultierenden Bedrückung und Verfolgung der Gerechten in Verbindung gebracht wird; Jes 61,8; Jer 7:9–10; Hes 22:29; Hos 4,1–2; Mk 11:17; Rm 2,21; Jk 5,1–6).

Jes 1,4: „Wehe dem sündigen Volk, dem Volk, belastet mit Ungerechtigkeit, dem Samen der Übeltäter, den bösen Söhnen! Sie haben Jahweh verlassen, haben den Heiligen Israels verschmäht, wurden entfremdet ‹und haben sich nach hinten abgewandt›.“

„By rejecting Jesus Christ, the Jews had inescapably involved themselves in idolatry; they had departed from the faith of Abraham and served gods of their own making. Moreover, as we shall see, the Jewish idolatry was not some vague, undefined, apostate theism. Forsaking Christ, the Jews actually became worshipers of Caesar. These men, therefore, trampled upon all the laws of man, and laughed at the laws of God; and as for the oracles of the prophets, they ridiculed them as the tricks of jugglers; yet did these prophets foretell many things concerning the rewards of virtue, and punishments of vice, which when these zealots violated, they occasioned the fulfilling of those very prophecies belonging to their own country.“

Vgl. Josephus, Jüd. Krieg, 4,6,3; 5,10,5; 5,13,6.

Gott weiß, dass sie nicht Buße tun, dennoch warnt er sie, wirbt um sie alle. O wie sehr hatte er sich bemüht, sie zur Umkehr zu bringen! Ihr Gericht ist gerecht (Off 15,3; 16,6; Rm 2,3-6).

→ Wir lernen: Selbst Gott bleibt ohne Erfolg in seinem Bemühen um diese Seelen. Wir sollen uns daher nicht entmutigen lassen, wenn Menschen nicht hören wollen.

C. Zwei Zwischenvisionen: Off 10,1–11,14

1. Der starke Engel mit dem geöffneten Büchlein: 10,1–11

In K. 10 sehen wir das Büchlein geöffnet.

In 5,2 lasen wir: „Und ich sah einen starken [himmlischen] Boten: Mit großer, ‹lauter› Stimme rief er aus: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?“

In 10,1 lesen wir: „Und ich sah einen anderen starken [himmlischen] Boten herabkommen aus dem Himmel, umkleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen [war] auf dem Haupt, und sein Gesicht [war] wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen.“

Zweimal: ein starker [himmlischer] Bote. Es scheint, dass K. 5 und K. 10 je einleitende Kapitel sind zu einer neuen Reihe von Visionen.

Off 5: Nur das Lamm kann die Buchrolle öffnen (d. h. diese Offenbarung, diese Wahrheit eröffnen und bewerkstelligen), denn es ist sein Sieg, der die Umsetzung des Ratschlusses Gottes möglich macht. Weil das Lamm überwunden hat, ist ER (der das Lamm ist) der einzige, der zeigen kann, wie seine Nachfolger überwinden werden. Wie können die Nachfolger Christi teilhaben am Kommen des Königreiches Gottes? Durch Nichtlieben des eigenen Lebens bis zum Tod.

Das Lamm öffnet die Siegel des Büchleins nacheinander. Aber die Ereignisse, die bei der jeweiligen Öffnung eines Siegels geschehen, sind nicht der Inhalt des Büchleins. Nein, der Inhalt kommt erst zum Vorschein, wenn alle sieben Siegel geöffnet sind. Es ist nicht so, dass wenn eines der Siegel geöffnet ist, man den Inhalt des Büchleins lesen kann. Nein, die Ereignisse, die bei der jeweiligen Öffnung eines Siegels geschehen, begleiten die Öffnung. Das Öffnen der Siegel nacheinander ist eine literarische (dichterische) Maßnahme, die Johannes befähigt, eine Reihe von Visionen zu berichten, die die Offenbarung des Inhalts des Büchleins vorbereiten. Weder die Siegelöffnungen noch die Posaunenstöße (und damit verbundenen Visionen) sind der Inhalt des Büchleins.

In Off 4–5 und K. 10 haben wir eine Thronvision, ehe Gott dem Propheten eine besondere Botschaft überlässt (wie Hes 1–3). Johannes beschreibt die Buchrolle in der Hand Gottes in ähnlicher Weise wie Hesekiel. Hes 2,9.10: Gott öffnet die Rolle und gibt sie dem Propheten zu essen (d. h.: zum Aufnehmen, damit er sie weitergeben kann): süß wie Honig (Hes 3,1–3).

Das Lamm nimmt – im Himmel – die Rolle aus Gottes Hand und öffnet die Siegel (K. 5ff); ein Engel hat dann das Büchlein in der Hand gibt es Johannes, der es essen soll; der isst es und es ist süß im Mund – und bitter im Magen. Und es wird ihm gesagt, dass er wiederum weissagen soll (10,8–10).

Die Reihenfolge (Gott – Christus – Engel – Johannes) ist aus 1,1 ersichtlich: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm (d. h.: dem Christus) gab, … zu zeigen, was bald geschehen muss. Und er sandte [sie] durch seinen Engel [und] übermittelte [sie] seinem Knecht Johannes.“

Jetzt, in 10,1 erscheint der Engel, auf der Bildfläche, erst jetzt. Warum? Weil erst jetzt der Hauptinhalt der Weissagung, die Gott Johannes gab, berichtet wird. Alles andere war Vorbereitung, und diese war nötig, damit die nun kommende Offenbarung verstanden wird. Die eigentliche Offenbarung kommt in K. 11 und in den K. 12–22,5 (wobei die Anhänge Off 17–19,10 und 19,11 – 21,8 und 21,9-22,5(oder 9) der Höhepunkt sind.

10,1–11,13 ist wie ein Einschub. Die Verse 9,12 und 11,14 verknüpfen den Einschub mit der sechsten Posaune, nicht mit der siebenten. Wir sind also noch vor dem Blasen der siebenten Posaune.

Warum wird dem Johannes dieses Büchlein gerade jetzt, knapp vor dem Ende der Posaunen-Reihe, gegeben?

Alle drei Siebener–Reihen (Siegel, Posaunen, Schalen) sind eng mit K. 4 und 5 (der Schau vom Thron Gottes [d. h.: Gottes souveräner heiliger Regierungsmacht] und der Schau von dem geschlachteten Lamm) verbunden.

Was soll ein heiliger Gott mit dem Bundesvolk, das den Messias verworfen hat, tun?

Antwort: Gericht.

Die die Siegelöffnungen und Posaunenstöße begleitenden Gerichte sind begrenzte („Viertel“, 6,8; „Drittel“ 8,7–12; 9,5.15.18), sie dienen als Warnung (wie Lk 13,1ff.) und haben das Ziel, die Menschen zur Buße zu führen. Aber Gerichte alleine führen nicht zur Buße; die Überlebenden tun nicht Buße (9,20.21).

Dann erfahren wir in 10,3.4 von sieben Donnern (einer dritten Siebener-Reihe, die wohl von weiteren Gerichten begleitet sein würden), aber sie werden gleichsam zurückgerufen; d. h., was mit ihnen ausgesagt werden sollte, bleibt (im Gegensatz zur Buchrolle) „versiegelt“ (10,4).

Das könnte bedeuten: Der Prozess von immer stärker werdenden Warngerichten wird gestoppt. Nicht, dass Gottes Geduld zu Ende sei, nein, sondern solche Gerichte bringen bei den Menschen (hier: bei Israel) nicht Buße hervor. Nach dem „Viertel“ und den „Drittel“, die gerichtet werden, könnte man erwarten, dass nun die „Hälfte“ oder „zwei Drittel“ gerichtet werden. Sicherlich hätte die Siebebener–Reihe der sieben Donner davon gesprochen. Aber nun folgt nur noch die siebente und letzte Posaune. Und mit ihr soll vollendet werden das Geheimnis Gottes. Es soll also „keine Frist“ (d. h.: keine Verzögerung) mehr geben.

a. Seine Erscheinung: 10,1–3

V. 1: „Und ich sah einen anderen [himmlischen] Boten, einen starken, herabkommen aus dem Himmel, umkleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen [war] auf seinem Haupt und sein Gesicht [war] wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen.“

Der Regenbogen erinnert an den Bund des treuen Gottes mit Noah.

V. 2.3: „Und er hatte in seiner Hand ein geöffnetes Büchlein. Und er stellte seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf das Land, 3 und er rief mit einer großen, ‹lauten› Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und als er rief, redeten die sieben Donner mit ihren eigenen Stimmen.“

Die Eigenschaften dieses Engels (Herrlichkeitswolke, Regenbogen, … Angesicht wie die Sonne, Füße wie Erz; vgl K. 1) treffen auf unseren Herrn Jesus zu. Er wird wie ein „Erzengel“ beschrieben. Ob dieser „Engel“ mit Jesus Christus identisch ist, ist nicht sicher.

b. Sein Verbot zu schreiben: 10,4

V. 4: „Und als die sieben Donner mit ihren eigenen Stimmen redeten, schickte ich mich an zu schreiben. Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel, die zu mir sagte: ‚Versiegle, was die sieben Donner redeten, und schreibe dieses nicht.’„

→ Wir lernen: Es geschieht mehr als geoffenbart ist. Das heißt, wir wissen nicht alles. Was nicht geoffenbart ist, müssen wir nicht wissen. Was Gott uns vorenthält, brauchen wir nicht.

c. Sein Schwur: 10,5–7

V. 5.6: „Und der Bote, den ich auf dem Meer und auf dem Land stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel 6 und schwor bei dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, der den Himmel schuf und was darin ist und das Land und was darin ist und das Meer und was darin ist: ‚Es wird nicht noch ein Zeitabschnitt (o.: eine Frist) sein, …’„

Die siebente Posaune bringt das Endgericht, nicht mehr begrenzte Warngerichte. Was die siebente Posaune bringt, wird (im Bilde) detailliert beschrieben in K. 16: Die sieben Schalen (15,1; 16,1–21) bringen die gänzliche Vernichtung des Landes und der unbußfertigen Menschen des Bundesvolkes.

„Es wird nicht noch ein Zeitabschnitt (o.: eine Frist) sein“, d. h., es gibt kein Hinauszögern des Gerichtes mehr und damit auch keine Gelegenheit zum Umkehr mehr.

V. 7: „‚…, sondern mit den Tagen der Stimme des siebenten Boten, wenn er sich anschickt zu posaunen, wird auch vollendet sein das Geheimnis Gottes, wie er es seinen ‹eigenen› leibeigenen Knechten, den Propheten, als gute Botschaft sagte!’„

Die siebente Posaune bringt die Vollendung. In 6,10.11 war den Märtyrern gesagt worden, dass sie noch eine kleine Zeit zu warten hätten. Nun werden sie nicht mehr warten müssen.

d. Das Essen des Büchleins: 10,8–11

V. 8: „Und die Stimme, die ich aus dem Himmel gehört hatte, redete wieder mit mir und sagte: ‚Gehe hin. Nimm das geöffnete Büchlein in der Hand des Boten, der auf dem Meer und auf dem Land steht.’ 9 Und ich ging weg, hin zu dem Boten. ‚Gib mir das Büchlein’, sagte ich zu ihm. Und er sagte zu mir: ‚Nimm, und iss es auf, und es wird deinen Bauch bitter machen. In deinem Munde jedoch wird es süß sein wie Honig.’„ (Vgl. Hes 3,1–3.)

V. 10: „Und ich nahm das Büchlein aus der Hand des Boten und aß es auf. Und es war in meinem Munde süß wie Honig, und als ich es aß, wurde es in meinem Bauch bitter.“ – Für den Propheten ist das göttliche Gerichtswort bitter, er leidet mit darunter, weil er merkt, wie ernst diese für die unbußfertigen Menschen seines Bundesvolkes ist.

→ Wir lernen: Das Aufnehmen der Botschaft ist lieblich. Das Wort des Gottes, der uns liebt und den wir lieben, ist in jedem Fall „süß“ in unserem Munde (Ps 119,103; Jer 15,16), was auch immer es sagt. Der Inhalt dessen, was der Herr zu sagen hat, ist manchmal bitter, – und auch der Inhalt dessen, was der Herr durch uns anderen zu sagen hat.

V. 11: „Und er sagte zu mir: „Du musst wieder weissagen – über Volksgruppen und Völker und Sprachen und viele Könige.“

2. Jerusalem: Die Tempelmessung. Die zwei Zeugen: 11,1–14

Off 11 hat zum Thema die Lage der Heiligen in der Stadt Jerusalem während jener Bedrängniszeit und die Auswirkung ihres Zeugnisses in der Stadt.

a. Die Tempelmessung 11,1.2

V. 1.2: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, das einem Stabe glich, [und einer] sagte: Stehe auf und miss das Tempelheiligtum Gottes aus und den Altar und die, die darin anbeten. 2 Und den Hof, der innerhalb des Tempelheiligtums ist, schließe aus und miss ihn nicht, weil er denen von den Völkern gegeben wurde. Und die heilige Stadt werden sie zertreten (o.: treten; o.: betreten) zweiundvierzig Monate lang.“

Es handelt sich hier, wie auch sonst in diesem apokalyptischen Brief, um bildhafte Sprache. Obwohl nicht gesagt wird, „und ich sah“, ist das Berichtete dennoch eine Audition (d. h.: Gehörtes) in bildhafter Sprache, wie eine Vision also.

Das letztlich wahre und heilige Jerusalem ist nicht das irdische (vgl. Off 3,12; 21,2.10; Hebr 12,22; 13,13.14), aber das irdische Jerusalem ist „heilig“ durch das wahre Tempelheiligtum, der sich darin befindet. (Vgl. a. 2Ch 8,11: „… die Orte, in die die Lade Jahwehs gekommen ist, sind heilig.“)

Das irdische Jerusalem wird in Off 11,8 „Sodom“ und „Ägypten“ genannt. Die Juden werden in 2,9 und 3,9 eine „Synagoge des Satans“ genannt.

Das Bild spricht aber tatsächlich von Jerusalem, und die Assoziation zu dem irdischen Jerusalem (das damals, als die Off verfasst wurde, noch stand), soll tatsächlich gemacht werden. Die heilige Stadt Jerusalem wird als noch nicht entweiht gesehen; im AT wird das irdische Jerusalem oft die „Stadt des großen Königs“ (Ps 47) und die „heilige Stadt“ (Neh 11,1.18; Jes 48,2; 52,1; Dan 9,24; Mt 4,5; 27,53) oder „Stadt Gottes“ (Ps 46,5; 48,2) bzw. „das Zijon des Heiligen Israels“ (Jes 60,14) und „der heilige Berg“ (Dan 9,16; Sach 8,3) genannt.

Aber in dieser Stadt „Jerusalem“ in Off 11 gibt es zwei deutlich zu unterscheidende Bereiche, einen heiligen und einen nicht heiligen. Der heilige Bereich ist das treue Gottesvolk. Die gottestreuen Anbeter werden „das Tempelheiligtum Gottes“ genannt. Wegen dieses heiligen Bereiches heißt die gesamte Stadt noch „heilige Stadt“. Die Treuen sind die wahren Anbeter, die Heiligen, die Christusnachfolger in Jerusalem. Sie werden als „Priester“ gesehen, die an Gottes Altar stehen und ihm in Verehrung dienen und den Gottesdienst verrichten.

Der andere, der unheilige Bereich ist der „Vorhof“ und alles außerhalb des Heiligtums Gelegene. Dieser andere, äußere Bereich sind die Juden, die den Gottesdienst nur äußerlich verrichten, das Israel nach dem Fleisch, das den Messias ablehnte und so zu einer „Synagoge des Satans“ (2,9) geworden ist. Sie gehören nicht zum wahren Gottesvolk.

Knapp vor dem Ende Jerusalems, knapp vor dem Blasen der siebenten Posaune, stellt sich eine Frage: Das Ende der Religion der Juden steht knapp bevor; soll nichts von jener Religion bleiben, soll alles zerstört werden? Gibt es nichts, das bewahrt werden wird? Oder: Gibt es etwas in Jerusalem, das das Wesenhafte der jüdischen Religion ausmacht, das durch Gott bewahrt werden wird?

Die Antwort: Ja, es gibt etwas! Das wahre Tempelheiligtum und die, die darin anbeten, werden bewahrt.

11,1.2 kann nicht anders als bildhaft verstanden werden.

Würde man diese Verse nicht im übertragenen Sinne verstehen wollen, wäre damit ausgesagt, dass nur der äußeren Teil des Tempel zerstört wird, das innere Heiligtum aber bestehen bleibt. Das stimmt mit dem historischen Sachverhalt (70 n. Chr.) nicht überein. Verstehen wir die Verse 11,1.2 bildhaft, so wird alles klar. Ebenso verhält es sich auch mit dem Rest des Kapitels: Das Tier, die Himmelfahrt der Zeugen, das große Erdbeben in der Stadt, usw. ist bildliche Sprache.

Was bedeutet es, Anbeter zu messen, damit sie bewahrt bleiben? Was soll das Bild veranschaulichen?

Was zum Eigentlichen und Fundamentalen der Gottesanbetung gehört, wird bewahrt und bleibt bestehen. Das Äußerliche (der Tempel, die Kultgegenstände, die Opfer, der alttestamentliche Gottesdienst und die Stadt mitsamt ihren religiösen Gebäuden und dem irdisch-fleischlichen Israel, das den Messias verworfen hat, soll untergehen und von den „Völkern“ zertreten werden. Alle äußerlichen Dinge des Gottesdienstes sollen zu Staub und Asche und für immer beendet werden. Aber mitten in Jerusalem existierten einige unzerstörbare Elemente, die zwar im Wesen jüdisch waren, aber das Zerstörungswerk überleben sollten: das wahre Heiligtum und die darin Anbetenden. Sie werden bleiben.

Wir betrachten den Text im Einzelnen:

I: Der Auftrag das Heiligtum zu messen: 11,1–2

V. 1: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, das einem Stabe glich, und [jemand] sagte: ‚Stehe auf und miss das Tempelheiligtum Gottes aus und den Altar …“

II: Um welches Jerusalem geht es?

Es geht nicht um das neue Jerusalem, denn das sollte erst kommen (3,12), und es kann nicht zertreten (bzw. getreten; 11,2) werden. Es kann sich hier also nur um das Jerusalem handeln, das jene Christen als die „heilige Stadt“ (z. B. Mt 27,53) kannten

Was macht diese Stadt, die in 11,8 „Sodom und Ägypten“ und später „Babylon“ heißt, zu einer „heiligen“ Stadt? – Wohl die Tatsache, dass darin etwas ist, das gottgeweiht und wahrhaft heilig ist: Die Heiligen, die Anbeter im „Heiligtum“. Sie selbst bilden das Heiligtum.

III: Der Hof ist den Völkern gegeben. 11,2

V. 2: „Und den Hof, der außerhalb des Tempelheiligtums ist, schließe aus und miss ihn nicht, weil er denen von den Völkern (o.: weil er den Heiden) gegeben wurde. Und auf die heilige Stadt werden sie treten (o.: die heilige Stadt werden sie zertreten) zweiundvierzig Monate lang.“

Der Vorhof des Tempels ist in die Hände der (zu „Heiden“ gewordenen) Israeliten gegeben worden. Diese Israeliten sind die „Völker“, die 42 Monate lang die heilige Stadt zertreten (o.: auf die Stadt treten) und damit verderben. (Vgl. 11,18: „die das Land verderben“ und 19,2: „… die große Hure …, die mit ihrer Hurerei das Land verderbte“.)

Das Tempelheiligtum Gottes in 11,2 ist das wahrhaftige, nicht das irdische. Die Christusgläubigen werden hier als Priester gesehen (vgl. 1,6; 5,10; 20,6). Heiligtum und Altar gehören zum Bild. Das wahre Heiligtum Gottes ist das geistliche Gotteshaus ist die Gemeinde des lebenden Gottes (1Tim 3,15; vgl. 2Kor 6,16; 1Kor 3,16); das der „Ort“, wo Gott in Geist und in Wahrheit angebetet wird (Joh 4,21-24). Die Heiligen, ihre Anbetung und ihr „Gotteshaus“ (hier bildlich), werden bewahrt.

Würde man die V. 1 und 2 buchstäblich auffassen, hätte man das Problem, dass diese Christen ein irdisches Heiligtum in Jerusalem zum Anbeten brauchen und nur in diesem anbeten. Christen aber brauchen kein irdisches Heiligtum, sondern beten im Geist an (Vgl. Joh 4,21–24).

Die Unterscheidung innerer Hof (Heiligtum) und äußerer Hof findet ihre Parallele in der Unterscheidung himmlisch-geistlicher Gottesdienst und irdisch-fleischlicher Gottesdienst. Der äußere Hof entspricht dem irdisch-fleischlichem Gottesdienst der Juden; er wird den „Völkern/Heiden“ gegeben, die ihn verderben und Jerusalem „zertreten/betreten“. Das innere Heiligtum entspricht dem geistlichen Gottesdienst des treuen Gottesvolkes.

„… und die, die darin anbeten“: Die Treuen, die dem Messias Ergebenen, werden als Priester gesehen (Off 1,6; 4,4; 5,10; 20,6), dienend im Heiligtum, hinzutretend (Hebr 4,16; 7,25; 10,22) ins Heiligtum.

„Stehe auf und miss …“: Das „Messen“ ist im übertragenen Sinne zu verstehen. Der Akt des Messens wird im AT verschieden verwendet: Der Zusammenhang macht deutlich, was hier gemeint ist. Was nicht gemessen wird, wird dem Zertrampeln (d. h. der Entweihung und Zerstörung) preisgegeben. Messen bedeutet in Sach 2,5.6 [nach alter Zählweise: Sach 2,1.2] bewahren. Was gemessen wird, wird vor dem Gericht verschont.

„… miss den Altar“ – Gemeint ist wahrscheinlich der Räucheraltar, denn der stand in Verbindung mit dem Heiligtum (Hebr 9,4). (Zum „Messen“ vgl. a. Hes 40,3; 40,5–42,20.)

„… und die, die darin anbeten.“ – Der Engel versichert durch Sacharja: Jerusalem wird bleiben. Ebenso soll hier den Heiligen gezeigt werden: Gott wird euch, die Treuen, und euren Gottesdienst bewahren.

V. 2 „Und den Hof, der außerhalb des Heiligtums ist, …“

(Anm.: Der t. r. nach Beza u. Elzevir sowie die überwiegende Mehrheit der griech. Hss haben an dieser Stelle das Wort „außerhalb“; nur der t. r. nach Stephanus hat „innerhalb“, was hier aber offensichtlich nicht richtig ist.)

(Anm.: Der griech. Begriff naos (Tempelheiligtum) schließt an dieser Stelle vermutlich mehr als das innere Gebäude ein. Josephus wie auch die neutestamentlichen Schreiber unterscheiden in der Regel zwischen der Tempelstätte (hieron), dem Tempelareal, und dem inneren Heiligtum (naos). Es gibt jedoch Ausnahmen. Auch Josephus, sagt man, habe nicht immer zwischen den beiden Begriffen scharf unterschieden, auch Herodot nicht. In Joh 2,20 ist man gezwungen, anzunehmen, dass der Begriff naos (Tempelheiligtum) auf das Weitere der Tempelstätte ausgedehnt wird (was in Sprachen nichts Außergewöhnliches ist). Dafür scheint es auch weitere Beispiele zu geben. Nach Mt 27,5 warf Judas das Verrätergeld in das „Tempelheiligtum“. Zum Inneren des Hauses dürfte er jedoch nicht Zugang gehabt haben können. Matthäus dürfte an dieser Stelle naos in einem erweiterten Sinne gebraucht haben. Johannes hier in Off 11,2 ebenfalls.)

„… schließe aus und miss ihn nicht, weil er den Völkern gegeben wurde.“

Der äußere Hof, der Vorhof, wird nicht gemessen, wird also nicht verschont, sondern der Zertretung und damit der Entweihung preisgegeben.

IV: Wer sind die „Völker“?

Die Off erklärt selbst, wer die „Völker“ sind. Üblicherweise wird im Alten Testament streng zwischen „Israel“ und den „Heiden/Völkern“ unterschieden. Wenn Israel abfällt, kann es auch „Heiden“ („Völker“, heb. gojim, griech. ethnee) genannt werden, z. B. in Hes 2,3: „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter waren von mir abtrünnig bis zu ebendiesem Tag.“ Vgl. a. Ps 33,12; Jes 1,4; 9,2; 26,2; 49,7; an diesen Stellen wird das Volk Israel „goj“ (Heidenvolk) genannt.

Jerusalem war zu Festzeiten voll von Anbetern „aus jedem Volk unter dem Himmel“ (Ag 2,5), d. h.: von Juden und Judengenossen aus der Diaspora (Zerstreuung). Wir würden sagen „aus aller Welt“.

Zuerst fragen wir uns: Wer ist in der Off „Israel“?

„Israel“ kommt in der Off in 2,14; 7,4–8 und 21,12 vor:

2,14: „Bileam … , der den Balak lehrte, einen Anlass ‹zum Stolpern und Fallen› vor die Söhne Israels zu werfen, …“

7,4: „… einhundertvierundvierzigtausend Versiegelte aus allen Stämmen der Söhne Israels“

21,12: „… auf den Toreingängen … Namen darauf geschrieben (es sind die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels)“

2,14 ist ein Rückbezug auf das AT.

In 7,4 wird „Israel“ auf die treuen Gottesknechte bezogen, nicht auf das abgefallene Israel, das den Messias verworfen hat. Das fleischliche Israel wird also nicht mitgerechnet, ebenso wie in Rm 11,16ff. der ungläubige Teil Israels aus dem Ölbaum ausgebrochen wird; die Gläubigen aus den Heiden werden eingepfropft.

Vgl. Rm 2,25–29: „… denn Beschneidung ist wohl nützlich – wenn du das Gesetz tust; wenn du aber ein Übertreter des Gesetzes bist, ist deine Beschneidung Unbeschnittenheit geworden. 26 Wenn also die Unbeschnittenheit das Gerechte des Gesetzes befolgt, wird nicht ihre Unbeschnittenheit für Beschneidung gerechnet werden 27 und die Unbeschnittenheit von Natur, die das Gesetz ausführt, dich richten, der du bei geschriebenem [Gesetz] und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist? 28 – denn nicht der, der es im Sichtbaren ist, ist Jude, noch ist die, die es im Sichtbaren ist, im Fleisch, Beschneidung, 29 sondern der, der es im Verborgenen ist, ist Jude, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geist, nicht im geschriebenen [Gesetz]. Eines solchen Lob ist nicht von Menschen, sondern von Gott.“

In Gal 3,16–29 zeigt der Apostel Paulus, dass die Gläubigen aus den Heiden als „Same Abrahams“ gerechnet werden. Ebenso in 4,24–31; 6,15.16. Vgl. a. Eph 2,12-3,6.

Wenn die wahren Knechte Gottes das wahre Israel ausmachten, folgt daraus, dass die Juden, die den Messias ablehnten, zu den „Völkern“ („Heiden“) gerechnet werden, also vom eigentlichen (treuen) Volkskern ausgeschnitten sind, solange sie nicht an den Messias Jesus glauben.

In Ag 4,25–27 wird Ps 2 zitiert: „…der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: ‚Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige der Erde, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“

Wer waren die „Völker“, die gegen Jahweh und seinen Gesalbten tobten und planten? Nach Apg 4,25ff sind jene „Völker“ (Heiden) nicht die Römer. Die Römer haben sich nicht gegen Jahweh empört. Jene „Völker“ (Heiden) in Ps 2,1 sind die Israeliten, die den Herrn Jesus Christus ablehnten.

In Apg 4,27 beten, auf Ps 2 Bezug nehmend, die Jünger: „… es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“ Der Ausdruck „mit den Völkern (Heiden) und Volksscharen Israels“ muss als eine Einheit betrachtet werden, denn Herodes und Pilatus kamen mit den Israeliten zusammen, nicht mit den Römern. Die ungläubigen Israeliten heißen in Ps 2,1 und in Apg 4,27 „Völker (Heiden) und Volksscharen Israels“. Die Israeliten bekommen aufgrund ihrer Ablehnung des Messias die Bezeichnung „Völker“ (Heiden, gojim) – in Übereinstimmung mit Hes 2,3. Wenn die Israeliten zu „Götzendienern“ werden und von Gott abfallen, bekommen sie von Gott den Namen „Heiden“: „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern (= Heiden), die sich gegen mich aufgelehnt haben; sie und ihre Väter sind von mir abgefallen bis zu eben diesem Tage.“ (Hes 2,3).

Die Juden zur Zeit Jesu werden von Jesus als Kinder des Satans (Joh 8,44) und die Versammlungen der Juden als „Synagoge des Satans“ bezeichnet. Das bedeutet allerdings nicht, dass das historische Israel an sich bereits mit der Verwerfung des Messias zu existieren aufgehört hatte. Nein, es blieb bis 70 n. Chr. bestehen. Gott bemühte sich noch um das Volk. Erst als ganz Israel das Wort Gottes gehört und verworfen hatte, kam das Gericht. (Vgl. Rm 11,2.25; 9,28; Apg 13,46; 18,6; 28,25-28.)

Rm 11:1.2: „Ich sage also: Verstieß Gott sein Volk? Das sei fern!– denn auch ich bin ein Israelit aus dem Samen Abrahams, vom Stamme Benjamin. 2 Gott verstieß sein Volk nicht, das er im Voraus kannte.“ (Gemeint ist sein nationales Israel, wie es bis 70 n. Chr. bestand. Er hat es damals, als der Römerbrief geschrieben wurde, ca. 57 n. Chr., nicht verstoßen. Seine Hand war noch „ausgestreckt“, Jes 65,2; Rm 10,21.)

11:25: „… denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr euch nicht selbst klug dünkt: Verhärtung ist Israel zu einem Teil widerfahren, bis die Fülle derer, die von den Völkern sind, eingegangen sein wird.“

9:27.28: „Jesaja ruft aus über Israel: Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, [nur] der Überrest wird gerettet werden, 28 denn [er ist] einer, der ein Wort ganz zu Ende führt und rasch erledigt in Gerechtigkeit, weil der Herr ein rasch erledigtes Wort auf der Erde tun wird.“

Ag 13:46: „Mit Freimütigkeit sagten Paulus und Barnabas: Es war notwendig, euch zuerst das Wort Gottes zu sagen. Nachdem ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht würdig achtet – siehe – wir wenden uns zu denen von den Völkern, …“

18:6: „Als sie sich aber dagegen auflehnten und lästerten, schüttelte er seine Kleider aus und sagte zu ihnen: ‚Euer Blut [komme] auf euer Haupt! Ich bin rein. Von nun an werde ich hingehen zu denen von den Völkern.’„

28:25-28: „Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, nachdem Paulus die eine Aussage gemacht hatte: Trefflich redete der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu unseren Vätern, 26 als er sagte: ‚Gehe hin zu diesem Volk und sprich: Hörend werdet ihr hören und gar nicht vernehmen ‹und verstehen›, und hinsehend werdet ihr hinsehen und gar nicht wahrnehmen, 27 denn das Herz dieses Volkes wurde empfindungslos, und mit den Ohren wurden sie schwerhörig, und ihre Augen verschlossen sie, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen vernehmen ‹und verstehen› und umkehren möchten und ich sie heilte.’ 28 Es sei euch also kund, dass das Heil Gottes denen, die von den Völkern sind, gesandt wurde. Die werden auch hören.“

Lk 21:20.22: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. … 22 weil das [die] Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“

Nachtrag zum Begriff „Völker/Heiden“ (griech. ethnee): Manche meinen, mit den „Heiden“ („Völkern“) können auch die heidnischen Idumäer gemeint sein. Ich bin nicht dieser Auffassung, aber dennoch will ich diese hier vorstellen: Josephus Flavius berichtet, dass der Tempel zu einer Festung der Aufständischen umfunktioniert wurde; die Parteien kämpften um den Besitz dieser vorteilhaften Ausgangsstellung; Johannes von Giscala behielt mit seinen Zeloten die Vorherrschaft im Tempelareal, Simon hatte die Oberhand in der Stadt; eines Nachts erhielten idumäische Streitkrafte (Edomiter) Zugang zur Stadt; sie erhielten von den Zeloten, ihren Verbündeten, die Erlaubnis innerhalb des Tempelareals zu bleiben; es scheint, dass während der ganzen Belagerungszeit der Tempelvorhof und die Stadt in den Händen jener heidnischen, wilden und gesetzlosen Edomiter war, die dort mit Raub und Blutvergießen herrschten; durch sie wurden Ananus und Josua, zwei der edelsten Hohen Priester, ermordet. (S. Josephus, Jüd. Krieg 4,5,2) Josephus nennt diese Horden in der Stadt „wilde Tiere“ (Jüd. Krieg 4,4,3). – James Stuart Russell (in „Die Parusie“) bezieht „Völker“ auf die benachbarten Juden; er meint, der Ausdruck „Heiden/Völker“ werde im NT allgemein auf die unmittelbaren Nachbarn der Juden, von denen viele mitten im Land Palästina oder nebenan wohnten, bezogen: Idumäer, Samaritaner, Leute aus Batanaea, Galiläa, Tyrus und Sidon u.a. Der Ausdruck „alle Völker“ bezieht sich oft im begrenzten Sinne auf alle benachbarten Völker Palästinas. (Anm.: Als Jesus Christus sagte: „Geht nicht auf den Weg der Heiden.…“ (Mt 10,5), meinte er nicht Ägypten, Griechenland oder Persien, sondern die heimatlichen (innerpalästinensischen) Heiden (Völker). Diese konnten die Jünger innerhalb von Palästina überall finden. (Mt 10,18; 20,25; Mk 10,33; vgl. Apg 2,5; 4,25.27 [iVm Ps 2]; Apg 10,45.) Der Begriff „Völker“ ist nicht im modernen Sinn aufzufassen. Das Denken der Juden in Palästina war provinziell, nicht ökumenisch: ihre Welt war Palästina, und für sie bedeutete das Wort „Völker“ (Heiden) nicht mehr als ihre direkten benachbarten Völker und innerpalästinensischen Völker. Josephus (Jüd. Krieg 5,10,5) beschreibt jene „Völker“ in Jerusalem als Abschaum der Gesellschaft.)

V:. Das Zertreten/Treten der heiligen Stadt

Der äußere Vorhof soll den Heiden gegeben werden. Das Gemessene wird bewahrt, der Vorhof wird verworfen, d. h., alle jüdischen Religionsrelikte mitsamt deren Anbetern werden zerstört.

„Und die heilige Stadt werden sie zertreten (o.: betreten) zweiundvierzig Monate lang.“

Das Bild ist parallel zu Lk 21,24–26: „Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen geführt werden zu den Völkern allen. Und Jerusalem wird getreten (o.: zertreten; o.: zertrampelt; o.: betreten) werden von den Völkern, bis die Zeiten der Völker erfüllt sein werden. 25 … und im Land ‹wird› Angst der Völker ‹sein› in Ratlosigkeit bei Brausen des Meeres und [wildem] Gewoge, 26 wobei den Menschen die Seele ausgeht vor Furcht und ‹gespannter› Erwartung dessen, das über das Festland (griech.: oikoumenee) kommt; ….“

Es geht um die Zeit des jüdischen Krieges.

Lk 21,24 bezieht sich auf das Fallen der Juden (in Galiläa, Samaria, Judäa). V. 24 werden die genaueren Umstände der Belagerung Jerusalems gegeben: „Jerusalem wird getreten werden von den Völkern, bis die Zeiten der Völker erfüllt sein werden.“ Die abgefallenen Juden betraten und zertraten den Tempelbezirk und die ganze Stadt, bis zu der von Gott bestimmten Zeit, nämlich bis zum kompletten Fall der Stadt. Als Jerusalem 70 n. Chr. fiel, war die „Zeit der Heiden“ (d. h.: der Juden), die 66–70 n. Chr. Jerusalem zertraten, erfüllt. V. 25 spricht dann vom Zerfallen der alttestamentlichen Welt im Fall Jerusalems.

Der Ausdruck „Zeiten der Heiden/Völker“ hat eine auf die Ereignisse von 67–70 n. Chr. spezifisch bezogene Bedeutung.

Lk 21,20-22: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahegekommen ist. 21 Dann sollen die in Judäa in Richtung der Berge fliehen und die in ihrer Mitte daraus entweichen; und die auf dem Land sollen nicht in sie hineingehen, 22 weil das Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“

Nach Off 11,2 dauert die Zeit, in der die heilige Stadt von den „Völkern“ zertreten wird, „42 Monate“. Sie entspricht den „1260 Tagen“, in der die „zwei Zeugen“ in Jerusalem „weissagen“, bis sie – wie ihr Herr – getötet werden von dem „Tier“, das aus dem Abgrund aufsteigt. Diese Begriffe sind symbolträchtig, erinnern an alttestamentliche Texte. Die 42 Monate (dreieinhalb Jahre, bzw. 1260 Tage) sind eine Anspielung auf die Bedrängnis unter Antiochus IV, Dan 7,25; 8,10.13; 11,31; 12,7.11; die „zwei Zeugen“ („zwei Ölbäume“ 11,4) erinnern an Sach 4,3.11; und das Tier erinnert an die Tiere in Dan 7. Die Jahresangaben sind bei Daniel nicht Teil der Vision, sondern der Erklärung, also buchstäblich aufzufassen. Aber in Off 11-13 sind die Zeitangaben Teil der Vision und daher nicht buchstäblich (arithmetisch) zu nehmen. Sie beziehen sich auf die Zeit des Wütens der Zeloten, der jüdischen Eiferer für das Gesetz, die 66 n. Chr. gegen Rom rebellierten und in Jerusalem eine Schreckensherrschaft errichteten.

„Und die heilige Stadt werden sie zertreten (o.: ‹auf› die heilige Stadt werden sie treten) …“

„… zertreten“: Man kann auch übersetzen: betreten; treten auf; o.: betrampeln; zertrampeln. Das Verb patein bedeutet im Grunde „treten“; aber es liefert in sich selbst keinen Hinweis, wie stark getreten wird. Das zeigen die Stellen, wo es vom einfachen Gehen gebraucht wird. Wie stark das Treten ist, ist je nach Situation verschieden. Das kann nur aus dem Zusammenhang erschlossen werden, nicht aus der Vokabel selbst. Wenn Lexika die Bedeutung „zertreten“ angeben, so trifft das nur auf gewisse Zusammenhänge zu; es wird nicht dem Wort selbst entnommen, sondern der Geschichte, in der das Treten vorkommt.

Vgl. Jes 1,12: „Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen – wer hat das von eurer Hand gefordert, meine Vorhöfe zu zertreten?“

Inwiefern werden die Heiden die heilige Stadt zertreten/betreten/betrampeln? – Indem sie die heilige Stadt und das Äußere des Tempels entweihen, profanieren, verderben (vgl. Dan 8,13; Jes 1,12). Sie zerstören zwar auch die Gläubigen äußerlich, doch nicht innerlich. Sie können das wahre Tempelheiligtum (d. i.: das Allerheiligste) nicht verderben. Es bleibt verschont und bewahrt. „Die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Die schattenhaften Dinge, das irdische Heiligtum und die irdische Stadt Jerusalem, sind zu einen „Vorhof“ geworden, der „draußen“ ist. Dieser wird den Heiden (d. h.: den ungläubigen Juden) zur Zertretung preisgegeben. Aber das wahrhaftige, innere Heiligtum wird vor Entweihung gesichert. Der Raum für die Anbetung ist für die wahren Anbeter.

Die „Völker“ (d. h.: den ungläubigen Juden aus Palästina und der Diaspora) können nicht die Gemeinde des Herrn Jesus verderben. Die, die im Heiligtum anbeten (die Heiligen, die Knechte Gottes) kommen unversehrt ins neue Jerusalem.

VI:. Die Dauer der Zertretung (Off 11,1.2)

„…zweiundvierzig Monate lang.“

Dieser Ausdruck ist aus dem Alten Testament genommen, wo er sich auf eine große und schwere Bedrängnisszeit des Gottesvolkes bezieht.

Eine solche gab es zur Zeit des Elia, als Isebel die Propheten Gottes hart verfolgte. Eine weitere Parallele im AT findet sich in der Prophezeiung des Kommens des Antiochus Epiphanes (Dan 8,10–14; 11,31–33; 12,11; vgl. auch 12,7; 7,25), der viele von den Heiligen tötete und den Tempel Gottes und die heilige Stadt entheiligte und verderbte. Auch Josephus Flavius spricht davon, dass der Opfergottesdienst im Tempel für die Zeit von „drei Jahren und sechs Monaten“ ausgesetzt wurde. Josephus, Jüd. Krieg 1,32.

„Antiochus, … also spoiled the temple, and put a stop to the constant practice of offering a daily sacrifice of expiation, for three years and six months.“ 5,394: „For another example, when Antiochus, who was called Epiphanes, lay before this city, and had been guilty of many indignities against God, and our forefathers met him in arms, they then were slain in the battle, this city was plundered by our enemies, and our sanctuary made desolate for three years and six months.“

Gemäß 12,6.14 wird die Dauer dieser „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ mit „1260 Tagen“ angegeben. Es ist die „kurze“ Zeit, in der der Drache auf die Erde geworfen ist und in der er versucht, die Frau (bzw. die Übrigen ihres Samens) zu vernichten, eine Zeit, der großen Wut des Satans, der weiß, dass er „wenig Zeit“ hat. In dieser Zeit, während welcher „der Teufel los“ ist, werden jene Heiligen des ersten Jhdts. „in der Wüste“ versorgt, d. h., geistlich erhalten.

Gemäß 13,5.7 ist sie Zeitdauer, in der die Heiligen durch das „Tier“ in besonders starker Weise bedrängt und (scheinbar) überwunden werden: „zweiundvierzig Monate“; die symbolträchtigen dreieinhalb Jahre stehen parallel zur Zeitdauer der Zertretung (o.: Betrampelung; Tretung) Jerusalems) und zur Zeitdauer der Prophetie der zwei Zeugen (11,3). Es ist die Zeit, in der jene Heiligen des ersten Jhdts. aufgerufen sind, auszuharren (13,9.10).

Was lehrt die Historie?

Im Okt./Nov. 66 n. Chr. belagerte der syrische Legat Cestius Gallus im Auftrag Neros mit seinem Heer die Stadt Jerusalem, aber er gab die Belagerung zu früh wieder auf, was ihm einen großen Verlust kostete und die Sache der rebellischen Zeloten erheblich stärkte. Die eigentliche Zeit des Tretens auf Jerusalem begann wahrscheinlich im Frühling 67 (als Vespasian im Auftrag von Nero den Krieg gegen Palästina begann und mit seinen Heeren das Land betrat; zugleich war das die Zeit, in der die Zeloten ihr Unwesen in Jerusalem trieben und Gottes heilige Stätte entweihten und viele Menschen umbrachten). Am 10. August 70 n. Chr., begann nach fünfmonatiger Belagerung die Einnahme der Stadt durch die Römer.

Während jener Zeit („1260 Tage“; diese Zeitangabe ist nicht buchstäblich/arithmetisch zu nehmen) weissagten die „zwei Zeugen“. Sie wurden schließlich getötet.

→ Lektion aus Off 11,1.2: Gott kennt und anerkennt jeden Anbeter. Sie zählen bei ihm. Er „misst“ sie, bewahrt sie. Die bloßen Bekenner werden verworfen.

VII. Exkurse

Die vier Reiche und die Bedrängniszeit im Buch Daniel.

Das Buch Daniel ist im historischen Zusammenhang zu verstehen. Es handelt sich um eine wichtige Botschaft für die zurückgekehrten Juden (ab 538 v. Chr.). Die vier Königreiche in Dan 2 sind folgende: Zuerst Neubabylonien, danach Medopersien, danach das Alexanderreich (Es verfiel so schnell wie es kam. In Dan 11,3.4 heißt es: „Und ein tapferer König wird aufstehen, und er wird mit großer Macht herrschen und nach seinem Gutdünken handeln. 4 Und sobald er aufgestanden ist, wird sein Königreich zertrümmert werden und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden, aber nicht für seine Hinterbliebenen und nicht entsprechend der Macht, mit der er geherrscht hat, denn sein Königreich wird zerstört und anderen zuteil werden, unter Ausschluss von jenen.“ Dan 11 erklärt Dan 2!) Das vierte Königreich, das Reich nach Alexander, ist das zweigeteilte Reich (Dan 2,41: „… es wird ein geteiltes Königreich sein“), gemäß Dan 11 das Königreich des Nordens und das Königreich des Südens. Und es werden mehrere Versuche unternommen, das Reich wieder zu einen. Ein Versuch in 11,6 und ein Versucht in 11,17. Das wird in 2,43 beschrieben: „Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast: sie werden sich durch Menschensamen mischen, aber aneinander haften werden sie nicht, gleichwie Eisen sich mit Ton nicht vermischt.“ Im Folgenden versucht der stärkere Teil (der König des Nordens) des Öfteren den schwächeren Teil (den König des Südens) auf militärische Weise zu besiegen und auf diese Weise das Reich zu einen; aber auch das gelingt nicht, wie Dan 11 sehr deutlich zeigt. Das vierte Reich von Dan 2 ist also nicht das römische Reich (das Römerreich war von Anfang an ein einiges Reich), sondern das ptolemäisch-seleukidische Reich, das geteilte Griechenreich also. Nach Antiochus IV verfiel das griechische Reich zusehends. Danach kam der Messias! So folgt auf das vierte Reich das ewige messianische Königreich.

Die Zeit, auf die sich die Prophetie bezieht (in Dan genannt die „Zeit des Endes“, vgl. 8,17.19.23; 11,35.40; 12,4.6.9, bzw. „Ende [o.: Späte] der Tage“, Dan 10,14), ist die große Bedrängniszeit des Gottesvolkes unter Antiochus IV (167–164 v. Chr.); sie dauerte dreieinhalb Jahre, bzw. „Zeit, Zeiten, halbe Zeit“ (Dan 7,25 und 12,7) bzw. „1290 Tage“ (12,11; zum Begriff „Gräuel der Verwüstung“ vgl. 11,31 und 8,11–13 und 9,27) bzw. „eine halbe Woche“ (Dan 9,27). Vgl. die Daniel-Auslegung von Thomas Jettel und vor allem Moses Stuart, Commentary on the Book of Daniel (www.archive.com).

Daniel spricht nicht über dieselbe „Zeit“ wie Off. Das vierte Königreich in Dan 7 ist auf Antiochus IV und sein Seleukidenreich bezogen. Zwischen den „zehn Hörnern“ bei Dan 7 und denen bei Off 17 gibt es sehr große Unterschiede.

→ Wir lernen: Die dreieinhalb Jahre sind bei Daniel buchstäblich aufzufassen und auf die Zeit von 168 v. Chr. bis Ende 165 v. Chr. bezogen. Ebenso handelt es sich bei Elia um eine buchstäbliche dreieinhalbjährige Bedrängniszeit Israels (Lk 4,25; Jk 5,17). Dieses alttestamentliche Motiv jener dreieinhalb Jahre wird in den K. 11–13 in der Off aufgegriffen und auf die große Bedrängniszeit des neutestamentlichen wahren Gottesvolkes in Israel bezogen. Sie geht parallel mit der Zeit der Bedrängnis der Heiligen durch den Drachen (K. 12) und durch das Tier (K. 13) und mit der Zeit der Weissagung der „zwei Zeugen“ (11,3ff).

Die Zeitangaben in K. 11-13

Die Zeitangaben in Off 11,2.3; 12,6.14; 13,7 („42 Monate – 1260 Tage – Zeit, Zeiten, halbe Zeit“). Sind sie bildhaft oder buchstäblich aufzufassen? Einige Überlegungen:

1) Die Angaben sind eine Anspielung an die schwere Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus Epiphanes (Dan 7,25; 8,10.13; 9,25-27; 11,31; 12,7.11). Es ist offensichtlich, dass eine Beziehung zwischen der Bedrängnis, die auf die Heiligen jener Tage, an die der Brief geschrieben ist, zukommen sollte (Off 3,10), hergestellt werden soll und der Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus Epiphanes (168-165 v. Chr.) In Asia tobte die Christenverfolgung in den Jahren 65–70 v. Chr.

2) Alle fünf Zeitangaben kommen in Visionen vor, nicht in Klartexten (d. h.: Erklärungstexten). Das heißt aber nicht, dass die Zeitangaben Jahrtausende von Jahren darstellen. Das würde nicht zum Buch Daniel passen. Die Angaben im Buch Daniel waren eine große Hilfe für jene Heiligen zur Zeit der Makkabäer. Ebenso hier. Nur dann, wenn die Zeitangaben in etwa tatsächlich so lange dauern wie angegeben, ist der Text eine Hilfe für die Briefempfänger. Außerdem wird diese verhältnismäßig kurze Zeit (42 Monate, 1260 Tage, dreieinhalb Jahre) von Off 11-13 in Bezug gesetzt zu den langen „tausend Jahren“ in Off 20.

3) Die Tatsache, dass Johannes auf Patmos war und Antipas getötet worden war und Symrna und Philadelphia vor einer großen Prüfungszeit standen (die nach 3,10 im gesamten röm. Reich zu kommen im Begriffe war), zeigt, dass der Brief eine Ermutigung und ein Aufruf zum Durchhalten für jene ihre Zeit gedacht war. Die Zeitangaben müssen sich auf die Bedrängniszeit in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems beziehen.

4) Die Off ist ein Brief des Johannes an die damaligen sieben Gemeinden in Asia; sie ist nicht direkt an die Christen des 21. Jahrhunderts gerichtet. Aber wir können praktische Ableitungen daraus ziehen. Wir können die dort dargelegten Prinzipien und Lektionen, die wir aus den Texten lernen, für uns anwenden.

b. Die zwei Zeugen: Off 11,3–13
Einleitendes

Der nun folgende Abschnitt (11,3–13), reflektiert das tragische Ereignis des Todes des Herrn in Jerusalem und die Verwerfung seiner Botschafter in Jerusalem. Wie ihr Herr aus dem Tode erstand und in den Himmel fuhr, so stehen auch die getöteten Zeugen auf und fahren in den Himmel – öffentlich, sodass sogar die Feinde sie zu sehen bekommen und sich fürchten (11,11–13).

Wird während der schweren Bedrängniszeit des Gottesvolkes das Zeugnis Gottes im Land und in der Stadt erhalten bleiben? Wenn ja, wie? –Nicht durch Heer, nicht durch Kraft, sondern durch Gottes Geist. (Vgl. Sach 4,4).

Zwei Zeugen warnen das Volk während der gesamten Zeit der damaligen Bedrängnis.

Johannes spricht seine Zeitgenossen an, diese Dinge, die ihm geoffenbart wurden, werden „in Kürze“ geschehen (Off 1,1). Es geht um die Zeit der Heiligen von damals; es wird den Lesern gesagt, dass sie einer großen Prüfungszeit entgegengehen (3,10), die über den gesamten Imperium (o.: Festland; griech. oikoumenee) ergehen wird. Der Zielpunkt – nach der Zeit der großen Bedrängnis – ist die Ankunft Christi zum Gericht über das alte Jerusalem und über die Toten (11,18) sowie die Errichtung eines neuen Jerusalems, des ewigen messianischen Königreiches im Himmel (11,15).

Die V. 3–13 gehören inhaltlich mit dem Abschnitt 11,1.2 zusammen.

Die V. 3–10 sind direkte Rede des Engels. V. 11–13 sind Bericht dessen, was Johannes sieht.

Beobachtungen

Bezeichnungen der zwei Zeugen

Zwei Zeugen.

Zwei Ölbäume: Sie sind gesalbt mit dem Heiligen Geist.

Zwei Leuchter – wie die sieben Leuchter (K. 1–3)

Propheten (V. 3), ähnlich wie Elia, der zu einer Zeit lebte, als der Großteil des Volkes Götzendiener waren.

Ihr Herr ist Jesus Christus (V. 8);

Vgl. die Bezeichnungen in 11,18 treffen auch auf sie zu: Heilige = Propheten = Knechte Gottes = Gott Fürchtende.

Parallelen zur Zeit Elias

Die dreieinhalb-jährige Zeit großer Bedrängnis der Propheten Gottes unter Isebel.

Die zwei Zeugen als Bußprediger, mit Sack bekleidet, wie Elia (und wie Johannes der Täufer, der im Geist Elias auftrat).

Die Dauer ihres Wirkens, 1260 Tage, in denen kein Regen fiel (V. 6), ist parallel zur Trockenzeit in Israel zur Zeit Elias (Lk 4,25; Jk 5,17).

Die Verfolgung der Propheten durch die Regierenden, 1Kön 18.

V. 4: „Der Gott, vor dem ich stehe“, wie Elia, 1Kön 17,1ff.

V. 5: „Feuer verzehrt ihre Feinde“, wie bei Elia, 2Kön 1,10–12; Lk 9,54.

V. 6: Sie verschließen den Himmel, wie es zur Zeit Elias auf sein Gebet hin geschah, Jk 5,16-18; 1Kön 17,1; 18,1

V. 7: Das Tier tötet die Heiligen, führt Krieg gegen Jesu Zeugen (13,7), wie Isebel gegen Elia und die Propheten; vgl. a. die Erwähnung der Isebel in Off 2,20.

V. 10: Sie quälten – wie Elia, nach den Aussagen Ahabs, Israel ins Unglück stürzte, 1Kön 18,17f.

V. 11.12: Geist des Lebens kommt in sie – wie damals in den Jungen der Witwe, 1Kön 17,21.22.

V 12: Große Furcht fällt auf die Feinde, wie damals, 1Kön 18,39.

V. 13: 7000 werden getötet. Bei Elia war es umgekehrt: 7000 blieben übrig, Rm 11,1ff.; 1Kön 19,18.

Die Parallele zum Auszug (Exodus) der Israeliten unter Moses

V. 6: Wasser wird in Blut verwandelt, wie bei Mose, 2Mo 7 (vgl. Off 16,3ff); das Wort „Plage“ (ebenso in Off 16,3ff) erinnert an die Plagen Ägyptens, 2Mo 7-11.

Das Exodus-Motiv kommt übrigens mehrmals in der Off vor:

Vgl. das Schlagen des Landes mit Plagen (Off 8 und 16) und die Flucht der Frau in die Wüste (Off 12):

12,6: Ihre tagtägliche Ernährung in der Wüste (vgl. das tägliche Manna): „Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.“

12,14: Und der Frau wurden [die] zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihre Stätte flöge, dorthin, wo sie ernährt wird für eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, weg vom Angesicht der Schlange. (Vgl. 2Mo 19,4: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“)

Vgl. das Stehen der Erlösten jenseits des Meeres (Off 15):

15, 2.3: „Und ich sah [etwas] wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt, und die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von seinem Malzeichen her, von [der] Zahl seines Namens; [ich sah sie] am gläsernen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie. 3 Und sie singen das Lied Moses …“

13,1 und 12,1: Tier und Drache/Schlange erinnern auch an das „Seeungeheuer“ Ägypten (vgl. Ps 74,213.14; Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3), aus welchem Israel ausgezogen ist.

Die Feinde

Die Feinde sind die, die das Land verderben, vgl. Off 11,18 mit 19,2: die Hure Jerusalem verderbte das ganze Land. Sie wohnen in der großen Stadt, d. h.: in Jerusalem.

Die Feinde sind vor allem der Drache von K. 12 und das „Tier“ von K. 13.

I: Die zwei Zeugen: 11,3E.4

Zwei

Die Zweizahl: Warum zwei? Die Zeugen Jesu wurden zu zweit ausgeschickt. Lk 10,1. Andere Bspe: Moses und Aaron, Elia u Elisa, Serubabel u Josua.

„Auf zweier oder dreier Zeugen Mund“ (Joh 8,17; 5Mo 17,6; 19,15; 4Mo 35,30; Joh 5,30–33; Mt 18,16);

Öl ist ein Bild für den Heilige Geist; das „Leuchten“ ist ein Bild für die Zeugniskraft.

Bußprediger

„… mit Sacktuch umkleidet“: Sacktuch ist Prophetenkleidung der Bußprediger, s. Mt 3,4; Jes 20,2; Sach 13,4.

Zwei Ölbäume

V. 4: „Diese sind die zwei Ölbäume und [die] zwei Leuchter, die vor dem Gott der Erde (o.: des Landes) stehen.

Die bilderreiche Sprache fällt auf.

Parallelen: Sach 4,3.11.14; 1Kön 17,1

Der Ölbaum hat das Öl in sich, ebenso wie jeder Gesalbte des Herrn. Jeder Nachfolger Christi ist gesalbt (2Kor 1,22; 1Petr 4,14; 1Joh 2,20.27).

Wie Josua und Serubabel verwendet wurden, um den Tempel und die Gemeinde des alten Bundes damals aufzubauen, so werden die zwei Zeugen verwendet, um den geistlichen Tempel und die Gemeinde des neuen Bundes in Palästina aufzubauen.

Zwei Leuchter (Zwei Zeugen)

Sie sind Leuchter – wie jeder Christ auch. Sie leuchten als Zeugen Gottes dort, wo Gott sie hingestellt hat.

Ihr Zeugnis wird unterstrichen …

(1) durch ihre Kleidung: Sacktuch (Bußgewand); d. h., sie bringen eine Bußbotschaft, sie rufen zur Umkehr; Prophetendienst bed. u.a. zur Umkehr zu rufen. Insofern sind alle Christen Propheten und Bußprediger.

(2) durch ihre Vollmacht: Sie tun Wunder, rufen Plagen hervor, bestimmen Regen/Dürre.

(3) durch ihre Ähnlichkeit mit Mose und Elia: Sie sind wie Elia, aber sie sind nicht Elia! Sie sind auch wie Mose, aber sie sind nicht Mose.

Plagen: Parallele zu Mose. Er stand gegen eine erdrückende Macht (Pharao); vgl. 5Mo 18,15.18.

Dreieinhalb Jahre Dürre: Parallele zu Elia. Er stand gegen eine erdrückende Macht (Isebel, abgefallenes Israel); vgl. Mal 3,24.

„die vor dem Gott der Erde stehen“ V. 4E:

D. h.: Sie hören allein auf Gott. Die Sprache ist aus Sach 4,14. Vgl. 1. Kg. 17,1.

Zusammenfassung

Die Zeit ihres Weissagens (3,5 Jahre) deckt sich mit der Zeit der Zertretung Jerusalems durch die Heiden, die eine Terrorherrschaft in Jerusalem errichteten. –

Das aus dem Abgrund aufsteigende Tier führt gegen sie Krieg.

Sie sind Propheten, weil sie Gottes Wort verkünden, das in ihrem Munde wie Feuer ist

Sie sind die Zeugen Gottes in Jerusalem (vmtl. Inkl. Umgebung).

Sie haben direkten Zugang zu Gott, der über das Land Warngerichte schickt (Dürre, Tod, Plagen) – „so oft sie wollen“ (d. h.: sooft sie dafür beten – wie Mose und Elia dafür beteten. Mose betete vor Pharao und Gott sandte Plagen; Elia betete für Trockenzeit, und Gott reagierte. Jk 5.)

Sie stehen vor Gott, hören nur auf ihn, beten und bekommen von ihm die Kraft (Salbung – mit Öl, d. h. mit dem Heiligen Geist)

Sie sind unsterblich, bis ihr Auftrag erfüllt ist. V. 7. Ihr Auftrag ist erfüllt, wenn die (symbolträchtigen) 1260 Tage ihrem Ende entgegen gehen.

→ Wir lernen: Gottes Wort – ein Bußruf und eine Gerichtsandrohung, kommend aus dem Mund des Propheten.

Das Gerichtswort trifft ein. Gottes Gericht fällt auf Menschen, die rebellieren. Nicht auf alle sofort. Das treue Gottesvolk muss Geduld üben und warten, soll dabei aber emsig zeugen – wie Christus das treue und wahre Zeugnis bekannt hat:

Joh 18,37: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, damit ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

1Tim 6,13: „… Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das edle Bekenntnis bezeugte …“

II: Die Dauer ihres Weissagens: 11,3

Die Zeit der Zeugen ist auf den Tag genau bemessen:

V. 3: „Und ich werde meinen zwei Zeugen geben, und sie werden eintausendzweihundertsechzig Tage weissagen, mit Sacktuch umkleidet.“

Wir beachten die chiastische Anordnung der Zeitbegriffe in den K. 11-13:

A. 11,2 – 42 Monate (negativ: Zertretung/Niedertretung)

B. 11,3 – 1260 Tage (positiv: Weissagung/Zeugnis)

C. 11,9 – 3 ½ Tage

C. 11,11 – 3 ½ Tage

B. 12,6 – 1260 Tage (in V. 14 wiederholt als „Zeit, Zeiten, halbe Zeit“) – aufgegriffen von 11,3 (positiv: Ernährung)

A. 13,5 – 42 Monate – aufgegriffen von 11,2 (negativ: Verfolgung/Tötung)

„… eintausendzweihundertsechzig Tage“:

Die Zeitangabe ist parallel zu 11,2 („42 Monate“) – in Anspielung auf die alttestamentliche Bedrängniszeit des Gottesvolkes in der Zeit Isebels, die die Propheten Gottes verfolgte (Vgl. V. 3: Dürre, Hunger, Verfolgung, Lk 4,25; Jk 5,17).

Eine weitere Parallele im AT findet sich in der Prophezeiung des Kommens des Antiochus IV Epiphanes nach Jerusalem im Jahr 168 v. Chr. (Dan 7,25; 8,10–14; 11,31–33; 12,7.11). Auch Josephus Flavius spricht davon, dass der Opfergottesdienst im Tempel für die Zeit von „drei Jahren und sechs Monaten „ausgesetzt wurde.

Es ist die Zeit, in der das aus dem Abgrund aufsteigende Tier die Heiligen verfolgt (13,7).

Die Zeit der Zeugen ist auf den Tag genau bemessen. Das ist ein großer Trost.

III: Ihre Vollmacht: 11,5–6

V. 5: „Und wenn jemand ihnen Schaden zufügen will, geht Feuer aus ihrem Munde und verzehrt ihre Feinde. Und wenn jemand ihnen Schaden zufügen will, muss er so getötet werden.“

Vgl. 2Kön 1,10.12; Ps 18,9; Jer 1,10; 5,15; 23,29; 4Mo 16,28.35.

Man beachte die bildhafte Sprache. Das Wort Gottes ist wie Feuer im Mund des Verkünders:

Jer 5,14: „Weil ihr dieses Wort redet,– siehe!– mache ich meine Worte in deinem Mund zu Feuer und dieses Volk zu Holz, und es wird sie verzehren.“ – Bei Jeremia ging es, wie Off 11, ebenso um das nahe bevorstehende Gericht über Jerusalem.

vgl. Off 1,16. Schwert aus dem Mund. Ps 18,8.9.

Feuer vom Himmel. Vgl. 2Kön 1; 4Mo 16,35

Kein Regen Off 11,6

V. 6: Diese haben Vollmacht, den Himmel zu verschließen, damit kein Regen falle in den Tagen ihres Weissagens.“

Vgl. Jk 5,17

Zeitliche Gerichte Gottes – aber von ihnen angekündigt. Es wird nicht gesagt, dass sie ständig oder immer wieder Feuer vom Himmel fallen lassen. Es wird lediglich gesagt, dass sie diese Vollmacht haben. Vollmacht haben sie, weil sie im Namen Christi beten. Gott offenbart ihnen, was er zu tun wünscht (z. B. Katastrophen als Warnung vor Gottes Gericht), Sie beten. Und Gott schickt zeitliche Gerichte.

Wasser in Blut und andere Plagen

V. 6M: „Und sie haben Vollmacht über die Gewässer, sie in Blut zu verwandeln, und [Vollmacht], das Land mit jeder Plage zu schlagen, so oft, wie sie wollen.“ (Vgl. 2Mo 7,20; Ps 105,26–36.)

Es war eine große Bedrängniszeit des Volkes Gottes. Mose war zusammen mit Gottes Volk gegen eine erdrückende Macht von Ungläubigen aufgestanden. Ebenso die Christen von Asia: Sie waren sieben Leuchter.

Hier in Off 11 sind „zwei Leuchter“, Leuchter wie Smyrna und Philadelphia. Die Treuen befinden sich in der großen Bedrängnisszeit, hören aber nicht auf „Leuchter“ (Zeugen) zu sein.

IV: Ihre Tötung: 11,7–10

V. 7: „Und wenn sie mit ihrem Zeugnis fertig sein werden, wird das Tier, …“

Vgl. 17,8; 13,1.7

11,7: Zeitenwechsel ist in der Off üblich. (Auch sonst im NT.)

Gottes Diener sind unsterblich, bis ihr Auftrag erfüllt ist. Sie sollen aber treu sein bis zum Tode. Es geht letztlich um einen Kampf gegen den Satan.

„… wird das ‹wilde› Tier, das aus dem Abgrund aufsteigende, mit ihnen Krieg führen und sie überwinden und sie töten.

Der Abgrund bedeutet auch, dass es eine Abgrenzung gibt. Gott setzt dem Feind Grenzen.

Wer ist das Tier? Johannes nimmt an, die Leser kennen dieses Tier. Das Tier ist und wirkt in Jerusalem (und Umgebung), nicht in Rom. (Nb: Das Tier ist nicht der Antichristus, s. 1Joh 2,18ff; 4,1-4 und 2Joh 7.).

Das Tier wirkt in Jerusalem und Palästina.

Die Heuschrecken und der Abbaddoon kommen auch aus dem Abgrund. Vgl. 9,13ff.

Das Tier kommt aus dem Abgrund, womit gezeigt wird, dass es von dort – von dem großen „Verderber“, dem Drachen, gesandt und ausgerüstet ist.

Das Böse ist „von unten“ (Joh 8,23.44). Die Juden, von dem Satan verleitet, verfolgten die Christen und töten sie.

V. 8: „Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die in geistlicher [Hinsicht] ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt, wo auch unser Herr gekreuzigt wurde.“

Die Leichen der Zeugen Jesu liegen auf den Straßen der großen Stadt. Die Leichenschändung drückt die tiefe Verachtung aus.

Die große Stadt heißt Sodom: Die Heiligen litten darin. Gott rief sein Volk (Lot) auf, herauszugehen, und führte sie schließlich heraus, ehe das Gericht kam. Sodom verachtete den gerechten Lot, Ägypten unterdrückte das erwählte Gottesvolk (Apg 7,39; Hes 23,8). Die „große Stadt“ erhält wegen ihrer Verwerfung des Messias die Namen „Sodom“ (geistlicher Ehebruch: Jes 1,10.21; 3,9; Jer 23,14; Hes 16,46.49; 5Mo 29,32), das auf Gottes Gericht wartet. Sie achtete nicht auf das gerechte Zeugnis der „Gerechten“ in ihrer Mitte.

Die große Stadt heißt Ägypten: Das Gottesvolk litt darin. Gott rief sein Volk auf, herauszugehen, und führte sie schließlich heraus, ehe das Gericht kam. Sie heißt „Ägypten“, weil sie Gottesvolk unterdrückte. Aus dieser Stadt führt der Herr sein Volk heraus (Off 18,4), wie damals unter Mose. Auf sie selbst aber warten schreckliche Plagen (Off 16,9.21; 18,4.8).

Die große Stadt heißt auch Babylon (Off 14,8; 16,19; 17,5; 18,2.10.21): Das Gottesvolk litt darin. Aber Gott ließ den Ruf ergehen: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk!“ (Jer 51,45; vgl. 51,6.9; Jes 52,11), ehe das Gericht über Babel ergeht. Ebenso ist es mit der „großen Stadt“: Off 18,4. (S. die Textauslegung zur Stelle.)

Jes 1,10: „Hört das Wort Jahwehs, Vorsteher von Sodom; horchet auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra!“ – Israel ist das Volk von Sodom.

1,21: „Wie ist zur Hure geworden die treue Burgstadt!“ – Jerusalem ist die große Stadt, die große Hure. Vgl. Hes 16.

3,9: „Der Ausdruck ihres Angesichts zeugt gegen sie; und von ihrer Sünde reden sie offen wie Sodom, sie verhehlen sie nicht. Wehe ihrer Seele, denn sich selbst bereiten sie Böses.“

Jer 23,14: „Aber an den Propheten Jerusalems habe ich Schauderhaftes gesehen: Ehebrechen und in der Lüge Wandeln, und sie stärken die Hände der Übeltäter, auf dass sie nicht umkehren, ein jeder von seiner Bosheit; sie sind mir allesamt wie Sodom geworden, und seine Bewohner wie Gomorra.“

Hes 16,46: „Und deine größere Schwester ist Samaria mit ihren Töchtern, die zu deiner Linken wohnt; und deine Schwester, die kleiner ist als du, und die zu deiner Rechten wohnt, ist Sodom mit ihren Töchtern.“ – Die Hure tötete den Herrn Jesus Christus. Sie wollten sein Königtum nicht. „Wir haben keinen König, …!“

Wie ihr Herr, so die Seinen: Sie werden getötet. „Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten“ (Mt 23,37; Lk 13,34).

„… die in geistlicher [Hinsicht] ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt“: „Geistlich“, d. h., entsprechend ihrem moralischen und religiösen Charakter.

Damit kein Zweifel bleibt, welche Stadt gemeint ist, wird hinzugefügt, dass dort der Herr der zwei Zeugen gekreuzigt worden ist.

Die „große Stadt“, das alte Jerusalem: Off 11,8; Jer 22,8, genannt „Babylon“: Off 14,8; 16,19; 17,18; 18,10; 16.18.19.21.

Die „heilige Stadt“, das alte Jerusalem: Off 11,2; Neh 11,1.18; Jes 48,2; 52,1; Dan 9,24; Mt 4,5; 27,53.

Die „heilige Stadt“, das neue Jerusalem: Off 21,2.10; 22,19.

Die „große Stadt“, das neue Jerusalem: Off 21,10 (Byz. Text: „Und er trug mich im Geist fort auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, wie sie niederkam aus dem Himmel von Gott.“)

V. 9: „Und [Menschen] aus den Volksgruppen und Stämmen und Sprachen und Völkern …“

Gemeint sind die Juden und Proselyten und Gottesfürchtigen aus allen „Völkern“, die, vor allem zu den Festzeiten, in Jerusalem waren. Vgl. Apg 2,5: „Es waren in Jerusalem wohnhaft Juden – gewissenhafte ‹und gottesfürchtige› Männer – aus jedem der Völker unter dem Himmel.“

Jerusalem ist die große Hure, die „an den vielen Wassern“ sitzt (Off 17,1). Die „vielen Wasser“ sind „die aus den Völkern“, die Diasporajuden: „Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen“ (17,15).

Ein Israel, das den Herrn verlässt, wird zum Heidenvolk (Vgl. Hes 2,3 „Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den sich auflehnenden Völkern, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter waren von mir abtrünnig bis zu ebendiesem Tag.“). Vgl. auch Ps 2,1 („Warum empören sich [die] Völker und sinnen Vergebliches [die] Volksstämme“) mit Apg 4,25-27 („… der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: ‚Warum empörten sich die Völker und unternahmen Vergebliches die Volksscharen? 26 Es traten an die Könige des Landes [o.: der Erde], und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit den Völkern und Volksscharen Israels, …“).

Hier sind die Diaspora-Juden aus den Volksscharen, Stämmen, Sprachen, Völkern (Apg 2,5) erwähnt. Sie alle waren während der Festzeiten in Jerusalem. Sie waren auch in Jerusalem, als Titus die Stadt belagerte. Der Begriff „die aus den Völkern /bzw. „die aus den Volksscharen, Stämmen, Sprachen, Völkern“ ist nicht global zu verstehen. Es geht um das abgefallene Bundesvolk Gottes, es geht um die Hure Jerusalem und ihr Volk, einschließlich die Diasporajuden im römischen Reich.

„… werden ihre Leichname sehen drei Tage und einen halben Tag lang.“

Diese zwei Zeugen teilen Jesu Auftrag und Jesu Leiden. So sehr sind sie ihrem Herrn ähnlich und so sehr mit ihm verbunden! Und so oft haben sie von seiner Auferstehung gesprochen und vom himmlischen Königreich, in welches er die Seinen bringen wird.

Das Licht der beiden „Leuchter“ erlischt, wird ausgelöscht durch ein grässliches Biest (Tier), das hier in der Off das erste Mal erwähnt wird. Und das Schreckliche ist – der Himmel schweigt.

So war es bei ihre Herrn, Jesus Christus, auch. Er kam – als treuer und wahrhaftiger Zeuge, ein Licht. Sie löschten das Licht aus – und der Himmel schwieg, damals am Kreuz, als die Finsternis kam: Gott griff nicht ein.

→ Wir lernen: Die toten Zeugen reden noch (Hebr 11,4), obwohl ihr mündliches Zeugnis verstummt ist. Gott schweigt nicht.

(Bei so manchem Zeugen Jesu könnte die Frage aufkommen: Warum schweigt Gott? Vgl. Off 6,9. Ist die Macht des Heiligen Geistes als doch nicht die höchste Macht im Universum? – Die Antwort wird u. a. hier in Off 11 gegeben.)

„… drei Tage und einen halben Tag“

Das ist jüdische „Inklusiv-Zählung“: Der erste Tag ist der Tag, an dem sie getötet werden, am zweiten und dritten Tag liegen sie tot, dann folgt ein halber Tag; d. h., man wartet einen Tag länger als bei Christi Auferstehung.

Wer weiß, vielleicht erinnerten sich die Juden an die große Pleite vor einigen Jahrzehnten, als der Nazarener starb und das Grab nach drei Tagen leer war. Vielleicht sagten sie sich: „So etwas darf nicht wieder geschehen“. Diese Zeugen (in der Vision hier) werden jedenfalls nicht beerdigt. Vielleicht will man will nicht, dass sie am dritten Tag aus dem Grab verschwinden – wie der Herr, dem sie so sehr ähnelten. – Letztlich können wir den Grund nicht wissen.

„Und sie werden nicht zulassen, dass ihre Leichname in Gräbern beigesetzt werden.“

Eine letzte Entehrung! Ihre Leichenschändung ist es eine starke zeichenhafte Beschreibung für die Verachtung durch die Juden

V. 10 „Und die, die auf dem Land wohnen, werden sich über sie freuen und fröhlich feiern und sich gegenseitig Geschenke schicken, weil diese zwei Propheten, die quälten, die auf dem Land wohnten.“

„… die auf dem Land (griech. gee) Wohnenden“: Das griech. Wort für „Erde“ (gee) sollte hier wohl mit „Land“ übersetzt werden. (Vgl. den häufigen Ausdruck „Bewohner des Landes“ in Jes, Jer, Hes.) Es kann sich nur um das Land Israel (Jerusalem und Palästina) handeln; es kann nicht die gesamte Bevölkerung der Welt oder des römischen Reiches gemeint sein. Diese hatten nichts mit Jerusalem zu tun. Und wie hätten alle Menschen des römischen Reiches in jenen 1260 Tagen von den zwei Zeugen geplagt werden können! Außerdem kann in so kurzer Zeit (2 Tage) nicht das gesamte römische Reich vom Tod der zwei Zeugen erfahren. (Fernsehen, Internet und moderne Technik darf nicht vorausgesetzt werden, denn der Brief ist an die Christen im 1. Jhdt. geschrieben, und zwar so, dass sie ihn verstehen konnten; sie verstanden ihn.)

quälten“: Vgl. 1Kön 18,17.18 („ins Unglück stürzen“). Sie quälten die Menschen nicht physisch, auch nicht psychisch. Aber die Ungläubigen deuten ihr Auftreten und Predigen als ein „Quälen“. Das ist der Ausdruck ihrer eigenen Intoleranz gegen Gottes Volk und Gottes Wort. Es ist aber eine Verdrehung; denn es war kein Quälen, sondern die Propheten sagten die göttliche Wahrheit. Doch die Welt empfand das Hören der Wahrheit Gottes und der Predigt vom nahenden Gericht Gottes als eine Qual und achteten die Zeugen als Übeltäter. Als Übeltäter wurden sie denn auch hingerichtet.

„werden sich gegenseitig Geschenke schicken“: Geschenke schicken – ein Ausdruck großer Freude, vgl. Neh 8,10–12; Est 9,19–23.

Ergänzung:

Wie Josua und Serubabel verwendet wurden, um den Tempel und die Gemeinde des alten Bundes damals aufzubauen, so werden die zwei Zeugen verwendet, um den geistlichen Tempel und die Gemeinde des neuen Bundes in Palästina aufzubauen.

Zwei Leuchter (Zwei Zeugen)“

Zwei Säulen: Und er richtete die Säulen auf vor der Halle des Tempels. Und die er zur rechten Hand setzte, hieß er Jachin, und die er zur linken Hand setzte, hieß er Boas.

Jachin: Er wird errichten. Boas: Schnelligkeit

V: Ihre Auferstehung und Aufnahme in den Himmel: 11,11–13

„Und nach den drei Tagen und dem halben [Tag] kam der Geist des Lebens von Gott auf sie, und sie standen auf ihren Füßen (o.: stellten sich auf ihre Füße).“

„… auf ihre(n) Füße(n)“: Der Bibelkundige muss unwillkürlich an Hes 37,10 denken: „Und der Odem kam in sie und sie lebten. Und sie stellten sich auf ihre Füße“.

Gott rechtfertigt seine treuen Zeugen, lässt ihnen Recht widerfahren, stellt sich zu ihnen, beglaubigt sie – durch die Auferstehung und darauf folgende Himmelfahrt. Gott nimmt seine beiden treuen Zeugen (Märtyrer) zu sich.

Die Märtyrer gehen nicht in den Hades, sondern kommen direkt zu Gott und seinem Thron (Off 12,5.11; vgl. 2,26.27; 3,21; 19,14; 20,4).

Das Ganze ist natürlich ein Bild, nicht prophetische Geschichtsschreibung; aber dahinter steckte eine wichtige Lektion für die Christen, an die die Off gerichtet war.

Was das Bild aussagt, ist klar und braucht keine weitere Erklärung. Das mutige Zeugnis der Heiligen in Jerusalem wird von Gott belohnt. Er ehrt sie, indem er sie aus dem Tod direkt zu sich und zu seinem Thron holt (wie in 12,5.11), wo sie zusammen mit Christus regieren dürfen (3,21; 20,5).

→ Wir lernen: Es gibt also eine Auferstehung vor der Auferstehung, eine „Erst-Auferstehung“ bzw. „erste Auferstehung“ (vgl. 20,5). Selig zu preisen ist der, der daran Teil hat (20,6; vgl. die Seligpreisung in 14,13).

„Und große Furcht fiel auf die, die sie schauten.“

Ihre Auferstehung (nicht notwendiger Weise die Himmelfahrt) erschreckt die Jerusalemer! Sollten die Apostel doch Recht gehabt haben, als sie „mit Jesus die Botschaft der Auferstehung von den Toten verbreiteten“ (Apg 4,2)?

„Furcht fiel auf sie“ ist die hebräische Ausdrucksweise für „Schrecken fiel auf sie“ (s. z. B. Ps 9,21; Apg 19,17). Bekehrung war es keine, denn ansonsten würde in V. 14 nicht ein drittes „Wehe“ folgen.

Ihre Feinde schauten sie. Bei Elia sah es nur Elisa. Hier sehen es alle ihre Feinde in Jerusalem. Das erhöht die Ehre jener Getöteten – und die Furcht der Mörder. Zu fürchten haben sie sich, da Gott sie rächen wird. Den Vorgeschmack der Rache gibt es in V. 13.

V. 12: „Und sie hörten eine große, ‹laute› Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: ‚Steigt herauf.’ Und sie stiegen auf in den Himmel in der Wolke. Und ihre Feinde schauten sie.“

Diese Beiden erlebten eine Auferstehung und Himmelfahrt – wie ihr Herr.

→ Wir lernen: Gott schweigt nicht, und er wird nicht schweigen, auch in allen weiteren großen Bedrängnissen des Gottesvolkes nicht.

11,13: „Und in jener Stunde entstand ein großes Beben, und der zehnte Teil der Stadt fiel, und siebentausend Menschennamen wurden in dem Beben getötet.“

„… und siebentausend Menschennamen wurden in dem Beben getötet.“

Die „Siebentausend“ ist eine symbolträchtige Zahl: die Sieben (die Zahl der Fülle oder Vollkommenheit) mal ein Vielfaches der Zehn (die Zahl der Vielheit). Da in der Stadt – außerhalb der Festzeiten – üblicherweise etwa 70 000 Menschen wohnten, betrifft die hier angegebene Zahl ein Zehntel. Der „Zehnte“ zeigt an, dass Gott der Eigentümer von allem ist. Der Zehnte ist eine Symbolgabe; sie bedeutet, dass man weiß, dass dem Herrn des Himmels und der Erde (Off 11,4.13) alles gehört. Ihm gehören Himmel und Land (1Mo 14,1920; Ps 24,1) zu hundert Prozent. Deshalb gab Gottes Volk dem Herrn zeichenhaft und in demütiger Dankbarkeit den Zehnten, um daran erinnert zu werden, dass ihm alles gehört.

Wenn nun in Off 11 der zehnte Teil der Stadt fällt, bedeutet dieses, dass Gott sich nun seinen Zehnten zurückholt, der ihm vorenthalten worden war; sie hatten Gott nicht mehr sein Recht auf den gesamten Menschen zuerkannt.

In der Zeit Elias waren es 7000, die treu geblieben waren (1Kön 19,18). Hier sind es 7000, die gerichtet werden. Elia und seine treuen Nachfolger, die 7000 im AT, stehen symbolhaft für die Märtyrer, die in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems getötet wurden. Als Vergeltungsmaßnahme holt Gott sich 7000 Namen (Seelen) von Jerusalem, wo seine Leute getötet wurden, zurück.

„Namen“: Die Betonung auf „Namen“ könnte darauf hinweisen, das Gott – und die Bewohner von Jerusalem – ihre Namen kennen. Man weiß, wer diese waren. Sie verschwanden nicht einfach, sondern man weiß genau, wer nun tot ist. Die Furcht der Menschen hängt damit zusammen, dass sie wissen, dass Gott bestimmte Menschen tötete, die sie kannten.

„Und die übrigen gerieten in Furcht und gaben Herrlichkeit ‹und Ehre› dem Gott des Himmels.“

Die übrigen aus der großen Stadt geben Gott Ehre. „Sie fürchteten Gott“ bedeutet zwar nicht, dass sie sich bekehrten (sonst gäbe es keinen Grund für Gottes Gericht über Jerusalem in K. 16 und 18); aber diese Furcht ist eine ermutigende Frucht (vgl. Off 14,7). Das Zeugnis des verkündigten Wortes Gottes in Jerusalem erzeigt Wirkung. Das ist eine große Ermutigung für die treuen Christen, an die der Brief gerichtet ist, treu zu sein bis in den Tod.

Off 11,1-13 stellt eine Verbindung zur sechsten Plage (11,14) her. Die Hingabe der Heiligen bis in den Tod und zusätzlich das richtende Eingreifen Gottes durch das Erdbeben erzeigte große Wirkung – im Gegensatz zu Off 9,20.21.

Zum Erdbeben: Das Zehntel ist die Anzahlung für das Ganze. Die siebente Posaune ist noch nicht ertönt. Die Vollendung des Gerichts kommt erst. Hier wird bildhaft die Zerstörung Jerusalems angekündigt (ebenso wie in 11,15 das Königreich Gottes angekündigt wird).

Von ankündigenden Beben sprach auch der Herr Jesus Christus (Lk 21,11): „Auch große Beben an ‹verschiedenen› Orten und Hungersnöte und Seuchen werden sein. Auch Schreckensereignisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.“

Ein Erdbeben gab es übrigens auch nach dem Tod Christi (Mt 27,50–54) und ein weiteres bei der Auferstehung (28,2).

→ Wir lernen: Gerichtsschläge Gottes (Warngerichte) allein bringen Menschen meistens nicht zur Bekehrung (Off 9,20). In 10,4–7 sieht es so aus, als ob Gott eine weitere Siebener-Reihe (die 7 Donner) dazwischen schieben will, um die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Aber dann heißt es: „Schreib es nicht! Streichen wir das! Es hat keinen Zweck. Sie werden nicht Buße tun.

10,5-7: „Und der Bote, den ich auf dem Meer und auf dem Land stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel 6 und schwor bei dem, der in ‹alle› Ewigkeit lebt, der den Himmel schuf und was darin ist und das Land und was darin ist und das Meer und was darin ist: Es wird nicht noch ein Zeitabschnitt sein, 7 sondern mit den Tagen der Stimme des siebenten Boten, wenn er sich anschickt zu posaunen, wird auch zu Ende geführt sein das Geheimnis Gottes, wie er es seinen Knechten, den Propheten, als gute Botschaft sagte!“

Gerichtsschläge Gottes (Warngerichte) allein bringen Menschen meistens nicht zur Bekehrung, aber Gerichtsschläge in Verbindung mit dem treuen Zeugnis der Zeugen Gottes bewirkt vieles. Es kann dahin führen, dass Menschen Furcht bekommen und ihm die Ehre geben.

Das gesamte Bild von Off 11 soll für die Zeugen Jesu jener Zeit eine Ermutigung sein, das Zeugnis treu bis zum Tod auszurichten. Vielleicht geben doch noch etliche Gott die Ehre und bekehren sich.

VII: Lehren aus Off 11

Es geht in Off 11 um das christliche Zeugnis des Gottesvolkes in Jerusalem knapp vor dem Gericht Gottes über Jerusalem (70 n. Chr.).

Kompetente beweiskräftige Zeugen, ausgerüstet mit göttlicher Vollmacht und Wundern als Beweismittel bezeugen das Evangelium gegen die verderbten Juden vor der Zerstörung Jerusalems in den letzten Tagen des jüdischen Äons:

Die zwei Zeugen könnten die treue Christenschar in Jerusalem bzw. Palästina repräsentieren. Das Bild ist eine Ermutigung und ein Aufruf an die Empfänger des Briefes, treu zu sein bis zum Tod.

Während der römischen Invasion blieb das Zeugnis der Heiligen fast bis zuletzt bestehen. Gottes Geduld zögerte die Zerstörung Jerusalems lange hinaus. Er schickte ihnen – wie zur Zeit Jeremias – bis zuletzt ein kräftiges Zeugnis und eine deutliche Warnung, durch das treue Zeugnis der Seinen.

Lektionen:

1. Gott hat immer noch fähige Zeugen, wenn Jerusalem knapp vor der Zerstörung steht.

2. Diese Zeugen werden verfolgt und getötet. Dennoch bleibt sicher: Die Sache des Evangeliums (und der Heiligen) triumphiert. Die Juden müssen darüber Gott die Ehre geben. Der Krieg des Feindes wird gegen Jesu treue Zeugen geführt, und es hat den Anschein, dass das Gottesvolk (die Zeugen) die Verlierer sind. Die zwei Zeugen werden zwar äußerlich vom Feind überwunden, aber in Wirklichkeit sind sie die Gewinner.

3. Die Juden, die die Zeugen töten, bringen Gericht über sich. Gott fordert von seinem Volk den „Zehnten“ ein: die „7000“, die ihre Knie vor dem geistlichen „Baal“ beugten.

VIII: Fragen

Handelt es sich um tatsächliche Historie?

Es geht hier um eine thematische Darstellung, nicht um einen historischen Bericht, von konkreten Zukunftsereignissen. Man sollte nicht die Frage stellen, wer diese zwei Zeugen (bzw. Leuchter) sind. (Möglicherweise stehen sie bildhaft für alle treuen Zeugen in Palästina. Wir wissen es nicht.); sondern wir sollten fragen: Was geschieht? Was wird hier dargestellt? Welche Botschaft wird hier vermittelt?

Wir haben hier eine Art „Vision“ bzw. eine Audition in stark bildhafter Sprache. Es geht nicht um eine Auflistung von konkreten historischen Ereignissen.

Das Bild von der Auferstehung und Himmelfahrt der Zeugen Jesu zeigt, dass Gott seine Zeugen, die ihm bis zum Tod treu bleiben und das Zeugnis treu ausrichten, rechtfertigen wird. Das Ende ist der Märtyrertod. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort.

Wie viele Christen getötet wurden, wissen wir nicht. Der Geschichtsschreiber Josephus Flavius war kein Christ, und er schrieb nicht inspirierte Geschichte. Er war voll von jüdischen Vorurteilen und schrieb für den Kaiser und zur Verherrlichung Roms. Wir wissen nichts über die Geschichte der neutestamentlichen Gemeinde Jesu in jenen Jahren. Aber wir haben die Worte unseres Herrn Jesus Christus. Er sagte, dass in jener Zeit die Christen so stark verfolgt würden wie nie zuvor (Mt 10,17–41; 24,9–29; Lk 21,12–16.)

Gemäß Eusebius flohen gewisse Christen nach Pella, als die Invasion durch die Römer begann. Allerdings stellt sich heraus, dass jene „Christen“ von denen Eusebius schrieb, „Ebioniten“ bzw „Essener“ waren, nicht echte Nachfolger des Herrn.

Es wird treue Zeugen im Land gegeben haben, die „in den letzten Tagen“ jenes Äons das Evangelium verkündeten und vor dem kommenden Gericht warnten.

Hingegebene Heilige, treue christliche Lehrer, wurden während der schweren Jahre 64–70 in Palästina und im ganzen römischen Imperium verfolgt, viele wurden getötet. Die jüdischen Feinde freuten sich, weil sie dachten, nun wäre das Christentum ausgelöscht. Doch die Sache der Heiligen kommt schließlich zu Ehren, und die Feinde müssen es miterleben und müssen sich verwundern und staunen.

→ Wir lernen: Diese Frage wird uns im Buch der Off immer wieder gestellt: Bist du bereit für Christus zu sterben? Bist du bereit treu nachzufolgen, koste es was es wolle? Diese Frage war in jener Zeit für die Christen von Asia knapp vor der großen Bedrängnis von entscheidender Bedeutung.

Sind mit den zwei Zeugen konkrete historische Persönlichkeiten?

Sie sind Zeugen Jesu. Sie sind wundertuende Verkündiger. Sie sind „die zwei Ölbäume“ (11,4) – wie der Hohe Priester Josua und der Fürst Serubabel, Führer des Volkes Gottes. Sie sind „gesalbt“, wirken mithilfe des Heiligen Geistes, wie Josua und Serubabel. Sie weissagen in Sacktuch, d. h., sie bringen eine Gerichtsbotschaft über die Stadt, rufen zur Umkehr auf. Sie haben viel gemeinsam mit Elia und einiges mit Mose. (Mose und Elia sind die Vertreter des Gesetzes und der Propheten.)

Sie sterben für ihren treuen Zeugendienst den Märtyrertod.

– Zwei spezielle Zeugen in Jerusalem besiegelten in den 60er Jahren ihr Zeugnis in Jerusalem mit Blut: Petrus und der Herrenbruder Jakobus. – Könnten mit den zwei Zeugen Jakobus und Petrus gemeint sein?

Was spricht dafür?

1) Jakobus, der „Gerechte“, prophezeite in Jerusalem treu bis zu seinem Tode. Gott wirkte Wunder durch ihn. Er wurde– gegen Ende der jüdischen Haushaltung – in Jerusalem ermordet. Nach dem Tod des Festus soll der Hohe Priester Ananus den Jakobus als Gesetzesbrecher angeklagt und ihn steinigen lassen haben. Das geschah, nach Hegesippus, im Jahr 69 n. Chr. (Anm. Hegesippus wird zit. bei Alfords Prolegomena zum Jakobusbrief; s. auch Eusebius, Hist. Eccles. 2,23; vgl. Philipp Schaff, Kirchengeschichte), nach Josephus im Jahr 62 (Anm.: Josephus, Ant., 20,9,1).

Petrus wohnte in Jerusalem, blieb dort (Apg 8,1; 11,2; 15,2.7–22; 15,33; Gal 1,17–19) bis zur Zeit des jüdischen Aufstandes gegen Rom. Natürlich unternahm er zwischendurch Reisen (z. B. nach Korinth und Kleinasien). Ob er je nach Rom kam, wissen wir nicht. (S. Karl Heussi: War Petrus in Rom?) Petrus war Judenapostel; vor allem leitete er (zusammen mit Jakobus und Johannes) die Gemeinde in Jerusalem; er gehörte zu den drei Säulen in Jerusalem (Gal 1,17 und 2; Apg 8,25).

Er gab Zeugnis vor dem Hohen Rat (Apg 4,8; 5,29), er wurde später in Jerusalem ins Gefängnis geworfen und wundersam befreit (Apg 12,3ff.) Er hatte eine enge Verbindung zu Jakobus (Apg 12,17; Gal 2) Mit dem in 1Pe 5,13 (ca. im Jahr 63) erwähnten „Babylon“ könnte Jerusalem gemeint sein. (S. die Besprechung zu Off 17.18.) Von dort sendet er Grüße von Mk, der in Jerusalem wohnte (1Petr 5,13; Apg 12,12). – Petrus starb, bald nach Verfassen des 2Petrusbriefes, den Märtyrertod, wie es der Herr in Joh 21 vorausgesagt hatte. Petrus schreibt (1Pe 4,17), dass das Gericht am Haus Gottes beginnen müsse, und schließt sich mit ein, indem er sagt: „… wenn zuerst bei uns“; das könnte heißen: bei uns hier in Jerusalem. Es geht nicht an, dass ein Prophet, wie Petrus es war, außerhalb von Jerusalem umkomme (Lk 13,33).

2) Jakobus war ein Vertreter des Gesetzes (Mose) und der Propheten (Elia); er könnte mit Elia, den Gerechten, assoziiert werden, Petrus, der Grundleger der Gemeinde, mit Mose. Petrus tat Wunder, die bestätigten, dass er ein Mann Gottes war.

Was spricht dagegen?

1) Der ganze Abschnitt ist höchst bildhaft; daher ist nicht anzunehmen, dass konkrete historische Persönlichkeiten gemeint sind, ebenso wie das „Tempelheiligtum“, das gemessen wird (V. 1.2.) nicht das materielle Tempelheiligtum ist.

2) Die Wirksamkeit von Petrus und Jakobus war eine relativ lange (30-62/65 n. Chr.). Das passt nicht zur relativ kurzen Wirksamkeit der beiden Zeugen während der großen Bedrängniszeit (64-69/70 n. Chr.). Auch reichte das Leben von Petrus nicht weit in die große Bedrängniszeit hinein. Er soll nach Eusebius (u.a.) zu Beginn der neronischen Verfolgung (ca. 64 oder 65 n. Chr.) hingerichtet worden sein.

Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Petrus und Jakobus die zwei Zeugen darstellen. Die Tatsache, dass der gesamte Abschnitt ein Bild ist, spricht dafür, dass es sich bei den zwei Zeugen um das damals noch in Jerusalem übrige Gottesvolk handelt.

c. Ankündigung des dritten Wehe: Off 11,14

V. 14: „Das zweite Wehe ging vorüber. Siehe! Das dritte Wehe kommt schnell.“

Vorher hieß es: „Wann, Herr“ (6,9ff), danach „42 Monate“ (K. 11), danach „keine Aufschub (keine Frist) mehr“ (K. 10). Nun ist die Zeit gekommen (11,15). Mit dem Blasen der letzten (d. h.: der siebenten) Posaune ist das Geheimnis Gottes vollendet.

Die Zeit des Gerichtes ist gekommen (14,7.15). In 11,18 wird es als „gekommen“ angekündigt.

D. Das Blasen der siebten Posaune (Das dritte Wehe): 11,15-18

V. 15: „Und der siebente Bote posaunte.“

1. Ankündigung der Herrschaft Gottes: 11,15

„Und es entstanden große, ‹laute› Stimmen in dem Himmel, die sagten: „Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.“

Vgl. Dan 7,14.27.

„unseres Herr (d. h.: Jahwehs) und seines Gesalbten (d. h.: des Maschiach/Messias/Christus)“:

Vgl. Ps 2,2-6.9: „Es sind angetreten [die] Könige der Erde, und [die] Obersten haben sich zusammengesetzt gegen Jahweh und gegen seinen Gesalbten: 3 Lasst uns abstreifen ihre Fesseln und von uns werfen ihre Seile. 4 Der, der in den Himmeln thront, lacht. Der Herr spottet ihrer. 5 Dann redet er zu ihnen in seinem Grimm, und in der Glut seines Zorns schreckt er sie. 6 Und ich, ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berge. … Ps 2:9: Du wirst sie regieren mit eisernem Stabe, zerbrechen wie Töpfergeschirr.“

Mit der siebenten Posaune wird das Krönungslied gesungen. Der Herrschaftsantritt wird angekündigt (vgl. 1Kön 1,34.39; 2Kön 9,13). Posaunen begleiten die Verkündigung des Herrschaftsantritts des Königs:

Ps 98,6: „Mit Trompeten und dem Schall des Horns ruft laut vor dem König, Jahweh!“

4Mo 23,21: „Jubelrufe wie um einen König sind in seiner Mitte.“

Posaunen sind zusätzlich auch ein Alarmsignal, ein Aufruf zur Buße des Volkes im Angesicht des göttlichen Gerichtes (Jer 4,5; 6,1; Hes 33,3ff; Jes 58,1; Joe 2,1.15; vgl. Off 9,20; Jer 6,17).

Es wird angekündigt, dass der Messias mit dem Fall Jerusalems die „Reiche der Welt“ übernimmt. (Gemeint ist, dass dieses Ereignis nun in Kürze stattfinden wird.

Nach dem letzten Posaunenstoß (1Kor 15,51; 1Thes 4,17) wird die Vollendung des Königreiches Gottes verkündet.

Das Königreich Gottes wird mit dem Ende des alttestamentlichen sinaitischen Äons verbunden. Nun hat der Messias alle seine Feinde unter seine Füße getan (Ps 110), er hat das Königreich erobert, sodass nun der Vater der Höchste in jenem Königreich sei. Deshalb wird es offiziell dem Vater übergeben (1Kor 15,24–28).

Was hat der Herr über sein Königreich gelehrt? – Sein Königreich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36).

Inwiefern sind mit der Vollendung seiner Herrschaft alle Königreiche der Welt des Christus geworden? – Der Herr hatte seine Jünger gelehrt, dass Fleisch und Blut es nicht ererben können (1Kor 15). Es wird nicht im materiellen–diesseitigen Bereich errichtet.

Wie also werden „die Königreiche der Welt“ des Christus? Wie werden die Heiden einverleibt? Wie erbt (Ps 2,8) er sie? – Indem er Personen erbt, nicht materielle Ländereien! Die im Himmel (Engel), die auf Erden (die noch lebenden Menschen) und die unter der Erde (die verstorbenen Menschen im Hades) müssen ab nun ihre Knie beugen vor dem großen Richter Jesus Christus. (Vgl. Phil 2,9-11; Ag 17,31.)

2. Anbetung Gottes durch die 24 Ältesten: 11,16–18

V. 16: „Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an, ‹huldigten ihm›. 17 Sie sagten: ‚Wir danken dir, Herr, Gott, Machthaber über alles, der ist und der war und der kommt, weil du deine große Kraft an dich genommen hast, und du hast die Königsherrschaft angetreten.’„

Solche zwischen den Visionen stattfindende Lobsprüche der vierundzwanzig Ältesten und der vier Lebewesen ergehen siebenmal, und zwar dann, wenn etwas Wichtiges oder ein großes Ereignis geschehen ist:

  • in 5,8ff., als das Lamm sich daran macht, das Buch zu öffnen;
  • in 7,9ff., als die Knechte Gottes sicher am Ziel angelangt sind;
  • in 11,15ff., als der König der Könige die Reiche der Welt in Empfang nimmt;
  • in 12,10ff., als der Satan besiegt ist;
  • in 14,2ff., als das Lamm siegreich mit den Seinen auf dem Zion steht;
  • in 15,2, als die Überwinder am Meer stehen und die Vorbereitungen getroffen werden, das letzte Gericht auszugießen;
  • in 19,2ff, als Babylon gerichtet ist und der Sieg gefeiert wird.

V. 18: „Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen, …“

Zorn 20,12; Lohn 22,12

Der Zorn Gottes ist die Antwort auf den Zorn der Menschen.

Die Juden sind in ihrem Widerstand gegen Gott und seinem Gesalbten, Jesus, (Ps 2,1.2) wie Heiden geworden (vgl. 1Mo 35,11; 12,2; Ps 33,12; Jes 1,4; 9,2; 26,2; 49,7).

Ps 2,1.2: „Warum empörten sich die Völker und sannen Vergebliches die Volksscharen? 2 Es treten an Könige des Landes (o.: der Erde), und Oberste haben sich zusammengesetzt gegen Jahweh und seinen Gesalbten.“

Apg 4,27.28: „… denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit den Völkern und Volksscharen Israels, …“

Das Gefüge „die Völker sind zornig geworden“ bezieht sich auf die rebellischen Juden, hier die jüdischen Christenverfolger.

Zum „Zorn“ vgl. Ps 2,11.12; die „Könige des Landes (o.: der Erde) in Ps 2,2 sind in Apg 4,2-27 die „Obersten des Landes“ (Pilatus und Herodes).

„Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen“

Nun ist Gottes Zorn (am Tag des Zorns; 6,17) gekommen. Die israelitischen „Völker“ sind eine begrenzte Schar von Menschen, nämlich die, die gegen Nachfolger des Messias vorgegangen sind. Gott rächt das Blut seiner Knechte an dem fleischlichen Israel und Jerusalem, der großen Stadt (vgl. 18,20: „… euer Gericht an ihr vollzog“; 19,2: „… er rächte“; Lk 21,23: „… Tage der Rache“; 18,7 „… verschaffe Recht“; Off 6,9–11: „… rächst“). Die Hure war trunken vom Blut der Heiligen und diese Hure hat mit den Königen des Landes (hier: Pontius Pilatus und Herodes) zusammengearbeitet, hat sie einbezogen im Kampf gegen Gottes Volk.

Vom „Zorn“ ist auch in Ps 2,10-12 die Rede: „Und nun, Könige, handelt verständig. Lasst euch unterweisen, Richter der Erde. 11 Dient Jahweh mit Furcht, freut euch mit Zittern. 12 Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn bald entbrennt sein Zorn. Selig alle, die Zuflucht nehmen bei ihm!“ Jene Regenten des Landes hätten sich bei dem „Sohn“ Gottes „bergen“ sollen. Nun kommt der Zorn des Lammes. Die Frist ist abgelaufen.

V. 18: „… und die Zeit der Toten, gerichtet zu werden, und [die Zeit], den Lohn zu geben deinen leibeigenen Knechten, den Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen.“

Nun ist die Zeit gekommen, da die Toten gerichtet werden. Das Gericht wird in 20,11-15 beschrieben.

„… und die Zeit der Toten, …“, d. h., die Zeit, da alle Toten (aus dem Hades) ins Gericht zitiert werden sollen.

„… und [die Zeit], den Lohn zu geben deinen leibeigenen Knechten, den Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, …“

Vier Bezeichnungen für ein und dieselbe Gruppe: „Leibeigene“ werden sie genannt, weil sie sich dem Herrn verschrieben haben; „Propheten“, weil sie Gottes Wort verkündet haben, „Heilige“, weil sie durch den Namen des Herrn Jesus und den Geist Gottes geheiligt worden sind (1Kor 6,11), und „deinen Namen Fürchtende“ weil sie in rechter Gottesfurcht gewandelt sind.

„… und um die zu verderben, die das Land verderben.“

„Das Land“, d. h.: die Menschen des Landes, vgl. 19,2; 6,8; 1Mo 6,11; Jer 51,25; 51,7.

Die Märtyrer werden belohnt, deren Mörder werden bestraft. Dieses alles wird hier angekündigt.

Die Zerstörer des Landes sind dieselben wie die in 19,2: „… weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei das Land verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, [forderte es] von ihrer Hand.“

Vgl. Lk 11,49-51: „Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und [einige] von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, 51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.“

3. Übergang: Öffnung des Heiligtums im Himmel 11,19

V. 19 „Und es wurde geöffnet das Heiligtum Gottes im Himmel, und es wurde gesehen die Lade seines Bundes in seinem Heiligtum. Und es entstanden Blitze und Stimmen und Donner und Beben und großer Hagel.“

Wie bei jedem Abschluss nach dem siebten Element werden hier wieder die „Blitze, Stimmen und Donner“ erwähnt. Hinzu kommen „Beben und großer Hagel“. – Vgl. das Gewitter des Gottes vom Sinai (2Mo 19). Wieder ein Exodus-Motiv!

Mehr noch: Nun wird das himmlische Heiligtum geöffnet, der geistliche Tempel. Der irdische Tempel vom Sinai war ein Muster der himmlischen Dinge (Hebr 8,1–5). Als Christus starb, riss der Vorhang, was symbolisierte, dass durch Christus der Zugang zum himmlischen Heiligtum frei gemacht werden sollte.

Nun steht Gottesvolk an der Schwelle des Neuen. Die alte Haushaltung vergeht, Neues wird von oben, von Gott, herabkommen (21,1.2).

Beim Gericht über Jerusalem, den Tempel und den irdischen Kultus (als alle zeremoniellen, rituellen, irdischen und vorläufigen Gottesdienstgegenstände vergingen) wurde der himmlische Tempel geöffnet und im himmlischen Tempel die Lade des Bundes sichtbar. Das Irdische und Zeitliche des Gottesdienstes vergeht und wird ersetzt durch das Himmlische und Ewige. Das Geistliche und Wahrhaftige (Joh 4) folgt auf das Bildhafte und Schattenhafte (Hebr 8).

Hebr 9,7–10: „… aber in das zweite [Zelt] geht einmal im Jahr alleine der Hohe Priester, nicht ohne Blut, das er darbringt für sich selbst und des Volkes [Sünden der] Unwissenheit, 8 womit der Heilige Geist dieses deutlich macht, dass der Weg ins Heiligste noch nicht offenbar gemacht ist, während das erste Zelt noch Bestand hat (d. h.: in der alttestamentlichen Haushaltung), 9 welches ein Gleichnis ist für die vorliegende Zeit (in der Israel zum Zeitpunkt des Schreiben lebte, also in der alttestamentlichen Haushaltung), gemäß der Gaben und auch Opfer dargebracht werden, die den, der den aufgetragenen Dienst tut, dem Gewissen nach nicht zur Vollendung bringen können; 10 [sie sind] lediglich Speisen und Getränke und verschiedene Tauchwaschungen und Verordnungen des Fleisches, auferlegt bis auf die Zeit des Ins–Rechte–Bringens (d. h.: die Zeit der neuen Haushaltung, die Jesus Christus durch sein Opfer und seinen Hohepriesterdienst eingeläutet hat).“

Sobald das erste Zelt mit seinen Verordnungen völlig weggewischt ist (70 n. Chr.), wird der himmlische Tempel geöffnet und die himmlische Bundeslade, der Schrein der göttlichen Gegenwart und Herrlichkeit, den Augen der Menschen geoffenbart. Der Zugang ins (himmlische) Heiligste (d. h.: ins neue Jerusalem) ist nun frei!

In Christus hatten die neuen Priester bereits zur Zeit der Abfassung des Hebräerbriefes die Freimütigkeit zum Eingang in das Heiligste – durch das Blut des großen Hohen Priesters Jesus (Hebr 10,19ff) – das alte Israel aber nicht. Offenbar sollt dieses aber erst werden, wenn der Tempel, die Opfer, der Opferkult etc. vergangen ist (70 n. Chr.). Daher ist 70 n. Chr. der große äußerlich sichtbare (!) Übergang vom Alten zum Neuen (wenn auch das Neue geistlicher Natur und daher im irdischen Bereich nicht „sichtbar“ ist).

Inmitten des schrecklichen Gerichtes über das Alte (Blitz, Donnern, Stimmen, Beben, Hagel = die bekannten Begleiterscheinungen der göttlichen Gegenwart und Kraft im Rahmen des alten Bundes, 2Mo 19) schließt die Vision von den sieben Posaunen.

IV. Teil: Hinführung zu den Schalen und Ausgießung der sieben Schalen (Inhalt der siebenten Posaune) 11,19- 16,21

Diese Kapitel erhellen den Hintergrund, wie es abläuft und schließlich dahin kommt, dass Jesus Christus „die Welt“ (d. h.: das neue Land, die neue Welt, 11,15ff) regiert.

Eine Betonung in den K. 12-16 liegt auf der „Bundeslade“ (in der Lade sind die Gebote Gottes, genannt „das Zeugnis“) und auf dem Kampf der Heiligen in jenen Jahren der großen Bedrängnis.

Eine Gliederung von 11,19– 16,21:

11,19: Die Öffnung des Tempels

12,1-18: Zeichen: Der Drache (der unsichtbare Feind). Krieg gegen die Frau.

13,1-10: Das Tier aus dem Meer (der sichtbare Feind). Krieg gegen die Heiligen.

13,11-18: Das Tier aus dem Land (der sichtbare Feind). Irreführung der Heiligen.

14,1–5: Das Lamm mit den 144 000 am himmlischen Zion.

14,6–13: Die drei gerichtverkündenden Boten.

14,14–20: Der Menschensohn und drei weitere Boten.

15,1–4: Zeichen: Sieben Boten mit den sieben Schalen. Die Überwinder am gläsernen Meer.

15,5- 16,21: Die Öffnung des Tempels → Ausgießung der sieben Schalen.

Übergang: Öffnung des Heiligtums im Himmel 11,19

11,19 „Und es wurde geöffnet das Heiligtum Gottes im Himmel, und es wurde gesehen die Lade seines Bundes in seinem Heiligtum.“

In der Lade sind die Gebote, das Zeugnis.

Nun wird die Tür zu dem einzigen wahren Tempel geöffnet – und sie bleibt offen in alle Ewigkeit. Alle können in die Gegenwart Gottes treten.

Die Lade: Die bleibende Bundestreue Gottes in seinem Volk. Der Gott der Treue gegenüber seinem erlösten Volk wird sein Volk zum Ziel bringen. Und dieser treue Gott wird die Feinde richten, die Gottes Bund gebrochen und sich nicht um seine Gebote gekümmert haben.

Warum kommt das Gericht? Weil Gottes Gebote nicht geachtet wurden. (↔ 12,17f; 14,12):

  • Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
  • Du sollst dir kein Bildnis machen.
  • Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.

K. 12, Der Kampf des unsichtbaren Feindes (d. h.: des Drachen) gegen die Frau, die den Samen hervorgebracht hat

K. 13, Der Kampf des sichtbaren Feindes (d. h.: des Tieres) gegen den Rest des Samens der Frau.

A. Der unsichtbare Feind, der Drache. Krieg gegen die Frau: 12,1–17

1. Erstes Bild: Des Drachen Angriff auf das neugeborene Kind: 12,1–6

a. Das erste Zeichen: Die gebärende Frau: 12,1.2

V 1: „Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: eine Frau, umkleidet mit der Sonne, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.“

Das Zeichen erscheint im Himmel. Es geht um einen geistlichen Kampf. Und es ist ein Bild, d. h., das Gebären der Frau ist ein Geschehen im übertragenen Sinne, nicht buchstäblich.

Die Frau mit der Krone und den zwölf Sternen (vgl. 1Mo 37,9) ruft eine gedankliche Assoziation zum Bundesvolk Gottes hervor, zur Tochter Zion (Jes 62,11.12), dem alttestamentlichen gläubigen Bundesvolk, bestehend aus dem treuen Kern des Volkes.

Die Frau stellt die verfolgte Gemeinde jener Tage dar, die einige Jahre lang („42 Monate“) verfolgt wird.

Das Ganze ist ein Geschehen gegen Ende der sinaitischen Tempel-Ära, also ca. 64 bis 70 n. Chr.

Diese Geliebte Christi mit der 12-Sternenkrone (12 Stämme Israels) erinnert an das „Israel Gottes“, das wahre Israel. (Vgl. Gal 6,15.16.)

Der direkte Bezug aus dem AT ist Jes 66,7-11: „Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren, ehe Geburtsschmerzen über sie kamen, ist sie eines Männlichen genesen. 8 Wer hat so etwas gehört? Wer hat dergleichen gesehen? Wird ein Land an einem Tag zur Geburt gebracht? Oder wird ein Volk auf einmal geboren? – denn Zion bekam Wehen und gebar auch schon ihre Söhne! 9 Sollte ich bis zum Durchbruch bringen und dann nicht gebären lassen? sagt Jahweh. Oder sollte ich, der gebären macht, verschließen? sagt dein Gott. 10 Freut euch mit Jerusalem und frohlockt über sie, alle, die ihr sie liebt! Seid hocherfreut mit ihr, alle, die ihr um sie trauertet, 11 damit ihr saugt und euch sättigt an der Brust ihrer Tröstungen, damit ihr saugt und euch labt an der Mutterbrust ihrer Herrlichkeit!“

V. 2: „Und sie war schwanger und schrie auf, hatte Wehen und quälte sich, um zu gebären.“

Die „Tochter Zion“ bringt in Wehen das treue Gottesvolk hervor. (Zu den „Wehen“ vgl. Jes 26,17; 66,7.8; Mi 4,9.10; 5,2.)

Jes 26,17: „Wie eine Schwangere, die, dem Gebären nahe, sich windet [und] schreit in ihren Wehen, so sind wir gewesen, Jahweh, [fern] von deinem Angesicht.“

Mi 5,1–2: „Und du, Bethlehem–Ephrata, …, aus dir wird mir [der] hervorgehen, der [bestimmt ist,] Herrscher über Israel zu sein. … Darum wird er sie dahingeben bis zu der Zeit, da eine Gebärende geboren hat. Und der Überrest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Söhnen Israels.“

Die Briefempfänger lebten knapp vor Beginn jener großen Verfolgungszeit (ca. 64 bis 70 n. Chr). Es sind ihnen schwere Zeiten vorausgesagt.

b. Das zweite Zeichen: Der Drache, der die Frau und ihr Kind bedroht: 12,3.4

V. 3: „Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel und – siehe! – ein großer feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner hatte und sieben Diademe auf seinen Köpfen.“

Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen dem Tier (13,1ff.) und dem Drachen. Das Tier hat von ihm seine Macht (Autorität). Deshalb wahrscheinlich die Ähnlichkeit.

Das Feuerrot ist die Kriegsfarbe (Off 6,4); der Drache führt Krieg gegen Gott und Gottes Volk.

Die „zehn Hörner“ (nicht sieben und nicht zwölf) des Drachen sind eine Anspielung auf die zehn Hörner des vierten Tieres in Dan 7.

Der Drache hat viel Macht („zehn“), aber nicht vollkommene („zwölf“). Die „Zehn“ ist in Dan 7 eine Anspielung auf die zehn seleukidischen Herrscher, Dan 7,7.8.20.24; In Off 12 aber sind die zehn Hörner ein Hinweis auf die Kraft (Macht) des Drachen, vielleicht auch auf die 10 Hörner von Off 13 und 17.

Der Drache ist ein gräuliches Fabelwesen. Drachen waren damals gedacht als große Schlangen – wie Anakondas (Stellen: Ps 74,14; 89,10; Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3; Hi 40,13; 7,12; 32,2; Am 9,3).

Er hat – ähnlich dem Tier von Off 13,1 – sieben Köpfe und zehn Hörner. Und er hat sieben Kronen. Er ist der Teufel und Satan, die alte Schlange, der die ganze oikoumenee (d. i.: das Festland, die bewohnte Welt; hier bezogen auf Israel in Palästina und in der gesamten Diaspora) in die Irre leitet (12,9; 20,3.8.10). Von ihm hat das Tier seine Vollmacht (13,2).

V. 4: „Sein Schwanz fegt ein Drittel der Sterne des Himmels weg, und er warf sie zu Boden.“

Vgl. die Beschreibung des Antiochus Epiphanes, des „kleinen Horns“ von Dan 8,10.24.25: „Und es wurde groß bis an das Heer des Himmels (d. h.: bis an die Gestirne, die Himmelskörper; Jer 33,22: „… das Heer des Himmels …“ ). Und es warf [etliche] vom Heer und von den Sternen zu Boden (o.: aufs Land) und zertrat sie. … 24 Und seine Kraft wird stark, aber nicht durch seine Kraft. In erstaunlicher Weise wird er Verderben anrichten; und er wird Gelingen haben und handeln; und er wird Starke und das Volk der Heiligen verderben, 25 und zwar infolge seiner Klugheit. Und der Trug wird in seiner Hand gelingen. Und er wird in seinem Herzen großtun; und mitten in der Unbekümmertheit wird er viele verderben. Und gegen den Fürsten der Fürsten wird er aufstehen.“ Vgl. 2Makk 9,10: „Und ihn, der jüngst noch wähnte, die Sterne am Himmel erreichen zu können, …“ (auf Antiochus Epiphanes bezogen) …“

Daniel sieht das Horn (Antiochus Epiphanes) so hoch wachsen, dass es die Sterne ergreift und etliche herunterwirft und zertritt. Die „Sterne“ sind in Dan 8 das Volk der Heiligen, das Volk Gottes (V. 24), Israel, das heilige Volk (2Mo 19,6) zur Zeit von Antiochus – nicht nur der treue Kern der Gläubigen, sondern die gesamte Volksmasse aus Israel.

(Die „Heerscharen „Gottes sind an manchen Stellen im AT die Kinder Israel, z. B. in 2Mo 7,4: „… ich werde meine Hand an Ägypten legen und meine Heere, mein Volk, die Kinder Israel, aus dem Lande Ägypten herausführen …“ 2Mo 12,41: „Und es geschah am Ende der vierhundertdreißig Jahre, …, dass alle Heere Jahwehs aus dem Lande Ägypten auszogen.“ Wie im Himmel die Engel und die Sterne, so bilden auf Erden die Kinder Israels das Heer Gottes. Die Frechheit des Antiochus Epiphanes, sich gegen Gottes Volk zu wenden, ist ein Frevel gegen den Himmel.)

Hier in Off 12,4 sind die Sterne das treue Gottesvolk, die Heiligen, die die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben (12,17). Der Drache handelt wie Antiochus Epiphanes. Er wirft Gottes Heer (die treuen Heiligen) „zu Boden“, er will sie vertilgen, fressen (d. h.: zum Abfall bewegen).

→ Wir lernen: Der Kampf gegen das Gottesvolk und gegen die Bibel ist ein Krieg gegen Gott – wie in Off 13 und 17.

V4M: „… Und der Drache stellte sich vor die Frau, die im Begriff war zu gebären, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße.

Vgl. 1Petr 5,8: „Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht jemanden, den er verschlingen [kann].“ „Verschlingen“ heißt: „zum Abfall bewegen“.

Es handelt sich um einen Angriff auf die Nachkommenschaft (w.: den Samen) der Frau. Die Feindschaft zwischen der „alten“ Schlange und der Frau (und ihrem Samen) ist alt. (1Mo 3,15: „Und ich setze Feindschaft zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir über den Kopf kommen, und du wirst ihm über die Ferse kommen.“)

c. Die Geburt und Bewahrung des Kindes: 12,5

V. 5: „Und sie gebar einen Sohn, einen Männlichen (o.: Mannbaren; o.: Starken), der im Begriff steht, allen Völkern ein Hirte zu sein mit einem eisernen Zepter.“

Der Same/Nachkomme (d. i.: der Knabe; w.: der Männliche) steht hier für das wahre Gottesvolk, die treue Gemeinde, das neue Israel. Sie ist „der Männliche“, wie die Parallele aus Jes 66,7.8 deutlich zeigt: „Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren, ehe Geburtsschmerzen über sie kamen, ist sie eines Männlichen (o.: Mannbaren; Starken; Luther übersetzt: Knaben) genesen. 8 Wer hat so etwas gehört? Wer hat dergleichen gesehen? Wird ein Land an einem Tag zur Geburt gebracht? Oder wird ein Volk auf einmal geboren? – denn Zion bekam Wehen und gebar auch schon ihre Söhne!“

Auch im Ps 80,16 wird Israel als Gottes „starker Sohn“ bezeichnet: „Und schirme, den deine Rechte gepflanzt, ja, den Sohn, den du dir stark gemacht hast!“

Die treuen Heiligen überwinden den Drachen. Siehe Off 12,11. Das „Überwinden“ ist in der Off immer ein Überwinden bis zum Tod: Off 2,10; 2,26.27 (vgl. 2,13: Antipas überwand bis zum Tod); 3,5 (vgl. 6,9.11); 3,21 (Zum Sitzen vgl. Mk 10,37–39; es geht dort um den Märtyrertod); Off 5,5 (Der Löwe starb den Märtyrertod.); 12,11 („bis zum Tode“); 15,2 (vgl. 13,7.15 und 7,13.14).

Das Besondere ist, dass die Überwinder sofort nach ihrem Märtyrertod zu Gott versetzt werden „und zu seinem Thron“ (d. h.: zum Regierungssitz, um mit Christus zu regieren, Off 3,21; 20,4). Wohlgemerkt: Ihre Seelen gehen nicht in den Hades.

Mit dem Männlichen (o.: Mannbaren; o.: Starken; o.: Knaben) von Off 12,5 kann nicht der Herr, Jesus Christus, gemeint sein. Aus folgenden Gründen:

1) Das Bild von dem „Männlichen“ (Starken; Knaben) ist aus Jes 66,7.8 und bezieht sich dort auf das treue Gottesvolk. Die Frau ist die „Tochter Zion“. Jes 66,7 bezieht sich auf die „Geburt“ des „Landes“ bzw. „Volkes“ anlässlich der Rückführung Israels aus Babylon – mit Ausblick auf das erneuerte Jerusalem: „Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren, ehe Geburtsschmerzen über sie kamen, ist sie eines Männlichen genesen. 8 Wer hat so etwas gehört? Wer hat dergleichen gesehen? Wird ein Land an einem Tag zur Geburt gebracht? Oder wird ein Volk auf einmal geboren? – denn Zion bekam Wehen und gebar auch schon ihre Söhne!“

2) Der „Männliche“ ist identisch mit den Überwindern von Off 12,11. Von ihnen wurde schon in 2,26.27 und 3,21 gesagt, dass sie mit Christus auf seinem Thron (dem Thron des Vaters) sitzen würden:

„Der, der überwindet, ihm werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwand und mich zu meinem Vater auf seinem Thron setzte.“ Christus selbst hat überwunden (5,5) und sich in die Mitte des Thrones (5,6) gesetzt. Nun folgen die Seinen. Von den Erlösten dort beim Thron (5,10) heißt es „du hast sie zu Königen und Priestern gemacht“. Das Wort „Könige“ spricht von Mitregentschaft. Wenn also in 12,5 von dem „Männlichen“ gesagt wird, dass er zu Gott und „seinem Thron“ entrückt wird, erinnern sich die Leser der Off an die Überwinder, denen der Thron (in 2,26.27; 3,21) verheißen worden ist.

2,26.27: „Und dem, der überwindet … er wird Hirte über sie sein mit einem eisernen Stabe, wie Töpfergefäße zerbrochen werden …“ Vgl. mit 12,5: „… einen Männlichen, der allen Völkern ein Hirte sein soll mit einem eisernen Stabe.“

3) Bezieht man das Kind auf Christus, ergibt sich ein Problem, ein Anachronismus; denn man stellt fest, dass dort beim Thron, als er ankommt, bereits welche sind, solche, die der „Verkläger der Brüder“ vorher verklagt hatte. Stimmen im Himmel besingen die Königsherrschaft des Gesalbten (12,10) und sagen, der Verkläger ihrer Brüder sei niedergeworfen „der sie“ (ihre Brüder) „verklagte“. Jene verklagten Brüder haben den Verkläger „überwunden kraft des Blutes des Lammes“. Der Ausdruck „Blut des Lammes“ deutet auf das Opfer Jesu Christi hin. Diese Verklagten sind also neutestamentliche Heilige, nicht alttestamentliche. „… und kraft des Wortes ihres Zeugnisses“ (d. i.: nach Off 12,17; 1,9; 2,13; 6,9; 11,3; 17,6; 19,10; 20,4 das Zeugnis von Jesus Christus) „und sie liebten ihre Seele nicht bis zum Tod“ (12,11). Diese verklagten „Brüder“ können daher nicht Heilige des alten Bundes sein. Nur neutestamentliche Heilige haben „durch das Blut des Lammes“ überwunden und nur sie haben das Zeugnis Jesu. Außerdem wären die alttestamentlichen Heiligen nicht im Himmel; sondern sie sind im Hades. Die Seelen dieser Märtyrer hier sind jedoch nicht im Hades, sondern sie sind sogleich nach dem Märtyrertod zum Thron Gottes versetzt worden (ebenso wie in der Vision von den zwei Zeugen in Jerusalem, 11,12). Wäre der „Männliche“ von 12,5 der Christus (der sich anlässlich seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes setzte), wie könnte bei seiner Ankunft eine neutestamentliche Heiligen-Schar schon vor ihm dort beim Thron sein? Diese christliche Märtyrergruppe kann weder eine normal verstorbene Christenschar sein noch eine Schar alttestamentlicher Gläubiger. Die Seelen der normal verstorbenen Heiligen gehen nach ihrem Tod in den Hades, von wo sie erst später (zum Zeitpunkt der Parusie) durch Auferstehung herauskommen (1Kor 15,23.52–55; Off 20,13).

Es bleibt also nur die Möglichkeit, dass diese Seelen Märtyrer sind (vgl. 6,9-11), die, die an der Vor-Auferstehung (der sogenannten „ersten Auferstehung“, Off 20,5.6) Teil haben. Die „Übrigen“ von denen in 12,17 die Rede ist, sind ihre Brüder, die danach kommen, die „im Begriff sind getötet zu werden eben sie sie“ (6,11).

Der Bezug in Off 12 ist die Situation des wahren Israel zur Zeit, als die Off geschrieben wurde. Der „Männliche“ (der „Knabe“) der Frau in V. 5 ist – parallel zu Jes 66,7 – der treue Überrest der Tochter Zion.

4) Im AT wird an keiner Stelle der Messias als das Kind der Tochter Zion dargestellt. Und an keiner Stelle bringt Zion den Messias hervor.

5) Der „Knabe“ der Frau sollte allen Völker „Hirte sein mit eisernem Stabe“ (12,5). Den Zuhörern beim Vorlesen der Off klang noch 2,26.27 in den Ohren: „Und dem, der überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht geben über die Völker, und er wird Hirte über sie sein mit einem eisernen Stabe, wie Töpfergefäße zerbrochen werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe.“ Den Märtyrerchristen im ersten Jahrhundert war das Mitregieren mit Christus verheißen. Mitregieren schloss ein, mit Christus das Gericht über „die Völker“ auszuüben, „mit eisernem Stabe“. Erfüllt wird diese Verheißung in 19,14.15, indem die heilige Märtryerschar den Messias bei seinem Gerichtswerk begleiten darf: „Ihm folgten auf weißen Pferden die Heere im Himmel, bekleidet mit weißem und reinem Byssusstoff. Und aus seinem Munde geht ein scharfes ‹heftiges› Schwert hervor, damit er mit ihm die Völker schlage. Und er wird ihnen Hirte sein mit einem eisernen Stabe. Und er tritt die Weinkelter des Grimmes und des Zornes Gottes, des Machthabers über alles.“

Off 12,5 steht parallel zu 2,26.27 und 3,21. Die Überwinder (die Seelen der Märtyrer) regieren mit Christus sofort nach ihrem Tod; ihre Seelen gehen nicht in den Hades, sondern stehen sogleich nach dem Tod auf. Sie sind die „Heere im Himmel“ (19,14), die dem Reiter auf dem weißen Pferd bei seinem Sieges- und Gerichtszug (19,15) folgen.

V. 5: „Und ihr Kind wurde entrückt, hin zu Gott und zu seinem Thron.“

Das männliche Kind stellt die treuen Märtyrern jener Zeit dar, die zu Christus genommen waren (6,9–11). Den Überwindern wurde verheißen, dass sie mit dem Christus auf seinem Thron sitzen würden (3,21) und mit ihm über die „Völker“ Gericht halten würden (2,26.27). Sie werden zum Thron versetzt, um dort mit Christus zu regieren (20,4). Die Volksgemeinde ist nie die Mutter des Messias. Mit dem „Samen der Frau“ kann daher nicht der Messias gemeint sein. Die Mutter ist Zion, die treue Gemeinde als ganze, das Geborene ist das treue Volk, individuell, die Kinder des treuen „Zion“, die treuen Jünger Christi, das wahre Gottesvolk jener Zeit.

Nochmals V. 5:

Im 12. Kapitel lesen wir von einer Frau. Sie gebiert einen „Knaben“. Man könnte meinen, der Knabe sei der Messias. Off 12,5: „Und sie gebar einen Sohn, einen Männlichen, der allen Völkern ein Hirte sein soll mit einem eisernen Stabe. „Es ist richtig, dass der Messias die Völker mit eisernem Stabe richtet (Off 19,15; vgl. Ps 2.), aber er ist dabei nicht alleine. Seelen, die (bis zum Tode) überwunden haben, sind mit ihm. So hatte er es verheißen (Off 2,26.27): „Und dem, der überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht geben über die Völker, und er wird Hirte über sie sein mit einem eisernen Stabe, wie Töpfergefäße zerbrochen werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe.“ Die Frau scheint die „Tochter Zijon“ (Jes 66) zu sein. Nirgends im AT ist verheißen, dass die Tochter Zion den Messias gebären werde. Nein, von ihr heißt es (Jes 66,7.8): „Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren; ehe Schmerzen sie ankamen, wurde sie von einem Knaben entbunden. Wer hat so etwas gehört, wer hat dergleichen gesehen? Kann ein Land an einem Tag zur Welt gebracht werden oder ein Volk mit einem Mal geboren werden? – denn Zijon hat Wehen bekommen und zugleich ihre Kinder geboren. „Der Knabe, das sind (nach V. 8) die „Kinder Zijons“, Treue aus dem wahren „Israel“.

Von diesem Knaben heißt es, dass er zu Gott und seinem Thron „entrückt „wurde (Off 12,5). Der Drache war vor der Frau gestanden und hatte versucht, ihn zu verschlingen (Vgl. 1Petr 5,8.), d. h. für sich einzuverleiben. Aber er konnte nicht. Er konnte sie nicht zum Abfall zu verleiten. Warum nicht? Off 12,10.11: „Und ich hörte eine große, ‹laute› Stimme im Himmel sagen: Jetzt ist das Heil und die Kraft und die Königsherrschaft unseres Gottes geworden und die Autorität seines Gesalbten, weil der Verkläger unserer Brüder niedergeworfen ist, der sie verklagte vor unserem Gott Tag und Nacht. Und sie überwanden ihn kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses und liebten nicht ihre Seele bis zum Tode. „Sie haben den Drachen überwunden, indem sie am Wort Gottes und am Wort ihres Zeugnisses festhielten und so ihr Leben in den Tod gaben. Sie sind Märtyrer. Die Märtyrer kommen nicht in den Hades, sondern werden direkt zum Thron Gottes genommen. In 20,4 lasen wir: „Und ich sah Throne –– … – und die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren“. Die Parallele zu 12,11 ist nicht zu übersehen.

Ihnen, den Überwindern bis zum Tode, gilt die Verheißung von 2,26.27 und 3,21. Sie dürfen mit dem Christus herrschen.

d. Die Flucht und Bewahrung der Frau: 12,6

V. 6: „Und die Frau floh in die Wüste, …“

Die Frau (hier wieder kollektiv gesehen) flieht und wird während der großen Bedrängniszeit durch den Drachen verfolgt (1260 Tage bzw. 42 Monate lang; 12,6.14; vgl. 13,5.7).

V. 6: „Und die Frau …“

Die Frau ist im AT die „Tochter Zion“, das treue Kernvolk. Im NT gilt: Nicht alle aus Israel sind Israel, sondern nur die, die an Christus glauben (Rm 2,28; 9,6; Gal 6,16; Joh 1,47).

In Off 12,6.7.14 wird im Wesen Ähnliches ausgesagt wie in 7,1–8: Die treuen Knechte Gottes werden in der großen Bedrängniszeit göttlich bewahrt.

V. 6: „… floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit sie sie dort ernähren tausendzweihundertsechzig Tage.

Gott rettet das ihm treue Gottesvolk vom Angriff des Satans, der sie für sich vereinnahmen will, und bringt sie in die Wüste.

Beim Auszug aus Ägypten ließ Gott sein Volk fliehen aus den Klauen des Pharao und brachte es in die Wüste, wo er es vierzig Jahre durch das göttliche Manna ernährte. Auf Adlerflügeln getragen brachte er es an den Sinai, zu sich (2Mo 19,4): „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“

(Nb.: Auch Elia wurde in den dreieinhalb Jahren ernährt und danach an den Sinai gebracht: 1Kön 17,1ff; 19,1–9.)

Auf die Frage, wie diese Ernährung im praktischen Sinne in jenen Jahren der großen Bedrängniszeit (ca. 64-70 n. Chr.) geschehen sein konnte, könnte Mt 25,34-36 Antwort geben: „Kommt her, ihr von meinem Vater Gesegneten! Erbt das Königreich, das von Gründung der Welt an euch bereitet war, 35 denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war ein Fremder, und ihr ludet mich ein, 36 war unbekleidet, und ihr umkleidetet mich, war krank, und ihr besuchtet mich, war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.“

V. 6E: „… tausendzweihundertsechzig Tage“:

Die treuen Heiligen haben jeden Tag genug zu essen. Gott zählt die Tage, jeden für sich, lässt keinen aus. Kein einziger Hungertag!

Die große Bedrängniszeit der Treuen Israels zur Zeit Elias und Isebels dauerte dreieinhalb Jahre (Lk 4,25; Jk 5,17), die große Bedrängniszeit zur Zeit Antiochus Epiphanes ebenfalls (Dan 7,25; 8,10–14; 11,31–33; 12,7.11), was auch Josephus Flavius bestätigt: Der Opfergottesdienst im Tempel wurde für die Zeit von „drei Jahren und sechs Monaten“ ausgesetzt (Josephus, Jüd. Krieg, 1,1; 1,32; 5,394). Dieser Ausdruck wird hier aufgegriffen und diese Zeit wird „die große Bedrängnis“ genannt (Off 7,14).

→ Wir lernen: Wenn Gott die Seinen in einer solch schweren Bedrängniszeit durchbringt und durchbrachte, werden auch wir durch unsere kleinen Probleme hindurchgetragen werden. Wir sollen uns nicht Sorgen machen. Wir werden von Gott ernährt, wenn wir ihm dienen, leiblich und auch geistlich, solange, bis er uns zu sich ruft.

Unser Herr, Jesus Christus, warnte die Jünger, sie sollten in die Berge und in die Wüste fliehen (Mt 24,16; Lk 21,21). Viele verließen rechtzeitig die Stadt Jerusalem. Das könnte sich möglicherweise im Frühsommer 66 n. Chr. oder im Oktober/November 66 n. Chr. zugetragen haben. Im Frühjahr brachte der Prokurator Florinus drei Kohorten Soldaten in die Stadt und richtete dort ein Blutbad an (3000 Tote, darunter Frauen und Kinder). Im Herbst (Oktober) belagerte der römische Legat von Syrien, Cestius Gallus, im Auftrag Neros die Stadt. Er hat dann unverständlicherweise die Belagerung abrupt abgebrochen. Das konnten die Christen aus Judäa und Jerusalem als Anlass zur Flucht nehmen, gemäß den Worten ihres Herrn und Retters (Mt 24,15; Lk 21,20). Das war möglicherweise die letzte Gelegenheit, die Stadt unbehelligt zu verlassen.

Off 12,6 wird in V. 14 wieder aufgegriffen. Die Frau, als Fortsetzung vom AT her betrachtet, ist der jüdische „Überrest“, das treue Kernvolk, das den Messias annahm.

Die Flucht in die Wüste ist als Bild aufzufassen (vgl. die vielen Anspielungen auf den ersten Exodus, 2Mo) und beschränkt sich nicht auf die Flucht von Mt 24,15.

2. Zweites Bild: Des Drachen erfolgloser Kampf im Himmel: 12,7–12

a. Seine Überwindung und sein Fallen auf das Land: 12,7–9

V. 7: „Und es entstand ein Krieg im Himmel. Michael und seine [himmlischen] Boten führten Krieg mit dem Drachen. Und der Drache führte Krieg – und seine Boten.“

Der Engel Michael kämpft für Gottes Volk in Dan 10,13.21 und 12,1. So auch hier. Diese Verse hier sind keine Vision, sondern eine Weissagung. Es gibt keine Zeitangabe. Der Hinauswurf des Drachen muss knapp vor Beginn der Christenverfolgung geschehen sein. Es geht um den Endkampf des Feindes gegen die Errichtung des Königreiches Gottes. Für kurze Zeit ist „der Teufel los“.

Den Erstschlag für seine Niederlage erhielt der Feind durch den Löwen aus dem Stamm Juda (Off 5,5):

Joh 12,31: „Nun ist Gericht dieser Welt. Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden.“

16,11: „… in Bezug auf Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet worden ist.“

Kol 2,15: „… den Erstrangigen und Autoritäten hatte er ‹seinetwegen› ‹alles› abgenommen, [und er hatte sie] ausgezogen [und] stellte [sie] in Freimut ‹öffentlich› zur Schau; an ihm hatte er ‹über› sie triumphiert.“

Lk 10,18: „Ich schaute ‹und sah› den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.“

Hebr 2,14: „… damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, das heißt, den Teufel“.

1Joh 3,8: „Hierzu wurde der Sohn Gottes geoffenbart, damit er die Werke des Teufels auflöse.“

Paulus lehrte die Römerchristen im Jahr 56 oder 57, dass die völlige Niedermachung des Feindes in naher Zukunft geschehen werde (Rm 16,20): „Der Gott des Friedens wird den Satan in Kürze unter euren Füßen niedermachen.“

V. 8.9: „Und sie wurden nicht die Stärkeren, und es wurde nicht mehr eine Stätte für sie im Himmel gefunden. 9 Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, genannt Teufel, und ‚der Satan’, der das ganze Weltreich (o.: Imperium; o.: bewohnbare Land; o.: bewohnte Festland) in die Irre leitet, geworfen wurde er auf das Land, und seine Boten wurden mit ihm geworfen.“

Der Hinabwurf Satans auf das Land bedeutet den Beginn seines Wütens und Tobens zur Verfolgung der Heiligen. Mit „Land“ könnte Israel gemeint sein oder das gesamte römische Imperium, die „oikoumenee“, das bewohnbare o. bewohnte Festland (V 9). Zum Begriff oikoumenee vgl. a. 3,10; 16,14.

Gottes heiliger Same, die Gemeinde des Gottesvolkes, wird während der Zeit der Bedrängnis bewahrt, sodass sie nicht zur Beute des Feindes wird.

V. 9: „Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, genannt Teufel, und ‚der Satan’, der das ganze Weltreich in die Irre leitet, …“

Wir beachten die Parallele zu K. 20,2: „… den Drachen, die alte Schlange – es ist der Teufel und der Satan“.

„… geworfen wurde er auf das Land (o.: auf die Erde; o.: zu Boden), und seine Boten wurden mit ihm geworfen.“

Wenn sich 12,6–8 auf die Zeit der Abfassung des Briefes bezieht (ca. 60-63 n. Chr.), kann der Zeitpunkt des Hinabwurfs der Beginn der großen neronischen Christenverfolgung sein, in der die jüdischen Feinde das Volk Gottes auszurotten versuchten.

Zum griech. Begriff oikoumenee (heb. thebel)

„Das Weltreich; das Festland; das bewohnte Land“ – kann im begrenzten Sinne aufgefasst werden.

Auch ein „Land“ – wie z. B. das Land Israel – kann in der Bibel oikoumenee genannt werden:

Lk 21,26: „… was über den Erdkreis (i. S. v.: über das Land) kommen wird.

Ps 72,8: Er herrsche von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden des Festlandes (griech. oikoumenee).

Ps 77,16–21: „Du hast dein Volk erlöst mit [deinem] Arm, die Söhne Jakobs und Josefs. 17 Dich sahen die Wasser, Gott, dich sahen die Wasser: sie bebten; ja, es erzitterten die Tiefen. 18 Die Wolken ergossen Wasser, das Gewölk ließ eine Stimme erschallen, und deine Pfeile fuhren hin und her. 19 Die Stimme deines Donners war im Wirbelwind. Blitze erleuchteten den Erdkreis (thebel, griech. oikoumenee). Es zitterte und bebte das Land. 20 Durch das Meer [führt] dein Weg und deine Pfade durch große Wasser. Doch deine Fußspuren erkannte niemand. 21 Wie eine Herde hast du dein Volk geleitet durch die Hand Moses und Aarons.“

Das hebr. Wort thebel ist „Welt“ und „Kontinent/Festland“. Damit auch der Kontinent (das Festland) eines Landes wie Israel gemeint sein. Das griech. oikoumenee übersetzt oft das hebr. thebel mit oikoumenee. In Jes 10,14 und 10,23; 13,5.9; 24,1; 62,4 wird das hebr. ärätz (Land) in der griech. Übersetzung mit oikoumenee übersetzt; in Jes 13,11; Dan 2,28 und 3,2.45 wird thebel (Weltreich, Festland, Kontinent) auf Babylon bezogen; in Jes 14,26 wird es auf Assyrien bezogen, in 23,17 auf die umgebenden Länder von Tyrus (Phönizien), in 24,1.4 und 27,6 auf das Land Israel; in Jes 37,18 wird es auf die von Assur besiegten Völker und deren Länder bezogen, in Klg 4,12 auf die Könige des Landes, die dort auch „Bewohnern des Erdkreises“ genannt werden (Parallelismus). In der Apg 11,28 ist „Erdkreis/oikoumenee“ auf einige Länder beschränkt, in 17,6 („die den Erdkreis aufgewiegelt haben“) auf Achaia und Makedonien.

b. Zwischenwort: Der Jubel im Himmel über die Überwindung des Drachen: 12,10–12
I: Der Jubel: 12,10

V. 10: „Und ich hörte eine große, ‹laute› Stimme im Himmel sagen: ….“

„Jetzt“, zum Zeitpunkt des Schreibens, wird der Sieg Christi von den am Ziel angekommenen Märtyrern ausgerufen:

V. 10M: „Jetzt ist das Heil und die Kraft und die Königsherrschaft unseres Gottes geworden und die Autorität seines Gesalbten, …“

Jetzt ist die Autorität (d. h.: die Handlungsgewalt) seines Messias gekommen. Das „Jetzt“ ist ein vorwegnehmendes. Ähnliche Ausdrücke:

„Jetzt ist die Stunde des Gerichts gekommen“;

„Babylon ist gefallen“ 14,7.8;

„Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Messias geworden“ 11,15;

„Dein Zorn ist gekommen“ 11,18;

„Der große Tag seines Zorns ist gekommen“ 6,17.

II: Begründungen für den Jubel im Himmel: 12,10E.11

Die erste: V. 10E

„… weil der Verkläger unserer Brüder niedergeworfen ist,

„unserer Brüder“: Die „Brüder“ sind die im Himmel angekommenen Heiligen, die Märtyrer, die in V. 5 „zu Gott und seinem Thron“ entrückt (d. h.: „geraubt, gerissen“) wurden. Die Märtyrer haben den Drachen überwunden, indem sie ihre Seele (d. h.: ihr natürliches Leben) für Christus ließen. Gott hat sie zu Mitregenten erhöht. Sie haben gesiegt, für sie ist der Kampf vorbei (vgl. 15,2), für die Heiligen auf Erden noch nicht.

„… der sie vor unserem Gott verklagte Tag und Nacht.“

Der Drache, der Widersacher wollte Christi Platz am Thron rauben – als falscher König, falsche Priester (Ankläger statt Mittler) und falscher Prophet („Lügner von Anfang“). Vgl. 5Mo 19,16–21.

Verkläger“ war er bereits in Hi 1 und Sach 3 gewesen. Verklagen möchte er, aber er kann es nicht mehr tun, nicht mehr erfolgreich tun, weil Christus für die Seinen spricht. Er, der Gerechte, ist der Anwalt der Heiligen (1Joh 2,1.2; Röm 8,33.34).

„… niedergeworfen ist:“

Die im Himmel angekommenen Heiligen haben ihn, der die Heiligen bedrängte überwunden!

Die zweite:V. 11

V. 11: „Und sie [d. i.: die Märtyrer] überwanden ihn …“

Die Gemeinde stand im Konflikt gegen Juden und gegen die satanische Bosheit. Jesus Christus kämpfte in diesem Konflikt für seine verfolgte Gemeinde. Der eigentliche Kampf spielt sich in der himmlischen Welt ab, im geistlichen Bereich, Eph 6,12. Durch die Hingabe ihres Lebens haben jene Märtyrer den Drachen überwunden.

Sie überwanden ihn „… kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses und liebten nicht ihre Seele bis zum Tod.“

1) kraft des Blutes des Lammes, das er für sie vergoss, weil er bis aufs Blut im Kampf widerstanden hat,

2) kraft des Wortes ihres Zeugnisses, das sie verkündeten (d. i. desselben Wortes, das auch Christus, der treue Zeuge, verkündete und bekannte);

3) sie waren bereit gewesen, für Christus in den Tod zu gehen (6,9–11; 7,13–15); ihr eigenes Leben (ihre „Seele“) war ihnen nicht mehr wert als Christus und die Wahrheit Christi!

Nun sind sie am Ziel angekommen (14,1ff). Für sie ist der Kampf vorbei und sie regieren mit Christus.

Wenn die Christen, an die die Off gerichtet ist, ebenso treu sind, werden auch sie mit Christus regieren, so wie er ihnen in 3,21 versprochen hatte.

→ Anwendung: Welcher ist unser Weg des Überwindens? Wie kommen wir ans Ziel, d. h., ins neue Jerusalem?

1) Das Blut des Lammes: Wir dürfen uns nicht auf eigene Tugenden oder Leistungen berufen. Sämtliche Gerechtigkeit, die wir haben, kommt von Christus. Der Drache frisst gierig das Blut der Heiligen (16,6; 17,6), aber er fürchtet das Blut des Lammes. Das Blut spricht für uns, und lässt jede Anklage verstummen, Röm. 8,30ff. Das Blut Christi ist die Grundlage für jeden Kampf der Heiligen.

2) Das Wort des Zeugnisses: Wir dürfen nicht aufgeben Zeugen zu sein, Licht und Salz in der Welt. Jene blieben dabei, sich an Jesus zu halten! Wir sollen immer wieder bekennen, dass wir zu Jesus gehören. Wir überwinden durch das, was wir bekennen: Christus ist Sieger. Röm 8,36.37. Das bedeutet für uns: standhaftes, mutiges Bezeugen des Namens Jesu! Wir machen nicht mit ihnen mit und gleichen uns nicht an diese Welt an. Wir legen Zeugnis ab durch Wort und Tat. Wir beziehen klar und deutlich Stellung, wir stellen uns offen auf die Seite Christi.

3) Sie liebten nicht ihr Leben (w.: ihre Seele; d. h.: ihr seelisches, natürliches Leben) bis zum Tod: Wir dürfen ein hingegebenes Leben leben, eines, das bereit ist zu leiden. Leiden und Sterben, das ist die letzte Prüfung. Diese Prüfung haben wir bereits während des Lebens. Immer wieder werden wir auf die Probe gestellt. Wir müssen uns fragen: Was wähle ich: die Diesseitigkeit, Essen und Schlafen, irdische Existenz, finanzielle Sicherheit, Sinnlichkeit? Versuchung kann sehr subtil sein, sehr leise kommen. Die Frage ist: Werde ich jetzt sündigen – oder bin ich bereit, zu verzichten? Wie schnell werde ich ärgerlich, innerlich irritiert, wenn mir etwas in die Quere kommt? Was tue ich, wenn meine Vorstellungen von dem, wie die Dinge sein sollten, nicht in Erfüllung gehen?

Seien wir bereit zu sterben, während wir leben! Unser Motto soll lauten: Lieber sterben als sündigen!

→ Lektion für uns: Der Herr gibt genügend Kraft, um in der schwierigsten Zeit der Weltgeschichte durchhalten zu können. Diese Kraft genügt auch für die kleinen Probleme und die dunklen Zeiten, durch die wir heute zu gehen haben.

V. 12: „Deswegen seid fröhlich, [ihr] Himmel, und die, die in ihnen die Wohnung haben! Wehe dem Land und dem Meer – weil der Teufel zu euch hin niederstieg mit großem Grimm, wissend, dass er wenig Zeit hat!“

Wehe denen, die auf der Erde (im Lande) und auf dem Meer (d. h.: am Küstenstreifen) wohnen! – weil der Teufel zu euch niederstieg – mit großem Grimm, wissend, dass er wenig Zeit hat.“

Die Vollendung ist nahe. Die Märtyrer haben bereits überwunden (12,11). Nun kämpft der Feind „gegen die übrigen des Samens“ der Frau, d. h., gegen die restlichen Heiligen. Dazu verwendet er das Tier.

„Wehe dem Land und dem Meer – weil der Teufel zu euch hin niederstieg …“

Wenn Erde und Meer zusammen genannt werden, übersetzt man das Wort für „Erde“ (gee) besser mit „Land“.

Das Land ist ein konkretes; das Meer umgibt das Land (im Westen das Mittelmeer bzw. Westmeer, im Osten das Tote Meer und das Galiläische Meer, im Norden der Euphrat (der in Jer 51,36 auch „Meer“ genannt wird), im Süden der „Bach Ägyptens“ bis hin zum Meer. „Meer“ kann auch die Küstengegend heißen. (S. Anm. zu 8,8.9.) – Das Wehe betrifft die Landbewohner, die Ungläubigen im „heiligen Land“.

„… mit großem Grimm, wissend, dass er wenig Zeit hat“

Wut hat er, weil er weiß, dass er nur noch wenig Zeit hat: „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ (12,14) bzw. „zweiundvierzig Monate“ (13,7). Wut hat er auch, weil er um die Aussichtslosigkeit seines Kampfes weiß; wenn man weiß, dass man wenig Zeit hat, ist die Chance, das gewünschte Ziel zu erreichen, klein.

→ Wir lernen: Die Leser der Off sollen wissen,

1) woher die Quelle der Bedrängnis kommt und

2) welcher Art der Kampf ist und

3) wie er ausgehen wird.

Das zu wissen, ist ermutigend.

3. Drittes Bild: Des Drachen Angriff auf die Frau und ihre übrigen Nachkommen: 12,13–18

a. Die Verfolgung der Frau und die Bewahrung der Frau: 12,13–16

V. 13: „Und als der Drache sah, dass er auf das Land geworfen war, verfolgte er die Frau, die den Kräftigen geboren hatte.“

Für „verfolgte“ kann man auch übersetzen „jagte nach“ – wie Pharao in 2Mo 14 dem Volk Gottes nachjagte.

V. 13 spricht er von der Verfolgung der Gemeinde; diese begann in Jerusalem und Judäa, setzte sich schließlich fort in der ganzen oikoumenee, im ganzen römischen Reich.

V. 14: „Und der Frau wurden [die] zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihre Stätte flöge, dorthin, wo sie ernährt wird für eine Zeit, und Zeiten und eine halbe Zeit, …“

Gott hilft ihr, in die Wüste zu entfliehen, wo sie von Gott bewahrt wird.

Der „Adler“ ist eine Anspielung auf 2Mo 19,4: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“

5Mo 32,9-13: „Fürwahr, Jahwehs Teil ist sein Volk, Jakob die Messschnur seines Erbteils. 10 Er fand ihn im Land der Wüste und in der Einöde, im Geheul von Jeschimon. Er umgab ihn, hatte auf ihn acht, behütete ihn wie seinen Augapfel. 11 Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt, 12 so leitete ihn Jahweh allein, und keine fremde Gottheit war mit ihm. 13 Er ließ ihn einherfahren auf den Höhen der Erde, und er aß den Ertrag des Feldes. Er ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus dem Kiesel des Felsens, …“

Das gesamte Geschehen ist eine Anspielung an die Flucht aus Ägypten. Vgl. 5Mo 32,11–13. Vgl. 1Sa 23,14f; 1Kön 19,4.

Die Zeitangaben sind eine Anspielung auf Dan 7,25 und 12,7.11, also auf die Bedrängniszeit unter Antiochus Epiphanes (168-165 v. Chr.).

Doch hier in Off 12 wird gerechnet von dem Zeitpunkt an, als der Satan zornig gegen die Frau vorging, um sie zu vernichten. Es geht um die große Bedrängniszeit einige Jahre vor 70 n. Chr., wie der Zusammenhang weiter zeigt.

Gott bewahrt die Frau in der Wüste. Die Heiligen im Römerreich werden vom Tier unter Druck gesetzt und „überwunden“ (13,7); doch ihr Märtyrertod ist genau der Weg, das Tier zu überwinden (15,2–4; 12,11).

V .14M: „… wo sie ernährt wird für eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, …“

Die Frau, das treue Gottesvolk, wird von Gott ernährt und bewahrt. Der Satan kann Gottes Volk nicht ausrotten.

Diese Zeit ist von Gott „kurz gemacht“. (Die Sieben wird halbiert: dreieinhalb.) Gott bereitet der Bedrängnis ein jähes Ende.

„… fern vom Anblick der Schlange.“

Gott entzieht die Frau dem Blick der Schlange. Der Feind sieht nicht alles, und weiß nicht alles; ist nicht allgegenwärtig. Wir wissen nicht, was er sieht, und deshalb sollten wir immer gewappnet sein.

Er kann nicht Gedanken lesen.

Die „Übrigen des Samens der Frau“ – das ist die Schar derjenigen, die bisher noch nicht (durch Märtyrertod) zum Thron Gottes erhöht wurden, aber in der Bedrängniszeit noch folgen werden (vgl. 6,11), also die restlichen Zeugen Jesu, die Gebote Gottes halten.

Alle diese Märtyrer sind die 144 000 versiegelten Gottesknechte (7,1–8), die Erstlinge, die aus dem Land für Gott erkauft wurden und mit dem Lamm regieren und dem Lamm folgen, wohin es auch geht (14,1–5).

Die Nichtversiegelten in Israel sind die, auf die das Gericht kommen wird (Off 9,4). Die Versiegelten von 14,1 stehen den Malzeichenträgern von 13,17.18 gegenüber. Eine weitere Gruppe wird in der Off nicht genannt.

Die Christen standen damals zeitlich knapp vor der großen Bedrängniszeit. Sie dauert „eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“. Der Satan bedrängte das Gottesvolk (durch die „Synagoge des Satans“) zwar schon damals, als Johannes das Buch der Off schrieb (etwa 60-63 n. Chr.), doch ab der neronischen Verfolgung (ab Mitte 64 n. Chr.) begann die Zeit, in der „der Teufel los“ war. Der Satan wusste, dass er „wenig Zeit“ hatte (12,13): 1260 Tage!

Zu den „Dreieinhalb“:

Die 7er Reihen in der Off sind zerlegt in zuerst vier, dann die Hälfte davon: zwei; dann abermals die Hälfte davon: eines. 4+2+1:

4 Siegel (Pferde, Reiter) + 2 Siegel (5. = Frage und 6. = die Antwort darauf) + 1 Siegel.

4 Posaunen (Land, Meer, Süßwasser, Gestirne) + 2 Pos. + 1 Pos.

4 Schalen (Land, Meer, Süßwasser, Sonne) + 2 Siegel + 1 Siegel.

Bei den 3,5 Zeiten ist es z. T. umgekehrt. Die Zeit wird zuerst verdoppelt: eine Zeit – zwei Zeiten, danach halbiert: eine halbe Zeit. Man meint, die Zeit verdopple sich; man wird jedoch beim dritten Element überrascht, anstatt sich zu verdoppeln (1 + 2 + 4 (= 7) ), wird sie dann jäh abgekürzt.

Die „Dreieinhalb“ steht für die jähe Abkürzung der Leidenszeit.

Nach Off 11,2 dauert die Zeit, in der die heilige Stadt von den „Völkern“ zertreten wird, 42 Monate lang. Das entspricht den 1260 Tagen, an denen die zwei Zeugen in Jerusalem „weissagen“, bis sie von dem Tier getötet werden.

Gemäß Off 12,6.14 werden diese „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ (dreieinhalb Jahre) von Beginn der neronischen Christenverfolgung an bis zum Unwirksam-Machen des Tieres und Drachens) mit „1260 Tagen“ angegeben. Es ist die „kurze Zeit“, in der der Drache auf das Land geworfen ist und in der er versucht, die Frau (im Bild: die Übrigen ihres Samens) zu verderben (d. h., zum Abfall zu verleiten).

In dieser Zeit werden jene Christen des ersten Jhdts. in der „Wüste“ versorgt. Das Bild spricht von der geistlichen Erhaltung des Gottesvolkes in jener schweren Zeit.

Gemäß Off 13,5.7 ist diese Bedrängniszeit die Zeit, in der die Heiligen durch das „Tier“ (scheinbar) überwunden werden. Sie dauert 42 Monate lang

Die Zahlen sind aus dem Buch Daniel genommen. Dort sind sie buchstäblich zu nehmen (weil sie nicht Teil der Vision sind, sondern der Erklärung). Hier, in der Vision, sind sie von symbolischer Bedeutung. Diese Zeit ist eine kurze; sie steht im Gegensatz zu den langen tausend Jahren von Off 20.

In jener kurzen Bedrängniszeit sind die Heiligen des ersten Jhdts., an die der Brief Off gerichtet ist, aufgerufen, auszuharren (13,9.10). Sie entspricht auch der Zeit, in der die „Völker“ die Stadt Jerusalem „zertreten“ (11,2).

V. 15: „Und die Schlange warf aus ihrem Munde Wasser wie einen Strom hinter der Frau her, damit sie vom Strom weggeschwemmt werde.“

Manche Schlangen stoßen eine giftige Flüssigkeit aus, wenn sie wütend sind und ihren Feind schrecken wollen. Aber hier ist es ein ganzer Wasserschwall.

Das Bild ist entlehnt vom Exodus Israels aus Ägypten: Pharao (die ägyptische „Schlange“, Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3) wollte die Israeliten ins Meer treiben, sodass das Volk vom Wasser verschlungen werde. Beschrieben wird hier der Versuch des Satans, den Überrest des wahren Israels auszulöschen. Aber er misslingt – ebenso, wie der Versuch Pharaos, Israel auszulöschen, misslang (2Mo 14).

Im gefährlichsten Moment greift Gott ein und gibt die entsprechende Hilfe, die die fliehende Gemeinde braucht. Gott rettet die Gemeinde vor dem Verderbt-Werden durch die Schlange.

Eine weitere alttestamentliche Parallele: „Siehe! Einen Starken hat der Herr [bereit], einen Mächtigen: Wie ein Hagelsturm, wie ein verheerender Sturmwind, wie ein Guss von mächtigen, flutenden Wassern reißt er [sie] mit der Hand zu Boden.“ (Jes 28,2)

V. 16: „Und das Land (bzw.: die „Erde“) kam der Frau zu Hilfe. Und das Land öffnete seinen Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Munde warf.“

Das Bild erinnert an die Wüstenreise des Gottesvolkes im AT (4Mo 16,30–32): „… aber wenn Jahweh ein Neues schafft und der Erdboden seinen Mund auftut und sie verschlingt mit allem, was ihnen angehört, und sie lebend in den Scheol hinabfahren, werdet ihr erkennen, dass diese Männer Jahweh verachtet haben. Und es geschah, als er geendet hatte, alle diese Worte zu reden, da spaltete sich der Erdboden, der unter ihnen war, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie und ihre Häuser und alle Menschen, die Korach angehörten, und alle [ihre] Habe.“

b. Sein Kampf gegen die einzelnen übrigen Nachkommen der Frau: 12,17.18

V. 17: „Und der Drache war zornig über die Frau, und er ging weg, Krieg zu führen mit den übrigen ihres Samens, …“

Die „Übrigen ihres Samens“ sind die übrigen Heiligen die noch verfolgt werden sollten.

Die Nichtversiegelten sind die, auf die das Gericht kommt (Off 9,4). Die Versiegelten von 14,1 stehen den Malzeichenträgern von 13,17.18 gegenüber.

Da es dem Drachen nicht gelingt, den gläubigen Überrest, das treue „Israel“ auszumerzen, wendet er alle Kräfte auf zur Verfolgung der einzelnen Heiligen. Er tut es durch das Tier. Und es sieht so aus, als ob er siegt (13,5.7).

„… die die Gebote Gottes halten …“ (Vgl. 14,12.)

Die Heiligen stehen unter dem Gebot des Gesetzgebers. Das Gesetz ist in ihnen, eingeschrieben in ihren Herzen durch den Heiligen Geist (Hebr 8,10).

„… und das Zeugnis Jesu haben.“ (Vgl. 1,9; 19,10; 20,4.)

D. h., sie bezeugen, dass Jesus der Gesalbte ist, sie haben dieses Zeugnis in sich, sie bleiben treu.

Beachten wir, dass in 12,13–16 die Frau (d. i.: die Tochter Zion) als ganze verfolgt wird, d. h., der Satan versucht, die Gemeinde Jesu in dem „Lande“ auszulöschen, was ihm aber nicht gelingt, weil Gott sie bewahrt und versorgt. Die Gemeinde, als ganze betrachtet, wird vom Feind nicht überwältigt (Mt 16,18). Aber viele Heiligen, einzeln betrachtet, werden (scheinbar) „überwunden“ (13,5.7), sie werden getötet. Aber von Gottes Standpunkt aus betrachtet, sieht die Sache anders aus: Sie, die Getöteten, sind die Überwinder: Off 15,2: „Und ich sah … die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens an dem durchsichtigen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie.“

Die Frau ist die Gemeinde Jesu kollektiv, die übrigen sind die Jesusnachfolger individuell. Beispiele für den Wechsel von kollektiv zu individuell (und umgekehrt) finden sich im AT bei Hes 23,10.25.26.47 (vgl. a. 1Tim 2,14.15).

Die Heiligen wurden ab 64 n. Chr. und in den folgenden Jahren im gesamten Römischen Reich von den Juden verfolgt. (Vgl. die beginnenden Verfolgung in Off 1,9; 2,13; 2,8–11 und die angekündigte in 3,10 und 1Petr 4,1.12.17-19.)

V. 17: Der Satan geht zur allgemeinen Christenverfolgung über. Die Jahre ab 64 n. Chr. waren die „große Bedrängnis“, die symbolträchtigen „42 Monate“.

Wir erinnern uns an die Abfassungszeit des Briefes der Off und an die Situation der Empfänger: Die Leser der Off sollen wissen, woher die Quelle der Bedrängnis kommt und welcher Art der Kampf ist – und wie er ausgehen wird.

In Off 12,12 lasen wir: „Wehe denen, die auf der Erde und auf dem Meer wohnen! – weil der Teufel zu euch hin niederstieg mit großem Grimm, wissend, dass er wenig Zeit hat.“ Der Satan weiß: Die Vollendung ist nahe; die Märtyrer haben überwunden (12,11); nun kämpft er gegen die übrigen des Samens der Frau, d. h., die restlichen Heiligen im Land Israel und darüber hinaus. Dazu verwendet er das Tier.

V. 18: „Und er (einige Hss lesen: ich) stand auf dem Sande des Meeres.“

Dann ging der Drache zum Meer. Und aus dem Meer sieht man das Tier hervorkommen. Das Tier ist aus dem Abgrund (11,7; 17,8). Diesen Abgrund öffnete ein Engel (9,1), denn das Tier musste warten, bis Gott es zuließ, dass es dermaßen wüten durfte. (Vgl. 20,1–3.7). Das Tier hat Vollmacht, 42 Monate zu wirken (13,5.7). Das ist die „kurze Zeit“ von 6,9–11 und 12,12. In dieser Zeit darf es in besonders starkem Maße gegen die Heiligen Krieg führen und sie überwinden. (Es arbeitete natürlich auch vor jenen „42 Monaten“ bereits gegen die Heiligen.)

c. Exkurs: Die Zeitangaben in K. 11-13

Frage: Sind die Zeitangaben in Off 11,2.3; 12,6.14; 13,7 („42 Monate – 1260 Tage – Zeit, Zeiten, halbe Zeit“) bildhaft oder buchstäblich aufzufassen? – Einige Überlegungen:

1) Die Angaben sind eine Anspielung an die schwere Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus Epiphanes (Dan 7,25; 8,10.13; 9,25-27; 11,31; 12,7.11). Es ist offensichtlich, dass eine Beziehung zwischen der Bedrängnis, die auf die Heiligen jener Tage, an die der Brief geschrieben ist, zukommen sollte (Off 3,10), und der Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus Epiphanes (168-165 v. Chr.) hergestellt werden soll.

2) Alle fünf Zeitangaben kommen in Visionen vor, nicht in Klartexten (Erklärungstexten). Das heißt aber nicht, dass diese Zeitangaben Jahrtausende von Jahren darstellen. Das würde nicht zum Buch Daniel passen. Die Angaben im Buch Daniel waren eine große Hilfe für jene Heiligen zur Zeit der Makkabäer. Ebenso ist es hier: Nur dann, wenn die Zeitangaben in etwa tatsächlich so lange dauern wie angegeben, ist der Text eine Hilfe für die Briefempfänger. Hinzu kommt: Diese verhältnismäßig kurze Zeit (42 Monate, 1260 Tage, dreieinhalb Jahre) wird in Bezug gesetzt zu den langen „tausend Jahren“ in Off 20.

3) Die Tatsache, dass Johannes auf Patmos war und Antipas getötet worden war und Symrna und Philadelphia vor einer großen Prüfungszeit standen (die nach 3,10 im gesamten röm. Reich zu kommen im Begriffe war), zeigt, dass der Brief eine Ermutigung und ein Aufruf zum Durchhalten für jene ihre Zeit gedacht war. Die Zeitangaben müssen sich daher auf die Bedrängniszeit jener Zeit beziehen.

4) Die Off ist ein Brief des Johannes an die damaligen Heiligen. Johannes schreib den Brief nicht an die Heiligen des 21. Jahrhunderts, auch wenn wir heute viele praktische Ableitungen daraus ziehen und die dort dargelegten Prinzipien und Lektionen für uns anwenden können.

Nach Off 11,2 dauert die Zeit, in der die heilige Stadt von den „Völkern“ zertreten wird, 42 Monate lang. Sie entspricht den 1260 Tagen, in der die zwei Zeugen in Jerusalem „weissagen“, bis sie selbst (wie ihr Herr) von dem „Tier“, das aus dem Abgrund aufsteigt, getötet werden.

Nach Off 12,6.14 wird die Dauer dieser „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ mit „1260 Tagen“ angegeben, gerechnet von der Zeit der Abfassung der Off an oder vom Beginn der Christenverfolgung an.

Es ist die „kurze“ Zeit, in der der Drache auf die Erde geworfen ist und in der er versucht, die Frau (und die Übrigen ihres Samens) zu vernichten. Der Satan ist voll Wut, da er weiß, dass er „wenig Zeit“ (12,12) hat. In dieser Zeit werden jene Heiligen des ersten Jhdts. „in der Wüste“ versorgt, was sich auf die geistliche Erhaltung des Gottesvolkes (auf ihre geistliche Bewahrung, dass sie in jener schweren Zeit nicht abfallen) bezieht (12,6.14).

Nach Off 13,5.7 ist diese Bedrängniszeit die Zeit, in der die Heiligen (scheinbar) durch das „Tier“ überwunden werden. Es ist die Zeit, in der jene Heiligen des ersten Jhdts. aufgerufen sind, auszuharren (13,9.10).

B. Der sichtbare Feind: Das Tier vom Meer. Krieg gegen die Heiligen: 13,1–10

Die Bilder von dem Tier aus dem Meer und aus dem Land kommen aus dem AT: Leviathan ist vom Meer (Hi 3,8; 40,25; Ps 74,14; Jes 27,1; 51,9; Hes 29,3; Dan 7) und Behemoth vom Land (Hi 40,15; Jes 30,6). Auch im Judentum gibt es solche Bilder (1Henoch 60,7ff; 2 Esrdas 6,49ff; 2Baruch 29,4; Baba Bathra 74a; vgl. Caird, Apokalyspe, S 161).

1. Die Beschreibung des Tieres aus dem Meer: 13,1–3

a. Die Köpfe und Hörner 13,1

V. 1: „Und ich sah aus dem Meer ein wildes Tier (eigtl.: ein wildes Tier; ein Biest) aufsteigen; sieben Köpfe und zehn Hörner hatte es …“

Ein Tier erhebt sich aus dem Meer: Es hat sieben Köpfe und zehn Hörner. Zuerst sieht man die Köpfe und Hörner, danach den Körper.

Die sieben Köpfe sind der Gegenpart zu den sieben Geistern Gottes und den sieben Augen des Lammes. Die zehn Hörner sind der Gegenpart zu den sieben Hörnern des Lammes (5,6). Das Lamm hat nur einen Kopf. Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Das Lamm hat sieben Hörner, das bedeutet, vollkommene Machtfülle, denn die Hörner stehen für Macht, Autorität. Das „Tier“ hatte zu jener Zeit, als der Brief an die sieben Gemeinden in Asien geschrieben wurde, eine gewisse Macht (Autorität) durch seine zehn „Hörner“. Das sind zehn „Könige“, „welche noch nicht ein Königreich bekamen; sie bekommen jedoch Vollmacht wie Könige eine Stunde mit dem Tier“ (17,12).

„… und auf seinen Hörnern zehn Diademe …“

Die Diademe auf den zehn Hörnern deuten auf königliche Macht hin (wie auch in 19,12). Das Tier – zusammen mit den zehn Hörnern – gibt sich – lästerlich – „königlich“ aus.

„… und auf seinen Köpfen einen Namen der Lästerung.“

Die Köpfe tragen jeder einen lästerlichen Namen. Lästern bedeutet „(durch schlechtes Reden) schlecht machen“, Blasphemie. Johannes findet es nicht für nötig, den Namen der Lästerung zu nennen. Wir brauchen ihn nicht zu wissen. In der Bosheit sollen wir wie Unerfahrene bleiben.

Das Tier hat – wie die Tiere in Dan 7 – politische Macht. In Off 17,9–11 wird Näheres über dieses Tier gesagt.

Dass das Tier nicht Rom oder den Kaiser (bzw. die Kaiser) darstellt, wird im Folgenden deutlich.

→ Wir lernen: In dem Maße, in dem das Wort Gottes nicht gestreut wird, in dem Maße bleibt eine Gesellschaft bzw. ein Volk und ihre Regierung von dem Bösen beeinflusst. In dem Maße, in dem Regenten das Wort Gottes nicht anerkennen und verbreiten, werden sie selbst und ihr Volk vom Bösen gesteuert, wie das Volk Israel durch das Tier. (Vgl. Eph 2,1; 2Kor 4,4; Dan 10,20.)

b. Das Aussehen 13,2

V. 2: „Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther; und seine Füße [waren] wie die eines Bären und sein Maul wie das eines Löwen.“

Die Bilder sind entnommen aus Dan 2 und 7. Dort ist die Rede von vier Königreichen. Alle vier werden mit Israel in Verbindung gebracht: Babylonien, Medopersien, das makedonische Königreich (das Königreich Alexanders) und zuletzt das griechische zweigeteilte Nachfolgereich Alexanders (das Reich der Ptolemäer und Seleukiden; vgl. Dan 11,3–17, die Könige des Nordens und die Könige des Südens.). Aus dem vierten Reich in Dan 7 und 8 kommt ein kleines Horn hervor, das immer größer wird: Antiochus Epiphanes, der „König des Nordens“, der von 175 bis 164 v. Chr. im Nordreich regierte und dem Gottesvolk viel Übles tat. (Siehe im Übrigen die Auslegung des Buches Daniel von Thomas Jettel, unveröffentlichtes Manuskript, z. T. veröffentlicht in „Unterwegs notiert“.)

Der Leib des Tieres ist wie der makedonische Panther/Leopard von Dan 7,6; seine Füße sind wie die des persischen Bären von Dan 7,5; sein Maul (d. h.: sein hochmütiges und selbstherrliches Reden, vgl. Dan 4,27) ist wie das des babylonischen Löwen von Dan 7,4. Die Tiere werden in umgekehrter Reihenfolge wie in Dan 7 genannt.

Das Tier ist von „unten“, vom Abgrund (Off 11,7; 17,8), vom Meer (13,1; das „Meer“ kann im AT auch für den „Abgrund“ stehen; vgl. Rm 10,7 mit 5Mo 30,13).

V 2E: „Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht.“

Das Tier hat seine Kraft und Autorität von dem Satan. Diese Macht steht im Gegensatz zur geistlichen Macht des Gottesvolkes in Christus. Die Ähnlichkeit mit den vier Tieren von Dan 7, deutet darauf hin, dass dieses Tier – ebenso wie die vier Tiere von Dan 2 und 7 – von dem Widersacher Gottes gebraucht wird, um das Gottesvolk zu bedrängen.

Das Tier (w.: die Bestie) ist beseelt von dem Drachen. Der Drache gibt ihm seine Kraft und Autorität (Vollmacht). Er ist der „Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 2Kor 4,4). Das Tier wird unterstützt von dämonischen Mächten. Der Herr Jesus Christus sagte, die jüdischen Pharisäer und Sadduzäer waren eine „Schlangenbrut“ (Mt 3,7; 12,34), Kinder des Teufels (Joh 8,44). Die Zeichen und Wunder geschahen „nach der Wirkung des Satans“ (2Thes 2,9).

Aber Gott bestimmt alles, er hat alle dämonischen Mächte in seiner Hand. Vgl. Dan 4,32. Gott gibt Regierungsautorität (Rm 13,1–7). Diese wird hier missbraucht. Es gibt nur zwei übernatürliche Kräfte: die von Gott und die von unten. Viele, die kein Unterscheidungsvermögen haben, können durch die bösen Kräfte verführt werden.

c. Die Todeswunde 13,3

V. 3: „Und ich sah einen seiner Köpfe wie zu Tode geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt. Und das ganze Land staunte hinter dem Tier her.“

Das Tier erscheint mit geheilter Todeswunde. D. h., zu jener Zeit, die die Off beschreibt, war seine Todeswunde bereits geheilt. Es handelt sich hier um ein Bild, das Johannes sieht, nicht um ein konkretes historisches Ereignis im persönlichen Leben eines bestimmten Herrschers. (Die Todeswunde ist also nicht die Narbe am Kopf eines russischen Präsidenten. ☺ )

Von der Todeswunde lesen wir auch in V. 12 („Und es veranlasst, dass das Land und [zwar] die, die in ihm wohnen, dem ersten Tier zu huldigen, dessen Todeswunde geheilt wurde.“)

Wenn das Tier an einem seiner sieben Köpfe „tödlich“ getroffen wird, stirbt das Tier. Das Tier (als Ganzes!) ist es, das „tot war“ und dessen „Todeswunde geheilt“ wurde. Das geht aus V. 12 hervor. Das Pronomen „seine“ (in: „seine Todeswunde wurde geheilt“ ) bezieht sich auf das Tier als Ganzes, nicht nur auf einen seiner Köpfe. Ansonsten wäre die Wunde keine tödliche. Wir dürfen also nicht sagen: „Die Todeswunde von einem der sieben Köpfe wurde geheilt“, als ob der Kopf (z. B. ein Regent), aus dem Tode erstanden sei. Nein, das Tier als Ganzes war tot. Als die Todeswunde geheilt war, erstand das Tier aus Ganzes gleichsam aus dem Tode.

Aus diesem Grunde ist die These, dass mit dem Tier der römische Kaiser Nero gemeint sei, hinfällig. Abgesehen davon ist Nero nicht aus dem Tode erstanden.

Das Märchen vom „wiedererstandenen Nero“, der NeroredivivusMythos, ging nämlich in der Zeit nach dem Tod Neros (68 n. Chr.) tatsächlich um. 13,3 ist kein Bezug auf ein solches Märchen. Off 13 ist echte Prophetie.

Anm.: Nero starb tatsächlich an einer Schwertwunde: Unter dem Eindruck der hereinstürmenden Soldaten beging Nero am 9. Juni 68 mit einem Dolch Selbstmord, wobei ihm sein Privatsekretär behilflich war. Es gab damals Gerüchte, Nero sei nicht tot, sondern er würde wieder auftauchen und mit den Parthern gegen Rom zurückkehren. (Tacitus, Hist. 2,8; Sueton, Nero K. 57).

Das Tier scheint eine Parodie auf das Lamm, Jesus Christus, zu sein. Das Lamm trägt die Todeswunde (5,6), das Tier ebenfalls. Das Tier mit der geheilten Todeswunde ist ein Bild, das Johannes in der Vision sah.

Von dem Tier haben wir bereits erfahren, dass es in Jerusalem auftritt (11,7). Der römische Kaiser Nero kann nicht das Tier sein, denn er war nie in Jerusalem.

Aber wir erfahren in 16,10, dass das Tier ein „Königreich“ hat und dass diejenigen, die das Malzeichen des Tieres (13,16) annehmen, böse Geschwüre bekommen (16,11). Die, die die bösen Geschwüre bekommen, sind die Menschen im Lande, die das Malzeichen des Tieres hatten und die seinem Bild huldigten (16,2), von denen in 16,6 gesagt wird, dass sie „das Blut von Heiligen und Propheten vergossen“ haben. In 18,24 und 19,2 wird gesagt, dass in der großen Stadt, die die „Hure Babylon“ ist (17,18), „Blut von Propheten und Heiligen“ gefunden wurde, „und zwar von all denen, die im Lande hingeschlachtet wurden“ (vgl. a. Mt 23,34). Daraus wird erhellt, dass diejenigen, die in Off 16 die Plagen erhalten, diejenigen sind, die mit dem damaligen „ehebrecherischen“ Jerusalem in enger Verbindung stehen. Das Tier ist also jüdisch, nicht römisch.

In Off 13,7; 16,13-16; 17,14 und 19,19-21 erfahren wir, dass das Tier zusammen mit den „Königen des Landes“ gegen den Gesalbten (den Christus) und seine Treuen (die Heiligen) „Krieg“ führt und schließlich getötet wird. Der Geschichtsschreiber Josephus Flavius beschreibt die ultranationalen Rebellen in Jerusalem und Israel (die „Zeloten“ o. „Eiferer“ genannt wurden) als „wilde Tiere“ [Josephus, Jüd. Krieg 4:262 (4.4.3), 4:425 (4.7.4), 4:540 (4.9.8), 5:4 (5.1.1), 5:85 (5.2.5)]. Die rivalisierenden Zelotenparteien töteten die gemäßigten Herodianer, verwüsteten Jerusalem, zündeten Häuser an, machten den Tempel zu dem Geschäft ihrer Tyrannei [Josephus, Jüd. Krieg 4:151 (4.3.7)] und verwüsteten den Tempel und das Heiligtum durch ihre Gräueltaten. Auf diese Weise rieben sie sich gegenseitig auf. Die Armeen der Zeloten waren – nach Josephus – versammelt aus allen Teilen der jüdischen Diaspora. Sie gingen – vor allem ab dem Brand Roms (64 n. Chr.) – brutal gegen die Heiligen des Christus vor. Die, die von ihnen bis 70 n. Chr. übrig blieben, wurden schließlich im Fall der Stadt getötet.

Dies alles deutet darauf hin, dass das „Tier“ von Off 13,1-10 nicht ein einzelner Mensch ist, sondern mit dem Bild vom Tier wird die vorherrschende Schar der jüdischen Zeloten und ihrer Verbündeten in Jerusalem dargestellt.

Was hat es dann mit der Todeswunde auf sich?

Die Zeloten hatten sich schon früher – unter Herodes dem Großen und unter Archelaus – erhoben; sie erhielten dann aber die „Schwertwunde“, sie wurden (bildlich gesprochen) vom römischen Schwert erschlagen und lagen dann „tödlich verwundet“ vierzig Jahre im Todesschlaf. Mehr als eine Generation später (66 n. Chr.) erhoben sie sich gleichsam aus dem Tode und standen auf zur Rebellion gegen Rom. Die Todeswunde ist also wahrscheinlich ein Bild für die vierzigjährige Unterdrückung der Zelotenbewegung.

Eine andere (weniger wahrscheinliche) Möglichkeit ist, dass die Todeswunde ein Bild ist für die Niederschlagung der Zelotenbewegung in der Belagerung Jerusalems durch Cestius Gallus im Oktober 66 n. Chr., als sich die Zeloten schon so gut wie tot glaubten: Cestius Gallus, der römischer Legat von Syrien, war im Oktober 66 n. Chr. auf Befehl Neros mit einem Heer gegen Jerusalem gezogen und begann die Belagerung. Das hätte für die Zeloten das Ende bedeutet. Aber dann zog Cestius Gallus unerwarteter Weise seine Truppen zurück. Die Zeloten jagten den Römern nach und konnten die römischen Heere bei Beth Horon empfindlich dezimieren. Die Römer verloren ihre schweren Kriegsgeräte, viele Waffen und etwa 6000 Mann. Die Zeloten betrachteten diesen großen Sieg über die Römer als eine Bestätigung von Seiten Gottes und als ein Hinweiszeichen für den Endsieg. (Vgl. Josephus, Jüd. Krieg 7:330–334.) Dieser Sieg stärkte die Sache der Zeloten mächtig und war für sie wie „Leben aus dem Tode“. Manche denken, der Kampf des Cestius Gallus gegen die Zeloten war jene „tödliche Schwertwunde“ des Tieres, von welchem das Tier auf wundersame Weise geheilt wurde.

– Letztere Möglichkeit erscheint uns weniger wahrscheinlich. Wir lassen es aber offen.

2. Seine Anbetung: 13,4

V. 4: „Und sie huldigten dem Drachen, der dem Tier Vollmacht gab, und huldigten dem Tier und sagten: ‚Wer ist dem Tier gleich? Wer vermag mit ihm Krieg zu führen?’„

– Niemand ihm gleich. Es steht nur noch ein Gott vor diesen Leuten: Das Tier ist wie Gott. Ihm gebührt Huldigung (Vergötterung; vgl. Dan 11,36.37). Sie huldigen dem Tier, weil es scheinbar Übermenschliches tut, nicht weil sie es lieben.

Was hat das Tier für seine Anbeter getan? – Nichts.

Was hat das Lamm für seine Anbeter gemacht? – Alles!

Wie kann man herausfinden, wen man anbeten soll? – Ein Lamm, das für mich gestorben ist und mich gewaschen hat. So einen möchte ich anbeten!

Warum gewinnt das Tier Anbeter? – Weil es von seiner Todeswunde „geheilt“ wurde (V. 12E; V. 14E).

Wie gewinnt das Lamm die Herrschaft über die Herzen der Seinen? – Dadurch, dass es für alle geschlachtet wurde; und dadurch, dass es den Erweis seiner Unschuld erbrachte, indem es aus den Toten auferstand.

→ Wir lernen: Wer den wahren Gott nicht anbetet, wird den Menschen anbeten, und zwar einen Menschen, der zur Bestie geworden ist. Und hinter dieser Menschenanbetung steckt Teufelsanbetung.

Du kannst nicht neutral bleiben: Entweder du betest Gott an, oder du betest den an, der sich zu Gott macht.

Zwei Dinge motivieren die Menschen: Herrlichkeit (Ehre, Glanz) und Macht (15,8).

Wie kann man herausfinden, wen man anbeten soll? – Ein Lamm, das für mich gestorben ist und mich gewaschen hat, solch einen möchte ich anbeten. Und derselbe wird die Welt regieren. Ihm gehört die Zukunft.

Die Kraftquelle des Tieres ist der Drache, der Satan, dessen Synagoge die Juden waren. Der Satan verlieh den jüdischen Eiferern Kraft und Vollmacht. Der Satan wird in der Off „die Schlange“ genannt (12,9; 20,2). Die Römer wurden nie „Kinder des Teufels“ oder „Schlangenbrut“ genannt; aber die Juden. Sie heißen „Teufelskinder“ (Joh 8,44; Apg 13,10) und „Schlangen“ (Mt 23,33): „Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?“) In Mt 23,33 verurteilt der Herr sie zum Höllengericht, zu dem Gericht, das das Tier und der Falschprophet in Off 19,19-21 bekommen.

Der Name „falscher Prophet“ (Off 16,13; 19,20) erinnert an 1Joh 4,1 und 2Joh 7. Er deutet darauf hin, dass auch das zweite Tier, das „Tier aus dem Lande“ ein jüdisches ist.

Die Christenverfolgung von Off 3,10 ist eine jüdische. Sie kommt von der Synagoge des Satans, wie auch in Smyrna (2,9). Off 3:9.10: „Siehe: Ich gebe aus der Synagoge des Satans die, die von sich selbst sagen, sie seien Juden, und sie sind es nicht, sondern sie lügen– siehe: Ich werde veranlassen, dass sie kommen und vor deinen Füßen huldigen und zur Kenntnis nehmen, dass ich dich liebte. 10 Weil du das Wort meiner Ausdauer bewahrtest, werde ich dich auch bewahren vor der Stunde der Prüfung, die im Begriff ist, über das ganze Weltreich zu kommen, um die zu prüfen, die auf der Erde wohnen.“

Die Christenverfolgung begann im zweiten Teil des Jahres 64 n. Chr. und erstreckte sich über das gesamte römische Reich (Josephus, Ant. 13,6,10). Die Juden hatten sich durch die Diaspora in der ganzen damaligen Welt verbreitet.

3. Seine Gotteslästerung: 13,5.6

V. 5: „Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerung redete. Und es wurde ihm Vollmacht gegeben zu handeln zweiundvierzig Monate ‹lang›.“

Die alttestamentliche Parallele findet sich in der Prophezeiung vom Kommen des Antiochus Epiphanes (Dan 8,10–14; 11,31–33; 12,11; vgl. 12,7; 7,25). Nach Off 11,2 dauert die Zeit, in der die heilige Stadt zertreten (o.: getreten) wird, 42 Monate lang. Sie entspricht der Zeit (1260 Tage), in der die zwei Zeugen in Jerusalem 1260 Tage lang weissagen (11,3), bis sie selbst – wie ihr Herr – getötet werden, getötet von jenem Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt (11,7).

In 12,6 wurde die Frau 1260 Tage in der Wüste ernährt, in V. 14 wird diese Dauer mit den Worten „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ angegeben. Es ist die „kurze Zeit“ (eigtl.: kleine Zeit; 12,12), in der der zu Boden geworfene Drache die Frau (bzw. die Übrigen ihres Samens) verfolgt, um sie zu vertilgen. Er weiß, dass er „wenig Zeit“ hat. In dieser Zeit wird die „Frau“ von Gott in der Wüste versorgt, wie das israelitische Gottesvolk im AT von Gott in der Wüste versorgt wurde.

Das sind die 42 Monate (13,5):, in denen es dem Tier gegeben ist, zu schalten und zu walten und gegen die Heiligen Krieg zu führen und sie schließlich zu „überwinden“ (13,7). Es ist die Bedrängniszeit, in der jene (zur Zeit der Off noch lebenden) Heiligen des ersten Jhdts. aufgerufen sind, auszuharren (13,9.10).

Diese dreieinhalb Jahre sind zugleich eine Anspielung auf die Zeit der Bedrängnis des Gottesvolkes im AT unter Isebel, die die Propheten Gottes verfolgte, sowie auf die Bedrängnis unter Antiochus, der viele von den Heiligen tötete und den Tempel Gottes und die heilige Stadt verwüstete.

V. 5: „Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der Großes redete und Lästerung.“

Ehrfurcht verbietet detaillierter zu berichten.

→ Wir lernen: Wenn es um Lästerungen geht, sollten auch wir sie nicht wiederholen, indem wir detailliert davon berichten. Allein das Hören einer Lästerung verunreinigt.

Die Zeloten hatte einiges gemeinsam mit Antiochus, dem Führer des vierten Reiches aus dem Buch Daniel. Sie entweihten den Tempel, setzten sich dort hinein und machten sich so zu „Gott“ (Dan 8,10-13; 11,31.36.37; vgl. 2Thes 2,4), sie verführten das Volk zu einem religiösen „Götzendienst“, zu einer gottlosen Religion der Gewalt (Dan 11,36-39), ihr Gott war der Krieg (11,38.39), und sie redeten Lästerungen, wie das kleine Horn von Dan 7 und 8.

7,20: „… es hatte Augen und einen Mund, der große [Worte] redete; … 25 Er wird Worte gegen den Höchsten reden und die Heiligen des Höchsten aufreiben. Und er wird darauf sinnen, [die] Zeiten zu ändern und [das] Gesetz. Und sie werden in seine Hand gegeben sein eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit.“

8,25: „Und er wird in seinem Herzen großtun; und mitten in der Unbekümmertheit wird er viele verderben. Und gegen den Fürsten der Fürsten wird er aufstehen.“

V. 5M: „Und es wurde ihm Vollmacht gegeben, zu schalten ‹und zu walten› zweiundvierzig Monate ‹lang›.“

Die Zeitspanne wird aus Dan 12,7.11 übernommen, doch hier in der Off im übertragenen Sinne gebraucht für jene kurze Bedrängniszeit der Heiligen in der Zeit vor der Zerstörung Jerusalems.

V. 6: „Und es öffnete seinen Mund zu Lästerung gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Wohnung und die, die im Himmel wohnen.“

Die Lästerung war gegen Gottes Namen (16,9; 2,23), gegen Gottes Zelt (im Himmel; 12,..) und gegen die Himmelsbewohner (die Gläubigen und die Engel). Anm.: Die Heiligen wohnen gleichsam im Himmel, im Gegensatz zu den Ungläubigen; sie wohnen „auf dem Land“ (o.: „auf der Erde“).

4. Der Krieg gegen die Heiligen: 13,7.8

V. 7: „Und es wurde ihm gegeben, …“

– nämlich: von Gott gegeben.

→ Wir lernen: Wenn Gott es zulässt, dass die Seinen verfolgt werden, so wissen wir aber doch, dass den Heiligen dennoch alles zum Besten dienen wird. Rm 8,38

„… Krieg zu führen mit den Heiligen und sie zu überwinden.“

Gott erlaubte es ihm, die Heiligen zu töten. Der Kaiser hatte Macht über die ganze damalige Welt. In V. 5 ist es der Satan, der dem Tier die Macht gibt, in V. 7 ist es Gott.

→ Wir lernen: Letztlich ist es immer Gott, der das Gericht schickt bzw. zulässt. Wenn Gott es zulässt, dass die Seinen verfolgt werden, wissen sie aber, dass den Heiligen alles zum Besten dienen wird (Rm 8,28).

V. 7: „… und sie zu überwinden.“

Vom Tier überwunden zu werden (13,7) bedeutet keine Niederlage. Im Gegenteil: Gerade diese vom Tier (scheinbar) „Überwunden“ sind die eigentlichen Überwinder: „… und [ich sah] die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens an dem ‹wie Glas› durchsichtigen Meer stehen“ (15,2).

In der Off wird die Christenverfolgung, die mit dem Brand Roms ihren Anfang nahm, als eine Schlacht der Heere des Tieres gegen den Christus (17,14; 19,14-19) dargestellt. Die Feinde sind hier wahrscheinlich die Zeloten und ihre Verbündeten.

V. 7M: „Und es wurde ihm Vollmacht gegeben über jeden Stamm und [jede] Sprache und [jede] Volksgruppe.“

Gott bestimmt, wie stark die Feinde sind, wie viele sie sind und was sie tun dürfen. Gott setzt dem Tier und seinen Heeren die Grenzen.

Unter den „Stämmen und Sprachen und Volksgruppen“ (vgl. 5,9; 10,11; 11,9; 14,6; 17,15; vgl. die ähnlichen Ausdrücke für Nebukadnezar, Darius und Cyrus in Dan 3,4; 4,1; 6,25.) sind aus dem gesamten römischen Reich diejenigen gemeint, die sich mit den Zeloten vereinigten; das waren vor allem Juden und Judengenossen (Proselyten). Sie huldigen dem Satan, der den Zeloten die Macht gab:

V. 8: „Und es werden ihm huldigen alle, die im Land (o.: auf der Erde) wohnen, …“

Es gibt nur zwei Möglichkeiten der Loyalität: Entweder ist man dem Lamm treu – oder dem Tier. Es gibt kein Dazwischen. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder nicht getan habt, habt ihr mir nicht getan“, sagte der Herr Jesus Christus (Mt 25).

„…, deren Namen nicht geschrieben sind in dem Lebensbuch des geschlachteten Lammes von Gründung der Welt an.“

Das Lebensbuch ist das Buch derer, die leben. Ins Lebensbuch werden diejenigen eingeschrieben, die durch das geschlachtete Lamm Leben erhalten. Die Namen der Erlösten sind „angeschrieben im Himmel“ (Lk 10,20), gleichsam in Gottes Gedanken eingraviert. Er ist für sie da. Die Gemeinde der Erstgeborenen ist „in den Himmeln eingetragen“ (Hebr 12,23).

Wie kommt man zur Gemeinde der Erstgeborenen? Durch eine Neugeburt von oben, auf Umkehr und Glauben hin (Joh 3,3.16). Wer glaubt, kommt zum „Leben“, erhält das Leben – in Christus.

Wie kommt man in das Buch des „Lebens“? Auf dieselbe Weise.

Folglich findet die faktische Eintragung der Namen im Augenblick der persönlichen Heilswende statt.

Von den Ungläubigen sagt der Herr: „Niemals kannte ich euch.“ (Mt 7,23). Damit will er sagen: „Ich habe euch noch nie ins Buch eingetragen. Ihr gehört nicht zum Gottesvolk. Ihr habt nie eine wirkliche Umkehr vollzogen.“

Das Buch des Lebens im NT ist das Buch derer, die leben – geistlich leben. Dort stehen die Namen der Glieder des neutestamentlichen Gottesvolkes. In Phil 4,3 sagt Paulus: „… samt Klement und den Übrigen, die mit mir wirkten, deren Namen im Buch des Lebens stehen.“

Die Ungläubigen (hier im Kontext handelt es sich um Juden) stehen nicht im Buch, haben nicht darin gestanden „von Grundlegung der Welt an“. Sie wurden nie eingetragen. Das geht aus Off 13,8 und 17,8 hervor: „… alle, die im Lande wohnen, werden ihn anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens – des geschlachteten Lammes – von Grundlegung der Welt an.“ (13,8)

„… und die Bewohner des Landes, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, …“ (17,8). Das ist ein Ausdruck für „die ungläubigen (nicht an Christus gläubigen) Bewohner des Landes“. Wenn hier betont wird, dass sie von Grundlegung der Welt an nicht im Buch standen, will ausgedrückt werden, dass sie trotz ihrer äußerlichen Zugehörigkeit zum fleischlichen Volk Israel nicht Glieder des wahren Gottesvolkes sind.

Wer nicht gerettet ist, kommt nicht in das Buch und steht nicht darin: „Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens geschrieben gefunden wurde, wurde er in den Feuersee geworfen.“ (20,15)

„Und auf keinen Fall wird eingehen irgendetwas Verunreinigendes und was Gräuel verübt und Lüge. Nur die, die im Lebensbuch des Lammes geschrieben sind, [werden eingehen].“ (21,27)

Off 3,5 blickt voraus auf die Zeit in der Herrlichkeit, wo man nicht mehr aus dem Buch des Lebens gelöscht werden kann: „Der, der überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen keinesfalls auslöschen aus dem Buche des Lebens…“.

Im AT war dieses „Buch“ das Buch der Glieder des Volkes Gottes. Alle wahren Glieder des Volkes Gottes stehen im Buch. Man kann gelöscht werden: Wer sündigt, muss sterben (2Mo 32,32.33): „‚Und nun, wenn du doch ihre Sünde vergeben wolltest! Wenn aber nicht, so lösche mich denn aus deinem Buch, das du geschrieben hast.’ 33 Aber Jahweh sprach zu Mose: ‚Wer gegen mich gesündigt hat, den lösche ich aus meinem

Buch.’“ – In manchen Zusammenhängen geht es bei dem Löschen um mehr als um den irdischen Tod: „Füge Schuld zu ihrer Schuld und lass sie nicht kommen zu deiner Gerechtigkeit. 29 Lass sie gelöscht werden aus dem Buch des Lebens und nicht eingeschrieben werden mit den Gerechten.“ (Ps 69,28.29) Die Gerechten bleiben im Buch. Die „zum Leben „Aufgeschriebenen heißen „heilig“ und haben Teil an der Herrlichkeit des Königreiches: „Und es wird geschehen: Wer in Zijon übriggeblieben und wer in Jerusalem übriggelassen ist, wird heilig heißen, jeder, der zum Leben aufgeschrieben ist in Jerusalem.“ (Jes 4,3)

Jeder, „der im Buch geschrieben gefunden wird“, wird gerettet werden (Dan 12,1) und einen „ewigen Namen“ „bekommen, einen, „der nicht ausgerottet werden soll“ (Jes 56,5).

(Nb.: An manchen Stellen ist die Rede von einem Buch des Vorauswissens Gottes. Wenn es heißt, dass Gott „alle Tage in sein Buch schreibt“, bedeutet das, dass er alle Tage im Voraus kennt. David betet (Ps 139,16): „Meine Urform sahen deine Augen; und in dein Buch waren sie alle geschrieben, die Tage, die einst gebildet werden sollten, und ‹zwar›, als [noch] keiner von ihnen war.“ (Vgl. Mal 3,16.) Das „Buch“ Gottes kann also von seiner Vorkenntnis sprechen. Vorkenntnis ist nicht notwendigerweise Vorherbestimmung.)

5. Aufruf an die Heiligen zur Treue: 13,9.10

V. 9: „Wenn jemand ein Ohr hat, höre er …“

Der Herr spricht vom „Ohr“. Das setzt voraus, was in 1,3 gesagt wurde: Das Buch wird vorgelesen.

Eine wichtige Aussage! Sie soll den Lesern jener Zeit helfen, sich bewahren zu lassen.

V. 9: Wer ein Ohr hat, soll hören – damals. Vgl. V. 18: Wer Verstand hat, soll rechnen – damals!

V. 9.10: „Wenn jemand ein Ohr hat, höre er. Wenn jemand in die Gefangenschaft führt, geht er in die Gefangenschaft. …“

Johannes wiederholt hier im Zentrum des Briefes, was der Herr sieben Mal in der Einleitung (K. 2 und 3) sagte. Dadurch wird klar: Johannes gibt der Gemeinde die Marschrichtung an. Wenn Gott es zulässt, dass das Tier gegen die Heiligen vorgeht und sie überwindet (tötet), was sollen die Heiligen tun? – Sie müssen es zulassen, dass sie getötet werden, so wie ihr Herr willig war, in den Tod zu gehen (Joh 16,33; Off 5,5).

Auf diese Weise werden sie – wie ihr Herr – den Sieg davontragen! – nicht einen Sieg dieser Welt, sondern einen, der weit über diese Welt hinausgeht (Rm 8,37).

Die Drohung, ins Gefängnis geworfen zu werden, gibt den Heiligen kein Recht, gegen die Regierung aufzustehen und zu rebellieren (Rm 13,1–7). Wenn die Regierungsmacht ihre Macht missbraucht, so gibt dieser Missbrauch niemandem das Recht zu rebellieren. Jesus Christus hat nicht solche Art von (fleischlichem) Widerstand geleistet.

V. 10: „Wenn jemand in die Gefangenschaft führt, geht er in die Gefangenschaft.“

Vgl. Jer 15,2: „Und es soll geschehen, wenn sie zu dir sagen: Wo sollen wir hingehen?, sage zu ihnen: So sagt Jahweh: Wer des [Pest]todes ist, zum [Pest]tod! Wer des Schwerts ist, zum Schwert! Wer des Hungers ist, zum Hunger! Wer der Gefangenschaft ist, zur Gefangenschaft!“

Die Anhänger des Tieres verfolgen die Heiligen. Das Martyrium ist in der Bedrängniszeit jener Jahre knapp vor der Zerstörung Jerusalems unausweichlich.

Wenn jemand von den Ungläubigen in die Gefangenschaft führt, geht er in die ewige Gefangenschaft.

V. 10M: „Wenn jemand mit dem Schwert töten wird, muss er mit dem Schwert getötet werden.“

{Vgl. Jer 15,2; 43,11.}

Wenn jemand töten wird, wird er mit Christi Schwert von Off 19 getötet werden.

So wird das Blut der Heiligen gerächt. Off 19,2; Lk 11,49-51.

Die Strafe, die die Juden den Heiligen auferlegten, bekommen sie zurück. Es ist wie bei Hamann und seinen Freunden im Buch Esther. Hamann wurde am selben Baum gehängt, wo er Mardochai hängen sehen wollte. Und die Feinde der Juden, die die Juden töten wollten, werden getötet.

Goog: Die Zeloten scheinen die „Völker/Heiden“ von Hes 38,8-16 zu sein, die sich gegen die „sichere Stadt“ wandten und sich dann gegenseitig selbst zerfleischten. Jene Heere sind eine Parallele zu Off 20,7–10.

V. 10E: „Hier ist die Ausdauer und der Glaube der Heiligen.“

Hier erweist sich Standhaftigkeit und Glaubenstreue der Heiligen. Hier wird sie sichtbar. Es wird sich lohnen, durchgehalten zu haben.

Obwohl die Heiligen dem Tier ausgeliefert sind (V. 5.7), so wird doch Gott sie bewahren, vor dem Abfall bewahren, und den Übeltätern Vergeltung zukommen lassen.

Wenn die Ungerechtigkeit überhandnimmt (Mt 24,12) und die Liebe in Vielen erkaltet (und man rücksichtslos und gesetzlos wird, und wenn Willkür herrschen wird), könnte man als Glaubender verwirrt werden, wenn man nicht wüsste, dass Gott im Regiment ist und jedem Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Gott ist auf dem Thron und hat die Sache in seiner Hand. Er ist die höchste Instanz der Justiz. Wir brauchen uns nicht zu verteidigen, wir können leiden. Und wir berufen uns auf die höchste Instanz.

V 10E: Man kann auch übersetzen: „Hier ist die Ausdauer und der Glaube der Heiligen [gefordert]!“

Von den Heiligen des 1. Jhdts. ist Ausdauer und Glaube (Treue) gefragt. Sie sollen standhaft und treu im Glauben bleiben. Und sie sollen Heilige bleiben.

Die Heiligen in jener Situation müssen sich widerstandslos dem erobernden Angriff des Tieres ergeben, denn nur auf diese Weise können sie das Tier in seinem bösen Vorgehen aufhalten. Das Böse fördert sich selbst, es breitet sich aus durch Böses. Wer daher mit Vergeltung vorgeht, schafft aus dem einen Übel zwei. Eine Kettenreaktion startet.

Aber wenn die Heiligen das Böse jener Verfolger in sich absorbieren und so außer Kraft setzen, tragen sie dazu bei, dass sich das Böse nicht weiter ausbreitet, sondern eingeschränkt wird. Auf diese Weise ist die große Trübsal für die Heiligen zugleich ein großer Sieg.

Wenn Gott es dem Tier erlaubt, gegen sein Volk Krieg zu führen und sie zu überwinden, was muss Gottes Volk dann tun? Sie müssen sich überwinden lassen – so wie ihr Herr es getan hat, sodass sie – wie ihr Herr – einen wahren Sieg gewinnen mögen, nicht einen dieser Welt.

6. Zur Identität des Tieres

a. Das Tier kann nicht Nero sein.

Das Tier kann nicht Rom oder der römische Kaiser Nero sein. Aus mehreren Gründen:

1. Das Tier trägt (fördert, befördert) die Hure. Es muss also dort sein, wo die Hure zu finden ist. Gemäß 11,7 war das Tier, das aus dem Abgrund stieg, in Jerusalem. Dort verfolgte und tötete es die „zwei Zeugen“ 11,7.8. Nero war nie in Jerusalem.

2. Die 5. Schale wird ausgegossen auf den Thron des Tieres und sein Königreich wurde finster (16,10ff). Das Reich, das um 70 n. Chr. „verfinstert“ (16,10) und gerichtet (19,11-21) wurde, war nicht das römische; Israel aber wurde „verfinstert“ (und dämonisiert, 18,2.3) und danach gerichtet.

3. Das Tier ist dort, wo die Schalen ausgegossen werden. Die Schalen werden ausgegossen auf das Land, auf die Meeresküstengegend und auf die Flüsse und Quellen im Land, dort, wo diese Menschen die Heiligen und Propheten verfolgt haben (16,6); das ist gemäß 18,24 und 19,2 dort, wo die Hure die Propheten getötet hat. Die Römer haben nie die Propheten getötet, Jerusalem aber (Mt 23,37).

4. Beim Ausgießen der siebenten Schale kommt Gottes Grimm in voller Wucht auf die Hure Babylon und auf die Städte der „Heiden“ (d. h.: der Juden, die zu Heiden geworden sind) dort im Land (16,19). Die Kelter von 14,19 wird außerhalb der Stadt (d. h.: außerhalb von Jerusalem) getreten, also auf die Umgebung der Stadt, das Gericht über die Stadt selbst aber wird in K. 14 noch nicht beschrieben. „1600 Stadien“ (14,20): etwa 300 km. Das passt nicht auf Rom, auf Palästina aber.

5. Der Falschprophet (kollektiv für die „falschen Propheten“) kommt aus dem Land. Der Name „falscher Prophet“ wird sonst auf Juden bezogen. Im Judentum der damaligen Zeit sowie im AT gab es viele „Falschpropheten“ (vgl. Mt 7,15; 24,11.24; Lk 6,26; Ag 13,6; 2Petr 2,1; 1Joh 4,1; Off 16,13). Das passt nicht auf Rom, auf Israel aber.

6. Schließlich wandte sich das Tier – zusammen mit den zehn „Hörnern“ – gegen die Hure. So wurde die Hure durch das Tier (das dort war, wo die Hure war, in Jerusalem, 11,7.8) verwüstet und getötet. Die Römer belagerten die Stadt außerhalb der Stadtmauern Jerusalems (März bis Sept 70 n. Chr.), sie waren aber nicht in der Stadt. In der Stadt selbst waren das Tier und die zehn Hörner. Das passt nicht auf die Römer.

7. Das Tier wurde beim Gericht (durch den König mit den blutroten Kleidern) getötet (Off 19,13; Jes 63,1ff). Rom wurde nicht getötet, auch die Bewohner von Rom nicht.

8. Das Tier hat Parallelen zu Antiochus in Dan 11 und zum Seleukidenreich (dem vierten Tier von Dan 7), daher der Hinweis auf die vier Tiere von Dan 7 in Off 13,1-3. Das vierte Reich bei Daniel ist nicht Rom. (Siehe die Daniel-Auslegung, TJ.)

9. Das Tier hatte an einem seiner Häupter eine Todeswunde, ist dann aber gleichsam aus dem Tode erstanden. Das passt nicht auf Nero, denn Nero erstand 68 n. Chr. nicht aus dem Tode; auch nicht auf einen anderen Kaiser. Die Off wurde vor dem Tod Neros geschrieben. Das Tier war etwas, das es früher in Israel gegeben hatte, dann aber verschwand und zuletzt gleichsam aus dem Tode erstand, und zwar, als der jüdisch-römische Krieg begann (66 n. Chr.).

10. Das Tier verfolgte die Heiligen – und zwar mit Hilfe der zehn Hörner. Nero verfolgte tatsächlich die Christen, aber die eigentlichen Träger der Verfolgung (durch die sich die Verfolgung ins römische Reich ausbreitete), waren nicht die kaiserlichen Truppen, sondern Juden, die ein Anliegen hatten, gegen die von Mose abgefallenen Nazarener-Nachfolger und vorzugehen. Das waren nach Ps 2,1.2 und Apg 4,25–27 nicht die Römer, sondern diejenigen, die sich mit den Römern zusammenschlossen, um den Messias ans Kreuz zu bringen: die „Völker und Volksscharen Israels“ (Ag 4,27). Sie verfolgten die Heiligen nach dem Brand Roms, ab Sommer oder Herbst 64 n. Chr. Vgl. auch 1Thes 2,12.

12. In der Verfolgung der Heiligen kämpfte das Tier (zusammen mit seinen Helfern, den zehn Königen) gegen Gott und das Lamm (Off 17,14; 16,14; 19,19). Die Hure war durch das Tier verwüstet worden, und zwar vor dem Kommen des blutroten Richters auf dem weißen Pferde vom Himmel. Das „Tier“ und seine Heere, die gegen die Heiligen vorgingen, wurden durch den blutroten Reiter vom Himmel selbst gerichtet, 19,16–21. – Das römische Reich wurde im Jahr 70 n. Chr. nicht gerichtet.

Off 19 geschah in direktem Anschluss an die moralische und materielle Verwüstung Jerusalems. Tier und Hure fanden ihren „Tod“ – historisch betrachtet – fast gleichzeitig. Das Neue Jerusalem kommt unmittelbar nach dem Fall des alten. Die Braut feiert Hochzeit unmittelbar nach der Exekution der Hure. Mit dem Fall des Alten kam das Neue. Das Neue ist eine geistliche Größe, nicht eine fleischlich-materielle. Das Neue Jerusalem (und das neue Land) ist ein himmlisches, es ist im materiellen Bereich nicht sichtbar. In den vollen Genuss des Neuen Jerusalems kann man erst nach dem eigenen persönlichen Verscheiden kommen, nachdem man seinen Lauf auf Erden vollendet hat. („Selige [sind] die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an.“ 14,13.)

13. Die Zahl 666 passt nicht auf Nero. Sie würde nur dann auf Nero passen, wenn man in hebräischer Umschrift die griechische Form seines lateinischen Namens schreibt, und das mit einer ungewöhnlichen Buchstabierung und mit dem Titel „Kaiser“; man müsste bei qjeesar (Kaiser) das Jota nach dem Q auslassen (נירון † קסר statt נירון † קיסר), was in den überlieferten damaligen Transkriptionen dieses Namens aber nicht gemacht wurde. (Siehe die Bemerkungen zu 13,18.)

b. Das Tier von Off 13 u. 17 kann nicht identisch sein mit dem vierten Tier von Dan 7.

Die Weissagungen im Buch Daniel handeln nicht von denselben Themen wie die im Buch der Offenbarung. Das vierte Reich in Dan 7 ist nicht Rom, sondern das ptolemäisch-seleukidische Königreich. Das „kleine Horn „ist Antiochus IV. Das soll im Folgenden näher ausgeführt werden.

Es gibt zwischen den „zehn Hörnern „von Dan 7,7.8.20.24 und denen von Off 17,3.7.12.16 große Unterschiede:

1. Das vierte Tier in Dan 7 hat nur einen Kopf, das Tier in Off 13 dagegen sieben. Alle vier Tiere von Dan 7 (Löwe, Bär, Parder und das 10–Hörner–Tier) haben insgesamt sieben Köpfe und zehn Hörner. In Off 13,1.2 werden die Elemente jener vier Tiere in umgekehrter Reihenfolge genannt: „Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen; sieben Köpfe und zehn Hörner hatte es …. 2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther; und seine Füße waren wie die eines Bären und sein Maul wie das eines Löwen. „Was zuletzt war, sieht er zuerst. Er sieht aber n die vier Tiere von Dan 7, sondern er sieht ein fünftes! Das war das Tier, das zur Zeit der Abfassung der Off als Reich an der Macht war.

2. Die zehn Hörner in Dan 7 bedeuten: „… es werden sich zehn Könige aus diesem vierten Königreich erheben. „Und zwischen den zehn Hörnern erwächst ein elftes, vor dem drei von den zehn ausgerissen werden („nach ihnen wird sich ein anderer erheben, und er wird drei Könige erniedrigen. „7,24; vgl. V. 8.20). Es wird nicht gesagt, dass das kleine Horn gleichzeitig mit den sieben anderen Hörnern regiert. Das ist gar nicht möglich, denn das 11. Horn erhebt sich erst nachher; und die anderen sind bereits vorher „Hörner“, d. h. Mächtige. Es ist auch nicht gesagt, dass 10 Mächtige gleichzeitig ein Königreich regieren und der elfte dann drei stürzt und mit den übrigen acht zusammen regiert. Der Text sagt, dass sich das elfte „Horn „nach den zehn erhebt; dass es drei Hörner (d. i. Könige) erniedrigen wird, könnte darauf hindeuten, dass es entweder drei bereits regierende Könige entmachtet oder drei (von ihrem Stand her) mächtige Personen, die Anwärter auf das Königtum sind und sich anschicken das Königreich zu regieren, ausschaltet.

Von den zehn Hörnern in Off 17,12–14 hingegen heißt es: „… zehn Könige, welche noch nicht ein Königreich bekamen; sie bekommen jedoch Vollmacht wie Könige eine Stunde mit dem Tier. „Sie regieren also nicht vor dem Aufkommen des „Tieres“, dann aber gleichzeitig mit dem Tier; sie bekommen mit dem Tier königliche Autorität. Und diese geben sie dem Tier (17,13): „Diese haben eine Meinung und übergeben ihre eigene Kraft und Vollmacht dem Tier.“

3. In Dan 7 führt nur das kleine Horn, das elfte, Krieg gegen die Heiligen, in Off 13 aber das Sieben–Köpfe–Tier als solches. Von den zehn Hörnern in Dan 7 wird nichts davon gesagt, dass sie gegen den Höchsten oder gegen die Heiligen des Höchsten Krieg führen. In Off 17,14 führen alle zehn Hörner Krieg gegen das Lamm.

4. In Dan 7,25, heißt es, dass die Heiligen in die Hand des kleinen Horns gegeben sein werden „eine Zeit und [zwei] Zeiten und eine halbe Zeit“ (d. s. gemäß 12,7.11 dreieinhalb Jahre). Aber in Off 13,5 wird dem gesamten Sieben– Köpfe–Tier als solchem „Vollmacht gegeben, zu schalten ‹und zu walten› zweiundvierzig Monate lang“. 42 Monate sind drei–einhalb Jahre. Wir beachten dabei, dass die fünf Zeitanga–ben, die im Buch der Off vorkommen (11,2.3; 12,6.14; 13,5), innerhalb der Vision vorkommen. Es wird für die gesamte (!) Wirkungszeit des Sieben–Köpfe–Tieres diese Zeit angegeben, nicht für die von nur einen der sieben Köpfe. Das heißt, die vollständige Wirkungszeit des gesamten Sieben–Köpfe–Tieres ist nicht länger als dreieinhalb Jahre (42 Monate). Diese Zeitangabe gehört aber zum Bild, ist daher nicht eins zu eins in die Realität zu übertragen. Das musste den Lesern der Off auch bald einleuchten, denn die Regierungszeit der einzelnen Köpfe des Tieres wäre ja viel zu kurz, um auf eine gesamte Wirkungszeit (aller sieben hintereinander regierenden Könige) von nur dreieinhalb Jahren zu kommen. Alle dementsprechenden Zeitangaben in der Off (11,2.3; 12,6.14 und 13,5) sind jeweils in Visionen (bzw. in zur Vision gehörenden Auditionen) eingebettet. Im Danielbuch hingegen sind alle Zeitangaben („Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit „[7,25; 12,7] „halbe Siebenheit „[9,26.27] sowie „1290 Tage „[12,11; vgl. 11,31]) nicht in die Vision eingebettet, sondern kommen jeweils in der Erläuterung des Engels oder in einer direkten Prophetie ohne Bilder (also im „Klartext“) vor. Es sind daher die Zeitangaben bei Daniel eins zu eins zu übertragen (also als tatsächliche dreieinhalb Jahre zu rechnen), die im Buch der Off hingegen gehören zu den Bildern, Bildern, die auf alttestamentliche Realitäten anspielen.

5. Das Tier mit den sieben Köpfen von Off 13 und 17 „ist auch ein achter, und er ist von den sieben“, d. h., von den sieben Köpfen (17,11). In Dan 7 aber ist das kleine Horn nicht einer „von den sieben Köpfen „der vier Tiere. Es erhebt sich erst nach den zehn Hörnern; und ist verschieden von ihnen (7,24): „Und die zehn Hörner [bedeuten]: aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen, und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorigen.“

Die Unterschiede zeigen, dass das Tier aus Off 13 nicht gleichgesetzt werden darf mit dem vierten Tier aus Dan 7 (bzw. dem vierten Reich aus Dan 2). Wenn das Tier aus Off 13 Rom ist, kann das vierte Tier aus Dan 7 nicht Rom sein.

Auch spricht der Zusammenhang im Danielbuch gegen eine Identifizierung des vierten Tieres mit Rom. Sowohl Dan 8,9ff als auch 11,21ff und 12,11 (vgl. mit 11,31) beziehen sich auf Antiochus. Das Buch Daniel war eine äußerst wichtige Botschaft für die (ab 538 v. Chr.) zurückgekehrten Juden der nachbabylonischen Zeit. Diese hatten von Hese–kiel und Jeremia göttliche prophetische Weissagungen über die Rückführung empfangen und über die darauf folgende Errichtung eines ewigen neuen Bundes (Jer 31,31ff; Hes 37,26) sowie über das Kommen des neuen „David“ (Jer 30,9; Hes 34,23.24; 37,24.25; vgl. Hos 3,5) bzw. des Sprosses Davids (Jer 23,5; 31,15) und über die Ausgießung des Geistes auf das Volk (Hes 11,19; 36,26.27; 37,14; 39,29; vgl. Joel 3,1–5; Sach 12,10.). Das Volk sollte durch Jahweh von seinen Sünden gereinigt und erneuert werden (Hes 36,25–29), und Gott würde sein „Heiligtum in ihre Mitte setzen in Ewigkeit“ (Hes 37,26.28). Das Volk erlebte die Rückführung und begann den Tempel zu bauen. Jedoch, als der Tempel nach Jahren der Unterbrechung endlich im Jahr 516/515 v. Chr. fertiggestellt war, zog die Herrlichkeit Jah–wehs nicht in den Tempel ein, es gab keinen König David, keine Ausgießung des Geistes und keinen Anbruch der herrlichen messianischen Zeit. Hatte Gott seine Verheißungen vergessen? Natürlich nicht!

In diese Situation hinein war die Botschaft des Daniel–buches von großer seelsorgerlicher Bedeutung. Die zurückgekehrten Juden erfahren nun durch Daniel, dass das Gottesreich noch nicht so schnell kommen werde. Zuerst werde – nach dem Perserreich – das makedonische Riesenreich Alexanders entstehen, und das Reich, das auf das Alexanderreich folgen sollte, werde ein gespaltenes Reich sein, und zwar zur Hauptsache das Reich der Ptolemäer in Ägypten (deren Herrscher in Dan 11 „Könige des Südens „genannt werden) und das Reich der Seleukiden (Syrien, Babylonien und der Großteil des Alexanderreiches bis Indien) im Norden (deren Herrscher in Dan 11 „Könige des Nordens „genannt werden). Eben dieses Reich ist das vierte von Dan 2 und 7. Das „kleine Horn „von Dan 7 kann daher niemand anderer sein als das „kleine Horn „von Dan 8, Antiochus IV Epiphanees, der große Bedränger der Juden in den Jahren der großen Drangsal Israels (167–164 v. Chr.) zur Zeit der Makkabäer. Er war es, der drei „Könige „vor ihm entmachtete. Er war es, der Gott lästerte, der die treuen Juden verfolgte und die von Gott eingesetzten Festzeiten und Gesetze änderte (7,24.25). Die Treuen Gottes wurden für eine Zeit von ca. 3 ½ Jahren (167–164 v. Chr.) in seine Hand gegeben (7,25), bis Gott selber ihn schlug (8,25E).

Ein weiterer Grund gegen eine Identifizierung des vierten Reiches von Dan 7 und 2 mit dem Römerreich ist die Tatsache, dass das vierte Reich von Anfang an ein geteiltes Reich war, während Rom von Anfang an eine Einheit bildete und bis ins 4 bzw. 5. Jahrhundert n. Chr. ein einiges Reich war. In Dan 2,40.41 heißt es: „Ein viertes Königreich aber wird stark sein wie Eisen, deshalb weil das Eisen alles zermalmt und zerschlägt, und dem Eisen gleich, das alles zertrümmert, wird es alle jene zermalmen und zertrümmern. 41 Und dass du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast: es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm sein, weil du Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast.“

Die Aussage ist deutlich: Es wird ein geteiltes Reich sein. Nicht: es wird nach einiger Zeit sich teilen.

Es wäre auch schwierig zu erklären, welche Bedeutung für die damaligen Heiligen eine derart detaillierte Prophetie über eine erst viel später eintretende Zweiteilung Roms haben sollte. Die ersten drei Reiche in Dan 2 und 7 sind Neubabylonien, Medopersien und das makedonische (griechische) Alexanderreich. Letzteres verfiel so schnell, wie es kam. Vgl. Dan 11,3.4: „Und ein tapferer König wird aufstehen, und er wird mit großer Macht herrschen und nach seinem Gutdünken handeln. 4 Und sobald er aufgestanden ist, wird sein Königreich zertrümmert werden und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden, aber nicht für seine Hinterbliebenen und nicht entsprechend der Macht, mit der er geherrscht hat, denn sein Königreich wird zerstört und anderen zuteilwerden, unter Ausschluss von jenen. 5 Und es wird mächtig werden der König des Südens, und einer von seinen Obersten, der wird über ihn hinaus mächtig werden und wird herrschen. Seine Herrschaft wird eine große Herrschaft sein.“

Der König dieses neugebildeten Reiches (V. 5), des Seleukidenreiches, wird in Dan 11 „König des Nordens“ genannt, der König des ptolemäischen Reiches „König des Südens“.

Das Reich, das auf Alexander folgte, war ein zweigeteiltes Reich. Es wurden mehrere Versuche unternom–men, es zu einen. Ein Versuch ist der, der in 2,43 beschrieben wird: „Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast – sie werden sich durch Menschensamen mischen, aber aneinander haften werden sie nicht, gleichwie Eisen sich mit Ton nicht vermischt.“

Dan 11,6 erklärt ausführlicher: „Und am Ende von Jahren werden sie sich verbünden, und die Tochter des Königs des Südens wird zum König des Nordens kommen, um einen Ausgleich zu bewirken. Aber sie wird nicht die Kraft behalten. Und er wird nicht bestehen noch sein Beistand. Und sie wird dahingegeben werden, sie und die sie zugeführt haben, und der, der sie gezeugt und unterstützt hat in jenen Zeiten. „Ebenso V. 17: „Und er wird sein Angesicht darauf richten, mit der Macht seines ganzen Königreiches zu kommen, Gerades im Sinne habend, und wird [entsprechend] handeln. Und er wird ihm die Tochter [seiner] Frauen geben, [aber nur,] um sie zu verderben. Und sie wird nicht bestehen, und ihm wird [durch sie] nichts werden.“

In Dan 11 wird weiter aufgezeigt, wie der stärkere Teil (das Eisen; d. i. der König des Nordens) des Öfteren versucht, den schwächeren Teil (den Ton; d. h., den König des Südens) zu besiegen. Auch das gelingt nicht (11,19.21.27.29.30).

Auf das vierte Reich folgt das ewige messianische Königreich (Dan 2,44; 7,13.14.18.26.27) und die Auf–erstehung der Toten (12,2.3). Das seleukidische Königreich dauerte zwar nur bis zum ersten vorchristlichen Jahrhundert an, aber es ist in der biblischen Prophetie üblich, dass der Prophet mit verkürzter Perspektive in die Zukunft blickt; d. h., er sieht nicht die unbestimmt lange Zeitperiode zwischen der näheren „Endzeit“ (d. i. bei Daniel die Zeit von Antiochus IV) und der ferneren Heilszeit – der Errichtung des ewigen Gottesreiches durch das Kommen des Messias. Und es wird im Alten Testament zwar das Kommen des Messias geschaut, es wird aber nicht unterschieden zwischen einem „ersten „und einem „zweiten „Kommen. Die „Endzeit“, die Zeit der messianischen Reichsaufrichtung, wird als „Punkt „geschaut, nicht als „Linie“, d. h., in der alttestamentlichen Prophetie werden die Endzeit (die „letzten Tage“, die Zeitspanne ab der Inthronisation des Messias, Apg 2 bis zu seiner Parusie) und die messianische Vollendungszeit (ab der Parusie des Messias) als zusammenfallend gesehen. Es ist zudem ein Charakteristikum der alttestamentlichen sowie der neutestamentlichen Prophetie, die messianische Zeit als auf die Vernichtung des gegenwärtigen (bzw. zeitlich näheren) Feindes des Gottesvolkes unmittelbar folgend zu erwarten. Daher erscheint das Kommen des messianischen Königreiches in Dan 7 als unmittelbar auf Antiochus folgend.

Die große Bedrängniszeit des Gottesvolkes unter Antiochus IV wird im Buch Daniel „Zeit des Endes „genannt (8,17.19.23; 11,35.40; 12,4.6.9) bzw. „Ende [o. Späte] der Tage“ (Dan 10,14). Sie dauert dreieinhalb Jahre („Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“, 7,25; 12,7) bzw. 1290 Tage (12,11; zum Begriff „Gräuel der Verwüstung „vgl. 11,31 und 8,11–13.). Diese dreieinhalb Jahre sind bei Daniel buchstäblich aufzufassen und auf die Zeit von 167 v. Chr. bis Ende 164 v. Chr. bezogen.

In der Off wird das alttestamentliche Motiv jener „Zeit, Zeiten und halbe Zeit“, in welcher das treue Gottesvolk (einerseits durch Antiochus, Dan 7,25; 12,7.11; andererseits durch Isebel, Jk 5,16; Lk 4,25; 1Kön 17 u. 18) verfolgt und bedrängt wurde, aufgegriffen und auf die große durch den Drachen (K. 12; vgl. 2Mo 1–19) und durch das Tier (K. 13) hervorgerufene Bedrängniszeit des neutestamentlichen Gottesvolkes bezogen, sowie auf die Zeit der Weissagung der „Zeugen“, die zugleich auch „Leuchter „sind (K. 11; vgl. K. 1–3; Sach 4) und ihren Zeugendienst bis zum Tode treu ausführen.

Viele Ausleger von Off 13 deuten das Tier als ein in der Zukunft noch zu erstehendes – bzw. in der Europäischen Union oder einer „Global–Union „sich verwirklichendes – neu erstandenes Rom, das die alten Elemente der römischen Kultur übernimmt bzw. übernehmen wird. Aber, dass Kulturelemente von einem Königreich zum anderen über–gehen, stellen die durch den Heiligen Geist geleiteten Verfasser anders dar. Z. B. sind im Tier von Off 13 Löwe, Bär, Panther und 10–Hörner–Tier enthalten; d. h., es hat in sich Elemente des babylonischen Löwen, des medopersischen Bären, des makedonischen Parders (Panthers) sowie des [ptolemäisch–] seleukidischen Zehn–Hörner–Tieres. Es selber aber ist keines der vier. Das Sieben–Köpfe–zehn–Hörner–Tier von Off 13 hat alle „Köpfe „der Tiere aus Dan 7 (Löwe, Bär und Zehn–Hörner–Tier haben je einen Kopf, der Parder [Panther] vier, macht sieben) und es hat auch die zehn Hörner des vierten Tieres aus Dan 7. Dadurch wird gezeigt, dass gewisse Elemente der Vorgänger–Reiche auf jenes Reich, das durch das Sieben–Köpfe–zehn–Hörner–Tier von Off 13 dargestellt wird, übergegangen sind.

Fazit: Das vierte Reich von Dan 2 und 7 ist nicht Rom und ist nicht identisch mit dem Tier von Off 13.

(Vgl. auch: Zöckler, Danielkommentar im Bibelwerk v. Lange; und: Moses Stuart, Commentary on the Book of Daniel, https://archive.org/details/bookofdaniel00stuarich )

c. Was sich eindeutig erkennen lässt

1. Aus Off 13,18 und 17,9ff wird deutlich, dass mit den sieben Köpfen auf dem Tier Menschen gemeint sind. Daraus wird deutlich, dass das Tier nicht eine Einzelperson sein kann.

2. Die Zahl des Tieres ist eines Menschen Zahl. Dieser „Mensch“ kann auch kollektiv aufgefasst werden, wie die Frau von K. 12 und der Falschprophet von 13,11-18 auch Kollektiva sind.

3. Das Tier muss ein Mensch (bzw. eine Gruppe von Menschen) aus dem 1. Jhdt. sein, vor der Zerstörung der „großen Stadt“ (11,7.8; 16,6.10; 18,24). Alles war „nahe“, Off 1,1.3; 22,6.10.

4. Das Tier kann nicht ein römischer Kaiser (oder mehrere römische Kaiser) sein, auch sonst kann es nicht „römisch“ sein, denn es befindet sich vor allem in Jerusalem (11,7).

5. In Off 7,1ff bemerkten wir durch den Zusammenhang, dass das „Land“ Israel ist.

6. In Off 8 bemerkten wir, dass das Begriff „Land“ („Erde“) mit dem Land von 7,1 korelliert.

7. In Off 13 werden durch jene Bilder Assoziationen zu Antiochus Epiphanes, dem alten Feind und Verfolger des wahren Gottesvolkes, Israel, hergestellt.

8. Josephus bezeichnet die Zeloten als „Tier“: Josephus, Jüd. Krieg 4:262 (4.4.3), 4:425 (4.7.4), 4:540 (4.9.8), 5:4 (5.1.1.4), 5:85 (5.2.5). Die Zeloten verwüsteten Jerusalem und machten den Tempel zu einer Gräuelstätte: 4:151 (4.3.7). Josephus erwähnt auch, dass die Zeloten, als sie gegen Rom rebellierten, zehn Generäle einsetzten, die über die sieben Regionen von Palästina regieren sollten. Er betont wiederholt, wie die rivalisierenden Zeloten einander töteten und auf diese Weise während der Zeit des jüdischen Krieges (66–70 n. Chr.) die Stadt Jerusalem verwüsteten und mit ihren Gräueltaten den Tempel entheiligten; vgl. 2Thes 2,4.

Wir stellen uns einige Fragen:
  • Wer waren die Verfolger der Heiligen in jener Zeit, als die Off verfasst wurde? Wer waren im 1. Jhdt. die eigentlichen Feinde Christi und der Christen?
  • Welche Macht, die die Heiligen in den Jahren der großen Drangsal ab 64 n. Chr., brutal verfolgte, wurde 70 n. Chr. besiegt?
  • Wer hat das Land (die Bevölkerung in Israel) verderbt (11,18; 19,2)?
  • Wer war die Synagoge des Satans? Vgl. Off 2,9; 3,9.
  • Wer waren die „Könige der Erde“ (bzw. „Könige des Landes“) von Ps 2,2 und Apg 4,26-28? Wer sind die „Könige der Erde“ (bzw. „Könige des Landes“) in der Off?
  • Welche Macht war wie tot gewesen und dann vor dem Beginn des Krieges zu neuer Macht erwacht, gleichsam aus dem Tode erstanden?
  • Wer ist die große Hure in Off 17.18?
  • Welche Macht hatte (durch Kolonien) weitgehende wirtschaftliche Beziehungen im Römischen Reich?
  • Welche Macht hat die Seinen „gestempelt“, was denen dann zum Schmerz und zur Qual wurde (Off 16)? Der Höhepunkt jener Macht ist der Fall der großen Stadt.
  • Wer waren letztlich diejenigen, die das Land Israel und seine Bewohner zum Aufstand gegen Rom verführten? Wer führte auf diese Weise in der Stadt die Zerstörung herbei?
  • Welche Macht hatte sich Propheten („Falschpropheten“) angeheuert, um ihre Sache voranzutreiben?
Das Tier ist in Jerusalem.

Dort steigt es aus dem Abgrund hervor (11,7), dort wütet es und führt es Krieg gegen die Zeugen Jesu (11,8; 13,1-10), dort wird es durch den Reiter auf dem weißen Pferd besiegt (19,11-21).

Das Königreich des Tieres ist dort, wo die Hure sitzt.

Wir beachten Off 16,2.10, vor allem 16,6 und vergleichen mit 18,24 und 17,6: Das Schalengericht ist ein Gericht über die Juden und im Besonderen über Jerusalem. Das Königreich des Tieres (16,10) ist dort, wo die Hure sitzt. Die Hure reitet auf dem Tier (17,3).

Der Drache ist jüdisch.

Er ist der Satan 12,9 (13,2) und Widersacher des jüdisch–davidischen Königreiches Gottes, der Widersacher des Samens der Frau von 1Mo 3,16. Dieser Widersacher gegen das Königreich Gottes und Christi wurde 70 n. Chr. verurteilt.

Die Frau von Off 12 ist das treue Israel.

Im AT war die Tochter Zion das treue Israel, der Kern des Volkes, der nicht in den Götzendienst abgefallen ist.

Das Bild ist aus dem AT genommen. Der Kampf zwischen Drache/Schlange und Frau ist alt, 1Mo 3. Aber es geht hier um die Endphase dieses Kampfes. Es geht um einen „Exodus“, (den zweiten Exodus Israels), nicht aus dem fleischlichen Ägypten (11,8) heraus, sondern aus dem fleischlichen Judentum. Das Ziel ist das neue Jerusalem. Zu Off 12,11: Die mutigen Märtyrer (von 12,5) sind schon am Thron, zusammen mit dem Lamm Gottes, das als Erster diesen Weg ging (5,5). Diese mutigen Treuen (der Knabe von 12,5) sind der erste Teil der Märtyrer. Sie folgten dem Lamm. Sie haben überwunden durch das Lamm.

d. Wir rufen einige Texte in Erinnerung und ziehen einen Schluss.

1. Das göttliche Gericht ergeht über die „große Stadt“, die Hure Babylon, die auch „Sodom“ und „Ägypten“ heißt (11,8), wo der Herr gekreuzigt wurde (11,8). Diese Stadt ist Jerusalem. Die Feinde, die „zehn Hörner“, arbeiten mit dem Tier zusammen und „fressen“ und „verbrennen“ schließlich die Hure (17,16).

2. Dieselben „zehn Hörner“ kämpfen ebenso gegen Gott (17,14), d. h., sie verfolgen die Heiligen, wie auch das Tier die Heiligen verfolgt (13,7).

3. Die Feinde – die Könige des Landes (o.: der „Erde“) und ihre Heere, das Tier und der Falschprophet – sammeln sich zum Krieg gegen Gott, verfolgen die Heiligen (16,13–16), und werden von dem Reiter auf dem weißen Pferd besiegt (19,19–21). Tier und Falschprophet werden in den Feuersee geworfen, die Könige des Landes und ihre Heere werden getötet.

4. Die römischen Heere umzingeln Jerusalem und nehmen es schließlich ein (Lk 19,43.44; 21,20).

Wir haben es mit zwei Fronten zu tun:

a) Die eine Front: das Tier und die zehn Könige und der Falschprophet verderben die Bevölkerung der Stadt und des Landes.

b) Die andere Front: das Tier und die Könige des Landes und ihre Heere kämpfen gegen Gott, indem sie die Heiligen verfolgen. Das Tier und die Könige und ihre Heere werden schließlich getötet.

Die historischen Fakten 70 n. Chr.: Jerusalem ist zerstört und die Zeloten (mitsamt denjenigen, die mit ihnen gegen die Heiligen in aller Welt vorgegangen waren) sind getötet. Die Römer, Kaiser Vespasian und der General Titus leben noch. Die Juden, die überleben, werden z. T. als Sklaven in alle Welt verkauft.

(Anm.: Sie werden dann nicht mehr als „Nation“ (genetisches Volk), sondern als Einzelpersonen gehandelt. Die Rabbinischen Juden gründeten nach 70 n. Chr. die rabbinische (talmudische) Religion, genannt das „Judentum“. Die Juden als genetisches Volk gibt es nicht mehr, sie können auch nicht mehr eruiert werden, da sämtliche Geschlechtsregister bei der Zerstörung Jerusalems verbrannt wurden.)

Der Schluss:

Das zelotische Tier mit seinen Verbündeten, den „zehn Königen“ und dem Falschpropheten, verderbte und zerstörte durch sein Treiben die Bevölkerung der Stadt und verfolgte und tötete die Heiligen. Danach gebrauchte Gott die Römer zum Gericht über Stadt, Tempel, Tier, Falschprophet und ihre Heere.

7. Exkurse:

a. Der Brand Roms und die Christenverfolgung unter Nero

Der Brand Roms ereignete sich am 18. Juli des Jahres 64 n. Chr. und soll neun Tage gedauert haben.

Das jüdische Viertel in Rom lag jenseits des Tibers und wurden vom Feuer verschont, dort wohnten auch viele jüdischen Christen. Wegen der guten Beziehungen der Juden zu Nero (über dessen Frau Poppaena, die eine Proselytin war) schob Nero die Schuld der Brandlegung nicht den Juden zu. Ob es die Juden waren, die Nero auf die Idee brachten, die Schuld auf die Christen zu schieben, wissen wir nicht. Viele Christen waren jüdischer Herkunft. Der Gedanke ist nicht abzuweisen, dass Juden, die verschont blieben, die Schuld auf die jüdischen Christen schoben.

Die allgemeine Christenverfolgung begann einige Monate nach dem Brand Roms. Es ist nicht bekannt, wann genau.

Tertullian (gestorben um 230 n. Chr.) schreibt im Jahre 197, dass Nero der erste gewesen sei, der gegen die christliche Lehre mit dem kaiserlichen Schwert wütete, nachdem er ihr volles Aufblühen in Rom verhindert hatte. An anderer Stelle erwähnt er, dass das einzige Dekret Neros, das bei seinem Tode nicht aufgehoben wurde, dasjenige gegen die Christen war. Nero starb am 8./9. Juni 68 n. Chr.

Anm.: Moses Stuart (1845), Offenbarungskommentar, Bd 1, S 222ff) vertritt die Meinung, dass die Verfolgung 64 in Rom begann und sich dann über das ganze Reich ausbreitete, war die vorherrschende Meinung in der Antike. Verfechter dieser Meinung sind Baldwin (Comm. ad Edicta Imper.), Launoius, Dodwell, Mosheim u. a. Quellen: bei Moses. Stuart, S. 279 (Mosh. Comm. de Reh. Chr., § 64;; De Vignoles, Dissertat. de causa et Initio, Persecut Neron., in Massons Hist. Critique, VIII, p.74ff).

Die Offenbarung bezeugt, dass es damals bereits Verfolgung gab: Johannes selber war auf Patmos (1,9); Ephesus war ausdauernd im Ertragen des Bösen, 2,3; Symrna litt Verfolgung und Leiden, 2,10; In Smyrna kam das Leiden von Seiten der Juden, 2,9; 3,9. Pergamus hatte einen Märtyrer zu beklagen, 2,13; Philadelphia und den anderen stand eine schwere Leidenszeit (Prüfungszeit) bevor, 3,10; der Widerstand kam von Seiten der Juden, 2,9; 3,9. Alle Gemeinden werden aufgerufen, zu überwinden. Off 6,10.11 zeigt, dass es bereits ermordete Heilige gab.

Petrus warnt im Jahr 63 bzw. 64 n. Chr. vor Verfolgung in Kleinasien: 1Petr 1,6.7; 3,14.17; 4,1.7.13–19; 5,9.

Die Heiligen wurden mit den Juden gleichgestellt. Als der Hass gegen die Juden wuchs, vor allem, als der jüdische Krieg begann (66/67 n. Chr.), wuchs auch der Hass gegen die Heiligen überall in den Provinzen.

Die Meinung, dass die Verfolgung 64 n. Chr. in Rom begann und sich dann über das ganze Reich ausbreitete, war die vorherrschende Meinung in der Antike.

Tacitus schreibt über die neronische Christenverfolgung: „Um daher das Gerede zu beenden, gab Nero denen, die wegen ihrer Schandtaten verhasst das Volk Heiligen nannte, die Schuld und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen. […] Anfangs wurden nur solche ergriffen, welche sich dazu bekannten, und dann, auf deren Anzeige hin eine ungeheure Menge nicht nur der Brandstiftung als auch des allgemeinen Menschenhasses überwiesen. Bei ihrem Tod wurde auch noch Spott mit ihnen getrieben, indem sie, bedeckt mit den Fellen wilder Tiere von Hunden zerrissen oder ans Kreuz geheftet starben oder zum Feuertode bestimmt, sich zur nächtlichen Erleuchtung verbrennen lassen mussten, wenn sich der Tag neigte. Nero hatte seinen Park zu diesem Schauspiele geöffnet und gab ein Zirkusspiel, wobei er sich im Aufzug eines Wagenlenkers unter das Volk mischte, oder auf dem Wagen stand.“ (Tacitus, Annalen 15,44; dt. Übers. W. Bötticher/A. Schaefer)

„Doch weder durch humanitäre Hilfe noch durch Schenkungen des Kaisers oder Sühneopfer für die Götter wollte die üble Nachrede (infamia) weichen; man blieb vielmehr des Glaubens, es habe auf [allerhöchsten] Befehl gebrannt. Um also dem Gerücht ein Ende zu machen, schob Nero andere als Schuldige vor (subdidit reos) und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen: diejenigen nämlich, die bei der ungebildeten Menge, wiewohl ihrer Schandtaten (flagitia) wegen verhasst, die Chrestianoi hießen. Der Name leitet sich [indes] von Christus her, welcher unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war; [dadurch] für den Augenblick unterdrückt, brach der verderbliche Aberglaube wieder aus, [diesmal jedoch] nicht nur in Judäa, von wo das Unheil ausgegangen, sondern auch in Rom, wo sich ja die Gräuel und Gemeinheiten aus aller Welt ein Stelldichein geben und begeisterten Anklang finden. Zunächst also griff man diejenigen auf, die bekannten [zu ergänzen wohl: sie seien Christen], hernach auf deren Anzeige hin eine riesige Menge, und überführte sie nicht so sehr der Brandstiftung, als [dass man sie] vielmehr [aufgrund] allgemeinen Menschenhasses [als Verbrecher erwies]. Dazu trieb man mit den Todgeweihten noch seinen Spott: in Tierfelle eingenäht, ließ man sie von Hunden zerfleischen; andere wurden an Kreuze geschlagen [oder zum Feuertod bestimmt] (und nach Einbruch der Dunkelheit zur nächtlichen Illumination abgebrannt. Für dieses Schauspiel hatte Nero seine Gärten zur Verfügung gestellt; auch veranstaltete er ein Zirkusspiel, wobei er sich selbst, als Wagenlenker verkleidet, unter die Menge mischte oder einen Rennwagen bestieg. So kam es, dass sich gegen die, die doch schuldig waren und die ärgsten Strafen verdienten, Mitleid regte, als ob sie nicht dem Gemeinwohl, sondern zur Befriedigung der Mordlust eines einzelnen geopfert würden.“ (15,44,2–5; Quelle: E. Koestermann, Cornelius Tacitus Annales, BT, 2/1965)

Eusebius zitiert Justin Märtyr, der sagte, die Juden im ganzen Reich hätten mehrmals falsche Gerüchte gegen die Christen losgetreten, um bei den römischen Behörden ein Vorurteil gegen die Christen zu erwecken. (Eusebius, Eccl. Hist. 4,18 und 4,26)

Warmington (in: Nero, Reality and Legend, S. 127) meint, das eigenartige Schweigen späterer Generationen über die neronische Verfolgung in Rom sei darauf zurückzuführen, dass wohl die gesamte christliche Gemeinde in Rom damals ausgelöscht wurde.

Josephus Flavius, der zur Zeit des Brandes Roms in Rom war, erwähnt kein Wort von den Christen. (Ant. 20,8,2–3). Das ist suspekt; viele Historiker sind erstaunt, dass er weder das Feuer noch die Christenverfolgung erwähnt. Wusste er von den jüdischen Verleumdungen und schwieg er gerade deshalb? Josephus hatte (über Aliturius, Josephus, Live, 1,16) gute Beziehungen zu Nero und Poppaena. Außerdem waren Agrippa und Bernice seine Freunde in Rom. Es ist möglich, dass sie ihm geraten hatten, nichts vom Feuer zu erwähnen.

Jos schrieb 70–79 sein Werk De bello Iudaico (Vom jüdischen Krieg), aber erwähnt keine Christen. Er erwähnt Christen erst 93 n. Chr. in Antiquitstes (Jüdische Altertümer), 18,3,3 (18,64): „Und bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort (eἰς ἔtι te νῦν tῶν Χριstιaνῶν ἀpὸ tοῦde ὠνοµasµένον οὐκ ἐpέλιpe tὸ fῦλον; w.: „Bis zur jetzigen [Zeit] hat der Stamm der Christen, der sich nach ihm benennt, noch kein Ende gefunden.“)

Orazio Marucci, ein katholischer Gelehrter, erwähnt (in: Manual of Christian Archeology, S 29) römische und italienische Quellen, die anzeigen, dass die neronische Verfolgung „durch das ganze römische Reich sich ausweitete“, denn „die Christen wurden als Feinde der menschlichen Rasse betrachtet“.

F. Schaff (in: Geschichte der christlichen Kirche) zitiert Vertreter der Meinung, die neronische Verfolgung war im ganzen Reich verbreitet: Der christliche Autor Orosius (400 n. Chr.; Hist. VII,7), Sulpicius Severius (Chron. II,28f). Wieseler (in: Christenverfolgungen der Caesaren, S. 11) schreibt: „Nero verbot das Christentum als gefährlich für den Staat.“ Eine Inschrift in Pompeij zeugt (nach Kiessling und De Rossi) von blutiger Verfolgung unter Nero. Nero setzte in Rom ein Zeichen, das nicht zu übersehen war und großen Einfluss auf die Provinzen hatte und Hass gegen die Christen zur Folge gehabt haben könnte.

Wenn die Offenbarung des Johannes auf 64 datiert wird, könnte die Verbannung des Johannes auf Patmos eine direkte Auswirkung der Christenverfolgung gewesen sein.

b. Über den Kampf des Drachen und des Tieres. Verbindungen zu Off 20
Das Wüten des Drachen in Off 12 – und die Verbindung mit der Vision von 20,7ff.

Das Wüten des Drachen von 12,12.13 (kurze Zeit) ist die Verfolgung von 13,5.7 (und geht, wie es scheint, parallel mit 20,7).

Das würde bedeuten, dass mit dem Herabwurf von 12,9 die Gebundenheit des Drachen (20,1-3) aufhörte. D. h.: die 3,5 Zeiten der Verführung war die Zeit, wo er „die Völker“ verführte (im Bild sind es zwei: den Goog und den Magoog; das Bild ist das aus Hes 38.39), vorzugehen gegen das neue Jerusalem (bzw. gegen das Heerlager der Heiligen, d. h.: die Heiligen die noch „unterwegs „sind).

NB: die „Völker“ von Hes 38.39 sind dort in der Prophetie Nicht-Volk-Gottes. Die „Völker/Heiden“ von Off 20 sind ebenfalls Nicht-Volk-Gottes, hier wahrscheinlich aber jüdisches Nicht-Volk-Gottes. Die Juden, die Christus verfolgten, waren geistlich gesprochen zu Nichtjuden (Fleischeskindern; Gal 4) geworden.

Mit den „Völkern“ in Off 20,7 können also die ungläubige Juden gemeint sein, die gegen die Heiligen vorgingen – in der Zeit der Christenverfolgung. Die Zeloten stachelten die Juden auf, während der neronischen Verfolgung gegen die Heiligen radikal vorzugehen und sie auszurotten. Das war die „große Bedrängnis“ der Heiligen.

Die Parallele zwischen Off 12 und 20,4

Off 12 hat so manche Parallelen mit Off 20.

In Off 20,4 sind die Treuen aus dem Kampf von K. 13 und 14 mit eingeschlossen. Jene Malzeichen-Überwinder (aus K. 13; 15,2–4) sind in 12,11 noch nicht dabei, denn 12,11 beschreibt die Situation vor dem Kampf von K. 13.

Die Überwinder von 15,2–4 bilden die „Übrigen“ des Samens, d. h. die restlichen Treuen, 12,17.

Die Frau von K. 12 ist kollektiv aufzufassen. Der Knabe stellt die einzelnen dar (Off 12,5.11; vgl. Jes 66); diese sind der erste Teil der Märtyrer. Der Rest der treuen Märtyrer sind, die, die noch nachkommen sollten. Sie sind die „Übrigen“ vom Samen der Frau. Von deren Kampf wird sodann in K. 13 berichtet (prophetisch).

In 14,1ff. sieht man die gesamte Schar der Märtyrer (inklusive die Märtyrer aus der großen Bedrängniszeit) bereits auf dem Zion. Danach sieht man sie nochmals in 15,2–4, jenseits des „gläsernen“ Meeres, am anderen Ufer stehend, wo man das Lied des Lammes und des Mose, d. h. das Überwinder-Lied, singt. Die Parallele zu 2Mo 15 ist offensichtlich.

Die Wüste (Off 12,6.14) stellt die Zeit der Prüfungsphase (Erinnerung an die 40 Jahre Prüfung des Gottesvolkes in der Wüste) des (zur Zeit der Abfassung des Briefes geschriebenen wahren) Israels dar. Hier sind es „1260 Tage“ bzw. „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“, eine Anspielung auf die Bedrängnis des Gottesvolkes unter Antiochus (Dan 7 und 12). Die Prüfungszeit des Gottesvolkes deckt sich mit der „kurzen“ Zeit des Drachen, die Zeit, in der „der Teufel los“ ist (Off 12,12E; 20,3E.7.8).

Weitere Parallelen zwischen Off 12 und 20:

Der Drache (die alte Schlange, Teufel, Satan) 12,9 // 20,2

„… der das ganze Weltreich irreleitet“ 12,3 // 20,3.8 („damit er die Völker nicht länger irreleite“)

Der Drache führte Krieg und seine Boten 12,7 // 20,9 („sie stiegen .. hinauf ..umzingelten das Heerlager der Heiligen“

Der Drache wurde … geworfen 12,9.10.13 // 20,3 („warf ihn …“)

Er weiß, dass er wenig Zeit hat 12,12 // 20,3 („danach muss er für eine kurze Zeitspanne freigelassen werden“)

… einen Männlichen, der allen Völkern ein Hirte sein wird 12,5 // 20,4 („… Gericht wurde ihnen gegeben“)

… entrückt zu Gott und seinem Thron 12,5 // 20,4 („Throne – und sie setzten sich darauf“)

… durch das Wort ihres Zeugnisses 12,11 // 20,4 („die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu …“)

… liebten nicht ihre Seele bis zum Tod 12,11 // 20,4 („die Seelen derer, die .. wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren“)

Jetzt ist die Königsherrschaft … unseres Gottes geworden und die Macht seines Gesalbten 12,10 // 20,4.6 („herrschten mit dem Gesalbten … 6 … Priester Gottes und des Christus …, … werden ‹als Könige› herrschen“)

Ihr Himmel und die ihn ihnen Wohnenden 12,12 // 20,9 („… die geliebte Stadt“)

Wehe dem Land und dem Meer 12,12 // 20,8 („… um in die Irre zu leiten die Völker, die an den vier Ecken des Landes ‹sind›“)

Er führte Krieg … verfolgte die Frau …Krieg …12,7.13.17 // 20,9 („sie stiegen auf die breite Ebene des Landes und umzingelten das Heerlager der Heiligen“)

Die Situation der Briefempfänger und ihr Kampf

Der Brief (Off 1–22) war an jenen zweiten Teil der Treuen geschrieben, die zu jener Zeit unmittelbar vor dem Endkampf standen. Daher ist die Botschaft dieses Briefes von so großer Dringlichkeit (1,1.3; 22,6.10). Diese Heiligen sollten durch den Brief in besonderer Weise ermutigt werden, ihr Leben hinzugeben und sich in die Reihe der Märtyrer einreihen zu lassen. Eben dadurch würden sie das Tier und den Satan überwinden!

Einige Details des Kampfes jener Heiligen werden in Mt 24 und Parallelen erwähnt, aber auch in Off 16.

In 16,12–16 (6. Plage) ist auch von dem Krieg des Tieres (und der „Könige der Erde“ bzw. „Könige des Landes“) gegen Gott und das Gottesvolk die Rede: der Krieg ist der „Krieg jenes großen Tages Gottes des Machthabers über alles“.

Die Fortsetzung des Berichtes (und die Darstellung des Endes jenes Kampfes gegen Gott und sein Volk) haben wir in Off 19,19–21 (das Tier und sein Gericht) und ebenso in Off 20,7ff (dort aus einer anderen Perspektive, denn in Off 20 ist ein Hauptthema das Gericht über den Drachen).

C. Der sichtbare Feind: Das Tier vom Land: Irreführung der Heiligen: 13,11–18

1. Die Beschreibung des zweiten Tieres: 13,11–14A

V. 11A: „Und ich sah ein anderes Tier aufsteigen aus dem Land.“

Beide Tiere, das aus dem Meer und das aus dem Land, „steigen herauf“ (d. h.: steigen heraus aus dem Untergrund), was wahrscheinlich darauf hindeutet, dass sie dämonischer Herkunft sind.

Das zweite Tier bekommt später die Bezeichnung „falscher Prophet“ (16,13). Von „falschen Propheten“ schrieb Johannes auch in 1Joh 4,1: „Viele falsche Propheten sind in die Welt (d. h.: in die jüdische Welt) hinausgegangen.“

„…aus dem Land“: „Land“ steht hier im Gegensatz zum „Meer“ und ist hier wahrscheinlich ein Hinweis auf das Land Israel, wie z. B. in Off 7,1; 10,2-5. Johannes zeigt, dass ein wildes „Biest“ (d. h.: ein Falschprophet) sich aus Israel erheben und die Heiligen irreführen werde. Das Ergebnis der Irreführung soll sein, dass die Verführten beginnen so zu denken, wie das „Tier“ vom Meer.

Eine alttestamentliche Parallele könnte der falsche Hirte aus Sach 11,15–17 sein, wir wissen es nicht.

V. 11M: „Und es hatte zwei Hörner …“

Das Horn steht für Kraft, Stärke.

„… gleich einem Lamm und redete wie ein Drache.“

Das Wort „Lamm“ kommt in der Off 29-mal vor, 28-mal (4-mal sieben) ist es auf Jesus Christus bezogen, einmal auf den Falschpropheten.

Seine Lehre ist das Irreführende. Er wirbt für das erste Tier. Seine Erscheinung ist sanft, wie ein Lamm; er tritt auf wie Jesus, aber der Inhalt seiner Lehre verrät, woher er kommt bzw. wessen Diener er in Wahrheit ist. Er redet (vom Inhalt her betrachtet) wie der Satan. Jesu Schafe kennen die Stimme des guten Hirten, hören nicht auf den falschen (Joh 10).

Das Tier aus dem Land hat Autorität, vom Meer-Tier delegierte Autorität. Es bringt die Menschen im Land (Israel) dazu, das Tier anzubeten. Er tut sogar Wunder. Und er schrickt nicht vor Mord zurück. Er ist ein Repräsentant des Meer-Tieres und hat einen ähnlichen Charakter wie dasselbe, ist ihm aber unterstellt.

Der Zusammenhang mit K. 12 bestätigt, dass es um Israel geht. Der Drache sowie das Tier aus dem Meer und das aus dem Land gehen in aktiver Feindschaft gegen die Frau vor und gegen den Überrest ihres Samens (die einzelnen Heiligen der treuen „Tochter Zion“.

Im 1Joh-Brief (der wahrscheinlich etwa um die gleiche Zeit verfasst wurde wie die Offenbarung) schreibt Johannes, dass sich die Dinge so weit entwickelt haben, dass viele Antichristusse erschienen sind:

1Joh 2,18.19: „Kleine Kinder, es ist [die] letzte Stunde. Und demgemäß, wie ihr hörtet, dass [der] Antichristus kommt, sind jetzt sogar viele Antichristusse gekommen, woran wir merken, dass es [die] letzte Stunde ist. 19 Von uns gingen sie aus. Sie waren jedoch nicht von uns; denn wären sie von uns gewesen, wären sie gewisslich bei uns geblieben. [Es geschah] jedoch, damit offenbar gemacht würde, dass nicht alle von uns sind. … 22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Gesalbte ist? Der ist der Antichristus, der den Vater und den Sohn leugnet.“

Viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen (4,1). Dadurch konnte man in jenen Jahren, als Johannes schrieb, erkennen, dass es die „letzte Stunde“ ist. Mit „Welt“ ist – wie im Joh–Evangelium – die jüdische gemeint. Johannes schrieb über die Zeit vor 70 n. Chr.

Anm.: In 1Joh 3,9 unterscheidet Johannes deutlich zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels. Auch hier könnte der Kontext ein jüdischer sein. (S. Cornelius Vanderwaal, Search the Scriptures Vol. 10 (St. Catharines, Ontario: Paideia Press, 1979), pages 60, 61; zit bei Ed Stevens, „Beast“.)

V. 12: „Und es übt alle Vollmacht des ersten Tieres vor ihm aus, …“

Vgl. a. Off 15,2 und 19,20. Es besteht kein Zweifel, dass sich das, was im Folgenden beschrieben wird (einschließlich das Malzeichen) auf das erste Tier (13,1-10) bezieht. Das zweite Tier ist der Mitarbeiter des ersten.

„… und es macht, dass das Land, die, die auf ihr wohnen, dem ersten Tier huldigen, dessen Todeswunde geheilt wurde.“

Zur „Todeswunde“ siehe die Bemerkungen oben (V. 3).

V. 13: „Und es tut große Zeichen, sodass es auch Feuer aus dem Himmel auf das Land niederkommen lässt vor den Menschen.“

Johannes sah in der Vision, wie das zweite Tier große Zeichen tat, ähnlich den alttestamentlichen Falschpropheten, vor denen in 5Mo 13,1.2 gewarnt wird. Das Tier ist ein „falscher Elia“, lässt Feuer vom Himmel fallen, um durch seine Wundertätigkeit dem ersten Tier den Weg zu bereiten.

Dieses Tier führt in die Irre „kraft der Zeichen“. Es ist vorstellbar, dass die falschen Propheten Israels in den Jahren 66-70 n. Chr. dämonisch gewirkte Zeichen taten (vgl. Eph 6,10–12). Zauberei war damals weit verbreitet (Apg 13,6ff; 16,16; 19,13ff.).

Der Herr Jesus Christus hatte vorausgesagt (Mt 24:24): „… denn es werden falsche Gesalbte und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder darbieten, sodass irregeführt werden, wenn möglich, auch die Erwählten.“

Das Tier ist „falsch“, ein „falscher Prophet“ (Off 16,13). Das ist sein Wesen. Es geht mit Lügenkräften um.

Jesu Jünger wirkten wahre Wunder. Dieses Tier wirkt Lügenwunder zur Bestätigung der eigenen Autorität. Wie die Zauberer Pharaos, die die göttlichen Bestätigungszeichen nachahmten (2Mo 4,21; 7,9f.20; 11,10).

Das Tier lässt Feuer vom Himmel fallen, wie die Zeugen in Off 11. Dieses Tier ist eine Karikatur der „zwei Zeugen“ von K. 11 sowie Elias, des größten der AT Propheten (1Kön 18,36ff; 2Kön 1,9ff; Lk 9,51ff).

„… große Zeichen“: Groß waren sie in den Augen derer, die sie für wahr/echt hielten. Sie waren Zauberer wie Simon u a. Apg 8,9; 13,6. Ephesus war am meisten dem Götzendienst der Heiden ergeben (Apg 19,19–34).

Solche Wundertäter (Zauberer) gab es bereits im AT (5Mo 13,1–5; 2Mo 7,8–13; Jes 2,6).

V. 14A: „Und es leitet die, die im Land wohnen, in die Irre kraft der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurden, …“

Die Irreführung ist groß. Vgl. 2Thes 2,8.9.

→ Wir lernen: Der Mensch ist anfällig für Verführung. Er ist darauf angelegt, geführt zu werden. Wenn er sich nicht vom dem wahren Christus führen lässt, wird er Gefahr laufen, sich von dem falschen Christus in die Irre führen zu lassen. Die beste Bewahrung gegen Verführung ist, in Treue die Liebe und das Vertrauen zu Jesus zu halten. Pflegen wir es!

Die falschen Propheten waren von den Zeloten angeheuert, die Bevölkerung in Jerusalem und Israel zu verführen, dass sie beginnen sollten, so zu denken, wie die Zeloten.

2. Die Lehre des zweiten Tieres: 13,14M–17

a. Betet das Bild an: 13,14M.15

V. 14M: „… und sagt denen, die auf dem Land wohnen, sie sollen dem Tier, das die Schwertwunde hat und [wieder] lebte, ein Bild machen.

Ds Bild (i. S. v.: Standbild) ist eine Anspielung auf Nebukadnezars Standbild in Dan 3.

V. 15: „Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Geist zu verleihen, damit das Bild des Tieres auch spreche.“

Das Verleihen mit Geist ist Teil der Vision. Wie das im Detail erfüllt wurde, wissen wir nicht. Sicher ist, dass es den Menschen und bösen Geistern nicht gegeben ist, tatsächlich Leben zu schaffen. Von „Leben“ ist in V. 15 nicht die Rede. Sie machten das Standbild derart, dass man vortäuschen konnte, es würde leben und sprechen. Denkbar wäre auch, dass aus der Statue tatsächlich Dämonen sprachen.

„Und es wurde ihm gegeben, …“:

Gott hat alles in der Hand. Ihm müssen die dämonischen Mächte gehorchen.

„… Geist zu verleihen, …“:

Das Wort „Geist“ steht ohne Artikel. Hinter dem Bild steckt „Geist“, dämonischer Geist.

Tatsächliches Leben verleihen kann nur Gott. Die alttestamentlichen Götzenbilder „reden nicht“ (Jes 44,9ff; Ps 115,5). Wer ein Bild macht, das redet („Geist hat“) hat, will Gott spielen.

Woher kam der erste Angriff gegen die Menschheit? Eva traf ein Tier an, das sprechen konnte. Aus dem Mund des Tieres kam die Urlüge: Ich zeige euch den Weg, wie ihr wie Gott werdet.

„… und es veranlasst, dass getötet würden, soviele dem Bild des Tieres nicht huldigten.“

Denen gegenüber, die nicht nach der „neuen Toleranz“ leben, ist man intolerant.

Es wird hier nicht ausgesagt, dass das Tier tatsächlich alle Verweigerer tötete. Das mag zwar die Absicht gewesen sein, aber es geht aus dem Text nicht hervor, dass die Tötung überall konsequent durchgeführt werden konnte.

→ Wir lernen: Niemand kann wirklich Christ sein, ohne grundsätzlich zum Martyrium bereit zu sein. Wir müssen auch heute zum Martyrium bereit sein. Vgl. 1Kön 19, Elia meinte, er wäre der einzige.

→ Wir lernen: Wir sollen nicht meinen, die einzigen Treuen zu sein. Es gibt noch sehr viele, die treu sind.

b. Nehmt das Malzeichen: 13,16.17

V. 16: „Und es handelt ‹mit dem Ziel›, dass alle, die Kleinen und die Großen und die Reichen und die Armen und die Freien und die Leibeigenen, [dass] sie sich ein Malzeichen auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn geben …“

„… ein Malzeichen“: Das griech. Wort für „Malzeichen“ ist charagma (χάραγμα). Das Wort kommt von „Prägung“; es war das übliche Wort für Prägungen von Dokumenten oder Münzen. Das Wort kann allgemein „Zeichen“ bedeuten, i. S. v. Mal, Markierung oder Abdruck. Das Zeichen wird eingeprägt, eingraviert, eingedrückt, eingeschnitten, eingebrannt oder auf eine andere Weise in das Grundmaterial eingebracht.

Manche glauben, das Zeichen wäre ein Chip. Wenn 13,18 ein Chip wäre, müsste 14,1 (das Siegel, der Name an der Stern) auch ein Chip sein. Vom Chip ist im Text keine Rede.

„…auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn geben …“

Man kann also wählen: auf die rechte Hand oder auf die Stirn. Das gibt den Menschen den Eindruck, sie hätten eine Entscheidungsfreiheit. Auf diese Weise kann man Freiheit vortäuschen. In der Politik täuscht man z. B. Demokratie (oder Grundrechte) vor. Aber großer Spielraum ist da nicht vorhanden; in Wirklichkeit geht man oft vor wie in einer Diktatur. Es ist mit der Situation vergleichbar, wo der Vater seinen Jungen fragt: Willst du den Müllsack vor dem Frühstück hinaustun oder nach dem Frühstück? Großen Spielraum hat er nicht, hinaustun muss er ihn.

In der Off gibt es zwei Malzeichen, das in 13,16-18 und das in 14,1. Das Bild für beide kommt aus dem AT:

1) Das Malzeichen der Jesus-Treuen, der Knechte Gottes, an der Stirn (14,1; 7,4-8; 3,12): Die alttestamentliche Parallele finden wir im Band des Hohen Priesters an der Stirn: „Heilig dem Jahweh“ (2Mo 28,36), für ihn abgesondert, nur für Gott da. Eine Eigentumskennzeichnung. Der Priester gehört dem Herrn.

Die andere alttestamentliche Parallele ist Hes 9,4.6: Die Knechte Gottes werden an der Stirn gekennzeichnet zum Zeichen der Bewahrung: „Gehe mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem, und mache ein Kennzeichen an die Stirnen der Männer, die seufzen und stöhnen über alle die Gräuel, die in ihrer Mitte geschehen. … 6 Greise, junge Männer und Jungfrauen und kleine Kinder und Frauen sollt ihr töten – bis zur [gänzlichen] Vernichtung! Aber jedem Menschen, an dem das Kennzeichen ist, sollt ihr nicht nahen. Und bei meinem Heiligtum sollt ihr anfangen.“ Hes 9 sowie Off 7 (und 14) sind Visionenbilder. Es ein geistliches Zeichen. Das Zeichen ist eine Kennzeichnung, wem man gehört und dient; was Gott geheiligt ist und ihm gehört, bewahrt er. Im NT ist das Siegel der Heilige Geist (Eph 1,13; 4,30; vgl. 2Kor 1,21).

2) Das Malzeichen der Tieranbeter (Off 13,16; 14,9.11; 15,2; 16,2; 19,20; 20,4): Die alttestamentliche Parallele finden wir in 5Mo 6,8; 11,18 (2Mo 12,13.23; 13,16):

5Mo 6,4-8: „Höre, Israel: Jahweh, unser Gott, Jahweh ist einer. 5 Und du sollst Jahweh, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. 7 Und du sollst sie deinen Söhnen einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Wege gehst und wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. 8 Und du sollst sie als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern sein zwischen deinen Augen, …“

11,18: „Und ihr sollt diese meine Worte an euer Herz legen und auf eure Seele, und ihr sollt sie als Zeichen auf eure Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern sein zwischen euren Augen.“

Gott wollte, dass das Gesetz seinem Volk stets zur Hand und vor Augen sei. Es sollte ein Teil von ihnen selbst werden, sodass es ihr Denken und Handeln bestimme.

Zur Zeit der Abfassung der Off verwendeten manche gesetzestreue Juden (wie die Pharisäer) – als Zeichen ihrer Loyalität dem Gesetz gegenüber – ein „Zeichen“ an ihrer Stirn oder Hand. Sie nahmen 5Mo 6,8 buchstäblich. Der Herr Jesus Christus sagte von den Pharisäern (Mt 23,5): „Sie machen ihre Gebetsriemen (Phylakterien; griech.: phülakteeria) breit und die Quasten ihrer Oberkleider groß.“

„Phylakterien“ (von griech. phülakteerion, bed. Verwahrungs- o. Schutzmittel) , so hießen auf Griechisch die von jenen Juden getragenen Tephilin (o. Tephillin; vom hebr. tephillah, bed. Gebet). Das war eine kleine zusammengebundene Lederpäckchen, die Verse der Heiligen Schrift beinhalteten; sie wurde während des Betens an die Stirn oder Hand gebunden getragen. Sie waren ihr sichtbares Zeichen der strengen Loyalität zur äußerlichen Beschneidung und zum Gesetzhalten.

In der Vision, die Johannes sieht, tritt das Tier vom Land (13,11), der „falsche Prophet“ (16,13) auf und „handelt ‹mit dem Ziel›, dass alle, die Kleinen und die Großen und die Reichen und die Armen und die Freien und die Leibeigenen,“ dass sie sich dieses Zeichen auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn geben (13,16).

Wie wir bereits festgestellt haben (vgl. die Engel an den „vier Ecken des Landes“, 7,1; vgl. die Blutvergießer von 16,1–6 in Verb. mit 18,24 u. 19,2; vgl. die „große Stadt“ von 16,19), handelt es sich um Juden (d. h.: solche, die von sich selbst behaupteten, sie seien Juden, es aber nicht waren, sondern Lügner waren, 2,9; 3,9). Alle sollen die Phylakterien des Tieres tragen, „das Malzeichen des Tieres“ (16,2; 19,20), „die Zahl seines Namens“ (15,2).

Im Gegensatz zu ihnen tragen die Heiligen in der Vision von 14,1 den Namen des Lammes und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben, womit bildhaft gezeigt wird, dass sie dem Lamm und dem Vater des Lammes gehören. Wie das Stirn-Malzeichen von 14,1 Teil der Vision ist, so ist auch das Stirn- (oder Hand-) Malzeichen von 13,16 Teil der Vision.

Was soll mit diesen Bildern ausgesagt werden? Das Zeichen Gottes aus 5Mo 6,8 ist bei jenen „Juden“ (die von sich sagten, sie seien Juden, es aber nicht waren) zu einem Zeichen des Tieres geworden. An die Stelle Gottes und des göttlichen Gesetzes ist das Tier getreten. „Wir wollen nicht, dass dieser (d. i.: Jesus) über uns herrsche!“, hatten die gesagt, die den Herrn Jesus schließlich ans Kreuz brachten.

Wer das Zeichen des Tieres annehmen würde, stellte sich auf die Seite derer, die den Herrn Jesus Christus als König ablehnten.

Das Bild vom Malzeichen weist auf die Gesetzestreue, die durch das Tragen der Phylakterien zum Ausdruck gebracht wurde. Das Malzeichen fungierte als Zeichen der Gefolgschaft und Treue gegenüber den Zeloten, so wie die Beschneidung und das Tragen der Gebetsriemen (Phylakterien) als Zeichen der Treue gegenüber Mose war und die Betreffenden als dem Mose ergebene Juden identifizierte. Das Malzeichen ist also eine verschleierte Form des Darstellens der Tatsache, dass man sich mit den Zeloten und ihrer Sache verbindet.

Gottes Botschaft an seine Heiligen war: Wer sich mit den Juden verbindet, den werde dasselbe Schicksal ereilen wie die Zeloten: Qual in Feuer und Schwefel beim Fall der „großen Stadt“. (Siehe zu 14,9-11.)

V. 17 „… und damit niemand kaufen oder verkaufen könne …“

Kaufen und verkaufen (Handel treiben) wird im NT des Öfteren erwähnt (z. B. Mk 11,15; Lk 17,28; 19,45; Joh 2,14). Das Kaufjahr begann im Sept (Rosch Haschanah) nach Josephus, Ant. 1:81 (1.3.3.81). Zum Versöhnungstag und Laubhüttenfest musste man viel Geld ausgeben.

Im Krieg (66–70 n. Chr.) prägten die Zeloten ihre eigenen Münzen zur Verwendung als Wechselgeld in Judäa. Niemand konnte dort kaufen oder verkaufen, der nicht die zelotischen Münzen verwendete.

Die aufständischen Juden verlangten ab 66 n. Chr. unbedingte Loyalität gegenüber der neu gebildeten zelotischen Regierung in Jerusalem. Wer sich weigerte, dem wurden die Grundrechte des normalen Bürgers (handeln, kaufen) entzogen. Man war aus der Gesellschaft ausgeschlossen und hatte Schwierigkeiten zu überleben.

Ein Bild, das Objekt, Münze enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Eine Münze (mit einem Symbol der Zelotischen Rebellion), herausgegeben von den jüdischen Rebellen 68–69 n. Chr. Notiz: in althebräischer Schrift: links: „Schekel, Israel, Jahr 3“. Rechts: „Jerusalem, die Heilige“. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/First_Jewish_Revolt_coinage

„kaufen und verkaufen“ bedeutet: Handel treiben.

Den Juden war verboten, Münzen zu verwenden, auf denen Bilder von Menschen (wie z. B. das Bild des Kaisers) oder Tieren darauf war.

Es wurde ihnen von den Römern erlaubt, sich eigene Münzen für den Gebrauch im Tempelsystem zu prägen. Nur Münzen ohne Bilder durften verwendet werden, um Opfer zu kaufen bzw. zu verkaufen. Daher gab es Münzwechsler im Tempel, ein einträgliches Geschäft für die Juden.

Aber vier Jahre vor Beginn des jüdischen Krieges (ca. 62/63 n. Chr.) entzogen die Römer den Juden das Recht, ihre eigenen Münzen zu prägen. Vor Kriegsausbruch (Frühsommer, 66 n. Chr.) ging der Vorrat langsam aus. Daher brachte der damalige Statthalter von Judäa, Gessius Florus, seine Truppen in die Stadt. Er wollte den noch übrigen Vorrat an Tempelschekel an sich reißen, sodass die Juden ab nun gezwungen wären, die römischen Münzen (mit dem Bild des Kaisers) zu verwenden. Aber Eleazar ben Ananias (der Oberste der Tempelpolizei) blies ins Horn und versammelte die Zeloten zum Aufstand. So begann der Krieg.

Einer der ersten Taten der zelotischen Regierung in Jerusalem war, eigene Münzen zu prägen.

Man konnte also ohne diese Münzen in Jerusalem nicht kaufen oder verkaufen. Wer die neuen Münzen ablehnte, war als Verräter gebrandmarkt. Er war ein Ausgestoßener und in Gefahr, getötet zu werden, ebenso jeder, der mit den Römern oder Griechen paktierte oder den Römern Steuern bezahlte.

V. 17 „… und damit niemand kaufen oder verkaufen könne, wenn er nicht das Malzeichen habe: entweder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.“

Das Wort „oder“ kann hier i. S. v. „beziehungsweise“ verwendet sein: „den Namen des Tiers, beziehungsweise“ (das, was es tatsächlich war) „die Zahl seines Namens“ (die Zahl also, die seinen Namen ausdrückte). Es ist hier wahrscheinlich nicht eine Wahlmöglichkeit zwischen Zahl oder Namen gegeben, sondern die „Sechshundertsechsundsechzig“ ist die Zahl und mit ihr wird der Name des Tieres ausgedrückt.

3. Aufruf an die Heiligen zur Berechnung des Zahl des ersten Tieres: 13,18

a. Der Aufruf:

V. 18: „Hier ist die Weisheit. Wer den Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres, …“

Wer ein Ohr hat, soll hören (V. 9). Wer Verstand hat, soll berechnen (V. 18).; also jeder; dieselbe Gruppe von Menschen, die in K. 2 und 3 angesprochen ist, alle Heiligen der sieben Gemeinden in Asia. Und da die Off ein Rundschreiben mit weiterer Verbreitung war, waren alle Heiligen jener Zeit aufgefordert, die Zahl zu berechnen.

„Wer den Verstand hat, berechne die Zahl …“:

In den alten Sprachen dienten die Buchstaben gleichzeitig als Zahlen (A=1; B=2; usw. S. die Tabelle unten). Die Summe des Buchstabenwertes der einzelnen Buchstaben eines Namens ergab eine Zahl. So konnte man jeden Name in seinen Zahlenwert umrechnen. Die Umrechnung von Namen in Zahlen durch Summierung des Zahlenwertes der einzelnen Buchstaben nennt man „Gematrie“. Die Gematrie war damals bekannt.

Umgekehrt war es schwierig, von der Zahl auf den Namen zu kommen. Das wäre dann ein „gematrisches Rätsel“. Z. B. wurde in Pompeij ein Stein gefunden mit der Aufschrift: „Ich liebe die, deren Zahl 545 ist.“ Das Rätsel bestand darin, aus der Zahl auf den Namen zu kommen.

Das Wort „berechnen“ ist ein Fachwort für das Umrechnen einer Zahl in einen Namen.

Den Namen kann man nur berechnen, wenn man den Verstand (d. h.: den besonderen Verstand) dazu hat. So manche von den damaligen Briefempfängern waren in der Lage, zu berechnen, auf wen sich die Zahl bezog.

b. Die Erklärung

„…, denn sie ist eines Menschen Zahl.“

Das Malzeichen ist der Name des Tieres, ausgedrückt in einer Zahl. Es ist die Zahl eines Menschen.

Was ist das Tier (die Bestie) von Off 13,1-10? – Ein Mensch. Und das ist das Furchtbare daran. Menschen können sich benehmen wie wilde Tiere. So war es schon zur Zeit des Antiochus (Dan 7).

„Und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“

Die Quersumme der Zahlenwerte der Buchstaben seines Namens beträgt „sechshundertsechsundsechzig“. Im Griech. steht hier nicht dreimal die Sechs, sondern die Zahl wird ausgeschrieben.

Die Sechshundertsechsundsechzig hat zusätzlich auch einen Symbolwert. Sechshundertsechsundsechzig erreicht nicht siebenhundertsiebenundsiebzig, die vollkommene Zahl.

Anm.: Der Zahlenwert für den Namen „Jesus“ „achthundertachtundachzig“ für „Jesus“ [griech.: Ieesous: I=10; EE=8; S=200; O=70; U=400; S=200] wird in den Sybellinischen Orakeln (I,324ff ) bezeugt.

Manche deuten die Zahl auf den Kaiser Nero. Aber die Zahl sechshundertsechsundsechzig würde nur dann auf Nero passen, wenn man in hebräischer Umschrift die griechische Form seines lateinischen Namens schreibt, und das mit einer ungewöhnlichen Buchstabierung und man müsste den Titel „Kaiser“ zu seinem Namen hinzufügen, und man müsste beim Namen qjeesar (Kaiser) das Jota nach dem Q auslassen: נירון † קסר statt נירון † קיסר, was in den überlieferten damaligen Transkriptionen dieses Namens aber nicht gemacht wurde.

Anm.: Njeeroon qeejsar wird im Babylonian Talmud [Gittin 56a: 3] mit Jota transkribiert: He [the Emperor] sent against them Nero the Caesar; heb. נירון † קיסר.) Vgl. Robert Mounce: Only the spelling with the yodh (Jota) is found in a concordance search of the Talmuds, the Mishnah, the Tosephta, and the Tannaitic Midrashim (G. W. Buchanan, The Book of Revelation: Its Introduction and Prophecy, Mellon Biblical Commentary, New Testament Series (Lewiston: Mellon, 1993), pp. 345–346.)

Bei Yosippon (Hegesippus) findet sich die hebräische Schreibweise נירון † קיסר njeeroon qjeesar. Die Quersumme der Buchstabenwerte ergibt somit 686, nicht 666. (Anm: Vgl. Dr. David Flusser’s hebräischen Text des Buches Yosippon, K. 60, V. 7; Bd. 1, S 2, 278). Im Talmud findet sich die Schreibweise : Hebrew נירון † קיסר njeeroon qjeesar = 686. (Anm. Traktat Gittin, 56a, Babylonischer Talmud. Dead Sea Scrolls: neeroon q[sr] or q[jsr] = 666 or 676 depending on whether the yodh was present in the original text. This form is found in line one of the papyrus fragment of a Promissory Note from Wadi Murabba’at in the Judean desert (Mur18 f1R:1 Judean–T). The scroll was torn in the middle of the word for Caesar, so that we do not know what the original spelling was. It could be either QSR or QJSR(with or without the yodh). … We will never know for sure how it was originally spelled. Since there are no other confirmed examples of the Hebrew word for Caesar without the yodh, support for the Neronic theory seems questionable. The reason this evidence from the Murabba’at scroll fragment is so interesting is because it has a date attached to it (second year of Nero Caesar, AD 56). This places it within eight years of when the book of Revelation was written (ca. AD 62–64).

Ed Stevens: Though quite attractive, there are several problems with identifying the number with Nero’s name, in addition to those cited above:

(1) The Nero identification assumes a knowledge of the Hebrew language and its system of gematria in John’s audience, native Greek readers, though some of those readers were no doubt Hellenistic Jewish Christians. (303)

(2) Choosing the name „Caesar Nero“ is too convenient for the Nero view, since there were many possible titles and names for Nero.

(3) In transliterating a foreign name into Hebrew there is considerable latitude in putting in or leaving out or varying vowel letters, and there are three possible alternative equivalents … S.304 And why would John not use a Greek form instead of a Hebrew form? The Greek form of the names of Gaios Kaisar and Kaisar Theos also respectively add up to 616, but 616 is unlikely to be the original reading (see n. 298 above).

(4) The earliest church fathers were unaware of a Nero identification.

For typical defenses of the Nero identification see M. Stuart, Apocalypse II, 452–59; Charles, Revelation I, 364–68. For the most recent, thorough, and convincing defenses see Bauckham, Climax of Prophecy, 384–452, and Gentry, Before Jerusalem Fell, 193–219. Both also see symbolic meaning connected with the number, but fail to acknowledge the problem with the Qumran evidence and the lack of data in the Talmuds, Mishnah, Tosephta, and Tannaitic Midrashim.

Only the spelling with the yodh is found in a concordance search of the Talmuds, the Mishnah, the Tosephta, and the Tannaitic Midrashim (G. W. Buchanan, The Book of Revelation: Its Introduction and Prophecy, Mellon Biblical Commentary, New Testament Series (Lewiston: Mellon, 1993), pp. 345–346.)“ [Tim LaHaye and Thomas Ice. The End Times Controversy. Eugene, Oregon USA: Harvest House Publishers, 2003. Endnote 85 for Chapter 6, p. 446. n. 86.]

Wert

hebräisch

griechisch

1

alef

alpha

2

beth

betha

3

gimel

gamma

4

daleth

delta

5

he

epsilon

6

waw

stigma (= Zeichen für „st“)

7

zaw (stimmh)

dseta / (z/c)

8

chet

äta/e

9

tet

theta

10

jota

iota (j)

20

kaf

kappa

30

lamech

lamda

40

mem

50

nun

60

samek

xi

70

(Knacklaut)

omikron (kurzes o)

80

peh

pi

90

tzade (stimmlos)

„koppa“

hebr:“qof“

100

qof

rho

200

resch

sigma

300

schin/sin

Tau (t)

400

taw

üpsilon

500

 

fi

600

 

chi

700

 

psi

800

 

oomega

900

 

sampi

4. Exkurse:

a. Hilfen zur Auslegung von Off 13

1. Die richtigen Fragen stellen. Was steht im Text und was nicht? Keine Spekulationen.

2. Genau lesen. Das Malzeichen ist ein charagma (Prägezeichen, Zeichen), nicht ein Chip.

3. Bildersprache verstehen. Ein Siegel bezeichnet Besitzverhältnisse und/oder Schutz.

4. Das AT im Auge behalten. Wo in dem vorgestellten Bild finden wir Parallelen oder Anspielungen auf das AT? (Fast alle Bilder in der Off haben ihre Parallelen bzw. Hintergründe im AT.)

5. Nicht Dinge gleichsetzen, die ähnlich sind. Zum Tier gibt es Parallelen in Dan 7, ja, aber es gibt gravierende auch Unterschiede. Wie viele Köpfe hatten die 4 Tiere in Dan 7? Wie viele Hörner?

6. Echte Parallelen suchen. Warum heißt das Land–Tier „Falschprophet“? Wo schreibt Johannes noch von falschen Propheten? Und Jesus Christus?

7. Biblische Begriffe verwenden. Ist das Wort „Antichristus“ für Off 13,1-10 angebracht?

8. Wortstudien machen. Was sagt die Bibel zum Thema „Antichristus“?

9. Bild und Realität nicht verwechseln oder vermengen. Beachten, was von der Vision zum Bild gehört, und was nicht.

10. Den geschichtlichen Zusammenhang wahren. Off ist ein Brief an die Gemeinden in Asia. Sie waren in der Lage, die Zahl des Tieres zu berechnen.

b. Wer ist der Antichristus?

Der Name „Antichristus“ kommt nur in 1Joh 2,18.22; 4,3; 2Joh 7 vor. (Anm.: griech. antichristos darf im Deutschen nicht als „Antichrist“ übersetzt werden. Richtig ist: „Antichristus“ (im Englischen „antichrist“)

Paulus sprach in 2Thes 2,3.8 von einem „Menschen der Sünde“ bzw. „Menschen der Gesetzlosigkeit“. Der Hintergrund von 2Thes 2,8 ist Jes 11,4. Ob er vom Antichristus sprach, muss erst geklärt werden.

Es gibt viele Antichristusse (1Joh 2,18.22; 4,3; 2Joh 7). Von einem einzelnen lesen wir nur in 1Joh 2,18, aber gerade dort macht Johannes deutlich, dass der eine eigentlich viele sind: „Kleine Kinder, es ist [die] letzte Stunde. Und demgemäß wie ihr hörtet, dass [der] Antichristus kommt, sind jetzt sogar viele Antichristusse gekommen, woran wir merken, dass es [die] letzte Stunde ist.“

Der Geist des Antichristus wirkt in vielen, und er macht sie dadurch zu Antichristussen: „Jeder Geist, der nicht Jesus als [den] Gesalbten, im Fleisch gekommen, bekennt, ist nicht aus Gott. Und dieser ist der des Antichristus“ (4,3)

50 n. Chr. war die Gesetzlosigkeit noch nicht völlig ausgebrochen. Auch der Abfall der Juden war damals noch nicht so offenbar wie in den Jahren 66-70. (S. unten.) Paulus spricht von der jüdischen Rebellion gegen Gott, die sich zunehmend bemerkbar machte. Es kann nicht sein, dass Paulus von Ereignissen sprach, die die Thessalonicher gar nicht betrafen. Die Beachtung des historischen Zusammenhangs ist für die Auslegung unerlässlich. Wenn Paulus im Jahr 50/51 konkret von dem Tempel spricht, einen in dem man sich hineinsetzen kann, dann können die Thessalonicherchristen nur an den Jerusalemer Tempel gedacht haben.

Der Ausdruck „Sohn des Verderbens“ (Mensch der Gesetzlosigkeit; der Gesetzlose) kann von Paulus auch kollektiv gemeint worden sein, wie ja auch der Ausdruck „Sohn Gottes“ an manchen Stellen kollektiv gemeint war. 2Mo 4,22.23: „So spricht Jahweh: Mein Sohn, mein erstgeborener, ist Israel, und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen …“ Hos 11,1. „Als Israel jung war, da liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Es ist nicht unmöglich, dass „Israel“, der „Sohn Gottes“ (Hos 11,1) zum „Menschen der Sünde“ und daher zum „Sohn des Verderbens“ (d. h.: zu dem Sohn, der ins Verderben läuft, bzw. auf den das Verderben wartet, bzw. der Verderben brachte) wurde, wie auch Judas durch seinen Abfall vom Jünger Jesu zum „Sohn des Verderbens“ wurde (Joh 17,12). So könnte auch der Ausdruck „Mensch der Gesetzlosigkeit“ (2Thes 2,3) dem Ausdruck „neuer Mensch“ (Eph 2,15; Gal. 3,28) gegenüberstehen.

In Off 2 und 3 nennt der Herr Jesus die Juden die „Synagoge Satans“ und in 1Thes 2,15.16 heißt es: „die auch den Herrn töteten, Jesus – und die eigenen Propheten – und euch verfolgten und Gott nicht gefallen und allen Menschen Gegner sind, 16 uns hindern, zu denen, die von den Völkern sind, zu reden, damit sie gerettet werden, womit sie allezeit ihre Sünden zur Fülle bringen. Aber der Zorn ist auf sie gekommen, um ein Ende [zu machen].“

2Thes 2,10–12 könnte sich vor allem auf die abgefallenen Juden beziehen: „… und in allem Betrug der Ungerechtigkeit unter denen, die ins Verderben gehen, dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen dazu, dass sie gerettet würden. 11 Deswegen wird Gott ihnen eine wirksame Irreführung schicken, um der Lüge zu glauben, 12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern an der Ungerechtigkeit Wohlgefallen hatten.“

Im Jahr 50 n. Chr. war der Abfall der Juden noch nicht so deutlich durchgebrochen und die Gesetzlosigkeit erst im Verborgenen wirksam (z. B. in der Verfolgung der Heiligen in Thessalonich und anderswo), aber in den Jahren 66–70 n. Chr. war der Abfall der Juden in Jerusalem schrecklich. In Form der Zeloten –Schreckensherrschaft (oder in Form der Amtseinnahme des unrechtmäßigen Hohepriesters Phannias) könnten sie sich in den „Tempel“ („Heiligtum „etwas weiter gefasst, wie z. B. in Joh 2,20) Gottes gesetzt und sich damit die Stelle Gottes an sich gerissen haben. Auf diese Weise war 66–70 n. Chr. der Aufstand/Abfall gekommen und der Mensch der Sünde (der „Gesetzlose“ bzw. besser: „Gesetzwidrige“) enthüllt worden.

Von dem „Gesetzlosen/ Gesetzwidrigen“ sagt Jes 11, dass der Herr ihn töten werde:

Jes 11,4: „Und er wird das Land schlagen mit dem Stab seines Mundes, und mit dem Hauch seiner Lippen den Ehrfurchtslosen (o.: Frevler) töten.“

2Thes 2,8–10: „… den der Herr durch den Hauch seines Mundes vertilgen und durch die Erscheinung seiner Ankunft unwirksam machen wird, [ihn], dessen Ankunft nach dem Wirken des Satans ist in aller lügenhaften Kraft und [mit allen lügenhaften] Zeichen und Wundern und in allem Betrug der Ungerechtigkeit unter denen, die ins Verderben gehen, dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen dazu, dass sie gerettet würden.“

So ist im Jahre 70 n. Chr. der Todesstoß über das fleischliche Judentum erfolgt – ohne Hoffnung auf Rettung (mit Ausnahme derer, die in der Folgezeit Buße tun und zu Christus kommen).

In der Zerstörung Jerusalems wurden alle Geschlechtsregister vernichtet.

70 n. Chr. ist das Ende des alttestamentlichen nationalen Israel.

Lk 21,22: „… denn das sind [die] Tage der Vergeltung, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“

Off 3,9: „Siehe: Ich gebe aus der Synagoge des Satans die, die von sich selbst sagen, sie seien Juden, und sie sind es nicht, sondern sie lügen – siehe: Ich werde veranlassen, dass sie kommen und vor deinen Füßen huldigen und zur Kenntnis nehmen, dass ich dich liebte.“

2Thes 2,4: „… der widerstrebt und sich erhebt über alles, was ‚Gott’ oder ‚Verehrungswürdiges’ heißt, sodass er selbst sich als Gott in das Heiligtum Gottes setzt, ‹damit› anzeigend, dass er selbst Gott sei“; vgl. mit Dan 11,36.37: „Und der König (d. i.: Antiochus IV) wird nach seiner Willkür handeln, und er wird sich erheben und [sich] groß machen gegen jede Gottheit, und gegen den Gott der Götter wird er Unerhörtes reden. Und er wird Gelingen haben, bis das Zürnen vollendet ist, denn das Festbeschlossene wird vollzogen. 37 Und auf die Götter seiner Väter wird er nicht achten, weder auf den Begehrenswerten der Frauen noch auf irgendeine Gottheit wird er achten, sondern über alles sich erheben.“

Antiochus setzte sich als Zeus (Jupiter) in den Tempel – in Form eines Standbildes, das die Gesichtszüge des Antiochus trug. Und so warf er die Stätte des Heiligtums Gottes nieder (Dan 8,11): „Selbst bis zu dem Obersten des Heeres wurde es groß und nahm ihm das beständige Opfer weg; und die Stätte seines Heiligtums (o.: seiner Heiligkeit) wurde niedergeworfen.“

Von dem König von Tyrus wurde (in poetischer Weise) gesagt (Hes 28,2): „… dein Herz erhebt sich und du sprichst: ‚Ich bin ein Gott, ich sitze auf einem Gottessitz im Herzen der Meere!’, da du doch ein Mensch bist und nicht Gott, und deinen Sinn dem Sinn Gottes gleichstellst. Von dem König von Babel wurde gesagt (Jes 14,12-14): „Wie bist du von den Himmeln gefallen, Glanzstern, Sohn der Morgendämmerung! [Wie bist du] zur Erde gefällt, [du], der Völker schwächte! 13 Du aber hattest in deinem Herzen gesagt: Zu den Himmeln will ich steigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten, mich auf den Berg der Begegnung setzen, im äußersten Norden, 14 über Wolkenhöhen will ich auffahren, dem Höchsten mich gleichmachen.“

Die Johannesbriefe werfen Licht auf die Bilder von Off 13. Wir beachten die Parallele von dem falschen Propheten aus Off 13,11-18 (16,13) zu den falschen Propheten in 1Joh 2,18.19; 4,1–6; 2Joh 1,7.

Das Tier aus dem Land ist „der Verführer“, aber dieser eine Verführer besteht in der Realität aus vielen:

2Joh 7: „…, weil viele Irreführende in die Welt hingegangen sind, die nicht Jesus als [den] Gesalbten, kommend im Fleisch, bekennen: Das ist der Irreführende und der Antichristus.“

„Sie sind von uns ausgegangen“: Die Antichristusse, von denen Johannes in 1Joh 2,18.19 spricht, waren vordem in der Mitte der apostolischen Lehrer (oder der Gemeinde) gewesen: „Kleine Kinder, es ist [die] letzte Stunde. Und demgemäß wie ihr hörtet, dass [der] Antichristus kommt, sind jetzt sogar viele Antichristusse gekommen, woran wir merken, dass es [die] letzte Stunde ist. 19 Von uns gingen sie aus. Sie waren jedoch nicht von uns; denn wären sie von uns gewesen, wären sie gewisslich bei uns geblieben. [Es geschah] jedoch, damit offenbar gemacht würde, dass nicht alle von uns sind.“

Weiteres Licht kommt durch die Worte des Apostels Paulus in 2Thes 2,6–12: Hinter den zwei Tieren von Off 13 steht der Drache.

Wer ist der Feind, den es zu überwinden gilt? – Die Welt. 1Joh 2,15–17; 3; 4, 5,4. Aber hinter jener „Welt“ steht der Böse, der Satan (2,11.12). Die Welt liegt in dem Bösen (5,18.19). Er ist der Fürst dieser „Welt“ (Joh 12,31). Johannes hat die jüdische Welt im Blick.

Die Ankunft des „Gesetzlosen“ geschieht nach der Wirksamkeit des Satans (2Thes 2,8.9): „… und dann wird enthüllt werden der Gesetzlose, den der Herr durch den Hauch seines Mundes vertilgen und durch die Erscheinung seiner Ankunft unwirksam machen wird, 9 [ihn], dessen Ankunft nach dem Wirken des Satans ist in aller lügenhaften Kraft und [mit allen lügenhaften] Zeichen und Wundern.“

Zurück zu 2Thes 2,6-8: „Und ihr wisst nun, was [ihn] zurückhält, dass er enthüllt werde zu seinem ‹eigenen› Zeitpunkt; 7 denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist bereits am Wirken, nur [ist] der, der jetzt zurückhält, bis er sich aus der Mitte begeben hat; 8 und dann wird enthüllt werden der Gesetzlose, den der Herr durch den Hauch seines Mundes vertilgen und durch die Erscheinung seiner Ankunft unwirksam machen wird, …“

Eine mögliche Erklärung dieser schwierigen Verse ist: Die Bosheit war zur Zeit der Thessalonicher (51 n. Chr.) bereits im Verborgenen wirksam, aber es musste zuvor der Mensch der Sünde „aus der Mitte“ (der Gläubigen, unter denen er bereits unsichtbar am Wirken war) hervorkommen (offenbar werden). Paulus sagt: Dann, sobald er hervorbricht, wird „der Gesetzlose“ (Jes 11,4; der „Gesetzlose“ steht kollektiv für die gesetzlosen falschen Lehrer bzw. Falschpropheten, die wie ein Lamm aussehen und „Antichristusse“ sind) „geoffenbart werden“, d. h., sein wahres Gesicht zeigen. „Ihn“ (den Gesetzlosen, der in der Person von den vielen falschen Lehrern bzw. Antichristussen auftritt) „wird der Herr Jesus“ (schließlich) „durch den Hauch seines Mundes töten“ (Jes 11,4; 2Thes 2,8; vgl. Off 19,17-21). Das Schwert aus Christi Mund ist sein Gerichtswort.

Die Thessalonicher sollten wissen: Ehe der Christus kommt, kommt der „Mensch der Sünde“ ( in Gestalt von den vielen Falschpropheten bzw. Antichristussen), die als „der“ (kollektive) „Gesetzlose“ geoffenbart werden und schließlich als „Sohn des Verderbens“ ins Verderben gehen.

Die weitere Beschreibung in 2Thes 2,9-12 passt gut auf diese Antichristusse bzw. Falschpropheten von Off 13:

2Thes 2:9-12: „… [ihn], dessen Ankunft nach dem Wirken des Satans ist in aller lügenhaften Kraft und [mit allen lügenhaften] Zeichen und Wundern 10 und in allem Betrug der Ungerechtigkeit unter denen, die ins Verderben gehen, dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen dazu, dass sie gerettet würden. 11 Deswegen wird Gott ihnen eine wirksame Irreführung schicken, sodass sie der Lüge glauben, 12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern an der Ungerechtigkeit Wohlgefallen hatten.“

5. Was können wir von Off 13 lernen?

Die politische Macht stellt sich oft gegen die Heiligen. Die religiösen Verführer (wie z. B. der römische Papst) waren – und sind – oft „Falschpropheten“, die den politischen Machthabern in die Hände spielen. Es ist wichtig, dass sich die Heiligen von Vornherein nicht „gutstellen“ mit den Großen dieser Welt. Viel Übles geschieht hinter verborgener Hand. Die Heiligen sollen nicht Mitteilhaber sein mit dem Bösen. Eine deutliche Absonderung von lehrhaft und ethisch Bösem ist gefragt!

(Nb.: Damit ist nicht gesagt, dass sich die Heiligen nicht an der Politik beteiligen sollen. Vor allem auf Gemeindeebene können die Heiligen viel erreichen, wenn sie keine Kompromisse mit dem Bösen eingehen. Die Heiligen haben ein wichtiges Wächteramt dort, wo der Herr sie hingestellt hat. Auch Politiker brauchen Gottes Wort, denn sie sollten n. Rm 13 und 1Petr 2 Gott vertreten. Gemeinde Jesu hat ihnen gegenüber einen Lehrauftrag.)

D. Vorschau ans Ziel: Das Lamm auf dem Zion und die 144 000 und ihr Lied: 14,1–5

1. Ihre Beschreibung:14,1

V. 1: „Und ich sah, und – siehe! – ein Lamm, stehend auf dem Berge Zion,…“

Jes 24,23; hund. 7,4; Nam. 3,12; 22,4; Stirn. 7,3. Vgl. 13,16E

Johannes sieht ein kleines Lamm (im Griech. arnion, die Verkleinerungsform von Lamm); vgl. 5,6. Jesus Christus ist beides: Der, der sich tief erniedrigte, um für uns zu sterben. Zugleich ist er der große „König der Könige und Herr der Herren“ (17,14; 19,16).

Der Berg Zion auf Erden lag im Osten von Jerusalem. Vgl. 2Sa 5,6; 7,1ff; 1Kön 6 und 7.

Hier ist der Berg Zion im übertragenen Sinne aufgefasst; er steht vor dem Thron Gottes (V. 3.5; vgl. 15,2-4; Hebr 12,22; Ps 2,6)

Vgl. die Parallelen zwischen 14,1-5 und 15,2-4:

Lamm // Lied des Lammes

Stehen am Zion // Stehen am ‹wie Glas› durchsichtigen Meer

Harfensänger // Harfen

Neues Lied // Lied Moses und des Lammes

Von der Erde erkauft // Überwinder

Name des Lammes und Vaters auf der Stirn // Malzeichen nicht angenommen

„… und mit ihm [waren] einhundertvierundvierzigtausend, …“

Die 144 000 mit dem Zeichen an der Stirn sind dieselbe Gruppe wie die Versiegelten in Off 7. Alle sind angekommen. Nicht einer fehlt! Die von Off 7,1–8 sind nun am Ziel.

„… die seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben trugen“

Name, nicht Nummer.

„… an ihren Stirnen geschrieben …“

Das Siegel tragen sie an der Stirn (vgl. Off 3,12; 7,3; 22,4), wie der Hohe Priester Gottes Namen an der Mütze auf der Stirn trägt „Und du machst ein blumenförmiges [Stirn]blatt aus reinem Gold und gravierst darauf in Siegelgravur ein: Jahweh geheiligt! 37 Und du tust es an eine Schnur aus violettem Purpur. Und es soll an dem Kopfbund sein. An der Vorderseite des Kopfbundes soll es sein. 38 Und es soll auf der Stirn Aarons sein, und ‹so› trage Aaron die Verschuldung der heiligen [Dinge], die die Söhne Israels heiligen bei allen Gaben ihrer heiligen [Dinge]. Und es soll beständig an seiner Stirn sein, zum Wohlgefallen für sie vor dem Angesicht Jahwehs.“ (2Mo 28,36–38)

Die Stirn ist der Ort, hinter welcher Gott das Gehirn platzierte, den Ort, wo wir denken. Gott will das Denken der Menschen verändern, prägen nach seinem Ebenbild. Das Wort für „Umkehr“ (gr. metanoia, Rm 12,2) heißt wörtlich „Änderung des Denkens, Sinnesänderung“.

2Mo 13,9: „Und es sei dir zu einem Zeichen an deiner Hand und zu einem Denkzeichen zwischen deinen Augen, damit die Weisung Jahwehs in deinem Munde sei, …“

13,16: „Und es sei zu einem Zeichen an deiner Hand und zu Stirnbändern zwischen deinen Augen; ….’

5Mo 6,8: „Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern sein zwischen deinen Augen; …“

11,18-20: „Und ihr sollt diese meine Worte auf euer Herz und auf eure Seele legen und sie zum Zeichen auf eure Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern zwischen euren Augen sein. 19 Und lehrt sie eure Kinder, indem ihr davon redet, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Wege gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; 20 und schreibe sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore, …“

Das „Siegel“ spricht von Eigentumskennzeichnung und Bewahrung. Was Christus und Gott gehört, das wird bewahrt. Diese gehören dem Lamm und seinem Vater.

Sie sind die am Ziel angekommenen Märtyrer. Vgl. Off 7,9-17.

Wenn sie hier mit dem Lamm am himmlischen Zion stehen, sind sie also schon auferstanden, auferstanden ehe die anderen auferstehen werden. Sie sind als Vor-Auferstandene (oder Erst-Auferstandene) vor den anderen Heiligen bereits im Himmel. Sie sind der Erstlingsteil der Erlösten. Die übrigen Heiligen, folgen nach. Die eigentliche Auferstehung hat ja bis zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht stattgefunden; das erfahren wir in Off 20,4-6.11-15.

Wenn das Denken nicht neu wird, kann das Handeln nicht neu werden.

Vgl. auch V. 9: Stirn und Hand, d. h.: Denken und Handeln. Dem Tier ist es gleichgültig, ob es des Menschen Denken hat (und damit auch sein Handeln), oder nur sein Handeln. Es ist ihm egal, ob du dich ihm unterwirfst, weil du so denkst, wie das Tier denkt, oder einfach nur wegen des äußeren Drucks. Jedenfalls will es, dass die Menschen ihm gefügig sind. Gott aber ist es nicht gleichgültig. Er will unser Denken haben (Rm 12,2). Er weiß, wenn er das hat, hat er auch .

2. Ihr Lied: 14,2.3

V. 2 „Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel, die dem Rauschen vieler Wasser und dem Rollen eines großen, ‹lauten› „Donners glich. Und ich hörte eine Stimme von Harfensängern, die auf ihren Harfen spielten.“

V. 3A: „Und sie singen, wie [wenn] es ein neues Lied [wäre], vor dem Thron und den vier lebenden Wesen und den Ältesten.“

Ein neues Lied – im Gegensatz zur Tieranbetung. Wer ist es, der singt? Jene 144000 erlösten Märtyrer. Vgl. Off 15,2–4. Die endgültige Erlösung des Gottesvolkes wird feierlich besungen. Die Überwinder singen das Lied von der Erlösung, ein Lied zu Ehren des Lammes Gottes.

Wo wurde in der Bibel das erste Lied gesungen? – In 2Mo 15. Auch dort war es das Lied von der Erlösung.

Sie singen das neue Lied „vor dem Thron“, d. h. im Himmel. Sie sind nicht mehr auf der Erde. Sie haben ihren Lauf bereits vollendet.

V. 3M: „Und niemand konnte das Lied lernen als nur die einhundertvierundvierzigtausend, …“

Die 144000 können das Lied nicht, ohne es zu lernen. Lernen muss man es. „Lernen“ bedeutet auch: „eine Erfahrung machen“.

→ Wir lernen: Nur Erlöste können wahrhaft singen. Und das Erlösungslied sollen wir heute schon lernen. Lernen wir es, Gott zu danken und ihm im Liede die rechte Huldigung und Anbetung darzubringen!

V. 3E: „…, die vom Land (o.: von der Erde) erkauft sind.

Die Versiegelten sind vom Lamme selbst Gekaufte. Sie gehören dem Lamm. Vgl. 5,9.

Wir erinnern uns: Die sich nicht haben vom Tier „stempeln“ lassen, durfte nicht kaufen noch verkaufen. In der Zeit, da kein Ungestempelter kaufen konnte (13,17.18), konnten sie widerstehen. Warum? Weil sie wussten: Wir sind von Gott Gekaufte und als solche wird er uns für alle Ewigkeit erhalten.

→ Wir lernen: Das einzig wirklich sinnvolle Leben ist ein Leben für das Lamm – für ihn zu leben und für ihn zu sterben. Rm 14,7-9: „… denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst; 8 denn beides: wenn wir leben, leben wir dem Herrn, und auch wenn wir sterben, sterben wir dem Herrn. Also: Wenn wir leben und auch wenn wir sterben, sind wir des Herrn; 9 denn hierzu auch starb Christus und stand auf und lebte [wieder], damit er über Tote und auch Lebende Herr sei.“

3. Ihre Identität: Jungfräuliche, treue Nachfolger, Erstlinge, Tadellose 14,4.5

Einiges über ihre Identität haben wir bereits gelernt:

  • Sie sind Versiegelte aus „Israel“ (Off 7), aber die aus den Völkern sind eingepfropft, Rm 11, denn „da ist nicht Jude noch Grieche“ (Gal 3,28; Kol 3,11).
  • Sie sind für Gott Erkaufte.
  • Sie sind Versiegelte. Off 7; Eph 1,13; 4,30; 2Kor 1,21.
  • Sie sind Märtyrer, kommen aus der „großen Bedrängnis“. Off 7,14
  • Sie sind Erlöste, kommen nicht ins Gericht.
a. Sie sind Jungfräuliche.

V. 4: „Diese sind es, die mit Frauen nicht befleckt wurden, denn sie sind Jungfräuliche.“

Sie sind wie Jungfrauen, „jungfräulich“. Im AT macht der geschlechtliche Umgang für eine Zeitlang kultisch unrein (z. B. 2Mo 19,14.15; 3Mo 15,18; 1Sa 21,5-7). Die 144000 Soldaten Christi sind unbefleckt (vgl. Off 3,4), gereinigte Diener Gottes, ganz für Gott da, ohne Ablenkung dem Herrn dienend (1Kor 7,32–36). Die Reinen, Jungfräulichen (2Kor 11,2) stehen im Kontrast zur unzüchtigen Hure. Vgl. a. 17,2.4; 18,3.9; 19,2. „Zion“ (14,1) steht im Kontrast zu „Babylon“ (14,8).

Jk 1,27: „Frömmigkeitserweisung, rein und unbefleckt bei dem Gott und Vater, ist diese: Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen [und] sich selbst von der Welt fleckenlos zu bewahren.“

Wir erinnern uns (Off 7), dass es sich hier um das treue „Heer“ des Königs aus dem Stamm Juda (5,5) handelt. In diesen Krieg dienen nur ledige Soldaten, solche, die nicht durch Familienangelegenheiten vom Krieg abgelenkt sind. Ihr gesamter Einsatz gilt dem Krieg des Herrn.

2Tim 2,4: „Keiner, der Soldatendienst tut, verwickelt sich in Angelegenheiten ‹dieses› Lebens, damit er dem, der ihn in den Soldatendienst aufnahm, gefalle.“

Dass sie ganz für Gott da sind, wird auch im Folgenden betont.

b. Treue Nachfolger

V. 14M: „Diese sind es, die dem Lamm folgen, wo immer es hingeht.“

Die Nachfolger des Lammes ähneln ihm, indem sie selbst treue Zeugen sind, Zeugen der Wahrheit, und indem sie den Opfertod auf sich genommen haben, zu dem ihr treues Zeugnis führte (12,11). Sie sind ihrem Gott treu geblieben, haben das Tier nicht angebetet, noch das Malzeichen angenommen.

Nun sind sie auf dem himmlischen Zion und folgen dem Lamm, wo immer es hingeht.

Johannes folgte Jesus auf Erden (Joh 1,37; 21,20). Diese – im Himmel – folgen dem Lamm, wie sie es zuvor getan haben, als sie noch auf Erden waren. Sie setzen dieses ihr Leben in der Nachfolge Christi in alle Ewigkeit fort, in gänzlicher Abhängigkeit vom Lamm und in völliger Gemeinschaft mit ihm. Der Herr sagte zu seinen Nachfolgern (12,25.26): „Wer seine Seele lieb hat, wird sie verlieren, und wer seine Seele in dieser Welt hasst, wird sie zum ewigen Leben bewahren. 26 Wenn jemand mir dient, folge er mir. Und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Und wenn jemand mir dient, wird der Vater ihn ehren. wo ich bin, werdet ihr auch sein.“

→ Auch wir wollen heute dem Lamm folgen, wo immer es hingeht. Jesus ist immer noch in dieser Welt und hat sein Wesen hier. Wo geht Jesus hin? – Dorthin, wo er mich haben will. Er führt mich. Jeden für sich. Jeder soll dem Lamm folgen, wohin es ihn führt. Jesus ging nach Jerusalem, machte sein Angesicht fest (Lk 9,51; Jes 50,7) und nahm das Kreuz täglich auf sich – bis er es buchstäblich auf sich nahm.

Auch wir werden auch das Kreuz auf uns nehmen müssen, täglich sterben, und schlussendlich werden wir – wie das Lamm – bereit sein müssen, uns schlachten zu lassen.

c. Erstlinge

V. 4E: „Diese wurden aus den Menschen erkauft …“

In einer Zeit, da niemand kaufen oder verkaufen konnte (13,17), waren sie treu geblieben. Sie wussten: Wir sind mit dem teuren Blut des Lammes erkauft für Gott! (5,9; 1Petr 1,18-20).

„… als Erstlinge Gott und dem Lamm.“

Jene treuen Märtyrer waren „Erstlinge“. Hier steht das Wort „Erstlinge“ wahrscheinlich i. S. v. „die Gruppe, die im Himmel zuerst angekommen ist, vor den anderen“.

Das Wort kommt aus dem Landwirtschaft. Zu Beginn der Ernte wurde dem Herrn eine Erstlingsfrucht, eine Erstlingsähre, dargebracht. Die Erstlingsfrucht verspricht einen Ernte. Die Ernte sind alle Treuen, Geheiligten in Christus, die danach kommen.

Anm: An anderer Stelle ist der Heilige Geist eine Erstlingsfrucht – in dem Sinne, dass er ein Angeld und Unterpfand ist auf die vollständige Erlösung (1Kor 1,22; 5,5; Eph 1,14; 4,30; Röm 8,23).

Die 144000 bilden die Vollzahl der Märtyrer. Sie alle starben vor dem Fall Jerusalems. „Erstlinge“ (vgl. die „erste Auferstehung, Off 20,5E.6) werden sie deshalb genannt, weil die übrigen Heiligen (20,5A) bei der Vollendung folgen (20,11-15).

Als Erstlinge waren sie auch „vorzüglich“ „Vorzug an Hohheit, Vorzug an Macht“ (1Mo 49,3; Ps 89,28), durften mit Christus regieren (Off 3,21; 20,4-6), ehe die Vollendung kam.

Evtl. Anm.: Auch in einem anderen Sinne sind sie „Erstlinge“ bzw. Erstgeborene: Israel, das Volk Gottes im AT, wurde Gottes „Erstgeborener“ genannt (2Mo 4,22; Jer 2,3). Als der Galaterbrief geschrieben wurde, verfolgte „Ismael“, der nach dem Fleisch geborene Nachkomme Abrahams, den „Isaak“, den nach der Verheißung geborenen (Gal 4,21–31). Die (fleischlichen) Juden beriefen sich auf ihr „Erstgeburtsrecht“ (Joh 8,33–41) und verachteten die aus dem Geist Geborenen. Sie rühmten sich ihrer äußerlichen Beschneidung und beriefen sich darauf, die wahren Glieder des Volkes Gottes zu sein. Jesus sagt von ihnen aber, dass sie keine wahren „Juden“ sind, sondern die „Synagoge des Satans“ (Off 2,9; 3,9). Hebr 12,15–17: Esau verkaufte sein Erstgeburtsrecht. Die Hebräerchristen wurden aufgefordert, sich davor zu hüten, dasselbe zu tun. Sie als „Erstgeborene“ würden damit ihr Erbe verwirken. Vgl. Hebr 12, 23: „Gemeinde der Erstgeborenen“ heißen sie, weil alle echten Glieder des Gottesvolkes das Erstgeburtsrecht haben; vgl. Jk 1,18.

d. Tadellose

V. 5: „Und in ihrem Munde wurde kein Falsch gefunden, denn sie sind ohne Tadel vor dem Thron Gottes.

Das ist Opfersprache. Hier wechselt nun das Bild von der Armee (den „jungfräulichen“ Soldaten des Königs) hin zu ihrem Selbstopfer, das sie für Christus dargebracht haben; ebenso, wie in Off 5,5.6 das Bild wechselte vom königlichen Löwen hin zum Lamm, das sich selbst aufgeopfert hat.

„… kein Falsch … sie sind ohne Tadel …“:

Jedes Opfer für Gott muss „ohne Tadel“ sein. In ihnen war kein Falsch – im Gegensatz zum Munde des Tieres (13,2.5.6) und zur Falschheit des Falschpropheten (13,11ff; 16,13).

Sie haben Wort gehalten, sie haben ihr Bekenntnis zu Christus in Tat wahrgemacht.

→ Wir wollen von ihnen lernen!

Zep 3,13: „Der Überrest Israels wird kein Unrecht tun und keine Lüge reden, und in ihrem Mund wird nicht gefunden werden eine Zunge des Trugs.“

Christus ist der treue Zeuge, in seinem Munde – im Munde des Lammes Gottes – wurde kein Falsch gefunden: Jes 53,9.7: „Er wurde misshandelt. Und er, er beugte sich. Und er tat seinen Mund nicht auf wie das Lämmchen, das zur Schlachtung geführt wird, und wie das Mutterschaf, das stumm ist vor seinem Scherer. Und er tat seinen Mund nicht auf. … 9 Und sie gaben [ihm] bei Ehrfurchtslosen sein Grab …, darum dass er Unrecht nicht tat und kein Trug in seinem Munde war.“

V. 5M: „… denn sie sind ohne Tadel“: Ein Opfer ohne Tadel, vgl. 2Mo 29,38; 3Mo 1,3; 3,1.

„… vor dem Thron Gottes“:

Der Ausdruck bestätigt, dass der „Zion“ (14,1), den Johannes sieht, der himmlische ist.

E. Drei gerichtankündende Engel und ein Aufruf an die Heiligen: 14,6–13

Verkündigung eines ewigen Evangeliums, 14,6.7

Verkündigung vom Falls der Hure Babylon, 14,8

Ankündigung vom Gericht über die Tieranbeter,14,9–11

Aufruf an die Heiligen zu ausdauerndem Festhalten an den Geboten Gottes und am Glauben an Jesus. 14,12

Seligpreisung derer, die im Herrn sterben von nun an. 14,13

1. Der erste Engel: Das ewige Evangelium: 14,6.7

V. 6: „Und ich sah einen anderen [himmlischen] Boten; der flog inmitten des Himmels. Er hatte eine ewige gute Botschaft, um sie denen zu verkünden, die auf dem Land (o.: auf der Erde) wohnen, und jedem Volk und [jedem] Stamm und [jeder] Sprache und Volksgruppe.“

„… eine ewige gute Botschaft“:

Es gibt nur ein einziges Evangelium. Es ist ewig, denn es hat eine lange Geschichte (vgl. 1Mo 3,15) und eine ewige Auswirkung in der Zukunft. Gott hat seine Forderung und seine Heilsbotschaft nicht geändert.

Die Botschaft ist gut,

weil es etwas Gutes ist, Gott zu fürchten. ihn als den Größten anzuerkennen V. 7

weil es etwas Gutes ist, Gott zu ehren; das ist das höchste Gut, der Sinn des Lebens.

weil es gut ist, zu wissen, dass Gericht kommt; es ist gut, zu wissen, wo die Gefahr droht; dann können sich die Menschen vorbereiten.

weil es gut ist, Gott als den Schöpfer anzubeten, seine Gaben anzuerkennen.

V. 7A: „Mit großer, ‹lauter› „Stimme sagte er: „Fürchtet Gott und gebt ihm Herrlichkeit, weil die Stunde seines Gerichts gekommen ist.“

„Fürchtet Gott …“:

„Fürchten“ bed.: sich orientieren, sich mit hoher Konzentration sich nach etwas ausrichten. Dabei ist Angst nicht ausgeschlossen, denn der Mensch soll Angst davor haben, sein Leben zu verwirken. Wir orientieren uns am Mitmenschen, nach festgesetzte Zeiten (Schlafen, Essen, Arbeit, …), nach der Führern, nach der Regierung im Staat, nach den Gesetzen des Landes, nach der Polizei, nach der Natur, nach den klimatischen Verhältnissen.

Das Evangelium vermittelt, dass Gott die eigentliche Orientierung ist. „Furcht und Zittern“ ist nicht ausgeschlossen, auch nicht beim Christen, weil er immer noch Sünder ist. Wir sind in Gott geborgen, doch ein „ungutes Gefühl“, und das ist gut so. Wir sollten uns fürchten, zu sündigen. (NB: Angst im eigentlichen Sinne ist Ungeheuerlichkeit wegen Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit; diese gibt es bei Gott nicht, da er den Menschen genau informiert und nicht im Ungewissen lässt.)

„…, weil die Stunde seines Gerichts gekommen ist.“

Der Ausdruck „ist gekommen“ bedeutet so viel wie „wird nun unmittelbar beginnen“.

Vgl. 6,17: „… der große Tag seines Zorns ist gekommen.“

11,15: „Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.“

11,18: „… dein Zorn ist gekommen und die Zeit der Toten, gerichtet zu werden, …“

12,10: „Jetzt ist das Heil und die Kraft und die Königsherrschaft unseres Gottes geworden und die Autorität seines Gesalbten, …“

V. 7M: „Und huldigt dem, der den Himmel und das Land machte und das Meer und die Wasserquellen.“

Diese vier Elemente werden auch in den ersten vier Posaunen genannt (K. 8), und drei davon in den ersten drei Schalenausgießungen (K. 16).

Gott gibt dem Menschen jener Zeit noch eine Chance. Er bittet um die Umkehr des Menschen.

Irgendetwas braucht der Mensch, um es anzubeten (zu huldigen). Aber was soll er anbeten? – Nicht den, Himmel, das Land, das Meer und die Wasser, nicht das Tier und sein Bild, sondern den Schöpfer.

Exkurs zum Ewigen Evangelium:

Evangelium heißt „gute Botschaft“.

Das ganze Wort Gottes ist gute Botschaft. Deshalb ist Verkündigung des Wortes Gottes immer auch Verkündigung des Evangeliums. Bereits in Jes 52,7 ist von Evangeliumsverkündigung die Rede. Man kann diese Ausdrücke (Wort Gottes und Evangelium) austauschbar verwenden. Vgl. Rm 10,15–18.

Die gute Botschaft der Bibel ist, dass Gott die Menschen liebt und sie retten will und den Weg der Rettung schafft. Die Forderung Gottes an den Menschen war zu allen Zeiten gleich: Gott will – auf seine Liebe zum Menschen hin – Gegenliebe im Menschen hervorrufen, eine Liebe aber, die nicht von der Entscheidungsfreiheit des Menschen unabhängig ist; denn echte Liebe muss eine freiwillige sein. Und der Mensch sollte Gott fürchten, sich aus der Liebe zu ihm heraus nach ihm ausrichten.

Gottes Forderung in Eden (1Mo 2) war, Gott zu lieben, ihn an die erste Stelle zu stellen, nicht die Schöpfung mehr zu lieben als den Schöpfer. Gottes Forderung bis Mose war ebenso, Gott zu lieben, 1Mo 6,1–8. Gottes Forderung unter dem Gesetz Mose, war Gott zu lieben und Gott zu fürchten (5Mo 6,5,13.24; 10,12; 2Mo 20,6; Neh 1,5; 5Mo 4,10; 5,29 usw.). Gottes Forderung unter der Gnade in Christus ist dieselbe (Mt 22,37; Rm 13,8–10.). Die, die Gott lieben, sind auch die, die Gott fürchten (vgl. lieben: Rm 8,28; Jk 1,12; 2,5; vgl. fürchten: Lk 1,50; 12,5; Kol 3,22; 1Petr 2,17; Off 11,18; 15,4; 19,5)

Die Botschaft Gottes an den Menschen war immer eine gute. Es war die Botschaft von der Liebe und Herrschaft Gottes, des Schöpfers und Erlösers (in Christus). Die Botschaft Gottes war seit dem Sündenfall auch Erlösungsbotschaft (1Mo 3,16; 1Mo 12,1ff; …). Dass Gottes Offenbarung fortschreitend war, tut dem keinen Abbruch. Gott stellte schon sehr früh die Aussicht auf das Kommen des Messias vor Augen. Gerettet wurden die Menschen immer auf dieselbe Weise: Durch Glauben und durch Gnade – aufgrund der Umkehr zu Gott. Noah, z. B., wurde durch den Glauben gerettet, aus Gnade, er wurde auch gerechtfertigt (im prophetischen Sinne; Hebr 11,7), ebenso Abraham (Rm 4,2-13). David bekam Sündenvergebung im Blick auf das zukünftige Opferlamm, im prophetischen Sinne, gleichsam „auf Kredit“ (Rm 4,2; 3,25). Die Botschaft, die Noah verkündete, war Heilsbotschaft („Evangelium“), verkündet durch den Geist Christi (1Petr 1,11; 3,18–20).

Es gibt kein anderes Evangelium als das eine. Ein anderes wäre nicht Evangelium (Gal 1,6–9). Entweder man verkündet Gottes Wort, dann verkündet man gute Botschaft. Oder man verfälscht Gottes Wort, dann ist es nicht mehr Evangelium. Das Evangelium der Gnade ist dasselbe Evangelium wie das Evangelium vom Königreich Gottes, denn ins Königreich Gottes kommt man nur durch die Gnade.

Das Evangelium vom Reich ist dasselbe wie das Evangelium der Gnade:

Apg 8,12 „Als sie aber Philippus glaubten, der die gute Botschaft sagte von dem, was das Königreich Gottes und den Namen Jesu Christi betraf, wurden sie getauft, beide, Männer und Frauen.“ Es handelt sich um das Evangelium Christi, das Evangelium durch das man ins Königreich Gottes kommt (vgl. 28,20).

Als die Apostel das Evangelium von der Gnade verkündeten, sprachen sie auch vom Königreich.

17,3: „… eröffnend und darlegend: ‚Es musste der Gesalbte leiden und auferstehen von den Toten‘, und: ‚Dieser ist der Gesalbte, Jesus; der ist die Botschaft, die ich euch unterbreite.‘“

17,7: „… sie sagen, ein anderer sei König, Jesus!“

17,13: „Aber als die Juden von Thessalonich erfuhren, dass von Paulus auch in Beröa die Botschaft, das Wort Gottes, verbreitet wurde, kamen sie und versetzten auch dort die Mengen in Unruhe.“

Der Ausdruck „Evangelium der Gnade“ kommt nur in Apg 20,24 vor: „die gute Botschaft der Gnade Gottes“.

Als die Apostel das Königreich Christi verkündeten, sprachen sie über die Dinge Jesu Christi; es war kein sich vom Evangelium der Gnade zu unterscheidendes Evangelium.

28,31: „… mit aller Freimütigkeit verkündete er das Königreich Gottes und lehrte die Dinge, die den Herrn Jesus Christus betrafen, ungehindert.“

Das Evangelium der Gnade beinhaltet, dass Menschen sich zum Schöpfer wenden, ihn fürchten, ihn lieben:

14,15: „… und sagten: Männer, was tut ihr dieses? Auch wir sind Menschen mit gleichen Empfindungen wie ihr, und wir sagen euch die gute Botschaft, dass ihr euch von diesen nichtigen Dingen ‹abwendet und› umkehrt, hin zu dem lebenden Gott, der den Himmel und das Land und das Meer und alles, was in ihnen ist, machte“

2. Der zweite Engel: Gefallen ist Babylon: 14,8

V. 8: „Und ein anderer Bote folgte und sagte: ‘Sie fiel! Sie fiel! Babylon, die große Stadt! – weil sie mit dem Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei alle Völker getränkt hat!’“

Parallelen im AT: Jes 21,9; Jer 51,7.8.44. Das alte Babel hat eine lange Geschichte; sie war früher Hauptsitz des Götzendienstes, lag am Euphrat; war auch ein Königreich/Imperium (Jes 21,6–10). Das Bild von der alten Stadt Babylon wird in der Off aufgegriffen; nur, diesmal ist die Hure Babel die „große Stadt“ (Off 16,19), von der die Off sehr viel spricht.

Sie ist die „große Stadt“, wo der Herr Jesus Christus gekreuzigt wurde (11,8). Sie heißt auch Sodom und Ägypten (11,8). Sie hat das Blut von Propheten und Heiligen vergossen (18,24; 19,2; Lk 11,49-51; Mt 23,37). Von dem göttlichen Gericht über sie lesen wir in K. 18 .

Bei der Hurerei Babylons handelt es sich um geistliche Hurerei (wie in Pergamus und Thyatira). Babylon (Jerusalem) hat diese Hurerei begangen. Sie fiel von Gott, ihrem Ehemann, ab und tötete den Gesalbten. Nach dem Brand Roms stachelte sie die übrigen Juden im gesamten römischen Imperium an, gegen die Heiligen des Gesalbten vorzugehen und sie zu töten. Darum trifft sie das Gericht, wie damals das alte Babylon und wie Sodom und Ägypten.

3. Der dritte Engel: Gerichtsankündigung über die Tieranbeter: 14,9–11

V. 9.10A: „Und ein dritter Bote folgte ihnen und sagte mit großer, ‹lauter› Stimme: „Wenn jemand dem Tier und seinem Bilde huldigt und ein Malzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine Hand, wird auch er von dem Wein des Grimmes Gottes trinken, der unvermischt in dem Kelch seines Zornes eingeschenkt ist.“

Wenn jemand dem abgefallenen Judentum frönt und ein Malzeichen annimmt, wird auch der Zorn Gottes treffen. Die Malzeichenträger wird dasselbe Los ereilen wie die Hure Babylon, von der es in 16,19 heißt: „… ihrer (d. i.: der Hure) wurde gedacht vor Gott, ihr den Weinbecher des Grimmes seines Zornes zu geben.“

Vgl. 18,6: „In dem Becher, in dem sie mischte, mischt ihr das Doppelte.“ D. h., in dem Zornesbecher, in dem die Hure (anderen) das verführerische Getränk (ihrer geistlichen Hurerei) einschenkte, wird ihr ein doppeltes Maß an Zornesgericht aus Gottes großem Zornesbecher eingeschenkt.

Das Malzeichen, von dem Johannes in der Vision (13,16-18) hörte, stellt bildhaft die Vereinigung mit den jüdischen Zeloten und ihrer Rebellion gegen Gott dar. Wer das Malzeichen nimmt, wird vom Becher des Grimmes Gottes trinken müssen (14,9). Der volle Becher des Grimmes Gottes wird auf die Hure Babel (d. h.: auf Jerusalem) ausgegossen (16,19).

V. 10M: „Und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor dem Angesicht der heiligen [himmlischen] Boten und des Lammes.“

Der Engel warnt die Heiligen ernsthaft: Wenn die Heiligen (im Bilde gesprochen) „das Malzeichen annehmen“ (im Klartext gesprochen: sich mit dem rebellischen, abgefallenen Judentum jener Tage verbinden), wird sie dasselbe Los treffen wie die Zeloten: Qual und Verderben in Feuer und Schwefel beim Fall der Stadt.

Das alles geschieht vor den Engeln und dem Lamm (w.: „vor dem Angesicht der heiligen [himmlischen] Boten und des Lammes) – dann, wenn der Menschensohnes mit seinen heiligen Engeln zur Zerstörung Jerusalems kommt (16,15; 19,11-21).

Wir erinnern uns an 14,8; „Babylon ist gefallen“ hatte der Engel vorwegnehmend gerufen.

In 18,4-7 wird eine weitere Stimme aus dem Himmel ergehen: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt, 5 weil ihre Sünden bis zum Himmel folgten, und Gott gedachte ihrer Ungerechtigkeiten. 6 Vergeltet ihr, wie auch sie euch vergalt, und verdoppelt ihr auf das Doppelte nach ihren Werken. In dem Becher, in dem sie mischte, mischt ihr das Doppelte. 7 Wie viel sie sich verherrlichte und in Üppigkeit lebte, so viel Qual und Trauer gebt ihr, …“

Die Heiligen müssen sich so schnell wie möglich von jeglicher Verbindung mit dem fleischlichen Judentum trennen – äußerlich wie innerlich. Sie dürfen in keiner Weise die Sache der Zeloten stützen. Wer das jüdische „Malzeichen“ nimmt, wird in der Zerstörung Jerusalems gequält werden und für immer ins Verderben gehen.

(Vgl. 16,1.2: „Und ich hörte eine große, ‹laute› Stimme aus dem Tempelheiligtum, die zu den sieben Boten sagte: ‘Geht hin und schüttet die Schalen des Grimmes Gottes aus– hin zur Erde.’ 2 Und der erste ging weg und schüttete seine Schale aus auf die Erde. Und es entstand ein schlimmes und böses Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und die seinem Bild huldigten.“

16,5-7: „Und ich hörte den Boten der Wasser sagen: ‘Gerecht, Herr, bist du, der du bist und der du warst und der Heilige bist, weil du diese Gerichte vollstrecktest, 6 weil sie das Blut von Heiligen und Propheten ausschütteten; und Blut gabst du ihnen zu trinken, denn sie sind es wert.’ 7 Und ich hörte von einem anderen aus dem Altar, wie er sagte: ‘Ja, Herr, Gott, Machthaber über alles: Wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte.’“

16,19: „Und die große Stadt wurde in drei Teile geteilt. … Und Babylon, die Große, ihrer wurde gedacht vor Gott, ihr den Weinbecher des Grimmes seines Zornes zu geben.“)

Jeder, der sich dem Tier unterworfen hat, wird gerichtet. Nebukadnezar sagte zur Zeit Daniels (Dan 3): „Wer nicht huldigt, kommt ins Feuer.“ Hier in Off 14 sagt Gott: „Wer huldigt kommt ins Feuer!“

Jeder Heilige musste sich die Frage stellen: Welches Feuer will ich wählen?

→ Wir lernen: Feuer hier oder dort. Jeder Christ muss sich auch heute fragen: Für welche Welt will ich leben? Lebe ich auf Kosten des Evangeliums für eine ‚Herrlichkeit‘ hier, so droht mir das ewige Feuer dort (Mt 23,33). Lebe ich für jene Welt dort, kann es geschehen, dass mich in der Welt hier das Feuer erwartet, dort aber ewige Herrlichkeit (Off 21,11).

Zurück zu K. 14:

V. 11: „Und der Rauch ihrer Qual steigt auf in ‹alle› Ewigkeit, und sie haben keine Pause Tag und Nacht, die dem Tier und seinem Bild huldigen, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens [o.: das Malzeichen, und zwar seinen Namen] annimmt.“

Was wird auf die Stirn (bzw. auf die Hand) geschrieben? Der Name des Tieres. Der Name aber wird in Zahlform (als Summe des Buchstabenwertes) ausgedrückt. D.h., wer die Sechshundertsechsundsechzig trägt, trägt des Tieres Namen. Der Name drückt das Wesen aus.

→ Wir dürfen uns fragen: Von wem lasse ich mich bestimmen? Vom Namen (Wesen) des Vaters (14,1) oder von dem des Tieres (14,11)?

Der Ausdruck „ihr Rauch steigt auf in alle Ewigkeit“ (V. 11) ist aus dem AT genommen und zeigt völlige Zerstörung an. Anlässlich der Besiegung Edoms durch Nebukadnezar im 6. Jhdt. v. Chr. heißt es (Jes 34,5.6.9–11): „… denn trunken ist im Himmel mein Schwert; siehe!– auf Edom fährt es herab und auf das Volk meines Bannes zum Gericht. 6 Das Schwert Jahwehs ist voll Blut, es ist gesättigt von Fett, vom Blut der Lämmer und Böcke, vom Nierenfett der Widder; denn Jahweh hat ein Schlachtopfer in Bozra und eine große Schlachtung im Lande Edom…. Und seine Bäche verwandeln sich in Pech und sein Staub in Schwefel. Und sein Land wird zu brennendem Pech. 10 Nacht und Tag erlischt es nicht, für immer steigt sein Rauch empor. Von Generation zu Generation liegt es verödet, für immer und ewig zieht niemand hindurch. 11 Und Pelikan und Igel nehmen es in Besitz, und Eule und Rabe wohnen darin. Und er zieht darüber die Messschnur der Öde und das Senkblei der Leere.“

Vgl. Off 19,3: „Und ein zweites Mal haben sie gesagt: „Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf in ‹alle› Ewigkeit.“

4. Aufruf zum Halten der Gebote Gottes und des Glaubens: 14,12

V. 12: „Hier ist die Ausdauer (o.: das Verharren) der Heiligen. Hier [sind], die, die die Gebote Gottes halten und den Glauben an Jesus [bewahren].“

In jener Zeit ist Standhaftigkeit gefragt. Und in jener Zeit erweisen sich die Ausdauer und das Verharren der Gläubigen. (Vgl. 13,10: „Hier ist die Ausdauer und der Glaube der Heiligen.“) Hier wird etwas sichtbar von der Kraft Christi. Hier sieht man, dass es Menschen gibt, die ausharren und treu bleiben in Gehorsam und Vertrauen auf den Herrn, Jesus Christus.

Die Frage stellt sich: Werden die Heiligen die Gebote Gottes halten oder die des Tieres?

In 12,17 lasen wir: „Und der Drache … ging weg, Krieg zu führen mit den Übrigen ihres Samens, ‹denen›, die die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben.“

In 3,10 lasen wir: „Weil du das Wort meiner Ausdauer bewahrtest, werde ich dich auch bewahren …“

Mose fürchtete nicht das Gebot des Königs, weil er das Gebot Gottes fürchtete. Er hielt stand, als sähe er den Unsichtbaren (Hebr 11,27).

5. Seligpreisung derer, die im Herrn sterben von nun an: 14,13

V. 13: „Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel, die zu mir sagte: ‚Schreibe: Selig die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an!‘“

Wer von nun an (d. h.: von der Zeit des Johannes an) stirbt, einschließlich der Heiligen, die bereits gestorben sind, und fortan, soll wissen: Sein späteres Los wird Seligkeit sein.

V. 13M: „Ja, sagt der Geist, – damit sie ruhen von ihren Arbeiten ‹und Mühen›.“

Sie haben in ihrem Leben „Ja“ gesagt zum Heiligen Geist und seinen Wegen mit ihnen. Nun sagt der Heilige Geist „Ja“ zu ihnen.

Zur „Ruhe“ vgl. Hebr 4,9: „Dann bleibt dem Volk Gottes eine Sabbatruhe übrig.“

V. 13E: „Aber ihre Werke folgen mit ihnen (o.: begleiten sie).“

D. h., ihre Werke kommen ihnen nach. Jene Gestorbenen, die bis zum Tode treu blieben, werden belohnt werden. Jesus hatte den Jüngern gesagt (Joh 12,26): „Wenn jemand mir dient, folge er mir. Und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Und wenn jemand mir dient, wird der Vater ihn ehren.“

F. Der Menschensohn auf der Wolke und die Ernte: 14,14-20

In den V. 14-20 erhalten wir ein Doppelbild: zwei Ernten, eine Getreideernte („Ernte des Landes“, 14,15.16) und eine Traubenernte (14,18.19). Beide Ernten sagen dasselbe aus. Es ist vergleichbar mit den zwei Träumen Pharaos (1Mo 41) und den zwei Träumen Josefs (1Mo 37): In beiden Fällen sagten beiden Träume dasselbe aus. Durch die Verdoppelung wird ausgedrückt, dass (erstens), die Sache ernst zu nehmen ist, weil sie fest beschlossen ist und mit Sicherheit eintreffen wird (1Mo 41,28.32), und (zweitens), dass die Sache bald geschehen wird (1Mo 41,32).

Gott macht sich die Mühe, die Briefempfänger von der Gewissheit und Nähe seiner Voraussagen zu überzeugen: Diese Dinge werden kommen und sie werden bald kommen!

Wir erhalten hier eine Vorschau von dem kommenden Gericht über das Land Israel. Sieben-mal wird die „Sichel“ erwähnt (V. 14-19). Das Bild ist aus dem AT genommen, aus dem Propheten Joel; auch dort ist von der „Sichel“ und von der „Kelter“ die Rede: „Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif! Kommt, tretet (o.: stampft), denn die Kelter ist voll! Die Kufen fließen über! – denn groß ist ihre Bosheit.“ (Joel 4,13)

1. Der Menschensohn 14,14

V. 14: „Und ich sah, und – siehe! – eine weiße Wolke und auf der Wolke ein Sitzender, gleich dem Sohn eines Menschen. Auf seinem Haupt hatte er eine goldene Krone und in seiner Hand eine scharfe Sichel.“

Die Wolke ist weiß. Sie spricht von Reinheit und Helligkeit. Der auf der Wolke Sitzende ist der Menschensohn. Er ist von Reinheit und Helligkeit umgeben. Der Menschensohn kommt in der Wolke (wie der Engel in Off 10,1), um Gericht auszuüben. Die Wolke erinnert an Apg 1,9-11: „Und nachdem er dieses gesagt hatte, wurde er, während sie schauten, aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn weg von ihren Augen. 10 Und als sie unverwandt zum Himmel blickten, während er dahinfuhr – siehe! – da standen zwei Männer in weißem Gewand bei ihnen, 11 und die sagten: ‘Männer, Galiläer, was steht ihr und blickt zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird so kommen – in der Weise, wie ihr ihn in den Himmel hinfahren saht.’“ (Zur Himmelfahrt in der Wolke vgl. a. Off 11,12.) Ebenso an Lk 21:27: „Und dann werden sie den Sohn des Menschen sehen, in einer Wolke kommend mit viel Kraft und Herrlichkeit.“

Wenn die Menschen im Lande mit dem Dunkel leben wollen, müssen sie mit Gericht rechnen. Hier kommt der Richter!

Die goldene Krone spricht von göttlicher Regierungsmacht. Die Situation erinnert an Mt 13,39.40: Die „Ernte“ spricht von der Vollendung des Äons (o.: der Weltzeit; o.: des Zeitalters; des Zeitabschnitts). V. 39A: „Die Ernte ist die Vollendung des Äons (o.: der Weltzeit).“ Gemeint ist der Zeitabschnitt der sinaitischen Tempelära des Volkes Israel. Nun geht er zu Ende. V. 39E: „Die Schnitter sind [himmlische] Boten.“ Zur Erntezeit, am Ende des Äons, wird zuerst das Unkraut gebündelt (V. 40).

2. Der erste zurufende Engel: 14,15

V. 15: „Und ein anderer Bote kam aus dem Heiligtum hervor und rief dem, der auf der Wolke saß, mit großer, ‹lauter› Stimme zu: Schicke deine Sichel aus und ernte, …“

Er kommt aus dem Heiligtum (vgl. 11,19), dem himmlischen Wohnort Gottes, d. h., er kommt von Gott; und er wird eine heilige Sache ausführen.

(Nb.: Man könnte sich an dieser Stelle fragen: Wie kann ein Bote Gottes dem Sohn Gottes einen Befehl geben? – Es ist kein Befehl, sondern ein Gebet. Wenn ein Gläubiger dem Herrn seine Wege befiehlt, ist das ebenfalls kein Befehl, sondern ein Gebet. Gott sagt: „Befiel mir, was das Werk meiner Hände betrifft.“ In diesem Sinne dürfen auch Engel ihm „befehlen“.)

„… weil die Stunde des Erntens für dich gekommen ist, …“

Der Engel zeigt an, dass es jetzt für den Sohn Gottes Zeit ist, zu richten und seine Königsherrschaft anzutreten. Der Herr soll sich nun als der Sieger über deine Feinde erweisen.

Zu „gekommen ist“ vgl. 14,6; 6,17; 11,15.18; 12,10; 19,7.

„… weil die Ernte des Landes ‹überreif und› dürre geworden ist.“

Das Land ist reif zum Gericht. Jeglicher Aufruf Gottes zur Umkehr und jede ihnen von Gott gegebene Gelegenheit, Buße zu tun, war von den Bewohnern des Landes abgewiesen worden.

Die Ernte des Landes ist dürre geworden. Gott hatte lange Zeit geduldig gewartet. (Vgl. 2Petr 3,9.) Nun ist kein Grünes mehr dar, alles ist hart, alles ist erstorben; keine Bereitschaft, sich erweichen zu lassen, ist mehr vorhanden.

3. Die Ernte durch den Menschensohn: 14,16

V. 16: „Und der, der auf der Wolke saß, legte seine Sichel an das Land. Und das Land wurde geerntet.“

Dieses Gericht erfolgt aus dem Heiligtum (V. 15). Es ist nichts Böses an diesem Eingriff. Gott ist absolut heilig. Wenn er seine Feinde tötet, ist dies genau das Richtige, genau das, was sie verdienen.

→ Wir lernen: Wenn Gott etwas tut und sagt, dann ist das absolut richtig. Wenn er Menschen zerstört und in die Hölle schickt, dann ist das richtig so.

(Nb.: Wenn man feststellen möchte, ob jemand das Evangelium bereits verstanden hat oder nicht, dann kann man ihm folgenden Frage stellen: „Wenn Gott dich heute in die Hölle schicken und für eine ganze Ewigkeit dort lassen würde, hätte er dann so ungefähr das Richtige getan, das, was dir zusteht? Würde das ungefähr dem entsprechen, was du verdient hast?“)

4. Zwei zurufende Engel: 14,17.18

V. 17: „Und ein anderer Bote kam aus dem Heiligtum hervor, das im Himmel ist, und auch er hat eine scharfe Sichel.“

Auch dieser Engel kommt aus der Gegenwart Gottes.

V.18: „Und ein anderer Bote, der Vollmacht über das Feuer hatte, kam aus dem Altar hervor.“

Mit „Altar“ ist der goldene Räucheraltar gemeint, der unmittelbar vor dem Allerheiligsten steht. Es ist derselbe Altar, von dem die Gebete der Heiligen aufgestiegen. (Siehe 8,3-5.) Hier ist die Antwort auf die Gebete der Heiligen.

→ Wir lernen: Wenn wir irgendwie verkannt werden und um Christi willen schlechtgemacht werden, so dürfen wir unsere Not dem Herrn bringen. Eines Tages wird Gott das Übel richten und das Gute belohnen. – Manchmal geschieht es schon hier in der Welt, meistens aber dann dort, bei ihm.

Das göttliche Gerichthandeln ist Ergebnis des Flehens der verfolgten Heiligen.

„Und er rief dem, der die scharfe Sichel hatte, mit großem, ‹lautem› Ruf zu und sagte: ‚Schicke deine scharfe Sichel [aus] und lies die Trauben des Landes, weil seine Beeren reif sind.‘“

5. Die Weinlese und die Kelterung: 14,19.20

V. 19: „Und der Bote legte seine Sichel an das Land und las (i. S. v.: schnitt) den Rebstock des Landes und warf [ihn] in die große Kelter des Grimmes Gottes.“

Es scheint, als ob er den gesamten Weinstock niederschnitt, nicht lediglich die Trauben vom Stock las. Und dann warf er den gesamten Stock in die Presse des Grimmes Gottes.

Der Weinstock des Landes ist Israel (Ps 80,9.10): „Einen Weinstock hobst du aus Ägypten aus. Du vertriebst Völker und pflanztest ihn ein. Du machtest Raum vor ihm; und er schlug Wurzeln und füllte das Land.“

V. 20: „Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten.“

Die Weinpresse wird außerhalb der Stadt Jerusalem getreten, so wie das Sündopfer außerhalb des Lagers Israel verbrannt wurde und der Verurteilte Gerechte „außerhalb des Tores“ hingerichtet wurde (Hebr 13,11–13).

Das Bild vom Keltertreten finden wir auch bei der ersten Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (587 v. Chr.) in Klg 1,15: „Mein Herr hat alle meine Starken weggerafft in meiner Mitte; er hat ein Fest gegen mich ausgerufen, um meine jungen Männer zu zerschmettern; mein Herr hat der Jungfrau, der Tochter Juda, die Kelter getreten.“

In Jes 63,2–4 wird ein Bild von dem damaligen Gericht Gottes über Edom gezeigt: „Warum ist Rot an deinem Gewande und sind deine Kleider wie die eines Keltertreters? 3 Ich trat die Kelter allein; von den Volksscharen war niemand bei mir. Und ich zertrat sie in meinem Zorn, in meiner Grimmglut zerstampfte ich sie. Und ihr Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand; 4 ja, ein Tag der Rache war in meinem Herzen, …“

V. 20M: „Und Blut ging aus der Kelter hervor bis an die Zäume der Pferde, eintausendsechshundert Stadien weit.“

1600 Stadien, d. s. 296 km (1 Stadion = 185m). Dies entspricht etwa der Länge des Landes Israel. Von einem Ende des Landes bis zum anderen fließt Blut. Das gesamte Israel wird im Zorn Gottes „getreten“ (o.: „gestampft“). Ein schreckliches Bild von der Ermordung vieler Menschen wird gezeichnet. Die Pferde schwimmen gleichsam in Blut. (Es handelt sich um einen hyperbolische [überzeichnete; übertriebene] Darstellung.)

Nie floss in Israel so viel Blut, wie in jenen Jahren des jüdisch-römischen Krieges, 66/67–70 n. Chr.

G. Zeichen: Vorbereitung der sieben Engel mit den letzten Plagen. Die Überwinder am gläsernen Meer – und ihr Lied: 15,1-4

1. Vorbereitung der sieben Engel mit den letzten Plagen: 15,1

V. 1: „Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, groß und wunderbar: sieben Boten, die sieben Plagen hatten, die letzten, weil mit [o.: in] ihnen [und durch sie] der Grimm Gottes vollendet wurde.“

„Zeichen“ vgl. 12,1;

„Grimm ausgießen“ vgl. Off 16,1 und Hes 7,8.

 

2. Die Überwinder am gläsernen Meer – und ihr Lied: 15,2–4

Vgl. die Parallele zu 14,1–5.

a. Die Überwinder: 15,2

V. 2A: „Und ich sah [etwas] wie ein ‹wie Glas› durchsichtiges Meer, mit Feuer vermengt, und [ich sah] die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens an dem ‹wie Glas› durchsichtigen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie.“

Die Schar der Überwinder steht an dem ‹wie Glas› durchsichtigen Meer (vgl. 4,6) und singt das Lied der Erlösung, das Lied Moses und des Lammes Gottes (vgl. 2Mo 15). Das erinnert an das erlöste Volk nach dem Auszug aus Ägypten (2Mo 14,30.31). Die Überwinder (d. i.: die Heiligen, die treu waren bis zum Tod; vgl. 12,11; 13,14–18), die (während der großen Verfolgung) getöteten Märtyrer sind nun am Ziel und singen Siegeslieder.

(Nb.: Eine weitere Parallele im AT ist das Waschbecken, das so gen. „eherne Meer“ im Tempelvorhof, 2Kön 25,13.)

„… mit Feuer vermengt“: Das Feuer spricht von Gericht.

„… und [ich sah] die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens an dem ‹wie Glas› durchsichtigen Meer stehen – Harfen Gottes hatten sie.“

Die Glaubenden sind nicht aus der Welt; sie sind bewahrt und geläutert.

Die Barriere damals beim ersten Auszug war das Meer. Hier ist die Barriere überwunden, das Meer ist zu einem friedlichen, ‹wie Glas› durchsichtigen (d. h.: kristallklaren, also nicht mehr aufgewühlten) See geworden.

Es handelt sich hier um den zweiten Auszug (Exodus) des wahren Israel – heraus aus dem irdisch-fleischlichem Israel, hinein ins himmlisch-geistliche.

b. Ihr Lied: 15,3.4

V. 3: „Und sie singen das Lied Moses, des leibeigenen Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: ‚Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Machthaber über alles. Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, König der Völker.‘“

Das erste Lied der Erlösten war das Lied in 2Mo 15: Nach dem Durchgang durch das Schilfmeer besingt Gottes erlöstes Volk den Sieg Gottes über Pharao und sein Heer. Der Ausdruck „Lied Moses“ kommt von 5Mo 32,4. In 31,30– 32,47 spricht Mose in warnender Weise von Gottes Rache an dem „verdrehten und untreuen“ Volk. Hier allerdings, in Off 15, schwingt keine Warnung mit. Hier ist nur Lob und Dank.

Das letzte – und ewig andauernde – Lied ist das „Lied des Lammes“, das Lied auf das Lamm, das Lied, gesungen zu Ehren Jesu Christi, der die Heiligen durchgebracht hat. Die Erlösten gedenken der Tatsache, dass Gott in Christus sein Volk zu retten weiß.

Es scheint, als ob die beiden Ausdrücke sich auf dasselbe Lied beziehen.

V. 4A: „Wer, Herr, sollte dich nicht fürchten und deinen Namen verherrlichen?“

Nicht das Tier ist zu fürchten, sondern Gott. Nicht der Name des Tieres ist zu verherrlichen, sondern Gottes Name.

„… – weil [du] allein heilig [bist]“

Vgl. Jer 10,6.7: „Keiner ist dir gleich, Jahweh. Du! Groß bist du, und groß an Macht ist dein Name. 7 Wer sollte dich nicht fürchten, König der Völker?“

Nur du. Wer ist dir gleich, Herr? Niemand!

Welch ein Kontrast zu 13,4 („Wer ist dem Tier gleich.“)!

„…, weil alle Völker kommen werden und vor dir huldigen werden, …“

Vor „dir“, nicht vor dem Tier.

Nun kann das neue Jerusalem besiedelt werden mit erlösten Menschen aus aller Welt. Die „Völker“, d. h., alle erlösten Menschen, kommen in Christus zum neuen Jerusalem, durch Buße und Glaube. Die Herrlichkeit Jerusalems können sie dann völlig genießen, sobald sie abgeschieden sind aus dem irdischen Leben, hinein ins himmlische Vaterland (Heb 11,16) und so das „unerschütterliche Königreich“ in Empfang nehmen (Heb 12,28). Das neue Jerusalem ist Israels himmlische Stadt, es erstreckt sich über das „neue Land“ Israels (die neue Erde Israels) unter dem neuen Himmel Israels (Off 21,1). In Off 21 wird all Himmlische und Jenseitige mit irdischen Bildern gezeichnet.

„…, weil alle Völker kommen werden und vor dir huldigen werden, …“

Parallelen:

Ps 86,9: „Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir huldigen, mein Herr, und deinen Namen ehren, …“

Alle Völker werden kommen und vor Gott anbeten, wie in Sach 14 und Jes 60 u. 66 vorausgesagt.

Alle (in „alle Völker“) ist (wie so oft) relativ zu verstehen. Die Ungläubigen sind selbstverständlich ausgenommen; vgl. Sach 14,16-19. Wer nicht in Gottes (neues) Jerusalem kommt, um „am Laubhüttenfest“ dem Herrn zu huldigen, über den kommt kein Regen. (In Sach 14 wird das Himmlische und Jenseitige mit irdischen, alttestamentlichen Vorstellungen gezeichnet. Wenn „kein Regen“ kommt, bedeutet das Fluch und somit ewigen Tod.)

Jes 60:5-14: „… die rauschende Menge des Meeres wird sich zu dir wenden, der Reichtum der Völker zu dir kommen. 6 Eine Menge von Kamelen wird dich bedecken, junge Kamelhengste von Midian und Epha. Sie alle werden kommen aus Saba, und sie werden Gold und Weihrauch tragen und werden künden von den Ruhmestaten Jahwehs. 7 Alle Herden Kedars werden sich bei dir versammeln, die Widder Nebajots werden dir verehrenden Dienst tun, zum Wohlgefallen werden sie auf meinen Altar kommen. Und das Haus meiner Pracht werde ich prächtig machen. 8 Wer sind diese, die wie Wolken daherfliegen und wie Tauben zu ihren Schlägen? 9 – denn auf mich hoffen die Küstenländer, und voran sind die Tarsisschiffe, um deine Kinder aus der Ferne zu bringen, ihr Silber und ihr Gold mit ihnen, wegen des Namens Jahwehs, deines Gottes, und wegen des Heiligen Israels, denn er hat dich herrlich gemacht. … 13 Die Herrlichkeit des Libanons wird zu dir kommen, Wacholder, Platane und Zypresse miteinander, zu schmücken die Stätte meines Heiligtums. Und ich werde die Stätte meiner Füße herrlich machen. 14 Und niedergebeugt werden die Söhne deiner Bedrücker zu dir kommen, und alle deine Verächter werden sich zu deinen Fußsohlen niederwerfen. Und sie werden dich Stadt Jahwehs nennen, Zion des Heiligen Israels.“

66,23: „Und es wird geschehen: Neumond für Neumond und Sabbat für Sabbat wird alles Fleisch kommen, um vor meinem Angesicht zu huldigen, sagt Jahweh.“

V. 4E: „…, weil deine Rechte (o.: gerechten Handlungen) offenbar wurden.“

Eine Erinnerung für die Schar der Erlösten: Alle Wege Gottes sind gerecht. Vgl. 5M 32,4: „Der Fels: Vollkommen ist sein Tun, denn Recht sind alle seine Wege; ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und gerade ist er.“

Dann wird die Gerechtigkeit am Handeln Gottes offenbar werden. Das ist tröstlich.

H. Die Ausgießung der sieben Schalen: 15,5– 16,21

1. Einleitendes 15,5–16,1

a. Die Öffnung des Heiligtums des Zeltes des Zeugnisses: 15,5

V. 5: „Und nach diesem sah ich, und – siehe: Es wurde geöffnet im Himmel das Tempelheiligtum, die Zeltwohnung des Zeugnisses, …“

Im Griech steht der Wesfall „der Zeltwohnung des Zeugnisses“ (in: „das Tempelheiligtum der Zeltwohnung des Zeugnisses“); er ist wohl als Genitiv der Gleichsetzung (erklärender Genitiv, genitivus epexegeticus) aufzufassen. Man kann daher übersetzen: „Es wurde geöffnet im Himmel das Tempelheiligtum, [nämlich] die Zeltwohnung des Zeugnisses, …“

Der alttestamentliche Begriff „Zeltwohnung des Zeugnisses“ (2Mo 38,21; 4Mo 1,50; 10,11) bezieht sich dort auf die Stiftshütte, hier auf das himmlische Gegenbild bzw. Urbild: das himmlische Heiligtum. (Vgl. Hebr 8,5: „… welche ‹in der bildhaften› Darstellung und ‹in dem› Schatten der himmlischen Dinge den [ihnen] aufgetragenen Dienst tun entsprechend der Weisung, die Mose erhielt, als er daran ging, das Zelt zu erstellen, denn: ‚Siehe zu,‘ sagt er, ‚dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt wurde.‘“)

Durch das Öffnen des Tempelheiligtums will wahrscheinlich ausgesagt werden: Das letzte Gericht kommt aus der unmittelbaren Gegenwart Gottes.

Hier wird das in Off 11,19 bereits Gesagte wiederholt. Dort ist es die Lade des Zeugnisses, hier ist es die Wohnung des Zeugnisses, die im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.

In 11,19 wurde geöffnet „das Tempelheiligtum Gottes im Himmel“, und es wurde gesehen die Lade seines Bundes in seinem Tempelheiligtum.

In 15,5 wird geöffnet „das Tempelheiligtum im Himmel, die Zeltwohnung des Zeugnisses“.

b. Der Auftritt der sieben Engel mit den sieben Schalen: 15,6–8
I: Die Beschreibung der sieben Engel: 15,6

V. 6: „Und es kamen hervor aus dem Tempelheiligtum die sieben [himmlischen] Boten, die die sieben Plagen hatten, bekleidet mit reinem und glänzendem Leinen und um die Brust gegürtet mit goldenen Gurten.“

„… aus dem Tempelheiligtum“: Vgl. V. 15,8; 16,1.17M

Die sieben Boten sind rein, bekleidet mit reinen Gewändern. D.h., auch wenn sie Gericht ausüben, tun sie nichts Böses. Gott hat ein Recht, zornig zu sein gegen seine Feinde. Wenn Gott zornig ist, bleibt er dennoch rein.

„… um die Brust gegürtet“:

Wie Könige oder Fürsten sind sie gekleidet als Erhabene, Bevollmächtigte. Im Gegensatz dazu sind Soldaten an der Lende umgürtet, nicht an der Brust.

„… mit goldenen Gurten“: Das zeigt, dass sie Ehrwürdige sind.

II: Die Übergabe der sieben Schalen: 15,7

V. 7: „Und eines der vier lebenden Wesen gab den sieben Boten sieben goldene Schalen, die gefüllt waren von dem Grimm des Gottes, der in ‹alle› Ewigkeit lebt.“

„… der in ‹alle› Ewigkeit lebt.“

Der Gott, der so richtet, ist nicht für den Tod. Er ist für das Leben! Vgl. 4,9.

Gottes Zorn war vorerst nicht in Letztform und nicht plötzlich hereingebrochen; sondern er wächst langsam an – unter mehrmaligen Verzögerungen, um dem Sündern noch Raum zur Buße zu gewähren. Vgl. Off 9,20; 2Petr 3,9. Der Richter schlägt nicht blind und unbeherrscht zu. Vgl. Jes 48,9: „Um meines Namens willen verziehe ich meinen Zorn, und um meines Ruhmes willen bezwinge ich ihn, dir zu gut, um dich nicht auszurotten.“

Das zeigten die Siegel und die Posaunen.

Nun aber geht alles schnell. Nun ist der Endpunkt erreicht. Jetzt sind die Schalen „gefüllt“ von dem Grimm Gottes. Sie waren im Lauf der Geschichte angefüllt worden. Vgl. Rm. 2,5: „Nach deiner Störrigkeit und deinem unbußfertigen Herzen häufst du dir selbst Zorn auf – am Tage des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes.“

Nun wird der Zorn ohne Verzögerung ausgegossen.

III: Der Rauch der Herrlichkeit Gottes: 15,8

V. 8: „Und das Tempelheiligtum wurde gefüllt mit Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft. Und niemand konnte in das Tempelheiligtum eintreten, bis die sieben Plagen der sieben Boten vollendet waren.“

Vgl. Jes 6,3.4: „Und einer rief dem anderen zu und sagte: ‚Heilig, heilig, heilig ist Jahweh der Heere, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit! 4 Und es erbebten die Grundfesten der Schwellen von der Stimme der Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt.‘“ Betont werden die Herrlichkeit und die Macht Gottes. Gott ist heilig; deshalb ist er herrlich. Gott ist und bleibt auch in seinem Gericht absolut heilig und herrlich. (Vgl. Gottes Heiligkeit in der Zeltwohnung bzw. im Tempel, 2Mo 40,34.35; 1Kön 8,10.11). Ihm gebühren und gehören alle Herrlichkeit und alle Macht: Off 1,6; 4,9.11; 5,12.13; 7,12; 11,17; 12,10; (Kontrast: 13,2.4–7); 14,7; 15,8; (Kontrast: 17,2.4.5); 18,1; (Kontrast: 18,3.7.14.16.18.19); 19,1.7.8; 20,4–6; 21,7.10.11.23–27; 22,5. (Vgl. auch Ps 115,1; 29,1.9; 24,7–10; Ps 145,1.5.11–13; 147,5; 150,1.2; 84,4–6.12; 96,6–8; 97,1.6–9; 99,1.2; 102,16.17; 104,1; 106,8.20; 108,6; 113,4; 138,5.)

Warum kommt Gericht? – Weil sich die Menschen die eigene Herrlichkeit und eigene Macht, die nur ihm gebührt und gehört, selber anmaßten und nicht Buße taten, „ihm die Herrlichkeit zu geben“ (Off 16,9).

Die Herrlichkeit der Hure und ihre Macht (17,4.12.18; 18,1.7.12.14.16; vgl. auch 18,1; 19,1; 19,7.8.12.16) steht im Kontrast zur Herrlichkeit und Macht der Braut (19,7.8; 20,4.6; 22,5; 21,10.11.19–26).

Warum kommt Gericht? – Weil es eine wahre Herrlichkeit und Macht gibt, die als solche enthüllt werden muss: Off 21,9-11.

V. 8M: „Und niemand konnte in das Tempelheiligtum eintreten, bis die sieben Plagen der sieben Boten vollendet waren.“

Es ist, als ob Gott nun in seinem Gerichtshandeln nicht abgelenkt werden will. Niemand anderer darf in sein Heiligtum eintreten. Nichts anderes hat jetzt Platz. Das Gericht kommt unmittelbar aus der Gegenwart Gottes. Er handelt in Selbstbeherrschung und in Ruhe – aber mit gerechtfertigtem Zorn. Es soll nun nicht mehr gebetet werden. Nun konzentriert sich alles auf das Gericht des großen Tages Gottes, des Machthabers über alles.

Vgl. Zep 3,8: „Darum harrt auf mich, ist der Spruch Jahwehs, auf den Tag, an dem ich mich aufmache zur Beute!– denn es ist mein Recht, Völker zu versammeln, Königreiche zusammenzubringen, um meine Entrüstung über sie auszugießen, die ganze Glut meines Zorns; denn durch das Feuer meines Eifers wird das ganze Land verzehrt werden!“

c. Der Befehl zur Ausgießung der sieben Schalen: 16,1

V. 1: „Und ich hörte eine große, ‹laute› Stimme aus dem Tempelheiligtum, die zu den sieben Boten sagte: ‚„Geht hin und schüttet die Schalen des Grimmes Gottes aus – hin zu dem Land.’“

Wieder kommt eine Stimme aus dem Heiligtum. Gott ist und bleibt heilig und gerecht in dem, was nun folgt. Eine Schale nach der anderen wird über die Stadt und das Land ausgegossen, Schlag auf Schlag, Guss auf Guss, Plage auf Plage. Bei den Posaunengerichten (Off 8 und 9) erhielt jeder Engel einen gesonderten Befehl; hier wird nur ein einziger gegeben.

Gemäß Off 15,1 wird in den (und durch die) sieben letzten Plagen „der Grimm Gottes vollendet“ (15,1E).

Die sieben Plagen sind nicht als chronologisch hintereinander stattfindend aufzufassen – ebenso wenig wie die Siegel 1–5 und die Posaunen 1–4. Johannes berichtet, was er in der Vision sah und hörte. Es ist nicht eindeutig, ob die Plagen zeitlich hintereinander geschehen oder eher gleichzeitig. Zwischen den ersten und den letzten Plagen kann nicht viel Zeit verstreichen, denn in der fünften Plage haben die Menschen noch die Schmerzen der Geschwüre der ersten. (Vgl. die V. 10 und 11 mit V. 2.)

2. Die Ausgießung der ersten sechs Schalen 16,2–9

Allgemeines:

Die Gerichte sind Totalgerichte über Israel. Getroffen werden zuerst (wie wir es von den ersten vier Posaunen her kennen) das Land, die Meeresküste, das Süßwasser, die Sonne am Himmel, d. h., verschiedenen Bereiche des Lebensraums, und zwar vollständig, mit aller Wucht (nicht nur ein „Drittel“, 8,7-12; 9,15.18). Von Anfang an wird sogleich auch der Mensch getroffen.

Die erste Schale trifft das Festland Israels, die Bewohner des Landes, die zweite Schale den Küstenstreifen am Meer, die dritte trifft das Süßwasser, macht es ungenießbar, was in Kriegszeiten ein großer Verlust ist, denn Wasser ist in den Ländern des Vorderen Orients ein äußerst kostbares Gut. Dass Israel gemeint ist, zeigt der Vergleich von V. 5 und 6 mit Off 18,24:

16,5.6: „Gerecht, Herr, bist du, der du bist und der du warst und der Heilige bist, weil du diese Gerichte vollstrecktest, 6 weil sie das Blut von Heiligen und Propheten ausschütteten; und Blut gabst du ihnen zu trinken, denn sie sind es wert.“

18,24: „Und in ihr wurde [das] Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und [zwar] von all denen, die auf der Erde (o.: im Lande) hingeschlachtet wurden.“

Jerusalem, die Hure, hat das Blut der Propheten und Heiligen auf dem Gewissen; ebenso die Menschen, auf die die Plagen in Off 16 kommen.

Die vierte Schale trifft die Sonne; in der Folge werden die Menschen mit großer Hitze versengt. Die fünfte Schale trifft den Thron des Tieres. Das Tier hat in Jerusalem gewirkt (vgl. 11,7)! Die Menschen, die von der fünften Plage getroffen werden, sind dieselben, die von der ersten getroffen werden (V. 11): Sie „lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre“ (vgl. V. 2). Aber, obwohl sie noch Schmerzen haben von den Geschwüren, die mit der ersten Schale gekommen sind, tun sie nicht Buße von ihren bösen Werken (V. 11; 9,20.21). Die sechste Schale wird auf den Euphrat gegossen, der die von Gott gesetzte Ostgrenze des verheißenen Landes bildet. Auch hier erkennen wir: Es geht um Israel! – In der siebenten Schale kommt vom Thron Gottes her die Vollzugsmeldung: „Gericht ausgeführt!“.

Die Gewitterszenen (Stimmen, Donner, Blitze, Beben) kommen in der Off jeweils am Ende der Reihe vor, also nach dem siebenten Siegel (8,5), nach der siebenten Posaune (11,19) und nach der siebenten Schale (16,18). (Anm.: In 4,5 werden dem Johannes in der Vision die Gewitterszenen vorgestellt: Alle Gerichte gehen vom Thron Gottes aus.)

Die in Off 16 erwähnten Plagen rufen die Plagen Ägyptens, anlässlich des ersten Auszugs (Exodus) Israels in Erinnerung (5Mo 28,59–61; vgl. 3Mo 26,18.21.26.28). Hier in Off 16 geht es um den zweiten Auszug, den Auszug des wahren Israels hinein in das himmlische „Land“.

1. Schale (Geschwüre an Menschen) // 6. Plage (2Mo 9,9.10: Geschwüre an Mensch und Vieh)

2. Schale (Blut) // 1. Plage (2Mo 9,10.11, Blut)

3. Schale (Wasser zu Blut) //1. Plage (Wasser zu Blut)

5. Schale (Finsternis) // 9. Plage (2Mo 10,22.23; Finsternis)

6. Schale (Frösche) // 3. Plage (Frösche)

Wir betrachten den Text im Einzelnen:

a. Die Ausgießung der 1. Schale auf das Land: 16,2

V. 2: „Und der erste ging weg und schüttete seine Schale aus auf das Land. Und es entstand ein schlimmes und böses Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und die seinem Bild huldigten.“

An allen Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten, entsteht ein schlimmes und böses Geschwür. Dass es nicht ohne Schmerzen abgeht, zeigen die V. 10.11.

Zum Malzeichen erinnern wir uns: Die Zeloten haben in Israel eigene Münzen geprägt. Sie bestimmten, welches Geld in Jerusalem und Israel verwendet werden darf. Damit hatten sie ein Druckmittel gegen alle Juden im Land, die gegen sie waren. Wer sich nicht zu ihnen hält, bekommt keine Münzen.

Historisches zu Schale 1–4 (Vgl. Josephus, Jüd. Krieg 6,5,3 und 4: schreckliche Omen gab es in jenen Tagen.

z. B. Ein Komet blieb ein Jahr lang am Himmel; ein geheimnisvolles taghelles Licht umstrahlte den Altar und den Tempel in der Nacht, 30 min lang; ein Kuh, zum Schachtopfer geführt, gebar mitten im Tempel ein Lamm; das östliche Tor des inneren Vorhofs öffnete sich um Mitternacht von selbst. Im Frühj 66 nach dem Passah, am 21. Artemisios, sah man vor Sonnenuntergang über der ganzen Gegend in der Luft Wagen und bewaffnete Scharen durch die Wolken dahineilen und Städte umkreisen (also eine Luftspiegelung?); zu Pfingsten 66 n. Chr. hörten die Priester im Vorhof ein Getöse und Rauschen und später den Ruf „Lasst uns von hier wegziehen!“; ein gewisser Jesus, Sohndes Ananus, ein ungebildeter Bauer, kam 4 Jahre vor Ausbruch des Krieges, als noch Friede und Sicherheit war (1Thes 5,2), zum Laubhüttenfest in die Nähe des Tempels und rief Tag und Nacht: „Eine Stimme vom Osten, eine vom Westen, eine von den 4 winden, eine Stimme über Jerusalem und den Tempel, eine Stimme über Braut und Bräutigam, eine Stimme über das ganze Volk!“, obwohl man es ihm verbot und ihn schlug. Nachdem man ihn gegeißelt hatte, rief er mit kläglicher Stimme „Wehe Jerusalem!“ Er wurde für wahnsinnig gehalten, reif immer weiter bis zum Ausbruch des Krieges „Wehe Jerusalem“, vor allem an Festtagen, wo er sehr laut rief. Das tat er 7,5 Jahre lang. Als die Belagerung anfing, hörte er auf zu rufen. Einmal rief er: „Wehe der Stadt und dem Volk und dem Tempel – und wehe auch mir“, da traf ihn ein von der Wurfmaschine geschleuderter Stein und machte seinem Leben ein Ende. Josephus, Jüd. Krieg 6,5,3

Das ist der Anfang des „Zornes“, der über Israel kommen sollte, 1Thes 2,16.

Die Gläubigen sind zwar zu Verfolgung (1Thes 3,5), aber nicht zum Zorn bestimmt (1Thes 5,10.)

b. Die Ausgießung der 2. Schale: Meer: 16,3

V. 3: „Und der zweite Bote schüttete seine Schale aus in das Meer. Und es entstand Blut wie [das] eines Toten, und jede lebende Seele im Meer starb.“

Jedes Lebewesen im Meer stirbt. Mit dem „Meer“ ist auch hier (wie in 8,8.9) der Küstenstreifen gemeint. Im Gegensatz zu 8,8.9 sterben hier alle Meerestiere, nicht nur „ein Drittel“.

Das Wasser an der Meeresküste ist voll Blut, gleichsam eine große Todessuppe. Man vergleiche a. die erste Plage Ägyptens (2Mo 7,17–21). Hier haben wir „Schöpfung rückwärts“.

c. Die Ausgießung der 3. Schale: Wasser: 16,4–7

V. 4: „Und der dritte Bote schüttete seine Schale aus in die Flüsse und in die Wasserquellen. Und es entstand Blut.“

Die Süßwasser (Bäche, Quellen, Ströme, Flüsse) werden zu Blut. Das Trinkwasser wird ungenießbar.

„Blut“ spricht von Tod. Man vergleiche die erste Plage Ägyptens (2Mo 7,17–21; Ps 78,44).

Dieses Gericht kommt, weil jene die Heiligen und Propheten ermordet haben (V. 6) bzw. geholfen haben, sie zu ermorden. Jetzt bekommen die blutrünstigen Verfolger ihr Blut zurück. Die Mörder der Heiligen und Propheten sind, wie wir später erfahren, Menschen, die mit der Stadt „Babylon“ in enger Verbindung stehen.

Vgl. 2Mo 7,17, das war lokal. Vgl. a. Jes 15,9 „die Wasser Dimons sind voll Blut“, auch das war lokal.

V. 5.6: „Und ich hörte den Boten der Wasser sagen: ‚Gerecht, Herr, bist du, der du bist und der du warst und der Heilige bist, weil du diese Gerichte vollstrecktest, weil sie das Blut von Heiligen und Propheten ausschütteten; und Blut gabst du ihnen zu trinken, denn sie sind es wert.’“

Wer Gottes Volk antastet, bekommt es mit Gott selbst zu tun. Sach 2,8.

V 6E: „… denn sie sind es wert.“

Sie sind der Strafe würdig. Die Sünde Israels bzw. Jerusalems bestand vor allem darin, dass sie die Propheten und Heiligen getötet hatten. Keine andere Stadt und kein anderes Volk kann gemeint sein.

V. 7: „Und ich hörte den Altar sagen: ‚Ja, Herr, Gott, Machthaber über alles: Wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte.’“

Die Stimme kommt von dorther, wo die Märtyrer beteten (8,3.5). Das Gericht ist eine Antwort auf die Gebete der Heiligen.

d. Die Ausgießung der 4. Schale auf die Sonne: 16,8.9

V. 8: „Und der vierte Bote schüttete seine Schale aus auf die Sonne. Und es wurde ihr gegeben, die Menschen mit Feuer zu versengen.“

Die Quelle des Lebens, die Sonne, wird zur Quelle des Todes. Sie versengt die Menschen mit großer Hitze.

Diese Plagen sind Gericht, aber immer noch hofft Gott auf Buße. Er rief mit Güte (Rm 2,4), und er ruft mit Ernst, und sein Rufen ist laut. Bis zum letzten Augenblick gibt er Raum zur Umkehr!

V. 9: „Und die Menschen wurden versengt mit großer Hitze. Und sie lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Vollmacht hat, …“

Sie hören nicht damit auf, schlecht über Gott zu reden (16,9.11.21). Noch könnten sie Buße tun, ein paar Stunden oder Tage noch! Später nicht mehr. – Sie werden vor dem Richter keine Entschuldigung haben!

„… und sie taten nicht Buße, ihm Herrlichkeit zu geben.“

Vgl. Jer 5,3: „Du schlugst sie, aber es tat ihnen nicht weh. Du riebst sie auf, sie weigerten sich Zucht anzunehmen. Sie machten ihre Angesichter härter als Fels, weigerten sich umzukehren.“

Wie kann ein unbekehrter Mensch Gott „Herrlichkeit und Ehre geben“? – Indem er Buße tut. Gott bekommt Herrlichkeit und Ehre aus dem Munde dessen, der zu Gott sagt: „Herr, du hast Recht. Dir gebührt und gehört alle Macht und alle Herrlichkeit.“

→ Wir lernen: Wenn Menschen Buße tun, wird Gottes Herrlichkeit gemehrt. Wir – auch als Geheiligte – geben Gott Herrlichkeit, indem wir ihm die Herrlichkeit (Ehre) zusprechen. Wir sagen ihm: „Dir gehört die Ehre, nicht mir!“

e. Die Ausgießung der 5. Schale auf den Thron des Tieres: 16,10.11

V. 10A: „Und der fünfte Bote schüttete seine Schale aus auf den Thron des Tieres.“

Das Tier selbst ist in Jerusalem zu finden. Es hat seine Wirksamkeit vor allem in der „großen Stadt“, und es hat sein „Königreich“ mitten in Israel. Die Plagen fallen auf dieselbe Gruppe von Menschen, die nicht nur das Malzeichen angenommen, sondern auch „das Blut der Heiligen und Propheten“ vergossen haben (18,20.24; 19,2). Das Tier trägt die Hure (17,2), und die Bewohner der „großen Stadt“ nehmen das Malzeichen des Tieres an. Daher kommen die Plagen auf die Bewohner der „großen Stadt“. Aber auch das Tier – wie sein Königreich – bleiben von dem göttlichen Gericht nicht verschont.

V. 10M: „Und sein Königreich wurde finster.“

Nun wird der Weg freigemacht für die Heere der Könige aus dem Osten, vom Euphrat her. Alles wird verfinstert. Wie das Tier und seine Heere enden, erfahren wir in 19,19–21.

V. 10E: „Und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz“

Der Schmerz ist anhaltend. Das Verb steht im Griech. im Imperfekt, was eine andauernde Handlung andeutet (oder eine massenhafte Handlung, eine, die viele Menschen betrifft). D. h.: Sie zerbissen anhaltend ‹und in großer Zahl› ihre Zungen vor Schmerz. – Gott hat sie zweimal zur Buße gerufen (V. 10.11). Sie haben zweimal abbelehnt.

V. 11: „… und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße über ihre Werke.“

Sie merken sehr wohl, dass es einen Gott gibt, tun aber nicht Buße. Sie sind Feinde des Kreuzes Christi (Phil 3,18).

f. Die Ausgießung der 6. Schale auf den Euphrat: 16,12

V. 12A: „Und der sechste Bote schüttete seine Schale aus auf den großen Fluss, den Euphrat.“

Die sechste Schale ist inhaltlich nur zum Teil parallel mit der sechsten Posaune. In beiden ist vom Euphrat die Rede (9,14; 16,12), aber es gibt Unterschiede

Aber in K. 9 ist nicht davon die Rede, dass die Reiterheere aus dem Osten kommen.

In 9,14–21 töten die Reitertruppen mit Feuer, Rauch und Schwefel aus dem „Maul“ der „Pferde“ ein Drittel der Menschen. In 16,12 wird vorerst (noch) niemand getötet. Johannes sieht lediglich die Sammlung der Heere zum Krieg gegen Gott. Erst in der Fortsetzung (in 19,11-21) tötet der auf dem Pferde Sitzende sämtliche Heere mit dem „Schwert“ seines Mundes (19,11–15.19–21).

In 9,20.21 gibt es nach der Schlacht noch Gelegenheit zur Buße, in 19,17–21 nicht mehr.

V. 12 M: „Und sein Wasser wurde ausgetrocknet, …“

Der Euphratstrom diente in alten Zeiten stets zum Schutz vor den wilden Völkerhorden aus dem Osten. Er war die Barriere gegen die Überflutung des Landes durch Mächte aus dem Osten. Dieser Schutz wird nun weggenommen.

„… damit bereitet würde der Weg der Könige vom Aufgang der Sonne her …“

Die Erwähnung der „Könige des Ostens“ ruft für den Leser eine gräuliche Assoziation hervor: Im Osten gab es wilde Völker. Im 1. Jhdt. n. Chr. waren im Osten die gefürchteten Parther für das Römerreich eine stetige Bedrohung. Auch der persische König Kyros (Kores) war vom Osten her über Babylon gekommen (Jes 41,25).

Was in 9,15.17 noch nicht erwähnt worden war, wird hier gesagt: nämlich, mit welchem Ziel und Zweck die Heere aus dem Osten kommen. Nun, da der Leser die Infos von K. 13.14 hat, kann er verstehen:

Das Bild kommt aus der Geschichte Babylons. Der Euphrat umfloss Babel von allen Seiten. Der persische König Kyros II (Kores) konnte im Jahr 539 v. Chr. Babylon einnehmen durch kurzzeitige Austrocknung des Bachbettes des Euphrats: Er ließ stromaufwärts der Stadt ein großes Becken anlegen. Eines Nachts leitete er dann den mächtigen Fluss um und flutete das Becken. Durch die kurzzeitige Umleitung war das Flussbett für eine kleine Weile gangbar und bereitete den Heeren aus dem Osten einen Weg zum Eindringen in die Stadt. Nun war Babylon den Feinden preisgegeben. In derselben Nacht wurde es eingenommen.

Hier ist es ähnlich. Das „Babel“ hier ist „die groß Stadt“, wo der Herr gekreuzigt wurde (11,8): Jerusalem. In K. 9 steht der Euphrat als Symbol für den göttlichen Schutz gegen die Überflutung des (israelitischen) Landes durch Dämonen. Gott hatte die Stadt in der Vergangenheit geschützt vor dem Einbruch der Dämonen.

Dieser Schutz wird nun weggenommen. D. h., Gott gibt das Land Israel den Dämonen preis. Das öffnet den Dämonen den Weg zum Eindringen in die Stadt.

In 18,2 erfährt der Leser, dass die große Stadt „Babylon“ eine Behausung der Dämonen geworden war: „… Babylon, die Große, … ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Vogels.“

Der Ausdruck „Könige des Ostens“ steht in dieser Vision für gräuliche überflutende Feindesheere. Ihnen ist das Israel nun, nachdem der göttliche Schutz weggenommen ist, preisgegeben.

Der Herr Jesus hatte Israel davor gewarnt (Mt 12,43–45): „Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: ‚Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich herausgegangen bin’; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang. So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“

3. Zwischenvision: Die Sammlung zum Krieg: 16,13–16

Einleitendes:

V. 13.14: „Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister [kommen], die Fröschen glichen, 14 denn sie sind Dämonengeister, die Zeichen tun, [Dämonengeister,] die zu den Königen des ganzen Weltreiches ausgehen, sie zu versammeln zum Krieg jenes großen Tages Gottes, des Machthabers über alles.“

Die Feinde, die nun im Folgenden beschrieben werden, gehen nicht (bzw. nicht nur) gegen die Hure (das fleischliche Jerusalem) vor; sondern der in V. 14 erwähnte „Krieg“ ist gegen Gott selbst und gegen die Heiligen. Das wird im Folgenden (17,14 und 19,19-21) deutlich. Es ist letztlich der Kampf gegen Jahweh und seinen Gesalbten, den Messias, den er auf seinem heiligen „Berg“, dem Zion (Ps 2,6; Off 14,1), eingesetzt hat.

Die sechste Schale bestätigt, dass mit dem „Tier“ (von Off 13,1-10) nicht Rom, sondern das Zelotentum (bzw. dessen Führer) gemeint ist, das dämonisch beeinflusst, die Stadt beherrschte, verseuchte und verwüstete.

Der Krieg von 16,14.16 wird in 19,19 wieder aufgegriffen. Das Tier und der Falschprophet und ihre versammelten Heere werden getötet (19,19–21).

Wo ist die historische Erfüllung all dessen?

Alles wurde im 1. Jhdt. n. Chr. erfüllt. Im römisch-jüdischen Krieg wurden nicht die Römer gerichtet, sondern die Zeloten mitsamt der „großen“, gräulichen Stadt, die sich durch jene dämonisch beeinflussten Menschen zur Feindschaft gegen Gott und seinen Gesalbten und gegen seine Heiligen verführen hat lassen.

Die Römer waren Gottes Gerichtsrute, ähnlich wie die Assyrer und Babylonier in alter Zeit.

Die Dämonengeister von Off 16,14 gingen von dem Satan aus und verführten die Zelotenheere zum Kampf gegen Gott, gegen Christus und gegen die Heiligen.

Hinter den Zeloten und dem Falschpropheten steht der Drache, der im Zorn auf Jesus Christus alles anstiftete und wusste, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, Röm 16,20.

a. Vom Ausgehen der unreinen Geister zur Sammlung der Könige des Weltreiches/Oikoumenee: 16,13.14

V. 13: „Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister [kommen], die Fröschen glichen, …“

Drache, Tier und Falschprophet, diese drei bilden eine unheilige Allianz.

V. 14: „… denn sie sind Dämonengeister, die Zeichen tun, [Dämonengeister,] die zu den Königen des ganzen Weltreiches ausgehen, sie zu versammeln zum Krieg jenes großen Tages Gottes, des Machthabers über alles.“

Diese Dämonengeister verführen die „Könige des ganzen Weltreiches“ dazu gegen Gott und die Heiligen in den Krieg zu ziehen.

Mit dem „Weltreich“ (Imperium; Festland; griech. oikoumenee) ist wahrscheinlich das gesamte damalige römische Reich gemeint. Das Tier hatte große Vollmacht „über jeden Stamm und jede Volksschar und jede Sprache und jedes Volk“ (13,7). Das zeigt seinen Einflussbereich. Die Juden waren damals überall im römischen Reich verstreut. Zu Festzeiten kamen Juden aus aller Welt nach Jerusalem (vgl. Apg 2,5): „Es waren in Jerusalem wohnhaft Juden – gewissenhafte ‹und gottesfürchtige› Männer – aus jedem der Völker unter dem Himmel.“ (Das Wort „alles“ bzw. „jeder/jede/jedes“ darf nicht im absoluten Sinne verstanden werden.)

V. 14M: „… die zu den Königen des ganzen Weltreiches ausgehen, … “

Die „Könige des ganzen Weltreiches (Festlandes; gr.: oikoumenee)“ (16,16) sind identisch mit den „Königen der Erde“ von 19,19. Die Begriffe „Weltreich“ (Imperium; Festland) und „Erde“ (Land) werden im begrenzten Sinne verwendet.

V. 14E: „… sie zu versammeln zum Krieg …“

Diese Könige werden durch die Dämonengeister aufgereizt, gegen das treue Gottesvolk vorzugehen. Das wird in diesem Bild dargestellt. Letztlich ist es ein Kampf des Drachen gegen Gott.

Historisch erfüllt wurde dieser Kampf in der schweren Christenverfolgung der Jahre 64 bis ca. 68/69 n. Chr. (Wir wissen nicht genau, wie lange die Verfolgung anhielt, jedenfalls einige Jahre lang.)

→ Wir lernen: Dämonen inspirieren politische Machthaber. Der Satan nimmt so Einfluss auf das Denken und Planen von einflussreichen Menschen.

V. 14E: „… sie zu versammeln zum Krieg jenes großen Tages Gottes, des Machthabers über alles.“

Der große Tag des Satans, des Tieres und seiner Könige wird zum großen „Tag Gottes, des Machthabers über alles“.

Krieg gegen das Volk Gottes ist auch Krieg gegen Jahweh.

(Vgl. Jer 50,24: „Ich habe dir Schlingen gelegt, und du hast dich auch verfangen, Babel, und du selbst erkanntest es nicht. Du wurdest gefunden und auch gefasst, weil du Krieg gegen Jahweh begonnen hast.“)

Deshalb schreitet Gott selber ein.“ V. 29M: „Nach allem, was sie getan hat, tut ihr, denn sie hat vermessen gehandelt gegen Jahweh, gegen den Heiligen Israels!“)

Das Bild kommt aus der alttestamentlichen Prophetie: In Hes 38,2–8 sowie in Sach 12,3 und 14,2 wird geweissagt, dass am Ende viele Völker Krieg führen werden gegen Jerusalem bzw. gegen den Berg Zion.

Vgl. Jes 29,8E „So wird es sein mit der Menge all der Völker, die Krieg führen gegen den Berg Zion“.

b. Zwischenruf: Seligpreisung der Wachenden: 16,15

V. 15: „Siehe, ich komme wie ein Dieb. Ein Seliger ist der, der wacht und seine Kleider bewahrt! – damit er nicht als Entblößter umhergehe und man seine Scham sehe.“

Dies ist ein Wort des erhöhten Herrn an seine Gemeinde. Vom Kommen „wie ein Dieb“ (unangemeldet, plötzlich) hatte der Herr schon in Off 3,3 gesprochen.

In Off 19,19-21 kommt der Richter über jene böse Allianz (Drache, Tier, Falschprophet) und ihre Heere, die gegen das geliebte wahre Gottesvolk vorgehen.

„… der wacht …“

Gottes Volk ist aufgerufen zu wachen (1Thes 5,2–8): „… denn ihr wisst selbst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht; 3 denn wenn sie sagen: ‚Friede und Sicherheit’, dann kommt ihnen plötzliches Verderben, wie die Wehen [über] eine schwangere Frau [kommen]; und sie werden auf keinen Fall entfliehen. 4 Aber ihr, Brüder, seid nicht in Dunkelheit, sodass der Tag euch wie ein Dieb überfalle. 5 Ihr seid alle Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht noch der Dunkelheit. 6 Dann lasst uns also nicht auch schlafen wie die anderen, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein, 7 denn die, die schlafen, schlafen des Nachts, und die Betrunkenen sind des Nachts betrunken. 8 Wir sind aber des Tages [und] sollen nüchtern sein als solche, die angezogen haben den Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und als Helm die Hoffnung des Heils.“

In Lk 21,36 sagte der Herr: „Wacht also zu jeder Zeit! – flehend, damit ihr würdig geachtet werdet, dem allem, das geschehen soll, zu entfliehen und euch vor den Sohn des Menschen zu stellen ‹und vor ihm zu stehen›.“

„… und seine Kleider bewahrt“:

Kleider bewahren bedeutet, dass man sich nicht schlafen legen soll. Man schlief damals ohne Kleider. Wer vom Dieb im Schlaf überrascht wurde, stand unbekleidet da. Das war eine große Schande.

Vgl. 3,18: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen … und weiße Kleider, damit du umkleidet seiest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, …“

Von der Kleidung der Erlösten sagt Jesaja (61,10): „Meine Seele soll frohlocken in meinem Gott, denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, das Oberkleid der Gerechtigkeit mir umgetan, wie der Bräutigam nach Priesterart den Kopfschmuck trägt und wie eine Braut sich schmückt mit ihrem Geschmeide.“

c. Die Kriegssammlung in Harmageddoon: 16,16

V. 16: „Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch ‚Harmageddoon’ heißt.“

„Und er versammelte sie …“ – gemeint ist Gott. Sie werden zwar versammelt von bösen Geistern, aber letztlich ist es Gott, der alles geschichtliche Geschehen in seiner Hand hat. Er versammelt sie, um sie dann dort zu zerstören.

Vgl. Sach 14,2: „Da werde ich alle Heidenvölker bei Jerusalem zum Krieg versammeln; …“; vgl. Hes 38,4: „Ich werde dich mit einem Haken nehmen und führen …“.

Gott benutzt das dämonische Wirken zur Erfüllung seiner Gerichtszwecke und für seine Ehre. Letztlich lenkt er die Geschichte der Menschheit.

V. 16M: „… an den Ort, der auf Hebräisch ‚Harmageddoon’ heißt.“

Nun wird die Endschlacht vorbereitet.

‚Harmageddoon’ heißt „Berg [heb.: har] von Megiddo“. Die Ebene von Megiddo war ein berühmter Kriegsschauplatz, an der westlichen Seite des Kischon-Flusses, südlich der Jesreel-Ebene, wo viele Entscheidungsschlachten alter Zeit stattfanden. (Vgl. Jos 12,21; 17,11; Ri 5,19; 1Kön 4,12; 9,15; 2Kön 9,27; 23,29.30; 1Chr 7,29; Sach 12,11; 2Chr 35,22.) Die Stadt Megiddo wurde 350 v. Chr. zerstört. Sie lag in Trümmern und wurde vergessen.

‚Harmageddoon’ ist es kein Schlachtplatz, sondern ein Berg. Er steht im Gegensatz zum Berg Zijon. Dort steht das Lamm mit seinen 144000 treuen Soldaten (14,1). Es ist letztlich die Schlacht der Versammlung des Drachen gegen die Versammlung Christi, der Krieg des Tieres gegen das Lamm (17,14).

Es ist ein Krieg „gegen den Berg Zion“ (Vgl. Jes 29,8: „…; so wird die Menge all der Völker sein, die Krieg führen gegen den Berg Zijon.“)

‚Harmageddoon’ ist also der symbolische Gegenberg des Berges Zion. Es handelt sich also um einen geistlichen Kampfschauplatz und eine geistliche Schlacht, in der die Heiligen verfolgt werden. Diese Schlacht gegen Gott und seinen Gesalbten wird sodann in 19,19 beschrieben.

Harmageddoon ist ein Bild für die Schlacht Gottes gegen das fleischliche Israel, angeführt von den Zeloten, die die Bevölkerung des Landes und der Stadt verführten und verdarben (Off 11,18; 19,2).

Johannes berichtet, was er in dem Gesicht sieht. Er sieht die Austrocknung des Euphrat und die Sammlung der Könige des Ostens, die dämonische Verführung der Könige, die von Gott zum fatalen Krieg versammelt werden. Er sieht, wie die Könige des Ostens sich beim Berg von Megiddo sammeln, um gegen den Berg Zion Krieg zu führen.

Die Plage (der sechsten Schale) ist das, was im Folgenden geschieht: Der letzte Krieg, die Schlacht des Tieres gegen Gott. Es kommt eigentlich gar nicht zur Schlacht; sondern die Feinde werden eingesammelt. Die Details sieht Johannes erst in 19,11–21.

4. Die Ausgießung der siebenten Schale 16,17–21

Die siebente Schale bringt den Höhepunkt der Plagen und den Abschluss der Gerichte.

Sieben Elemente werden genannt:

. Das große Beben

. Das Dritteln der „großen Stadt“ (ein Zeichen des Gerichts, Hes 5,2.12)

. Das Fallen der Städte der „Völker“ (Heiden) in Israel

. Gottes Erinnerung an „Babylon“, um ihr den Zornesbecher zu geben

. Das Vergehen der Inseln und Berge. (Off 6,12–14; Mt 24,29; Lk 21,25–27; Hebr 12,26.27 in Verb. m. Hag 2,21.22).

. Der große Hagel (ca. 26 kg pro Hagelstein)

. Die Unbußfertigkeit der Menschen, die über die sehr große Plage lästern.

V. 17: „Und der siebente Bote schüttete seine Schale aus in die Luft. Und es kam eine große, ‹laute› Stimme aus dem Tempelheiligtum des Himmels, vom Thron her, die sagte: ‚Es ist geschehen!’“

Eine Stimme vom Tempel und von Thron selbst: „Es ist geschehen!“ Der Befehl ist ausgeführt. Das Gericht ist vollzogen. Das ist die Vollzugsmeldung des Engels an Gott. Er hat den göttlichen Befehl von 16,1 ausgeführt.

→ Der Ausruf „Es ist geschehen!“ ruft den Schrei unseres Erlösers am Kreuz in Erinnerung: „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30). Jenes Gericht war unser Gericht, das stellvertretende Gericht für die Erlösten. Wäre jenes „Vollbracht!“ nicht erschollen, könnte niemand dem ewigen Gericht entfliehen.

V. 18: „Und es geschahen Stimmen und Donner und Blitze. Und es geschah ein großes Beben, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem es Menschen auf dem Land gab, solch ein Beben, so groß.“

V. 19 „Und die große Stadt wurde in drei Teile geteilt. Und die Städte der Völker fielen. Und Babylon, die Große, ihrer wurde gedacht vor Gott, ihr den Weinbecher des Grimmes seines Zornes zu geben.“

„Und die große Stadt …“:

Babylon wird in der Off an folgenden Stellen „die große Stadt „genannt: 14,8; 16,19; 17,18; 18,10.16.19.21. Ihr gegenüber steht die „große Stadt“ Neu–Jerusalem, Off 21,10.

Das „Dritteln“ der Stadt bezeichnet nach Hesekiel ihre Zerstörung. Es kommen drei verschiedenen „Plagen“ über die Stadt: Gemäß Hes 5,2 sind es Feuer, Schwert und Zerstreuung; gemäß Hes 5,12 sind es Pest/Hunger, Schwert und Gefangenschaft

Hes 5,1–5: „Und du, Menschensohn, nimm dir ein scharfes Schwert: Als Schermesser sollst du es dir nehmen und damit über deinen Kopf und über deinen Bart fahren. Und nimm dir Waagschalen und teile [die Haare] auf: 2 Ein Drittel sollst du im Feuer verbrennen, mitten in der Stadt, wenn die Tage der Belagerung erfüllt sind. Und ein Drittel sollst du nehmen [und] es mit dem Schwert schlagen rings um sie her. Und ein Drittel sollst du in den Wind streuen; und ich werde das Schwert zücken hinter ihnen her. 3 Und du sollst davon etwas nehmen, wenige an Zahl, und sollst sie in deine [Gewand]zipfel binden. 4 Und von diesen sollst du nochmals [einige] nehmen und sie mitten ins Feuer werfen und sie im Feuer verbrennen. Davon wird ein Feuer ausgehen über das ganze Haus Israel. 5 So sagt der Herr, Jahweh: Dieses Jerusalem, mitten unter die Völker habe ich es gesetzt, und Länder sind rings um es her. …“ 5,12: „Ein Drittel von dir soll an der Pest sterben und in deiner Mitte durch Hunger umkommen. Und ein Drittel soll durchs Schwert fallen rings um dich her. Und ein Drittel werde ich in alle Winde zerstreuen, und ich werde das Schwert zücken hinter ihnen her.“

„Und die Städte der Völker fielen.“

Damit sind die übrigen Städte „des Landes“ gemeint, also die Städte der ungläubigen Juden, die durch die Verwerfung des Messias zu Heiden (d. h.: „zu solchen, die aus den Völkern sind“) geworden sind. Die ungläubigen Juden werden in der Off nicht als Gottes Volk, sondern als die Gegner, als „Satanssynagoge“ und „Völker“ (Heiden), bezeichnet (2,9; 3,9). Der Begriff „Völker“ ist in der Off oft in begrenztem Sinne aufzufassen (2,26; 11,9.18; 13,7; 14,6.8; 17,15; 18,3.23; 19,15; 20,3.8).

Anm: Andere meinen, mit den Städten der Völker seien die Städte in Galiläa gemeint, die hauptsächlich aus heidnischer Bevölkerung bestanden. Vgl. Mt 4,15. Der Ausdruck „Galiläa der Heiden“. war eine gewöhnliche Bezeichnung für Galiläa wegen der großen heidnischen Bevölkerung dort (WBC, D. A. Hagner, Matthew 1–13, Bd. 33A, S. 73, Dallas 1998)

„Und Babylon, die Große, ihrer wurde gedacht vor Gott, ihr den Weinbecher des Grimmes seines Zornes zu geben.“

„Babylon, die Große“ (14,8; 17,5; 18,2) bekommt den von Gott eingeschenkten Zorneswein (Gerichtswein) zu trinken bis zur bitteren Neige. „Babylon“ ist die in drei Teile geteilte „große Stadt“ (11,8; 14,8; 16,19; 17,18; 18,10.16.19.21). Nachdem die große Stadt gedrittelt ist, wird sie verbrannt und zerstört. Gott hält seinen Grimm nicht mehr zurück. Der Fall „Babels“ wird in der ersten Ergänzungsvision (K. 17,1- 19,10) detailliert beschrieben. Sie wird „in einer Stunde“ gerichtet (K. 18). Das Gerichtswerkzeug sind die „zehn Könige“ (17,16).

V. 20: „Und jede Insel entfloh, und Berge wurden nicht gefunden.“

Das Vergehen der Inseln und das Verschwinden der Berge sind eschatologische Ausdrücke für das Ende einer Welt oder eines Landes oder einer Stadt.

Vgl. Jer 4,23–27: „Ich schaue das Land, und – siehe!– es ist wüst und leer, zu den Himmeln, und ihr Licht ist nicht da. 24 Ich schaue die Berge, und– siehe!– sie beben; und alle Hügel werden erschüttert. 25 Ich schaue, und– siehe!– kein Mensch ist da, und alle Vögel des Himmels sind entflohen. 26 Ich schaue, und– siehe!– der Baumgarten [ist] eine Wüste, und alle seine Städte sind niedergerissen vor Jahweh, vor der Glut seines Zorns. 27 Fürwahr, so sagt Jahweh: Eine Einöde soll alles Land werden, doch will ich ihm nicht [ganz] ein Ende machen.“

Das Bild vom Fliehen der Inseln und Berge war bereits in Off 6 auf das physische Israel bezogen worden (Vgl.. dort die Parallele von 6,16.17 zu Lk 23,30. Auch Hos 10,8 zeigt, dass es sich um ein lokales Gericht handelt, so wie damals in Samaria, der Hauptstadt des Nordreiches von Israel.) Eine Parallele ist auch die bildhafte Beschreibung vom Untergang Edoms in Jes 34. An unserer Stelle hier wird auf diese Weise der Untergang der alttestamentlichen Bundeswelt (mit Tempel, Priesterschaft und Opferkultus) beschrieben.

V. 21: „Und große Hagelbrocken, wie ein Talent schwer, kommen nieder aus dem Himmel auf die Menschen.

Der „Hagel“, der auf die Stadt Jerusalem kommt, ist ein tödlicher. Das Bild beschreibt einen Steinhagel, wie man ihn damals von den katapultierenden Geschoßen der Belagerer einer Stadt kannte.

Die Steine waren „schwer wie ein Talent“. Ein Talent wog etwa 26kg.

Bei der Belagerung Jerusalem konstruierte die zehnte Legion Wurfmaschinen, die zentnerschwere Steine gegen die Stadt schleuderte. Josephus (Jüd. Krieg 5,6,3) schreibt, diese Maschinen „schleuderten talentschwere Felsstücke, welche zwei Stadien (Anm.: D. s. ca. 370m) weit … flogen“.

V. 21E: „Und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, weil seine Plage überaus groß ist.“

Hier bricht das Gesicht jäh ab – kurz vor dem glorreichen Schluss, der dann in 19,11–21 berichtet wird.

5. Fazit: Wie und wo ist die Erfüllung der Ausgießung der Schalen?

Das Bild vom Ausgießen der sechsten Schale zeichnet die Sammlung der „Könige“ zum Krieg gegen das Gott und Jesus Christus (16,14; 17,14), d. h., die Christenverfolgung in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems. Das Bild vom Ausgießen der siebente Schale zeichnet den Fall Babylons, d. h., der Zerstörung Jerusalems und der Städte Israels wie auch der führenden jüdischen Schicht.

6. Exkurse zur Frage nach der Identität von Babylon

Der himmlische Bote sagte dem Apostel Johannes, wer die Hure ist (Off 17,18): „Die Frau, die du sahst, ist die große Stadt, die die Königsherrschaft über die Könige des Landes (o.: der Erde) hat.“.

Mehr braucht der Engel dem Apostel Johannes nicht zu sagen. Die Aussage war klar genug. Die Stadt muss demnach eine bekannte sein. Es kommen letztlich nur zwei in Frage: Rom oder Jerusalem.

Viele bibeltreue Vertreter der Auffassung, die Stadt sei Rom, deuten die Hure auf das religiöse römische System, die römisch katholische Kirche und auf den Vatikanstaat (einen Stadtteil von Rom) und/oder im weiteren Sinne auf die Ökumene oder eine „endzeitliche, synkretistische Welteinheitsreligion“.

Aber eine Religion, eine Ökumene oder die Kirche, ist nicht „die große Stadt“. Und inwiefern soll der Fall jener Religion oder Kirche für die ersten Leser der Off von Belang gewesen sein? Aus welcher Stadt sollten die Briefempfänger „herausgehen“ (18,4)?

„Babylon“ muss nach Off 18,20 eine bereits damals bekannte Größe gewesen sein. Nicht die Ökumene oder Welteinheitskirche verfolgte damals die Apostel, die Heiligen und die Propheten. Die katholische Kirche als solche gab es noch nicht. Die römische Kirche entstand erst mit dem Papsttum, frühestens gegen 400 n. Chr. Die vehementesten Christenverfolger in der damaligen Zeit waren nicht Katholiken oder Ökumeniker, sondern die Juden, die „Synagoge des Satans“ (Off 2,9; 3,9; 1Thes 2,14–16). Der Aufruf „Geht aus ihr hinaus, mein Volk“ (18,4) war für die damaligen Leser äußerst aktuell.

a. Einige Fakten:

1. Von Off 17,18 her ist die „große Stadt“ eine vom AT her bekannte Stadt (11,8; 18,9.10): Sie hat „die Königsherrschaft über die Könige des Landes“.

Die Brautstadt ist durch die Verwerfung ihres Königs (1Thes 2,14.15) zur ehebrecherischen Hure geworden (vgl. Hos 2,4–15; Jes 1,21) und die Versammlung Jahwehs zur „Synagoge des Satans“ (Off 2,9; 3,9). Die Braut des Königs hat den Messias getötet. Sie ist zur „Witwe“ geworden (Off 18,7; vgl. Klg 1,1). Das ursprünglich ihr verheißene Königtum (Hes 16,13) wurde von ihr genommen (Mt 21,43). Sie gibt sich jedoch nach wie vor als „Königin“ aus (Off 18,7.8): „Wie viel sie sich verherrlichte und in Üppigkeit lebte, so viel Qual und Trauer gebt ihr, weil sie in ihrem Herzen sagt: ‘Ich sitze als Königin, und eine Witwe bin ich nicht, und Trauer werde ich auf keinen Fall sehen.’“

Vgl. mit Klg 1,1: „Wie sitzt einsam die volkreiche Stadt, ist einer Witwe gleich geworden die Große unter den Völkern! Die Fürstin über die Provinzen ist fronpflichtig geworden.“

Jerusalem war seit langer Zeit „die Große unter den Völkern“, „die Fürstin“ (vgl. auch Jes 2,3; 60,1ff; 62,3.4; Ob 21; Mi 4,8).

2. Die Stadt wird eine große Hure genannt. Sie hat in der Vergangenheit eine Geschichte, die sie eng mit dem Gott Israels verbindet. Sie hatte eine Bundesbeziehung zu Gott, gleichsam eine „Ehe“ (Hes 16,8–14; Jer 2,2; vgl. Hos 2,4ff), wurde aber durch ihren Götzendienst zur „Hure“: Jes 1,21: „Wie ist zur Hure geworden die treue Stadt!“

Hes 16: V. 1: „So spricht der Herr, Jahweh, zu Jerusalem: … 15: Aber du vertrautest auf deine Schönheit; und du hurtest auf deinen [guten] Namen ‹und Ruf› hin. Und du ergossest deine Hurerei über jeden Vorübergehenden: ihm wurde sie zuteil. … 23: Und es geschah, nach all deiner Bosheit – wehe, wehe dir!, spricht der Herr, Jahweh – … 38-41: Und ich richte dich nach den Rechtsbestimmungen für Ehebrecherinnen und Blutvergießerinnen und bringe Zorn und Eifer über dich. Und ich gebe dich in ihre Hand, und sie werden deinen Hurenaltar zerstören und deine Höhen niederreißen und dir deine Kleider ausziehen und deine prächtigen Geschmeide nehmen und dich nackt und bloß liegen lassen. Und sie werden eine Versammlung gegen dich heraufkommen lassen und dich steinigen und werden dich mit ihren Schwertern niedermetzeln. Und sie werden deine Häuser mit Feuer verbrennen und Strafgerichte an dir üben vor den Augen vieler Frauen. Und so werde ich dich aufhören lassen, Hure zu sein, und Lohn wirst du nicht mehr geben.“

Das alttestamentliche Jerusalem war durch seinen Götzendienst und Abfall von Jahweh zu einer Hurenstadt geworden. (Vgl. a. Jes 57,3; Jer 3,9–14; Hes 23; Hos 1,2.)

3. Die Hure ist eine Stadt, die demnächst „verwüstet“ werden wird. Sie wird ihrer Stadtmauern „entblößt“, ihre Bewohner werden getötet („ihr Fleisch gefressen“) und die Häuser „verbrannt“.

17,16: „Und die zehn Hörner, die du auf dem Tier sahst, diese werden die Hure hassen, und verwüstet werden sie sie machen und nackt, und sie werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen“.

Das Wort „entblößen“ („nackt machen“) wird in Jer 51,58 für das Schleifen einer Stadtmauer verwendet: „So spricht Jahweh der Heere: Die Mauern von Babel, die breiten, sollen ganz und gar geschleift (w.: entblößt, bloßgelegt) und seine hohen Tore mit Feuer verbrannt werden. Und so mühen sich Völker vergebens ab und Völkerschaften fürs Feuer, und sie ermatten.“

Das Gericht über die große Stadt steht zur Zeit der Abfassung kurz bevor (1,1.3; 22,6.10). Deshalb wird das Volk Gottes aufgefordert, aus ihr hinauszugehen (18,4.5): „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt, weil ihre Sünden bis zum Himmel folgten, und Gott gedachte ihrer Ungerechtigkeiten.“

Vgl. das Wort Jesu bzgl. der Zerstörung Jerusalems und des Tempels (Lk 21,20-22): „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. …, weil das Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“ (Betonung vom Verf.)

4. Diese Stadt hat in der Vergangenheit das Blut der Heiligen und Propheten vergossen. Sie ist verantwortlich für deren Ermordung. In Off 18,24 heißt es, dass die große Stadt mit dem Decknamen „Babylon“, schuldig ist, weil „in ihr Blut von Propheten und Heiligen gefunden wurde.“

Off 18,24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und [zwar] von allen denen, die auf der Erde [o.: im Lande] hingeschlachtet wurden.“ – Das Gericht über sie wird als Rache für den Tod der Apostel und Propheten vollzogen.

Der Herr Jesus sagte in Bezug auf die Führer Jerusalems, die Schriftgelehrten und Pharisäer: „… dass über euch komme alles gerechte, auf dem Land vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet.“ (Mt 23,35) Und er fügte hinzu: „Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen. 37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr gesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht! 38 Siehe! Euer Haus wird euch öde gelassen werden, 39 denn ich sage euch: Hinfort werdet ihr mich auf keinen Fall sehen, bis ihr sagt: ‚Gelobt [sei] der, der kommt im Namen des Herrn!“ (Mt 23,36–39) Der Ausdruck „dieses Geschlecht“ (V. 36) bezieht sich auf die Juden.

Vgl. Lk 11,49-51: „Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.“

Off 19,2: Und nach diesen Dingen hörte ich eine große, Stimme einer zahlreichen Menge im Himmel, die sagte: „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft dem Herrn, unserem Gott! – weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei die Erde verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, forderte es von ihrer Hand.“

Die hurerische Stadt „Babylon „ist auch schuldig an der (bzw. mitverantwortlich für die) Ermordung der Apostel. Paulus und Petrus starben (in den Jahren 64–67 n. Chr.) den Märtyrerstod in Rom, Jakobus in Jerusalem (44 n. Chr.).

Die Apostel in Jerusalem hatten (Apg 4,24-27) im Licht des Christusereignisses erkannt, dass die „Könige des Landes“ (von Ps 2,1.2) sich anlässlich der Tötung des Messias mit den Volksscharen und Völkern Israels zusammengetan hatten gegen Gott und seinem Christus. In Feindschaft gegen Gott und den Christus vereinten sich die damaligen von den Römern eingesetzten heidnischen Führer Israels mit den Juden.

„Sie, nachdem sie es gehört hatten, erhoben in Einmütigkeit die Stimme zu Gott und sagten: Unumschränkter Herrscher, du bist der Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was in ihnen ist, machte, 25 der durch den Mund Davids, deines Knechtes, sagte: Warum empörten sich [die] Völker und unternahmen Vergebliches [die] Volksscharen? 26 Es traten an die Könige der Erde, und die Obersten waren zusammengekommen [und] auf dasselbe [Ziel gerichtet], gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels, …“ (Apg 4,24-27).

Selbst nach der Verwerfung des Messias verfolgten die Juden die Heiligen, und sie stachelten die Römer an, gegen die Heiligen vorzugehen (Apg 13,50; 17,5–8; 21,27ff). Und römische Führer erkauften sich die Gunst der Juden, indem sie gegen die Heiligen vorgingen (12,2.3; 24,27; 25,9).

Gott vollzog an der „Hure Babylon“ das Gericht der Apostel und Propheten (Off 18,20), d. h., das Rachegericht für die Ermordung der Apostel und Propheten. Die Apostel und Propheten, werden in 18,20 aufgerufen, sich über Gottes Racheakt an Babylon zu freuen: „Sei fröhlich ‹und feiere› über sie, Himmel! Und ihr, die heiligen Apostel und die Propheten, [seid fröhlich], weil Gott euer Gericht an ihr vollzog!“

5. „Babylon“ ist sowohl eine Frau (eine untreu gewordene, 17,1–5) als auch eine „große Stadt“ (14,8; 16,19A; 17,18; 18,10.16.18.19.21). Sie steht in deutlichem Gegensatz zu der anderen „großen Stadt“ (21,10.) in der Off, die ebenfalls zugleich eine „Frau“ ist, das neue Jerusalem, die Braut des Lammes.

Vgl. Off 17,1-3 mit 21,9.10. Hure und Braut, Altjerusalem und Neujerusalem, stehen einander gegenüber. Die Braut ist die Stadt der Treuen, die Hure die Untreue, Ehebrecherische. (Im AT schon gab es zum einen den treuen Kern – die Tochter Zijon – und zum anderen den ehebrecherischen Teil, Kgl. 1,1.8; Jes 1,21; Jer 2.2–20, 3,1–14; 13.27, Hes 16 u. 23.)

Off 17,1-4A: „Und es kam einer der sieben Boten, die die sieben Schalen hatten, und er sprach mit mir und sagte: Komm! Ich werde dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt, 2 mit der die Könige der Erde Hurerei trieben, und die, die auf der Erde wohnen, wurden trunken vom Wein ihrer Hurerei. 3 Und er trug mich im Geist fort in eine Wüste. Und ich sah eine Frau, sitzend auf einem scharlachroten Tier, [das] voll Namen der Lästerung [war]; es hatte sieben Köpfe und zehn Hörner. 4 Und die Frau war umkleidet mit Purpur und Scharlach …“

21,9-11: „Und es kam einer der sieben Boten, die die sieben Schalen hatten, voll der sieben letzten Plagen, und er sprach mit mir und sagte: Komm! Ich werde dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. 10 Und er trug mich im Geist fort auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, wie sie niederkam aus dem Himmel von Gott. 11 Und sie hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz war einem höchst kostbaren Stein gleich, …“

21,2: „Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, ein neues Jerusalem, wie sie von Gott aus dem Himmel niederkam. Sie war bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. …

6. Die große Stadt ist die Stadt, in der „der Herr gekreuzigt wurde“:

Off 11,8: „Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die in geistlicher Hinsicht ‘Sodom’ und ‘Ägypten’ heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.“

Sie ist klar definiert. Die Stadt, wo der Herr gekreuzigt wurde, diese hat hier die Decknamen „Sodom“ und „Ägypten“. Beide Namen decken ihr wahres Wesen auf. Sie ist moralisch zu „Sodom“ (unrein, verderbt. hurerisch, Jes 1,10; Jer 23,14; Hes 16,46.48.55) und „Ägypten“ (weltlich, gottentfremdet) geworden.

Jer 23,14: „Aber an den Propheten Jerusalems habe ich Schauderhaftes gesehen: Ehebrechen und Wandel in der Lüge. Und sie stärken die Hände der Übeltäter, damit sie nicht umkehren, jeder von seiner Bosheit; sie sind mir allesamt wie Sodom geworden und seine Bewohner wie Gomorra.“

Dementsprechend heißt diese Stadt dann in Off 14,8; 16,19; K. 17 u. 18 zusätzlich noch „Babylon“. Sie ist in ihrem Wesen das geworden, was „Babylon“ seit je war: götzendienerisch, anmaßend, sich selbst erhebend.

Was haben diese Drei (Sodom, Ägypten und Babylon) gemeinsam? Sie alle unterdrückten die Heiligen und Gott war im Begriff, sie zu richten; unmittelbar vor dem Gericht wurden die Heiligen aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Ebenso ist es auch hier (Off 18,4).

7. Der Untergang Babylons steht zeitlich in Zusammenhang mit der Ankunft (Parusie) des Gesalbten, des Messias (Off 16,15-21; 19,11-21). Babylon wird durch das Tier und die mit ihm zusammenarbeitenden „zehn Könige“ umgebracht (17,16). Das Tier und seine Komplizen werden durch das Wort den Messias gerichtet (19,19-21).

8. Die Hure kann nicht der Vatikanstaat sein, denn von dem kann kaum gesagt werden, er hätte die Königsherrschaft über die Könige des Landes. Der Vatikan hat politisch nicht so viel Einfluss.

Man könnte einwenden, über die dunklen Machenschaften der Jesuiten könnte der Vatikan großen Einfluss auf die Politik ausüben. Aber das Jesuitentum kann nicht gleichgesetzt werden mit der großen Stadt von Off 18. Das Buch der Off ist ein Brief, der an die Heiligen der sieben damaligen Gemeinden in Kleinasien gerichtet ist. Das Jesuitentum war für jene Heiligen nicht von Belang. Nicht die katholische Kirche noch der Vatikan noch die Jesuiten waren die Mörder der Apostel und Propheten, sondern die Juden, die „Synagoge des Satans“, vor allem die Führerschaft in Jerusalem (Off 2,9; 3,9; Mt 23,35–37; Apg 7,52; 12,2.3; 1Thes 2,15).

9. Die Hure sitzt auf sieben Bergen. Off 17,9: „Hier ist der Denksinn, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und sie sind sieben Könige.“

Das Tier hat sieben Köpfe. Die Köpfe sind sieben Berge, und sie sind auch sieben Könige. Die Hure sitzt auf dem Tier, und weil sie auf dem Tier sitzt, sitzt sie auf den sieben Bergen. Also ist die Hure nicht mit der Siebenhügelstadt, auf der sie reitet, gleichzusetzen. Die Behauptung, die Hure sei die Siebenhügelstadt Rom, .

Anm.: Es sei erwähnt, dass auch Jerusalem auf sieben Hügeln (o.: Bergen) liegt. Sie befanden sich in der Zeit Jesu außerhalb der Stadtmauern und hießen Gareb (Ölberg), Akra (Berg des bösen Rates), Goath (Berg des Verderbens [2Kön 23,13] bzw. des Ärgernisses), Bezetha (Golgotha), Ophel, Morjia und Zijon. Das Jerusalem der Zeit Christi wurde in jüdischen Kreisen für die „Stadt der sieben Hügel“ gehalten: Pirke de–Rabbi Eliezer (midrashic narrative, 8. Johannes., Abschnitt 10) erwähnte kommentarlos (was zeigt, dass das damals allgemein anerkannt war), dass „Jerusalem auf sieben Hügeln liegt“. Er nennt 3 Hügel des Ölbergs (Scopus, Nob und „Berg des Verderbens“ [2Kön 23,13] bzw. „des Ärgernisses“, den höchsten Punkt am Ölberg) sowie den ursprünglichen Zijon (zwischen Kidron-Tal und dem Tal Tyropoeon), den Ophel, den Morija (d. i. der nördliche Felsen, um den die Burg Antonia gebaut war, der Tempelberg) und den südwestlichen Hügel, der in der Zeit der Hasmonäer der neue Berg Zijon wurde. Armenische Christen lehrten ihre Kinder in der Schule folgende sieben Hügel der Stadt: Ölberg, Scopus, Berg Moses, Golgotha, Berg Herzl, Morija (Tempelberg) und Zijon. Das sei hier nur nebenbei erwähnt.

10. Das irdische Jerusalem war – wie keine andere – die ehebrecherische Hurenstadt. Paulus schrieb an die Thessalonicher über die Juden: Sie sind die, „die auch den Herrn töteten, Jesus – und die eigenen Propheten – und euch verfolgten und Gott nicht gefallen und allen Menschen Gegner sind, 16 uns hindern, zu denen, die von den Völkern sind, zu reden, damit sie gerettet werden, womit sie allezeit ihre Sünden zur Fülle bringen. Aber der Zorn ist auf sie gekommen, um ein Ende [zu machen].“ (1Thes 2,15.16).

Und den jüdischen Führern, die Gottes Botschaft ablehnten, sagt Johannes den Täufer, dass sie „dem bevorstehenden Zorn“ „nicht entfliehen“ würden (Mt 3,7).

Von der „großen Hure“ heißt es, dass sie „an den vielen Wassern sitzt, mit der die Könige des Landes (o.: der Erde; d. h.: der Ländereien ringsum) Hurerei trieben, und es wurden trunken von dem Wein ihrer Hurerei die, die im Land (o.: auf der Erde) wohnen“ (Off 17,1.2)

Der Engel erklärt, die Wasser, wo die Hure sitzt, „sind Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen“ (17,15), wahrscheinlich ein Hinweis auf die Juden der Diaspora, die im gesamten Römerreich verstreut lebten.

In 18,3 heißt es: „Vom Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei haben nämlich alle Völker“ (d. i.: wahrscheinlich ein Hinweis auf die Völker der jüdischen Diaspora) „getrunken. Und die Könige des Landes trieben Hurerei mit ihr, und die Kaufleute des Landes wurden reich aus der Kraft ihrer Üppigkeit.“ Und weiter: „…, denn deine Kaufleute waren die Großen des Landes [und] durch deine Zauberei wurden alle Völker“ (d. i. vmtl.: alle Juden der Diaspora) „in die Irre geleitet.“ (18,23)

Jerusalem häufte sich wie Tyrus (Jes 23,8.17) und Babel (Jer 51,7) in alttestamentlicher Zeit Schätze an „in den letzten Tagen“ (Jk 5,3). Als keusche Jungfrau Gottes hätte sie für Gott leben und nicht irdische Schätze sammeln sollen.

Daher der Ruf (Off 18,4): „Geht aus ihr hinaus, mein Volk.“: Nicht „aus der Stadt“, die Leser der Off wohnten ja nicht in Jerusalem (sondern in der römischen Provinz Asia); sondern sie mussten aufgerufen werden, das jüdische System gänzlich zu verlassen. Z. Bsp. gab es ja in Thyatira noch solche, die mit dem götzendienerischen Jerusalem Unzucht treiben und „Götzenopferfleisch“ aßen.

Wie das alte Babylon damals den Tempel Gottes zerstörte und das Volk Gottes verfolgte, so zerstörte nun das untreue fleischliche „Israel“ (d. i.: die Synagoge Satans) den Herrn Jesus, Gottes ultimativen Tempel (Joh 2,19–21; Mt 12,6; Off 21–22), und das Volk Gottes.

Die Hure ist zur Witwe (o.: zur „Vereinsamten“) geworden, doch sie verleugnete diese Tatsache, indem sie behauptete, sie sei keine Witwe, sondern sei eine Königin, bis sie schließich getötet wird. Unmittelbar nach dem Gericht über die hurerische Ehefrau Gottes (Off 18) findet die Hochzeit des Lammes mit der Braut statt (Off 19,7.8).

Vgl. Gal 4,24–30: „Der eine Bund ist der, der vom Berge Sinai ist, der Versklavung erzeugt, welcher Hagar ist, 25 denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien. Er entspricht dem gegenwärtigen Jerusalem: Sie ist mit ihren Kindern in Versklavung. 26 Aber das obige Jerusalem ist frei, welches unser aller Mutter ist, 27 denn es ist geschrieben: ‚Sei fröhlich, Unfruchtbare, die du nicht gebierst. Brich in Jubel aus und rufe, die du keine Geburtsschmerzen [zu leiden] hast, weil zahlreich die Kinder der Einsamen sind, mehr als der, die den Mann hat.‘ 28 Aber wir, Brüder, sind nach [der Art] Isaaks Kinder der Verheißung. 29 Jedoch gleichwie damals der, der nach dem Fleisch geboren war, den verfolgte, der es nach dem Geist war, so ist es auch nun. 30 Was sagt jedoch die Schrift? ‚Tue hinaus die Magd und ihren Sohn, denn auf keinen Fall darf der Sohn der Magd mit dem Sohn der Freien erben!‘“

Die Offenbarung hat dasselbe Thema wie der Galaterbrief. Die beiden Städte werden gegenübergestellt: das fleischliche Jerusalem und das Jerusalem „droben“, die Hure Babylon und die Braut Neujerusalem. Die beiden Frauen stellen das alttestamentliche und das neutestamentliche Gemeinwohl dar. Die eine Frau verfolgt die andere. Die Hure will die Braut vernichten. (17,6) Aber die Fleischliche wird hinausgestoßen und zerstört (18,21), die Geistliche bekommt das Erbe: Der Herr nimmt sie als seine Braut zu sich (Off 19,1–10).

Die Hure ist das alttestamentliche Jerusalem mit dem Tempelsystem; sie fällt und steht nie wieder auf (18,21). Das alttestamentliche Tempelsystem wird nie wieder von Gott anerkannt werden.

Die Hure ist gekleidet in hohepriesterlichen Kleidern, und die Liste der Güter, mit denen sie handelt (18,12.13), entspricht der Liste der Materialien des Tempels und des alttestamentlichen Opferkultes: a) Das Tempelmaterial: Gold und Silber und Edelgestein und Perlen und Byssus und Purpur und Seide und Scharlach; und alles Thujaholz; und jedes Gerät von Elfenbein und jedes Gerät von höchst kostbarem Holz und von Erz und Eisen und Marmor; b) das Opfermaterial: Zimt (2Mo 30,23), Räucherwerk und Salbe und [spezielles] Harzerzeugnis ‹und Weihrauch› und Wein und Öl und Feinmehl und Weizen und Vieh und Schafe; und [Ware] von Pferden und von Wagen und von Leibern, und Menschenseelen.

b. Die Ablöse des alten Jerusalem durch das neue Jerusalem: Off 17–21

Die „Große Stadt“ in der Off. heißt geistlich gesprochen „Sodom“ und „Ägypten“, es ist die Stadt, „wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde“ (Off 11,8). Sie wird in 14,8 nochmals erwähnt als die Stadt, die „alle“ Völker/Heiden mit ihrer Unzucht getränkt hat. In 14,20 wird ihr Gericht beschrieben; außerhalb der Stadt wird die Kelter des Grimmes Gottes getreten und das Blutmeer ergießt sich über 1600 Stadien weit (4x4x10x10 Stadien, d.i. ca. 296 km, etwas mehr als die Länge Palästinas). In 16,19 steht die „große Stadt“, die geistlich gesprochen nicht nur „Sodom“ und „Ägypten“, sondern auch „Babylon“ heißt, im Gegensatz zu den „Städten der Heiden“. Sie ist die „große Hure“ (17,1) und Mutter der Huren (17,5) und der Gräuel des Landes. Sie ist verantwortlich für den Tod der Propheten, Apostel und Heiligen (17,6; 18,20) und „von allen denen, die auf der Erde (o.: im Lande) hingeschlachtet worden sind“ (18,24). Sie steht in einer Bundesbeziehung zu Gott (Bild der Ehe), die sie aufgrund von Götzendienst und geistlicher Hurerei gebrochen hat. Off 18 beschreibt das Gericht über diese Stadt. Nach ihrem Tod findet die Hochzeit des Lammes mit der „Braut“ statt. Die „Braut“ steht im Gegensatz zur „Hure“. D.h. nachdem Gott durch das Gericht über die Stadt die alte Bundesbeziehung abgebrochen hat, geht er die neue Bundesbeziehung mit der Braut ein. Der Name der Braut ist „das neue Jerusalem“. Sie ist die andere „große Stadt „in der Off (Off 21). Sie steht im Gegensatz zu dem alten Jerusalem, welches aufgrund seiner Hurerei geistlich gesprochen „Sodom“, „Ägypten“ und „Babylon“ geworden war. Dort wurde der Herr gekreuzigt, sie erhält wegen ihrer Verwerfung des Messias die Namen „Sodom“ (wegen ihrer geistlichen Hurerei und des göttlichen Gerichts, das auf sie wartet; 5Mo 29,22–28; 32,32; Jes 1,10.21; 3,9; Jer 23,14; Hes 16,46 ff), „Ägypten“ (wegen ihrer widergöttlichen Versklavung der Menschen und wegen der schrecklichen Gerichtsplagen, mit denen Gott sie richten wird – vgl. Off 8–9 und 16) und „Babylon“ (wegen ihrer götzendienerischen geistlichen Hurerei – vgl. Jes 1,21; Jer 2,2.20; 3,1–10; 13,27; Hes 16; Hes 23 – und wegen des Gerichtes durch Gott, das jenem über Babel ähnlich ist). Jerusalem ist schuldig am Blut der Märtyrer (Jer 2,30.34; Mt 23,34–37; Lk 13,33). Jerusalem hatte „die Königsherrschaft über die Könige des Landes“ (Off 17,18; vgl. mit Klg 1,1).

Off deckt dasselbe Thema ab, wie bei den Synoptikern die Ölbergrede. Das Neue Jerusalem steht dem alten gegenüber. Es geht in der Off nur um diese beiden Städte. Der Schlüssel für das Verständnis dieser beiden Städte ist Gal 4,25.26: Gegenüberstellung das jetzige Jerusalem – das Jerusalem droben.

Ebenso Hebr 11,16 und 12,22 und 13,14: Die Stadt mit den Fundamenten, das himmlische Jerusalem – die Stadt die nicht bleibt, das irdische Jerusalem.

Es ist offensichtlich, dass der Skopus der Off die Gegenüberstellung der beiden großen Städte ist.

Wenn die Hure 70 n. Chr. fiel, so hat 70 n. Chr. die Braut die Hure abgelöst. Die Hochzeit der Braut muss demnach 70 n. Chr. gewesen sein. Da es sich aber um geistliche Wirklichkeiten handelt, haben natürlich die Menschen, die damals auf Erden lebten und die Ereignisse von 66–70 n. Chr. überlebten, das nicht gesehen.

Was mit der Zerstörung Jerusalems verging, „jene Welt“, jene „Himmel und Erde“, war nicht die materielle Welt an sich, sondern die „Welt“ des irdischen Königreiches Gottes im AT: das diesseitige Jerusalem, das von Händen gemachte Tempelheiligtum (vgl. Hebr 9,1: „ein weltliches“ Heiligtum; 9,24: „von Händen gemachtes Heiliges“), der fleischlichen Gottesdienst (Hebr 9,10: „Verordnungen des Fleisches“; 7,16: „Gesetz eines fleischlichen Gebotes“) und die schattenhaften Dinge des Gesetzes (Hebr 10,1). Der Herr Jesus Christus nannte in Joh 13–16 das Judentum die „Welt“; vgl. auch Hebr 12,26–28 und 13,14, geschrieben wenige Jahre vor 70 n. Chr.)

Das, was um 70 n. Chr. geschah, war weitreichender als üblich angenommen. Es hat große heilsgeschichtliche Bedeutung.

Mit der „Stätte“, die der Herr den Jüngern „bereitete“ (Joh 14,1–3), ist das neue Jerusalem gemeint, das neue „Haus“, in dem der Vater mit den Seinen „wohnt“ (Off 21,3). Das „Bereiten“ der Stätte dauerte bis ca. 70 n. Chr.

V. Teil: Die Hure und das Tier. Der Untergang der großen Stadt Babylon. Die Hochzeit der Braut: 17,1–19,10

Einleitendes

Eine Gegenüberstellung

„Die Hure Kap. 17,1-19,10 // „Die Braut Kap. 21,9-22,5

Die große Stadt, Babylon // Die große Stadt, das heilige Jerusalem

17,1: Wüste // 21,9: Hoher Berg

die Untreue, Unzüchtige // die ihrem Mann (treue) Braut (Vgl. 2Kor 11.)

Das abgefallene Volk Gottes, das fleischliche Jerusalem // Das treue Volk Gottes, das himmlische Jerusalem

7 Berge und 7 Königreiche // Ein Berg (darstellend das ewige Königreich)

Pervertierte Herrlichkeit und usurpierte Macht // Gottgegebene Herrlichkeit („Sie hatte die Herrlichkeit Gottes“) und verliehene Macht

Schöne, aber unreine Kleider; // Schöne, reine Kleider;

sitzend auf dem Tier; Herrschaft habend über Könige // vor dem Thron stehend; mitregierend, teilhabend an der Herrschaft Lammes

Vorbild: Alt-Babel: wir wollen uns einen Namen machen, 1Mo 11,4 // Vorbild: Abram: Ich werde deinen Namen groß machen, 1Mo 12,2

Hurenname auf der Stirn // den Namen Gottes u. des Lammes auf der Stirn Off. 22,4 (21,12):

Fleisch, Werke, Selbsterlösung, // Glaube, Selbstaufgabe, Erlösung durch Blut

sich selbst erhebend, unabhängig von Gott // abhängig von Gott; er erhebt sie, sie dem Ebenbild Christi gleichmachend

Die Devise der Hure Babel ist: Vermischung // Die Devise der Braut ist: Absonderung

Einheit auf Kosten der Wahrheit // Wahrheit und Hingabe auf Kosten der Selbstherrlichkeit

Die Hure, das alte Jerusalem // die Braut, das neue Jerusalem

„die große Stadt“ (11,8; 14,8; 16,19) // „die große Stadt“ 21,10 [byz. Text]

das irdische // das himmlische

die Stadt, die vergeht // die Stadt, die bleibt, Hebr 13,14

das Jerusalem unten // das Jerusalem droben

das Jerusalem, das „jetzt“ ist (Gal 4) // das kommende

die in Knechtschaft // die Freie

die gräuliche Stadt (Sodom, Ägypten) Off 11 // die heilige Stadt Off 21

→ Wir fragen uns: Auf welches Prinzip will ich mein Leben aufbauen?

A) Motiv, die Angst mein Gesicht zu verlieren? Unruhe, Eigenaktivität, Unersättlichkeit

B) Motiv, die Verheißung Gottes, der mir dort einen großen Namen geben wird

Bin ich bereit, wie Abraham, alles aufzugeben, mich abzusondern, alle Sicherheiten abzuschneiden? Ruhe, Friede und Freude durch den Glauben.

Bin ich bin bereit, den Namen zu akzeptieren, den Gott mir geben möchte?

Der Kampf der Geschichte: Weltliche Religion (fleischliches Judentum) ODER Gott und sein Volk? – Der Kampf begann in Eden, als die Schlange die erste Religion einführte. → Spiele nicht mit der weltlichen Religion der fleischlichen Kompromisse, Vermischung, die letztlich Götzendienst ist. Vgl. das erste Gebot: Du sollst nicht etwas neben Gott lieben!

Die einzig richtige Wahl ist, die geistliche Loslösung, Absonderung (Off 18,4; 2Kr 6,15–18; Hebr 13,13).

Bin ich bereit zu leiden? Wenn ja, wird mein Zeugnis stark werden durch das Anderssein, durch Trennung vom Bösen.

Der Chiasmus in 17,1– 22,(5)9

Die Parallele zw. Off 17,1–3 und Off 21,9.10 ist bekannt.

Die Parallele zwischen Off 19,10 und Off 22,6.7 ebenfalls.

19,10 bildet den Schluss des Abschnitts 17,1ff,

22,6.7 bildet den Schluss des Abschnitts 21,9ff.

Dadurch haben wir also zwei A-Teile, die einander gegenüberstehen, und zwei B-Teile zwischen ihnen:

A: Hure: Große Stadt: 17,1–19,10

B: König u. Heer (Mitrichter): Gericht über Tier+Heere: 19,11–21 / Feuersee. Rest getötet

B’: König u. Märtyrer (Mitregenten); Gericht über Drache+Heere: 20,1-15 / Feuersee. Ungläubige Tote

A’: Braut: Große Stadt: 21,9– 22,(5)9

Parallelen der B-Teile (19,11–21 und 20,1–15):

Himmel geöffnet 19,11 // Engel aus dem Himmel 20,1

Heere im Himmel 19,14 // Throne, Gericht gegeben 20,4

Malzeichen, Bild 19,20 // Malzeichen, Bild 20,4

König der Könige 19,16 // mitherrschen [als Könige] 20,4.6

Völker/“Heiden 19,15 // Völker/“Heiden 20,3.8

versammelt: Krieg 19,19 // sammeln zum Krieg 20,8

Tier+Heer: Krieg 19,19 //– der Satan + Völker 20,8

Tier gefasst 19, 19,20 //– griff den Drachen 20,2

In die Irre leiten 20 // nicht länger in die Irre leiten 20,3

Kleine u Große 19,18 // Kleine u Große 20,12

Die übrigen getötet 19,21 // die übrigen Toten 20,5; die Toten 20,12

A. Die Hure und das Tier: 17,1–18

1. Einleitendes 17,1–3

a. Ankündigung dem Gesicht an Johannes: 17,1.2

V. 1: „Und es kam einer der sieben [himmlischen] Boten, die die sieben Schalen hatten, und sprach mit mir.

‚Komm!‘, sagte er zu mir: ‚Ich werde dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt, …‘“

Die Stadt Babel war an zahlreichen Wasserläufen und Kanälen des Euphrat gelegen, Ps 137,1; Jer 51,13. Sie galt als uneinnehmbar, Jes 47,8. Sie trieb Handel, das brachte ihr großen Reichtum ein, Jer 51,13.

Die „Wasser“ hier sind ein Bild für die „Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen“ (Off 17,15) des Diaspora-Judentums.

Jerusalem saß an „vielen Völkern“ (Apg 2,5): „Es waren in Jerusalem wohnhaft Juden– gewissenhafte ‹und gottesfürchtige› Männer– aus jedem der Völker unter dem Himmel.“

In jeder größeren Stadt im römischen Reich gab es jüdische Synagogen oder Gebetsstätten. Alle paar Jahre kamen die Diaspora-Juden nach Jerusalem und brachten ihren Zehnten in den Tempelschatz. Auf diese Weise hatte Jerusalem großen Reichtum und durch seine Lehre großen Einfluss in aller Welt.

V. 2: „… mit der die Könige des Landes (o.: der Erde; d. h.: der Länder) Hurerei trieben, und es wurden trunken von dem Wein ihrer Hurerei die, die auf dem Land (o.: auf der Erde) wohnen.“

Vgl. 18,3: „Vom Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei haben nämlich alle Völker (d. h., die Juden der Diaspora) getrunken. Und die Könige des Landes (o.: der Erde; der Länder) trieben Hurerei mit ihr, und die Kaufleute der Erde wurden reich aus der Kraft ihrer Üppigkeit.“

Der Begriff „Hurerei/Unzucht“ ist im übertragenen Sinne gebraucht: Untreue gegenüber ihren Bundesgott (Jahweh).

Jes 1,21: „Wie ist sie zur Hure geworden, die treue Stadt. Sie war erfüllt von Recht, in ihr wohnte Gerechtigkeit, und jetzt – Mörder!“

Die Könige des Landes (o.: der Erde; der Länder) trieben Unzucht mit ihr. Vgl. Ps 2 mit Apg 4,25–28.

Exkurs: Die Könige der Erde (o.: des Landes; bzw. der Länder)

Mt 17,25: Führer (römische oder jüdische)

Apg 4,25-28: Herodes und Pilatus gehören zu den Königen der Erde.

Off 1,5: Jesus Christus ist der Fürst über die Könige der Erde (o.: des Landes; bzw. der Länder)

6,15: jüdische, lokale Herrscher

17,2: diese hurten mit Jerusalem

17,18: Jerusalem ist die Herrscherin über die Könige der Erde

18,3.9: Die Heiden wurden trunken und die Könige der Erde hurten mit Jerusalem (9: sie weinen über den Fall Jerusalems)

19,19: Das Tier und diese Könige der Erde wurden 70 n. Chr. vernichtet.

21,24 Die König der Erde bringen ihre Herrlichkeiten.

b. Die Versetzung des Sehers: 17,3A

V. 3A: „Und er trug mich im Geiste weg in eine Wüste.“

Die geistliche Landschaft Jerusalems ist eine Wüste geworden. Im Gegensatz zur Hure in der Wüste lesen wir vom frischen Wasserquell des neuen Jerusalems, dem „reinen Fluss von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der ausging vom Thron Gottes und des Lammes§ (22,1) und von dem „hohen Berg“, dem herrlichen Zion der Braut-Stadt (21,9.10).

2. Beschreibung der Frau: 17,3–6

V. 3M: „Und ich sah eine Frau, sitzend auf einem scharlachroten Tier, …“

Sie wird getragen und befördert durch das Tier. Es besteht eine Verbindung zwischen dem Tier und der Hure.

V. 3E: „… [das] voll Namen der Lästerung [war]; es hatte sieben Köpfe und zehn Hörner.“

Vier Eigenschaften des Tieres:

scharlachrot, Lästernamen; sieben Köpfe, zehn Hörner. (Drei wurden bereits in 13,1ff genannt.)

Warum ist das Tier „scharlachrot“? Scharlach (Karmesin) spricht von Sündhaftigkeit, vgl. Jes 1,18. Scharlach war im AT auch die Farbe königlicher Würde (2Sa 1,24; Klg 4,5) oder ein Zeichen von Reichtum (Spr 31,21; Jer 4,30; Nah 2,4).

Warum ist der Drache (12,3) „feuerrot“? – Feuer spricht von Krieg und kriegerischem Handeln, vgl. Off 6,4.

Hure und Tier sind in der Wüste. Jerusalem gehört zur Wüste Juda. Das Tier, auf dem die Hure sitzt, gehört zu Jerusalem.

V. 4A: „Und die Frau war umkleidet mit Purpur und Scharlach und voll behängt mit Gold und Edelgestein und Perlen,…“

Purpur ist die Farbe des Reichtums (18,12.16; Lk 16,19; Dan 5,7.16.29; vgl. Mk 15,7), Scharlach spricht von sündigem Reichtum. Diese „Babylon“ ist so sündig wie das Tier, auf dem sie reitet. Sie trägt ihren Reichtum zur Schau (vgl. 18,7).

Gold, das wertvollste Metall, spricht von Göttlichkeit, hier: von nachgeahmter Göttlichkeit.

Gemäß 18,16 trägt die Hure auch noch Linnen/Byssusstoff, sie kleidet sich wie eine Braut (vgl. 19,8).

V. 4M: „…, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von [den] Gräueln und [der] Unreinigkeit ihrer Hurerei.“

Ihr goldener Becher ist außen schön, aber innen unrein. Sie legt großen Wert auf das Äußerliche. Für innere Schönheiten hat sie wenig übrig. So war das Judentum des 1. Jhdts.

Mt 23,25: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reinigt. Innen sind sie aber voller Raub und Unmäßigkeit.“

Das Bild ist aus dem AT (Jer 51,7): „Babel war ein goldener Becher in der Hand Jahwehs, der die ganze Erde (o.: das ganze Land; d. h.: all die Länder ringsum) berauschte; von seinem Wein haben die Völker getrunken, darum sind die Völker rasend geworden.“

Josephus berichtet vom Tempel in Jerusalem: „Der äußere Anblick des Tempels bot alles dar, was Auge und Herz entzücken konnte. Auf allen Seiten mit schweren goldenen Platten verkleidet, schimmerte er bei Sonnenaufgang im hellsten Feuerglanz und blendete das Auge gleich den Strahlen des Tagesgestirns. Fremden, die nach Jerusalem pilgerten, erschien er von fern wie ein schneebedeckter Hügel: denn wo er nicht vergoldet war, leuchtete er in blendendem Weiß“ (Jos., Jüd. Krieg 5:5:6).

V. 5: „Und an ihrer Stirn war ein Name geschrieben: ‚Geheimnis, Babylon, die Große, die Mutter der Hurerei und der Gräuel des Landes‘.

„Stirn“: Die Inschrift auf der Stirn der Hure ist ein perverses Abbild von der auf der Stirn des Hohenpriesters: „Heiligkeit (o. heilig) dem Herrn“.

„Geheimnis“: D. h., „Babel“ ist ein Symbolname. Die historische Stadt Babylon war damals schon lange zerstört. Das alte Babel/Babylon war durch Hammurabi (ca. 1700 v. Chr.) zu einem Handels- und Kulturzentrum geworden, zur Zeit Nebukadnezars (ab 605 v. Chr.) war sie zu einem großen Weltreich (Neubabylonien) geworden, zu einer „Herrin der Königreiche“ (Jes 47,1.5). Sie wurde im Jahr 539 v. Chr. von den Medern und Persern erobert. Sie sollte schließlich gänzlich zerstört und unbewohnt bleiben. In poetischer, apokalyptischer Sprache ausgedrückt: „Darum werden Wüstentiere mit Wildhunden [da] wohnen, Strauße dort wohnen. Es wird nicht mehr bewohnt, auf Dauer, unbesiedelt sein, Geschlecht um Geschlecht.“ (Jer 50,39; vgl. Jes 13,20–22.)

Der griechische König Seleukus Nikanor gründete im Jahr 312 v. Chr. dort, wo einst Babel lag, die Stadt Seleukia.

Babel in Off 17 ist der Deckname für Jerusalem, das in 11,8 auch „Sodom“ und „Ägypten“ genannt wird.

V. 6: „Und ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu.“

Die Hure war trunken vom Blut der Jesuszeugen, die sie verfolgte. Vgl. Off 18,24; Mt 23,34-39; Lk 13,33-35.

V. 6E: „Und ich verwunderte mich, als ich sah, mit großer Verwunderung.“

Die Frau, die Johannes in Off 12,1 gesehen hatte, war mit der Sonne umkleidet. Aber diese hier ist zur Hure geworden! Johannes verwundert sich: Ist aus Jerusalem so etwas Hässliches, Gräuliches geworden? Eine Stadt, die die Treuen aus dem Gottesvolk tötet?

3. Erklärungen zur Frau und zum Tier: 17,7–18

Einleitung: 17,7

V. 7: „Und der [himmlische] Bote sagte zu mir: „Weshalb verwunderst du dich? Ich werde dir das Geheimnis der Frau sagen und des Tieres, das sie trägt, das die sieben Köpfe und die zehn Hörner hat.“

Das Tier trägt die Frau, befördert sie, bringt sie voran.

a. Das Tier (Herkunft, Wesen und Bestimmung): 17,8

V. 8A: „Das Tier, das du sahst, war und ist nicht und ist im Begriff, aus dem Abgrund aufzusteigen und ins Verderben zu gehen.“

Das Wesen des Tieres: es war früher einmal da, verschwand; und es wird in absehbarer Zeit aus dem Abgrund steigen (vgl. 11,7), dann aber schließlich ins Verderben gehen. Seine Herrschaft wird also nicht lange andauern.

„… ist im Begriff, aus dem Abgrund heraufzusteigen und ins Verderben zu gehen.“

Das Verderben des Tieres liegt in naher Zukunft, ebenso wie das Gericht über die Stadt in naher Zukunft stattfindet.

→ Die Frau sitzt auf einem Tier. Weißt sie, wo das Tier hinrennt? – Ins Verderben!

Wir lernen: Gibt acht, bevor du in den Bus einsteigst. Schau vorher auf das Schild, wohin er fährt!

V 8M: „Und die, die im Land (o.: auf der Erde) wohnen, deren Namen nicht geschrieben sind in das Buch des Lebens von Gründung der Welt an, …

Zum „Buch des Lebens“ siehe den Exkurs zu 13,8.

V 8M: „… werden sich verwundern, …”

Die Ungläubigen verwundern sich; die Glaubenden verwundern sich nicht, weil sie aus Gottes Wort unterwiesen sind.

V 8M: „…, wenn sie das Tier sehen, ein gewisses, das war und nicht ist und da sein wird.“

(So nach dem griech. byzantinischen Text. Der textus receptus [t. r.] nach Stephanus hat an dieser Stelle: „… wenn sie das Tier sehen, ein gewisses, das war und nicht ist, wiewohl es ist.“)

Das Tier „war und ist nicht“ und wird aus dem Abgrund kommen (11,7) und ins Verderben fahren. Die ungläubigen Landbewohner bestaunen es (13,7).

Wenn das Tier die Zeloten sind (bzw. die Führer der Zeloten), so könnten die Köpfe zurückgehen auf die Anfangsbewegung der Zeloten.

Die Zelotenbewegung begann unter Judas, dem Galiläer, zur Zeit des Herodes des Großen (d. h.: das Tier „war“), und sie wurde von den römischen Statthaltern zerschlagen (d. h.: das Tier „ist nicht“). Nun (zur Zeit der Abfassung, 62/63 n. Chr.) waren die Zeloten gerade dabei, wieder aus ihrem „Todesschlaf“ aufzuwachen (d. h.: das Tier „ist im Begriff, aus dem Abgrund aufzusteigen“). Die zelotische Rebellion gegen Rom begann 66 n. Chr.

Anm.: Off 17,8 passt nicht auf ein römisches Tier, nicht auf Nero, denn Nero war nicht tot und kam wieder aus dem Todeszustand hervor, Rom auch nicht, nicht im Jahr 62/63, als Off geschrieben wurde! Rom war nicht ausgepowert oder ohnmächtig, im Abgrund, die Zeloten aber waren es sehr wohl.

b. Die sieben Köpfe: 17,9.10

V. 9A: „Hier ist der Verstand, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt.“

Die Hure ist nicht identisch mit den sieben Bergen, sondern sie sitzt auf den sieben Bergen.

Anm.: Manche meinen, die „sieben Berge“ sind die Hügel Jerusalems: Ps 87,1 Jerusalem sitzt auf Bergen. Vgl. Ps 125,2: „Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist Jahweh um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.“ Die Berge befanden sich in der Zeit Jesu außerhalb der Stadtmauern. Sie hießen: Gareb (Ölberg), Akra (Berg des bösen Rates), Goath (Berg des Verderbens [2Kön 23,13] bzw. des Ärgernisses), Bezetha (Golgotha), Ophel, Morija und Zion. Nach Edersheim hießen sie Zion, Morija, Akra, Bezetha, Ophel, Burg Antonia-Hügel, und Hippikus-Turm-Hügel); S. Edersheim, Der Tempel, S 11 und 13. Josephus (Jüd. Krieg 7,8,7) spricht nur von vier Hügeln. – Das Jerusalem der Zeit Christi wurde auch in jüdischen Kreisen für die „Stadt der sieben Hügel „gehalten: Pirke de–Rabbi Eliezer (midrashic narrative, 8. Johannes., Abschnitt 10) erwähnte kommentarlos (was zeigt, dass das damals allgemein anerkannt war), dass „Jerusalem auf sieben Hügeln liegt“. Er nennt 3 Hügel des Ölbergs (Scopus, Nob und „Berg des Verderbens „[2Kön 23,13] bzw. „des Ärgernisses“, den höchsten Punkt am Ölberg) sowie den ursprünglichen Zion (zwischen Kidrontal und dem Tal Tyropoeon), den Ophel, den Morija (der nördliche Felsen, um den die Burg Antonia gebaut war, der Tempelberg) und den südwestlichen Hügel, der in der Zeit der Hasmonäer der neue Berg Zion wurde. Armenische Christen lehrten ihre Kinder in der Schule folgende sieben Hügel der Stadt: Ölberg, Scopus, Berg Moses, Golgotha, Berg Herzl, Morija (Tempelberg) und Zion. Das sei hier nur nebenbei erwähnt.

Die Hure sitzt auf dem Tier, das die Hure „trägt“. D. h., das Tier befördert die Hure Jerusalem, bringt sie voran.

Ein Überblick (V. 9-14):

Das Sieben-Köpfe-Tier als solches war vor der Zeit des Johannes bereits da. Die sieben Könige des Tieres haben ein „Königreich“ (d. h.: eine Regentschaft) in Israel (oder Judäa oder Jerusalem). Fünf dieser „Könige“ sind bereits gefallen. Der sechste regiert gerade (62/63 n. Chr.). Das Tier ist zugleich ein achter König und in einem gewissen Sinne „von den sieben“. Die zehn „Hörner“ sind nicht dieselben wie die sieben Könige. Die Hörner sind gleichzeitig da; sie kämpfen mit dem Tier zusammen gegen das Lamm, d. h. konkret, gegen die Heiligen. Sie haben zum Zeitpunkt der Abfassung noch kein Königreich inne (keine Regentschaft, keine Machtbefugnis). Sie bekommen jedoch Handlungsgewalt wie Könige mit dem Tier.

Wir betrachten die einzelnen Verse:

V. 9E: „Und sie sind sieben Könige:“

Das Tier hat sieben Köpfe, d. h., sieben Berge. Und die sieben Köpfe des Tieres sind sieben Könige.

Die Berge können ein Hinweis auf sieben Machtsitze sein. Berge sind in der alttestamentlichen Prophetie manchmal Machtsitze (Jer 51,25; Jes 2,2; 41,15; Dan 2,35; Ps 68,17; 76,5; Hes 35,2; Sach 4,7).

Die Könige/Führer/Machthaber sind nicht als gleichzeitig existierend aufzufassen, sondern hintereinander; es geht um eine Folge von sieben „Königen/Führern“.

Das Tier hat etwas mit den Zeloten zu tun, wie wir bereits in K. 13. festgestellt haben. Die Köpfe des Tieres können sieben Zelotenführer sein. Fünf dieser Führer sind bereits gefallen. Der sechste regiert (im Jahr 62 oder 63) gerade.

Die sieben Köpfe („Könige“) könnte man vom Beginn der Zelotenbewegung (unter Herodes dem Großen) an zählen.

Die sieben Führer der Zelotenpartei waren:

1. Hezekiel (47 v. Chr.)

2. Judas, der Galiläer (Rebellenführer 6-8 n. Chr.; Sohn von Hezekiah)

3. Jakob (gekreuzigt ca. 47 n. Chr.; Sohn von Judas)

4. Simon (gekreuzigt ca. 47; Sohn von Judas)

5. Jair (nach 47 n. Chr.; Sohn v. Judas, Vater von Eleazar)

6. Eleazar ben Jair (Rebellenführer zu der Zeit, als Joh schrieb; danach zog er sich nach Masada zurück, wo er durch Selbstmord mit allen Rebellen in Masada starb, 66-73 n. Chr.)

7. Menahem (Enkel v. Judas, Rebellenführer,15. Ab – 17. Elul, d. h.: Ende August bis Ende Sept 66 n. Chr. Er tötete den Hohen Priester Ananius; Josephus, Jüd. Krieg, 2.17.8-9. Er wurde von Eleazar ben Ananius, dem Tempelobersten, getötet. Damit schien die Zelotenpartei zu zerfallen.

Wir erinnern uns: Den Angriff des römischen Legaten von Syrien, Cestius Gallus, auf Jerusalem (Okt/Nov. 66 n. Chr.) könnte man für die Zelotenbewegung als eine „Todeswunde“ erachten. Doch als sich der römische Legat Cestius Gallus nach der Belagerung zurückzog und die nachjagenden Zeloten bei Beth Horon einen großen Sieg errangen (6000 getötete Soldaten und eine sehr, sehr reiche Beute), war das für sie wie eine Auferstehung. Juden aus dem gesamten römischen Reich verwunderten sich (Off 13,3) und begannen sogleich nach Israel zu ziehen und sich der Zelotenbewegung anzuschließen, um sich am Krieg zu beteiligen; andere begannen, Geld, Versorgungsmittel und Truppen nach Jerusalem zu senden.

V. 10M: „Der andere kam noch nicht. Und wenn er gekommen ist, muss er ein Weniges bleiben.“

Zur Abfassungszeit der Off war der sechste „König“ der Führer der Zelotenpartei. Wahrscheinlich ist der Zelotenführer Eleazar ben Jair gemeint.

Eleazar ben Jair spielte eine Schlüsselrolle unter den Zeloten, bis Menahem die Vorrangstellung bekam.

Josephus schreibt: „This fortress was called Masada. It was one Eleazar, a potent man, and the commander of these Sicarii, that had seized upon it. He was a descendant from that Judas who had persuaded abundance of the Jews, as we have formerly related, not to submit to the taxation when Cyrenius was sent into Judea to make one.“

Bezüglich Menahem schreibt Josephus (Jüd. Krieg, 2.17.8-9 [4.433-448]):

433 (8.) Um diese Zeit war ein gewisser Manaim (d. i.: Menahem, TJ), ein Sohn des unter dem Namen „Judas der Galiläer“ bekannten und berüchtigten Sektenstifters, der einstmals unter Quirinius die Juden aufgehetzt und es als eine Schmach erklärt hatte, neben Gott noch die Römer als Herrn zu gedulden, mit seinen Bekannten nach Masada aufgebrochen, 434 hatte daselbst das Arsenal des Königs Herodes aufgesprengt und außer den Banden von Judäa noch anderes Raubgesindel mit den hier vorgefundenen Waffen ausgerüstet. So kam er nun, mit diesem Haufen wie von einer königlichen Leibgarde umgeben, nach Jerusalem zurück, übernahm die Führung des Aufstandes und leitete die Belagerung. 435 Da es an Belagerungsmaschinen mangelte, und die Belagerer unter dem Hagel der herabsausenden Geschosse unmöglich ohne Deckung die Mauer untergraben konnten, so trieb man, selbstverständlich aus ziemlicher Entfernung, unter einen der Türme hin einen unterirdischen Gang und sicherte seine Decke durch Stützen vor dem Einsturz. Dann legte man Feuer an die Tragbalken und verließ den Gang. 436 Wie nun die Zimmerung unter dem Thurme verkohlt war, stürzte der Thurm auch sofort zusammen. Aber in diesem Augenblicke kam hinter seinen Trümmern und ihm gerade gegenüber eine zweite Mauer zum Vorschein. Die Verteidiger hatten nämlich das schlaue Beginnen der Rebellen noch zur rechten Zeit gemerkt – vielleicht hatte auch der Turm ein wenig gezittert, als man unter ihm grub – und sich darum eine neue Schutzwehr angelegt. 437 Über deren unerwarteten Anblick waren die Aufrührer, die schon gewonnenes Spiel zu haben glaubten, ganz verdutzt. In diesem Momente kamen jedoch von Seite der Eingeschlossenen Parlamentäre zu Manaim und den übrigen Rädelsführern der Empörer und baten um freien Abzug. 438 Dieser ward ihnen auch gewährt, jedoch nur den Königlichen und Einheimischen, worauf dieselben die Feste verließen. In derselben blieben nur mehr die Römer zurück, jetzt schon eine Beute der größten Mutlosigkeit, da sie ganz außer Stande waren, eine so ungeheure Übermacht zu durchbrechen, und es andererseits für entehrend hielten, um eine Kapitulation auf Gnade zu betteln, abgesehen davon, dass sie sich auch im Falle, als sie wirklich zugestanden werden sollte, auf das Versprechen gar nicht verlassen konnten. 439 Sie räumten unter diesen Umständen zunächst die Kaserne im Königshofe, weil sie keinen ernsten Widerstand leisten konnte, und flohen auf die Königstürme, den sogenannten Hippikus, Phasaël und Mariamnethurm. 440 Kaum hatten sich aber die Soldaten nach der anderen Seite geflüchtet, als schon die Banden des Manaim bei der einen hereindrangen und alle, die sich nicht schnell genug auf die Thürme hatten retten können und noch eingeholt wurden, niedermachten. Das Gepäck ward geplündert, und die Kaserne darauf angezündet. Diese Ereignisse spielten sich ab am sechsten des Monates Gorpiäus.

441 (9.) Im Verlaufe des nächsten Tages ward der Hohepriester Ananias, der sich im Wasserkanal des Königshofes verkrochen hatte, entdeckt und von den Banditen samt seinem Bruder Ezechias sofort niedergestochen. Die Türme wurden einstweilen von den Aufständischen nur eng umschlossen und überwacht, damit kein einziger Soldat entschlüpfen könnte. 442 Dem Manaim hatte indessen der Fall der Burgen und der Tod des Hohen Piesters Ananias den Kopf bis zur Grausamkeit verrückt, und da er überdies gar keinen ebenbürtigen Rivalen um die Herrschaft mehr zu haben vermeinte, so wurde seine Tyrannei geradezu unerträglich. 443 Die Anhänger des Eleazar ließen sich sein Gebaren auch nicht ruhig gefallen und redeten einer den anderen gegen Manaim mit den Worten auf: ‚Man darf nicht auf der einen Seite aus Liebe zur Freiheit von den Römern abfallen wollen, um auf der anderen dieselbe einem jüdischen Henker vorzuwerfen und sich einen Alleinherrscher aufzuhalsen, der, wenn er sich auch keine Gewalttat zu Schulden kommen ließe, doch auf jeden Fall tief unter uns steht. Denn wenn schon Jemand die Herrschaft über die Nation übernehmen müsste, so hätte auf dieselbe ein jeder andere mehr Anspruch als dieser Mensch da!‘ So kam es zur Verschwörung und bald auch zu einem tätlichen Angriff auf Manaim, der im Tempel und zwar in dem Augenblick erfolgte, 444 als derselbe mit hocherhobenem Haupte, in ein königliches Prachtgewand gehüllt, hinter sich die bewaffneten Zeloten wie eine Schleppe herziehend zum Heiligtum hinaufstieg, um dort seine Andacht zu verrichten. 445 Sobald die Leute des Eleazar auf ihn eindrangen, unterstützte auch sofort das übrige Volk den Angriff durch einen Steinhagel, mit dem es den Verführer überschüttete, in der Hoffnung, durch seine Ermordung die Brände der ganzen Revolution zu zerstreuen. 446 Eine kleine Weile leisteten die Parteigänger des Manaim Widerstand. Als sie sich aber von der ganzen Volksmasse angegriffen sahen, suchte sich ein jeder, wo und wie er konnte, durch die Flucht zu retten. Wer eingeholt wurde, ward niedergestreckt, wer sich versteckte, aufgespürt. 447 Nur wenigen gelang es, sich aus der Stadt zu retten und auf Schleichwegen nach Masada zu entrinnen, darunter auch dem Eleazar, dem Sohne des Jairus, einem Blutsverwandten des Manaim, der später als Despot von Masada wieder auftauchte. 448 Was Manaim selbst betrifft, so hatte er sich mit anderen auf den sogenannten Ophel geflüchtet, wo er sich wie eine Memme versteckt hielt. Doch ward er hier entdeckt, aus seinem Schlupfwinkel herausgezogen und auf eine martervolle Weise zu Tode gebracht. Denselben Tod erlitten mit ihm seine Unteranführer, darunter namentlich Absalom, von den Schergen seiner Tyrannei wohl der Allerberüchtigste.

Adam Maarschalk schreibt:

Martin Hengel said that it was evident Menahem “had both special authority and a position of power.” He added:

“He was probably not only the leader of one of the many ‘robber bands’ that were in control of the open country, but also the head of the Zealot movement in the whole of the country. His authority was based on his descent from the founder of the sect, Judas, on his own military power, which he had increased by his successful attack against Masada, and, last but not least, on his personal experience in battle and his own forceful personality” (The Zealots, p. 362).

Numerous sources say that Menahem was a Messiah figure, and even that he claimed to be the Messiah. Martin Hengel points out that, in the rabbinic Haggadah, Menahem was regarded as “the Messiah” (The Zealots, p. 295). This source also relates a legend in which a peasant heard Menahem’s mother say, “His omen is disastrous, because the Temple was destroyed on the day that he was born.” The peasant then answered, “We believe that, just as it (the Temple) was destroyed because of him, so too will it be rebuilt because of him.” Hengel interprets this legend as meaning that, to the Zealots who followed Menahem, the death of such a Messiah-figure in the temple was like sealing the doom of the temple itself.

According to the Dutch historian, “There is no need to doubt whether Menahem claimed to be the Messiah. He was a warrior, entered Jerusalem dressed as a king, quarreled with the high priest (who may have entertained some doubts about Menahem’s claim), and worshipped God in the Temple. We can be positive that Menahem wanted to be the sole ruler of a restored Israel.”

Als Menahem getötet war: …

With the murder of Menahem and the departure of Eleazar b. Jair to [Masada, the Sicarii] had lost their traditional leadership … Menahem was regarded as a king and a capable leader, but his sudden death came at a bad time for the Zealot movement and left a big hole in its leadership.

At this time tragedies also came upon the Jews in Caesarea, Syria, Alexandria, and other places as cities and regions rose up against them. Soon, Cestius Gallus swept through Galilee in partnership with Agrippa and with thousands of soldiers, planning to capture Jerusalem and put down the rebellion.

The surprising victory over Cestius Gallus two months later (Nov 66 nC.) brought healing to the movement. Before long, Simon Bar Giora brought further healing to the movement as he cozied up to the Sicarii, adopted their way of thinking, and had “men of power”, “slaves and robbers,” and “a great many of the populace” showing obedience to him “as their king” (Jos. War 4.9.4).

Möglicherweise ist der Sieg der Zeloten über die Heere des Cestius Gallus (Oktober 66 n. Chr.) die wundersame Heilung der „tödlichen Schwertwunde“ des Tieres.

V. 10: „Die fünf fielen, und der eine ist. Der andere kam noch nicht. Und wenn er gekommen ist, muss er ein Weniges bleiben. 11 Und das Tier, das war und nicht ist, es selbst ist auch ein achter, und er ist von den sieben, …“

Das Tier also solches ist auch ein achter Kopf.

„… und ins Verderben geht er fort.“

Das Tier als Ganzes geht ins Verderben – nämlich dann, wenn es durch den Messias gerichtet wird (19,19-21).

c. Die zehn Hörner: 17,12–14

17,12 „Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, welche noch nicht ein Königreich bekamen; sie bekommen jedoch Vollmacht (o.: Autorität, Handlungsgewalt) wie Könige eine Stunde mit dem Tier.

Diese „zehn Hörner“ sind nicht dieselben wie die von Dan 7. Die Sprache von Off 17 und 13 ist zwar von Dan 7,8.24.25 her geprägt, aber es behandelt nicht dasselbe. Die Off ist eine eigenständige Vision und darf nicht von Dan 7 her interpretiert werden. Es sind in Off 13 und 17 lediglich Anspielungen auf die vier Tiere von Dan 7 vorhanden sind.

Off 13 und 17 sind nicht nähere Ausführungen von Dan 7, sondern sind eigenständige Gesichte und müssen daher unabhängig von Dan 7 betrachtet werden.

Von den „zehn Hörnern“ mit denen des „Tieres“ von Off 17,12 heißt es, dass sie zu dem Zeitpunkt, da das Tier an die Macht kommt, noch keine Könige sind; sie bekommen aber Vollmacht (Autorität, Handlungsgewalt) gleichzeitig mit dem Tier (d. h., mit dem Sieben-Köpfe-zehn-Hörner-Tier von Off 13,1ff.) In Dan 7 hingegen sind sie bereits vor dem Erscheinen des „kleinen Horns“ Könige. Und drei von ihnen werden mit dem Erscheinen des „kleinen Horns“ erniedrigt, sodass das „kleine Horn“ gleichsam der achte König ist. In Dan 7 sind es demnach acht Könige, nicht zehn; und hintereinander, nicht gleichzeitig.

In Off 17 arbeitet das „Tier“ mit jenen zehn Königen (die durch ihn Königsmacht erhalten) zusammen. Manche Bibellausleger meinten, in dem Ausdruck „das Tier, das war und nicht ist, es selbst ist auch ein achter, und er ist von den sieben“ (17,11) eine Parallele erkennen zu müssen. Aber dort ist „der achte“ nicht ein achtes Horn, sondern ein achter Kopf.

Außerdem geht es in Off 17 um das Tier als solches, nicht um seine zehn Mitarbeiter. Und das Tier (d. h.: das Tier als Ganzes) ist „einer von den sieben“. In Dan 7 ist das „kleine Horn“ nicht einer von den sieben Hörnern, die vor ihm da waren.

Eine Gleichsetzung, als ob Off 13 das Tier von Dan 7 aufgreifen würde, ist somit ausgeschlossen.

Anm.: Moses Stuart (Commentary on the Book of Daniel, Boston 1850) kommentiert zu den zehn Hörnern des Tieres von Dan 7: „Einige Ausleger denken, da die zehn Hörner des vierten Tieres in der Vision gleichzeitig erscheinen, müssen sie Königreiche repräsentieren, die zeitgleich, nicht hintereinander, existierten, und sie denken daher, dass es sich um zehn Staaten handele, die aus dem sich auflösenden Römerreich entstehen würden. Aber diese Behauptung wird widerlegt durch die Träume des Obersten der Mundschenken und des Obersten der Bäcker und durch den des Pharaos selbst (1Mo 40-41). In jenen Träumen symbolisierten die Dinge, die im Traum als gleichzeitig ablaufend gesehenen wurden (z. B. die sieben mageren Kühe, die die sieben fetten auffraßen), im realen Leben Geschehnisse, die in der Realität nacheinander ablaufen sollten. Die 14 Kühe erschienen in Pharaos Traum gleichzeitig, aber das, was sie darstellten, die sieben Überflussjahre und die sieben Hungerjahre, kam hintereinander. Ebenso ist es in der Vision von der Statue in Dan 2: Die vier Metalle, die in der Realität vier nacheinander ablaufende Reiche darstellen, erscheinen als gleichzeitig existierend [und werden alle gleichzeitig durch den Stein zertrümmert].

V. 12E: „… sie bekommen jedoch Vollmacht wie Könige eine Stunde mit dem Tier.“

Die zehn „Hörner“ sind zehn untergeordnete, gleichzeitig existierende Führer (o. Generäle). Sie sind zehn.

Exkurs zu den Zahlen:

Trotz des Symbolwertes der Zahlen [siehe eigene Datei: Symbol Zahlenwert] sind sie numerisch aufzufassen, d.h. wörtlich. Hier kein Gesicht, sondern Deutung des Engels. Daher sind die „zehn“ nicht ein Bild.

Beleg: 4 und 10 in Dan 2 und 7, = tatsächliche 4 Königreiche, und zehn Hörner.

Off 17,9–11, 5+1+1 = tatsächliche 7. vgl. aber so ist es nicht mit den Angaben der Zeit, Zeiten und halben Zeit in Monaten und Tagen. Die sind zwar bei Dan 8,14; 12,7.11.12 tatsächlich numerisch, hier aber in dem Gesicht. Das Gesicht aber muss übertragen werden. D. h. die Bilder müssen gedeutet werden und dürfen nicht eins zu eins übernommen werden.

Josephus zählt tatsächlich zehn Hohe Priester bzw. religiöse Führer Israels auf, denen im Dezember 66 oder Januar 67 Macht verliehen wurde.

The Jewish religious leaders and nationalists knew that a full-scale Roman revenge was inevitable. (Indeed Nero officially declared war against Israel in February 67 AD, sending Vespasian as his general. .) So these Jewish leaders “got together in great numbers in the temple, and appointed a great many generals for the war” (Wars 2.20.3). As Josephus reveals, exactly 10 generals were appointed and some of them were high priests (this is from sections 3-4 of Wars 2.20):

Die 10 Zelotengeneräle waren:

1. Joseph, the son of Gorion (Governor of Jerusalem)

2. Ananus, the high priest (Governor of Jerusalem)

3. Jesus, the son of Sapphias, one of the high priests (Idumaea)

4. Eleazar, the son of Ananias, the high priest (Idumaea)

5. Niger, the then governor of Idumea (Idumaea)

6. Joseph, the son of Simon (Jericho)

7. Manasseh (Perea)

8. John, the Esscue (toparchy of Thamna; “Lydda was also added to his portion, and Joppa, and Emmaus”)

9. John, the son of Matthias (toparchies of Gophnitica and Acrabattene)

10. Josephus, the son of Matthias (both the Galilees; “Gamala also, which was the strongest city in those parts, was put under his command”)

Vgl. Josephus, Jüd. Krieg, 2,20,3 und 4:

562 (3.) Von der Verfolgung des Cestius nach Jerusalem zurückgekehrt, suchten die Rebellen nunmehr die noch römisch gesinnten Juden zum Teil mit Gewalt, zum Teil mit guten Worten auf ihre Seite zu ziehen und schritten dann in einer öffentlichen Versammlung am Heiligtum zur Aufstellung einer noch größeren Anzahl von Heerführern für den kommenden Krieg. 563 Gewählt wurden Joseph, Sohn des Gorion, und der Hohepriester Ananus, welche die höchste Gewalt über die ganze Hauptstadt erhielten und ganz besonders dafür zu sorgen hatten, dass die Stadtmauern höher gebaut würden. 564 Der Grund, warum man nicht Eleazar, den Sohn des Simon, mit der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten betrauen wollte, obwohl derselbe bereits die römische Beute, wie auch die Casse des Cestius und außerdem einen großen Teil des Staatsschatzes unter seine Verwaltung zu bringen gewusst hatte, war der, dass man an ihm schon tyrannische Gelüste hervortreten und auch die ihm unterstehenden Zeloten fast wie königliche Leibgarden schalten und walten sah. 565 Indes bekam Eleazar, unterstützt von dem immer fühlbarer werdenden Geldmangel, mit seinen Vorspiegelungen das Volk allmählich wieder so herum, dass es sich von ihm vollständig beherrschen ließ.

566 (4.) Noch andere wählte man zu Heerführern in Idumäa, nämlich Jesus, den Sohn des Sapphias, einen aus der Zahl der Hohenpriester, und Eleazar, den Sohn des Hohenpriesters Ananias. Dem bisherigen Kommandanten von Idumäa, Niger mit Namen, der aus der Landschaft Peräa am Jordan her war und darum den Zunamen „der Peräer“ hatte, ließen sie den Befehl zugehen, sich den neuen Heerführern unterzuordnen. 567 Auch die übrigen Landesteile ließ man nicht aus dem Auge, sondern sandte u. a. nach Jericho den Joseph, Sohn des Simon, nach Peräa den Manasses, während im Kreise von Thamna der Essäer Johannes das Commmando übernehmen sollte, dem auch Lydda, Joppe und Emmaus zugeteilt wurden. 568 Zum Kriegsobersten im Kreise von Gophna und Akrabatene ward Johannes, der Sohn des Ananias, ernannt, in dem Gebiete der beiden Galiläa aber Josephus, Sohn des Matthias, dessen Kommando auch Gamala, die stärkste Festung der dortigen Landschaft, zugewiesen wurde.

Sie empfingen ihre „Königreiche“ und ihre Handlungsbefugnisse etwas anfangs 67

„… für eine Stunde“:

– nämlich von anfangs 67 (oder Ende 66) bis zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels August 70, etwas mehr als dreieinhalb Jahre. So lange behielten sie ihre Handlungsvollmacht.

V. 13: „Diese haben eine Meinung ‹und Absicht› „und übergeben ihre eigene Kraft und Vollmacht dem Tier.“

Sie sind sich einig – auch in der Endlösung der Jerusalem-Frage; siehe V. 16.17.

V. 14: „Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, …“

Vgl. diese Ausdrucksweise mit dem atl. Krieg Babels gegen Gott

Jer 50,24.25: „Ich habe dir Schlingen gelegt, und du wurdest auch gefangen, Babel, ohne dass du es wusstest; du wurdest gefunden und auch ergriffen, weil du dich gegen Jahweh in Krieg eingelassen hast [eig.: denn gegen Jahweh hast du dich erregt]. 25 Jahweh hat seine Rüstkammer aufgetan und hervorgeholt die Waffen seines Grimmes, denn mein Herr, Jahweh der Heere, hat ein Werk in dem Lande der Chaldäer.“

Wer gegen Gottes Volk kämpft, zieht gegen Gott in den Krieg. Vgl. Apg 9,5.

V. 14M: „… und das Lamm wird sie überwinden, weil es Herr der Herren und König der Könige ist, …“

Wir beachten, dass der Sieg des Lammes kampflos geschieht. Vgl. 19,11-21.

Das Lamm siegt auf Grund seiner Titel, d. h. auf Grund dessen, wer er ist.

V. 14E: „… und die, die mit ihm sind, sind Gerufene und Erwählte und Treue.“

Wir beachten: Zuerst kommt der Ruf, dann die Erwählung. Das ist die Geschichte der im Himmel Angekommenen: Sie ließen sich rufen, deshalb heißen sie „Gerufene“. Sie sind „Gerufene im engeren Sinn (wie die „geladenen Gäste“ bei einer Hochzeit). Gemeint sind die, die der Einladung gefolgt sind.

Weil sie sich rufen ließen, deshalb wurden sie ihm zu „Erwählten“ (d. h.: Geliebten, Kostbaren, vgl. 1Petr 2,4.5). Und sie sind – trotz Leiden und Verfolgungen – in der Nachfolge treu geblieben. Daher bekommen sie auch die Bezeichnung „Treue“. – Das ist die Historie derer, die in Ewigkeit mit dem Lamm sein werden.

Off 17,14 und 19,19–21 zeigen das Resultat jenes Krieges gegen Christus und die Seinen.

d. Die Wasser, an denen die Hure sitzt: 17,15

V. 15: „Und er sagte zu mir: „Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Volksgruppen und Volksscharen und Völker und Sprachen.“

Die jüdische Diaspora hatte großen Einfluss in der damaligen Welt.

e. Die Hinrichtung der Hure durch die zehn Hörner: 17,16.17

V. 16: „Und die zehn Hörner, die du auf dem Tier sahst, …“

Das Tier wird sich schließlich der Frau (= der Reiterin) entledigen. Die Hure Babylon wird durch das Tier (und seine zehn Könige) gestürzt, gerichtet.

Nachdem die zehn Könige ihre ganze Herrschaft dem Tier übergeben haben und die Hure Jerusalem als Machtposition dahin ist, ist alle Autorität verkörpert in dem Thron des Tieres.

„diese werden die Hure hassen, …“

Das Tier und die zehn Hörner hassen. Das Tier kann nicht lieben.

Diese zehn Generäle und das zelotische Tier werden die Hurenstadt Jerusalem hassen – und zerstören.

Aus der Geschichtsschreibung wissen wir: Es waren die rivalisierenden zelotischen Parteien, die Jerusalem verwüsteten, den Tempel entweihten, den anderen die Nahrungsmittelvorräte verbrannten, und sich gegenseitig ermordeten.

„… und verwüstet werden sie sie machen und nackt, und sie werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen, …“

16 V.12; Jer 50,41.42; Hes 16,36–41; 2Kön 9,33; Feu. 18,8; 3Mo 21,9

Dieses sind lauter Bilder aus dem Alten Testament:

„wüst, nackt, Fleisch fressen“: 2Kön 9,33ff (Isebel – Typus für die Hure Babel),

„verbrennen: „Und ich will meinen Eifer gegen dich richten, und sie werden im Grimme mit dir verfahren: Deine Nase und deine Ohren werden sie abschneiden, und was dir übrigbleibt wird durch das Schwert fallen; deine Söhne und deine Töchter werden sie wegnehmen, und was dir übrigbleibt wird durch das Feuer verzehrt werden.“ (Hes 23,25) Vgl. die mosaische Anordnung der Verbrennung (3Mo 21,9): „Wenn die Tochter eines Priesters sich durch Hurerei entheiligt, entheiligt sie ihren Vater: Im Feuer soll sie verbrannt werden!“

Das Tier wendet sich gegen die Hure. Die Zeloten verwüsten und verderben die eigene die Stadt. Sie kämpften gegen sich, töten einander. (Vgl. Ri 7,22; 1Sam 14,20; 2Chr 20,23; Hes 38,21; Hag 2,22; Sach 11,9.)

Jerusalem wurde zerstört.

Nb.: Rom wurde nicht zerstört, sondern 410 n. Chr. von den Westgoten und 455 n. Chr. von den Vandalen geplündert:

Aus Wikipedia (Rom): „Nach dem formellen Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 wurden bekannte städtische Einrichtungen wie die Diokletiansthermen und das Kolosseum zunächst weiter unterhalten; trotz sinkender Einwohnerzahlen bestand das antike Leben fort. Prokopios hielt fest, dass die Bauwerke der Stadt während der Herrschaft der Ostgoten instand gehalten wurden. Um 530 lebten noch etwa 100.000 Menschen in Rom. Die zivilisatorische Katastrophe kam erst mit dem Gotenkrieg (535–554) und der in diesem Rahmen betriebenen Rückeroberungspolitik des oströmischen Kaisers Justinian. Die Kriegshandlungen führten zur endgültigen Zerstörung fast aller römischen Wasserleitungen (537), zur Auslöschung der das antike Erbe bewahrenden Senatorenschicht und zu einem mehrjährigen Aussetzen des städtischen Lebens durch oströmisch–gotische Belagerungskämpfe. Das letzte spätantike Bauwerk in der Stadt ist die 608 errichtete Phokas–Säule. Die Stadt entging nur knapp einer vollständigen Zerstörung. Rom gehörte zwar formell seit 554 wieder zum Oströmischen Reich, die Ordnungsfunktionen wurden jedoch in den Zeiten der Völkerwanderung mehr und mehr von den Päpsten ausgeübt. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert folgten weitere Belagerungen, Angriffe und Plünderungen durch Langobarden, Sarazenen und Normannen, so dass sich das bewohnte Stadtgebiet zeitweise kaum über die Tiberufer hinaus erstreckte.“

V. 17: „…, denn Gott gab in ihre Herzen, seine Meinung ‹und Absicht› durchzuführen und eine Meinung ‹und Absicht› auszuführen und ihre Königsherrschaft dem Tier zu geben, bis die Worte Gottes vollendet würden.“

Gott gab …:

→ Wir lernen: Gott hält die Geschichte in der Hand.

Wir haben zwei Gerichtsobjekte, d. h. zwei, die Gott richtet (ausgenommen den Drachen): Das Tier (und mit ihm die zehn Hörner, d. i.: die zehn Könige, und auch der Falschprophet) einerseits und die Hure Babylon andererseits. Aber die beiden sind miteinander verbunden. Zuerst erfahren wir, dass die Hure das Tier reitet (d. h.: lenkt oder sich von ihm tragen lässt). Dann aber wendet sich das Tier – in Zusammenarbeit mit den zehn Königen – gegen die Hure: es hasst sie, verwüstet sie, stellt sie bloß (zieht sie nackt aus, d. h.: es schändet sie), frisst ihr Fleisch und verbrennt sie mit Feuer.

Das Erstaunliche: Wir erfahren in Off 17,14, dass dasselbe Tier (mit denselben zehn Königen), das die Hure verwüstet, gegen das Lamm Krieg führt (was nur möglich ist, indem es gegen die Heiligen Krieg führt). Und wo findet jener Krieg gegen die Heiligen statt? Zuerst (11,7) erfahren wir: in der großen Stadt, in der der Herr gekreuzigt wurde (11,8); dann aber ebenso, so erfahren wir (13,7), über Jerusalem hinaus – gegen die Heiligen Krieg führt und sie überwindet. Das Tier tut also ein Doppeltes: Es zerstört die Hure und es kämpft gegen das Lamm (inkl. gegen die Heiligen) – und zwar beides mit den zehn Königen zusammen.

Wenn das Tier in Jerusalem gegen Propheten Gottes Krieg führt, kann es nicht Rom sein, denn weder der Kaiser noch der Prokurator verfolgten in Jerusalem die Propheten Gottes bzw. die Heiligen. Im anderen Fall: Die Zeloten waren die erbittertsten Feinde der Heiligen.

Rom und die Zeloten waren nie miteinander verbunden. Wenn die Hure Jerusalem ist (was gesichert ist), so müsste die Hure Rom geritten haben, was nicht behauptet werden kann. Im Gegenteil: Kaiser Claudius wies alle Juden von Rom aus, und Nero war ab 65 n. Chr. gegen die Juden eingestellt. Die Juden hatten zwar in Rom zeitweise etwas Einfluss (z. B. gegen Pilatus, den sie verklagten), aber dass Jerusalem Rom lenkte, kann nicht gesagt werden. Rom führt seit 66 n. Chr. Krieg gegen Israel. Andererseits: Wenn das Tier die Zeloten (oder deren Führer) sind): Jerusalem ließ sich vom Zelotentum tragen, vorwärtsbringen.

Wenn das Tier Rom wäre, welcher Kaiser wäre denn gemeint, der die Heiligen bekämpfte und überwand? Nero? Die neronische Verfolgung war tatsächlich eine große Verfolgung, aber sie war so schlimm, weil die Juden die neronische Verfolgung als eine gute Gelegenheit fanden, sich der Christen zu bemächtigen. Möglicherweise waren es gerade die Juden, die Nero (der damals mit Poppaena, einer jüdischen Proselytin, verheiratet war) dahingehend beeinflussten, die Schuld für den Brand Roms den Christen in die Schuhe zu schieben. So waren also auch in der neronischen Verfolgung – wie auch sonst – die Juden die Hauptfeinde der Christen,

Wenn das Tier Rom wäre, welcher Kaiser hatte dann „42 Monate“ zu schalten und walten? Nero regierte länger und die Zeit der Gegnerschaft gegen die Christen dauerte nicht bis zur Zeit der Zerstörung Jerusalems; Nero starb im Juli 68, und Vespasian kämpfte nicht gegen die Christen. Andererseits: die Zeloten kämpften bis zum Ende gegen die Christen.

Die zehn Könige, die für kurze Zeit mit dem Tier Macht erhielten, passen sehr gut auf die Idumäer. Sie wurden nämlich durch die Zeloten in die Stadt Jerusalem hineingeholt und übten dann eine kurze Zeit zusammen mit den Zeloten eine Schreckensherrschaft in der Stadt aus.

(Wie haben die Zeloten die Hure verwüstet, verbrannt, gefressen? Möglicherweise ist 11,18 [die das Land verderben] und 19,2 [ die das Land verderbte] die Lösung)

f. Die Deutung: Wer ist die Frau: 17,18

V. 18: „Und die Frau, die du sahst, ist die große Stadt, …“

Die Frau, die große Stadt, ist die Gegenspielerin der Braut, der neuen großen Stadt. Mehr wird dem Johannes nicht gesagt. Offensichtlich genügt es.

„… die die Königsherrschaft über die Könige des Landes hat.“

Für Israeliten war Jerusalem die königliche Stadt (Klg 1,1: „die Fürstin der Provinzen“), die über die Fürsten des Landes regierte.

Was verstanden die Leser der Off, die diesen Brief empfingen, unter „Könige des Landes“? Sie kannten Ps 2,1.2. Die Apostel verstanden im Licht des Christusereignisses, dass die „Könige des Landes“ sich anlässlich der Tötung des Messias gegen Gott und seinen Christus zusammengetan hatten mit den Volksscharen Israels.

Zu den „Königen des Landes“ gehörten Herodes und Pilatus (Apg 4,26.27): „Es traten an die Könige des Landes, und die Obersten … gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten’, 27 denn, wahrlich, es waren zusammengekommen [in Feindschaft] gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hattest, beide, Herodes und Pontius Pilatus, zusammen mit [den] Völkern und Volksscharen Israels“.

Gemäß Lk 23,30 sind in Off 6,15.16 mit den „Königen des Landes“ die Regierenden in Israel gemeint.

6,15.16: „Und die Könige des Landes und die Großen und die Obersten … verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge. 16 Und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt über uns und verbergt uns …“

Zudem können in dem Ausdruck „Könige des Landes (o.: der Erde; i. S. v.: der Länder)“ auch die Regenten der Länder in der Diaspora eingeschlossen sein, wo die Juden durch ihren Handel und ihre Finanzkraft bedeutenden Einfluss hatten.

Die Juden hatten durch das Diasporajudentum großen Einfluss auf die Römer, auch beim Kaiser. Z. B. als der Kaiser Caligula einen Bilderkult im Jerusalemer Tempel einführen wollte, weigerten sich die Juden hartnäckig. Und wie sie sich mächtig zeigten gegen Pilatus, ist bekannt. Joh 18 und 19.

Nach der Rückführung entstand ein mächtiges Diaspora–Judentum (Josephus, Ant. 14,7,12). Alexandria wurde zum Zentrum jüdischen Einflusses (Ant. 14,7,2) in Babylon, Ägypten und Judäa. Jerusalem erwarb sich durch die Diaspora viel Reichtum, Macht und große Vorrangstellung. Das neu erbaute Jerusalem mit dem erneuerten Tempel (der im Jahr 63 n. Chr. fertig wurde) blühte auf (Jüd. Krieg, Vorwort, 4). Die „große Stadt“ wurde die am meisten geliebte, am meisten gehasste und am meisten gefürchtete Stadt der Welt.

Titus sagte bezüglich Jerusalems: „Ihr seid reicher geworden als wir“ (Jüd. Krieg 6,6,2; vgl. 6,8,3; 7,7,5) – dieses wohl im Blick auf den Tempel (Ant. 14,7,2). Millionen gottesfürchtiger Juden aus aller Welt brachten ihren Zehnten nach Jerusalem. So wurde Jerusalem zur reichsten Stadt der Welt. (Charles Merivale, History of the Romans, 1865, Bd 6, S 454, zit. bei Ogden, The Avenging of the Apostles and Prophets, S 47).

Der mächtigste Mann in Jerusalem zur Zeit Jesu war der Hohe Priester. Er hatte Macht über alle Juden der ganzen Welt. (Vgl. Apg 9,1–2; 22,4.5; 26,10f.) Die Römer anerkannten diese Macht und hielten sie aufrecht.

Durch den Hohen Priester und den Reichtum Jerusalems regierte Jerusalem die damalige Welt. Mittel war der Sanhedrin (Hohe Rat), den es nicht nur in Jerusalem gab. Er bestand aus 71 Gliedern, mit dem Hohen Priester als obersten Richter. (Vgl. Solomon Zeitlin, Who crucified Jesus, 1964 reprint, S 70, zit. bei Ogden, S 47). In jeder größeren Stadt in Judäa gab es einen Sanhedrin, und wohl in den meisten größeren Städten des römischen Imperiums, wie z. B. in Korinth (Apg 18,15).

Die Autorität Jerusalems war dadurch universal, überall dort, wo es Juden gab. Für jeden Juden in der Welt war Jerusalem die wichtigste Stadt der Welt, jeder betete in Richtung Tempel; aus aller Welt kamen jährlich Juden zu den Festen. (Vgl. Apg 2,5: „… aus allen Völkern unter dem Himmel“.) Wegen des Tempels hieß Jerusalem die „heilige Stadt“. Sie war neben Rom die damals bekannteste Stadt der Welt.

Und die Heiden wussten darum. Jerusalem war von den Römern gefürchtet. Deshalb hat man Jerusalem vorsichtiger angefasst als andere Städte und Völker. Weil das Volk der Juden nicht auf ein einziges Land begrenzt war, waren Judenaufstände eine weltweite Gefahr. Das alles gab Jerusalem seinen besonderen Status in der Welt. Solange Jerusalem stand, stand Israels Volk. War Jerusalem besiegt, war das Judentum besiegt. (Zum Diasporajudentum des 1. Jhdts. vgl. Solomon Zeitlin, S 54, zit. bei Ogden, S 84.)

B. Der Untergang der großen Stadt Babylon: 18,1–24

1. Ankündigung ihres Falles 18,1–3

V. 1: „Und nach diesem sah ich einen anderen Boten aus dem Himmel niedersteigen; er hatte große Vollmacht. Und das Land wurde erleuchtet von seiner Herrlichkeit. 2 Und er rief in Stärke, mit großer, ‹lauter› Stimme und sagte: ‚Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große!‘ Und sie ist eine Wohnstätte von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels, …“

„Wohnstätte von Dämonen“:

Die Synagoge Satans (Off 2,9; 3,9) wurde eine Wohnstätte von Dämonen.

Im AT werden bei großen Zerstörungen von Städten oder „Welten“ ähnliche Ausdrücke und Bilder gezeichnet: Jes 13,21: „Aber Wüstentiere werden dort lagern, und ihre Häuser werden voller Uhus sein. Und Strauße werden dort wohnen und Böcke dort hüpfen; …“

34,11: „Und Pelikan und Igel nehmen es in Besitz, und Eule und Rabe wohnen darin. Und er zieht darüber die Messschnur der Öde und das Senkblei der Leere.“

Jer 50,39: „Darum werden Wüstentiere mit wilden Hunden darin wohnen, und Strauße werden darin wohnen. Und es soll niemals mehr bewohnt werden und keine Niederlassung sein von Geschlecht zu Geschlecht.“

(Zur Dämonenbehausung vgl. Josephus, Jüd. Krieg 7,8,1; 5,5,5; 5,13,1. Off 18,4: vgl. Jer 51,45.)

Was die Dämonenbehausung betrifft, hatte der Herr Jesus schon vorausgesagt, dass jenes Geschlecht, wenn es nicht Buße tun würde, noch schlimmer werden würde als vorher. Er sprach explizit von einer Dämonenbehausung (Mt 12,41–45): „Männer von Ninive werden im Gericht aufstehen mit diesem Geschlecht und werden es verurteilen, weil sie Buße taten auf die Verkündigung des Jona hin. Und– siehe!– mehr als Jona ist hier. 42 Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten mit diesem Geschlecht und wird es verurteilen, weil sie von den jenseitigen Teilen des Landes kam, die Weisheit Salomos zu hören. Und– siehe!– mehr als Salomo ist hier. 43 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er wasserlose Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann sagt er: ‚Ich werde zu meinem Haus zurückkehren, von dem ich ausging.’ Und wenn er kommt, findet er es leer stehend, gefegt und geschmückt vor. 45 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister zu sich, die böser sind als er selbst, und sie fahren ein und wohnen dort. Und es wird das Letzte jenes Menschen ‹nach und nach› schlimmer als das Erste. So wird es auch bei diesem bösen Geschlecht sein.“

V. 3: „… weil vom Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei alle Völker getrunken haben.“

Die Hure nahm Einfluss auf jedes Volk, direkt oder indirekt.

„Und die Könige des Landes trieben Hurerei mit ihr, und die Kaufleute des Landes wurden reich aus der Kraft ihrer Üppigkeit.“

Alttestamentliche Parallelen: Hes 27,12.18.33–36

Zur „Hurerei“: Vorher war Jerusalem Gottes „Braut“ gewesen (Jer 2,2): „So sagt Jahweh: Ich gedenke – dir ‹zugut› – der Güte deiner Jugendzeit, der Liebe deiner Brautzeit, wie du hinter mir hergingst in der Wüste, auf unbesäter Erde.“ Vgl. Hes 16,8-14.

Dann ist sie zur Hure geworden:

Jes 1,21: „Wie ist zur Hure geworden die treue Burgstadt! Sie war erfüllt von Recht, in ihr wohnte Gerechtigkeit, und jetzt – Mörder!“

Jer 2,20: „… denn von alters her hast du dein Joch zerbrochen, deine Fesseln zerrissen, und du hast gesagt: ‚Ich will nicht dienen!‘ Sondern auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum gabst du dich preis als Hure.“

Jer 3,1: „Er sagt: Wenn ein Mann seine Frau entlässt und sie von ihm weggeht und [die Frau] eines anderen Mannes wird, darf er wieder zu ihr zurückkehren? Würde jenes Land nicht entweiht werden? Du aber hast mit vielen Liebhabern gehurt, …“

Jer 13,27: „Dein Ehebrechen und dein Wiehern, die Schandtat deiner Hurerei auf den Hügeln im Feld– deine Gräuel habe ich gesehen. Wehe dir, Jerusalem! Du wirst nicht rein werden– wie lange wird es noch dauern?“

Klg 1,8: „Jerusalem hat schwer gesündigt, darum ist sie wie eine Unreine geworden; alle, die sie ehrten, verachten sie, weil sie ihre Blöße gesehen haben; auch sie selbst seufzt und wendet sich ab.“

Hes 16,15: „Aber du vertrautest auf deine Schönheit, und du hurtest auf deinen Ruf hin und gossest deine Hurereien aus über jeden Vorübergehenden: Ihm wurde sie zuteil. … 25 An jeder Wegecke bautest du deine Höhen, und du schändetest deine Schönheit und spreiztest deine Füße gegen jeden Vorübergehenden. Und du mehrtest deine Hurerei. …36 … Weil deine Unreinheit ausgegossen und deine Blöße aufgedeckt worden ist in deinen Hurereien mit deinen Liebhabern, und wegen aller deiner gräuelhaften Götzen und wegen des Blutes deiner Kinder, die du ihnen gegeben hast, …“

Hes 23,11: „Und ihre Schwester Oholiba sah es, und sie trieb ihre Lüsternheit schlimmer als sie, und ihre Hurereien weiter als die Hurereien ihrer Schwester. … 23 Und sie werden im Hass mit dir verfahren und deinen ganzen Erwerb wegnehmen und dich nackt und bloß lassen. Und deine hurerische Blöße und deine Schandtat und deine Hurereien werden aufgedeckt werden.“

Sie steht im Gegensatz zur keuschen Braut (Off 21,9ff; 2Kr 11,2).

2. Mahnwort, Babylon zu verlassen und ihre Sünden zu vergelten: 18,4–7

V. 4: „Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: ‚Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt, …‘“

…“

Vgl. Hebr 13,13.14: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen, 14 denn wir haben hier nicht eine bleibende Stadt, sondern die kommende suchen wir.“

„Geht aus ihr hinaus, …“

„Babel“ ist das falsche Volk Gottes. Das wahre soll fliehen.

Gottes Volk soll keine Gemeinschaft haben mit dem falschen Volk Gottes, sich mit ihm nicht identifizieren.

2Kor 6,17.18: „Darum kommt aus ihrer Mitte heraus und sondert euch ab, sagt der Herr, und rührt nicht Unreines an, und ich werde euch Einlass gewähren, 18 und ich werde euch [ein] Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, sagt der Herr, der Machthaber über alles.“

Gott will sein Volk nicht in die Strafe über „Babel“ mit einbeziehen. Es soll weder an Babels Sünden noch an Babels Los teilhaben.

→ Wir lernen: Wer sich in einer Organisation befindet, muss sich fragen: Teile ich die Ziele dieser Organisation? – Man wird mitverantwortlich auch durch Geldspenden oder rein namentliche Identifizierung.

Auch das Zeugnis schadet. Wir könnten in den Augen anderer mit jenen verquickt werden.

Wer in dem bösen religiösen System bleibt, verunreinigt sich und könnte Strafe auf sich ziehen.

Parallelen im AT:

Jes 48,20: „Ziehet aus Babel, flieht aus Chaldäa mit Jubelschall; verkündiget, lasst dieses hören, bringet es aus bis an das Ende des Landes! Sprechet: Jahweh hat seinen leibeigenen Knecht Jakob erlöst.

52,11: „Weichet, weicht, geht von dort hinaus, rühret nichts Unreines an! Geht hinaus aus ihrer Mitte, reiniget euch, die ihr die Geräte Jahwehs traget!

Jer 50,8: „Flieht aus Babel hinaus, und ziehet aus dem Lande der Chaldäer; und seid wie die Böcke vor der Herde her!

51,6: „Flieht aus Babel hinaus und rettet ein jeder sein Leben, werdet nicht vertilgt wegen seiner Ungerechtigkeit, denn es ist die Zeit der Rache Jahwehs: Was es getan hat, vergilt er ihm. … 8 Urplötzlich gefallen ist Babel– und zerbrochen. Heult über sie! Holt Balsam für ihren Schmerz! Vielleicht wird sie geheilt! 9 Wir wollten Babel heilen, aber sie war nicht zu heilen. Verlasst sie und lasst uns ziehen jeder in sein Land, denn bis an die Himmel rührt ihr Strafgericht, und bis zu den Wolken langt es hinauf.”

51,45: „Ziehet aus ihm hinaus, mein Volk, und rettet ein jeder sein Leben vor der Glut des Zornes Jahwehs!

V. 5: „…, weil ihre Sünden bis zum Himmel folgten, und Gott gedachte ihrer Ungerechtigkeiten.“

Vgl. Off 16,19M: „Und Babylon, die Große, ihrer wurde gedacht vor Gott, ihr den Weinbecher des Grimms seines Zorns zu geben.“

1Thes 2,15.16: „…, die auch den Herrn töteten, Jesus – und die eigenen Propheten –, und euch verfolgten und Gott nicht gefallen und allen Menschen Gegner sind, 16 uns hindern, zu denen, die von den Völkern sind, zu reden, damit sie gerettet werden, womit sie allezeit ihre Sünden zur Fülle bringen. Aber der Zorn ist auf sie gekommen, um ein Ende [zu machen].“

V. 6: „Vergeltet ihr, wie auch sie euch vergalt, …“

Der Engel will nicht sagen, dass Gottesvolk der gerichtswürdigen Stadt Strafe zufügen sollte. Nein, das tut Gott. Gott ist es, der vergilt, nicht die Heiligen (Rm 12,19; Heb 10,30). Aber Gottesvolk spricht in Verkündigung Strafe über die Stadt; Gottes Volk spricht sie ihr zu.

V. 6M: „… und verdoppelt ihr das Doppelte nach ihren Werken. In dem Becher, den sie mischte, mischt ihr das Doppel.“

Ps 137,8; Jer 50,15.29; 51,24.49; 2Thes 1,6

verdoppeln bed. hier wahrscheinlich „ein gleiches Maß aufschütten“. Eine ist gleichsam das Doppel des anderen. Auf einer Schalenwaage entspricht das Gewicht in der einen Schale dem anderen. So ist das eine Gewicht „ein Doppel“ von dem anderen.

Jer 16,18 (Vgl. Buber): „Ich zahle [ihnen] erstmals heim, ein Doppel ihres Fehls, ihrer Sünde, …“

Vgl. Off 14,10: „… wird auch er von dem Wein des Grimmes Gottes trinken, der unvermischt in dem Becher seines Zornes eingeschenkt ist.“

6,19: „… ihrer wurde gedacht vor Gott, ihr den Weinbecher des Grimmes seines Zornes zu geben.“

Auf Jerusalem, bezogen:

Hes 23,31: „Auf dem Wege deiner Schwester bist du gewandelt, und so will ich ihren Becher in deine Hand geben. 32 … Du wirst den Becher deiner Schwester trinken, den tiefen und weiten: … 33 Voll Trunkenheit und Kummer wirst du werden; der Becher deiner Schwester Samaria ist ein Becher des Entsetzens und der Betäubung. 34 Und du wirst ihn trinken und ausschlürfen und wirst seine Tonscherben benagen … 35 … Weil du mich vergessen und mich hinter deinen Rücken geworfen hast, so trage du auch deine Schandtat und deine Hurereien.“

V. 7: „Wie viel sie sich verherrlichte und in Üppigkeit lebte, so viel Qual und Trauer gebt ihr, weil sie in ihrem Herzen sagt: ‚Ich sitze als Königin, und eine Verlassene bin ich nicht, und Trauer werde ich auf keinen Fall sehen.‘“

Diese Frau/Stadt sagte: „Ich werde nicht verlassen werden, ich habe dasselbe Vergnügen, denselben Genuss.

3. Ankündigung ihrer Plagen: 18,8

V. 8 „Deswegen werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer und Hungersnot, und mit Feuer wird sie verbrannt werden, …“

Das ist apokalyptische poetische Sprache. Gemein ist nicht, dass buchstablich alle Menschen an einem einigen Tag umkommen werden. Aber wenn diese Stadt fällt, bricht ein Weltsystem zusammen die gesamte alttestamentliche Welt des Sinai und des Tempels.

Feuer: Off 17,16; Jes 47,9.14; Jer 51,58.

„… weil der Herr stark ist, Gott, der sie richtet.“

Niemand soll denken, Gott würde untätig zusehen – wie ein Schwacher. Er ist stark und wird seinen starken Arm unversehens gebrauchen, um einzugreifen. Weil er stärker ist als die „starke Stadt“, kann er es tun und wird er es tun.

4. Wehklage der Landbewohner über den Fall: 18,9–19

Jede der drei Klagen endet mit einem doppelten Wehe. Es ist das „dritte Wehe“ von Off 11,14, ein dreifaches Doppelwehe:

V. 10: „Wehe! Wehe! Die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! – weil in einer Stunde dein Gericht kam.“

V. 16.17: „Wehe! Wehe! Die große Stadt! – weil in einer Stunde der so große Reichtum verwüstet wurde.“

V. 19: „Wehe! Wehe! Die große Stadt! – weil sie in einer Stunde verwüstet wurde.“

a. Die Wehklage der Könige: 18,9–10

V. 9: „Und es werden sie beweinen und über sie wehklagen die Könige des Landes (o.: der Erde; o.: der Länder), die mit ihr Hurerei trieben und in Üppigkeit lebten, wenn sie den Rauch ihres Brandes sehen …“

Eine Parallele im AT: Hes 26,16 (gesprochen über den Untergang der götzendienerischen Stadt Tyrus): „Und alle Fürsten des Meeres werden von ihren Thronen herabsteigen und ihre Oberkleider ablegen und ihre buntgewirkten Kleider ausziehen. Sie werden sich in Schrecken kleiden, werden auf der Erde sitzen und jeden Augenblick ‹vor Schreck› beben und sich über dich entsetzen.“

Die „Könige des Landes“ hätten sich niemals gedacht, dass die Hure Jerusalem so schlimm fallen würde. In der AT Parallele damals (587 v. Chr.; Klg 4,12.13) auch nicht: „Die Könige des Landes (o.: der Erde; der Länder) hätten es nicht geglaubt, noch alle Bewohner des Festlands, dass Bedränger und Feind eindringen würden in Jerusalems Tore – 13 wegen der Sünden seiner Propheten, [wegen] der Verschuldungen seiner Priester, die das Blut von Gerechten in ihrer Mitte vergossen.“

V. 10A: „… und aus Furcht vor ihrer Qual von ferne stehen und sagen: Wehe! Wehe!“

Parallelen im AT:

Jer 13,27: „Dein Ehebrechen und dein Wiehern, die Schandtat deiner Hurerei auf den Hügeln im Feld – deine Gräuel habe ich gesehen. Wehe dir, Jerusalem! Du wirst nicht rein werden – wie lange wird es noch dauern?“

Hes 16,23: „Und es geschah, nach all deiner Bosheit – (Wehe, wehe dir!, sagt der Herr, Jahweh) …“

V. 10M: „Die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! – weil in einer Stunde dein Gericht gekommen ist!“

Die Zerstörung Jerusalems war total: Josephus, Jüd. Krieg 7,1,1.

Parallelen im AT:

Jes 26,1: „An jenem Tage wird dieses Lied im Lande Juda gesungen werden: ‚Wir haben eine starke Stadt; …‘“

Jer 22,8: „Und viele Völker werden an dieser Stadt vorüberziehen, und einer wird zum anderen sagen: Warum hat Jahweh so etwas an dieser großen Stadt getan?“

Klg 1,1: „Wie sitzt einsam die volkreiche Stadt, ist einer Witwe gleich geworden die Große unter den Völkern!

Vgl. Off 11,8: „Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die in geistlicher [Hinsicht] ‚Sodom’ und ‚Ägypten’ heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.“

b. Die Wehklage der Kaufleute: 18,11–16

V. 11: „Und die Kaufleute des Landes weinen und trauern über sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft, …“

Die alttestamentliche Parallele ist Hes 27,12–36, bezogen auf Tyrus.

Die meisten von den 29 Artikeln, die im Folgenden aufgezählt werden, sind Utensilien, die für den Tempelbau, den alttestamentlichen Opferkult und Tempelgottesdienst in Jerusalem gebraucht werden.

Die Ausdrücke sind genommen aus den Berichten über die Herstellung der Stiftshütte (2Mo 25 bzw. 36) und der Erbauung des ersten Tempels (1Kön 6), als Salomo Menschen und Waren aus dem Ausland kaufte

Die Stoffe und Edelsteine erinnern an die Vorhänge des Tempels, die, laut Josephus, „ein gleich langer babylonischer Vorhang, bunt gestickt aus Hyacinth, Byssus, Scharlach und Purpur, wunderschön gewoben mit sehenswerter Mischung der Stoffe” war (Jos., Jüd. Krieg 5,5,4).

V. 12: „Ware von Gold und Silber und Edelgestein und Perlen und Byssus und Purpur und Seide und Scharlach; und alles Thujaholz; und jedes Gerät von Elfenbein und jedes Gerät von höchst kostbarem Holz und von Erz und Eisen und Marmor; …“

Vgl. 2Mo 25,3-7: Und dieses ist das Hebopfer, das ihr von ihnen nehmen sollt: Gold und Silber und Erz 4 und violetten und roten Purpur und Scharlach und Byssus und Ziegenhaar 5 und rot gefärbte Widderfelle und Seekuhhäute und Akazienholz, 6 Öl für die Beleuchtung, Balsam für das Salböl und für das wohlriechende Räucherwerk, 7 Schoham-Steine und [andere] Steine zum Einsetzen für das Ephod und für die Brusttasche, …“

V. 13: „… und Zimt und Räucherwerk und Salbe und [spezielles] Harzerzeugnis (d. h.: Weihrauch) und Wein und Öl und Weizengrieß und Weizen und Schafe und Vieh; und [Fracht] von Pferden und von Wagen und von Leibern; und Menschenseelen.“

Unter „Leiber“ sind die Leiber der leibeigenen Knechte (Sklaven) gemeint.

Zu den „Menschenseelen“ (d. h.: ausgebeuteten Seelen von Menschen) vgl. Hes 27,13M: „Für Menschenseelen und eherne Geräte lieferte man ihnen deine Tauschware.“

In der Ablehnung des Messias hat die „große Stadt“, die „Hure“, auch Menschenseelen auf dem Gewissen; sie verfolgte die Heiligen.

V. 14: „Und das Obst der Lust deiner Seele …“

Nicht nur das Obst, auch der Tempel war für Israel die „Lust“ ihrer Augen und das Verlangen ihrer „Seele“ (Vgl. Hes 24,21: „So sagt der Herr, Jahweh: Siehe! Ich werde mein Heiligtum entheiligen, den Stolz eurer Stärke, die Lust eurer Augen und das Verlangen eurer Seele. Und eure Söhne und eure Töchter, die ihr zurückgelassen habt, werden durchs Schwert fallen.“ Vgl. 24,25.)

„… ist von dir gewichen, und alles Niedliche und Prächtige ist von dir gewichen, und du wirst es keineswegs mehr finden.“

Nun sind alle Freuden und Reichtümer dahin.

V. 15 „Die Kaufleute, die mit diesen Dingen [Handel trieben], die an ihr reich wurden, werden aus Furcht vor ihrer Qual von ferne stehen, weinen und trauern …“

Die ausländischen Händler waren durch Jerusalem und den Tempel reich geworden.

Nun müssen die Kaufleute und Seefahrer auf den Schiffen vor der Mittelmeerküste beobachten, wie ihr „Hauptgeschäftspartner“, Jerusalem und der Tempel, mit großer Rauchwolke brennt.

Jerusalem liegt auf über 700 Metern Seehöhe, ca. 50 Kilometer von der Küste entfernt. Eine so große Rauchwolke ist bei klarem Wetter von der Küste her gut zu sehen.

V. 16: „… und sagen: ‚Wehe! Wehe! Die große Stadt! – die umkleidet war mit Byssusstoff und Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und [bedeckt] mit Edelgestein und Perlen!‘“

Vgl. 2Mo 25,3: „Und dieses ist das Hebopfer, das ihr von ihnen nehmen sollt: Gold und Silber und Kupfer 4 und blauer und roter Purpur und Karmesin und Byssus und Ziegenhaar.“

Hes 16,10: „Und ich kleidete dich in buntgewirkten [Stoffen] und beschuhte dich mit Seekuhfellen. Und ich umkleidete dich mit Byssus und bedeckte dich mit Seide. …. 13 Und du schmücktest ‹dich› mit Gold und Silber. Und dein Gewand war Byssus und Seide und Buntgewirktes. Du aßest Weizengrieß und Honig und Öl. Und du wurdest schön, sehr, sehr [schön]. Und du wurdest tauglich zum Königtum.“

c. Die Wehklage der Seeleute: 18,17M–19

V. 17-19: „Und jeder Steuermann und alle Mannschaften auf den Schiffen und die Seemänner und so viele auf dem Meer beschäftigt waren, „standen von ferne 18 und riefen laut, als sie den Rauch ihres Brandes sahen, und sagten: ‚Welche Stadt ist gleich der großen Stadt?‘

19 Und sie warfen Staub auf ihre Köpfe und riefen laut, unter Weinen und Trauern, und sagten: ‚Wehe, wehe, die große Stadt! – in der alle, die Schiffe auf dem Meer hatten, reich wurden von ihrer Kostbarkeit –, weil sie in einer Stunde verwüstet wurde.‘“

Den Ausdruck „Stunde“ verwendet Johannes in seinen Schriften im Sinne von „Zeit“. „In einer Stunde“ bedeutet „in kurzer Zeit“.

5. Aufruf zur Freude der Himmelsbewohner über ihren Fall: 18,20

V. 20 „Sei fröhlich ‹und feiere› über sie, Himmel! Und die heiligen Apostel und die Propheten: [Seid fröhlich!], weil Gott euer Gericht an ihr vollzog.“

Hier endet die Botschaft der Stimme von V. 4. Der Himmel freut sich, wenn das Böse überwunden wird; die Heiligen sollen sich mitfreuen. Gott hat das Blut seiner Apostel und Propheten, das sie vergossen hat, an ihr gerächt.

Jerusalem ist mitverantwortlich für die Ermordung von Aposteln. Paulus wurde enthauptet (ca. 65-67 n. Chr.), Jakobus in Jerusalem getötet (Apg 12,2; 44 n. Chr.), Philippus soll 53/54 n. Chr. in Phrygien an eine Säule gebunden und gesteinigt worden sein, Jakobus, der Sohn des Alphäus wurde gesteinigt und zu Tode geprügelt; Petrus starb den Kreuzigungstod (ca. 64/65 n. Chr.), ebenso Andreas. Bartholomäus soll in Armenien in Kalminia enthauptet, Thomas in Indien mit Wurfspießen zu Tode gestochen worden sein. Matthäus wurde wohl in Äthiopien mit dem Schwert getötet, Simon, der Eiferer, in Syrien gekreuzigt, Judas Taddäus mit Stöcken zu Tode geprügelt. Matthias (der Ersatz für Judas Iskariot) soll gesteinigt und enthauptet worden sein. Jakobus, der Halbbruder Jesu, soll (wohl im Jahr 62 n. Chr.) in Jerusalem von der Tempelzinne (aus ca. 30 m Höhe) geworfen und getötet worden sein. (So die Überlieferungen.) Über den Märtyrertod des Apostels Johannes gibt es verschiedene Überlieferungen. Nach dem Papiasfragment wurde er von den Juden in Jerusalem getötet.

Der Herr Jesus sagte in Bezug auf die Führer Jerusalems, die Schriftgelehrten und Pharisäer (Mt 23,34-38): „Deswegen – siehe! – sende ich zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und von ihnen werdet ihr ‹einige› töten und kreuzigen, und ‹einige› von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und ihr werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, 35 auf dass über euch komme alles gerechte, auf dem Land vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet. 37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr gesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht! 38 Siehe! Euer Haus wird euch öde gelassen werden!“

Der Ausdruck „dieses Geschlecht“ (V. 36) bezieht sich auf das ehebrecherische böse Geschlecht der zeitgenössischen Juden jener Tage. V. 38 spricht von der Zerstörung des Tempels in Jerusalem.

Vgl. Ps 97,8: „Zion hört es und freut sich, und es jubeln die Töchter Judas, wegen deiner Gerichte, Jahweh.“

Gott vollzog an „Babylon“ auch „ihr“ Gericht, d. h., das Vergeltungsgericht für die Ermordung der Apostel und der Propheten. Und sie, die Apostel und Propheten, werden aufgerufen, sich über Gottes Racheakt an Babylon zu freuen.

→ Wir lernen: Wir sollen nicht barmherziger sein wollen als Gott. Wenn er die Tür schließt, sollen wir uns freuen und nicht noch betteln, er möchte die Tür wieder öffnen. Als die Tür der Arche Noahs geschlossen war, war sie zu! – Diese Menschen hatten Gelegenheit genug gehabt, Buße zu tun.

Off 18,20 ergibt nur dann Sinn, wenn es sich um einen „Feind“ handelt, der endlich vernichtet wird, weil er die „Apostel und Propheten“ bis aufs Blut verfolgt und umgebracht hat (die herrschende, korrupte jüdische Elite, die drei Sauerteige: Pharisäer, Sadduzäer, Herodianer). Deswegen „freuen“ sich die gestorbenen „Apostel und Propheten“.

Das schlussendliche Strafgericht des erhöhten Richters Israel geschah übrigens nicht nur im Land. Es gab in derselben Zeitperiode schreckliche Judenpogrome auch in Alexandrien, Damaskus und anderen Städten. Insofern war es auch ein weltweites Gericht; schließlich waren auch die Verfolgungen der Jesus-Gemeinde weltweit überall dort geschehen, wo das eifersüchtige, herrschsüchtige Judentum sie verfolgt hat (vgl. Apg 28,24ff).

6. Folgen ihres Falles: 18,21–24

a. „Geworfen“: 18,21

V. 21: „Und ein starker [himmlischer] Bote hob einen Stein auf, [der] wie ein großer Mühlstein [war], und warf ihn ins Meer und sagte: ‚So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen und keinesfalls mehr gefunden werden.‘“

Zum Mühlstein vgl. Jer 51,63.64 (dort bezogen auf das antike Babylon, 539 v. Chr.): „Und es soll geschehen, hast du dieses Buch zu Ende vorgelesen, so binde einen Stein daran und wirf es mitten in den Euphrat und sage: So wird Babel versinken und nicht wieder emporkommen infolge des Unheils, das ich über sie bringe.“

b. „Nicht mehr gefunden“: 18,22.23A

V. 22: „Und die Stimme der Harfensänger und Musiker und Flötenspieler und Trompeter wird nicht mehr in dir gehört werden, und ein Künstler irgendwelcher Kunst wird nicht mehr in dir gefunden werden, und das Geräusch des Mühlsteins wird nicht mehr in dir gehört werden, …“

Jeden Morgen mahlte man im Orient den täglichen Mehlbedarf in jedem Haus. Man hörte überall das vertraute knirschende Geräusch.

V. 23A: „…, und das Licht einer Lampe wird keinesfalls mehr in dir scheinen, und die Stimme des Bräutigams und der Braut wird keinesfalls mehr in dir gehört werden, …“

Sechsmal hören wir das „nie mehr“.

→ Wir lernen: 5 Kulturgebiete werden genannt: Musik (was wir hören mit den Ohren), Kunsthandwerk/Technik (was wir herstellen mit den Händen), Esskultur (was wir schmecken mit dem Gaumen), Wohnkultur (wie wir wohnen), Ehe/Familie (wie wir zusammen aufwachsen und uns aneinander erfreuen). Aber alle Kultur, alle Schönheit, alle Musik, alle Arbeit ist vergebens, wenn es nicht mit Christus, durch Christus und für Christus getan worden ist.

Gott ist für Kultur (für Schönes für Augen, Ohren, Gaumen, …), aber der Mensch muss diese Dinge aus Gottes Hand nehmen. Das Gebot Gottes war: „Macht euch die Erde untertan“ – in Abhängigkeit von eurem Schöpfer. Doch der Mensch machte sich zum Gott und erhob seine Kultur über Gott. – Ob dekadente Kultur oder gute hoch entwickelte, sie hört auf, wenn sie nicht zu Gottes Ehre gebraucht wird.

Vgl. Jer 7,34: „Ich werde in den Städten Judas und auf den Straßen von Jerusalem aufhören lassen die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut; denn das Land soll zur Einöde werden.“ (Auch die folgenden Stellen sprechen von Gottes Gericht über Jerusalem, 587 v. Chr.)

16,9: „Siehe, ich werde an diesem Ort vor euren Augen und in euren Tagen aufhören lassen die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut.“

25,10: „Und ich will unter ihnen aufhören lassen die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut, das Geräusch der Mühlen und das Licht der Lampe.

33,11: „… die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut, die Stimme derer, die sagen: ‚Lobt Jahweh der Heere, denn Jahweh ist gut, denn seine Güte währt ewig!‘ – die Stimme derer, die Lob in das Haus Jahwehs bringen, …“

Klg 5,15: „Die Freude unseres Herzens hat aufgehört, in Trauer ist unser Reigen verwandelt.“

Hos 2,11: „Und ich werde all ihrer Freude, ihren Festen, ihren Neumonden und ihren Sabbaten und allen ihren Festzeiten ein Ende machen.“

c. Begründung: 18,23M.24

Drei Gründe für das Gericht

V. 23: „…, weil deine Kaufleute die Großen des Landes waren und weil durch deine Zauberei alle Völker in die Irre geleitet wurden.“

I: Der erste Grund: 18,23M

V. 23M: „… weil deine Kaufleute die Großen des Landes (o.: der Erde) waren …“

Als keusche Jungfrau Gottes hätte sie aber für den Gott leben und sich nicht auf Erden Schätze ansammeln sollen.

→ Wir lernen: Der Feind will die Herzen des Volkes Gottes beschäftigen und beschweren, ablenken. Jesus hatte zu den Jüngern damals gesagt (Lk 21,34-36): „Gebt ‹stets› acht auf euch selbst, damit eure Herzen nicht beschwert werden durch Rausch und Trunkenheit und Sorgen des ‹irdischen› Lebens und jener Tag plötzlich über euch komme, 35 denn wie eine Schlinge wird er kommen über alle, die auf dem Angesicht der ganzen Erde ansässig sind. 36 Wacht also zu jeder Zeit!n– flehend, damit ihr würdig geachtet werdet, dem allem, das geschehen soll, zu entfliehen und euch vor den Sohn des Menschen zu stellen ‹und vor ihm zu stehen›.“

II: Der zweite Grund: 18,23E

V. 23E: „… [und] weil durch deine Zauberei alle Völker in die Irre geleitet wurden.“

Das Wort „Zauberei“ ist hier im übertragenen Sinne gebraucht; vgl. 1Sa 15,23: „Widerspenstigkeit ist [wie] die Sünde der Wahrsagerei“. (Vgl. Off 9,21; 21,8; 22,15.)

Jerusalem verführte durch ihre Verwerfung des Messias die „Völker“, d. h., die durch den Unglauben zu Heiden („Völkern“; 2,9; 3,9) gewordenen Volksgenossen in aller Welt.

Zur Isebels Zauberei, 2Kön 9,22: „Und es geschah, als Joram Jehu sah, da sagte er: ‚Ist’s Friede, Jehu?‘ Aber er sagte: ‚Was, Friede? Bei den vielen Hurereien Isebels, deiner Mutter, und ihren vielen Zaubereien!‘“

Im AT wird das Wort „Zauberei“ auch für die okkulten heidnischen Gebräuche verwendet. (5M 18:10-12: „Es soll unter dir niemand gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keiner, der Wahrsagerei treibt, kein Zeichendeuter und keiner, der Wasserweissagung betreibt, kein Zauberer 11 oder Bannsprecher oder Geisterbefrager oder Wahrsager oder jemand, der sich an die Toten wendet; 12 denn jeder, der diese [Dinge] tut, ist Jahweh ein Gräuel.“)

Vgl. die Zauberei des antiken Babylons, Jes 47,9.12: „So soll denn dieses beides über dich kommen, plötzlich, an einem Tag: Kinderlosigkeit und Witwenschaft! In vollem Maße kommen sie über dich, trotz der Menge deiner Zaubereien, trotz der großen Fülle deiner Bannsprüche. … O tritt auf mit deinen Bannsprüchen und mit der Menge deiner Zaubereien, mit denen du dich abgemüht hast von deiner Jugend an! Vielleicht wirst du Nutzen haben. Vielleicht wirst du Furcht einflößen.“

Vgl. Ninives Zauberei, Nah 3,4: „Infolge der Menge der Hurereien der anmutigen Hure, der Zauberkundigen, die Völker verkaufte mit ihren Hurereien und Familien mit ihrer Magie.“

Als keusche Jungfrau Gottes hätte Jerusalem aber ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit sein und die einzelnen Bewohner hätten als Sterne leuchten sollen (1Tim 3,15; Phil 2,15).

III: Der dritte Grund: 18,24

V. 24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und [zwar] von allen denen, die im Land (o.: auf der Erde; d. h.: in den Ländern) hingeschlachtet wurden.“

Als keusche Jungfrau Gottes hätte sie aber für Christus leben und leiden sollen.

Weil sie aber den Mund der Zeugen Gottes verstopft hatte, verstummt sie nun selbst für immer.

Vgl. Mt 23,35: „… auf dass über euch komme alles gerechte, auf dem Land (o.: auf der Erde) vergossene Blut“

Jesus Christus beschuldigt die Führer Jerusalems, dass sie für alles gerechte vergossene Blut (d. h., für die Ermordung aller Gerechten seit je) verantwortlich sind. Inwiefern? – Christus war der Gerechte, für den alle diese Gerechten letztlich gestorben waren, denn sie waren für die Wahrheit gestorben. Wenn Israel nun ihn verwirft, ist das eine Sünde gegenüber allen gerechten Märtyrern der Menschheit, die je gelebt haben, die ihre Hoffnung auf den kommenden Messias gesetzt hatten und für ihn in den Tod gegangen waren.

Genau das sagt Off 18,24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und [zwar].von allen denen, die auf dem Land (o.: auf der Erde) hingeschlachtet wurden. „Die Hure Jerusalem trägt die Schuld für die getöteten Gerechten seit je, weil sie den Messias, um deswillen jene in den Tod gingen, verworfen und getötet hat.

Vgl. a. Off 2,9; 3,9; 17,6; 18,20 mit Apg 9,23.24.29; 12,2.3; 13,45.50; 14,2.5.19; 17,5.13; 20,19; 21,27ff; 23,12–15.30; 25,3; 1Thes 2,14–16; 2Tim 3,11.

Zur Blutschuld Jerusalems Vgl. a. Hes 22,2: „Und du, Menschensohn, willst du richten, willst du richten die Stadt der Blutschuld? So tu ihr alle ihre Gräuel kund.“ Vgl. 24,6-9: „Darum, so sagt mein Herr, Jahweh: Wehe, Stadt der Blutschuld! Topf, an dem sein Rost ist und dessen Rost nicht von ihm abgeht! Stück für Stück hole sie heraus; nicht ist über sie das Los gefallen. 7 denn ihr Blut ist in ihrer Mitte: … 8 Um Zornesglut heraufzuführen, um Rache zu üben, habe ich ihr Blut auf einen kahlen Felsen getan, damit es nicht bedeckt würde. 9 Darum, so sagt mein Herr, Jahweh: Wehe, Stadt der Blutschuld!“

C. Jubel über den Untergang Babylons und Ankündigung der Hochzeit des Lammes: 19,1–10

Verse 1–7 dürften die Antwort auf 18,20 sein.

„Halleluja“ (heb. hallelu–Jah) bedeutet „Preis sei Jahweh“.

Anm.: Es kommt in den letzten fünf Psalmen (Ps 146–150) zehnmal vor, jeweils am Anfang und am Ende des Psalms. Im letzten Psalm steht achtmal „Lobt ihn“ (heb.: hallelu-hu) und zweimal „Halleluja“ (heb. hallelu–Jah). So endet der Psalter mit einem zehnfachen hallelu (Lobt) in Ps 150,1-5.

„Jah“ ist die Kurzform von „Jahweh“ und bedeutet „der Ewige, der Treue“ (eigtl.: „der, der ist ‹und sein wird›, was er ist ‹und war›“). Er ist der Bundesgott Israels, der seinem Volk die Bundestreue hält.

„Halleluja“ kommt im ganzem NT nur hier vor, viermal: dreimal im Rückblick, einmal im Ausblick.

1. Das erste Halleluja: 19,1.2

V. 1 „Nach diesen Dingen hörte ich eine große, ‹laute› Stimme einer zahlreichen Menge im Himmel, die sagte: „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Ehre und die Kraft dem Herrn, unserem Gott, …“

Unserem Gott gebührt alle Herrlichkeit und Macht. Wie tröstlich ist es, zu wissen, dass er die Welt in seiner Hand hat.

Zum „Heil“ siehe 7,10; 12,10.

V. 2: „…, weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, …“

Das Gericht entspricht der Wahrheit der Dinge.

„…, weil er die große Hure richtete, …“

Der Täter ist gerichtet, die Tat ist gerächt – zu Gottes Ehre und als Antwort auf die Gebete von 6,11.

„…, die mit ihrer Hurerei das Land verderbte, …“

Das Land (o.: die Erde) ist hier örtlich begrenzt, die „Erde“ Israels. Andere meinen, das Wort sei auf das gesamte römische Imperium bezogen; wenn dem so ist, dann sind die Diaspora-Juden im Blick.

„Land“ steht für die Menschen des Landes (wie in 12,12 und 18,20 „Himmel“ die „Menschen des Himmels“ bedeutet).

Vgl. 11,18: „Und die Völker waren zornig, und dein Zorn ist gekommen und die Zeit der Toten, gerichtet zu werden und zu geben den Lohn deinen leibeigenen Knechten, den Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und die zu verderben, die das Land (d. h.: die Bewohner des Landes) verderben.“

Vgl. Jer 51,25: „Siehe! Ich will an dich, Berg des Verderbens, – ist der Spruch Jahwehs – der das ganze Land (d. h.: die Bewohner des Landes) verderbt.“

Vgl. Off 17,2: „… mit der die Könige des Landes (o.: der Erde) Hurerei trieben, und es wurden trunken von dem Wein ihrer Hurerei die, die im Land (o.: auf der Erde) wohnen.“

„… und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte an ihrer Hand.“

18,24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden, und zwar von allen denen, die auf der Erde hingeschlachtet wurden.“

16,6: „… weil sie das Blut von Heiligen und Propheten ausschütteten; und Blut gabst du ihnen zu trinken, denn sie sind es wert.“

Off 19,2: „… weil seine Gerichte wahrhaftig und gerecht sind, weil er die große Hure richtete, die mit ihrer Hurerei die Erde verderbte, und er rächte das Blut seiner leibeigenen Knechte, [forderte es] von ihrer Hand.

Lk 11,49-51: „Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und [einige] von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde …51 … Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.“

Mt 23,35: „… auf dass über euch komme alles gerechte, auf der Erde vergossene Blut”.

2Kön 9,7M: „Und so werde ich das Blut meiner leibeigenen Knechte, der Propheten, und das Blut aller leibeigenen Knechte Jahwehs rächen und von der Hand Isebels fordern, …“

2. Das zweite Halleluja: 19,3

V. 3: „Und ein zweites Mal haben sie gesagt: ‚Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf in ‹alle› Ewigkeit.‘“

14,11: „Und der Rauch ihrer Qual steigt auf in ‹alle› Ewigkeit“.

Jes 34,10M: „…ewiglich steigt sein Rauch empor.“

→ Wir lernen: „Wir haben einen großen Gott, der die Furchtbarkeit der Sünde kennt und entsprechend handelt.

Wir wollen uns prägen lassen von Gottes Wort und beten, dass er bewirkt, dass wir so denken und infolgedessen so empfinden, wie er denkt und empfindet. Unser Empfinden muss anders werden, und das geschieht dadurch, dass wir lernen, anders zu denken. Wir müssen lernen, noch mehr auf diese Weise zu denken, und zwar so, dass wir vollkommen überzeugt sind, dass dieses Richten Gottes, von dem wir hier lesen, richtig und gerecht ist. Dann wird auch unser Empfinden so geprägt sein. Wir müssen lernen, göttlich zu empfinden. Wir müssen so empfinden, wie Gott empfindet, damit wir ihm ähnlich werden.“ H. Jantzen.

3. Das dritte Halleluja: 19,4.5

V. 4: „Und es fielen nieder die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebenden Wesen und beteten Gott an, ‹huldigten ihm›, der auf dem Thron sitzt, und sagten: ‚Amen! Halleluja.‘“

„Amen“ bedeutet: „Es ist richtig so. Es ist wahr so. So ist es, und so soll es sein.“

V. 5: „Und es kam eine Stimme aus dem Thron, …“

Gott sitzt immer noch auf dem Thron, und er wird sitzen bleiben, was immer geschieht, er ist im Regiment.

V. 5M: „… die sagte: ‚Preist unseren Gott, alle seine leibeigenen Knechte, und die ihr ihn fürchtet, beide, Kleine und Große.“

Das „und“ ist hier explikativ (erklärend): „… und zwar (o.: und nämlich; o.: das heißt:) die ihr ihn fürchtet

4. Das vierte Halleluja: Ankündigung der Hochzeit des Lammes: 19,6.7

V. 6: „Und ich hörte etwas wie eine Stimme wie eine einer zahlreichen Menge und wie das Rauschen vieler Wasser und wie das Rollen starker Donner, die sagte: ‚Halleluja, weil der Herr, Gott, der Machthaber über alles, die Königsherrschaft angetreten hat.‘“

V. 7: „Lasst uns froh sein und jubeln und ihm [den Ruhm der] Herrlichkeit geben, …“

froh – besonders über Gott, der so gerecht ist. Was das abgefallene Babyon-Jerusalem versagte, ihm zu geben, das sollen seine Heiligen und Getreuen ihm nun geben. (14,7; 16,9).

Ihm gebührt alle Herrlichkeit.

V. 7M: „… weil die Hochzeit des Lammes gekommen ist, …“

Nachdem die ehebrecherische Stadt gerichtet ist, kann ihn nichts daran hindern, nun seine keusche Braut heimzuführen.

Es gibt keinen Grund, 2000 Jahre zu warten.

Wie lange wird die Hochzeit dauern? Ohne Ende! Die Braut bleibt geschmückt. Ihr Brautkleid muss sie nie mehr ablegen!

V. 7E: „… und seine Frau machte sich selbst bereit.“

„Frau“ heißt sie als die Angelobte. Die Braut kann im Alten Testament und im Judentum bereits ab der Verlobung „Frau“ (Ehefrau) genannt werden, und sie gilt auch als solche.

Die bereitgemachte Jungfrau, die keusche Geliebte, geht nun daran, die Hochzeit mit dem Lamm zu feiern (vgl. Mt 22,1–14; 25,1–13).

2Kor 11,2: „…, denn ich eifere um euch mit der Eifersucht Gottes, denn ich verlobte euch einem Manne, um euch als eine reine Jungfrau dem Christus darzustellen.“ Nun ist es so weit.

Eph 5,25: „… wie auch der Christus die Gemeinde liebte und sich selbst für sie hingab, 26 damit er sie, nachdem er sie durch das Wasserbad im Wort gereinigt hatte, heilige, 27 damit er sie sich selbst darstelle als die herrliche Gemeinde, die nicht habe einen Flecken oder eine Runzel oder etwas Ähnliches, sondern damit sie heilig sei und tadellos.“

→ Wir lernen: Wenn wir die Liebe zu Jesus und unser Vertrauen zu ihm bewahren, wird alles andere bewahrt bleiben. Dann wird er das ihm von uns Anvertraute (1Tim 1,12), unser Heil, für uns aufbewahren (2Tim 4,8A).

5. Die Vorbereitung der Hochzeit: 19,8.9

a. Die Bekleidung der Braut: 19,8

V. 8: „Und es wurde ihr gegeben, dass sie umkleidet werde …“

Ihr Hochzeitskleid wird ihr gegeben, weil sie sich in der Verlobungszeit rein gehalten hat von den Befleckungen der Welt. Sie hat ihre Kleider weiß gemacht durch das Blut des Lammes (7,14), und sie hat sie rein gehalten (3,4).

Doppelt wird ihre Reinheit herausgestrichen: „rein“ und „Byssus“ (d. h.: glänzend-weißer, leuchtender Batist, feinstes Leinen; auch „Muschelseide“ genannt)

„… mit reinem Byssusstoff, …“ (Vgl. 3,5: „Der, der überwindet, wird mit weißen Kleidern umkleidet werden …“)

Die Braut trägt nicht Purpur (die Farbe des Reichtums), nicht Scharlach (Farbe der Sünde), sondern feines Linnen (glänzenden Byssus; weiß, die Farbe der Reinheit) – im starken Kontrast zur Hure.

„… denn der Byssusstoff ist die Gerechtsprechung.

Im Gr. eigtl. Mehrzahl: „… die Gerechtsprechungen der Heiligen“.

Gemeint ist die von Christus geschenkte Gerechtigkeit, die sich in gerechtem Lebenwandel der Heiligen auswirkt. Dieser gerechte Lebenswandel dort ist etwas, das Christus selbst in den Heiligen hervorbringt und durch sie wirkt. Vgl. Jes 54,17E: „Das ist das Erbe der leibeigenen Knechte Jahwehs, und ihre Gerechtigkeit ist von mir, sagt Jahweh.“

Php 1,10.11: „…, damit ihr für den Tag Christi durchleuchtet seid und fleckenlos, ‹unversehrt›, 11 voll von Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus [erwachsen], zur Verherrlichung und zum Lob Gottes.“

b. Die Seligpreisung der Geladenen: 19,9

V. 9: „Und er sagte zu mir: Schreibe: Selige die, …“

d. h.: „Selige ‹sind›“ (o.: ‹werden sein›) „die, …“

Die Seligkeit bezieht sich auf das Los der Heiligen am ewigen Hochzeitstag.

Dann wird Seligkeit ihr Los sein. Welch freudige Aussicht! Die Heiligen haben Grund genug, sich zu freuen, trotz der vielen gegenwärtigen Widerwertigkeiten.

Vgl.: Mt 5,4: „Selige ‹sind› die, die trauern!“ Gemeint ist nicht, dass sie gegenwärtig Selige sind und inmitten des schweren Leidens jauchzen. Nein, inmitten von Leiden ist nicht immer „Jauchzen“ angesagt. Später werden sie Anlass zu höchster Freude haben.

Nie vorher wird es eine solche Seligkeit für Menschen gegeben haben. Es wird ewige höchste Seligkeit sein, bei dem geliebten Herrn zu sein.

„Selige sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes Gerufenen (d. h.: Geladenen).“

Gerufen (geladen) sind alle. Der Ruf geht hinaus zu allen Völkern. „Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker (d. h.: alle in den Völkern; alle, die von den Völkern sind)!“ (Mt 28,19A)

Vgl. Mt 22,2–10: „Das Königreich der Himmel wurde mit einem Menschen verglichen, einem König, der seinem Sohn ein Hochzeitsfest machte. 3 Und er sandte seine Knechte, die Geladenen zum Hochzeitsfest zu rufen. Und sie (d. i.: die Juden) wollten nicht kommen. 4 Wieder sandte er Knechte, andere, und er sagte: ‚Sagt den Geladenen (d. i.: den Juden): Seht! Mein Mahl bereitete ich. Meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zum Hochzeitsfest!’

5 Aber sie (d. i.: die Juden) kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine aufs eigene Feld, der andere an seinen Handel. 6 Die übrigen griffen seine Knechte, misshandelten sie ‹in übermütiger Weise› und töteten sie. (Vgl. Off 18,24.20; 19,2)

7 Als der König es hörte, war er zornig und schickte seine Truppen und brachte jene Mörder um und setzte ihre Stadt in Brand. (Vgl. Off 18,6)

8 Dann sagt er zu seinen Knechten: ‚Das Hochzeitsfest ist bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig. (Vgl. Ag 13,46.) 9 Begebt euch also auf die durchziehenden Straßen und ruft zum Hochzeitsfest so viele ihr findet!’

10 Jene Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, sowohl Böse als auch Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von solchen, die [zu Tisch] lagen.“

Anm.: Es gibt zwei Arten von Gerufenen:

a) Die allgemein Gerufenen. Jeder wird geladen, gerufen. Viele sind geladen/gerufen, d. h. alle. Diese vielen sind alle. (So, wie auch der Herr Jesus Christus sein Leben gab „für viele“, d. h., für alle.)

b) Die speziell Gerufenen. – Es gibt eine bestimmte Schar von Gerufenen, die dem Ruf Folge geleistet haben und zur Hochzeit gekommen sind: diese haben beim Hochzeitsmahl die Bezeichnung „die geladenen Gäste“; so auch hier in Mt 22.

Die, die dem Ruf Folge geleistet haben, sind im engeren Sinne „Gerufene“ (nämlich „Gerufene und Erwählte“, d. h.: würdig Gemachte, vorzüglich Gemachte, Kostbare). Letztere erhalten das Hochzeitskleid, sobald sie durch die Tür den Saal betreten. (Wer kein hochzeitliches Kleid hat, kam auf Schleichwegen hinein, ist nicht ein „Würdiger, Erwählter“.)

Es handelt sich in V. 9A um ein Doppelbild. Die Erlösten sind beides: a) die Braut und b) die zur Hochzeit Geladenen. (In einer Vision ist das möglich. Da kann man von einem Bild zum anderen wechseln. Hier haben wir also nicht zwei verschiedenen Gruppen, sondern sie alle sind ein und dieselbe Schar.)

In der Vision von dem neuen Jerusalem sehen wir, dass die gesamte Erlöstenschar nur eine einzige Schar ist: die Braut! Die Braut ist die Stadt; d. h., die Braut macht die gesamte Bewohnerschaft der Stadt aus. Draußen sind die Verlorenen (22,15; 21,8).

Hebr 11,40: „…, da Gott in Bezug auf uns etwas Besseres im Voraus gesehen hatte, damit sie nicht ohne uns vollendet würden [o.: zum Ziel gebracht würden; zur Vollendung kämen].“ Aber vollendet werden sie. Folglich werden alle vollendet sein, alle dieselbe Stellung und denselben Zugang zu Gott haben.

12,22: „…, sondern ihr seid hingekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebenden Gottes, einem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von [himmlischen] Boten, der Gesamtfestversammlung 23 und zu einer Gemeinde von Erstgeborenen, in den Himmeln eingetragen, und zu Gott, dem Richter aller, und zu vollendeten (o.: zum Ziel gekommenen) gerechten Geistern.“

V. 9E: „Und er sagte zu mir: Diese sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“

Das ist ein wahres (und daher zuverlässiges) Wort! Diese herrliche Zukunft kommt mit Sicherheit.

Das ganze Evangelium sind die wahrhaftigen Worte Gottes.

Vgl. 21,5: „Und der, der auf dem Thron sitzt, sagte: ‚Schreibe, weil diese Worte wahrhaftig und treu sind.‘“

22,6: „Und er sagt zu mir: ‚Diese Worte sind treu und wahrhaftig.‘“

6. Die Reaktion des Sehers: 19,10

19,10 „Und ich fiel nieder vor seinen Füßen, um ihn anzubeten ‹und ihm zu huldigen›“.

Und er sagte zu mir: ‚Sieh [dich vor! Tu es] nicht! Ich bin ein leibeigener Mitknecht zusammen mit „dir und deinen Brüdern, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an, ‹huldige ihm›‘, …“

Heiligenverehrung und Engelverehrung ist verboten. „Verehrung“ in diesem Sinne ist „Huldigung“. Es ist dasselbe Wort, das wir für „Anbetung“ gebrauchen.

„… denn das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie.“

Dieser Satz gehört zu den wichtigen in der Heiligen Schrift. Das „Zeugnis Jesu“ ist i. S. v. „das Zeugnis über Jesus“ gemeint. Das Zeugnis über Jesus ist der Geist der Prophetie. Leib ohne Geist ist Tod. Das Zeugnis der Bibel (oder des verkündeten Wortes der Apostel) wäre tot und leer, wäre nicht Jesus Christus darin. Nehmen wir ihn aus der Bibel, dann haben wir nichts. Das Zeugnis von Jesus Christus ist der „Geist“ (o.: die „Seele“) der Bibel – von Anfang bis Ende. Die ganze Bibel ist Prophetie, aber der „Geist“, das eigentliche „Leben“ der Bibel ist das Zeugnis über Jesus. Er ist die Mitte der Schrift. Martin Luther sagte: „Die Schrift „treibet Christum“.

Beides ist notwendig, das Wort Gottes und das Zeugnis über Jesus, denn das Wort Gottes ist dazu gegeben, uns das Zeugnis über Jesus zu geben. Die Schöpfungsgeschichte, die Sündengeschichte, die Heilsgeschichte Israels usw., das alles ist „Verpackung“, aber der Inhalt, das Eigentliche, ist das Zeugnis über Jesus.

Jesus sagte seinen jüdischen Kontrahenten (Joh 5,39.40): „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und jene sind es, die von mir Zeugnis geben. Und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben hättet.“

Petrus sagte zu Jesus (Joh 6,68.69): „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Gesalbte bist, der Sohn des lebenden Gottes.“

VI. Teil: Die Ankunft des Königs: Gericht über Tier und Falschprophet, Drache und die Toten. Der neue Himmel und das neue Land: 19,11–21,5 (9)

Einleitendes

In der Off werden Dinge, die gleichzeitig (oder fast gleichzeitig) geschehen, hintereinander dargestellt. Das ist in Träumen und Visionen des Öfteren so. (Z. B. im Traum des Pharaos stehen die sieben mageren Kühe neben den sieben fetten. In der historischen Erfüllung aber kamen die mageren nach den fetten. Und im Traum Nebukadnezars fallen das Haupt, die Brust, die Lende und die Beine/Füße des Standbilds gleichzeitig. In der historischen Erfüllung aber fiel das Haupt viele Jahrhunderte vorher, ebenso die Brust und die Lende.)

Die Off ist ein poetisches Kunstwerk, ein Drama. Manche Visionen werden aus ihrer strengen chronologischen Anordnung herausgenommen und zeigen etwas detailliert. Auf diese Weise hinterlassen sie im Denken des Hörers (oder Lesers) einen tiefeneren Eindruck.

In den K. 17-22 haben wir drei ergänzende Visionen (Gesichte). Das ergänzende Gesicht von 17,1-19,10 handelt von der Hure, der großen Stadt, und ihrem Gericht. Das ergänzende Gesicht von 21,9–22,5(9) handelt von der Braut des Lammes, die ebenfalls eine „große Stadt“ ist (21,10; byz. Text). Beide Gesichte werden auf sehr ähnliche Art und Weise eingeleitet, wie ein Vergleich von 17,1-3 und Off 21,9.10 zeigt. Ebenso werden beide auf sehr ähnliche Art und Weise abgeschlossen, vgl. 19,9.10 mit 22,6-9.

Zwischen beiden liegt der Teil 19,11– 21,8. Auch er ist ein ergänzendes Gesicht. Formell ergeben sich von 19,11 bis 21,8 sieben Abschnitte. Sie beginnen jeweils mit „Und ich sah“ (griech.: kai eidon): 19,11.17.19; 20,1.4.11; 21,1. (Nb.: Der Ausdruck „Und ich sah“ kommt zwar auch noch in 20,12 vor, aber es handelt sich dort um eine Wiederholung, denn die Verse 20,11–15 gehören offensichtlich zusammen.

So ergeben sich in diesem Gesicht sieben Abschnitte:

. Die Ankunft Jesu Christi: 19,11–16

. Die Ankündigung des Gerichtsmahles Gottes: 19,17.18

. Das Gericht über das Tier und den falschen Propheten und deren Heere: 19,19–21

. Das vorläufige Gericht über den Drachen: 20,1–3

. Das Regieren der Heiligen mit Christus und das Ende des Drachen: 20,4–10

. Das Gericht über die Toten: 20,11–15

. Der neue Himmel und das neue Land und das Kommen des neuen Jerusalems: 21,1–8

Innerhalb der Reihe von Gesichten ist ein chronologischer Ablauf erkennbar. Es werden die verschiedenen Enden bzw. Gerichte beschrieben: Zuerst das Ende (bzw. Gericht) des Tieres und des Falschpropheten (19,11–21), danach das Ende des Drachen (in zwei Schritten, 20,1–3 und 7–10) und schließlich das Ende des Todes (20,11–15) und des ersten Landes und Himmels (20,11; 21,1).

Betrachten wir kurz den größerer Zusammenhang:

Ab K. 12 wird im Buch der Off von vier großen Feinden Gottes berichtet: dem Drachen, zwei „Tieren“ (das eine aus dem Meer und andere aus dem Land; Letzteres wird dann Falschprophet genannt) und der Hure Babylon. Der Bericht von K. 12-20 ist chiastisch aufgebaut. Die Parallele zwischen 12,9 und 20,2 fällt auf, ebenso die Parallele zwischen der Einführung der zwei Tiere (K. 13) und dem Bericht über ihr Ende (K. 19). Dazwischen (K. 14-18) ist von der Hure, der „großen Stadt Babylon“ die Rede. Man könnte es folgendermaßen darstellen:

K. 12: Der Drache, die alte Schlange, genannt ‚Teufel’, und ‚der Satan’ (12,9) eingeführt

K. 13: Die zwei Tiere eingeführt

K. 14: Babylon, die große Stadt (14,8) eingeführt

16,19 u. K. 18: Das Ende Babylons (16,19: „Babylon, die Große“)

19,20: Das Ende der zwei Tiere

20,10: Das Ende des Drachen, der alten Schlange, des Teufels und Satans (20,2)

Das Ende des Drachen wird nach dem Ende der zwei Tiere dargestellt, deren Ende wieder nach dem Fall Babylons dargestellt wird.

An wichtigster und erster Stelle steht das Hauptthema, die Zerstörung der großen, hurerischen Stadt, d. h. Jerusalems. Danach wird das Gericht über die beiden Tiere beschrieben, zuletzt erst das über den Drachen.

Die Gerichte über die drei feindlichen Mächte werden in der umgekehrten Reihenfolge ihrer Einführung (Drache, Tiere, Babylon) geschildert: Babylon, Tiere, Drache.

Die eigentliche Bestrafung jener Mächte findet vor allem in der unsichtbaren Welt statt, wie auch die Hochzeit des Lammes in der unsichtbaren Welt stattfindet.

Off 17–20 ist Poesie und Vision in apokalyptischer Darstellung. In einem in einer Vision dargestellten Drama kann man nicht notwendiger Weise strikte Chronologie erwarten. Seien wir daher bei der Deutung, wie sich diese Bilder historisch erfüllen, vorsichtig, damit wir nicht zu schnell falsche Schlussfolgerungen ziehen.

A. Die Ankunft des Königs zum Gericht: 19,11–16

1. Die Öffnung des Himmels: 19,11A

Hier haben wir die letzte Öffnung im Buch der Off.

V. 11: „Und ich sah den Himmel geöffnet, und – siehe! – ein weißes Pferd, und der, der darauf saß, hieß: Der Treue und der Wahrhaftige. Und in Gerechtigkeit richtet er und führt er Krieg.“

a. Sein Pferd: 19,11

„… und – siehe! – ein weißes Pferd, …“

Johannes beschreibt, was er sieht. Es handelt sich um ein Bild. Das Kommen auf dem Pferd deutet an, dass der Richter kriegerisch kommt. Er reitet nicht auf einem Friedenstier, einem Esel oder Maulesel (1Kön 1,33; Sach 9,9). Weiß ist die Farbe des Sieges. Der Sieg des auf dem Pferde Sitzenden ist von Vornherein gewiss. Er reitet auf dem Siegespferd, ehe ein Kampf stattfindet.

b. Sein Wesen: 19,11

V. 11M: „… und der darauf Sitzende hieß: Der Treue und der Wahrhaftige.“

. Er ist der treue „Zeuge (1,5). Und er ist der Wahrhaftige (3,7), der die Verheißungen Gottes erfüllt (2Kor 1,18; Rm 15,8).

c. Sein Tun: 19,11

V. 11E: „Und in Gerechtigkeit richtet er und führt er Krieg.“

Gott sagte, er werde „das Weltreich richten in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er [dazu] bestimmt hat“ (Apg 17,31).

Von jenem „Gerechten“ heißt es:

„Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und die Treue der Gurt seiner Hüften.“ (Jes 11,5)

„Und deine Pracht: Sei siegreich! Zieh aus! –

für die Sache der Wahrheit und Sanftmut der Gerechtigkeit!

Und Furchtgebietendes lehre dich deine Rechte.

Deine Pfeile sind scharf – Völker fallen unter dir hin.

[Sie dringen] ins Herz der Feinde des Königs.

Dein Thron, Gott, [besteht] immer und ewiglich.

Ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Königreiches.

Du liebtest Gerechtigkeit und hasstest Gesetzwidrigkeit.

Deswegen, Gott, salbte dein Gott dich

mit Öl des Frohlockens ‹im Vorzug› vor deinen Gefährten.“ (Ps 45,5–8)

d. Seine Augen: 19,12A

V. 12A: „Seine Augen sind wie eine Feuerflamme, …“

– d. h., rein und verzehrend; wie in Bezug auf seiner Gemeinde (1,14; 2,18) so auch hier: Er kann Böses nicht ansehen. Weder in der Gemeinde noch in der Welt wird er es dulden.

Vgl. Hab 1,13: „Deine Augen sind zu rein, als dass sie Böses ansehen [könnten].“

e. Seine Kronen: 19,12

V. 12M: „…, und auf seinem Haupt sind viele Diademe.“

Das Diadem war ursprünglich ein weiß verziertes blaues Stirnband im Turban, ein Abzeichen königlicher Würde. Jesus Christus hat die Königswürde. Er braucht sie sich nicht erst zu holen; er hat sie bereits.

Mt 28,18M: „Mir wurde alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf Erden.“

Dan 7,14: „Und ihm wurde Herrschaft gegeben und Herrlichkeit und Königtum, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird.“

f. Sein Name: 19,12

V. 12M: „Einen geschriebenen Namen trägt er, den keiner weiß als nur er selbst.“

So, als den Richter der Welt, hat ihn noch niemand gekannt. Keiner kennt ihn im Tiefsten seines Wesens. Eigentlich weiß nur er selbst, wer er ist.

Anm.: Auch von uns Menschen kennt sich selbst niemand. Nur Jesus Christus kennt uns wirklich; und nur er kann uns in unser eigenes Wesen Einblick gewähren.

1Kor 2,11: „… denn wer [unter den] Menschen weiß, was des Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was Gottes ist, als nur der Geist Gottes.“

Insgesamt sind es vier Namen in diesen Versen:

  • Der Treue und der Wahrhaftige V. 11
  • der geschriebene Name, den keiner kennt V. 12
  • das Wort Gottes V. 13
  • König der Könige und Herr der Herren V. 16
g. Sein Gewand: 19,13

V. 13A: „… und umkleidet ist er mit einem in Blut getauchten Gewand.“

Er hat Blut vergossen, doch in diesem Fall ist das nicht Ungerechtigkeit, sondern Gerechtigkeit. Er ist der Richter.

Vgl. Jes 63,1: „Wer ist dieser, der von Edom kommt, von Bozra in hochroten Kleidern, dieser, prächtig in seinem Gewande, der einherzieht in der Größe seiner Kraft? Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, der mächtig ist zu retten. – 2 Warum ist Rot an deinem Gewande und sind deine Kleider wie die eines Keltertreters? – 3 Ich habe die Kelter allein getreten, und von den Völkern war niemand bei mir; und ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimm; und ihr Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand.“

h. Sein wesenhafter Name: 19,13

V. 13M: „Und sein Name heißt: Das Wort Gottes.“

Er ist das lebende personale Wort Gottes. Gott hat zu uns in Person gesprochen – in dem Sohn (Hebr 1,1).

Um die einzigartige Bedeutung der Person Jesu Christi für die Welt in Kürze einigermaßen auszudrücken und einen gewissen vorläufigen Ersatz zu haben für den Namen Jesu, ist „das Wort Gottes“ zum Namen Jesu selbst gemacht worden; denn das Wort Gottes wirft in bester Weise Licht auf das Wesen dieser Person. Das Wort Gottes ist nicht von Jesus Christus zu trennen.

→ Wir lernen: Wer sagt, er habe eine Beziehung zu Christus, aber keine zum Wort Gottes, hat wahrscheinlich keine Beziehung zu Christus. – Gott gab uns nicht einen Film, ein Jesusbild, eine Statue, sondern das Wort Gottes. Keiner kann Jesus wirklich so darstellen, wie er ist. Jeder Film, jedes Bild gibt die Gedanken eines Schauspielers, Regisseurs, Malers oder Bildhauers wieder. Der Heilige Geist gebraucht Gottes Wort, um in uns ein Bild von Jesus zu malen.

2Kor 3,18: „Wir aber, alle, schauen mit entschleiertem Gesicht in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn und werden in dasselbe Bild umgestaltet von Herrlichkeit zu Herrlichkeit gleichwie vom Herrn her, dem Geist.“

Gal 3,1: „O unverständige Galater! Wer bezauberte euch, von der Wahrheit nicht überzeugt zu sein ‹und ihr nicht zu gehorchen›? – vor deren Augen Jesus Christus als Gekreuzigter unter euch gezeichnet wurde.“

Daher ist es nötig, Gottes Wort zu lesen und darüber nachzusinnen (Ps 1,2); so wird er uns helfen, ihn mehr und mehr kennen zu lernen.

i. Seine Kriegsheere: 19,14

V. 14: „Und ihm folgten auf weißen Pferden die Heere im Himmel, bekleidet mit weißem und reinem Byssusstoff.“

Sie tragen keine Waffen; sie sind eine Festversammlung (Hebr 12,22). Sie kommen in Weiß. Vom reinen Byssusstoff war in 19,8 soeben die Rede: „Es wurde ihr gegeben, dass sie umkleidet werde mit glänzendem und reinem Byssusstoff.“

Wer sind die in Weiß Gekleideten?

Jesus hatte zu den Treuen in Sardes gesagt (3,4.5): „… sie werden mit mir wandeln in Weiß, weil sie würdig sind. 5 Der, der überwindet, der wird mit weißen Kleidern umkleidet waren …“.

Die Märtyrer sind die, die „vor dem Thron stehen und vor dem Lamm, „umkleidet mit weißen, langen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen“ (7,9), sie die „aus der großen Bedrängnis“ kamen, „ihre Gewänder wuschen, und sie weiß machten durch das Blut des Lammes“ (7,14); deswegen waren sie „vor dem Thron Gottes und dienten ihm“ (7,15).

Von den Märtyrer hieß es, sie tragen „seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben“ (14,1), sie die „Jungfräulichen“ (14,4), die „mit Frauen nicht befleckt wurden” (14,4) und „dem Lamm folgen, wo immer es hingeht” (14,5), sie, „die Überwinder vom Tier her und vom Bild her und von der Zahl seines Namens“ (15,2-4).

Die Märtyrer haben überwunden „kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses und liebten nicht ihre Seele bis zum Tod“ (12,11). Sie gehören zu den Seelen, „die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie hatten“ (6,9) und deshalb ein „weißes Gewand“ bekommen haben (6,11); sie sind, die Seelen, die „wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren“ (20,4).

V. 14 zeigt, dass der Richter auf dem weißen Pferd nicht alleine kommt, sondern in herrlicher Begleitung: mit der treuen Kriegsschar der Märtyrer, den treuen Kämpfern, von denen der Herr gesagt hatte: „Dem, der überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen“ (3,21). Diese dürfen nun mit ihm zusammen die „Völker weiden mit eisernem Stabe“ (V. 15), wie er versprochen hatte (2,26.27): „Dem, der überwindet, wie auch dem, der meine Werke bis ans Ende bewahrt, werde ich Vollmacht (Handlungsgewalt; Autorität) geben über die Völker, und er wird sie weiden (o.: Hirte über sie sein) mit einem eisernen Stab – wie die Töpfergefäße werden sie zerbrochen werden –, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe.“

Ein ähnliches Bild haben wir in Ps 149,5-9: Die Frommen haben teil an der Rache Gottes: „Frohlocken sollen die Getreuen in Herrlichkeit, jubeln auf ihren Lagern. 6 Lobeserhebungen des Starken seien in ihrer Kehle und ein zweischneidiges Schwert in ihrer Hand, 7 Vergeltung zu üben an den Völkern, Bestrafungen an den Volksscharen, 8 ihre Könige zu binden mit Ketten und ihre Edlen mit eisernen Fesseln, 9 um an ihnen zu vollziehen das aufgeschriebene Gericht. Eine Ehre ist das allen seinen Getreuen. Hallelu-Jah!“

j. Sein Schwert: 19,15

V. 15: „Und aus seinem Munde geht ein scharfes ‹heftiges› Schwert hervor, …“

Von der eben erwähnten Kriegerschar ist der Messias der eine, der die Waffe führt. Das Schwert ist das Wort Gottes (Eph 6,17).

Vgl. Jes 11,4: „Und er wird das Land schlagen mit der Rute seines Mundes, und mit dem Hauch seiner Lippen den Ehrfurchtslosen (o.: den Frevler) töten.“

49,2A: „Und er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert“.

2Thes 2,8M: „… der Gesetzlose, den der Herr durch den Hauch seines Mundes vertilgen und durch die Erscheinung seiner Ankunft unwirksam machen wird“.

V. 15M: „…, damit er mit ihm die Völker schlage.“

Wer sind diese „Völker“, die hier und in 2,26 erwähnt werden?

– dieselben wie die, die von sich behaupteten, sie seien Juden, es aber nicht waren (2,9; 3,9);

– die, die durch die Verwerfung des Messias zu geistlich Unbeschnittenen wurden (Phil 3,2; vgl. Röm 2,28.29);

– die während jener schweren Bedrängniszeit auf die heilige Stadt trampelten (siehe zu Off 11,2);

– die das Land (d. i.: Israel) verderbten (11,18);

– die, deren Städte (in Israel) „fielen“ (16,19);

– sie, die dort saßen, wo die Hure saß (17,15);

– die durch die „Zauberei“ der Hure Jerusalem in die Irre geführt wurden (18,23), sodass sie gegen Gott und das Lamm und die Heiligen Krieg führten (Ps 2,1.2; Apg 2,25-27; Off 17,12-14).

V. 15M: „Und er wird sie weiden (o.: ihnen ein Hirte sein) mit eisernem Stabe.“

„Hirte sein“, das ist ein alttestamentlicher Ausdruck für die Aufgabe eines Königs (vgl. Ps 78,72; Jer 23,1–4; 50,6; Hes 34,2–10) und wird auch auf Gottes Königtum bezogen bzw. auf das des Messias (vgl. Jes 40,11; Hes 34,23; 37,24; Joh 10,11–14).

„mit einem eisernen Stabe“, d. h., mit harter Festigkeit. Hier ist der Bezug das Gericht.

V. 15E: „Und er tritt die Weinkelter des Grimms und des Zornes Gottes, des Machthabers über alles.“

Darum waren seine Kleider hochrot (Vgl. 19,13: „… umkleidet … mit einem in Blut getauchten Gewand“).

Vgl. Off 14,19.20: „….der Bote legte seine Sichel an das Land und las [die Trauben] am Weinstock des Landes und warf sie in die große Kelter des Grimmes Gottes. 20 Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten. Und Blut ging aus der Kelter hervor bis an die Zäume der Pferde, tausendsechshundert Stadien weit.“ Vgl. Jes 63,1-6.

k. Sein offizieller Titel: 19,16

V. 16: „Und er hat auf seinem Gewand und auf seinem Schenkel den geschriebenen Namen: König der Könige und Herr der Herren.“

Der Hirte ist der König aller Könige, vgl. 17,14: „…das Lamm wird sie überwinden, weil es Herr der Herren und König der Könige ist“. (Vgl. a. 1,5.)

Er war es schon seit seiner Himmelfahrt (Apg 2,32–36), aber nun beginnt er, offiziell sein Richteramt auszuüben.

17,30.31: „Nachdem also Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, weist er zu dieser Zeit alle Menschen überall an, Buße zu tun, 31 weil er einen Tag festsetzte, an dem er sich anschickt, das Weltreich zu richten in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er bestimmte, und er erbrachte allen eine Beglaubigung dadurch, dass er ihn zur Auferstehung von den Toten brachte.“

B. Ankündigung des Gerichtsmahles Gottes: 19,17–18

V. 17: „Und ich sah einen [himmlischen] Boten, einen, der stand in der Sonne. Mit großer, ‹lauter› Stimme rief er und sagte zu allen Vögeln, die inmitten des Himmels fliegen: ‚Kommt und sammelt euch zum Mahl des großen Gottes, 18 damit ihr fressen mögt Fleisch von Königen und Fleisch von Obersten und Fleisch von Starken und Fleisch von Pferden und von denen, die auf ihnen sitzen, und Fleisch von allen, von Freien und von Leibeigenen und von Kleinen und von Großen!‘“

Eine Einladung ergeht an die Vögel des Himmels, noch ehe die Schlacht beginnt. Ein Ausdruck der Siegesgewissheit! Die Kadaververwertung ist im Voraus bereits organisiert. Die Feinde sie sterben in Schimpf und Schande; die Leichen werden nicht beerdigt. Die Aasgeier umkreisen erwartungsvoll die Häupter ihrer Beute.

Vgl. Lk 17,36: „Wo der Leib ist, da werden sich die Geier sammeln.“ (Parallelstelle: Mt. 24,28)

Die alttestamentliche Parallele ist Hes 39,4: „Auf den Bergen Israels wirst du fallen, du und alle deine Haufen und die Völker, die mit dir sind; den Raubvögeln allerlei Gefieders und den Tieren des Feldes habe ich dich zur Speise gegeben.“

Ebenso 39,17–20: „Und du, Sohn des Menschen, so sagt mein Herr, Jahweh: „Sage zu den Vögeln allerlei Gefieders und zu allen Tieren des Feldes: Versammelt euch und kommt, sammelt euch von allen Seiten her zu meinem Schlachtopfer, das ich für euch schlachte, einem großen Schlachtopfer auf den Bergen Israels, und fresset Fleisch und trinket Blut! 18 Fleisch von Helden sollt ihr fressen, und Blut von Fürsten des Landes sollt ihr trinken: Widder, Fettschafe und Böcke und Stiere, in Baschan gemästet allesamt. 19 Und Fett sollt ihr fressen bis zur Sättigung und Blut trinken bis zur Trunkenheit von meinem Schlachtopfer, das ich für euch geschlachtet habe. 20 Und ihr sollt euch sättigen an meinem Tische von Rossen und Reitern, von Helden und allerlei Kriegsleuten, sagt der Herr, Jahweh.“

C. Das Gericht über das Tier und den falschen Propheten und deren Heere: 19,19–21

1. Die Aufstellung der Feinde zum Krieg 19,19

V. 19: „Und ich sah das Tier und die Könige des Landes und ihre Heere versammelt, um Krieg zu führen …“

V. 19 schließt an 16,14.16 an: „… sie sind Dämonengeister, die Zeichen tun, [Dämonengeister,] die zu den Königen des ganzen Weltreiches ausgehen, sie zu versammeln zum Krieg jenes großen Tages Gottes, des Machthabers über alles. … 16 Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch Harmageddoon heißt.“

Das Bild von der Versammlung der Heere zum Krieg darf nicht eins zu eins übertragen werden, wie man ja auch das Bild vom Reiter auf dem weißen Pferd nicht eins zu eins überträgt.

V. 19M: „… versammelt, um Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd sitzt, und mit seinem Heer.“

Sie sind auf Kampf (Krieg) aus, aber es kommt nicht zu einem Kampf. Der Aufmarsch verwandelt sich in einen Gerichtsakt (V. 20).

2. Die Festnahme des Tieres und des falschen Propheten: 19,20A

V. 20: „Und das Tier wurde gefasst und mit diesem der falsche Prophet, der die Zeichen vor ihm tat, mit denen er die in die Irre leitete, die das Malzeichen des Tieres empfingen und die seinem Bild huldigten. Als Lebende wurden die beiden geworfen in den Feuersee, der mit Schwefel brennt.“

Sie werden gepackt, verhaftet, widerstandslos abgeführt – und ins Feuer geworfen.

3. Die Verurteilung des Tieres und des falschen Propheten: 19,20M

V. 20M: „Als Lebende wurden die beiden geworfen in den Feuersee, der mit Schwefel brennt.“

Sie fahren leibhaftig und direkt in den Feuersee (w.: Feuersumpf), ohne Gericht vor dem weißen Thron, denn hier muss nichts mehr bewiesen werden. Dieser große Feind wird hier von Jesus kurzerhand erledigt – „mit dem Hauch seines Mundes“. (Vgl. 2Thes 2,8; Jes 11,4.)

Jesus Christus braucht nicht mehr zu kämpfen. Er hat einmal gekämpft, gekämpft wie ein Löwe (5,5) – und hat sein Leben, seine Seele, hingegeben.

Hier findet kein Kampf statt, sondern lediglich eine Urteilsvollstreckung.

[Rätsel für Kinder: Welche zwei Männer in der Bibel gingen direkt in den Himmel, ohne zu sterben? Welche zwei Männer in der Bibel gingen direkt in den Feuersee, ohne Gerichtsurteil?]

Der Feuersumpf steht bildhaft für die Qual; sie ist eine ewige Qual, wie die Qual der Tier-Anbeter (14,10.11): „Und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor dem Angesicht der heiligen [himmlischen] Boten und des Lammes. 11 Und der Rauch ihrer Qual steigt auf in ‹alle› Ewigkeit, und sie haben keine Pause Tag und Nacht, die dem Tier und seinem Bild huldigen, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt.“

In den Feuersee kann man nur hinein. Die letzten Kapitel der Bibel und der Heilsgeschichte (Off 20–22) geben keinen Hinweis darauf, dass man je wieder aus dem Feuersumpf herauskommt. Eine entscheidend wichtige Information hätte dann gefehlt.

Den Römerchristen schrieb Paulus im Jahr 56 oder 57 n. Chr., also nicht lange vor Beginn des römisch-jüdischen Krieges und der Zerstörung Jerusalems: „Der Gott des Friedens wird den Satan in Kürze unter euren Füßen niedermachen.“ (Röm 16,20).

Gott führt das Zepter. Er hat alles in seiner Hand. Er bestimmt. Er behält alles im Auge. Ihn überrascht nichts und ihm entgeht nichts.

4. Die Tötung der übrigen Feinde 19,21A

V. 21: „Und die übrigen wurden getötet …“

Die „Könige des Landes (o.: der Erde; der Länder)“ und ihre Heere, die Verfolger des Volkes Gottes, werden ebenfalls getötet.

Gerichtet werden alle, die gegen die Heiligen in den Krieg zogen, alle, die dem Evangelium nicht gehorchten (2Thes 1,7.8): „… und euch, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe – samt uns – bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel samt den [himmlischen] Boten seiner Kraft, 8 in flammendem Feuer, wenn er gerechte ‹Vergeltung› gibt denen, die Gott nicht wirklich kennen und der guten Botschaft unseres Herrn, Jesu Christi, nicht gehorchen“.

V. 21M: „… mit dem ‹heftigen› Schwert dessen, der auf dem Pferd sitzt, [dem Schwert], das aus seinem Munde hervorgeht.“

Das Schwert ist das Wort Gottes.

Hebr 4,12.13: „… denn lebendig ist das Wort Gottes und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es fährt durch bis zur Teilung der Seele und auch des Geistes, der Gelenke und auch des Markes, und urteilt über Erwägungen und Vorstellungen des Herzens. 13 Und es ist kein Geschöpf unsichtbar vor ihm: Es ist alles bloß und aufgedeckt für seine Augen; ihm [schulden] wir Rechenschaft.“

Er tötet den Ehrfurchtslosen und Gesetzwidrigen „durch den Hauch seines Mundes“ (2Thes 2,8; Jes 11,4.)

5. Das Gerichtsmahl 19,21

V. 21E: „Und alle Vögel wurden gesättigt von ihrem Fleisch“:

Vgl. V.17.18. Tier und Falschprophet sind verhaftet und abgeführt, die Soldaten getötet. Die Vögel leben – und fressen. Welch ein Bild!

D. Die Gefangennahme und Bindung des Drachen: 20,1–3

Johannes sieht zwei Bilder, eines in V. 1-3, eines in den V. 4-10. Das Gericht über den Satan erfolgt in zwei Phasen, eine Bindung und ein Werfen in den Feuersee.

1. Der Ausführende der Bindung: 20,1

V. 1: „Und ich sah einen Boten aus dem Himmel niedersteigen; er hatte den Schlüssel des Abgrundes und auf seiner Hand eine große Kette.“

Johannes sieht den Engel mit der Kette und dem Schlüssel. Alles was er sieht, sind Bilder. Kette und Schlüssel sprechen von Gefangennahme.

Der König hat auf Golgotha gekämpft und gesiegt. Was nun noch zu tun bleibt, das erledigt ein Diener, in normaler Engel, einer, dessen Name nicht genannt wird.

2. Die Ausführung der Bindung: 20,2.3A

V. 2: „Und er griff den Drachen, …“

Er griff, er band, er warf. Es findet kein Kampf statt. Einst hatte der König Jesus gekämpft. Er ließ sich greifen und binden und abführen (Joh 18,12).

„… den Drachen, die alte Schlange – es ist der Teufel und Satan – …“

Die Personalien des Verhafteten werden angegeben (wie in 12,9): Vier Titel (ein Gegenpart zu den vier Namen Jesu Christi von 19,11–16): „Drache“ betont die Brutalität des Verderbers, „Schlange“ seine List und Verführungskunst, „der Teufel“ (griech. ho diabolos) bedeutet „Lästerer, Feind, Gegner“ (w: Durchwerfer, Querwerfer, nicht: „Durcheinanderwerfer“); „der Satan“ (abgeleitet vom hebräischen Wort für „Gegner, Widersacher, Feind“). Weder „Teufel“ noch „Satan“ sind Eigennamen, daher steht im Griechischen (wie im Deutschen) ein bestimmter Artikel.

20,2 greift 12,9 auf. Dort erschien der Drache zum ersten Mal, ebenfalls mit den vier Titeln (12,9: „der große Drache, die alte Schlange, genannt ‚Teufel‘ und ‚der Satan‘, …“). Hier wird sein Ende beschrieben.

„… und band ihn für tausend Jahre,…“:

Die tausend Jahre von K. 20 stehen im Gegensatz zur „kurzen Zeit“ im Parallelkapitel 12. Die lange Zeit der tausend Jahre steht der kurzen Zeit der letzten Verfolgungszeit (1260 Tage / Zeit, Zeiten, halbe Zeit / 42 Monate; 12,6.14; 13,5) gegenüber. Der Teufel weiß, dass er „wenig Zeit“ (o.: „eine kleine Frist“; 12,12) hat.

V. 3: „… und er warf ihn in den Abgrund …“

„… warf“: Der Satan wird in der Off dreimal geworfen:

. zum einen in den Abgrund: 20,1–3 (zu Beginn der „tausend Jahre“), wo er (in Bezug auf sein Verführungswerk unter den Juden) gebunden wird.

. zum anderen aus dem Himmel auf das Land: 12,9 (zu Beginn der großen Bedrängnis) wo er für kurze Zeit (zu seinem Verführungswerk unter den Juden) losgelassen wird

. zuletzt in den Feuersee: 20,7–10 (nach den „tausend Jahren“), als er (in Bezug auf sein Verführungswerk unter den Juden) völlig ausgeschaltet wird.

„… in den Abgrund“:

Der Abgrund (griech. abüssos) scheint für böse Geister eine Art Vor-Gericht zu sein. Dasselbe Wort wird in Lk 8,31 verwendet („Und er redete ihm bittend zu, dass er ihnen nicht befehle, in den Abgrund zu fahren.“) und auch in Off 9,11:

Möglicherweise ist der der König der „Heuschrecken“, die aus dem „Schlund des Abgrunds“ hervorkommen (9,1), der den Namen „Bote des Abgrunds“ (9,11) hat.

V. 3M: „… und schloss ihn ein und versiegelte über ihm,…“:

Das Gefängnis ist dreifach gesichert: durch eine Fesselung, durch einen Schlüssel (V. 1.3) und durch eine Versiegelung (V. 3).

So die Vision. Wir erhalten in V. 3 schließlich eine wichtige Erklärung in Bezug auf den Zweck der Bindung des Drachen:

3. Der Zweck der Bindung: 20,3M

V. 3M: „… damit er nicht länger die Völker irreleite“:

Die Bindung des Satans betrifft sein Verführungswerk unter den Juden. Warum unter den Juden? Wie kommen wir zu einer solchen Aussage? –

Der Drache ist der Satan ist „der das ganze Weltreich (o.: Festland; gr. oikoumenee) Irreleitende“ (so wörtlich aus Off 12,9).

Das Mittel, das der Satan gebraucht, um dieses zu tun, ist

. zum einen der Falschprophet (13,14: „… es leitet die, die im Land [o.: auf der Erde] wohnen, in die Irre kraft der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurden, und sagt denen, die im Land [o.: auf der Erde] wohnen, sie sollen dem Tier, das die Wunde von dem Schwert hatte und [wieder] lebte, ein Bild machen.“; vgl. 19,20: „… der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, mit denen er die in die Irre leitete, die das Malzeichen des Tieres empfingen und die seinem Bild huldigten“)

. und zum anderen die Hure Babylon (18,23: „… weil durch deine Zauberei alle Völker [d. h.: alle Juden in aller Welt] in die Irre geleitet wurden.“).

Mit dem Weltreich (o.: Festland; gr. oikoumenee, in 12,9) kann nur die Gesamtheit der Juden in aller Welt (also die Juden in Israel und die Diaspora-Juden im ganzen Römerreich) gemeint sein, denn parallel zu dem Ausdruck „Weltreich“ in 12,9 steht in 18,23 „alle Völker“ und in 13,14 „die, die im Land [o.: auf der Erde] wohnen“.

In 18,23 ist „alle Völker“ bezogen auf die Juden in der Völkerwelt, die Diaspora-Juden, wie wir bereits gesehen haben. (S. zu 18,23.)

In 13,14 ist „die, die im Land [o.: auf der Erde] wohnen“, bezogen auf die Juden.

13,14 steht parallel zu 19,20 „… die, die das Malzeichen des Tieres empfingen“ und ist bezogen auf die Juden in aller Welt und vor allem in Israel.

In 20,8 steht „… um in die Irre zu leiten die Völker, die an den vier Ecken des Landes ‹sind›, den Goog und den Magoog“.

Der Ausdruck „die vier Ecken des Landes“ ist derselbe wie in 7,1; er bezieht sich in dem dortigen Bild zwar auf das Land Israel, aus 7,9 erfahren wir aber, dass die Knechte Gottes jenes „Landes“ aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen kommen, ein Ausdruck, der sich auf die Knechte Gottes in der gesamten damaligen „Welt“ (im Römerreich) bezieht.

Somit wird deutlich, dass mit dem Ausdruck „Land“ (in: „Ecken des Landes“, 7,1; 20,8) und „Weltreich“ (o.: Festland; gr. oikoumenee; in 12,9) und „Völker“ (in 20,3.8 und 18,23 [ebenso wie in 11,18; 14,8; 16,19; 17,15; 18,3.23; 19,15]) die ungläubigen Juden in aller Welt und (vor allem) in Israel gemeint sind.

Die Bindung des Satans betrifft also sein Verführungswerk unter den Juden.

Das überrascht nicht, denn wir haben bereits in 2,9.10 und 3,9 erfahren, dass die Versammlungen der Juden „Synagogen des Satans“ waren und dass der Satan bei den Juden in Pergamus wohnte und regierte (2,13), wie auch in Thyatira (2,24). Der Herr Jesus Christus hatte den Juden schon in Joh 8,44 gesagt, dass ihr Vater der Teufel ist: „Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und das Begehren eures Vaters wollt ihr tun.“

Der „Gott dieses Äons [o.: dieser Weltzeit]“ hatte die Gedanken der ungläubigen Juden „verblendet“ (2Kor 4,4).

Paulus schrieb an die Heiligen in Thessalonich, die von den Juden verfolgt und bedrängt wurden (1Thes 2,14-16; 2Thes 1,4; Apg 17,5.13), dass Gott den Bedrängern „mit Bedrängungs vergelten“ werde (2Thes 1,6) und den Heiligen Ruhe verschaffen werde (1,7), sobald er an jenem Tage kommen (1,10) werde „in flammendem Feuer“ (1,8). Den „Gesetzwidrigen“ (2Thess 2,9), der „widerstrebt“ und sich „in das Tempelheiligtum Gottes setzt“ (2,4), werde der Herr „durch den Hauch seines Mundes“ vertilgen und unwirksam machen (2,8); denn dieser Gesetzwidrige handelt durch „eine wirksame Irreführung“ (2,11) und „nach dem Wirken des Satans“ (2,9), sodass seine Anhänger „der Lüge glauben“ (2,11), weil sie „die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen“ (2,10).

Es geht also um das satanische Verführungswerk unter den Juden. In Bezug auf dieses wird der Satan „gebunden“.

Wir vergessen nicht, dass es sich in Off 20,1-3 um eine Vision handelt.

4. Die zeitliche Begrenzung der Bindung: 20,3E

V. 3E: „…, bis die tausend Jahre zu Ende seien. …“

Gemäß dem Gesicht, das Johannes sieht, wird der Teufel nicht vor Ablauf der „tausend Jahre „freigelassen. Er sieht und er hört: Erst wenn die „tausend Jahre“ vollendet sind, wird er für eine kurze Zeit wieder freigelassen.

V. 3E: „Und nach diesen muss er für eine kurze Zeit freigelassen werden.“

– nämlich, um die Juden zu verführen und so mit aller Kraft gegen Jesus Christus und das Volk Gottes vorzugehen. Vgl. Off 12,12ff.

Die Zeit, in der der Teufel los ist, ist die Zeit der großen Bedrängnis des Gottesvolkes (ca. 64–67/68/69 n. Chr.)

„muss er …“: Prophetie muss eintreffen, weil Gott sie vorausgesagt hat. Vorausgesagt hat Gott, weil er im Voraus wusste.

→ Wir lernen: Er hat alles in seiner Hand, auch alle Wege des Satans. Das ist ein großer Trost für Gottes Volk. Auch wir sind ganz in Gottes Hand. Der Feind vermag das Gottesvolk nicht anzugreifen, wenn Gott es nicht zulässt.

Über die Erfüllung dieser Weissagung von der Loslassung des Teufels:

Jesus sagte, die Irreführung der Juden werde in den Tagen knapp vor der Zerstörung Jerusalems immens zunehmen (Mt 24,4.5.11): „Seht zu, dass nicht jemand euch irreführe, 5 denn viele werden kommen ‹unter Berufung› auf meinen Namen und sagen: ‚Ich bin der Gesalbte.’ Und sie werden viele irreführen. … 11 Und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele irreführen.“

Paulus schrieb – im Kontext der Auseinandersetzungen mit den Juden: „Aber böse Menschen und Betrüger werden zu Schlimmerem fortschreiten, werden irreleiten und irregeleitet werden.“ (2Tim 3,13)

An die Epheser schrieb er zu einer Zeit, als die Irreführungen des Teufels am Wachsen waren (ca. 61 n. Chr.): „Unser Kampf ist nicht gegen Blut und Fleisch, sondern gegen die Erstrangigen, gegen die Autoritäten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen ‹Wesen› der Bosheit in den himmlischen ‹Bereichen›.“ (Eph 6,12).

Der Sohn Gottes erschien, „damit er die Werke des Teufels auflöse“ (1Joh 3,8). Paulus schrieb (im Jahr 56/57 n. Chr.), dieses Ziel werde bald erreicht: „Aber der Gott des Friedens wird in Kürze (o.: in Bälde) den Satan unter euren Füßen niedermachen.“ (Rm 16,20).

Die Zeit 64–66/70 n. Chr. ist die Zeit, da der „Widersacher, der Teufel, wie ein brüllender Löwe umhergeht und jemanden sucht, den er verschlingen [kann].“ (1Petr 5,8)

5. Exkurs zum Zeitpunkt der Bindung des Drachens

Das Binden beschränkt sich auf das satanische Wirken des Satans unter dem alttestamentlichen Volk Gottes, den Juden.

Dieses Binden begann mit dem Wirken des Herrn Jesus Christus durch sein Wirken, als er in Israel auftrat und die Dämonen austrieb, und setzte sich fort in der Sendung der Zwölf Apostel und der siebzig ersten Jünger Jesu:

Lk 9,1.2: „Er rief seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und um Krankheiten zu heilen. 2 Und er sandte sie, das Königreich Gottes zu verkünden und die von Schwachheit Befallenen zu heilen, …“ 10,1.17–20: „Nach diesem ernannte der Herr auch andere, siebzig, und sandte sie zu je Zweien vor seinem Angesicht her in jede Stadt und an jeden Ort, wohin er im Begriff war zu kommen. … 17 Die Siebzig kehrten mit Freude zurück: ‚Herr‘, sagten sie, „auch die Dämonen unterordnen sich uns in deinem Namen.‘ 18 Aber er sagte ihnen: ‚Ich schaute ‹und sah› den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. 19 Siehe! Ich gebe euch die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über alle Kraft des Feindes, und keinesfalls wird euch irgendetwas Schaden zufügen. 20 Doch nicht darüber freut euch, dass die Geister euch untergeordnet werden. Freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen in den Himmeln geschrieben wurden.‘“

Mit dem Auftreten Jesu und der von ihm autorisierten Apostel wurde der Satan in seiner Machtauswirkung gebunden. Damit begann gleichsam einer Vorwegnahme des Gerichtes von Golgatha, der Fall des Satans und der dämonischen Welt Jesus Christus sah diesen Fall im Geiste, als die Jünger von ihrer Mission zu ihm zurückkamen und von Gottes Macht berichteten, die sich in ihnen offenbarte Jesus schaute also nicht in die Zukunft, sondern sah den Satan bereits in seiner und der Jünger Wirksamkeit fallen.

11,14–22: „Und er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Nachdem der Dämon ausgefahren war, geschah es, dass der Stumme redete. Und die Mengen verwunderten sich. 15 Aber etliche von ihnen sagten:

‚Durch Be-elzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.‘

16 Aber andere versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

17 Da er aber um ihre Gedanken wusste, sagte er ihnen: ‚Jedes Königreich, das ‹einmal› mit sich selbst entzweit ist, wird ‹nach und nach› verwüstet, und Haus gegen Haus fällt. 18 Wenn auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie wird sein Königreich bestehen?– weil ihr sagt, ich treibe durch Be-elzebul die Dämonen aus. 19 Wenn ich aber durch Be-elzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne aus? Deswegen werden sie eure Richter sein. 20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Königreich Gottes zu euch gekommen. 21 Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, ist seine Habe in Frieden. 22 Sobald aber der, der stärker ist als er, über ihn kommt und ihn besiegt, nimmt er seine ganze Rüstung weg, auf die er sich verlassen hatte, und verteilt seine Beutestücke.Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, ist seine Habe in Frieden. 22 Sobald aber der, der stärker ist als er, über ihn kommt und ihn besiegt, nimmt er seine ganze Rüstung weg, auf die er sich verlassen hatte, und verteilt seine Beutestücke.“

Jesus Christus hat den Starken gebunden, zuerst durch sein irdisches Wirken zusammen mit den Jüngern, denen er Vollmacht gab. Das Entscheidende geschah aber durch sein Leiden und Sterben am Kreuz:

Joh 12,31.32: „Nun ist Gericht dieser Welt. Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. 32 Und ich, wenn ich von der Erde erhöht worden bin, werde alle herziehen zu mir selbst.“

Das „Nun“ in Joh 12,31 bezieht sich auf das Kreuz Jesu Christi. Durch die Kraft des Kreuzes und der Auferstehung Christi wurde der entscheidende Vernichtungsschlag gegen den Satan vollzogen.

Der Satan wurde gebunden – was seine Irreführung der Juden betrifft.

Er wurde im Triumphzug als Besiegter umhergeführt (Kol 2), die Macht wurde ihm genommen. Seine Macht bestand darin, dass er die Macht über den Tod hatte, bzw. durch den Tod wirkte. Er versetzte die Menschen, speziell die Glieder des Gottesvolkes, die Juden, in Furcht vor dem Tod (Hebr 2).

Kol 2,13-15: „Auch euch, die ihr tot wart in den Übertretungen und der Unbeschnittenheit eures Fleisches, brachte er zum Leben zusammen mit ihm; er vergab uns ‹nämlich› ‹gnädiglich› alle Übertretungen; 14 das gegen uns [lautende] Schreiben ‹mit seinen› Bestimmungen, das uns entgegenstand, hatte er ‹nämlich› ausgelöscht, und er hat es aus der Mitte weggenommen, da er es ans Kreuz nagelte; 15 den Erstrangigen und Autoritäten hatte er ‹seinetwegen› ‹alles› abgenommen, [und er hatte sie] ausgezogen [und] stellte [sie] in Freimut ‹öffentlich› zur Schau; an ihm hatte er ‹über› sie triumphiert.“

Heb 2,14.15: „Da also ‘die Kinder’ Fleisches und Blutes teilhaftig geworden sind, nahm auch er in gleicher ‹und uns nahekommender› Weise an denselben teil, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, das heißt, den Teufel, 15 und alle die losmachte, so viele ‹in› Todesfurcht das ganze Leben hindurch einer Sklaverei verfallen waren; …“

1Jh 3,8M: „Hierzu wurde der Sohn Gottes geoffenbart, damit er die Werke des Teufels auflöse.“

Vom Binden des „Starken“ sprach der Herr Jesus Christus auch in Mt 12,26-29: „Und wenn der Satan den Satan austreibt, wurde er gegen sich selbst entzweit. Wie wird also sein Königreich bestehen? 27 Und wenn ich die Dämonen durch Be-elzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein! 28 Aber wenn ich durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Königreich Gottes zu euch gekommen. 29 Oder wie kann jemand in das Haus des Starken hineingehen und seine Geräte rauben, wenn er nicht zuvor den Starken gebunden hat? Dann wird er sein Haus berauben.“

Der Satan konnte somit die Völker (d. h.: die Juden unter den Völkern, die Juden in aller Welt) nicht mehr in Bezug auf das Königreich Gottes in die Irre führen durch seine Dämonen plagen und „dämonisieren“ (griech. daimonidsesthai).

Während der Zeit der Verkündigung des Evangeliums ab 30 n. Chr. war der Satan zwar weiterhin „der Gott dieses Äons (o.: dieser Weltzeit)“, der die Gedanken der Ungläubigen „verblendet“, „sodass ihnen nicht aufleuchtet das helle Licht der guten Botschaft von der Herrlichkeit Christi“ (2Kor 4,4); dennoch konnte der Satan die große Verbreitung des Evangeliums unter den Juden nicht aufhalten. Zu Tausenden (Apg 21,20) kamen sie zu Christus.

Paulus verkündet das Evangelium, „um zu öffnen ihre Augen“ (Apg 26,18; gemeint sind Israels Augen), „… dass sie umkehren von der Finsternis zum Licht und aus der Obrigkeit des Satans zu Gott“.

Es war offensichtlich, dass der Satan die Verkündigung des Evangeliums unter den Juden (Mt 24,14) nicht mehr verhindern konnte. Der Geist der Wahrheit überführte die Welt (d. h.: die jüdische Welt; vgl. den Zusammenhang) von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht (Joh 16,7–11). „Ich sage euch jedoch die Wahrheit: Es ist euch förderlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Fürsprecher nicht zu euch. Aber wenn ich weggegangen bin, werde ich ihn zu euch schicken. 8 Und jener, wenn er gekommen ist, wird die Welt zurechtweisen in Bezug auf Sünde und in Bezug auf Gerechtigkeit und in Bezug auf Gericht; 9 in Bezug auf Sünde, da sie nicht an mich glauben; 10 in Bezug auf Gerechtigkeit, da ich zu meinem Vater hingehe (und ihr schaut mich nicht mehr); 11 in Bezug auf Gericht, da der Fürst dieser Welt gerichtet worden ist.“

Paulus konnte an die Kolosser (unter denen es viele Menschen jüdischer Herkunft gab, wie auch in Ephesus) schreiben (Kol 1,12.13): „…[und] dankt dem Vater, der uns tauglich machte für das, ‹was unser› Teil ‹sein wird›, das Erblos der Heiligen im Licht, 13 der uns befreite aus der Obrigkeit der Finsternis und uns versetzte in das Königreich des Sohnes seiner Liebe“.

Jakobus (der an Menschen jüdischer Herkunft schrieb) wusste, dass, wenn die Heiligen sich Gott unterwerfen und dem Teufel widerstehen, er von ihnen fliehen werde (Jak 4,7): „Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel, und er wird von euch fliehen.“

Johannes konnte den Heiligen schreiben (1Joh 4,4): „… der, der in euch ist, ist größer ist als der, der in der Welt ist.“

und (5,18): „Wir wissen, … der, der aus Gott geboren wurde, bewahrt sich selbst, und der Böse tastet ihn nicht an.“

E. Das Regieren der Heiligen mit Christus – und das Gericht über den Teufel: 20,4–10

In den V. 4–10 sieht Johannes zwei Szenen:

. Die Seelen, die mit Christus „tausend Jahre“ als Könige regieren (V. 4–6)

. Einen Aufstand, der in das endgültige Gericht über den Satan mündet (V. 7–10)

Der Abschnitt über das Regieren der Heiligen ist knapp gehalten.

Es handelt sich um ein Bild.

1. Die Regierenden: 20,4–6

V. 4: „Und ich sah Throne – und sie saßen auf ihnen, und Gericht wurde ihnen gegeben – und die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren, und die, die nicht dem Tier noch seinem Bild gehuldigt hatten und nicht das Malzeichen auf ihre Stirn empfangen hatten oder auf ihre Hand. Und sie lebten und herrschten ‹als Könige› mit dem Christus tausend Jahre.“

V. 5: „Aber die übrigen Toten lebten nicht wieder, bis die tausend Jahre beendet waren.

Diese ist die erste Auferstehung.

V. 6: „Ein Seliger und ein Heiliger [ist] der, der Teil hat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Vollmacht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein, und sie werden ‹als Könige› herrschen mit ihm tausend Jahre.“

Wie in 20,1–3 wird auch hier an K. 12 angeknüpft:

. Johannes berichtet zuerst, dass er Throne sah. Darauf nahmen Wesen (eigtl.: Seelen) Platz.

. Dann wird die Funktion der Wesen/Seelen genannt, die auf diesen Thronen Platz nahmen: „Gericht wurde ihnen gegeben“.

. Johannes sieht nicht nur Throne, er sieht „die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden waren und die, die nicht dem Tier noch seinem Bild gehuldigt hatten und nicht das Malzeichen auf ihre Stirn empfangen hatten oder auf ihre Hand.“

. Daraufhin erfahren wir, dass jene Seelen leben und mit dem Christus regieren.“

a. Ihre Throne: 20,4A

V. 4A: „Und ich sah Throne – und sie saßen auf ihnen,…“

Throne – und das Sitzen gewisser „Seelen“ auf den Thronen, beides spricht von Regierung. Die Seelen regieren mit Christus (V. 6).

Anstatt „und sie saßen auf ihnen“ könnte man auch übersetzen: „und man saß auf ihnen“.

Wer die sind, die regieren, wird vorerst nicht gesagt. Hier soll lediglich die Tatsache betont werden, dass diese Wesen/Seelen auf Thronen sitzen, also regieren. Das griech. Wort basileuein hängt mit der Wortfamilie basileus (König) und basileia (Königreich) zusammen: Sie herrschen als Könige zusammen mit dem König Jesus. Sie regieren mit Christus im Himmel – wie die zwölf Apostel, vgl. Mt 19,28: „Wahrlich! Ich sage euch: In der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzt, werdet ihr, die ihr mir folgtet, euch auch setzen auf zwölf Throne und die zwölf Stämme Israels richten.“ (Anm.: Möglicherweise ist mit der „Wiedergeburt“ die Geburt des Königreiches – und damit des neuen Volkes Gottes – gemeint.)

b. Ihre Funktion: 20,4M

„V. 4M: „… und Gericht wurde ihnen gegeben“–

„Gericht“ bedeutet „Befugnis (o.: Handlungsgewalt) zum Richten“. Diese Seelen fungieren als Richter-Könige. „Richten“ wird im weiteren Sinne des Wortes gebraucht und schließt „Recht schaffen“ und „rechtsprechen“ mit ein.

Vgl. 2Mo 2,14 („Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns gesetzt?“); 1Sam 8,20 („… dass unser König uns richte“); 2Sam 15,4 („Wer mich doch zum Richter setzte im Lande, dass jedermann zu mir käme!“); 1Kor 6,2.3 („Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? … 3 Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden?“). Vgl. auch den Gebrauch des Wortes im Buch der Richter.

Vgl. Dan 7,22: „… bis der Hochbetagte kam, und Recht verschafft wurde (o.: und Gericht ‹und Recht› gegeben wurde) den Heiligen des Höchsten, und die Zeit brach an und die Heiligen nahmen das Königreich in Besitz.“

Der Begriff „Richter“ kann im AT auch im Sinne von „König“ verwendet werden. Vgl. Ps 2,10; 148,11.

Das Mitrichten mit Christus schließt auch den abschließenden Gerichtsakt anlässlich der Parusie des Richters auf dem weißen Pferde, den Johannes gerade eben in einem Gesicht sah (Off 19,14.15; vgl. 2,26.27), mit ein.

Der Teilsatz in V. 4 „und Gericht wurde ihnen gegeben“ scheint ein Zwischensatz zu sein. Der Hauptsatz ohne den Zwischensatz lautet: „Und ich sah Throne […] und die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet waren, und die, die nicht dem Tier noch seinem Bild gehuldigt hatten und nicht das Malzeichen auf ihre Stirn empfangen hatten oder auf ihre Hand.“

c. Ihre Identifizierung: 20,4M

„Und ich sah Throne […] und die Seelen …“:

Johannes sah nicht nur Throne, er sah auch Seelen. V. 4 greift 6,9–11 auf. Dort hatte er am Fuße des Altars „die Seelen“ derer gesehen, „die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie hatten“ (6,9). In 6,11 war den Märtyrern gesagt worden, „dass sie noch eine kurze Zeit ruhen sollten“, bis auch ihre „leibeigenen Mitknechte und ihre Brüder vollzählig würden, die im Begriff sind, getötet zu werden eben wie sie.“

In 20,4 sind nun sieht Johannes die Märtyrer auf Thronen. Sie haben treu für Christus gezeugt und am Wort Gottes festgehalten.

„Seelen“:

Der Begriff „Seele“ (griech. psüchee) wird in der Off verschiedentlich gebraucht:

einerseits im Sinne von „Lebewesen, lebende Kreatur“, vgl. 8,9 („Und es starb ein Drittel der Geschöpfe, die im Meer waren, die Seelen hatten.“), 16,3 („und jede lebende Seele im Meer starb“),

zweitens i. S. v. „Menschenleben“, vgl. 18,13 (Babylon handelte mit „Menschenseelen“);

drittens ganz allgemein i. S. v. „Leben“, vgl. 12,11 („und sie liebten nicht ihre Seele“).

viertens i. S. v. „Person“ oder im Sinne eines Personalpronomens oder im Sinne von „innerer Mensch“ im Allgemeinen, vgl. 18,14 („die Lust deiner Seele“);

[Anm.: Manche Ausleger argumentieren, Johannes gebrauche in seinem Evangelium und in seinen Briefen das Wort psüchee nie i. S. v. „Personen“ (wie Apg 2,41; 7,14; 27,37; Rm 13,1; 1Petr 3,20; 1Mo 46,26.27; 5Mo 10,22). Aber die Grenzen zwischen dem Gebrauch des Wortes psüchee als Personalpronomen und dem Gebrauch i. S. v. „Person“ sind nicht eindeutig. Vgl. Joh 10,24: „Bis wann hältst du unsere Seele hin?“ und Mt 12,18: „… an dem meine Seele Wohlgefallen fand“.]

und schließlich, fünftens, i. S. v. „(noch nicht auferstandene) Geister“, vgl. 6,9: „ich sah am Fuße des Altars die Seelen derer, die hingeschlachtet worden waren“).

In 20,4 wie in 6,9 ist das Wort „Seelen“ wahrscheinlich i. S. v. „Geister“ (Menschen ohne Leiber) gebraucht; sie haben noch keine neuen Leiber.

Johannes sah die Märtyrer in der Off des Öfteren als in weiße Kleider gekleidet:

3,4.5: „Du hast auch in Sardeis [einige] wenige Namen, die ihre Kleider nicht befleckten, und sie werden mit mir wandeln in Weiß, weil sie würdig sind. 5 Der, der überwindet, der wird mit weißen Kleidern umkleidet werden, …“

6,11: „Und es wurden [allen], jedem [Einzelnen], weiße Gewänder gegeben.“

7,9.13.14: „Nach diesem sah ich und– siehe!– eine zahlreiche Menge, sie, die nicht einer zählen konnte, aus jedem Volk und [allen] Stämmen, Volksscharen und Sprachen; sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, umkleidet mit weißen, langen Gewändern und [mit] Palmen in ihren Händen, … 13 Und es antwortete einer der Ältesten: ‘Diese, die mit den langen, weißen Gewändern umkleidet sind,“ sagte er zu mir,„wer sind sie, und woher kamen sie?’ 14 Und ich sagte zu ihm: ‘Herr, du weißt es.’ Und er sagte zu mir: ‘Diese sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie wuschen ihre Gewänder, und sie machten ihre Gewänder weiß durch das Blut des Lammes.’“

19,14: „Und ihm folgten auf weißen Pferden die Heere im Himmel, bekleidet mit weißem und reinem Byssusstoff.“

V. 4A: „Und ich sah Throne […] und die Seelen derer, die […] enthauptet worden waren …“

„enthauptet“ bedeutet eigtl. „gebeilt“, d. h., auf dem Schafott mit dem Fallbeil hingerichtet.

In 6,9 hieß es „geschlachtet“: „Und als er das fünfte Siegel öffnete, sah ich am Fuß des Altars die Seelen derer, die hingeschlachtet worden waren …“. Dort sah Johannes das Bild vom Brandopferaltar, wo man die Opfertiere „schlachtete“; ebenso waren jener Märtyrer „hingeschlachtet“ worden. Sie gaben ihre Seelen und ihre Leiber hin ein Ganzopfer für Gott.

Wenn hier von „enthauptet“ die Rede ist, heißt das nicht, dass es niemanden unter den Märtyrern gibt, der auf eine andere Weise (z. B. durch Ertr