Thomas Jettel, 2026
Frage: Ist die Erbsünde noch in den Christen?
Antwort: Das Wort „Erbsünde“ kommt nicht in der Bibel vor. Man muss den Begriff also klar definieren.
Die „Sünde“ ist eine Kraft, eine Macht. Sie wird an verschiedenen Stellen in der heiligen Schrift personifiziert, zum Beispiel in Römer 6 und 7.
Joh 1,29: Siehe, das Lamm Gottes, dass die Sünde der Welt wegnimmt (oder hochhebt oder trägt)
Was ist damit gemeint?
Die „Sünde“ der Welt ist hier ein Kollektivbegriff für die „Sünden“. (Es könnte auch die Sünde als Macht gemeint sein, was hier aber eher unwahrscheinlich ist.)
Jesus Christus kam, um die Macht der Sünde zu brechen. Das gilt aber nur für diejenigen, die in der Kraft des Heiligen Geistes leben (Röm 8,1-13).
Heb 9,26: Christus ist EINMAL offenbar geworden – zur Aufhebung (d. h.: Außerkraftsetzung, Beiseitesetzung) der Sünde durch sein Opfer.
Frage: Wie hat Jesus Christus durch sein Opfer die Sünde aufgehoben (o.: außer Kraft gesetzt)?
Antwort: Indem er die Sühnung geworden ist für unsere Sünden.
Die Sünde hatte Macht über den Menschen, weil sie den Menschen versklavte. Die Kraft der Sünde war das Gesetz.
Jesus Christus hat uns mit in den Tod genommen. Wir sind nun der Sünde gestorben (Röm 7,1-6) und wir sind dem Gesetz gestorben (Gal 2,19). Daher hat die Sünde keine Macht mehr über die Heiligen. Die Macht der Sünde (als Kraftgesetz) ist gebrochen.
Das bedeutet aber nicht, dass Christen nicht mehr sündigen können.
Röm 8,12.13: So sind wir also, Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, um nach dem Fleisch zu leben, denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, steht ihr im Begriff zu sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, werdet ihr leben.
Gal 5,16.17.18.25: Wandelt durch [den] Geist ‹o.: kraft [des] Geistes; [im] Geist›, und ihr werdet nicht [die]Lust [des] Fleisches vollführen. 17 Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und den Geist gegen das Fleisch; diese widerstreben einander, dass ihr nicht das tut, was irgend ihr wollt. 18 Wenn ihr aber durch [den] Geist ‹o.: kraft [des] Geistes; mittels [des] Geistes› geführt werdet, seid ihr nicht unter Gesetz. … 25 Wenn wir durch [den] Geist ‹o.: kraft [des] Geistes› leben, wollen wir auch durch [den] Geist ‹o.: kraft [des] Geistes› uns ausrichten.
Es gibt keine Erbschuld. Schuld kann nicht vererbt werden. Wer Sünde tut, macht sich schuldig.
Gott vergibt, wenn wir uns demütigen, umkehren und ihm unsere Sünden bekennen. 1Joh 1,9
Frage: Was aber ist mit Erbsünde gemeint?
Antwort: Der Begriff kommt in der Bibel nicht vor.
Was nun haben wir von Adam geerbt?
Antwort: Unsere Ausgangslage. Wir sind außerhalb des Gartens Eden. Und das bringt eine gewisse Entfremdung von Gott mit sich. Wir sind „entfremdet dem Leben Gottes“ (Eph 4,18).
Wir stellen fest, dass in uns, in unserem Fleisch, Gutes nicht wohnt (Röm 7,18).
Paulus stellt fest, dass die Sünde in ihm wohnt (Röm 7,17.20: „die in mir wohnende Sünde“).
1Joh 1,8: Wenn wir sagen, wir haben nicht Sünde, leiten wir uns selbst in die Ehre, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wir stellen fest, dass auch Gläubige Eltern ihre Kinder erziehen müssen, denn sie sündigen. Wir stellen auch bei uns selbst fest, dass wir einer Neigung zur Sünde erliegen. Zum Beispiel werden wir zornig oder ungeduldig und bleiben nicht sanftmütig, obwohl wir wissen, dass wir christusähnlich handeln sollten.
Diese Tatsache zeigt uns, dass wir in uns nicht göttlich sind und nicht sündlos. Nur Christus ist sündlos. Wir sind nicht Christus, aber Christus wohnt in uns, und gerade hierin liegt die Lösung: Christus in uns.
Fazit
Wir haben von Adam eine schlechte Ausgangsposition geerbt. Und gerade deshalb sündigen wir, auch dann, wenn wir bereits Christen geworden sind, stellen wir immer noch eine Neigung zur Sünde fest.
Wir nennen das nicht „Erbsünde“, sondern „Sünde“.
Wir müssen aber nicht mehr sündigen.
Man kann also die Frage so beantworten: Sünde ist noch in uns, in unserem Fleisch, wir sind aber nicht schuldig, nach dem Fleisch zu leben (Röm 8,12).